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Volume Nr. 30

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Issue 1931 (Public Domain)

449 
Knoten- und Stabdrekwinkel Fall 3c. 
Verhältniszahlen 
1 1 
v Ah 
VfiC 
Bemerkung 
1. Rechnung 
ohne Vouten .... 
1 
0,667 
1,111 
1,080 
1,444 
1,380 
0,0777 
1,295 
fPruzentualer 
Unterschied 
zwischen (2) 
und (4). 
2. Rechnung 
mit Vouten, ... 
0,060 
1 
0,270 
0,593 
3. Messung 
am flachen Modell 
0,042 
0,700 
0,150 
0,558 
0,0613 
1,020 
4. Messung 
atu hohen Modell . 
0,295 *) 
1,090 
0,370 
1,370 
r 
— 
— 597» 
+ 0,9 7« 
— 0,7 7» 
•) Verbesserter Wert von WaB (anstatt 0,446). 
Knoten- und Stabdrekwinkel Fall 4. 
Verhältniszahlen 
&B 
Vü 
VAlt 
VfjO 
VCD 
Bemerkung 
1. Rechnung 
ohne Vouten. 
1,070 
0,648 
0,589 
1,075 
1.615 
1,438 
VA - 0 
f prozen 
tualer 
Unterschied 
zwischen (2) 
und (3). 
2. Rechnung 
mit Vouten. . 
1,045 
0,290 
1,355 
1,055 
0,232*) 
1,080 
1.579 
0,376*) 
1.745 
1,371 
3. Messung am 
hohen Modell 
0,215 
0,137 
0,637 
0,337 
1,565 
t 
— 
+29,67. 
+ 8,17« 
+ 2,47. 
+ 10,57. 
+14,17. 
•) Verbesserte Werte von und v#o ( ftUsfca tt 0,405 und 0,418). 
zwischen Rechnung und Messung erhält, sind vorstehend für 
zwei dieser Fälle die Rechnungs- und Messungsergebnisse in 
Tafeln gegenübergestellt und die Messungsbilder in den 
Abb. 8 und 9 veranschaulicht. Es sind dies die beiden Fälle 
des zwoi- bzw. dreigeschossigen, zweistieligen Stockwerk» 
rahmens mit wagerechter Einzellast in Höne des obersten 
Riegels. Während im ersten Fall die Uebereinstimmung 
zwischen Theorie und Messung zufriedenstellend ist — be 
sonders gut decken sich die Werte zwischen der Messung am 
hohen Modell und der Rechnung mit Voutcn (bis ^ der 
Stablängc) —, zeigt sich im zweiten Fall des dreistöckigen 
Rahmens bei einem Knotendrehwinkel eine Differenz von etwa 
30 vH (genau 29,6 vH) 5 ). Die übrigen Drehwinkel stimmen 
jedoch auch im zweiten Falle recht gut überein, wobei bemerkt 
werden soll, daß die Messungsergebnisse wie selbstverständlich 
ohne jede Beschönigung wiedergegeben worden sind. In beiden 
Tabellen zeigt die letzte Zeile die prozentualen Unterschiede 
zwischen der Messung am hohen Modell und der Rechnung 
mit Vouten. 
Die vorstehend wiedergegebenen Beispiele und die Ver 
gleiche zwischen Theorie und Messung am elastischen Modell 
zeigon immerhin noch verhältnismäßig erhebliche Fehler. Eine 
Verfeinerung der Winkelmessungen. kann aber — wie schon 
erwähnt — dadurch erreicht werden, daß die Nachzeichnung 
der Knotendrehwinkel anstatt an den Umrißlinien der steifen 
Ecken (die ja nur von geringer Länge sind und daher ungenaue 
Winkel liefern) an langen Kragarmen erfolgt, die (vgl. Abb.10a,b) 
auch bei Mittelknoten ohne weiteres im Modell vorgesehen 
werden können, und zwar bei „flachen“ Modellen durch Aus 
schneiden aus dem Blatt, bei „hohen“ Modellen durch Hinzu- 
fügung der Kragarme in den Knotenpunkten. Diese Kragarme, 
die einem Zwang nicht unterliegen, geben die genauen Rich- 
c ) Da nicht alle untersuchten Fälle hier niitgetetlt werden konnten, ist absichtlich 
die überhaupt grüßte auftretende Differenz hier mit aufgenommen werden. 
/ NX— X 
Abb. 10. a) Modell mit Kragarmen, b) System. 
tungen der Tangenten an die Biegelinie, sie müssen natürlich 
entsprechend steif, also nicht zu dünn, auegebildet werden, 
damit sie beim Nachzeichnen nicht federn (vgl. Abb. 10a). 
Durch die hier geschilderte Erweiterung der experimen 
tellen Statik des Rahmensystems ist zunächst der Beweis 
erbracht, daß man mit einfachen. Mitteln hochgradig unbe 
stimmte Systeme wenigstens angenäherb auf experimentellem 
Wege untersuchen kann. Es kann sogar behauptet werden, 
daß in mancher Hinsicht der Modellversuch der Wirklichkeit 
näher kommt als die theoretische Untersuchung, wenn diese 
auf gewisse Einzelheiten keino Rücksicht nimmt. Solche 
Einzelheiten sind insbesondere die kräftigen Eckaussteifungen 
der Rahmen, dio stets eine Verschiebung der Momenten- 
schlußlinie zur Folge haben, derart, daß die Eckmomente 
größer, die Feldmomente dagegen kleiner als im Normalfall 
konstanter Trägheitsmomente werden. Natürlich kann auch 
der umgekehrte Fall Vorkommen, nämlich jener, daß die Ecke 
an und für sich schwach ausgebildet ist (z. B. im modernen 
Stahlskelettbau bei geschweißten Eckverbindungen). Dann 
tritt die entgegengesetzte Verschiebung der Schlußlinie auf, 
und die Knotenmomente müssen kleiner, die Feldmomente 
hingegen größer werden als im Normalfall. (Diese Tatsache 
wird ja bekanntlich nach Prof. Maier-Leibnitz 6 ), Stuttgart, 
als die „Schlauheit oder Selbsthilfe des Materials“ bezeichnet.) 
Auch diesem Falle wird die Modellstatik gerecht werden 
können, indem man Modelle mit besonders schwachen Ecken 
herstellt. 
Jedenfalls erscheint, insbesondere bei weiterer Ver 
feinerung der Messungsmethoden, die Anwendung und der 
Ausbau der hier dargelegten Ideen für die Praxis der hoch 
gradig unbestimmten Systeme — als Ergänzung der Rechnung 
und selbst wieder durch diese ergänzt — für die Zukunft sehr 
aussichtsreich. Wenn man bedenkt, welche Arbeit dem Gehirn 
des Statikers durch Anwendung der experimentellen Methoden 
erspart wird, so kann man wohl prophezeien, daß die Zeit 
nicht mehr fern ist, zu der in allen größeren statischen Bureaus 
Zelluloid, Laubsäge u. dgl. bereit liegen oder, falls man sich 
dies leisten kann, die Apparaturen von Beggs oder Rieck- 
hof, um Stahlskelett- und Eisenbetonrahmenbauten — neben 
der Rechnung an Hand der vorhandenen ausgezeichneten Buch- 
und Formelliteratur — auf experimentellem Wege zu unter 
suchen. 
Ganz besonders wertvoll sind die Methoden der experi 
mentellen Statik auch für den Hochschulunterricht, weil 
— ganz abgesehen davon, ob die Ergebnisse zahlenmäßig 
übereinstimmen oder nicht — der Student die Formänderungen 
bildmäßig vor Augen sieht und so sein Vorstellungsvermögen 
allmählich auf diese ihm zunächst fremde Materie einstellt. 
*) Vgl. die Aufsätze vou Maier-Leibnitz ln der „Bautechnik" 1920, Heft« 1 
und 2, sowie „Bautechnik" 1929, Heft 20, ferner den Aufsatz von Em perger in 
„Beton u. Eisen" 1930, Heft 12. 
VOM ÖSTERREICHISCHEN EISENBETONAUSSCHUSS. 
Der Österreichische Eiaenbetonausschuß hat am 
21. April d. J. sein 25jähriges Bestehen gefeiert und dazu das 
12. Heft seiner Mitteilungen über Versuche herausgegeben 1 ), 
das vier Berichte ganz verschiedener Art bringt. Zunächst 
berichtet Zivilingenieur Oskar Schreier über „Die Baukontrolle 
im Beton- und Eisenbetonbau“. Nach einem kurzen Rückblick 
auf die geschichtliche Entwicklung unter Hinweis auf Heft 6 
der Mitteilungen erläutert der Verfasser den Inhalt des jetzt 
vorliegenden Entwurfs der Richtlinien für die Baukontrolle, 
dessen Wortlaut im Anhang veröffentlicht ist (Einspruchsfrist: 
') Mitteilungen über Vertucbe, ausgeführt vom österreichischen Eisenbetonaus- 
eohuB. Heft 12. Wien I, 1931. österreichischer Ingenieur- und Architekten-Verein. 
158 S. in 8" mit 59 Abb. im Text und auf 3 Tafeln. In Pappe 6,60 RM. 
30. September 1931). Die Körnung der Zuschlagstoffe wird 
darin eingehend behandelt. Mindestens drei Siebe sind zu 
verwenden: das größte hat 70 mm oder 30 mm Weite, je nach 
dem es sich um Betonkörper von größeren Abmessungen oder 
um Eisenbetonkörper üblicher Art handelt; die Zwischensiebe 
haben 7 mm und 1 mm Lochdurchmesser. Die Ergebnisse 
sollen in einen dazu bestimmten Vordruck eingetragen werden, 
wodurch die Körnung der Zuschlagstoffe ohne weiteres klar 
wird. Neu ist die sogenannte Tastprobe nach 7 Tagen, die neben 
den bekannten Würfel- und Balkenproben empfohlen wird. 
An unbewehrten Betonbalken von 7,0 x 8,6 cm Querschnitt 
und 50 cm Stützweite soll die Betonbiegezugfestigkeit fest 
gestellt werden, wobei das Hauptaugenmerk weniger auf die
	        
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