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Volume Nr. 34

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Issue 1931 (Public Domain)

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Maschinenhalle des Elektrotechnischen Instituts. 
bereits 1908 behelfsmäßig eingerichtete Versuchsanstalt be 
zweckt die wissenschaftliche Erforschung der Vorgänge bei der 
Stahl- und sonstigen Metallbearbeitung, die Prüfung der Lei 
stungen der Werkzeugstählc, die Untersuchung der Schleif 
und Schweiß Vorgänge sowie die Beobachtung über die Genauig 
keit der Ausführung fertiger Werkzeugmaschinen. Der Neubau 
ist ein auf quadratischem Grundriß erstellter drei sch iffiger 
Basilikalbau mit großer Mittelhalle zur Aufstellung der Ma 
schinen und niedrigen teilweise unterkellerten Seitenhallen, 
welche die Arbeitsräume für Institutvorsteher, Assistenten und 
Doktoranden sowie eine Schreiner- und Schlosserwerkstatt 
mit Schmiede, Schweißerei und Härterei enthalten. Eine Er 
weiterung ist in der Längsachse nach beiden Seiten möglich. 
Sämtliche genannten Laboratorien zeigen im Gegensatz zu den 
voraufgegangenen Monumentalbauten der ersten Periode 
bereits das Bestreben, die Zweckbestimmung mit einfachen 
Mitteln ohne überflüssige architektonische Zutaten klar zum 
Ausdruck zu bringen. 
1926—29 folgte der kombinierte Neubau eines Physika 
lischen und Elektrotechnischen Instituts (Lagepl. Zfr. 16) in 
zufälliger, durch die Lage bedingter baulicher Verbindung mit 
der Erweiterung des Aerodynamischen Laboratoriums, das im 
übrigen räumlich und betrieblich vollkommen von diesen 
Instituten getrennt ist. Die besonderen Schwierigkeiten dieses 
Neubaues lagen nicht nur in der Vereinigung der drei in ihren 
räumlichen und technischen Bedürfnissen ganz verschieden 
artigen Institute unter einem Dach, sondern auch in der äußerst 
unregelmäßigen Gestaltung der über alle drei Geländestufen 
sich erstreckenden Baustelle, so daß der Neubau sowohl den 
Höhenunterschied von 7 m als auch die Abweichung der Haupt 
achse von 30° zwischen dem alten und neuen Hochschul 
gelände zu vermitteln hatte. Hierzu kam die Forderung der 
tunlichsten Anpassung des Neubaues in seiner äußeren Form 
gebung an die ganz verschiedenartig gestalteten Nachbar 
bauten, die vom alten Hauptgebäude mit seiner monumentalen 
Werksteinfassade in italienischer Renaissance über den Back 
steinrohbau des alten Chemischen Instituts bis zur Turnhalle 
in schlichtem Putzbau fast alle Stilwandlungen der letzten 
60 Jahre widerspiegeln. Schon aus Sparsamkeitsgründen kam 
für die neuen Institute nur ein Putz bau in Frage, und zwar 
mit flachen Dächern, die auch für Lehr- und Versuchszwecke 
nutzbar gemacht werden konnten. Maßgebend für diese Ent 
scheidung war ferner der Umstand, daß der Neubau in erster 
Linie von der oberen Turmstraße aus zusammen mit den den 
Sportplatz umgebenden Putzbauten in die Erscheinung tritt. 
Das Bauprogramm für das Physikalische und Elektrotech 
nische Institut hatte selbstverständlich den neuesten Fort 
schritten dieser Wissenschaften weitgehendst Rechnung zu 
tragen. Daneben sollte auch noch eine gewisse Erweiterungs 
fähigkeit der Institute, soweit deren Entwicklung etwa 
vorauszusehen ist, gewahrt bleiben. Die Physik war seit 
Beginn der Hochschule in ganz unzulänglich gewordenen 
Räumen des alten Hauptgebäudes, die Elektrotechnik bisher 
ebenso unzureichend im Bergbaugebäude untergebracht. Auch 
im Neubau sind diese beiden Institute trotz ihrer Vereinigung 
unter einem Dach räumlich vollständig von einander getrennt, 
haben aber zur tunlichsten Verringerung der Bau- und In 
stallationskosten einige gemeinsam benutzte Räume erhalten, 
wie die Haupteingangshalle im Erdgeschoß und den großen 
Hörsaal im dritten Obergeschoß mit seinen Zugängen, Kleider 
ablagen usw. Die Schwierigkeiten der gemeinsamen Benutzung 
dieses Hörsaals durch zwei selbständige Institute, die beide 
zu den Experimentalvorträgen erhebliche apparative Vorbe 
reitungen verlangen, sind dadurch etwas behoben, daß das 
eine Institut auf die drei ersten, das andere auf die drei letzten 
Wochentage in der Benutzung beschränkt worden ist. 
Der große Hörsaal mit 336 Sitzplätzen in ansteigenden 
Reihen erhält seine Tagesbelichtung durch ein großes, mit 
Verdunkelungsvorrichtung versehenes Deckenoberlicht. Der 
Experimentiertisch befindet sich unmittelbar über dem Hoch 
spannungsraum, so daß ihm Hochspannung ohne Schwierig 
keit zugeführt werden kann. Die Schalttafeln für Licht- und 
Experimentierleitungen sowie die große elektrisch betriebene 
dreiteilige Wandtafel mit -dahinter befindlicher Projektions 
wand sind in die Wandtäfelung eingebaut. An den zentral 
gelegenen großen Hörsaal schließen sich beiderseits die Haupt 
treppenhäuser, die Vorbereitungs- und Sammlungsräume sowie 
an letztere die kleinen Hörsäle beider Institute an. 
Außer den genannten Räumen enthalten die Institute je 
eine Maschinen- und eine Hochspannungshalle, die erforder 
lichen Arbeitsräume für Institutvorsteher, Dozenten, Assisten 
ten und Doktoranden, die Anfängerpraktika, Laboratorien 
verschiedenster Art für Fortgeschrittene, Bücherräume, Dun 
kelkammern, umfangreiche Werkstätten, Akkumulatoren und 
Waschräume. Im Physikalischen Institut sind außerdem im 
Untergeschoß eine Wohnung für den Hausmeister, im dritten
	        
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