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Die schöne Stadt

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Dokumentation

DOKUMENTATION INNENSTADTFORUM2
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Wissenschaftsstadt Darmstadt / Freischlad + Holz / Diakonisches Werk Darmstadt-Dieburg / Caritasverband Darmstadt e.V.

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

Impressum Auftraggeber: Landeshauptstadt Hannover: Der Oberbürgermeister Baudezernat Rudolf-Hillebrecht-Platz 1 30159 Hannover Geschäftsstelle Hannover City 2020 Tel. 0511 / 168 - 46464 Fax 0511 / 168 - 41390 Mail:City.2020@hannover-stadt.de Uwe Bodemann Michael Heesch Hanne Lahde-Fiedler Dr. Reinhard Wolf

Auftragnehmer Moderation: Freischlad + Holz Planung und Architektur Spreestraße 3 a 64295 Darmstadt Tel. 061 51 / 331 31 Fax 061 51 / 331 32 Brigitte Holz Eva Koch Auftragnehmer Planung: Machleidt + Partner - Büro für Städtebau Hufelandstraße 22 10407 Berlin Tel. 030 / 421 21 61 Fax 030 / 421 21 64 Prof. Hildebrand Machleidt Juliane Schonauer Benjamin Wille bgmr Landschaftsarchitekten_AG Giseke/ Fenk Prager Platz 6 10779 Berlin Tel. 030 / 214 59 59-0 Fax. 030 / 214 59 59-59 Prof. Undine Giseke Anne-Katrin Fenk Darmstadt, Juli 2009
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mbup Michael Braum + Partner Kreuzbergstraße 30 10965 Berlin Tel. 030 / 850 70 57 20 Fax 030 / 850 70 57 10 Christiane Axer Florian Hutterer Thomas Richter SHP Ingenieure Plaza de Rosalia 1 30449 Hannover Tel. 0511 / 3584-450 Fax. 0511 / 3584-477 Prof. Dr. Wolfgang Haller

Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' Inhalt 1. 2. 3. 4. Begrüßung .........................................................................................................................3 Resümee des ersten Veranstaltungszyklus........................................................................4 Ablauf / Kontext der heutigen Veranstaltung ....................................................................4 Gesellschaftspolitische und ästhetische Grundsätze zur Entwicklung der Innenstadt.......5 4.1 4.2 4.3 5. Einleitung ............................................................................................................................5 Klärung des Begriffs 'Schönheit'......................................................................................5 Ist Hannover eine schöne Stadt? .....................................................................................6

Identitätsbildende Orte der Innenstadt Entwicklungsperspektiven wichtiger Orte .........................................................................8 5.1 5.2 5.3 5.4 5.5 Zeitschichtenbetrachtung .................................................................................................9 Teilraumbetrachtungen...................................................................................................13 Freiräumliche Strukturen der Nachkriegsmoderne ....................................................14 Prägende Raumelemente................................................................................................22 Interventionsräume..........................................................................................................27

6.

Austausch im Plenum ......................................................................................................44 6.1 6.2 6.3 City – Nordstadt................................................................................................................45 Altstadt – Südstadt...........................................................................................................46 Altstadt – Calenberger Neustadt....................................................................................47

7. 8. 9.

Online-Forum ..................................................................................................................48 Termine ...........................................................................................................................49 Ausblick...........................................................................................................................49

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

Dokumentation 002 Anlass: Termin: Ort: Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' 22.06.2009, 19.00 Uhr Sprengel Museum Hannover, Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover

1. Begrüßung

Uwe Bodemann, Stadtbaurat der Landeshauptstadt Hannover
Herr Bodemann begrüßt die anwesenden Bürgerinnen und Bürger sehr herzlich. Er erläutert einleitend, dass der 1. Veranstaltungszyklus unter dem Titel 'Die lebendige Stadt' mit einer Behördenrunde, einem Expertengespräch und einem öffentlichen Innenstadtforum erfolgreich abgeschlossen wurde. Im 2. Veranstaltungszyklus zum Thema 'Die schöne Stadt' hat bislang eine Behördenrunde und ein Expertengespräch stattgefunden. Dem heutigen Abend, in dessen Verlauf die Abstimmung wesentlicher Interventionsräume im Vordergrund steht, sieht er mit Spannung und großem Interesse entgegen. Nach der Vorstellung der Podiumsmitglieder Prof. Hildebrand Machleidt, Juliane Schonauer, Prof. Undine Giseke (Planungsgemeinschaft Machleidt + Partner / Michael Braum + Partner / bgmr Landschaftsarchitekten_AG Giseke/Fenk), Hans Werner Dannowski (Mentor), Prof. Dr. Wolfgang Haller (SHP Ingenieure) übergibt er das Wort an die Moderatorin Frau Holz.

Abb. 1: Prozessablauf Hannover City 2020

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

2. Resümee des ersten Veranstaltungszyklus

Brigitte Holz, Freischlad + Holz
Durch Brigitte Holz wird ein kurzer Überblick über den gesamten Dialog- und Planungsprozess sowie den 1. Veranstaltungszyklus zum Thema 'Die lebendige Stadt' gegeben. Für die Erarbeitung eines Innenstadtkonzeptes für Hannover wurde ein dreizyklisches Beteiligungsverfahren, bestehend aus jeweils einer Behördenrunde / einem Expertengespräch und einem öffentlichen Innenstadtforum entworfen, über das die Verwaltung / die Fachöffentlichkeit und die Stadtöffentlichkeit als Bürgergesellschaft sowie die Medien beteiligt werden. Wesentliche innenstadtrelevante Aspekte wurden sowohl in einer 1. Behördenrunde und einem 1. Expertengespräch als auch in einem 1. öffentlichen Innenstadtforum erörtert. Die Ergebnisse dieser drei Runden werden in der Fortschreibung des Regelwerkes berücksichtigt. Die Dokumentationen des Expertengespräches und des Innenstadtforums stehen im Internet unter www.HannoverCity2020.de zur Verfügung. Als Moderatorin des Expertengesprächs und des Innenstadtforums fasst Frau Holz die wesentlichen Anregungen und Hinweise aus diesen Veranstaltungen wie folgt zusammen: Wohnen in der Mischung – – – – Wohnangebote für unterschiedliche Lebensstile und Lebensphasen schaffen Innovative, nachhaltige Quartiere entwickeln Gemischt-genutzte Immobilien fördern Attraktivität der Innenstadt für Familien mit Kindern erhöhen

Stadtraum und Kultur – – – Bei Veranstaltungen nicht Quantität, sondern Qualität verfolgen Goethestraße und Quartier zwischen Langer Laube, Allianz-Gebäude, Goethestraße unter Einbeziehung der örtlichen Gegebenheiten aufwerten und stärken Kleinkunstangebote in der Innenstadt etablieren

Handel und Arbeit – – – Verästelung der unterschiedlichen Lagen in der Innenstadt unterstützen Keine weitere Konzentration von Flächen analog der Ernst-August-Galerie fördern Qualität in der Fläche und nicht nur straßenweise oder gebäudeweise schaffen (Mischnutzung / Buntheit).

Auf wesentliche Anregungen, die der Stadt Hannover zur weiteren funktionalen Profilierung der Innenstadt gegeben wurden, werden alle Beteiligten im nächsten Veranstaltungszyklus 'Die aktive Stadt' nochmals zurückkommen. 3. Ablauf / Kontext der heutigen Veranstaltung

Brigitte Holz, Freischlad + Holz
In der heutigen Veranstaltung wird das Planungsteam Machleidt + Partner/ Michael Braum + Partner, vertreten durch Juliane Schonauer gemeinsam mit Prof. Undine Giseke (bgmr Landschaftsarchitekten_AG Giseke/Fenk) und Prof. Dr. Wolfgang Haller (SHP Ingenieure) identitätsbildende Orte der Innenstadt vorstellen und Perspektiven für ihre weitere Entwicklung zur Diskussion stellen. Von der Planungsgemeinschaft Machleidt+ Partner / mbup wird im Rahmen des Projektes Hannover City 2020 ein städtebauliches Regelwerk erstellt (siehe Abb. 59). Das Regelwerk umfasst die Aufarbeitung der städtebaulichen Geschichte und der städtebaulichen Planungen der jüngeren Geschichte sowie einen analytischen Status-quo-Bericht über die heutige Innenstadt hinsichtlich ihrer Nutzungen, Funktionen und räumlichen Strukturen. Es soll in einen abgestimmten Entwicklungsrahmen münden, der aufzeigt, wo die Prioritäten der Stadt in Bezug auf neue bauliche und freiraumgestalterische Aktivitäten liegen werden und
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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' welche Funktions- und Nutzungsqualität die Innenstadt zukünftig haben soll. Dazu zählt auch die Herausarbeitung der vorgestellten Interventionsräume, auf die in den kommenden Jahren der Fokus der räumlichen und investiven Planungen gelegt werden soll. Für diese Interventionsräume soll eine vertiefende konzeptionelle Bearbeitung im Rahmen eines internationalen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerbes erfolgen. Herr Hans Werner Dannowski wird als Mentor auf gesellschaftspolitische und ästhetische Grundsätze zur Entwicklung der Innenstadt eingehen und in das Thema der Veranstaltung 'Die schöne Stadt' einführen. 4. Gesellschaftspolitische und ästhetische Grundsätze zur Entwicklung der Innenstadt

Hans Werner Dannowski, Mentor für das Projekt Hannover City 2020
Hans Werner Dannowski erläutert zur Einstimmung in die Veranstaltung gesellschaftspolitische und ästhetische Grundsätze zur Entwicklung der Innenstadt, die im Folgenden im Wortlaut wiedergegeben werden: 4.1 Einleitung Man wird es einem überzeugten Hannoveraner, dessen frühere Heimat weit im Osten lag, nicht verargen, wenn ihm bei dem Thema 'Die schöne Stadt' zuerst eine Anekdote aus seiner Kindheit einfällt. Da kommt die kleine Gerda zum ersten Mal aus ihrem verschlafenen Landstädtchen in die Weltstadt Königsberg, die Stadt Kants und Hamanns. Erlebt mit aufgerissenen Augen die Stadt auf den sieben Hügeln, die Menge der Menschen, das Schloss, die Straßenbahn, den großen Hafen, den Dom auf der Pregelinsel. Wieder zu Hause angekommen, wird sie gefragt, wie es ihr gefallen habe. Ihr Kommentar ist ein einziger schlichter Satz: 'Gerdauen is doch scheener!' Die Frage, ob Hannover eine schöne Stadt ist, würden die Hannoveranerinnen und Hannoveraner am liebsten vermeiden. So macht es jedenfalls den Eindruck. Es genügt anscheinend die pure Existenz. Aber ich kann Ihnen versichern: Man darf die Frage stellen! Ja, man muss es sogar. Und dies nicht nur, weil es auch andere und vielleicht schönere Städte gibt, in deren Reigen Hannover seinen Platz finden und behaupten muss. Nein, es geht im Kern der Dinge nicht um den viel zitierten Wettbewerb der Städte und wer in ihm die Nase vorne haben könnte. Es geht um die Menschen, die in diesen Städten leben. 4.2 Klärung des Begriffs 'Schönheit' Der Mensch ist das Wesen, das Schönheit braucht und will. Proportion und Harmonie, der sinnenhaft – vor allem mit den Augen – aufnehmende und ordnende Geist des Menschen: Das sind die Elemente, aus denen sich die Schönheit formt. Und da die Schönheit ein ordnungsstiftendes, ein schöpferisches Prinzip ist, geht ihre Erfahrung Hand in Hand mit der Kraft des Selbstbewusstseins, die sich als Zuspruch und als Lebenszuversicht erlebt. Vielleicht hängt der Mangel an Selbstbewusstsein, den man in Hannover immer wieder einmal beklagt, mit dem fehlenden Mut zusammen, zur Schönheit der eigenen Stadt 'Ja' zu sagen?! Aber nun kommen wir aus einer Zeit, in der der 'schöne Mensch' seine politische Ohnmacht, sogar seine grässliche Fratze gezeigt hat, und in der von den schönen Städten für eine Weile nur noch die Trümmer übrig blieben. Vor dem unvorsichtigen Gebrauch des Begriffs der Schönheit so gewarnt, sollten wir zwei Konnotationen unbedingt zu vermeiden suchen. Auf der einen Seite ist die Selbstbezüglichkeit des Schönen offenbar ins Leere gelaufen. 'Was aber schön ist, selig scheint es in ihm selbst', konnte der Theologe Eduard Mörike noch dichten. Und Immanuel Kants so stringente Ableitung, dass das Wohlgefallen am Angenehmen zwar mit Interesse verbunden sei, da jeder eben gerne angenehm leben möchte. Dass das Schöne aber der Ausdruck eines 'interessenlosen Wohlgefallens' sei und Schönheit 'die Form der Zweckmäßigkeit eines Gegenstandes sei, sofern sie ohne Vorstellung eines Zweckes an ihm wahrgenommen wird', kann ich nicht nur wegen meines Unbehagens an den Paradoxien nicht mehr teilen. Denn die Geschichte ist seit Kant weitergegangen, hat die Schönheit mit der Wahrheit identifiziert, die Kunst zur Religion werden lassen. L'art pour l'art, die Selbstbezüglichkeit des Schönen als Ausdruck einer inhärenten Wahrheit beraubt die Beurteilung des Schönen aller Kriterien und öffnet Türen, die besser geschlossen bleiben sollten. Andererseits ist die Entleerung der Erfahrung von Schönheit sicher für unsere Gegenwart und für die Gestaltung unserer Stadtlandschaften die größere Versuchung. 'Ästhetisierung der Stadtgestalt' nennt man
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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' das wohl, und Ästhetisierung als 'Verhübschung', als Oberflächenglanz ist die Verleugnung und Verdrängung der sozialen und gesellschaftlichen Brüche, von denen alle unsere Städte durchzogen sind. Moderne Städte sind gespaltene Städte und die Polarisierungen der Städte in öffentlich und privat, arm und reich, heimisch und fremd, religiös und areligiös, alt und jung, dürfen vom äußerlichen Glanz der Fassaden nicht geleugnet und zugedeckt werden. Dies alles lässt sich in der inhaltlichen Bestimmung dessen, was eine 'schöne Stadt' sei, kaum noch fassen. Und so begnüge ich mich mit einem relativ formalen Rahmen und sage: Eine schöne Stadt ist für mich die Stadt, die ein sinnliches Selbstbild, das die Erinnerung und die Disparität dieser Stadt einschließt, klar und deutlich nach außen und innen hin erkennbar werden lässt und dieses Selbstbild den Stadtbewohnern und den Besuchern visuell und emotional mitteilt. Soweit mein erster Teil. Aber nun spüre ich, wie längst ein Verdacht in Ihnen hochgestiegen ist. Der Verdacht nämlich, der Redner wolle sich mit einigen allgemeinen Bemerkungen zur Schönheit nur um die Antwort auf die Frage herumdrücken, ob Hannover denn nun eine schöne Stadt ist oder nicht. Ich denke, dass dieser Verdacht nicht unbegründet ist. Man kann sich mit einer klaren Antwort ja auch nur zwischen alle Stühle setzen. Und so weiß ich mir auch nicht anders zu helfen, als dass ich meine Ambivalenz in dieser Frage vor Ihnen ausbreite und versichere, dass mein 'Ja' zum 'schönen Hannover' voller innerer Überzeugung und mein 'Nein' voller Hoffnung auf Veränderung ist. 4.3 Ist Hannover eine schöne Stadt?

Pro
Hannover ist für mich die Stadt einer weltoffenen Bescheidenheit. Das ist einfach schön. Nehmen Sie als Beispiel nur den Bahnhof und den Bahnhofsvorplatz. Ein Kulturkritiker einer überregionalen Zeitung, der ständig von Stadt zu Stadt reist, hat unseren Bahnhof als eine ziemlich singuläre Erscheinungsform eines 'Lebensraumes', eben eines Lebensraumes der Hannoveraner, beschrieben. Ein Teil der Hannoveraner, meinte er, leben anscheinend ständig auf dem Bahnhof. Nicht, als ob sie dauernd wegfahren wollten, sondern eine Potenzialität von Weltoffenheit drückt sich darin aus. Dann tritt man hinaus auf den Bahnhofsvorplatz und steht auf einem weiten und gut gerahmten Platz mit Ausblick. In den sich auch, wie ich meine, die viel geschmähte Architektur der Ernst-August-Galerie gut einfügt. Ich habe Gelegenheit gehabt, die zur gleichen Zeit entstandene Galerie 'MyZeil' in Frankfurt zu studieren. Das ist dort der weitaus interessantere Bau, ein Glasarm schießt steil in die Höhe, in dem sich das daneben liegende Hochhaus spiegelt und bricht. Aber die Ladeninhaber klagen: Es regnet noch immer durch, die Bauarbeiten nehmen kein Ende, und die Besucherströme sind nicht immer dort, wo man sie haben möchte. Die weltoffene Bescheidenheit hat offensichtlich den längeren Atem, und das ist gut. Eine Bescheidenheit, die beispielsweise manchmal kaum mehr ahnen lässt, dass Hannover über Jahrzehnte hin Gastgeberin unzähliger Messen ist. Die für die EXPO 2000 erst einmal eine lange Anlaufzeit brauchte, um dann doch noch ein grandioses Fest der Völker zu feiern. Eine Kraft, die sich aber offenbar unmittelbar einem geistigen Ereignis wie dem Deutschen Evangelischen Kirchentag mitteilt, der nicht nur in Hannover seinen Gründungsort, sondern auch eine besondere Inspirationsquelle sieht, und so oft nach Hannover kommt wie – gleichauf mit Berlin – in keine andere deutsche Stadt. Das unterirdische Verkehrsnetz der U-Bahn ist nicht nur eine hocheffiziente Verbindungslinie in die City hinein, sondern verbindet auch konsequent die verschiedenen Plätze der Innenstadt. Das Netz der Plätze, das Platzbewusstsein steigt hier sozusagen von unten nach oben. Wenn das auch von oben nach unten steigen würde, wäre es perfekt. Hannover hat anerkannter Weise einmalige Verzahnungsmöglichkeiten von gebauter City mit hineinragenden Landschaftsräumen - Leineregion, Maschteich, Maschsee, Georgengarten, Herrenhausen, Ihmeregion. Ich kenne keine Stadt, die derart günstige Voraussetzungen von weiten integrierten Stadtlandschaften hätte. Das ist einfach schön. Fragt sich natürlich, was man daraus macht. Die Innenstadt Hannovers bietet eine Fülle von reizvollen und überraschenden Blickbeziehungen, die Geschichte und geformte Gestalt im Sinne der Eröffnung von Möglichkeitsräumen erschließen. Es ist schon so, dass man nicht zu diesen Blickorten zielgerichtet hingeführt würde. Aber Hannover ist die ideale Stadt als Herausforderung für den absichtslosen, aber aufmerksamen Flaneur. Nur einige Beispiele: Der Blick auf

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' den Turm der Markkirche von der Kramerstraße und von der Köbelinger Straße aus. Der Blick von der Brücke an der Schlossstraße am Leineschloss und an der Leine entlang zum Wangenheim-Palais. Der Blick von der Brühlstraße auf die Oper. Der Blick von der Rathauskuppel auf die City und zur anderen Seite auf den Maschsee. Der Fotostandort auf der Brücke des Maschparks hin zur Rückseite des Rathauses. Fast beliebig wäre das fortzusetzen. Hannover ist eine Stadt des Blicks, das ist schön. Dieser Punkt ist für mich von besonderer Wichtigkeit. Das multikulturelle Gesicht der Stadt und die problematische Sozialgestalt der Stadt ist in Hannover nicht aus dem Zentrum herausgedrängt. Ja, es bekommt seine unterschiedlichen Akzente sogar im Verlauf einer einzigen Straße, der Straße des Stadtpatrons und des Drachenbezwingers. Schauen Sie sich den Kreuzungspunkt von Georgstraße und Bahnhofstraße an. Das ist ein Dauertreffpunkt von Einzelnen und von Gruppen der unterschiedlichsten Konvenienz, und alle stehen mit dem Gesicht zu der breiten Bahnhofstraße samt Niki-de-Saint-Phalle-Promenade mit dem eindruckvollen Abschluss des modernisierten Bahnhofsgebäudes von Hubert Stier. Ein Beispiel für eine weit reichende kollektive Erinnerung ist dieses geheime Zentrum dieser Stadt, Ausdruck einer gemeinsam bewohnten Vergangenheit und Gegenwart. Dazu gehört auch das Nebeneinander des bürgerlichen Kröpcke-Cafés mit den Gruppen, die sich an der Kröpcke-Uhr versammeln. Dieses Merkmal einer integrierten Stadtgestalt darf nicht angetastet werden, auch nicht durch eine Neugestaltung des Steintorplatzes, die bestimmte Gruppen und Schichten vertreiben könnte. Die Gestalt einer spannungsreichen Verschiedenheit mitten im Zentrum der Stadt ist eines der kostbaren Pfunde, mit dem Hannover wuchern kann. Aber nun brauchte es die Anstrengungen um den Prozess 'Hannover City 2020' nicht zu geben, wenn das Zögern in den Antworten, ob Hannover eine schöne Stadt sei, nur ein rhetorischer Trick wäre. Wenn die Ambivalenz nur eine vorgetäuschte wäre. Das spüren wir doch wohl alle: In der Antwort auf die Frage, ob Hannover eine schöne Stadt sei, gesellt sich sofort zum 'Ja' das 'Nein', zum Pro das Contra. Und wenn ich diese Punkte nur in knappe Andeutungen fasse, dann hat das lediglich den Hintergrund, dass wir an der möglichen Veränderbarkeit der City Hannovers von der ersten Minute unseres Zusammenwirkens an arbeiten.

Contra
Die City Hannovers ist voller Barrikaden. Dies betrifft nicht nur die Abspaltung der angrenzenden Stadtteile durch den Innenstadtring. Dies betrifft nicht weniger gravierend die Zugangsprobleme zur westlichen City, in die viele der Tagesbesucher überhaupt nicht erst kommen, wie die Zugänge zum Rathaus, zur 'Museumsmeile', zum Maschsee. Man versuche einmal, einem Fremden den Weg vom Hauptbahnhof zum Sprengel Museum zu erklären, man wird sein blaues Wunder erleben. Mit wachsender Ungeduld warte ich auf eine Profilierung der innerstädtischen Plätze. Nicht jede Freifläche ist ein Platz, habe ich gelernt, und Hannover hat vielleicht sogar ein Zuviel an Fläche. Umso mehr braucht Hannover ein Netz thematisch bestimmter öffentlicher Räume, die wirklich Plätze sind. Um den Wechsel von Verdichtung und Weite, von Einatmen und Ausatmen erlebbar werden zu lassen. Ist das nun eine Freifläche oder ein Platz: Einen für mich geradezu entsetzlichen Ort wie den Marstallplatz empfinde ich als einen Schandfleck der City von Hannover. Eine Reihe von kleinen Verschiebungen erschwert das Funktionieren des 'kulturellen Gedächtnisses', aus dem sich ein Teil der Schönheit einer Stadt entwickelt. Das Europahaus verkürzt den Blick auf die Marktkirche vom Bahnhof aus. Die Kurt-Schumacher-Straße läuft nicht, wie früher die Nordmannstraße, auf das Anzeigerhochhaus zu, hebt es in seiner markanten Gestalt heraus, sondern geht auf ein unansehnliches Gebäude der Sparkasse Hannover, das daneben steht. Der Blick auf das Rathaus ist ein Lückenphänomen, aber kein Panoramablick. Nicht alles lässt sich verändern. Aber Stadtplanung ist für die Silhouette einer Stadt verantwortlich, und gerade hier können wir an die Aufbauarbeit von Rudolf Hillebrecht anknüpfen und sie weiterentwickeln. Völlig zu Recht gehören die Probleme der neuen Anbindung der angrenzenden Stadtteile und die Entwicklung neuer Wohnungsangebote in der City, speziell am Köbelinger Markt, zu dem Schwerpunkt von Hannover City 2020. Darüber hinaus wird die Neugestaltung des ganzen Leinebezirks eine Herausforderung unserer Phantasie von ganz besonderem Umfang sein. Von der Bedeutung des Wassers für eine Stadt hat man in Hannover schon einmal mehr gewusst! Und wenn man Anregungen dafür braucht, dann schaue

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' man einmal in Peter Ackroyds neues Buch über die Themse hinein. Flüsse seien 'liquid history' heißt es dort. Traumfugen, die größer sind als die Zeiten und die Gegenwart. Ist Hannover eine schöne Stadt? Wägen Sie also das Pro und Contra gegeneinander ab. Jeder wird dabei natürlich seine und ihre eigene Antwort auf diese Frage haben. Für mich verbindet sich dabei, im Sinne Kants, das Angenehme mit dem Schönen. Weil ich mit meiner Familie gerne in Hannover lebe, ist diese Stadt auch schön – oder ist es umgekehrt? So oder so: Hannover ist für mich eine Stadt der oft auf den ersten Blick erkennbaren, aber doch auch häufig eine Stadt der verborgenen Schönheiten. Hannover kann schöner werden: Das ist das Ceterum censeo, mit dem wir drei Mentoren unsere Arbeit begonnen haben und auch gerne fortsetzen wollen.

Nach der sehr poetischen Einstimmung durch Hans Werner Dannowski leitet Frau Holz über zum Vortrag des Planungsteams. Juliane Schonauer, Prof. Undine Giseke und Prof. Dr. Wolfgang Haller werden abgestimmt aufeinander mit den prägenden historischen Schichten und Elementen der Innenstadt vertraut machen, ihre Überlegungen zu wesentlichen Interventionsräumen vorstellen und Strategien zur weiteren Entwicklung vorstellen. 5. Identitätsbildende Orte der Innenstadt Entwicklungsperspektiven wichtiger Orte

Juliane Schonauer, Planungsgemeinschaft Machleidt + Partner, Michael Braum + Partner
Frau Schonauer erläutert als Bestandteil des städtebaulichen Regelwerks für die Innenstadt einleitend das Thema 'Die schöne Stadt'. Es geht um Stadträume für Menschen, um Identifikationsorte, dabei nicht um einzelne Vorhaben, sondern um das Raumgefüge. Es geht um die sinnliche Erfahrbarkeit von Stadt und um die Fähigkeit von Stadträumen Identifikationsorte zu sein. Prägende Orte und Zusammenhänge herausarbeiten Der Schwerpunkt der Bearbeitung liegt in der Identikation und Entwicklung stadtbildprägender Elemente, die die eindeutige Wiedererkennbarkeit und Prägnanz der Innenstadt stärken. Um die Räume besser lesen und verstehen zu können, wird die Geschichte befragt. Nach einem kurzen geschichtlichen Exkurs spricht Frau Prof. Giseke über die Entwicklung der Freiräume speziell am Hohen Ufer und am Waterlooplatz.

Blick in die Georgstraße

Bahnhofsvorplatz (Ernst-August-Platz)

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

5.1 Zeitschichtenbetrachtung Die Auseinandersetzung mit der Zukunft ist ohne Kenntnis der Vergangenheit nicht möglich. In diesem Kontext erfolgt die Präsentation wichtiger historischer Etappen der Innenstadtentwicklung. Die historische Analyse ermöglicht zwei Erzählweisen, eine horizontale, chronologische, in der die Entwicklung der Innenstadt, das Wachsen und Verändern in zeitlicher Betrachtung nachempfunden wird. Es gibt aber auch eine vertikale, in dem für einen ausgewählten Raum ein Schnitt durch die historischen Schichten gemacht und betrachtet wird, wie sich der eine Ort über die Jahrhunderte verändert hat. Vormoderne 1360 – Die Bürgerstadt - Altstadt in ihrer historischen Grundstruktur (siehe Abb. 2) Die 'Altstadt-Mandel' liegt, wenn auch durch die Stadtmauer getrennt, unmittelbar an der Leine. 1750 – Die fürstliche Residenzstadt - Barocke Stadterweiterungen (siehe Abb. 3) Die Calenberger Neustadt und die Aegidienvorstadt sind erste Stadterweiterungen innerhalb der Bastionsanlagen. Ihre Schleifung war die Voraussetzung für die späteren Stadterweiterungen. Großstadtwerdung und Zerstörung 1854 – Die Lavesstadt - Neue Straßenachsen und Plätze (siehe Abb. 4) Die Bahnanlagen und der Bahnhof sind als Impulse für die Stadtentwicklung Richtung Osten zu sehen. Die heutige Lage und Form des Opernplatzes lassen sich aus der barocken Bastion ableiten. 1937 – Die entwickelte Industriestadt - Räumlicher Zusammenhang, hohe Dichte (siehe Abb. 5) Die Stadt hat am Vorabend des 2. Weltkriegs einen vorläufigen Endpunkt in der Entwicklung zur Industriestadt erreicht. 1945 – Die zerstörte Stadt (siehe Abb. 6) Die Kriegszerstörung ist nicht die eigentliche Zäsur in der städtebaulichen Entwicklung der Stadt, aber der Anlass zur grundlegenden Neuorganisation. Nachkriegszeit und Konsolidierung 1960 – Die wiederaufgebaute Stadt - Neue Stadträume und Anforderungen des Verkehrs (siehe Abb. 7) Die alte Konsistenz der Stadt, ihr räumlicher Zusammenhang stellt sich nicht mehr ein. Die Innenstadt gliedert sich stärker auf als vor dem Krieg. Durch den Cityring entstehen neue verkehrsdominierte Stadträume. 1975 – Die Stadt der Großprojekte - Große Formen und zweite Verkehrsmodernisierung (siehe Abb. 8) Städtebauliche Dominanten sollen den Cityring und andere wichtige Orte in der Innenstadt räumlich und funktional anreichern. Während das Ihmezentrum realisiert wurde, verharrt das Regierungsviertel bis heute in seinen Ansätzen.

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Pläne Zeitschichtenbetrachtung Machleidt + Partner / mbup

Abb. 2 1360 – Die Bürgerstadt

Abb. 3 1750 – Die fürstliche Residenzstadt

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Abb. 4 1854 - Die Lavesstadt

Abb. 5 1937 – Die entwickelte Industriestadt

Abb. 6 1945 – Die zerstörte Stadt

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Abb. 7 1960 - Die wiederaufgebaute Stadt

Abb. 8 1975 - Die Stadt der Großprojekte

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5.2 Teilraumbetrachtungen Frau Schonauer erläutert anhand des Waterlooplatzes exemplarisch die Verfolgung der historischen Spuren. Dabei stehen die strukturprägenden Elemente im Vordergrund. Waterlooplatz – – – – Auf den Bastionen der Barockzeit entstandene Fläche Charakteristische ovale Form unter Bezug auf die Planungen von Laves. Geschlossene Platzanlage bis in das 20. Jahrhundert hinein. Klare Abgrenzung von Waterloo- und Friederikenplatz Neubau der 'Ost-West-Achse' im Rahmen der Planungen zum Stadtumbau während des NS-Regimes. Transformation des Waterlooplatzes in einen Durchgangsraum Auflösung der geometrischen Platzform in der Nachkriegszeit. Schwingende Verkehrsführung über den Platz. Auflösung der räumlichen Differenzierung zwischen Waterloo- und Friederikenplatz zugunsten eines Raumkontinuums.

Abb. 9: Waterlooplatz (Machleidt + Partner / mbup)

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5.3

Freiräumliche Strukturen der Nachkriegsmoderne

Frau Schonauer geht kurz auf die Nachkriegsmoderne ein. Nach der Zerstörung durch den 2. Weltkrieg haben die stärksten Veränderungen stattgefunden. Es geht um ein kritisches Abprüfen dieser Räume, welche Qualitäten und Entwicklungsmöglichkeiten sie aufweisen, und nicht um eine Bilderstürmerei. Die Zeit und das städtebauliche Leitbild waren von Faktoren geprägt, die in der heutigen Zeit zwar verstanden, aber nicht empfunden werden können. Viel Symbolik wird mit dem Städtebau der Nachkriegsmoderne verbunden – wie eine geistig moralische Erneuerung der Menschen durch die Landschaft in der Stadt – die Abkehr vom Marschieren und Geradeausgehen durch das Schwingen der Straßen und das Lösen der Schreckenslähmung durch das Grün- und die Vegetation. Zitat von Rudolf Hillebrecht zur Lavesallee '...Dieses Schwingen habe ich als Gefühl unserer Zeit empfunden, im Kontrast zum Gefühl des Marschierens oder des Geradeausgehens'.

Abb. 10: Nachkriegsmoderne am Beispiel Lavesallee (linke Abb.: Spiegel, Nr. 23, Titelseite; rechte Abb.: 'Visionen für Hannover von Laves bis morgen', Hrsg. Architektenkammer Niedersachsen, Eigenverlag, Hannover, 1989. S. 40)

In diesem Kontext stellt sich u.a. die Frage, ob die vielfach als Barriere wirkenden Verkehrsräume zur Bewältigung des heutigen Verkehrs real gebraucht werden. Um damit verbundene Fragen zu beantworten, hat die Landeshauptstadt Hannover ein Gutachten in Auftrag gegeben. Wesentliche Ergebnisse werden im Folgenden durch Herrn Prof. Dr. Wolfgang Haller vorgestellt. 5.3.1 Verkehrsflächenminimierung Cityring

Prof. Dr. Wolfgang Haller, SHP Ingenieure
Herr Prof. Dr. Haller erläutert wesentliche Aspekte der Untersuchung zur 'Verkehrsflächenminimierung Cityring'.

Zielsetzung
– Ermittlung von Bereichen, in denen eine Reduzierung von Verkehrsflächen möglich ist.

Randbedingungen
– – Erhalt der verkehrlichen Funktionsfähigkeit in vollem Umfang Bemessung mit aktuellen Verkehrsstärken zur Hauptverkehrszeit

Planfälle
– – 'Bestand' 'Flächenminimierung'

Untersuchungsraum
– Südwestlicher Cityring zwischen Königsworther Platz und Aegidientorplatz mit Lavesallee bis zur Gustav-Bratke-Allee (Streckenlänge ca. 2,5 km, 12 signalisierte Knotenpunkte).

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Abb. 11: Untersuchungsraum (SHP Ingenieure)

Verkehrsqualitäten - Bewertungsmethodik (siehe Abb. 12)
– – Bewertung der Verkehrsqualität über die Verlustzeit 6 Stufen der Verkehrsqualität analog zu Schulnoten gem. Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen (HBS)

Verkehrsqualitäten - Bestand (siehe Abb. 13 und 14)
– – Bewertung anhand des jeweils ungünstigsten Stroms am Verkehrsknoten Bewertung anhand der Cityring-Ströme

Planfall Flächenminimierung
– – – Zwischen Königsworther Platz und Goethestraße sind nahezu keine Potenziale für eine Reduzierung der Verkehrsflächen vorhanden (Fahrstreifen dienen als Stauraum) An Leibnizufer, Friedrichswall und Lavesallee sind außerhalb der Knotenpunkte Reduzierung von 6 auf 4 Fahrstreifen möglich An den Knotenpunkten zwischen Goethestraße und Aegidientorplatz sind Möglichkeiten zur Umgestaltung und damit auch zur Flächeneinsparung vorhanden

Bereich Knotenpunkt Goethestraße (siehe Abb. 17)
– Reduzierung der Anzahl und Länge der Abbiegefahrstreifen

Bereich Leibnizufer (siehe Abb. 18)
Jeweils zwei Fahrstreifen pro Richtung im Zuge des Cityrings

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Bereich Lavesallee (siehe Abb. 19)
Reduzierung der Fahrstreifenzahl auf zwei je Richtung

Bereich Friederikenplatz / Knotenpunkt Karmarschstraße (siehe Abb. 20 und 21)
– – – – – – – Friederikenplatz als kompakter Knotenpunkt Karmarschstraße als zweistreifige Straße (ein Fahrstreifen, aus dem sich kurze Abbiegestreifen entwickeln) Nur noch ein Linksabbiegestreifen in die Karmarschstraße

Bereich Aegidientorplatz / Knotenpunkt Osterstraße (siehe Abb. 22 und 23)
Kompaktere Ausbildung durch Verzicht auf Bussonderfahrstreifen Am Knotenpunkt Osterstraße zwei durchgehende Fahrstreifen je Richtung

Verkehrsqualitäten – Flächenminimierung (siehe Abb. 15 und 16)
Bewertung anhand des jeweils ungünstigsten Stroms Bewertung anhand der Cityring-Ströme

Fazit (siehe Abb. 24)
An Leibnizufer, Friedrichswall und Lavesallee ist außerhalb der Knotenpunkte statt der heute 6-streifigen Führung durchgehend eine 4-streifige Führung möglich. An allen Knotenpunkten zwischen Osterstraße und Aegidientorplatz kann auf einzelne Fahrstreifen verzichtet werden. Das Knotenpunktsystem Friederikenplatz / Karmarschstraße kann deutlich kompakter gestaltet werden. Hiermit werden überall mindestens ausreichende Verkehrsqualitäten erreicht bzw. bereits heute nicht ausreichende Verkehrsqualitäten nicht weiter verschlechtert.

Abb. 12: Bewertungsmethodik (SHP Ingenieure)

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Bewertung

Abb. 13: Bewertung anhand des jeweils ungünstigsten Stroms (SHP Ingenieure)

Abb. 14: Bewertung anhand der Cityring-Ströme (SHP Ingenieure)

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Abb. 15: Bewertung anhand des jeweils ungünstigsten Stroms (SHP Ingenieure)

Abb. 16: Bewertung anhand der Cityring-Ströme (SHP Ingenieure)

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Pläne 'Planfall Flächenminimierung' SHP

Abb. 17 Knotenpunkt Goethestraße

Abb. 18 Leibnizufer

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

Abb. 19 Lavesallee

Abb. 20 Friederikenplatz / Knotenpunkt Karmarschstraße

Abb. 21 Friederikenplatz / Knotenpunkt Karmarschstraße

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Abb. 22 Aegidientorplatz / Knotenpunkt Osterstraße

Abb. 23 Aegidientorplatz / Knotenpunkt Osterstraße

Abb. 24 Fazit

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' 5.4 Prägende Raumelemente

Prof. Undine Giseke, bgmr Landschaftsarchitekten_AG Giseke/Fenk
Viele der Freiräume Hannovers waren und sind an die Wahrnehmung des Autofahrers gebunden, d.h. sie sind stark funktional. Am Leibnizufer, am Friederikenplatz und am Waterlooplatz kommt der 'Freiraum der Moderne' am deutlichsten zum Ausdruck. Damit verbunden stellt sich die Frage, welche Qualitäten diese Räume haben und wie sie sinnlich anders wahrgenommen werden können; welche Ansatzpunkte vorhanden sind, um die zum Teil entleerten Räume im Sinne einer freiraumplanerischen Verdichtung weiter zu entwickeln. Um Antworten geben zu können, wurde die Analyse um die Sichtweise der Fußgänger ergänzt (siehe Abb. 25). Deutlich wird hierüber, dass die Vernetzung vieler städtebaulicher Strukturen, z.B. im Bereich des Trammplatzes sowie im Bereich des Waterlooplatzes gestört ist. Grundsätzlich ist das Studium des Wassers in der Stadt und seines historischen Verlaufs wichtig, da dort ein Potenzial für die Anreicherung der Räume liegt (siehe Abb. 26 und 27). Darüber hinaus sind die übergeordneten Bezüge der Räume bedeutend. Die Landschaft reicht sehr nah an die Innenstadt heran und verzahnt sich mit dieser (siehe Abb. 28 und 29). Dargestellt ist auch wie dicht, mit welcher Tiefenwirkung die Räume in der Stadt wahrgenommen werden; ob sie als geschlossen oder offen empfunden werden (siehe Abb. 30). Die eher diffusen Räume teilen nicht mit, wie mit ihnen umgegangen werden soll. Einige Räume sind stadträumlich ausgeprägter und wirken dreidimensional (siehe Abb. 31). Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die atmosphärische Dichte der Freiräume, mit dem Ziel Hannover mehr Eigenart zu geben, exakt zu betrachten ist. Am Beispiel der Gewässerkanten des Leine- und Ihmeufers wurde die Atmosphäre genauer studiert. Resümierend wurde der Fokus auf die Unterschiedlichkeit der dortigen Freiräume gelegt (siehe Abb. 32).

Abb. 25: Panoramen (bgmr_AG Giseke/Fenk)

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Pläne Gewässersysteme bgmr_AG Giseke/Fenk

Abb. 26: Gewässersystem großräumig

Abb. 27: Gewässersystem historische Überlagerung

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Pläne Raumsysteme bgmr_AG Giseke/Fenk

Abb. 28: Raumsystem heute

Abb. 29: Raumsystem mit Freiraumkeilen und historischer Überlagerung

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Pläne Freiraumsysteme bgmr_AG Giseke/Fenk

Abb. 30: Räumliche Dichte der Freiraumsysteme

Abb. 31: Dreidimensionalität der 'flatternden Räume' der Nachkriegsmoderne

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

Abb. 32: Atmosphärische Dichte der Gewässerkanten (bgmr_AG Giseke/Fenk)

Juliane Schonauer, Planungsgemeinschaft Machleidt + Partner, Michael Braum + Partner
Frau Schonauer setzt die Betrachtung der räumlichen Strukturen fort und zeigt die prägenden Räume / Elemente / Strukturen der Innenstadt und die Möglichkeiten ihrer Stärkung auf: Folgende prägende Räume und Orte lassen sich identizieren (siehe Abb. 34 und 35): – – – – Die Altstadt in ihrer geschlossenen Form ('Altstadt-Mandel') Die Stadterweiterung von Laves mit den langen Achsen und den Platzabfolgen Der City-Ring als durchgängiges Element des 20. Jh. Leine- und Ihmeraum als naturhafte Elemente in der Stadt und die Landschaftskeile (Eilriede, Herrenhäuser Gärten, Maschpark / Maschsee), die sich bis zur Innenstadt schieben.

Frau Schonauer stellt einleitend die Frage, wie sich die Räume städtebaulich abbilden und ob sie sich erkennen und stärken lassen:

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' Räume erkennen und stärken (siehe Abb. 36 und 37) – Ausgangssituation: Auösung der Blockstruktur in Solitäre / Höhendominanten entlang des CityRings / Veränderung des Maßstabs von einer kleinteiligen Parzellen- und Baustruktur zu Großstrukturen in der Altstadt und in der Calenberger Neustadt / Freistellung der Altstadt und der Calenberger Vorstadt Planungsansätze: – – – – – – Sukzessive Verdichtung des Regierungsviertels Herstellung des Zusammenhangs der Altstadt in ihrer Gesamtheit Kenntlichmachung der Laves-Achsen / Aufräumen der Plätze / Kenntlichmachung durch abgestimmte Gestaltung Fassen und Konturieren der weiten, offenen Räume um das Steintor, am St. Nikolaifriedhof / Klagesmarkt Erlebbarmachen der Wasserläufe in der Stadt und in der Landschaft Herstellen der Einheit zwischen Stadt und Landschaft im Regierungsviertel.

–

5.5 Interventionsräume Darauf aufbauend erfolgt die Präsentation erster Konzepte für die Interventionsräume (siehe Abb. 33): – – – City – Nordstadt (Bereich um den Klagesmarkt) Altstadt – Südstadt (Bereiche um den Köbelinger Markt, Friedrichswall, Trammplatz) Altstadt – Calenberger Neustadt (Bereiche um das Leibnizufer, Hohes Ufer, Marstall)

Abb. 33: Interventionsräume (Machleidt + Partner / mbup)

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Pläne 'Prägende Räume und Orte identifizieren' Machleidt + Partner / mbup

Abb. 34: Prägende Räume und Orte identizieren (Innenstadt)

Abb. 35: Prägende Räume und Orte identizieren

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

Pläne 'Räume erkennen und stärken' Machleidt + Partner / mbup

Abb. 36: Bebauungsstruktur

Abb. 37: Raumkanten

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

5.5.1

Interventionsraum City – Nordstadt (Bereich um den Klagesmarkt)

Der Stadtzusammenhang zwischen City und Nordstadt ist nur schwach entwickelt. Gründe hierfür liegen u.a. in der Standortgeschichte: Pferdemarkt (Klagesmarkt) und Friedhof lagen traditionell außerhalb der Stadt. Während die Stadt um sie herum wuchs, wurden diese Räume frei gehalten. Mit der Veränderung der Verkehrsführung in den 1960er Jahren dehnten sich mit dem Steintorplatz und der aufgeweiteten Goseriede die großen unbebauten Flächen noch weiter aus. In der Folge leidet der Ort heute unter fehlenden Nutzungen und Nutzern, den angrenzenden Stadtquartieren scheint ebenfalls der Austausch mit einer lebendigen Umgebung zu fehlen. Ziel ist es, über eine Entwicklung des Klagesmarktes auch die angrenzenden Wohnquartiere zu stärken. Früher: Markt und Friedhof vor der Stadt (siehe Abb. 38) Morgen: Stadtbaustein zwischen City und Nordstadt (siehe Abb. 39)

Stärken / Schwächen – – – – – – – – Belebte Erdgeschosszonen und attraktive Fassaden am nordöstlichen Platzrand Neue Allee und Fußgänger-, Fahrradroute am Klagesmarkt Platzraum ohne Abschluss Nutzung als Parkplatz Schutzlose Ruhestätte St. Nikolaifriedhof Hohe Identität des Raumes für die Gewerkschaft durch 1. Mai-Kundgebungen Starke Trennung von der City durch Nachkriegsverkehrsplanungen Dreiklang von Christuskirche, Klagesmarkt und Nikolaifriedhof

Variante 1 – Brückenschlag (siehe Abb. 40) – – – – Schaffung eines neuen Baufeldes für eine gemischte Nutzung (Wohnen, Büro-Praxen sowie Läden oder Gastronomie) auf dem nördlichen Abschnitt des Klagesmarktes Klare Fassung des Klagesmarktes sowie des Platzes um die Christuskirche Schaffung einer baulichen und funktionellen Verbindung zwischen dem Univiertel und der Nordstadt Belebung und Nutzung des Platzes durch neue Anrainer.

Variante 2 – Marktplatz (siehe Abb. 41) – – – Neue Baufelder auf dem südlichen Abschnitt des Klagesmarktes Freihalten des nördlichen Abschnitts für die Marktnutzung Klare Gliederung und Unterscheidung zwischen dem Marktplatz gegenüber der Christuskirche und dem zentralen Grünraum St. Nikolaifriedhof

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Pläne City – Nordstadt Machleidt + Partner / mbup

Abb. 38: Überlagerung Vorkriegszustand – heute (mit Planungshorizont 2020)

Abb. 39: Überlagerung der Planung mit den vorhandenen Straßen

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

Abb. 40: Variante 1 'Brückenschlag'

Abb. 41: Variante 2 'Marktplatz'

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

5.5.1.1

Interventionsraum Altstadt – Südstadt (Bereiche um den Köbelinger Markt, Friedrichswall, Trammplatz)

Das Quartier südöstlich der Karmarschstraße wird nicht mehr als Teil der Altstadt wahrgenommen, obwohl es zur Gründungsfigur der Stadt gehört. Mit dem Neubau des Hotels, der Markthalle und der Amtsgebäude hat sich die Orientierung und Maßstäblichkeit der vormals eng bebauten Altstadt stark verändert. Der Köbelinger Markt wird unter Wert nur als Stellplatzfläche genutzt, die attraktive Lage in Nachbarschaft zum Neuen Rathaus und zum Maschpark wird nicht wahrgenommen. Mit der Veränderung des Straßenquerschnitts am Friedrichswall zugunsten der Fußgänger und Radfahrer wird zukünftig die niveaugleiche Querung ermöglicht. Der Standort der künftig nicht mehr benötigten Amtsgebäude in der Marktstraße bietet sich als Entwicklungsfläche für neue Wohn- und Arbeitsformen in der Altstadt an und kann zu einer Belebung des Quartiers führen. Es wird im Folgenden eine der zwei Varianten für diesen Interventionsraum dargestellt. Variante 1 - Köbelinger Platz (siehe Abb. 43) – – – – – Interpretation des historischen Stadtgrundrisses unter Beibehaltung einer großzügigen Platzanlage am Köbelinger Markt Erschließung neuer Baufelder für innerstädtisches Wohnen mit einer öffentlichen / halböffentlichen Nutzung in der Erdgeschosszone Neuordnung des Verkehrsraums, Wegnahme der Busspur Friedrichswall, Anlegen einer großzügigen Allee Schaffung einer Verbindung zwischen Altstadt und Rathaus durch oberirdische Querungsmöglichkeit der Straße Anheben des Trammplatzes / Präsentation und Öffnung zur Altstadt.

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

Pläne Altstadt – Südstadt Machleidt + Partner / mbup

Abb. 42: Vorkriegszustand – heute (mit Planungshorizont 2020)

Abb. 43: Variante 1 - Köbelinger Platz

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' 5.5.2 Interventionsraum Altstadt – Calenberger Neustadt (Bereiche um das Leibnizufer, Hohes Ufer, Marstall)

Über Jahrhunderte waren Altstadt und Calenberger Neustadt eng miteinander verbunden. Die Calenberger Neustadt als frühe Stadterweiterung lag innerhalb der befestigten Stadt. Die Leine teilte sich im Bereich des heutigen Leibnizufers in zwei Arme auf und umspülte die eng bebaute Leineinsel. Mit der Aufbauplanung nach dem 2. Weltkrieg wurde dieser Raum gänzlich verändert. Der zweite Flussarm und die Leineinsel verschwanden, zwischen der Altstadt und der Calenberger Neustadt entstand mit dem City-Ring eine anbaufreie Durchgangsstraße mit sechs Fahrspuren. Begleitend zum Ring wurde ein grüner Saum entlang der Leine entwickelt, der die Herrenhäuser Gärten im Norden mit dem Maschpark im Süden freiräumlich verbindet. Der City-Ring trennt nicht nur die beiden Stadtquartiere voneinander, sondern beeinträchtigt die Aufenthaltsqualität des Freiraums am Fluss. Die Leine und ihre Ufer sind zwar erschlossen, aber bisher wenig genutzt. Ein wichtiges Ziel ist, durch eine Veränderung des Straßenquerschnitts auf dem City-Ring zugunsten von Fußgängern und Radfahrern, den Stadtraum an der Leine lagegemäß zu entwickeln und ihn als attraktiven Übergang von der Altstadt in das Wohngebiet Calenberger Neustadt zu gestalten. Gestern: Stadt am hohen Ufer – Einst enge Verknüpfung von Altstadt und Calenberger Vorstadt

Heute: Stadt am Cityring – – Gänzliche Überformung des Gesamtraums mit dem Bau des Cityrings, die Calenberger Vorstadt wurde von der Altstadt abgerückt / die Leineinsel verschwand unter dem Cityring Traditionelle Verbindungen gekappt (Calenberger Straße).

Abb. 44: Altstadt (wikimedia.org, Machleidt+Partner, mbup)

Stärken / Potenziale – – – Freigestellte Stadtansicht / Inszenierung der Altstadtsilhouette Repräsentatives Gebäudeensemble der 50er-Jahre / Repräsentationsbauten (Calenberger Neustadt) Großzügiger Freiraum entlang der Leine
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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' – Skulpturenmeile.

Schwächen – – – – Cityring als Transitstrecke für den Fahrzeugverkehr (Durchfahrts- , nicht Erschließungsfunktion) Eingeschränkt nutzbare (Rest-)Freiächen, ungenutztes Potenzial Wasserlauf Barriere zwischen Altstadt und Calenberger Neustadt Keine Adressbildung / kein öffentliches Angebot in den Erdgeschossen.

Umgang mit den (Frei-)Räumen der Nachkriegsmoderne

Prof. Undine Giseke, bgmr_AG Giseke/Fenk
Durch Prof. Undine Giseke werden vier Strategien zum Umgang mit den Freiräumen der Nachkriegsmoderne vorgestellt. Alle zielen darauf ab, die sinnliche Qualität und die Erlebensqualität der Stadträume der Moderne zu erhöhen. Die verfolgten Strategien 'Einblenden / Vernetzen / Fluten / Verdichten' sind kombinierbar, jedoch nicht jede mit jeder und nicht an allen Orten. Die Strategien können im Weiteren in Aussagen für ein städtebaulich / freiraumplanerisches Regelwerk übertragen werden. Sie verfolgen zunächst freiräumliche Ziele; sie lassen sich jedoch jeweils zu potentiellen Bebauungen in Beziehung setzen. Im Sinne 'listiger Strategien' greifen sie identifizierte Schwachpunkte der 'flatternden', undefinierten Räume, wie die Überfunktionalität als Verkehrsraum, die Überdimensioniertheit für Passanten, die geringe Erlebnisdichte und einen nur noch rudimentären Charakter als öffentlicher Raum oder Stadtlandschaft, auf. Es geht dabei nicht primär darum, ein neues städtebauliches Leitbild zu entwickeln, sondern die Stadträume durch Anreicherung aufzuwerten. Allen Strategievorschlägen liegt ein Rückbau des Cityrings zugrunde. Als exemplarischer Anwendungsraum für die vorgeschlagenen Strategien wird der Bereich Leibnizufer / Friederikenplatz / Waterloo erläutert. Einblenden (siehe Abb. 50) Einblenden meint, in den Raumsystemen der Nachkriegsmoderne Spuren historischer Raumsysteme fragmentarisch sichtbar zu machen, wodurch die Räume zum Erzähler der Stadtgeschichte werden. Wie bei den Kratzbildern werden Teile aus darunter liegenden Schichten freigelegt. Eine beispielhafte Anwendung der Strategie ist vorstellbar im Bereich Waterlooplatz / Leineschloss.

Abb. 45: Perspektive Waterlooplatz (bgmr_AG Giseke/Fenk)

Vernetzen (siehe Abb. 51) Durch Vernetzung bzw. eine neue Rhythmisierung werden zur Zeit getrennte Stadträume in Beziehung gesetzt. Vernetzen heißt dabei paradoxer Weise neue Grenzen ziehen und Raumverbinder durch das gezielte Platzieren von Toren, Schwellen, Bändern und Wasserläufen schaffen.

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' Ziel ist, die durch die Überdimensionierung der Räume geschaffenen Distanzen zwischen Stadtbereichen optisch und funktional zu verringern. Beispielhaft angewandt kann dies die Verzweigung des Gewässersystems der Leine, die Schaffung einer Leineinsel als neuer Freiraum und ein neues Baufeld / Tore - Torbauten (vegetativ / hochbaulich) am Waterlooplatz bedeuten.

Abb. 46: Perspektive Waterlooplatz (bgmr_AG Giseke/Fenk)

Fluten Urbane Aue (siehe Abb. 52) / Maschsee 2 (siehe Abb. 53 und 54) Die Strategie des Flutens reflektiert den Umgang mit den Wasserläufen in der Stadt, da das Wasser ein starkes natürliches Moment im Stadterleben ist. Verfolgt wird ein Anheben des Wasserspiegels der Leine und eine inszenierte Natürlichkeit der Flussaue als ein neuer urbaner Landschaftsraum. Vorstellbar ist auch die Schaffung eines neuen flachen und großflächigen Gewässers am Leibnizufer durch Anstauen der Leine.

Abb. 47: Perspektiven Leineufer (bgmr_AG Giseke/Fenk)

Verdichten (siehe Abb. 55) Verdichten heißt, die stadtlandschaftliche Komponente der Freiräume der Nachkriegsmoderne durch Ausbildung ihrer Dreidimensionalität städtebaulich wirksam werden zu lassen und zugleich die sinnliche Erlebnisvielfalt durch Schaffung einer Binnenwelt zu stärken. Beispielhaft steht hierfür die Gestaltung einer großzügigen, zusammenhängenden Stadtlandschaft zwischen Maschteich, Waterlooplatz, Schützenplatz bis zur Ihme mit dem Regierungsviertel als baulicher Insel.

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

Abb. 48: Perspektive Waterlooplatz (bgmr_AG Giseke/Fenk)

Abb. 49: Panoramen Neues Rathaus, Friederikenplatz, Friedrichswall (bgmr_AG Giseke/Fenk)

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

Plan 'Einblenden' bgmr_AG Giseke/Fenk

Abb. 50: Einblenden

Plan 'Vernetzen' bgmr_AG Giseke/Fenk

Abb. 51: Vernetzen

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

Pläne 'Fluten' bgmr_AG Giseke/Fenk

Abb. 52: Fluten – Urbane Aue

Abb. 53: Fluten – Maschsee 2

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

Abb. 54: Fluten – Maschsee 2

Plan 'Verdichten' bgmr_AG Giseke/Fenk

Abb. 55 Verdichten

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' Juliane Schonauer leitet vom landschaftsplanerischen Beitrag von Prof. Udine Giseke im Interventionsraum Altstadt – Calenberger Neustadt zu den Varianten für den Raum über: Morgen: Stadt am Wasser wieder gewinnen (s. Abb. 57 / 58) / Räume neu interpretieren (s. Abb. 56) Zurzeit stehen sich zwei städtebaulich alternative Ansätze gegenüber: die Gestaltung eines durchgängigen Landschaftsraumes (Leineaue), der die Herrenhäuser Gärten mit dem Maschpark / Maschsee verbindet oder Gliederung des Raumes durch den Wechsel von Bebauung und Garten am Fluss und die Wiederherstellung einer Verbindung zwischen der Altstadt und der Calenberger Neustadt durch eine Bebauung. Voraussetzung ist eine Neuordnung der Fahrspuren mit dem Gewinn von zusammenhängenden Grün- oder potenziellen Bauächen. Durch das Anheben des Wasserstandes und die Gestaltung der Ufer soll das Wasser in der Stadt sichtbarer und erlebbarer werden.

Abb. 56: Räume neu interpretieren (Machleidt+Partner)

Juliane Schonauer erläutert abschließend, dass für die in der Präsentation vorgestellten Interventionsräume, die Bestandteil des Regelwerkes sind, eine vertiefende konzeptionelle Bearbeitung im Rahmen eines internationalen städtebaulichen und landschaftsarchitektonischen Wettbewerbes erfolgen soll.

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

Pläne Altstadt – Calenberger Neustadt Machleidt + Partner / mbup

Abb. 57: Stadt am Wasser wieder gewinnen

Abb. 58: Variante 1 - Städtische Brücken

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt'

Abb. 59: Entwicklungsvarianten aus dem städtebaulichen Regelwerk (Machleidt + Partner / mbup)

6. Austausch im Plenum Brigitte Holz fasst zu Beginn der Diskussion nochmals die wesentlichen strategischen Ziele des Planungsteams schlagwortartig zusammen: Prägende Orte herausarbeiten / Raumstrukturen stärken / Verbindungen qualifizieren, Potenziale nutzen / Stärken entwickeln. Die 'listigen' landschaftsplanerischen Strategien umfassen das Einblenden / Vernetzen / Fluten und Verdichten. In der Diskussion sind folgende Fragestellungen wichtig: – – – – – – Wie lesen und sehen wir die Innenstadt heute? Welche historischen Zeitschichten sind an welcher Stelle von Bedeutung? Auf welchen Zeitschichten bauen wir die zukünftige Entwicklung der Innenstadt auf? Wie korrespondieren Gebäude und Freiräume? Welche Nutzungsstruktur ist an welcher Stelle die richtige?

Die Ausführungen der Planungsbüros werden unter Bezug auf die benannten Interventionsräume City – Nordstadt (Bereich um den Klagesmarkt)

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' – – Altstadt – Südstadt (Bereich um den Köbelinger Markt / Friedrichswall / Trammplatz) Altstadt – Calenberger Neustadt (Bereich Leibnizufer / Hohes Ufer)

durch die Anwesenden ergänzt bzw. vertieft. Zum Auftakt der Diskussion über den jeweiligen Interventionsraum gibt Frau Holz einen kurzen Überblick über die Anregungen aus dem 2. Expertengespräch. 6.1 City – Nordstadt Wesentliche Ergebnisse des 2. Expertengesprächs waren: – – – – – Historische Bedeutung des Klagesmarkts würdigen Zwischen Bebauung (u.a. Wohnen) und Freiraumgestaltung (u.a. Veranstaltungsort, insbesondere 1. Mai) des Klagesmarktes abwägen Identität der Orte (Klagesmarkt / Nikolaifriedhof) auch im Kontext der benachbarten Christuskirche herausarbeiten Durch Umgestaltung und Schaffung neuer Wohnangebote die angrenzenden Quartiere stärken und in Beziehung setzen Rückbau des Goseriedekreisels, nicht zuletzt um die Anbindung an die City zu stärken bzw. die trennende Wirkung zu vermindern.

Es wird darauf hingewiesen, dass der Klagesmarkt in seiner heutigen Form und Fläche historisch und nicht durch den Wiederaufbau nach dem Krieg entstanden ist. Geschichtlich gesehen ist die Geradlinigkeit über die lange Vahrenwalder Straße bis zur Altstadt begründet. Damit ist der Teil des Cityrings von der Nikolaikappelle bis zum ehem. Hauptgüterbahnhof im Zusammenhang zu sehen. Es wird die Überlegung in den Raum gestellt, die Nutzung des Klagesmarktes (Markt / 1. Mai) mit der des ehem. Hauptgüterbahnhofs zu tauschen. Dann könnte der Klagesmarkt bebaut oder anderen Nachnutzungen (z.B. Fluten) zugeführt werden. Der Wochenmarkt sollte allerdings auf jeden Fall erhalten bleiben, da er als sehr belebend empfunden wird. Für die Erhaltung des Platzraums wird auch wegen der großen Platanen auf dem Marktplatz plädiert. In der Mitte, am 'Alex', wird eine Bebauung als möglich erachtet. Im Bereich vor dem Gewerkschaftshaus sollten weiterhin die 1. Mai-Kundgebungen stattfinden können. Möglichkeiten für eine Wohnbebauung werden im Nikolaiviertel selbst gesehen, aber von anderen auch im Bereich der Parkplätze. Im Gegensatz dazu wird angemerkt, dass bereits die Bebauung des 'Alex' auf dem Klagesmarkt als negativ empfunden wird. Von einer weiteren Bebauung sollte daher abgesehen werden. In diesem Zusammenhang wird die Frage gestellt, ob die Stadt nicht offensiver einen Investor für die Baulücke (ParterreGebäude) in der Nähe des Mercure-Hotels suchen sollte. Frau Holz verweist nochmals darauf wie die Planungsvarianten für den Klagesmarkt im 2. Expertengespräch bewertet wurden. Eine Bebauung könnte die angrenzenden Quartiere stärken, wobei das Wohnen einen besonderen belebenden Stellenwert einnehmen könnte. Herr Bodemann ergänzt, dass die angrenzenden Quartiere trotz ihrer Nähe zum Zentrum zu klein und zu schwach für eine Entwicklung aus eigener Kraft sind. Die freiraumplanerischen Ansätze waren bisher nicht ausreichend, um ihre Entwicklung zu unterstützen. Um Impulse für die Quartiere zu geben und sie zusammenzuführen, sind neue Nutzungen zu implementieren. Dies könnte am Klagesmarkt in Form eines 'Schlusssteines' geschehen. In der folgenden Diskussion im Plenum wird der Klagesmarkt im Kontext der Entwicklung des Steintorplatzes diskutiert. Sofern dort gebaut werden sollte, müssten die jetzigen Nutzungen auf den Klagesmarkt verlagert werden. Eine Bebauung sollte daher sehr genau abgewogen werden. Ergänzt wird, dass zur Bebauung des Steintorplatzes in Hannover kein Konsens besteht. Das dort ansässige soziale Milieu und der Platz als belebter Treffpunkt sind behutsam zu behandeln. Ggf. ist die vorhandene Bebauung aufzustocken. Herr Bodemann erläutert, dass die Plätze in Hannover oft als reine Fläche wirken und empfunden werden. Vielfach ist ein 'Platzerleben' aufgrund der geringen Nutzungsdichte im Umfeld nur bedingt möglich. Festgehalten wird, dass die Platzabfolge Klagesmarkt – Goseriede – Steintor als Platzabfolge mit geringer räumlicher Spannung empfunden wird. Es besteht Konsens, dass ein vorsichtiger Umgang mit der Ge-

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' schichte des Ortes eine Bebauung nicht ausschließen muss. Diese sollte behutsam erfolgen und Flächen für die 1. Mai-Kundgebungen vorhalten. Räumlich sollte der Nikolaifriedhof mehr einbezogen werden. Darüber hinaus wird vorgeschlagen, den Brunnen an der Christuskirche zu gestalten und zum Thema eines Wettbewerbs zu machen. Ähnlich könnte mit dem Brunnen am Klagesmarkt verfahren werden. Weiterhin wird darauf hingewiesen, dass der ehem. Bunker am Klagesmarkt wieder in Betrieb genommen und als Attraktion, ggf. durch Kunstausstellungen, genutzt werden könnte. Der Nikolaifriedhof könnte im Sinne eines 'Central Park' gestaltet werden. Bezugnehmend auf die Verkehrsuntersuchung von SHP Ingenieure wird nachgefragt, ob es möglich ist, den Straßendurchbruch am Nikolaifriedhof wieder zu schließen. Laut Herrn Prof. Dr. Haller müsste dies untersucht werden, bisher ging es darum, die Straße durch Rückbau des Kreisels in den Freiraum zu integrieren. Dem Vorschlag, die Goseriede auf zwei Spuren zu reduzieren, wird zugestimmt, da so im Bereich der kestnergesellschaft und des Anzeiger-Hochhauses mehr Raum zum Bespielen geschaffen wird. Beim Umbau des Goseriedekreisels könnte die Allee vom Klagesmarkt bis zur Nikolaikirche fortgeführt werden. Frau Holz zieht das Resümee, dass der Rückbau des Goseriedekreisels befürwortet und die Variante 'Brückenschlag' für den Klagesmarkt eher negativ gesehen wird. Eine Bebauung der Mitte zur Verdichtung der Nutzungen und Schließung der Raumkanten wird hingegen für vorstellbar gehalten. Insgesamt gilt es behutsam Bebauung und Nicht-Bebauung abzuwägen. 6.2 Altstadt – Südstadt Zum Einstieg in die Diskussion gibt Frau Holz einen Überblick auf die im Expertengespräch festgehaltenen Überlegungen: – – – – Umbau des Bereiches um den Köbelinger Markt zu einem innerstädtischen, gemischt genutzten Quartier vornehmen Verbindung Altstadt – Rathaus über den Friedrichswall stärken Umgestaltung des Trammplatzes, um ihn in seiner Funktion als städtischer Platz zu stärken Prüfung der Bebauung östlich des Rathauses unter den Gesichtspunkten der Symmetriebildung, der Bedeutung der Fläche als Freiluftschneise und der Anbindung des Maschparkes an die Innenstadt.

Die Diskussionsergebnisse im Plenum stellen sich wie folgt dar: Bei einer Bebauung des Köbelinger Markts sollte der Erhalt des Hotels Maritim kritisch überprüft werden. Für vorstellbar gehalten wird, das alte Rathaus mit dem neuen Rathaus über eine Allee zu verbinden. Das neue Rathaus wirkt aufgrund seiner Gestalt, des viel befahrenen Friedrichswalls und der Tieflage des Trammplatzes zurzeit nicht als Teil der Innenstadt. Daher wird angeregt zu prüfen, ob der Verkehr vor dem Rathaus unterirdisch geführt werden könnte und der Trammplatz höher gelegt werden kann. Insgesamt wird das neue Rathaus als nur bedingt bürgeranziehend gesehen. Herr Bodemann erläutert in diesem Zusammenhang, dass das neue Rathaus, auch wenn jenseits des Friedrichswalls liegend, stets sehr gut besucht ist. Seiner Ansicht nach sollte keinesfalls ein Tunnel gebaut werden, sondern der Verkehr stadtverträglicher geführt werden. Das würde konkret bedeuten, die Verkehrsfläche zu minimieren, Fußgängerquerungen über den Friedrichswall einzurichten, den Trammplatz anzuheben und die Unterführung zum Trammplatz aufzugeben. Eine große Chance liegt darin, den Friedrichswall zu 'kultivieren' und hierüber Anreize zu Veränderung auch bei den Anrainern zu geben. In diesem Zusammenhang wird nachgefragt, ob eine Überquerung des Friedrichswalls in Höhe Rathaus – Maritim ebenerdig möglich ist. Herr Prof. Dr. Haller erläutert, dass dies bereits heute möglich wäre. Diese Überlegung, einen breiteren Mittelstreifen, ist im Gutachten berücksichtigt. Vor dem Hintergrund eines möglichen Umbaus wird nachgefragt, ob an der neuen Pflasterung des Friedrichswalls gespart werden kann. Herr Bodemann entgegnet, dass es sich hierbei lediglich um Reparaturarbeiten handelt. Im Publikum wird angeregt, an der Stelle des Maritims ein für Hannover gewünschtes 5-Sterne-Hotel zu bauen und dieses in eine Neubebauung des Köbelinger Markts zu integrieren.

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' Diskutiert wird auch, dass der Maschpark bis an den Friedrichswall heran reicht. Dies sollte auch weiterhin garantiert sein, d.h. die Ostseite des Rathauses sollte nicht bebaut werden. Befürchtet wird, dass mit einer Bebauung östlich des Rathauses das Rathaus symmetrisch noch weiter überhöht wird. Dem wird entgegnet, dass der Trammplatz historisch symmetrisch angelegt war und die Bildung einer Raumkante von Nöten ist. Herr Prof. Machleidt geht darauf ein, dass eine entsprechende Bebauung in der heutigen Gesellschaft nicht autoritär wirken wird. Die Funktion Hannovers als Landeshauptstadt wird aus Sicht von Anwesenden bisher zu wenig berücksichtigt. Nach einem Rückbau der Straße könnte an der Stelle des alten Friederikenschlosses ein zentrales Gebäude für die Landesregierung entstehen.1 Es wird die Frage in den Raum gestellt, ob das Friederikenschloss durch die Landesregierung wieder aufgebaut werden könnte. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass sich im Bereich des alten Friederikenschlosses ein Biergarten befindet. Eine Neubebauung könnte in Einklang mit dem Biergarten erfolgen. Frau Holz resümiert, dass im Interventionsraum Altstadt – Südstadt seitens der Anwesenden vehement für einen Stadtumbau plädiert wird. Die Vorstellungen gehen bis zum Abriss des Hotels Maritim. Es besteht großes Einvernehmen, dass der Trammplatz angehoben und zum attraktiven Stadtplatz umgebaut werden soll und dass der Friedrichswall zeitgleich zurückzubauen ist. Die Abwägung weiterer Bebauung in Nachbarschaft zum Rathaus sollte im städtebaulichen Wettbewerb behandelt werden. 6.3 Altstadt – Calenberger Neustadt Frau Holz geht auch bei diesem Interventionsraum einleitend auf die wesentlichen Ergebnisse des 2. Expertengesprächs ein. – – – – – – – – Verbindung zwischen Altstadt und Calenberger Neustadt stärken Freiraum des Leibnizufers gestalterisch aufwerten Leine erlebbar machen / Wasserspiegel anheben / Brücken qualifizieren Hohes Ufer stärken und gestalten Verkehrstrassen zurückbauen Bebauung am Wasser (Wohnen / Kultur) mit Freiraumaufwertung abwägen Erdgeschosszonen auf der Seite der Calenberger Neustadt attraktivieren Gesamträumlichen Kontext beachten.

Auch im öffentlichen Plenum wurde dieser Interventionsraum intensiv diskutiert. Die vorgeschlagene Bebauung in der Planungsvariante 'Städtische Brücken' wird als nicht überzeugend empfunden, da sie stark von Verkehr bestimmt wird. Sofern eine unterirdische Führung des Verkehrs möglich wäre, könnte über eine Bebauung am Leineufer nachgedacht werden. Allerdings wird angezweifelt, dass hierfür ein Investoreninteresse besteht. Es ist unklar, wie eine Öffnung der Erdgeschosszonen der Ministerien auf der Seite der Calenberger Neustadt erfolgen soll. Der Vorschlag, die Flussläufe über Eingriffe für das Stadtbild wieder zu gewinnen, wird befürwortet, allerdings sollte hierzu der Interventionsraum größer gefasst werden. Wiederholt wird die 'Leine-Suite' als Beispiel dafür genannt, dass Räume angenommen werden, wenn etwas geboten wird. Es gilt, die Verknüpfung im Süden und Westen herzustellen. Die Calenberger Neustadt (u.a. Problematik fehlender Bolzplatz), der Waterlooplatz und andere Orte am Ufer von Leine und Ihme (u.a. üstra-Gelände) sind einzubeziehen. Dabei sind allerdings keine größeren Bebauungen vorstellbar. Seitens anwesender Bürger/innen aus der Calenberger Neustadt wird darauf hingewiesen, dass sie gerne zentral und gleichzeitig zurückgezogen ('insular') leben. Frau Schonauer weist darauf hin, dass durchaus weitere Orte in der Calenberger Neustadt miteinbezogen, aber in der Präsentation nicht gezeigt wurden.

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Anmerkung: Dies war einmal mit einem Neubau der Staatskanzlei vorgesehen. 47

Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' Herr Bodemann bittet darum, sich im Rahmen der Diskussion auch mit dem Leibnizufer / Hohen Ufer auseinander zu setzen. Er stellt die Frage, ob der Raum in seiner verkehrlichen Auslastung und freiraumplanerischen Gestaltung mehr als die Heimat der 'Leine-Suite' sein kann. Der Raum ist Verbindungsraum zwischen Maschsee und Herrenhausen und gleichzeitig Verbindungsraum zwischen der Altstadt und der Calenberger Neustadt. Es sind Lösungsansätze zu entwickeln, die dieser Aufgabe gerecht werden können. In diesem Kontext stellt sich die Frage, ob die Leine die Grenze der Altstadt ist oder ein Fluss, der durch Hannover fließt. Es besteht Übereinstimmung, dass die Leine als letzteres zu betrachten ist. Den von Prof. Giseke vorgestellten 'listigen Strategien', das Wasser erlebbarer zu machen, kann viel abgewonnen werden. Daher wird es nicht für nötig erachtet alle 50er-Jahre-Räume zu bebauen. Zusätzlich zur Erhöhung des Wasserspiegels der Leine könnte in manchen Bereichen eine Verbreiterung erfolgen. Betont wird, dass Urbanität nicht zwangsläufig mit Bebauung einhergehen muss. Der Gewinn an Fläche durch Umbau der Verkehrsflächen sollte als Chance gesehen werden, Natur in die Stadt zu holen. Im Resümee der Diskussion besteht Einvernehmen, dass bei den Überlegungen zu diesem Raum nicht Bebauung gegen Freiflächen ausgespielt werden sollte; beides ist denkbar. Aus dem Prozess Hannover City 2020 sollte etwas gemacht werden, das sich herumspricht und eine Welle von weiteren Aktivitäten, einschließlich ein Interesse bei Investoren, auslöst. Frau Prof. Giseke erläutert, dass beide Komponenten wichtig sind: durch Bebauung die Stadtteile näher zusammen zu bringen und im Freiraum ein zeitgenössisches Thema umzusetzen. Es besteht die Chance in diesem Raum beide Komponenten in einer feinen Körnung zusammenzubringen. Dies ist ein spannendes Thema für den Wettbewerb. Herr Prof. Wernstedt geht darauf ein, dass es nötig ist, die Attraktivität durch die von Frau Prof. Giseke vorgeschlagen Strategien zu erhöhen und die Calenberger Neustadt, z.B. mit einer Brücke in Höhe der Kramerstraße, anzubinden. Die Integrationsleistung von Städtebau und Natur muss im Wettbewerb geleistet werden. Neben einer Verringerung der Straßenbreite und dem Brückenschlag zur Calenberger Neustadt sollte insbesondere über das heute vorhandene 'nutzlose' Grün nachgedacht werden. 'Ein breiterer Grünstreifen ist mehr wert als ein nicht nutzbarer grüner Mittelstreifen'. Da die Ministerien auf der Seite der Calenberger Neustadt tiefer liegen, wäre eine Niveau-Angleichung im Rahmen des Straßenausbaus zu wünschen. Zur Erreichung von Barrierefreiheit wird eine Untertunnelung von der Calenberger Straße bis zur Innenstadt vorgeschlagen. Die Untersuchung zum Umbau des Cityrings wird im Ergebnis von einem Anwesenden als Behinderung des Autoverkehrs (MIV) angesehen. Befürchtet wird, dass der Verkehr zunimmt, die Innenstadt vom Stop-andgo des Verkehrs beeinträchtigt wird und Grünflächen aufgrund von Immissionen nicht mehr nutzbar sind. Herr Prof. Dr. Haller entgegnet, dass die Modelle des Gutachtens anhand der heutigen Verkehrszahlen gerechnet sind und diese in Zukunft eher rückläufig sein werden. Frau Holz zieht das Resümee, dass es in diesem Raum nicht darum geht, für Bebauung und gegen Freiraum zu entscheiden In diesem Spannungsfeld wird die Aufgabenstellung für den städtebaulichen – landschaftsplanerischen Wettbewerb zu formulieren sein. 7. Online-Forum Frau Holz verweist auf die Möglichkeit, sich auch im Rahmen des auf www.hannovercity-2020.de eingerichteten Online-Forums weiter zu diesen Themen einzubringen. Das Forum wurde zum 1. Innenstadtforum am 27.04.09 mit dem Thema 'Die lebendige Stadt' eröffnet. Das Interesse war relativ groß. Kurzfristig kann nun online auch über das Thema 'Die schöne Stadt' diskutiert werden.

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Hannover City 2020 Innenstadtforum 2 'Die schöne Stadt' 8. Termine Behördenrunde 1. Behördenrunde 2. Behördenrunde 3. Behördenrunde 11.03.2009 26.05.2009 12.08.2009 Expertengespräche 1. Gespräch 2. Gespräch 3. Gespräch 25.03.2009 08.06.2009 26.08.2009 Innenstadtforen 1. Forum 2. Forum 3. Forum 27.04.2009 22.06.2009 09.09.2009

9. Ausblick Die Phase 3 des öffentlichen Dialogs trägt den Titel 'Die aktive Stadt'. Prof. Rolf Wernstedt wird im Rahmen des Veranstaltungszyklus das Thema 'Partner für die Entwicklung der Innenstadt', Bürger und private Wirtschaft, behandeln. Planerisch wird die vertiefende Behandlung der Interventionsräume, die Abstimmung ihrer Aufgaben und des umzusetzenden Wettbewerbsprogramms im Mittelpunkt der Diskussion stehen. Frau Holz lädt herzlich zur nächsten öffentlichen Veranstaltung am 09. September 2009, 19:00 Uhr zum Thema 'Die aktive Stadt' ein. Der Veranstaltungsort wird wieder das Auditorium des Sprengel Museums Hannover sein. Herr Bodemann bedankt sich für die spannende und anregende Veranstaltung bei Herrn Dannowski, den anwesenden Vertreter/innen der Planungsbüros, den interessierten Bürgerinnen und Bürgern und der Moderatorin. Er dankt auch den Mitarbeiter/innen der Geschäftsstelle Hannover City 2020 in der Bauverwaltung für die sehr gute Vorbereitung.

Hannover / Darmstadt, Juli 2009 gez. Brigitte Holz / Eva Koch Freischlad + Holz

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