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Volume Nr. 34

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Issue 1931 (Public Domain)

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Obergeschoß eine vorläufige Wohnung für den Institutvorsteher 
untergebracht. Letztere sowie das noch nicht ausgebaute vierte 
Obergeschoß bieten genügend Möglichkeit für eine später etwa 
notwendig werdende Erweiterung des ringsrum eingebauten 
Instituts. Für das Elektrotechnische Institut, das seine verfüg 
baren Räume einschließlich des vierten Obergeschosses bereits 
restlos in Benutzung genommen hat, ist eine spätereErweiterung 
insbesondere für die Einrichtung eines elektrotechnischen 
Prüffeldes hinter der Turnhalle her nach der südwestlichen 
Eckbaustelle an der Turmstraße vorgesehen. 
Von den genannten Räumen verdienen die große Maschi 
nenhalle und der Hochspannungsraura des Elektrotechnischen 
Instituts noch besonderer Erwähnung. In der Maschinenhalle 
von 400 qm Fläche und 8 ml. Höhe mit hohem Seitenlicht und 
elektrisch betriebenem Laufkran von 5000 kg Tragkraft sind 
die Maschinensätze in zwei Langreihen übersichtlich angeordnet. 
Die Hauptschalttafeln sind an einer Stirnwand beiderseits des 
Eingangstores, die Verteilertafeln paneelartig an einer Längs 
wand angeordnet. Die Verteilung ist nach dem Kreuzschienen- 
system so ausgeführt, daß sämtliche vorhandenen Stromarten 
auf jeden Arbeitsplatz in den verschiedenen Stockwerken ge 
schaltet werden können. Der Hochspannungsraum von 10 m 
1. Höhe enthält zwei Transformatoren von je 500 000 Volt, 
so daß zwischen den Sammelschienen Spannungen bis zu einer 
Million Volt erzielt werden können. 
Der Neubau hat bei einem Rauminhalt von 37 000 cbm 
1 173 000 RM Baukosten verursacht, d. i. 30,70 RM je cbm 
umbauten Raumes. Die bauliche innere Einrichtung erforderte 
316 000 RM, die maschinelle und apparative Einrichtung 
1 320 000 RM, also weit mehr als die Herstellung des Bauwerks. 
Gleichzeitig mit dem Neubau wurde der bereits oben er 
wähnte Um- und Erweiterungsbau des mit ihm räumlich 
zusammengewachsenen Aerodynamischen Laboratoriums 
(s. Grundriß) ausgeführt. Er diente u. a. zur Schaffung einer 
geräumigen teilweise zweigeschossigen Versuchshalle, in der 
auch kleinere Flugzeuge gebaut werden können, mit großen 
Wind- und Wasserdruckkesseln, eines Wasserturms mit aufge 
bautem Windmotor und einer 28 m langen, 1,50 m breiten 
Wasserrinne (Schleppkanal) im Untergeschoß für hydro 
dynamische Versuche, eines Hörsaals und Zeichensaals sowie 
verschiedener Werkstätten und weiterer Forschungsräume. 
Die Baukosten betrugen 200 000 RM, die Kosten für die Er 
gänzung der inneren Einrichtung 19 000 RM, diejenigen für die 
apparative Neueinrichtung 162 000 RM. Hierzu kommen die 
Kosten für die umfangreichen Außenanlagen aller drei Institute 
mit zusammen 62 000 RM. 
1927—29 wurde die umfangreiche fast einem Neubau 
gleichkommende Erweiterung des Maschinenlaboratoriums und 
der damit verbundenen Heizungs- und Kraftzentrale (Lagepl. 
Zfr. 4) ausgeführt, die bereits im Jahrgang 1930 dieser Zeit 
schrift S. 25 näher besprochen ist. Diese Bauausführung be 
seitigte einen großen Teil der im rückwärtigen alten Hoch 
schulgelände bestehenden systemlosen Anhäufung von Behelfs 
bauten und ersetzte sie durch eine einheitliche Baugruppe, die 
vor allem durch den mächtigen Turm der neuen Kohlenstaub 
aufbereitungsanlage beherrscht wird. 
Das 1928/29 errichtete Feuerungstechnische Laboratorium 
(Lagepl. Zfr. 17) war ursprünglich in ganz unzulänglichen 
Räumen der Heizungszentrale untergebracht. Als diese infolge 
der Einführung der Fernheizung für alle Hochschulgebäude 
erheblich erweitert werden mußte, ließen sowohl die Beengtheit 
der Baustelle als auch die mancherlei Unzuträglichkeiten der 
bisherigen gegenseitigenAbhängigkeitder Institute es wünschens 
wert erscheinen, das Feuerungstechnische Institut in einem 
eigenen Gebäude unterzubringen. Das Laboratorium hat die 
Aufgabe, Hausbrand- und Badeöfen sowie Zentralheizungs 
kessel für Kohlen- und Gasfeuerung in wärmetechnischer und 
wirtschaftlicher Beziehung zu untersuchen sowie Forschungen 
über die Eignung und Ausnutzung des verschiedenen Heiz 
materials, vollkommene Verbrennung der Abgase usw. anzu 
stellen. Der Neubau enthält dementsprechend zwei Versuchs 
hallen mit zahlreichen Rauchrohren verschiedenen Querschnitts 
sowie einige Arbeitsräume für den Institutvorsteher undAssisten- 
ten, ein chemisches Laboratorium, eine Werkstatt und Materia 
lienräume. Die Bausumme beläuft sich bei rd. 2000 cbm um 
bauten Raumes auf 53 000 RM, d. i. 26,50 RM je cbm. Die 
innere Einrichtung erforderte 4000 RM. 
Gleichzeitig mit den vorgenannten Neubauten wurde ein 
seit Gründung des Eisenhüttenmännischen Instituts zu dessen 
Ergänzung geplantes Laboratorium für Gesteinshüttenkunde ge 
schaffen. Dank der tatkräftigen finanziellen Unterstützung der 
Industrie konnte diese neue Lehr- und Forschungsanstalt in 
einem in der Nähe der Hochschule angekauften alten Patrizier 
haus eingerichtet werden. 
Die ausführliche Entwurfsbearbeitung und selbständige 
Bauleitung des Elektrotechnisch-Physikalischen Instituts lag 
in den Händen des kurz vor der Fertigstellung verstorbenen 
Regierungsbaumeisters Schneggenburger; auch sein Nach 
folger Regierungsbaurat Krumrey starb noch vor Abschluß 
der Rechnungslegung. Die Aufstellung des Entwurfs und die 
Bauleitung des Feuerangstechnischen Laboratoriums besorgte 
Regierungsbaumeister Knoch. 
ANWEISUNG DER DEUTSCHEN REICHSBAHN 
FÜR ABDICHTUNG VON INGENIEURBAUWERKEN (AIB). 
Erläuterung von Reichsbahnrat Vogeler, Berlin. 
Die Abdichtung von Bauwerken aller Art gegen Nieder 
schlagwasser, Grundwasser, offene Wasser, im besonderen aber 
gegen Wasser und gegen Gase, die schädliche Bestandteile, wie 
Säuren und Salze, enthalten, von denen die Werkstoffe der 
Bauten angegriffen werden, gehörte zu allen Zeiten zu den 
schwierigsten Aufgaben des Ingenieurs. Die Schwierigkeit ist 
darin begründet, daß die allermeisten Baustoffe dem Ein- und 
Durchdringen und der zerstörenden Wirkung von Flüssigkeiten 
und Gasen an sich nicht widerstehen und daß es an wirklich 
wasserundurchlässigen und in diesem Sinne auch dauer 
haften Hilfsstoffen zur Abdichtung der Bauwerke nur eine sehr 
beschränkte Zahl gibt. Aber auch diese Dichtungsmittel 
können nur bei sorgfältigster Anwendung eine Gewähr bieten, 
daß mit ihrer Hilfe die Lebensdauer eines Bauwerks auf ein 
Höchstmaß gebracht wird. 
Von größter Bedeutung ist eine langandauemde Wirkung 
der Abdichtung eines Bauwerks insbesondere dann, wenn 
die Dichtung Bauteile schützen soll, an denen nur unter 
besonders hohem Kostenaufwand Erneuerungen vorgenommen 
werden können. Das sind im wesentlichen alle Bauwerkfunda 
mente und solche Bauteile, über die Verkehrswege hinweggehen, 
d. h. alle Fahrbahnen massiver und eiserner Brücken, im be 
sonderen diejenigen der Eisenbahnbrücken. 
Zur Klärung der wichtigen Frage der Bauwerkabdichtung 
hat die Deutsche Reichsbahn nach dem Vorbild ähnlicher 
Lehrhefte 1 ) im Juli d. J. für ihre gesamten Baubeamten die 
,, Vorläufige Anweisung für Abdichtung von Ingenieurbauwerken“ 
*) Vgl. z. B. „Anweisung für Mörtel und Beton“ (AMB), Berlin 1028 u. 1029, WUh. 
Ernst u. Sohn (s. such Zentralblatt der Bauverwattung 1928, Nr. 43, S, 603), 
(AIB) 2 ) eingeführt, die mit Ausnahme von Dächern, Hallen 
und Behältern die Bauteile sämtlicher Eisenbahn-Ingenieur 
bauwerke behandelt. Die Anweisung soll in möglichster Kürze 
Entwerfende und Bauleiter über die Abdichtungsarten und 
ihre Anwendung sowie über die Abdichtungsstoffe und deren 
Prüfung unterrichten. 
Das Werk ist dazu wie folgt gegliedert: 
Teil I: Abdichtungsarten, 
Teil II : Anwendung der Abdichtungsarten, 
Teil III: Prüfung der Abdichtungsstoffe. 
Im ersten Teil werden sechs Abdichtungsarten und die 
dafür notwendigen Werkstoffe behandelt: Dichtungsauf 
striche, Dichtungsbahnen, Oberflächentränkungen, Klinkerum 
kleidungen, Putz und Vorsatzbeton und das Herstellen an sich 
dichter Baukörper. 
Für die Dichtungsaufstriche (§ 1), die vornehmlich an 
steilen Flächen und außerhalb des Grundwassers in Frage 
kommen, ist als Grundstoff nur reines Bitumen aus Natur 
asphalt und Erdölasphalt zugelassen. Als Zusätze kommen 
lediglich organische Lösungsmittel bzw. nicht quellbare, säure 
unempfindliche Steinmehle in Betracht. Teererzeugnisse oder 
Gemische aus Teer und Bitumen sind b. a. w. nicht gestattet. 
Zur Ablehnung des Teeres hat im besonderen der Umstand 
Anlaß gegeben, daß bei Eisenbahnbauten die abzudichtenden 
Bauteile im wesentlichen der Luft ausgesetzt sind, wie Fahr 
bahnen, Widerlagerrücken und dgl. An der Luft werden aber 
*) Amtliche Ausgabe vom 15. Juli 1931. Berlin. Wllb. Errat u. Sohn, Preis steif 
geheftet 3,60 RM.
	        
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