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Die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg I : Berichte und Analysen zur Gesundheit

Full text: Die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg I : Berichte und Analysen zur Gesundheit

Hamburg
Freigabe gilt für alle Seiten: ja nein

ältere Menschen

Die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg I
Berichte und Analysen zur Gesundheit

Seite 1 (Umschlag)

an VIG Druck & Media per Fax: +49 (0)40 - 69 70 60 15
1. Korrektur vom 19.11.2010 Druckreif Erneute Korrektur

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GESUNDHEI
Hamburg

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen

 

 

 

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen

IMPRESSUM
Gesundheitsbericht Die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg I Herausgeber: Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz (BSG) Amt für Gesundheit u. Verbraucherschutz Fachabteilung Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitsförderung Billstraße 80, 20539 Hamburg Dezember 2010 Dr. Katharina Juhl © Collage von kwh-design mit Fotos von fuxart Fotolia.com und Rainer Sturm, xenago, Uwe Steinbrich, wrw, Campomalo - alle Pixelio.de. © 2010, Alle Rechte vorbehalten Bezug:                             Sie erhalten den Bericht kostenlos unter  (040) 428 37 - 1999 gesundheitslotsen@bsg.hamburg.de  und als ladbare Datei unter www.hamburg.de/gesundheitsberichte

Stand: Verantwortlich: Titel:

Die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg I

Das Amt für Gesundheit und Verbraucherschutz im Internet:   Druckerei

 

www.hamburg.de/gesundheit V.I.G. DRUCK & MEDIA GmbH

Anmerkung zur Verteilung:
Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlwerberinnen und Wahlwerbern oder Wahlhelferinnen und Wahlhelfern zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für Bürgerschafts-, Bundestags- und Europawahlen sowie die Wahl zur Bezirksversammlung. Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an Informationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist gleichfalls die Weitergabe an Dritte zum Zwecke der Wahlwerbung. Auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl darf die Druckschrift nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der Landesregierung zugunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden könnte. Die genannten Beschränkungen gelten unabhängig davon, wann, auf welchem Wege und in welcher Anzahl diese Druckschrift dem Empfänger oder der Empfängerin zugegangen ist. Den Parteien ist es jedoch gestattet, die Druckschrift zur Unterrichtung ihrer eigenen Mitglieder zu verwenden.

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Gesundheitsbericht Die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg I Herausgeber: Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz (BSG) Amt für Gesundheit u. Verbraucherschutz Fachabteilung Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitsförderung Billstraße 80, 20539 Hamburg Dezember 2010 Dr. Katharina Juhl © Collage von kwh-design mit Fotos von fuxart Fotolia.com und Rainer Sturm, xenago, Uwe Steinbrich, wrw, Campomalo - alle Pixelio.de. © 2010, Alle Rechte vorbehalten Bezug:                             Sie erhalten den Bericht kostenlos unter  (040) 428 37 - 1999 gesundheitslotsen@bsg.hamburg.de  und als ladbare Datei unter www.hamburg.de/gesundheitsberichte

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Das Amt für Gesundheit und Verbraucherschutz im Internet:   Druckerei

 

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Anmerkung zur Verteilung:
Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlwerberinnen und Wahlwerbern oder Wahlhelferinnen und Wahlhelfern zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für Bürgerschafts-, Bundestags- und Europawahlen sowie die Wahl zur Bezirksversammlung. Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an Informationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist gleichfalls die Weitergabe an Dritte zum Zwecke der Wahlwerbung. Auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl darf die Druckschrift nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der Landesregierung zugunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden könnte. Die genannten Beschränkungen gelten unabhängig davon, wann, auf welchem Wege und in welcher Anzahl diese Druckschrift dem Empfänger oder der Empfängerin zugegangen ist. Den Parteien ist es jedoch gestattet, die Druckschrift zur Unterrichtung ihrer eigenen Mitglieder zu verwenden.

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organisation 'Aktives Altern' aus dem Jahr 2002 für Hamburg umzusetzen. In diesem Programm ist als Ziel formuliert, es den Menschen zu ermöglichen, 'ihr Potential für körperliches, soziales und geistiges Wohlbefinden im Verlauf ihres gesamten Lebens auszuschöpfen und am sozialen Leben in Übereinstimmung mit ihren Bedürfnissen, Wünschen und Fähigkeiten teilzunehmen. Gleichzeitig soll für Hilfsbedürftige ausreichend Schutz, Sicherheit und Pflege gewährleistet sein.' Zwei Programme des Senates verfolgen genau dieses Ziel. Im Frühjahr 2011 wird das 'Konzept für ein seniorenfreundliches Hamburg' vorliegen, mit dem erreicht werden soll, dass die Stadt sich in ihren Planungen stärker auf den demografischen Wandel und eine älter werdende Bevölkerung einrichtet. Der 'Pakt für Prävention' wird ebenfalls im Jahr 2011 eine Zielkonferenz zu dem Thema 'Gesund alt werden in Hamburg!' durchführen, die sich ausschließlich der Verbesserung der Gesundheit älterer Menschen in Hamburg widmen wird. Für diese beiden Vorhaben stellt der Bericht wichtige Informationen zur Verfügung. Schließlich sei an dieser Stelle all denen gedankt, die durch eigene Beiträge, Hinweise und kritische Kommentare an der Entstehung dieses Berichtes beteiligt gewesen sind. Ich wünsche Ihnen eine informative und anregende Lektüre!

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser, gehören Sie auch zu denen, die bei dem viel zitierten Satz 'Alle wollen alt werden, aber niemand will alt sein' verstohlen mit dem Kopf nicken möchten? Wir neigen dazu, unser Bild vom Alter auf zwei Klischees zu reduzieren. Da sind zum einen die fitten Senioren, die den Tag auf dem Golfplatz verbringen. Da sind zum anderen die gebrechlichen Alten, die sich mit dem Rollator nur mühsam fortbewegen. Wenn wir aber genauer hinschauen, sehen wir, dass diese beiden Bilder nur einen sehr kleinen Ausschnitt aus der Wirklichkeit abdecken. Das Alter ist sehr viel bunter und vielfältiger, als es diese Klischees glauben machen. Das Hauptanliegen dieses Berichtes ist es daher, zu einem differenzierten Bild der Gesundheit älterer Hamburgerinnen und Hamburger beizutragen. Der Bericht möchte auch einen Beitrag dazu leisten, das Programm der Weltgesundheits-

Dietrich Wersich Präses der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz

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organisation 'Aktives Altern' aus dem Jahr 2002 für Hamburg umzusetzen. In diesem Programm ist als Ziel formuliert, es den Menschen zu ermöglichen, 'ihr Potential für körperliches, soziales und geistiges Wohlbefinden im Verlauf ihres gesamten Lebens auszuschöpfen und am sozialen Leben in Übereinstimmung mit ihren Bedürfnissen, Wünschen und Fähigkeiten teilzunehmen. Gleichzeitig soll für Hilfsbedürftige ausreichend Schutz, Sicherheit und Pflege gewährleistet sein.' Zwei Programme des Senates verfolgen genau dieses Ziel. Im Frühjahr 2011 wird das 'Konzept für ein seniorenfreundliches Hamburg' vorliegen, mit dem erreicht werden soll, dass die Stadt sich in ihren Planungen stärker auf den demografischen Wandel und eine älter werdende Bevölkerung einrichtet. Der 'Pakt für Prävention' wird ebenfalls im Jahr 2011 eine Zielkonferenz zu dem Thema 'Gesund alt werden in Hamburg!' durchführen, die sich ausschließlich der Verbesserung der Gesundheit älterer Menschen in Hamburg widmen wird. Für diese beiden Vorhaben stellt der Bericht wichtige Informationen zur Verfügung. Schließlich sei an dieser Stelle all denen gedankt, die durch eigene Beiträge, Hinweise und kritische Kommentare an der Entstehung dieses Berichtes beteiligt gewesen sind. Ich wünsche Ihnen eine informative und anregende Lektüre!

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser, gehören Sie auch zu denen, die bei dem viel zitierten Satz 'Alle wollen alt werden, aber niemand will alt sein' verstohlen mit dem Kopf nicken möchten? Wir neigen dazu, unser Bild vom Alter auf zwei Klischees zu reduzieren. Da sind zum einen die fitten Senioren, die den Tag auf dem Golfplatz verbringen. Da sind zum anderen die gebrechlichen Alten, die sich mit dem Rollator nur mühsam fortbewegen. Wenn wir aber genauer hinschauen, sehen wir, dass diese beiden Bilder nur einen sehr kleinen Ausschnitt aus der Wirklichkeit abdecken. Das Alter ist sehr viel bunter und vielfältiger, als es diese Klischees glauben machen. Das Hauptanliegen dieses Berichtes ist es daher, zu einem differenzierten Bild der Gesundheit älterer Hamburgerinnen und Hamburger beizutragen. Der Bericht möchte auch einen Beitrag dazu leisten, das Programm der Weltgesundheits-

Dietrich Wersich Präses der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen

Inhaltsverzeichnis
    Seite

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9.

Vorwort Inhaltsverzeichnis Einleitung Bevölkerungsstruktur und Entwicklung der Lebenserwartung Lebenssituation Gesundheitsbezogene Einstellungen und Verhaltensweisen Beschwerden, Krankheiten, Behinderungen und Pflegebedürftigkeit Prävention und Gesundheitsförderung Medizinische Versorgung

5 7 8 13 16 19 28 38 42 45 49 52 53 56

10. Pflegerische Versorgung 11. Zusammenfassung und Ausblick 12. Glossar 13. Literatur 14. Anhang: im Text erwähnten Links

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Inhaltsverzeichnis
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1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9.

Vorwort Inhaltsverzeichnis Einleitung Bevölkerungsstruktur und Entwicklung der Lebenserwartung Lebenssituation Gesundheitsbezogene Einstellungen und Verhaltensweisen Beschwerden, Krankheiten, Behinderungen und Pflegebedürftigkeit Prävention und Gesundheitsförderung Medizinische Versorgung

5 7 8 13 16 19 28 38 42 45 49 52 53 56

10. Pflegerische Versorgung 11. Zusammenfassung und Ausblick 12. Glossar 13. Literatur 14. Anhang: im Text erwähnten Links

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen In der Einleitung sollen verschiedene Dimensionen von Gesundheit und Alter skizziert werden, die für das Verständnis der später geschilderten Daten bedeutsam sind. Gleichzeitig wird auf Faktoren aufmerksam gemacht, die bei dem Vergleich von Daten aus verschiedenen Zeiträumen und bei Prognosen für die Zukunft zu berücksichtigen sind. Was bedeutet Gesundheit im Alter? Gesundheit ist nach der Definition aus der Gründungserklärung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1946 mehr als die Abwesenheit von Krankheit, vielmehr wird sie verstanden als 'ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens'. Darin wird deutlich, dass Gesundheit nicht auf objektive Befunde zu reduzieren ist, sondern ein sehr subjektives Erleben beinhaltet und eine soziale Dimension hat. Gleichzeitig enthält diese Definition ein utopisches Element, weil dieser Zustand anzustreben, aber nie zu erreichen ist. Als Gegenpol kann eine Begriffsbestimmung dienen, die Friedrich Nietzsche zugeschrieben wird: 'Gesundheit ist dasjenige Maß an Krankheit, das es mir noch erlaubt, meinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen'. Meist werden drei verschiedene Dimensionen von Gesundheit unterschieden: somatische und psychische Gesundheit im Sinne medizinischer Klassifikationen, funktionale Gesundheit als die Fähigkeit zur selbständigen Lebensführung und subjektive Gesundheit als Bewertung der eigenen Gesundheit durch die Person selbst (Tesch-Römer & Wurm 2009). Wichtig, aber auch sehr schwierig ist die begriffliche Unterscheidung von Alter(n) und Krankheit. Veränderungen, die mit dem Alter einhergehen, wie das Nachlassen des Seh- und Hörvermögens sind keine Krankheiten. Mit dem Alter steigt aber das Risiko insbesondere von chronisch-degenerativen Krankheiten.
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Einleitung
Der 80-jährige Arthur Rubinstein ist häufig gefragt worden, wie er immer noch ein so guter Konzertpianist sein könne. Seine Antwort: Er habe sein Repertoire verringert, aber er übe diese Stücke mehr als früher. Und er habe einen Kunstgriff angewendet: Weil er die ausgewählten Stücke nicht mehr so schnell wie früher spielen konnte, habe er vor besonders schnellen Passagen das Tempo verringert; im Kontrast erschienen diese dann wieder ausreichend schnell. Damit hat er drei Strategien benannt, die eine erfolgreiche lebenslange Entwicklung möglich machen. Diese Strategien sind erstens Selektion (aus den vorhandenen Möglichkeiten wählte er die ihm wirklich wichtigen aus), zweitens Optimierung (er suchte nach geeigneten Mitteln, um das Gewählte möglichst gut zu tun) und drittens Kompensation (er reagierte flexibel auf sein verringertes Tempo und fand neue Wege, sein Ziel zu erreichen). Diese Strategien machen es möglich, trotz eingeschränkter Ressourcen auch im hohen Alter ein hohes Ausmaß an Zufriedenheit und Lebensqualität zu erleben (Kotter-Grühn et al. 2010). Diese kurze Geschichte soll auf verschiedene Fragen verweisen, auf die dieser Bericht eine Antwort geben will:  Ist Arthur Rubinstein in dieser Art und Weise, sich mit dem eigenen Alter auseinanderzusetzen, ein typischer Vertreter seiner Altersgruppe?  Wie lässt sich Gesundheit im Alter überhaupt beschreiben?  Wie ist es um die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg bestellt, und welche Möglichkeiten der Förderung ihrer Gesundheit haben sie?

Aber nicht alle Veränderungen, die mit dem Alter einhergehen, sind auch dem Alter selbst zuzuschreiben. Der Zusammenhang zwischen Alter und Krankheit kann auch dadurch entstehen, dass viele Krankheiten eine lange Latenzzeit haben (d. h. zwischen der Schädigung und dem Auftreten von Symptomen vergeht eine lange Zeit) oder dadurch, dass sich die Wirkung von Risikofaktoren über Jahre oder Jahrzehnte summiert. Das Altern als Prozess muss vom Alter als Lebensabschnitt unterschieden werden. Der Begriff des Alterns als Prozess bezieht sich auf die Veränderungen, die sich im Laufe des Lebens eines Menschen vollziehen. Biologisch gesehen beginnt das Altern mit dem Erreichen der Reproduktionsphase und geht mit einer nachlassenden Anpassungsfähigkeit einher. In Psychologie und Soziologie wird das Altern dagegen weniger als Verlust gesehen, stattdessen wird ein differenzierteres Bild gezeichnet, das auch Gewinne des Alterns kennt. Allerdings verschiebt sich das Verhältnis von Entwicklungsgewinnen und Entwicklungsverlusten im Lauf der Zeit. Wann beginnt das Alter und wie verläuft es? Wann beginnt das Alter als Lebensabschnitt? Mit 60? Mit 65? Oder erst mit 75 oder 80? Biologisch gesehen wäre der Beginn des Alters mit dem Ende der reproduktiven Phase anzusetzen. Die Soziologie dagegen unterscheidet meist drei Phasen, die sich an der Beteiligung am Arbeitsleben orientieren: (Aus-) Bildung, Arbeit bzw. Familie und Ruhestand. Beide Definitionen sind angesichts der heutigen Lebenssituation wenig brauchbar. Die Lebenserwartung ist gestiegen, die Lebensformen und Lebensläufe sind vielfältiger als früher, die hohe Variabilität beim Übergang in den Ruhestand macht einen festen chronologischen Bezug zum Beginn des Alters sehr problematisch. Dennoch wird häufig eine Grenze von 60 oder 65
9   

Jahren für den Beginn des Alters als Lebensabschnitt angesetzt. Dabei setzt sich aber zunehmend die Sicht durch, dass die Lebensphase Alter nicht homogen ist, sondern in sich weiter differenziert werden muss. So unterscheiden viele Gerontologen ein drittes und ein viertes Lebensalter: Das dritte Lebensalter umfasst die Spanne von 60 oder 65 bis 80 oder 85 Jahren, synonym wird der Begriff 'junge Alte' verwendet. Daran schließt sich das vierte Lebensalter an, als Begriffe werden 'sehr alte Menschen', 'alte Alte', 'Hochaltrige' oder 'Hochbetagte' verwendet (Tesch-Römer & Wurm 2009). Diese Unterscheidung ist deswegen wichtig, weil die große Mehrheit der 'jungen Alten' das eigene Leben selbstbestimmt gestalten kann, während von den 'alten Alten' so viele von schwerwiegenden Einschränkungen betroffen sind, dass Baltes (1996) einmal von einer Phase der 'Hoffnung mit Trauerflor' gesprochen hat. Dabei ist zusätzlich zu bedenken, dass das kalendarische Alter eine rein rechnerische Größe ist. Keine Lebensphase ist so individuell wie das Alter, in keiner anderen Altersgruppe finden sich so große Unterschiede insbesondere hinsichtlich der gesundheitlichen Lage. Diese Vielfalt wird noch größer, wenn wir berücksichtigen, dass mit zunehmendem Alter ein immer größerer Teil eines Geburtsjahrganges schon gestorben ist. Von den heute 75jährigen Männern ist es die Hälfte des Jahrganges, von den Frauen sind es deutlich weniger. Die alten Menschen, denen wir heute begegnen, sind also in gesundheitlicher Sicht eine 'positive Auswahl' ihres Jahrganges. Schließlich ist Folgendes zu berücksichtigen: Wenn wir die heute 60-Jährigen mit den 70- und den 80-Jährigen vergleichen, unterscheiden sie sich nicht nur im kalendarischen Alter, sondern auch in ihren Erfahrungen und Lebensläufen. Die Generation der 80-Jährigen ist durch Krieg und

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen In der Einleitung sollen verschiedene Dimensionen von Gesundheit und Alter skizziert werden, die für das Verständnis der später geschilderten Daten bedeutsam sind. Gleichzeitig wird auf Faktoren aufmerksam gemacht, die bei dem Vergleich von Daten aus verschiedenen Zeiträumen und bei Prognosen für die Zukunft zu berücksichtigen sind. Was bedeutet Gesundheit im Alter? Gesundheit ist nach der Definition aus der Gründungserklärung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1946 mehr als die Abwesenheit von Krankheit, vielmehr wird sie verstanden als 'ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens'. Darin wird deutlich, dass Gesundheit nicht auf objektive Befunde zu reduzieren ist, sondern ein sehr subjektives Erleben beinhaltet und eine soziale Dimension hat. Gleichzeitig enthält diese Definition ein utopisches Element, weil dieser Zustand anzustreben, aber nie zu erreichen ist. Als Gegenpol kann eine Begriffsbestimmung dienen, die Friedrich Nietzsche zugeschrieben wird: 'Gesundheit ist dasjenige Maß an Krankheit, das es mir noch erlaubt, meinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen'. Meist werden drei verschiedene Dimensionen von Gesundheit unterschieden: somatische und psychische Gesundheit im Sinne medizinischer Klassifikationen, funktionale Gesundheit als die Fähigkeit zur selbständigen Lebensführung und subjektive Gesundheit als Bewertung der eigenen Gesundheit durch die Person selbst (Tesch-Römer & Wurm 2009). Wichtig, aber auch sehr schwierig ist die begriffliche Unterscheidung von Alter(n) und Krankheit. Veränderungen, die mit dem Alter einhergehen, wie das Nachlassen des Seh- und Hörvermögens sind keine Krankheiten. Mit dem Alter steigt aber das Risiko insbesondere von chronisch-degenerativen Krankheiten.
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Einleitung
Der 80-jährige Arthur Rubinstein ist häufig gefragt worden, wie er immer noch ein so guter Konzertpianist sein könne. Seine Antwort: Er habe sein Repertoire verringert, aber er übe diese Stücke mehr als früher. Und er habe einen Kunstgriff angewendet: Weil er die ausgewählten Stücke nicht mehr so schnell wie früher spielen konnte, habe er vor besonders schnellen Passagen das Tempo verringert; im Kontrast erschienen diese dann wieder ausreichend schnell. Damit hat er drei Strategien benannt, die eine erfolgreiche lebenslange Entwicklung möglich machen. Diese Strategien sind erstens Selektion (aus den vorhandenen Möglichkeiten wählte er die ihm wirklich wichtigen aus), zweitens Optimierung (er suchte nach geeigneten Mitteln, um das Gewählte möglichst gut zu tun) und drittens Kompensation (er reagierte flexibel auf sein verringertes Tempo und fand neue Wege, sein Ziel zu erreichen). Diese Strategien machen es möglich, trotz eingeschränkter Ressourcen auch im hohen Alter ein hohes Ausmaß an Zufriedenheit und Lebensqualität zu erleben (Kotter-Grühn et al. 2010). Diese kurze Geschichte soll auf verschiedene Fragen verweisen, auf die dieser Bericht eine Antwort geben will:  Ist Arthur Rubinstein in dieser Art und Weise, sich mit dem eigenen Alter auseinanderzusetzen, ein typischer Vertreter seiner Altersgruppe?  Wie lässt sich Gesundheit im Alter überhaupt beschreiben?  Wie ist es um die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg bestellt, und welche Möglichkeiten der Förderung ihrer Gesundheit haben sie?

Aber nicht alle Veränderungen, die mit dem Alter einhergehen, sind auch dem Alter selbst zuzuschreiben. Der Zusammenhang zwischen Alter und Krankheit kann auch dadurch entstehen, dass viele Krankheiten eine lange Latenzzeit haben (d. h. zwischen der Schädigung und dem Auftreten von Symptomen vergeht eine lange Zeit) oder dadurch, dass sich die Wirkung von Risikofaktoren über Jahre oder Jahrzehnte summiert. Das Altern als Prozess muss vom Alter als Lebensabschnitt unterschieden werden. Der Begriff des Alterns als Prozess bezieht sich auf die Veränderungen, die sich im Laufe des Lebens eines Menschen vollziehen. Biologisch gesehen beginnt das Altern mit dem Erreichen der Reproduktionsphase und geht mit einer nachlassenden Anpassungsfähigkeit einher. In Psychologie und Soziologie wird das Altern dagegen weniger als Verlust gesehen, stattdessen wird ein differenzierteres Bild gezeichnet, das auch Gewinne des Alterns kennt. Allerdings verschiebt sich das Verhältnis von Entwicklungsgewinnen und Entwicklungsverlusten im Lauf der Zeit. Wann beginnt das Alter und wie verläuft es? Wann beginnt das Alter als Lebensabschnitt? Mit 60? Mit 65? Oder erst mit 75 oder 80? Biologisch gesehen wäre der Beginn des Alters mit dem Ende der reproduktiven Phase anzusetzen. Die Soziologie dagegen unterscheidet meist drei Phasen, die sich an der Beteiligung am Arbeitsleben orientieren: (Aus-) Bildung, Arbeit bzw. Familie und Ruhestand. Beide Definitionen sind angesichts der heutigen Lebenssituation wenig brauchbar. Die Lebenserwartung ist gestiegen, die Lebensformen und Lebensläufe sind vielfältiger als früher, die hohe Variabilität beim Übergang in den Ruhestand macht einen festen chronologischen Bezug zum Beginn des Alters sehr problematisch. Dennoch wird häufig eine Grenze von 60 oder 65
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Jahren für den Beginn des Alters als Lebensabschnitt angesetzt. Dabei setzt sich aber zunehmend die Sicht durch, dass die Lebensphase Alter nicht homogen ist, sondern in sich weiter differenziert werden muss. So unterscheiden viele Gerontologen ein drittes und ein viertes Lebensalter: Das dritte Lebensalter umfasst die Spanne von 60 oder 65 bis 80 oder 85 Jahren, synonym wird der Begriff 'junge Alte' verwendet. Daran schließt sich das vierte Lebensalter an, als Begriffe werden 'sehr alte Menschen', 'alte Alte', 'Hochaltrige' oder 'Hochbetagte' verwendet (Tesch-Römer & Wurm 2009). Diese Unterscheidung ist deswegen wichtig, weil die große Mehrheit der 'jungen Alten' das eigene Leben selbstbestimmt gestalten kann, während von den 'alten Alten' so viele von schwerwiegenden Einschränkungen betroffen sind, dass Baltes (1996) einmal von einer Phase der 'Hoffnung mit Trauerflor' gesprochen hat. Dabei ist zusätzlich zu bedenken, dass das kalendarische Alter eine rein rechnerische Größe ist. Keine Lebensphase ist so individuell wie das Alter, in keiner anderen Altersgruppe finden sich so große Unterschiede insbesondere hinsichtlich der gesundheitlichen Lage. Diese Vielfalt wird noch größer, wenn wir berücksichtigen, dass mit zunehmendem Alter ein immer größerer Teil eines Geburtsjahrganges schon gestorben ist. Von den heute 75jährigen Männern ist es die Hälfte des Jahrganges, von den Frauen sind es deutlich weniger. Die alten Menschen, denen wir heute begegnen, sind also in gesundheitlicher Sicht eine 'positive Auswahl' ihres Jahrganges. Schließlich ist Folgendes zu berücksichtigen: Wenn wir die heute 60-Jährigen mit den 70- und den 80-Jährigen vergleichen, unterscheiden sie sich nicht nur im kalendarischen Alter, sondern auch in ihren Erfahrungen und Lebensläufen. Die Generation der 80-Jährigen ist durch Krieg und

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen können – alles Faktoren mit entscheidenden Folgen für die demografische Entwicklung. Bevölkerungsprognosen von heute für das Jahr 2050 sind also mit großen Unsicherheiten behaftet. Noch größer wird die Unsicherheit, wenn es um die Prognosen der Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Arbeitsmarkt oder die Systeme der medizinischen und pflegerischen Versorgung und der sozialen Sicherung geht, weil hier neben dem demografischen Wandel andere Veränderungen berücksichtigt werden müssten wie die der Erwerbsquote, der Produktivitätsfortschritt, die internationale Arbeitsteilung und vieles andere mehr. Eine ausführliche Darstellung der damit verbundenen Probleme findet sich bei Wiesner (2001). Schließlich gehen in Prognosen Annahmen darüber ein, wie der Zusammenhang zwischen der Altersstruktur und der Gesundheit der Bevölkerung in Zukunft aussehen wird. In der Debatte über den Zusammenhang von Älterwerden, Gesundheitsversorgungs- und Pflegekosten stehen sich zwei zentrale Hypothesen gegenüber. Die 'Medikalisierungshypothese' sieht durch die höhere Lebenserwartung auch die Anzahl der kranken Jahre und multimorbider Personen wachsen, die 'Kompressionshypothese' dagegen sieht die Anzahl der beschwerdefreien Jahre wachsen und erwartet einen Anstieg der altersbedingten Gesundheitsausgaben erst am Lebensende oder im letzten Lebensjahr (Sachverständigenrat, 2009). Zum Beispiel wurden im Alterssurvey ältere Menschen in Deutschland 1996 und 2002 befragt mit dem Ergebnis, dass die nachfolgende Generation zu Beginn und im Verlauf des Alters deutlich weniger Krankheiten hatte als die vorangegangene (Wurm & TeschRömer 2004). Die Frage, in welchem Ausmaß der zunehmende Anteil alter Menschen an der Bevölkerung zu einer Kostensteigerung führen wird, lässt sich heute daher nicht beantworten.
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Nachkriegszeit geprägt, die der 60Jährigen ist zur Zeit des Wirtschaftswunders großgeworden. Auch ihre Bildungs- und Berufsbiografien unterscheiden sich deutlich voneinander, alle diese Einflussgrößen wirken sich auch auf die Gesundheit aus. So ist etwa die Häufigkeit demenzieller Krankheiten abhängig von Bildung und Art der Berufstätigkeit (Langa et al. 2008), die Unterschiede in der Häufigkeit von Demenz in verschiedenen Altersgruppen sind also nicht nur durch das Alter, sondern auch durch die unterschiedlichen Biografien bedingt. Gesundheit ist immer auch sozial geprägt. Dies gilt auch für historische Vergleiche: Unterschiede zwischen den alten Menschen heute und den alten Menschen etwa vor zwanzig Jahren sind auch dadurch bedingt, dass ihre Lebenssituationen sich voneinander unterscheiden. Ein Beispiel ist, dass die Endoprothetik in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht hat. Die verbesserte Mobilität älterer Menschen im Vergleich zu früheren Generationen liegt auch daran, dass heute viele mit künstlichen Gelenken versorgt werden können. Wie wird das Alter in Zukunft aussehen? Aus dem gleichen Grund sind Hochrechnungen der gesundheitlichen Lage alter Menschen heute auf die Gesundheit alter Menschen in der Zukunft nur sehr eingeschränkt möglich. Grundsätzlich gilt: Je länger der Prognosezeitraum, desto größer wird die Unsicherheit. Eine Bevölkerungsprognose von 1970 für das Jahr 2010 hätte weder die Auswirkungen der hormonellen Empfängnisverhütung (Pillenknick), die Zunahme der Berufstätigkeit von Frauen, die weltweiten Wanderungsbewegungen oder den Zusammenbruch des Ostblocks und die deutsche Wiedervereinigung berücksichtigen

Bilder vom Alter prägen die Sicht auf das Alter Zur Gesamtsicht auf die Situation älterer Menschen gehören auch gesellschaftliche Bilder des Alters, die unsere Wahrnehmung prägen. Welche Bilder und Konzepte verbinden wir mit dem Begriff 'Alter'? Weisheit, Würde und Lebenserfahrung oder Hinfälligkeit, Demenz und Pflegebedürftigkeit? Engagement und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben oder Rückzug und Kontemplation? Diese Bilder sind in verschiedenen historischen Epochen und in verschiedenen Gesellschaften sehr unterschiedlich und in ständiger Veränderung begriffen, sie beeinflussen aber auch, wie eine Gesellschaft auf demografische Veränderungen reagiert. Seit der Antike gibt es z. B. Vorstellungen vom Lebenslauf als Treppe, oft in Verbindung mit den vier Jahreszeiten: bis zum mittleren Alter gleicht der Lebenslauf einem Aufstieg, danach einem Niedergang. Altersbilder haben auch Einfluss darauf, inwieweit ältere Menschen ihre Entwicklungspotenziale verwirklichen können und inwieweit es älteren Menschen gelingt, altersassoziierte Belastungen zu bewältigen. Der sechste Altenbericht der Bundesregierung vom Dezember 2010 widmet sich dem Thema Altersbilder. Er untersucht, welche Altersbilder in Wirtschaft und Gesellschaft, in Politik und Kultur vorhanden sind, wie und wodurch sie sich verändern und wie sie die Verwirklichung von Potenzialen des Alters und die Verarbeitung von Grenzen im Alter fördern oder erschweren. Er soll auch aufzeigen, wie sich eine differenzierte Darstellung des Alters sowie eine differenzierte Ansprache älterer Menschen erreichen lassen. Wie nennen wir schließlich eine Gesellschaft, in der sowohl die Lebenserwartung als auch der Anteil alter Menschen steigt? In den Medien finden sich häufig Begriffe
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wie 'alternde Gesellschaft', 'vergreisende Gesellschaft', 'überalterte Gesellschaft', seltener Begriffe wie 'Gesellschaft des längeren Lebens' (Sachverständigenrat Gesundheit, Sondergutachten 2009), oder 'langlebige Gesellschaft' (Kocka & Brauer, 2008). Jeder der Begriffe ist aber mit Einstellungen und Wertungen verbunden und kann den Umgang sowohl mit alten Menschen als auch mit den demografischen Veränderungen prägen. Stehen die Sorgen über mögliche Probleme und Gefahren des demografischen Wandels so sehr im Vordergrund, dass sie den Blick auf die Chancen der gewonnenen Jahre verstellen? Dieser Bericht ist Teil der Gesundheitsberichterstattung des Hamburger Senates. Diese folgt einem lebensphasenbezogenen Ansatz. Lebensphasenübergreifende Informationen zur gesundheitlichen Lage und gesundheitlichen Versorgung finden sich in den 'Basisinformationen zu Gesundheit in Hamburg', die 2009 von der BSG vorgelegt wurden und die demografische Entwicklung, Krankheitshäufigkeiten, die Entwicklung der Sterblichkeit sowie die gesundheitliche Versorgung in Hamburg beschreiben und damit auch immer Informationen über ältere Menschen enthalten. Dieser Bericht stützt sich, wo immer möglich, auf Hamburger Daten. Wo diese nicht vorliegen bzw. ergänzen, wird auf andere Daten zurückgegriffen, die aus bundesweiten repräsentativen Erhebungen gewonnen wurden. Einen besonderen Stellenwert haben dabei die Daten aus der LUCAS-Telefonbefragung, weil hier ältere Hamburgerinnen und Hamburger zu vielen Facetten ihrer Gesundheit befragt wurden.

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen können – alles Faktoren mit entscheidenden Folgen für die demografische Entwicklung. Bevölkerungsprognosen von heute für das Jahr 2050 sind also mit großen Unsicherheiten behaftet. Noch größer wird die Unsicherheit, wenn es um die Prognosen der Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Arbeitsmarkt oder die Systeme der medizinischen und pflegerischen Versorgung und der sozialen Sicherung geht, weil hier neben dem demografischen Wandel andere Veränderungen berücksichtigt werden müssten wie die der Erwerbsquote, der Produktivitätsfortschritt, die internationale Arbeitsteilung und vieles andere mehr. Eine ausführliche Darstellung der damit verbundenen Probleme findet sich bei Wiesner (2001). Schließlich gehen in Prognosen Annahmen darüber ein, wie der Zusammenhang zwischen der Altersstruktur und der Gesundheit der Bevölkerung in Zukunft aussehen wird. In der Debatte über den Zusammenhang von Älterwerden, Gesundheitsversorgungs- und Pflegekosten stehen sich zwei zentrale Hypothesen gegenüber. Die 'Medikalisierungshypothese' sieht durch die höhere Lebenserwartung auch die Anzahl der kranken Jahre und multimorbider Personen wachsen, die 'Kompressionshypothese' dagegen sieht die Anzahl der beschwerdefreien Jahre wachsen und erwartet einen Anstieg der altersbedingten Gesundheitsausgaben erst am Lebensende oder im letzten Lebensjahr (Sachverständigenrat, 2009). Zum Beispiel wurden im Alterssurvey ältere Menschen in Deutschland 1996 und 2002 befragt mit dem Ergebnis, dass die nachfolgende Generation zu Beginn und im Verlauf des Alters deutlich weniger Krankheiten hatte als die vorangegangene (Wurm & TeschRömer 2004). Die Frage, in welchem Ausmaß der zunehmende Anteil alter Menschen an der Bevölkerung zu einer Kostensteigerung führen wird, lässt sich heute daher nicht beantworten.
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Nachkriegszeit geprägt, die der 60Jährigen ist zur Zeit des Wirtschaftswunders großgeworden. Auch ihre Bildungs- und Berufsbiografien unterscheiden sich deutlich voneinander, alle diese Einflussgrößen wirken sich auch auf die Gesundheit aus. So ist etwa die Häufigkeit demenzieller Krankheiten abhängig von Bildung und Art der Berufstätigkeit (Langa et al. 2008), die Unterschiede in der Häufigkeit von Demenz in verschiedenen Altersgruppen sind also nicht nur durch das Alter, sondern auch durch die unterschiedlichen Biografien bedingt. Gesundheit ist immer auch sozial geprägt. Dies gilt auch für historische Vergleiche: Unterschiede zwischen den alten Menschen heute und den alten Menschen etwa vor zwanzig Jahren sind auch dadurch bedingt, dass ihre Lebenssituationen sich voneinander unterscheiden. Ein Beispiel ist, dass die Endoprothetik in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht hat. Die verbesserte Mobilität älterer Menschen im Vergleich zu früheren Generationen liegt auch daran, dass heute viele mit künstlichen Gelenken versorgt werden können. Wie wird das Alter in Zukunft aussehen? Aus dem gleichen Grund sind Hochrechnungen der gesundheitlichen Lage alter Menschen heute auf die Gesundheit alter Menschen in der Zukunft nur sehr eingeschränkt möglich. Grundsätzlich gilt: Je länger der Prognosezeitraum, desto größer wird die Unsicherheit. Eine Bevölkerungsprognose von 1970 für das Jahr 2010 hätte weder die Auswirkungen der hormonellen Empfängnisverhütung (Pillenknick), die Zunahme der Berufstätigkeit von Frauen, die weltweiten Wanderungsbewegungen oder den Zusammenbruch des Ostblocks und die deutsche Wiedervereinigung berücksichtigen

Bilder vom Alter prägen die Sicht auf das Alter Zur Gesamtsicht auf die Situation älterer Menschen gehören auch gesellschaftliche Bilder des Alters, die unsere Wahrnehmung prägen. Welche Bilder und Konzepte verbinden wir mit dem Begriff 'Alter'? Weisheit, Würde und Lebenserfahrung oder Hinfälligkeit, Demenz und Pflegebedürftigkeit? Engagement und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben oder Rückzug und Kontemplation? Diese Bilder sind in verschiedenen historischen Epochen und in verschiedenen Gesellschaften sehr unterschiedlich und in ständiger Veränderung begriffen, sie beeinflussen aber auch, wie eine Gesellschaft auf demografische Veränderungen reagiert. Seit der Antike gibt es z. B. Vorstellungen vom Lebenslauf als Treppe, oft in Verbindung mit den vier Jahreszeiten: bis zum mittleren Alter gleicht der Lebenslauf einem Aufstieg, danach einem Niedergang. Altersbilder haben auch Einfluss darauf, inwieweit ältere Menschen ihre Entwicklungspotenziale verwirklichen können und inwieweit es älteren Menschen gelingt, altersassoziierte Belastungen zu bewältigen. Der sechste Altenbericht der Bundesregierung vom Dezember 2010 widmet sich dem Thema Altersbilder. Er untersucht, welche Altersbilder in Wirtschaft und Gesellschaft, in Politik und Kultur vorhanden sind, wie und wodurch sie sich verändern und wie sie die Verwirklichung von Potenzialen des Alters und die Verarbeitung von Grenzen im Alter fördern oder erschweren. Er soll auch aufzeigen, wie sich eine differenzierte Darstellung des Alters sowie eine differenzierte Ansprache älterer Menschen erreichen lassen. Wie nennen wir schließlich eine Gesellschaft, in der sowohl die Lebenserwartung als auch der Anteil alter Menschen steigt? In den Medien finden sich häufig Begriffe
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wie 'alternde Gesellschaft', 'vergreisende Gesellschaft', 'überalterte Gesellschaft', seltener Begriffe wie 'Gesellschaft des längeren Lebens' (Sachverständigenrat Gesundheit, Sondergutachten 2009), oder 'langlebige Gesellschaft' (Kocka & Brauer, 2008). Jeder der Begriffe ist aber mit Einstellungen und Wertungen verbunden und kann den Umgang sowohl mit alten Menschen als auch mit den demografischen Veränderungen prägen. Stehen die Sorgen über mögliche Probleme und Gefahren des demografischen Wandels so sehr im Vordergrund, dass sie den Blick auf die Chancen der gewonnenen Jahre verstellen? Dieser Bericht ist Teil der Gesundheitsberichterstattung des Hamburger Senates. Diese folgt einem lebensphasenbezogenen Ansatz. Lebensphasenübergreifende Informationen zur gesundheitlichen Lage und gesundheitlichen Versorgung finden sich in den 'Basisinformationen zu Gesundheit in Hamburg', die 2009 von der BSG vorgelegt wurden und die demografische Entwicklung, Krankheitshäufigkeiten, die Entwicklung der Sterblichkeit sowie die gesundheitliche Versorgung in Hamburg beschreiben und damit auch immer Informationen über ältere Menschen enthalten. Dieser Bericht stützt sich, wo immer möglich, auf Hamburger Daten. Wo diese nicht vorliegen bzw. ergänzen, wird auf andere Daten zurückgegriffen, die aus bundesweiten repräsentativen Erhebungen gewonnen wurden. Einen besonderen Stellenwert haben dabei die Daten aus der LUCAS-Telefonbefragung, weil hier ältere Hamburgerinnen und Hamburger zu vielen Facetten ihrer Gesundheit befragt wurden.

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Frauenanteil. In der Gesamtstichprobe liegt das Durchschnittsalter bei 73 Jahren, der Frauenanteil liegt bei 58%. Diese Daten wurden für die Gesamtauswertung gewichtet. So bilden die Ergebnisse ein altersrepräsentatives Abbild der Hamburger Bevölkerung. Für die Darstellung der Ergebnisse wurden die Daten der 60- bis 74-Jährigen und die der Älteren ab 75 zu zwei Gruppen zusammengefasst. Dies entspricht nicht der üblichen Einteilung, die die Grenze zur Hochaltrigkeit bei 80 oder 85 Jahren zieht. Bei dieser Einteilung wäre aber die Gruppe der Hochaltrigen zu klein, um noch eine Interpretation der Daten zu erlauben. Deswegen muss bei der Interpretation der Daten berücksichtigt werden, dass die gesundheitliche Lage der über 75-Jährigen insgesamt besser ist als die der Hochaltrigen über 80- oder 85-Jährigen. Die Stichprobe mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit ist im Vergleich deutlich jünger, der Altersdurchschnitt liegt bei 67 Jahren. Sie ist auch deutlich besser gebildet. Hier haben 38% das Abitur oder einen vergleichbaren Abschluss, in der deutschen Stichprobe sind es nur 19%. Es ist zu vermuten, dass hier eine gute Bildung die Bereitschaft erhöhte, an der Studie teilzunehmen. Die Ergebnisse für diese Teilstichprobe werden nur dargestellt, wenn sie von den Ergebnissen der anderen abweichen und nicht mit dem jüngeren Durchschnittsalter zu erklären sind. Diese Studie und ihre Ergebnisse werden ausführlich in einem weiteren Bericht zur Gesundheit älterer Menschen in Hamburg beschrieben, der 2011 erscheinen wird. In diesen Bericht sind nur einige ausgewählte Ergebnisse integriert.

Eine telefonische Befragung zur Gesundheit von älteren Menschen in Hamburg Im Rahmen des vom BMBF geförderten Forschungsverbundes LUCAS (Longitudinal Urban Cohort Ageing Study, Förderkennzeichen 01ET0708 – 01ET0712, www.geriatrie-forschung.de) wurde von der BSG 2009 eine repräsentative Befragung zur Gesundheit älterer Menschen in Hamburg durchgeführt. Diese Befragung wird im Folgenden LUCAS-Telefonbefragung genannt. Gefragt wurde nach der Lebenssituation, dem Gesundheitszustand, der Lebensqualität sowie den Ressourcen und Kompetenzen hinsichtlich gesundheitlich relevanter Themen. Insgesamt wurden fast 100 Fragen gestellt. Für die Studie wurden 1.098 zufällig ausgewählte Personen im Alter von 60 bis 90 Jahren telefonisch befragt, zusätzlich wurden 120 (zum Teil muttersprachliche) Interviews mit Personen geführt, die eine nicht-deutsche Staatsangehörigkeit haben. Die Studienteilnehmerinnen und teilnehmer waren vor dem Interview schriftlich informiert und um ihre Einwilligung gebeten worden, das gesamte Verfahren war mit dem Hamburgischen Datenschutzbeauftragten abgestimmt. Dieses Vorgehen verlangt von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Fähigkeit und Bereitschaft zur Teilnahme an einem längeren telefonischen Interview. Dadurch sind Personen, die z. B. in einem Pflegeheim leben, in der Stichprobe kaum enthalten. In sechs Altersgruppen wurde jeweils die gleiche Zahl von Personen befragt. Dabei wurden fünf Gruppen von jeweils fünf Jahrgängen gebildet, in der letzten Gruppe wurden die über 80-Jährigen zusammengefasst. Der Anteil von Männern und Frauen in jeder Altersgruppe entspricht dabei dem realen Geschlechterverhältnis: je höher das Alter, umso höher ist der

Bevölkerungsstruktur und Entwicklung der Lebenserwartung
Ausführliche Informationen zur Bevölkerung Hamburgs und ihrer Entwicklung finden sich in den 'Basisinformationen zur Gesundheit in Hamburg (BSG 2009,  www.hamburg.de/gesundheitsberichte), hier werden nur die Aspekte skizziert, die für die Gesundheit älterer Menschen und deren Veränderungen bedeutsam sind. Das sind die Bevölkerungsstruktur im Wandel, die Entwicklung der Lebenserwartung und der Anteil 'gesunder Jahre' an der Lebenserwartung. Altersaufbau der Hamburger Bevölkerung In Abb.1 ist der gegenwärtige Altersaufbau der Hamburger Bevölkerung dargestellt. Deutlich wird der größere Anteil von Frauen an den höheren Altersgruppen, der sich durch ihre höhere Lebenserwartung und in den höchsten Altersgruppen auch durch die Folgen des Zweiten Weltkrieges erklärt.

Der Altersaufbau der Bevölkerung wird sich in den nächsten Jahren regional sehr unterschiedlich entwickeln. Während in vielen Teilen Deutschlands die Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten im Durchschnitt deutlich älter wird, bleibt Hamburg eine vergleichsweise 'junge' Metropole. Einer aktuellen Studie von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, zufolge wird der Anteil der über 65-Jährigen, der jetzt in Hamburg bei 18,3% liegt, im Jahre 2030 bei 17,5% liegen und damit praktisch unverändert sein. Für ganz Deutschland dagegen wird dieser Anteil von jetzt 20,6% auf 27,6% steigen (Eurostat 2010). Die 12. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung der Länder und des Bundes kommt dagegen zu dem Ergebnis, dass der Anteil der über 65Jährigen im Jahr 2030 in Hamburg auf 22,5% und in Deutschland auf 28,8% steigen wird (Statistikamt Nord 2010). Die in der Einleitung geschilderten Probleme bei Prognosen über längere Zeiträume werden hier unmittelbar deutlich.

Bevölkerung in Hamburg 2008
Alter

Frauen

90 - 94 85 - 89 80 - 84 75 - 79 70 - 74 65 - 69 60 - 64 55 - 59 50 - 54 45 - 49 40 - 44 35 - 39 30 - 34 25 - 29 20 - 24 15 - 19 10 - 14 5-9 1-4 0 -< 1

Männer

100.000 80.000 60.000 40.000 20.000

0 13 

20.000 40.000 60.000 80.000 100.000

Abbildung 1 Quelle: Statistikamt Nord, eigene Darstellung

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Frauenanteil. In der Gesamtstichprobe liegt das Durchschnittsalter bei 73 Jahren, der Frauenanteil liegt bei 58%. Diese Daten wurden für die Gesamtauswertung gewichtet. So bilden die Ergebnisse ein altersrepräsentatives Abbild der Hamburger Bevölkerung. Für die Darstellung der Ergebnisse wurden die Daten der 60- bis 74-Jährigen und die der Älteren ab 75 zu zwei Gruppen zusammengefasst. Dies entspricht nicht der üblichen Einteilung, die die Grenze zur Hochaltrigkeit bei 80 oder 85 Jahren zieht. Bei dieser Einteilung wäre aber die Gruppe der Hochaltrigen zu klein, um noch eine Interpretation der Daten zu erlauben. Deswegen muss bei der Interpretation der Daten berücksichtigt werden, dass die gesundheitliche Lage der über 75-Jährigen insgesamt besser ist als die der Hochaltrigen über 80- oder 85-Jährigen. Die Stichprobe mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit ist im Vergleich deutlich jünger, der Altersdurchschnitt liegt bei 67 Jahren. Sie ist auch deutlich besser gebildet. Hier haben 38% das Abitur oder einen vergleichbaren Abschluss, in der deutschen Stichprobe sind es nur 19%. Es ist zu vermuten, dass hier eine gute Bildung die Bereitschaft erhöhte, an der Studie teilzunehmen. Die Ergebnisse für diese Teilstichprobe werden nur dargestellt, wenn sie von den Ergebnissen der anderen abweichen und nicht mit dem jüngeren Durchschnittsalter zu erklären sind. Diese Studie und ihre Ergebnisse werden ausführlich in einem weiteren Bericht zur Gesundheit älterer Menschen in Hamburg beschrieben, der 2011 erscheinen wird. In diesen Bericht sind nur einige ausgewählte Ergebnisse integriert.

Eine telefonische Befragung zur Gesundheit von älteren Menschen in Hamburg Im Rahmen des vom BMBF geförderten Forschungsverbundes LUCAS (Longitudinal Urban Cohort Ageing Study, Förderkennzeichen 01ET0708 – 01ET0712, www.geriatrie-forschung.de) wurde von der BSG 2009 eine repräsentative Befragung zur Gesundheit älterer Menschen in Hamburg durchgeführt. Diese Befragung wird im Folgenden LUCAS-Telefonbefragung genannt. Gefragt wurde nach der Lebenssituation, dem Gesundheitszustand, der Lebensqualität sowie den Ressourcen und Kompetenzen hinsichtlich gesundheitlich relevanter Themen. Insgesamt wurden fast 100 Fragen gestellt. Für die Studie wurden 1.098 zufällig ausgewählte Personen im Alter von 60 bis 90 Jahren telefonisch befragt, zusätzlich wurden 120 (zum Teil muttersprachliche) Interviews mit Personen geführt, die eine nicht-deutsche Staatsangehörigkeit haben. Die Studienteilnehmerinnen und teilnehmer waren vor dem Interview schriftlich informiert und um ihre Einwilligung gebeten worden, das gesamte Verfahren war mit dem Hamburgischen Datenschutzbeauftragten abgestimmt. Dieses Vorgehen verlangt von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Fähigkeit und Bereitschaft zur Teilnahme an einem längeren telefonischen Interview. Dadurch sind Personen, die z. B. in einem Pflegeheim leben, in der Stichprobe kaum enthalten. In sechs Altersgruppen wurde jeweils die gleiche Zahl von Personen befragt. Dabei wurden fünf Gruppen von jeweils fünf Jahrgängen gebildet, in der letzten Gruppe wurden die über 80-Jährigen zusammengefasst. Der Anteil von Männern und Frauen in jeder Altersgruppe entspricht dabei dem realen Geschlechterverhältnis: je höher das Alter, umso höher ist der

Bevölkerungsstruktur und Entwicklung der Lebenserwartung
Ausführliche Informationen zur Bevölkerung Hamburgs und ihrer Entwicklung finden sich in den 'Basisinformationen zur Gesundheit in Hamburg (BSG 2009,  www.hamburg.de/gesundheitsberichte), hier werden nur die Aspekte skizziert, die für die Gesundheit älterer Menschen und deren Veränderungen bedeutsam sind. Das sind die Bevölkerungsstruktur im Wandel, die Entwicklung der Lebenserwartung und der Anteil 'gesunder Jahre' an der Lebenserwartung. Altersaufbau der Hamburger Bevölkerung In Abb.1 ist der gegenwärtige Altersaufbau der Hamburger Bevölkerung dargestellt. Deutlich wird der größere Anteil von Frauen an den höheren Altersgruppen, der sich durch ihre höhere Lebenserwartung und in den höchsten Altersgruppen auch durch die Folgen des Zweiten Weltkrieges erklärt.

Der Altersaufbau der Bevölkerung wird sich in den nächsten Jahren regional sehr unterschiedlich entwickeln. Während in vielen Teilen Deutschlands die Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten im Durchschnitt deutlich älter wird, bleibt Hamburg eine vergleichsweise 'junge' Metropole. Einer aktuellen Studie von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, zufolge wird der Anteil der über 65-Jährigen, der jetzt in Hamburg bei 18,3% liegt, im Jahre 2030 bei 17,5% liegen und damit praktisch unverändert sein. Für ganz Deutschland dagegen wird dieser Anteil von jetzt 20,6% auf 27,6% steigen (Eurostat 2010). Die 12. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung der Länder und des Bundes kommt dagegen zu dem Ergebnis, dass der Anteil der über 65Jährigen im Jahr 2030 in Hamburg auf 22,5% und in Deutschland auf 28,8% steigen wird (Statistikamt Nord 2010). Die in der Einleitung geschilderten Probleme bei Prognosen über längere Zeiträume werden hier unmittelbar deutlich.

Bevölkerung in Hamburg 2008
Alter

Frauen

90 - 94 85 - 89 80 - 84 75 - 79 70 - 74 65 - 69 60 - 64 55 - 59 50 - 54 45 - 49 40 - 44 35 - 39 30 - 34 25 - 29 20 - 24 15 - 19 10 - 14 5-9 1-4 0 -< 1

Männer

100.000 80.000 60.000 40.000 20.000

0 13 

20.000 40.000 60.000 80.000 100.000

Abbildung 1 Quelle: Statistikamt Nord, eigene Darstellung

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen der Lebenserwartung und der beschwerdefreien Lebenserwartung (damit sind die Jahre ohne größere gesundheitliche Einschränkungen gemeint). In einer vergleichenden Studie konnten große Unterschiede innerhalb der EU- Länder aufgezeigt werden. Bei vergleichbarer Lebenserwartung gibt es große Unterschiede hinsichtlich der beschwerdefreien Jahre. Die Abbildungen 3 und 4 zeigen die Daten für einige ausgewählte Länder.
Ferne Lebenerwartung 50‐jähriger  Männer  Lebensjahre gesunde Lebensjahre

Diese Veränderungen der Zusammensetzung der Bevölkerung sind durch Veränderungen der Geburten, durch Wanderungsbewegungen und die Veränderung der Lebenserwartung bedingt. Entwicklung der Lebenserwartung Die Lebenserwartung bei der Geburt ist im vergangenen Jahrhundert stark angestiegen, sie verlängerte sich zwischen 1900 und 2008 um mehr als dreißig Jahre. Allerdings ist dies vorrangig durch den Rückgang der Sterblichkeit in allen Altersgruppen, besonders der von Müttern bei der Geburt und der von Kindern zu erklären. Interessanter ist daher in diesem Zusammenhang die sogenannte ferne Lebenserwartung. Sie ist für die 60-Jährigen im gleichen Zeitraum bei Frauen um 10,5, bei Männern um 7,8 Jahre gestiegen. Die ferne Lebenserwartung ist also im gleichen Zeitraum sehr viel weniger stark angestiegen als die Lebenserwartung bei der Geburt. (Abb. 2, Daten des Statistischen Bundesamtes 2009). Die Veränderung der Lebenserwartung bei der Geburt allein ist also nicht geeignet, die Entwicklung der Lebenserwartung angemessen zu beschreiben.
Entwicklung der Lebenserwartung 1900 2008
75,1 44,8 82,4 48,3 24,7 13,1 20,9 14,2

Deutschland gehört zu den Ländern, in denen die Zahl der gesunden Lebensjahre relativ niedrig ist. Die Zahl der gesunden Jahre ist in Frankreich, Italien, Schweden und Dänemark deutlich höher. In Dänemark etwa haben 50-jährige Frauen noch 24 gesunde Lebensjahre vor sich, in Deutschland dagegen nur 14 (Jagger et al. 2008).

Dies weist auf unausgeschöpfte Möglichkeiten der Verbesserung der Gesundheit im Alter hin. Auch für Hamburg können wir davon ausgehen, dass die Gesundheit älterer Menschen noch deutlich verbessert werden kann: durch Prävention, Gesundheitsförderung und die medizinische Versorgung.

40 30 Jahre Jahre 20 10 0

Abbildung 3 Quelle: Jagger et al. (2008), eigene Darstellung 

100 80 Jahre 60 40 20 0

40 30 20 10 0

Ferne Lebenserwartung 50‐jähriger  Frauen Lebensjahre gesunde Lebensjahre

männlich weiblich männlich weiblich bei der Geburt mit 60
Abbildung 4 Quelle: Jagger et al. (2008), eigene Darstellung

Abbildung 2 Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Darstellung      

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen der Lebenserwartung und der beschwerdefreien Lebenserwartung (damit sind die Jahre ohne größere gesundheitliche Einschränkungen gemeint). In einer vergleichenden Studie konnten große Unterschiede innerhalb der EU- Länder aufgezeigt werden. Bei vergleichbarer Lebenserwartung gibt es große Unterschiede hinsichtlich der beschwerdefreien Jahre. Die Abbildungen 3 und 4 zeigen die Daten für einige ausgewählte Länder.
Ferne Lebenerwartung 50‐jähriger  Männer  Lebensjahre gesunde Lebensjahre

Diese Veränderungen der Zusammensetzung der Bevölkerung sind durch Veränderungen der Geburten, durch Wanderungsbewegungen und die Veränderung der Lebenserwartung bedingt. Entwicklung der Lebenserwartung Die Lebenserwartung bei der Geburt ist im vergangenen Jahrhundert stark angestiegen, sie verlängerte sich zwischen 1900 und 2008 um mehr als dreißig Jahre. Allerdings ist dies vorrangig durch den Rückgang der Sterblichkeit in allen Altersgruppen, besonders der von Müttern bei der Geburt und der von Kindern zu erklären. Interessanter ist daher in diesem Zusammenhang die sogenannte ferne Lebenserwartung. Sie ist für die 60-Jährigen im gleichen Zeitraum bei Frauen um 10,5, bei Männern um 7,8 Jahre gestiegen. Die ferne Lebenserwartung ist also im gleichen Zeitraum sehr viel weniger stark angestiegen als die Lebenserwartung bei der Geburt. (Abb. 2, Daten des Statistischen Bundesamtes 2009). Die Veränderung der Lebenserwartung bei der Geburt allein ist also nicht geeignet, die Entwicklung der Lebenserwartung angemessen zu beschreiben.
Entwicklung der Lebenserwartung 1900 2008
75,1 44,8 82,4 48,3 24,7 13,1 20,9 14,2

Deutschland gehört zu den Ländern, in denen die Zahl der gesunden Lebensjahre relativ niedrig ist. Die Zahl der gesunden Jahre ist in Frankreich, Italien, Schweden und Dänemark deutlich höher. In Dänemark etwa haben 50-jährige Frauen noch 24 gesunde Lebensjahre vor sich, in Deutschland dagegen nur 14 (Jagger et al. 2008).

Dies weist auf unausgeschöpfte Möglichkeiten der Verbesserung der Gesundheit im Alter hin. Auch für Hamburg können wir davon ausgehen, dass die Gesundheit älterer Menschen noch deutlich verbessert werden kann: durch Prävention, Gesundheitsförderung und die medizinische Versorgung.

40 30 Jahre Jahre 20 10 0

Abbildung 3 Quelle: Jagger et al. (2008), eigene Darstellung 

100 80 Jahre 60 40 20 0

40 30 20 10 0

Ferne Lebenserwartung 50‐jähriger  Frauen Lebensjahre gesunde Lebensjahre

männlich weiblich männlich weiblich bei der Geburt mit 60
Abbildung 4 Quelle: Jagger et al. (2008), eigene Darstellung

Abbildung 2 Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Darstellung      

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen und Hamburger über 65 in einem EinPersonen-Haushalt leben. Deutliche Unterschiede gibt es dabei zwischen Männern und Frauen. 24% der älteren Männer, aber 53% der älteren Frauen leben allein. Der Mikrozensus hat auch Daten zur finanziellen Situation älterer Menschen erhoben. 92% der Befragten beziehen ihren überwiegenden Lebensunterhalt aus einer Rente oder Pension. 4% werden durch Angehörige unterhalten und 2% gehen noch einer den Lebensunterhalt sichernden Erwerbstätigkeit nach. Mit einem Nettoeinkommen von bis zu 900 Euro müssen 2007 knapp 11% der Seniorenhaushalte in Hamburg auskommen. Ein Nettoeinkommen zwischen 900 und 1.700 Euro hatten etwa 43% der Seniorenhaushalte. Mehr als 1.700 Euro hatten hingegen 46% der Haushalte zur Verfügung (Statistikamt Nord, 2009). Die Nutzung eines PKW ist für viele Menschen ein wichtiger Aspekt von Selbständigkeit und Mobilität. Dies gilt besonders, wenn etwa schwere Gegenstände nicht mehr gut getragen werden können oder das Gehen mühsam ist. 79% bzw. 45% der befragten Männer und Frauen geben an, selbst Auto zu fahren. 6% bzw. 24% beschreiben sich als Mitfahrer. Insgesamt kann man also sagen, dass mehr als 80% der älteren Hamburger und rund 70% der älteren Hamburgerinnen ein Auto nutzen. Im typischen Fall fahren Männer selbst, während Frauen häufiger auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Dieser Unterschied ist vielleicht damit zu erklären, dass für viele Menschen dieser Generation Autofahren eher eine männliche Domäne ist. Die Autonutzung ändert sich mit dem Alter. Unter den jüngeren befragten Männern (bis 75) sind 83% Selbstfahrer, unter den Älteren sind es nur noch 71%. Bei den Frauen sinkt der
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Lebenssituation
Die Gesundheit eines jeden Menschen wird auch von der Lebenssituation bestimmt und wirkt auf diese zurück. Dies gilt für alle Menschen, für alte Menschen aber in besonders starkem Ausmaß. Daher werden in diesem Kapitel die Wohnsituation, die finanzielle Lage und die sozialen Beziehungen älterer Menschen skizziert. Diese Faktoren werden herausgegriffen, weil sie zum einen die Lebensqualität und die Möglichkeiten der selbständigen Lebensführung beeinflussen, zum anderen, weil sie auch als Determinanten von Gesundheit und Krankheit bzw. als Ressourcen zur Krankheitsbewältigung wichtig sind. Die Autonutzung wird geschildert, weil sie einen wichtigen Aspekt der Mobilität in unserer Gesellschaft abbildet. Die meisten alten Menschen leben nicht allein 64% der in der LUCAS-Telefonbefragung Interviewten leben mit einem Partner bzw. einer Partnerin zusammen, 34% leben allein – andere Wohnformen spielen praktisch keine Rolle. Dieses Gesamtbild ist aber nach Geschlecht und Alter zu differenzieren. Frauen leben mit 43% häufiger allein als Männer mit 21%, die unter 75-Jährigen leben mit 26% seltener allein als die Älteren mit 48%. Dieses Muster ist in erster Linie durch die höhere Lebenserwartung von Frauen und den typischen Altersunterschied bei (heterosexuellen) Paaren zu erklären und macht deutlich, dass es häufiger Frauen und Hochaltrige sind, die allein leben und dadurch leichter in eine Situation kommen, in der sie auf externe Hilfe angewiesen sind. Diese Daten sind vergleichbar mit dem Ergebnis des Mikrozensus von 2007, nach dem 41% der Hamburgerinnen

Wert von 57% auf 23%. Das kann daran liegen, dass mit zunehmendem Alter die Sicherheit im Straßenverkehr nachlässt. Es kann aber auch daran liegen, dass von den Älteren sehr viele in einer Familie ohne Auto großgeworden sind und dadurch ein eigenes Auto weniger häufig als Selbstverständlichkeit betrachten oder keinen Führerschein haben. Die meisten alten Menschen sind in ein tragfähiges soziales Netz eingebunden Die meisten der telefonisch befragten Personen sind in ein soziales Netz eingebunden. So geben 78% an, mehr als drei Personen zu haben, auf die sie sich bei ernsten persönlichen Problemen verlassen können. Zwar ist bei sozialen Netzen die Qualität wichtiger als die Größe, aber ein sehr kleines Netz gerät eher an die Grenze seiner Tragfähigkeit. Mit zunehmendem Alter wird dieser Personenkreis allerdings kleiner. Von den jüngeren Befragten verfügen 82% über mehr als drei entsprechende Personen, unter den älteren Befragten sind es nur noch 68%. Auch Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit können nur zu 67% auf so viel Unterstützung zurückgreifen. Das Bild von der funktionierenden Großfamilie in Familien mit Migrationshintergrund ist hier also korrekturbedürftig. Insgesamt stimmen diese Angaben zum sozialen Netz gut mit denen aus dem telefonischen Gesundheitssurvey des RKI (RKI 2006) überein, es gibt hier also keinen Unterschied zwischen Hamburg und Deutschland insgesamt. Sie machen aber auch deutlich, dass es eine Teilgruppe von Menschen gibt, die nur auf wenig Unterstützung zurückgreifen können und dadurch eher auf fremde Hilfe angewiesen sind. Die Möglichkeit, soziale Unterstützung zu erhalten, wird auch an einer anderen Frage deutlich.
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87% geben an, dass es Menschen gibt, die im Notfall einige Tage für sie sorgen würden. Auch dies trifft für den jüngeren Teil der Stichprobe mit 91% häufiger zu als auf den älteren Teil mit 81%. Die Personen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit haben mit 79% seltener diese Möglichkeit als die deutschen Befragten. Viele alte Menschen engagieren sich im Ehrenamt und durch informelle soziale Unterstützung Die Befragten können nicht nur auf ein soziales Netz zurückgreifen, wenn sie Unterstützung brauchen – sie leisten auch selbst in hohem Maß Hilfe und Unterstützung für andere. In Abb. 5 sind die Häufigkeiten für ehrenamtliches Engagement, Pflege, Hilfen im Alltag und Kinderbetreuung dargestellt. Unterstützung anderer 
40 Prozent 30 20 10 0

Männer

Frauen

Abbildung 5 Quelle: LUCAS-Telefonbefragung (BSG)

21% unter den jüngeren und 11% unter den älteren Befragten engagieren sich in einem Ehrenamt, unter den Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit sind es 17%. Diese Werte decken sich mit den im Alterssurvey erhobenen, sind aber niedriger als die des 3. Freiwilligensurvey des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Ob diese Differenz methodisch bedingt ist oder auf realen Unterschieden zwischen Hamburg und dem Bundesgebiet

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen und Hamburger über 65 in einem EinPersonen-Haushalt leben. Deutliche Unterschiede gibt es dabei zwischen Männern und Frauen. 24% der älteren Männer, aber 53% der älteren Frauen leben allein. Der Mikrozensus hat auch Daten zur finanziellen Situation älterer Menschen erhoben. 92% der Befragten beziehen ihren überwiegenden Lebensunterhalt aus einer Rente oder Pension. 4% werden durch Angehörige unterhalten und 2% gehen noch einer den Lebensunterhalt sichernden Erwerbstätigkeit nach. Mit einem Nettoeinkommen von bis zu 900 Euro müssen 2007 knapp 11% der Seniorenhaushalte in Hamburg auskommen. Ein Nettoeinkommen zwischen 900 und 1.700 Euro hatten etwa 43% der Seniorenhaushalte. Mehr als 1.700 Euro hatten hingegen 46% der Haushalte zur Verfügung (Statistikamt Nord, 2009). Die Nutzung eines PKW ist für viele Menschen ein wichtiger Aspekt von Selbständigkeit und Mobilität. Dies gilt besonders, wenn etwa schwere Gegenstände nicht mehr gut getragen werden können oder das Gehen mühsam ist. 79% bzw. 45% der befragten Männer und Frauen geben an, selbst Auto zu fahren. 6% bzw. 24% beschreiben sich als Mitfahrer. Insgesamt kann man also sagen, dass mehr als 80% der älteren Hamburger und rund 70% der älteren Hamburgerinnen ein Auto nutzen. Im typischen Fall fahren Männer selbst, während Frauen häufiger auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Dieser Unterschied ist vielleicht damit zu erklären, dass für viele Menschen dieser Generation Autofahren eher eine männliche Domäne ist. Die Autonutzung ändert sich mit dem Alter. Unter den jüngeren befragten Männern (bis 75) sind 83% Selbstfahrer, unter den Älteren sind es nur noch 71%. Bei den Frauen sinkt der
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Lebenssituation
Die Gesundheit eines jeden Menschen wird auch von der Lebenssituation bestimmt und wirkt auf diese zurück. Dies gilt für alle Menschen, für alte Menschen aber in besonders starkem Ausmaß. Daher werden in diesem Kapitel die Wohnsituation, die finanzielle Lage und die sozialen Beziehungen älterer Menschen skizziert. Diese Faktoren werden herausgegriffen, weil sie zum einen die Lebensqualität und die Möglichkeiten der selbständigen Lebensführung beeinflussen, zum anderen, weil sie auch als Determinanten von Gesundheit und Krankheit bzw. als Ressourcen zur Krankheitsbewältigung wichtig sind. Die Autonutzung wird geschildert, weil sie einen wichtigen Aspekt der Mobilität in unserer Gesellschaft abbildet. Die meisten alten Menschen leben nicht allein 64% der in der LUCAS-Telefonbefragung Interviewten leben mit einem Partner bzw. einer Partnerin zusammen, 34% leben allein – andere Wohnformen spielen praktisch keine Rolle. Dieses Gesamtbild ist aber nach Geschlecht und Alter zu differenzieren. Frauen leben mit 43% häufiger allein als Männer mit 21%, die unter 75-Jährigen leben mit 26% seltener allein als die Älteren mit 48%. Dieses Muster ist in erster Linie durch die höhere Lebenserwartung von Frauen und den typischen Altersunterschied bei (heterosexuellen) Paaren zu erklären und macht deutlich, dass es häufiger Frauen und Hochaltrige sind, die allein leben und dadurch leichter in eine Situation kommen, in der sie auf externe Hilfe angewiesen sind. Diese Daten sind vergleichbar mit dem Ergebnis des Mikrozensus von 2007, nach dem 41% der Hamburgerinnen

Wert von 57% auf 23%. Das kann daran liegen, dass mit zunehmendem Alter die Sicherheit im Straßenverkehr nachlässt. Es kann aber auch daran liegen, dass von den Älteren sehr viele in einer Familie ohne Auto großgeworden sind und dadurch ein eigenes Auto weniger häufig als Selbstverständlichkeit betrachten oder keinen Führerschein haben. Die meisten alten Menschen sind in ein tragfähiges soziales Netz eingebunden Die meisten der telefonisch befragten Personen sind in ein soziales Netz eingebunden. So geben 78% an, mehr als drei Personen zu haben, auf die sie sich bei ernsten persönlichen Problemen verlassen können. Zwar ist bei sozialen Netzen die Qualität wichtiger als die Größe, aber ein sehr kleines Netz gerät eher an die Grenze seiner Tragfähigkeit. Mit zunehmendem Alter wird dieser Personenkreis allerdings kleiner. Von den jüngeren Befragten verfügen 82% über mehr als drei entsprechende Personen, unter den älteren Befragten sind es nur noch 68%. Auch Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit können nur zu 67% auf so viel Unterstützung zurückgreifen. Das Bild von der funktionierenden Großfamilie in Familien mit Migrationshintergrund ist hier also korrekturbedürftig. Insgesamt stimmen diese Angaben zum sozialen Netz gut mit denen aus dem telefonischen Gesundheitssurvey des RKI (RKI 2006) überein, es gibt hier also keinen Unterschied zwischen Hamburg und Deutschland insgesamt. Sie machen aber auch deutlich, dass es eine Teilgruppe von Menschen gibt, die nur auf wenig Unterstützung zurückgreifen können und dadurch eher auf fremde Hilfe angewiesen sind. Die Möglichkeit, soziale Unterstützung zu erhalten, wird auch an einer anderen Frage deutlich.
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87% geben an, dass es Menschen gibt, die im Notfall einige Tage für sie sorgen würden. Auch dies trifft für den jüngeren Teil der Stichprobe mit 91% häufiger zu als auf den älteren Teil mit 81%. Die Personen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit haben mit 79% seltener diese Möglichkeit als die deutschen Befragten. Viele alte Menschen engagieren sich im Ehrenamt und durch informelle soziale Unterstützung Die Befragten können nicht nur auf ein soziales Netz zurückgreifen, wenn sie Unterstützung brauchen – sie leisten auch selbst in hohem Maß Hilfe und Unterstützung für andere. In Abb. 5 sind die Häufigkeiten für ehrenamtliches Engagement, Pflege, Hilfen im Alltag und Kinderbetreuung dargestellt. Unterstützung anderer 
40 Prozent 30 20 10 0

Männer

Frauen

Abbildung 5 Quelle: LUCAS-Telefonbefragung (BSG)

21% unter den jüngeren und 11% unter den älteren Befragten engagieren sich in einem Ehrenamt, unter den Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit sind es 17%. Diese Werte decken sich mit den im Alterssurvey erhobenen, sind aber niedriger als die des 3. Freiwilligensurvey des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Ob diese Differenz methodisch bedingt ist oder auf realen Unterschieden zwischen Hamburg und dem Bundesgebiet

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3. Korrektur vom 10.01.2011 Druckreif Erneute Korrektur

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Pflege und Kinderbetreuung werden dabei häufiger von Frauen, Hilfen im Alltag dagegen häufiger von Männern geleistet. Das soziale Engagement findet also nicht nur im Ehrenamt, sondern auch in anderen Formen sozialer Hilfe und Unterstützung seinen Ausdruck. Diese Formen der informellen sozialen Unterstützung sind von großem Wert für die Menschen, die so unterstützt werden. Sie sind aber gleichermaßen bedeutsam für diejenigen, die diese Unterstützung leisten. Von anderen unterstützt zu werden, ebenso wie sich für andere einzusetzen, festigt soziale Beziehungen, vermittelt Freude und Anerkennung und trägt damit auch zur Förderung der Gesundheit aller Beteiligten bei.

beruht, kann erst geklärt werden, wenn die Daten aus einer von der BSG in Auftrag gegebenen Zusatzerhebung zum Freiwilligensurvey vorliegen (voraussichtlich Ende 2010). 23% der jüngeren und 13% der älteren Befragten pflegen und unterstützen Angehörige oder andere Personen, von den Befragten mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit sind es 12%. Eine wichtige Rolle spielen außerdem informelle Hilfe und Unterstützung für andere außerhalb der Familie. 32% der jüngeren und 20% der älteren Befragten geben an, andere in ihrem Alltag zu unterstützen (z. B. Reparaturen oder Einkäufe). Bei der Betreuung von Kindern helfen 26% der jüngeren und 15% der älteren Befragten.

Gesundheitsbezogene Einstellungen und Verhaltensweisen
Wie sehen ältere Hamburgerinnen und Hamburger selbst ihre Gesundheit und wie bewerten sie sie? In diesem Kapitel werden die Einschätzung der eigenen Gesundheit sowie gesundheitsrelevante Verhaltensweisen wie Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten beschrieben. Außerdem wird eine Studie zum Gesundheitsverhalten von älteren Hamburgerinnen und Hamburgern mit Migrationshintergrund vorgestellt. Die meisten alten Menschen bewerten die eigene Lebensqualität und Gesundheit positiv Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer wurden gefragt, wie sie ihre Lebensqualität und ihre Gesundheit selbst einschätzen. Diese 'subjektive Gesundheit' ist deswegen besonders interessant, weil sie nicht nur ein Indikator des gesundheitlichen Wohlbefindens ist, sondern besser als die 'objektive Gesundheit' eine Prognose der zukünftigen Gesundheit erlaubt: "das subjektive Gesundheitserleben (kann) die nachfolgende Langlebigkeit bzw. Sterblichkeit besser vorhersagen als der objektive Gesundheitszustand" (Wurm, Lampert & Menning 2009, 80). Die Mehrzahl der in der LUCASTelefonbefragung befragten Personen beurteilt die eigene Lebensqualität positiv. Mehr als drei Viertel bewerten sie als gut oder sehr gut, Männer und Frauen unterschieden sich kaum voneinander. Es gibt eine deutliche Altersabhängigkeit: Während von den Personen unter 75 Jahren 81% ihre Lebensqualität als sehr gut oder gut bewerten, sind es bei den Älteren 'nur' noch 72%. Die wahrgenommene

Lebensqualität nimmt also mit dem Alter ab. Die Personen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit erreichen mit 72% einen etwas niedrigeren Wert als die deutsche Stichprobe, obwohl sie im Schnitt jünger sind. Aber insgesamt nur 7% bewertet die eigene Lebensqualität als schlecht oder sehr schlecht. Ihren gesundheitlichen Allgemeinzustand bewerten die befragten älteren Hamburgerinnen und Hamburger gleichermaßen überwiegend positiv. Deutlich mehr als die Hälfte (63%) bezeichnen ihn als gut oder sehr gut, 12% dagegen als schlecht oder sehr schlecht (Abb. 6). Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind wieder sehr gering. Auch hier zeigt sich ein Altersunterschied: Von den jüngeren Befragten bewerten 67% ihre Gesundheit als gut oder sehr gut, bei den älteren (ab 75) sind es nur noch 56% (Die Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit erreichen einen Wert von 63%, obwohl sie im Schnitt jünger sind als die deutschen Befragten). Wie die wahrgenommene Lebensqualität verschlechtert sich also die subjektive Gesundheit mit zunehmendem Alter und ist bei Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit schlechter als bei Deutschen. Eigene Gesundheit  
60 50 40 30 20 10 0

Männer

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Prozent

sehr  schlecht schlecht

weder  noch

gut

sehr gut

gesundheitlicher Allgemeinzustand

Abbildung 6 Quelle: LUCAS-Telefonbefragung (BSG)

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Pflege und Kinderbetreuung werden dabei häufiger von Frauen, Hilfen im Alltag dagegen häufiger von Männern geleistet. Das soziale Engagement findet also nicht nur im Ehrenamt, sondern auch in anderen Formen sozialer Hilfe und Unterstützung seinen Ausdruck. Diese Formen der informellen sozialen Unterstützung sind von großem Wert für die Menschen, die so unterstützt werden. Sie sind aber gleichermaßen bedeutsam für diejenigen, die diese Unterstützung leisten. Von anderen unterstützt zu werden, ebenso wie sich für andere einzusetzen, festigt soziale Beziehungen, vermittelt Freude und Anerkennung und trägt damit auch zur Förderung der Gesundheit aller Beteiligten bei.

beruht, kann erst geklärt werden, wenn die Daten aus einer von der BSG in Auftrag gegebenen Zusatzerhebung zum Freiwilligensurvey vorliegen (voraussichtlich Ende 2010). 23% der jüngeren und 13% der älteren Befragten pflegen und unterstützen Angehörige oder andere Personen, von den Befragten mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit sind es 12%. Eine wichtige Rolle spielen außerdem informelle Hilfe und Unterstützung für andere außerhalb der Familie. 32% der jüngeren und 20% der älteren Befragten geben an, andere in ihrem Alltag zu unterstützen (z. B. Reparaturen oder Einkäufe). Bei der Betreuung von Kindern helfen 26% der jüngeren und 15% der älteren Befragten.

Gesundheitsbezogene Einstellungen und Verhaltensweisen
Wie sehen ältere Hamburgerinnen und Hamburger selbst ihre Gesundheit und wie bewerten sie sie? In diesem Kapitel werden die Einschätzung der eigenen Gesundheit sowie gesundheitsrelevante Verhaltensweisen wie Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten beschrieben. Außerdem wird eine Studie zum Gesundheitsverhalten von älteren Hamburgerinnen und Hamburgern mit Migrationshintergrund vorgestellt. Die meisten alten Menschen bewerten die eigene Lebensqualität und Gesundheit positiv Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer wurden gefragt, wie sie ihre Lebensqualität und ihre Gesundheit selbst einschätzen. Diese 'subjektive Gesundheit' ist deswegen besonders interessant, weil sie nicht nur ein Indikator des gesundheitlichen Wohlbefindens ist, sondern besser als die 'objektive Gesundheit' eine Prognose der zukünftigen Gesundheit erlaubt: "das subjektive Gesundheitserleben (kann) die nachfolgende Langlebigkeit bzw. Sterblichkeit besser vorhersagen als der objektive Gesundheitszustand" (Wurm, Lampert & Menning 2009, 80). Die Mehrzahl der in der LUCASTelefonbefragung befragten Personen beurteilt die eigene Lebensqualität positiv. Mehr als drei Viertel bewerten sie als gut oder sehr gut, Männer und Frauen unterschieden sich kaum voneinander. Es gibt eine deutliche Altersabhängigkeit: Während von den Personen unter 75 Jahren 81% ihre Lebensqualität als sehr gut oder gut bewerten, sind es bei den Älteren 'nur' noch 72%. Die wahrgenommene

Lebensqualität nimmt also mit dem Alter ab. Die Personen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit erreichen mit 72% einen etwas niedrigeren Wert als die deutsche Stichprobe, obwohl sie im Schnitt jünger sind. Aber insgesamt nur 7% bewertet die eigene Lebensqualität als schlecht oder sehr schlecht. Ihren gesundheitlichen Allgemeinzustand bewerten die befragten älteren Hamburgerinnen und Hamburger gleichermaßen überwiegend positiv. Deutlich mehr als die Hälfte (63%) bezeichnen ihn als gut oder sehr gut, 12% dagegen als schlecht oder sehr schlecht (Abb. 6). Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind wieder sehr gering. Auch hier zeigt sich ein Altersunterschied: Von den jüngeren Befragten bewerten 67% ihre Gesundheit als gut oder sehr gut, bei den älteren (ab 75) sind es nur noch 56% (Die Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit erreichen einen Wert von 63%, obwohl sie im Schnitt jünger sind als die deutschen Befragten). Wie die wahrgenommene Lebensqualität verschlechtert sich also die subjektive Gesundheit mit zunehmendem Alter und ist bei Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit schlechter als bei Deutschen. Eigene Gesundheit  
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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Bewältigung müssen sich nicht nur alte Menschen auseinandersetzen, sondern auch jüngere, etwa Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen. Im Alter sind aber alle Menschen mit Einschränkungen und Verlusten konfrontiert, in der Entwicklungspsychologie wird deren Bewältigung als eine der zentralen Entwicklungsaufgaben des Alters genannt (Peters, 2004). Die meisten alten Menschen achten auf ihre Gesundheit Für Gesundheitsförderung und Prävention ist es nie zu spät. Zum Beispiel können auch bei hochaltrigen Menschen durch gezieltes Training Kraft, Gleichgewicht und Koordination deutlich verbessert werden. Damit vermindern sich Sturzrisiko und Sturzangst, die Gangsicherheit nimmt zu und die Lebensqualität steigt. Derartige Interventionen setzen aber voraus, dass die eigene Gesundheit nicht als schicksalhaft hingenommen, sondern als etwas erlebt wird, das durch eigenes Handeln beeinflusst werden kann. Daher wurden auch verschiedene Fragen zum Gesundheitsverhalten allgemein sowie zu Bewegung und Ernährung gestellt. Die große Mehrzahl der in der Befragten ist davon überzeugt, die eigene Gesundheit beeinflussen zu können. Fast drei Viertel meinen, sie könnten sehr viel oder viel für die eigene Gesundheit tun. Nur 4% meinen, die eigene Gesundheit wenig oder gar nicht beeinflussen zu können bzw. können diese Frage nicht beantworten (Abb. 7); unter den Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit sind es 11%. Auch hier wieder unterscheiden sich die Altersgruppen: unter den Jüngeren teilen 77% die Ansicht, viel oder sehr viel für die eigene Gesundheit tun zu können,
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Auch diese Daten stimmen in der Größenordnung mit denen aus dem Gesundheitssurvey 2003 des RKI überein (Wurm, Lampert & Menning, 2009). Zwischen der Wahrnehmung der Lebensqualität und der Beurteilung des gesundheitlichen Allgemeinzustandes gibt es zwar einen statistischen Zusammenhang, die Einschätzungen decken sich aber nicht völlig. Wer mit seiner Lebensqualität unzufrieden ist, ist es auch mit der Gesundheit. Wer dagegen seine Gesundheit als schlecht erlebt, kann trotzdem die Lebensqualität als gut wahrnehmen. Die insgesamt positive Bewertung der Lebensqualität und der Gesundheit bedeutet allerdings nicht, dass die Betroffenen keinerlei gesundheitliche Beschwerden oder Beeinträchtigungen haben. Insgesamt berichten die in der LUCAS-Telefonbefragung Befragten über viele gesundheitliche Probleme und Einschränkungen (vgl. den folgenden Abschnitt zu Beschwerden, Krankheiten und Behinderungen). Sie sind aber trotz dieser Beschwerden und Einschränkungen mit ihrer Gesundheit und Lebensqualität in hohem Ausmaß zufrieden. Dieser scheinbare Widerspruch wird in der Fachliteratur als 'Paradox des subjektiven Wohlbefindens im Alter' bezeichnet (Rothermund & Brandtstädter, 2003). Wenn es gelingt, die häufig mit dem Alter verbundenen Einschränkungen und Verluste zu akzeptieren, indem Ziele neu bewertet oder Vergleichsmaßstäbe geändert werden, können Lebensqualität und Zufriedenheit mit der Gesundheit weitgehend bewahrt werden. Die in der Einleitung beschriebenen Strategien der Selektion, Optimierung und Modifikation spielen dafür eine bedeutsame Rolle. Mit dieser Aufgabe und ihrer

unter den Älteren ab 75 sind es nur noch 65%. Die Antworten der Befragten mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit sind hier denen der deutschen Befragten vergleichbar. Einfluss auf die eigene  Gesundheit 
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Insgesamt sagen deutlich mehr als die Hälfte der Befragten (62%), dass sie sehr stark oder stark auf ausreichend Bewegung achten (Abb. 8). Frauen achten mit 65% noch mehr auf Bewegung als Männern mit 57%, zwischen den Altersgruppen dagegen gibt es keinen Unterschied. Die Personen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit teilen diese Einschätzung aber nur zu 54%, also deutlich seltener, als aufgrund ihres jüngeren Alters zu erwarten wäre.

Männer

Frauen

Prozent

sehr viel

viel

einiges

wenig

nichts

Bewegung
40 30 Prozent 20 10 0
sehr stark stark teils weniger gar nicht auf ausreichend Bewegung achten

Männer

Frauen

Möglichkeit, die eigene  Gesundheit zu  verbessern

Abbildung 7 Quelle: LUCAS-Telefonberatung (BSG)  

In der Fachliteratur wird die Überzeugung, die eigene Gesundheit beeinflussen zu können, auch als Selbstwirksamkeitserwartung bezeichnet. Sie ist deswegen so wichtig, weil sie eine wichtige Voraussetzung für wirksame Prävention und Gesundheitsförderung ist. Wer meint, dass Gesundheit in erster Linie von der Veranlagung oder vom Schicksal bestimmt ist, wird kaum dazu motiviert sein, sich aktiv um die eigene Gesundheit zu kümmern. Leider bezieht sich die Forschung zur Selbstwirksamkeitserwartung und zu den Möglichkeiten, sie zu beeinflussen, vorrangig auf Kinder und Jugendliche und gibt daher wenig Hinweise, wie die Selbstwirksamkeitserwartung auch im Alter zu beeinflussen ist. Die meisten alten Menschen nehmen ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung wichtig – aber nicht in dem Ausmaß, wie es aus Expertensicht wünschenswert ist Ernährung und Bewegung sind für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer von großer Bedeutung.
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Abbildung 8 Quelle: LUCAS-Telefonberatung (BSG)

Insgesamt nur 3% sagen, dass sie gar nicht auf ausreichend Bewegung achten bzw. können diese Frage nicht beantworten, unter den Menschen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit sind es 8%. Um welche Art von Bewegung handelt es sich dabei? Nach einer von der Behörde für Kultur, Sport und Medien in Auftrag gegebenen Befragung nennen ältere Hamburgerinnen und Hamburger folgende Sportarten am häufigsten: Gymnastik, Schwimmen, Fitness, Wandern und Walking. Eine Zusammenfassung der Studie ist hier nachzulesen: http://www.hamburg.de/bkm
  

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Bewältigung müssen sich nicht nur alte Menschen auseinandersetzen, sondern auch jüngere, etwa Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen. Im Alter sind aber alle Menschen mit Einschränkungen und Verlusten konfrontiert, in der Entwicklungspsychologie wird deren Bewältigung als eine der zentralen Entwicklungsaufgaben des Alters genannt (Peters, 2004). Die meisten alten Menschen achten auf ihre Gesundheit Für Gesundheitsförderung und Prävention ist es nie zu spät. Zum Beispiel können auch bei hochaltrigen Menschen durch gezieltes Training Kraft, Gleichgewicht und Koordination deutlich verbessert werden. Damit vermindern sich Sturzrisiko und Sturzangst, die Gangsicherheit nimmt zu und die Lebensqualität steigt. Derartige Interventionen setzen aber voraus, dass die eigene Gesundheit nicht als schicksalhaft hingenommen, sondern als etwas erlebt wird, das durch eigenes Handeln beeinflusst werden kann. Daher wurden auch verschiedene Fragen zum Gesundheitsverhalten allgemein sowie zu Bewegung und Ernährung gestellt. Die große Mehrzahl der in der Befragten ist davon überzeugt, die eigene Gesundheit beeinflussen zu können. Fast drei Viertel meinen, sie könnten sehr viel oder viel für die eigene Gesundheit tun. Nur 4% meinen, die eigene Gesundheit wenig oder gar nicht beeinflussen zu können bzw. können diese Frage nicht beantworten (Abb. 7); unter den Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit sind es 11%. Auch hier wieder unterscheiden sich die Altersgruppen: unter den Jüngeren teilen 77% die Ansicht, viel oder sehr viel für die eigene Gesundheit tun zu können,
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Auch diese Daten stimmen in der Größenordnung mit denen aus dem Gesundheitssurvey 2003 des RKI überein (Wurm, Lampert & Menning, 2009). Zwischen der Wahrnehmung der Lebensqualität und der Beurteilung des gesundheitlichen Allgemeinzustandes gibt es zwar einen statistischen Zusammenhang, die Einschätzungen decken sich aber nicht völlig. Wer mit seiner Lebensqualität unzufrieden ist, ist es auch mit der Gesundheit. Wer dagegen seine Gesundheit als schlecht erlebt, kann trotzdem die Lebensqualität als gut wahrnehmen. Die insgesamt positive Bewertung der Lebensqualität und der Gesundheit bedeutet allerdings nicht, dass die Betroffenen keinerlei gesundheitliche Beschwerden oder Beeinträchtigungen haben. Insgesamt berichten die in der LUCAS-Telefonbefragung Befragten über viele gesundheitliche Probleme und Einschränkungen (vgl. den folgenden Abschnitt zu Beschwerden, Krankheiten und Behinderungen). Sie sind aber trotz dieser Beschwerden und Einschränkungen mit ihrer Gesundheit und Lebensqualität in hohem Ausmaß zufrieden. Dieser scheinbare Widerspruch wird in der Fachliteratur als 'Paradox des subjektiven Wohlbefindens im Alter' bezeichnet (Rothermund & Brandtstädter, 2003). Wenn es gelingt, die häufig mit dem Alter verbundenen Einschränkungen und Verluste zu akzeptieren, indem Ziele neu bewertet oder Vergleichsmaßstäbe geändert werden, können Lebensqualität und Zufriedenheit mit der Gesundheit weitgehend bewahrt werden. Die in der Einleitung beschriebenen Strategien der Selektion, Optimierung und Modifikation spielen dafür eine bedeutsame Rolle. Mit dieser Aufgabe und ihrer

unter den Älteren ab 75 sind es nur noch 65%. Die Antworten der Befragten mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit sind hier denen der deutschen Befragten vergleichbar. Einfluss auf die eigene  Gesundheit 
50 40 30 20 10 0

Insgesamt sagen deutlich mehr als die Hälfte der Befragten (62%), dass sie sehr stark oder stark auf ausreichend Bewegung achten (Abb. 8). Frauen achten mit 65% noch mehr auf Bewegung als Männern mit 57%, zwischen den Altersgruppen dagegen gibt es keinen Unterschied. Die Personen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit teilen diese Einschätzung aber nur zu 54%, also deutlich seltener, als aufgrund ihres jüngeren Alters zu erwarten wäre.

Männer

Frauen

Prozent

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einiges

wenig

nichts

Bewegung
40 30 Prozent 20 10 0
sehr stark stark teils weniger gar nicht auf ausreichend Bewegung achten

Männer

Frauen

Möglichkeit, die eigene  Gesundheit zu  verbessern

Abbildung 7 Quelle: LUCAS-Telefonberatung (BSG)  

In der Fachliteratur wird die Überzeugung, die eigene Gesundheit beeinflussen zu können, auch als Selbstwirksamkeitserwartung bezeichnet. Sie ist deswegen so wichtig, weil sie eine wichtige Voraussetzung für wirksame Prävention und Gesundheitsförderung ist. Wer meint, dass Gesundheit in erster Linie von der Veranlagung oder vom Schicksal bestimmt ist, wird kaum dazu motiviert sein, sich aktiv um die eigene Gesundheit zu kümmern. Leider bezieht sich die Forschung zur Selbstwirksamkeitserwartung und zu den Möglichkeiten, sie zu beeinflussen, vorrangig auf Kinder und Jugendliche und gibt daher wenig Hinweise, wie die Selbstwirksamkeitserwartung auch im Alter zu beeinflussen ist. Die meisten alten Menschen nehmen ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung wichtig – aber nicht in dem Ausmaß, wie es aus Expertensicht wünschenswert ist Ernährung und Bewegung sind für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer von großer Bedeutung.
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Abbildung 8 Quelle: LUCAS-Telefonberatung (BSG)

Insgesamt nur 3% sagen, dass sie gar nicht auf ausreichend Bewegung achten bzw. können diese Frage nicht beantworten, unter den Menschen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit sind es 8%. Um welche Art von Bewegung handelt es sich dabei? Nach einer von der Behörde für Kultur, Sport und Medien in Auftrag gegebenen Befragung nennen ältere Hamburgerinnen und Hamburger folgende Sportarten am häufigsten: Gymnastik, Schwimmen, Fitness, Wandern und Walking. Eine Zusammenfassung der Studie ist hier nachzulesen: http://www.hamburg.de/bkm
  

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen terstützt viele Alltags- und Freizeitaktivitäten. Es ist daher ein Indikator für die körperlichen Fähigkeiten alter Menschen. Die Bereitschaft, das Rad zu nutzen, hängt aber auch von der Qualität und Sicherheit der Radwege ab. Die Bereitschaft und die Fähigkeit alter Menschen, mit dem Rad zu fahren, sollten stärker gefördert werden. Dazu gehört ein größeres Angebot an entsprechenden Kursen, aber auch eine Verbesserung des Radwegenetzes. In welchem Ausmaß das tatsächliche Bewegungsverhalten allerdings ausreichend ist, ist aus diesen Zahlen nicht abzulesen. So empfiehlt die WHO an mindestens vier Tagen in der Woche je 30 Minuten Training (definiert als Belastung mit 50 bis 60% der maximalen Herzfrequenz). Im telefonischen Gesundheitssurvey des RKI gaben knapp 40% der 60- bis 69-Jährigen an, wöchentlich zwei oder mehr Stunden Sport zu treiben, bei den über 80Jährigen waren es noch knapp 20% (RKI 2005). Andere Studien kommen zu vergleichbaren Ergebnissen. Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass die meisten Befragten von der Bedeutung von Bewegung für die Gesundheit überzeugt sind, dies aber nicht in wünschenswertem Umfang im Alltag umsetzen. Diese Aussage gilt aber auch für jüngere Menschen, wie etwa der Gesundheitssurvey des RKI gezeigt hat (RKI 2006). bzw. können diese Frage nicht beantworten (Abb. 10). Auch diese Haltung ändert sich mit zunehmendem Alter nicht und ist für Menschen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit genauso ausgeprägt wie bei den deutschen Befragten. Wieder ist hier zu bedenken, dass diese Zahlen allein nichts über das tatsächliche Ernährungsverhalten und seine Übereinstimmung mit Ernährungsempfehlungen aussagen, daher wurden in den Interviews weitere Fragen zum Konsum von Obst und Gemüse gestellt. Ernährung
40 30 Prozent 20 10 0
sehr stark stark teils weniger gar nicht auf gesunde Ernährung achten

In der LUCAS-Telefonbefragung wurde nicht nach Sport, sondern nach Bewegung gefragt. Unter den Antworten steht das Spazierengehen an erster Stelle. Mehr als drei Viertel (77%) der Befragten gehen täglich oder mehrmals wöchentlich spazieren. Außerdem sagen 35% der Frauen und 44% der Männer, dass sie regelmäßig (d. h. mindestens einmal in der Woche) Rad fahren. Nie gelernt oder aufgegeben haben das Radfahren 49% der Frauen und 28% der Männer. Dabei gibt es wieder deutliche Altersunterschiede. Das Radfahren aufgegeben haben 25% der jüngeren, aber 61% der älteren Befragten, gleichzeitig sinkt der Anteil der regelmäßigen Radler von 47% auf 22% (Abb.9). Von den Personen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit haben 12% nie gelernt, mit dem Rad zu fahren. 40% haben es aufgegeben, 15% fahren gelegentlich und 33% regelmäßig mit dem Rad. Fahrrad fahren
50 40 Prozent 30 20 10 0
nie gelernt aufgehört gelegentlich regelmäßig

nährung, täglich fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen, wird also nur von wenigen umgesetzt. Diese Daten stimmen mit den in anderen Studien erhobenen Daten überein. Auch im telefonischen Gesundheitssurvey des RKI gaben mehr als 80% der über 60-jährigen Frauen und mehr als 70% der über 60-jährigen Männer an, täglich Obst und Gemüse zu essen – deutlich mehr als in jüngeren Altersgruppen. Die empfohlene Menge von fünf Portionen oder 400 Gramm wurde aber trotzdem nur von etwa der Hälfte erreicht (RKI 2006). Wie im Bereich der Bewegung zeigt sich, dass Frauen stärker als Männer auf gesunde Ernährung achten. Das Alter und die Staatsangehörigkeit spielen hier im Unterschied zur Bewegung keine bedeutsame Rolle. Wie im Bereich der Bewegung zeigt sich aber auch, dass das tatsächliche Ernährungsverhalten nicht den Expertenempfehlungen entspricht. Die große Mehrheit der befragten alten Menschen ist mit dem eigenen Gesundheitsverhalten zufrieden und hat wenig Interesse an Angeboten zur Gesundheitsförderung Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden auch gebeten, ihr eigenes Gesundheitsverhalten zu bewerten. Insgesamt sind die meisten damit zufrieden: 70% der Jüngeren finden, ihr Gesundheitsverhalten sei völlig oder zumindest im Großen und Ganzen in Ordnung, bei den über 75-Jährigen sind es sogar 76%, unter den Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit aber nur 58%. Insgesamt meinen aber nur sehr wenige, sie sollten sehr viel an ihrem Gesundheitsverhalten verbessern. Die relativ große Gruppe derer, die meinen, dass manches an ihrem
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Männer

Frauen

Männer

Frauen

Abbildung 10 Quelle: LUCAS-Telefonbefragung (BSG)

Abbildung 9 Quelle: LUCAS-Telefonbefragung (BSG)

Das Radfahren ist aus verschiedenen Gründen ein besonders wichtiger Aspekt der Mobilität. Es ist eine gelenkschonende Bewegung, es ist ein ausgezeichnetes Training für Ausdauer, Gleichgewicht und Koordination, es vergrößert den Aktionsradius und un22   

Die Ernährung wird noch wichtiger genommen als die Bewegung. Mehr als die Hälfte (64%) der Befragten achten sehr stark oder stark auf gesunde Ernährung. Wieder ist dies für Frauen noch wichtiger als für Männer (71% bzw. 56% Zustimmung). Nur 2% sagen, dass sie gar nicht auf gesunde Ernährung achten

Unter den jüngeren Befragten sagen 86% der Frauen und 71% der Männer, dass sie täglich Obst essen – von diesen essen aber 67% bzw. 78% nur ein oder zwei Portionen am Tag. Unter den Älteren essen 89% der Frauen und 80% der Männer täglich Obst – davon sind es wieder 71 bzw. 81%, die nur ein oder zwei Portionen essen. Die Werte für den Verzehr von Gemüse sind noch niedriger. Unter den Jüngeren berichten 78% der Frauen und 59% der Männer von einem täglichen Verzehr, unter den Älteren sind es 73 bzw. 66%. Unabhängig von Geschlecht und Alter verzehren rund 90% davon nur ein oder zwei Portionen am Tag. Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Er 

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen terstützt viele Alltags- und Freizeitaktivitäten. Es ist daher ein Indikator für die körperlichen Fähigkeiten alter Menschen. Die Bereitschaft, das Rad zu nutzen, hängt aber auch von der Qualität und Sicherheit der Radwege ab. Die Bereitschaft und die Fähigkeit alter Menschen, mit dem Rad zu fahren, sollten stärker gefördert werden. Dazu gehört ein größeres Angebot an entsprechenden Kursen, aber auch eine Verbesserung des Radwegenetzes. In welchem Ausmaß das tatsächliche Bewegungsverhalten allerdings ausreichend ist, ist aus diesen Zahlen nicht abzulesen. So empfiehlt die WHO an mindestens vier Tagen in der Woche je 30 Minuten Training (definiert als Belastung mit 50 bis 60% der maximalen Herzfrequenz). Im telefonischen Gesundheitssurvey des RKI gaben knapp 40% der 60- bis 69-Jährigen an, wöchentlich zwei oder mehr Stunden Sport zu treiben, bei den über 80Jährigen waren es noch knapp 20% (RKI 2005). Andere Studien kommen zu vergleichbaren Ergebnissen. Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass die meisten Befragten von der Bedeutung von Bewegung für die Gesundheit überzeugt sind, dies aber nicht in wünschenswertem Umfang im Alltag umsetzen. Diese Aussage gilt aber auch für jüngere Menschen, wie etwa der Gesundheitssurvey des RKI gezeigt hat (RKI 2006). bzw. können diese Frage nicht beantworten (Abb. 10). Auch diese Haltung ändert sich mit zunehmendem Alter nicht und ist für Menschen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit genauso ausgeprägt wie bei den deutschen Befragten. Wieder ist hier zu bedenken, dass diese Zahlen allein nichts über das tatsächliche Ernährungsverhalten und seine Übereinstimmung mit Ernährungsempfehlungen aussagen, daher wurden in den Interviews weitere Fragen zum Konsum von Obst und Gemüse gestellt. Ernährung
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sehr stark stark teils weniger gar nicht auf gesunde Ernährung achten

In der LUCAS-Telefonbefragung wurde nicht nach Sport, sondern nach Bewegung gefragt. Unter den Antworten steht das Spazierengehen an erster Stelle. Mehr als drei Viertel (77%) der Befragten gehen täglich oder mehrmals wöchentlich spazieren. Außerdem sagen 35% der Frauen und 44% der Männer, dass sie regelmäßig (d. h. mindestens einmal in der Woche) Rad fahren. Nie gelernt oder aufgegeben haben das Radfahren 49% der Frauen und 28% der Männer. Dabei gibt es wieder deutliche Altersunterschiede. Das Radfahren aufgegeben haben 25% der jüngeren, aber 61% der älteren Befragten, gleichzeitig sinkt der Anteil der regelmäßigen Radler von 47% auf 22% (Abb.9). Von den Personen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit haben 12% nie gelernt, mit dem Rad zu fahren. 40% haben es aufgegeben, 15% fahren gelegentlich und 33% regelmäßig mit dem Rad. Fahrrad fahren
50 40 Prozent 30 20 10 0
nie gelernt aufgehört gelegentlich regelmäßig

nährung, täglich fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen, wird also nur von wenigen umgesetzt. Diese Daten stimmen mit den in anderen Studien erhobenen Daten überein. Auch im telefonischen Gesundheitssurvey des RKI gaben mehr als 80% der über 60-jährigen Frauen und mehr als 70% der über 60-jährigen Männer an, täglich Obst und Gemüse zu essen – deutlich mehr als in jüngeren Altersgruppen. Die empfohlene Menge von fünf Portionen oder 400 Gramm wurde aber trotzdem nur von etwa der Hälfte erreicht (RKI 2006). Wie im Bereich der Bewegung zeigt sich, dass Frauen stärker als Männer auf gesunde Ernährung achten. Das Alter und die Staatsangehörigkeit spielen hier im Unterschied zur Bewegung keine bedeutsame Rolle. Wie im Bereich der Bewegung zeigt sich aber auch, dass das tatsächliche Ernährungsverhalten nicht den Expertenempfehlungen entspricht. Die große Mehrheit der befragten alten Menschen ist mit dem eigenen Gesundheitsverhalten zufrieden und hat wenig Interesse an Angeboten zur Gesundheitsförderung Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden auch gebeten, ihr eigenes Gesundheitsverhalten zu bewerten. Insgesamt sind die meisten damit zufrieden: 70% der Jüngeren finden, ihr Gesundheitsverhalten sei völlig oder zumindest im Großen und Ganzen in Ordnung, bei den über 75-Jährigen sind es sogar 76%, unter den Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit aber nur 58%. Insgesamt meinen aber nur sehr wenige, sie sollten sehr viel an ihrem Gesundheitsverhalten verbessern. Die relativ große Gruppe derer, die meinen, dass manches an ihrem
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Männer

Frauen

Männer

Frauen

Abbildung 10 Quelle: LUCAS-Telefonbefragung (BSG)

Abbildung 9 Quelle: LUCAS-Telefonbefragung (BSG)

Das Radfahren ist aus verschiedenen Gründen ein besonders wichtiger Aspekt der Mobilität. Es ist eine gelenkschonende Bewegung, es ist ein ausgezeichnetes Training für Ausdauer, Gleichgewicht und Koordination, es vergrößert den Aktionsradius und un22   

Die Ernährung wird noch wichtiger genommen als die Bewegung. Mehr als die Hälfte (64%) der Befragten achten sehr stark oder stark auf gesunde Ernährung. Wieder ist dies für Frauen noch wichtiger als für Männer (71% bzw. 56% Zustimmung). Nur 2% sagen, dass sie gar nicht auf gesunde Ernährung achten

Unter den jüngeren Befragten sagen 86% der Frauen und 71% der Männer, dass sie täglich Obst essen – von diesen essen aber 67% bzw. 78% nur ein oder zwei Portionen am Tag. Unter den Älteren essen 89% der Frauen und 80% der Männer täglich Obst – davon sind es wieder 71 bzw. 81%, die nur ein oder zwei Portionen essen. Die Werte für den Verzehr von Gemüse sind noch niedriger. Unter den Jüngeren berichten 78% der Frauen und 59% der Männer von einem täglichen Verzehr, unter den Älteren sind es 73 bzw. 66%. Unabhängig von Geschlecht und Alter verzehren rund 90% davon nur ein oder zwei Portionen am Tag. Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Er 

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen auf der einen Seite davon überzeugt, die eigene Gesundheit beeinflussen zu können, sie achten z. B. auf ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung – gleichzeitig sind sie an Angeboten zur Gesundheitsförderung kaum interessiert. Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Es mag sein, dass der Begriff der Gesundheitsförderung den Befragten nicht vertraut ist, es mag sein, dass entsprechende Angebote ihnen nicht bekannt sind oder nicht als motivierend erlebt werden (Als Beispiele waren vorgegeben: Gewichtsreduktion, gesunde Ernährung, Entspannung und Stressbewältigung, Verbesserung von Fitness und Beweglichkeit und Alkohol- bzw. Medikamentenentwöhnung). Es kann auch sein, dass sie im Laufe ihres Lebens vielen verschiedenen und sich z. T. widersprechenden Empfehlungen begegnet und dadurch verunsichert sind. Gleichzeitig ist zu bedenken, dass die meisten Befragten mit ihrem Gesundheitsverhalten zufrieden sind und deswegen kein Interesse an zusätzlichen Aktivitäten haben. Es mag auch sein, dass das weiter oben geschilderte Paradoxon des Wohlbefindens im Alter damit verbunden ist, dass auch vermeidbare Einschränkungen als unveränderlich hingenommen werden und dadurch Möglichkeiten der Prävention und Gesundheitsförderung ungenutzt bleiben. Einen besseren Einblick in diesen Themenkomplex wird die ausführliche Darstellung der LUCAS-Studie in dem schon erwähnten zweiten Bericht zur Gesundheit älterer Menschen in Hamburg erlauben. Ein Hinweis dafür, auf welchem Weg ältere Menschen für Prävention und Gesundheitsförderung anzusprechen sind, findet sich in den Ergebnissen einer repräsentativen Seniorenbefragung im Bezirk Eimsbüttel. Dort stand unter
24   

Gesundheitsverhalten zu verbessern sei, macht aber gleichzeitig deutlich, dass es durchaus Anknüpfungspunkte für Angebote der Gesundheitsförderung gibt. (Abb. 11). Gesundheitsverhalten
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sehr viel verbessern manches verbessern insgesamt in Ordnung völlig in Ordnung

Männer

Frauen

den für die Zukunft geäußerten Sorgen die Angst vor Hilfsbedürftigkeit an erster Stelle noch vor der Angst vor gesundheitlichen Problemen (Dapp et al. 2009). Die Erhaltung von Autonomie und Selbständigkeit war offensichtlich den Befragten wichtiger als die Erhaltung der Gesundheit. Dies sollte daher stärker bei der Gestaltung von Angeboten der Gesundheitsförderung im Alter berücksichtigt werden. Zur Gesundheit von Menschen mit Migrationshintergrund in Hamburg Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der LUCAS-Telefonbefragung mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit unterscheiden sich in einigen Punkten von den anderen Befragten, wie weiter oben schon dargestellt wurde (Dabei ist zu bedenken, dass auch unter den Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit etwa 5% einen Migrationshintergrund haben). Sie bewerten ihre Lebensqualität und ihren gesundheitlichen Allgemeinzustand insgesamt etwas negativer als die Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit, insbesondere klagen sie häufiger über Schmerzen. Sie berichten auch über kleinere soziale Netze und weniger soziale Unterstützung durch andere. Sie sind seltener davon überzeugt, die eigene Gesundheit beeinflussen zu können, und achten deutlich weniger auf ausreichend Bewegung – gleichzeitig sind sie stärker an Angeboten der Gesundheitsförderung interessiert. Allerdings ist in dieser Befragung die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit klein und nicht repräsentativ, die Befunde lassen sich daher nicht verallgemeinern. Die BSG hatte zusätzlich eine Expertise zu dem Thema in Auftrag gegeben.

Gesundheits(informations)verhalten von älteren Migrantinnen und Migranten Diese Expertise wurde vom HansBredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg durchgeführt und untersucht das Gesundheitsverhalten sowie das Gesundheitsinformationsverhalten von älteren Menschen mit Migrationshintergrund (Lampert & Voth 2009). Dazu wurden vier qualitative Gruppengespräche und zwölf Einzelinterviews (z. T. mit der Unterstützung durch Dolmetscher/-innen) mit älteren Menschen türkischer und russischer Herkunft durchgeführt, insgesamt haben 60 Personen teilgenommen. Die Stichprobe ist klein und hinsichtlich des Alters, des Gesundheitszustands und des Bildungshintergrundes sehr unterschiedlich zusammengesetzt. Verallgemeinerungen sind daher nur eingeschränkt möglich, wohl aber die Beschreibung typischer Einstellungs- und Verhaltensmuster. Für viele Migranten ist Gesundheit die Abwesenheit von Krankheit, und für Krankheit ist das Versorgungssystem zuständig Für die meisten Befragten ist 'Gesundheit' ein abstrakter Begriff, mit dem sie wenig verbinden können. Gesundheit wird als Abwesenheit von körperlichen Beschwerden und von Krankheit verstanden, hat aber keine eigenen Qualitäten. Außerdem spiegelt sich in den Äußerungen der Befragten häufig ein fatalistisches Gesundheitsverständnis. Gesundheit wird als etwas betrachtet, das im Wesentlichen von äußeren Faktoren beeinflusst wird und wenig vom eigenen Verhalten abhängt. Entsprechend orientieren sie sich stärker an der Behandlung von Krankheit als an der Förderung von Gesundheit. Allerdings spielt es eine Rolle, ob die Migration als Chance oder Verlust wahrgenommen
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Beurteilung des eigenen Gesundheitsverhaltens

Abbildung 11 Quelle: LUCAS-Telefonbefragung (BSG)

Es gibt also insgesamt eine deutliche Diskrepanz zwischen der subjektiven Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens und dem tatsächlichen Verhalten, wenn man dieses mit den Empfehlungen der Fachgesellschaften vergleicht. Diese Diskrepanz ist aber keine Besonderheit des Alters, sondern gilt ebenso für andere Altersgruppen. Es ist eine hohe Herausforderung an die Akteure im Bereich Gesundheitsförderung, hier wirksame und von den Zielgruppen akzeptierte Interventionen zu entwickeln und anzubieten. Dazu passt, dass das Interesse an Maßnahmen zur Gesundheitsförderung insgesamt eher gering ist. Nur etwa ein Fünftel zeigt sich daran interessiert. Unter den Jüngeren sind es 25%, unter den über 75-Jährigen nur noch 16%, unter den Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit aber 34%. Diese Zahlen sind auf dem Hintergrund der bisher vorgestellten Ergebnisse schwer einzuordnen. Die Befragten sind

 

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen auf der einen Seite davon überzeugt, die eigene Gesundheit beeinflussen zu können, sie achten z. B. auf ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung – gleichzeitig sind sie an Angeboten zur Gesundheitsförderung kaum interessiert. Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Es mag sein, dass der Begriff der Gesundheitsförderung den Befragten nicht vertraut ist, es mag sein, dass entsprechende Angebote ihnen nicht bekannt sind oder nicht als motivierend erlebt werden (Als Beispiele waren vorgegeben: Gewichtsreduktion, gesunde Ernährung, Entspannung und Stressbewältigung, Verbesserung von Fitness und Beweglichkeit und Alkohol- bzw. Medikamentenentwöhnung). Es kann auch sein, dass sie im Laufe ihres Lebens vielen verschiedenen und sich z. T. widersprechenden Empfehlungen begegnet und dadurch verunsichert sind. Gleichzeitig ist zu bedenken, dass die meisten Befragten mit ihrem Gesundheitsverhalten zufrieden sind und deswegen kein Interesse an zusätzlichen Aktivitäten haben. Es mag auch sein, dass das weiter oben geschilderte Paradoxon des Wohlbefindens im Alter damit verbunden ist, dass auch vermeidbare Einschränkungen als unveränderlich hingenommen werden und dadurch Möglichkeiten der Prävention und Gesundheitsförderung ungenutzt bleiben. Einen besseren Einblick in diesen Themenkomplex wird die ausführliche Darstellung der LUCAS-Studie in dem schon erwähnten zweiten Bericht zur Gesundheit älterer Menschen in Hamburg erlauben. Ein Hinweis dafür, auf welchem Weg ältere Menschen für Prävention und Gesundheitsförderung anzusprechen sind, findet sich in den Ergebnissen einer repräsentativen Seniorenbefragung im Bezirk Eimsbüttel. Dort stand unter
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Gesundheitsverhalten zu verbessern sei, macht aber gleichzeitig deutlich, dass es durchaus Anknüpfungspunkte für Angebote der Gesundheitsförderung gibt. (Abb. 11). Gesundheitsverhalten
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sehr viel verbessern manches verbessern insgesamt in Ordnung völlig in Ordnung

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den für die Zukunft geäußerten Sorgen die Angst vor Hilfsbedürftigkeit an erster Stelle noch vor der Angst vor gesundheitlichen Problemen (Dapp et al. 2009). Die Erhaltung von Autonomie und Selbständigkeit war offensichtlich den Befragten wichtiger als die Erhaltung der Gesundheit. Dies sollte daher stärker bei der Gestaltung von Angeboten der Gesundheitsförderung im Alter berücksichtigt werden. Zur Gesundheit von Menschen mit Migrationshintergrund in Hamburg Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der LUCAS-Telefonbefragung mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit unterscheiden sich in einigen Punkten von den anderen Befragten, wie weiter oben schon dargestellt wurde (Dabei ist zu bedenken, dass auch unter den Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit etwa 5% einen Migrationshintergrund haben). Sie bewerten ihre Lebensqualität und ihren gesundheitlichen Allgemeinzustand insgesamt etwas negativer als die Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit, insbesondere klagen sie häufiger über Schmerzen. Sie berichten auch über kleinere soziale Netze und weniger soziale Unterstützung durch andere. Sie sind seltener davon überzeugt, die eigene Gesundheit beeinflussen zu können, und achten deutlich weniger auf ausreichend Bewegung – gleichzeitig sind sie stärker an Angeboten der Gesundheitsförderung interessiert. Allerdings ist in dieser Befragung die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit klein und nicht repräsentativ, die Befunde lassen sich daher nicht verallgemeinern. Die BSG hatte zusätzlich eine Expertise zu dem Thema in Auftrag gegeben.

Gesundheits(informations)verhalten von älteren Migrantinnen und Migranten Diese Expertise wurde vom HansBredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg durchgeführt und untersucht das Gesundheitsverhalten sowie das Gesundheitsinformationsverhalten von älteren Menschen mit Migrationshintergrund (Lampert & Voth 2009). Dazu wurden vier qualitative Gruppengespräche und zwölf Einzelinterviews (z. T. mit der Unterstützung durch Dolmetscher/-innen) mit älteren Menschen türkischer und russischer Herkunft durchgeführt, insgesamt haben 60 Personen teilgenommen. Die Stichprobe ist klein und hinsichtlich des Alters, des Gesundheitszustands und des Bildungshintergrundes sehr unterschiedlich zusammengesetzt. Verallgemeinerungen sind daher nur eingeschränkt möglich, wohl aber die Beschreibung typischer Einstellungs- und Verhaltensmuster. Für viele Migranten ist Gesundheit die Abwesenheit von Krankheit, und für Krankheit ist das Versorgungssystem zuständig Für die meisten Befragten ist 'Gesundheit' ein abstrakter Begriff, mit dem sie wenig verbinden können. Gesundheit wird als Abwesenheit von körperlichen Beschwerden und von Krankheit verstanden, hat aber keine eigenen Qualitäten. Außerdem spiegelt sich in den Äußerungen der Befragten häufig ein fatalistisches Gesundheitsverständnis. Gesundheit wird als etwas betrachtet, das im Wesentlichen von äußeren Faktoren beeinflusst wird und wenig vom eigenen Verhalten abhängt. Entsprechend orientieren sie sich stärker an der Behandlung von Krankheit als an der Förderung von Gesundheit. Allerdings spielt es eine Rolle, ob die Migration als Chance oder Verlust wahrgenommen
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Beurteilung des eigenen Gesundheitsverhaltens

Abbildung 11 Quelle: LUCAS-Telefonbefragung (BSG)

Es gibt also insgesamt eine deutliche Diskrepanz zwischen der subjektiven Einschätzung des eigenen Gesundheitsverhaltens und dem tatsächlichen Verhalten, wenn man dieses mit den Empfehlungen der Fachgesellschaften vergleicht. Diese Diskrepanz ist aber keine Besonderheit des Alters, sondern gilt ebenso für andere Altersgruppen. Es ist eine hohe Herausforderung an die Akteure im Bereich Gesundheitsförderung, hier wirksame und von den Zielgruppen akzeptierte Interventionen zu entwickeln und anzubieten. Dazu passt, dass das Interesse an Maßnahmen zur Gesundheitsförderung insgesamt eher gering ist. Nur etwa ein Fünftel zeigt sich daran interessiert. Unter den Jüngeren sind es 25%, unter den über 75-Jährigen nur noch 16%, unter den Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit aber 34%. Diese Zahlen sind auf dem Hintergrund der bisher vorgestellten Ergebnisse schwer einzuordnen. Die Befragten sind

 

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen same Schlüsselfiguren für die Vermittlung von gesundheitsbezogenen Informationen in die Zielgruppen. Vor diesem Hintergrund erscheint es im Rahmen der Gesundheitsförderung sinnvoll, an bereits bestehende soziale Gruppierungen anzusetzen und die Akteure dieser Gruppen als Experten stärker in Überlegungen einzubeziehen, wie man das Gesundheitsbewusstsein unter Berücksichtigung der kulturellen Besonderheiten fördern kann. Dies gilt für direkte Informationsangebote (z. B. Veranstaltungen) als auch für medienbezogene Gesundheitsstrategien. Gleichzeitig ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Gruppenangebote nicht von allen Migranten gleichermaßen wahrgenommen werden: Frauen wurden insgesamt als interessierter geschildert als Männer. Das Interesse an gesundheitsbezogenen Informationen ist groß In den Interviews zeichnete sich ein sehr problemorientiertes Informationsbedürfnis ab, sei es im Hinblick auf konkrete gesundheitliche Probleme oder Informationen zur gesundheitlichen Versorgung. Dabei werden weniger neutrale Informationen als Entscheidungshilfen gewünscht. Als vertrauensvolle Ansprechpartner/-innen wurden Angehörige medizinischer und pflegerischer Berufe aber auch Gruppenleiterinnen und -Leiter genannt. Auch Krankenkassen, Verbraucherzentralen oder die Ärztekammer wurden als relevante Informationsquellen genannt. Mediale Informationen wurden dagegen eher selten genannt. Interaktive Angebote (z. B. Internetseiten) wurden kaum erwähnt, sie werden von der Altersgruppe kaum oder nur vermittelt genutzt (z. B. indem Kinder gebeten werden, nach bestimmten Informationen zu suchen). Empfehlungen zur Gestaltung Gesundheitsinformationen von Im 'Hamburger Handlungskonzept zur Integration von Zuwanderern' (BSG, 2007) wird das Ziel formuliert, den Zugang zu Angeboten der Seniorenarbeit und Pflege für ältere Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Sie sollen besser über entsprechende Angebote informiert, kultursensible Arbeitsweisen in Seniorenarbeit und Pflege sollen gefördert werden. Gleichermaßen sollen die Zugangsmöglichkeiten und Teilhabe an gesundheitlichen Versorgungsangeboten verbessert werden. Als Beispiele genannt werden die Verbesserung des Angebotes an fremdsprachigen Gesundheitsinformationen (z. B. das Merkblatt 'Hilfen im Notfall' der BSG, das in neun Sprachen vorliegt), der verstärkte Einsatz interkultureller und muttersprachlicher Mediatorinnen und Mediatoren (z. B. durch das MiMiProjekt, das derartige Mediatoren qualifiziert und vermittelt), die stärkere Berücksichtigung interkultureller Kompetenz in der Ausbildung sowie Fort- und Weiterbildung verschiedener Berufsgruppen sowie die Förderung der Einstellung von Pflege- und anderem Personal mit Migrationshintergrund.

wird. Die Menschen, denen es gelungen ist, sich in der neuen Heimat zu integrieren, sehen mehr Ressourcen, mit physischen und/oder psychischen Beeinträchtigungen umzugehen als die, denen diese Integration nicht gelungen ist. Hinsichtlich der Erwartungen an die gesundheitliche Versorgung gibt es große Unterschiede zwischen den türkischen und russischen Migrantinnen und Migranten. Die russischen Migrantinnen und Migranten sind meist sehr viel später in ihrem Leben nach Deutschland gekommen, das deutsche Gesundheitssystem ist ihnen entsprechend noch fremder als den Menschen türkischer Herkunft. Das zeigt sich in niedrigeren Ansprüchen an die Versorgung und in einer großen Unsicherheit in Bezug auf diese Ansprüche. Beiden Gruppen gemeinsam ist aber die Erwartung einer paternalistisch geprägten Arzt-Patient-Beziehung, in der dem Arzt bzw. die Ärztin die Entscheidungen trifft, die der Patient/die Patientin dann zu befolgen hat. Dem Arzt bzw. der Ärztin bzw. anderen Angehörigen von Gesundheitsberufen wird die alleinige Kompetenz und damit auch die alleinige Verantwortung für Behandlungsentscheidungen und ihre Folgen zugewiesen. Gesundheitsinformationen werden am besten über persönliche Kontakte vermittelt Alle Befragten (unabhängig von der Nationalität) betonen die Bedeutung von sozialen Kontakten und Gruppentreffen für Information und Erfahrungsaustausch zwischen Menschen mit einem ähnlichen Hintergrund. Den (informellen) Gruppenleiterinnen und -leitern kommt dabei eine wichtige Bedeutung zu. Zum einen sind sie wichtige Orientierungspersonen, zum anderen sind manche aufgrund ihres medizinischen oder juristischen Fachwissens Unterstützer, z. B. bei der Erstellung von Anträgen. In jedem Fall sind sie bedeut26   

Für die Gestaltung von Angeboten zur Gesundheitsinformation und -förderung kommt die Expertise zu folgenden Empfehlungen: Alle kommunikativen Angebote (sowohl interpersonale als auch mediale) müssen, um von den befragten Zielgruppen überhaupt wahrgenommen zu werden, einerseits deren Themeninteressen und andererseits ihre bevorzugten Informationsquellen (inklusive Mediennutzungsgewohnheiten) berücksichtigen. Welche Medien für die Gesundheitsinformation bzw. -förderung genutzt werden, ist schließlich vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen kommunikativen Leistungen (z. B. Reichweite, Informationsdichte), aber auch der Kompetenzen der Zielgruppe abzuwägen. Besondere Bedeutung haben interpersonale Angebote zur Gesundheitsförderung. Dabei lassen sich verschiedene Faktoren identifizieren, die bei der Ansprache von älteren Menschen mit Migrationshintergrund berücksichtigt werden sollten:  Die Angebote sollten niedrigschwellig (Berücksichtigung von Sprachkompetenz und Bildungsniveau) sein und eng an die Lebenswelten der Zielgruppe angepasst sein.  Die Angebote sollten aktiv an die Zielgruppen herangetragen werden.  Mitarbeiter/-innen bzw. Leiter/-innen von Einrichtungen für Menschen mit Migrationshintergrund sind für die Besucher dieser Einrichtungen Vertrauenspersonen und aus der Sicht der Gesundheitsförderung wichtige Multiplikatoren. Sie können als 'kulturelle Mittler' zwischen der Gesundheitsförderung und der Zielgruppe fungieren und sollten stärker in die Gesundheitskommunikation eingebunden werden.
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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen same Schlüsselfiguren für die Vermittlung von gesundheitsbezogenen Informationen in die Zielgruppen. Vor diesem Hintergrund erscheint es im Rahmen der Gesundheitsförderung sinnvoll, an bereits bestehende soziale Gruppierungen anzusetzen und die Akteure dieser Gruppen als Experten stärker in Überlegungen einzubeziehen, wie man das Gesundheitsbewusstsein unter Berücksichtigung der kulturellen Besonderheiten fördern kann. Dies gilt für direkte Informationsangebote (z. B. Veranstaltungen) als auch für medienbezogene Gesundheitsstrategien. Gleichzeitig ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Gruppenangebote nicht von allen Migranten gleichermaßen wahrgenommen werden: Frauen wurden insgesamt als interessierter geschildert als Männer. Das Interesse an gesundheitsbezogenen Informationen ist groß In den Interviews zeichnete sich ein sehr problemorientiertes Informationsbedürfnis ab, sei es im Hinblick auf konkrete gesundheitliche Probleme oder Informationen zur gesundheitlichen Versorgung. Dabei werden weniger neutrale Informationen als Entscheidungshilfen gewünscht. Als vertrauensvolle Ansprechpartner/-innen wurden Angehörige medizinischer und pflegerischer Berufe aber auch Gruppenleiterinnen und -Leiter genannt. Auch Krankenkassen, Verbraucherzentralen oder die Ärztekammer wurden als relevante Informationsquellen genannt. Mediale Informationen wurden dagegen eher selten genannt. Interaktive Angebote (z. B. Internetseiten) wurden kaum erwähnt, sie werden von der Altersgruppe kaum oder nur vermittelt genutzt (z. B. indem Kinder gebeten werden, nach bestimmten Informationen zu suchen). Empfehlungen zur Gestaltung Gesundheitsinformationen von Im 'Hamburger Handlungskonzept zur Integration von Zuwanderern' (BSG, 2007) wird das Ziel formuliert, den Zugang zu Angeboten der Seniorenarbeit und Pflege für ältere Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Sie sollen besser über entsprechende Angebote informiert, kultursensible Arbeitsweisen in Seniorenarbeit und Pflege sollen gefördert werden. Gleichermaßen sollen die Zugangsmöglichkeiten und Teilhabe an gesundheitlichen Versorgungsangeboten verbessert werden. Als Beispiele genannt werden die Verbesserung des Angebotes an fremdsprachigen Gesundheitsinformationen (z. B. das Merkblatt 'Hilfen im Notfall' der BSG, das in neun Sprachen vorliegt), der verstärkte Einsatz interkultureller und muttersprachlicher Mediatorinnen und Mediatoren (z. B. durch das MiMiProjekt, das derartige Mediatoren qualifiziert und vermittelt), die stärkere Berücksichtigung interkultureller Kompetenz in der Ausbildung sowie Fort- und Weiterbildung verschiedener Berufsgruppen sowie die Förderung der Einstellung von Pflege- und anderem Personal mit Migrationshintergrund.

wird. Die Menschen, denen es gelungen ist, sich in der neuen Heimat zu integrieren, sehen mehr Ressourcen, mit physischen und/oder psychischen Beeinträchtigungen umzugehen als die, denen diese Integration nicht gelungen ist. Hinsichtlich der Erwartungen an die gesundheitliche Versorgung gibt es große Unterschiede zwischen den türkischen und russischen Migrantinnen und Migranten. Die russischen Migrantinnen und Migranten sind meist sehr viel später in ihrem Leben nach Deutschland gekommen, das deutsche Gesundheitssystem ist ihnen entsprechend noch fremder als den Menschen türkischer Herkunft. Das zeigt sich in niedrigeren Ansprüchen an die Versorgung und in einer großen Unsicherheit in Bezug auf diese Ansprüche. Beiden Gruppen gemeinsam ist aber die Erwartung einer paternalistisch geprägten Arzt-Patient-Beziehung, in der dem Arzt bzw. die Ärztin die Entscheidungen trifft, die der Patient/die Patientin dann zu befolgen hat. Dem Arzt bzw. der Ärztin bzw. anderen Angehörigen von Gesundheitsberufen wird die alleinige Kompetenz und damit auch die alleinige Verantwortung für Behandlungsentscheidungen und ihre Folgen zugewiesen. Gesundheitsinformationen werden am besten über persönliche Kontakte vermittelt Alle Befragten (unabhängig von der Nationalität) betonen die Bedeutung von sozialen Kontakten und Gruppentreffen für Information und Erfahrungsaustausch zwischen Menschen mit einem ähnlichen Hintergrund. Den (informellen) Gruppenleiterinnen und -leitern kommt dabei eine wichtige Bedeutung zu. Zum einen sind sie wichtige Orientierungspersonen, zum anderen sind manche aufgrund ihres medizinischen oder juristischen Fachwissens Unterstützer, z. B. bei der Erstellung von Anträgen. In jedem Fall sind sie bedeut26   

Für die Gestaltung von Angeboten zur Gesundheitsinformation und -förderung kommt die Expertise zu folgenden Empfehlungen: Alle kommunikativen Angebote (sowohl interpersonale als auch mediale) müssen, um von den befragten Zielgruppen überhaupt wahrgenommen zu werden, einerseits deren Themeninteressen und andererseits ihre bevorzugten Informationsquellen (inklusive Mediennutzungsgewohnheiten) berücksichtigen. Welche Medien für die Gesundheitsinformation bzw. -förderung genutzt werden, ist schließlich vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen kommunikativen Leistungen (z. B. Reichweite, Informationsdichte), aber auch der Kompetenzen der Zielgruppe abzuwägen. Besondere Bedeutung haben interpersonale Angebote zur Gesundheitsförderung. Dabei lassen sich verschiedene Faktoren identifizieren, die bei der Ansprache von älteren Menschen mit Migrationshintergrund berücksichtigt werden sollten:  Die Angebote sollten niedrigschwellig (Berücksichtigung von Sprachkompetenz und Bildungsniveau) sein und eng an die Lebenswelten der Zielgruppe angepasst sein.  Die Angebote sollten aktiv an die Zielgruppen herangetragen werden.  Mitarbeiter/-innen bzw. Leiter/-innen von Einrichtungen für Menschen mit Migrationshintergrund sind für die Besucher dieser Einrichtungen Vertrauenspersonen und aus der Sicht der Gesundheitsförderung wichtige Multiplikatoren. Sie können als 'kulturelle Mittler' zwischen der Gesundheitsförderung und der Zielgruppe fungieren und sollten stärker in die Gesundheitskommunikation eingebunden werden.
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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Fast die Hälfte der alten Menschen ist durch dauerhafte körperliche Einschränkungen belastet Knapp die Hälfte der Befragten berichtet von dauerhaften Einschränkungen im Alltag durch Beeinträchtigungen z. B. der Sinne, der Motorik oder der Mobilität (Abb. 13) Dabei gibt es große Altersunterschiede. 42% unter den Jüngeren, aber 59% unter den Älteren ab 75 sind betroffen. Sie können z. B. nicht mehr so gut sehen oder hören, sie haben Probleme beim Treppensteigen oder beim Tragen schwererer Einkäufe 4% der unter 75Jährigen sind für die Fortbewegung auf Hilfsmittel angewiesen, bei den Älteren sind es 26%. Besonders bedeutsam ist hier der Anstieg der Einschränkung der Mobilität, weil dadurch auch die Möglichkeiten der Selbstversorgung und der Teilhabe am sozialen Leben erschwert oder eingeschränkt werden. Einschränkungen im Alltag
60 50 40 30 20 10 0

Beschwerden, Krankheiten, Behinderungen und Pflegebedürftigkeit
Viele der in der LUCAS-Telefonbefragung Befragten berichten trotz der positiven Bewertung der eigenen Gesundheit von gesundheitlichen und psychischen Problemen (dies sind Selbsteinschätzungen, keine objektiven Diagnosen). Dabei werden chronische Krankheiten am häufigsten genannt, gefolgt von Schmerzen, Behinderungen und anhaltender deprimierter Stimmung (Abb. 12).
Gesundheitliche Einschränkungen
70 60 50 Prozent 40 30 20 10 0 Männer Frauen
Abbildung 12 Quelle: LUCAS-Telefonbefragung (BSG)

59%, unter den Älteren ab 75 sind es 67%. Mehr als ein Drittel der in der LUCASTelefonbefragung interviewten Personen leidet unter chronischen Schmerzen (34% unter den Jüngeren, 43% unter den Älteren ab 75 Jahren, 40% unter den Menschen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit). Viele alte Menschen nehmen zu viele Medikamente Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der LUCAS-Telefonbefragung wurden auch nach der Nutzung verschiedener medizinischer Leistungen befragt. Ausführlich werden die Ergebnisse dazu in dem gesonderten Bericht dargestellt werden (vgl. S. 12). Hier werden nur die Daten zum Medikamentenkonsum berichtet, weil er ein Indikator für behandlungsbedürftige Krankheiten bzw. Beschwerden ist. Im

Durchschnitt nehmen die befragten Personen gleichzeitig 2,7 verschiedene Medikamente ein. Die Unterschiede innerhalb der Gruppe sind dabei sehr groß. Jeweils 20% nehmen keine oder nur ein Medikament. 10% nehmen vier, 19% sogar fünf und mehr Medikamente gleichzeitig, die zum größten Teil ärztlich verordnet sind. Andere Studien zum Medikamentenkonsum im Alter kommen zu ähnlichen Ergebnissen (Saß et al., 2009). Der Grund dieses hohen Konsums ist zumeist die Multimorbidität (gleichzeitiges Auftreten mehrerer Krankheiten). Nach geriatrischer Empfehlung sollten aber ältere Patientinnen und Patienten nicht mehr als vier Medikamente gleichzeitig einnehmen, da sonst die Wechselwirkungen nicht mehr kalkulierbar sind und die unerwünschten Wirkungen den Nutzen übertreffen (Glaeske & Jansen, 2006).

chronische  Krankheit Schmerzen Behinderung deprimiert

Männer

Frauen

Den Menschen gelingt es offensichtlich, ein gewisses Ausmaß an Beschwerden mit ihrer Selbsteinschätzung als 'insgesamt gesund' in Übereinstimmung zu bringen. Außerdem geht nicht jede chronische Krankheit (z. B. Bluthochdruck) mit subjektiven Beschwerden einher. Ein Teil dieser Beeinträchtigungen wäre aber durch Prävention, Gesundheitsförderung und verbesserte Versorgung zu vermeiden oder zu mildern, wie die in Kapitel 1 geschilderten Unterschiede zwischen den verschiedenen EU-Staaten hinsichtlich der gesunden Lebenserwartung zeigen.

Prozent

erheblich eingeschränkt nicht eingeschränkt eingeschränkt dauerhafte Einschränkung im Alltag Abbildung 13 Quelle: LUCAS-Telefonbefragung (BSG)

Über die Gründe für diese Einschränkungen geben weitere Fragen der Studie Auskunft. Mehr als die Hälfte der Befragten sagt, sie habe eine chronische Krankheit (z.B. Diabetes, Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, Arthrose oder Rheuma). Unter Jüngeren sind es

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Fast die Hälfte der alten Menschen ist durch dauerhafte körperliche Einschränkungen belastet Knapp die Hälfte der Befragten berichtet von dauerhaften Einschränkungen im Alltag durch Beeinträchtigungen z. B. der Sinne, der Motorik oder der Mobilität (Abb. 13) Dabei gibt es große Altersunterschiede. 42% unter den Jüngeren, aber 59% unter den Älteren ab 75 sind betroffen. Sie können z. B. nicht mehr so gut sehen oder hören, sie haben Probleme beim Treppensteigen oder beim Tragen schwererer Einkäufe 4% der unter 75Jährigen sind für die Fortbewegung auf Hilfsmittel angewiesen, bei den Älteren sind es 26%. Besonders bedeutsam ist hier der Anstieg der Einschränkung der Mobilität, weil dadurch auch die Möglichkeiten der Selbstversorgung und der Teilhabe am sozialen Leben erschwert oder eingeschränkt werden. Einschränkungen im Alltag
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Beschwerden, Krankheiten, Behinderungen und Pflegebedürftigkeit
Viele der in der LUCAS-Telefonbefragung Befragten berichten trotz der positiven Bewertung der eigenen Gesundheit von gesundheitlichen und psychischen Problemen (dies sind Selbsteinschätzungen, keine objektiven Diagnosen). Dabei werden chronische Krankheiten am häufigsten genannt, gefolgt von Schmerzen, Behinderungen und anhaltender deprimierter Stimmung (Abb. 12).
Gesundheitliche Einschränkungen
70 60 50 Prozent 40 30 20 10 0 Männer Frauen
Abbildung 12 Quelle: LUCAS-Telefonbefragung (BSG)

59%, unter den Älteren ab 75 sind es 67%. Mehr als ein Drittel der in der LUCASTelefonbefragung interviewten Personen leidet unter chronischen Schmerzen (34% unter den Jüngeren, 43% unter den Älteren ab 75 Jahren, 40% unter den Menschen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit). Viele alte Menschen nehmen zu viele Medikamente Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der LUCAS-Telefonbefragung wurden auch nach der Nutzung verschiedener medizinischer Leistungen befragt. Ausführlich werden die Ergebnisse dazu in dem gesonderten Bericht dargestellt werden (vgl. S. 12). Hier werden nur die Daten zum Medikamentenkonsum berichtet, weil er ein Indikator für behandlungsbedürftige Krankheiten bzw. Beschwerden ist. Im

Durchschnitt nehmen die befragten Personen gleichzeitig 2,7 verschiedene Medikamente ein. Die Unterschiede innerhalb der Gruppe sind dabei sehr groß. Jeweils 20% nehmen keine oder nur ein Medikament. 10% nehmen vier, 19% sogar fünf und mehr Medikamente gleichzeitig, die zum größten Teil ärztlich verordnet sind. Andere Studien zum Medikamentenkonsum im Alter kommen zu ähnlichen Ergebnissen (Saß et al., 2009). Der Grund dieses hohen Konsums ist zumeist die Multimorbidität (gleichzeitiges Auftreten mehrerer Krankheiten). Nach geriatrischer Empfehlung sollten aber ältere Patientinnen und Patienten nicht mehr als vier Medikamente gleichzeitig einnehmen, da sonst die Wechselwirkungen nicht mehr kalkulierbar sind und die unerwünschten Wirkungen den Nutzen übertreffen (Glaeske & Jansen, 2006).

chronische  Krankheit Schmerzen Behinderung deprimiert

Männer

Frauen

Den Menschen gelingt es offensichtlich, ein gewisses Ausmaß an Beschwerden mit ihrer Selbsteinschätzung als 'insgesamt gesund' in Übereinstimmung zu bringen. Außerdem geht nicht jede chronische Krankheit (z. B. Bluthochdruck) mit subjektiven Beschwerden einher. Ein Teil dieser Beeinträchtigungen wäre aber durch Prävention, Gesundheitsförderung und verbesserte Versorgung zu vermeiden oder zu mildern, wie die in Kapitel 1 geschilderten Unterschiede zwischen den verschiedenen EU-Staaten hinsichtlich der gesunden Lebenserwartung zeigen.

Prozent

erheblich eingeschränkt nicht eingeschränkt eingeschränkt dauerhafte Einschränkung im Alltag Abbildung 13 Quelle: LUCAS-Telefonbefragung (BSG)

Über die Gründe für diese Einschränkungen geben weitere Fragen der Studie Auskunft. Mehr als die Hälfte der Befragten sagt, sie habe eine chronische Krankheit (z.B. Diabetes, Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, Arthrose oder Rheuma). Unter Jüngeren sind es

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3. Korrektur vom 10.01.2011 Druckreif Erneute Korrektur

Datum, Unterschrift

 

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Die Häufigkeit dieser Krankheiten nimmt für beide Geschlechter mit dem Alter zu und damit steigt auch das Problem der Multimorbidität. Das besondere Problem der Multimorbidität liegt darin, dass andere Behandlungskonzepte als bei der Behandlung der einzelnen Krankheiten nötig sind. Wenn mehrere Krankheiten gleichzeitig leitliniengerecht behandelt werden, kann es z. B. zu unerwünschten Wechselwirkungen zwischen den verwendeten Medikamenten kommen. Grundsätzlich ist bei den in Abb. 14 dargestellten Daten zu bedenken, dass diese Angaben nicht auf objektiven Diagnosen beruhen. Das kann zur Unterschätzung (bei symptomarmen Krankheiten) ebenso wie zur Überschätzung (z. B. bei der Verringerung von Sinnesleistungen ohne Krankheitswert) der tatsächlichen Krankheitshäufigkeiten führen. Der altersabhängige Anstieg der Beschwerden ebenso wie die Geschlechterunterschiede bleiben von dieser Einschränkung unberührt. Bei stationären Behandlungen im Krankenhaus stehen Herz- und Kreislaufkrankheiten an erster Stelle Die Krankenhausdiagnosestatistik liefert hier eine wichtige Ergänzung. Sie hat den Vorteil, dass sie auf objektiven medizinischen Diagnosen beruht. Gleichzeitig müssen zwei Einschränkungen bedacht werden. Hier werden Behandlungsfälle gezählt und nicht Personen, wenn also eine Person in einem Jahr mehrmals im Krankenhaus behandelt wird, entstehen mehrere Behandlungsfälle. Außerdem bilden Krankenhausbehandlungen nur die Spitze des Eisberges ab, weil die meisten Krankheiten ambulant behandelt werden. Auch gibt es große Unterschiede zwischen verschiedenen Krankheiten hinsichtlich der Häufigkeit von stationären Behandlungen. Während Krebs fast immer eine stationäre Behandlung notwendig macht, ist dies bei Krankheiten des Bewegungsapparates nur selten der Fall. Einen Überblick über die häufigsten Krankenhausfälle im Jahr 2008 (Hamburger Patientinnen und Patienten in Hamburger Krankenhäusern, bezogen auf 100.000 Personen der Altersgruppe 60 bis 74 und über 74) geben die Abbildungen 15 und 16. Insgesamt stehen verschiedene Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems im Vordergrund. Bei Frauen zwischen 60 und 74 ist außerdem Brustkrebs eine sehr häufige Diagnose. Krankheiten des Bewegungsapparates, die bei den selbstberichteten Beschwerden am häufigsten genannt werden, stehen bei den Frauen zwischen 60 und 74 an zweiter und dritter Stelle, bei Männern sind sie unter den zehn häufigsten Diagnosen gar nicht vertreten.
31   

Am häufigsten leiden alte Menschen unter Krankheiten des Bewegungsapparates und des Herz-Kreislauf-Systems Im Alterssurvey, einer repräsentativen Befragung älterer Menschen in Deutschland, wird deutlich, dass bei den selbstberichteten Krankheiten des Bewegungsapparates und des Herz-KreislaufSystems am häufigsten genannt werden, gefolgt von Beeinträchtigungen des Sehens und Hörens (Tesch-Römer & Wurm, 2004, vgl. Abb. 14). Damit stehen Krankheiten und Beschwerden an der Spitze, die nicht unbedingt bedrohlich sind, die nur selten eine stationäre Behandlung nötig machen, die aber durch ihren chronischen Charakter und ihre Auswirkungen auf Bewegung und Wahrnehmung zu empfindlichen Störungen der Alltagsgestaltung und der Lebensqualität führen können.

Männer
Angina  Pectoris Herz‐ insuffizienz Hirninfarkt Leistenbruch chr. ischäm.   Herzkrankheit Lungenkrebs Herzflimmern  u. ‐flattern  Prostata‐ vergrößerung Herzinfarkt chr. obstr.  Lungen‐ erkrankung

Frauen
Brustkrebs Kniegelenks‐ arthrose Arthrose der  Hüfte Krampfadern  Hirninfarkt Bluthoch‐ druck Vorhof‐ flattern Herz‐ insuffizienz Gallensteine Angina  Pectoris

1.000

500

0

500

1.000

Häufigste Erkrankungen nach KHD‐Fallzahl pro  100.000 Personen der 60 bis74‐Jährigen

Abbildung 15 Quelle: Krankenhausdiagnosestatistik 2009 der BSG

Männer
Herz‐ insuffizienz Lungen‐ entzündung Hirninfarkt Angina  Pectoris Herzinfarkt chr. obstr.  Lungen‐ erkrankung Oberschen‐ kelbruch Harnblasen‐ krebs Leistenbruch chr. ischäm.  Herz‐ krankheit

Frauen
Herz‐ insuffizienz Oberschen‐ kelhalsbruch Hirninfarkt Bluthoch‐ druck Lungen‐ entzündung Lendenwir‐ belsäule‐/            Becken‐bruch Herzinfarkt Herzflimmern  u. ‐flattern Harnwegs‐ infektionen Kreislauf‐ kollaps

Selbstberichtete Krankheiten und Beschwerden
80

70

Knochen & Gelenke Herz, Kreislauf

60 Durchblutung 50
Prozent

Augenleiden Ohrenleiden

40 Diabetes 30 Blase Atemwege 20 Magen und Darm 10 Galle, Leber, Nieren Krebs 0 Männer 55‐69 Jahre Frauen 55‐69 Jahre Männer  70‐85 Jahre Frauen 70‐85 Jahre

3.000

1.000

1.000

3.000

Häufigste Erkrankungen nach KHD‐Fallzahlen  pro 100.000 Personen der über 74‐Jährigen

Abbildung 16 Quelle: Krankenhausdiagnosestatistik 2009 der BSG

Krankheiten des Herz-KreislaufSystems machen den größten Teil der Behandlungsfälle aus. Insgesamt nimmt die Häufigkeit von Kranken-

Abbildung 14 Quelle: Tesch-Römer & Wurm 2004

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Seite 30

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an VIG Druck & Media per Fax: +49 (0)40 - 69 70 60 15
3. Korrektur vom 10.01.2011 Druckreif Erneute Korrektur

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Die Häufigkeit dieser Krankheiten nimmt für beide Geschlechter mit dem Alter zu und damit steigt auch das Problem der Multimorbidität. Das besondere Problem der Multimorbidität liegt darin, dass andere Behandlungskonzepte als bei der Behandlung der einzelnen Krankheiten nötig sind. Wenn mehrere Krankheiten gleichzeitig leitliniengerecht behandelt werden, kann es z. B. zu unerwünschten Wechselwirkungen zwischen den verwendeten Medikamenten kommen. Grundsätzlich ist bei den in Abb. 14 dargestellten Daten zu bedenken, dass diese Angaben nicht auf objektiven Diagnosen beruhen. Das kann zur Unterschätzung (bei symptomarmen Krankheiten) ebenso wie zur Überschätzung (z. B. bei der Verringerung von Sinnesleistungen ohne Krankheitswert) der tatsächlichen Krankheitshäufigkeiten führen. Der altersabhängige Anstieg der Beschwerden ebenso wie die Geschlechterunterschiede bleiben von dieser Einschränkung unberührt. Bei stationären Behandlungen im Krankenhaus stehen Herz- und Kreislaufkrankheiten an erster Stelle Die Krankenhausdiagnosestatistik liefert hier eine wichtige Ergänzung. Sie hat den Vorteil, dass sie auf objektiven medizinischen Diagnosen beruht. Gleichzeitig müssen zwei Einschränkungen bedacht werden. Hier werden Behandlungsfälle gezählt und nicht Personen, wenn also eine Person in einem Jahr mehrmals im Krankenhaus behandelt wird, entstehen mehrere Behandlungsfälle. Außerdem bilden Krankenhausbehandlungen nur die Spitze des Eisberges ab, weil die meisten Krankheiten ambulant behandelt werden. Auch gibt es große Unterschiede zwischen verschiedenen Krankheiten hinsichtlich der Häufigkeit von stationären Behandlungen. Während Krebs fast immer eine stationäre Behandlung notwendig macht, ist dies bei Krankheiten des Bewegungsapparates nur selten der Fall. Einen Überblick über die häufigsten Krankenhausfälle im Jahr 2008 (Hamburger Patientinnen und Patienten in Hamburger Krankenhäusern, bezogen auf 100.000 Personen der Altersgruppe 60 bis 74 und über 74) geben die Abbildungen 15 und 16. Insgesamt stehen verschiedene Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems im Vordergrund. Bei Frauen zwischen 60 und 74 ist außerdem Brustkrebs eine sehr häufige Diagnose. Krankheiten des Bewegungsapparates, die bei den selbstberichteten Beschwerden am häufigsten genannt werden, stehen bei den Frauen zwischen 60 und 74 an zweiter und dritter Stelle, bei Männern sind sie unter den zehn häufigsten Diagnosen gar nicht vertreten.
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Am häufigsten leiden alte Menschen unter Krankheiten des Bewegungsapparates und des Herz-Kreislauf-Systems Im Alterssurvey, einer repräsentativen Befragung älterer Menschen in Deutschland, wird deutlich, dass bei den selbstberichteten Krankheiten des Bewegungsapparates und des Herz-KreislaufSystems am häufigsten genannt werden, gefolgt von Beeinträchtigungen des Sehens und Hörens (Tesch-Römer & Wurm, 2004, vgl. Abb. 14). Damit stehen Krankheiten und Beschwerden an der Spitze, die nicht unbedingt bedrohlich sind, die nur selten eine stationäre Behandlung nötig machen, die aber durch ihren chronischen Charakter und ihre Auswirkungen auf Bewegung und Wahrnehmung zu empfindlichen Störungen der Alltagsgestaltung und der Lebensqualität führen können.

Männer
Angina  Pectoris Herz‐ insuffizienz Hirninfarkt Leistenbruch chr. ischäm.   Herzkrankheit Lungenkrebs Herzflimmern  u. ‐flattern  Prostata‐ vergrößerung Herzinfarkt chr. obstr.  Lungen‐ erkrankung

Frauen
Brustkrebs Kniegelenks‐ arthrose Arthrose der  Hüfte Krampfadern  Hirninfarkt Bluthoch‐ druck Vorhof‐ flattern Herz‐ insuffizienz Gallensteine Angina  Pectoris

1.000

500

0

500

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Häufigste Erkrankungen nach KHD‐Fallzahl pro  100.000 Personen der 60 bis74‐Jährigen

Abbildung 15 Quelle: Krankenhausdiagnosestatistik 2009 der BSG

Männer
Herz‐ insuffizienz Lungen‐ entzündung Hirninfarkt Angina  Pectoris Herzinfarkt chr. obstr.  Lungen‐ erkrankung Oberschen‐ kelbruch Harnblasen‐ krebs Leistenbruch chr. ischäm.  Herz‐ krankheit

Frauen
Herz‐ insuffizienz Oberschen‐ kelhalsbruch Hirninfarkt Bluthoch‐ druck Lungen‐ entzündung Lendenwir‐ belsäule‐/            Becken‐bruch Herzinfarkt Herzflimmern  u. ‐flattern Harnwegs‐ infektionen Kreislauf‐ kollaps

Selbstberichtete Krankheiten und Beschwerden
80

70

Knochen & Gelenke Herz, Kreislauf

60 Durchblutung 50
Prozent

Augenleiden Ohrenleiden

40 Diabetes 30 Blase Atemwege 20 Magen und Darm 10 Galle, Leber, Nieren Krebs 0 Männer 55‐69 Jahre Frauen 55‐69 Jahre Männer  70‐85 Jahre Frauen 70‐85 Jahre

3.000

1.000

1.000

3.000

Häufigste Erkrankungen nach KHD‐Fallzahlen  pro 100.000 Personen der über 74‐Jährigen

Abbildung 16 Quelle: Krankenhausdiagnosestatistik 2009 der BSG

Krankheiten des Herz-KreislaufSystems machen den größten Teil der Behandlungsfälle aus. Insgesamt nimmt die Häufigkeit von Kranken-

Abbildung 14 Quelle: Tesch-Römer & Wurm 2004

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen dokumentiert werden, die nicht mit Personen gleichgesetzt werden können. Die Häufigkeit von Krebs nimmt mit dem Alter stark zu und ist für die meisten Krebsarten bei Männern häufiger als bei Frauen. Das Hamburgische Krebsregister hat in der Hamburger Krebsdokumentation 2005-2006 folgende Neuerkrankungsraten pro Jahr ermittelt (Abb.17): Krebsneuerkrankungen je  100.000
3500 3000 2500 2000 1500 1000 500 0 700 600 500 400 300 200 100 0

hausbehandlungen mit dem Alter deutlich zu. Bei der Gruppe der über 75-Jährigen fällt die Zunahme von Oberschenkelhalsfrakturen und von Lungenentzündungen auf, also von Indikatoren für Gebrechlichkeit und eingeschränkter Immunabwehr. Deutlich wird aber auch, dass Krankheiten wie Demenz oder Depression, die die Lebensqualität der Betroffenen und Angehörigen erheblich beeinträchtigen können, unter den häufigsten Krankenhausdiagnosen nicht vertreten sind. Sie werden vorwiegend ambulant oder – im Krankenhaus – als 'Nebendiagnose' behandelt. Die häufigsten Todesursachen im Alter sind Krankheiten des Kreislaufsystems und Krebskrankheiten. Unter den Todesursachen von Menschen ab 65 stehen Krankheiten des Kreislaufsystems an erster Stelle, sie waren im Jahr 2008 für 42% aller Todesfälle in dieser Altersgruppe verantwortlich. An zweiter Stelle standen Krebskrankheiten mit 25%, die häufigsten Diagnosen waren dabei Darmkrebs, Lungenkrebs und Brustkrebs. Weitere häufige Todesursachen waren Krankheiten des Atemsystems (Grippe, Lungenentzündung), des Verdauungssystems sowie Verletzungen und Unfälle. Das Risiko von Krebskrankheiten steigt mit dem Alter stark an Das Hamburgische Krebsregister gibt einen genauen Einblick in die Häufigkeit und Verteilung onkologischer Erkrankungen. Seine Dokumentation hat den Vorteil, dass die Daten mit einer geschätzten Vollzähligkeit von über 95% die Häufigkeit von Krebs in der Hamburger Bevölkerung sehr genau abbilden können. Derart genaue Daten liegen für die meisten anderen Krankheiten nicht vor, da in der Regel Behandlungsfälle
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Krebsneuerkrankungen Männer  2005/2006 je 100.000
60 ‐ 74  75 ‐ 85+ Jahre

Auch im Alter ist nur eine Minderheit von Schwerbehinderung und Pflegebedürftigkeit betroffen, diese Minderheit ist aber besonders auf Unterstützung angewiesen. Menschen sind nach der Definition des SGB IX behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Bei einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50% spricht man von einer Schwerbehinderung, die mit einem Anspruch auf Nachteilsausgleiche verbunden ist. Diese Definition darf nicht gleichgesetzt werden mit der subjektiven Wahrnehmung von Behinderung und Hilfsbedürftigkeit, außerdem ist mit einer Dunkelziffer zu rechnen, weil nicht alle Menschen, die die Voraussetzungen erfüllen, auch einen Antrag auf (Schwer-)Behinderung stellen.

Prostata Lunge

Darm

Harn‐ blase

Mund,  Rachen

Abbildung 18 Quelle: Hamburgisches Krebsregister

Männer

Frauen
700 600 500 400 300 200 100 Alter 0

Krebsneuerkrankungen Frauen  2005/2006  je 100.000
60 ‐ 74 75 ‐ 85 Jahre

Abbildung 17: Quelle: Hamburgisches Krebsregister 

Brust

Darm

Lunge

Gebär‐ Eierstock mutter

Die häufigsten Krebslokalisationen sind für Männer Prostata, Lunge, Darm, Harnblase sowie Mund und Rachen. Für Frauen sind es Brust, Darm, Lunge, Gebärmutterkörper und Eierstöcke. Die Zahlen der Neuerkrankungen auf 100.000 pro Jahr sind für Männer und Frauen in den Abb. 18 und 19 dargestellt. Nur Lungenkrebs bei Männern und Brustkrebs bei Frauen finden sich auch unter den zehn häufigsten Krankenhausdiagnosen. Das ist nicht nur mit der größeren Häufigkeit anderer Krankheiten zu erklären, sondern auch mit Unterschieden im Verlauf (eine chronische Krankheit führt eher zu wiederholten Krankenhausaufenthalten als eine akute Krankheit) und bei den Behandlungsformen (ambulant oder stationär).

Abbildung 19 Quelle: Hamburgisches Krebsregister

Aus den Daten wird auch deutlich, dass das Risiko für einige Krebsarten (Lunge, Darm und Harnblase bei Männern, Darm bei Frauen) im hohen Alter noch einmal deutlich zunimmt. Bei einer Gesamtbewertung sind zwei Aspekte zu bedenken. Zum einen erreichen in einer langlebigen Gesellschaft immer mehr Menschen ein Lebensalter, das mit einem Anstieg des Krebsrisikos verbunden ist. Zum anderen aber wären viele dieser Fälle durch gesündere Lebensbedingungen und eine gesündere Lebensführung zu vermeiden gewesen (Sachverständigenrat, 2002).

Eine anerkannte Behinderung haben in der LUCAS-Telefonbefragung unter den jüngeren Befragten 19%, unter den Älteren 30%, und unter den Personen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit 14%. Berücksichtigt man nur die Behinderungen von 50% und mehr (Schwerbehinderung im Sinne des Schwerbehindertenrechtes), sind 15% unter den Jüngeren und 22% unter den Älteren betroffen. Diese Zahlen entsprechen der offiziellen Schwerbehindertenstatistik für Hamburg. Danach sind in der Altersgruppe 6065-Jährigen 14%, in der Altersgruppe der über 65-Jährigen 22% schwerbehindert (Statistikamt Nord, Zahlen für 2007).

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen dokumentiert werden, die nicht mit Personen gleichgesetzt werden können. Die Häufigkeit von Krebs nimmt mit dem Alter stark zu und ist für die meisten Krebsarten bei Männern häufiger als bei Frauen. Das Hamburgische Krebsregister hat in der Hamburger Krebsdokumentation 2005-2006 folgende Neuerkrankungsraten pro Jahr ermittelt (Abb.17): Krebsneuerkrankungen je  100.000
3500 3000 2500 2000 1500 1000 500 0 700 600 500 400 300 200 100 0

hausbehandlungen mit dem Alter deutlich zu. Bei der Gruppe der über 75-Jährigen fällt die Zunahme von Oberschenkelhalsfrakturen und von Lungenentzündungen auf, also von Indikatoren für Gebrechlichkeit und eingeschränkter Immunabwehr. Deutlich wird aber auch, dass Krankheiten wie Demenz oder Depression, die die Lebensqualität der Betroffenen und Angehörigen erheblich beeinträchtigen können, unter den häufigsten Krankenhausdiagnosen nicht vertreten sind. Sie werden vorwiegend ambulant oder – im Krankenhaus – als 'Nebendiagnose' behandelt. Die häufigsten Todesursachen im Alter sind Krankheiten des Kreislaufsystems und Krebskrankheiten. Unter den Todesursachen von Menschen ab 65 stehen Krankheiten des Kreislaufsystems an erster Stelle, sie waren im Jahr 2008 für 42% aller Todesfälle in dieser Altersgruppe verantwortlich. An zweiter Stelle standen Krebskrankheiten mit 25%, die häufigsten Diagnosen waren dabei Darmkrebs, Lungenkrebs und Brustkrebs. Weitere häufige Todesursachen waren Krankheiten des Atemsystems (Grippe, Lungenentzündung), des Verdauungssystems sowie Verletzungen und Unfälle. Das Risiko von Krebskrankheiten steigt mit dem Alter stark an Das Hamburgische Krebsregister gibt einen genauen Einblick in die Häufigkeit und Verteilung onkologischer Erkrankungen. Seine Dokumentation hat den Vorteil, dass die Daten mit einer geschätzten Vollzähligkeit von über 95% die Häufigkeit von Krebs in der Hamburger Bevölkerung sehr genau abbilden können. Derart genaue Daten liegen für die meisten anderen Krankheiten nicht vor, da in der Regel Behandlungsfälle
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Krebsneuerkrankungen Männer  2005/2006 je 100.000
60 ‐ 74  75 ‐ 85+ Jahre

Auch im Alter ist nur eine Minderheit von Schwerbehinderung und Pflegebedürftigkeit betroffen, diese Minderheit ist aber besonders auf Unterstützung angewiesen. Menschen sind nach der Definition des SGB IX behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Bei einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50% spricht man von einer Schwerbehinderung, die mit einem Anspruch auf Nachteilsausgleiche verbunden ist. Diese Definition darf nicht gleichgesetzt werden mit der subjektiven Wahrnehmung von Behinderung und Hilfsbedürftigkeit, außerdem ist mit einer Dunkelziffer zu rechnen, weil nicht alle Menschen, die die Voraussetzungen erfüllen, auch einen Antrag auf (Schwer-)Behinderung stellen.

Prostata Lunge

Darm

Harn‐ blase

Mund,  Rachen

Abbildung 18 Quelle: Hamburgisches Krebsregister

Männer

Frauen
700 600 500 400 300 200 100 Alter 0

Krebsneuerkrankungen Frauen  2005/2006  je 100.000
60 ‐ 74 75 ‐ 85 Jahre

Abbildung 17: Quelle: Hamburgisches Krebsregister 

Brust

Darm

Lunge

Gebär‐ Eierstock mutter

Die häufigsten Krebslokalisationen sind für Männer Prostata, Lunge, Darm, Harnblase sowie Mund und Rachen. Für Frauen sind es Brust, Darm, Lunge, Gebärmutterkörper und Eierstöcke. Die Zahlen der Neuerkrankungen auf 100.000 pro Jahr sind für Männer und Frauen in den Abb. 18 und 19 dargestellt. Nur Lungenkrebs bei Männern und Brustkrebs bei Frauen finden sich auch unter den zehn häufigsten Krankenhausdiagnosen. Das ist nicht nur mit der größeren Häufigkeit anderer Krankheiten zu erklären, sondern auch mit Unterschieden im Verlauf (eine chronische Krankheit führt eher zu wiederholten Krankenhausaufenthalten als eine akute Krankheit) und bei den Behandlungsformen (ambulant oder stationär).

Abbildung 19 Quelle: Hamburgisches Krebsregister

Aus den Daten wird auch deutlich, dass das Risiko für einige Krebsarten (Lunge, Darm und Harnblase bei Männern, Darm bei Frauen) im hohen Alter noch einmal deutlich zunimmt. Bei einer Gesamtbewertung sind zwei Aspekte zu bedenken. Zum einen erreichen in einer langlebigen Gesellschaft immer mehr Menschen ein Lebensalter, das mit einem Anstieg des Krebsrisikos verbunden ist. Zum anderen aber wären viele dieser Fälle durch gesündere Lebensbedingungen und eine gesündere Lebensführung zu vermeiden gewesen (Sachverständigenrat, 2002).

Eine anerkannte Behinderung haben in der LUCAS-Telefonbefragung unter den jüngeren Befragten 19%, unter den Älteren 30%, und unter den Personen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit 14%. Berücksichtigt man nur die Behinderungen von 50% und mehr (Schwerbehinderung im Sinne des Schwerbehindertenrechtes), sind 15% unter den Jüngeren und 22% unter den Älteren betroffen. Diese Zahlen entsprechen der offiziellen Schwerbehindertenstatistik für Hamburg. Danach sind in der Altersgruppe 6065-Jährigen 14%, in der Altersgruppe der über 65-Jährigen 22% schwerbehindert (Statistikamt Nord, Zahlen für 2007).

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen oder geistig-seelischen Beeinträchtigungen (z. B. hirnorganische Störungen, Psychosen). Ursachen der Behinderung waren überwiegend Krankheiten, angeborene Behinderungen, Unfälle und Berufskrankheiten sowie Kriegs- und Wehrdienstschäden waren dagegen nur von untergeordneter Bedeutung. Daraus lässt sich schließen, dass durch eine verbesserte Prävention von Krankheiten auch eine Verringerung von Behinderungen zu erreichen ist. Gleichzeitig sind eine gute Versorgung mit Hilfsmitteln und die barrierefreie Gestaltung von Wohnungen, öffentlichen Einrichtungen, Verkehrssystemen etc. unverzichtbare Voraussetzungen für die Integration behinderter Menschen. Neben Krankheit und Behinderung gehört die Pflegebedürftigkeit zu den Belastungen, die im Alter häufiger auftreten als in jüngeren Jahren. Der damit verbundene Verlust von Selbständigkeit und angewiesen zu sein auf Hilfe und Unterstützung von anderen kann für viele Betroffene und ihre Angehörige sehr belastend sein, gerade auch dann, wenn das Alter bis dahin sehr aktiv gelebt worden ist. In Hamburg lebten Ende 2007 43.140 pflegebedürftige und 59.232 hilfsbedürftige Menschen. Damit sind 2,4% der Menschen pflegebedürftig im Sinne des SGB XI. Ihr Anteil liegt in Hamburg damit etwas unter dem Bundesdurchschnitt von 2,7%. Als pflegebedürftig anerkannt sind Menschen, die Leistungen nach dem SGB XI (Pflegeversicherung) erhalten und einer Pflegestufe zugeordnet sind (Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2007). Als pflegebedürftig gelten danach jene Personen, 'die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer
34   

Am Jahresende 2007 hatten 132.895 Hamburgerinnen und Hamburger einen gültigen Schwerbehindertenausweis (Grad der Behinderung mindestens 50%). Damit waren 7,5% der Hamburger Bevölkerung als schwerbehindert anerkannt. Während es bei Kindern und Jugendlichen lediglich 1,1% waren, erreichte die Quote bei den 18- bis 64- Jährigen 4,8%. Für die Einwohnerschaft ab 65 Jahren errechnet sich ein Schwerbehindertenanteil von 22,5%, das waren 74.118 Personen (Statistikamt Nord, 2008). Eine weitere Aufschlüsselung in den hohen Altersgruppen ist in Abb. 20 dargestellt. Deutlich wird, dass mit dem Alter die Schwerbehindertenquote zunimmt, besonders stark jenseits des 75sten Lebensjahres. Dann gelten fast 30% der Männer und Frauen als schwerbehindert. Gleichzeitig gilt aber auch, dass die Mehrzahl der Menschen in Hamburg auch in hohem Lebensalter frei von einer schweren Behinderung ist. Schwerbehindertenquote
35 30 25 Prozent 20 15 10 5 0 60‐65 65‐70 70‐75 75+ Alter
Abbildung 20 Quelle: Statistikamt Nord, eigene Darstellung

in erheblichem oder höheren Maße der Hilfe bedürfen'. Dieser Begriff ist kritisiert worden, weil er eng an körperliche Einschränkungen gebunden ist und die Situation etwa von demenzkranken Menschen nur unzureichend berücksichtigt. Deswegen wird ein bestimmtes Ausmaß an Einschränkungen unterhalb dieser Schwelle als Hilfsbedürftigkeit bezeichnet. Der vom Bundesministerium für Gesundheit berufene 'Beirat zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs' hat am 26. Januar 2009 seinen Bericht vorgelegt und eine Veränderung des Pflegebegriffs vorgeschlagen, der die individuelle Beeinträchtigung von Aktivitäten, Fähigkeiten oder eines Lebensbereichs in den Mittelpunkt stellen soll. Die Häufigkeit von Pflegebedürftigkeit steigt mit dem Alter an. Bei den 60- bis 65-Jährigen liegt sie bei 1,5%, erst im Alter über 75 ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. In der Gruppe der über 75-Jährigen erhielten in Hamburg 14% der Männer und 24% der Frauen Leistungen nach der Pflegeversicherung (Statistikamt Nord, Zahlen für 2007). Die Pflegequote (Anteil pflegebedürftiger Personen an der Altersgruppe) für die verschiedenen Altersgruppen ist in Abb. 21 dargestellt.

In allen Altersgruppen, aber besonders ausgeprägt im hohen Alter, ist die Pflegequote bei Frauen höher als bei Männern. Das liegt zum einen daran, dass Frauen zwar länger leben als Männer, aber von vielen altersassoziierten Krankheiten und Funktionseinbußen stärker betroffen sind als diese. Zum anderen liegt es daran, dass sie häufiger bereit sind, den Partner zu pflegen und darauf verzichten, eine Pflegestufe zu beantragen. Männer übernehmen sehr viel seltener Pflegeaufgaben. Außerdem leben im Alter Frauen häufiger allein und haben keine Unterstützung durch einen Partner, weswegen häufiger eine Pflegestufe beantragt wird. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass in allen Altersgruppen mit Ausnahme der über 90-jährigen Frauen der größte Teil der Menschen keine Pflegestufe hat. Mit einer Veränderung der Definition der Pflegebedürftigkeit würde aber die absolute Zahl von Leistungsempfängern ebenso wie die Pflegequote ansteigen. Die Mehrzahl der alten Menschen ist psychisch gesund – unter den Hochaltrigen nehmen aber Demenz und Lebensmüdigkeit deutlich zu. Psychische und geistige Störungen und Krankheiten sind meist nicht lebensbedrohend und für Außenstehende oft schwer zu erkennen, vielleicht wird deswegen ihre Bedeutung für die Lebensqualität nicht immer richtig eingeschätzt. Überkommene Altersbilder (Im Alter ist es normal, wenn man vergesslich und traurig ist) können die angemessene Wahrnehmung und den Umgang mit diesen Störungen zusätzlich behindern. Verschiedene Studien zeigen, dass etwa ein Viertel der 65-Jährigen und Älteren unter einer psychischen oder geistigen Störung leidet, das ist die gleiche Größenordnung wie im mittleren Lebensalter (Saß, Wurm & Ziese, 2009 a).
35 

Männer

Frauen

Pflegequote
70 60 50 Prozent 40 30 20 10 0 1,54 3,29 10,3 14,4 22,7 36,8

männlich

weiblich
61,5

 

33,2

Unter den Ursachen der Behinderung standen Beeinträchtigungen der Funktion von inneren Organen und Organsystemen (beispielsweise des Herz-KreislaufSystems, der Atmungs- oder der Verdauungsorgane) an erster Stelle, gefolgt von Funktionseinschränkungen von Gliedmaßen und zerebralen Störungen

insgesamt  75‐85 Jahre
Abbildung 21 Quelle: BSG 2010

85‐90 Jahre

über 90 Jahre

 

Seite 34

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3. Korrektur vom 10.01.2011 Druckreif Erneute Korrektur

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen oder geistig-seelischen Beeinträchtigungen (z. B. hirnorganische Störungen, Psychosen). Ursachen der Behinderung waren überwiegend Krankheiten, angeborene Behinderungen, Unfälle und Berufskrankheiten sowie Kriegs- und Wehrdienstschäden waren dagegen nur von untergeordneter Bedeutung. Daraus lässt sich schließen, dass durch eine verbesserte Prävention von Krankheiten auch eine Verringerung von Behinderungen zu erreichen ist. Gleichzeitig sind eine gute Versorgung mit Hilfsmitteln und die barrierefreie Gestaltung von Wohnungen, öffentlichen Einrichtungen, Verkehrssystemen etc. unverzichtbare Voraussetzungen für die Integration behinderter Menschen. Neben Krankheit und Behinderung gehört die Pflegebedürftigkeit zu den Belastungen, die im Alter häufiger auftreten als in jüngeren Jahren. Der damit verbundene Verlust von Selbständigkeit und angewiesen zu sein auf Hilfe und Unterstützung von anderen kann für viele Betroffene und ihre Angehörige sehr belastend sein, gerade auch dann, wenn das Alter bis dahin sehr aktiv gelebt worden ist. In Hamburg lebten Ende 2007 43.140 pflegebedürftige und 59.232 hilfsbedürftige Menschen. Damit sind 2,4% der Menschen pflegebedürftig im Sinne des SGB XI. Ihr Anteil liegt in Hamburg damit etwas unter dem Bundesdurchschnitt von 2,7%. Als pflegebedürftig anerkannt sind Menschen, die Leistungen nach dem SGB XI (Pflegeversicherung) erhalten und einer Pflegestufe zugeordnet sind (Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2007). Als pflegebedürftig gelten danach jene Personen, 'die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer
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Am Jahresende 2007 hatten 132.895 Hamburgerinnen und Hamburger einen gültigen Schwerbehindertenausweis (Grad der Behinderung mindestens 50%). Damit waren 7,5% der Hamburger Bevölkerung als schwerbehindert anerkannt. Während es bei Kindern und Jugendlichen lediglich 1,1% waren, erreichte die Quote bei den 18- bis 64- Jährigen 4,8%. Für die Einwohnerschaft ab 65 Jahren errechnet sich ein Schwerbehindertenanteil von 22,5%, das waren 74.118 Personen (Statistikamt Nord, 2008). Eine weitere Aufschlüsselung in den hohen Altersgruppen ist in Abb. 20 dargestellt. Deutlich wird, dass mit dem Alter die Schwerbehindertenquote zunimmt, besonders stark jenseits des 75sten Lebensjahres. Dann gelten fast 30% der Männer und Frauen als schwerbehindert. Gleichzeitig gilt aber auch, dass die Mehrzahl der Menschen in Hamburg auch in hohem Lebensalter frei von einer schweren Behinderung ist. Schwerbehindertenquote
35 30 25 Prozent 20 15 10 5 0 60‐65 65‐70 70‐75 75+ Alter
Abbildung 20 Quelle: Statistikamt Nord, eigene Darstellung

in erheblichem oder höheren Maße der Hilfe bedürfen'. Dieser Begriff ist kritisiert worden, weil er eng an körperliche Einschränkungen gebunden ist und die Situation etwa von demenzkranken Menschen nur unzureichend berücksichtigt. Deswegen wird ein bestimmtes Ausmaß an Einschränkungen unterhalb dieser Schwelle als Hilfsbedürftigkeit bezeichnet. Der vom Bundesministerium für Gesundheit berufene 'Beirat zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs' hat am 26. Januar 2009 seinen Bericht vorgelegt und eine Veränderung des Pflegebegriffs vorgeschlagen, der die individuelle Beeinträchtigung von Aktivitäten, Fähigkeiten oder eines Lebensbereichs in den Mittelpunkt stellen soll. Die Häufigkeit von Pflegebedürftigkeit steigt mit dem Alter an. Bei den 60- bis 65-Jährigen liegt sie bei 1,5%, erst im Alter über 75 ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. In der Gruppe der über 75-Jährigen erhielten in Hamburg 14% der Männer und 24% der Frauen Leistungen nach der Pflegeversicherung (Statistikamt Nord, Zahlen für 2007). Die Pflegequote (Anteil pflegebedürftiger Personen an der Altersgruppe) für die verschiedenen Altersgruppen ist in Abb. 21 dargestellt.

In allen Altersgruppen, aber besonders ausgeprägt im hohen Alter, ist die Pflegequote bei Frauen höher als bei Männern. Das liegt zum einen daran, dass Frauen zwar länger leben als Männer, aber von vielen altersassoziierten Krankheiten und Funktionseinbußen stärker betroffen sind als diese. Zum anderen liegt es daran, dass sie häufiger bereit sind, den Partner zu pflegen und darauf verzichten, eine Pflegestufe zu beantragen. Männer übernehmen sehr viel seltener Pflegeaufgaben. Außerdem leben im Alter Frauen häufiger allein und haben keine Unterstützung durch einen Partner, weswegen häufiger eine Pflegestufe beantragt wird. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass in allen Altersgruppen mit Ausnahme der über 90-jährigen Frauen der größte Teil der Menschen keine Pflegestufe hat. Mit einer Veränderung der Definition der Pflegebedürftigkeit würde aber die absolute Zahl von Leistungsempfängern ebenso wie die Pflegequote ansteigen. Die Mehrzahl der alten Menschen ist psychisch gesund – unter den Hochaltrigen nehmen aber Demenz und Lebensmüdigkeit deutlich zu. Psychische und geistige Störungen und Krankheiten sind meist nicht lebensbedrohend und für Außenstehende oft schwer zu erkennen, vielleicht wird deswegen ihre Bedeutung für die Lebensqualität nicht immer richtig eingeschätzt. Überkommene Altersbilder (Im Alter ist es normal, wenn man vergesslich und traurig ist) können die angemessene Wahrnehmung und den Umgang mit diesen Störungen zusätzlich behindern. Verschiedene Studien zeigen, dass etwa ein Viertel der 65-Jährigen und Älteren unter einer psychischen oder geistigen Störung leidet, das ist die gleiche Größenordnung wie im mittleren Lebensalter (Saß, Wurm & Ziese, 2009 a).
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Männer

Frauen

Pflegequote
70 60 50 Prozent 40 30 20 10 0 1,54 3,29 10,3 14,4 22,7 36,8

männlich

weiblich
61,5

 

33,2

Unter den Ursachen der Behinderung standen Beeinträchtigungen der Funktion von inneren Organen und Organsystemen (beispielsweise des Herz-KreislaufSystems, der Atmungs- oder der Verdauungsorgane) an erster Stelle, gefolgt von Funktionseinschränkungen von Gliedmaßen und zerebralen Störungen

insgesamt  75‐85 Jahre
Abbildung 21 Quelle: BSG 2010

85‐90 Jahre

über 90 Jahre

 

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen auch hier, dass der größte Teil der alten Menschen nicht demenzkrank ist. Häufigkeit von Demenz
40 35 30 25 20 15 10 5 0 10 8 Prozent 6 4 2 0 1993 2002
Abbildung 23 Quelle: Langa et al. (2008), eigene Darstellung

Die Berliner Altersstudie kommt zu dem Ergebnis, dass 24% der 70Jährigen und älteren Befragten an einer psychischen bzw. geistigen Krankheit leiden, ein weiteres Drittel zeigt Symptome oder Störungen, ohne die Kriterien einer Krankheit zu erfüllen. Am häufigsten sind Demenzen mit 14% und Depressionen mit 9% (Helmchen et al., 2010). Auch in der LUCAS-Telefonbefragung gibt etwa jede zehnte der befragten Personen an, im letzten Monat dauerhaft deprimierter Stimmung gewesen zu sein, was als Hinweis auf eine psychische Störung gewertet werden kann. Dies trifft auf Frauen mit 15% häufiger zu als auf Männer mit 11%. Mit fortschreitendem Alter scheint diese Niedergeschlagenheit aber nicht zuzunehmen: Bei den Jüngeren sind 12% betroffen, bei den über 75-Jährigen sind es mit 14% kaum mehr. Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit leiden mit 15% ebenso häufig an anhaltender deprimierter Stimmung. Die Häufigkeit von Demenz wurde in einer Studie auf der Grundlage von Daten der Gesetzlichen Krankenversicherung berechnet. Sie liegt bei den 65- bis 69-Jährigen bei etwa 1,5% und steigt dann exponentiell an, so dass bei den 90-Jährigen und Älteren mehr als 30% betroffen sind (Ziegler & Doblhammer, 2009), vgl. Abb. 22. Wie für Schwerbehinderung und Pflegebedürftigkeit gilt

Häufigkeit von Demenz  1993 ‐ 2002
kognitive Beeinträchtigung leicht kognitive Beeinträchtigung mittel/schwer

und wie diese Selbsttötungen hätten verhindert werden können. Suizide je 100.000 in 2008
80 70 60 50 40 30 20 10 0

Männer

Frauen

Männer

Frauen

Prozent

Alter
Abbildung 22 Quelle: Ziegler & Doblhammer (2009), eigene Darstellung

Die Häufigkeit von Demenz ist stark von gesellschaftlichen Faktoren abhängig. Der Bildungsgrad, aber auch die Art der Berufstätigkeit spielt eine große Rolle dafür, ob Veränderungen im Gehirn auch im Erleben und Verhalten sichtbar werden. In einer amerikanischen Studie an Menschen über 70 wurde eine deutliche Abnahme der Häufigkeit von Demenz über einen Zeitraum von zehn Jahren dokumentiert und mit Unterschieden in den Bildungs- und Berufsbiografien der verglichenen Gruppen in Beziehung gebracht: Die Häufigkeit von mittelschweren und schweren Demenzen reduzierte sich innerhalb von zehn Jahren für Männer und Frauen gleichermaßen um etwa ein Viertel (Langa et al. 2008), vgl. Abb. 23).

Diese Zahlen verdeutlichen auch, wie problematisch Hochrechnungen von Krankheitshäufigkeiten über längere Zeiträume sind. Verschiedene Studien haben ergeben, dass 1% bis 5% der älteren Menschen unter einer schweren Depression leiden, im mittleren Lebensalter ist der Anteil etwa gleich hoch. (Saß, Wurm & Ziese, 2009 a). Allerdings suchen depressive alte Menschen seltener als jüngere von sich aus Hilfe und werden auch seltener von ihren Ärztinnen bzw. Ärzten oder anderen Bezugspersonen auf dieses Thema angesprochen, sie bekommen daher auch weniger Hilfe und Unterstützung. Ein besonderes Problem sind Suizide im Alter. Etwa die Hälfte aller Selbsttötungen in Hamburg betrifft Menschen ab dem 60. Lebensjahr und mit steigendem Alter nimmt das Suizidrisiko weiter zu, insbesondere bei Männern (Abb. 24). Zwar ist die Zahl der Suizide insgesamt und auch die der Selbsttötungen im Alter rückläufig (im Vergleich zum Jahr 2002 beträgt der Rückgang rund ein Viertel), trotzdem ist der starke Anstieg im Alter – und besonders unter den Hochaltrigen – Anlass zur Frage, ob

Alter
Abbildung 24 Quelle: Statistikamt Nord, eigene Darstellung

Gründe für das hohe Suizidrisiko im Alter sind psychische und körperliche Krankheiten, aber auch Einsamkeit, der Verlust von Bezugspersonen und die Einschränkung der Lebensperspektive (BWG, Hamburger Suizidbericht 2005). Häufig werden Depressionen im Alter nicht diagnostiziert, obwohl sie auch in diesem Lebensabschnitt gut zu behandeln sind. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: Unzureichende Kenntnisse der Besonderheiten von Diagnose und Therapie von Depressionen im Alter bei Ärzten/-innen, Therapeuten/-innen und Pflegepersonal, die schon häufig erwähnte schwierige Unterscheidungen zwischen altersbedingten Veränderungen, mit denen man sich arrangieren muss und behandelbaren Krankheiten ebenso wie die geringe Aufgeschlossenheit vieler älterer Menschen gegenüber psychotherapeutischen Behandlungsmethoden. Es ist zu hoffen, dass mit dem Älterwerden der Nachkriegsgeneration, die in viel größerem Umfang als vorherige Generationen Erfahrungen mit Psychotherapie, Beratung und Selbsterfahrung hat, auch die Behandlung von Depressionen im Alter selbstverständlicher wird.
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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen auch hier, dass der größte Teil der alten Menschen nicht demenzkrank ist. Häufigkeit von Demenz
40 35 30 25 20 15 10 5 0 10 8 Prozent 6 4 2 0 1993 2002
Abbildung 23 Quelle: Langa et al. (2008), eigene Darstellung

Die Berliner Altersstudie kommt zu dem Ergebnis, dass 24% der 70Jährigen und älteren Befragten an einer psychischen bzw. geistigen Krankheit leiden, ein weiteres Drittel zeigt Symptome oder Störungen, ohne die Kriterien einer Krankheit zu erfüllen. Am häufigsten sind Demenzen mit 14% und Depressionen mit 9% (Helmchen et al., 2010). Auch in der LUCAS-Telefonbefragung gibt etwa jede zehnte der befragten Personen an, im letzten Monat dauerhaft deprimierter Stimmung gewesen zu sein, was als Hinweis auf eine psychische Störung gewertet werden kann. Dies trifft auf Frauen mit 15% häufiger zu als auf Männer mit 11%. Mit fortschreitendem Alter scheint diese Niedergeschlagenheit aber nicht zuzunehmen: Bei den Jüngeren sind 12% betroffen, bei den über 75-Jährigen sind es mit 14% kaum mehr. Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit leiden mit 15% ebenso häufig an anhaltender deprimierter Stimmung. Die Häufigkeit von Demenz wurde in einer Studie auf der Grundlage von Daten der Gesetzlichen Krankenversicherung berechnet. Sie liegt bei den 65- bis 69-Jährigen bei etwa 1,5% und steigt dann exponentiell an, so dass bei den 90-Jährigen und Älteren mehr als 30% betroffen sind (Ziegler & Doblhammer, 2009), vgl. Abb. 22. Wie für Schwerbehinderung und Pflegebedürftigkeit gilt

Häufigkeit von Demenz  1993 ‐ 2002
kognitive Beeinträchtigung leicht kognitive Beeinträchtigung mittel/schwer

und wie diese Selbsttötungen hätten verhindert werden können. Suizide je 100.000 in 2008
80 70 60 50 40 30 20 10 0

Männer

Frauen

Männer

Frauen

Prozent

Alter
Abbildung 22 Quelle: Ziegler & Doblhammer (2009), eigene Darstellung

Die Häufigkeit von Demenz ist stark von gesellschaftlichen Faktoren abhängig. Der Bildungsgrad, aber auch die Art der Berufstätigkeit spielt eine große Rolle dafür, ob Veränderungen im Gehirn auch im Erleben und Verhalten sichtbar werden. In einer amerikanischen Studie an Menschen über 70 wurde eine deutliche Abnahme der Häufigkeit von Demenz über einen Zeitraum von zehn Jahren dokumentiert und mit Unterschieden in den Bildungs- und Berufsbiografien der verglichenen Gruppen in Beziehung gebracht: Die Häufigkeit von mittelschweren und schweren Demenzen reduzierte sich innerhalb von zehn Jahren für Männer und Frauen gleichermaßen um etwa ein Viertel (Langa et al. 2008), vgl. Abb. 23).

Diese Zahlen verdeutlichen auch, wie problematisch Hochrechnungen von Krankheitshäufigkeiten über längere Zeiträume sind. Verschiedene Studien haben ergeben, dass 1% bis 5% der älteren Menschen unter einer schweren Depression leiden, im mittleren Lebensalter ist der Anteil etwa gleich hoch. (Saß, Wurm & Ziese, 2009 a). Allerdings suchen depressive alte Menschen seltener als jüngere von sich aus Hilfe und werden auch seltener von ihren Ärztinnen bzw. Ärzten oder anderen Bezugspersonen auf dieses Thema angesprochen, sie bekommen daher auch weniger Hilfe und Unterstützung. Ein besonderes Problem sind Suizide im Alter. Etwa die Hälfte aller Selbsttötungen in Hamburg betrifft Menschen ab dem 60. Lebensjahr und mit steigendem Alter nimmt das Suizidrisiko weiter zu, insbesondere bei Männern (Abb. 24). Zwar ist die Zahl der Suizide insgesamt und auch die der Selbsttötungen im Alter rückläufig (im Vergleich zum Jahr 2002 beträgt der Rückgang rund ein Viertel), trotzdem ist der starke Anstieg im Alter – und besonders unter den Hochaltrigen – Anlass zur Frage, ob

Alter
Abbildung 24 Quelle: Statistikamt Nord, eigene Darstellung

Gründe für das hohe Suizidrisiko im Alter sind psychische und körperliche Krankheiten, aber auch Einsamkeit, der Verlust von Bezugspersonen und die Einschränkung der Lebensperspektive (BWG, Hamburger Suizidbericht 2005). Häufig werden Depressionen im Alter nicht diagnostiziert, obwohl sie auch in diesem Lebensabschnitt gut zu behandeln sind. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: Unzureichende Kenntnisse der Besonderheiten von Diagnose und Therapie von Depressionen im Alter bei Ärzten/-innen, Therapeuten/-innen und Pflegepersonal, die schon häufig erwähnte schwierige Unterscheidungen zwischen altersbedingten Veränderungen, mit denen man sich arrangieren muss und behandelbaren Krankheiten ebenso wie die geringe Aufgeschlossenheit vieler älterer Menschen gegenüber psychotherapeutischen Behandlungsmethoden. Es ist zu hoffen, dass mit dem Älterwerden der Nachkriegsgeneration, die in viel größerem Umfang als vorherige Generationen Erfahrungen mit Psychotherapie, Beratung und Selbsterfahrung hat, auch die Behandlung von Depressionen im Alter selbstverständlicher wird.
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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen niorenbildung, Freizeitgestaltung oder ehrenamtliches Engagement. Sehr groß ist die Zahl der Angebote im Bereich Sport und Bewegungsförderung. In Hamburg gab es 2009 788 Sportvereine mit insgesamt 522.170 Mitgliedern. Davon sind 92.569 60 Jahre und älter, sie stellen also 18% der Mitglieder (Jahresbericht des HSB 2008). Allerdings sind nicht alle Mitglieder auch sportlich im Verein aktiv. Gleichzeitig sind nicht alle Vereinsangebote an eine Mitgliedschaft gebunden, viele können auch kursweise gebucht werden. Viele Vereine haben spezielle Kursangebote für Senioren, in einigen werden die Themen Bewegung und Ernährung miteinander verknüpft. Darüber hinaus nehmen viele ältere Menschen die altersunabhängigen Angebote im Gesundheitssport oder aus dem allgemeinen Kursangebot wahr. Der Hamburger Sportbund bietet eine spezielle Lizenzausbildung für den Bereich 'Sport der Älteren' sowie weitere Qualifikationen für den Seniorensport an, um die Kursleiterinnen und Kursleiter optimal auf diesen Einsatzbereich vorzubereiten. Sport- und Bewegungsangebote für ältere Menschen gibt es außerdem in vielen anderen Einrichtungen. Dazu zählen Volkshochschulen, andere Bildungseinrichtungen, Seniorentreffpunkte, Kirchengemeinden, Bürgerhäuser, Einrichtungen des Betreuten Wohnens und kommerzielle Einrichtungen – um nur die wichtigsten Anbieter zu nennen. Schließlich nutzen viele ältere Menschen generationenübergreifende Angebote oder verfolgen ein selbstorganisiertes Bewegungsprogramm. Arbeitskreis Mobil im Alter und Sturzprävention Dieser Arbeitskreis wird hier als Beispiel für erfolgreiche Kooperation verschiedener Einrichtungen auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung dargestellt. Er wird von der BSG koordiniert mit dem Ziel, Bewegungsangebote für ältere Menschen zu verbessern und dabei einen Schwerpunkt auf das Thema Sturzprävention zu setzen. In dem Arbeitskreis sind folgende Institutionen vertreten:  Barrierefrei Leben e. V. (Hilfsmittel und Wohnraumanpassung)  Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz (Koordination)  Der Paritätische Wohlfahrtsverband Hamburg e. V. (Wohlfahrtsverband)  Geriatrische Forschungsabteilung am Albertinen-Haus (Geriatrie)  Hamburger Inline Skating-Schule (Bewegungswissenschaft)  Hamburger Sportbund (Bewegungsangebote für Senioren)  Landes-Seniorenbeirat Hamburg (Interessenvertretung älterer Menschen)  Seniorenbildung Hamburg e. V. (offene Seniorenarbeit) Die Angebote des Arbeitskreises richten sich zum einen direkt an selbständig lebende ältere Menschen sowie zum anderen an Professionelle und Laien, die mit dieser Zielgruppe arbeiten. Beispiele dafür sind:  Der Hamburger Sportbund bildet regelmäßig Übungsleiterinnen und leiter aus Vereinen fort, die in allen Bezirken inzwischen kontinuierlich verschiedene sturzpräventive Angebote machen und fördert deren Kooperation mit Einrichtungen der offenen Seniorenarbeit. Eine Evaluation dieser Kurse hat gezeigt, dass sie zu stabilen Verhaltensänderungen führen und die Sturzangst deutlich senken können.  Der Fachbereich Sportwissenschaft hat in einem Projekt für die BSG gezeigt, dass es mit einem aufsuchenden Bewegungsangebot in einem Seniorentreffpunkt gelingt, die Bewegungssicherheit auch sehr alter und mobilitätseingeschränkter Menschen deutlich zu verbessern.  Die Forschungsgruppe im AlbertinenHaus hat einen Fragebogen entwickelt und getestet, mit dem das individuelle Sturzrisiko ermittelt und zusammen mit gezielten Empfehlungen zur Beratung älterer Menschen eingesetzt werden kann.  Informations- und Fortbildungsveranstaltungen für verschiedene Zielgruppen wurden durchgeführt, z. B. Informationsveranstaltungen für ältere Menschen, Fachveranstaltungen für Multiplikatoren (haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Sportvereinen und Einrichtungen der offenen Seniorenarbeit) und Fortbildungstermine für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. Außerdem werden regelmäßig verschiedene Einrichtungen der Seniorenberatung informiert und beraten. Einige Teilprojekte wurden von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Rahmen ihrer Kooperation mit dem Gesunde Städte39   

Prävention und Gesundheitsförderung
In diesem Kapitel werden die Strukturen und Angebote von Prävention und Gesundheitsförderung für ältere Menschen in Hamburg skizziert. Die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung hat folgende Ziele für Gesundheitsförderung und Prävention im Alter formuliert:  Bewegung und körperliche Aktivität im Alter fördern,  Mobilität und Selbständigkeit erhalten – Stürzen vorbeugen,  Bedarfsgerechte Ernährungsversorgung verbessern – Fehlernährung vermeiden,  Psychische Gesundheit fördern und erhalten,  Gesundheit durch soziale Integration und Teilhabe fördern,  Ressourcenorientierte Früherkennung von Funktionseinbußen. (Bundesvereinigung Prävention Gesundheitsförderung, 2008) und

In Hamburg gibt es ein vielfältiges Angebot von Prävention und Gesundheitsförderung für ältere Menschen. Eine umfassende Darstellung ist aber schon deswegen nicht möglich, weil viele Angebote, die präventiv oder gesundheitsförderlich wirken, dies als Nebeneffekt erreichen, aber einen anderen Schwerpunkt verfolgen. Dies gilt z. B. für viele Angebote in den Bereichen Kultur, Se-

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen niorenbildung, Freizeitgestaltung oder ehrenamtliches Engagement. Sehr groß ist die Zahl der Angebote im Bereich Sport und Bewegungsförderung. In Hamburg gab es 2009 788 Sportvereine mit insgesamt 522.170 Mitgliedern. Davon sind 92.569 60 Jahre und älter, sie stellen also 18% der Mitglieder (Jahresbericht des HSB 2008). Allerdings sind nicht alle Mitglieder auch sportlich im Verein aktiv. Gleichzeitig sind nicht alle Vereinsangebote an eine Mitgliedschaft gebunden, viele können auch kursweise gebucht werden. Viele Vereine haben spezielle Kursangebote für Senioren, in einigen werden die Themen Bewegung und Ernährung miteinander verknüpft. Darüber hinaus nehmen viele ältere Menschen die altersunabhängigen Angebote im Gesundheitssport oder aus dem allgemeinen Kursangebot wahr. Der Hamburger Sportbund bietet eine spezielle Lizenzausbildung für den Bereich 'Sport der Älteren' sowie weitere Qualifikationen für den Seniorensport an, um die Kursleiterinnen und Kursleiter optimal auf diesen Einsatzbereich vorzubereiten. Sport- und Bewegungsangebote für ältere Menschen gibt es außerdem in vielen anderen Einrichtungen. Dazu zählen Volkshochschulen, andere Bildungseinrichtungen, Seniorentreffpunkte, Kirchengemeinden, Bürgerhäuser, Einrichtungen des Betreuten Wohnens und kommerzielle Einrichtungen – um nur die wichtigsten Anbieter zu nennen. Schließlich nutzen viele ältere Menschen generationenübergreifende Angebote oder verfolgen ein selbstorganisiertes Bewegungsprogramm. Arbeitskreis Mobil im Alter und Sturzprävention Dieser Arbeitskreis wird hier als Beispiel für erfolgreiche Kooperation verschiedener Einrichtungen auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung dargestellt. Er wird von der BSG koordiniert mit dem Ziel, Bewegungsangebote für ältere Menschen zu verbessern und dabei einen Schwerpunkt auf das Thema Sturzprävention zu setzen. In dem Arbeitskreis sind folgende Institutionen vertreten:  Barrierefrei Leben e. V. (Hilfsmittel und Wohnraumanpassung)  Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz (Koordination)  Der Paritätische Wohlfahrtsverband Hamburg e. V. (Wohlfahrtsverband)  Geriatrische Forschungsabteilung am Albertinen-Haus (Geriatrie)  Hamburger Inline Skating-Schule (Bewegungswissenschaft)  Hamburger Sportbund (Bewegungsangebote für Senioren)  Landes-Seniorenbeirat Hamburg (Interessenvertretung älterer Menschen)  Seniorenbildung Hamburg e. V. (offene Seniorenarbeit) Die Angebote des Arbeitskreises richten sich zum einen direkt an selbständig lebende ältere Menschen sowie zum anderen an Professionelle und Laien, die mit dieser Zielgruppe arbeiten. Beispiele dafür sind:  Der Hamburger Sportbund bildet regelmäßig Übungsleiterinnen und leiter aus Vereinen fort, die in allen Bezirken inzwischen kontinuierlich verschiedene sturzpräventive Angebote machen und fördert deren Kooperation mit Einrichtungen der offenen Seniorenarbeit. Eine Evaluation dieser Kurse hat gezeigt, dass sie zu stabilen Verhaltensänderungen führen und die Sturzangst deutlich senken können.  Der Fachbereich Sportwissenschaft hat in einem Projekt für die BSG gezeigt, dass es mit einem aufsuchenden Bewegungsangebot in einem Seniorentreffpunkt gelingt, die Bewegungssicherheit auch sehr alter und mobilitätseingeschränkter Menschen deutlich zu verbessern.  Die Forschungsgruppe im AlbertinenHaus hat einen Fragebogen entwickelt und getestet, mit dem das individuelle Sturzrisiko ermittelt und zusammen mit gezielten Empfehlungen zur Beratung älterer Menschen eingesetzt werden kann.  Informations- und Fortbildungsveranstaltungen für verschiedene Zielgruppen wurden durchgeführt, z. B. Informationsveranstaltungen für ältere Menschen, Fachveranstaltungen für Multiplikatoren (haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Sportvereinen und Einrichtungen der offenen Seniorenarbeit) und Fortbildungstermine für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. Außerdem werden regelmäßig verschiedene Einrichtungen der Seniorenberatung informiert und beraten. Einige Teilprojekte wurden von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Rahmen ihrer Kooperation mit dem Gesunde Städte39   

Prävention und Gesundheitsförderung
In diesem Kapitel werden die Strukturen und Angebote von Prävention und Gesundheitsförderung für ältere Menschen in Hamburg skizziert. Die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung hat folgende Ziele für Gesundheitsförderung und Prävention im Alter formuliert:  Bewegung und körperliche Aktivität im Alter fördern,  Mobilität und Selbständigkeit erhalten – Stürzen vorbeugen,  Bedarfsgerechte Ernährungsversorgung verbessern – Fehlernährung vermeiden,  Psychische Gesundheit fördern und erhalten,  Gesundheit durch soziale Integration und Teilhabe fördern,  Ressourcenorientierte Früherkennung von Funktionseinbußen. (Bundesvereinigung Prävention Gesundheitsförderung, 2008) und

In Hamburg gibt es ein vielfältiges Angebot von Prävention und Gesundheitsförderung für ältere Menschen. Eine umfassende Darstellung ist aber schon deswegen nicht möglich, weil viele Angebote, die präventiv oder gesundheitsförderlich wirken, dies als Nebeneffekt erreichen, aber einen anderen Schwerpunkt verfolgen. Dies gilt z. B. für viele Angebote in den Bereichen Kultur, Se-

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Der Förderung von psychischer Gesundheit und sozialer Integration dienen schließlich auch die vielfältigen Angebote für ältere Menschen, in denen Kultur, Bildung, ehrenamtliches Engagement und Freizeitgestaltung im Vordergrund stehen. Ein Überblick gibt die Broschüre 'Aktiv im Alter' (BSG, 2009 a). www.hamburg.de/senioren/veroeffentlic hungen Die überwiegende Zahl dieser Angebote beruht auf einer 'KommStruktur' und setzen damit ein gewisses Ausmaß an Eigenaktivität voraus, niedrigschwellige Angebote im unmittelbaren Lebensumfeld (Setting Ansatz) sind für ältere Menschen eher selten zu finden. Dies geht z. B. aus dem Präventionsbericht des GKV-Spitzenverbandes hervor, in dem die Aktivitäten der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland dokumentiert sind (MDS, 2009). Eine gesonderte Auswertung der Daten für Hamburg liegt nicht vor. Danach haben im Berichtsjahr mehr als zwei Millionen Menschen (das sind etwa 3% der Versicherten) eines der präventiven Kursangebote genutzt. Davon waren 28% älter als 60 Jahre, das entspricht dem Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtzahl der Versicherten. Bewegungsangebote wurden mit 82% am häufigsten genutzt, Angebote zu Stressbewältigung und Ernährung wurden mit 12% und 5% deutlich weniger wahrgenommen. Mit präventiven Maßnahmen in Lebenswelten wurden im Berichtsjahr ebenfalls mehr als zwei Millionen Personen erreicht, darunter aber kaum ältere Menschen – sie machten nur 3% der erreichten Personen aus. Das liegt hauptsächlich daran, dass die meisten dieser Maßnahmen in Kindergärten,
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Netzwerk der Bundesrepublik Deutschland gefördert. Dazu gehören insbesondere folgende Materialien, die allen Mitgliedskommunen im Gesunde Städte-Netzwerk zur Verfügung gestellt wurden:  Eine Broschüre 'Sicher gehen – weiter sehen' für älteren Menschen zur Selbsteinschätzung des Sturzrisikos verbunden mit individuellen Präventionsempfehlungen (Link im Anhang).  Eine Serie von sechs Plakaten im Format A 1 mit Bewegungsübungen für ältere Menschen für Sportvereine und andere Anbieter. Als Ergänzung gibt es ein Leporello mit denselben Übungen zur Unterstützung der selbständigen Durchführung dieser Übungen.  Eine CD mit dem Titel 'Mehr Gesundheit im Alter – Arbeitshilfen für Bewegungsförderung und Sturzprävention im Alter am Beispiel des Hamburger Arbeitskreises Sturzprävention'. Die Arbeitshilfen wenden sich an Akteure der kommunalen Gesundheitsförderung und wollen sie bei der Planung, Durchführung und Weiterentwicklung von entsprechenden Angeboten unterstützen. Die Arbeitshilfen wurden auch an alle Hamburger Bezirksämter verteilt, um damit einen Impuls für den Ausbau von Angeboten der Gesundheitsförderung für ältere Menschen zu setzen. Angebote zur Ernährung im Alter machen viele der Einrichtungen, die schon als Anbieter von Bewegungsangeboten genannt wurden, aber auch weitere Einrichtungen, wie z. B. die Verbraucherzentrale oder die Zentrale für Ernährungsberatung der Hochschule für angewandte Wissenschaft.

Schulen und Betrieben stattfanden. Aber auch in Maßnahmen, die in den Stadtteilen durchgeführt wurden, machten Menschen über 60 nur 10% der erreichten Personen aus. Eine im Auftrag der BSG durchgeführte Bestandsaufnahme der Versorgungsstrukturen von Prävention und Gesundheitsförderung in Hamburg durch Befragung von Experten/-innen und Akteuren hat unter anderem das Handlungsfeld 'Älterwerden und Alter' untersucht (Kliche et al. 2010). Als wichtigste Ziele werden die Erhaltung bzw. Verbesserung von Lebensqualität und Selbständigkeit genannt. Häufig behandelte Themen sind danach Bewegung, Ernährung, Sturzprävention, Gedächtnistraining, geistige und kreative Aktivität, psychische Gesundheit, gesamtgesellschaftliche und soziale Integration, Sucht und Demenz. Weitere Angebote finden in den Bereichen Kultur,

Sport, Öffentlichkeitsarbeit, Verkehr und betreutes Wohnen statt. Es gibt viele Netzwerke und Kooperationsformen, namentlich zwischen Hausärztinnen und -ärzten, Senioreneinrichtungen, Sportvereinen, Krankenkassen und kirchlichen Einrichtungen. Trotz zahlreicher Angebote ist der Bedarf aus Sicht der befragten Expertinnen und Experten immer noch hoch. Viele Akteure wünschen sich aber mehr Ressourcen, um die verschiedenen Zielgruppen besser erreichen zu können (z. B. hochaltrige, ressourcenschwache und isoliert lebende Menschen, Migrantinnen und Migranten) und eine flächendeckende Ausweitung erfolgreicher Modellprojekte. Insbesondere sollten aufsuchende Angebote verstärkt werden. Daten zu Nachfrage und Wünschen der betroffenen älteren Menschen liegen allerdings nicht vor. Daher sind die Anbieter gefordert, Wege zu finden, um diese Zielgruppen bedarfsgerecht zu erreichen.

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Der Förderung von psychischer Gesundheit und sozialer Integration dienen schließlich auch die vielfältigen Angebote für ältere Menschen, in denen Kultur, Bildung, ehrenamtliches Engagement und Freizeitgestaltung im Vordergrund stehen. Ein Überblick gibt die Broschüre 'Aktiv im Alter' (BSG, 2009 a). www.hamburg.de/senioren/veroeffentlic hungen Die überwiegende Zahl dieser Angebote beruht auf einer 'KommStruktur' und setzen damit ein gewisses Ausmaß an Eigenaktivität voraus, niedrigschwellige Angebote im unmittelbaren Lebensumfeld (Setting Ansatz) sind für ältere Menschen eher selten zu finden. Dies geht z. B. aus dem Präventionsbericht des GKV-Spitzenverbandes hervor, in dem die Aktivitäten der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland dokumentiert sind (MDS, 2009). Eine gesonderte Auswertung der Daten für Hamburg liegt nicht vor. Danach haben im Berichtsjahr mehr als zwei Millionen Menschen (das sind etwa 3% der Versicherten) eines der präventiven Kursangebote genutzt. Davon waren 28% älter als 60 Jahre, das entspricht dem Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtzahl der Versicherten. Bewegungsangebote wurden mit 82% am häufigsten genutzt, Angebote zu Stressbewältigung und Ernährung wurden mit 12% und 5% deutlich weniger wahrgenommen. Mit präventiven Maßnahmen in Lebenswelten wurden im Berichtsjahr ebenfalls mehr als zwei Millionen Personen erreicht, darunter aber kaum ältere Menschen – sie machten nur 3% der erreichten Personen aus. Das liegt hauptsächlich daran, dass die meisten dieser Maßnahmen in Kindergärten,
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Netzwerk der Bundesrepublik Deutschland gefördert. Dazu gehören insbesondere folgende Materialien, die allen Mitgliedskommunen im Gesunde Städte-Netzwerk zur Verfügung gestellt wurden:  Eine Broschüre 'Sicher gehen – weiter sehen' für älteren Menschen zur Selbsteinschätzung des Sturzrisikos verbunden mit individuellen Präventionsempfehlungen (Link im Anhang).  Eine Serie von sechs Plakaten im Format A 1 mit Bewegungsübungen für ältere Menschen für Sportvereine und andere Anbieter. Als Ergänzung gibt es ein Leporello mit denselben Übungen zur Unterstützung der selbständigen Durchführung dieser Übungen.  Eine CD mit dem Titel 'Mehr Gesundheit im Alter – Arbeitshilfen für Bewegungsförderung und Sturzprävention im Alter am Beispiel des Hamburger Arbeitskreises Sturzprävention'. Die Arbeitshilfen wenden sich an Akteure der kommunalen Gesundheitsförderung und wollen sie bei der Planung, Durchführung und Weiterentwicklung von entsprechenden Angeboten unterstützen. Die Arbeitshilfen wurden auch an alle Hamburger Bezirksämter verteilt, um damit einen Impuls für den Ausbau von Angeboten der Gesundheitsförderung für ältere Menschen zu setzen. Angebote zur Ernährung im Alter machen viele der Einrichtungen, die schon als Anbieter von Bewegungsangeboten genannt wurden, aber auch weitere Einrichtungen, wie z. B. die Verbraucherzentrale oder die Zentrale für Ernährungsberatung der Hochschule für angewandte Wissenschaft.

Schulen und Betrieben stattfanden. Aber auch in Maßnahmen, die in den Stadtteilen durchgeführt wurden, machten Menschen über 60 nur 10% der erreichten Personen aus. Eine im Auftrag der BSG durchgeführte Bestandsaufnahme der Versorgungsstrukturen von Prävention und Gesundheitsförderung in Hamburg durch Befragung von Experten/-innen und Akteuren hat unter anderem das Handlungsfeld 'Älterwerden und Alter' untersucht (Kliche et al. 2010). Als wichtigste Ziele werden die Erhaltung bzw. Verbesserung von Lebensqualität und Selbständigkeit genannt. Häufig behandelte Themen sind danach Bewegung, Ernährung, Sturzprävention, Gedächtnistraining, geistige und kreative Aktivität, psychische Gesundheit, gesamtgesellschaftliche und soziale Integration, Sucht und Demenz. Weitere Angebote finden in den Bereichen Kultur,

Sport, Öffentlichkeitsarbeit, Verkehr und betreutes Wohnen statt. Es gibt viele Netzwerke und Kooperationsformen, namentlich zwischen Hausärztinnen und -ärzten, Senioreneinrichtungen, Sportvereinen, Krankenkassen und kirchlichen Einrichtungen. Trotz zahlreicher Angebote ist der Bedarf aus Sicht der befragten Expertinnen und Experten immer noch hoch. Viele Akteure wünschen sich aber mehr Ressourcen, um die verschiedenen Zielgruppen besser erreichen zu können (z. B. hochaltrige, ressourcenschwache und isoliert lebende Menschen, Migrantinnen und Migranten) und eine flächendeckende Ausweitung erfolgreicher Modellprojekte. Insbesondere sollten aufsuchende Angebote verstärkt werden. Daten zu Nachfrage und Wünschen der betroffenen älteren Menschen liegen allerdings nicht vor. Daher sind die Anbieter gefordert, Wege zu finden, um diese Zielgruppen bedarfsgerecht zu erreichen.

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen  Ev. Krankenhaus Alsterdorf  Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus  Kath. Marienkrankenhaus  Schön Klinik Hamburg-Eilbek  Wilhelmsburger Krankenhaus Groß Sand Eine ausführliche Darstellung der Angebote mit Adressen und Kontaktinformationen finden sich im Krankenhausverzeichnis unter www.hamburg.de/krankenhausverzeichnis und bei der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft www.hkgev.de/die-hkg.html. Insgesamt gibt es in Hamburg zurzeit 781 vollstationäre geriatrische Betten und 174 teilstationäre geriatrische Behandlungsplätze in Tageskliniken. Darüber hinaus besteht seit 2009 im Asklepios Westklinikum Hamburg ein geriatrischer Schwerpunkt in der Inneren Medizin mit derzeit 20 Betten. Ein neuer geriatrischer Schwerpunkt soll zur weiteren Verbesserung der wohnortnahen Versorgung ab 2011 im Bethesda Krankenhaus Bergedorf aufgebaut werden. Eine spezielle gerontopsychiatrische Abteilung besteht in der Asklepios Klinik Nord sowohl vollstationär als auch teilstationär in einer Tagesklinik. Eine Besonderheit stellt in der Asklepios Klinik Nord auch das 'Zentrum für Ältere' dar, das eng mit der Geriatrie des Krankenhauses kooperiert. Darüber hinaus bestehen in der Schön Klinik Hamburg-Eilbek (Tagesklinik für Ältere) und in der Asklepios Klinik Harburg (Tagesklinik für Ältere) spezielle Tageskliniken mit gerontopsychiatrischem Schwerpunkt. Insgesamt sind 63 teilstationäre
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Medizinische Versorgung
 

Behandlungsplätze dem Schwerpunkt Gerontopsychiatrie zugeordnet. Speziell an ältere Menschen richten sich auch die Gedächtnissprechstunden, Gedächtnisambulanzen oder auch Memory Clinics. Eine Untersuchung in einer dieser Einrichtungen soll bei Hinweisen auf eine Gedächtnisstörung zur Abklärung der Ursachen und zu einer diagnostischen Einschätzung beitragen. Auf dieser Grundlage wird dann ein umfassender Therapieplan entwickelt. Derartige Versorgungsangebote gibt es in mehreren Hamburger Kliniken, z. B. am Albertinen-Haus, Asklepios Klinik Nord und am Universitätsklinikum HamburgEppendorf. Speziell auf die Bedürfnisse geriatrischer Patientinnen und Patienten ist die ambulante geriatrische Rehabilitation abgestimmt, die wohnortnah durchgeführt wird und der Patientin/ dem Patienten den Verbleib in der vertrauten Umgebung erlaubt. Sie wird in Hamburg nur am Albertinen-Haus in Schnelsen angeboten. Insgesamt stehen in Hamburg bezogen auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner über 65 Jahre 251 Betten bzw. Behandlungsplätze in klinisch-geriatrischen Einrichtungen zur Verfügung, das ist für alle Bundesländer der höchste Wert. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 68 Betten auf 100.000 (Statistisches Bundesamt, 2009). Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass in vielen anderen Bundesländern die Geriatrie der Rehabilitation zugeordnet ist und nicht wie in Hamburg der Akutversorgung im Krankenhaus. Aber auch wenn der Rehabilitationsbereich mit berücksichtigt wird, ist das Behandlungsangebot in Hamburg größer als in anderen Bundesländern (Kompetenz-Centrum Geriatrie 2010). Die Häufigkeit von Krankenhausbehandlungsfällen nimmt mit dem Alter zu. Bei
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In diesem Kapitel wird geschildert, welche Angebote für die medizinische Versorgung älterer Menschen in Hamburg vorhanden sind. Der größte Teil der medizinischen Versorgung älterer Menschen wird im Rahmen der allgemeinen Versorgungsangebote, also durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte (Hausärztinnen und -ärzte sowie Fachärztinnen und -ärzte) und die verschiedenen Fachabteilungen der Kliniken, abgedeckt. Dabei wird ein Mangel an geriatrisch weitergebildeten Ärztinnen und Ärzten festgestellt. Hamburg liegt mit 2,8 geriatrisch weitergebildeten Ärztinnen und Ärzten auf 100.000 Einwohner/-innen zwar über dem Bundesdurchschnitt von 2,5, dies reicht aber nach Einschätzung des Kompetenz-Centrums Geriatrie beim MDK Nord für eine optimale Versorgung der geriatrischen Patientinnen und Patienten nicht aus (Lübke et al. 2008). Zusätzlich gibt es eine Reihe ambulanter und stationärer Angebote speziell für ältere Patientinnen und Patienten. Diese sind meist geriatrischen, manchmal aber auch psychiatrischen und anderen Abteilungen zugeordnet. Für die voll- und teilstationäre Versorgung stehen spezialisierte geriatrische Versorgungsangebote in folgenden Hamburger Kliniken zur Verfügung:  Asklepios Klinikum Nord  Asklepios Klinikum Wandsbek  Albertinen-Haus/AlbertinenKrankenhaus  Diakonie-Klinikum Hamburg

den Daten ist zu berücksichtigen, dass sie sich auf Behandlungsfälle beziehen, nicht auf Personen. Wird eine Person in einem Jahr mehrmals stationär behandelt, wird jede Behandlung als Fall gezählt. Die Zahl der behandelten Personen ist also kleiner als die Zahl der Behandlungsfälle. Über alle Altersgruppen hinweg liegt die Zahl der vollstationären Krankenhausfälle (in Hamburger Krankenhäusern mit Wohnort in Hamburg) bezogen auf 100.000 Personen im Jahr für Männer bei 14.137 und für Frauen bei 17.036. In Abb. 30 sind die Fälle in der Altersgruppe ab 60 dargestellt: Mit dem Alter steigt die Häufigkeit von Krankenhausbehandlungen an, bei den über 75-Jährigen ist die Zahl der Krankenhausfälle pro 100.000 Personen mehr als drei Mal so hoch als für die Gesamtbevölkerung. Vollstationäre Krankenhausfälle  auf 100.000 (2008)
60.000 50.000 40.000 30.000 20.000 10.000 0

männlich

weiblich

60 ‐ 75 Alter

75 +

Abbildung 25 Quelle: Krankenhausdiagnosestatistik der BSG

Akutmedizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Demenzen Ein besonderes Problem ist die akutmedizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Einschränkungen der Wahrnehmung und des Denkens, weil diese Probleme in der fremden Krankenhausumgebung zunehmen können. Sie brauchen deswegen eine besondere Umgebung, Pflege und Behandlung. In Hamburg gibt es einige gute Beispiele für Versorgungsstrukturen in diesem

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen  Ev. Krankenhaus Alsterdorf  Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus  Kath. Marienkrankenhaus  Schön Klinik Hamburg-Eilbek  Wilhelmsburger Krankenhaus Groß Sand Eine ausführliche Darstellung der Angebote mit Adressen und Kontaktinformationen finden sich im Krankenhausverzeichnis unter www.hamburg.de/krankenhausverzeichnis und bei der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft www.hkgev.de/die-hkg.html. Insgesamt gibt es in Hamburg zurzeit 781 vollstationäre geriatrische Betten und 174 teilstationäre geriatrische Behandlungsplätze in Tageskliniken. Darüber hinaus besteht seit 2009 im Asklepios Westklinikum Hamburg ein geriatrischer Schwerpunkt in der Inneren Medizin mit derzeit 20 Betten. Ein neuer geriatrischer Schwerpunkt soll zur weiteren Verbesserung der wohnortnahen Versorgung ab 2011 im Bethesda Krankenhaus Bergedorf aufgebaut werden. Eine spezielle gerontopsychiatrische Abteilung besteht in der Asklepios Klinik Nord sowohl vollstationär als auch teilstationär in einer Tagesklinik. Eine Besonderheit stellt in der Asklepios Klinik Nord auch das 'Zentrum für Ältere' dar, das eng mit der Geriatrie des Krankenhauses kooperiert. Darüber hinaus bestehen in der Schön Klinik Hamburg-Eilbek (Tagesklinik für Ältere) und in der Asklepios Klinik Harburg (Tagesklinik für Ältere) spezielle Tageskliniken mit gerontopsychiatrischem Schwerpunkt. Insgesamt sind 63 teilstationäre
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Medizinische Versorgung
 

Behandlungsplätze dem Schwerpunkt Gerontopsychiatrie zugeordnet. Speziell an ältere Menschen richten sich auch die Gedächtnissprechstunden, Gedächtnisambulanzen oder auch Memory Clinics. Eine Untersuchung in einer dieser Einrichtungen soll bei Hinweisen auf eine Gedächtnisstörung zur Abklärung der Ursachen und zu einer diagnostischen Einschätzung beitragen. Auf dieser Grundlage wird dann ein umfassender Therapieplan entwickelt. Derartige Versorgungsangebote gibt es in mehreren Hamburger Kliniken, z. B. am Albertinen-Haus, Asklepios Klinik Nord und am Universitätsklinikum HamburgEppendorf. Speziell auf die Bedürfnisse geriatrischer Patientinnen und Patienten ist die ambulante geriatrische Rehabilitation abgestimmt, die wohnortnah durchgeführt wird und der Patientin/ dem Patienten den Verbleib in der vertrauten Umgebung erlaubt. Sie wird in Hamburg nur am Albertinen-Haus in Schnelsen angeboten. Insgesamt stehen in Hamburg bezogen auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner über 65 Jahre 251 Betten bzw. Behandlungsplätze in klinisch-geriatrischen Einrichtungen zur Verfügung, das ist für alle Bundesländer der höchste Wert. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 68 Betten auf 100.000 (Statistisches Bundesamt, 2009). Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass in vielen anderen Bundesländern die Geriatrie der Rehabilitation zugeordnet ist und nicht wie in Hamburg der Akutversorgung im Krankenhaus. Aber auch wenn der Rehabilitationsbereich mit berücksichtigt wird, ist das Behandlungsangebot in Hamburg größer als in anderen Bundesländern (Kompetenz-Centrum Geriatrie 2010). Die Häufigkeit von Krankenhausbehandlungsfällen nimmt mit dem Alter zu. Bei
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In diesem Kapitel wird geschildert, welche Angebote für die medizinische Versorgung älterer Menschen in Hamburg vorhanden sind. Der größte Teil der medizinischen Versorgung älterer Menschen wird im Rahmen der allgemeinen Versorgungsangebote, also durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte (Hausärztinnen und -ärzte sowie Fachärztinnen und -ärzte) und die verschiedenen Fachabteilungen der Kliniken, abgedeckt. Dabei wird ein Mangel an geriatrisch weitergebildeten Ärztinnen und Ärzten festgestellt. Hamburg liegt mit 2,8 geriatrisch weitergebildeten Ärztinnen und Ärzten auf 100.000 Einwohner/-innen zwar über dem Bundesdurchschnitt von 2,5, dies reicht aber nach Einschätzung des Kompetenz-Centrums Geriatrie beim MDK Nord für eine optimale Versorgung der geriatrischen Patientinnen und Patienten nicht aus (Lübke et al. 2008). Zusätzlich gibt es eine Reihe ambulanter und stationärer Angebote speziell für ältere Patientinnen und Patienten. Diese sind meist geriatrischen, manchmal aber auch psychiatrischen und anderen Abteilungen zugeordnet. Für die voll- und teilstationäre Versorgung stehen spezialisierte geriatrische Versorgungsangebote in folgenden Hamburger Kliniken zur Verfügung:  Asklepios Klinikum Nord  Asklepios Klinikum Wandsbek  Albertinen-Haus/AlbertinenKrankenhaus  Diakonie-Klinikum Hamburg

den Daten ist zu berücksichtigen, dass sie sich auf Behandlungsfälle beziehen, nicht auf Personen. Wird eine Person in einem Jahr mehrmals stationär behandelt, wird jede Behandlung als Fall gezählt. Die Zahl der behandelten Personen ist also kleiner als die Zahl der Behandlungsfälle. Über alle Altersgruppen hinweg liegt die Zahl der vollstationären Krankenhausfälle (in Hamburger Krankenhäusern mit Wohnort in Hamburg) bezogen auf 100.000 Personen im Jahr für Männer bei 14.137 und für Frauen bei 17.036. In Abb. 30 sind die Fälle in der Altersgruppe ab 60 dargestellt: Mit dem Alter steigt die Häufigkeit von Krankenhausbehandlungen an, bei den über 75-Jährigen ist die Zahl der Krankenhausfälle pro 100.000 Personen mehr als drei Mal so hoch als für die Gesamtbevölkerung. Vollstationäre Krankenhausfälle  auf 100.000 (2008)
60.000 50.000 40.000 30.000 20.000 10.000 0

männlich

weiblich

60 ‐ 75 Alter

75 +

Abbildung 25 Quelle: Krankenhausdiagnosestatistik der BSG

Akutmedizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Demenzen Ein besonderes Problem ist die akutmedizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Einschränkungen der Wahrnehmung und des Denkens, weil diese Probleme in der fremden Krankenhausumgebung zunehmen können. Sie brauchen deswegen eine besondere Umgebung, Pflege und Behandlung. In Hamburg gibt es einige gute Beispiele für Versorgungsstrukturen in diesem

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen rierten Tagesablauf, durch eine besondere architektonische Ausstattung und eine intensive Einbeziehung der Angehörigen soll den Patientinnen und Patienten ein Gefühl von Sicherheit vermittelt und die Orientierung in der fremden Umgebung erleichtert werden.

Bereich, z. B. die Station Siloah im Diakonie-Klinikum Hamburg, die Station für kognitive Geriatrie im AlbertinenHaus und auch die Gedächtnisstation in der Asklepios Klinik Wandsbek. Durch eine besondere Ausbildung von Pflegekräften, Therapeuten/-innen und Ärzten/-innen, durch einen stärker struktu   

Pflegerische Versorgung
In diesem Kapitel werden die Angebote der ambulanten und stationären Pflege sowie ergänzende Angebote kurz dargestellt. Ausführliche Informationen zu Pflegebedürftigkeit und pflegerischer Versorgung in Hamburg finden sich im 'Rahmenplan der pflegerischen Versorgungsstruktur bis 2015' (BSG, 2010). www.hamburg.de/pflege/veroeffentlichun gen In Hamburg lebten Ende 2007 43.140 pflegebedürftige und 59.232 hilfsbedürftige Menschen im Sinne der Pflegeversicherung. Damit ist die Zahl der Pflegebedürftigen etwas niedriger als im 'Rahmenplan der pflegerischen Versorgungsstruktur bis 2010' (BSG 2005) vorausberechnet. Für 2015 wird durch die demografische Entwicklung ein Anstieg der Pflegebedürftigkeit um etwa 6%, der Hilfsbedürftigkeit von etwa 3% erwartet, für 2020 ein weiterer Anstieg in gleicher Größenordnung. Eine Neufassung des Begriffes der Pflegebedürftigkeit wird aber zu einer Veränderung diese Zahlen führen. Von den Pflegebedürftigen sind 51,9% in Pflegestufe I eingeordnet, 35,8% in Pflegestufe II und 12,2% in Pflegestufe III. Diese Verteilung entspricht dem Bundesdurchschnitt. In Hamburg lebten 2007 rund 29.300 Pflegebedürftige zu Hause ('Pflege zu Hause' meint alle Formen der Langzeitpflege außerhalb von vollstationären Pflegeeinrichtungen). Der Anteil der zu Hause Gepflegten liegt mit 67,8 % knapp unter dem Bundesdurchschnitt von 70 % und ist seit Jahren stabil. Von denen, die zu Hause leben, wurden 55,3% ausschließlich durch Angehörige

versorgt, die anderen durch ambulante Pflegedienste oder durch eine Kombination beider Versorgungsformen. In allen Bezirken sind Pflegestützpunkte eingerichtet, in denen Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen Auskünfte und Beratung rund um das Thema Pflege erhalten. Genaue Informationen dazu einschließlich der Adressen und Kontaktinformationen finden sich unter www.hamburg.de/pflege Palliativmedizinische Versorgung in Hamburg Die palliativmedizinische Versorgung und die Möglichkeiten zur Aufnahme in einem Hospiz sind in Hamburg in den letzten 15 Jahren sehr verbessert worden. Trotzdem sterben die meisten Menschen immer noch in einem Krankenhaus oder in einem Pflege- oder Altenheim. Es gibt derzeit in Hamburg sechs stationäre Hospize mit insgesamt 68 Plätzen und sieben Palliativeinheiten in Hamburger Krankenhäusern mit insgesamt 50 Betten. Darüber hinaus ist die flächendeckende Etablierung der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) im Aufbau. Sie soll ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod in vertrauter Umgebung erleichtern. Im Vordergrund steht die Linderung belastender Symptome. Die SAVP wird von speziell geschulten Fachpflegeteams geleistet, die in Netzwerken mit niedergelassenen Palliativmedizinerinnen und -medizinern und ehrenamtlichen ambulanten Hospizdiensten zusammenarbeiten. Das Albertinen-Haus hat mit der 'Palliativen Geriatrie' ein besonderes Versorgungsangebot mit sechs Betten für geriat45 

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen rierten Tagesablauf, durch eine besondere architektonische Ausstattung und eine intensive Einbeziehung der Angehörigen soll den Patientinnen und Patienten ein Gefühl von Sicherheit vermittelt und die Orientierung in der fremden Umgebung erleichtert werden.

Bereich, z. B. die Station Siloah im Diakonie-Klinikum Hamburg, die Station für kognitive Geriatrie im AlbertinenHaus und auch die Gedächtnisstation in der Asklepios Klinik Wandsbek. Durch eine besondere Ausbildung von Pflegekräften, Therapeuten/-innen und Ärzten/-innen, durch einen stärker struktu   

Pflegerische Versorgung
In diesem Kapitel werden die Angebote der ambulanten und stationären Pflege sowie ergänzende Angebote kurz dargestellt. Ausführliche Informationen zu Pflegebedürftigkeit und pflegerischer Versorgung in Hamburg finden sich im 'Rahmenplan der pflegerischen Versorgungsstruktur bis 2015' (BSG, 2010). www.hamburg.de/pflege/veroeffentlichun gen In Hamburg lebten Ende 2007 43.140 pflegebedürftige und 59.232 hilfsbedürftige Menschen im Sinne der Pflegeversicherung. Damit ist die Zahl der Pflegebedürftigen etwas niedriger als im 'Rahmenplan der pflegerischen Versorgungsstruktur bis 2010' (BSG 2005) vorausberechnet. Für 2015 wird durch die demografische Entwicklung ein Anstieg der Pflegebedürftigkeit um etwa 6%, der Hilfsbedürftigkeit von etwa 3% erwartet, für 2020 ein weiterer Anstieg in gleicher Größenordnung. Eine Neufassung des Begriffes der Pflegebedürftigkeit wird aber zu einer Veränderung diese Zahlen führen. Von den Pflegebedürftigen sind 51,9% in Pflegestufe I eingeordnet, 35,8% in Pflegestufe II und 12,2% in Pflegestufe III. Diese Verteilung entspricht dem Bundesdurchschnitt. In Hamburg lebten 2007 rund 29.300 Pflegebedürftige zu Hause ('Pflege zu Hause' meint alle Formen der Langzeitpflege außerhalb von vollstationären Pflegeeinrichtungen). Der Anteil der zu Hause Gepflegten liegt mit 67,8 % knapp unter dem Bundesdurchschnitt von 70 % und ist seit Jahren stabil. Von denen, die zu Hause leben, wurden 55,3% ausschließlich durch Angehörige

versorgt, die anderen durch ambulante Pflegedienste oder durch eine Kombination beider Versorgungsformen. In allen Bezirken sind Pflegestützpunkte eingerichtet, in denen Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen Auskünfte und Beratung rund um das Thema Pflege erhalten. Genaue Informationen dazu einschließlich der Adressen und Kontaktinformationen finden sich unter www.hamburg.de/pflege Palliativmedizinische Versorgung in Hamburg Die palliativmedizinische Versorgung und die Möglichkeiten zur Aufnahme in einem Hospiz sind in Hamburg in den letzten 15 Jahren sehr verbessert worden. Trotzdem sterben die meisten Menschen immer noch in einem Krankenhaus oder in einem Pflege- oder Altenheim. Es gibt derzeit in Hamburg sechs stationäre Hospize mit insgesamt 68 Plätzen und sieben Palliativeinheiten in Hamburger Krankenhäusern mit insgesamt 50 Betten. Darüber hinaus ist die flächendeckende Etablierung der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) im Aufbau. Sie soll ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod in vertrauter Umgebung erleichtern. Im Vordergrund steht die Linderung belastender Symptome. Die SAVP wird von speziell geschulten Fachpflegeteams geleistet, die in Netzwerken mit niedergelassenen Palliativmedizinerinnen und -medizinern und ehrenamtlichen ambulanten Hospizdiensten zusammenarbeiten. Das Albertinen-Haus hat mit der 'Palliativen Geriatrie' ein besonderes Versorgungsangebot mit sechs Betten für geriat45 

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Beaufsichtigung und Betreuung. Diese Angebote sind nicht nur für die pflegebedürftigen Personen selbst, sondern auch für die Angehörigen von großer Bedeutung. Stationäre Pflege Im Jahr 2009 gab es in Hamburg 149 Einrichtungen mit 17.292 Plätzen. Im Großstädtevergleich weist Hamburg damit eine überdurchschnittliche Ausstattung mit vollstationären Plätzen auf. Von den Bewohnerinnen und Bewohnern waren 8% der Pflegestufe 0 zugeordnet. Auf die Pflegestufe I entfielen 37%, auf die Pflegestufe II 38% und auf die Pflegestufe III 18%. Es gibt eine Reihe von Pflegeeinrichtungen mit speziellen Angeboten für besondere Zielgruppen. Ein Pflegeheim bietet Plätze für Menschen mit türkischem Migrationshintergrund an, der die besonderen sprachlichen und kulturellen Anforderungen berücksichtigt. Eine besondere stationäre Dementenbetreuung wird von 37 Einrichtungen mit 867 Plätzen angeboten und richtet sich an Personen, die aus verschiedenen Gründen, z. B. wegen starker Verhaltensauffälligkeiten, im stationären Regelangebot nicht angemessen versorgt werden können. Der 'Rahmenplan der pflegerischen Versorgungsstruktur bis 2015' kommt zu dem Ergebnis, dass die Versorgung durch ambulante und stationäre Pflegeangebote gegenwärtig und auch zukünftig sichergestellt ist. Dabei werden Tagespflege, Wohngemeinschaften und niedrigschwellige Betreuung immer größere Bedeutung bekommen. Der Rahmenplan betont außerdem, dass eine Steigerung der Ausbildungsanstrengungen notwendig ist, um den Fachkräftebedarf in der Pflege zu decken. Medizinische Versorgung von Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen in Hamburg Eine Studie zur ärztlichen Versorgung in Pflegeheimen (Hallauer et al., 2005) hat auf Mängel in der fachärztlichen Versorgung in Heimen hingewiesen. Da diese Studie bundesweit durchgeführt worden ist und keine Daten speziell für Hamburg vorlagen, hat das Institut für medizinische Soziologie am UKE im Auftrag der BSG eine Studie in Hamburg durchgeführt (Döhner, et al. 2009). Dazu wurden Experteninterviews, eine schriftliche Befragung sowie mehrere moderierte Gruppendiskussionen mit Pflegeheimen, Krankenhäusern und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten durchgeführt. Im Mittelpunkt der multiperspektivischen Untersuchung standen Kooperation und Koordination der an der Versorgung von Pflegeheimbewohnern beteiligten Akteure. Die Perspektiven aller Beteiligten wurden einbezogen. An der schriftlichen Befragung nahmen 66 Pflegeheime, 161 Hausärztinnen und Hausärzte sowie 25 Ärztinnen und Ärzte aus Krankenhäusern teil, an den ergänzenden Gruppendiskussionen insgesamt 22 Personen. Schwerpunkte der Befragung und der Diskussionen lagen bei der Kontinuität der hausärztlichen Versorgung, der fachärztlichen Versorgung und der Schnittstelle zwischen Krankenhäusern und Pflegeheimen. Ärztliche Versorgung in Pflegeheimen  Die hausärztliche Versorgung wird überwiegend als zufriedenstellend eingeschätzt, die fachärztliche Versorgung als problematisch: Ärztinnen und Ärzte der Fachrichtungen Psychiatrie (in ca. 50% der Pflegeheime), Neurologie und Urologie (jeweils ca. 30%), suchen die befragten Pflege47   

rische Patientinnen und Patienten mit deutlich reduzierter Lebenserwartung aufgebaut. Außerdem gibt es eine Reihe von ambulanten Hospizdiensten (häusliche Sterbebegleitung durch Ehrenamtliche), von Hospizpflegediensten und von Beratungsangeboten. Alle diese Angebote sind ausführlich beschrieben unter: www.hamburg.de/pflege/veroeffentlichun gen Ambulante Pflege 12.747 Pflegebedürftige wurden 2007 durch ambulante Dienste gepflegt. In Hamburg gab es 2009 363 ambulante Dienste; neben dem Grundangebot geben 126 Dienste an, über einen besonderen Schwerpunkt zu verfügen; 43 Dienste nennen Dementenbetreuung und 13 Palliativpflege. 80 Dienste besitzen nach eigenen Angaben fremdsprachige Pflegeteams. Zur Pflege zu Hause gehören außerdem 20 Einrichtungen der Tagespflege mit 386 Plätzen, zwei Einrichtungen der Kurzzeitpflege mit 59 Betten sowie weitere Kurzzeitpflegeplätze in Pflegeeinrichtungen. Ende 2009 gab es 14 betreute Wohngemeinschaften mit 113 Plätzen in Hamburg. Sie ermöglichen eine Rund-um-dieUhr-Betreuung für pflegebedürftige Menschen; fünf weitere Wohngemeinschaften befinden sich in der konkreten Planung und werden voraussichtlich 2010 eröffnet. Die ambulante Pflege kann ergänzt werden durch Freiwillige Dienste wie Besuchs- und Begleitdienste und niedrigschwellige Angebote für Personen mit einem erheblichen Bedarf an allgemeiner
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heime am häufigsten auf. Am problematischsten sind Besuche von Ärztinnen bzw. Ärzten der Fachrichtung Orthopädie (in ca. 70% der Pflegeheime 'nie'). Bei Ärztinnen und Ärzten aus anderen Fachrichtungen finden die Besuche in der Regel 'auf Abruf' bei akutem Bedarf statt.  Entsprechend wünschen sich die Mehrzahl der Pflegeheime Verbesserungen vorrangig in der neurologischen, gerontopsychiatrischen, gynäkologischen, zahnmedizinischen und augenärztlichen Versorgung.  Außerdem sehen sie bei Hausärztinnen und Hausärzten einen Bedarf an mehr geriatrischen Zusatzqualifikationen, speziell in den Bereichen Schmerzmanagement und Demenz. Diese Einschätzung teilen auch die Mehrzahl der befragten Krankenhausärztinnen und -ärzte, nicht aber der Hausärztinnen und -ärzte. Kooperation zwischen und Krankenhäusern Pflegeheimen

 Pflegeheime und Krankenhäuser stimmen in der Einschätzung überein, dass ein Teil der Krankenhauseinweisungen durch angemessenes medizinisches Management im Pflegeheim vermeidbar sind, insbesondere bei Dekubitus und anderen Wunden, Ernährungserkrankungen und Infektionen des Urogenitaltraktes.  Die systematische Überleitung zwischen Pflegeheimen und Krankenhäusern wird sowohl bei der Einweisung als auch bei der Entlassung als sehr wichtig für die Versorgungskontinuität eingeschätzt. Sie wird in vielen Fällen als unzureichend beurteilt. Unklare Verantwortlichkeiten in den beteiligten Institutionen sowie Personalmangel werden dafür als Hauptursachen gesehen.

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Beaufsichtigung und Betreuung. Diese Angebote sind nicht nur für die pflegebedürftigen Personen selbst, sondern auch für die Angehörigen von großer Bedeutung. Stationäre Pflege Im Jahr 2009 gab es in Hamburg 149 Einrichtungen mit 17.292 Plätzen. Im Großstädtevergleich weist Hamburg damit eine überdurchschnittliche Ausstattung mit vollstationären Plätzen auf. Von den Bewohnerinnen und Bewohnern waren 8% der Pflegestufe 0 zugeordnet. Auf die Pflegestufe I entfielen 37%, auf die Pflegestufe II 38% und auf die Pflegestufe III 18%. Es gibt eine Reihe von Pflegeeinrichtungen mit speziellen Angeboten für besondere Zielgruppen. Ein Pflegeheim bietet Plätze für Menschen mit türkischem Migrationshintergrund an, der die besonderen sprachlichen und kulturellen Anforderungen berücksichtigt. Eine besondere stationäre Dementenbetreuung wird von 37 Einrichtungen mit 867 Plätzen angeboten und richtet sich an Personen, die aus verschiedenen Gründen, z. B. wegen starker Verhaltensauffälligkeiten, im stationären Regelangebot nicht angemessen versorgt werden können. Der 'Rahmenplan der pflegerischen Versorgungsstruktur bis 2015' kommt zu dem Ergebnis, dass die Versorgung durch ambulante und stationäre Pflegeangebote gegenwärtig und auch zukünftig sichergestellt ist. Dabei werden Tagespflege, Wohngemeinschaften und niedrigschwellige Betreuung immer größere Bedeutung bekommen. Der Rahmenplan betont außerdem, dass eine Steigerung der Ausbildungsanstrengungen notwendig ist, um den Fachkräftebedarf in der Pflege zu decken. Medizinische Versorgung von Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen in Hamburg Eine Studie zur ärztlichen Versorgung in Pflegeheimen (Hallauer et al., 2005) hat auf Mängel in der fachärztlichen Versorgung in Heimen hingewiesen. Da diese Studie bundesweit durchgeführt worden ist und keine Daten speziell für Hamburg vorlagen, hat das Institut für medizinische Soziologie am UKE im Auftrag der BSG eine Studie in Hamburg durchgeführt (Döhner, et al. 2009). Dazu wurden Experteninterviews, eine schriftliche Befragung sowie mehrere moderierte Gruppendiskussionen mit Pflegeheimen, Krankenhäusern und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten durchgeführt. Im Mittelpunkt der multiperspektivischen Untersuchung standen Kooperation und Koordination der an der Versorgung von Pflegeheimbewohnern beteiligten Akteure. Die Perspektiven aller Beteiligten wurden einbezogen. An der schriftlichen Befragung nahmen 66 Pflegeheime, 161 Hausärztinnen und Hausärzte sowie 25 Ärztinnen und Ärzte aus Krankenhäusern teil, an den ergänzenden Gruppendiskussionen insgesamt 22 Personen. Schwerpunkte der Befragung und der Diskussionen lagen bei der Kontinuität der hausärztlichen Versorgung, der fachärztlichen Versorgung und der Schnittstelle zwischen Krankenhäusern und Pflegeheimen. Ärztliche Versorgung in Pflegeheimen  Die hausärztliche Versorgung wird überwiegend als zufriedenstellend eingeschätzt, die fachärztliche Versorgung als problematisch: Ärztinnen und Ärzte der Fachrichtungen Psychiatrie (in ca. 50% der Pflegeheime), Neurologie und Urologie (jeweils ca. 30%), suchen die befragten Pflege47   

rische Patientinnen und Patienten mit deutlich reduzierter Lebenserwartung aufgebaut. Außerdem gibt es eine Reihe von ambulanten Hospizdiensten (häusliche Sterbebegleitung durch Ehrenamtliche), von Hospizpflegediensten und von Beratungsangeboten. Alle diese Angebote sind ausführlich beschrieben unter: www.hamburg.de/pflege/veroeffentlichun gen Ambulante Pflege 12.747 Pflegebedürftige wurden 2007 durch ambulante Dienste gepflegt. In Hamburg gab es 2009 363 ambulante Dienste; neben dem Grundangebot geben 126 Dienste an, über einen besonderen Schwerpunkt zu verfügen; 43 Dienste nennen Dementenbetreuung und 13 Palliativpflege. 80 Dienste besitzen nach eigenen Angaben fremdsprachige Pflegeteams. Zur Pflege zu Hause gehören außerdem 20 Einrichtungen der Tagespflege mit 386 Plätzen, zwei Einrichtungen der Kurzzeitpflege mit 59 Betten sowie weitere Kurzzeitpflegeplätze in Pflegeeinrichtungen. Ende 2009 gab es 14 betreute Wohngemeinschaften mit 113 Plätzen in Hamburg. Sie ermöglichen eine Rund-um-dieUhr-Betreuung für pflegebedürftige Menschen; fünf weitere Wohngemeinschaften befinden sich in der konkreten Planung und werden voraussichtlich 2010 eröffnet. Die ambulante Pflege kann ergänzt werden durch Freiwillige Dienste wie Besuchs- und Begleitdienste und niedrigschwellige Angebote für Personen mit einem erheblichen Bedarf an allgemeiner
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heime am häufigsten auf. Am problematischsten sind Besuche von Ärztinnen bzw. Ärzten der Fachrichtung Orthopädie (in ca. 70% der Pflegeheime 'nie'). Bei Ärztinnen und Ärzten aus anderen Fachrichtungen finden die Besuche in der Regel 'auf Abruf' bei akutem Bedarf statt.  Entsprechend wünschen sich die Mehrzahl der Pflegeheime Verbesserungen vorrangig in der neurologischen, gerontopsychiatrischen, gynäkologischen, zahnmedizinischen und augenärztlichen Versorgung.  Außerdem sehen sie bei Hausärztinnen und Hausärzten einen Bedarf an mehr geriatrischen Zusatzqualifikationen, speziell in den Bereichen Schmerzmanagement und Demenz. Diese Einschätzung teilen auch die Mehrzahl der befragten Krankenhausärztinnen und -ärzte, nicht aber der Hausärztinnen und -ärzte. Kooperation zwischen und Krankenhäusern Pflegeheimen

 Pflegeheime und Krankenhäuser stimmen in der Einschätzung überein, dass ein Teil der Krankenhauseinweisungen durch angemessenes medizinisches Management im Pflegeheim vermeidbar sind, insbesondere bei Dekubitus und anderen Wunden, Ernährungserkrankungen und Infektionen des Urogenitaltraktes.  Die systematische Überleitung zwischen Pflegeheimen und Krankenhäusern wird sowohl bei der Einweisung als auch bei der Entlassung als sehr wichtig für die Versorgungskontinuität eingeschätzt. Sie wird in vielen Fällen als unzureichend beurteilt. Unklare Verantwortlichkeiten in den beteiligten Institutionen sowie Personalmangel werden dafür als Hauptursachen gesehen.

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Verbesserungsmöglichkeiten wurden mit großer Übereinstimmung zwischen den Akteuren genannt: der fachliche Austausch mit einem geriatrischen Zentrum, die Nutzung von berufsgruppenspezifischen und berufsgruppenübergreifenden Qualitätszirkeln sowie die Kontrolle der Einhaltung von Überleitungsstandards. Als entscheidend für eine Verbesserung der Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen wurden von allen Befragten zum einen die Verbesserung von Kommunikation und Kooperation unter Berücksichtigung der strukturellen Rahmenbedingungen, zum anderen der Abbau von Bürokratie genannt. Auch die bessere Finanzierung ärztlicher und pflegerischer Arbeit und die Verbesserung der geriatrischen Kompetenz bei den Akteuren wurden als wichtige Ansatzpunkte gesehen. Die Studie wurde der Hamburgischen Pflegegesellschaft, der Heimaufsicht, dem Hausärzteverband, verschiedenen Pflegeheimen und anderen Institutionen vorgestellt, um eine Diskussion von Verbesserungsmöglichkeiten anzuregen. Im Pflege-Weiterentwicklungsgesetz von 2008 ist die ärztliche Betreuung in stationären Pflegeeinrichtungen grundsätzlich neu geregelt worden. Nach § 119 b SGB V sind Kooperationsverträge zwischen Pflegeeinrichtungen und Leistungserbringern ebenso möglich wie die Versorgung durch angestellte geriatrisch fortgebildete Ärztinnen und Ärzte. Bisher sind diese Möglichkeiten in Hamburg nicht umgesetzt worden.

 Potenziale zur Verbesserung der Überleitung sehen die Befragten im persönlichen Kontakt (Krankenhaus und Pflegeheim / Hausarzt/-ärztin nach der Einweisung und vor der Entlassung) oder in der Qualitätssteigerung des Entlassungsmanagements (Vereinheitlichung der Dokumentationsbögen, Reduzierung von Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand) u. a. durch Case Management zur Planung und Organisation der Entlassung aus dem Krankenhaus. Kooperation und Kommunikation zwischen Krankenhäusern, Pflegeheimen und Hausärzten / Hausärztinnen  Sowohl aus hausärztlicher Sicht als auch aus der der Heime besteht ein Verbesserungsbedarf hinsichtlich der Information und Abstimmung bei der Versorgung von Pflegeheimbewohnern. Genannt werden unter anderem die Medikation, die Verordnung von Heil- und Hilfsmitteln und regelmäßige persönliche Visiten.  Der Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Akteuren wird als sehr unterschiedlich eingeschätzt. Insgesamt werden die Informationen von Hausärzten/-innen und Pflegeheimen als qualitativ besser bewertet als die von Fachärzten/-innen und Krankenhäusern. Es gibt allerdings starke Wahrnehmungsunterschiede, die auf Einflüsse der Berufsgruppenzugehörigkeit hindeuten.  Die Bedeutung von Kooperation und Koordination wurde übereinstimmend als sehr hoch eingeschätzt. Als

Zusammenfassung und Ausblick
Jede Zusammenfassung läuft Gefahr, zu stark zu vereinfachen. Daher als erstes die Erinnerung: Die älteren Menschen in Hamburg sind keine homogene Gruppe. In keinem Lebensabschnitt gibt es so viele Unterschiede hinsichtlich der gesundheitlichen Situation wie im Alter; entsprechend differenziert müssen alle Angebote von Prävention, Gesundheitsförderung und Versorgung ausgestaltet werden. Dies vorausgeschickt lässt sich formulieren: Die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg ist insgesamt positiv zu bewerten. Mehrheitlich berichten diese Personen zwar von gesundheitlichen Einschränkungen und Beschwerden, gleichzeitig sind sie größtenteils zufrieden mit ihrer Gesundheit und ihrer Lebensqualität, sie sind überwiegend sozial integriert und engagiert und führen ein aktives Leben. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Teilgruppen. Frauen leben häufiger allein und sind in ihrer Mobilität häufiger eingeschränkt als Männer. Mehr Frauen als Männer erreichen das Alter, in dem das Risiko von Demenzen und Pflegebedürftigkeit ansteigt. Deutliche Geschlechterunterschiede gibt es auch beim Auftreten verschiedener Krankheiten und Beschwerden. Außerdem sind Frauen gesundheitsbewusster als Männer, sie achten etwa häufiger auf gesunde Ernährung. Andererseits gibt es keine bedeutsamen Unterschiede in der Lebensqualität, in der subjektiven Gesundheit und in der sozialen Integration, hier spielt das Geschlecht keine Rolle. Viel bedeutsamer sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Mit zunehmendem Alter verschlechtern sich der gesundheitliche Allgemeinzustand und die Lebensqualität, Krankenhausbehandlungen und Pflegebedürftigkeit nehmen zu. Das soziale Netz wird gleichzeitig kleiner
49   

und Aktivitäten werden seltener. Allerdings dürfen diese Unterschiede nicht nur als Ergebnis der Alterung gesehen werden, ebenso müssen unterschiedliche Lebensbedingungen und Lebensläufe in den verschiedenen Generationen berücksichtigt werden. So haben die heute über 75Jährigen den letzten Weltkrieg noch bewusst erlebt und sind in den Kriegs- oder in den ersten Nachkriegsjahren zur Schule gegangen. Diese Erfahrungen haben für viele das ganze weitere Leben geprägt. Insgesamt gesehen werden bei den älteren Hamburgerinnen und Hamburgern unausgeschöpfte Potentiale für Prävention und Gesundheitsförderung sichtbar. Die zentralen Handlungsfelder sind im Wesentlichen die gleichen wie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene: Bewegung, Ernährung und psychische Gesundheit/soziale Integration sowie Gesundheitskompetenz. Hinzu kommen alterstypische Handlungsfelder wie die Erhaltung der Mobilität oder die Verringerung von Multimedikation. Die Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheitsförderung hat Ziele für ältere Menschen formuliert, die auch für Hamburg uneingeschränkt gültig sind (vgl. S. 37) und folgende Bereiche betreffen:  Bewegung und körperliche Aktivität,  Mobilität und Selbständigkeit,  Ernährung,  Psychische Gesundheit,  Soziale Integration,  Früherkennung von Funktionseinbußen.

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Verbesserungsmöglichkeiten wurden mit großer Übereinstimmung zwischen den Akteuren genannt: der fachliche Austausch mit einem geriatrischen Zentrum, die Nutzung von berufsgruppenspezifischen und berufsgruppenübergreifenden Qualitätszirkeln sowie die Kontrolle der Einhaltung von Überleitungsstandards. Als entscheidend für eine Verbesserung der Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen wurden von allen Befragten zum einen die Verbesserung von Kommunikation und Kooperation unter Berücksichtigung der strukturellen Rahmenbedingungen, zum anderen der Abbau von Bürokratie genannt. Auch die bessere Finanzierung ärztlicher und pflegerischer Arbeit und die Verbesserung der geriatrischen Kompetenz bei den Akteuren wurden als wichtige Ansatzpunkte gesehen. Die Studie wurde der Hamburgischen Pflegegesellschaft, der Heimaufsicht, dem Hausärzteverband, verschiedenen Pflegeheimen und anderen Institutionen vorgestellt, um eine Diskussion von Verbesserungsmöglichkeiten anzuregen. Im Pflege-Weiterentwicklungsgesetz von 2008 ist die ärztliche Betreuung in stationären Pflegeeinrichtungen grundsätzlich neu geregelt worden. Nach § 119 b SGB V sind Kooperationsverträge zwischen Pflegeeinrichtungen und Leistungserbringern ebenso möglich wie die Versorgung durch angestellte geriatrisch fortgebildete Ärztinnen und Ärzte. Bisher sind diese Möglichkeiten in Hamburg nicht umgesetzt worden.

 Potenziale zur Verbesserung der Überleitung sehen die Befragten im persönlichen Kontakt (Krankenhaus und Pflegeheim / Hausarzt/-ärztin nach der Einweisung und vor der Entlassung) oder in der Qualitätssteigerung des Entlassungsmanagements (Vereinheitlichung der Dokumentationsbögen, Reduzierung von Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand) u. a. durch Case Management zur Planung und Organisation der Entlassung aus dem Krankenhaus. Kooperation und Kommunikation zwischen Krankenhäusern, Pflegeheimen und Hausärzten / Hausärztinnen  Sowohl aus hausärztlicher Sicht als auch aus der der Heime besteht ein Verbesserungsbedarf hinsichtlich der Information und Abstimmung bei der Versorgung von Pflegeheimbewohnern. Genannt werden unter anderem die Medikation, die Verordnung von Heil- und Hilfsmitteln und regelmäßige persönliche Visiten.  Der Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Akteuren wird als sehr unterschiedlich eingeschätzt. Insgesamt werden die Informationen von Hausärzten/-innen und Pflegeheimen als qualitativ besser bewertet als die von Fachärzten/-innen und Krankenhäusern. Es gibt allerdings starke Wahrnehmungsunterschiede, die auf Einflüsse der Berufsgruppenzugehörigkeit hindeuten.  Die Bedeutung von Kooperation und Koordination wurde übereinstimmend als sehr hoch eingeschätzt. Als

Zusammenfassung und Ausblick
Jede Zusammenfassung läuft Gefahr, zu stark zu vereinfachen. Daher als erstes die Erinnerung: Die älteren Menschen in Hamburg sind keine homogene Gruppe. In keinem Lebensabschnitt gibt es so viele Unterschiede hinsichtlich der gesundheitlichen Situation wie im Alter; entsprechend differenziert müssen alle Angebote von Prävention, Gesundheitsförderung und Versorgung ausgestaltet werden. Dies vorausgeschickt lässt sich formulieren: Die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg ist insgesamt positiv zu bewerten. Mehrheitlich berichten diese Personen zwar von gesundheitlichen Einschränkungen und Beschwerden, gleichzeitig sind sie größtenteils zufrieden mit ihrer Gesundheit und ihrer Lebensqualität, sie sind überwiegend sozial integriert und engagiert und führen ein aktives Leben. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Teilgruppen. Frauen leben häufiger allein und sind in ihrer Mobilität häufiger eingeschränkt als Männer. Mehr Frauen als Männer erreichen das Alter, in dem das Risiko von Demenzen und Pflegebedürftigkeit ansteigt. Deutliche Geschlechterunterschiede gibt es auch beim Auftreten verschiedener Krankheiten und Beschwerden. Außerdem sind Frauen gesundheitsbewusster als Männer, sie achten etwa häufiger auf gesunde Ernährung. Andererseits gibt es keine bedeutsamen Unterschiede in der Lebensqualität, in der subjektiven Gesundheit und in der sozialen Integration, hier spielt das Geschlecht keine Rolle. Viel bedeutsamer sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Mit zunehmendem Alter verschlechtern sich der gesundheitliche Allgemeinzustand und die Lebensqualität, Krankenhausbehandlungen und Pflegebedürftigkeit nehmen zu. Das soziale Netz wird gleichzeitig kleiner
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und Aktivitäten werden seltener. Allerdings dürfen diese Unterschiede nicht nur als Ergebnis der Alterung gesehen werden, ebenso müssen unterschiedliche Lebensbedingungen und Lebensläufe in den verschiedenen Generationen berücksichtigt werden. So haben die heute über 75Jährigen den letzten Weltkrieg noch bewusst erlebt und sind in den Kriegs- oder in den ersten Nachkriegsjahren zur Schule gegangen. Diese Erfahrungen haben für viele das ganze weitere Leben geprägt. Insgesamt gesehen werden bei den älteren Hamburgerinnen und Hamburgern unausgeschöpfte Potentiale für Prävention und Gesundheitsförderung sichtbar. Die zentralen Handlungsfelder sind im Wesentlichen die gleichen wie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene: Bewegung, Ernährung und psychische Gesundheit/soziale Integration sowie Gesundheitskompetenz. Hinzu kommen alterstypische Handlungsfelder wie die Erhaltung der Mobilität oder die Verringerung von Multimedikation. Die Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheitsförderung hat Ziele für ältere Menschen formuliert, die auch für Hamburg uneingeschränkt gültig sind (vgl. S. 37) und folgende Bereiche betreffen:  Bewegung und körperliche Aktivität,  Mobilität und Selbständigkeit,  Ernährung,  Psychische Gesundheit,  Soziale Integration,  Früherkennung von Funktionseinbußen.

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Seniorenfreundliches Hamburg aufsuchende Angebote, aktivierende Angebote, Angebote im Setting (z. B. Nachbarschaft, Wohnanlage), Angebote, die Gesundheitsförderung und Prävention in andere Angebote der offenen Seniorenarbeit (Freizeit, Bildung, Kultur) integrieren. Der Senat wird zum Frühsommer 2011 ein Konzept für ein seniorenfreundliches Hamburg vorlegen, das Lebensqualität, Aktivität und Sinnstiftung für ältere Menschen genauso im Blick hat wie die notwendige Infrastruktur für Unterstützung und Pflege bei entsprechender Hilfebedürftigkeit. Ziel ist, dass die Stadt sich in ihren Planungen stärker auf den demografischen Wandel und eine älter werdende Bevölkerung einrichtet. Als Talent- und Kreativstadt will sie aber auch die Potentiale der älteren Menschen anerkennen und stärker nutzen und ihre Möglichkeit zur aktiven Teilhabe unterstützen und fördern. Die Berücksichtigung der Bedürfnisse und Interessen älterer Menschen wird als eine echte Querschnittsaufgabe angesehen, die alle Ressorts und alle Bereiche betrifft. Demografische Veränderungen sind regelhaft zu berücksichtigen unter anderem bei Stadtentwicklung und Verkehr, Gesundheit, Bildung und sozialräumlicher Planung. Es soll ein Monitoring geben, das für eine Berücksichtigung der Interessen und Bedürfnisse älterer Menschen in allen Ressorts und Bereichen sorgt. Dieses Konzept wird sich auch mit der Gesundheit älterer Menschen in Hamburg befassen, die Umsetzung soll direkt und indirekt zur Verbesserung der Gesundheit beitragen. Pakt für Prävention – Gemeinsam für ein gesundes Hamburg! Im Sommer 2010 hat die Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz (BSG) ein neues Programm zur Weiterentwicklung von gesundheitlicher Prävention und Gesundheitsförderung in Hamburg gestartet. In einem längerfristig angelegten Prozess wird mit allen wesentlichen Akteuren ein Landesprogramm 'Pakt für Prävention – Gemeinsam für ein gesundes Hamburg!' entwickelt. Dazu wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Hamburger Senat und verschiedenen Partnerinnen und Partnern auf der Starterveranstaltung unterzeichnet. Die drei thematischen Schwerpunkte des Paktes für Prävention    gesundheitsfördernde Bewegung, gesunde Ernährung, psychosoziales Wohlbefinden/ Förderung von Lebenskompetenz

Gute Praxisbeispiele für erfolgreiche Prävention und Gesundheitsförderung im Alter finden sich unter den Preisträgern des Deutschen Präventionspreises, der 2005 der Gesundheit in der zweiten Lebenshälfte gewidmet war. www.deutscher-praeventionspreis.de Auch in der Dokumentation der Tagung 'Gesundheitsförderung und Prävention für ältere Menschen im Setting Kommune' von 2009 sind erfolgreiche Praxisbeispiele nachzulesen. www.inform.de/cln_090/nn_1214786/DE/Home/ 08AeltereMenschen Die Handlungsfelder und Strategien zur Verbesserung von Gesundheitsförderung und Prävention sollen hier nur kurz skizziert werden. Sie müssen gerade für die Zielgruppe älterer Menschen sehr stark ausdifferenziert werden, um den unterschiedlichen Ausgangsbedingungen gerecht zu werden. So brauchen die 'jungen Alten' andere Angebote als die Hochbetagten, Menschen in dicht besiedelten Quartieren andere als solche in Randgebieten, Männer andere Angebote als Frauen. Insbesondere gibt es viel zu wenig Angebote für schwer zu erreichende Teilgruppen wie     arme Menschen, isoliert lebende Menschen, Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Menschen mit Migrationshintergrund.

   

Für die medizinische Versorgung steht insgesamt ein gut ausgebautes und differenziertes Angebot zur Verfügung, trotzdem sind Möglichkeiten der Verbesserung erkennbar.  So brauchen mehr psychisch kranke ältere Menschen eine angemessene Behandlung, etwa von Depressionen und in suizidalen Krisen. Zu viele Ältere nehmen dauerhaft zu viele Medikamente gleichzeitig. Eine Erhöhung der geriatrischen Kompetenz der behandelnden Ärztinnen und Ärzte ist eine wichtige Voraussetzung für eine Verbesserung der Situation. Die medizinische Versorgung in Pflegeheimen könnte durch eine stärkere Kooperation der Akteure ebenfalls verbessert werden. Die Möglichkeiten des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes können hier genutzt werden.



sollen auch für ältere Menschen weiterentwickelt werden. Ziel dabei ist, dem Gesundheitsgedanken in Hamburg einen neuen Stellenwert zu verleihen, die gesundheitliche Versorgung zu optimieren und die Gesundheit der Hamburger Bevölkerung mit ihr zusammen mittel- und langfristig zu verbessern. Im Jahr 2011 wird eine Zielkonferenz zum Thema 'Gesund alt werden in Hamburg' durchgeführt werden, die sich ausschließlich der Verbesserung der Gesundheit älterer Hamburgerinnen und Hamburger widmen wird.



Auch die Angebotsstruktur sollte verbessert werden. Zwar gibt es innerhalb von Komm-Strukturen ein nach Trägern und Inhalten breit gefächertes Angebot, aber es gibt zu wenig
50   

Zum Schluss soll auf zwei Vorhaben des Senates und der BSG verwiesen werden, die für die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg von großer Bedeutung sind. Das sind das Konzept 'Seniorenfreundliches Hamburg' im Rahmen der Gesamtstrategie 'Wachsen mit Weitsicht' und der 'Pakt für Prävention – Gemeinsam für ein gesundes Hamburg'. In beide sollen auch die Ergebnisse dieses Berichtens aufgegriffen und verarbeitet werden.

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Seniorenfreundliches Hamburg aufsuchende Angebote, aktivierende Angebote, Angebote im Setting (z. B. Nachbarschaft, Wohnanlage), Angebote, die Gesundheitsförderung und Prävention in andere Angebote der offenen Seniorenarbeit (Freizeit, Bildung, Kultur) integrieren. Der Senat wird zum Frühsommer 2011 ein Konzept für ein seniorenfreundliches Hamburg vorlegen, das Lebensqualität, Aktivität und Sinnstiftung für ältere Menschen genauso im Blick hat wie die notwendige Infrastruktur für Unterstützung und Pflege bei entsprechender Hilfebedürftigkeit. Ziel ist, dass die Stadt sich in ihren Planungen stärker auf den demografischen Wandel und eine älter werdende Bevölkerung einrichtet. Als Talent- und Kreativstadt will sie aber auch die Potentiale der älteren Menschen anerkennen und stärker nutzen und ihre Möglichkeit zur aktiven Teilhabe unterstützen und fördern. Die Berücksichtigung der Bedürfnisse und Interessen älterer Menschen wird als eine echte Querschnittsaufgabe angesehen, die alle Ressorts und alle Bereiche betrifft. Demografische Veränderungen sind regelhaft zu berücksichtigen unter anderem bei Stadtentwicklung und Verkehr, Gesundheit, Bildung und sozialräumlicher Planung. Es soll ein Monitoring geben, das für eine Berücksichtigung der Interessen und Bedürfnisse älterer Menschen in allen Ressorts und Bereichen sorgt. Dieses Konzept wird sich auch mit der Gesundheit älterer Menschen in Hamburg befassen, die Umsetzung soll direkt und indirekt zur Verbesserung der Gesundheit beitragen. Pakt für Prävention – Gemeinsam für ein gesundes Hamburg! Im Sommer 2010 hat die Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz (BSG) ein neues Programm zur Weiterentwicklung von gesundheitlicher Prävention und Gesundheitsförderung in Hamburg gestartet. In einem längerfristig angelegten Prozess wird mit allen wesentlichen Akteuren ein Landesprogramm 'Pakt für Prävention – Gemeinsam für ein gesundes Hamburg!' entwickelt. Dazu wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Hamburger Senat und verschiedenen Partnerinnen und Partnern auf der Starterveranstaltung unterzeichnet. Die drei thematischen Schwerpunkte des Paktes für Prävention    gesundheitsfördernde Bewegung, gesunde Ernährung, psychosoziales Wohlbefinden/ Förderung von Lebenskompetenz

Gute Praxisbeispiele für erfolgreiche Prävention und Gesundheitsförderung im Alter finden sich unter den Preisträgern des Deutschen Präventionspreises, der 2005 der Gesundheit in der zweiten Lebenshälfte gewidmet war. www.deutscher-praeventionspreis.de Auch in der Dokumentation der Tagung 'Gesundheitsförderung und Prävention für ältere Menschen im Setting Kommune' von 2009 sind erfolgreiche Praxisbeispiele nachzulesen. www.inform.de/cln_090/nn_1214786/DE/Home/ 08AeltereMenschen Die Handlungsfelder und Strategien zur Verbesserung von Gesundheitsförderung und Prävention sollen hier nur kurz skizziert werden. Sie müssen gerade für die Zielgruppe älterer Menschen sehr stark ausdifferenziert werden, um den unterschiedlichen Ausgangsbedingungen gerecht zu werden. So brauchen die 'jungen Alten' andere Angebote als die Hochbetagten, Menschen in dicht besiedelten Quartieren andere als solche in Randgebieten, Männer andere Angebote als Frauen. Insbesondere gibt es viel zu wenig Angebote für schwer zu erreichende Teilgruppen wie     arme Menschen, isoliert lebende Menschen, Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Menschen mit Migrationshintergrund.

   

Für die medizinische Versorgung steht insgesamt ein gut ausgebautes und differenziertes Angebot zur Verfügung, trotzdem sind Möglichkeiten der Verbesserung erkennbar.  So brauchen mehr psychisch kranke ältere Menschen eine angemessene Behandlung, etwa von Depressionen und in suizidalen Krisen. Zu viele Ältere nehmen dauerhaft zu viele Medikamente gleichzeitig. Eine Erhöhung der geriatrischen Kompetenz der behandelnden Ärztinnen und Ärzte ist eine wichtige Voraussetzung für eine Verbesserung der Situation. Die medizinische Versorgung in Pflegeheimen könnte durch eine stärkere Kooperation der Akteure ebenfalls verbessert werden. Die Möglichkeiten des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes können hier genutzt werden.



sollen auch für ältere Menschen weiterentwickelt werden. Ziel dabei ist, dem Gesundheitsgedanken in Hamburg einen neuen Stellenwert zu verleihen, die gesundheitliche Versorgung zu optimieren und die Gesundheit der Hamburger Bevölkerung mit ihr zusammen mittel- und langfristig zu verbessern. Im Jahr 2011 wird eine Zielkonferenz zum Thema 'Gesund alt werden in Hamburg' durchgeführt werden, die sich ausschließlich der Verbesserung der Gesundheit älterer Hamburgerinnen und Hamburger widmen wird.



Auch die Angebotsstruktur sollte verbessert werden. Zwar gibt es innerhalb von Komm-Strukturen ein nach Trägern und Inhalten breit gefächertes Angebot, aber es gibt zu wenig
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Zum Schluss soll auf zwei Vorhaben des Senates und der BSG verwiesen werden, die für die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg von großer Bedeutung sind. Das sind das Konzept 'Seniorenfreundliches Hamburg' im Rahmen der Gesamtstrategie 'Wachsen mit Weitsicht' und der 'Pakt für Prävention – Gemeinsam für ein gesundes Hamburg'. In beide sollen auch die Ergebnisse dieses Berichtens aufgegriffen und verarbeitet werden.

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen

Glossar
Angina pectoris: anfallsartiger Schmerz in der Brust, der durch eine Durchblutungsstörung des Herzens ausgelöst wird Arthrose: Gelenkverschleiß Chronisch-ischämische Herzkrankheit: Durchblutungsstörung des Herzens Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung: Lungenkrankheit mit Störung der Ausatmung Demografie: Wissenschaft von der Entwicklung der Bevölkerung Demenz: hirnorganisch bedingter Verlust geistiger Fähigkeiten Dekubitus: Wundliegen Endoprothetik: Versorgung mit Gelenkersatz Geriatrie: Gebiet der Medizin, das sich mit alterstypischen Erkrankungen befasst Gerontologie: Wissenschaft, die sich mit den biologischen, körperlichen, psychischen und sozialen Grundlagen des Alterns beschäftigt Gerontopsychiatrie: Teilgebiet der Psychiatrie, das sich auf alte Menschen bezieht Herzflimmern und rhythmusstörung –flattern: Herz-

Literatur
 

Baltes, P. B.: Über die Zukunft des Alterns: Hoffnung mit Trauerflor. In M. M. Baltes & L. Montada (Hsg.): Produktives Leben im Alter, Frankfurt 1996, 29–68. Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz: Rahmenplan der pflegerischen Versorgungsstruktur bis 2010. Hamburg 2005. Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz: Hamburger Handlungskonzept zur Integration von Zuwanderern. Hamburg 2007 Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz: Basisinformationen zur Gesundheit in Hamburg. Hamburg 2009. Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz: Aktiv im Alter. Ein Ratgeber für Hamburger Senioren. Hamburg 2009 a. Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz: Hamburger Krebsdokumentation 2005-2006. Neuerkrankungen und Sterbefälle. Hamburgisches .Krebsregister. Hamburg 2009 b Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz: Rahmenplan der pflegerischen Versorgungsstruktur bis 2015. Hamburg 2010. Behörde für Wissenschaft und Gesundheit: Hamburger Suizidbericht. Hamburg 2005. Böhm, K., C. Tesch-Römer & T. Ziese (Hsg): Beitrage zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Gesundheit im Alter. Berlin 2009. Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung: Präventionsziele für die zweite Lebenshälfte. Bonn 2008.

Dapp, U., Ch. Lorentz, S. Laub, J. Anders, W. von Renteln-Kruse, Ch. Mindner & M. Dirksen-Fischer: Im Alter aktiv und gesund leben – Ergebnisse einer repräsentativen Seniorenbefragung in Hamburg. Z. für Gerontologie und Geriatrie 42: 1-11, 2009. Döhner, H. R. Brunnett & J. Klein: Gesundheitliche Situation und medizinische Versorgung von Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen in Hamburg. Projektabschlussbericht Hamburg 2009. Eurostat: Populations and social conditions, Statistics in focus 1/2010. Glaeske, G. & K. Jahnsen: GEKArzneimittelreport 2006. St. Augustin 2006. Hallauer, H., C. Bienstein, U. Lehr & H. Rönsch: SÄVIP-Studie zur ärztlichen Versorgung in Pflegeheimen. Hamburg 2005. Helmchen, H., M.M. Baltes, B. Geiselmann, S. Kanowski, M. Linden, F.M. Reischies, M. Wagner & H.-U. Wilms: Psychische Erkrankungen im Alter. In: Lindenberger et al. 2010, 209-245. Jagger, C., C. Gillies, F. Moscone, E. Cambois, H. van Oyen, W. Nusselder, J.M. Robine: Inequalities in healthy life years in the 25 countries of the European Union in 2005: a cross-national metaregression analysis. Lancet 2008, 372, 2124-31. Kliche, T., J. Boye, B. Israel, P. Makrovská, R. Meister, J. Müller & S. Richter: Prävention und Gesundheitsförderung in Hamburg: Expertengestützte Bestandsaufnahme der Versorgungsstrukturen (Versorgungsstrukturanalyse) 2009. Berichtsentwurf Hamburg 2010. Kocka, J. & K. Brauer: Langlebig, nicht alt. WZB-Mitteilungen Heft 122, 2008, 6-9.
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Herzinsuffizienz: Herzschwäche Multimorbidität: gleichzeitiges Auftreten mehrerer Krankheiten Neurologie: Fachgebiet der Medizin, das sich mit Erkrankungen des Nervensystems befasst Palliativmedizin: Gebiet der Medizin, das sich mit der Linderung von Beschwerden (z. B. Schmerzen oder Luftnot) befasst Reproduktion: Fortpflanzung Survey: systematische Datenerhebung Urologie: Fachgebiet der Medizin, das sich mit Nieren und Harnwegen befasst Vorhofflattern: Herzrhythmusstörung Zerebral: zum Gehirn gehörende Strukturen

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen

Glossar
Angina pectoris: anfallsartiger Schmerz in der Brust, der durch eine Durchblutungsstörung des Herzens ausgelöst wird Arthrose: Gelenkverschleiß Chronisch-ischämische Herzkrankheit: Durchblutungsstörung des Herzens Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung: Lungenkrankheit mit Störung der Ausatmung Demografie: Wissenschaft von der Entwicklung der Bevölkerung Demenz: hirnorganisch bedingter Verlust geistiger Fähigkeiten Dekubitus: Wundliegen Endoprothetik: Versorgung mit Gelenkersatz Geriatrie: Gebiet der Medizin, das sich mit alterstypischen Erkrankungen befasst Gerontologie: Wissenschaft, die sich mit den biologischen, körperlichen, psychischen und sozialen Grundlagen des Alterns beschäftigt Gerontopsychiatrie: Teilgebiet der Psychiatrie, das sich auf alte Menschen bezieht Herzflimmern und rhythmusstörung –flattern: Herz-

Literatur
 

Baltes, P. B.: Über die Zukunft des Alterns: Hoffnung mit Trauerflor. In M. M. Baltes & L. Montada (Hsg.): Produktives Leben im Alter, Frankfurt 1996, 29–68. Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz: Rahmenplan der pflegerischen Versorgungsstruktur bis 2010. Hamburg 2005. Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz: Hamburger Handlungskonzept zur Integration von Zuwanderern. Hamburg 2007 Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz: Basisinformationen zur Gesundheit in Hamburg. Hamburg 2009. Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz: Aktiv im Alter. Ein Ratgeber für Hamburger Senioren. Hamburg 2009 a. Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz: Hamburger Krebsdokumentation 2005-2006. Neuerkrankungen und Sterbefälle. Hamburgisches .Krebsregister. Hamburg 2009 b Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz: Rahmenplan der pflegerischen Versorgungsstruktur bis 2015. Hamburg 2010. Behörde für Wissenschaft und Gesundheit: Hamburger Suizidbericht. Hamburg 2005. Böhm, K., C. Tesch-Römer & T. Ziese (Hsg): Beitrage zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Gesundheit im Alter. Berlin 2009. Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung: Präventionsziele für die zweite Lebenshälfte. Bonn 2008.

Dapp, U., Ch. Lorentz, S. Laub, J. Anders, W. von Renteln-Kruse, Ch. Mindner & M. Dirksen-Fischer: Im Alter aktiv und gesund leben – Ergebnisse einer repräsentativen Seniorenbefragung in Hamburg. Z. für Gerontologie und Geriatrie 42: 1-11, 2009. Döhner, H. R. Brunnett & J. Klein: Gesundheitliche Situation und medizinische Versorgung von Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen in Hamburg. Projektabschlussbericht Hamburg 2009. Eurostat: Populations and social conditions, Statistics in focus 1/2010. Glaeske, G. & K. Jahnsen: GEKArzneimittelreport 2006. St. Augustin 2006. Hallauer, H., C. Bienstein, U. Lehr & H. Rönsch: SÄVIP-Studie zur ärztlichen Versorgung in Pflegeheimen. Hamburg 2005. Helmchen, H., M.M. Baltes, B. Geiselmann, S. Kanowski, M. Linden, F.M. Reischies, M. Wagner & H.-U. Wilms: Psychische Erkrankungen im Alter. In: Lindenberger et al. 2010, 209-245. Jagger, C., C. Gillies, F. Moscone, E. Cambois, H. van Oyen, W. Nusselder, J.M. Robine: Inequalities in healthy life years in the 25 countries of the European Union in 2005: a cross-national metaregression analysis. Lancet 2008, 372, 2124-31. Kliche, T., J. Boye, B. Israel, P. Makrovská, R. Meister, J. Müller & S. Richter: Prävention und Gesundheitsförderung in Hamburg: Expertengestützte Bestandsaufnahme der Versorgungsstrukturen (Versorgungsstrukturanalyse) 2009. Berichtsentwurf Hamburg 2010. Kocka, J. & K. Brauer: Langlebig, nicht alt. WZB-Mitteilungen Heft 122, 2008, 6-9.
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Herzinsuffizienz: Herzschwäche Multimorbidität: gleichzeitiges Auftreten mehrerer Krankheiten Neurologie: Fachgebiet der Medizin, das sich mit Erkrankungen des Nervensystems befasst Palliativmedizin: Gebiet der Medizin, das sich mit der Linderung von Beschwerden (z. B. Schmerzen oder Luftnot) befasst Reproduktion: Fortpflanzung Survey: systematische Datenerhebung Urologie: Fachgebiet der Medizin, das sich mit Nieren und Harnwegen befasst Vorhofflattern: Herzrhythmusstörung Zerebral: zum Gehirn gehörende Strukturen

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen
   

Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Gesundheitssurvey des Robert KochInstitutes, Berlin 2006. RKI (Hsg.) Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland. Entwicklung der Prävalenzen zwischen 1990 und 2010. Berlin 2010. Rothermund, K. & J. Brandtstädter: Coping with deficits and losses in later life: From compensatory action to accommodation. Psychology & Aging, 2003, 18, 896-905. Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen: Bedarfsgerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit. Band 1 Zielbildung, Prävention, Nutzerorientierung und Partizipation. BadeBaden 2002. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen: Sondergutachten 2009 Koordination und Integration-Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens, Berlin 2009. Saß, A. S. Wurm & T. Ziese: Inanspruchnahmeverhalten. In Böhm, Tesch-Römer & Ziese (2009). Saß, A. S. Wurm & T. Ziese: Somatische und psychische Gesundheit. In Böhm, Tesch-Römer & Ziese (2009 a). Statistikamt Nord: Statistik informiert 88/2008, Behinderte in Hamburg und Schleswig-Holstein 2007. Statistikamt Nord: Bevölkerung in Hamburg 2010 bis 2030. Statistische Berichte 15.4.2010 Tesch-Römer, C. & S. Wurm: Wer sind die Alten? Theoretische Positionen zum Alter und Altern. In: Böhm, K., C. Tesch-Römer & T. Ziese (2009), 7-20.
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Kompetenzcentrum Geriatrie InfoService: www.kcgeriatrie.de/strukturen.htm Kotter-Grühn, D., A. KleinspehnAmmerlahn, C. A. Hoppmann, C. Röcke, M. A. Rapp, D. Gersdorf & P. Ghisletta: Veränderungen im hohen Alter: Zusammenfassung der längsschnittlichen Befunde der Berliner Altersstudie. In: Lindenberger et al. 2010, 659-690. Kuratorium Deutsche Altershilfe (Hrsg.) ProAlter – Sonderdruck: Geschichte und Alter, Altersbild und Alterserleben im historischen Wandel, Köln 2009. Lampert, C. & J. Voth: Gesundheits (informations) Verhalten von älteren Migrantinnen und Migranten. Eine Expertise im Auftrag der Hamburger Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz. Hamburg 2009. Langa, K. L., E. B. Larson, J. H. Karlawish, D. M. Cutler, M. U. Kabeto, S. Y. Kim & A. B. Rosen: Trends in the prevalence and mortality of cognitive impairment in the United States: Is there evidence of a compression of cognitive morbidity? Alzheimer's & Dementia 4, 2008, 134-144. Lindenberger, U., J. Smith, K. U. Mayer & P. B. Baltes (Hsg): Die Berliner Altersstudie. 3. Erweiterte Auflage Berlin 2010. Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (Hsg.): Präventionsbericht 2009, Essen 2009. Peters, M.: Klinische Entwicklungspsychologie des Alters. Göttingen 2004 RKI (Hsg.): Gesundheitsberichterstattung des Bundes Heft 26 Körperliche Aktivität, Berlin 2005. RKI (Hsg): Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Telefonischer

Weltgesundheitsorganisation: Aktives Altern. Rahmenbedingungen und Vorschläge für politisches Handeln. Genf 2002, http://whqlibdoc.who.int/hq/2002/WH O_NMH_NPH_02.8_ger.pdf Wiesner, G.: Der Lebensverlängerungsprozess in Deutschland. RKI: Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Berlin 2001. Wurm, S. & C. Tesch-Römer: Gesundheit, Hilfebedarf und Versorgung. In Tesch-Römer, C.(Hsg.): Sozialer Wan-

del und individuelle Entwicklung in der zweiten Lebenshälfte. Ergebnisse der zweiten Welle des Alterssurvey, Berlin 2004. Wurm, S., T. Lampert & S. Menning: Subjektive Gesundheit. In Böhm, TeschRömer & Ziese (2009), 79-92. Ziegler, U. & G. Doblhammer: Prävalenz und Inzidenz von Demenz in Deutschland – eine Studie auf Basis von Daten der gesetzlichen Krankenversicherungen von 2002. Rostocker Zentrum – Diskussionspapier No. 24, 2009.

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Gesundheit älterer Menschen Gesundheit älterer Menschen Gesundheitssurvey des Robert KochInstitutes, Berlin 2006. RKI (Hsg.) Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland. Entwicklung der Prävalenzen zwischen 1990 und 2010. Berlin 2010. Rothermund, K. & J. Brandtstädter: Coping with deficits and losses in later life: From compensatory action to accommodation. Psychology & Aging, 2003, 18, 896-905. Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen: Bedarfsgerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit. Band 1 Zielbildung, Prävention, Nutzerorientierung und Partizipation. BadeBaden 2002. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen: Sondergutachten 2009 Koordination und Integration-Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens, Berlin 2009. Saß, A. S. Wurm & T. Ziese: Inanspruchnahmeverhalten. In Böhm, Tesch-Römer & Ziese (2009). Saß, A. S. Wurm & T. Ziese: Somatische und psychische Gesundheit. In Böhm, Tesch-Römer & Ziese (2009 a). Statistikamt Nord: Statistik informiert 88/2008, Behinderte in Hamburg und Schleswig-Holstein 2007. Statistikamt Nord: Bevölkerung in Hamburg 2010 bis 2030. Statistische Berichte 15.4.2010 Tesch-Römer, C. & S. Wurm: Wer sind die Alten? Theoretische Positionen zum Alter und Altern. In: Böhm, K., C. Tesch-Römer & T. Ziese (2009), 7-20.
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Kompetenzcentrum Geriatrie InfoService: www.kcgeriatrie.de/strukturen.htm Kotter-Grühn, D., A. KleinspehnAmmerlahn, C. A. Hoppmann, C. Röcke, M. A. Rapp, D. Gersdorf & P. Ghisletta: Veränderungen im hohen Alter: Zusammenfassung der längsschnittlichen Befunde der Berliner Altersstudie. In: Lindenberger et al. 2010, 659-690. Kuratorium Deutsche Altershilfe (Hrsg.) ProAlter – Sonderdruck: Geschichte und Alter, Altersbild und Alterserleben im historischen Wandel, Köln 2009. Lampert, C. & J. Voth: Gesundheits (informations) Verhalten von älteren Migrantinnen und Migranten. Eine Expertise im Auftrag der Hamburger Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz. Hamburg 2009. Langa, K. L., E. B. Larson, J. H. Karlawish, D. M. Cutler, M. U. Kabeto, S. Y. Kim & A. B. Rosen: Trends in the prevalence and mortality of cognitive impairment in the United States: Is there evidence of a compression of cognitive morbidity? Alzheimer's & Dementia 4, 2008, 134-144. Lindenberger, U., J. Smith, K. U. Mayer & P. B. Baltes (Hsg): Die Berliner Altersstudie. 3. Erweiterte Auflage Berlin 2010. Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (Hsg.): Präventionsbericht 2009, Essen 2009. Peters, M.: Klinische Entwicklungspsychologie des Alters. Göttingen 2004 RKI (Hsg.): Gesundheitsberichterstattung des Bundes Heft 26 Körperliche Aktivität, Berlin 2005. RKI (Hsg): Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Telefonischer

Weltgesundheitsorganisation: Aktives Altern. Rahmenbedingungen und Vorschläge für politisches Handeln. Genf 2002, http://whqlibdoc.who.int/hq/2002/WH O_NMH_NPH_02.8_ger.pdf Wiesner, G.: Der Lebensverlängerungsprozess in Deutschland. RKI: Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Berlin 2001. Wurm, S. & C. Tesch-Römer: Gesundheit, Hilfebedarf und Versorgung. In Tesch-Römer, C.(Hsg.): Sozialer Wan-

del und individuelle Entwicklung in der zweiten Lebenshälfte. Ergebnisse der zweiten Welle des Alterssurvey, Berlin 2004. Wurm, S., T. Lampert & S. Menning: Subjektive Gesundheit. In Böhm, TeschRömer & Ziese (2009), 79-92. Ziegler, U. & G. Doblhammer: Prävalenz und Inzidenz von Demenz in Deutschland – eine Studie auf Basis von Daten der gesetzlichen Krankenversicherungen von 2002. Rostocker Zentrum – Diskussionspapier No. 24, 2009.

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Anhang: alle im Text erwähnten Links
Longitudinal Urban Cohort Study www.geriatrie-forschung.de Ageing Hamburgische Krankenhausgesellschaft www.hkgev.de/die-hkg.html Rahmenplan der pflegerischen Versorgungsstruktur bis 2015 www.hamburg.de/pflege/veroeffentlichu ngen/ Pflege in Hamburg www.hamburg.de/pflege  Hospizführer www.hamburg.de/pflege/veroeffentlichu ngen/116842/hospizfuehrer.html Deutscher Präventionspreis www.deutscher-praeventionspreis.de Gesundheitsförderung und Prävention für ältere Menschen im Setting Kommune www.in-form.de

Notizen:

Basisinfomationen zur Gesundheit in Hamburg www.hamburg.de/gesundheitsberichte Studie der Behörde für Kultur, Sport und Medien zum Sportentwicklungsplan www.hamburg.de/bksm/2069216/tagclo ud-sportentwicklungsplanung.html Aktiv im Alter www.hamburg.de/senioren/veroeffentlic hungen Sicher gehen – weiter sehen www.hamburg.de/gesundheit-imalter/843998/sturzpraevention-imalter.html Hamburger Krankenhausverzeichnis www.hamburg.de/krankenhausverzeichnis

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Longitudinal Urban Cohort Study www.geriatrie-forschung.de Ageing Hamburgische Krankenhausgesellschaft www.hkgev.de/die-hkg.html Rahmenplan der pflegerischen Versorgungsstruktur bis 2015 www.hamburg.de/pflege/veroeffentlichu ngen/ Pflege in Hamburg www.hamburg.de/pflege  Hospizführer www.hamburg.de/pflege/veroeffentlichu ngen/116842/hospizfuehrer.html Deutscher Präventionspreis www.deutscher-praeventionspreis.de Gesundheitsförderung und Prävention für ältere Menschen im Setting Kommune www.in-form.de

Notizen:

Basisinfomationen zur Gesundheit in Hamburg www.hamburg.de/gesundheitsberichte Studie der Behörde für Kultur, Sport und Medien zum Sportentwicklungsplan www.hamburg.de/bksm/2069216/tagclo ud-sportentwicklungsplanung.html Aktiv im Alter www.hamburg.de/senioren/veroeffentlic hungen Sicher gehen – weiter sehen www.hamburg.de/gesundheit-imalter/843998/sturzpraevention-imalter.html Hamburger Krankenhausverzeichnis www.hamburg.de/krankenhausverzeichnis

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Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz (BSG) Amt für Gesundheit u. Verbraucherschutz Fachabteilung Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitsförderung Billstraße 80 20539 Hamburg www.hamburg.de/gesundheit

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