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Mindestgrößen der Gartenzulagen, über die Art des Straßenaufschlusses
u. a. m. entscheidet. Die beiden zur Erörterung
gestellten Fragen des „Verkehrsproblems in Beziehung zu
Städtebau und Landesplanung“ und der „Beseitigung verwahrloster
Wohnviertel“ münden in dieses Standortproblem ein. Die
Frage der zukünftigen Gestaltung der Wohnstandorte wird
daher auch hier als primär der sekundären Frage der Verkehrsgestaltung
vorangestellt. Die Anlegung von Flachbausicdlungen
mit der Möglichkeit gärtnerischen Nebenerwerbs und die
Sanierung der Elendviertel treten als die beiden großen Hauptaufgaben
hervor, die auch im Falle einer allgemeinen Stagnation
der städtischen Bevölkerung und im Falle eines gleichzeitig
schrumpfenden Auslandmarktes zu lösen sein werden.
Der gegenwärtige Zustand der städtischen Versteinerung
hat wohl in einigen deutschen Großstädten infolge der Kasernierung
der Bevölkerung in Großhäusern besonders gefährliche
Ausmaße erreicht, ist als Massenzustand aber in England weiter
fortgeschritten, wo nach dem Bericht George L. Peplers-London
50 % der Einwohner innerhalb der 24 km-Zone (etwa
der Einstundenzone) der Häfen oder auf 10 % der Landfläche •
entfallen, wo 80 % der Einwohner in Städten wohnen und in
Groß-London innerhalb der letzten zehn Jahre noch 6000 neue
Fabriken gebaut worden sind. Auch die holländischen Städte
häufen sich nach dem Bericht P. Bakker-Schutts, den
Haag, in den westlichen Küstenprovinzen, werden dort allerdings
von intensiver Landwirtschaft und Gartenwirtschaft
durchdrungen. Wie wenig diese Verstädterung auf natürliche
Standortbedingungen zurückzuführen ist, erläutert Wilhelm
Arntz-Köln am Siedlungsbild der Kolonialländer, wo das
Fehlen einer seßhaften landwirtschaftlichen Bevölkerung die
Entwicklung von Riesenstädten am stärksten begünstigt hat.
Noch vor Amerika zählt Australien hier als kleinster Kontinent
den größten Anteil großstädtischer Bevölkerung, Unabhängig
vom Raummangel und Menschenüberfluß der europäischen
Länder und dem Raumüberfluß und Menschenmangel der
Kolonialländer ist die Standortfrage hiernach eine Frage der
örtlichen Organisation der landwirtschaftlichen und gewerblichen
Erzeugung und der von ihr abhängigen Bevölkerungsverteilung.
Raymond Unwin und mit ihm die überwiegende Zahl der
Städtebaufachleute sehen die Hauptaufgaben des zukünftigen
Städtebaues in der Lösung dieser Fragen, Die angestrebte
Rezentralisation von London — so wird nach dem Vorschlag
von Adams * Neuyork die Bildung von Trabantenstädten
mit selbständigen Zentren für Handel, Gewerbe und Vergnügungsstätten
im Gegensatz zur Dezentralisation der Großstädte
in Vororte ohne die vollständige Entwicklung dieser Zentren,
genannt — hätte mit der Verlegung eines Teiles der neugegründeten
6000 Fabriken in Trabantenstädte beginnen müssen.
Nach dem Bericht von Franz Musil-Wien kam es bisher nicht
zur Bildung von Trabantenstädten in der Umgebung Neuyorks,
weil deren Entwicklung der Finanzwelt „als ein von idealen
Beweggründen getragenes Bestreben nicht annähernd so viel
Gewinn verspricht wie das fortgesetzte Hinaufwirbeln der
Bodenpreise im wachsenden Kern der Hauptstädte“. Die
Rezentralisation hätte hier mit der Verteilung der Geschäftsviertel
beginnen müssen, neben der auch die von George L.
Pepler geforderte Verteilung der Vergnügungsstätten nicht
übersehen werden darf. Zentralisation und Dezentralisation
bedingen sich so nach Roman Heiligenthal-Karlsruhe gegenseitig
und führen bei guter Stadtplanung und Landesplanung zu
einer standortbedingten Gliederung der Standorte von Gewerbe,
Handel und Organisation und zu einer davon abhängigen
Abstufung der Wohnbauten, der an sie gestellten
konstruktiven Anforderungen, ihrer Größe, ihrer technischen
Ausstattung, ihrer Gartenzulagen, ihrer Aufschließung durch
Straßen und sonstige Zusatzeinrichtungen, die bisher infolge
einseitiger Bevorzugung der großstädtischen Siedlungsweise
wenig berücksichtigt worden ist und auch im Arbeitsprogramm
der Reichsforschungsgesellschaft vermißt werden mußte. Ohne
weitgehende Änderungen der Stadtplanungen und der Bauordnungen
und ohne Umstellungen der Beleihungspolitik der
Realkreditinstitute sind diese siedlungspolitischen Wandlungen
nicht denkbar. Wenn Leonhard Adler-Berlin demgegenüber
feststellt, daß auch bei „kleinen Städten in der Nähe einer
Großstadt, die in gewissem Sinne den Charakter von Trabantenstädten
haben, die Entwicklung zum Vorteil der Großstadt
meistens rückläufig gewesen“ ist und daß „Großstädte mit
ihren oft unbeschränkten Möglichkeiten an großzügiger
Versorgung und an Vergnügungen eine derartige Anziehungskraft
auf die große Masse ausüben, daß weite Kreise es vorziehen,
trotz mancher Nachteile in der Großstadt oder in einer ihrer
Randsiedlungen zu wohnen anstatt in einer etwas weiter abgelegenen,
in sich geschlossenen, kleinbürgerlichen Stadt“, so kt
das eben eine Folge der durch die Not der Zeit vielleicht bald
überholten Überbewertung der Scheinvorteile der Großstadt,
eine Folge der fehlerhaften Standortpolitik der Verstädterung,
eine Folge auch jener Fehlleitung des Kapitals, das dem
flachen Lande mehrere Menschenalter lang durch Handelsgewinne,
durch Hypothekengewinne, durch Gewinne aus Aktien
und Versicherungen entzogen worden ist, ohne ihm in entsprechendem
Umfang wieder zuzufließen. Die ersten Mittel, die
für die Zukunft eine bessere Entwicklung und Organisation der
städtischen und ländlichen Wirtschaft verbürgen können,
sind eine einheitliche Landesplanung für größere Wirtschaftsgebiete
und die Festlegung von deren ausführungsreifen Teilen
in Zonenplänen mit Zonungen der Geschäftsgebiete, wie sie
beispielweise nach Mitteilung von Wilhelm Arntz in der
Kölner Altstadt entgegen starken privatwirtschaftlichen Widerständen
durchgeführt worden sind, mit Zonungen der Wohngebiete
in Wohnflächen mit und ohne Kanalisation — Hier liegt
das bisher noch wenig beachtete Hauptmerkmal einer Trennung
von halbstädtischer und halbländlicher Siedlung ohne und mit
ausreichenden Gartenzulagen —, mit Zonungen auch der umzulegenden
und zu enteignenden Elendviertel u. a. m.
Die große städtebauliche Form wird durch diese Zusammenhänge
ebenso standoitbedingt wie das einzelne Industriegebiet,
Geschäftsgebiet oder Wohngebiet im Groß- oder
Kleinhaus. George Mc. Aneny und Wayne D. Heydecker-Neuyork
glauben, daß im Gegensatz zu den idealen Forderungen
Ebenezer Howards und Raymond Unwins nicht die
durch einen landwirtschaftlichen Grüngürtel abgegrenzte kreisförmige
Großstadt, sondern die Seesternform der jetzigen
Stadtform am nächsten komme, bei der sich die Vorstädte an
den Hauptausfallstraßen entlangziehen und dazwischen keilige
Grünflächen offen bleiben. Bei Talstädten in bergigem oder
hügeligem Gelände ist diese Form fraglos von Natur in gewissem
Grade gegeben. Im Flachland ist jedoch die Forderung der
Mehrzahl der Berichterstatter berechtigt, die Durchgangstraßen
anbaufrei zu lassen und nicht, wie bisher, mit mehrgeschossiger
Bebauung einzuschließen und damit die Menschen
gerade dort zu häufen, wo die Gesundheit undAnnehmlichkeit
des Wohnens am stärksten unter dem Durchgang verkehr leidet.
Die Fangarme des besagten Seesterns würden bei Verwirklichung
dieses Grundsatzes — formal und symbolisch — beschnitten
werden. P. Bakker-Schutt, den Haag, sieht in
dieser y> Bandbebauung li mit Recht die Folge einer ungeordneten
regellosen baulichen Entwicklung. Da'die bisherige
städtebauliche Praxis nicht nur infolge der Mängel der Gesetzgebung,
sondern auch infolge technisch abweichender Ansichten
von Städtebaufachleuten ira Gegensatz hierzu im allgemeinen
an der hohen Randbebauung der Durchgangverkehrsstraßen
festhält, bedarf diese Frage einer späteren differenzieiten
Lösung. — Als beste Lage von Trabantenstädten empfehlen die
obigen Mitglieder der Neuyorker Landesplanung ein Quartal
an der Kreuzung großstädtischer Ausfallstraßen mit Tanzentialstraßen,
auf keinen Fall eine Anlage beiderseits der Ausfallstraßen.
Neben der Großstadt mit den — mindestens 30 km
entfernten — Trabantenstädten empfehlen Emst May-Moskau
und Ivo Benes-Prag die Band- oder Linienstadt
als neue Stadtform. Wie vorhandene Ansätze zu deutschen
Linienstädten — etwa die Städtegruppen Pima-Dresden,
Magdeburg-Schönebeck oder Hallc-Weißenfels — zeigen, sind
auch diese Bandstädte an bestimmte topographische Voraussetzungen
gebunden: große Flußtäler mit guter Uferbildung
zur Ansiedlung von Industrien und Anlage von Uferbahnen,
und weiter landeinwärts gelegenen Wohnflächen, wie sie an der
Wolga und an der oberen Elbe auftreten, oder mit rückwärtigen
Eisenbahnverbindungen und umgekehrter Flächenfolge.
Von einer zunehmenden Erkenntnis und Betonung der
gesellschaftlichen und natürlichen Standortbindungen der Stadtform
im großen und der Wohnzelte im kleinen darf auch eine
Befreiung von jenen „Wohnmaschinen“ und „Stadtbaumaschinen“
erwartet werden, wie sie Hugo Häring-Berlin in
dem letzten Vortrag der Freien Akademie des Städtebaues als
Beispiele der Form der Stadt von heute vorführte. Die hier
gezeigten veredelten Mietkasemen und noch mehr die Turmhäuser
Corbusiers werden nach der jetzt beginnenden städtebaulichen
Läuterung bald der „Stadt von Gestern“ angehören,
um die „Stadt der Zukunft“ als „den großen zusammenhängenden
Garten mit darin eingettreuten Wohnsiedlungen“ erscheinen
zu lassen, wie sie der Vortragende selbst zu sehen wünscht.
Die zukünftige Verkehrsgestaltung.
Der Tagesordnung des Internationalen. Kongresses für
Wohnungswesen und Städtebau gemäß wurden die Verkehrsgrundlagen
einer derartigen Gestaltung der Wohnstandorte
besonders eingehend untersucht, ohne auf dem Kongreß etwa