Path:
Volume Nr. 25

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Issue 1931 (Public Domain)

371 
führungen der Kuschten—Groß* Dämmer und der 
Klastawer Straße bereits fertiggestellt, der Güterschuppen 
mit dem Abfertigungsgebäude, der Wasserturm, der 
Lokomotivschuppen und die Stellwerke hochgeführt, 
kurz, der Rahmen für den Bahnhof Neu-Bentschen fest 
gelegt, da trat am 15. November 1923 die Umorgani- 
sation der Reichsbahn mit ihren bekannten Folgen ein. 
Daß dieses Ereignis auf den Ausbau der Bahnhofsanlage 
nicht ohne Folgen blieb, war vorauszusehen. Zur selben 
Zeit hörte die Inflation auf, das bedeutete das Ende des 
Ausverkaufs Deutschlands und einen einschneidenden 
Rückgang des Verkehrs. Die auf andere Voraussetzungen 
sich stützende Entwurfsgestaltung erwies sich unter den 
veränderten Umständen als viel zu großzügig. Die Reichs 
bahndirektion Osten sah sich daher gezwungen, einen ein 
geschränkten Entwurf aufzustellen, der dem geringeren 
Verkehrsumfang und den veränderten finanziellen Ver 
hältnissen der Reichsbahn zwar Rechnung trug, aber 
doch die vorgeschrittenen Bauarbeiten berücksichtigen 
mußte und die Einheitlichkeit des ursprünglichen Ent 
wurfsgedankens nicht außer acht ließ. Konnte bei den 
ersten Entwürfen für den Neubau des Bahnhofs ein Ge 
samtgüterverkehr von 2150 Güterwagen im Bahnhof 
angenommen werden, so durfte jetzt der größte Tages 
eingang zuzüglich einer gewissen Steigerung auf höchstens 
900 Wagen bemessen werden. Nach dem erwähnten ein 
geschränkten Entwürfe, der jetzt eine einseitige Verschub- 
anlage aufwies, wurde der Güterbahnhof Neu-Bentschen 
im Jahr 1925 eröffnet, nachdem die Anschlußstrecken 
von Frankfurt und Bomst vorläufig eingleisig ausgeführt 
waren. 
Da sich aber der Verkehr von Ausland zu Ausland 
und die Einfuhr von Polen nach Deutschland trotz des 
bestehenden Zollkrieges zwischen den genannten Staaten 
in den folgenden Jahren dauernd hob, sah sich die Reichs 
bahndirektion gezwungen, die vordem eingeschränkten 
Anlagen des Güterbahnhofs allmählich wieder zu ver 
größern. Vor allem wurde der im Osten gelegene Ablauf 
berg zu stark belastet, so daß sich als notwendig erwies, 
im Westen einen Hilfsablaufberg zu schaffen, an den 
die bisher stumpfen Zollgleise angeschlossen wurden. 
So entwickelte sich der Güterbahnhof, wie er heute in 
Betrieb ist, dargestellt in verzerrtem Maßstabe in Abb. 2. 
Dem Betriebe und der zollamtlichen Abfertigung der 
Güter dienen in diesem Bahnhofe die Ein- und Ausfahr 
gleise, die Richtungs-, Abstell-, Wiege- und Zollgleise, 
der Zoll- und Güterschuppen mit Nebenanlagen, die Vieh 
rampe und die Wagenwäsche. 
Die Gleise haben Zuglänge und darüber und sind, 
soweit erforderlich, mit Beleuchtung versehen. Neben 
den Einfahr-, Ausfahr- und Zollgleisen befinden sich 
Schmalspurgleise, um die losen Luftleitungen zum An 
legen an die Fremdwagen bequem verfahren zu können. 
Nachdem die Güterzüge aus Richtung Polen in die 
Einfahrgleise eingefahren sind, werden die Wagen einer 
Vorbeschau unterzogen, nach leeren Wagen, zollfreien 
Wagen, Zollstückgutwagen, Wagenladungswagen, Lang 
holz- und Viehwagen ausgeschieden und dann teils in 
den freien Verkehr gesetzt, teils am Schuppen mit seinen 
Nebenanlagen, teils nach Verwiegung in den Zollgleisen 
(spezielle Beschau) weiter untersucht. Die privilegierten 
Durchgangsgüterzüge aus Ostpreußen werden nach kurzer 
Vorbeschau wie andere Durchgangsgüterzüge behandelt. 
Die Wagen der Güterzüge aus Richtung Deutschland 
werden getrennt nach Transit wagen für Ostpreußen, 
leeren polnischen Wagen und beladenen Wagen für Polen. 
Letztere werden vom Zoll kurz — soweit erforderlich, 
z. B. im Durchfuhrverkehr — behandelt. Der Gesamt 
aufenthalt der Zollwagen, die aus Polen kommen, dauert 
je nach Lage der Züge, mit denen die Frachten ihren 
Abgang finden, 15 bis 32 Stunden; der der Wagen nach 
Polen 7 bis 18 Stunden. Der tägliche Wagenumlauf 
betrug im Jahre 1929 durchschnittlich 935 Wagen, in 
verkehrsstarken Zeiten etwa 1200 Wagen. 
Für die Einfuhr und Durchfuhr von Polen kommen 
in der Hauptsache unbearbeitetes Holz (Schwellen, Bretter, 
Bohlen, Papierholz) in Frage. Von 9490 beladenen Wagen, 
die im August 1929 den Grenzbahnhof berührten, waren 
allein 8778 Wagen gleich 89 v. H. mit Holz beladen. 
Außerdem werden noch landwirtschaftliche Produkte 
eingeführt, wie Getreide (Mais, Gerste, Hafer), Erbsen, 
Lupinen, Sämereien, Kartoffeln, Kartoffelflocken, Melasse, 
Kleie, Leinkuchen, Rübenschnitzel, Butter, Eier und Ge 
flügel. Die Geflügeleinfuhr ist besonders lohnend; wurden 
doch im Jahre 1929 mit 1644 Wagen rund 1 500 000 Stück, 
in der Hauptsache Gänse, eingeführt; Spitzenleistung 
42 Wagen mit 43 000 Gänsen an einem Tage. Nach Polen 
werden in der Hauptsache Düngemittel, Maschinen und 
deren Ersatzteile ausgeführt. 
verzerrter Moßstab 
£ - impfangsgeböude 
P-Posf 
Z = Zolibahnsteig 
3 - Betriebswerk 
G - Großviehrampe 
A • Abfertigungsgebäude 
Abb. 2. Balmhofsanlage Neu-Bentschen. Zustand 1930.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.