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Periodical volume

Full text: Sozialbericht Issue 2015

Sozialbericht 2015
Soziale Lagen in der Region Hannover
Dezernat für Soziale Infrastruktur

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Einleitung Sozialbericht 2015
Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt Menschen und Institutionen, die meinen, dass man mit Zahlen,
Statistiken die Welt genau beschreiben könne. Sie vermessen unseren Alltag, untersuchen in den Betrieben unsere Arbeit und am Ende
des Tages kommen immer Zahlen heraus. Ich habe große Zweifel
daran, ob sich unser vielschichtiges Leben nur über solche Zahlen
abbilden lässt. Nun mag Ihnen das als eine merkwürdige Einleitung
erscheinen für den Sozialbericht der Region Hannover 2015, mit dem
Ihnen von uns sehr viele Zahlen präsentiert werden.
Ich will an ein paar Beispielen versuchen zu erläutern, wieso wir
Ihnen einerseits wichtige Zahlen über die soziale Lage in der Region
präsentieren und andererseits darum werben, den Zahlen nicht zu viel
Gewicht zu geben.

Die Zahl von 135.201 Menschen in der Region Hannover, die zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes auf öffentliche Gelder angewiesen
sind, ist bedrückend hoch. Und es lohnt alle Mühe mit allen Betroffenen zusammen nach Wegen zu
suchen, ihre Lage zu verbessern. Doch verbirgt sich hinter diesen Zahlen auch gesellschaftliche Solidarität in großem Umfang denen gegenüber, die aus verschiedensten Gründen keine Chance haben,
materiell auf eigenen Beinen zu stehen. Und wie viele der von Transferleistungen abhängigen Menschen genügend nichtmaterielles Vermögen haben (zum Beispiel Freundschaften, soziale Kontakte)
um ihr Leben zu meistern, erfasst so ein Zahlenbericht auch nicht.
Wenn an anderer Stelle berichtet wird, dass die Zahl der Hilfesuchenden in unserem Sozialpsychiatrischen Dienst innerhalb weniger Jahre um über 70 Prozent angestiegen ist, so deutet das erstmal auf
die Zunahme psychischer Erkrankungen hin, also eine negative Nachricht. Aber auch mindestens
zwei positive Nachrichten können sich dahinter verbergen. Zum Einen, dass bei den Betroffenen die
Hemmschwelle, sich professionelle Hilfe zu holen, sinkt; zum Anderen, dass unsere Dienste mit ihren
Hilfen immer bekannter werden.
Ein letztes Beispiel über die Schwierigkeit, allein über Zahlen die Wirklichkeit abbilden zu wollen,
möchte ich im Bereich der Betreuung der unter 6-jährigen Kinder anführen. Die erhebliche Steigerung
bei der Zahl der Betreuungsplätze in den letzten Jahren ist eine gute Nachricht für alle Eltern, die aus
Überzeugung und/oder Notwendigkeit ihre Kinder in Krippen, Kitas und Tagespflegestellen versorgen
lassen. Ob das auch gut für die Kinder ist, entscheidet sich erst über das, was in den Einrichtungen
geleistet wird. So u.a. über gut ausgebildete Fachkräfte und einen guten pädagogischen Alltag.
Ich hoffe, ich habe Sie sehr neugierig und auch ein bisschen vorsichtig gemacht hinsichtlich der vielen
Informationen (auch in Zahlen) unseres Sozialberichtes.
Für uns sind die Zahlen in der Regel Indikatoren, die selbst noch keine Antworten liefern, sondern
Anlass zu weiteren Fragen und Erkundungen geben, zum Verständnis der sozialen Realität in unserer
Region. Wir wollen die Lebensverhältnisse in unserer Region ständig verbessern. Dazu gehört, dass
wir nicht hinnehmen, dass Menschen durch Armut und Ausgrenzung um ihre Chancen gebracht werden. Und wenn Sie in unserem Bericht erfahren, dass der Anteil von Kindern an denen „Armen“ überdurchschnittlich groß ist, dann bedrückt uns das nicht nur, sondern ist Auftrag, mit Ihnen zusammen
die Dinge zum Besseren hin zu verändern.
Wir hoffen, dass Ihnen dieser Sozialbericht 2015 hilft und für die alltägliche Arbeit Hinweise und Orientierung geben kann. Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen haben oder andere Fakten und Bewertungen beitragen wollen. Gerne kommen wir auch zu Ihnen in Ihre Institutionen, um mit Ihnen über
den Sozialbericht und seine möglichen Konsequenzen für unsere gemeinsame Arbeit zu sprechen.

Erwin Jordan
Dezernent für Soziale Infrastruktur, Region Hannover
Seite 1

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Inhalt
Einleitung Sozialbericht 2015 ................................................................................................................1
1

Zentrale Ergebnisse und Berichtsstruktur ................................................................................3

1.1

Zentrale Ergebnisse .......................................................................................................................3

1.2

Zum Aufbau der Sozialberichterstattung ......................................................................................10

2

Bevölkerungs- und Haushaltsstruktur .....................................................................................11

2.1

Bevölkerungsstruktur und -Entwicklung .......................................................................................11

2.2

Staatsbürgerschaft und Migrationshintergrund ............................................................................15

2.3

Haushalte .....................................................................................................................................20

3

Beschäftigung und Arbeitslosigkeit.........................................................................................24

3.1

Beschäftigung in der Region Hannover .......................................................................................24

3.2

Arbeitslosigkeit in der Region Hannover ......................................................................................29

4

Einkommen und prekäre finanzielle Lebenslagen ..................................................................38

4.1

Empfängerinnen und Empfänger von Mindestsicherungsleistungen ...........................................39

4.2

Relative Armut ..............................................................................................................................41

4.3

Überschuldung .............................................................................................................................46

4.4

Einkommen pro Steuerpflichtigem ...............................................................................................48

5

Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen .........................................................................50

5.1

Empfänger/innen von Mindestsicherungsleistungen unter 15 Jahren .........................................51

5.2

Kindertagesbetreuung ..................................................................................................................52

5.3

Lebenssituation der Schulanfängerinnen und Schulanfänger .....................................................55

6

Besondere Lebenslagen ............................................................................................................62

6.1

Wohnungslosigkeit .......................................................................................................................62

6.2

Inanspruchnahme der Sozialpsychiatrischen Beratungsstellen ..................................................67

6.3

Pflegebedürftigkeit........................................................................................................................69

7

Sozialstrukturtypologie der Städte und Gemeinden ..............................................................77

8

Anhang ........................................................................................................................................84

8.1

Tabellen ........................................................................................................................................84

8.2

Literatur / Quellen .......................................................................................................................118

Seite 2

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Soziale Lagen in der Region Hannover

1

Zentrale Ergebnisse und Berichtsstruktur

1.1

Zentrale Ergebnisse

Bevölkerungs- und Haushaltsstruktur
•

Die 21 regionsangehörigen Städten und Gemeinden der Region Hannover haben Ende 2013 insgesamt 1.138.700 Einwohnerinnen und Einwohner. In der Landeshauptstadt Hannover leben
524.450 bzw. 46,1% aller Einwohnerinnen und Einwohner. Der mit 53,9% der Einwohnerinnen
und Einwohnen etwas größere Anteil verteilt sich auf die anderen 20 regionsangehörigen Städte
und Gemeinden, wobei die Stadt Garbsen mit 61.888 Einwohnerinnen und Einwohnern die nächst
größere und die Gemeinde Wennigsen mit 14.257 Einwohnerinnen und Einwohnern die aktuell
kleinste regionsangehörige Kommune ist. Insgesamt leben in der Region Hannover rund 14% aller
Einwohnerinnen und Einwohner Niedersachsens, also in etwa jede/r Siebte (vgl. Kap. 2.1).

•

Die Verteilung der Altersgruppen ist in den regionsangehörigen Städten und Gemeinden unterschiedlich. Während z. B. in Uetze mit einem Anteil von 18,3% die meisten unter 18-Jährigen leben, ist in Springe jede/r Vierte 65 Jahre oder älter (25,0%). Die Landeshauptstadt Hannover und
Sehnde fallen hingegen mit vergleichsweise hohen Anteilen bei den 18 bis 64-Jährigen auf (vgl.
Kap. 2.1).

•

Die Bevölkerungsentwicklung in der Region Hannover ist insgesamt betrachtet in den letzten 10
Jahren stabil, in den Jahren seit 2011 sogar leicht steigend. Von 2003 bis 2013 ist die Bevölkerungszahl um 19.283 Personen gewachsen. Das entspricht einem Plus von 1,7%. Der leichte Gesamtanstieg ist Ergebnis sich ergänzender Trends. Zum einen gab es einen deutlichen Bevölkerungsanstieg in der Stadt Hannover sowie in fast allen Städten im unmittelbaren Verflechtungsraum mit der Landeshauptstadt (+21.234 bzw. 1,9%). Dem gegenüber steht ein leichter Bevölkerungsrückgang in den 13 Städten und Gemeinden im weiteren Umland außerhalb der städtischen
Verflechtungszone (-1.951 bzw. -0,2%). Getragen wird der insgesamt leichte Bevölkerungsanstieg
von +1,7% von einer anhaltenden Zuwanderung aus Städten und Kreisen außerhalb der Region
Hannover sowie aus dem Ausland (+32.734), die den negativen Geburten- / Sterbesaldo (-17.406)
deutlich übersteigt (vgl. Kap. 2.1).

•

Im Zeitraum von 2003 bis 2013 hat Langenhagen dabei den größten proportionalen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen (+7,4%), während in Springe der größte Bevölkerungsrückgang zu
verzeichnen ist (-3,4%). Laut aktueller Bevölkerungsprognose setzen sich die oben skizzierten
Trends weitgehend fort. Die größten Bevölkerungszuwächse werden bis 2020 für Langenhagen,
Hannover und Laatzen erwartet, die stärksten Bevölkerungsrückgänge für Neustadt, Barsinghausen und Springe (vgl. Kap. 2.1).

•

Die in 2014 veröffentlichten Ergebnisse des Zensus 2011 liefern zum ersten Mal Daten zu Personen mit „Migrationshintergrund“ und eigener „Migrationsgeschichte“ auf Ebene der Städte und
Gemeinden. Dabei zeigt sich eine stark ungleiche Verteilung der Personen mit „Migrationshintergrund“, die im Regionsdurchschnitt einen Bevölkerungsanteil von 24,1% ausmachen, wobei der
geringste Anteil an der Gesamtbevölkerung auf Pattensen entfällt (10,6%) und der höchste Anteil
auf Laatzen (31,7%) (vgl. Kap. 2.2).

•

In Bezug auf die Altersgruppen haben die unter 18-Jährigen den höchsten Anteil von Personen
mit „Migrationshintergrund“, nämlich 34,3%. Auch hier zeigen sich im Vergleich der Kommunen
große Unterschiede. Während der Anteil in Burgwedel mit 15,3% am geringsten ist, haben 45,7%
aller Kinder und Jugendlichen in Hannover einen „Migrationshintergrund“ (vgl. Kap. 2.2).

•

Unter den Personen mit „Migrationshintergrund“ haben jedoch nur rund zwei Drittel eine eigene
„Migrationserfahrung“. Der Anteil beträgt regionsweit 15,4%. Dieser Befund relativiert den anfangs
doch recht hohen Anteil von regionsweit 24,1% der Bevölkerung mit „Migrationshintergrund“, denn
nur zwei von drei Personen haben dazu auch eine eigene „Migrationserfahrung“. Und nur jede/r
Zweite mit eigener „Migrationserfahrung“ hat eine „Migrationserfahrung“, die nicht schon Jahrzehnte zurückliegt. Regionsweit sind nur 3,3% der Bevölkerung seit dem Jahr 2000 bis 2011 nach
Deutschland zugewandert. Zählt man das Jahrzehnt ab 1990 dazu, hatten 2011 8,5% der Bevölkerung in der Region Hannover eine eigene „Migrationserfahrung“, die weniger als 20 Jahre zurückliegt (vgl. Kap. 2.2).

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Soziale Lagen in der Region Hannover

•

Ende 2013 gab es in der Region Hannover rund 579.000 Haushalte, davon rund 262.000 Einpersonenhaushalte, deren Anteil an allen Haushalten gegenüber 2009 von 43,6 auf nunmehr 45,3%
gestiegen ist. Besonders viele Einpersonenhaushalte gibt es auch im bundesweiten Vergleich in
der Stadt Hannover (54,1%). Dieser „urbane“ Haushaltstyp kommt jedoch teilweise auch in anderen regionsangehörigen Städten im urbanen Verflechtungsraum und in Städten mit größeren
Kernstädten zunehmend häufiger vor, so z. B. in Langenhagen, Laatzen und Seelze, mit Anteilen
von rund 40% an allen Haushalten (vgl. Kap. 2.4).

•

Unter den rund 113.000 Haushalten mit Kindern unter 18 Jahren sind 2013 26.529 Haushalte
Alleinerziehender. Das ist ein deutlicher Anstieg von 4% gegenüber 2009 und sogar fast 17%
gegenüber 2001. Im Jahr 2013 sind damit regionsweit 23,5% aller Familienhaushalte mit Kindern
unter 18 Jahren Haushalte Alleinerziehender, zumeist alleinerziehender Frauen (89%). In den
Haushalten Alleinerziehender leben rund 37.000 Kinder, also rund 20% aller Kinder und
Jugendlichen unter 18 Jahren (vgl. Kap. 2.4).

•

In rund 82.000 Haushalten leben Einwohnerinnen und Einwohnern ab 75 Jahren (2009 noch rund
67.000). Die Haushalte mit Personen ab 75 Jahren stellen damit einen Gesamtanteil von 14,2%
an allen Haushalten (2009 noch 11,6%). Die Städte Springe und Gehrden fallen hierbei mit Anteilen von über 18% auf, also fast jeder 5. Haushalt, während in der Stadt Hannover nur in etwa jedem 8. Haushalt Personen ab 75 Jahren leben. Rund 41.000 bzw. 50,6% dieser Haushalte sind
Einpersonenhaushalte. Damit fehlt in etwa der Hälfte der Haushalte mit Personen ab 75 Jahren
eine Partnerin bzw. ein Partner, der oder die bei den Dingen des täglichen Lebens, insbesondere
bei Unterstützungsbedarf und Pflegebedürftigkeit zur Seite stehen kann (vgl. Kap. 2.4 und 6.3).

Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
•

Mitte 2014 gab es in der Region Hannover rund 410.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
am Wohnort aber 470.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Demzufolge
gibt es in der Region Hannover mehr Arbeitsplätze als Beschäftigte mit Wohnort in der Region
Hannover. Bezogen auf die Region Hannover insgesamt fallen Wohn- und Arbeitsort für rund 87%
der Beschäftigten zusammen, bezogen auf die einzelnen Städte und Gemeinden sind die Pendlerverflechtungen jedoch sehr unterschiedlich. Der Anteil derjenigen, die an ihrem Wohnort auch
arbeiten ist in Hannover mit 71,3% aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am höchsten,
in Ronnenberg mit 12,0% am geringsten. Den höchsten Anteil an Arbeitsplätzen vor Ort gemessen an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Wohnort hat Langenhagen vor Hannover (160,2% bzw. 158,6%). Allerdings liegt der Anteil derjenigen, die in Langenhagen wohnen und
arbeiten nur bei 29,4%. Dementsprechend hoch ist der Anteil der Ein- und Auspendler in Langenhagen (vgl. Kap. 3.1).

•

Um das Arbeitsplatzangebot in der Region Hannover – ohne Beamte und Selbständige – komplett
zu abzubilden müssen neben den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten noch die geringfügig
entlohnten Beschäftigten (Minijober) hinzugezählt werden. Diese Beschäftigungsform gibt es sowohl als Nebenerwerb als auch als Haupterwerb. Addiert man die rund 72.000 geringfügig entlohnten Beschäftigten im Haupterwerb am Arbeitsort und die rund 470.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort, ergeben sich daraus Mitte 2014 rund 543.000 Hauptbeschäftigungsverhältnisse in der Region Hannover. Daneben gibt es noch weitere rund 34.00 geringfügig
entlohnte Nebenbeschäftigungsverhältnisse am Arbeitsort (Minijobs) (vgl. Kap. 3.1).

•

Die Zahl aller Beschäftigungsverhältnisse ist seit 2004 um rund 68.000 Personen oder 13,3%
deutlich gestiegen. Dabei hat sich die Entwicklung der einzelnen Beschäftigungsformen jedoch
sehr unterschiedlich entwickelt. Während die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit nur leicht gestiegen ist (+1,9%), gehören die sozialversicherungspflichtige Beschäftigten in Teilzeit (+55,1%) und die geringfügig entlohnte Beschäftigung im Nebenjob (+72,6%) zu
den boomenden Beschäftigungsformen. Schließlich haben die geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnisse im Haupterwerb (Minijobs) zwar „nur“ um 2,3% zugenommen, aber gemessen
an allen Hauptbeschäftigungsverhältnissen – und ein solches liegt ja hier trotz geringfügiger Entlohnung und Minijob vor – liegt ihr Anteil 2014 bei 13.3%. Jedes siebte bis achte Hauptbeschäftigungsverhältnis ist demnach nur ein Minijob und nur geringfügig entlohnt (vgl. Kap. 3.1).

•

Auch wenn es insgesamt zu einem spürbaren Anstieg der Gesamtbeschäftigung und auch der
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gekommen ist, ist der Arbeitsmarkt in der Region
Hannover vor allem durch eine zunehmende Flexibilisierung geprägt. Neben das sogenannte
„Normalarbeitsverhältnis“ – damit ist üblicherweise die sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung gemeint – ist eine zweite „Normalität“ getreten, nämlich die sozialversicherungspflichSeite 4

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tige Teilzeitbeschäftigung und die geringfügig entlohnte Beschäftigung im Haupterwerb (Minijob).
Beide Beschäftigungsformen zusammen machen bereits gut ein Drittel, nämlich 36,6% aller
Hauptbeschäftigungsverhältnisse aus (2004 noch 31,0%) (vgl. Kap. 3-1).
•

Männer und Frauen sind in der Region Hannover unabhängig von den Beschäftigungsformen
annähernd gleich oft in Erwerbsbeschäftigung. Deutliche Differenzen in der Struktur der Erwerbsbeteiligung zeigen sich erst in Bezug auf die einzelnen Erwerbsbeschäftigungsformen. Frauen
sind demnach deutlich seltener vollzeitbeschäftigt bzw. in „Normalarbeitsverhältnissen“ aber deutlich häufiger in Teilzeit oder als geringfügig entlohnte Beschäftigte tätig als Männer. Mitte 2014
sind nur 28,0% der „atypisch“ Beschäftigen Männer, dementsprechend liegt der Frauenanteil bei
72,0% (vgl. Kap. 3.1).

•

Bezogen auf die rund 271.000 sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten am Arbeitsort,
über die in der Statistik Angaben zum Entgelt vorliegen, müssen Ende 2013 rund 49.000 und damit 18,0% als Geringverdiener gelten (weniger als 1.971 € brutto). Addiert man nun alle Gruppen,
die nicht dem Bild des „Normalarbeitsverhältnisses“ entsprechen – keine volle Stelle und/oder
nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt und/oder Niedriglohn – als Gruppe von Beschäftigten
mit geringen oder zumindest geringeren Erwerbseinkünften, stehen sich in der Region Hannover
zwei nahezu gleichgroße Gruppen von Beschäftigten gegenüber: Auf der einen Seite rund
226.000 Personen in aller Wahrscheinlichkeit nach existenzsichernden und sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen, die nicht Geringverdiener sind. Auf der anderen
Seite rund 225.000 Personen in Beschäftigungsverhältnissen, die ohne weitere finanzielle Unterstützung durch den Partner, die Familie oder staatliche Leistungen vermutlich mehrheitlich nicht
oder nur knapp existenzsichernd sind, also Vollzeitbeschäftigte mit Niedriglohn, sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigte und geringfügig entlohnte Beschäftige im Haupterwerb (vgl.
Kap. 3.1).

•

Der bereits im letzten Sozialbericht festgestellte langjährige Trend eines Rückzuges der „Normalarbeitsverhältnisse“ hat sich also weiter fortgesetzt und wird sich vermutlich weiter fortsetzen. Daran ändert auch die absolute Zunahme der Beschäftigungsverhältnisse nichts – im Gegenteil – die
atypischen Beschäftigungsformen wachsen schneller. Die unterschiedlichen Formen der „atypischen“ Beschäftigung, die nicht pauschal und nicht in jeder Lebenssituation als problematisch bewertet werden dürfen, sind längst genauso „normal“ wie die unbefristete und relativ gut bezahlte
Vollzeitbeschäftigung. Sofern Teilzeitbeschäftigung oder geringfügig entlohnte Beschäftigung im
Minijob nur vorübergehende Beschäftigungsformen bleiben, muss dies nicht problematisch sein.
Probleme entstehen jedoch immer dann, wenn diese Beschäftigungsformen über einen langen
Zeitraum ausgeübt werden und entsprechend geringere Einzahlungen in die Sozialversicherung
geleistet werden. Folge ist eine Steigerung des Armutsrisikos während der Erwerbsphase und im
Alter (vgl. Kap. 3.1 und 4.2).

•

Im Juni 2014 waren rund 49.000 Personen als arbeitslos registriert. Gegenüber 2007 ist die Anzahl der Arbeitslosen damit deutlich um rund 4.600 Personen gesunken. Diese positive Entwicklung beschränkt sich jedoch überwiegend auf den Bereich des SGB III. Der Mehrzahl der Arbeitslosen entfällt auf den Bereich des SGB II. Hier gelten jedoch weniger als die Hälfte der rund
82.000 „erwerbsfähigen Leistungsberechtigten“ als „arbeitslos“ (rund 37.000). Die restlichen Personen gelten u. a. als „arbeitssuchend“ oder „unterbeschäftigt“ und/oder befinden sich z. B. in Integrationsmaßnahmen. Über die verschiedenen Abgrenzungsstufen der „Arbeitslosigkeit im weiteren Sinne“ und der „Unterbeschäftigung“ waren Mitte 2014 rund 85.000 Personen als „arbeitsuchend“ registriert. Die Zahl der Arbeitsuchenden übersteigt die der offiziell als „arbeitslos“ geltenden Personen deutlich. Die Unterbeschäftigungsquote betrug im Juni 2014 in der Region Hannover 10,4% und lag damit 2,3 Prozentpunkte über der offiziellen Arbeitslosenquote von 8,1%, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen. Besonders von Arbeitslosigkeit betroffen ist die Gruppe
der Ausländer, deren Arbeitslosenquote Mitte 2014 bei 20,3% lag (vgl. Kap. 3.2).

•

Der Gruppe der Alleinerziehenden im SGB II-Bezug wird seit einigen Jahren besondere Aufmerksamkeit zuteil. Zum einen, weil sich Ende 2013 41,9% aller Haushalte Alleinerziehender (11.127
von 26.529) im SGB II Bezug befanden, zum anderen weil die Armutsgefährdungsquote Alleinerziehender insgesamt mit rund 44% auch landesweit alarmierend hoch und ansteigend ist. Viele Alleinerziehende befinden sich dabei in einem ganz praktischen Dilemma: Einerseits sind sie als Alleinverdiener/innen auf die eigene Berufstätigkeit ganz besonders angewiesen, anderseits müssen sie sich ebenfalls alleine um die Betreuung ihrer Kinder kümmern. Im Ergebnis zeichnet sich
die Gruppe der Alleinziehenden nicht nur im SGB II-Bezug durch eine relativ hohe Erwerbsbeteiligung bei eher niedrigen Einkünften aus, die verhältnismäßig häufig durch Grundsicherungsleistungen aufgestockt werden müssen. Die Bedarfsgemeinschaften Alleinerziehender stellen Ende
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2013 53,4% aller Bedarfsgemeinschaften mit Kindern aber nur 23,5% aller Haushalte mit Kindern
unter 18 Jahren. Sie sind damit weit überproportional von Transferleistungen abhängig. In den
Bedarfsgemeinschaften Alleinerziehender leben rund 17.600 Kinder, das entspricht 47,6% aller
Kinder im SGB II (vgl. Kap. 3.2).
•

Im Jahr 2013 waren rund 25.000 erwerbsfähige Leistungsbezieher erwerbstätig, dass heißt, sie
gingen neben dem Leistungsbezug einer bezahlten Erwerbstätigkeit nach. Unter diesen sogenannten „Ergänzern“ werden Personen verstanden, die gleichzeitig Erwerbseinkommen erzielen
und Leistungen nach dem SGB II erhalten. Die Anzahl der „Ergänzer“ ist in den letzten Jahren
markant angestiegen, nämlich von 19.528 in 2007 auf 25.338 in 2013 (+29,7). Ihr Anteil an allen
erwerbsfähigen Leistungsbeziehern ist zugleich von 22,7% auf 30,5% gestiegen, womit knapp ein
Drittel der erwerbsfähigen Leistungsbezieher im SGB II nicht vollständig arbeitslos sind, sondern
beschäftigt, allerdings ohne existenzsicherndes Einkommen. Die Entwicklung spiegelt den „Erfolg“
der „atypischen“ Beschäftigungsformen, wobei bestimmte Branchen, insbesondere aus dem
Dienstleistungsbereich, verstärkt auf diese Form der „Lohnsubventionierung“ zu bauen scheinen
(vgl. Kap. 3.2).

Prekäre finanzielle Lebenssituationen
•

Insgesamt reichen nach wie vor bei jeder bzw. jedem Achten bis Neunten die eigenen Einkünfte
nicht aus, um den Lebensunterhalt ohne zusätzliche staatliche Mindestsicherungsleistungen zu
bestreiten. Insgesamt gab es Ende 2013 rund 135.000 Bezieherinnen und Bezieher von Mindestsicherungsleistungen, was einem Bevölkerungsanteil von 11,9% entspricht. Die Gesamtzahl der
Empfängerinnen und Empfänger von Mindestsicherungsleistungen hat sich gegenüber 2009 von
133.913 auf 135.201 leicht erhöht, der Anteil ist hingegen wegen des allgemeinen Bevölkerungsanstieges von 12,0% auf 11,9% gesunken. Die geringsten Anteile von Empfängerinnen und Empfängern von Mindestsicherungsleistungen finden sich wie schon 2009 im Norden (Isernhagen,
Wedemark, Burgwedel) sowie im Südwesten der Region Hannover (Pattensen, Gehrden, Hemmingen, Wennigsen). In der Landeshauptstadt Hannover und in den angrenzenden mit der Landeshauptstadt eng verflochtenen Siedlungsräumen, den Städten Laatzen, Garbsen, Seelze, Ronnenberg und Langenhagen, finden sich demgegenüber die höchsten Anteile (vgl. Kap. 4.1).

•

Eine zweite Möglichkeit soziale Ungleichheit in Bezug auf die ökonomische Lage zu messen besteht in der Auswertung von Einkommensdaten aus dem Mikrozensus. Hier wird ermittelt, welches
Gesamteinkommen nach Gehaltszahlungen, sonstigen Einkünften und eventuell auch dem Bezug
von Sozialleistungen insgesamt erzielt wird. Liegt dieses Gesamteinkommen unterhalb der 60%Schwelle des durchschnittlichen Einkommens spricht man von „Armutsgefährdung“. In der Stadt
Hannover fallen 2013 17,1% und in der Region Hannover ohne die LHH rund 14,9% der Personen
unter diese Schwelle. Zwar sind im Umland der Landeshauptstadt Hannover deutlich weniger
Personen von staatlichen Mindestsicherungsleistungen abhängig als in der Stadt, die Anzahl der
Personen, deren Einkommen nur geringfügig höher ist, aber noch unter der Armutsgefährdungsschwelle von 60% liegt, ist dagegen fast ebenso hoch (vgl. Kap. 4.2).

•

Die Auswertung der Mikrozensusdaten ermöglicht auch Aussagen über Armutsgefährdungsquoten für bestimmte Bevölkerungsgruppen, allerdings nur auf Landesebene. Diejenigen Bevölkerungsgruppen, die in Niedersachsen das größte Risiko tragen, in ihrem Einkommen unter die Armutsgefährdungsschwelle zu geraten, sind Erwerbslose (56,8%), Personen mit niedrigem Qualifikationsniveau (42,4%), Alleinerziehende (42,3%), Bürgerinnen und Bürger ohne deutsche Staatsangehörigkeit (36,0%), Personen mit Migrationshintergrund (28,5%) und Familien mit drei oder
mehr Kindern (27,0%). Das durchschnittliche Armutsgefährdungsrisiko liegt bei 15,8%. Auf der
anderen Seite tragen Hochqualifizierte, Erwerbstätige, Paare ohne Kinder oder mit nur einem Kind
ein deutlich unterdurchschnittliches Armutsgefährdungsrisiko (vgl. Kap. 4.2).

•

Schreibt man die Entwicklung der Armutsgefährdungsquoten der letzten Jahre linear fort, würde
die gesamtdurchschnittliche Armutsgefährdungsquote für Niedersachsen bis 2018 mit 16,0% nur
geringfügig ansteigen. Die Armutsgefährdung bei den schon heute weit überdurchschnittlich betroffen Gruppen der Erwerbslosen, der Alleinerziehenden, den gering Qualifizierten aber auch bei
den Rentnerinnen und Rentnern würde in diesem Szenario jedoch weiter teils erheblich steigen.
Damit ist auch das Thema „Altersarmut“ als ein kommendes Thema markiert. Schon in wenigen
Jahren könnte die Armutsgefährdung der Rentnerinnen und Rentner erkennbar über der der Gesamtbevölkerung liegen. Ursächlich hierfür ist vor allem die Entwicklung der Erwerbs- und Einkommenssituation der Bevölkerung in der Erwerbsphase. Erwerbslose, gering Qualifizierte, Alleinerziehende und atypisch Beschäftigte haben ein signifikant höheres Armutsrisiko. Wenn die
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Armutsgefährdung dieser Gruppen steigt, steigt damit auch das Risiko der Altersarmut (vgl. Kap
4.2).
•

Für die Region Hannover liegen seit 2004 Daten über den Anteil der überschuldeten Personen
vor. Laut SchuldnerAltlas von Creditreform hat sich der Anteil der Überschuldeten seit dem von
10,6% auf 11,9% in 2014 erhöht. Berechnet man aus der Quote die Anzahl der Betroffenen, so
ergeben sich für die Region Hannover daraus rund 114.000 überschuldete Personen ab 18 Jahren. Damit liegt der Anteil der Überschuldeten in der Region Hannover deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 9,9% und auch über dem Landesdurchschnitt von 10,5%. Auch die Entwicklung
ist in der Region Hannover negativer verlaufen als im Bundes- und Landesvergleich. Die Anteile
der überschuldeten Personen reichen dabei von 7,3% in Pattensen bis zu 13,3% in Hannover.
Insgesamt fällt eine hohe Übereinstimmung mit der allgemeinen sozialen Lage, insbesondere dem
Anteil der Empfängerinnen und Empfänger von Mindestsicherungsleistungen auf. Aktuell belegt
die Region Hannover mit Rang 342 unter 402 aufgeführten Kreisen und kreisfreien Städten einen
der hinteren Ränge im SchuldnerAltlas von Creditreform (vgl. Kap. 4.3).

•

Eine neu in diesen Bericht aufgenommene Datenquelle zur Einkommenssituation der Bevölkerung
ist der Gesamtbetrag der Einkünfte pro Steuerpflichtigem auf Grundlage der Einkommensdaten
der Finanzämter. Mit 46.067 Euro lag der durchschnittliche Gesamtbetrag der Einkünfte pro Steuerpflichtigem im Jahr 2010 in Isernhagen deutlich über dem Regionsdurchschnitt von 32.292 Euro,
in Seelze mit 29.516 hingegen deutlich darunter. Hohe durchschnittliche Einkünfte pro Steuerpflichtigem haben dabei durchgängig Städte und Gemeinden mit einer geringen Anzahl von Empfängerinnen und Empfängern von Mindestsicherungsleistungen, niedrige durchschnittliche Einkünfte finden sich umgekehrt in Städten und Gemeinden mit eher hohen Anteilen von Empfängerinnen und Empfängern von Mindestsicherungsleistungen. Deutlich ungleich verteilt sind auch die
hohen Einkommen von über 125.000 Euro pro Jahr. Auf Isernhagen und Burgwedel entfallen zwar
nur 2,1% bzw. 1,8% aller Steuerpflichtigen (zusammen 3,9%), aber 5,1% bzw. 3,7% an allen
Steuerpflichtigen mit Einkünften über 125.000 Euro (zusammen 8,8%). Der Anteil der Einkommensreichen ist in diesen beiden Kommunen also mehr als doppelt so hoch wie bei statistischer
Gleichverteilung zu erwarten wäre. Ähnliches gilt für Gehrden, Hemmingen und Wedemark, während insbesondere in Seelze, Uetze, Langenhagen und Laatzen der Anteil der Einkommensreichen deutlich geringer ist als gemessen an Anteil aller Steuerpflichtigen zu erwarten wäre (vgl.
Kap. 4.4).

Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen
•

Die Abhängigkeitsquote von Mindestsicherungsleistungen zur Sicherung des Existenzminimums,
liegt in der Region Hannover für die unter 15-Jährigen Ende 2013 bei 21,8% (2009 noch 20,7%).
In Bezug auf alle Empfänger/innen von Mindestsicherungsleisten konnte eine regionsweite Betroffenheit von 11,9% festgestellt werden. Die sozialen Disparitäten sind also in der Lebenswelt von
Kindern, Jugendlichen und Familien größer als in der Lebenswelt von Singles und Paaren ohne
Kinder oder mit bereits erwachsenen Kindern. Die Daten zeigen auch hier ein lokal stark differenziertes Bild. Die Spanne der betroffenen Kinder und Jugendlichen reicht von 7,8% in Isernhagen
bis 28,3% in der Landeshauptstadt Hannover. Während also in Isernhagen nur etwa jedes 13.
Kind bzw. jede/r 13. Jugendliche betroffen ist, sind es in Hannover jedes/jede/r 3. bis 4. Kind oder
Jugendliche (vgl. Kap. 5.1).

•

In den letzten Jahren ist die frühkindliche Bildung und Betreuung zunehmend in den Fokus des
öffentlichen und fachlichen Interesses gerückt. Parallel dazu trat in den letzten Jahren durch den
im August 2013 bundesweit in Kraft getretenen Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung für einbis unter dreijährige Kinder vor allem die quantitative Versorgung dieser Altersgruppe in den Vordergrund. In den vergangenen Jahren haben die Städte und Gemeinden in der Region Hannover
die Kindertagesbetreuung deshalb kontinuierlich ausgebaut, wodurch der Rechtsanspruch eingelöst werden konnte. Betrachtet man den Zeitraum der letzten Jahre von 2008 bis 2013 am Beispiel
der 15 Städte und Gemeinden, für die die Region Hannover 2013 zuständiger Jugendhilfeträger
war, zeigt sich in Bezug auf die 0 bis 2-Jährigen eine Steigerung der Versorgungsquote von
11,9% auf 32,2% und in Bezug auf die 1 bis 2-Jährigen sogar 46,8%. In absoluten Zahlen wurden
im Zeitraum 2008 bis 2013 1.996 neue Krippenplätze geschaffen. Damit wird die institutionelle
Kindertagesbetreuung unter 3-Jähriger zunehmend zu einem Regelangebot (vgl. Kap. 5.2).

•

Bei den Schuleingangsuntersuchungen des Einschulungsjahrgangs 2014/2015 wurden insgesamt
10.671 Jungen und Mädchen vor ihrer Einschulung untersucht. Während der Anteil der Kinder mit
Normalgewicht und ohne besondere Auffälligkeiten bei der zentralen Wahrnehmung und VerarbeiSeite 7

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

tung auf 80,4% bzw. auf 67,9% erfreulicherweise zugenommen hat, haben sich die Sprachbefunde in den letzten Jahren kontinuierlich verschlechtert. Während 2010/2011 noch 58,7% aller untersuchten Kinder ohne besondere Sprachauffälligkeiten waren, sind es 2014/2015 nur noch
50,6% und damit nur noch gut die Hälfte aller Kinder. Hier erfüllen die vielfältigen Sprachförderprogramme in Krippen und Kindertagesstätten und im Vorfeld der Einschulung, wie sie durch die
Träger der Einrichtungen, die Städte und Gemeinden, die Region Hannover und das Land gefördert und angeboten werden eine zunehmend wichtige Rolle. Regionsweit haben 10,7% der untersuchten Kinder sowohl in der Sprachentwicklung, als auch in der zentralen Wahrnehmung und
Verarbeitung besondere Auffälligkeiten und müssen damit als Gruppe gelten, die einer besonderen Förderung bedarf. Auch hier variieren die Anteile von 4,1% in Pattensen bis 13,4% in Ronnenberg (vgl. Kap. 5.3).
Besondere Lebenslagen
•

Der Sozialbericht 2015 wirft erstmals auch einen Blick auf den Personenkreis der Menschen, die
von Wohnungslosigkeit akut betroffen sind, von Wohnungslosigkeit bedroht sind, in möglicherweise unzumutbaren Wohnverhältnissen leben oder aber ehemals von Wohnungslosigkeit betroffen waren. Eine abschließende quantitative Einschätzung dieser Personengruppe ist anhand der
vorliegenden Zahlen nicht möglich. Eine Einschätzung der Situation liefern die Daten aus den insgesamt 8 in 2013 von der Region Hannover als öffentlicher Träger der Sozialhilfe geförderten Tagesaufenthalte, die insbesondere wohnungslosen Personen ein niederschwelliges Grundversorgungsangebot anbieten. Die Tagesaufenthalte verzeichnen seit Jahren steigende Besucherzahlen. Die Anzahl der Kontakte ist seit 2009 um rund 34% auf rund 129.000 angestiegen, die Anzahl
der Personen, die einen der Tagesaufenthalte mindestens einmal aufgesucht sogar um rund 53%
auf rund 4.300 Personen. Dabei nutzen auch zunehmend Personen die Tagesaufenthalte, die
weder wohnungs- noch obdachlos sind oder waren und aktuell auch nicht von Wohnungslosigkeit
bedroht sind, jedoch soziale Kontakte, Beratung, niederschwellige Hilfe, medizinische Versorgung,
Kleidung, Essen oder einen warmen Ort suchen. Damit erfüllen die Tagesaufenthalte zunehmend
die Funktion niederschwelliger Anlaufstellen (vgl. Kap. 6.1).

•

Der Sozialpsychiatrische Dienst der Region Hannover leistet Beratung und Betreuung, ggf. auch
die Begutachtung und Behandlung von psychisch erkrankten Personen, die aufgrund der Art und
Schwere ihrer psychosozialen Probleme noch nicht oder nicht mehr von den vorrangig für sie zuständigen Hilfsangeboten – wie dem vertragsärztlichen System – erreicht werden. Die Inanspruchnahme der Beratungsstellen ist in den Jahren 2006 bis 2013 um rund 72% auf rund 8.600
dokumentierte Patientinnen und Patienten gestiegen. Dabei waren die Fallzahlensteigerungen in
den Beratungsstellen, die für das Gebiet der Stadt Hannover zuständig sind, deutlich höher
(+100,9%) als in den für das Umland zuständigen Beratungsstellen (+50,0%). Ursächlich sind die
engen Zusammenhänge zwischen den sozialstrukturellen Rahmenbedingungen wie urbane Verdichtung, Anteil der Singlehaushalte, vor allem jedoch Anteil der Arbeitslosen und psychischer Erkrankung (vgl. Kap. 6.2).

•

Erstmals werden in diesem Bericht auch Daten über Pflegebedürftige aus der Statistik der Sozialen Pflegeversicherung vorgestellt. Insgesamt waren in der Region Hannover im Dezember 2013
39.143 Personen pflegebedürftig. Im Jahr 2001 zählte die Statistik noch 27.617 pflegebedürftige
Personen. Die Steigerung liegt damit bei 41,7% innerhalb von 12 Jahren. Knapp zwei Drittel der
Pflegebedürftigen (25.472) wurden 2013 entweder ausschließlich von ihren Angehörigen (Pflegegeldempfänger) oder aber von ambulanten Pflegediensten ambulant versorgt. Ein gutes Drittel
(34,9% bzw. 13.671 Personen) wurden in Pflegeheimen stationär versorgt. Das Gesamtverhältnis
von ambulanter zu stationärer Versorgung hat sich im Laufe der Jahre in der Region Hannover
kaum verändert. Allerdings ist der Anteil der Pflegegeldempfänger im Laufe der letzten Jahre
leicht zurückgegangen, wohingegen der Anteil der von ambulanten Pflegediensten versorgten
Pflegebedürftigen in etwa gleichem Maße angestiegen ist. Ursächlich könnten abnehmende familiäre Ressourcen und/oder ein zunehmend bekanntes und selbstverständlicher in Anspruch genommenes Angebot ambulanter Pflegedienste sein. Im Zeitraum 2001 bis 2013 haben sich die
Anteile für die einzelnen Pflegestufen merklich verschoben. Der Anteil der Pflegestufe I ist von
45,6% auf 57,0% angestiegen. Im gleichen Zeitraum sind die Anteile der Pflegestufen II und III
von 37,4 bzw. 16,9% auf 31,2 bzw. 11,8% gesunken (vgl. Kap 6.3).

•

Im Bereich der stationären Pflege hat in den letzten Jahren ein Ausbau der Plätze stattgefunden,
der zu einer zunehmenden Unterbelegung der vorhandenen Plätze geführt hat. Waren 2003 noch
91,3% der vollstationären Pflegeplätze belegt, ist die Belegungsquote bis 2013 kontinuierlich auf
nur noch 85,3% abgesunken. Im gleichen Zeitraum kamen 63 Pflegeheime und 3.980 vollstationäSeite 8

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

re Pflegeheimplätze hinzu. Auffällig ist, dass der Anteil der Pflegebedürftigen mit Pflegestufe 1
selbst in den stationären Pflegeheimen mit rund 40% hoch und seit Jahren ansteigend ist. In diesem Zusammenhang muss die Frage des zukünftigen Bedarfs und der angemessen Versorgung
gestellt werden (vgl. Kap. 6.3).
•

Insgesamt stellt sich angesichts des demografischen Wandels die Frage, wie sich die Anzahl der
Pflegebedürftigen entwickeln wird. Ein Szenario zur Entwicklung der Gesamtzahl der Pflegebedürftigen auf Grundlage der Ist-Entwicklung von 2001 bis 2013 und Bevölkerungsprognose bis
2030 kommt in zwei unterschiedlichen Varianten zu einem prozentualen Anstieg der Anzahl der
Pflegebedürftigen bis 2030 von derzeit rund 39.000 auf einen Korridor zwischen 46.000 (+17,4%)
bis 55.500 (+42,0%). Beide Berechnungsvarianten markieren einen Prognoseraum. Was später
tatsächlich eintreten wird, hängt auch von den pflegerischen Angeboten, den unterstützenden institutionellen und familiären Ressourcen, der sozialen Infrastruktur, dem Wohnumfeld und den lokalen Nahversorgungsmöglichkeiten ab. Im Sinne der Umsetzung des Zieles eines möglichst langen selbstbestimmten Lebens im Alter in den eigenen vier Wänden geht es hierbei auch um die
aktive Steuerung der Angebotsstruktur (vgl. Kap 6.3)

Sozialstrukturtypologie der Städte und Gemeinden
•

Die vorangegangenen Befunde haben gezeigt, dass die sozialen Lagen und Realitäten in der
Region Hannover unterschiedlich sind. Die Region Hannover bildet in Bezug zu den meisten verfügbaren Sozialdaten eine Spannweite ab, die der auf Landesebene festzustellenden vergleichbar
ist. Aus diesem Grund ist es unbefriedigend von „der Region Hannover“ insgesamt zu sprechen
und auch die mitunter noch anzutreffende Untergliederung in „Landeshauptstadt Hannover“ und
„Umland“ beschreibt in vielen Belangen nicht die Realität. Deshalb wird in diesem Bericht eine
Sozialstrukturtypologie der Städte und Gemeinden in der Region Hannover vorgestellt, die auf
Grundlage von 15 zentralen Sozialindikatoren die in den regionsangehörigen Städten und Gemeinden unterschiedlichen Mischungen bzw. Muster der vorherrschenden sozialen Lebenslagen
beschreibt. Eine überdurchschnittlich häufig privilegierte soziale Lage weisen Burgwedel, Gehrden, Hemmingen, Isernhagen, Pattensen, Wedemark und Wennigsen auf. Eine vielfach gesicherte soziale Lage weisen Barsinghausen, Burgdorf, Lehrte, Neustadt, Sehnde, Springe, Uetze und
Wunstorf auf. Eine überdurchschnittlich häufig benachteiligte soziale Lage lässt sich hingegen für
Garbsen, Hannover, Laatzen, Langenhagen, Ronnenberg und Seelze feststellen (vgl. Kap 7.1).

Seite 9

Sozialbericht 2015

1.2

Soziale Lagen in der Region Hannover

Zum Aufbau der Sozialberichterstattung

Der Sozialbericht der Region Hannover richtet sich an ein allgemein interessiertes Publikum, an interne und externe Fachkräfte sowie an Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung. Ziel der Sozialberichterstattung ist, soziale Lagen sichtbar zu machen, Analysen und Interpretationen anzubieten, Entwicklungen und Handlungsbedarfe aufzuzeigen, um damit Entscheidungsgrundlagen und Arbeitsmaterialien für die Ausrichtung und Konzeption von Angeboten und Hilfen zu liefern.
Als Instrument der Steuerungsunterstützung arbeitet die Sozialberichterstattung wo immer es geht mit
vorhandenen Daten. Dabei ist die Sozialberichterstattung jedoch auf einer eher übergreifenden Ebene
allgemeiner Sozialstrukturdaten angesiedelt, in der es nicht darum geht, einzelne Fachthemen und
Fachdaten erschöpfend und in der Tiefe zu dokumentieren und zu bearbeiten. Vielmehr baut der Sozialbericht auf zahleichen Datenbeständen und Fachberichten auf, die hier als weiterführende Quellen
benannt sind, um den Leserinnen und Lesern eine Vertiefung der Themen zu ermöglichen. Hierzu
dient auch der umfangreiche Tabellenanhang mit aufbereiteten Daten zu allen in diesem Bericht behandelten Themen.
Immer dort, wo es sinnvoll und möglich ist, werden in diesem Bericht die Daten für alle 21 regionsangehörigen Städte und Gemeinden vorgestellt, weil die Lebenslagen von Kommune zu Kommune mitunter sehr unterschiedlich sind. Daten unterhalb der Ebene der Städte und Gemeinden gibt es mit
Ausnahme der Daten aus dem Melderegister bisher in aller Regel nicht. Eine Ausnahme bildet die
Stadt Hannover, für die die Koordinationsstelle Sozialplanung der Stadt Hannover kleinräumigere
Daten auf Ebene der Stadtteile, teilweise auch auf Ebene von Mikrobezirken aufbereitet und in einem
1
gesonderten Sozialbericht veröffentlicht hat.
Der Sozialbericht 2015 knüpft in seinen Inhalten an den im Jahr 2011 erschienen Vorgängerbericht
2
an. Zusätzlich zu den bereits im letzten Sozialbericht behandelten Themen werden in diesem Bericht
folgende Themen erstmals oder in wesentlich erweiterter Form behandelt:
•
•
•
•
•
•
•
•

Personen mit Migrationshintergrund und Migrationserfahrung auf Grundlage von Daten aus dem
Zensus 2011, erstmals veröffentlicht 2014,
ein Entwicklungsszenario zur Armutsgefährdung ausgewählter Personengruppen,
überschuldete Personen,
Einkommensdaten aus der Statistik der Finanzämter,
Kinder in Kindertagesbetreuung,
von Wohnungslosigkeit bedrohte oder betroffene Personen,
pflegebedürftige Personen und Entwicklungsszenario der Pflegebedürftigkeit bis 2030,
sowie eine Sozialstrukturtypologie der Städte und Gemeinden in der Region Hannover.

Der letzte Punkt setzt dabei die Weiterentwicklung zentraler Sozialindikatoren fort und verbindet diese
über eine Clusteranalyse zu einer systematischen Sozialstrukturtypologie der allgemeinen Lebenslagen in der Region Hannover.
An der Bereitstellung und der Interpretation der Fachdaten waren zahleiche Kolleginnen und Kollegen
aus unterschiedlichen Teams, teilweise auch außerhalb der Regionsverwaltung beteiligt. Ihnen allen,
die aktiv an den Kapiteln dieses Berichtes mitgewirkt haben, gebührt für die Kooperation ein besonderer Dank.

1

Zuletzt in: Landeshauptstadt Hannover (2013), Die Vielfalt Hannovers, Sozialbericht 2013, Soziale Lagen und
Soziale Räume.
2

Region Hannover (2011), Sozialbericht der Region Hannover, Berichtsjahr 2009.

Seite 10

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

2

Bevölkerungs- und Haushaltsstruktur

2.1

Bevölkerungsstruktur und -Entwicklung

In den 21 regionsangehörigen Städten und Gemeinden der Region Hannover waren zum Stichtag
3
31.12.2013 laut amtlichem Melderegister insgesamt 1.138.700 Frauen und Männer mit Hauptwohnsitz gemeldet (siehe Tabelle 2.1.1 im Anhang). In der Landeshauptstadt Hannover leben 524.450 Bürgerinnen und Bürgern und damit 46,1% aller Einwohnerinnen und Einwohner der Region Hannover.
Rund 54% der Einwohnerinnen und Einwohnen verteilen sich auf die anderen 20 regionsangehörigen
Städte und Gemeinden, wobei die Stadt Garbsen mit 61.888 Einwohnerinnen und Einwohnern die
nächst größere und die Gemeinde Wennigsen mit 14.257 Einwohnerinnen und Einwohnern die aktuell
kleinste regionsangehörige Kommune ist. Insgesamt leben in der Region Hannover rund 14% aller
Einwohnerinnen und Einwohner Niedersachsens, also in etwa jede/r Siebte.
Altersgruppen
Bei der Verteilung der Bevölkerung nach Altersgruppen (siehe Tabelle 2.1.2 im Anhang) fällt ein deutliches Ungleichgewicht zugunsten der Altersgruppen von 45 bis 49 Jahren und 50 bis 54 Jahren auf.
Frauen und Männer zusammengenommen umfassen rund 187.000 Personen. Diese geburtenstarken
Jahrgänge der 1960er Jahre stellen zusammen 16,5% der Gesamtbevölkerung, während z.B. die 10
Jahre jüngeren Geburtsjahrgänge der 1970er Jahre mit zusammen rund 149.000 Personen auf nur
rund 13,1% Bevölkerungsanteil kommen. Die deutliche Ungleichverteilung dieser beiden Altersgruppen geht unter anderem auf den Geburtenrückgang Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre zurück.
Die Verteilung der Altersgruppen in der Region Hannover variiert von Kommune zu Kommune. So
reicht bspw. der Anteil der 0 bis 17-Jährigen von 15,0% in der Landeshauptstadt Hannover bis 18,3%
in Uetze. Etwas deutlicher fallen die Unterschiede bei der Altersgruppe der ab 65-Jährigen auf. Hier
reicht der Anteil von 18,3% in Sehnde bis 25,0% in Springe.
Abbildung 1 Altersgruppe 0 bis 17 Jahre
Anteil der 0 bis 17-Jährigen an der Gesamtbevölkerung nach Städten und
Gemeinden 2013 in Prozent, Region Hannover
19,0

18,3
17,8 17,8 17,8

18,0
17,0
16,0 16,0

16,2 16,2 16,4 16,4

16,7 16,7 16,8

17,2
17,0 17,0 17,1 17,1 17,2 17,2

15,7

16,0
15,0
15,0
14,0

Quelle: Melderegister der Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik und der Region Hannover, Team Statistik

Die Landeshauptstadt Hannover fällt dabei durch unterdurchschnittliche Anteile beider Altersgruppen
auf. Sowohl der Anteil der unter 18-Jährigen, als auch der Anteil der ab 65-Jährigen liegt deutlich unter dem Regionsdurchschnitt. In Hannover nimmt daher die mittlere Altersgruppe der 18 bis 64Jährigen den größten Anteil unter den 21 regionsangehörigen Städten und Gemeinden ein. Ursächlich
ist der in Hannover überdurchschnittlich hohe Anteil der Altersgruppe von 18 bis 39 Jahren (32,4%

3

Für die Auswertungen in diesem Kapitel werden Daten aus dem Melderegister der Städte und Gemeinden herangezogen. Diese Bevölkerungszahlen unterscheiden sich geringfügig von den „amtlichen“ Bevölkerungszahlen
der Statistischen Ämter, die auf Daten der Volkszählung bzw. des Zensus 2011 basieren.

Seite 11

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

gegenüber rund 19% bis 25% im Umland), der vor allem aus den zahlreichen in der Landeshauptstadt
lebenden Studierenden, Auszubildenden und jungen Berufstätigen resultiert. Aus diesem Grund stellt
sich die Landeshauptstadt Hannover trotz ihres eher geringen Anteils von Kindern und Jugendlichen
als vergleichsweise „junge“ Stadt dar (vgl. Tabelle 2.1.3 im Anhang).
Abbildung 2 Altersgruppe ab 65 Jahren
Anteil der ab 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung nach Städten und
Gemeinden 2013 in Prozent, Region Hannover

26,0

25,0
25,0
24,0

23,2

23,8
23,5 23,5 23,5 23,6

24,3
24,1 24,1 24,3

23,0
22,0
20,6 20,6

21,0
20,0
19,0

20,9 21,0

21,6 21,8
21,3 21,4 21,5

19,1
18,3

18,0
17,0

Quelle: Melderegister der Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik und der Region Hannover, Team Statistik

Die im Umland der Landeshauptstadt gelegenen Städte und Gemeinden unterscheiden sich in ihrer
Altersstruktur demgegenüber zum Teil deutlich, was u. a. Folge des sich inzwischen abschwächenden
aber noch nachwirkenden Trends der Suburbanisierung ist. Die Suburbanisierung hat in der Vergangenheit zu einer Abwanderung vor allem junger Familien mit Kindern in das städtische Umland ge4
führt, ein Trend, der seit einigen Jahren nur noch abgeschwächt zu beobachten ist.
Abbildung 3 Aging-Index
"Aging-Index", Anzahl der ab 65-Jährigen auf 100 bis 20-Jährige, 2013
140,0
130,0
120,0
110,0
100,0
90,0
80,0
70,0

Quelle: Melderegister der Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik und der Region Hannover, Team Statistik

4

Inzwischen hat sich der Trend der Suburbanisierung so weit abgeschwächt, dass einige Experten/innen bereits
von einem beginnenden Prozess der Reurbanisierung sprechen.

Seite 12

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Eine andere Möglichkeit das Verhältnis zwischen Kindern und Jugendlichen einerseits und der Bevölkerung ab 65 Jahren anderseits vergleichend darzustellen, ist die Berechnung eines „Aging-Index“,
der üblicherweise als Anzahl der ab 65-Jährigen auf 100 bis 20-Jährige berechnet wird (vgl. Abbildung
oben). Im Regionsdurchschnitt kommen rund 110 ab 65-Jährige auf 100 bis 20-Jährige. In Sehnde
und Uetze kommen vergleichsweise wenig ab 65-Jährige auf die bis 20-Jährigen (87,5 / 94,8), während in Springe, Laatzen, Isernhagen und Barsinghausen vergleichsweise viele ab 65-Jährige 100 bis
20-Jährigen gegenüberstehen (127,7 bis 128,7).
Abschließend zeigt sich für die Gruppe der Hochbetagten ab 80 Jahren eine in den Tendenzen ähnliche Verteilung. Die höchsten Bevölkerungsanteile für diese Altersgruppe finden sich in Springe, Gehrden und Barsinghausen (6,7% / 6,6% / 6,1%). Auf der anderen Seite haben Sehnde und Wedemark
(4,6% / 4,9%) vergleichsweise geringe Anteile Hochbetagter.
Bevölkerungsentwicklung
Die Bevölkerungsentwicklung in der Region Hannover ist insgesamt betrachtet in den letzten Jahren
10 Jahren stabil, in den Jahren seit 2011 sogar leicht steigend. Von 2003 bis 2013 ist die Bevölkerungszahl um 19.283 Personen gewachsen. Das entspricht einem Plus von 1,7%.
Der leichte Gesamtanstieg ist Ergebnis zweier Trends, die sich überlagern:
•

•

Zum einen gab es einen deutlichen Bevölkerungsanstieg in der Stadt Hannover in Verbindung mit
einem Bevölkerungsanstieg in fast allen Städten im unmittelbaren Verflechtungsraum mit der Lan5
deshauptstadt, mit Ausnahme von Garbsen. In diesen 7 an die Stadt Hannover angrenzenden
und in ihren Siedlungsstrukturen mit der Stadt Hannover eng verflochtenen Städten und Gemeinden ist insgesamt ein Plus von 21.234 Einwohnerinnen und Einwohnern oder 1,9 Prozent zu verzeichnen.
Dem gegenüber steht ein leichter Bevölkerungsrückgang in den 13 Städten und Gemeinden im
weiteren Umland außerhalb der städtischen Verflechtungszone, von insgesamt -1.951 Einwohnerinnen und Einwohnern bzw. -0,2 Prozent, wobei Pattensen, Sehnde und Wedemark gegen diesen Trend gewachsen sind.

Abbildung 4 Bevölkerungsentwicklung 2003 bis 2013
Bevölkerungsentwicklung 2003 bis 2013 nach Städten und Gemeinden in
Prozent und in absoluten Zahlen (Werte in Klammern), Region Hannover
8,0

7,4
6,5

6,0
4,0
2,0

3,4 3,3 3,1
2,8 2,6
1,7

1,1 0,8 0,8

0,0
-0,1 -0,1 -0,1
-1,0 -1,0 -1,2

-2,0

-1,9
-4,0

-2,3 -2,3 -2,4
-3,4

Quelle: Melderegister der Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik und der Region Hannover, Team Statistik

5

Zu den Städten im städtischen Verflechtungsraum mit der Landeshauptstadt Hannover können Garbsen, Hemmingen, Isernhagen, Laatzen, Langenhagen, Ronnenberg und Seelze gezählt werden.

Seite 13

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Wenn man diese Entwicklung als Hinweis auf einen Prozess der Reurbanisierung versteht, wirkt sich
dieser nicht nur auf die Landeshauptstadt Hannover aus, sondern auch auf die meisten der unmittelbar angrenzenden Städte und Gemeinden. Insgesamt führt diese Entwicklung zu einem Konzentrationsprozess innerhalb der Region Hannover, der für die städtisch geprägten Wohnlagen zu weiterer
Verdichtung führt.
Es bleibt anzumerken, dass prozentual betrachtet Langenhagen (+7,4%), Sehnde (+6,5%) und Pattensen (+3,4%) größere Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen hatten als die Landeshauptstadt
Hannover (+3,3%), die in absoluten Zahlen betrachtet mit einem Plus von 16.636 Einwohnerinnen und
Einwohnern jedoch weit vorne liegt. Auf der anderen Seite stehen prozentual betrachtet Springe (3,4%), Garbsen (-2,4%), Wunstorf und Barsinghausen (je -2,3%) mit den deutlichsten Bevölkerungsrückgängen (vgl. auch Tabelle 2.2.1 im Anhang).
In der aktuellen Bevölkerungsprognose der Stadt Hannover und der Region Hannover setzen sich die
oben skizzierten Trends weitgehend fort. Die größten Bevölkerungszuwächse werden bis 2020 für
Langenhagen, Hannover und Laatzen erwartet (3,4% / 3,3% / 2,0%), die stärksten Bevölkerungsrückgänge für Neustadt, Barsinghausen und Springe (-1,8% / -1,5% / -1,4%) (vgl. Tabelle 2.2.2 im Anhang). Für das Jahr 2020 sieht die Prognose die Region Hannover insgesamt bei einem Plus von rund
20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern (1,8%), das bis 2025 nahezu stabil bei plus 18.500 Personen
6
gegenüber 2013 bleibt.
Die Bevölkerungsentwicklung ist Ergebnis von vier Einflussgrößen: Neben der Anzahl der Geburten
und der Anzahl der Sterbefälle, die zusammen den Geburten- / Sterbesaldo bilden, ergibt die Anzahl
7
der Zu- und der Abwanderungen den Wanderungssaldo.
Abbildung 5 Wanderungs- und Geburten-/Sterbesaldo

4

9
1

8

20,0

17

18

32
14

28

29

33

36

40,0

38

32

60,0

36

54

80,0

45

75

100,0

93

Wanderungs- und Geburten-/Sterbesaldo 2004 bis 2012 pro 1.000 Einwohner
am 31.12.2003 Reihenfolge nach Geamtsaldo, Region Hannover

Wanderungssaldo

-36

-3
-24

-19
-36

-28

-3

-3
-16

-18

-19

-32

-60,0

-29

-8
-18

-16

-19

-18

-9

-13

-23

-20

-40,0

-26

-20,0

-16

-3

0,0

Geburten- / Sterbesaldo

Quelle: Melderegister der Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik und der Region Hannover, Team Statistik

Der Geburten- / Sterbesaldo ist in den vergangenen Jahren in allen regionsangehörigen Städten und
Gemeinden negativ gewesen. In Springe sind im Zeitraum 2004 bis 2012 pro 1.000 Einwohnerinnen
bzw. Einwohner rund 36 Personen mehr verstorben als geboren wurden und nur rund 4 Personen pro

6

Die Zahlen der durch die Landeshauptstadt Hannover und die Region Hannover 2014 veröffentlichten Bevölkerungsprognose bis 2020 / 2025 werden zur Information im Anhang dargestellt (vgl. Tabelle 2.2.2 im Anhang).
7

Der Wanderungssaldo berechnet sich aus der Summe der Zuzüge abzüglich der Fortzüge (jeweils über die
Gemeindegrenze hinaus) und der Geburten- / Sterbesaldo errechnet sich aus der Summe der Geburten abzüglich der Sterbefälle. Beide zusammen bilden einen Gesamtsaldo, für den hier allerdings nur vollständige Daten bis
einschließlich 2012 vorlagen. Siehe auch Tabelle 2.2.3 im Anhang.

Seite 14

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

1.000 mehr zu- als abgewandert, was zum regionsweit höchsten negativen Gesamtsaldo von -32,2
pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner führt (siehe Tabelle 2.2.3 im Anhang).
Die Geburtenrate ist nicht nur in der Region Hannover, sondern in fast allen Städten und Kreisen in
Deutschland seit Jahren zu gering, um die Zahl der Sterbefälle auszugleichen. Deshalb spielen Wanderungsgewinne über die Gemeindegrenze hinweg eine herausragende Rolle für die Bevölkerungsentwicklung. Ein besonders großer positiver Wanderungsgewinn entfällt in dem hier betrachteten Zeitraum auf Langenhagen mit rund 93 Personen pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Um nicht zu schrumpfen benötigt die Region Hannover also kontinuierliche Zuwanderung aus anderen
Regionen Deutschlands oder aber aus dem Ausland. Tatsächlich kann die Region Hannover insgesamt teils erhebliche Wanderungsgewinne verzeichnen, die das strukturelle Geburtendefizit in 12
Städten und Gemeinden ausgleichen konnten (siehe Abbildung oben, Städte und Gemeinden mit
positivem Gesamtsaldo). In den restlichen 9 Städten und Gemeinden hat es seit 2003 betrachtet in
der Summe hingegen eine negative Entwicklung gegeben, weil zu einem negativen Geburten- / Sterbesaldo ein negativer Wanderungssaldo hinzugekommen ist. Insgesamt war der Nordwesten, der
Westen und auch der Osten der Region Hannover in den letzten Jahren durch leichte Wanderungsverluste in Kombination mit einem strukturellen negativen Geburten- / Sterbesaldo geprägt. Auch aus
dieser Perspektive bestätigt sich die bereits oben getroffene Feststellung einer zweigeteilten Entwicklung. Neben einem Wachstumsszenario vorwiegend in den städtisch verflochtenen Gebieten ist eine
Stagnation bis hin zu einem Schrumpfungsszenario in den eher ländlich geprägten Gebieten am äußeren Rand der Region Hannover zu beobachten, die durch Wanderungsverluste bzw. zu schwache
Wanderungsgewinne begründet ist.
Abschließend liefern die Zahlen Rückschlüsse auf die Mobilität der Bevölkerung über die jeweilige
Gemeindegrenze hinweg. Addiert man alle Zu- und Fortzüge binnen einen Jahres so ergibt sich daraus das sogenannte Wanderungsvolumen, ein Indikator für Bevölkerungsdynamik. Für die Jahre 2010
bis 2012 lag das durchschnittliche jährliche Wanderungsvolumen in der Region Hannover bei immerhin 11,4%, das heißt, dass fast jede/jeder Neunte binnen Jahresfrist über die Gemeindegrenze hinweg
zu- oder fortgezogen ist. Auch wenn man davon ausgehen muss, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen aufgrund ihrer Lebenssituation (z. B. Ausbildung, Berufseinstieg, Familiengründung etc.) sehr
mobil sind und seinen müssen während andere kaum noch umziehen, ergibt sich daraus eine überraschend hohe Fluktuation, die allerdings nicht alle Städte und Gemeinden gleichermaßen stark prägt.
Eher niedrige Wanderungsvolumina haben mit Neustadt, Springe, Uetze, Barsinghausen (8,0% / 8,7%
/ 8,7% / 9,0%) Kommunen, die nicht im städtischen Verflechtungsraum der Stadt Hannover liegen und
darüber hinaus nur geringe Zuwanderungsgewinne verbuchen konnten (siehe oben). Überdurchschnittliche Fluktuation verzeichnen hingegen Isernhagen, Hannover, Langenhagen, Sehnde und
Ronnenberg (12,9% / 12,6% / 12,1% / 12,1% / 12,0%) und damit mehrheitlich Kommunen im städtischen Verflechtungsraum und mit vergleichsweise hohen Wanderungsgewinnen (vgl. Tabelle 7.1b im
Anhang).

2.2

Staatsbürgerschaft und Migrationshintergrund

Zwischen der Staatsangehörigkeit einer Person und dem Vorhandensein eines sogenannten Migrationshintergrundes besteht nicht immer ein direkter Zusammenhang, auch wenn dies in Diskussionen
zu dem Thema, mitunter aber auch in offiziellen Statistiken miteinander verwoben wird. Die gesetzlichen Regelungen im Staatsangehörigkeitsrecht haben sich in den letzten Jahren verändert. Durch
Geburt ist ein Kind deutsche Staatsgehörige bzw. deutscher Staatsangehöriger, wenn ein Elternteil zu
diesem Zeitpunkt im Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit ist oder seit 8 Jahren seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat (§ 4 Abs. 1 StAG). Auch wenn beide Elternteile nicht die deutsche
Staatsangehörigkeit besitzen kann ein Kind nach dem sogenannten Optionsmodell die deutsche
Staatsangehörigkeit erwerben, wenn sich ein Elternteil seit 8 Jahren rechtmäßig im Bundesgebiet
aufhält und seit drei Jahren im Besitz einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis, Aufenthaltsberechtigung oder Niederlassungserlaubnis ist. Sind bestimmte Kriterien erfüllt, können Bürgerinnen und Bürger auch eine doppelte Staatsangehörigkeit haben. Sowohl Bürgerinnen und Bürger mit zweiter
Staatsbürgerschaft, als auch Ausländerinnen und Ausländer können auch in Deutschland geboren
sein und haben damit nicht zwingend eine eigene Migrationserfahrung. Trotz oder auch wegen dieser
recht komplizierten Zusammenhänge werden die Begriffe „Migrationshintergrund“ und „ausländische
Staatsbürgerschaft“ oft synonym verwendet. Wichtiger als die Staatsbürgerschaft oder der Migrationshintergrund ist jedoch die soziale und kulturelle Herkunft und Erfahrung und damit die eigene MigratiSeite 15

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

onsgeschichte, die bei vielen Personen „mit Migrationshintergrund“ und sogar bei nicht wenigen Ausländerinnen und Ausländern entweder gar nicht vorhanden ist oder aber teilweise schon lange zurückliegt.
Da Daten zur Staatsangehörigkeit im Gegensatz zu Daten über den sogenannten Migrationshintergrund über die Melderegister jederzeit leicht verfügbar sind wird der Anteil der Bürgerinnen und Bürger ohne deutsche Staatsangehörigkeit bzw. mit doppelter Staatsangehörigkeit oft als Sozialindikator
verwendet. In der Region Hannover variieren die Anteile der Ausländerinnen und Ausländer sowie der
Deutschen mit 2. Staatsbürgerschaft erheblich und liegen zwischen 7,5% in Wennigsen und 27,0% in
der Stadt Hannover.
Abbildung 6 Ausländer/innen und Deutsche mit 2. Staatsbürgerschaft

30,0

Anteil der Ausländer/innen sowie der Deutschen mit 2. Staatsbügerschaft an
allen Einwohner/innen 2013 in Prozent, Region Hannover

25,0
18,6 18,7

20,0

21,1

16,2

15,0
10,0

19,9

27,0
24,6

9,0 9,3
7,5 7,7 8,1 8,3 8,6

11,7 12,5
10,4 10,6 11,2 11,2 11,3 11,5

5,0
0,0

Quelle: Melderegister der Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik und der Region Hannover, Team Statistik

Insofern bildet der regionsweite Durchschnittswert von 19,9% nicht die Realitäten in den einzelnen
Städten und Gemeinden ab. Aber der Anteil der Personen ohne deutsche bzw. mit doppelter Staatsangehörigkeit variiert auch je nach Lebensalter sehr stark.
Während jede/r Dritte, nämlich 34,0% der 0 bis 2-Jährigen eine ausländische oder eine 2. Staatsangehörigkeit haben, fällt dieser Anteil mit zunehmenden Alter kontinuierlich ab und liegt im Alter von 10
bis 14 Jahren nur noch bei 27,1%, bleibt dann relativ lange auf konstantem Niveau, um ab etwa 40
Jahren auf rund 15% abzusinken. Ab etwa 70 Jahren folgt dann ein erneuter Abfall des Anteils mit
weiter sinkenden Anteilen im einstelligen Bereich. Je jünger die Einwohnerinnen und Einwohner sind,
desto häufiger haben sie also eine ausländische bzw. eine 2. Staatsbürgerschaft (vgl. Tabelle 2.2.1 im
Anhang). Neben dem jeweils geltenden Staatsbürgerschaftsrecht und den sich daraus ergebenden
Wartezeiten für Einbürgerungen haben die in den vergangenen Jahrzehnten unterschiedlich starken
Zuwanderungsbewegungen zu den sich stufenförmig verändernden Anteilen der Ausländerinnen und
Ausländer bzw. der und Bürgerinnen und Bürger mit 2. Staatsbürgerschaft an den unterschiedlichen
Altersgruppen geführt.
Der Status der Staatsbürgerschaft ist dabei wie bereits erwähnt jedoch noch nicht mit dem Begriff des
Migrationshintergrundes gleichzusetzen, auch wenn die hier vorgenommene Addition von Ausländerinnen und Ausländern sowie Deutschen mit 2. Staatsbürgerschaft oft als eine Art „Hilfsindikator“ verwendet wird, um die Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund trotz zumeist fehlender konkreter
Daten in etwa abschätzen zu können.
Was unter einem „Migrationshintergrund“ konkret zu verstehen ist wird jedoch selbst in offiziellen Definitionen im Detail unterschiedlich gefasst. Eine verbreitete Definition wurde von der Integrationsministerkonferenz am 30.09.2008 wie folgt festgelegt:
Einen Migrationshintergrund haben Personen, die mindestens eines der nachfolgend genannten
Merkmale aufweisen:
•
•
•

ausländische Staatsangehörige,
im Ausland Geborene und seit 1. Januar 1950 Zugewanderte,
Eingebürgerte,
Seite 16

Sozialbericht 2015
•

Soziale Lagen in der Region Hannover

Kinder, bei denen mindestens ein Elternteil in eine der o. g. Kategorien fällt.

Praktisch können also folgende Personen unter die Definition gefasst werden:
1. Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit
•
•

zugewanderte Ausländer
in Deutschland geborene Ausländer

2. Deutsche mit Migrationshintergrund
•

Seit dem 01.01.1950 zugewanderte Deutsche
a) Spätaussiedler/innen
b) eingebürgerte zugewanderte Ausländer/innen

•

nicht zugewanderte Deutsche
a) eingebürgerte, in Deutschland geborene Ausländer/innen
b) Kinder zugewanderter Spätaussiedler/innen
c) Kinder zugewanderter oder in Deutschland geborener eingebürgerter ausländischer Eltern
d) Kinder ausländischer Eltern, die bei Geburt zusätzlich die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben
e) Kinder mit einseitigem Migrationshintergrund, bei denen nur ein Elternteil Migrant/in oder in
Deutschland Geborene/r, Eingebürgerte/r oder Ausländer/in ist.

Diese komplizierte Definition ist aus den Daten des Melderegisters heraus für die regionsangehörigen
Städte und Gemeinden nicht ohne weiteres in Zahlen umzusetzen, weil der Status „Migrationshintergrund“ im Einwohnermeldewesen nicht direkt erfasst ist, sondern nur auf Umwegen aus der Kombination von verschiedenen anderen vorhanden Informationen (Geburtsort, Staatsangehörigkeit etc.) kon8
struiert werden kann. Derzeit liegen hierzu leider belastbaren Daten vor.
Die Definition der Integrationsministerkonferenz ist leider auch nicht ganz unproblematisch, weil sie
suggeriert, auf die Migrationserfahrung der Menschen abzustellen. Tatsächlich werden aber auch
Personen eingeschlossen, die selber bzw. deren Eltern zwar Ausländerinnen bzw. Ausländer sind, die
aber selber bzw. deren Eltern selber gar keine eigene Migrationserfahrung haben. Obwohl die Definition Begriffsklarheit liefern soll, vermischt sie die Ebenen der Migrationserfahrung mit der Staatsbürgerschaft. Durch diese Definition wird eine nicht näher zu beziffernde Anzahl von Personen zu „Menschen mit Migrationshintergrund“, bei denen eine eigene Migrationserfahrung gar nicht vorliegt. Für
die Sozialplanung ist der Begriff des Migrationshintergrundes dennoch von Interesse, weil eine noch
nicht allzu lang zurückliegende eigene Migrationserfahrung möglicherweise zu Sprach- und Integrationsproblemen bzw. zu sozialer Ausgrenzung führen könnte. Auswertungen entlang dieser Kategorien
verfolgen das Ziel, die Chancen auf soziale Teilhabe dieser Personengruppen zu thematisieren, auf
9
mögliche Benachteiligungen aufmerksam zu werden und wo nötig gezielt zu intervenieren.
Da Daten zum Migrationshintergrund aus den eigenen Melderegisterdaten bisher nicht zur Verfügung
stehen, wurde bereits im letzten Sozialbericht auf Auswertungen der Mikrozensusdaten durch die
statistischen Landesämter zurückgegriffen. Seit Sommer 2014 stehen darüber hinaus Daten aus dem
Zensus 2011 zur Verfügung, die erstmals auch bis auf Gemeindeebene hinab detaillierte Aussagen
10
über die Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund erlauben.
Ein Vergleich von vorliegenden Mikrozensus- und Zensusdaten im Zeitraum von 2005 bis 2012 zeigt
für die Region Hannover insgesamt einen recht stabilen Anteil von rund 23% bis 24% der Bevölkerung, wobei der Anteil in der Stadt Hannover stagniert, der Anteil im Umland der Stadt Hannover dagegen leicht ansteigend ist. Wichtig ist jedoch, das Mikrozensus und Zensus recht nahe beieinander
liegen und somit davon ausgegangen werden kann, dass die Zensusdaten, die im Gegensatz zu den

8

Einer der wesentlichen Stolpersteine ist die hierfür notwendige Zuordnung der registrierten Geburtsorte zu den
jeweiligen Ländern zum Zeitpunkt der Geburt, was bei großen Datensätzen langwierige Recherchen erfordert.
9

So ist es unter planerischen Aspekten bspw. wichtig zu wissen, ob ein Anteil von 15,0% Kindern mit Migrationshintergrund in einer Kindertageseinrichtung ein über- oder ein unterdurchschnittlicher Anteil ist. Diese Bewertung
ist nur dann möglich, wenn sowohl für die betreuten Kinder selber, als auch für die Vergleichsaltersgruppe vor Ort
belastbare Zahlen zu diesem Merkmal vorliegen.
10

Aufgrund der kleinen 1-prozentigen Stichprobe können die Daten des Mikrozensus nicht kleinräumig unterhalb
von 500.000 Einwohnern heruntergebrochen werden. Für den Zensus 2011 gilt diese Einschränkung nicht, denn
hierbei handelt es sich um eine 10-prozentige Bevölkerungsstichprobe.

Seite 17

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Mikrozensusdaten für 2011 auch auf Ebene der Städte und Gemeinden vorliegen, mit einer gewissen
Vorsicht betrachtet als weitgehend valide gelten können.
Abbildung 7 Personen mit und ohne Migrationshintergrund
Personen mit / ohne Migrationshintergrund
Daten Mikrozensus
2005

Daten Zensus

2010

2012

2011

ohne

mit

ohne

mit

ohne

mit

ohne

mit

Umland

84,1

15,9

82,4

17,6

80,8

19,2

81,8

18,2

Hannover

68,7

31,3

71,3

28,7

69,6

30,4

70,6

29,4

Region

77,1

22,9

77,3

22,7

75,6

24,4

76,7

23,3

Quelle: Landesamt für Statistik Niedersachsen, Statistische Monatshefte 1/2015 sowie Zensusdatenbank

Der Zensus 2011 liefert aufgrund der größeren Stichprobe erstmals auch Daten zu Personen mit Migrationshintergrund für alle 21 Städte und Gemeinden in der Region Hannover. Dabei zeigt sich erneut
eine stark ungleichgewichtige Verteilung der Personen mit Migrationshintergrund, die mit 10,6% in
Pattensen den geringsten und mit 31,7% in Laatzen den höchsten Anteil an der Gesamtbevölkerung
hat (Daten und Definition „Migrationshintergrund“ Zensus 2011 vgl. Tabelle 2.3.1 im Anhang).

31,7
22,0

30,6
19,7

18,0

26,5
16,1

24,1
15,4

15,5

21,5
13,3

11,3

17,3
11,0

15,9
10,5

15,6
10,1

14,7
8,7

14,5
9,0

14,1
9,2

8,8

12,7
7,8

12,0
6,9

11,9
7,2

11,7
7,4

11,4
6,8

11,3
6,8

10,0

6,0

15,0

10,6

20,0

13,9

25,0

18,2

30,0

24,0

Anteil der Personen mit Migrationshintergrund und mit eigener
Migrationserfahrung in Prozent, Zensus 2011, Region Hannover

35,0

28,5

Abbildung 8 Personen mit Migrationshintergrund nach Städten und Gemeinden

5,0
0,0

Personen mit Migrationshintergrund

Personen mit eigener Migrationserfahrung

Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Ergebnisse des Zensus am 09. Mai 2011, erschienen am 28. Mai 2014

Der Zensus 2011 liefert aufgrund der größeren Stichprobe erstmals auch Daten zu Personen mit Migrationshintergrund auf Ebene aller 21 Städte und Gemeinden in der Region Hannover. Dabei zeigt
sich erneut eine stark ungleichgewichtige Verteilung der Personen mit Migrationshintergrund, die mit
10,6% in Pattensen den geringsten und mit 31,7% in Laatzen den höchsten Anteil an der Gesamtbevölkerung hat (Daten und Definition „Migrationshintergrund“ des Zensus 2011 vgl. Tabelle 2.3.1 im
Anhang). Unter den Personen mit Migrationshintergrund haben jedoch nur rund zwei Drittel eine eigene Migrationserfahrung, der Anteil beträgt regionsweit 15,4%.
Die Zensusdaten zum Migrationshintergrund und zur Migrationserfahrung belegen zweierlei:
•

Erstens unterschätzen die bisher hilfsweise herangezogenen Daten zu den Personen mit ausländischer bzw. mit doppelter Staatsbürgerschaft die Anzahl der Personen mit Migrationshintergrund
(24,1% statt 19,9%, siehe Abbildungen 6 und 8 oben).

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Sozialbericht 2015
•

Soziale Lagen in der Region Hannover

Aber die Anzahl der Personen mit eigener Migrationserfahrung liegt mit 15,4% noch unter dem
Anteil der Personen ohne deutsche oder mit doppelter Staatsbürgerschaft. Insofern hat dieser
Hilfsindikator die Gruppe der Personen mit eigener Migrationserfahrung leicht überschätzt.

Der Zensus differenziert die Daten noch weiter, indem die Personen mit eigener Migrationserfahrung
nochmals nach Zuzugsjahren gruppiert werden, was ebenfalls sehr aufschlussreich ist.
Abbildung 9 Personen mit Migrationserfahrung nach Zuzug
Personen mit eigener Migrationserfahrung insgesamt und nach Zuzugsjahr in
Prozent an der Gesamtbevölkerung Zensus 2011, Region Hannover
16,0

15,4

14,0
12,0
10,0
8,0
5,2

6,0
4,0
2,0
2,0

0,3

3,3

2,8

1,0

0,8

0,0
insgesamt

davon Zuzug davon Zuzug davon Zuzug davon Zuzug davon Zuzug davon Zuzug davon Zuzug
1956-1959
1960-1969
1970-1979
1980-1989
1990-1999
2000-2011
unbekannt

Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Ergebnisse des Zensus am 09. Mai 2011, erschienen am 28. Mai 2014

Demnach sind regionsweit nur 3,3% der Bevölkerung seit dem Jahr 2000 bis 2011 nach Deutschland
gekommen. Zählt man das Jahrzehnt ab 1990 dazu hatten 2011 auch 8,5% der Bevölkerung in der
Region Hannover eine eigene Migrationserfahrung, die nicht mindestens 20 Jahre oder länger zurückliegt. Dieser Befund relativiert den anfangs doch recht hohen Anteil von regionsweit 24,1% der Bevölkerung mit „Migrationshintergrund“, denn nur zwei von drei Personen haben dazu auch eine eigene
Migrationserfahrung und nur jede/r Zweite mit Migrationserfahrung hat eine eigene Migrationserfahrung, die nicht schon Jahrzehnte zurückliegt.
Abbildung 10 Personen unter 18 Jahren mit Migrationshintergrund

50,0

Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren mit Migrationshintergrund in Prozent
Zensus 2011, Region Hannover
39,1

40,0

41,6 42,6

45,7

34,3
30,0 30,2

30,0
20,0

25,9 26,1
21,9
19,6 19,7 20,1 20,2
17,3 18,4
16,9
16,5
15,5
15,3 15,4 15,4

10,0
0,0

Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Ergebnisse des Zensus am 09. Mai 2011, erste Veröffentlichung 2013

Dass Staatsangehörigkeit, Migrationshintergrund und Migrationserfahrung unterschiedliche Dinge sind
belegt der Zensus ebenfalls. Unter allen Personen mit Migrationshintergrund sind in der Region Hannover 38,1% Ausländerinnen bzw. Ausländer aber 61,9% Deutsche. Unter den Ausländerinnen und
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Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Ausländer haben Dreiviertel eine eigene Migrationserfahrung (75,5%), ein Viertel von ihnen ist in
Deutschland geboren worden. Unter den Deutschen mit Migrationshintergrund haben demgegenüber
gut die Hälfte, nämlich 56,6% eine eigene Migrationserfahrung, die restlichen 43,4% haben keine,
gelten aber dennoch als Personen mit Migrationshintergrund, weil ein Elternteil (einseitiger Migrationshintergrund) oder aber beide Elternteile zugewandert sind (beidseitiger Migrationshintergrund). Die
Differenziertheit dieser Daten zeigt, wie heterogen die Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund
tatsächlich ist und wie wenig Erklärungskraft diese verschiedenste Lebensrealitäten zusammenfassende Kategorie tatsächlich besitzt (vgl. Tabelle 2.3.1 im Anhang).
Abschließend kann man auch entlang des Zensus zeigen, dass sich die altersgruppenspezifische
Verteilung der Personen mit Migrationshintergrund in der Region Hannover dem bereits oben gezeigten Muster folgt: Je jünger die Personen, desto höher sind die Anteile der Personen mit Migrationshintergrund. Die die höchsten Anteile entfallen auf die Altersgruppe der unter 18-Jährigen. Regionsweit
haben gut ein Drittel der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren einen Migrationshintergrund
(34,3%). In Hannover ist es mit 45,7% fast jedes zweite, in Burgwedel mit 15,3% hingegen nur jedes
sechste bis siebte Kind bzw. Jugendliche. Mit zunehmendem Alter nehmen die Anteile deutlich ab. So
liegt der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund unter den ab 65-Jährigen gemessen an der
Gesamtbevölkerung nur noch bei rund 10%.
Da die Daten des Zensus eine einmalige Erhebung darstellen, die nicht aktualisiert wird, werden zukünftig leider keine aktualisierten Daten zum Migrationshintergrund und zur Migrationserfahrung auf
Gemeindeebene zur Verfügung stehen. Dennoch werden die Daten für die Beurteilung der Bevölkerungsstrukturen vor Ort und die Einschätzung, welche Teilgruppen und Lebenserfahrungen hinter der
Kategorie „Migrationshintergrund“ eigentlich stehen, sicher noch länger von Bedeutung sein.

2.3

Haushalte

Grundlage der hier verwendeten Daten zu den Haushalten und Haushaltsstrukturen in der Region
Hannover ist das Haushaltsgenerierungsverfahren, mit dessen Hilfe die im Melderegister unter einer
Wohnadresse gemeldeten Personen beim Vorliegen bestimmter Kriterien zu Haushalten zusammenfasst werden. Insgesamt sind in der Region Hannover zum Stichtag 31.12.2013 578.744 Haushalte
11
registriert (siehe Tabelle 2.4.1 im Anhang).
Grundsätzlich kann man die Gesamtzahl der Haushalte in drei Gruppen unterteilen:
•
•
•

Einpersonenhaushalte (45,3% / 261.995),
Mehrpersonenhaushalte ohne Kinder unter 18 Jahren im Haushalt (35,2% / 203.713)
Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren (19,5% / 113.036).

Auffallend ist dabei zum einen die relativ hohe Zahl von rund 262.000 Einpersonenhaushalten, die
ihren Anteil gegenüber 2009 von 43,6 auf nunmehr 45,3% gesteigert haben. Dabei stellen sie in der
Stadt Hannover mit 54,1% (2009 noch 52,9%) den häufigsten Haushaltstyp dar, stellen aber auch in
den Städten im urbanen Verflechtungsraum und in Städten mit größeren Kernstädten große Anteile.
19,5% aller Haushalte in der Region Hannover sind Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren (2009
noch 20,3%). Den niedrigsten Anteil von Familienhaushalten verzeichnet die Landeshauptstadt Hannover mit 16,8% (2009 17,0). Die meisten Haushalte mit Kindern hat Sehnde mit einem Anteil von
26,0%. Insgesamt leben damit also nur in knapp jedem fünften Haushalt minderjährige Kinder bzw.
Jugendliche (vgl. Tabelle 2.4.2 im Anhang).
In der Mehrzahl dieser Haushalte lebt ein Kind unter 18 Jahren. Bezogen auf alle Haushalte ist das
ein Anteil von 10,4%. Die Haushalte mit zwei Kindern machen demgegenüber einen Gesamtanteil von
7,0% aus. Da Haushalte mit drei und mehr Kindern bereits sehr selten vorkommen, kann man sie in
einer Kategorie zusammenfassen. Bezogen auf alle Haushalte ist ihr Anteil 2,1%. In den Haushalten
mit drei und mehr Kindern leben selten mehr als drei Kinder unter 18 Jahren, was die durchschnittliche Kinderzahl von 3,35 Kindern in diesen Haushalten belegt (siehe Tabelle 2.4.3 im Anhang).

11

Einbezogen wurden Personen, die laut Melderegister mit ihrem Hauptwohnsitz gemeldet sind. Mischformen mit
Nebenwohnsitzen können unter bestimmten Konstellationen vorkommen. Die Haushalte 75+ sind in der Anzahl
der Haushalte 60+ enthalten. Zuordnung ausgehend von der Bezugsperson.

Seite 20

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Abbildung 11 Einpersonenhaushalte
Anteil der Einpersonenhaushalte an allen Haushalten nach Städten und
Gemeinden 2013, Region Hannover
54,1

60,0
50,0
40,0

39,0 39,0 39,5 40,6
34,6 34,7 35,5 35,5 35,9 36,0 36,1 36,6 36,9 37,3
33,7
33,2
32,1
32,1
31,3
31,1

45,3

30,0
20,0
10,0
0,0

Quelle: Melderegister der Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik und der Region Hannover, Team Statistik

Abbildung 12 Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren
Anteil der Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren an allen Haushalten nach
Städten und Gemeinden 2013, Region Hannover
30,0

26,0
23,8 23,8 24,6 25,2
22,1 22,3 22,3 22,7 23,0 23,4 23,5
21,9
21,8
21,6
21,5
21,4
21,1
19,5 20,5 20,5

25,0
20,0

16,8

15,0
10,0
5,0
0,0

Quelle: Melderegister der Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik und der Region Hannover, Team Statistik

Unter den rund 113.000 Haushalten mit Kindern unter 18 Jahren sind 2013 26.529 Einelternfamilien.
Das ist ein deutlicher Anstieg von 4% bzw. gut 1.000 Haushalten Alleinerziehender gegenüber 2009
(25.517) und 16,6% bzw. 4.355 gegenüber 2001 (22.174). Im Jahr 2013 sind regionsweit 4,6% aller
Haushalte bzw. 23,5% aller Familienhaushalte mit Kindern unter 18 Jahren Haushalte
Alleinerziehender, wobei ihr Anteil an den Familienhaushalten zwischen 17,0% in Sehnde und 27,1%
12
in Hannover variiert (vgl. Tabelle 2.4.3 im Anhang).
In den Haushalten Alleinerziehender leben regionsweit rund 37.000 Kinder, also rund 20% aller
13
Kinder. In rund 89% der Fälle handelt es sich um alleinerziehende Frauen. In den Haushalten allein-

12

Die Alleinerziehenden werden über das Haushaltegenerierungsverfahren aus den vorliegenden Melderegisterdaten ermittelt. Als Alleinerziehende gelten danach Personen, die ohne ehelichen oder nichtehelichen Partner,
mit mindestens einem Kind, mit oder ohne eine oder mehrere weitere Personen an einer Adresse zusammen
leben. In den Fällen, in denen ein/e nichteheliche/r Lebenspartner/in einen anderen Nachnamen, ein anderes
Zuzugsdatum und kein nachgewiesenes Verwandtschaftsverhältnis zu dem Kind /den Kindern hat, geht das
Haushaltegenerierungsverfahren von einem Alleinerziehendenhaushalt aus.
13

Ältere Jugendliche und junge Erwachsene leben häufiger auch bei ihren alleinerziehenden Vätern. Nach Auswertungen des Mikrozensus steigt sowohl die Anzahl der Haushalte Alleinerziehender als auch der Anteil alleinerziehender Väter deutlich an, wenn man auch Haushalte mit Jugendlichen im Alter von 18 bis unter 27-Jährigen
mit einbezieht.

Seite 21

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

erziehender Mütter und Väter lebt dabei häufiger als in den Haushalten mit Kindern insgesamt nur ein
Kind unter 18 Jahren (67,6% zu 49,2%). Haushalte Alleinerziehender mit 2 Kindern sind dementsprechend deutlich seltener anzutreffen (25,1%), drei und mehr Kinder (7,3%) sind hier die Ausnahme (
Zu den insgesamt rund 204.000 Mehrpersonenhaushalten ohne Kinder unter 18 Jahren ist anzumerken, dass zu dieser Gruppe natürlich auch Haushalte mit Kindern ab 18 Jahren gehören, auf die hier
14
jedoch nicht weiter fokussiert werden soll.
Abbildung 13 Entwicklung Haushalte Alleinerziehender

30,0
25,0
20,0
15,0

15,7
17,0
13,5
17,4
15,6
18,0
15,5
18,4
16,1
19,9
16,7
19,9
14,9
20,3
16,0
20,4
15,8
20,5
16,1
20,6
16,7
20,6
15,6
20,7
16,2
20,8
19,2
21,2
16,3
21,2
18,2
21,7
17,0
22,0
17,5
22,2
18,8
22,8
18,5
23,3
20,1
23,5
24,5
27,1

Entwicklung der Anteile der Haushalte Alleinerziehender an allen Haushalten mit
Kindern unter 18 Jahren 2001 bis 2013 in Prozent, Region Hannover

10,0
5,0
0,0

2001

2013

Quelle: Melderegister der Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik und der Region Hannover, Team Statistik

Gut ein Drittel aller Haushalte, nämlich rund 202.000 bzw. 34,9% (2009 190.000 bzw. 33,8%), sind
Haushalte mit Personen ab 60 Jahren. Die im Verhältnis meisten Haushalte 60+ finden sich in der
Gemeinde Isernhagen mit einem Anteil 43,2%. Während somit u. a. in Isernhagen, Springe und Gehrden bald in jedem zweiten Haushalt Haushaltsmitglieder ab 60 Jahren leben trifft dies in der Landeshauptstadt Hannover nur auf knapp jeden dritten Haushalt zu. Im Umland der Landeshauptstadt fallen
15
u. a. Sehnde, Lehrte und Seelze als Städte mit verhältnismäßig wenig Haushalten ab 60 Jahren auf.
Rund 44% der Haushalte von Einwohnerinnen und Einwohnern ab 60 Jahren sind Einpersonenhaushalte. Diese insgesamt rund 89.000 Singlehaushalte älterer Menschen stellen einen Anteil von 15,4%
aller Haushalte in der Region Hannover dar. Die restlichen rund 56% der Haushalte ab 60 Jahren sind
Mehrpersonenhaushalte (vgl. Tabelle 2.4.4 im Anhang).
Ein besonderes Augenmerk verdienen die rund 82.000 Haushalte von Einwohnerinnen und Einwohnern ab 75 Jahren (2009 noch rund 67.000), weil mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit einer
bereits bestehenden oder möglicherweise eintretenden Pflegebedürftigkeit steigt (vgl. Kapitel 6.3). Die
Haushalte mit Personen ab 75 Jahren stellen einen Gesamtanteil von 14,2% an allen Haushalten
(2009 noch 11,6%). Die Städte Springe und Gehrden fallen hierbei mit Anteilen von über 18% auf
(18,7% / 18,1%), also fast jeder 5. Haushalt, während die Stadt Hannover als einzige durch einen
unter dem Regionsdurchschnitt liegen Anteil von 12,6% auffällt, etwa jeder 8. Haushalt.
Die rund 41.000 Einpersonenhaushalte stellen in dieser Altersgruppe bereits einen Anteil von 50,6%.
Damit fehlt in etwa der Hälfte der Haushalte mit Personen ab 75 Jahren eine Partnerin bzw. ein Partner, die oder der bei den Dingen des täglichen Lebens, insbesondere bei Unterstützungsbedarf und
Pflegebedürftigkeit zur Seite stehen kann.

14

So weist das Familienmonitoring 2014 der Landeshauptstadt Hannover für den 01.01.2013 weitere rund 11.500
Familienhaushalte mit Nachkommen im Alter von 18 bis unter 27 Jahren aus, was einem Anteil von 4,0% aller
hannoverschen Haushalte entspricht. Vgl. Landeshauptstadt Hannover (Hrsg.), Familienmonitoring 2014, S. 11.
15

Die Ergebnisse zu den Haushalten 60+ und 75+ decken sich naturgemäß weitgehend mit den bereits in Kapitel
2.1 dargestellten Bevölkerungsstrukturen nach Altersgruppen.

Seite 22

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Abbildung 14 Haushalte 60+ und 75+
Anteile der Haushalte 60+ an allen Haushalten, darunter Haushalte 75+, 2013 in
Prozent, Region Hannover
50,0
42,0 42,4 42,6 43,2
40,4 41,2 41,5 41,7 41,7 41,7
39,6
39,0
37,9 38,6 38,6 38,6
36,3 36,5 37,3
34,9 35,1

45,0
40,0
35,0

30,4

30,0
25,0
20,0
15,0
10,0
5,0

18,7 16,0
15,7 15,1 14,8 14,7 15,1 15,0 16,3 16,4 17,2 16,5 17,5 16,2 15,4 17,6 18,1
12,6 14,2 13,9 13,9 15,4

0,0

Haushalte 60+

darunter Haushalte 75+

Quelle: Melderegister der Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik und der Region Hannover, Team Statistik

Die aktuelle gemeinsame Prognose zur Einwohnerentwicklung 2014 bis 2025/2030 der Landeshauptstadt Hannover und der Region Hannover kommt auf Grundlage von Einwohnerdaten zum 01.01.2014
(identisch mit dem 31.12.2013) zu dem Ergebnis, dass die Altersgruppe der sogenannten „Hochbetagten“, die 85 Jahre und älter sind, von 2014 bis 2030 von 30.817 auf 54.587 im Jahre 2030 anwachsen
wird, was einem Zuwachs von 77,1% entspricht. Der zweithöchste prozentuale Zuwachs entfällt nach
dieser Prognose auf die Altersgruppe der 65 bis 74-Jährigen (+18,1%). Folgt man der Prognose, wird
es einzelne Städte und Gemeinden geben, die aufgrund ihrer siedlungsgeschichtlichen Entwicklung
und Bevölkerungsstruktur bis zum Jahr 2025 Zuwächse in der Altersgruppe ab 85 Jahren von über
80% haben werden. In diesem Ausmaß betroffen sein werden Burgdorf (+80,4%), Burgwedel
(+96,0%), Garbsen (+110,2%), Isernhagen (+96,6%), Lehrte (+83,5%), Neustadt (+88,3%), Pattensen
16
(+92,6%), Sehnde (+88,0%), Uetze (+89,9%) und Wedemark (+102,1%).
Die Entwicklung der älteren Personen bis 2030 ist auch Gegenstand des Kapitels 6.3, in dem die Ergebnisse der Bevölkerungsprognose auf die zukünftige Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen
bezogen werden.

16

Siehe Region Hannover, Landeshauptstadt Hannover, Bevölkerungsprognose 2014 bis 2025/2030, Schriften
zur Stadtentwicklung, Heft Nr. 120.

Seite 23

Sozialbericht 2015

3

Soziale Lagen in der Region Hannover

Beschäftigung und Arbeitslosigkeit

Im Rahmen er Sozialberichterstattung liegt der Fokus zum Thema Beschäftigung und Arbeitsmarkt
weniger auf der Frage der Verfügbarkeit von Fachkräften, sondern vielmehr auf der Frage der Beschäftigungschancen insgesamt und für einzelne Beschäftigtengruppen.
Die Daten rund um das Thema Beschäftigte, Arbeitsuchende, Unterbeschäftigte, Arbeitslose und Leistungsbezieher sind komplex, weshalb die Abgrenzung der unterschiedlichen Personenkreise, Stichtage und Begriffe nicht einfach ist. Überschneidende Begrifflichkeiten bzw. Zuordnungen und eine unübersichtliche, weil zumeist umfangreiche Datenlage, erschweren den Zugang zu diesem wichtigen
Themenfeld. Wichtig deshalb, weil eine existenzsichernde Beschäftigung zweifellos eine der zentralen
Voraussetzungen für gesellschaftliche Integration und Teilhabe, sowie für psychische und körperliche
Gesundheit ist. Die Frage nach den Beschäftigungschancen und den Arbeitsbedingungen ist deshalb
eine soziale Schlüsselfrage.
Sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft insgesamt stellt die seit Jahren zu beobachtende und diskutierte „Erosion des Normalarbeitsverhältnisses“ und die fortgesetzte Flexibilisierung
der Arbeit eine Herausforderung dar. Gemeint ist damit das stetige Anwachsen „atypischer Beschäftigung“ und gebrochener Erwerbsbiografien gegenüber dem gedachten Normmodell des sogenannten
„Normalarbeitsverhältnisses“. Während sich „Normalarbeitsverhältnisse“ durch eine Vollzeittätigkeit,
ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis, die Integration in die sozialen Sicherungssysteme und die
Identität von Arbeits- und Beschäftigungsverhältnis auszeichnen, sind befristete Arbeitsverhältnisse,
Teilzeitbeschäftigung, Leiharbeitsverhältnisse und geringfügige Beschäftigung (Minijobs) Kennzeichen
von „atypischer Beschäftigung“. Es gilt daher zu fragen, welchen Umfang diese aus Sicht der Beschäftigen mitunter gewollt flexiblen aber mitunter auch ungewollt prekären und oft nicht allein existenzsichernden Arbeitsverhältnisse in der Region Hannover einnehmen und wie sie sich in den vergangenen Jahren entwickelt haben.
Ferner gilt zu klären, wie groß der Kreis der Arbeitslosen auch jenseits der offiziell als „arbeitslos“
registrierten Personen und der vielbeachteten Arbeitslosenquote tatsächlich ist. Hier ist die Datenlage
mit der Veröffentlichung von Angaben zur Unterbeschäftigung und zu Arbeitsuchenden durch die
Bundesagentur für Arbeit seit einigen Jahren besser geworden, sodass die Berichterstattung hier detaillierter werden kann.

3.1

Beschäftigung in der Region Hannover

Mitte 2014 gab es in der Region Hannover rund 470.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am
Arbeitsort, darunter rund 220.000 Frauen (Anteil 46,9%) und rund 410.000 sozialversicherungspflichtig
17
Beschäftigte am Wohnort. Daraus folgt zunächst, dass es in der Region Hannover mehr Arbeitsplätze als Beschäftigte gibt. Bezogen auf die Region Hannover insgesamt fallen Wohn- und Arbeitsort für
rund 87% der Beschäftigten zusammen, bezogen auf die einzelnen Städte und Gemeinden sind die
Pendlerverflechtungen jedoch sehr unterschiedlich (vgl. Tabelle 3.1.1 im Anhang). Der Anteil derjenigen, die an ihrem Wohnort auch arbeiten, ist in Hannover mit 71,3% aller sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten am höchsten, gefolgt von Neustadt und Wunstorf (32,8% und 32,7). Den geringsten
Anteil von Beschäftigten, die an ihrem Wohnort auch arbeiten, haben Hemmingen und Ronnenberg
auf (12,9% und 12,0%).
Die Pendlerbewegungen resultieren dabei nicht allein aus der Größe einer Kommune, sondern auch
aus dem Arbeitsplatzangebot vor Ort. Den höchsten Anteil an Arbeitsplätzen (sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort) gemessen an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am
Wohnort hat Langenhagen vor Hannover (160,2% bzw. 158,6%). Allerdings liegt der Anteil derjenigen,
die in Langenhagen wohnen und arbeiten nur bei 29,4% der Beschäftigten. Dementsprechend hoch
ist der Anteil der Ein- und Auspendler in Langenhagen. Oder anders ausgedrückt: Von der relativ ho17

Zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zählen alle Beschäftigten und Auszubildenden, die krankenoder rentenversicherungspflichtig und/oder beitragspflichtig nach dem SGB III sind oder für die Beitragsanteile zur
gesetzlichen Rentenversicherung zu entrichten sind. Nicht einbezogen sind Beamte, Selbstständige, mithelfende
Familienangehörige, Berufs- und Zeitsoldaten sowie Wehrpflichtige ohne vorausgegangene Beschäftigung. Zu
den geringfügig entlohnten Beschäftigten nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 SGB IV zählen diejenigen, deren Arbeitsentgelt
regelmäßig 400 bzw. aktuell 450 € monatlich nicht überschreitet. Geringfügig Beschäftigte in der Gleitzone zählen
zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Seite 24

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

he Arbeitsplatzzentralität in Form von Arbeitsplätzen in Langenhagen, profitieren zu rund 70% Beschäftige aus anderen Kommunen. In kleineren Kommunen und in den Kommunen, in denen es die
wenigsten Arbeitsplätze gemessen an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Wohnort gibt
(Uetze 42,2% / Seelze 43,7%), muss der weit überwiegende Teil der Beschäftigten über die Gemeindegrenze hinweg zur Arbeit pendeln (rund 78 bis rund 86%).
Der Unterscheidung zwischen Arbeitsort- und Wohnortprinzip kommt damit eine besondere Bedeutung zu. Daten über Beschäftigte am Wohnort geben Auskunft über die Beschäftigtenstruktur der
Wohnbevölkerung einer Kommune. Daten über Beschäftigungsverhältnisse nach Arbeitsort geben
dagegen Auskunft über die Wirtschaftskraft, den Arbeitsmarkt und die Beschäftigungschancen in einer
Kommune. Da es innerhalb der Region Hannover und auch über die Grenzen der Region hinweg jedoch starke Pendlerverflechtungen gibt, fallen Arbeitsort und Wohnort besonders in den kleineren
Kommunen selten zusammen (vgl. Tabelle 3.1.1 im Anhang). Innerhalb der Region Hannover als
Ganzes haben Mitte 2014 jedoch immerhin 86,5% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ihren
Arbeitsplatz.
Neben den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gibt es noch die Gruppe der geringfügig entlohnten Beschäftigten, bekannt als Minijober/innen, mit aktuell bis zu 450 Euro Einkommen monatlich.
Diese Beschäftigungsverhältnisse gibt es sowohl als Nebenerwerb als auch als Haupterwerb. Addiert
man die rund 72.000 geringfügig entlohnten Beschäftigten im Haupterwerb am Arbeitsort und die rund
470.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort, ergeben sich daraus Mitte 2014
rund 543.000 Hauptbeschäftigungsverhältnisse. Daneben gibt es noch weitere rund 34.00 geringfügig
entlohnte Nebenbeschäftigungsverhältnisse am Arbeitsort (vgl. Tabelle 3.1.2 im Anhang). Damit ist
das Arbeitsplatzangebot in der Region Hannover – ohne Beamte und Selbständige – umrissen.
Abbildung 15 Entwicklung der Beschäftigung

180,0

Entwicklung ausgewählter Beschäftigungsformen von Juni 2004 bis Juni 2014,
indexiert (Juni 2004 = 100), Region Hannover
geB im Nebenjob;
172,6

170,0
sovB Teilzeit; 155,1

160,0
150,0
140,0
130,0
120,0
110,0

sovB gesamt; 112,3
geB ausschl.; 102,3

100,0

100,0
sovB Vollzeit; 101,9
90,0
2004

2005

sovB gesamt

2006

2007
sovB Vollzeit

2008

2009
sovB Teilzeit

2010

2011
geB ausschl.

2012

2013

2014

geB im Nebenjob

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Beschäftigung am Arbeitsort, Region Hannover, revidierte Daten Ende 2014

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist seit 2004 um rund 52.000 Personen oder
12,3% deutlich gestiegen (siehe Abbildung und Tabelle 3.1.2 im Anhang). Ausgehend von 2004, hier
mit 100 gleichgesetzt, haben sich bis 2014 die Anteile der Beschäftigungsformen dabei unterschiedlich entwickelt. Während die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit nur leicht
gestiegen ist (plus rund 12.000 bzw. 1,9%, deshalb Indexwert in der Grafik 101,9), haben die absoluten Zahlen und die Anteile anderer Beschäftigungsformen seit 2003 teilweise sehr deutliche Zuwächse erfahren. Allen voran hat sich die geringfügig entlohnte Beschäftigung im Nebenjob zu einer boomenden Beschäftigungsform entwickelt. 2014 hatten rund 34.000 Menschen einen solchen Nebenjob,
das entspricht einem Anteil von 5,9% aller Beschäftigungsverhältnisse. Der aktuelle Indexwert von
172,6 markiert eine Steigerung seit 2004 um 72,6%.

Seite 25

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Eine besondere Entwicklung hat auch die sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung genommen, die seit 2004 einen Zuwachs von 55,1% zu verzeichnen hat. Das Ausmaß der Teilzeitbeschäftigung wurde erst jüngst durch eine Revision der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit
besser sichtbar – mit einer umstellungsbedingten Datenlücke für die Jahre 2011 und 2012. Seit Ende
August 2014 liegen revidierte Daten vor, nach denen die Anzahl der Teilzeitbeschäftigten am Arbeitsort in der Region Hannover nicht wie bisher angenommen bei knapp unter 100.000, sondern bei rund
126.000 Beschäftigten liegt. Folgt man den methodischen Erläuterungen der Bundesanstalt für Arbeit
hierzu, so erklärt sich der deutliche Anstieg durch eine nunmehr präzisere Abgrenzung, Erfassung und
Meldung durch die Arbeitgeber (vgl. hierzu auch Tabelle 3.1.2 im Anhang mit Erläuterungen). Die
kürzlich erfolgte und bis ins Jahr 1999 rückwirkende Revision der Daten ist demnach eine Korrektur
einer zuvor erfolgten Mindererfassung dieser Beschäftigungsform, die inzwischen 26,8% der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen ausmacht. Auch hier bleibt festzustellen, dass es sich zweifellos längst um eine „normale“ Hauptbeschäftigungsform handelt.
Schließlich haben die geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnisse im Haupterwerb (geB ausschließlich) um 1.626 Beschäftigte bzw. um 2,3% zugenommen. Gemessen an den Hauptbeschäftigungsverhältnissen – und ein solches liegt ja hier trotz geringfügiger Entlohnung und Minijob vor –
liegt ihr Anteil 2014 bei 13.3%. Jedes siebte bis achte Hauptbeschäftigungsverhältnis ist demnach seit
Jahren nur geringfügig entlohnt, denn der Anteilswert lag bereits 2004 bei 14,4%. Damit muss auch
diese Beschäftigungsform als seit langem „normale“ Hauptbeschäftigungsform eingestuft werden.
Abbildung 16 Entwicklung „normaler“ und atypischer“ Beschäftigung
Anteil der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung (sovB VZ) und
der "atypischen Beschäftigung" (sovB TZ / geB ausschl.) an der
Hauptbeschäftigung seit 2004 am Arbeitsort in %, Region Hannover
75,0
68,4

67,9

67,2

66,9

66,8

65,8

65,5

63,2

62,9

36,2

36,6

2013

2014

50,0

31,0

31,6

32,2

2004

2005

2006

32,5

32,6

33,6

33,8

2007

2008

2009

2010

25,0

"sovB Vollzeit "

"atypische Beschäftigung"

2011

2012

(2011/2012 keine Daten)

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Beschäftigung am Arbeitsort, Region Hannover, revidierte Daten Ende 2014

Auch wenn es insgesamt zu einem spürbaren Anstieg der Gesamtbeschäftigung und auch der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gekommen ist, ist der Arbeitsmarkt in der Region Hannover
vor allem durch eine zunehmende Flexibilisierung geprägt. Neben das sogenannte „Normalarbeitsverhältnis“ – damit ist üblicherweise die sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung gemeint – ist
eine zweite „Normalität“ getreten, nämlich die sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung, die
um 55,1% auf rund 126.000 Beschäftigte angestiegen ist, und die geringfügig entlohnte Beschäftigung
im Haupterwerb (Minijob), der aktuell rund 72.000 Beschäftigte nachgehen. Beide Beschäftigungsformen zusammen machen bereits gut ein Drittel, nämlich 36,6% der Hauptbeschäftigungsverhältnisse
aus (2004 noch 31,0%). Die bis 1999 rückwirkende Datenrevision durch die BA macht deutlich, dass
diese Entwicklung keine sprunghafte, sondern eine kontinuierliche ist.
Vor diesem Hintergrund erfordert die in der Vergangenheit übliche Konfrontation von „Normalarbeitsverhältnissen“ gegenüber sogenannter „atypischer Beschäftigung“ eine neue Deutung. Teilzeitbeschäftigung und geringfügig entlohnte Beschäftigung sind längst zu gängigen Beschäftigungsformen
geworden. „Atypisch“ muss dabei nicht immer mit Problemen behaftet sein, „atypisch“ kann auch anSeite 26

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

gemessen und gewünscht sein. Die sozial brisante Frage ist jedoch, inwieweit ein Beschäftigungsverhältnis der jeweiligen Lebenssituation angemessen ist, ob die Beschäftigungsform frei oder aus der
Not heraus gewählt wurde, ob das Haushaltseinkommen insgesamt ausreichend ist, um gesellschaftliche Teilhabe ohne weitere Unterstützungsleistungen zu gewährleisten, und ob ein Wechsel der Beschäftigungsform möglich ist. So betrachtet kann sowohl Teilzeitarbeit als auch geringfügig entlohnte
Beschäftigung sowohl positiv als auch negativ bewertet werden, je nach dem, wie die obigen Fragen
18
im Einzelfall beantwortet werden. Sieht man vom Einzelfall ab, muss jedoch davon ausgegangen
werden, dass die zunehmende Flexibilisierung der Beschäftigungsverhältnisse für eine wachsende
Zahl von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit niedrigem Einkommen und geringen Teilhabeund Entwicklungschancen verbunden ist. Hierzu folgende Beispiele:
•

•
•

Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung im Haupterwerb (Anteil 13,3%, jede/r siebte bis achte)
ist allenfalls als vorübergehendes Modell als unproblematisch anzusehen. Wenn Beschäftigte
über einen längeren Zeitraum nur Minijobs ausüben ergibt sich daraus zwangsläufig entweder eine Abhängigkeit von staatlichen Mindestsicherungsleistungen oder vom Einkommen des Partners
(sofern vorhanden). Eine geringe Altersrente und die Gefahr von Altersarmut sind vorprogrammiert.
Gleiches gilt für Personen – zumeist sind es Frauen – die über längere Zeiträume hinweg freiwillig
oder unfreiwillig in Teilzeit arbeiten, um z. B. Familienarbeit zu leisten. Auch hier ergeben sich Abhängigkeiten, verbunden mit der Gefahr von Einkommensarmut gerade auch im Alter.
Nicht zuletzt erodiert auch das sogenannte „Normalarbeitsverhältnis“ von innen heraus. Leiharbeit, Zeitarbeit, befristete Beschäftigung und geringer Verdienst sind leider auch in sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigung keine Ausnahme. Einer Sonderauswertung der BA zufolge
gelten Ende 2013 18,0% der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten in der Region
Hannover als sogenannte „Geringverdiener“, weil ihr Einkommen weniger als zwei Drittel des Medianeinkommens beträgt (Schwellenwert 1.973 € monatliches Bruttoeinkommen). Die Streuung
reicht dabei von minimal 14,3% in Burgwedel bis maximal 20,4% in Ronnenberg (vgl. Tabelle
3.1.3 im Anhang). Die Datenbank „Atypische Beschäftigung“ der Hans Böckler Stiftung weist für
die Region Hannover in 2013 zudem rund 13.000 Leiharbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus,
19
die häufig zu den Geringverdiener gehören dürften.

Aufgrund unterschiedlich abgegrenzter Zahlen und zwischenzeitlicher Datenrevisionen der BA kann
hier abschließend nur eine Überschlagsrechnung aufgemacht werden: Bezogen auf die rund 271.000
sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten am Arbeitsort, über die Angaben zum Entgelt
vorliegen, müssen Ende 2013 rund 49.000 und damit 18,0% als Geringverdiener gelten (vgl Tabelle
3.1.3 im Anhang).
Abbildung 17 „Normale / gut bezahlte“ und „atypische / geringer bezahlte“ Beschäftigung
Beschäftigte am Wohnort nach Beschäftigungsform Juni 2014
Beschäftigte nach Wohnort am 31.12.2013

„normal“

„atypisch“

„gutes“ Einkommen

„geringeres“ Einkommen

sovB Vollzeit ohne Auszubildende und ohne Niedriglohn

225.855

sovB Vollzeit ohne Auszubildende mit Niedriglohn

48.681

sovB Teilzeit ohne Auszubildende

109.343

geB ausschließlich (im Haupterwerb)

66.772

Summe
Anteil in % an Hauptbeschäftigung ohne Auszubildende (450.651)

225.855

224.796

50,1%

49,9%

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Sonderauswertung zum Niedriglohn, Stand Juli 2014

18

Insbesondere die Teilzeitbeschäftigung muss – wenn sie von den Beschäftigten gewünscht ist – durchaus als
sehr positive und familienfreundliche Beschäftigungsform angesehen werden. Der Begriff der „atypischen“ Beschäftigung suggeriert in Fällen gewünschter Teilzeitbeschäftigung eine Problematik, die gar nicht vorhanden ist.
19

Quellen: Zu den Geringverdienenden in der Region Hannover: Sonderauswertung zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und Entgelten der Bundesagentur für Arbeit durch Statistik-Service Nordost, vom 29.07.2014.
Zur Leiharbeit in der Region Hannover: Datenbank „Atypische Beschäftigung“ der Hans-Böckler-Stiftung bzw. des
WSI, abrufbar unter www.boeckler.de.

Seite 27

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Addiert man nun alle Gruppen, die nicht dem Bild des „Normalarbeitsverhältnisses“ entsprechen –
keine volle Stelle und/oder nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt und/oder Niedriglohn – als
Gruppe von Beschäftigten mit geringen oder zumindest geringeren Erwerbseinkünften, stehen sich in
der Region Hannover zwei nahezu gleichgroße Gruppen von Beschäftigten gegenüber:
•
•

Einerseits rund 226.000 Personen in aller Wahrscheinlichkeit nach existenzsichernden sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen, die nicht Geringverdiener sind.
Andererseits rund 225.000 Personen in Beschäftigungsverhältnissen, die ohne weitere finanzielle
Unterstützung durch den Partner, die Familie oder staatliche Leistungen vermutlich mehrheitlich
nicht oder nur knapp existenzsichernd sind, also vollzeitbeschäftigte Geringverdiener, sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigte und geringfügig entlohnte Beschäftige im Haupterwerb.

Solange Familien bzw. Haushalte zumindest über ein existenzsicherndes und daneben eventuell auch
weitere nicht allein existenzsichernde Einkommen verfügen entstehen vermutlich keine Probleme.
Aber der Anstieg der Anzahl der Single- und der Alleinerziehendenhaushalte führt im Zusammenwirken mit dem Anstieg der Anzahl nicht allein existenzsichernder Beschäftigungsverhältnisse zwangsläufig zu einer steigenden Zahl von Familien bzw. Haushalten ohne ausreichendes Erwerbseinkommen. Dieser Befund erklärt, warum trotz steigender Beschäftigtenzahlen – aber nicht Beschäftigungsvolumen – und rückläufiger Arbeitslosenquoten – aber nicht Leistungsempfänger – die Abhängigkeit
von staatlicher Mindestsicherung und die Armutsrisikoquoten stagnieren bzw. bei einigen Gruppen
sogar ansteigen (siehe auch Kapitel 3.2, 4.1 und 4.2).
Der bereits im letzten Sozialbericht festgestellte langjährige Trend eines Rückzuges der „Normalarbeitsverhältnisse“ hat sich also weiter fortgesetzt und wird sich vermutlich weiter fortsetzen. Daran
ändert auch die absolute Zunahme der Beschäftigungsverhältnisse nichts – im Gegenteil – die atypischen Beschäftigungsformen wachsen im Moment schneller. Die unterschiedlichen Formen der „atypischen“ Beschäftigung, die nicht pauschal und nicht in jeder Lebenssituation als problematisch bewertet werden dürfen, scheinen jedenfalls längst genauso „normal“ zu sein wie die unbefristete und
relativ gut bezahlte Vollzeitbeschäftigung.
Die differenzierte Betrachtung der Beschäftigungssituation in der Region Hannover abseits von steigenden oder sinkenden Beschäftigten- oder Arbeitslosenzahlen macht deutlich, dass Beschäftigung
zwar nach wie vor der Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe und existenzsicherndem Einkommen
ist, aber nicht jede Form der Beschäftigung gleich zielführend ist. Je größer der Anteil der prekären
Beschäftigungsverhältnisse am Arbeitsmarkt ist, desto weniger kann eine allein auf Vermittlung in
diesen Arbeitsmarkt ausgelegte Strategie bewirken.
Abbildung 18 Beschäftigungsformen nach Geschlecht

100,0

Anteile an den Beschäftigungsformen nach Geschlecht in %, Juni 2014, Region
Hannover
78,6

80,0
60,0
40,0

64,8

59,6

53,1
46,9

40,4

35,2

60,5
39,5

57,6
42,4

64,8
50,849,2

51,348,7

21,4

20,0
0,0

Männer

Frauen

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Beschäftigung am Arbeitsort, Region Hannover, Juni 2014

Seite 28

72,0

35,2

28,0

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Die vorliegenden Daten zur Beschäftigung lassen abschließend Rückschlüsse auf die geschlechtsspezifische Verteilung der unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnisse zu. Zunächst fällt auf, dass
die Anteile der Männer und Frauen für die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung insgesamt, für
die Hauptbeschäftigungsverhältnisse und für alle Beschäftigungsverhältnisse mit jeweils um die 50%
jeweils sehr nahe beieinander liegen. Dass heißt, Männer und Frauen sind in der Region Hannover
unabhängig von den Beschäftigungsformen annähernd gleich oft in Erwerbsbeschäftigung. Deutliche
Differenzen in der Struktur der Erwerbsbeteiligung zeigen sich erst in Bezug auf die einzelnen Erwerbsbeschäftigungsformen. Frauen sind demnach deutlich seltener vollzeitbeschäftigt bzw. in „Normalarbeitsverhältnissen“ aber deutlich häufiger in Teilzeit oder als geringfügig entlohnte Beschäftigte
tätig als Männer. Am deutlichsten wird dies, wenn man den geschlechtsspezifischen Anteil der „atypisch“ Beschäftigten in der Region Hannover betrachtet. Mitte 2014 sind nur 28,0% der „atypisch“
Beschäftigten Männer, 72,0% sind Frauen.

3.2

Arbeitslosigkeit in der Region Hannover

Mit den grundlegenden Reformen der Grundsicherung für Arbeitsuchende im SGB II haben sich auch
die Grundlagen der Arbeitsmarktstatistik in Deutschland verändert. Bis Ende 2004 basierten die Statistiken allein auf den Geschäftsdaten der Agenturen für Arbeit. Nach der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe sind die Agenturen nur noch für einen Teil der Arbeitslosen allein zuständig. Als Träger der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II fungieren die Arbeitsgemeinschaften von Arbeitsagenturen und Kommunen – in der Region Hannover das Jobcenter Region
Hannover – und die zugelassenen kommunalen Träger (optierende Kommunen).
Für die Auseinandersetzung mit dem Thema Arbeitslosigkeit und die Interpretation der Daten ist zunächst die Definition des Begriffs der „Arbeitslosigkeit“ im Sinne des SGB II notwendig. Empfänger
von Leistungen nach dem SGB II gelten als „arbeitslos“, wenn sie
•
•
•

nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen oder weniger als 15 Stunden pro Woche arbeiten
eine versicherungspflichtige zumutbare Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen zur Verfügung stehen und
sich bei einer Agentur für Arbeit / ARGE / Kommune arbeitslos gemeldet haben.

Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten nicht als „arbeitslos“. Nicht als arbeitslos gelten ferner insbesondere Personen, die
•
•
•
•
•
•
•
•

mehr als zeitlich geringfügig erwerbstätig sind (mindestens 15 Std. pro Woche),
nicht arbeiten dürfen oder können,
ihre Verfügbarkeit einschränken,
das 65. Lebensjahr vollendet haben,
sich als Nichtleistungsempfänger länger als drei Monate nicht mehr bei der zuständigen Agentur
für Arbeit / ARGE / Kommune gemeldet haben,
arbeitsunfähig erkrankt sind,
Schüler, Studenten, Schulabgänger, die nur eine Ausbildungsstelle suchen sowie
arbeitserlaubnispflichtige Ausländer und deren Familienangehörigen sowie Asylbewerber ohne
Leistungsbezug, wenn ihnen der Arbeitsmarkt verschlossen ist.

Unter den insgesamt 113.958 Empfängerinnen und Empfängern von Grundsicherungsleistungen nach
dem SGB II sind Ende 2013 82.101 als „erwerbsfähige Leistungsberechtigte“ (eLb) und 31.857 als
„nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte“ (neLb) eingestuft (vgl. Tabelle 3.2.3 im Anhang)
Als erwerbsfähige Leistungsberechtigte gelten gem. § 7 SGB II Personen, die
•
•
•
•

das 15. Lebensjahr vollendet und das 65. Lebensjahr noch nicht vollendet haben,
erwerbsfähig sind,
hilfebedürftig sind und
ihren gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland haben.

Als erwerbsfähig gilt gem. § 8 SGB II weiter, wer nicht durch Krankheit oder Behinderung auf absehbare Zeit außerstande ist, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarkts mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein. Damit ist die Definition für „erwerbfähige Leistungsberechtigte (eLb) sehr viel weiter gefasst als die Definition des Arbeitslosenstatus im SGB II.
Seite 29

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Abbildung 19 Arbeitslose, Unterbeschäftigte, Arbeitsuchende
Arbeitslose SGB II und III, Unterbeschäftigte und Arbeitsuchende in der Region
Hannover im Juni 2014, absolute Zahlen

Arbeitslose SGB III

11.735

Arbeitslose SGB II

37.171

Arbeitslose gesamt SGB II + III

48.906

Arbeitslose im weiteren Sinne

54.113

Unterbeschäftigte im engeren Sinne

61.991

Unterbeschäftigte gesamt o. Kurzarbeit

63.661

Arbeitsuchende SGB II + III

84.938

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt in Zahlen, Arbeitsmarktreport für die Region Hannover, Juni 2014

Die seit Jahren große zahlenmäßige Diskrepanz zwischen „Arbeitslosen“, Arbeitsuchenden und „erwerbsfähigen Leistungsberechtigten“ führt dazu, dass die Arbeitslosenquote das Ausmaß der tatsächlichen Arbeitslosigkeit, bzw. die Anzahl der Personen, die dem Arbeitsmarkt prinzipiell zur Verfügung
stehen, unterschätzt. Aus diesem Grund publiziert die Bundesagentur für Arbeit seit Januar 2009 auch
Daten zur „Unterbeschäftigung“ auf Kreisebene. Für die Region Hannover stellen sich die Daten zur
Arbeitslosigkeit und die Verhältnisse zwischen den unterschiedlichen Gruppen im Juni 2014 in diesem
erweiterten Sinne wie in der Grafik oben dar. Demnach gelten nach den skizzierten Einschränkungen
im Bereich des SGB II weniger als die Hälfte der „erwerbsfähigen Leistungsberechtigten“ (rund
82.000) als „arbeitslos“ (rund 37.000). Die restlichen Personen gelten u. a. als „arbeitssuchend“ oder
„unterbeschäftigt“ und/oder befinden sich z. B. in Integrationsmaßnahmen. Über die verschiedenen
Abgrenzungsstufen der „Arbeitslosigkeit im weiteren Sinne“ und der „Unterbeschäftigung“ waren je20
doch knapp 85.000 Personen als „arbeitsuchend“ registriert. Die Zahl der Arbeitsuchenden übersteigt die der offiziell als „arbeitslos“ geltenden Personen damit um den Faktor 1,74. Die Unterbeschäftigungsquote betrug im Juni 2014 in der Region Hannover 10,4% und lag damit 2,3 Prozentpunkte über der offiziellen Arbeitslosenquote von 8,1% bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen.
Arbeitslosenquoten und Entwicklung der Arbeitslosigkeit
Die Zuständigkeit für die Statistik der Arbeitssuchenden liegt bei der Bundesagentur für Arbeit. Da
nicht jede regionsangehörige Kommune über eine eigene Geschäftsstelle der Bundesagentur für Arbeit bzw. eine Geschäftsstelle des Jobcenters verfügt, werden die Arbeitslosenquoten nicht für alle
Städte und Gemeinden gesondert ausgewiesen. Arbeitslosenquoten ohne Überschneidung der politi21
schen Gebietsstruktur gibt es nur für Garbsen, Langenhagen, Neustadt, Wunstorf und Springe.

20

Zu den „Arbeitslosen im weiteren Sinne“ zählen Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Zu
den „Unterbeschäftigten im engeren Sinne“ zählt die Bundesagentur für Arbeit Personen, die nah am Arbeitslosenstatus sind weil sie z. B. eine berufliche Weiterbildung absolvieren, Teilnehmer von Arbeitsgelegenheiten sind
oder einen Beschäftigungszuschuss erhalten. Zur Gruppe der Unterbeschäftigten insgesamt zählen dann noch
Personen, die an Maßnahmen teilnehmen aber fern vom Arbeitslosenstatus sind sowie Empfänger von Gründungszuschüssen und Einstiegsgeld.
21

Grundsätzlich veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit Arbeitslosenquoten aus statistischen Gründen erst ab
einer Bezugsgröße von 15.000 Beschäftigten vor Ort, abweichend davon jedoch mindestens für jede Geschäftsstelle der BA. Kommunen mit eigener Geschäftsstelle sind in der folgenden Grafik mit Sternchen hinter dem Namen gekennzeichnet (*), Kommunen mit geteilter Geschäftsstelle weisen identische Quoten auf.

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Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Abbildung 20 Arbeitslosenquoten

Quote an allen zivilen Erwerbspersonen

9,4

9,4

6,3

5,8

7,8

4,2
3,3
4,2
3,5
4,2
3,5
5,1
4,4
5,1
3,9
5,1
3,6
5,4
4,1
5,7
4,7
5,8
5,6
5,8
3,6
6,1
3,8
6,1
6,2
6,1
3,4
6,9
5,9
6,9
6,0
6,9
5,0
7,4
6,2
7,8
6,4
7,9
6,7

10,0
9,0
8,0
7,0
6,0
5,0
4,0
3,0
2,0
1,0
0,0

9,4

Arbeitslosenquote Dezember 2013 an allen zivilen Erwerbspersonen nach
Geschäftsstellenstruktur und an allen 15 - 64-Jährigen nach Städten und
Gemeinden, (* = Kommune mit eigener Geschäftsstelle), Region Hannover

Quote an allen 15 - 64-Jährigen

Quelle: Jobcenter Region Hannover, Jobcenter Konkret 12/2013

Grundsätzlich berechnet die Bundesagentur für Arbeit zwei unterschiedliche Arbeitslosenquoten:
•
•

Erstens in Bezug auf abhängig Beschäftigte, also abhängig beschäftigte zivile Erwerbspersonen
(sozialversicherungspflichtig Beschäftigte), Auszubildende, geringfügig Beschäftigte, Personen in
Arbeitsgelegenheiten (Mehraufwandvariante), Beamte (ohne Soldaten) und Grenzpendler.
Zweitens in Bezug auf alle zivilen Erwerbspersonen, also alle Erwerbspersonen, darunter abhängig Beschäftigte, wie oben, zuzüglich Selbständige und mithelfende Familienangehörige.

Ab Januar 2009 greift die Berichterstattung der BA für alle Binnendifferenzierungen und für die Kommunikation nach außen auf die zweite und damit niedrigere Quote zurück, die alle Erwerbspersonen
inklusive Selbständige und mithelfende Familienangehörige einbezieht.
Der Vergleich der Arbeitslosenquoten auf Grundlage der Geschäftsstellenstruktur nach zivilen Erwerbspersonen mit der Quote auf Grundlage der politischen Gebietsstruktur nach 15 bis 64-Jährigen
in der Grafik oben macht deutlich, dass die geschäftsstellenbezogenen Arbeitslosenquoten für kleinräumige Betrachtungen zu unscharf sind. Kommunen, die sich eine Geschäftsstelle teilen, teilen sich
auch eine Arbeitslosenquote, was bspw. im Fall von Hemmingen, Laatzen und Pattensen zu einem
Durchschnittswert führt, der die tatsächliche Betroffenheit von Arbeitslosigkeit in keiner Kommune
zufriedenstellend abbilden kann, weil er sie in Laatzen deutlich unter-, in Hemmingen und Pattensen
dagegen deutlich überschätzt. Als kleinräumiger Sozialindikator ist die von der BA veröffentlichte Arbeitslosenquote daher ungeeignet, während die auf die Altersgruppe der 15 bis 64-Jährigen bezogene
Quote regionale Unterschiede sichtbar machen kann. Bezogen auf die Arbeitslosenquote der 15 bis
64-Jährigen hatten Ende 2013 Hannover, Garbsen und Seelze die höchsten (7,8% / 6,7% / 6,3%) und
Burgwedel, Pattensen, Isernhagen gleichauf mit Wedemark die niedrigsten Arbeitslosenquoten (3,3%
/ 3,4% / 3,5%).
In der Tendenz kann man feststellen, dass dort, wo die Arbeitslosenquoten eher hoch sind, die Anteile
der Arbeitslosen aus dem Rechtskreis des SGB II ebenfalls eher hoch sind und umgekehrt. Da es sich
bei den Arbeitslosen im SGB II-Bezug in der Regel um Personen handelt, die bereits seit längerer Zeit
oder aber wiederholt arbeitslos sind, muss man davon ausgehen, dass sich die lokale Arbeitsmarktdynamik und die Betroffenheit von Arbeitslosigkeit im Detail sehr unterschiedlich darstellt. Je
höher der Anteil an Arbeitslosen aus dem Rechtskreis des SGB II, desto wahrscheinlicher ist eine
insgesamt verfestigte Arbeitslosigkeit.
Diese unterschiedliche Dynamik zwischen den Rechtskreisen des SGB II und SGB III wird auch deutlich, wenn man sich die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen seit Dezember 2007 ansieht. Zunächst
fällt ein Rückgang der Gesamtzahlen seit 2007 auf, der vor allem im Bereich des SGB III zu verzeichnen ist: Betrug die Gesamtzahl der Arbeitslosen Ende 2007 noch 53.541 ist sie im Juni 2014 auf
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Soziale Lagen in der Region Hannover

48.906 Personen gesunken. Dieser Rückgang um 8,7% geht dabei vor allem auf das Sinken der Arbeitslosenzahlen im Bereich des SGB III zurück, von 14.433 auf 11.735 = -18,7%, während die Anzahl
der Arbeitslosen im Rechtskreis SGB II kaum zurückgegangen ist, von 39.108 auf 37.171 = -5,0%
(siehe Tabelle 3.2.2 im Anhang).
Abbildung 21 Arbeitslose SGB II und SGB III
Verhältnis der Arbeitslosen nach den Rechtskreisen SGB II und SGB II in
Prozent, nach Städten und Gemeinden, Dezember 2013, Region Hannover

27,4

24,6

24,2

23,8

72,6

75,4

75,8

76,2

19,4

27,9

34,2
65,8

72,1

35,3
64,7

28,3

36,4
63,6

71,8

36,9
63,2

28,6

37,5
62,8

71,4

38,3
61,7

30,0

40,5
59,5

70,0

41,2
58,8

31,2

42,5
57,5

68,8

44,9
55,4

34,0

45,4

80%

54,6

90%

66,0

100%

70%
60%

40%
30%

80,6

50%

20%
10%
0%

Anteil SGB II

Anteil SGB III

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt in Zahlen, Arbeitslose nach Gemeinden, Jahreszahlen 2013

Abbildung 22 Entwicklung der Arbeitslosen
Entwicklung der Arbeitslosen nach Rechtskreisen (SGB II / III) Dez. 2007 bis
Juni 2014, indexiert, Dez. 2007 =100, Region Hannover
115,0
110,0
105,0
100,0

95,0

95,0
90,0
85,0

81,3

80,0
75,0
70,0
65,0

SGB II

SGB III

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt in Zahlen, Arbeitsmarktreport für die Region Hannover

Die in der Grafik auf der Basis der Zahlen von 2007 indexierte Entwicklung zeigt eine weitgehend
stagnierende Dynamik im Bereich des SGB II. Das 90-Prozent-Niveau des Ausgangswertes 2007
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Soziale Lagen in der Region Hannover

konnte bisher nur in einem Quartal Ende 2013 kurzfristig unterschritten werden. Demgegenüber ist im
Rechtskreis des SGB III nach der Wirtschaftskrise ab 2010 eine deutlich positivere Dynamik zu beobachten. Hier konnte von Mitte 2011 an weitgehend sogar das 80-Prozent-Niveau erreicht bzw. unterschritten werden.
Abbildung 23 Gruppenspezifische Arbeitslosenquoten
Gruppenspezifische Arbeitslosenquoten (an allen zivilen Erwerbspersonen) in
Prozent Juni 2014, Region Hannover und Niedersachsen
8,1

Arbeitslose insgesamt (Faktor 1,3)

6,3
8,5

Männer (Faktor 1,3)

6,3
7,8

Frauen (Faktor 1,2)

6,3
7,3

15 bis unter 25 Jahre (Faktor 1,4)

5,3
5,3

dar. 15 bis unter 20 Jahre (Faktor 1,8)

3,0
8,4

50 Jahre und älter (Faktor 1,3)

6,6
8,8

dar. 55 Jahre und älter (Faktor 1,2)

7,1
20,3

Ausländer (Faktor 1,3)

16,0
0,0

5,0
Region Hannover

10,0

15,0

20,0

Niedersachsen

Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Report für Kreise und kreisfreie Städte

Sowohl für die Betroffenen als auch mit Blick auf die Konzeption von Maßnahmen stellt sich die Frage,
welche Personengruppen in besonderem Maße von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Der Vergleich mit
Niedersachsen zeigt, dass die Betroffenheit von Arbeitslosigkeit bei den Ausländerinnen und Auslän22
dern in der Region Hannover deutlich überdurchschnittlich ausfällt. Mit einer gruppenspezifischen
Arbeitslosenquote von 20,3% in der Region Hannover liegt sie erheblich über der durchschnittlichen
Arbeitslosenquote aller Beschäftigten in der Region Hannover von 8,1%, über dem gruppenspezifischen Landesdurchschnitt von 16,0% für die Ausländerinnen und Ausländer und ebenfalls erheblich
über allen anderen gruppenspezifischen Arbeitslosenquoten.
Um die Abweichungen zwischen der Region Hannover und dem Land Niedersachsen sichtbar zu machen wurde in der Grafik in den Beschriftungen der Faktorwert angegeben, um den die gruppenspezifischen Arbeitslosenquoten in der Region Hannover die des Landes jeweils übersteigen.
Bei der Jugendarbeitslosigkeit, die unter den 15 bis unter 20-Jährigen mit 5,3% zunächst recht gering
auszufallen scheint, ist die Abweichung vom Landeswert (3,0%) am größten. Gegenüber dem Landeswert ist die Jugendarbeitslosigkeit um den Faktor 1,8 höher, während die Gesamtquote und auch
alle anderen gruppenspezifischen Arbeitslosenquoten zwischen dem Faktor 1,2 und 1,4 über der Landesquote liegen. So betrachtet gibt es in der Region Hannover eine gegenüber dem Land auffallend
hohe Jugendarbeitslosigkeit und damit gute Gründe für das Programm der Region Hannover gegen
Jugendarbeitslosigkeit.

22

Als arbeitslose Ausländerinnen und Ausländer zählt die Bundesagentur für Arbeit alle Personen ohne deutsche
Staatsangehörigkeit die in Deutschland eine Arbeitnehmertätigkeit ausüben dürfen, nicht staatenlos sind und
deren Staatsangehörigkeit geklärt ist. Ab dem Jahr 2011 werden zusätzliche Merkmale erfasst, die es zukünftig
ermöglichen werden auch Daten zu Personen mit Migrationshintergrund auswerten zu können.

Seite 33

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Leistungsbezieher/innen und Bedarfsgemeinschaften im SGB II
Ende 2013 bezogen rund 61.000 Bedarfsgemeinschaften bzw. rund 114.000 Personen Leistungen
nach dem SGB II (vgl. Tabelle 3.2.3 im Anhang). Da die Anzahl der Personen und die der Bedarfsgemeinschaften im Verlauf eines Jahres Schwankungen unterliegen, betrachtet man für Zeitreihenvergleiche die Entwicklung von Jahresmittelwerten (vgl. Tabelle 3.2.4). Seit 2005 haben sich sowohl die
Anzahl der Bedarfsgemeinschaften (+2,5%) als auch die der Leistungsberechtigten (+4,8%) leicht
erhöht. Die Daten deuten auf eine Stagnation der Entwicklung, teilweise auch auf eine Verfestigung
der Hilfebedürftigkeit hin. So waren Ende 2013 unter den rund 83.000 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im SGB II rund 57.000 Langzeitleistungsbezieherinnen und Langzeitleistungsbezieher, das
entspricht einem Anteil von 68,7%. Eine detaillierte Sonderauswertung der Gruppe der Langzeitleistungsbezieherinnen und Langzeitleistungsbezieher in der Region Hannover hat zudem gezeigt, dass
23
die Verweildauern im SGB-II-Bezug ansteigen. Demnach sind über 40.000 Personen bereits 4 Jahre
und länger im Hilfebezug – Tendenz steigend. Da die Gruppe der Leistungsberechtigten insgesamt
nicht nur sehr groß, sondern auch sehr heterogen zusammengesetzt ist, konzentrieren sich die folgenden Ausführungen auf ausgewählte Teilgruppen.
Die Region Hannover hat innerhalb des Rechtskreises des SGB II vier Gruppen identifiziert, denen
zukünftig unter sozialpolitischen Gesichtspunkten besondere Aufmerksamkeit zukommen soll:
•
•
•
•

Junge Menschen unter 25 Jahren
Bedarfsgemeinschaften Alleinerziehender
Langzeitleistungsbezieher/innen
Ergänzer/innen
24

In einer Informationsdrucksache zur Entwicklung im Bereich des SGB II wurden Anfang 2015 Aussagen zu Besonderheiten und zur Entwicklung der vier Zielgruppen getroffen, die hier im Folgenden
aufgegriffen werden sollen.
Die Gruppe der jungen Menschen unter 25 Jahren kann grob in zwei Teilgruppen unterteilt werden:
zum einen in die Gruppe der nicht erwerbsfähigen Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren (neLb),
25
die hier nicht gemeint ist, zum anderen in die Gruppe der erwerbsfähigen Jungen Menschen im Alter
von 15 bis 25 Jahren (eLb), die hier näher beleuchtet werden soll.
Wie weiter oben bereits gezeigt ist die Teilgruppe der 15 bis unter 20-Jährigen im Hinblick auf Arbeitslosigkeit in der Region Hannover deutlich stärker betroffen als im Landesvergleich (Quote 5,3%, Faktor gegenüber dem Landesdurchschnitt 1,8). In der Entwicklung der absoluten Zahlen ist sei 2005 für
die erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Alter von 15 bis unter 25-Jährigen ein leichter Rückgang
um minus 895 Personen oder 5,6% zu verzeichnen (siehe Tabelle 3.2.4 im Angang). Im Jahresmittel
waren 2013 15.051 Jugendliche und junge Erwachsene betroffen, das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 12,3% an der gleichaltrigen Bevölkerung (eLB insgesamt 10,9%, siehe Tabelle 3.2.3
im Anhang). Von den rund 15.000 Leistungsberechtigten unter 25 Jahren im SGB II waren Ende 2013
nur rund ein Fünftel, nämlich 3.100 Personen als arbeitslos registriert.
Der Gruppe der Alleinerziehenden im SGB II-Bezug wird seit einigen Jahren besondere Aufmerksamkeit zuteil. Zum einen, weil sich Ende 2013 41,9% aller Haushalte Alleinerziehender (11.127 von
26.529) im SGB II Bezug befanden, zum anderen weil die Armutsgefährdungsquote Alleinerziehender
insgesamt mit rund 44% auch landes- und bundesweit alarmierend hoch und ansteigend ist (vgl. Tabelle 3.2.4 im Anhang sowie Kapitel und Tabelle 4.2).
Viele Alleinerziehende befinden sich dabei in einem ganz praktischen Dilemma: Einerseits sind sie als
Alleinverdiener/innen auf die eigene Berufstätigkeit ganz besonders angewiesen, anderseits müssen
sie sich ebenfalls alleine um die Betreuung ihrer Kinder kümmern. Der Spagat zwischen Familienarbeit und Erwerbsarbeit ist dabei oft nur durch Teilzeitbeschäftigung oder durch den vorübergebenden
Verzicht auf Beschäftigung zu bewältigen. Hinzu kommt ein Anteil von 63% der arbeitslosen Alleiner-

23

Als Langzeitleistungsbezieher gelten alle erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, die innerhalb der letzten 24
Monate mindestens 21 Monate hilfebedürftig nach dem SGB II waren. Vgl. die ausführliche Expertise „Langzeitleistungsbezieherinnen und Langzeitleistungsbezieher in der Region Hannover“, erstellt durch con_sens im Jahr
2014 im Auftrag der Region Hannover.
24

Siehe dazu auch Informationsdrucksache Rückblick 2014 sowie aktuelle Information der Gemeinsamen Einrichtung Jobcenter Region Hannover, veröffentlicht Februar 2015.
25

Aussagen zu Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren sollen nicht an dieser Stelle, sondern werden in Kapitel 5.1 im Zusammenhang der Bewertung der Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen getroffen.

Seite 34

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

ziehenden, die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben, was in etwa dem Durchschnitt aller
Arbeitslosen im SGB II entspricht. Im Ergebnis zeichnet sich die Gruppe der Alleinziehenden nicht nur
im SGB II-Bezug durch eine relativ hohe Erwerbsbeteiligung bei eher niedrigen Einkünften aus, die
verhältnismäßig häufig durch Grundsicherungsleistungen aufgestockt werden müssen.
Die Bedarfsgemeinschaften Alleinerziehender stellen Ende 2013 53,4% aller Bedarfsgemeinschaften
mit Kindern aber nur 23,5% aller Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren. Sie sind damit weit überproportional von Transferleistungen abhängig. In den Bedarfsgemeinschaften Alleinerziehender leben
rund 17.600 Kinder (47,6% der Kinder im SGB II) gegenüber rund 19.400 Kindern in PaarBedarfsgemeinschaften.
Abbildung 24 Alleinerziehende im SGB II
Alleinerziehende im SGB II-Bezug in der Region Hannover Dezember 2013
absolut

in %

Erwerbsfähige und nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte

11.127

100,0

erwerbsfähige Leistungsberechtigte (eLB)

10.853

100,0

davon erwerbstätig

3.827

35,3

davon abhängig erwerbstätig

3.569

32,9

313

2,9

3.569

100,0

davon selbstständig erwerbstätig

abhängig erwerbstätig
davon Vollzeit

286

8,0

21

0,6

davon Teilzeit

3.283

92,0

Teilzeit erwerbstätig

3.283

100,0

davon sozialversicherungspflichtig

1.590

48,4

davon geringfügig entlohnt ausschließlich (Haupterwerb)

1.348

41,1

345

10,5

darunter Azubis

davon ohne Beschäftigungsmeldung
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Statistik Service Nordost, Sonderauswertung

Seit 2007 hat die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften Alleinerziehender im SGB II-Bezug in der Region
Hannover leicht zugenommen (plus 4,1%). Ende 2013 waren von den 11.127 Alleinerziehenden im
SGB II-Bezug 3.569 als abhängig erwerbstätige beschäftigt und damit jede/r dritte Alleinerziehende/r
(32,9%, siehe unten). Weitere 313 Alleinerziehende waren als Selbständige berufstätig (zusammen
35,3%). Damit liegt die Erwerbsquote der Alleinerziehenden über der aller erwerbsfähigen Leistungsberechtigten. Aber nur 286 Alleinerziehende gingen dabei einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung nach (8,0%), die allerdings unterhalb eines existenzsichernden Niveaus entlohnt
wurde. Der überwiegende Teil der erwerbstätigen Alleinerziehenden ging einer Teilzeitbeschäftigung
nach (92%), dabei häufig einer geringfügig entlohnten Beschäftigung (Minijob im Haupterwerb,
41,4%).
Die Tabelle spiegelt die Situation der Alleinerziehenden am Arbeitsmarkt. Vollzeitbeschäftigung ist für
viele wegen der Erziehungs- und Betreuungsaufgaben nur schwer möglich, Teilzeitbeschäftigung
sichert hingegen oft nicht den notwendigen Lebensunterhalt. So erklärt sich die hohe Abhängigkeit
von SGB II-Leistungen bei gleichzeitig hoher Erwerbsbeteiligung.
Bei „den Alleinerziehenden“ handelt es sich nicht um eine homogene Gruppe. Alleinerziehende gibt es
unter Migranten/innen, bei jungen Frauen unter 25 Jahren oder Älteren über 50 Jahren, bei Frauen mit
Gewalterfahrung oder in Konfliktsituationen und Berufsrückkehrer/innen. Die Versorgung minderjähriger Kinder ist ein wichtiger, meist jedoch nicht der alleinige Grund für Vermittlungshemmnisse in das
Arbeitsleben. Mitunter liegen multiple Problemlagen vor, die für die Betroffenen zeitliche und emotionale Barrieren bilden und sie häuslich binden. Zu den Betreuungsproblemen kommen Schwierigkeiten
wie beispielsweise Schulden, Trennung vom Lebenspartner, Schwierigkeiten bei den SorgerechtsreSeite 35

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

gelungen, Probleme in der Kindererziehung, psychische oder körperliche Beeinträchtigungen nach
Gewalterfahrungen, mitunter wenig Erfahrung mit selbständiger Lebensweise, Schwierigkeiten, eine
bedarfsgerechte Wohnung zu finden oder Schwierigkeiten mit dem Aufenthaltsstatus. Vielfach fehlt
auch (noch) eine Berufsausbildung oder ein Schulabschluss.
Maßnahmen für die heterogene Gruppe der Alleinerziehenden sollten deshalb auf mehreren Ebenen
ansetzen:
•
•
•
•
•

Sicherstellung ausreichender, verlässlicher und flexibler Kinderbetreuungsangebote die eine nicht
nur geringfügige Berufstätigkeit oder eine Ausbildung ermöglichen.
Teilzeitausbildungsangebote für Berufsfelder, die eine existenzsichernde Beschäftigungsperspektive bieten.
Passgenaue Maßnahmen zur Arbeitsmarkintegration, die die heterogenen Lebenslagen Alleinerziehender berücksichtigen.
Flankierende Beratungs- und Unterstützungsangebote (z. B. kommunale Eingliederungsleistungen, Familienberatung etc.).
Unterstützung bei der Durchsetzung von anderen finanziellen Ansprüchen und Unterstützungsmöglichkeiten, z. B. Unterhalt, um Transferleistungsbezug zu vermeiden.

Im Jahr 2013 waren rund 25.000 erwerbsfähige Leistungsbezieher erwerbstätig, dass heißt, sie gingen neben dem Leistungsbezug einer bezahlten Erwerbstätigkeit nach. Unter diesen sogenannten
„Ergänzern“ werden Personen verstanden, die gleichzeitig Erwerbseinkommen erzielen und Leistungen nach dem SGB II erhalten. Das Sozialgesetzbuch II ermöglicht Erwerbstätigkeit parallel zum Leistungsbezug, so dass sich das Einkommen der „Ergänzer“ als Kombination aus Transferleistung und
Arbeitslohn darstellt. Dadurch erhöht sich nicht nur das verfügbare Nettoeinkommen der Leistungsberechtigten durch Freibeträge aus den Einkünften, sondern durch die Anrechnung des Erwerbseinkommens erwirtschaften die „Ergänzer“ einen Teil der ihnen zustehenden Leistungen selbst.
Die Anzahl der „Ergänzer“ ist in den letzten Jahren markant angestiegen, nämlich von 19.528 in 2007
auf 25.338 in 2013 (plus 29,7%) (vgl. Tabelle 3.2.4 im Anhang). Ihr Anteil an allen erwerbsfähigen
Leistungsbeziehern ist zugleich von 22,7% auf 30,5% gestiegen, womit knapp ein Drittel der erwerbsfähigen Leistungsbezieher nicht vollständig arbeitslos ist, sondern beschäftigt, allerdings ohne existenzsicherndes Einkommen. Darunter sind wie oben gezeigt nicht wenige Alleinerziehende (15,1%
aller Ergänzerinnen und Ergänzer).
Die Beurteilung dieses Phänomens fällt unterschiedlich aus. Auf der einen Seite wird kritisiert, dass
speziell in dienstleistungsorientierten Branchen zunehmend Arbeitsplätze entstehen, deren Entlohnung nicht mehr existenzsichernd ist. Auf der anderen Seite wird positiv hervorgehoben, dass die
ergänzende Erwerbstätigkeit eine „Brücke“ in den Arbeitsmarkt und eine Chance zur Beendigung der
Hilfebedürftigkeit darstelle. Für das erste Argument spricht der auch für die Region Hannover bereits
in Kapitel 3.1 festgestellte tatsächliche Anstieg „atypischer Beschäftigung“ und das nicht geringe
Ausmaß des Niedriglohnbereichs unter den Vollzeitbeschäftigten, was – je nach Haushaltskonstellation – nicht immer existenzsichernde Einkünfte garantiert. Für die zweite Argumentation spricht, dass
soziale Teilhabe in besonderem Maße über Erwerbstätigkeit vermittelt ist und dass Langzeitarbeitslosigkeit und Langzeitleistungsbezug integrationshemmend wirken können und soziale wie auch gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorrufen können, wodurch die Beschäftigungschancen weiter
sinken.
Unabhängig davon, welcher Argumentation man eher folgt, stellt doch der ergänzende Bezug von
Mindestsicherungsleistungen für Erwerbstätige keine befriedigende Lösung auf Dauer dar. Die Gründe, warum Beschäftigte trotz Erwerbstätigkeit auf Leistungen des SGB II angewiesen sind mögen im
Einzelfall unterschiedlich sein, häufige Gründe sind jedoch:
•
•
•

geringer Stundenumfang der Erwerbstätigkeit,
geringer Stundenlohn / Beschäftigung im Niedriglohnsektor,
und / oder der / die Erwerbstätige sorgen (ggf. allein) für eine Familie / für Angehörige, wodurch
das Erwerbseinkommen für den Haushalt insgesamt nicht existenzsichernd ist.

Aus dieser Perspektive betrachtet liefert das „Brücke-Argument“ keine stichhaltige Begründung für die
Ursachen des Anwachsens der Gruppe der „Ergänzer“, sondern gewinnt dem Phänomen lediglich
positive Aspekte ab. Hauptursächlich ist das Anwachsen atypischer und gering entlohnter Beschäftigungsformen. Damit entwickelt sich das SGB II zunehmend in Richtung eines sozialen Sicherungssystems für Arbeitsuchende und Erwerbstätige mit nicht existenzsichernden Erwerbseinkünften. Der
„Erfolg“ der atypischen Beschäftigungsformen wird durch das SGB II so gestützt, wobei bestimmte
Branchen, insbesondere aus dem Dienstleistungsbereich (z. B Gebäudebetreuung, Garten- und
Seite 36

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Landschaftsbau, Einzelhandel, Arbeitnehmerüberlassung, Gastronomie), verstärkt auf diese Form der
„Lohnsubventionierung“ zu bauen scheinen.
Ansatzpunkte für Maßnahmen für Ergänzerinnen und Ergänzer könnten sein:
•
•
•
•
•
•

Nachrangige Vermittlung in geringfügige Beschäftigung und offensichtlich nicht existenzsichernde
Beschäftigung
Beratung und Unterstützung der Ergänzer mit dem Ziel den Arbeitsumfang wo möglich zu erhöhen, von geringfügig entlohnter in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu wechseln
Förderung der (Erst)Ausbildung und Qualifizierung zur Erhöhung der Arbeitsmarktchancen
Förderung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung möglichst oberhalb des Niedriglohnbereichs
Überprüfung von möglicherweise gesetzwidrigem Niedriglohn
Laufende Beobachtung des Phänomens mit dem Ziel der Vermeidung von „Langzeitergänzerbiografien“ und verdeckter Lohnsubvention.

Seite 37

Sozialbericht 2015

4

Soziale Lagen in der Region Hannover

Einkommen und prekäre finanzielle Lebenslagen

Die finanzielle Situation der Einwohnerinnen und Einwohner ist eine zentrale Dimension sozialer
26
Gleichheit bzw. Ungleichheit. Hierzu stehen auf kommunaler Ebene jedoch nur wenige aussagekräftige Datenquellen zur Verfügung. In der Sozialberichterstattung haben sich in den letzten Jahren vor
allem zwei zentrale Indikatoren herausgebildet, um die ökonomische Situation zu beschreiben.
Zum einen gibt es auf kommunaler Ebene Daten über die Empfängerinnen und Empfänger von staatlichen Leistungen zur Sicherung des Existenzminimums. Da diese Leistungen erst nach erfolgter Einkommensprüfung gezahlt werden und der gleichzeitige Bezug mehrerer Grundsicherungsarten ausgeschlossen ist, gibt die Anzahl der Empfängerinnen und Empfänger Auskunft darüber, wie viele Personen ohne diese Leistungen kein existenzsicherndes Einkommen hätten. Es handelt sich somit um
die behördlich wahrgenommene Einkommensarmut, denen die Grundsicherungsleistungen entgegenwirken. Hierfür werden alle Leistungsempfängerinnen und -Empfänger von Arbeitslosengeld II und
Sozialgeld nach dem SGB II, von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, von Hilfe zum
Lebensunterhalt nach dem SGB XII sowie nach dem Asylbewerberleistungsgesetz addiert. Für diesen
Indikator werden Begriffe wie „bekämpfte Armut“, „Mindestsicherungsquote“, „Transferleistungsquote“
oder wie hier „Empfänger/innen von Mindestsicherungsleistungen“ verwendet (siehe Kapitel 4.1).
Zweitens stehen Einkommensdaten aus dem Mikrozensus zur Verfügung, eine bundesweite repräsentative Befragung von einem Prozent der Haushalte. Ausgehend von einem so bestimmten Einkommensdurchschnitt werden Armuts- und Reichtumsschwellen ermittelt. Bei einem Einkommen von unter
50% des durchschnittlichen Einkommens wird von „Armut“ gesprochen. Liegt das Einkommen unterhalb der 60-Prozent-Grenze spricht man von „Armutsgefährdung“, oberhalb der 200-Prozent-Grenze
von „Reichtum“. Da die Setzungen vom jeweiligen Bundes-, Landes- oder Regionaldurchschnitt der
Einkommen ausgehen, wird dieser Armutsbegriff auch als „relative Armut“ bezeichnet. Der Vorteil
dieses Ansatzes liegt darin, dass er einen an der jeweiligen regionalen Einkommenslage und damit an
gesellschaftlicher „Normalität“ orientierten Indikator für Einkommensarmut bzw. -Reichtum liefert und
dass er Daten über die Einkommenslagen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen liefern kann. Ein
Nachteil ist die aufgrund des begrenzten Stichprobenumfangs kleinste räumliche Auswertungsebene
von 500.000 Einwohnerinnen und Einwohner (siehe Kapitel 4.2).
Diese beiden Indikatoren, „Empfänger/innen von Mindestsicherungsleistungen“ und „Armutsgefährdung“ liefern zwei sich sinnvoll ergänzende Informationen über die finanzielle Lage der Bürgerinnen
und Bürger, jedoch methodisch bedingt keine identischen Werte. So ist zu beachten, dass in die über
die Einkommensermittlung festgestellten Armuts- und Reichtumslagen neben weiteren Einkommensquellen auch staatliche Transferleistungen zur Sicherung des Existenzminimums und andere staatliche Leistungen wie Kinder- und Wohngeld etc. einfließen. Da die Transferleistungen der Bezieherinnen und Bezieher von staatlichen Mindestsicherungsleistungen, je nach Haushaltstyp und regionalem
Durchschnittseinkommen, im Korridor zwischen der 50-Prozent-Schwelle und der 60-ProzentSchwelle des mittleren Einkommens liegen, leuchten beide Indikatoren zusammen die Gruppe der
Personen aus, die entweder nur durch staatliche Transferleistungen knapp über die relative Armutsschwelle gehoben werden („bekämpfte Armut“) oder aber trotz leicht darüber liegendem (eigenen)
Einkommen noch immer unterhalb der 60-Prozent-Schwelle der Armutsgefährdung liegen.
Folgt man den Daten des SchuldnerAltlas 2014 leben in der Region Hannover rund 114.000 überschuldete Personen. Obwohl Überschuldung jede/n treffen kann gibt es einen deutlichen Zusammenhang zur Einkommensarmut, was u. a durch Daten auf regionaler Ebene, aber auch durch Daten der
durch die Schuldnerberatungsstellen beratenen Personen belegt wird (siehe Kapitel 4.3).
Aus den Daten der Finanzämter stehen im Abstand von drei Jahren auf Gemeindeebene Daten über
das Gesamteinkommen der Steuerpflichtigen zur Verfügung. Diese Daten liefern vor allem Aufschluss
darüber, wie hoch das durchschnittliche Gesamteinkommen pro Steuerpflichtigem ist und wie hoch die
Anteile der Steuerpflichtigen mit niedrigen bzw. mit hohen Gesamteinkünften sind. Diese Daten werden hier erstmals aufgegriffen, um das Einkommensgefüge vor Steuern im kommunalen Vergleich
abzubilden (siehe Kapitel 4.4).

26

Die Einkommenssituation kann als wichtiges Indiz für die soziale Lage dienen. Weitere zentrale Dimensionen
sozialer Ungleichheit sind z. B. Geschlecht und Herkunft. Die Einkommenssituation, oder auch das „ökonomische
Kapital“ markieren somit nicht allein die soziale Lage von Personen. Wichtigen Einfluss haben neben den anderen genannten Dimensionen auch das jeweilige „kulturelle“ und „soziale Kapital“, worunter man Bildungs- und
Beziehungsressourcen verstehen kann.

Seite 38

Sozialbericht 2015

4.1

Soziale Lagen in der Region Hannover

Empfängerinnen und Empfänger von Mindestsicherungsleistungen

Der Indikator „Empfänger/innen von Mindestsicherungsleistungen“ basiert auf einer Zusammenfassung von verschiedenen vorrangigen Hilfen zur Sicherung des Lebensunterhaltes, die der örtliche
Träger der Sozialhilfe bzw. das Jobcenter gewähren. Der hier verwendete Indikator fasst folgende
Leistungen bzw. Personengruppen zusammen:
Abbildung 25 Empfängerinnen und Empfänger von Mindestsicherungsleistungen
Empfänger/innen von Mindestsicherungsleistungen Dezember 2013
Empfängern/innen
absolut

Hilfeart

1. Leistungen nach SGB II

Anteil an allen
Empfängern/innen in
Prozent

Anteil an
allen Einwohwohnern/innen in
Prozent

113.958

84,3

10,0

Arbeitslosengeld II (eLb)

82.101

60,7

7,2

Sozialgeld (neLb)

31.857

23,6

2,8

15.736

12,8

1,4

3. Hilfe zum Lebensunterhalt (HLU) (außerhalb von Einrichtungen)

1.937

1,4

0,2

4. Leistungen nach Asylbewerber-Leistungsgesetz (AsylbLG)

3.570

2,6

0,3

135.201

100,0

11,9

darunter:

2. Grundsicherung nach SGB XII (außerhalb von Einrichtungen)

insgesamt

Quelle: Jobcenter Region Hannover Jobcenter konkret 3/2014, Städte und Gemeinden der Region Hannover, Region Hannover

Über 84% der Empfängerinnen und Empfänger von Mindestsicherungsleistungen beziehen Leistungen für Arbeitsuchende nach dem SGB II. Diese große Gruppe unterteilt sich in nicht erwerbsfähige
Leistungsbezieher (neLb), die Sozialgeld beziehen (zumeist Kinder) und erwerbsfähige Leistungsbe27
zieher (eLb), die Arbeitslosengeld II beziehen. Neben dieser großen Gruppe spielt nur noch die
Gruppe der Bezieherinnen und Bezieher von Grundsicherung bei Erwerbsunfähigkeit und im Alter mit
einem Anteil von 11,5% eine größere Rolle. Die Hilfe zum Lebensunterhalt ist seit der Hartz IV Reform
zum 01.01.2005 zu einer weitgehend unbedeutenden Hilfeart geworden und auch die Zahl der Leistungsbezieher nach dem Asylbewerberleistungsgesetz ist – obwohl in letzter Zeit wieder stark ansteigend – demgegenüber relativ gering. Insgesamt gab es Ende 2013 rund 135.000 Bezieherinnen und
Bezieher von Mindestsicherungsleistungen in der Region Hannover, was einem Bevölkerungsanteil
28
von 11,9% entspricht. Damit hat sich die Gesamtzahl und der Anteil der Empfängerinnen und Empfänger von Mindestsicherungsleistungen gegenüber 2009 von 133.913 auf 135.201 leicht erhöht (vgl.
Tabelle 4.1.1 im Anhang).
Insgesamt reichen nach wie vor bei jeder bzw. jedem Achten bis Neunten die eigenen Einkünfte nicht
aus, um den Lebensunterhalt ohne zusätzliche staatliche Mindestsicherungsleistungen zu bestreiten.
Darüber hinaus muss davon ausgegangen werden, dass es Personen gibt, die aus unterschiedlichen
Gründen keine der hier aufgeführten Mindestsicherungsleistungen erhalten bzw. beantragt haben, von
ihrer Einkommenssituation her aber als einkommensarm gelten können. Diese „Lücke“ zwischen behördlich bekannter und tatsächlicher Bedürftigkeit kann auf Grundlage dieser Daten nicht quantifiziert
werden. Ergänzend sei an dieser Stelle deshalb auf die im folgenden Kapitel dargestellten Armutsgefährdungsquoten hingewiesen, die die Anzahl und den Anteil unterschiedlicher Personengruppen mit
nur knapp existenzsichernden Einkünften aus einer anderen Datenquelle heraus ausleuchten.
In der sozialräumlichen Differenzierung zeigen sich deutliche regionale Differenzen. Die geringsten
Anteile von Empfängerinnen und Empfängern von Mindestsicherungsleistungen finden sich wie schon
2009 und den Folgejahren im Norden (Isernhagen, Wedemark, Burgwedel) sowie im Südwesten der
Region Hannover (Pattensen, Gehrden, Hemmingen, Wennigsen). In der Landeshauptstadt Hannover
und in den angrenzenden mit der Landeshauptstadt eng verflochtenen Siedlungsräumen, den Städten
Laatzen, Garbsen, Seelze, Ronnenberg und Langenhagen, finden sich demgegenüber die höchsten

27

Näheres zur Gruppe der Kinder siehe Kapitel 5.1. In der Gruppe der erwerbsfähigen Leistungsbezieher kann
man unterschiedliche Teilgruppen differenzieren, wie z. B. „Arbeitsuchende“, „Arbeitslose“ etc. (siehe Kapitel 4.2).
28

Der Wert für Niedersachen lag 2012 bei 8,8%. Die hier verwendete Definition des Indikators deckt sich bis auf
kleine Abweichungen mit der der statistischen Landesämtern. Vgl. www.amtliche-sozialberichterstattung.de

Seite 39

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

29

Anteile. Die Wertespanne, die der Indikator „Empfänger/innen von Mindestsicherungsleistungen“ von
Isernhagen (4,3%) bis zur Landeshauptstadt Hannover (15,7%) umfasst, ist ein deutlicher Hinweis auf
segregierte Lebenslagen innerhalb der Region Hannover, wobei sich Struktur und Ausmaß der sozialen Unterschiede im Laufe der Jahre nur langsam verändern.
Abbildung 26 Mindestsicherungsempfänger/innen
Anteil der Empfänger/innen von Mindestsicherungsleistungen* an der
Gesamtbevölkerung 2013 in Prozent, Region Hannover

15,7

15

13,3

10
5

4,3

4,6

5,3

5,4

5,7

5,8

6,1

6,1

7,2

7,3

7,9

8,2

8,3

8,7

9,8

11,4 11,9
10,6 10,7 11,3

0

*Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Grundsicherung avE, HLU avE, Leistungen nach dem AsylbLG
Quelle: Jobcenter Region Hannover Jobcenter konkret 3/2014, Städte und Gemeinden der Region Hannover, Region Hannover

In Bezug auf die Entwicklung absoluten Zahlen der Mindestsicherungsempfängerinnen und Empfänger von 2009 bis 2013 zeigt sich eine differenziertere Dynamik, obwohl der Anteil der Empfängerinnen und Empfänger an der Gesamtbevölkerung insgesamt mit 12,0% in 2009 bzw. 11,9% in
2013 stabil geblieben und teilweise geringfügig zurückgegangen ist (vgl. Tabelle 4.1.2 im Anhang).
Abbildung 27 Mindestsicherungsempfänger/innen
Entwicklung der Empfänger/innen von Mindestsicherungsleistungen von 2009
bis 2013 in absoluten Zahlen und in Prozent, Region Hannover

10,0

7,8
5,8

5,0

1,9 1,9 2,0 2,6
1,0 1,4 1,6 1,7

0,0
-0,6 -0,4 -0,3
-5,0
-5,0
-6,0 -5,5 -5,4 -5,4

-4,0 -3,9 -3,6

-10,0
-15,0

-12,2

Quelle: Jobcenter Region Hannover Jobcenter konkret 3/2014, Städte und Gemeinden der Region Hannover, Region Hannover

29

Ergänzend ist anzumerken, dass es sich hier Durchschnittswerte pro Kommune handelt. Bei kleinräumigerer
Betrachtung würden sich auf der Ebene einzelner Ortsteile einer Kommune Unterschiede zeigen. So weist bspw.
der Sozialbericht der Landeshauptstadt Hannover für den gleichen Indikator bei einem stadtweiten Durchschnittswert von 15,2% für 2011 auf Stadtteilebene eine Spanne von 1,2% im Stadtteil Isernhagen Süd bis 36,5%
im Stadtteil Mühlenberg aus (vgl. Landeshauptstadt Hannover, Sozialbericht 2013, S. 48 ff und Tabelle 9). Für die
Städte und Gemeinden im Umland der Stadt Hannover liegen kleinräumige Daten bisher leider nicht vor.

Seite 40

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Die Landeshauptstadt Hannover und die mit ihr eng verflochtenen und eher urban geprägten Städte
Ronnenberg, Laatzen, Langenhagen und Garbsen, die schon 2009 (und davor) hohe Anteile an Mindestsicherungsempfängerinnen und -Empfängern hatten, verzeichnen bis Ende 2013 einen weiteren
absoluten Anstieg der Empfängerzahlen. Davon ausgenommen ist lediglich die Stadt Seelze mit einem Rückgang um 6,0% bezogen auf die absoluten Zahlen. Auf der anderen Seite konnten Städte
und Gemeinden mit vergleichsweise mittleren bis geringen Empfängerquoten diese in den letzten
Jahren meist weiter leicht verringern. Zu nennen sind hier mit geringen Rückgängen ab 5 Prozent
Uetze, Pattensen, Wennigsen und Wunstorf. Den stärksten Rückgang verzeichnet Sehnde mit 12,2%.
Die Entwicklung der Empfängerquoten, die auch von der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung mit
beeinflusst wird, verläuft ähnlich und kann in Tabelle 4.1.2 im Anhang nachgeschlagen werden. Insgesamt setzt sich damit der schon im letzten Sozialbericht festgestellte Trend einer langsam fortschreitenden sozialräumlichen Segregation der Lebenslagen weiter fort.

4.2

Relative Armut

Die folgenden Daten zur „relativen Armut“ in der Region Hannover basieren auf Einkommenserhebungen des jährlich durchgeführten Mikrozensus, die von den statistischen Landesämtern ausgewertet und veröffentlicht werden. Dabei ist zu beachten, dass die Armutsrisikoquoten Daten liefern, die die
Einkommenssituation der Bevölkerung nach Zahlung staatlicher Transferleistungen wie z. B. Kindergeld, Wohngeld oder auch Mindestsicherungsleistungen abbilden, über die in Kapitel 4.1 ein Überblick
gibt. Da die Regelsätze der Mindestsicherungsleistungen so bemessen sind, dass sie zwar vor „relativer Armut“ schützen – nicht weniger als 50% des Durchschnittseinkommens – aber meist nur knapp
über dieser Schwelle liegen, fallen die meisten Empfängerinnen und Empfänger dieser Leistungen
unter die 60-Prozent-Schwelle und zählen somit zu den von Armut gefährdeten Personen.
Abbildung 28 Armutsgefährdungs- und Reichtumsquoten in der Region Hannover
Armutsgefährdungs- und Reichtumsquoten 2013
Daten aus dem Mikrozensus
„Reichtum“

Empfänger/innen von
Mindestsicherung in %

Regionales
Nettoäquivalenzeinkommen für eine
Person in €

Armutsgefährdungsschwelle
(60%) für eine
Person in €

Armutsgefährdungsquote in %

Mittlere Einkommen in %

Hohe und
höchste
Einkommen
in %

Stadt Hannover

1.393

836

17,1

71,9

11,0

Region ohne LHH

1.591

955

14,9

78,9

6,2

8,6

Region Hannover

- /-

-/-

-/-

-/-

-/-

11,9

1.479

887

15,8

76,8

7,4

8,8*

Niedersachsen
Anmerkung

„Armut“

„Mitte“

15,7

Berechnungen für die Region Hannover insgesamt liegen leider nicht vor, weil lediglich die Stadt
Hannover und das Umland der Region Hannover als Anpassungsschichten von jeweils rund 500.000
Einwohnern regelmäßig berechnet werden. Die Hochrechnung auf die Gesamtbevölkerung basiert
auf den fortgeschriebenen Ergebnissen des Zensus 2011. * Daten Mindestsicherung Niedersachsen
abweichend für das Jahr 2012, Daten für 2013 liegen hier noch nicht vor.

Quellen: Sonderauswertung aus dem Mikrozensus durch NRW IT, Empfänger/innen von Mindestsicherung Region Hannover.

Das Konzept der „relativen Armut“ geht von der Ermittlung eines durchschnittlichen Einkommens aus,
das sich für die Bundesländer mit 1.632 Euro in Baden-Württemberg bis 1.225 Euro in MecklenburgVorpommern 2013 recht unterschiedlich darstellt. Niedersachsen liegt mit 1.479 Euro nur knapp unter
dem Bundesdurchschnitt von 1.487 Euro und damit im Mittelfeld. Ein regional differenziert ermitteltes
Durchschnittseinkommen nach dem sogenannten Regionalkonzept ist deshalb dem bundesweiten
Durchschnittswert vorzuziehen, da regionale Einkommenslagen und Lebenshaltungskosten vom bundesweiten Durchschnitt abweichen. Die Abbildung oben fasst die Kerndaten der regionalen Armutsberichterstattung für das Jahr 2013 für die Region Hannover zusammen. Demnach liegen die für die
Stadt Hannover und die hier zusammengefassten Städte und Gemeinden im Umland ermittelten regionalen Äquivalenzeinkommen einer Person mit 1.393 bzw. 1.591 Euro recht weit auseinander.

Seite 41

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Das durchschnittliche monatliche Äquivalenzeinkommen kann mit Hilfe einer Bedarfsgewichtung auf
30
die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen umgerechnet werden. Als zentraler Indikatorwert
wird zumeist die Armutsgefährdungsquote gewählt, also die Anzahl der Personen, die mit ihrem Einkommen, bzw. als Haushalt mit ihrem bedarfsgewichteten Haushaltseinkommen, unterhalb der 60Prozent-Schwelle liegen. Diese Schwelle wurde gewählt, weil sie auch den Personenkreis einschließt,
der nur knapp oberhalb der Einkommensbemessungsgrenze liegt, die für die Mindestsicherungsleistungen gilt. Damit stellt dieser Indikator eine sinnvolle Ergänzung zu der Anzahl der Empfängerinnen
und Empfänger von Mindestsicherungsleistungen dar. Besonders deutlich wird diese ergänzende
Funktion im Fall der 20 regionsangehörigen Städte und Gemeinden im Umland der Stadt Hannover,
deren Mindestsicherungsquote insgesamt bei relativ niedrigen 8,6% liegt (2009 8,7%). Die Quote der
Armutsgefährdeten liegt jedoch mit einem Wert von 14,9% (2009 15,7%) fast doppelt so hoch. Im
Umland der Landeshauptstadt leben zwar deutlich weniger Empfängerinnen und Empfänger von
staatlichen Mindestsicherungsleistungen, dafür aber offenbar relativ viele Personen, die nur wenig
mehr monatliches Haushaltseinkommen zur Verfügung haben. Die Stadt Hannover (17,1%) und sein
Umland (14,9%) liegen im Jahr 2013 in Bezug auf den Anteil der von Armut gefährdeten Bevölkerung
folglich deutlich näher beieinander als bei der Betrachtung der Anzahl der Empfängerinnen und Empfänger von Mindestsicherungsleistungen (15,7% zu 8,6%).
Eine Erklärung hierfür ist zunächst das im Umland höhere Durchschnittseinkommen, durch das auch
die relative Armutsgefährdungsschwelle höher liegt. Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern unter
14 Jahren gilt demnach in der Stadt Hannover unterhalb eines bedarfsgewichteten Nettoäquivalenzeinkommens von 1.756 Euro, im Umland jedoch unterhalb von 2.006 Euro als „armutsgefährdet“. Da
das Konzept der „relativen Armut“ jedoch dem Grundgedanken einer angemessenen Teilhabe am
jeweils üblichen Lebensstandard folgt, muss man einräumen, dass das „Mithalten“ und die Teilhabe
an den Lebens- und Konsumgewohnheiten dort, wo die Einkommen höher sind, eben auch mehr kostet. Ein zweiter Faktor kann darin vermutet werden, dass im Umland relativ mehr Familien mit Kindern
wohnen. Da jedes Kind die Armutsgefährdungsschwelle für den Haushalt mindestens um den Faktor
0,3 anhebt, ohne gleichzeitig entsprechend hohe Einkünfte in den Haushalt einzubringen (Kindergeld
etc.), sind Kinder auch in der Logik dieses Berechnungsmodells leider noch immer ein Armutsrisiko.
Der im Verhältnis höhere Familienanteil mit Kindern unter 18 Jahren an allen Haushalten ist vermutlich auch die Ursache für den insgesamt höheren Anteil mittlerer Einkommenslagen im Umland der
Stadt Hannover (78,9%), wohingegen die Einkommenslagen in Hannover weniger homogen sind und
es dort sowohl mehr niedrige und damit armutsgefährdete wie auch mehr hohe und höchste Einkommenslagen gibt, was vermutlich auf die hier zahlreicheren Einpersonenhaushalte zurückzuführen ist,
die nach diesem Konzept in der Stadt Hannover schon ab 2.786 Euro als „reich“ gelten.
Armutsrisiko ausgewählter Bevölkerungsgruppen in Niedersachsen
Je nach individueller Lebenslage ist das Armutsgefährdungsrisiko jedoch sehr unterschiedlich verteilt.
Der Vorteil der Methode der einkommensbasierten Ermittlung der relativen Armut liegt unter anderem
darin, dass man entlang der zusammen mit den Einkommensdaten ermittelten Sozialdaten jene Bevölkerungsgruppen bzw. Lebenslagen identifizieren kann, die in besonderem Maße einem Armutsgefährdungsrisiko ausgesetzt sind. Da hierfür eine Untergliederung der Gesamtstichprobe des Mikrozensus in zum Teil kleine Bevölkerungsgruppen notwendig ist, sind diese Daten jedoch nur bis auf
Landesebene abbildbar. Ende 2014 wurden die Armutsgefährdungsquoten für das Jahr 2013 veröf31
fentlicht, die Grundlage der folgenden Grafik und der Tabelle 4.2 im Anhang sind.
Das größte Armutsrisiko haben in Niedersachsen demnach mit einer Quote von 56,8% die Erwerbslosen, deren Armutsrisiko seit 2005 sogar um 7,5 Prozentpunkte gestiegen ist (2005 49,3%). Diese
relativ große Betroffenheit ist nicht überraschend, da die Erwerbslosen im SGB II-Bezug eine Mindestsicherungsleistung erhalten, die im Korridor zwischen „relativer Armut“ (50-Prozenht-Schwelle)
und „Armutsgefährdung“ (60-Prozent-Schwelle) liegt. Der Anstieg um 7,5 Prozentpunkte gegenüber
2005 erklärt sich vermutlich aus der im Verhältnis zu allen Erwerblosen größer werdenden Gruppe

30

Das durchschnittliche Nettoäquivalenzeinkommen gilt für eine bzw. die erste erwachsene Person. Jede weitere
erwachsene Person wird mit dem Faktor 0,5 und jedes weitere Kind unter 14 Jahren mit dem Faktor 0,3 hinzugerechnet. Das so bedarfsgewichtete mittlere Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen einer vierköpfigen Familie mit
zwei Kindern unter 14 Jahren liegt mit einem Faktor von 2,1 (1,0 +0,5 +0,3 +0,3) in der Stadt Hannover bei 2.879
Euro (1.371 x 2,1), im Umland ohne LHH bei 3.217 Euro (1.532 x 2,1). Die Armutsgefährdungsschwelle für einen
Singlehaushalt liegt bei 822 bzw. 919 Euro, für eine vierköpfige Familie bei 1.726 bzw. 1.930 Euro.
31

Vgl. Landesamt für Statistik Niedersachsen, Armutsgefährdung in Niedersachsen im Jahr 2013, Statistische
Monatshefte Niedersachsen 12/2014, S. 642 – 652.

Seite 42

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

von Langzeitarbeitslosen und Langzeitleistungsbeziehern im SGB II gegenüber von Leistungsbeziehern im SGB III, die in der Regel über der 60%-Schwelle liegen dürften.
Abbildung 29 Armutsrisikoquoten für ausgewählte Gruppen
Armutsrisikoquoten für ausgewählte Gruppen 2013 nach dem Regionalkonzept
in Prozent (Veränderung 2005 bis 2013 in Prozentpunkten Werte in Klammern),
Niedersachsen
Erwerbslose (7,5)

56,8

Qualifikation niedrig (ISCED 0 bis 2) (8,0)

42,4

1 Erwachsene(r) mit Kind(ern) (4,8)

42,3

ohne deutsche Staatsangehörigkeit (-7,0)

36,0

mit Migrationshintergrund (-4,7)

28,5

2 Erwachsene und 3 oder mehr Kinder (-2,1)

27,0

Einpersonenhaushalt (3,6)

26,5

18 bis unter 25 (-0,3)

25,6

unter 18 (-0,3)

19,9

weiblich (0,9)

16,6

Rentner/innen und Pensionäre/innen (4,6)

15,8

insgesamt (0,7)

15,8

männlich (0,4)

15,0

Qualifikation mittel (ISCED 3 und 4) (1,4)

14,1

2 Erwachsene und 1Kind (-0,4)

9,5

2 Erwachsene ohne Kind (0,2)

8,9

Erwerbstätige (1,0)

8,0

Qualifikation hoch (ISCED 5 und 6) (0,5)

5,2
0,0

10,0

20,0

30,0

40,0

50,0

60,0

Quelle: Landesamt für Statistik Niedersachsen, Statistische Monatshefte Niedersachsen 12/2014

Auch ein niedriges Qualifikationsniveau zählt den größten und an Bedeutung gewinnenden Armutsgefährdungsrisiken. 42,4% der gering Qualifizierten sind armutsgefährdet. Auch für diese Gruppe ist ein
Zuwachs von 8,0 Prozentpunkten seit 2005 zu verzeichnen.
Ebenfalls nicht überraschend, aber sozial- und familienpolitisch bedeutsam, ist die mit 42,3% weiterhin
hohe Armutsgefährdungsquote der Alleinerziehenden, die in den vergangenen Jahren trotz verstärkter
Aufmerksamkeit gegenüber dieser Gruppe um 4,8 Prozentpunkte angewachsen ist. Die
Alleinerziehenden sind als Gruppe zwar heterogen, dennoch häufen sich hier Merkmale bzw.
Lebenslagen, die das hohe Armutsrisko erklären. Ende 2013 waren in der Region Hannover 11.127
Alleinerziehende mit rund 17.600 Kindern als erwerbsfähige Hilfebedürftige im SGB II-Bezug, weit
überwiegend Frauen (vgl. Kap. 3.2). Die meisten arbeitslosen Alleinerziehenden im SBG II-Bezug sind
(noch) ohne Berufsabschluss, nämlich 62,8%, was allerdings auch für alle anderen Arbeitslosen im
SGB II in der Region Hannover gilt. Schwierige Rahmenbedingungen führen bei dieser Gruppe nicht
selten zu langfristiger Abhängigkeit von Mindestsicherungsleistungen und damit auch zu Armut und
Kinderarmut. Die auch im SGB II-Bezug häufig berufstätigen Alleinerziehenden (35,3%) stehen in
einem Spannungsfeld zwischen Erziehungsverantwortung, eigener Ausbildung und Erwerbsarbeit, die
oft zu Einschränkung, Unterbrechung oder Abbruch der Berufstätigkeit zugunsten der Kindererziehung
Seite 43

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

führt. Ein anhaltender Mangel an flexiblen und familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen und
Ausbildungsgängen erschwert den Zugang zu Ausbildung und existenzsichernder Beschäftigung
(siehe auch Kapitel 3.2).
Und schließlich gehören Bürgerinnen und Bürger ohne deutsche Staatsangehörigkeit und / oder mit
Migrationshintergrund noch immer zu den deutlich überproportional armutsgefährdeten Personengruppen mit 36,0% bzw. 28,5%. Positiv ist hier allerdings anzumerken, dass das Armutsgefährdungsrisiko bei beiden Gruppen seit 2005 kontinuierlich gesunken ist (-7,0 bzw. -4,7 Prozentpunkte). Ein
Erklärungsmuster könnte im Fachkräftemangel und in einem verstärkten Zuzug von gut ausgebildeten
Arbeitskräften liegen, die in ihren Heimatländern keine attraktive berufliche Perspektive mehr gesehen
haben, aber in Deutschland gute Beschäftigungschancen haben.
Dass Familien mit zwei Erwachsenen und drei oder mehr Kindern mit einem nur leicht gesunkenem
Risiko von 27,0% neben der Gruppe der Alleinerziehenden ebenfalls überdurchschnittlich häufig zu
den armutsgefährdeten Gruppen gehören zeigt, dass Kinder nach wie vor ein Armutsrisiko darstellen.
Folglich trägt auch die Gruppe der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren mit 19,9% ein überdurchschnittliches Armutsgefährdungsrisiko, das im Vergleich zu 2005 ebenfalls kaum gesunken ist.
Frauen tragen mit 16,6% ein leicht größeres Armutsgefährdungsrisiko als Männer (15,0%), wobei das
Risiko für Frauen in den letzten Jahren leicht angestiegen ist (+0,9 Prozentpunkte).
Auf der anderen Seite repräsentieren Hochqualifizierte (5,2%), Erwerbstätige (8,0%), Paare ohne Kind
(8,9%), Paare mit nur einem Kind (9,5%) sowie 50 bis 65-Jährige (11,7%) gesellschaftliche Gruppen
bzw. Lebenslagen mit deutlich unterdurchschnittlichen Armutsgefährdungsrisiken.
Prognose der Entwicklung der Armutsrisikoquoten
Richtet man den Fokus auf die Veränderungen der Armutsgefährdungsquoten in den letzten Jahren
so ergeben sich für die am stärksten von Armut bedrohten Gruppen in der Regel deutliche Zunahmen
der Risiken bzw. der Betroffenheit (Erwerbslose, Alleinerziehende, gering Qualifizierte). Weniger stark,
aber dennoch inzwischen auf den Wert des Gesamtdurchschnitts von 15,8% angestiegen ist das Armutsgefährdungsrisiko der Rentnerinnen und Rentner (plus 4,6 Prozentpunkte seit 2005). Wenn sich
dieser Trend fortsetzt, wird das Armutsgefährdungsrisiko der Rentnerinnen und Rentner schon in wenigen Jahren merklich über dem gesamtgesellschaftlichen Durchschnittsniveau bewegen (siehe fol32
gende Grafik unten).
Leicht gesunken ist das Armutsgefährdungsrisiko für die Paarfamilien mit einem, zwei und drei Kindern, deutlich gesunken ist das Armutsgefährdungsrisiko für die Bürgerinnen und Bürger ohne deutsche Staatsangehörigkeit und / oder mit Migrationshintergrund.
Bei all dem ist jedoch zu bedenken,
•
•
•

dass es sich hierbei um statistische Zusammenhänge bzw. Wahrscheinlichkeiten handelt und
nicht um eine Beurteilung individueller Lebenslagen, die sich in jedem Einzelfall natürlich anders
darstellen können,
dass mehrere Merkmale gleichzeitig zutreffen können, was das individuelle Armutsgefährdungsrisiko erhöhen oder aber senken kann,
dass die Risikoquoten nur Auskunft über das aktuelle Risiko und nicht über zukünftige Risiken
oder Chancen geben, die durch individuelle Statuspassagen (z. B. Abschluss einer Berufsausbildung), veränderte Lebenslagen (Eintritt oder Beendigung von Arbeitslosigkeit, Elternschaft) oder
gesellschaftliche Entwicklungen (wirtschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen, Umbau der
Sozialsysteme) eintreten können.

Dennoch liefern die Daten über die durchschnittlichen Armutsrisikoquoten wichtige Hinweise auf zentrale Handlungsfelder und Zielgruppen, auf die sich Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und zur Armutsprävention fokussieren können. Aus den oben beschriebenen Entwicklungen der gruppenbezo-

32

Die Armutsgefährdung der Frauen ab 65 Jahren liegt in Niedersachsen für 2012 mit 16,6% bereits über der
durchschnittlichen Armutsgefährdungsquote (15,4%) und somit auch über der der Männer ab 65 Jahren (11,7%)
(vgl. Statistische Monatshefte Niedersachsen 11/2013, S. 598 ff.) Noch wesentlich häufiger sind Seniorinnen und
Senioren ohne deutsche Staatsbürgerschaft von Armut bedroht. Ihre Armutsrisikoquote liegt einer Sonderauswertung aus den Mikrozensusdaten für 2011 in Deutschland bei 41,5% (vgl. Böckler Impuls 12/2013, S. 2). Das
Thema „Altersarmut“ ist folglich vor allem eine Folgeerscheinung der ungleichen Einkommenschancen im Erwerbsalter. Von Altersarmut werden zukünftig vor allem die Bevölkerungsgruppen betroffen sein, die schon heute
im Erwerbsalter überdurchschnittlich häufig davon betroffen sind vergleichsweise geringe Einkommen haben.

Seite 44

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

genen Armutsgefährdungsquoten kann man mit aller Vorsicht ein Szenario für die nahe Zukunft ableiten. Die Funktion eines solchen Szenarios liegt weniger darin, tatsächlich eintretende Armutsgefährdungsquoten zuverlässig vorherzusagen, sondern darin, ein Bild der zukünftigen Entwicklungen zu
zeichnen, um damit die Notwendigkeit von armutspräventiven Maßnahmen zu unterstreichen. Die
folgende Grafik zeigt ein Entwicklungsszenario, für das die Entwicklungen der Armutsgefährdungsquoten seit 2005 in Bezug auf ausgewählte Gruppen linear fortgeschrieben wurden.
Abbildung 30 Entwicklung und Prognose Armutsgefährdungsquoten
Entwicklung der Armutsrisikoquoten 2005 bis 2013 für ausgewählte Gruppen
und Szenario der Entwicklung bis 2018 (eigene lineare Hochrechnung der
bisherigen Entwicklung), Niedersachsen

63,0

60,0
56,8
50,0

49,3

47,4
46,1

43,0

42,3
42,2

37,5
34,4

36,0

25,9

25,6

15,1

15,8

40,0

30,3

30,0

23,9

20,0

10,0

18,1
16,0

11,2

0,0
2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

insgesamt

18 bis unter 25

Rentner/innen und Pensionäre/innen

Alleinerziehende

Erwerbslose

Qualifikation niedrig

2015

2016

2017

2018

ohne deutsche Staatsanghörigkeit
Quelle: Werte 2005 bis 2013 Landesamt für Statistik Niedersachsen, Statistische Monatshefte Niedersachsen 12/2014, Szenario ab 2014 eigene Berechnung

Während die gesamtdurchschnittliche Armutsgefährdungsquote für Niedersachsen in diesem Modell
bis 2018 mit 16,0% nur geringfügig ansteigt, wird die Armutsgefährdung bei den Erwerbslosen, den
Alleinerziehenden, den gering Qualifizierten und den Rentnerinnen und Rentnern weiter teils erheblich
steigen. Damit ist auch das Thema „Altersarmut“ als ein kommendes Thema markiert. Schon in wenigen Jahren könnte die Armutsgefährdung der Rentnerinnen und Rentner erkennbar über der der Gesamtbevölkerung liegen. Ursächlich hierfür ist vor allem die Entwicklung der Erwerbs- und Einkommenssituation der Bevölkerung in der Erwerbsphase. Erwerbslose, gering Qualifizierte, Alleinerziehende und atypisch Beschäftigte haben ein signifikant höheres Armutsrisiko im erwerbsfähigen Alter.
Wenn die Armutsgefährdung dieser Gruppen steigt, steigt damit auch das Risiko der Altersarmut.
Demgegenüber stehen rückläufige und damit positive Entwicklungen bei den Bürgerinnen und Bürgern ohne deutsche Staatsangehörigkeit und eine gleichbleibende Betroffenheit bei den 18 bis 25Jährigen. Insgesamt zeigt sich jedoch im Verlauf der letzten Jahre und der darauf fußenden Fortschreibung dieser Entwicklungen eine zunehmende Tendenz der gesellschaftlichen Spaltung, die
insbesondere die schon heute von Armut stärker bedrohten Gruppen weiter an den Rand der Gesellschaft drängt. Damit sind zugleich Personengruppen markiert, für die zukünftig vermehrt kompensatorische und armutspräventive Angebote notwendig sein werden.

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4.3

Soziale Lagen in der Region Hannover

Überschuldung

Private Haushalte bzw. Personen gelten als überschuldet, wenn Einkommen und Vermögen nicht
ausreichen um Verbindlichkeiten wie Miete, Energiekosten, Kreditraten etc. zu decken. Abhängig vom
Konsum- und Lebensstil sowie der Höhe der Verbindlichkeiten können Personen aller Einkommenslagen von Überschuldung betroffen sein. In der Praxis zeigt sich jedoch ein enger Zusammenhang zwischen Einkommensarmut und Überschuldungsrisiko.
Die hier genutzten Daten über überschuldete Personen stammen zum einen aus der Statistik der
Schuldnerberatungsstellen, die jedoch nicht von allen Beratungsstellen geführt wird und daher keine
flächendeckenden Informationen liefert. Zum anderen gibt es privatwirtschaftliche Unternehmen, die
Daten über die wirtschaftliche Lage und Zahlungsfähigkeit von Personen sammeln und vermarkten.
Als eine dieser Firmen gibt die Firma Creditreform seit rund 10 Jahren einen Schuldneratlas für
Deutschland heraus, in dem der Anteil der überschuldeten Personen für alle Kreise und kreisfreien
Großstädte veröffentlicht wird.
Überschuldung liegt für Creditreform dann vor, wenn die Schuldner die Summe ihrer fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen können und zur Deckung des Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die von Creditreform
ermittelten Schuldnerquoten weisen den Anteil der Personen ab 18 Jahren aus, für die mindestens
33
zwei „Negativmerkmale“ erfasst wurden.
Abbildung 31 Überschuldete Personen ab 18 Jahren
Anteil der überschuldeten Personen ab 18 Jahren im Oktober 2014 an allen ab
18-Jährigen in Prozent nach Städten und Gemeinden, Region Hannover
14,0
12,0
10,0
8,0

10,8
9,8 9,9 10,1 10,3 10,3
9,4
8,9
8,1 8,3 8,5
7,3 7,7 7,8

13,3
12,4 12,7 12,8
11,9
11,8
11,4 11,6

6,0
4,0
2,0
0,0

Quelle: Creditreform, SchuldnerAtlas Deutschland 2014, Sonderauswertung für die Hannoversche Allgemeine Zeitung, veröffentlicht in der Ausgabe vom 27.11.2014

Für die Region Hannover liegen seit 2004 Daten über den Anteil der überschuldeten Personen vor.
Laut Creditreform hat sich der Anteil der Überschuldeten seit dem von 10,6% auf 11,9% in 2014 erhöht. Berechnet man aus der Quote die Anzahl der Betroffenen, so ergeben sich für die Region Hannover daraus rund 114.000 überschuldete Personen ab 18 Jahren (vgl. Tabelle 4.3 im Anhang). Damit
liegt der Anteil der Überschuldeten in der Region Hannover deutlich über dem Bundesdurchschnitt
von 9,9% und auch über dem Landesdurchschnitt für Niedersachsen von 10,5%. Auch die Entwicklung ist in der Region Hannover negativer verlaufen als im Bundes- und Landesvergleich (2004 9,7%
bzw. 10,1%). Aktuell belegt die Region Hannover mit Rang 342 unter 402 aufgeführten Kreisen und
kreisfreien Städten einen der hinteren Ränge im SchuldnerAltlas von Creditreform.
Die normalerweise nur auf Kreisebene veröffentlichten Daten wurden jüngst für die Hannoversche
Allgemeine Zeitung auf die Ebene der Städte und Gemeinden der Region Hannover heruntergebro-

33

Als Negativmerkmale gelten z. B. unstrittige Inkasso-Fälle, nachhaltige Zahlungsschwierigkeiten sowie juristische Sachverhalte wie Einträge in das Schuldnerverzeichnis, Privatinsolvenzen etc. Dabei müssen mindestens
zwei Negativmerkmale von mindestens zwei unterschiedlichen Gläubigern erfasst worden sein (vgl. Creditreform,
SchuldnerAtlas Deutschland 2014, Vorwort).

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Soziale Lagen in der Region Hannover

chen. Die Anteile der überschuldeten Personen reichen von 7,3% in Pattensen bis zu 13,3% in Hannover. Insgesamt fällt eine hohe Übereinstimmung mit der allgemeinen sozialen Lage, insbesondere
dem Anteil der Empfängerinnen und Empfänger von Mindestsicherungsleistungen auf.
Wie gravierend die Überschuldung ist, lässt sich aus den Daten von Creditreform jedoch nur bedingt
ableiten. Für Deutschland insgesamt stellt Creditreform für 58,3% der Überschuldeten eine hohe bzw.
„harte Überschuldung“ fest, die mit juristischen Negativmerkmalen einhergeht. Die restlichen 41,7%
gelten nach Creditreform als gering überschuldet, haben jedoch „nachhaltige Zahlungsstörungen“
34
(ebenda S. 25ff). Die Daten von Creditreform lassen darüber hinaus allgemeine Aussagen über die
unterschiedliche Betroffenheit der Altersgruppen zu. Demnach haben die Altersgruppen unter 30 Jahren, 30 bis 39 Jahre und 40 bis 49 Jahre die höchsten Schuldnerquoten (15,4% / 18,6% / 11,8%) und
liegen zum Teil deutlich über der bundesweiten Gesamtquote von 9,9%. Mit zunehmendem Alter sinkt
die Schuldnerquote deutlich (50 bis 59 Jahre 8,7%, 60 bis 69 Jahre 5,0%, 70 Jahre und älter 1,1%).
Allerdings ist das Schuldenvolumen mit dem Alter ansteigend (vgl. ebenda S. 26ff).
Für weitergehende Informationen über die Höhe der Gesamtschulden, die Gründe der Verschuldung
etc. greift der SchuldnerAltlas von Creditreform auf Daten des Statistischen Bundesamtes zurück, die
aus der freiwilligen Bundestatistik der Schuldnerberatungsstellen stammen, an der sich bundesweit
rund ein Viertel, in der Region Hannover alle 10 von der Region geförderten Schuldnerberatungsstel35
len beteiligen.
Die zehn im Rahmen des § 11 Abs. 5 SGB XII geförderten Schuldnerberatungsstellen kamen 2013
auf zusammen 4.201 laufende und 1.977 abgeschlossene Beratungen von Einzelpersonen bzw.
36
Haushalten. Darunter sind auch 1.773 laufende Beratungen, die im Rahmen der kommunalen Leistungen nach § 16 a SGB II über Leistungsscheine als Eingliederungsleistungen für Arbeitsuchende
37
abgerechnet werden. Prinzipiell haben damit alle vom Jobcenter betreuten Leistungsempfänger über
Leistungsscheine Zugang zu einer kostenlosen Schuldnerberatung. Leistungsempfänger von Sozialhilfe nach $ 11 SGB XII erhalten ebenfalls eine kostenlose Beratung, sofern sie eine der von der Region institutionell geförderten sozialen Schuldnerberatungsstellen aufsuchen (vgl. Tabelle 4.3 im Anhang).
Die meisten der 1.977 in 2013 beendeten Beratungsfälle (35,8%) wurden in der Region Hannover wie
auch im Bundesdurchschnitt durch die Beantragung eines Regelinsolvenzverfahrens beendet, in weiteren 27,2% der Fälle konnte eine außergerichtliche Schuldenregulierung mit den Gläubigern erreicht
werden, wodurch die Schuldner sofort schuldenfrei sind. Mit Blick auf die Altersgruppen der beratenen
Personen dominieren mit jeweils rund 25% Anteil die Altersgruppen 21 bis 30, 31 bis 40 und 41 bis 50
Jahre. Der Anteil der Männer liegt mit 53,6% knapp über dem der Frauen, die auch im bundesweiten
immer häufiger überschuldet sind. Obwohl noch immer mehrheitlich Männer die Hauptverdiener in den
Haushalten stellen und damit oft auch die Rolle der Hauptträger der Schulden einnehmen, scheint
insbesondere der hohe Anteil von überschuldeten alleinerziehenden Frauen unter allen Beratenen von
16,1% (bundesweit rund 14%) deren Anteil insgesamt zu erhöhen.
Mit knapp 47% der Beratenen ist fast jede/r zweite beratene Schuldner/in in der Region Hannover, wie
auch im Bundesvergleich, arbeitslos. Dieses Ergebnis kann nicht überraschen, weil knapp 1.800 der
rund 4.200 hiesigen Beratungsfälle im Rahmen der kommunalen Eingliederungsleistungen des SGB II
in die Beratungsstelle kamen. Auch der Anteil der Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung
liegt mit 39,3% ähnlich wie im Bundesdurchschnitt. Eher gering ist hingegen der Anteil der beratenen
Haushalte, in denen Kinder leben (22,5%). Das entspricht etwa dem Anteil der Familienhaushalte an
allen Haushalten, obwohl Kinder, wie in Kapitel 4.2 gezeigt, ein Armutsgefährdungsrisiko darstellen
und obwohl der Anteil der beratenen Haushalte mit Kindern bundesweit bei rund 35% liegt.

34

Für die Region Hannover liegt keine Differenzierung über die Überschuldungshöhen vor. Bricht man die bundesweiten Anteile auf die Anzahl der in der Region Hannover als überschuldet geltenden Personen herunter,
würden etwa 66.500 Personen als hoch verschuldet und 47.500 als gering verschuldet gelten.
35

Es handelt sich um je eine Beratungsstelle der AWO Region Hannover e.V, des Caritasverbandes Hannover
e.V., der Stadt Garbsen, der Stadt Hannover, der ZBS Hannover, der Drobs Hannover – STEP gGmbH sowie vier
Beratungsstellen des Diakonieverbandes Hannover Land. Daten über Schuldner, die von sonstigen Beratungsstellen, Einrichtungen oder Kanzleien beraten werden liegen nicht vor, weshalb aus diesem Datensatz heraus
keine Quantifizierung der überschuldeten Personen erfolgen kann.
36

Vgl. Bericht über die Förderung von Schuldnerberatungsstellen in der Region Hannover 2013.

37

Insgesamt wurden 2013 2.358 Beratungsscheine für Schuldnerberatungsstelen ausgegeben, wovon 1.862
auch abgerechnet und damit eingelöst wurden.

Seite 47

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Soziale Lagen in der Region Hannover

Die durchschnittliche Höhe der Verschuldung liegt bundesweit bei rund 33.000 Euro, wobei Arbeitslose mit rund 18.000 Euro zwar vergleichsweise gering, für ihre Einkommensverhältnisse aber sehr
hoch verschuldet sind. Die absolut höchsten durchschnittlichen Schuldenhöhen haben (ehemalige)
gescheiterte Selbstständige mit rund 78.000 Euro und Personen mit gescheiterten Immobilienfinanzierungen mit rund 132.000 Euro (vgl. Bundesstatistik zur Überschuldung privater Personen). In der Region Hannover gibt es lediglich nach Schuldenhöhen gruppierte Angaben zur Schuldenhöhe. Demnach haben rund 27% der beratenen Personen Schulden in Höhe von bis zu 5.000 Euro und jeweils
grob rund um 20% Schulden in Höhe von 5.000 bis 10.000, 10.000 bis 20.000 und 20.000 bis 50.000
Euro. Schulden über 50.000 Euro bilden mit rund 10% der Fälle eher die Ausnahme.
Als Hauptgründe der Überschuldung werden Arbeitslosigkeit (23,3%), unwirtschaftliche Haushaltsführung (16,7%), Erkrankung, Sucht (16,2%), Trennung, Scheidung und Tod des Partners (14,4%) und
eine gescheiterte Selbständigkeit (10,2%) genannt. Dies entspricht den auch auf Bundesebene benannten 5 wichtigsten Verschuldungsgründen, wobei das Thema „unwirtschaftliche Haushaltsführung“
in der Region Hannover eine größere Rolle zu spielen scheint als im Bundesvergleich (hier nur Rang
4 mit 11,2%). Auf die steigende Bedeutung der Verschuldung durch „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ macht auch der SchuldnerAtlas von Creditreform aufmerksam. Hier wird das Phänomen vor
allem als Problem der jüngeren Altersgruppen gesehen. Gleichzeitig ist insgesamt ein Rückgang der
durchschnittlichen Schuldenhöhe zu beobachten, den Creditreform in einen Zusammenhang mit einem zunehmenden „Trend zur Konsumverschuldung“ bringt (vgl. ebenda S. 26f).
Böte die Bundesstatistik unter den Hauptgründen der Verschuldung neben „unwirtschaftlicher Haushaltsführung“ auch die Antwortkategorie „geringes Einkommen“, wäre Einkommensarmut mit großer
Wahrscheinlichkeit einer der 5 wichtigsten Verschuldungsgründe. Bundesweit verfügen 37,9% der
überschuldeten Haushalte über ein Haushaltsnettoeinkommen von unter 900 Euro, 24,1% über 900
bis 1.300 Euro und weitere 9,5% über 1.300 bis 1.500 Euro. Damit liegen fast drei Viertel (71,5%) aller
Haushaltsnettoeinkommen der überschuldeten Personen bzw. Haushalte unter 1.500 Euro im Monat.
Auch die von den geförderten Schuldnerberatungsstellen in der Region Hannover beratenen Personen bzw. Haushalte verfügen zu 70,6% über ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen von unter
1.500 Euro. Hier wird deutlich, dass Überschuldungssituationen häufig Folge nur knapp existenzsichernder (Erwerbs-)Einkünfte sind. Mit dem Anstieg der prekären und gering bezahlten Arbeitsverhältnisse gelingt es zunehmend weniger Menschen schuldenfrei zu bleiben oder sich aus bereits eingetretenen Überschuldungssituationen zu befreien, auch wenn die Schuldenhöhen mitunter gar nicht
so hoch sind. Der SchuldnerAtlas spricht in diesem Zusammenhang von einem „Megatrend zu einer
strukturellen Überschuldung und Überschuldungsverhärtung“ (ebenda, S. 28). Vor diesem Hintergrund
gewinnt die Arbeit der sozialen Schuldnerberatungsstellen zunehmend an Bedeutung. Die ansteigenden Fallzahlen in den Beratungsstellen belegen diesen Bedarf (vgl. Tabelle 4.3 im Anhang).

4.4

Einkommen pro Steuerpflichtigem

Eine Datenquelle zur Einkommenssituation der Bevölkerung ist der Gesamtbetrag der Einkünfte pro
Steuerpflichtigem, der alle drei Jahre, zuletzt für 2004, 2007 und 2010 auch auf Gemeindeebene ver38
öffentlicht wurde. Grundlage sind die Einkommensdaten, die den Finanzämtern gemeldet werden.
Trotz der Unschärfe, die durch die gemeinsame steuerrechtliche Veranlagung von Ehepartnern und
die zeitliche Verzögerung bei der Bearbeitung der Steuerbescheide bei der Veröffentlichung der Daten
entsteht, ist diese Datenquelle wegen ihrer kleinräumigen Verfügbarkeit auf Gemeindeebene relativ
aussagekräftig.
Mit 46.067 Euro lag der durchschnittliche Gesamtbetrag der Einkünfte pro Steuerpflichtigem im Jahr
2010 in Isernhagen deutlich (+42,7%) über dem Regionsdurchschnitt von 32.292 Euro, in Seelze mit
29.516 hingegen deutlich (-8,6%) darunter (vgl. Tabelle 4.4 im Anhang). Hohe durchschnittliche Einkünfte pro Steuerpflichtigem haben dabei durchgängig Städte und Gemeinden mit einer geringen Anzahl von Empfängerinnen und Empfängern von Mindestsicherungsleistungen, niedrige durchschnittliche Einkünfte finden sich umgekehrt in Städten und Gemeinden mit eher hohen Anteilen von Empfängerinnen und Empfängern von Mindestsicherungsleistungen (vgl. Kapitel 4.1). Die Stadt Hannover

38

Die Einkünfte pro Steuerpflichtigem werden aus der Lohn- und Einkommenssteuerstatistik als Summe der
Einkünfte abzüglich Ausgaben bzw. Werbungskosten gebildet. Zusammen veranlagte Ehepaare zählen dabei als
ein Steuerpflichtiger (vgl. LSN-Online-Datenbank).

Seite 48

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Soziale Lagen in der Region Hannover

liegt mit durchschnittlichen Einkünften von 31.397 Euro nur geringfügig unter dem Regionsdurchschnitt, obwohl hier zugleich die höchsten Anteile von Empfängerinnen und Empfängern von Mindestsicherungsleistungen zu verzeichnen sind. Die Erklärung hierfür findet sich in für die Stadt Hannover
in Kapitel 4.2 festgestellten gleichzeitig auftretenden relativ hohen Anteilen von armutsgefährdeten
Personen einerseits und einkommensstarken Personen anderseits.

46.067

41.939

40.369

38.148

37.222

33.703

33.243

32.292

32.221

32.106

31.397

31.168

31.048

30.501

30.409

29.881

29.872

29.773

29.682

40.000

29.516

50.000

36.196

Durchschnittlicher Gesamtbetrag der Einkünfte pro Steuerpflichtigem in Euro
nach Städten und Gemeinden 2010, Region Hannover

41.380

Abbildung 32 Gesamtbetrag der Einkünfte pro Steuerpflichtigem

30.000
20.000
10.000
0

Quelle: Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online-Datenbank

Die Einkommenssteuerstatistik liefert nicht nur den durchschnittlichen Betrag pro Steuerpflichtigem,
sondern auch eine Verteilung auf Einkommensgruppen. Deutlich ungleich verteilt sind dabei insbesondere die hohen Einkommen von über 125.000 Euro pro Jahr. Auf Isernhagen und Burgwedel entfallen zwar nur 11.495 bzw. 10.137 Steuerpflichtige, was einem Anteil von 2,1% bzw. 1,8% an allen
Steuerpflichtigen entspricht (zusammen 3,9%), aber 5,1% bzw. 3,7% an allen Steuerpflichtigen mit
Einkünften über 125.000 Euro (zusammen 8,8%). Der Anteil der Einkommensreichen ist in diesen
beiden Kommunen also mehr als doppelt so hoch wie bei statistischer Gleichverteilung zu erwarten
wäre. Ähnliches gilt für Gehrden, Hemmingen und Wedemark, während insbesondere in Seelze, Uetze, Langenhagen und Laatzen der Anteil der Einkommensreichen deutlich geringer ist als gemessen
an Anteil aller Steuerpflichtigen zu erwarten wäre (vgl. Tabelle 4.4 im Anhang).

Seite 49

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5

Soziale Lagen in der Region Hannover

Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen

Die Beurteilung der Lebenslage von Kindern und Jugendlichen stellt ein ebenso komplexes Thema
dar, wie die Beurteilung der Lebenslage der Gesamtbevölkerung, wofür in diesem Bericht eine ganze
Reihe von Daten und Befunden zusammengetragen werden. Aus diesem Grund kann hier in Bezug
auf die Kinder und Jugendlichen nur eine begrenzte Auswahl an Daten dargestellt und bewertet werden. Im Folgenden werden drei zentrale Bereiche entlang von vorliegenden Daten vorgestellt, die als
Bestandteil eines weiter zu entwickelnden Indikatorensets zur Beschreibung der Lebenslage von Kindern und Jugendlichen verstanden werden können.
Die regionalen Lebensbedingungen, Teilhabe- und Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen werden seit einiger Zeit lebhaft diskutiert. Einer der in diesem Zusammenhang zentralen Indikatoren ist der der „Kinderarmut“. Der im Zusammenhang mit dem Begriff der „Kinderarmut“ gemeinte
Armutsbegriff ist dabei meist sehr viel umfassender als der der Einkommensarmut. „Armut“ wird hier
oft nicht nur als ökonomische Armut (der Eltern) verstanden, sondern vielmehr auch als Mangel an
sozialen und kulturellen Teilhabe-, Bildungs- und Entwicklungschancen. Um hier zumindest exemplarisch dieses breite Spektrum abzudecken sollen im Folgenden Daten aus drei Bereiche näher beschrieben werden, die als Ursachen, Folgen oder Erscheinungsformen mehr oder weniger großer
Teilhabe-, Bildungs- und Entwicklungschancen interpretiert werden können.
In Kapitel 5.1 geht es zunächst um die Gruppe von Kindern, Jugendlichen und deren Familien, die
aufgrund nicht existenzsichernder eigener Einkünfte Empfängerinnen und Empfängern von staatlichen
Mindestsicherungsleistungen sind.
In Kapitel 5.2 wird mit der Inanspruchnahme und dem Angebot an Kindertagesbetreuung in geförderter Kindertagespflege, in Krippen, Kindergärten und Horten ein Blick auf die Beteiligung an frühkindlicher institutioneller Bildung und Betreuung geworfen.
Und schließlich werden in Kapitel 5.3 ausgewählte Befunde aus den Schuleingangsuntersuchungen
vorgestellt, die Auskunft über zentrale soziale und gesundheitliche Entwicklungsstände und Förderbedarfe der Kinder im Jahr vor ihrer Einschulung liefern.
Diese Daten unterscheiden sich in Art, Reichweite und in dem, wofür sie ein Indikator sind. Während
der Anteil der Kinder mit Mindestsicherungsleistungen ein grundlegender Indikator ist, der sich durch
Interventionen auf kommunaler Ebene nur schwer selber beeinflussen lässt, ist die Betreuungsquote
von Kindern in Krippen, Kindergärten und Horten durch kommunales Handeln selber beeinflussbar.
Damit ist dieser Indikator zwar auch Teil der Lebensrealität der Kinder, aber er ist auch ein Indikator
für das Maß kommunaler Interventionen. Schließlich liefern die Daten aus den Schuleingangsuntersuchungen neben detaillierten gesundheitlichen Befunden auf der individuellen Ebene 5-Jähriger wichtige Informationen über den Entwicklungsstand und den Förderbedarf von Kindern vor und im Grundschulalter, die sich aufgrund der dahinter liegenden strukturellen Zusammenhänge als allgemeine
sozialstrukturelle Indikatoren für die Lebenslage und den Förderbedarf der Kinder verstehen lassen.
Damit werden hier ein nur schwer direkt beinflussbarer Strukturindikator (Empfänger von Mindestsicherungsleistungen), ein kommunal beeinflusster Interventionsindikator (Versorgungsquote Kindertagesbetreuung) und ein Handlungsfeldindikator (auffällige Befunde bei den Schuleingangsuntersuchungen) vorgestellt.
Mit den folgenden Ausführungen wird nur ein Schlaglicht auf zentrale Befunde und Daten zu den Teilhabe-, Bildungs- und Entwicklungschancen der Kinder und Jugendlichen geworfen. Weitere, hier nicht
näher behandelte ausführliche Berichte, Erkenntnisse und Handlungsfelder werden in zahlreichen
39
anderen Berichten der Region Hannover regelmäßig dargestellt. Was indes bisher fehlt, ist eine
zusammenführende Perspektive auf die Lebenslage der Kinder und Jugendlichen in der Region Hannover. Für die Stadt Hannover versucht das Familienmonitoring eine solche zusammenführende Per40
spektive zu liefern.

39

Nur beispielhaft seien hier als nicht explizit in diesem Bericht aufgegriffene Fachberichte angeführt: Region
Hannover 2013, Hilfen zur Erziehung und Eingliederungshilfen, Berichtsjahre 2010 – 2012; Region Hannover
2014, Jahresbericht 2013, Familien- und Erziehungsberatungsstellen; Region Hannover 2013, Jugendgerichtshilfe und Täter-Opfer-Ausgleich, Sachbericht 2012.
40

Vgl. Stadt Hannover 2014, Familien in Hannover, Familienmonitoring 2014.

Seite 50

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5.1

Soziale Lagen in der Region Hannover

Empfänger/innen von Mindestsicherungsleistungen unter 15 Jahren

Wenn Kinder und Jugendliche als Mitglieder von Bedarfsgemeinschaften Empfänger von Mindestsicherungsleistungen sind, dann spricht man auch von „Kinderarmut“. Diese ist Folge der Armutsbetroffenheit der Eltern. Da Eltern häufiger von Armut betroffen oder bedroht sind als andere Bevölkerungsgruppen sind Kindern ebenfalls besonders häufig betroffen. In Kapitel 4.2 ist die Armutsbetroffenheit
von Kindern und Jugendlichen und Familien in unterschiedlichen Haushaltskonstellationen dargestellt.
Der Indikator „Empfänger von Mindestsicherungsleistungen“ liefert auch für Kinder und Jugendliche
41
aufschlussreiche Daten in kommunaler Gliederung.
Die Abhängigkeitsquote von Mindestsicherungsleistungen zur Sicherung des Existenzminimums, liegt
in der Region Hannover für die unter 15-Jährigen bei 21,8%. In Bezug auf alle Empfängerinnen und
Empfänger von Mindestsicherungsleisten konnte eine regionsweite Betroffenheit von rund 11,9% festgestellt werden (vgl. Kap. 4.1) Daraus kann man folgern, dass die ökonomisch bedingte Ungleichheit
der Lebensbedingungen und Teilhabechancen bei den Kindern und Jugendlichen und damit bei den
Familien insgesamt wesentlich ausgeprägter ist als bei anderen Bevölkerungsgruppen. Die sozialen
Disparitäten sind also in der Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und Familien größer als in der
Lebenswelt von Singles und Paaren ohne Kinder oder mit bereits erwachsenen Kindern.
Abbildung 33 Kinder mit Mindestsicherungsleistungen

30,0

Anteil der Kinder unter 15 Jahren mit Mindestsicherungsleistungen* an allen
Gleichaltrigen 2013, Region Hannover

25,0
20,0
15,0
10,0

11,1 11,4
9,0 9,9 10,0 10,2
7,8 8,4

12,8

16,0
14,7 15,4 15,7

18,1 18,4

20,2 20,6

21,8 22,7

26,5

28,3

23,9

5,0
0,0

* Kinder u. 15 J. im SGB II-Bezug, im HLU-Bezug sowie mit Leistungen nach AsylbLG
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Städte und Gemeinden der Region Hannover, Region Hannover

Im Vergleich zu den Vorjahren fällt dabei eine leichte Zunahme der Quoten auf. Waren 2009 noch
31.198 Kinder und Jugendliche auf Mindestsicherungsleistungen angewiesen (20,7%), sind es Ende
2013 32.166. Die Quoten steigen dabei auch, weil bei leicht steigenden Empfängerzahlen die Anzahl
der Kinder insgesamt gleichzeitig leicht rückläufig ist. Hinzu kommt ein spürbarer Anstieg der Empfängerinnen und Empfänger von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz von 677 in 2009 auf
1.039 und 2013 (vgl. Tabelle 5.1 im Anhang). Es ist zu vermuten, dass die Quote der Mindestsicherungsempfänger/innen unter 15 Jahren auch aufgrund des anhaltend starken Anstiegs der Anzahl der
Flüchtlinge weiter ansteigen wird.

41

Im Gegensatz zur Mindestsicherungsquote der Gesamtbevölkerung fließen hier keine Daten zur Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung mit ein, weil diese Hilfeart nur für Personen ab 65 bzw. 18 Jahren gewährt wird. Zum anderen liegen für die drei verbleibenden Leistungsarten in Bezug auf das Alter der Kinder und
Jugendlichen keine einheitlichen Altersgruppendaten vor. Während im SGB II-Bezug stets die Altersgruppe der
bis unter 15-Jährigen nicht erwerbsfähigen Hilfebedürftigen ausgewiesen wird (ab 15 Jahren gelten die Jugendlichen als erwerbsfähig), liegen für Leistungsempfänger/innen nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz und für die
Hilfe zum Lebensunterhalt nur Daten für die Gruppe der unter 18-Jährigen vor. Da der Anteil der Kinder und Jugendlichen dieser beiden letzten Leistungsarten jedoch nur bei rund 4% liegt kann man den Indikator dennoch als
Indikator für die Mindestsicherungsquote der unter 15-Jährigen nutzen. Die Überschätzung durch die 15 bis 17jährigen Empfänger von HLU und Leistungen nach dem AsylbLG beträgt etwa 0,2 Prozentpunkte. Dafür werden
hier allerdings auch keine Empfänger von Kinderzuschlag hinzugezählt, einer Leistungsart, die bei gleichen Gesamteinkünften den SGB II-Bezug beendet und damit die Statistik drückt (vgl. hierzu die Ausführungen in der
HSBN 2014, S. 36 ff und S. 150).

Seite 51

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Die Daten zeigen darüber hinaus ein lokal differenziertes Bild. Bei einem regionsweiten Durchschnittswert von 21,8% reicht die Spanne der betroffenen Kinder und Jugendlichen von minimal 7,8%
in Isernhagen bis zu maximal 28,3% in der Landeshauptstadt Hannover. Während also in Isernhagen
nur etwa jedes 13. Kind bzw. jeder 13. Jugendliche betroffen ist, sind es in Hannover drei Mal so viele,
nämlich jedes 3. bis 4. Kind oder Jugendliche.
Die überdurchschnittliche Betroffenheit der Kinder und Jugendlichen resultiert wie bereits erwähnt aus
dem überdurchschnittlichen Armutsrisiko von Familien, insbesondere dann, wenn sie mehrere Kinder
haben. Die Armutsrisikoquote von Alleinerziehenden und Paar-Familien mit drei und mehr Kindern ist
mit 42,3% und 27,0% weit überdurchschnittlich (vgl. Kapitel 4.2). Unter den 61.269 Bedarfsgemeinschaften sind Ende 2013 insgesamt 18.002 Bedarfsgemeinschaften mit Kindern unter 15 Jahren
(29,4%), in denen 30.815 Kinder unter 15 Jahren leben (vgl. Tabelle 3.2.4 im Anhang). In der Mehrzahl der Fälle, nämlich bei 11.161 Bedarfsgemeinschaften (62,0%), handelt es sich um Bedarfsgemeinschaften Alleinerziehender. Stellt man in Rechnung, dass Alleinerziehende häufiger als PaarFamilien nur ein Kind haben, muss man dennoch davon ausgehen, das etwa die Hälfte aller Kinder im
SGB II-Bezug Kinder Alleinerziehender sind, auch wenn diese Familienform Ende 2013 nur 23,5%
aller Familienformen mit Kindern unter 18 Jahren ausmacht.
Um einen über die Region Hannover hinaus gehenden Überblick zu erlangen bietet sich eine aktuelle
Auswertung des Landesamtes für Statistik Niedersachsen (LSN) an, die den Mindestsicherungsbezug
für Kinder und Jugendliche ähnlich wie hier operationalisiert hat, allerdings ohne Empfänger und Empfängerinnen von HLU und Leistungen nach dem AsylbLG. Demnach betrug der Anteil der Kinder in
SGB II-Bedarfsgemeinschaften im Juni 2012 landesweit 14,6%, in der Region Hannover zu gleichen
Zeitpunkt 19,3% womit der Anteil der betroffenen Kinder in der Region Hannover deutlich über Lan42
desniveau lag und liegt.
Insgesamt zeigt sich, dass sich die ökonomische Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen in
den regionsangehörigen Städten und Gemeinden von großer Disparität gekennzeichnet ist.

5.2

Kindertagesbetreuung

In den letzten Jahren ist die frühkindliche Bildung und Betreuung zunehmend in den Fokus des öffentlichen und fachlichen Interesses gerückt. Damit einher geht eine verstärkte Orientierung an präventiven, entwicklungsfördernden und frühpädagogischen Ansätzen, die zunehmend die Frage der Qualität der Kindertagesbetreuung aufgeworfen haben. Parallel dazu trat jedoch in den letzten Jahren
durch den am 01. August 2013 bundesweit in Kraft getretenen Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung für ein- bis unter dreijährige Kinder vor allem die quantitative Versorgung dieser Altersgruppe
in den Vordergrund. In den vergangenen Jahren haben die Städte und Gemeinden in der Region
Hannover die Kindertagesbetreuung deshalb kontinuierlich ausgebaut, wodurch der Rechtsanspruch
eingelöst werden konnte.
Betrachtet man den Zeitraum der letzten Jahre von 2008 bis 2013 am Beispiel der 15 Städte und Ge43
meinden, für die die Region Hannover der zuständige Jugendhilfeträger ist, so zeigt sich eine Stei44
gerung der Versorgungsquote von 11,9% auf 32,2%. In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet
dies, dass im Zeitraum 2008 bis 2013 1.996 neue Plätze geschaffen wurden (2008: 1.162 Plätze,

42

Vgl. Landesamt für Statistik Niedersachsen, Handlungsorientierte Sozialberichterstattung Niedersachsen, Statistikteil 2014, S. 35ff und S. 191 ff
43

Zum Zeitpunkt der Erhebung am 01.10.2013 hatten die Städte Burgdorf, Hannover, Lehrte, Laatzen, Langenhagen und Springe eigenständige Jugendämter. Das Jugendamt der Stadt Springe ist Anfang 2014 an die Region
Hannover übergegangen. Da es keine vergleichbare gemeinsame valide Datenbasis für die Kindertagesbetreuung in allen 21 regionsangehörigen Städten und Gemeinden gibt wird hier auf die gemeinsame Berichterstattung
für die 15 Städte und Gemeinden zurückgegriffen, für die die Region Hannover zuständiges Jugendamt ist (vgl.
Bericht zur Kindertagesbetreuung in der Region Hannover 2013). Auf die Darstellung der im Prinzip verfügbaren
Daten des Landesamtes für Statistik zur Kindertagesbetreuung wird hier bewusst verzichtet, weil diese Daten aus
verschiedenen Gründen auf der Ebene einzelner Städte und Gemeinden und damit unterhalb der Ebene der
zuständigen Jugendämter derzeit nicht valide und damit nicht vergleichbar sind.
44

Die Versorgungsquote berechnet sich aus der Anzahl der zur Verfügung stehenden Betreuungsplätze im Verhältnis zur Gesamtzahl der Kinder einer Altersgruppe, wobei hier in Bezug auf die Plätze in der Kindertagespflege
nur die tatsächlich belegten Plätze einbezogen wurden, um die Quote nicht durch freie Plätze zu verfälschen.

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Soziale Lagen in der Region Hannover

2013: 3.158 Plätze). Dabei konnte die Versorgungsquote für die unter 3-Jährigen in allen 15 Kommunen stetig erhöht werden (vgl. Tabelle 5.2 im Anhang).
Abbildung 34 Versorgungsquoten Kindertagesbetreuung für Kinder unter 3 Jahren
Entwicklung der Versorgungsquote Kindertagesbetreuung für Kinder unter 3
Jahren 2008 bis 2013 (Prognose bis 2016), Stichtag 01.10 in Prozent,
Jugendamt Region Hannover
40,5

39,3
40,0

35,1
32,2

35,0
30,0

26,8

24,4
21,1

25,0
20,0
15,0

11,9

10,0

1,8

5,0

10,1

12,0

2008

2009

6,9

6,9

25,3

25,3

0,2
1,0

7,6

7,1

6,6

5,9

15

0,2
2,7

0,5
3,7

5,0

3,0
16,1

18,5

20,2

2010

2011

2012

28,0

31,7

0,0

Krippe + AüG

KTPF

Planungen Krippe

2013

2014
2015
2016
Planzahlen Planzahlen Planzahlen

Planungen KTPF

gesamt

Quelle: Region Hannover, Team Fachdienste für Jugendhilfe

Die Berichterstattung der Region Hannover erfasst darüber hinaus die Planungen der Städte und Gemeinden zum Ausbau der Betreuung für unter 3-Jährige. So können in der Grafik oben Planzahlen bis
einschließlich 2016 mit abgebildet werden, die zeigen, dass der Ausbau der Betreuung mit dem Eintritt
des Rechtsanspruchs noch lange nicht beendet ist. Bis 2016 wird die Versorgungsquote inklusive der
tatsächlich genutzten Plätze in der Kindertagespflege für die 0 bis 2-Jährigen weiter auf 40,5% ansteigen.
Für die örtliche Kitaplanung ist entscheidend, dass die Umsetzung des Rechtsanspruches auf einen
Betreuungsplatz für Kinder unter 3 Jahren nicht vom Erreichen bzw. Nichterreichen der auf Bundesebene viel diskutierten Zielmarge von 35% bzw. 39% Betreuungsquote abhängig ist, sondern vom
tatsächlichen Bedarf vor Ort. Die Nachfragesituation in den Kommunen wird dabei von vielfältigen
Faktoren beeinflusst:
•
•
•
•
•

durch das quantitative und qualitative Angebot der örtlichen Kindertagesbetreuung selber (Angebot schafft Nachfrage),
durch die Geburtenentwicklung, die Zu- und Abwanderung,
durch berufliche und finanzielle Bedarfslagen und Zukunftsplanungen der Eltern,
durch den gesellschaftlichen Wandel der Einstellungen gegenüber Berufsrollen- und Familienrollenbildern bei den Geschlechtern und durch unser Bild von Kindheit,
und nicht zuletzt durch den örtlichen bzw. regionalen Arbeitsmarkt und den durch ihn entstehenden Sog auf die (potentiellen) Beschäftigten.

Für den Moment und wohl auch für die nächsten Jahre wird ein weiterer Ausbau im Bereich der Kindertagesbetreuung notwendig sein, um den steigenden Betreuungsansprüchen gerecht zu werden.
Das gilt nicht nur für die reine Anzahl der zur Verfügung stehenden Plätze, sondern auch für qualitative Faktoren.
Die Diskussion und Kommunikation um die Versorgungsquoten wurde in den letzten Jahren unter
anderem durch lokal unterschiedliche Berechnungsformel erschwert. Die folgende Grafik zeigt für den
Stichtag 01.10.2013 dabei zwei gängige Versorgungsquoten: einmal in Bezug auf alle unter 3Jährigen – so wie sie in der Grafik oben berechnet wurde und wie sie auch bundesweit von den statistischen Ämtern erhoben und kommuniziert wird – und einmal nur in Bezug auf die 1 bis 2-Jährigen.
Die zweite Variante geht davon aus, dass die unter 1-jährigen Kinder kaum Kindertagesbetreuung in
Anspruch nehmen und auch erst ab dem 1. Lebensjahr der volle Rechtsanspruch gilt. Beide Berechnungsformeln haben ihre Berichtigung und Aussagekraft, werden jedoch mitunter verwechselt, was
die Vergleichbarkeit beeinflusst.

Seite 53

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Abbildung 35 Versorgungsquoten Kindertagesbetreuung für Kinder unter 3 Jahren

45,5

59,3
41,4

37,7

52,7

53,1
37,6

52,3
36,9

35,8

50,9
33,8

47,8
33,0

47,5
32,2

46,8
32,2

43,9
29,4

28,9

40,2

42,5
28,5

28,2

40,1

40,5
28,2

30,0

25,5

40,0

37,6

50,0

52,4

70,0
60,0

66,8

Versorgungsquoten Kindertagsbetreuung für 0 bis 2-Jährige sowie 1 bis 2Jährige in Prozent zum Stichtag 01.10.2013, Jugendamt Region Hannover

20,0
10,0
0,0

Versorgungsquote 0 bis 2-Jährige

Versorgungsquote 1 bis 2-Jährige

Quelle: Region Hannover, Team Fachdienste für Jugendhilfe

Berechnet man die Versorgungsquote auf Basis aller unter 3-Jährigen waren Ende 2013 bereits ein
Drittel dieser Altersgruppe in institutioneller Kindertagesbetreuung (32,2%). Berücksichtigt man nur die
1 und 2-Jährigen, die auch über 99% der unter 3-Jährigen in den Krippen und in Kindertagespflege
ausmachen, kommt man auf eine Versorgungsquote von durchschnittlich 46,8%. Die zweite Quote
macht deutlich, wie relevant und verbreitet die Kindertagesbetreuung für unter 3-Jähre bereits ist.
Annähernd jedes zweite Kind wird bereits institutionell betreut.
Dabei haben leider meist diejenigen Kommunen eher geringere Versorgungsquoten, in denen der
Anteil der Kinder im Mindestsicherungsbezug (vgl. Kap. 5.1) und in denen der Anteil der Kinder mit
Auffälligkeiten bei den Schuleingangsuntersuchungen eher hoch ist (vgl. Kap. 5.3). Im Interesse einer
auch kompensatorisch wirkenden institutionellen Förderung und Unterstützung der Kinder und Familien würde man sich ein umgekehrtes Verhältnis zwischen Versorgungsquoten und Kindern bzw. Familien im Mindestsicherungsbezug wünschen.
Neben dem anhaltenden Ausbau der Betreuung unter 3-Jähriger ist in den letzten Jahren auch die
Versorgungsquote für die 3 bis 6-Jährigen sowie für die Schulkinder in Form der Hortbetreuung und
des Ausbaus der Ganztagschulen vorangekommen. Die Versorgungsquote der 3 bis 6-Jährigen ist im
Zeitraum 2008 bis 2013 von 94,4% auf 102,0% gestiegen, die der Hortkinder von 11,8% auf 21,0%,
wobei hier die unterschiedlichen schulischen Ganztagsbetreuungsangebote noch nicht mitgerechnet
45
sind.
Die aus den gesetzlichen Regelungen, vor allem aber aus dem gesellschaftlichen Wandel resultierenden Anforderungen an die kommunale Kindertagesbetreuung sind vielschichtig. Neben dem nach wie
vor notwendigen quantitativen Ausbau der Betreuungsangebote für unter 3-Jährige wird zukünftig vor
allem die Optimierung des qualitativen Angebotes in der Kindertagesbetreuung eine wichtige Rolle
spielen. Viele Kinder besuchen drei Jahre, mitunter auch länger, Kindertageseinrichtungen. Darin liegt
einerseits eine große Chance, denn die Förderung von Kindern ist eine notwendige Voraussetzung,
um gleiche Bildungs- und Entwicklungschancen sowie eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erreichen. Gleichzeitig eröffnet ein quantitativ und qualitativ gut ausgebautes
lokales Betreuungsangebot Eltern wie auch Unternehmen Beschäftigungs- und Arbeitsmarktvorteile.

45

Der aktuelle Planungsbericht zur Kindertagesbetreuung der Region Hannover hat für das Jahr 2013 in Burgwedel, Pattensen und Sehnde exemplarisch das Angebot der Ganztagsschulen im Grundschulbereich und die Inanspruchnahme dieses Angebots im Zusammenwirken mit den Hortangeboten untersucht. Dabei zeigte sich eine
sehr differenzierte und unterschiedliche Angebotsstruktur. Addiert man die Kinder, die entweder im Hort, oder
aber in Ganztagsschulen am Nachmittag betreut werden, kommt man in diesen drei Kommunen auf Versorgungsquoten von 33% bis 48% (vgl. Kindertagesbetreuung in der Region Hannover 2013, S. 36 ff).

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Soziale Lagen in der Region Hannover

Dabei muss dieses System bei steigender öffentlicher Verantwortung für das Aufwachsen unserer
Kinder jedoch auch qualitativ gut ausgestattet sein, damit sich die Entwicklungschancen der Kinder
dadurch tatsächlich verbessern. Nur ein ausreichend vorhandenes, qualitätsorientiertes und bedarfsgerechtes Betreuungsangebot für alle Kinder kann langfristig dazu beitragen allen Kindern gleiche und
gute Entwicklungschancen zu eröffnen. Als Herausforderungen an die institutionelle Kindertagesbetreuung benennt der aktuelle Planungsbericht der Region Hannover u. a. folgende Themenfelder:
•
•
•
•
•
•
•

5.3

Fortführung des Ausbaus der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren zur Erfüllung des
individuellen Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz.
Bedarfsgerechte Ausweitung der Betreuungszeiten für die drei- bis sechsjährigen Kinder im Kindergarten in Anpassung an die Betreuungszeiten in der Krippe.
Bedarfsgerechter Ausbau der verbindlichen Betreuungsangebote für Kinder im Hortalter in Verzahnung mit der schulischen Ganztagsbetreuung.
Erhöhung des Anteiles der Kinder mit Migrationshintergrund in Krippen und Horten.
Ausbau und Intensivierung von Fachberatung zur Unterstützung der Fachkräfte und Förderung
der qualitativen Entwicklung in Krippe, Kiga und Hort.
Unterstützung der Qualitätsentwicklung in der Kindertagespflege.
Entwicklung und Ausbau inklusiver Angebotsstrukturen in Kindertageseinrichtungen

Lebenssituation der Schulanfängerinnen und Schulanfänger

Alle schulpflichtigen Kinder in der Region Hannover werden ab einem Jahr vor Schulbeginn im Rahmen der im Niedersächsischen Gesetz über den Öffentlichen Gesundheitsdienst festgeschriebenen
Schuleingangsuntersuchungen (SEU) von den Ärztinnen des Teams Sozialpädiatrie und Jugendmedizin der Region Hannover untersucht. Im Rahmen der nach den Grundsätzen der SOPHIA Anwendergemeinschaft standardisierten Untersuchung wird der Entwicklungs- und Gesundheitszustand der
Kinder dokumentiert. Dabei werden etwaige Unterstützungsbedarfe festgestellt, Eltern beraten und
Kinder mit Auffälligkeiten wo nötig zur weiteren Überprüfung an Fachärzte und Therapeuten überwie46
sen.
Die Untersuchung umfasst die Prüfung schulisch relevanter Leistungen, wie körperliche Untersuchung, Seh- und Hörtest, Tests zur Entwicklung der Motorik, der Sprache sowie der auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung sowie des Verhaltens. Daneben werden auch sozialstatistische Daten der
Eltern, wie z. B. höchster Schulabschluss, Angaben zur Berufstätigkeit, anonymisiert erhoben (ebenda
S. 7ff).
Damit liegen jährlich umfangreiche Untersuchungsergebnisse des Jahrgangs der 5-Jährigen vor, die
zum einen auf der individuellen Ebene wichtige aktuelle Hinweise auf mögliche Entwicklungsverzögerungen, notwendige Unterstützungsbedarfe und gesundheitliche Probleme liefern. Zum anderen sind
einige der Untersuchungsergebnisse aber auch in besonderer Weise dazu geeignet, auf sozialräumlicher Ebene und damit stärker verallgemeinernd und mittelfristig als Indikatoren zur Beschreibung der
sozialen Lage, der gesundheitlichen Situation und der insgesamt notwendigen Unterstützungsbedarfe
der Kinder verstanden zu werden. In den vergangenen Jahren wurden deshalb bereits einige detaillierte Auswertungen dieser Daten veröffentlicht. Anfang 2014 wurde wegen der Bedeutung der Daten
für die Steuerung überindividueller Unterstützungsprogramme ein erster umfassender und systematischer Bericht zu den Schuleingangsuntersuchungen veröffentlicht. Für dieses Kapitel wurden zentrale
Daten der Schuleingangsuntersuchungen ausgewählt und aktualisiert, nämlich soziodemografische
Daten der untersuchten Kinder, Daten zum Gewicht, zur sprachlichen Entwicklung und zur zentralen
Wahrnehmung und Verarbeitung, die jeweils für die Region Hannover insgesamt in der Zeitreihe vom
Einschulungsjahrgang 2010/2011 bis 2014/2015 und für die einzelnen Städte und Gemeinden als
47
kumulierte Werte dieser Einschulungsjahrgänge abgebildet werden.

46

Die Ausführungen dieses Kapitels haben den Bericht Schuleingangsuntersuchung Band I 2014 zur Grundlage,
der Anfang 2014 erstmals erschienen ist und zukünftig alle 2 Jahre aktualisiert wir. Für nähere Erläuterungen zu
Grundlagen und Untersuchungsmethodik siehe Schuleingangsuntersuchung Band I 2014 S. 7ff.
47

Aufgrund der insbesondere in den kleineren Städten und Gemeinen begrenzten Anzahl der untersuchten Kinder eines Jahrgangs kann die Abbildung von Ergebnissen einzelner Untersuchungsjahrgänge auf kommunaler
Ebene dazu führen, dass Auffälligkeiten bei einzelnen Kindern von Jahr zu Jahr zu einer mehr oder weniger hohen Gesamtauffälligkeit führen. Da hier jedoch der allgemeine und eher mittelfristige Unterstützungsbedarf be-

Seite 55

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Soziale Lagen in der Region Hannover

Entwicklungen in der Region Hannover insgesamt
Im Einschulungsjahrgang 2014/2015 wurden insgesamt 10.671 Jungen (52,8%) und Mädchen
48
(47,2%) vor ihrer Einschulung untersucht. Darunter waren nach der hier verwendeten Definition
39,2% mit Migrationshintergrund, wobei der Anteil seit 2010/2011 (35,9%) stetig steigt (vgl. Tabelle
5.3.1 im Anhang).
Mit Blick auf die Entwicklung der einzelnen Befundbereiche zeigt sich ein geteiltes Bild: Während der
Anteil der Kinder mit Normalgewicht und ohne Auffälligkeiten bei der zentralen Wahrnehmung und
Verarbeitung von 76,2% auf 80,4% bzw. von 65,5% auf 67,9% kontinuierlich zugenommen hat, haben
sich die Sprachbefunde kontinuierlich verschlechtert. Während 2010/2011 noch 58,7% aller untersuchten Kinder ohne Befund waren sind es 2014/2015 nur noch 50,6% und damit nur noch gut die
Hälfte aller Kinder. Ein Blick auf die einzelnen Befundkategorien zeigt dabei, dass die Anteile der Kinder die bereits in ärztlicher oder therapeutischer Behandlung sind und derjenigen, die bei der Untersuchung so große Auffälligkeiten haben, dass eine Arztüberweisung erfolgt, weitgehend konstant bei
zusammen rund 20% bis 22% geblieben sind. Von 20,0% auf 25,9% angestiegen sind hingegen die
Anteile der Kinder, bei denen leichte Auffälligkeiten festgestellt wurden, die jedoch nicht für akut be49
handlungsbedürftig eingeschätzt wurden.
Abbildung 36 Entwicklung zentraler Befunde in der Zeitreihe
Entwicklung der Befunde für zentrale Wahrnehmung und Verarbeitung (ZWV),
Sprache und Gewicht 2010/2011 bis 2014/2015, Region Hannover
85,0
80,0

76,2

78,3

78,7

68,2

68,4

56,8

57,0

80,4

79,2

75,0
70,0

65,5

67,9

67,1

65,0
60,0

58,7

51,9

55,0

50,6

50,0
45,0
2010/2011

2011/2012
Sprache ohne Befund

2012/2013
ZWV ohne Befund

2013/2014

2014/2015

Normalgewicht

Quelle: Region Hannover, Team Sozialpädiatrie und Jugendmedizin

Für die Gruppe der rund 2.800 Kinder mit leichten Sprachauffälligkeiten bedarf es nach Einschätzung
der Schulärztinnen zwar keiner besonderen Therapie, aber sehr wohl einer besonderen Aufmerksamkeit und auch Unterstützung zur altersgemäßen Sprachentwicklung. Hier erfüllen die vielfältigen
Sprachförderprogramme in Krippen und Kindertagesstätten und im Vorfeld der Einschulung, wie sie
durch die Träger der Einrichtungen, die Städte und Gemeinden, die Region Hannover und das Land
gefördert und angeboten werden eine zunehmend wichtige Rolle.

trachtet werden soll, wurden die letzten 5 Untersuchungsjahrgänge für die einzelnen Städte und Gemeinden
zusammengefasst. Für die Region Hannover insgesamt kann jedoch eine Abbildung jahrgangsspezifischer Ergebnisse erfolgen. So lassen sich einerseits Entwicklungen, anderseits strukturelle Problemlagen abbilden.
48

Die SOPHIA Anwendergemeinschaft erfasst eine eher subjektive und mit anderen Daten nicht kompatible Definition des Begriffs des Migrationshintergrundes mit Hilfe der Frage: „Aus welchem Land stammt Ihre Familie?“
49

Die Einteilung erfolgt in die Befundkategorien „kein Befund“, „bereits in Behandlung“ (Kind befindet sich wegen
der festgestellten Auffälligkeiten bereits in Behandlung), „Arztüberweisung“ (es wurden erhebliche Auffälligkeiten
oder Schwächen festgestellt, die weiter abgeklärt und ggfs. Auch therapiert werden müssen), „Befund ohne Maßnahme“ (leichte Auffälligkeit, die jedoch keiner weiteren fachärztlichen Abklärung oder besonderer Therapie bedarf) und „Untersuchung/Test nicht erfolgt“ (Test konnte nicht durchgeführt werden oder wurde vom Kind verweigert) (vgl. ebenda S. 8ff).

Seite 56

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Soziale Lagen in der Region Hannover

Befunde zur Sprachentwicklung
Zum Zeitpunkt der Schuleingangsuntersuchung ist die Sprachentwicklung im Normalfall in allen wesentlichen Bereichen abgeschlossen. Sprachauffälligkeiten können z. B. eine Störung der Aussprache, eine Verzögerung der Sprachentwicklung, Dysgrammatismus, Wortschatzarmut, eine Störung im
Redefluss oder auch eine Klangstörung sein. Bedingt durch die Anlage des Tests, in dem u. a. Wörter
und Silben nachgesprochen werden müssen, weisen Kinder mit Migrationsgeschichte und (noch) geringen Deutschkenntnissen hierbei öfter Sprachauffälligkeiten auf, die auf Unsicherheiten im Sprachgebrauch zurückzuführen sind (vgl ebenda S. 17ff).
Im Einschulungsjahrgang 2014/2015 sind mit 16,0% zum Zeitpunkt der Untersuchung auffällig viele
Kinder bereits in einer Sprachtherapie oder in logopädischer Behandlung. Für weitere 6,3% der Kinder
musste im Zuge der Untersuchung eine Arztüberweisung zur Abklärung eines noch nicht erkannten
Unterstützungs- bzw. Therapiebedarfs ausgesprochen werden. Damit hat knapp ein Viertel aller untersuchten Kinder einen konkreten ärztlichen oder therapeutischen Sprachförderbedarf. Ein weiteres
Viertel der Kinder hat leichte Auffälligkeiten oder Entwicklungsverzögerungen (25,9%), denen jedoch
z. B. mit einem Sprachförderprogramm im Kindergarten und/oder durch gezielte Unterstützung durch
die Eltern entgegengewirkt werden kann (vgl. Tabelle 5.3.1 im Anhang).
Klammert man die Kinder aus, die sich bereits in ärztlicher oder therapeutischer Behandlung befinden
gewinnt man ein Einschätzung über den Anteil der Kinder, die einen individuell mehr oder weniger
großen Unterstützungsbedarf haben. Der Anteil der Kinder in den Befundkategorien „Befund ohne
Maßnahme“ und „Arztüberweisung“ beträgt über die Einschulungsjahrgänge 2010/2011 bis 2014/2015
kumuliert regionsweit 28,4% und differiert für die einzelnen Städte und Gemeinden beträchtlich (vgl.
Tabelle 5.3.3 im Anhang).
Abbildung 37 Kinder mit Sprachauffälligkeiten
Anteil der Kinder mit leichten und abklärungsbedüftigen Sprachauffälligkeiten in
Prozent, Einschulungsjahrgänge 2010/2011 bis 2014/2015, Region Hannover
35,0
28,4 28,4 28,5 28,8 29,1
27,2 27,5 28,1

30,0
25,0
20,3
20,0

30,3 31,2 31,3

32,7

24,3 24,4 25,1
22,4 22,5 23,3

15,0 15,0 15,8

15,0
10,0
5,0
0,0

Quelle: Region Hannover, Team Sozialpädiatrie und Jugendmedizin

Auch in Bezug auf die Sprachbefunde zeigt sich ein Zusammenhang zur sozialen Lage der Kinder und
Familien. Während in Pattensen, Wennigsen und Hemmingen nur 15,0% bis 15,8% der Kinder leichte
oder deutliche Sprachauffälligkeiten aufweisen liegen die Anteile in Hannover, Burgdorf und Ronnen50
berg mit 31,2% bis 32,7% doppelt so hoch. Der aktuelle Bericht zu den Schuleingangsuntersuchungen Band I 2014 weist darüber hinaus Zusammenhänge zwischen dem Bildungsgrad der Eltern, dem
Geschlecht, der Länge des Kindergartenbesuchs und dem Migrationshintergrund nach (vgl. ebenda S.
19ff). Welche dieser weiteren Einflussgrößen oder Variablen jedoch hauptursächlich für die mehr oder
weniger gute sprachliche Entwicklung ist soll weiter hinten in diesem Kapitel in einer abschließenden
Betrachtung nochmals aufgegriffen werden.

50

Der Zusammenhang zwischen dem Anteil der Kinder im Mindestsicherungsbezug und den Sprachauffälligkeiten beträgt als Korrelationskoeffizient ausgedrückt 0,58 ist damit ebenfalls signifikant auf leichtem Niveau.

Seite 57

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Befunde zur zentralen Wahrnehmung und Verarbeitung
Eine gute zentrale Wahrnehmung und Verarbeitung ist eine entscheidende Vorläuferfähigkeit für das
Lernen. Untersucht werden die Bereiche Visuomotorik, auditive Differenzierung und auditive Merkfähigkeit. Dies geschieht mit speziellen Tests, in denen z. B. mehrsilbige Pseudowörter wiederholt oder
Zahlenfolgen nachgesprochen werden müssen (vgl. ebenda S. 25ff). Die Daten zur zentralen Wahrnehmung und Verarbeitung waren in den letzten Jahren stabil mit einem leicht positiven Trend. Rund
20% der Kinder zeigten leichte Auffälligkeiten, die jedoch keiner Maßnahme bedurften. Jeweils rund
6% der Kinder befanden sich bereits in Behandlung oder wurden wegen abklärungsbedürftiger Auffälligkeiten an einen Facharzt überwiesen.
Abbildung 38 Kinder mit Auffälligkeiten in zentraler Wahrnehmung und Verarbeitung
Anteil der Kinder mit leichten und abklärungsbedürftigen Befunden in zentraler
Wahrnehmung und Verarbeitung in Prozent, Einschulungsjahrgänge 201/2011
bis 2014/2015, Region Hannover
40,0

35,6

35,0
30,0
25,0
20,0

15,3

30,0 30,1

12,4

15,0
10,0

17,1

27,4
25,3 25,3 26,2 26,3
22,6 24,0
21,8
19,4 20,0 20,1 20,2 20,2 20,9

31,7

7,6

5,0
0,0

Quelle: Region Hannover, Team Sozialpädiatrie und Jugendmedizin

In der kommunalen Differenzierung fallen erneut deutliche Differenzen auf, wobei die Spannweite
größer ist als bei den Befunden zur Sprache. Während der Regionsdurchschnitt der Kinder mit leichten Auffälligkeiten oder mit weiterem ärztlichem Abklärungsbedarf bei zusammen in den letzten Jahren bei 26,2% lag, waren in Wennigsen, Springe und Hemmingen nur 7,6% bis 15,3% der Kinder auffällig. In Garbsen, Neustadt und Ronnenberg waren es hingegen 30,1% bis 35,6% (vgl. Tabelle 5.3.3
im Anhang). Auch hier zeigt sich ein leichter Zusammenhang zur allgemeinen sozialen Lage der Kinder, gemessen am Anteil der Empfänger von Mindestsicherungsleistungen, auch wenn sich nicht alle
51
Befunde und Werte in diese Ordnung einfügen.
Übergewicht und Adipositas
Im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen werden Körpermaße und Gewicht der Kinder ermittelt.
Aus diesen Daten kann der so genannte Body Mass Index (BMI) errechnet werden. Kinder, deren BMI
über oder unter der Norm liegen gelten als übergewichtig bzw. als untergewichtig. Eine normale Ge52
wichtsentwicklung gilt dabei auch als Indikator für eine gesunde Gesamtentwicklung der Kinder.
Für die folgende Grafik wurden die Befundkategorien Untergewicht und starkes Untergewicht sowie
Übergewicht und starkes Übergewicht jeweils zusammengefasst. Die bis 100 Prozent fehlenden Wer51

Der Zusammenhang zwischen dem Anteil der Kinder im Mindestsicherungsbezug und den Kindern mit Auffälligkeiten im Bereich zentrale Wahrnehmung und Verarbeitung beträgt als Korrelationskoeffizient ausgedrückt 0,46
und ist damit auf einem schwach bis nicht mehr signifikanten Niveau.
52

Der Messwert aus Körpergewicht und Körpergröße wird anhand von Perzentilkurven nach Kromeyer-Hauschild
in folgende Kategorien gefasst: Starkes Untergewicht unterhalb der 3. Perzentile, Untergewicht zwischen 3. Und
10. Perzentile, Normalgewicht zwischen 10. Und 90. Perzentile, Übergewicht zwischen 90. Und 97. Perzentile,
starkes Übergewicht oberhalb er 97. Perzentile. Das Verfahren folgt den Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft
Adipositas im Kinder- und Jugendalter (vgl. ebenda S. 44ff).

Seite 58

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

te bildet die Gruppe der Kinder mit Normalgewicht ab. Der Regionsdurchschnitt für den Anteil der
übergewichtigen und stark überwichtigen liegt für die Einschulungsjahrgänge 2010/2011 bis
2014/2015 bei 9,5% und damit nah an der Vergleichsnorm, nach der man in dieser Altersgruppe einen
Anteil von 10% hätte erwarten können. Die Werte für die einzelnen Städte und Gemeinden variieren
dabei stark: Anteile über 10% haben u. a. Seelze, Garbsen und Uetze (12,2%, 11,8%, 10,9%). Deutlich unterdurchschnittliche Anteile haben Burgwedel, Hemmingen und Wedemark (4,6%, 4,8%, 5,2%).
Damit folgen die Daten zum Übergewicht einem ähnlichen Verteilungsmuster wie die Daten zum Mindestsicherungsbezug der Kinder und Jugendlichen (vgl. Kapitel 5.1).

11,8

12,2
9,0

9,7

11,7
10,9

11,8
10,8

10,5
6,5

12,0
10,4

12,2
10,3

10,3
10,2

11,0
9,5

9,3

11,3

13,4
8,7

12,6
8,5

11,0
8,4

10,3

13,7
8,3

7,0

6,6

5,9

5,6

4,8

6,0

4,6

8,0

5,2

10,0

8,0

12,0

11,8

10,8

14,0

11,3

14,7

15,3

16,0

Kinder mit Über- oder Untergewicht in Prozent, Einschulungsjahrgänge
2010/2011 bis 2014/2015, Region Hannover

14,0

18,0

15,4

Abbildung 39 Kinder mit Ünter- oder Untergewicht

4,0
2,0
0,0

Untergewicht und starkes Untergewicht

Übergewicht und starkes Übergewicht

Quelle: Region Hannover, Team Sozialpädiatrie und Jugendmedizin

Die Daten zum Untergewicht folgen hingegen eher dem umgekehrten Muster: Städte und Gemeinden
mit einem hohen Anteil an untergewichtigen Kindern haben oft eher wenig übergewichtige Kinder
(Burgwedel 15,4%, Wedemark 15,3%, Isernhagen 14,7%) und einen geringen Anteil von Kindern im
Mindestsicherungsbezug, Städte und Gemeinden mit einem geringen Anteil untergewichtiger Kinder
(Neustadt 6,5%, Seelze 9,0%, Garbsen 9,7%) haben eher hohe Anteile von Kindern im Mindestsicherungsbezug. Damit korreliert Übergewicht tendenziell positiv und Untergewicht tendenziell negativ mit
hohen Anteilen von Kindern im Mindestsicherungsbezug und damit in ökonomisch schwierigen sozia53
len Lagen. Der Anfang 2014 erschienene ausführliche Bericht zu den Schuleingangsuntersuchungen
in der Region Hannover belegt überdies insbesondere einen gleichgelagerten Zusammenhang der
Gewichtsbefunde mit dem Bildungsgrad der Eltern (vgl. ebenda, S. 45f). Bei hohem Bildungsrad steigt
die Wahrscheinlichkeit für Befunde zum Untergewicht, bei niedrigem Bildungsgrad für Befunde zum
Übergewicht.
Sowohl die Erfahrungen des Teams Sozialpädiatrie und Jugendmedizin, als auch bundesweite Daten
zum BMI im Jugend- und Erwachsenenalter belegen, dass mit steigendem Lebensalter der Anteil an
übergewichtigen Kindern und Jugendlichen zunimmt. Während unter den 3 bis 6-Jährigen noch rund
9% übergewichtig sind, sind es am Ende des Grundschulalters mit 10 Jahren bereits rund 15% und
bis ins Erwachsenenalter nimmt der Anteil übergewichtiger Personen weiter stetig zu. Als Einflussfaktoren für Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen sind Ernährungsgewohnheiten, das Maß an körperlicher Aktivität, der Zeitanteil des Medienkonsums und auch genetische Faktoren identifiziert. Der
oft hohe Fett- und Zuckergehalt der von Kindern favorisierten und konsumierten Lebensmittel ist
ebenso als ursächlich zu betrachten, wie die veränderte Koch- und Esskultur und vor allem das Ver-

53

Der Korrelationskoeffizient für den Zusammenhang von Gewicht und Mindestsicherungsbezug ist mit Werten
von 0,64 für das Übergewicht und -0,48 für das Untergewicht für sozialökologische Zusammenhänge insbesondere für das Übergewicht auf einem schwachen bis mittleren signifikanten Niveau.

Seite 59

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

halten und der soziale Status der Eltern. Dabei bilden Über- und Untergewicht die zwei Seiten der
Medaille eines bei regionsweit rund 21% aller Kinder problematischen Ernährungsverhaltens.
Für präventive Ansätze folgt daraus, dass Schwerpunkte bereits vor und während der Schwangerschaft, im jüngeren Kindesalter, bis in die Grundschulzeit hinein sinnvoll sind. Für die Prävention von
Übergewicht liegt der Fokus auf Kindern und Familien in ökonomisch schwieriger sozialer Lage und
Eltern mit eher niedrigem Bildungsstatus. In Bezug auf die Prävention von Untergewicht stehen jedoch
Familien in ökonomisch privilegierter sozialer Lage und Eltern mit eher hohem Bildungsstatus im Fokus. Folglich muss es neben Ansätzen zur gezielten Adipositasprävention auch um ganzheitliche Ansätze zum gesunden Ernährungsverhalten gehen.
Schlussfolgerungen und Entwicklungsperspektiven
Der ausführliche Bericht zu den Schuleingangsuntersuchungen Band I 2014 hat einmal mehr zahlreiche Zusammenhänge der Untersuchungsbefunde zum Geschlecht der Kinder, zum Bildungsgrad der
Eltern, zur Dauer des Kindergartenbesuchs und zum Migrationshintergrund belegt. Anders als in der
Vergangenheit wurde jedoch mit Hilfe einer multivariaten Datenanalyse der Frage nachgegangen,
welche soziodemografischen Merkmale, welche familiären und sozialen Rahmenbedingen hauptursächlich für gelungene oder aber schwierige Entwicklungsverläufe sind (vgl. ebenda S. 51 ff). Dabei
zeigte sich für viele der untersuchten Zusammenhänge ein starker Zusammenhang mit dem Bildungsgrad der Eltern, der insgesamt einen großen Einfluss auf den Entwicklungsstand und die Entwick54
lungschancen der Kinder hat. Dieser Befund passt zu dem hier festgestellten Zusammenhang zwischen Entwicklungsauffälligkeiten und Armutsgefährdung von Kindern und Familien. Die Analysen
zeigen zudem eine gewisse Abhängigkeit der Länge des Kindergartenbesuchs vom Bildungsrad der
Eltern und legen den Schluss nahe, dass nicht das Merkmal des Migrationshintergrunds an sich zu
eher schlechteren Untersuchungsergebnissen führt, sondern der damit statistisch häufiger gekoppelte
formal geringe Bildungsgrad der Eltern.
Abbildung 40 Kinder mit mindestens zwei relevanten Befunden
Anteil der Kinder mit Doppelbefunden bei Sprache und zentraler Wahrnehmung
und Verarbeitung in Prozent, Einschulungsjahrgänge 2010/2011 bis 2014/2015,
Region Hannover
13,4
12,7 13,1

14,0
12,0
10,0

7,1

8,0
6,0

4,1

4,2

7,1

7,9

8,0

8,1

8,2

8,6

9,4

9,6

10,3 10,7
9,7 10,0

11,6 11,9

4,4

4,0
2,0
0,0

Quelle: Region Hannover, Team Sozialpädiatrie und Jugendmedizin

Mit der Aufklärung dieser komplexen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge hat die vertiefte statistische
Analyse der Schuleingangsuntersuchungsdaten klare Ansatzpunkte für familienunterstützende Maßnahmen markiert. Um diese Ansatzpunkte systematisch zu erschließen werden die diagnostischen
Ansätze gezielt weiterentwickelt und die Auswertungsmöglichkeiten der vorliegenden Daten intensiver
für die Steuerung präventiver Ansätze genutzt. Das allgemeine Ziel ist, Kinder und Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf früher zu identifizieren, gezielt zu unterstützen und in ihrer Entwicklung zu begleiten. Dafür bedarf es einer Erweiterung der bisherigen Schuleingangsuntersuchungen,
die ihrer bisherigen Anlage wegen lediglich Aussagen über die Altersgruppe der 5 bis 6-Jährigen zu-

54

Darüber hinaus besteht in Bezug auf die Sprachbefunde ein sehr deutlicher Zusammenhang zwischen Entwicklungsverzögerungen und Kindern, die in ihrer Familie kein deutsch sprechen.

Seite 60

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

lassen. Zukünftig soll eine früher ansetzende gezielte Entwicklungsdiagnostik, die bereits für Kinder
ab dem 12. Lebensmonat eingesetzt werden kann, die Schuleingangsuntersuchungen flankieren. Aus
entwicklungsdiagnostischer Perspektive stellt sich die Frage, wie sich ein Kind im Laufe der Zeit entwickelt, ob es Fortschritte gemacht hat und ob mögliche diagnostizierte Auffälligkeiten und Entwicklungsverzögerungen ausgeglichen werden konnten? Die starke Zunahme der Bildungsbeteiligung
durch den massiven Ausbau der Kindertagesbetreuung für unter 3-Jährige ermöglicht frühere institutionelle Zugänge zu einer größeren Zahl von den Kindern, die hierfür genutzt werden sollen (siehe dazu
Kapitel 5.2). Gleichzeitig sind die frühpädagogischen Fachkräfte in den Krippen und Kindergärten
wichtige Kooperationspartner für eine gelingende frühkindliche Bildung und Entwicklung (siehe auch
Handlungsempfehlungen Schuleingangsuntersuchungen Band I 2014, S. 55).
Um Programme und Unterstützungsangebote gezielt den Kindern zu Gute kommen zu lassen, die in
verstärktem Maße auf unterstützende Angebote angewiesen sind, ist es notwendig zu wissen wie
viele Kinder eine solche Unterstützung benötigen und wo sie sozialräumlich häufiger als anderswo
anzutreffen sind. Dabei soll nach Einschätzung des Teams Sozialpädiatrie der Fokus auf den Kindern
liegen, die mehr als einen auffälligen Befund in den zentralen Entwicklungsbereichen der sprachlichen
Entwicklung und der zentralen Wahrnehmung und Verarbeitung haben. Einen solchen Doppelbefund
weisen in den letzten Jahren etwa 10% bis 11% eines Altersjahrgangs bzw. jährlich etwa 1.100 Kinder
auf (siehe Grafik oben).
Versteht man diese Gruppe mit behandlungsbedürften oder leicht unterstützungsbedürftigen Auffälligkeit in beiden Entwicklungsbereichen als in ihrer Entwicklung gefährdete Kinder, dann zeigt die Grafik,
dass deren räumliche Verteilung unterschiedlich ist. Unter anderem in Ronnenberg, Garbsen und
Hannover ist der Anteil der Kinder mit diesem Doppelbefund höher als im Regionsdurchschnitt (vgl.
Tabelle 5.3.3 im Anhang). Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich unterhalb der kommunalen
Ebene die Anteile der betroffenen Kinder in Bezug auf einzelne Orts- und Stadtteile und auch in Bezug auf einzelne Kindertagesstätten sehr unterschiedlich darstellen. Dort, wo auf der sozialräumlichen
Ebene in den letzten fünf Jahren hohe Anteilen und hohe absolute Zahlen von Kindern mit Unterstützungsbedarf festgestellt wurden wird mit einiger Wahrscheinlichkeit auch zukünftig ein erhöhter Bedarf
bestehen. Damit liegt ein Bedarfsindikator zur Bestimmung eines erhöhten Unterstützungsbedarfs vor,
den es zur Steuerung kommunaler Interventionen zu nutzen gilt.

Seite 61

Sozialbericht 2015

6

Soziale Lagen in der Region Hannover

Besondere Lebenslagen

Es gibt zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, die in besonders belasteten Lebensphasen oder Lebenslagen leben oder diese zeitweise durchlaufen. Für dieses Kapitel wurden drei dieser besonderen Lebenslagen exemplarisch ausgewählt, weil sie eine nicht unerhebliche Zahl von Personen betreffen
und weil mit ihnen besondere Lebensumstände einhergehen, die besonderer fachlicher Unterstützung
und Hilfe bedürfen. In Kapitel 6.1 geht es um die Personengruppe der von Wohnungslosigkeit betroffenen oder bedrohten Personen. Kapitel 6.2 wirft einen Blick auf Personen mit psychiatrischen
Erkrankungen bzw. mit akutem Beratungs- und Behandlungsbedarf. In Kapitel 6.3 geht es schließlich
um die Gruppe der zumeist älteren pflegebedürftigen Personen. In allen drei Kapiteln wird ausgehend
von den bekannten Problemlagen und den verfügbaren Daten ein Ausblick auf die Herausforderungen
und Bedarfe sowie die aktuellen Fachplanungen zur Optimierung der bestehenden Angebote und des
Hilfesystems geworfen.

6.1

Wohnungslosigkeit

Seit 2011 haben sich die Strukturen der Zuständigkeit für die Wahrnehmung der Aufgaben im Sinne
der §§ 67 ff. SGB XII für Personen in besonderen sozialen Schwierigkeiten grundlegend geändert.
Das Land hat durch die Schaffung eines sozialräumlichen Budgets und seines Rückzuges aus der
operativen Steuerung des Hilfesystems durch die Spitzabrechnung von Leistungen mit unterschiedlichen Trägern zugleich den örtlichen Träger der Sozialhilfe in seiner Planungs- und Steuerungsfunktion gestärkt. Ziel dieser Initiative ist es, eine bessere regionale Koordination der Leistungserbringer
dieses Hilfesystems zu erreichen und gleichzeitig Anreize für neue und vor allem präventive Ansätze
und Angebote zur Verhinderung z. B. von Wohnungslosigkeit zu fördern.
Bedingt durch die bisher eher zersplitterte Wahrnehmung der Aufgaben gab es bei der Region Hannover für dieses Hilfefeld bisher keine besondere Fachplanung, keine besondere Berichterstattung
und auch keine besondere Aufmerksamkeit. Um die neue Aufgabe strukturiert anzugehen wurde deshalb unter Federführung des Teams 50.06 „Besondere soziale Leistungen“ in einem Projekt ein Konzept für die Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten erarbeitet, das am Ende die55
ses Kapitels beschrieben wird. Zunächst soll jedoch ein Blick auf das Hilfesystem und auf den Personenkreis der Menschen geworfen werden, die von Wohnungslosigkeit akut betroffen sind, von
Wohnungslosigkeit bedroht sind, in möglicherweise unzumutbaren Wohnverhältnissen leben oder
aber ehemals von Wohnungslosigkeit betroffen waren, aber aufgrund ihrer besonderer sozialen
Schwierigkeiten weiterhin begleitende Unterstützung brauchen.
Eine quantitative Einschätzung der Anzahl der Personen, die in der Region Hannover akut von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht sind ist anhand der vorliegenden Zahlen nur schwer möglich.
Zum einen fehlen aus vielen Bereichen belastbare Daten, zum anderen sind die existierenden Statistiken nicht überschneidungsfrei. Eine grobe Abschätzung kann jedoch die Addition der Erstkontakte in
der ambulanten Hilfe, der Aufnahmen in den stationären Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe und
der ordnungsrechtlich untergebrachten Personen im Laufe eines Jahres bzw. zu einem Stichtag liefern. Zählt man diese bekannten von Wohnungslosigkeit betroffenen Personen zusammen, kommt
man für die Jahre 2012 und 2013 auf knapp 2.800 Personen, was gemessen an der Gesamtbevölke56
rung eine Betroffenheit von rund 2,5 Personen pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner bedeutet.
Damit ist jedoch nur die „behördlich bekannte“ Wohnungslosigkeit grob umrissen. Menschen die in
unzumutbaren Wohnverhältnissen leben, bei Freunden oder Bekannten provisorisch untergekommen
sind, wohnungslos sind, die oben genannten Hilfen aber nicht in Anspruch nehmen, müssten zu dieser Zahl noch hinzugerechnet werden. Im Folgenden soll zunächst entlang der mit Fallzahlen dokumentierten Hilfeformen ein Überblick über das Hilfefeld gegeben werden.

55

Die folgenden Ausführungen basieren wesentlich auf dem 2014 erschienenen Projektbericht der Region Hannover „Regionales Konzept für die Hilfen nach §§ 67ff. SGB XII“.
56

Der Landesstatistikbericht der ZBS Niedersachsen für die Hilfen für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten kommt für das Jahr 2012 mit einer ähnlichen groben Kalkulation auf rund 6.400 Betroffene in ganz Niedersachsen und damit auf landesweit auf rund 0,8 Betroffene pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner (vgl.
ebenda S. 5).

Seite 62

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Soziale Lagen in der Region Hannover

Tagesaufenthalte
Die insgesamt 8 in 2013 von der Region Hannover als öffentlicher Träger der Sozialhilfe geförderten
57
Tagesaufenthalte liegen bis auf zwei in der Landeshauptstadt Hannover. Sie bieten insbesondere
wohnungslosen Personen unabhängig von der Zuständigkeit der jeweiligen Kostenträger die Möglichkeit, alltäglich Dinge auch ohne eigene Wohnung zu erledigen. Das niederschwellige Grundversorgungsangebot besteht z. B. aus der Möglichkeit zu duschen, Wäsche zu waschen, Schließfächer oder
die Küche zu nutzen. Auch Bekleidung, eine Hausapotheke, Zeitungen und Internet sind verfügbar.
Neben Krisenintervention wird sozialpädagogische Beratung und Begleitung sowie die Vermittlung
anderer Angebote und Hilfen angeboten.
Die Tageaufenthalte verzeichnen sowohl in Niedersachsen insgesamt als auch in der Region Hannover seit Jahren steigende Besucherzahlen, wobei die Anzahl der Personen, die einen der Tagesauf58
enthalte aufsuchen seit 2009 stärker angestiegen ist (+52,7%) als die Anzahl der Kontakte (+33,8%).
Dementsprechend ist die Anzahl der Kontakte, die rein rechnerisch und durchschnittlich auf eine Person entfallen, von 34 auf 30 in 2013 gesunken (vgl. Tabelle 6.1 im Anhang). Die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der Tagesaufhalte sehen somit in der Summe von Jahr zu Jahr deutlich mehr Personen,
von denen einige jedoch seltener kommen. Der Anteil der Frauen liegt seit 2009 recht konstant bei
etwa einem Drittel (2013 32,5%). Bei den Altersgruppen dominieren die 27 bis unter 60-Jährigen mit
gut drei Vierteln der Besucherinnen und Besucher, wobei der Anteil der ab 60-Jährigen in den letzten
Jahren von 7,5% auf 12,2% angestiegen ist.
Abbildung 41 Inanspruchnahme der Tagesaufenthalte
Entwicklung der Inanspruchnahme der Tagesaufenthalte 2009 bis 2013 nach
Anzahl der Personen und Kontakte absolut, Region Hannover
5.000

125.729

4.000

111.619

Personen

3.500
2.500

120.000
4.310

96.596
3.621

3.000

140.000

100.000

3.822

80.000

3.191
2.822

2.000

60.000

1.500

40.000

1.000

Kontakte

4.500

129.207

115.131

20.000

500
0

0
2009

2010

2011
Personen

2012

2013

Kontakte

Quelle: Zentrale Beratungsstelle Hannover, Team 50.06 Besondere soziale Leistungen

Da es auch zu Doppelzählungen von Personen kommt, die mehrere Tagesaufenthalte besuchen und
die Tagesaufenthalte darüber hinaus zunehmend von Personen aufgesucht werden, die nicht wohnungslos und auch nicht von Wohnungslosigkeit bedroht sind, gibt die Zahl der Besucherinnen und
Besucher keinen unmittelbaren Hinweis auf die Gesamtzahl der Wohnungslosen. Deutlich wird jedoch, dass es offenbar einen zunehmenden Bedarf an diesem niedrigschwelligen ambulanten Ange-

57

Die Tagesaufenthalte in Burgdorf und Wunstorf verzeichneten 2012 mit rund 7.300 bzw. 8.200 Kontakte fast
ebenso viele Kontakte wie die Tagesaufenthalte in der Landeshauptstadt Hannover (rund 10.000 – 15.000), mit
Ausnahme der „großen“ Einrichtungen „Mecki“ und „Nordbahnhof“. Folglich existiert auch im Umland der Landeshauptstadt ein erkennbarer Bedarf an diesen Einrichtungen.
58

Sechs der acht Tagesaufenthalte befinden sich im Stadtgebiet der Landeshauptstadt Hannover, ein Tagesaufenthalt ist in Wunstorf, ein weiterer befindet sich in Burgdorf. Die Tagesaufhalte führen eine Statistik bei der sie
für den Zuständigkeitsbereich des örtlichen und des überörtlichen Trägers die Personen zählen, die sie im Laufe
eines Jahres aufsuchen und deren Alter und Geschlecht festhalten. Als Kontakte werden alle Personen gezählt,
die den Tagesaufenthalt im Laufe eines Tages besuchen. Als Personen werden diejenigen gezählt, die im Laufe
eines Jahres den Tagesaufenthalt besucht haben. Folglich kann eine Person im Laufe eines Jahres eine Reihe
von Kontakten haben.

Seite 63

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

bot der Grundversorgung gibt. Folgende Personengruppen können in je nach Einrichtung unterschiedlicher Mischung als potentielle Nutzerinnen und Nutzer angenommen werden:
•
•
•
•
•
•

Wohnungslose Personen, die keine eigene Wohnung mehr haben, aber nicht auf der Straße leben, sondern bei Freunden oder Bekannten, in Obdachlosenunterkünften, Hotels, Heimen etc.
Obdachlose Personen, die kein Dach über dem Kopf haben und „Platte machen“.
Einzelpersonen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, aber noch über eine eigene Wohnung
verfügen.
Mehrpersonenhaushalte, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, aber noch über eine eigene
Wohnung verfügen.
Ehemals wohnungs- oder obdachlose Personen, die wieder über eine eigene Wohnung verfügen.
Personen, die weder wohnungs- noch obdachlos sind oder waren und aktuell auch nicht von
Wohnungslosigkeit bedroht sind, jedoch im Tagesaufenthalt soziale Kontakte, Beratung, niederschwellige Hilfe, medizinische Versorgung, Kleidung, Essen oder einen warmen Ort suchen.

Insbesondere die letztgenannte Gruppe scheint in den vergangen Jahren als Besuchergruppe an Bedeutung gewonnen zu haben. Damit erfüllen die Tagesaufenthalte nebenbei zunehmend die Funktion
einer niederschwelligen Anlaufstelle im Sozialraum. So ist möglicherweise auch zu erklären, warum
die Anzahl der Besucherinnen und Besucher stärker angestiegen ist als die der Kontakte. Das Besucherspektrum der Tagesaufenthalte ist breiter geworden, die dort angebotenen Hilfen und die dortigen
Rahmenbedingungen möglicherweise aber nicht für alle Hilfesuchenden gleichermaßen passend und
zufriedenstellend. Eine Anpassung der personellen Ressourcen hat nur zum Teil stattgefunden.
Ambulante Hilfe
Im Rahmen der ambulanten Hilfe gibt es in der Region Hannover drei Beratungsstellen für den Personenkreis mit besonderen sozialen Schwierigkeiten nach §§ 67 ff. SGB XII, die von der Zentralen Beratungsstelle (ZBS) des Diakonischen Werkes Stadtverband Hannover e. V. getragen werden. Neben
Beratung und Begleitung in unterschiedlichsten sozialen Problemlagen wird dabei die Vermittlung von
Wohnraum, die Einrichtung von Postadressen und Konten sowie die Betreuung von ehemals Wohnungslosen in den Wohnungen der Sozialen Wohnraumhilfe gGmbH geleistet. Seit 2009 hat sich die
Zahl der Erstkontakte zu den Beratungsstellen von 443 auf 1.048 mehr als verdoppelt (+136,6%), was
als ein klarer Hinweis auf einen Bedarf an diesen Leistungen gesehen werden kann. Gut ein Viertel
aller Erstkontakte entfallen auf Frauen (27,2%) und die Gruppe der unter 25-Jährigen (26,8%) (vgl.
Tabelle 6.1 im Anhang).
Stationäre Hilfe
Die Versorgung mit stationären Angeboten der Wohnungslosenhilfe wird in der Region Hannover
durch insgesamt 6 Einrichtungen mit zusammen 300 Plätzen sichergestellt (vgl. Tabelle 6.1 im Anhang). Die stationären Einrichtungen haben fast ausschließlich Plätze für wohnungslose Männer. Nur
eine Einrichtung bietet auch Plätze für Frauen und Paare und nur eine kleine Einrichtung ist ausschließlich für Frauen. Im Jahr 2013 wurden 692 Personen stationär aufgenommen, nachdem die
Fallzahlen 2011 und 2012 noch sehr viel höher lagen (832 bzw. 911). Auf die Region Hannover entfielen 2012 laut Landesstatistikbericht der ZBS mit 911 von insgesamt 2.072 Fällen (44%) überdurchschnittlich viele Fälle der stationären Hilfen (ebenda S. 13ff., S. 38), was durch die Konzentration der
stationären Plätze und infolge dessen auch der Hilfebedürftigen begründet ist.
Knapp 85% der hilfesuchenden Personen waren im Alter zwischen 25 und 59 Jahren, der Anteil der
Frauen ist wegen fehlender Erfassung des Merkmals nicht bekannt und aufgrund der geringen Anzahl
von Plätzen für Frauen auch eher gering. Eine detaillierte Auswertung der Aufenthaltsdauern aus dem
59
Jahr 2012 zeigt grob unterteilt drei Gruppen von Personen in der stationären Hilfe:
•

59

Zum einen die Gruppe derjenigen, die weniger als zwei Wochen, manchmal sogar nur für ein bis
zwei Nächte in einer stationären Einrichtung aufgenommen werden (18%). Bei diesen Personen
ist es nicht gelungen den in stationären Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe eigentlich vorgesehenen Hilfeprozess umfassend zu initiieren. Die stationäre Einrichtung hat hier eher als Notunterkunft für wenige Tage gedient und konnte daneben möglicherweise Abhilfe bzw. Unterstützung
in dringlichen Notlagen leisten.

Vgl. den Projektbericht der Region Hannover: Regionales Konzept für die Hilfen nach §§ 67ff. SGB XII, S. 37ff.

Seite 64

Sozialbericht 2015
•

•

Soziale Lagen in der Region Hannover

Die zweite Gruppe von Personen hat zum einen Aufenthaltsdauern von über 2 Wochen bis unter 3
Monaten (22%). Für diese Personen konnte im Rahmen des stationären Hilfesettings sicher mehr
erreicht werden, allerdings sind bis zu drei Monate auch recht knapp bemessen, um komplexere
Problemlagen zielgerichtet und mit Ergebnis anzugehen. Innerhalb dieser zweiten Gruppe gibt es
jedoch auch Personen mit Aufenthaltsdauern von 3 Monaten bis unter einem Jahr (27%). Mit diesen Personen konnten die Einrichtungen intensiv arbeiten und nach und nach auch mehrere tiefer
liegende Probleme angehen und im Idealfall auch lösen.
Schließlich gibt es eine dritte Gruppe von Klientinnen und Klienten (34%) mit Aufenthaltsdauern
von über einem Jahr (in ganz Niedersachsen stellt die Gruppe hingegen nur 18,8%), darunter
Personen, mit komplexen und schwerwiegenden Problemen, aber auch Personen, die dauerhaft
(stationäre) Betreuung (und Pflege) benötigen und bei denen das Ziel eines Lebens in einer eigenen Wohnung vermutlich auch gar nicht mehr realistisch ist.

Wie lange die Wohnungslosen in den Einrichtungen verleiben entscheiden sie letztlich selber, indem
sie mehr oder weniger gut mitarbeiten oder aber den Aufenthalt aus eigenen Stücken abbrechen, was
laut Berichterstattung der ZBS in der Region Hannover bei und 42% der Fälle – wie schon in den Jah60
ren zuvor – der Hauptgrund für die Beendigung der stationären Hilfe war. Dass viele Hilfesuchende
aus akuten Notlagen in die Einrichtungen der stationären Wohnungslosenhilfe kommen belegen die
bei der Aufnahme erfassten Daten: Rund ein Viertel der Hilfesuchenden (25,4%) verfügten in der Region Hannover in den letzten 4 Wochen vor Maßnahmebeginn über kein eigenes Einkommen, gut die
Hälfte (51,3%) bezog zumindest Leistungen nach SGB II oder XII. Gut 60% hatte vor Hilfebeginn kein
eigenes Bankkonto und knapp 54% sind überschuldet. Obwohl die meisten Hilfesuchenden arbeitsfähig im Sinne des SGB II sind (79%), dauert die Arbeitslosigkeit bei den Betroffenen häufig bereits
länger als 3 Jahre an. Vor Hilfebeginn sind 30% der Hilfesuchenden wohnungslos und ohne Unterkunft, weitere rund 50% waren zuvor bei Freunden oder Bekannten, in einer Notunterkunft, einem
Hotel oder einer Pension untergekommen, kamen aus dem Krankenhaus, aus der Haft oder einer
anderen stationären Einrichtung.
Insgesamt zeigen vor allem die Daten zu den Aufenthaltsdauern, dass die stationären Einrichtungen
im Moment Funktionen für ganz unterschiedliche Bedarfslagen und Personengruppen erfüllen. Sie
sind Notunterkunft für eine oder mehrere Nächte, Einrichtungen, die eine kurzfristige Auszeit und Verschnaufpause gewähren, Einrichtungen mit umfassenden Hilfeangeboten zur Überwindung von Wohnungslosigkeit, Sucht- und Schuldenproblematiken sowie vielen weiteren besonderen soziale Schwierigkeiten. Und sie können für Personen, die langfristig nicht mehr alleine zurechtkommen, auch ein
Zuhause auf Dauer werden.
Ordnungsrechtliche Unterbringungen
Im Jahr 2012 wurde erstmals eine regionsweite Erhebung zu den Personen bzw. Haushalten gemacht, die zum Stichtag 30.06.2012 von Städten und Gemeinden aufgrund des Verlustes ihrer Woh61
nung ordnungsrechtlich untergebracht wurden. Unter den insgesamt 932 untergebrachten Personen
bzw. 628 Haushalten waren gut ein Drittel Frauen (37,1%), 15,5% Kinder und Jugendliche unter 18
Jahren und 8,7% junge Erwachsene im alter von 18 bis unter 25 Jahren. Auffallend sind auch die oft
langen Unterbringungsdauern in den Notunterkünften bzw. in den zugewiesenen Wohnungen. Knapp
ein Viertel (24,1%) hatte Aufenthaltsdauern von 6 Monaten bis unter 2 Jahren, gut die Hälfte (53,8%)
sogar Dauern von über 2 Jahren. Damit wird deutlich, dass das Instrument der ordnungsrechtlichen
Unterbringung in vielen Fällen ebenfalls als mehr oder minder langfristige Wohnform genutzt wird und
nicht nur als kurzfristige Notfallhilfe zur Vermeidung von akuter Wohnungslosigkeit dient. Der Personenkreis um den es hier geht hat gravierende soziale Schwierigkeiten, die mit einer Notunterkunft
allein nicht behoben sind. Dazu kommen große Probleme, selbständig eine eigene Wohnung mit eigenem Mietvertag am freien Wohnungsmarkt zu finden.

60

Die Zentrale Beratungsstelle Niederachsen (ZBS) erstellt jährlich einen landesweiten Statistikbericht für den
Bereich der Hilfen gemäß §§ 67 ff., der Daten der Einrichtungen der feien Wohlfahrtspflege zusammenfasst. Als
Auszug aus der Landesstatistik stellt die ZBS Niedersachsen der Region Hannover freundlicherweise auch Rohdaten für die Region Hannover zur Verfügung.
61

Die ordnungsrechtliche Unterbringung von wohnungslosen Personen obliegt nach dem Niedersächsischen
Gesetz für Sicherheit und Ordnung den Städten und Gemeinden. Erfasst wurden wohnungslose Haushalte bzw.
Personen, die zum Stichtag 30.06.2012 zur Abwendung von Wohnungslosigkeit in Notunterkünften oder Wohnungen untergebracht waren. Ausgenommen waren asylsuchende Personen und Spätaussiedler (vgl. Projektbericht Regionales Konzept für die Hilfen nach §§ 67 ff. SGB XII S. 39 ff.):.

Seite 65

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Herausforderungen und Handlungskonzept
Die bis hier vorgestellten wenigen zur Verfügung stehenden Daten haben gezeigt, dass es einen steigenden Bedarf an präventiven, unterstützenden und zielgruppenspezifisch abgestimmten Hilfsangeboten für die Problemlagen der wohnungslosen oder von Wohnungslosigkeit bedrohten Personen gibt,
der von den jetzigen Hilfestrukturen nicht immer ausreichend abgedeckt werden kann.
Im Rahmen eines Projektes zur Sicherstellung eines bedarfsorientierten und qualitativ guten Unterstützungs- und Hilfsangebots für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten, insbesondere für
Wohnungslose, wurde in den Jahren 2012 bis 2014 deshalb ein umfassendes Handlungskonzept zur
Verbesserung des Hilfesystems entwickelt. Folgende Ziele sollen zukünftig erreicht werden:
•
•
•

Jede hilfesuchende Person hat die Möglichkeit, in einem bedarfsgerechten, rechtlich abgesicherten und an den eigenen Wünschen orientierten Wohnumfeld zu leben.
Hilfen werden personenzentriert, bedarfs- und sozialraumorientiert angeboten.
Der Grundsatz „ambulant vor stationär“ wird umgesetzt.

Um diese Ziele besser als bisher erreichen zu können wurden für zentrale Bereiche der Fachsteuerung und Fachplanung, nämlich für die Angebotsgebotsplanung, die Einzelfallsteuerung, das Berichtswesens, für strukturelle Rahmenbedingungen und für die Kooperation und Zusammenarbeit eine
62
Reihe von Maßnahmen beschrieben , die wie folgt zusammengefasst werden können:
Angebotsplanung zur Sicherstellung sozialraum- und bedarfsorientierter Beratungs- und Versorgungsstrukturen
•
•

•
•

Durchführung einer regionsweiten Bedarfserhebung und Sozialraumplanung.
Ausbau der Beratungs- und Betreuungsstruktur (z. B. spezielle Angebote für junge Erwachsene
und Frauen, Ausbau des „Begleiteten Wohnens“, intensivere Betreuung im Obdach, Ausweitung
des Basisangebotes in der ambulanten Hilfe, Weiterentwicklung präventiver Ansätze, Abbau bzw.
Umbau stationärer Plätze, Ausbau wohnortnaher Versorgung z. B. bei Tagesaufenthalten).
Sicherstellung verfügbaren Wohnraums (z. B. Reduzierung von Wohnraumvermittlungshemmnissen, Berücksichtigung beim Wohnraumförderprogramm, Erhöhung des für die Personengruppe
verfügbaren Wohnungsbestands).
Verbesserung der Angebote von Beschäftigungs-, Ausbildungs- und Erwerbsmöglichkeiten (z. B.
durch Berücksichtigung bei der Maßnahmenplanung im JobCenter und Entwicklung von Maßnahmen auch im SGB XII).

Einzelfallsteuerung in Zusammenhang mit einer sozialraumorientierten Bedarfsplanung
•
•

Fortentwicklung des Gesamtplanverfahrens (z. B. durch regelhafte Fallkonferenzen auch in örtlicher Zuständigkeit, Erprobung eines neuen Verfahrens in der Einzelfallsteuerung, gemeinsame
Fortbildungen, Erhöhung der Regelaufnahmen in stationären Einrichtungen).
Bedarfsorientiere Koordination der Einzelfallhilfe (z. B. durch fachliche Beratung der Akteure im
Hilfesystem, Vernetzung benachbarter Hilfesysteme).

Berichtswesen für eine handlungsorientiere Berichterstattung
•
•

Erweiterung der Datenerhebung der Leistungserbringer (z. B. Dokumentation auch für Personen
in örtlicher Zuständigkeit, Aufbau einer Geschäftsstatistik, Bildung von Kennzahlen)
Wohnungsnotfallberichterstattung der Region Hannover (jährliche Abfrage zu ordnungsrechtlichen
Unterbringungen und gemeldeten Räumungsklagen).

Strukturelle Rahmenbedingungen verbessern durch transparente Strukturen bei Förderungen und
Zuständigkeiten
•
•

62

Etablierung einer Fachsteuerung und –planung
Verlässliche Organisations-, Finanzierungs- und Zuständigkeitsstrukturen (z. B. Entscheidung
über die weitere Heranziehung der LHH, Zielvereinbarungen mit dem Land, Absprachen mit den

Vgl. ausführlich hierzu Projektbericht Regionales Konzept für die Hilfen nach §§ 67 ff. SGB XII S. 1 ff.

Seite 66

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

regionsangehörigen Städten und Gemeinden, Hinwirken auf die Aufhebung der Unterscheidung
von sogenannten Nichtsesshaften und Ortsobdachlosen).
Gründung einer AG nach § 4 SGB XII zur Koordination der Zusammenarbeit der Träger / Leistungserbringer mit dem Träger der Sozialhilfe
Erste Bausteine des oben skizzierten Maßnahmenpakets konnten mit der Förderung eines weiteren
Tagesaufenthalts innerhalb der Stadt Hannover, der Gründung einer AG nach § 4 SGB XII und der
Einrichtung einer Beratungsstelle ausschließlich für Frauen bereits umgesetzt werden. Schon vor dem
Beschluss des Handlungskonzepts wurden in Abstimmung mit dem Land Niedersachsen als überörtlichem Träger der Sozialhilfeleistungen drei Modellprojekte mit der Laufzeit von jeweils zwei Jahren in
vier Städten der Region Hannover installiert. Diese beinhalten Angebote zur Prävention von Wohnungsverlusten und die Betreuung von Menschen in Obdachlosenunterkünften. Diese Leistungen
sollen – die erwiesene Wirkung der Hilfen vorausgesetzt – verstetigt und bei Bedarf auf weitere Kommunen ausgeweitet werden.
Darüber hinaus wurde das System der Finanzierung der ambulanten Hilfe in Zuständigkeit des örtlichen Sozialhilfeträgers geändert. In der Vergangenheit wurde das Angebot durch eine Zuwendungspauschale gefördert. Seit 2015 wird die Leistung durch einzelfallbasierte Finanzierung sichergestellt.
Damit ist die Ausgestaltung der Hilfe für die „Ortsobdachlosen“ der für die sogenannten „Nichtsesshaften“ in überörtlicher Leistungsträgerschaft gleichgestellt. Die Leistungsvereinbarung für das Angebot
Begleitetes Wohnen steht kurz vor dem Abschluss.

6.2

Inanspruchnahme der Sozialpsychiatrischen Beratungsstellen

Der Sozialpsychiatrische Dienst (SpDi) der Region Hannover hat vielfältige Aufgaben, die im Niedersächsischen Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke (NPsychKG) genauer
beschrieben sind. Die Einzelfallhilfen betreffen vor allem die Beratung und Betreuung, ggf. auch die
Begutachtung und Behandlung von psychisch erkrankten Personen, die aufgrund der Art und Schwere ihrer psychosozialen Probleme noch nicht oder nicht mehr von den vorrangig für sie zuständigen
Hilfsangeboten – wie dem vertragsärztlichen System – erreicht werden. Die Hilfen zielen darauf ab,
psychisch Kranken eine möglichst selbstständige Lebensführung im gewohnten Umfeld zu erhalten
oder wieder zu ermöglichen. Außerdem werden nahe stehende Personen beraten und unterstützt.
Das NPsychKG verpflichtet die Kommunen dazu, einen SpDi einzurichten, der neben der Gewährung
von Einzelfallhilfen zugleich für die Geschäftsführung des Sozialpsychiatrischen Verbundes und die
fortlaufende Erstellung eines Sozialpsychiatrischen Plans zuständig ist. Im Sozialpsychiatrischen Verbund sind die verschiedenen Anbieter psychiatrischer Hilfen vertreten. Er sorgt für die Zusammenarbeit der Anbieter und die Abstimmung der Hilfen.
Die Region Hannover ist angesichts ihrer Fläche und Einwohnerzahl in elf psychiatrische Versorgungssektoren mit je einer Beratungsstelle vor Ort aufgeteilt. In jedem Sektor gibt es eine Beratungsstelle des SpDi für Erwachsene, nach deren Standort der Sektor benannt ist (siehe Tabelle 6.2 im
Anhang, in der die räumlichen Zuständigkeiten der Beratungsstellen dokumentiert sind). Darüber hinaus gibt es noch eine weitere Sozialpsychiatrische Beratungsstelle der Region für Kinder und Jugend63
liche in Hannover, die für die Versorgung des gesamten Regionsgebietes zuständig ist.
64

Der jährlich vom SpDi der Region herausgegebene Sozialpsychiatrische Plan dokumentiert den
Bedarf an Hilfen und das vorhandene Angebot detailliert. Eine ab 1998 schrittweise eingeführte regionale Psychiatrieberichterstattung dient dazu, regelmäßig Versorgungsdaten für die Planung zur Verfügung zu stellen. Neben Informationen zur Spezifikation der einzelnen Hilfsangebote, ihrer Platzkapazität und ihrem Einzugsgebiet werden im Rahmen einer anonymisierten Dokumentation der einzelnen

63

Für die Sektoren 6 List und 11 MHH bestand bis Ende 2014 ein Vertrag, nach dem die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hier die Aufgaben eines SpDi wahrnahm. Dieser Vertrag wurde seitens der MHH gekündigt,
weshalb der Sozialpsychiatrische Dienst der Region Hannover nunmehr auch in diesen Sektoren selber tätig sein
wird. Für die Sektoren 6 und 11 liegen für die Vergangenheit leider keine vollständigen Patientendaten vor.
64

Zuletzt erschienen als Sozialpsychiatrische Schriften Band 5, „Vorwärts nach weit“, 15 Jahre Sozialpsychiatrischer Verbund in der Region Hannover, Sozialpsychiatrischer Plan 2013/2014.

Seite 67

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Nutzer eines Hilfsangebots auch Angaben zur Wohnadresse und acht Merkmale erhoben, die eine
Einschätzung zur Schwere und Chronizität der Erkrankung der Betroffenen sowie zum Ausmaß ihrer
65
sozialen Desintegration erlauben.
Die hier dargestellten Daten für die Inanspruchnahme des SpDi der Region Hannover beschränken
sich auf die Sozialpsychiatrischen Beratungsstellen für Erwachsene. Sie zeigen seit Jahren eine beständig steigende Anzahl von Nutzern ohne nennenswerte Verminderung ihres durchschnittlichen
psychosozialen Risikos. Die Inanspruchnahme der Beratungsstellen des SpDi ist in den Jahren 2006
bis 2013 um rund 72% gestiegen. Dabei waren die Fallzahlensteigerungen in den Beratungsstellen,
die für das Gebiet der Stadt Hannover zuständig sind, deutlich höher (+100,9%) als in den für das
Umland zuständigen Beratungsstellen (+50,0%) (vgl. Tabelle 6.2 im Anhang).
52,6% der 8.629 Patientinnen und Patienten, die eine Beratungsstelle im Jahr 2013 aufgesucht haben, sind Männer. Insgesamt dominiert die Altersgruppe der 18 bis 64-Jährigen (87,8%) gegenüber
den ab 65-Jährigen. Auch wenn man die Anzahl der Patientinnen und Patienten dieser beiden Altersgruppen auf die jeweils gleichaltrigen Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt bezieht, zeigt sich,
dass die Gruppe der Personen im erwerbsfähigen Alter den SpDi mehr als doppelt so häufig in Anspruch nimmt als die ab 65-Jährigen.
Abbildung 42 Inanspruchnahme der Sozialpsychiatrischen Beratungsstellen

0

120.000
80.000
40.000

Anzahl Einwohner

1.391
111.431
7.143

1.270
103.037
6.260

1.114
108.171
3.988

152.244
4.955

928

131.779
3.592

850

2.000

744
121.608
3.847

4.000

678
107.520
3.270

6.000

1.030

160.000
149.280
5.437

8.000

624
59.313
3.329

Anzahl Patienten / Arbeitslose

Patienten/innen, Arbeitslose (linke Achse) und Einwohner/innen (rechte Achse)
nach Sozialpsychiatrischen Beratungsstellen 2013 absolut, Region Hannover

0

Patienten

Arbeitslose

Einwohner

Quelle: Region Hannover, Team Sozialpsychiatrischer Dienst
66

Wie bereits im letzten Sozialbericht ausführlich dargestellt, hängt die Anzahl der Personen, die den
SpDi aufsuchen, nicht so sehr von der Einwohnerzahl des Sektors ab, für den die jeweiligen Beratungsstelle zuständig ist, sondern sehr viel stärker von der Anzahl der Arbeitslosen in diesem Sektor.
Die folgende Grafik veranschaulicht den auch statistisch nachweisbar wesentlich engeren Zusammenhang zwischen der Inanspruchnahme der Beratungsstellen mit der Anzahl der Arbeitslosen im
jeweiligen Versorgungssektor (Korrelationskoeffizient 0,88) als mit seiner Größe, gemessen an seiner
Einwohnerzahl (Korrelationskoeffizient 0,22). Beide Sichtweisen, entweder dass Arbeitslosigkeit psychisch krank macht oder dass psychische Krankheit zu Arbeitslosigkeit führt, sind letztlich plausibel
und in ihrer wechselseitigen Bedingtheit zutreffend und vielfach nachgewiesen worden. Aus Sicht der
sich daraus ergebenden Bedarfe und der Versorgung mit angemessen Hilfen ist wichtiger, dass die
Sozialpsychiatrischen Beratungsstellen ihre Zielgruppe der schwerwiegend psychosozial beeinträch-

65

Diese acht Merkmale werden in einem Summenscore als „psychosoziales Risiko“ (psR) zusammengefasst.
Dieser Score kann einen Wert zwischen 7 und 32 annehmen; mit steigendem Wert nimmt – statistisch gesehen –
das Risiko für Komplikationen im Krankheitsverlauf (z.B. Langzeitunterbringungen in einer Klinik oder einem
Heim) zu. In Tabelle 6.2 im Anhang ist der durchschnittliche Risikoscore für die 9 teilnehmenden Beratungsstellen
dokumentiert.
66

Siehe Sozialbericht der Region Hannover, Berichtsjahr 2009, S. 68ff.

Seite 68

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

tigten Personen auch tatsächlich erreichen. Dies scheint in der Region Hannover der Fall zu sein.
Dafür sorgt nicht zuletzt die vorbildliche räumliche Gliederung dieses Dienstes, der mit seinen insgesamt 11 örtlichen Beratungsstellen für alle Einwohnerinnen und Einwohner gleich gut erreichbar ist.
Da sich die engen Zusammenhänge zwischen den jeweiligen sozialstrukturellen Rahmenbedingungen
wie urbaner Verdichtung, Anteil der Singlehaushalte, vor allem jedoch Anteil der Arbeitslosen an der
Gesamtbevölkerung einerseits und Inanspruchnahme des SpDi anderseits seit Jahren konstant zeigen, bietet es sich an, den Anteil der Arbeitslosen als einen zentralen Bedarfsindikator für die sozialpsychiatrische Versorgung zu verstehen und die personellen Ressourcen stärker als bisher daran
auszurichten. Die höchsten absoluten Patientenzahlen haben mit der Deisterstraße und der Königstraße nicht zufällig zwei Beratungsstellen im Stadtgebiet der Landeshauptstadt Hannover. Darüber
hinaus ist die Anzahl der Patientinnen und Patienten pro 1.000 Einwohner/innen am höchsten. Die
schon seit Jahren hohe Arbeitsbelastung in den Beratungsstellen, die im Stadtgebiet von Hannover
tätig sind spüren die dortigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch wegen der kontinuierlich steigen67
den Fallzahlen zunehmend deutlich.
Mit Blick auf die Weiterentwicklung des psychiatrischen Hilfesystems hat der Sozialpsychiatrische
Verbund in der Region Hannover eine Reihe von Herausforderungen und Visionen skizziert. Die in
diesem Prozess am stärksten priorisierte Vision lautet: „Eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung ist für alle Hilfebedürftigen erreichbar – niederschwellig, ohne Wartezeit, auch aufsuchend,
besonders auch für schwer und komplex erkrankte Menschen, ohne finanzielle Selbstbeteiligung.“
(ebenda S. 44). Daraufhin wurden Projektskizzen zur Umsetzung entwickelt, von denen die Einrichtung Gemeindepsychiatrischer Zentren (GPZ) bisher am weitesten konkretisiert wurde und sich in der
Umsetzung befindet. Ein GPZ vereinigt an einem dafür geeigneten Standort für eine definierte Teilregion bzw. einen Sektor mindestens die Kernbausteine Sozialpsychiatrischer Dienst, Psychiatrische
Institutsambulanz und psychiatrische Tagesklinik. Die GPZ sollen eine deutlich verbesserte Verfügbarkeit der Hilfen mit verkürzten Wartezeiten für alle hilfebedürftigen Personen aus dem Zuständigkeitsgebiet gewährleisten, auch im Rahmen aufsuchender und nachgehender Hilfen. Dabei sollen die
GPZ mit den vor Ort niedergelassenen Haus- und Fachärzten sowie Psychotherapeuten kooperieren.
In einem ersten Schritt sollen erste GPZ in der Stadt Hannover und im Umland in Kooperation mit
jeweils der psychiatrischen Klinik entstehen, die für den entsprechenden Versorgungssektor ganz
oder überwiegend zuständig ist. Im Falle eines Erfolges dieses neuen Versorgungsmodells ist eine
Ausweitung auf das gesamte Regionsgebiet vorgesehen.
Mit Blick auf die oben skizziere Fallzahlenentwicklung der letzten Jahre, die auch Ausdruck der Versorgungsengpässe des psychiatrischen Hilfesystems und der Zunahme psychiatrischer Erkrankungen
ist, stellen GPZ den Versuch dar, bei steigender Inanspruchnahme wohnortnahe, passgenaue und
integrierte Hilfen zu bieten.

6.3

Pflegebedürftigkeit

Im Jahr 1999 ist die Pflegestatistik als bundesweite Statistik mit zweijährigem Erhebungsrhythmus
eingeführt worden. Sie erhebt, in welchem Umfang Leistungen der sozialen Pflegeversicherung nach
68
SGB XI in Anspruch genommen werden. Neben der Inanspruchnahme von Pflegegeld , ambulanter
und stationärer Pflege werden auch die Anzahl der Pflegedienste und Pflegeheime und Angaben über
das in diesen Diensten und Einrichtungen beschäftigte Personal erhoben. Damit liefert die Pflegestatistik umfangreiche Daten über den Pflegebedarf – soweit Leistungen der Pflegeversicherung in An69
spruch genommen werden – und die pflegerische Infrastruktur auf Kreisebene. Was die Statistik
indes nicht erfasst ist der Personenkreis, der keinen Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung

67

Zur Entwicklung der Fallzahlen pro Vollzeit-Fachkraft vgl. Sozialpsychiatrischer Plan 2013/2014 S. 138 f.

68

Personen, die in ihrer eigenen Wohnung durch nahe Angehörige oder andere Pflegepersonen gepflegt werden,
können auf Antrag Pflegegeld erhalten, damit die ambulante häusliche Betreuung sichergestellt werden kann.
Das Pflegegeld ist dabei als Anerkennung und Kompensation der durch die Pflege ausfallenden Verdienstmöglichkeiten der Pflegenden (Familienangehörigen) gedacht.

69

Für die Region Hannover stehen die Daten über das Statistische Landesamt Niedersachsen (LSN) seit 1999
zur Verfügung, seit 2001 auf einer ausreichend validen Basis. Für diesen Bericht wurden die Daten 2013 als
Vorabdatenlieferung beim LSN gesondert bestellt. Die Veröffentlichung der Pflegestatistik auf Landesebene erfolgt voraussichtlich Anfang 2015. Für eine Übersicht über die Daten siehe Tabelle 6.4 im Angang.

Seite 69

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

hat, was insbesondere bei Menschen der Fall ist, deren somatischer Pflegebedarf unterhalb 45 Minuten täglich liegt, die aber aufgrund anderer Beeinträchtigungen dennoch regelmäßig und möglicherweise auch umfangreich auf die Unterstützung anderer angewiesen sind. Weil hierzu jedoch quantifizierbare Daten fehlen, kommt der Pflegestatistik der Sozialen Pflegeversicherung eine zentrale Rolle
zur Einschätzung der Pflegebedürftigkeit insgesamt zu.
Abbildung 43 Anzahl und Struktur der Pflegebedürftigen in der Region Hannover 2013

Pflegebedürftige in der Region Hannover insgesamt
39.143 Personen
3,4% der Bevölkerung
darunter 30.130 Personen ab 75 Jahren
25,7% der Bevölkerung ab 75 Jahren

Ambulante Versorgung

Stationäre / teilstationäre Versorgung

25.472 Personen
65,1%

13.671 Personen
34,9%

Empfänger von
Pflegegeld (ohne
Sachleistungen)
16.468 Personen
42,1%

Ambulant
Pflegebedürftige
(durch
Pflegedienste)

Teilstationär
Pflegebedürftige
(Tagespflege )

Vollstationär
Pflegebedürftige
(Kurzzeitpflege)

Vollstationär
Pflegebedürftige
(Dauerpflege)

9.004 Personen
23,0%

996 Personen
2,5%

392 Personen
1,0%

12.283 Personen
31,4%

Quelle: LSN, Niedersächsische Pflegestatistik

Insgesamt waren im Dezember 2013 39.143 Personen pflegebedürftig. Im Jahr 2001 zählte die Statistik der sozialen Pflegeversicherung noch 27.617 pflegebedürftige Personen. Die Steigerung liegt damit
bei 41,7% innerhalb von nur 12 Jahren.
Abbildung 44 Entwicklung der Pflegebedürftigen
Entwicklung der Pflegebedürftigen nach Versorgungsarten 2001 bis 2013
absolut, Region Hannover
45.000

39.143
36.364

40.000

33.715

35.000
30.000

27.617

27.614

25.000
9.697

10.074

31.036

29.191

13.671
10.986

10.723

11.862

20.000
15.000

7.208

8.085

13.090

8.307

5.511

5.783

6.543

12.409

11.925

12.842

13.768

14.967

16.468

11.757

2001

2003

2005

2007

2009

2011

2013

10.000
5.000

9.004

0

Pflegegeldempfänger (o. Sachleistungen)

durch Pflegedienste betreute Pflegebedürftige

Pflegebedürftige in Pflegeheimen gesamt

Pflegebedürftige insgesamt

Quelle: LSN, Niedersächsische Pflegestatistik

Seite 70

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Die meisten Pflegebedürftigen, nämlich 25.472 Personen bzw. knapp zwei Drittel, wurden 2013 entweder ausschließlich von ihren Angehörigen (in der Statistik als Pflegegeldempfänger ohne zusätzliche Sachleistungen geführt) oder aber von ambulanten Pflegediensten ambulant versorgt. Ein gutes
Drittel (34,9%) bzw. 13.671 Personen wurden in Pflegeheimen stationär versorgt, wobei davon die
allermeisten in vollstationärer Dauerpflege betreut wurden (vgl. Grafik oben und auf der folgenden
Seite sowie Tabelle 6.4 im Anhang).
Abbildung 45 Pflegebedürftige nach Alter und Geschlecht
Anteil der Pflegebedürftigen 2013 gesamt nach Altersgruppen (von... bis
unter...) und Geschlecht im Verhältnis zur gleichaltrigen Bevölkerung in %,
Region Hannover
80,0
70,0

64,9

67,8

60,0
50,1

50,0

43,1
39,0

40,0

30,1

30,0

24,6
22,0
17,9

20,0
10,0

9,9 9,2 10,5
3,4 2,5 4,3

0,7 0,7 0,6

2,4 2,9 2,5

Insgesamt

unter 60

60 - 70

5,2 5,3 5,1

0,0
70 - 75
gesamt

Männer

75 - 80

80 - 85

85 - 90

90 und älter

Frauen

Quelle: LSN, Niedersächsische Pflegestatistik

Das Gesamtverhältnis von ambulanter zu stationärer Versorgung hat sich im Laufe der Jahre in der
Region Hannover kaum verändert und liegt wie auch bundesweit bei etwa zwei Dritteln zu einem Drittel. Allerdings ist der Anteil der Pflegegeldempfänger im Laufe der letzten Jahre leicht zurückgegangen, wohingegen der Anteil der von ambulanten Pflegediensten versorgten Pflegebedürftigen in etwa
gleichem Maße angestiegen ist. Über die Ursachen hierfür kann hier nur spekuliert werden. Zum einen könnte dies ein Hinweis auf bereits abnehmende familiäre Ressourcen zur Realisierung der Pflege durch Angehörige sein, zum anderen könnte es auch ein Hinweis auf ein zunehmend bekannteres
und auch selbstverständlicher in Anspruch genommenes Angebot ambulanter Pflegedienste sein. Im
Ergebnis hat sich die Pflege im Laufe der Jahre stärker in Richtung einer Pflege durch professionelle
Fachkräfte verlagert – ein Trend, der vermutlich weiter anhalten wird.
Die Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung staffeln sich für Pflegegeldempfänger wie auch für
ambulant und stationär betreute Personen nach den Pflegestufen I bis III. Die Eingruppierung in die
Pflegestufe I (erheblich Pflegebedürftige) setzt einen Unterstützungsbedarf bei der Körperpflege, Ernährung oder Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen mindestens einmal täglich und zusätzlich
mehrfach wöchentlich Unterstützungsbedarf bei der hauswirtschaftlichen Versorgung voraus. Die
Pflegestufe II (Schwerpflegebedürftige) setzt mindestens dreimal täglich Unterstützungsbedarf in den
oben genannten Bereichen voraus. Die Eingruppierung in die Pflegestufe III (Schwerstpflegebedürftige) erfolgt, wenn der Unterstützungsbedarf rund um die Uhr, auch nachts notwendig wird. Personen,
bei denen der Unterstützungsbedarf täglich nicht mindestens 90 Minuten, davon mehr als 45 Minuten
für die Grundpflege umfasst, bekommen keine Pflegestufe und werden somit auch nicht als Leistungsempfänger der Pflegeversicherung erfasst. Die Leistungen der Pflegeversicherung sind nach
Betreuungs- bzw. Pflegeformen und Pflegestufen gestaffelt. Seit 2013 gibt es zudem Geld oder Sachleistungen auch für Personen, die in die Pflegestufe 0 fallen. Das betrifft vor allem den Personenkreis,
der in seiner Alltagskompetenz z. B. durch gerontopsychiatrische Erkrankungen geistig eingeschränkt
ist, ohne jedoch eine umfangreiche somatische Grundpflege zu benötigen. In den Daten der zweijährig erscheinenden Pflegestatistik ist diese Pflegestufe im Moment noch nicht ausgewiesen.
Im Zeitraum 2001 bis 2013 haben sich die Anteile für die einzelnen Pflegestufen merklich verschoben.
In Bezug auf alle Pflegebedürftigen und alle Betreuungsformen ist der Anteil der Pflegestufe I von
45,6% auf 57,0% angestiegen. Im gleichen Zeitraum sind die Anteile der Pflegestufen II und III von
37,4 bzw. 16,9% auf 31,2 bzw. 11,8% gesunken. Dieser Effekt kann zwei unterschiedliche ErklärunSeite 71

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

gen haben: Zum einen wäre es denkbar, dass die Begutachtungspraxis im Laufe der Zeit strenger
geworden ist, weshalb die Pflegestufen II und III im Laufe der Jahre nicht mehr so häufig erreicht wurden. Zum anderen könnte es aber auch an der zunehmenden Akzeptanz und Kenntnis der Pflegeversicherung in der Bevölkerung liegen. Dann wäre der überproportionale Anstieg der Pflegestufe I eher
ein Anzeichen für eine breitere Wirkung der sozialen Pflegeversicherung, auch bei solchen Pflegefällen, die früher eher auf Leistungen verzichtet haben.
Zukünftige Entwicklung der Pflegebedürftigkeit
Die Entwicklung der Pflegebedürftigkeit steht in einem unmittelbaren Zusammenhang zum Alter und
damit zur demografischen Entwicklung. So ist die Anzahl der Bürgerinnen und Bürger ab 75 Jahren
und älter von 2001 bis 2013 von rund 88.000 auf rund 117.000 gewachsen. Das entspricht einem
Anstieg um 33,1% (Anstieg gesamt 2,2%). Im gleichen Zeitraum ist die Gesamtzahl der Pflegebedürftigen sogar um 41,7% gestiegen, wobei der Anstieg der von ambulanten Pflegediensten versorgten
Personen nochmals hervorsticht.
Abbildung 46 Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen bis 2013
Entwicklung der Altersgruppe 75 Jahre und älter und der Pflegebedürftigen nach
Versorgungsarten 2001 bis 2013, indexiert (2001 = 100), Region Hannover
170,0
163,4

160,0
150,0

141,7
141,0
133,1
132,7

140,0
130,0
120,0
110,0

100,0

100,0
90,0
2001

2003

2005

2007

2009

2011

Bevölkerung 75 Jahre und älter

Pflegebedürftige insgesamt

Pflegegeldempfänger (o. Sachl.)

ambulant versorgte Pflegebedürftige

2013

stationär versorgte Pflegebedürftige
Quelle: LSN, Niedersächsische Pflegestatistik

Auch wenn einerseits nicht alle Pflegebedürftigen 75 Jahre oder älter sind (dies trifft auf 77,0% zu),
andererseits nicht alle ab 75-Jährigen automatisch pflegebedürftig sind (dies trifft auf 25,7% zu), kann
man doch eine auffällige Parallelität zwischen dem Anstieg der Anzahl der ab 75-Jährigen und dem
Anstieg der Pflegebedürftigen insgesamt feststellen (+33,1% bzw. +41,7%).
Für die Zukunft stellt sich die Frage, wie sich die Anzahl der Pflegebedürftigen insgesamt und wie sich
der Bedarf nach den verschiedenen Formen der Pflege und der unterstützenden Leistungen entwickeln wird? Ein Schritt zur Beantwortung dieser Frage ist die Entwicklung eines Szenarios zur Entwicklung der Gesamtzahl der Pflegebedürftigen. Hierfür kann zum einen auf die Ist-Entwicklung der
Daten der Sozialen Pflegeversicherung von 2001 bis 2013, zum anderen auf die von der Stadt Hannover und der Region Hannover erarbeitete Bevölkerungsprognose bis 2030 zurückgegriffen werden.
Das im Folgenden vorgestellte Szenario geht von zwei Grundlagen aus:
•

•

Die erste Grundlage für die Berechnung der Anzahl der Pflegebedürftigen ist die aktuelle Bevölkerungsprognose bis 2030. Hierbei werden grob die Altersgruppen unter und über 75 Jahren unterschieden, weil die Pflegebedürftigkeit erst ab 75 Jahren und älter verstärkt eintritt und weil der
demografische Wandel vor allem Zuwächse in den älteren Altersgruppen mit sich bringen wird.
Die zweite Grundlage bildet der bisherige Entwicklungsverlauf der Pflegebedürftigen nach den
jeweiligen Anteilen für die beiden Altersgruppen (Pflegequoten) und die drei unterschiedlichen
Versorgungsformen. Diese Anteile haben sich in den letzten Jahren leicht verändert. Für die
Seite 72

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Prognose wird diese Veränderung linear fortgeschrieben. Daraus ergeben sich 8 aus Ist-Werten
abgeleitete prognostizierte Anteile, die jeweils auf die Werte aus der Bevölkerungsprognose bezogen werden und so absolute prognostizierte Zahlen ergeben.
Die Anzahl der Pflegebedürftigen insgesamt, der Pflegebedürftigen unter und über 75 Jahren, der
Pflegegeldempfänger sowie der ambulant und stationär versorgten Personen ergibt sich aus den
Prognosevariablen, die aus der bisherigen Entwicklung abgeleitet sind.
Abbildung 47 Rechenmodell (linear) zur Entwicklung der Pflegebedürftigen bis 2030
Lineares Entwicklungsszenario der Anzahl der Pflegebedürftigen 2013 bis 2020 / 2025 / 2030
Ist-Werte

Szenario / Prognose

2013

2020

2025

2030

Ist-Bevölkerung 2013, ab 2020 Daten der Bevölkerungsprognose
Gesamtbevölkerung

1.138.700

1.158.698

1.157.237

1.152.938

Bevölkerung unter 75 Jahren

1.021.347

1.021.030

1.018.460

1.008.568

117.353

137.668

138.777

144.370

Bevölkerung 75 Jahre und älter

Ist-Anteile Pflegebedürftige unter 75 Jahren 2013, ab 2020 daraus abgeleitet prognostizierte Anteile für unter 75-Jährige
Anteil Pflegebedürftige u. 75 an Bevölkerung u. 75

0,9

1,0

1,2

1,3

Anteil Pflegegeldempfänger u. 75

48,3

42,8

40,6

38,5

Anteil ambulant Pflegebedürftige u. 75

23,2

26,6

27,8

28,9

Anteil stationär Pflegebedürftige u. 75

28,5

30,6

31,6

32,6

Ist-Werte Pflegebedürftige u. 75.2013, ab 2020 aus den prognostizierten Anteilen abgeleitete Werte für unter 75-Jährige
Anzahl Pflegegeldempfänger u. 75

4.352

4.510

4.771

4.942

Anzahl ambulant Pflegebedürftige u. 75

2.095

2.804

3.261

3.717

Anzahl stationär Pflegebedürftige u. 75

2.566

3.225

3.712

4.190

Anzahl Pflegebedürftige u. 75

9.013

10.539

11.744

12.849

Ist-Anteile Pflegebedürftige ab 75 Jahren 2013, ab 2020 daraus abgeleitet prognostizierte Anteile für ab 75-Jährige
Anteil Pflegebedürftige 75+ an Bevölkerung 75+

25,7

27,5

28,6

29,6

Anteil Pflegegeldempfänger 75+

40,2

38,3

37,6

36,9

Anteil ambulant Pflegebedürftige 75+

22,9

25,4

26,8

28,1

Anteil stationär Pflegebedürftige 75+

36,9

36,3

35,7

35,0

Ist-Werte Pflegebedürftige 75+ 2013, ab 2020 aus den prognostizierten Anteilen abgeleitete Werte für ab 75-Jährige
Anzahl Pflegegeldempfänger 75+

12.116

14.491

14.889

15.762

Anzahl ambulant Pflegebedürftige 75+

6.909

9.635

10.606

12.004

Anzahl stationär Pflegebedürftige 75+

11.105

13.751

14.129

14.957

Anzahl Pflegebedürftige 75+

30.130

37.876

39.625

42.723

Ist-Werte Pflegedürftige gesamt 2013, ab 2020 prognostizierte Gesamtberechnung der Pflegedürftigen
Pflegegeldempfänger gesamt

16.468

19.000

19.660

20.704

Ambulant Pflegebedürftige gesamt

9.004

12.439

13.868

15.721

Stationär Pflegebedürftige gesamt

13.671

16.976

17.841

19.147

Summe Pflegebedürftige gesamt

39.143

48.416

51.369

55.572

Quellen: Bevölkerungsprognose bis 2030 Stadt Hannover und Region Hannover, Pflegebedürftige 2001 bis 2013 LSN, Niedersächsische Pflegestatistik, Pflegebedürftige 2014 bis 2030 eigene Berechnung.

Der hier errechnete Anstieg der Anzahl der Pflegebedürftigen von 2013 bis 2030 um 42,0% bzw. von
rund 39.000 auf rund 55.500 ergibt sich in diesem Szenario aus zwei sich ergänzenden Effekten: Am
Beispiel der Altersgruppe ab 75 Jahren ergibt er sich zum einen aus dem Anstieg der Anzahl der über
75-Jährigen (wie durch die Bevölkerungsprognose vorhergesagt), zum anderen aus dem Anstieg der

Seite 73

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Pflegequote, die bezogen auf die ab 75-Jährigen von 2001 bis 2013 von 23,9 auf 25,7% angestiegen
70
ist und in diesem Szenario linear fortgeschrieben weiter auf 29,6% in 2030 ansteigen wird.
Wendet man das gleiche Rechenmodell ohne lineare Fortschreibung der Entwicklung der Pflegequoten und der Anteile für die einzelnen Betreuungsformen quasi als „eingefrorenes“ Modell mit den bis
2030 gleichbleibenden Anteilswerten aus 2013 an, steigt die Anzahl der Pflegebedürftigen allein durch
die Effekte des demografischen Wandels dennoch auf insgesamt rund 46.000 Personen, was noch
immer einer Steigerung von 17,4% entspricht. Die folgende Grafik veranschaulicht beide Berechnungsszenarien (mit und ohne lineare Entwicklung der Pflegequoten und Anteile) im Vergleich.
Abbildung 48 Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen bis 2030
Szenariovergleich zur Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen auf
Grundlage der Bevölkerungsprognose bis 2030 mit linearer bzw. ohne
Entwicklung der Anteile der Versorgungsarten seit 2013, Region Hannover
21.000

20.704
19.203
19.147

19.000
16.468

17.000
15.000
13.000

12.409

11.000
9.000

16.195
15.721

13.671

10.568

9.004

9.697

7.000
5.000

5.511
2001

2013

2020 SZENARIO

2025 SZENARIO

2030 SZENARIO

Pflegegeldempfänger lineare E.

Pflegegeldempfänger ohne E.

Ambulant Pflegebedürftige lineare E.

Ambulant Pflegebedürftige ohne E.

Stationär Pflegebedürftige lineare E.

Stationär Pflegebedürftige ohne E.

Quelle: 2001 bis 2013 LSN, Niedersächsische Pflegestatistik, 2014 bis 2030 eigene Berechnung und Darstellung, Bevölkerungsprognose bis 2030 Stadt Hannover und Region Hannover

Auffällig ist, dass die Differenz von rund 9.500 Pflegebedürftigen zwischen den beiden Szenarien zu
großen Teilen auf den unterschiedlichen Entwicklungsverlauf der durch ambulante Pflegedienste versorgten Personen zurückzuführen ist, was zukünftig hohe Anforderungen an diese Dienste stellen
wird. Mit anderen Worten: steigt der Anteil der durch ambulante Pflegedienste betreuten Personen
nicht wie bisher kontinuierlich langsam weiter an, werden 2030 „nur“ rund 10.500 Personen in dieser
Form versorgt werden. Das ist jedoch eher unwahrscheinlich, weil in der Vergangenheit der Anteil der
Pflegegeldempfänger gegenüber den durch ambulante Pflegedienste versorgten Personen zurückgegangen ist. Das „eingefrorene“ Szenario ohne lineare Entwicklung setzt also eine Trendwende voraus,
für die die Ursachen zu benennen wären.
Im Bereich der stationären Pflege hat in den letzten Jahren ein Ausbau stattgefunden, der zu einer
zunehmenden Unterbelegung der vorhandenen Plätze geführt hat. Waren 2003 noch 91,3% der vollstationären Pflegeplätze belegt, ist die Belegungsquote bis 2013 kontinuierlich auf nur noch 85,3%
abgesunken (vgl. Tabelle 6.3 im Anhang). Im gleichen Zeitraum kamen 63 Pflegeheime und 3.980
vollstationäre Pflegeheimplätze hinzu. Diese rund 15.000 vollstationären Plätze würden bei voller Auslastung im Szenario ohne Entwicklung annähernd bis ins Jahr 2030 ausreichen (Bedarf rund 16.000).
Im Szenario mit linearer Entwicklung decken die jetzt schon vorhandenen Plätze selbst bei voller Auslastung nicht den Bedarf, der bereits bis 2020 auf knapp 17.000, später auf rund 19.000 Plätze an-

70

Eine von der Region Hannover beim NIW in Auftrag gegebene Studie zu Arbeitsmarktsituation und Perspektiven der Gesundheits- und Pflegeberufe in der Region Hannover kam 2011 auf eine annähernd hohe prognostizierte Zahl von rund 50.000 Pflegebedürftigen in 2030. Allerdings waren sowohl die verwendeten Datengrundlagen, Bevölkerungsprognosen und Pflegequoten älter als auch die konkrete Berechnungsmethode anders.

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Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

wächst. Es zeichnet sich jedoch ab, dass sich der Bedarf an stationären Pflegeplätzen in Zukunft nicht
so rasant entwickeln wird wie der Ausbau der Heime und Plätze bisher vorangeschritten ist. Schreibt
man auch den bisherigen Ausbau der stationären Heimplätze linear fort, würde sich die Auslastungsquote selbst im linearen Entwicklungsszenario der stationär Pflegebedürftigen auf rund 80% nach und
nach weiter verringern. Steigt die Anzahl der stationär Pflegebedürftigen geringer als hier maximal
hochgerechnet an, würde auch die Auslastungsquote noch stärker absinken.
Der seit 2001 auch in den stationären Einrichtungen auffällig stark angestiegene Anteil von Bewohnerinnen und Bewohnern mit Pflegestufe 1 (2001 = 31,7%, 2013 = 40,0%) lässt zudem vermuten, dass
die Auslastung zum Teil auch angebotsinduziert ist und schon heute geringer wäre, wenn vor allem
Schwer- und Schwerstpflegebedürftige stationär versorgt werden würden. Wenn es gelingt, den Anteil
der Pflegebedürftigen mit Pflegestufe 1 in den stationären Einrichtungen nicht weiter ansteigen zu
lassen, oder sogar auf das noch vor einigen Jahren geltende Niveau von etwa einem Drittel zu beschränken, würde sich das auf die Anzahl der zukünftig benötigten stationären Heimplätze weiter
dämpfend auswirken. Mit anderen Worten: Der reale Bedarf an stationären Heimplätzen stellt sich
wesentlich geringer dar, wenn man davon ausgeht, dass die große Anzahl der Pflegebedürftigen in
Pflegestufe 1 zukünftig weit überwiegend durch ambulante Angebote und Strukturen versorgt werden.
Die geringsten Auswirkungen der beiden Berechnungsvarianten zeigen sich bei den Pflegegeldempfängern, da deren Anteil in den vergangenen Jahren rückläufig war. Hier wirken demografischer und
sozialer Wandel quasi gegenläufig, so dass in der Summe nur eine Prognosedifferenz von rund 1.500
Personen bleibt und die Anzahl der Pflegegeldempfänger in beiden Szenarien um rund 20.000 Personen liegt.
Beide Berechnungsvarianten zusammengenommen markieren damit einen Prognoseraum von minimal rund 46.000 bis zu rund 55.500 Pflegebedürftigen im Jahr 2030. Welche Variante die wahrscheinlichere ist und näher an dem liegen wird, was einmal eintreten wird, hängt auch von den pflegerischen
Angeboten, den unterstützenden institutionellen und familiären Ressourcen, der sozialen Infrastruktur,
dem Wohnumfeld und den lokalen Nahversorgungsmöglichkeiten ab. Vieles spricht indes dafür, dass
die bisher zu beobachtende Tendenz einer steigenden Pflegequote weiter anhalten, oder zumindest
nicht wesentlich gebremst werden wird. Dem oft gehörten Argument, dass wir zukünftig älter und dabei länger gesund bleiben werden ist entgegenzuhalten, dass das wohl nicht für alle gelten wird. Wie
die Entwicklung und Prognose der Armutsrisikoquoten und speziell der Altersarmut in Kapitel 4.2 gezeigt hat, wird es in Zukunft einen erheblichen Anteil von Bürgerinnen und Bürgern geben, die aufgrund von Armutsrisikolagen und geringem Einkommen kulturell, sozial und ökonomisch zu wenig
Ressourcen haben, um lange gesund alt zu werden, denn der enge Zusammenhang von Armut und
Gesundheit ist hinlänglich bekannt.
Welches Szenario am Ende eher eintreten wird hängt also auch von kommunalen Interventionen ab,
die z. B. darauf abzielen gute Beratungs- und Unterstützungsstrukturen, gute Nahversorgung im
Wohnumfeld, alternsgerechten Wohnraum, einen barrierearmen ÖPNV, wohnortnahe medizinische
Grundversorgung (Hausärzte, Fachärzte, Apotheken etc.), ein unterstützendes familiäres Umfeld oder
ersatzweise andere unterstützende Strukturen und individuelles Gesundheitsbewusstsein und –
Verhalten zu unterstützen. Doch angesichts des anhaltenden Rückzuges der medizinischen Grundversorgung und der Nahversorgung vor allem aus den ländlichen Räumen, der Zunahme von Singlehaushalten, der Zunahme von Altersarmut infolge prekärer und gebrochener Erwerbsbiografien und
dem anhaltenden Mangel an alternsgerechtem Wohnraum, sind die kommunalen und gesamtgesellschaftlichen Aufgaben, die ein so weit wie möglich selbstbestimmtes Leben im Alter unterstützen können enorm. Wünschenswert wären zudem mehr kommunale Steuerungsmöglichkeiten, um z. B. den
bisher eher stagnierenden Anteil der ambulanten Versorgung weiter zu steigern. Denn warum – so ist
zu fragen – steigt zwar der Anteil der Pflegebedürftigen mit Pflegestufe 1 kontinuierlich an, nicht aber
der Anteil der ambulant versorgten Pflegebedürftigen?
Grundsätzlich bleibt als wesentliches Problem der Zukunft die Verfügbarkeit von fachlich qualifiziertem
Pflegepersonal zu benennen. Schon jetzt deutet vieles darauf hin, dass die Personalstruktur in ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeheimen einem strukturellen Wandel unterworfen ist. Auffällig ist vor allem der starke Rückgang der Vollzeitbeschäftigten gegenüber den Teilzeitbeschäftigten
und den geringfügig entlohnten Beschäftigten. In den ambulanten Pflegediensten und den Pflegeheimen ist der Anteil der Vollzeitbeschäftigten von 30,2 bzw. 52,5% in 2001 auf 25,6 bzw. 36,7% zusammengeschrumpft. Hierunter kann letztlich auch die Qualität der Pflege leiden, denn mehr Personal
mit geringerem Arbeitszeitumfang kann auch mehr Abstimmungsbedarf und weniger Kontinuität mit
sich bringen (vgl. Tabelle 6.4 im Anhang). Allerdings zeichnet sich dieser Trend auch bundesweit ab,

Seite 75

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover
71

wie eine Studie des NIW im Auftrag der Region Hannover gezeigt hat. Letztlich kann man den steigen Anteil von Teilzeitbeschäftigten in den Pflegeberufen auf mehrere Ursachen zurückführen: Einmal
sicher auf die starken Arbeitsbelastungen, die zur Flucht in Teilzeitbeschäftigung führen können, dann
aber auch auf arbeitsorganisatorische Rahmenbedingungen, die einen verstärken Arbeitseinsatz in
den Morgen- und Abendstunden mit sich bringen, auf den hohen Anteil von weiblichen Beschäftigten
und damit verbunden auf den Erfolg bei der Rekrutierung von Fachpersonal, das jedoch nur zur Ausübung einer Teilzeitbeschäftigung bereit ist.
Und grundsätzlich ist auch der Frage nachzugehen, warum das Leitbild und der gesetzlich formulierte
Anspruch „ambulant vor stationär“ zumindest in Bezug auf den Anteil der Pflegebedürftigen in diesen
beiden Versorgungsformen nicht vorangekommen ist, obschon die ambulanten und stützenden Pflege-, Unterstützungs- und Beratungsstrukturen in den letzten Jahren deutlich ausgebaut worden sind?
Woran liegt es, dass trotz aller Bemühungen nach wie vor rund ein Drittel aller Pflegebedürftigen stationär versorgt werden? Einige mögliche Ursachen könnten sein:
•
•

•

•

•

•

Das Angebot an stationären Heimpflegeplätzen wurde stärker ausgebaut, als die Anzahl der Pflegebedürftigen insgesamt angestiegen ist. Angebot schafft Nachfrage.
Die familiären Ressourcen zur Betreuung von Pflegebedürftigen im häuslichen Umfeld gehen
zurück. Das zeigt auch der im Verhältnis sinkende Anteil der Pflegegeldempfänger gegenüber
professioneller Pflege. Dadurch bedingt wird es trotz verbesserter Rahmenbedingungen nicht einfacher, Pflegebedürftige im Zusammenspiel familiärer Pflege, sonstiger unterstützender Strukturen
und Angebote mit ambulanten Pflegediensten zu Hause zu versorgen.
Bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Gütern des regelmäßigen Bedarfs, bei der Erreichbarkeit von Apotheken, Haus- und Fachärzten ist die Situation vor allem in den ländlicher strukturierten Gebieten der Region Hannover in den vergangenen Jahren eher schlechter als besser geworden. Damit werden die Möglichkeiten sich möglichst lange selber zu versorgen beschnitten.
Nach wie vor ist barrierefreier bzw. barrierearmer und gleichzeitig bezahlbarer Wohnraum Mangelware, denn in den letzten Jahren lag das Augenmerk der Wohnungswirtschaft eher auf energetischen Sanierungen. Die Bedingungen zum Verbleib in der eigenen Wohnung haben sich damit
nicht wesentlich verbessert.
Auch wenn es inzwischen zahlreiche vor allem ehrenamtliche Unterstützungsstrukturen für Besuchsdienste, Kontakt- und Freizeitangebote etc. gibt, fehlt es an regelmäßigen und bezahlbaren
hauswirtschaftlichen Unterstützungsmöglichkeiten, so dass das Wohnen in der eigenen Wohnung
dadurch zur Belastung werden kann.
Schließlich ist bei vielen Pflegebedürftigen irgendwann ein Punkt erreicht, an dem eine stationäre
Versorgung unumgänglich wird und dann auch die bessere Wahl sein kann.

Diese Liste möglicher Ursachen für das seit Jahren stagnierende Verhältnis zwischen ambulanter und
stationärer Pflege ist sicher nicht vollständig. Die Aufzählung macht aber zumindest einige der Stellschrauben für eine Veränderung dieses Verhältnisses und für die Zukunft der Pflege deutlich.
Die Beschäftigung mit der Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen hat große Herausforderungen aufgezeigt, die die fachlichen Zuständigkeitsgrenzen einzelner Akteure oft überschreiten. Um das
allgemeine Ziel eines möglichst selbständigen Lebens im Alter für alle gleichermaßen zu erreichen, ist
eine verstärkte Zusammenarbeit der Akteure notwendig. Ein sinnvoller nächster Schritt könnte eine
gemeinsam getragene regionale Bedarfs- und Versorgungsplanung im Bereich Pflege sein.

71

Siehe Niedersächsisches Institut für Wirtschaftsforschung (2011), Aktuelle Arbeitsmarktsituation und Perspektiven der Gesundheits- und Pflegeberufe in der Region Hannover, Gutachten im Auftrag der Region Hannover.
Das Thema Pflegepersonal, zu dem die Pflegestatistik detaillierte Informationen auch zur Qualifikation bietet,
kann an dieser Stelle leider nicht weiter vertieft werden.

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Soziale Lagen in der Region Hannover

Sozialstrukturtypologie der Städte und Gemeinden

Die sozialen Lagen und Realitäten in der Region Hannover sind unterschiedlich. Die Region Hannover
bildet in Bezug zu den meisten verfügbaren Sozialdaten eine Spannweite ab, die der auf Landesebene festzustellenden vergleichbar ist. Die Region Hannover vereint somit Städte und Gemeinden, in
denen die meisten Einwohnerinnen und Einwohner in privilegierter sozialer Lage leben mit solchen, in
denen deutlich mehr Einwohnerinnen und Einwohner auch in eher benachteiligter sozialer Lagen leben, wodurch ein erhöhter Handlungs- und Unterstützungsbedarf besteht. Aus diesem Grund ist es
unbefriedigend von „der Region Hannover“ insgesamt zu sprechen und – wie in vielen landes- oder
bundesweiten Vergleichen üblich – mit einem statistischen Mittelwert zu operieren, der die oft großen
Unterschiede nivelliert. Auch die in übergeordneten statistischen Analysen oft anzutreffende Untergliederung in „Landeshauptstadt Hannover“ und „Umland“ ist ein meist unbefriedigender, weil unpräziser Vergleich. Zugleich ist diese Differenzierungslinie inhaltlich problematisch, weil das Motiv zur
Gründung der Region Hannover die Idee einer solidarischen Region ist, in der die für eine Großstadt
und für das großstädtische Umland je typischen Stärken und Schwächen eingebracht und gemeinsam
getragen werden. Dieser solidarische Chancen-Risiken-Ausgleich greift nicht nur in Bezug auf die
Stadt-Umland-Beziehung, sondern zwischen allen 21 regionsangehörigen Städten und Gemeinden.
Die Sozialberichterstattung und –Planung steht vor der Aufgabe ein nachvollziehbares sozialstrukturelles Ordnungsmodell zur Analyse und Beschreibung ähnlicher bzw. unterschiedlicher sozialer Lagen
zu finden, das sich zwischen den Polen eines nivellierenden Gesamtwertes für die Region Hannover
einerseits und sehr kleinräumigen Gliederungen auf der Ebene von Ortsteilen, statistischen Bezirken,
Mikrobezirken oder Baublöcken bewegt. Generell gilt, je kleinräumiger die Betrachtungen werden,
desto weniger Daten stehen dafür zur Verfügung. Als eine für die Region Hannover zentrale und realisierbare Betrachtungsebene wird hier die unter Steuerungsgesichtspunkten relevante politisch72
administrative Ebene der 21 regionsangehörigen Städte und Gemeinden gewählt.
Eine als Planungsinstrument brauchbare Sozialstrukturtypologie muss sich einerseits an den verfügbaren, anderseits an den darunter besonders relevanten Sozialstrukturdaten orientieren. Das Modell
muss zudem in der Lage sein, die schon zuvor latent und punktuell wahrgenommenen Ähnlichkeiten
und Unterschiede der Lebensbedingungen in den Städten und Gemeinden widerzuspiegeln, zu rahmen und zu verdichten, um Anknüpfungspunkte für weiterführende Interpretationen und verknüpfende
Analysen zu bieten. Methodisch wird hier dafür der Weg einer Sozialstrukturanalyse entlang zentraler
Sozialindikatoren zur Beschreibung der allgemeinen Lebenslage der Bevölkerung gewählt. Über eine
Faktoren- und eine Clusteranalyse werden diese Indikatoren zur Bildung einer Sozialstrukturtypologie
73
verwendet, die Muster ähnlicher sozialer Lebenslagen beschreibt. Dieses Vorgehen wird nachfolgend näher beschrieben. Die Auswahl der Sozialindikatoren, die Durchführung der Faktoren- und der
Clusteranalyse wurden dabei fachlich-methodisch von der QUBIC-Beratergruppe unterstützt und die
statistisch anspruchsvollen Berechnungen auch von dieser durchgeführt.
Jede Form der Sozialberichterstattung muss sich zwangsläufig an den Daten orientieren, die regelmäßig ohne besonderen Aufwand zur Verfügung stehen. Insofern müssen Sozialberichte, Fachberichte und Monitorings immer Kompromisse eingehen. Manches was man sich zur Analyse und Beschreibung sozialer Lagen und Bedarfe wünscht liegt gar nicht vor, anderes nicht in geeigneter Form oder
aber nicht in der gewünschten regionalen Tiefe. Aus diesem Grunde wird oft recht pragmatisch das,
was leicht verfügbar ist, für die Sozialberichterstattung und für die Bildung von Indikatoren genutzt. Im
Rahmen der Sozialberichterstattung der Region Hannover sollen diesem sicher auch notwendigen
Pragmatismus einige theoretische und methodische Überlegungen vorangestellt werden, um die
Tragweite und Erklärungskraft des Modells dadurch zu verbessern.
Als „Sozialindikator“ wird ein Wert oder eine Kennzahl (zwei Werte zueinander in Bezug gesetzt) verstanden, der/die dazu geeignet ist, die soziale Lage der Gesamtbevölkerung oder aber einer bestimmten Teilgruppe (z. B. Kinder und Jugendliche) oder aber eine relevante soziale oder wirtschaftliche
Rahmenbedingung zu beschreiben. Dabei ist zu definieren, wofür der „Indikator“ steht, worauf er also

72

Mit Ausnahme der Bevölkerungsdaten aus dem Melderegister fehlen in der Region Hannover bisher vielfach
kleinräumigere Datengrundlagen, mit denen man eine thematisch breiter aufgestellte Sozialstrukturanalyse sinnvoll durchführen könnte.
73

Die Sozialstrukturanalyse ist im Kontext des Regionsprojektes „Netzwerk Familienberatung“ entstanden, das
eine bedarfsgerechte Reorganisation der Angebote der Familien- und Erziehungsberatung zum Ziel hat. Für diesen Bericht wurde die Analyse aktualisiert und auf eine Datenbasis über vier Jahre erweitert. Die Ergebnisse der
ersten wurden dabei von der aktuellen Analyse bestätigt. Methodisch wurde die Sozialstrukturanalyse dabei
durch die QUBIC Beratergruppe aus Hannover unterstützt.

Seite 77

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

konkret einen Hinweis liefert. Kann das nicht bestimmt werden, ist der Wert als Sozialindikator nicht
geeignet, weil er zwar Daten liefert, aber ansonsten nicht interpretierbar ist.
Darüber hinaus haben Sozialdaten hinsichtlich ihrer Aussagekraft unterschiedliche Reichweiten. Manche Daten beschreiben soziale Realitäten die für alle Einwohnerinnen und Einwohner gelten, andere
beziehen sich nur auf Teilgruppen. Manche Sozialdaten beschreiben aus kommunaler Sicht nur
schwer beeinflussbare soziale Rahmenbedingungen, wie z. B. Altersstrukturen, Armut, Arbeitslosigkeit
etc., andere sind durchaus zu beeinflussen, wie z. B. die Inanspruchnahme von sozialen Diensten und
74
Einrichtungen, wie z. B. Kindertagesstätten oder Beratungsstellen. Und schließlich gibt es eine Vielzahl von Daten aus internen Arbeits- und Geschäftsprozessen, deren Aussagekraft sich zumeist nur in
einem engen Rahmen bewegt, der nur auf der Ebene interner fachlicher Steuerung von Interesse ist.
Aus diesem Grunde soll zwischen drei Datenebenen unterschieden werden.
Abbildung 49 Datenebenen
1. Ebene : Allgemeine Sozialstrukturdaten
Daten, die Lebenslage der Gesamtbevölkerung bzw. großer Teilgruppen und/oder allgemeiner wirtschaftlicher und
sozialer Rahmenbedingungen beschreiben
Eher schwer beeinflussbar und nur langsamen Veränderungen unterworfen
Sozialberichterstattung, Sozialmonitoring

2. Ebene: Allgemeine Themen-, lebenslagen- und lebensphasenbezogene Daten
Daten, die Lebenslage von Teilgruppen und/oder die für Teilgruppen relevante allgemeine wirtschaftliche und soziale
Rahmenbedingungen beschreiben
Teilweise schwer, teilweise leichter beeinflussbar, unterchiedliche Veränderungsgeschwindigkeiten
Fachberichte, Fachmonitorings, Fachcontrolling

3. Ebene: Spezifische Fach-, Leistungs-, Fall- und Prozessdaten
Ausdifferenzierte Daten der Fach- und Leistungsebene
meist beeinflussbar, höhere Veränderungsgeschwindigkeit, weniger beständig
Fachberichte, Fachcontrolling, interne Steuerung

Quelle: Stabsstelle Sozialplanung

In Planung und Berichterstattung entsteht oft gerade durch den Bezug der Ebenen aufeinander über75
haupt erst die gewünschte analytische Tiefe. Für die Bildung von Sozialindikatoren zum Zwecke
einer allgemeinen Sozialstrukturtypologie geht es darum, einen allgemein gültigen Bezugsrahmen zu
bilden, auf den Fachdaten und Fachthemen Bezug nehmen können. Eine allgemeine für die Gesamtbevölkerung geltende Sozialstrukturtypologie sollte deshalb nur aus Indikatoren der 1. Ebene, eine
spezialisierte Analyse der allgemeinen Lebensbedingungen von z. B. Kinder, Jugendlichen und Familien hingegen aus Indikatoren der 1. und vor allem der der 2. Ebene gebildet werden. In diesem Sinne
bietet sich die hier vorgestellte Sozialstruktur- und Clusteranalyse als Interpretationsrahmen für Fachplanungen an.

74

Der massive Ausbau der Kindertagesbetreuung für unter 3-Jährige hat in den letzten Jahren eindrucksvoll
belegt, welche Steuerungsmöglichkeiten Kommunen haben. Die noch immer steigenden Betreuungsquoten sind
im Moment vor allem Ausdruck kommunaler Gestaltungsmacht. Erst in der Folge dieser Steuerungsentscheidungen werden die nunmehr besseren Betreuungsangebote zu hoffentlich besseren frühkindlichen Bildungschancen.
Auch Inanspruchnahmequoten von sozialen Diensten und deren Angeboten sind nicht zuletzt von deren örtlicher
Verfügbarkeit und Erreichbarkeit beeinflusst. Die Frage, ob ein Indikator eher tatsächliche Bedarfe, eher kommunales Handeln oder eher schwer beeinflussbare Rahmenbedingungen abbildet, ist deshalb sowohl für die Bildung
eines Indikatorenmodells als auch für die Interpretation von besonderer Bedeutung.
75

Z. B. wenn die Inanspruchnahme von Hilfen oder Beratungsangeboten (2. oder 3. Ebene) nicht nur als absoluter Wert, sondern in Bezug auf bestimmte Alters- oder Personengruppen (1. und 2. Ebene), also als Dichte bzw.
als Quote betrachtet wird.

Seite 78

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Im Folgenden werden 15 Sozialindikatoren vorgestellt, die sich für die Darstellung und Beschreibung
der allgemeinen Sozialstruktur, der Lebens- und Rahmenbedingungen der gesamten Bevölkerung als
wesentlich, trennscharf und gegenseitig ergänzend herausgestellt haben (siehe auch Tabelle 7.1a+b
im Anhang).
Abbildung 50 Allgemeine Sozialstrukturindikatoren / Zusammenhänge
Sozialstrukturindikatorenmodell
Themenfelder

Bevölkerungsgruppen

Haushalte

Bevölkerungsdynamik
Armut /
Einkommen /
Wohlstand

Wirtschaft
/ Struktur

Indikatorbezeichnung

Indikator für / Bedeutung

1

0 bis 17-Jährige

Anteil Kinder u. Jugendliche, spezielle Bedarfe

2

18 bis 64-Jährige

Anteil mittlere / erwerbsfähige Bevölkerung

3

ab 65-Jährige

Anteil Senioren, spezielle Bedarfe

4

Ausländer und Deutsche mit 2. Staatsbürgerschaft

Armutsgefährdung, Integration, spezielle Bedarfe

5

Singlehaushalte

Urbane Lebensweisen, Vereinsamung

6

Familienhaushalte

Anteil Familienhaushalte, spezielle Bedarfe

7

Haushalte Alleinerziehender

Armutsgefährdung, spezielle Bedarfe

8

Bevölkerungsentwicklung 2010 bis 2013

Bevölkerungsdynamik, Attraktivität

9

Wanderungsvolumen

Bevölkerungsdynamik, sozialer Zusammenhalt, Arbeits- und
Wohnortbindung

10

Mindestsicherungsempfänger

Armutsgefährdung, spezielle Bedarfe

11

Arbeitslose SGB II / III

Armutsgefährdung, spezielle Bedarfe, Beschäftigungschancen

12

Einkünfte pro Steuerpflichtigem

Wohlstandsindikator

13

Wohnfläche pro Kopf

Wohlstandsindikator, Haushalts- und Bebauungsstruktur

14

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
am Arbeitsort

Wirtschaftskraft, örtliche Beschäftigungschancen

15

Urbane Verdichtung

Urbane / ländliche Lebensweisen

Quelle: QUBIC Beratergruppe und Stabsstelle Sozialplanung

Bei der Auswahl der Indikatoren wurde darauf geachtet, dass die Daten
•
•
•
•
•

verlässlich und langfristig verfügbar sind,
mindestens auf der Ebene der Städte und Gemeinden vorhanden sind,
Aussagekraft in Bezug auf die soziale Lage und die Lebensbedingungen der Gesamtbevölkerung
haben,
Aussagen und Interpretationen darüber zulassen, wofür sie ein Indikator sind,
eher stabil im Sinne von Rahmenbedingungen sind und nicht unmittelbar Ausfluss kommunalen
Handels sind.

Neben den hier ausgewählten 15 allgemeinen Sozialindikatoren wurden eine Reihe weiterer Indikato76
ren überprüft. Einige von ihnen erwiesen sich jedoch im Sinne der oben aufgeführten Kriterien als
ungeeignet oder aber als Daten bzw. Indikatoren der 2. bzw. 3. Ebene, die zum Teil bereits in den
thematischen Kapiteln dieses Berichtes aufgegriffen wurden und eher für thematisch spezialisierte
Berichts- bzw. Indikatorensysteme geeignet wären. Der Schwerpunkt des Indikatorensets mit den
Themenfeldern Armut, Beschäftigung und Bevölkerungsstrukturen grenzt zugleich die Reichweite des
Modells ab, das keine Aussagen z. B. zu Bildungschancen, Integration oder kommunaler Handlungsfähigkeit machen kann. Diese Begrenztheit gilt es zu bedenken, wenn im Folgenden die Ergebnisse
der Clusteranalyse vorgestellt werden, die das Ziel hat, strukturelle Ähnlichkeiten und Unterschiede
der Lebenslagen in den Städten und Gemeinden aufzuzeigen.

76

Hierfür wurden u. a. auch ein Abgleich mit anderen Analysen vorgenommen, die eine Auswahl von Sozialindikatoren getroffen haben, wie z. B. die der Landessozialberichterstattung Niedersachsen (HSBN) oder die Vorschläge der KGSt zum Sozialmonitoring (KGSt 4/2009).

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Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Die 15 in die Analyse eingeflossenen Sozialstrukturindikatoren beschreiben die in den regionsangehörigen Städten und Gemeinden unterschiedlichen Mischungen bzw. Muster der vorherrschenden sozialen Lebenslagen. In jeder Kommune sind unterschiedlich viele Menschen von Arbeitslosigkeit und
77
Armut betroffen, leben unterschiedlich viele Familien, Singles oder Senioren. Die Clusteranalyse
ordnet die Kommunen nun Gruppen ähnlicher Konstellationen und damit in Typen ähnlicher Mischungen von Lebens- und Rahmenbedingungen. Die zu einem Cluster zugehörigen Städte und Gemeinden sind sich in ihren Lebenslagenstrukturen weitestgehend ähnlich, die unterschiedlichen Cluster
sind hingegen untereinander deutlich abgegrenzt. Die so entstandenen Sozialstrukturtypen (siehe
Karte) werden im Folgenden näher beschrieben.
Abbildung 51 Allgemeine Sozialstrukturtypologie der Region Hannover

Quelle: Daten diverse Quellen, Modell und Berechnung QUBIC Beratergruppe und Stabsstelle Sozialplanung, Darstellung
Team Medienservice und Post

Typ 1 – demografisch älter, gesicherte soziale Lage
Barsinghausen, Burgdorf Springe
Die drei Städte des Typs 1 haben die Funktion und den Status von Mittelzentren, konnten in den letzten Jahren jedoch nur eine durchschnittliche bis rückläufige Bevölkerungsentwicklung verzeichnen. In
den Städten dieses Typs leben vergleichsweise viele ab 65-Jährige, dafür jedoch weniger Familien
und Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Unter anderem durch diese Haushaltsstrukturen bedingt

77

Hierarchische Clusterung nach dem Ward-Verfahren mit dem Distanzmaß quadrierter euklidischer Abstand.
Die statistischen Berechnungen wurden durch die QUBIC Beratergruppe mit Hilfe des Statistikprogramms SPSS
22 durchgeführt. Siehe hierzu auch Tabelle 7.1a+b im Anhang.

Seite 80

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover
78

ist die Wohnfläche pro Kopf hier eher hoch. Die prozentualen Anteile der Ausländer und Deutschen
mit 2. Staatsbürgerschaft, der Empfänger von Mindestsicherungsleistungen und der Arbeitslosen liegen in einem unauffälligen mittleren Bereich. Die unterdurchschnittliche Anzahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter am Arbeitsort ist ein Hinweis auf eine hohe Anzahl von Auspendlern und eher
wenigen Arbeitsplätzen vor Ort. Im Vergleich zum Regionsdurchschnitt und zu den anderen Städten
und Gemeinden ist die Bevölkerung älter, der Kinder- und Familienanteil dementsprechend niedriger,
die soziale Lage für große Teile der Bevölkerung gut bzw. gesichert.
Typ 2 – privilegierte soziale Lage
Burgwedel, Gehrden, Hemmingen, Isernhagen, Pattensen, Wedemark, Wennigsen
Die sieben Städte und Gemeinden des Typs 2 sind mit Ausnahme von Burgwedel, das eine Funktion
als Mittelzentrum erfüllt, Grundzentren, die sich durch im Durchschnitt hohen Wohnkomfort und hohe
Einkünfte auszeichnen. Gleichzeitig sind nur verhältnismäßig wenige Einwohnerinnen und Einwohner
von Arbeitslosigkeit betroffen und es gibt ebenfalls vergleichsweise wenig Ausländerinnen und Ausländer bzw. Deutsche mit 2. Staatsbürgerschaft und Empfängerinnen und Empfänger von Mindestsicherungsleistungen. Die Anteile der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren und der Familienhaushalte sind überdurchschnittlich hoch, die Anteile der Haushalte Alleinerziehender dabei jedoch deutlich
unterdurchschnittlich. Die Anteile der ab 65-Jährigen liegen hier trotz der relativ hohen Anteile an Familien, Kindern und Jugendlichen nach dem Cluster 1 am zweithöchsten und damit deutlich über dem
Regionsdurchschnitt. Als wesentlichstes Merkmal sticht in den Städten und Gemeinden des Typs 2
die für verhältnismäßig viele Einwohnerinnen und Einwohner geltende privilegierte soziale Lage hervor.
Typ 3 – urbaner Verflechtungsraum, benachteiligte soziale Lage
Garbsen, Laatzen, Langenhagen, Ronnenberg, Seelze
Die fünf Städte des Typs 3 sind in ihren Siedlungsstrukturen größtenteils unmittelbar mit dem Stadtgebiet Hannovers verflochten und weisen nach Hannover eine höhere urbane Verdichtung auf als die
übrigen Städte und Gemeinden. Garbsen, Langenhagen und Laatzen erfüllen die Funktion eines Mittelzentrums, Ronnenberg und Seelze die eines Grundzentrums. Kennzeichnend sind eine unterdurchschnittliche Wohnfläche pro Kopf und unterdurchschnittliche Einkünfte pro Steuerpflichtigem bei
gleichzeitig hohen Anteilen von Arbeitslosen, Ausländern und Deutschen mit 2. Staatsbürgerschaft
sowie Empfängern von Mindestsicherungsleistungen. Die Bevölkerungsentwicklung ist durchschnittlich, liegt jedoch nach der der Stadt Hannover deutlich über der der anderen Städte und Gemeinden
bzw. Typen im weiteren Umland. Immerhin etwa die Hälfte aller Beschäftigten hat einen Arbeitsplatz
am Wohnort. Auch die Haushalts- und Bevölkerungsstrukturen tragen erkennbar urbane Züge, mit
eher hohen Anteilen von Alleinerziehenden- und Singlehaushalten und nicht mehr so vielen Familienhaushalten und unter 18-Jährigen wie in den anderen Städten und Gemeinden im Umland der Großstadt. Wesentliches Merkmal sind urbane Verflechtung und urbane Lebenslagen, wozu auch überdurchschnittlich hohe Anteile von Einwohnerinnen und Einwohnern gehören, die von Arbeitslosigkeit
betroffen und von Armut bedroht sind.
Typ 4 – großstädtisch, benachteiligte soziale Lage
Hannover
Die Landeshauptstadt Hannover prägt wegen der meist stark über- bzw. unterdurchschnittlichen Werte einen eigenständigen Typus. Als Großstadt mit Oberzentrumsfunktion liegen die urbane Verdichtung, die Anteile von Arbeitslosen, Ausländern und Deutschen mit 2. Staatsbürgerschaft sowie Empfängern von Mindestsicherungsleistungen nochmals über denen des Typs 3 und damit deutlich über
dem Regionsdurchschnitt. Deutlich höher als im Durchschnitt ist auch der Anteil der Singlehaushalte,
der Altersgruppe der 18 bis 64-Jährigen sowie der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort, was eine hohe Arbeitsplatzdichte signalisiert. Eine in den letzten Jahren deutlich überdurchschnittliche Bevölkerungsentwicklung und ein überdurchschnittliches Wanderungsvolumen sind Kennzeichen einer urbanen Dynamik und eines Trends zur (Re)Urbanisierung, der freilich abgeschwächt
auch bei den Städten des Typs 3 des urbanen Verflechtungsraumes zu beobachten ist. Der Anteil der
Haushalte Alleinerziehender ist deutlich überdurchschnittlich, der Anteil der Familienhaushalte, der

78

Siehe hierzu jeweils auch die Clustermittelwerte in Tabelle 7.1a+b im Anhang).

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Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

unter 18-Jährigen und der ab 65-Jährigen gleichzeitig deutlich unterdurchschnittlich. Wesentliches
Merkmal ist neben der Urbanität die hohe Arbeitsplatzdichte bei gleichzeitig hohen Anteilen von Personen, die von Arbeitslosigkeit betroffen bzw. von Armut bedroht sind.
Typ 5 – familienzentriert, gesicherte soziale Lage
Lehrte, Neustadt, Sehnde, Uetze, Wunstorf
Lehrte, Neustadt und Wunstorf erfüllen als kleine Mittelstädte die Funktion eines Mittelzentrums,
Sehnde und Uetze sind Grundzentren. In den fünf Städten und Gemeinden des Typs 5 leben überdurchschnittlich viele Familienhaushalte sowie Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Demgegenüber sind die Anteile der ab 65-Jährigen, der Haushalte Alleinerziehender, der Ausländer und Deutschen mit 2. Staatsbürgerschaft sowie der Empfänger von Mindestsicherungsleistungen und der Arbeitslosen eher unterdurchschnittlich. Ebenso wie bei den Städten des Typs 1 im äußeren Ring um
die Großstadt bedeutet die unterdurchschnittliche Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter
am Arbeitsort eine hohe Anzahl von Auspendlern wegen der eher wenigen Arbeitsplätze vor Ort. Die
Bevölkerungsentwicklung der letzten Jahre bleibt hier zusammen mit der der Städte des Typs 1 deutlich hinter dem Regionsdurchschnitt zurück. Kennzeichnend sind die eher hohen Anteile von Familien,
Kindern und Jugendlichen sowie die für viele Einwohnerinnen und Einwohner gesicherte soziale Lage.
Die Sozialstrukturanalyse hat deutlich gemacht, dass sich die Lebenslagen innerhalb der Region
Hannover nicht nach dem einfachen Muster Stadt Hannover versus Umland unterscheiden. Vielmehr
gibt es einen städtischen Verflechtungsraum, der die Städte der Typen 3 und 4 umfasst, in dem sich
weitgehend ähnliche, urbane und damit auch überdurchschnittlich häufig benachteiligte soziale Lagen
zeigen. Daneben stellen die Städte und Gemeinden des Typs 2 Gebiete dar, die durch weitgehend
privilegierte soziale Lagen gekennzeichnet sind. Die Typen 1 und 5 unterscheiden sich weniger der
sozialen Lage nach, sondern vielmehr durch höhere bzw. geringe Anteile von Familien mit Kindern,
unter 18-Jährigen und ab 65-Jährigen. Allein aus Perspektive der sozialen Lage betrachtet ordnen
sich die fünf Typen grob in drei Muster der Mischungen sozialer Lagen:
Abbildung 52 Soziale Lagen in der Region Hannover
überdurchschnittlich
häufig privilegierte
soziale Lagen

Typ 2

Burgwedel, Gehrden, Hemmingen, Isernhagen,
Pattensen, Wedemark, Wennigsen

vielfach gesicherte
soziale Lagen

Typ 1
Typ 5

Barsinghausen, Burgdorf, Springe
Lehrte, Neustadt, Sehnde, Uetze, Wunstorf

überdurchschnittlich
häufig benachteiligte
soziale Lagen

Typ 3
Typ 4

Garbsen, Laatzen, Langenhagen, Ronnenberg, Seelze
Hannover

Quelle: QUBIC Beratergruppe und Stabsstelle Sozialplanung

Dabei ist jedoch zu beachten, dass natürlich in jeder der Städte und Gemeinden Einwohnerinnen und
79
Einwohner in allen sozialen Lagen leben. Lediglich die Anteile deren, die jeweils als „benachteiligt“,
„gesichert“ bzw. „privilegiert“ gelten können unterscheiden sich. Darüber hinaus gilt auch, dass sich
79

Der aktuelle Sozialbericht der Stadt Hannover bricht eine Reihe von Sozialdaten auf die Ebene von 53 Stadtteilen herunter und präsentiert darüber hinaus eine Analyse der sozialen Lage für 387 Mikrobezirke entlang von
Indikatoren zur Bevölkerungs- und Haushaltsstruktur, zum Transferleistungsbezug, zur Arbeitslosigkeit, zur Hilfe
zur Erziehung und zu Belegrechtswohnungen. Über diese kleinräumige Analyse werden unter den 387 Gebietseinheiten 17 Gebiete mit „besonderem sozialen Handlungsbedarf“ und 43 Gebiete mit „erhöhtem sozialen Handlungsbedarf bzw. besonderer Beobachtung“ identifiziert. Weitere 117 Quartiere liegen mit ihren Belastungswerten
über dem gesamtstädtischen Mittelwert, zusammen also 177 bzw. 45,7% aller untersuchten Mikrobezirke (vgl.
Landeshauptstadt Hannover (2013), Die Vielfalt Hannovers, Sozialbericht 2013, Soziale Lagen und Soziale Räume, Hannover, S. 110 ff.).

Seite 82

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

sowohl Personen in eher benachteiligter als auch in eher privilegierter sozialer Lage kleinräumig in
den Städten und Gemeinden sehr unterschiedlich verteilen. So gibt es z. B. in den eher ländlichen
Städten und Gemeinden des Typs 1 und 5 in den Kernstädten Stadtgebiete mit teils deutlich überdurchschnittlich vielen Personen in eher benachteiligten sozialen Lagen, während in den eher ländlichen Ortsteilen gesicherte bis privilegierte soziale Lagen die Regel sind. Und für eine Großstadt wie
Hannover gilt, dass letztlich jeder Stadtteil und darunter jedes Wohngebiet, jedes Quartier sehr unterschiedliche Sozialstrukturen und Lebenslagen aufweist.
Die Sozialstrukturtypologie auf Ebene der Städte und Gemeinden hat nicht den Anspruch die soziale
Lebensrealität des unmittelbaren Sozial- oder Nahraumes bzw. des Orts- oder Stadtteiles kleinräumig
zu erschließen. Dafür wären kleinräumigere, dabei notwendigerweise auch von der Datengrundlage
her stärker eingegrenzte Analysen bzw. Typologien nötig. Was sie hingegen bietet ist
•
•
•
•

eine Verdichtung der ansonsten zahlreichen zur Verfügung stehenden kommunalen Sozialdaten
zu einem begründeten Indikatorenset und einer greifbaren Typologie,
eine Vergleichsmöglichkeit der generellen und zentralen sozialstrukturellen Muster auf der steuerungsrelevanten politisch-administrativen Gebietsebene,
einen regionalen Orientierungsrahmen für unterschiedlichste fachspezifische Analysen und Planungen
sowie einen fachlich-methodischen Bezugsrahmen für vertiefende datenbasierte Analysen und
Berichte auf den Datenebenen 2 und 3 (siehe oben), an dem u. a. regionale Bedarfslagen vergleichend abgeschätzt werden können.

Für die Zukunft sollte diese Sozialstrukturanalyse jeweils im Abstand von einigen Jahren mit über
mehrere Jahre kumulierten Daten fortgeschrieben und aktualisiert werden. Dabei wäre auch das verwendete Indikatorenset zu überprüfen. Unterhalb der Ebene 1 der allgemeinen Sozialstrukturdaten
sollte die Entwicklung von themen-, bzw. bevölkerungsgruppenspezifischen Indikatoren vorangetrieben werden. Und sofern es gelingt die Voraussetzungen für kleinräumigere Analysen zu schaffen,
wäre auch eine in ihrer Datengrundlage reduzierte kleinräumigere Analyse der sozialen Lagen wünschenswert, um die Steuerungsprozesse innerhalb der Städte und Gemeinden zu unterstützen.

Seite 83

Sozialbericht 2015

8

Anhang

8.1

Tabellen

Tabelle 2.1.1

Soziale Lagen in der Region Hannover

Bevölkerung nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit
Einwohner/innen am Ort der Hauptwohnung am 31.12.2013

Städte und
Gemeinden

gesamt
gesamt

in % von
allen

davon
männlich

davon
weiblich

darunter
Ausländer/innen u. Deutsche mit 2. Staatsbürgerschaft
in % von
in %
davon
davon
gesamt
allen
Kommune männlich weiblich

Barsinghausen

33.711

3,0

16.479

17.232

3.761

1,7

11,2

1.968

1.793

Burgdorf

30.071

2,6

14.479

15.592

3.402

1,5

11,3

1.711

1.691

Burgwedel

20.734

1,8

9.856

10.878

1.600

0,7

7,7

755

845

Garbsen

61.888

5,4

30.198

31.690

15.195

6,7

24,6

7.651

7.544

Gehrden

14.814

1,3

7.138

7.676

1.702

0,8

11,5

850

852

Hannover

524.450

46,1

254.519

269.931

141.475

62,6

27,0

71.360

70.115

Hemmingen

18.934

1,7

9.150

9.784

1.972

0,9

10,4

1.013

959

Isernhagen

23.438

2,1

11.377

12.061

2.623

1,2

11,2

1.304

1.319

Laatzen

40.876

3,6

19.616

21.260

8.640

3,8

21,1

4.319

4.321

Langenhagen

53.236

4,7

25.917

27.319

9.887

4,4

18,6

4.977

4.910

Lehrte

43.782

3,8

21.623

22.159

5.118

2,3

11,7

2.656

2.462

Neustadt

44.071

3,9

21.711

22.360

4.676

2,1

10,6

2.319

2.357

Pattensen

14.263

1,3

6.973

7.290

1.220

0,5

8,6

611

609

Ronnenberg

23.908

2,1

11.784

12.124

4.461

2,0

18,7

2.232

2.229

Seelze

33.079

2,9

16.367

16.712

5.364

2,4

16,2

2.738

2.626

Sehnde

23.384

2,1

11.819

11.565

2.096

0,9

9,0

1.131

965

Springe

29.092

2,6

14.190

14.902

2.706

1,2

9,3

1.339

1.367

Uetze

20.105

1,8

9.912

10.193

1.662

0,7

8,3

834

828

Wedemark

29.396

2,6

14.316

15.080

2.385

1,1

8,1

1.178

1.207

Wennigsen

14.257

1,3

6.984

7.273

1.072

0,5

7,5

565

507

Wunstorf

41.211

3,6

20.056

21.155

5.158

2,3

12,5

2.619

2.539

1.138.700

100,0

554.464

584.236

226.175

100,0

19,9

114.130

112.045

Region Hannover
Quelle(n):

Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik; Region Hannover, Team Statistik

Seite 84

Sozialbericht 2015

Tabelle 2.1.2

Soziale Lagen in der Region Hannover

Bevölkerung nach Altersgruppen und Staatsangehörigkeit
Einwohner/innen am Ort der Hauptwohnung am 31.12.2013

Region
Hannover
gesamt

gesamt
gesamt

davon
männlich

In %

davon
weiblich

darunter
Ausländer/innen u. Deutsche mit 2. Staatsbürgerschaft
in % von
In % von
davon
davon
gesamt
Altersallen
männlich weiblich
gruppe

0 - 2 Jahre

28.670

2,5

14.771

13.899

9.736

4,3

34,0

5.037

4.699

3 - 5 Jahre

29.623

2,6

15.262

14.361

10.028

4,4

33,9

5.123

4.905

6 - 9 Jahre

39.245

3,4

20.030

19.215

12.963

5,7

33,0

6.620

6.343

10 - 14 Jahre

51.165

4,5

26.215

24.950

13.848

6,1

27,1

7.162

6.686

15 - 17 Jahre

33.386

2,9

17.103

16.283

8.510

3,8

25,5

4.375

4.135

18 - 20 Jahre

34.975

3,1

17.797

17.178

8.911

3,9

25,5

4.657

4.254

21 - 24 Jahre

54.489

4,8

27.123

27.366

14.321

6,3

26,3

7.330

6.991

25 - 29 Jahre

74.966

6,6

37.165

37.801

20.546

9,1

27,4

10.443

10.103

30 - 34 Jahre

75.878

6,7

37.763

38.115

20.647

9,1

27,2

10.305

10.342

35 - 39 Jahre

70.362

6,2

35.473

34.889

19.181

8,5

27,3

9.624

9.557

40 - 44 Jahre

78.597

6,9

39.789

38.808

17.284

7,6

22,0

8.823

8.461

45 - 49 Jahre

97.567

8,6

49.704

47.863

15.323

6,8

15,7

8.063

7.260

50 - 54 Jahre

89.843

7,9

45.346

44.497

13.592

6,0

15,1

6.963

6.629

55 - 59 Jahre

75.135

6,6

37.193

37.942

11.338

5,0

15,1

5.563

5.775

60 - 64 Jahre

66.534

5,8

32.041

34.493

9.671

4,3

14,5

4.413

5.258

65 - 69 Jahre

55.299

4,9

26.192

29.107

7.258

3,2

13,1

3.516

3.742

70 - 74 Jahre

65.613

5,8

30.226

35.387

5.437

2,4

8,3

2.719

2.718

75 - 79 Jahre

55.685

4,9

24.518

31.167

4.279

1,9

7,7

2.089

2.190

80 - 84 Jahre

30.851

2,7

12.007

18.844

2.010

0,9

6,5

895

1.115

85 - 89 Jahre

20.653

1,8

6.533

14.120

939

0,4

4,5

316

623

90 Jahre und älter

10.164

0,9

2.213

7.951

353

0,2

3,5

94

259

1.138.700

100,0

554.464

584.236

226.175

100,0

19,9

114.130

112.045

Insgesamt
Quelle(n):

Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik; Region Hannover, Team Statistik

Seite 85

Sozialbericht 2015

Tabelle 2.1.3

Soziale Lagen in der Region Hannover

Bevölkerung nach ausgewählten Altersgruppen
Einwohner/innen am Ort der Hauptwohnung am 31.12.2013

Städte und
Gemeinden

gesamt

darunter im Alter von …
0 - 17 Jahre

in %

18 - 64 Jahre

in %

65 J. u. älter

in %

Barsinghausen

33.711

5.276

15,7

20.326

60,3

8.109

24,1

Burgdorf

30.071

4.871

16,2

18.225

60,6

6.975

23,2

Burgwedel

20.734

3.693

17,8

11.998

57,9

5.043

24,3

Garbsen

61.888

10.052

16,2

37.263

60,2

14.573

23,5

Gehrden

14.814

2.538

17,1

8.777

59,2

3.499

23,6

Hannover

524.450

78.743

15,0

345.325

65,8

100.382

19,1

18.934

3.240

17,1

11.191

59,1

4.503

23,8

Isernhagen

23.438

3.837

16,4

13.905

59,3

5.696

24,3

Laatzen

40.876

6.539

16,0

24.479

59,9

9.858

24,1

Langenhagen

53.236

9.136

17,2

32.667

61,4

11.433

21,5

Lehrte

43.782

7.346

16,8

27.427

62,6

9.009

20,6

Neustadt

44.071

7.596

17,2

26.869

61,0

9.606

21,8

Pattensen

14.263

2.426

17,0

8.487

59,5

3.350

23,5

Ronnenberg

23.908

3.985

16,7

14.907

62,4

5.016

21,0

Seelze

33.079

5.521

16,7

20.486

61,9

7.072

21,4

Sehnde

23.384

4.156

17,8

14.958

64,0

4.270

18,3

Springe

29.092

4.762

16,4

17.066

58,7

7.264

25,0

Uetze

20.105

3.688

18,3

12.279

61,1

4.138

20,6

Wedemark

29.396

5.229

17,8

17.826

60,6

6.341

21,6

Wennigsen

14.257

2.450

17,2

8.450

59,3

3.357

23,5

41.211

7.005

17,0

25.435

61,7

8.771

21,3

1.138.700

182.089

16,0

718.346

63,1

238.265

20,9

Hemmingen

Wunstorf
Region Hannover
Quelle(n):

Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik; Region Hannover, Team Statistik

Seite 86

Sozialbericht 2015

Tabelle 2.2.1
Städte und
Gemeinden

Soziale Lagen in der Region Hannover

Bevölkerungsentwicklung 2003 bis 2013
Entwicklung
2003 - 2013

Einwohner/innen am Ort der Hauptwohnung am 31.12 des Jahres …
2003

2005

2007

2009

2010

2011

2012

2013

absolut

in %

Barsinghausen

34.504

34.358

34.219

33.707

33.665

33.561

33.580

33.711

-793

-2,3

Burgdorf

30.116

29.926

29.787

29.659

29.591

29.538

29.754

30.071

-45

-0,1

Burgwedel

20.763

20.828

20.919

20.803

20.848

20.807

20.824

20.734

-29

-0,1

Garbsen

63.415

63.156

62.473

61.594

61.572

61.445

61.620

61.888

-1.527

-2,4

14.814

-156

-1,0

524.450 16.636

3,3

Gehrden

14.970

14.907

14.723

14.624

14.539

14.633

14.775

Hannover

507.814

507.524

509.636

510.809

512.239

515.377

519.478

Hemmingen

18.782

18.954

18.807

18.822

18.851

18.885

18.904

18.934

152

0,8

Isernhagen

22.742

22.934

23.185

23.010

23.048

23.109

23.306

23.438

696

3,1

Laatzen

39.834

40.227

40.228

40.256

40.255

40.412

40.673

40.876

1.042

2,6

Langenhagen

49.566

50.432

51.180

51.397

52.016

52.428

52.914

53.236

3.670

7,4

Lehrte

44.317

44.147

43.814

43.493

43.420

43.417

43.405

43.782

-535

-1,2

Neustadt

44.923

45.015

44.708

44.411

44.249

44.180

44.021

44.071

-852

-1,9

Pattensen

13.797

14.013

14.095

14.094

14.023

14.074

14.179

14.263

466

3,4

Ronnenberg

23.716

23.693

23.577

23.400

23.540

23.605

23.723

23.908

192

0,8

Seelze

32.706

33.010

32.771

32.375

32.485

32.599

32.904

33.079

373

1,1

Sehnde

21.964

22.729

23.051

23.055

23.147

23.226

23.259

23.384

1.420

6,5

Springe

30.126

30.047

29.752

29.518

29.450

29.214

29.118

29.092

-1.034

-3,4

Uetze

20.303

20.439

20.329

20.229

20.122

20.077

20.025

20.105

-198

-1,0

Wedemark

28.592

29.036

29.063

28.965

28.931

29.056

29.256

29.396

804

2,8

Wennigsen

14.274

14.370

14.326

14.259

14.281

14.301

14.240

14.257

-17

-0,1

42.193

42.143

41.856

41.351

41.201

41.252

41.188

41.211

Wunstorf

-982

-2,3

Region Hannover

1.119.417 1.121.888 1.122.499 1.119.831 1.121.473 1.125.196 1.131.146 1.138.700 19.283

1,7

Quelle(n):

Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik; Region Hannover, Team Statistik

Seite 87

Sozialbericht 2015

Tabelle 2.2.2

Soziale Lagen in der Region Hannover

Bevölkerungsentwicklung 2003 - 2013 / 2013 - 2020 / 2025 (Prognose)
Einwohner/innen am Ort der Hauptwohnung am 31.12

Städte und
Gemeinden

Ist-Entwicklung
2003 – 2013

Einwohner/innen am 31.12
2013

Prognose Prognose
2020
2025

absolut

Prognose Entwicklung Prognose Entwicklung
2013 – 2020
2013 – 2025

in %

absolut

in %

absolut

in %

Barsinghausen

33.711

33.201

32.652

-793

-2,3

-510

-1,5

-1.059

-3,1

Burgdorf

30.071

30.436

30.357

-45

-0,1

365

1,2

286

1,0

Burgwedel

20.734

20.760

20.565

-29

-0,1

26

0,1

-169

-0,8

Garbsen

61.888

61.782

61.088

-1.527

-2,4

-106

-0,2

-800

-1,3

Gehrden

14.814

15.085

15.066

-156

-1,0

271

1,8

252

1,7

Hannover

524.450

541.497

544.196

16.636

3,3

17.047

3,3

19.746

3,8

Hemmingen

18.934

19.000

18.908

152

0,8

66

0,3

-26

-0,1

Isernhagen

23.438

23.794

23.570

696

3,1

356

1,5

132

0,6

Laatzen

40.876

41.688

41.648

1.042

2,6

812

2,0

772

1,9

Langenhagen

53.236

55.033

55.717

3.670

7,4

1.797

3,4

2.481

4,7

Lehrte

43.782

43.883

43.588

-535

-1,2

101

0,2

-194

-0,4

Neustadt

44.071

43.281

42.337

-852

-1,9

-790

-1,8

-1.734

-3,9

Pattensen

14.263

14.290

14.200

466

3,4

27

0,2

-63

-0,4

Ronnenberg

23.908

24.125

24.146

192

0,8

217

0,9

238

1,0

Seelze

33.079

33.429

33.369

373

1,1

350

1,1

290

0,9

Sehnde

23.384

23.694

23.764

1.420

6,5

310

1,3

380

1,6

Springe

29.092

28.690

28.146

-1.034

-3,4

-402

-1,4

-946

-3,3

Uetze

20.105

20.087

19.910

-198

-1,0

-18

-0,1

-195

-1,0

Wedemark

29.396

29.877

29.761

804

2,8

481

1,6

365

1,2

Wennigsen

14.257

14.144

13.959

-17

-0,1

-113

-0,8

-298

-2,1

Wunstorf

41.211

40.923

40.291

-982

-2,3

-288

-0,7

-920

-2,2

1.138.700 1.158.698 1.157.237

19.283

1,7

19.998

1,8

18.537

1,6

Region Hannover
Quelle(n):

Landeshauptstadt Hannover, Region Hannover (Hrsg.) (2014), Bevölkerungsprognose 2014 bis 2020 /
2025 für die Region Hannover, Die Landeshauptstadt Hannover und die Städte und Gemeinden des Umlands, Schriften zur Stadtentwicklung, Heft 120, Hannover

Seite 88

Sozialbericht 2015

Tabelle 2.2.3

Städte und
Gemeinden

Soziale Lagen in der Region Hannover

Zuzüge*, Fortzüge*, Wanderungssaldo, Geburten, Sterbefälle und Geburten- / Sterbesaldo 2004 bis 2012
Einwohner
Hauptwohnung am
31.12.2003

Zuzüge*
2004 bis
2012

Geburten- GeburtenWandeWanderungs/ SterFortzüge*
Geburten Sterbefälle T Sterrungssal2004 bis
saldo pro 2004 bis 2004 bis besaldo
besaldo
do 2004
2012
1.000
2012
2004 bis pro 1.000
2012
bis 2012
Einwohner
2012
Einwohner

Barsinghausen

34.504

13.343

12.770

573

16,6

2.066

3.321

-1.255

-36,4

Burgdorf

30.116

13.183

12.628

555

18,4

2.045

3.015

-970

-32,2

Burgwedel

20.763

9.856

9.112

744

35,8

1.345

1.721

-376

-18,1

Garbsen

63.415

27.395

27.602

-207

-3,3

4.421

5.946

-1.525

-24,0

Gehrden

14.970

7.688

7.557

131

8,8

1.021

1.433

-412

-27,5

Hannover

507.814

279.378

261.271

18.107

35,7

44.435

48.984

-4.549

-9,0

Hemmingen

18.782

9.906

9.385

521

27,7

1.222

1.557

-335

-17,8

Isernhagen

22.742

13.294

12.574

720

31,7

1.624

1.696

-72

-3,2

Laatzen

39.834

21.472

19.690

1.782

44,7

2.915

3.533

-618

-15,5

Langenhagen

49.566

29.569

24.962

4.607

92,9

3.825

5.102

-1.277

-25,8

Lehrte

44.317

18.816

18.782

34

0,8

3.204

3.999

-795

-17,9

Neustadt

44.923

15.557

15.691

-134

-3,0

3.147

3.851

-704

-15,7

Pattensen

13.797

6.251

5.501

750

54,4

940

1.256

-316

-22,9

Ronnenberg

23.716

13.367

12.588

779

32,8

1.624

2.064

-440

-18,6

Seelze

32.706

17.423

16.962

461

14,1

2.487

2.745

-258

-7,9

Sehnde

21.964

12.514

10.867

1.647

75,0

1.654

2.100

-446

-20,3

Springe

30.126

11.217

11.110

107

3,6

1.915

2.991

-1.076

-35,7

Uetze

20.303

7.758

7.603

155

7,6

1.425

1.809

-384

-18,9

Wedemark

28.592

12.764

11.679

1.085

37,9

1.905

2.265

-360

-12,6

Wennigsen

14.274

6.666

6.214

452

31,7

883

1.300

-417

-29,2

Wunstorf

42.193

16.458

16.593

-135

-3,2

2.875

3.696

-821

-19,5

1.119.417

563.875

531.141

32.734

29,2

86.978

104.384

-17.406

-15,5

Region Hannover
Quelle(n):

Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik; Region Hannover, Team Statistik

*

Die Zu- und Fortzüge beziehen sich auf nur auf Wanderungen über die jeweilige Gemeindegrenze hinweg
und beinhalten keine gemeindeinternen Umzüge. Die für die Region Hannover insgesamt ausgewiesenen
Zu- und Fortzüge sind die Summe der Zu- und Fortzüge aller 21 Städte und Gemeinden und beinhalten
damit auch Zu- und Fortzüge innerhalb der Grenzen der Region Hannover.

Seite 89

Sozialbericht 2015

Tabelle 2.3.1

Soziale Lagen in der Region Hannover

Bevölkerung nach Migrationshintergrund und -erfahrung* (Zensus)
Personen mit Migrationshintergrund
davon

Städte und
Gemeinden

Personen
ohne
Migrati- zusamonshinmen
tergrund

in %

in %

Ausländer/-innen

Deutsche mit Migrationshintergrund

davon
ohne
ohne
mit eigemit eigemit
beidmit eineigene
eigene
zusam- ner Migzusam- ner MigMigratiMigrati- seitigem seitigem
men
rationsermen
rationseronserfahonserfah- Migrati- Migratifahrung
fahrung
onshin- onshinrung
rung
tergrund tergrund
in %

in %

in %

in %

in %

in %

in %

in %

Barsinghausen

85,9

14,1

33,1

76,6

23,4

66,9

59,2

40,8

40,9

58,3

Burgdorf

84,4

15,6

30,4

75,7

23,5

69,6

59,8

40,2

57,6

42,4

Burgwedel

88,7

11,3

31,3

74,6

26,8

68,7

53,2

46,8

30,1

69,9

Garbsen

71,5

28,5

32,2

71,9

28,1

67,9

58,9

41,0

61,0

39,0

Gehrden

85,5

14,5

34,8

67,6

32,4

65,2

59,4

40,6

44,4

55,6

Hannover

69,4

30,6

43,1

76,6

23,4

56,9

55,0

45,0

57,6

42,4

Hemmingen

87,3

12,7

34,8

79,0

65,2

52,0

47,4

55,6

44,4

Isernhagen

81,8

18,2

29,8

81,3

19,5

70,2

54,1

45,9

42,1

57,9

Laatzen

68,3

31,7

25,4

80,1

19,9

74,5

65,8

34,2

64,4

35,6

Langenhagen

73,5

26,5

32,5

72,7

27,1

67,6

55,0

44,9

56,4

43,9

Lehrte

82,7

17,3

29,7

77,2

23,3

70,3

57,2

42,6

59,3

41,2

Neustadt

86,1

13,9

27,0

71,8

28,8

72,8

60,1

39,9

44,0

56,0

Pattensen

89,4

10,6

29,5

65,1

70,5

52,4

47,6

Ronnenberg

76,0

24,0

33,2

72,8

27,7

66,6

60,7

39,3

57,2

42,8

Seelze

78,5

21,5

32,3

70,1

29,9

67,5

58,0

42,0

60,8

39,7

Sehnde

84,1

15,9

23,2

76,3

22,5

76,8

63,4

36,6

53,6

47,4

Springe

88,3

11,7

34,9

67,2

33,6

65,1

61,1

38,4

39,8

61,4

Uetze

88,0

12,0

31,4

73,3

26,7

68,6

50,0

50,0

41,5

58,5

Wedemark

88,1

11,9

32,8

79,1

20,9

67,2

51,1

48,9

37,3

62,7

Wennigsen

88,6

11,4

28,3

77,8

71,7

51,8

48,2

27,3

72,7

Wunstorf

85,3

14,7

38,4

64,3

35,7

61,6

55,5

44,5

49,4

50,6

Region Hannover

75,9

24,1

38,1

75,5

24,5

61,9

56,6

43,4

55,4

44,6

Quelle(n):

/

/

/

/

75,5

Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Zensus 2011, erschienen 28.05.2014

/

Keine Angabe, da Zahlenwert nicht sicher genug

*

Als Personen mit Migrationshintergrund werden alle zugewanderten und nicht zugewanderten Ausländer/innen sowie alle nach 1955 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zugewanderten Deutschen und alle Deutschen mit zumindest einem nach 1955 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik
Deutschland zugewanderten Elternteil definiert. Bei Vorliegen eines Migrationshintergrunds wird dieser
detaillierter klassifiziert. „Ausländer/-innen“ sind Personen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit
besitzen (inkl. Personen die staatenlos sind oder deren Staatsangehörigkeit ungeklärt oder ohne Angabe
ist). „Deutsche“ sind Personen, die mindestens die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen.
„Personen mit eigener Migrationserfahrung“ sind Personen, die nicht in Deutschland geboren und damit
nach Deutschland zugezogen sind. „Personen ohne eigene Migrationserfahrung“ sind Personen, die in
Deutschland geboren und damit nicht nach Deutschland zugezogen sind. „Personen mit beidseitigem
Migrationshintergrund“ sind Personen, deren beiden Elternteile nach 1955 auf das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zugewandert sind. „Personen mit einseitigem Migrationshintergrund“ sind Personen
mit einem nach 1955 auf das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zugewanderten Elternteil.

Seite 90

Sozialbericht 2015

Tabelle 2.4.1

Soziale Lagen in der Region Hannover

Haushalte nach Haushaltstypen*
Haushalte am Ort der Hauptwohnung am 31.12

Region Hannover gesamt

2012
gesamt

Haushalte insgesamt

2013
in %

gesamt

Veränderung 2012 – 2013
in %

gesamt

in %

573.141

100,0

578.744

100,0

5.603

1,0

87.081

15,2

89.079

15,4

1.998

2,3

Mehrpersonenhaushalte 60+ **

112.794

19,7

112.750

19,5

-44

0,0

Haushalte 60+ gesamt **

199.875

34,9

201.829

34,9

1.954

1,0

Einpersonenhaushalte 75+

39.885

7,0

41.483

7,2

1.598

4,0

Mehrpersonenhaushalte 75+ **

38.608

6,7

40.550

7,0

1.942

5,0

Haushalte 75+ gesamt **

78.493

13,7

82.033

14,2

3.540

4,5

Einpersonenhaushalte o. Kinder

257.296

44,9

261.995

45,3

4.699

1,8

Mehrpersonenhaushalte o. Kinder

203.112

35,4

203.713

35,2

601

0,3

Haushalte ohne Kinder gesamt

460.408

80,3

465.708

80,5

5.300

1,2

Haushalte mit 1 Kind

60.303

10,5

60.460

10,4

157

0,3

Haushalte mit 2 Kindern

40.336

7,0

40.363

7,0

27

0,1

Haushalte mit 3 u. m. Kindern

12.094

2,1

12.213

2,1

119

1,0

Haushalte mit Kindern gesamt

112.733

19,7

113.036

19,5

303

0,3

18.037

3,1

17.939

3,1

-98

-0,5

Alleinerziehende mit 2 Kindern

6.624

1,2

6.649

1,1

25

0,4

Alleinerziehende mit 3 u. m. Kind.

1.884

0,3

1.941

0,3

57

3,0

26.545

4,6

26.529

4,6

-16

-0,1

Alleinerziehende männlich

2.742

0,5

2.812

0,5

70

2,6

Alleinerziehende weiblich

23.803

4,2

23.717

4,1

-86

-0,4

Einpersonenhaushalte 60+

Alleinerziehende mit 1 Kind

Alleinerziehende gesamt

Quelle(n):

Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik; Region Hannover, Team Statistik

*

Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Mischformen mit Nebenwohnsitzen können unter bestimmten
Konstellationen vorkommen. Die Konstellation der an der jeweiligen Adresse lebenden Personen wird
aufgrund von Daten aus dem Einwohnerregister geschätzt und zu Haushalten zusammengefasst. Haushalte mit/ohne Kindern sind Haushalte mit/ohne Kinder unter 18 Jahren.

**

Zuordnung ausgehend von der Bezugsperson.

Seite 91

Sozialbericht 2015

Tabelle 2.4.2

Soziale Lagen in der Region Hannover

Haushalte* ohne Kinder und Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren
Haushalte von Einwohner/innen am Ort der Hauptwohnung am 31.12.2013

Städte und
Gemeinden

darunter
Haushalte
insgesamt

EinpersonenHaushalte
gesamt

Mehrpersonen-Haushalte ohne Kinder

in %

gesamt

in %

Haushalte ohne KinHaushalte mit Kindern
der**
gesamt

in %

gesamt

in %

Barsinghausen

15.861

5.623

35,5

6.888

43,4

12.511

78,9

3.350

21,1

Burgdorf

14.501

5.652

39,0

5.882

40,6

11.534

79,5

2.967

20,5

9.394

3.167

33,7

3.987

42,4

7.154

76,2

2.240

23,8

Garbsen

29.143

10.675

36,6

12.238

42,0

22.913

78,6

6.230

21,4

Gehrden

6.965

2.470

35,5

2.864

41,1

5.334

76,6

1.631

23,4

292.058

157.992

54,1

85.101

29,1

243.093

83,2

48.965

16,8

Hemmingen

8.986

3.228

35,9

3.721

41,4

6.949

77,3

2.037

22,7

Isernhagen

11.030

3.821

34,6

4.824

43,7

8.645

78,4

2.385

21,6

Laatzen

19.807

7.814

39,5

7.926

40,0

15.740

79,5

4.067

20,5

Langenhagen

25.711

10.432

40,6

9.586

37,3

20.018

77,9

5.693

22,1

Lehrte

20.268

7.298

36,0

8.443

41,7

15.741

77,7

4.527

22,3

Neustadt

20.089

6.974

34,7

8.400

41,8

15.374

76,5

4.715

23,5

Pattensen

6.476

2.016

31,1

2.918

45,1

4.934

76,2

1.542

23,8

Ronnenberg

11.236

4.196

37,3

4.589

40,8

8.785

78,2

2.451

21,8

Seelze

16.017

6.248

39,0

6.268

39,1

12.516

78,1

3.501

21,9

Sehnde

9.868

3.166

32,1

4.139

41,9

7.305

74,0

2.563

26,0

Springe

13.639

4.921

36,1

5.790

42,5

10.711

78,5

2.928

21,5

8.818

2.763

31,3

3.835

43,5

6.598

74,8

2.220

25,2

Wedemark

13.272

4.407

33,2

5.601

42,2

10.008

75,4

3.264

24,6

Wennigsen

6.496

2.087

32,1

2.916

44,9

5.003

77,0

1.493

23,0

19.109

7.045

36,9

7.797

40,8

14.842

77,7

4.267

22,3

578.744

261.995

45,3

203.713

35,2

465.708

80,5

113.036

19,5

Burgwedel

Hannover

Uetze

Wunstorf
Region Hannover
Quelle(n):
*
**

Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik; Region Hannover, Team Statistik
Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Mischformen mit Nebenwohnsitzen können unter bestimmten
Konstellationen vorkommen. Die Konstellation der an der jeweiligen Adresse lebenden Personen wird
aufgrund von Daten aus dem Einwohnerregister geschätzt und zu Haushalten zusammengefasst.
Die Kategorie „Haushalte ohne Kinder“ fasst die beiden vorherigen Kategorien „Einpersonenhaushalte“
und „Mehrpersonenhaushalte ohne Kinder“ zusammen.

Seite 92

Sozialbericht 2015

Tabelle 2.4.3

Soziale Lagen in der Region Hannover

Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren*
Haushalte von Einwohner/innen am Ort der Hauptwohnung am 31.12.2013
darunter

Städte und
Gemeinden

Haushalte
insgesamt

Haushalte mit
Kindern**
gesamt

in %

mit 1
Kind

mit 2
Kindern

mit 3
Kindern

Alleinerziehende
und Anteil an allen
HH mit Kindern

gesamt

gesamt

gesamt

gesamt

Alleinerziehende
weiblich und Anteil
an allen Alleinerziehenden

in %

gesamt

in %

Barsinghausen

15.861

3.350

21,1

1.852

1.169

329

736

22,0

644

87,5

Burgdorf

14.501

2.967

20,5

1.536

1.083

348

645

21,7

572

88,7

9.394

2.240

23,8

1.120

863

257

462

20,6

416

90,0

Garbsen

29.143

6.230

21,4

3.343

2.205

682

1.381

22,2

1.234

89,4

Gehrden

6.965

1.631

23,4

900

585

146

346

21,2

300

86,7

292.058

48.965

16,8

26.715

16.769

5.481

13.253

27,1

12.025

90,7

Hemmingen

8.986

2.037

22,7

1.042

811

184

421

20,7

375

89,1

Isernhagen

11.030

2.385

21,6

1.228

945

212

429

18,0

383

89,3

Laatzen

19.807

4.067

20,5

2.207

1.401

459

946

23,3

855

90,4

Langenhagen

25.711

5.693

22,1

3.083

1.972

638

1.205

21,2

1.072

89,0

Lehrte

20.268

4.527

22,3

2.395

1.619

513

941

20,8

841

89,4

Neustadt

20.089

4.715

23,5

2.450

1.796

469

938

19,9

802

85,5

Pattensen

6.476

1.542

23,8

827

579

136

268

17,4

243

90,7

Ronnenberg

11.236

2.451

21,8

1.297

895

259

497

20,3

445

89,5

Seelze

16.017

3.501

21,9

1.937

1.214

350

797

22,8

701

88,0

Sehnde

9.868

2.563

26,0

1.299

995

269

436

17,0

370

84,9

Springe

13.639

2.928

21,5

1.532

1.087

309

601

20,5

510

84,9

8.818

2.220

25,2

1.106

856

258

442

19,9

377

85,3

Wedemark

13.272

3.264

24,6

1.663

1.303

298

601

18,4

510

84,9

Wennigsen

6.496

1.493

23,0

733

594

166

305

20,4

268

87,9

19.109

4.267

22,3

2.195

1.622

450

879

20,6

774

88,1

578.744

113.036

19,5

60.460

40.363

12.213

26.529

23,5

23.717

89,4

Burgwedel

Hannover

Uetze

Wunstorf
Region Hannover
Quelle(n):

Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik; Region Hannover, Team Statistik

*

Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Mischformen mit Nebenwohnsitzen können unter bestimmten
Konstellationen vorkommen. Die Konstellation der an der jeweiligen Adresse lebenden Personen wird
aufgrund von Daten aus dem Einwohnerregister geschätzt und zu Haushalten zusammengefasst.

**

Die Kategorie „Haushalte mit Kindern“ fasst alle nachfolgenden Kategorien zusammen.

Seite 93

Sozialbericht 2015

Tabelle 2.4.4

Soziale Lagen in der Region Hannover

Haushalte 60+ und 75+*
Haushalte von Einwohner/innen am Ort der Hauptwohnung am 31.12.2013

Städte und
Gemeinden

darunter
Haushalte
insgesamt

Haushalte 60+**
gesamt

davon

in % von
allen

EinpersHH

Haushalte 75+**

Mehrpers.- HH

gesamt

in % von
allen

davon
EinpersHH

Mehrpers.- HH

Barsinghausen

15.861

6.534

41,2

2.363

4.171

2.725

17,2

1.146

1.579

Burgdorf

14.501

5.864

40,4

2.343

3.521

2.371

16,4

1.120

1.251

9.394

3.946

42,0

1.416

2.530

1.655

17,6

676

979

Garbsen

29.143

11.542

39,6

4.315

7.227

4.763

16,3

2.050

2.713

Gehrden

6.965

2.951

42,4

1.158

1.793

1.260

18,1

602

658

292.058

88.792

30,4

46.220

42.572

36.694

12,6

21.118

15.576

Hemmingen

8.986

3.743

41,7

1.413

2.330

1.573

17,5

672

901

Isernhagen

11.030

4.769

43,2

1.678

3.091

1.763

16,0

740

1.023

Laatzen

19.807

8.268

41,7

3.440

4.828

3.050

15,4

1.487

1.563

Langenhagen

25.711

9.587

37,3

4.158

5.429

4.026

15,7

2.048

1.978

Lehrte

20.268

7.357

36,3

2.712

4.645

2.813

13,9

1.243

1.570

Neustadt

20.089

7.747

38,6

2.812

4.935

2.970

14,8

1.270

1.700

Pattensen

6.476

2.689

41,5

919

1.770

1.066

16,5

456

610

Ronnenberg

11.236

4.264

37,9

1.668

2.596

1.693

15,1

796

897

Seelze

16.017

5.850

36,5

2.340

3.510

2.463

15,4

1.147

1.316

Sehnde

9.868

3.459

35,1

1.195

2.264

1.375

13,9

595

780

Springe

13.639

5.816

42,6

2.241

3.575

2.545

18,7

1.133

1.412

8.818

3.401

38,6

1.130

2.271

1.299

14,7

546

753

Wedemark

13.272

5.170

39,0

1.815

3.355

1.988

15,0

844

1.144

Wennigsen

6.496

2.706

41,7

889

1.817

1.054

16,2

415

639

19.109

7.374

38,6

2.854

4.520

2.887

15,1

1.379

1.508

578.744

201.829

34,9

89.079

112.750

82.033

14,2

41.483

40.550

Burgwedel

Hannover

Uetze

Wunstorf
Region Hannover
Quelle(n):
*
**

Landeshauptstadt Hannover, Bereich Wahlen und Statistik; Region Hannover, Team Statistik
Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Mischformen mit Nebenwohnsitzen können unter bestimmten
Konstellationen vorkommen. Die Konstellation der an der jeweiligen Adresse lebenden Personen wird
aufgrund von Daten aus dem Einwohnerregister geschätzt und zu Haushalten zusammengefasst.
Die Haushalte 75+ sind in der Anzahl der Haushalte 60+ enthalten. Die beiden Haushaltstypen dürfen also
nicht addiert werden. Zuordnung ausgehend von der Bezugsperson.

Seite 94

Sozialbericht 2015

Tabelle 3.1.1

Soziale Lagen in der Region Hannover

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Pendlerverflechtungen*
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort* und am Arbeitsort* am 30.06.2014

Städte und
Gemeinden

am
Wohnort

am
Arbeitsort

Einpendler

absolut

absolut

absolut

Anteil woh- Verhältnis
wohnen u.
Pendlersalnen u.
sovB am
Auspendler
arbeiten am
do
arbeiten am Arbeitsort /
Arbeitsort
Arbeitsort
Wohnort
absolut

absolut

absolut

in %

in %

Barsinghausen

11.954

7.492

4.173

8.638

-4.465

3.316

27,7

62,7

Burgdorf

10.481

5.352

3.043

8.175

-5.132

2.306

22,0

51,1

7.209

8.660

6.393

4.950

1.443

2.259

31,3

120,1

Garbsen

22.243

14.160

9.282

17.395

-8.113

4.848

21,8

63,7

Gehrden

5.083

3.181

2.276

4.183

-1.907

900

17,7

62,6

189.258

300.222

164.892

54.285

110.607

134.973

71,3

158,6

Hemmingen

6.470

3.721

2.884

5.638

-2.754

832

12,9

57,5

Isernhagen

8.015

9.481

8.102

6.650

1.452

1.365

17,0

118,3

Laatzen

14.162

14.988

12.097

11.323

774

2.839

20,0

105,8

Langenhagen

20.136

32.260

26.278

14.221

12.057

5.915

29,4

160,2

Lehrte

16.623

12.273

8.062

12.441

-4.379

4.182

25,2

73,8

Neustadt

15.762

9.260

4.078

10.592

-6.514

5.170

32,8

58,7

Pattensen

5.305

3.519

2.546

4.334

-1.788

971

18,3

66,3

Ronnenberg

8.721

4.265

3.201

7.676

-4.475

1.045

12,0

48,9

Seelze

12.493

5.459

3.656

10.694

-7.038

1.799

14,4

43,7

Sehnde

8.833

5.503

3.878

7.209

-3.331

1.624

18,4

62,3

Springe

9.793

6.584

3.531

6.747

-3.216

3.046

31,1

67,2

Uetze

7.426

3.146

1.536

5.798

-4.262

1.628

21,9

42,4

Wedemark

10.618

6.802

4.250

8.074

-3.824

2.544

24,0

64,1

Wennigsen

4.753

2.389

1.669

4.034

-2.365

719

15,1

50,3

14.747

11.629

6.795

9.925

-3.130

4.822

32,7

78,9

410.085

470.346

115.162

55.522

59.640

354.563

86,5

114,7

Burgwedel

Hannover

Wunstorf
Region Hannover
Quelle(n):

*

Bundesagentur für Arbeit, Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Wohn- und Arbeitsort mit Pendlerdaten, Stichtag 30.06, erstellt 15.01.2015.
Die Angaben zu Wohn- und Arbeitsort sowie Ein- und Auspendler etc. beziehen sich jeweils auf die angegebene Gebietseinheit. Für die Angaben zur Region Hannover insgesamt gilt, dass hier die Pendlerbewegungen über die Regionsgrenzen gemeint sind und nicht die Summe der sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten nach Wohn- oder Arbeitsort oder die Pendlerbewegungen in den Grenzen der einzelnen
Städte und Gemeinden. Wohnen und arbeiten am Wohnort gleich SovB am Wohnort minus Auspendler.

Seite 95

Sozialbericht 2015

Tabelle 3.1.2

Soziale Lagen in der Region Hannover

Entwicklung der Beschäftigten in der Region Hannover 2004 – 2014
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (sovB) am
Arbeitsort*

Region Hannover
zum Stichtag…

davon
Anteil
Teilzeit** Teilzeit**

geringfügig entlohnte Beschäftigte (geB) am Arbeitsort*

Beschäftigungsverhältnisse

gesamt

ausschließlich

im Nebenjob

Hauptbe- gesamt
schäfti- inklusive
gung
Nebenjob

absolut

absolut

absolut

gesamt

davon
Frauen

Anteil
Frauen

absolut

absolut

in %

Juni 2004

418.815

190.849

45,6

81.307

19,4

90.448

70.642

Dezember 2004

419.318

193.248

46,1

82.890

19,8

91.887

Juni 2005

415.434

191.065

46,0

83.455

20,1

Dezember 2005

417.086

192.665

46,2

84.587

Juni 2006

416.061

191.400

46,0

Dezember 2006

418.662

192.674

Juni 2007

418.513

Dezember 2007

absolut

in %

absolut

absolut

19.806

489.457

509.263

70.510

21.377

489.828

511.205

91.438

69.718

21.720

485.152

506.872

20,3

94.219

71.304

22.915

488.390

511.305

85.675

20,6

94.943

71.405

23.538

487.466

511.004

46,0

87.218

20,8

96.115

71.597

24.518

490.259

514.777

192.043

45,9

88.178

21,1

95.527

71.068

24.459

489.581

514.040

426.498

197.014

46,2

90.529

21,2

97.827

71.705

26.122

498.203

524.325

Juni 2008

427.358

197.274

46,2

90.999

21,3

98.103

71.785

26.318

499.143

525.461

Dezember 2008

432.213

201.404

46,6

92.865

21,5

100.455

72.707

27.748

504.920

532.668

Juni 2009

426.980

199.615

46,8

94.201

22,1

101.558

73.936

27.622

500.916

528.538

Dezember 2009

431.472

202.858

47,0

98.247

22,8

99.552

71.085

28.467

502.557

531.024

Juni 2010

431.772

202.316

46,9

99.082

22,9

99.248

71.130

28.118

502.902

531.020

Dezember 2010

440.126

207.140

47,1

102.282

23,2

99.258

70.126

29.132

510.252

539.384

Juni 2011

442.760

207.049

46,8

x

x

100.660

71.224

29.436

513.984

543.420

Dezember 2011

453.081

212.837

47,0

x

x

100.772

69.732

31.040

522.813

553.853

Juni 2012

454.057

212.676

46,8

x

x

100.701

69.771

30.930

523.828

554.758

Dezember 2012

460.885

217.077

47,1

119.976

26,0

102.343

69.743

32.600

530.628

563.228

Juni 2013

460.345

216.050

46,9

121.390

26,4

104.147

71.326

32.821

531.671

564.492

Dezember 2013

468.833

220.766

47,1

124.258

26,5

104.909

71.010

33.899

539.843

573.742

Juni 2014

470.346

220.411

46,9

126.126

26,8

106.456

72.268

34.188

542.614

576.802

Entwicklung Juni 2004 bis Juni 2014
Entwicklung abs.

51.531

29.562

xx

44.819

xx

16.008

1.626

14.382

53.157

67.539

Entwicklung in %

12,3

15,5

xx

55,1

xx

17,7

2,3

72,6

10,9

13,3

Quelle(n):

Bundesagentur für Arbeit, Beschäftigung am Arbeitsort Juni 2014, revidierte Daten vom 28.08.2014

*

Zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zählen alle Arbeitnehmer/innen einschl. der zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigten, die kranken-, renten-, pflegeversicherungspflichtig oder beitragspflichtig nach
dem Recht der Arbeitsförderung sind oder für die von Arbeitgebern Beitragsanteile nach dem Recht der
Arbeitsförderung zu entrichten sind. Dazu gehören auch Personen, die aus einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis zur Ableistung von gesetzlichen Dienstpflichten (z. B. Wehrübung) einberufen
werden. Nicht zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zählen dagegen Beamte und Beamtinnen,
Selbständige und mithelfende Familienangehörige, Berufs- und Zeitsoldaten, sowie Wehr- und Zivildienstleistende. Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 SGB IV liegt vor, wenn das Arbeitsentgelt aus dieser Beschäftigung (§ 14 SGB IV) regelmäßig im Monat die Geringfügigkeitsgrenze nicht überschreitet. Die Geringfügigkeitsgrenze beträgt bis Ende 2012 400 Euro und ab 2013 450 Euro im Monat.

**

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit hat die Datenaufbereitung für die Beschäftigungsstatistik modernisiert, um genauere Ergebnisse zu erzielen und die Beschäftigungsstatistik weiter ausbauen zu können. Der
Datenabgriff wurde präzisiert sowie die Abgrenzung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung überprüft und um neue Personengruppen erweitert. Die Beschäftigungsdaten wurden rückwirkendend ab 1999
revidiert und Ende 2014 veröffentlicht Vergleiche mit früher veröffentlichten Daten sind daher nur bedingt
möglich. Veränderungen hat es insbesondere bei der Abgrenzung von Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung
gegeben, die aufgrund neuer Erfassungspraktiken merklich zugenommen hat. Für nähere Erläuterungen zur
Umstellung siehe Methodenbericht zur Revision der Beschäftigtenstatistik der BA.

x / xx

Keine Daten vorhanden / Berechnung nicht sinnvoll

Seite 96

Sozialbericht 2015

Tabelle 3.1.3

Soziale Lagen in der Region Hannover

Beschäftigte nach Beschäftigungsform am Wohnort* ohne Auszubildende 31.12.2013
Hauptbeschäftigungsverhältnisse***
ohne
Azubis
absolut

sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ohne Auszubildende*

gesamt Vollzeit

absolut

Absolut

Anteil
Vollzeit
NiedrigVollzeit mit Angalohn an
mit Anga- be zum
sovB VZ
Entgelt
be zum
mit AngaEntgelt mit Niedbe zum
riglohn**
Entgelt
absolut

absolut

in %

Teilzeit

absolut

geringfügig entlohnte
Beschäftigte
ausschließlich
in %

geringe Einkünfte****
sovB VZ
mit Niedriglohn,
sovB
Teilzeit,
geB
ausschl.
absolut

Niedriglohn,
sovB
Teilzeit,
geB
ausschl.
in %

Barsinghausen

13.081

11.217

7.921

7.820

1.429

18,3

3.296

1.864

6.589

50,4

Burgdorf

11.518

9.698

7.100

7.025

1.309

18,6

2.598

1.820

5.727

49,7

7.985

6.838

4.829

4.621

661

14,3

2.009

1.147

3.817

47,8

Garbsen

24.488

20.722

15.343

15.165

3.005

19,8

5.379

3.766

12.150

49,6

Gehrden

5.620

4.815

3.409

3.358

512

15,3

1.406

805

2.723

48,5

209.124

177.355

126.765

124.889

22.644

18,1

50.590

31.769

105.003

50,2

Hemmingen

7.122

6.104

4.180

4.097

589

14,4

1.924

1.018

3.531

49,6

Isernhagen

8.864

7.613

5.467

5.375

816

15,2

2.146

1.251

4.213

47,5

Laatzen

15.816

13.465

9.383

9.258

1.726

18,6

4.082

2.351

8.159

51,6

Langenhagen

22.055

18.880

13.657

13.480

2.503

18,6

5.223

3.175

10.901

49,4

Lehrte

17.974

15.457

11.075

10.896

2.031

18,6

4.382

2.517

8.930

49,7

Neustadt

17.092

14.545

10.463

10.362

1.858

17,9

4.082

2.547

8.487

49,7

Pattensen

5.776

5.003

3.484

3.435

531

15,5

1.519

773

2.823

48,9

Ronnenberg

9.563

8.230

5.947

5.865

1.196

20,4

2.283

1.333

4.812

50,3

Seelze

13.484

11.620

8.402

8.277

1.618

19,5

3.218

1.864

6.700

49,7

Sehnde

9.515

8.317

5.960

5.873

892

15,2

2.357

1.198

4.447

46,7

Springe

10.733

9.137

6.347

6.278

1.119

17,8

2.790

1.596

5.505

51,3

8.118

6.872

4.970

4.881

881

18,0

1.902

1.246

4.029

49,6

Wedemark

11.616

9.982

7.080

6.995

1.047

15,0

2.902

1.634

5.583

48,1

Wennigsen

5.258

4.520

3.135

3.094

506

16,4

1.385

738

2.629

50,0

16.013

13.653

9.786

9.650

1.805

18,7

3.867

2.360

8.032

50,2

450.651

383.879

274.536

270.694

48.681

18,0

109.343

66.772

224.796

49,9

Burgwedel

Hannover

Uetze

Wunstorf
Region Hannover
Quelle(n):

Bundesagentur für Arbeit, Statistik Service Nordost, Sonderauswertung, Datenstand Juli 2014. Eine Revision
der Beschäftigtendaten in Bezug zu den Angaben der Entgelte ist noch nicht erfolgt. Zukünftige revidierte
Auswertungen können daher davon abweichen.

*

Wohnortprinzip: Alle hier verwendeten Daten zu den sozialversicherungspflichtig (sovB) und geringfügig
entlohnten Beschäftigten (geB) liegen nach dem Wohnortprinzip vor. Sie bilden damit die Beschäftigungsstruktur und die Einkommenssituation der Wohnbevölkerung ab, nicht die Arbeitsplatzstruktur, die davon
abweichen kann (Pendlerverflechtungen). Auszubildende sind hier ausgenommen, da ihre Einkünfte regelmäßig unter der Niedriglohnschwelle liegen dürften.

**

Die Niedriglohnschwelle liegt bei bundeseinheitlich bei 1.971 Euro brutto (monatliche Einkünfte plus Einmalzahlungen, Erfassung nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze der Sozialversicherung). Die Niedriglohnschwelle für Vollzeitbeschäftigte liegt orientiert an der OECD unterhalb des 2/3-Wertes des Medians aller
gemeldeten Einkommen. Angaben zum Anteil an allen Vollzeitbeschäftigten beziehen sich auf Vollzeitbeschäftigte mit Angaben zum Entgelt ohne Auszubildende.

***

Als Hauptbeschäftigungsverhältnisse werden hier alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten und alle
ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten im Haupterwerb zusammengefasst (Minijob).

****

Als Beschäftigte mit „geringen/geringeren Einkünften“ werden hier alle sozialversicherungspflichtig Teilzeitbeschäftigten, alle geringfügig entlohnten Beschäftigten im Haupterwerb (geB), alle sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten unterhalb der Niedriglohnschwelle zusammengefasst und ins Verhältnis zu den
Hauptbeschäftigungen gesetzt. Wegen Abgrenzungsproblemen und einer für die Entgeltberechnungen noch
nicht vollzogenen Datenrevision bei der BA bilden die Anteile nur vorläufige Werte ab.

Seite 97

Sozialbericht 2015

Tabelle 3.2.1

Soziale Lagen in der Region Hannover

Arbeitslose nach ausgewählten Merkmalen, Arbeitslosenquoten*
Arbeitslose insgesamt, nach SGB II und SGB III und nach ausgewählten Merkmalen im Dezember 2013
sowie Arbeitslosenquoten* nach Städten und Gemeinden bzw. Geschäftsstellen der Arbeitsagenturen
Arbeitslosenquote
SGB II / III

darunter
Städte und
Gemeinden

gesamt
SGB II

Barsinghausen

SGB III

Frauen

bezogen
auf alle
15 bis
25 bis
55 bis
zivilen
Auslänunter 25 unter 55 unter 65 Erwerbs
Männer
der**
Jahre
Jahre
Jahre
werbspersonen

bezogen
auf alle
15 – 64Jährigen

946

602

344

452

494

140

111

656

179

5,1

4,4

1.130

820

310

502

628

172

94

816

220

6,9

5,9

420

247

173

198

223

61

41

293

86

4,2

3,3

Garbsen

2.624

1.838

786

1.321

1.303

692

316

1.836

472

7,9

6,7

Gehrden

361

200

162

155

206

67

30

248

83

5,1

3,9

28125

22672

5454

12526

15599

8150

2519

21.215

4391

9,4

7,8

Hemmingen

447

289

158

204

242

58

36

307

104

6,1

3,8

Isernhagen

504

290

214

232

272

91

37

319

148

4,2

3,5

Laatzen

1.583

1.207

376

760

823

420

123

1.146

314

6,1

6,2

Langenhagen

2.144

1.531

613

1.004

1.140

540

199

1.577

368

7,4

6,2

Lehrte

1.625

1.232

393

737

888

289

187

1.172

266

5,8

5,6

Neustadt

Burgdorf
Burgwedel

Hannover

1.348

887

461

671

678

178

174

925

249

5,7

4,7

Pattensen

308

190

118

143

165

27

27

213

68

6,1

3,4

Ronnenberg

918

662

256

423

495

190

90

677

151

9,4

5,8

Seelze

1.362

978

385

617

745

278

165

970

227

9,4

6,3

Sehnde

571

377

194

258

313

71

62

399

110

5,8

3,6

Springe

1.090

689

402

492

599

150

108

754

228

6,9

6,0

Uetze

653

449

204

290

364

69

58

466

129

6,9

5,0

Wedemark

654

357

297

305

349

79

52

453

149

4,2

3,5

Wennigsen
Wunstorf
Region Hannover

320

201

120

140

181

38

35

223

62

5,1

3,6

1.103

656

447

543

560

209

126

752

225

5,4

4,1

48.238

36.372

11.866

21.971

26.267

11.971

4.589

35.420

8.229

7,8

6,4

Quelle(n):

Agentur für Arbeit, Arbeitslose nach Gemeinden, Dezember 2013, Jobcenter Region Hannover, Jobcenter
konkret 12/2013

*

Die Arbeitslosenquoten können in Bezug auf zwei Größen gerechnet werden:
a) alle zivilen Erwerbspersonen = abhängig beschäftigte zivile Erwerbspersonen (siehe b) plus Selbständige und mithelfende Familienangehörige.
b) abhängig beschäftigte zivile Erwerbspersonen = sozialversicherungspflichtig Beschäftigte incl. Auszubildende, geringfügig Beschäftigte, Personen in Arbeitsgelegenheiten (Mehraufwandvariante), Beamte
(ohne Soldaten) und Grenzpendler.
Ab Januar 2009 greift die Berichterstattung der BA auf die (niedrigere) unter a) genannte Quote zurück
(alle Erwerbspersonen) die auch im Jobcenter Konkret und in dieser Tabelle abgebildet ist.
Um differenzierte Daten für alle Städte und Gemeinden unabhängig von der Geschäftsstellenstruktur des
Jobcenters zu bekommen, die zu einer Ausweisung von Arbeitslosenquoten über teilweise mehrere Kommunen hinweg führt (siehe Kap. 4.2), wurde hier zusätzlich die Arbeitslosenquote in Bezug auf die erwerbsfähige Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 64 Jahren aufgenommen.

Seite 98

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Tabelle 3.2.2 Entwicklung der Arbeitslosenzahlen 2007 – 2014, Region Hannover
Region
Hannover
gesamt

Entwicklung der Arbeitslosenzahlen insgesamt und nach SGB II und SGB III von Dezember 2007 bis Juni
2014 Region Hannover gesamt
absolut

indexiert: Dezember 2007 = 100*

gesamt

SGB II

SGB III

gesamt

SGB II

SGB III

Dez. 07

53.541

39.108

14.433

100,0

100,0

100,0

Mrz. 08

54.359

39.494

14.865

101,5

101,0

103,0

Jun. 08

52.209

39.738

12.471

97,5

101,6

86,4

Sep. 08

51.017

38.716

12.301

95,3

99,0

85,2

Dez. 08

49.633

37.305

12.328

92,7

95,4

85,4

Mrz. 09

54.856

39.082

15.774

102,5

99,9

109,3

Jun. 09

54.584

39.273

15.311

101,9

100,4

106,1

Sep. 09

51.724

37.439

14.285

96,6

95,7

99,0

Dez. 09

50.263

36.172

14.091

93,9

92,5

97,6

Mrz. 10

54.381

38.649

15.732

101,6

98,8

109,0

Jun. 10

51.786

38.418

13.368

96,7

98,2

92,6

Sep. 10

51.113

38.606

12.507

95,5

98,7

86,7

Dez. 10

49.176

37.085

12.091

91,8

94,8

83,8

Mrz. 11

51.633

38.990

12.643

96,4

99,7

87,6

Jun. 11

50.139

39.077

11.062

93,6

99,9

76,6

Sep. 11

47.910

37.147

10.763

89,5

95,0

74,6

Dez. 11

45.681

35.382

10.299

85,3

90,5

71,4

Mrz. 12

48.076

36.843

11.233

89,8

94,2

77,8

Jun. 12

46.597

36.136

10.461

87,0

92,4

72,5

Sep. 12

47.186

36.420

10.766

88,1

93,1

74,6

Dez. 12

46.694

35.753

10.941

87,2

91,4

75,8

Mrz. 13

49.594

37.414

12.180

92,6

95,7

84,4

Jun. 13

48.057

36.588

11.469

89,8

93,6

79,5

Sep. 13

46.824

35.377

11.447

87,5

90,5

79,3

Dez. 13

46.425

35.076

11.349

86,7

89,7

78,6

Mrz. 14

49.895

37.388

12.507

93,2

95,6

86,7

Jun. 14

48.906

37.171

11.735

91,3

95,0

81,3

Quelle(n):

Agentur für Arbeit, Arbeitsmarktreport für Kreise und kreisfreie Städte

*

Entwicklung ausgehend vom Stand Dezember 2007 (=100). Die Werte entsprechen den prozentualen Anteilen in Bezug auf den Ausgangswert im Dezember 2007. Abweichungen von Hundert können als Abweichungen in Prozent gegenüber dem Ausgangswert in 2007 interpretiert werden..

Seite 99

Sozialbericht 2015

Tabelle 3.2.3

Soziale Lagen in der Region Hannover

SGB II-Bedarfsgemeinschaften und SGB II-Leistungsberechtigte
SGB II-Bedarfsgemeinschaften (BGs) und SGB II-Leistungsberechtigte (eLB, neLB) im Verhältnis zu
Haushalten und Gesamtbevölkerung nach Altersgruppen im Dezember 2013*

Städte und
Gemeinden

Bedarfsgemeinschaften
(BG)

absolut

Anteil
Leistungs- erwerbsAnteil BGs
Anteil eLb
Leistungs- berechtigfähige
an allen
an allen 15
berechtigte an
Leistungsbis 64Haushalte gesamt Gesamt- berechtigJährigen
ten
te (eLb)
bevölkerung
In %

absolut

in %

absolut

in %

nicht
erwerbsfähige
neLb unter
Leistungs- 15 Jahren
berechtigte (neLb)

Anteil
neLb unter
15 Jahren
an allen
unter 15Jährigen

absolut

in %

absolut

Barsinghausen

1.200

7,6

2.327

6,9

1.606

7,5

721

695

16,6

Burgdorf

1.205

8,3

2.227

7,4

1.628

8,5

599

582

14,7

Burgwedel

449

4,8

868

4,2

608

4,8

260

248

8,4

Garbsen

2.917

10,0

6.136

9,9

4.226

10,8

1.910

1.870

23,3

Gehrden

347

5,0

678

4,6

484

5,2

194

188

9,2

37.989

13,0

68.994

13,2

50.472

14,1

18.522

17.903

27,2

557

6,2

957

5,1

717

6,1

240

234

9,0

Hannover
Hemmingen
Isernhagen

428

3,9

820

3,5

597

4,1

223

215

6,8

Laatzen

2.350

11,9

4.736

11,6

3.315

12,9

1.421

1.375

25,7

Langenhagen

2.472

9,6

4.960

9,3

3.453

10,1

1.507

1.458

19,5

Lehrte

1.894

9,3

3.717

8,5

2.659

9,2

1.058

1.029

17,5

Neustadt

1.420

7,1

2.873

6,5

1.987

7,0

886

864

14,2

359

5,5

635

4,5

484

5,4

151

148

7,6

Pattensen
Ronnenberg

1.100

9,8

2.226

9,3

1.570

10,0

656

631

19,9

Seelze

1.617

10,1

3.212

9,7

2.205

10,2

1.007

967

21,5

Sehnde

591

6,0

1.106

4,7

801

5,1

305

298

9,0

Springe

1.060

7,8

1.998

6,9

1.430

7,9

568

547

14,6

Uetze

617

7,0

1.247

6,2

894

6,9

353

346

11,8

Wedemark

571

4,3

1.097

3,7

785

4,2

312

298

7,2

Wennigsen

363

5,6

689

4,8

505

5,6

184

177

9,1

1.183

6,2

2.455

6,0

1.675

6,2

780

742

13,3

60.677

10,5

113.958

10,0

82.101

10,9

31.857

30.815

20,7

Wunstorf
Region Hannover
Quelle(n):
*

Jobcenter Region Hannover, Jobcenter Konkret 03/2014 und 04/2014, neLb unter 15 Jahren nach Gemeinden Sonderauswertung Statistik Service Nordost
SGB II, revidierte Daten Dezember 2013, Bezugsdaten Haushalte und Bevölkerung aus dem Melderegister, 31.12.2013

Seite 100

Sozialbericht 2015

Tabelle 3.2.4
Region Hannover gesamt

Soziale Lagen in der Region Hannover

Entwicklung der SGB II-Bedarfsgemeinschaften und Leistungsberechtigte
nach ausgewählten Merkmalen seit 2005*
2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

Bedarfsgemeinschaften (BG)
Personen in BG gesamt

109.471

118.740

120.231

119.099

118.427

117.602

115.017

113.360

114.755

BG insgesamt

59.769

64.267

62.593

60.822

62.038

64.019

62.774

61.141

61.269

BG mit 1 Person

34.635

36.995

34.285

32.552

34.813

38.674

38.071

36.232

35.592

BG mit mehreren Personen

25.135

27.272

28.309

28.270

27.224

25.346

24.702

24.909

25.677

BG mit Kind/-ern u. 15 J.

17.769

19.345

19.781

19.558

18.576

16.676

16.410

17.075

18.002

x

x

10.725

10.946

10.855

10.870

10.787

10.953

11.161

Alleinerziehende BG

Erwerbsfähige Leistungsberechtigte (eLb)
insgesamt

78.896

85.484

86.141

85.182

85.981

87.825

85.276

82.422

82.991

unter 25 Jahren

15.946

17.063

16.669

16.390

16.198

15.975

15.191

14.517

15.051

Langzeitleistungsbezieher

x

x

x

x

57.957

59.103

58.625

57.252

57.042

erwerbstätige eLb

x

x

19.528

22.120

23.028

24.866

25.669

25.568

25.338

Nichterwerbsfähige Leistungsberechtigte (neLb)
insgesamt

30.575

33.257

34.090

33.916

32.446

29.777

29.740

30.937

31.764

unter 15 Jahren

29.650

32.163

32.829

32.608

31.222

28.358

27.972

29.004

30.528

indexiert (Ausgangsjahr = 100)
Bedarfsgemeinschaften (BG)
Personen in BG gesamt

100,0

108,5

109,8

108,8

108,2

107,4

105,1

103,6

104,8

BG insgesamt

100,0

107,5

104,7

101,8

103,8

107,1

105,0

102,3

102,5

BG mit 1 Person

100,0

106,8

99,0

94,0

100,5

111,7

109,9

104,6

102,8

BG mit mehreren Personen

100,0

108,5

112,6

112,5

108,3

100,8

98,3

99,1

102,2

BG mit Kind/-ern u. 15 J.

100,0

108,9

111,3

110,1

104,5

93,8

92,4

96,1

101,3

x

x

100,0

102,1

101,2

101,3

100,6

102,1

104,1

Alleinerziehende BG

Erwerbsfähige Leistungsberechtigte (eLb)
insgesamt

100,0

108,4

109,2

108,0

109,0

111,3

108,1

104,5

105,2

unter 25 Jahren

100,0

107,0

104,5

102,8

101,6

100,2

95,3

91,0

94,4

Langzeitleistungsbezieher

x

x

x

x

100,0

102,0

101,2

98,8

98,4

erwerbstätige eLb

x

x

100,0

113,3

117,9

127,3

131,4

130,9

129,7

Nichterwerbsfähige Leistungsberechtigte (neLb)
insgesamt

100,0

108,8

111,5

110,9

106,1

97,4

97,3

101,2

103,9

unter 15 Jahren

100,0

108,5

110,7

110,0

105,3

95,6

94,3

97,8

103,0

Quelle(n):

Bundesagentur für Arbeit, Grundsicherung für Arbeitssuchende nach dem SGB II, Zeitreihe zu
Strukturen der Eckwerte und Geldleistungen nach dem SGB II für die Region Hannover, Bedarfsgemeinschaften und deren Mitglieder, Juni 2014

*

Wegen der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum Jahresbeginn 2005 sind
weiter zurückgehende Betrachtungen nicht möglich. Für einzelne Angaben sind Daten erst nach
2005 verfügbar. Abgebildet werden Jahresdurchschnitte mit Ausnahme der Daten zu den Langzeitleistungsbeziehern (Daten zum 31.12, Sonderauswertung durch con_sens)

x

Keine Daten vorhanden. Indexierung in diesen Fällen entsprechend erst ab dem Jahr, ab dem
Daten vorhanden sind.

Seite 101

Sozialbericht 2015

Tabelle 4.1.1
Städte und
Gemeinden

Soziale Lagen in der Region Hannover

Empfänger/innen von Mindestsicherungsleistungen*
Anzahl der Empfänger/innen von Mindestsicherungsleistungen nach Leistungsarten und prozentualer
Anteil an der Gesamtbevölkerung am 31.12.2013
Einwohner

eLb

neLb

GruSi a.v.E. HLU a.v.E.

AsylblG

gesamt

in %

Barsinghausen

33.711

1.606

721

245

38

177

2.787

8,3

Burgdorf

30.071

1.628

599

294

30

78

2.629

8,7

Burgwedel

20.734

608

260

138

25

93

1.124

5,4

Garbsen

61.888

4.226

1.910

740

68

91

7.035

11,4

Gehrden

14.814

484

194

73

21

75

847

5,7

Hannover

524.450

50.472

18.522

10.411

1.273

1.656

82.334

15,7

Hemmingen

18.934

717

240

113

14

66

1.150

6,1

Isernhagen

23.438

597

223

110

11

69

1.010

4,3

Laatzen

40.876

3.315

1.421

575

52

65

5.428

13,3

Langenhagen

53.236

3.453

1.507

533

49

98

5.640

10,6

Lehrte

43.782

2.659

1.058

373

50

148

4.288

9,8

Neustadt

44.071

1.987

886

370

54

177

3.474

7,9

Pattensen

14.263

484

151

66

5

54

760

5,3

Ronnenberg

23.908

1.570

656

256

20

48

2.550

10,7

Seelze

33.079

2.205

1.007

367

82

85

3.746

11,3

Sehnde

23.384

801

305

149

8

82

1.345

5,8

Springe

29.092

1.430

568

212

41

125

2.376

8,2

Uetze

20.105

894

353

126

15

59

1.447

7,2

Wedemark

29.396

785

312

141

19

86

1.343

4,6

Wennigsen

14.257

505

184

89

11

83

872

6,1

Wunstorf
Region Hannover
Quelle(n):
*

41.211

1.675

780

355

51

155

3.016

7,3

1.138.700

82.101

31.857

15.736

1.937

3.570

135.201

11,9

Jobcenter Region Hannover Jobcenter konkret 3/2014, Städte und Gemeinden der Region Hannover,
Region Hannover
Empfänger/innen von Arbeitslosengeld II (eLb), Sozialgeld (neLb), Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit außerhalb von Einrichtungen (GruSi a. v. E)., Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von
Einrichtungen (HLU a. v. E)., Empfänger/innen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylblG)

Seite 102

Sozialbericht 2015

Tabelle 4.1.2

Städte und
Gemeinden

Soziale Lagen in der Region Hannover

Entwicklung der Empfänger/innen von Mindestsicherungsleistungen*
Anzahl und prozentualer Anteil der Empfänger/innen von Mindestsicherungsleistungen an der Gesamtbevölkerung jeweils am 31.12 von 2009 bis 2013
2009
absolut

2010
in %

absolut

2011
in %

absolut

2012
in %

absolut

2013
in %

absolut

in %

Barsinghausen

2.794

8,3

2.693

8,4

2.601

7,8

2.649

7,9

2.787

8,3

Burgdorf

2.581

8,7

2.520

9,0

2.484

8,4

2.551

8,6

2.629

8,7

Burgwedel

1.109

5,3

1.068

5,3

1.077

5,2

1.024

4,9

1.124

5,4

Garbsen

6.897

11,2

6.896

12,5

6.784

11,0

6.861

11,1

7.035

11,4

Gehrden

879

6,0

849

6,2

806

5,5

847

5,7

847

5,7

Hannover

81.044

15,9

79.625

15,5

79.174

15,4

80.173

15,4

82.334

15,7

Hemmingen

1.157

6,1

1.033

5,8

1.010

5,3

1.068

5,6

1.150

6,1

Isernhagen

1.014

4,4

947

4,3

990

4,3

999

4,3

1.010

4,3

Laatzen

5.289

13,1

5.355

14,7

5.217

12,9

5.283

13,0

5.428

13,3

Langenhagen

5.332

10,4

5.399

11,4

5.210

9,9

5.476

10,3

5.640

10,6

Lehrte

4.210

9,7

4.184

10,2

4.159

9,6

4.100

9,4

4.288

9,8

Neustadt

3.415

7,7

3.252

7,7

3.342

7,6

3.328

7,6

3.474

7,9

803

5,7

753

5,5

724

5,1

759

5,4

760

5,3

Ronnenberg

2.365

10,1

2.352

10,9

2.367

10,0

2.389

10,1

2.550

10,7

Seelze

3.983

12,3

3.740

12,4

3.594

11,0

3.600

10,9

3.746

11,3

Sehnde

1.532

6,6

1.405

6,4

1.275

5,5

1.293

5,6

1.345

5,8

Springe

2.474

8,4

2.347

8,4

2.303

7,9

2.328

8,0

2.376

8,2

Uetze

1.523

7,5

1.380

7,2

1.398

7,0

1.379

6,9

1.447

7,2

Wedemark

1.398

4,8

1.300

4,7

1.252

4,3

1.272

4,3

1.343

4,6

Pattensen

Wennigsen
Wunstorf
Region Hannover
Quelle(n):
*

922

6,5

881

6,4

858

6,0

867

6,1

872

6,1

3.192

7,7

3.024

7,8

2.893

7,0

2.978

7,2

3.016

7,3

133.913

12,0

131.003

12,1

129.518

11,5

131.224

11,6

135.201

11,9

Jobcenter Region Hannover Jobcenter konkret, Städte und Gemeinden der Region Hannover, Region
Hannover
Empfänger/innen von Arbeitslosengeld II (eLb), Sozialgeld (neLb), Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit außerhalb von Einrichtungen (GruSi a. v. E)., Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von
Einrichtungen (HLU a. v. E)., Empfänger/innen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylblG)

Seite 103

Sozialbericht 2015

Soziale Lagen in der Region Hannover

Armutsrisikoquoten* für Niedersachsen nach soziodemografischen
Merkmalen (Regionalkonzept)

Tabelle 4.2

Anteil in Prozent
2005
Insgesamt

15,1

2006

2007

14,3

2008

14,7

2009

2010

2011

2012

2013

Veränderung
in %Punkten

14,7

14,6

14,5

15,2

15,4

15,8

0,7

Altersgruppen
unter 18

20,2

20,1

20,1

20,1

19,9

19,4

20,1

20,3

19,9

-0,3

18 bis unter 25

25,9

22,6

23,3

23,5

22,6

23,8

22,2

24,0

25,6

-0,3

25 bis unter 50

14,1

13,4

13,7

13,8

13,5

13,3

13,6

13,7

14,1

0,0

50 bis unter 65

10,7

10,0

10,5

10,6

11,0

11,1

12,0

11,8

11,9

1,2

65 und älter

12,2

11,3

12,1

12,0

12,4

12,2

14,1

14,4

15,4

3,2

Geschlecht
Männlich

14,6

13,9

14,1

14,1

14,0

14,0

14,4

14,6

15,0

0,4

Weiblich

15,7

14,7

15,3

15,3

15,2

15,0

15,9

16,2

16,6

0,9

Einpersonenhaushalt

22,9

21,0

23,5

23,5

23,3

22,7

24,9

25,6

26,5

3,6

8,7

7,6

7,8

7,4

7,8

8,0

8,7

8,5

8,9

0,2

37,5

38,5

40,6

42,3

41,5

39,9

44,2

44,2

42,3

4,8

9,9

10,2

9,7

10,3

10,3

9,0

9,5

9,2

9,5

-0,4

Zwei Erwachsene und zwei Kinder

11,8

11,4

11,2

9,7

9,8

9,7

10,0

9,6

10,2

-1,6

Zwei Erwachsene u. drei o. mehr Kinder

29,1

29,4

29,2

28,4

24,7

26,7

26,8

27,9

27,0

-2,1

Haushaltstyp

Zwei Erwachsene ohne Kind
Ein(e) Erwachsene(r) mit Kind(ern)
Zwei Erwachsene und ein Kind

Erwerbsstatus
Erwerbstätige

7,0

6,6

6,9

7,2

7,2

7,4

7,5

7,5

8,0

1,0

dar.: Selbständige

9,0

7,8

7,4

8,5

8,0

8,4

8,5

9,0

9,1

0,1

dar.: Abhängig Erwerbstätige

6,7

6,5

6,9

7,0

7,1

7,3

7,4

7,4

7,8

1,1

Erwerbslose

49,3

47,0

55,8

56,2

52,9

52,3

56,7

58,0

56,8

7,5

Nichterwerbspersonen

18,5

17,8

18,4

18,6

18,8

18,7

20,3

20,9

21,5

3,0

dar.: Rentner/innen und Persionäre/innen

11,2

10,5

11,4

11,5

12,0

12,2

14,1

14,6

15,8

4,6

Qualifikationsniveau Haupteinkommensbezieher
Niedrig (ISCED 0 bis 2)

34,4

32,4

34,9

35,9

36,0

35,7

38,5

40,5

42,2

8,0

Mittel (ISCED 3 und 4)

12,7

12,3

12,9

12,9

12,8

12,8

13,5

13,4

14,1

1,4

Hoch (ISCED 5 und 6)

4,7

4,8

4,2

4,4

4,3

4,7

4,9

5,2

5,2

0,5

Staatsangehörigkeit
Ohne deutsche Staatsangehörigkeit

43,0

41,9

40,3

40,0

37,9

36,7

35,5

36,9

36,0

-7,0

Mit deutscher Staatsangehörigkeit

13,1

12,3

12,8

12,9

13,0

12,9

13,7

13,8

14,5

1,4

Migrationshintergrund
Mit Migrationshintergrund

33,2

32,1

32,2

31,3

29,7

29,1

28,9

29,4

28,5

-4,7

Ohne Migrationshintergrund

11,7

10,9

11,3

11,4

11,5

11,5

12,2

12,3

13,0

1,3

Quelle(n):

*

Ergebnisses des Mikrozensus, IT NRW und / oder Statistische Monatshefte Niedersachsen 9/2014, S. 648.
Anteil der Personen mit einem Äquivalenzeinkommen von weniger als 60% des
Medians der Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung in Privathaushalten am Ort der
Hauptwohnung. Das Äquivalenzeinkommen wird auf Basis der neuen OECD-Skala
berechnet.

Seite 104

Sozialbericht 2015

Tabelle 4.3

Soziale Lagen in der Region Hannover

Überschuldete Personen* und Inanspruchnahme der geförderten sozialen Schuldnerberatungsstellen**
Überschuldete
Personen*
Einwohner/innen
Anteil
überschulab 18
überschuldete PerJahren
dete Personen ab
2013
sonen ab
18 Jahren*
18 Jahren*
absolut

absolut

in %

Laufende Beratungen bei geförderten sozialen Schuldnerberatungsstellen nach Wohnort der Beratenen**

2009

2010

2011

2012

2013

Durchschnitt
2009 bis
2013

absolut

absolut

absolut

absolut

absolut

absolut

Barsinghausen

28.435

2.915

10,3

87

93

92

73

83

86

Burgdorf

25.200

2.976

11,8

156

151

161

115

113

139

Burgwedel

17.041

1.408

8,3

32

22

34

45

51

37

Garbsen

51.836

5.909

11,4

168

191

204

167

124

171

Gehrden

12.276

1.097

8,9

14

33

27

29

19

24

Hannover

445.707

59.279

13,3

2.023

2.095

2.161

2.257

2.334

2.174

Hemmingen

15.694

1.207

7,7

33

38

28

19

20

28

Isernhagen

19.601

1.590

8,1

19

22

16

32

44

27

Laatzen

34.337

3.705

10,8

84

72

71

110

139

95

Langenhagen

44.100

5.618

12,7

292

338

284

316

300

306

Lehrte

36.436

4.511

12,4

116

90

66

60

46

76

Neustadt

36.475

3.750

10,3

79

75

66

87

83

78

Pattensen

11.837

866

7,3

32

38

40

32

24

33

Ronnenberg

19.923

2.301

11,6

52

54

39

51

51

49

Seelze

27.558

3.533

12,8

135

161

167

175

163

160

Sehnde

19.228

1.815

9,4

47

48

30

38

34

39

Springe

24.330

2.394

9,8

96

87

90

98

77

90

Uetze

16.417

1.653

10,1

68

66

63

56

58

62

Wedemark

24.167

2.042

8,5

32

42

29

39

55

39

Wennigsen

11.807

922

7,8

37

27

26

23

19

26

Wunstorf

34.206

3.386

9,9

105

86

95

79

80

89

956.611

114.124

11,9

3.707

3.829

3.789

3.901

3.917

3.829

Region Hannover

Laufende und abgeschlossene Beratungen Region Hannover gesamt inklusive Fälle ohne nähere Angaben zum Wohnort
Laufende Beratungen insgesamt

3.813

4035

3.992

4.227

4.201

4.054

Laufende Beratungen nach § 16a SGB II

1.614

1.869

1.801

1.831

1.773

1.778

667

709

739

884

766

753

Sonstige laufende Beratungen

1.532

1.457

1.452

1.512

1.662

1.523

Abgeschlossene Beratungen insgesamt

1.822

1.859

1.768

1.896

1.977

1.864

Laufende Beratungen nach § 11 Abs. 5 SGB XII

Quelle(n):

*

**

Creditreform, SchuldnerAtlas Deutschland 2014 und HAZ vom 27.11.2014 und Region Hannover, Team
50.08 zentrale Fachbereichsangelegenheiten / Steuerung SGB II
Die Daten über die überschuldeten Personen stammen von Creditreform und werden auf Kreisebene im
SchuldnerAtlas Deutschland veröffentlicht. Die Daten auf Ebene der Städte und Gemeinden stammen aus
einer Sonderauswertung für die Hannoversche Allgemeine Zeitung, veröffentlicht am 27.11.2014. Die
absoluten Zahlen der Überschuldeten wurden aus den veröffentlichten Quoten zurückgerechnet.
Hier werden die Daten der laufenden Beratungsfälle der 10 von der Region Hannover geförderten sozialen
Schuldnerberatungsstellen der AWO Region Hannover e.V, des Caritasverbandes Hannover e.V., der
Stadt Garbsen, der Stadt Hannover, der ZBS Hannover, der Drobs Hannover – STEP gGmbH sowie der
vier Beratungsstellen des Diakonieverbandes Hannover Land zusammengefasst. Angegeben sind nur die
Fälle, für die Angaben zum Wohnort vorliegen. Für das Jahr 2013 gab es insgesamt 4201 laufende Beratungsfälle, darunter 284 ohne und 3917 mit Angabe zum Wohnort. Neben den von der Region Hannover
geförderten Schuldnerberatungsstellen gibt es noch weitere Beratungsstellen und beratende Einrichtungen, die jedoch keine Daten über deren Inanspruchnahme liefern. Der Gesamtumfang der Inanspruchnahme von Schuldnerberatung in der Region Hannover kann deshalb nicht abschließend beziffert werden.

Seite 105

Sozialbericht 2015

Tabelle 4.4

Städte und
Gemeinden

Soziale Lagen in der Region Hannover

Lohn- und Einkommenssteuer 2010
Gesamtbetrag der
Einkünfte
in 1.000 €

Anzahl Steuerpflichtige mit einem Einkommen von … bis unter … Euro
Steuerpflichtige 0
bis 10.000 bis 25.000 bis 35.000 bis 50.000 bis 125.000
insgesamt 10.000
25.000
35.000
50.000
125.000
und mehr
absolut

absolut

absolut

absolut

absolut

absolut

absolut

Einkünfte
pro Steuerpflichtigem
in €

Barsinghausen

506.706

16.320

4.936

3.971

2.335

2.207

2.577

294

31.048

Burgdorf

481.552

14.288

3.881

3.539

2.169

1.890

2.435

374

33.703

Burgwedel

425.136

10.137

2.457

2.398

1.443

1.407

1.973

459

41.939

Garbsen

883.418

29.672

9.106

7.383

3.809

4.281

4.544

549

29.773

Gehrden

270.886

7.101

1.788

1.625

1.001

1029

1.391

267

38.148

8.173.174

260.318

75.282

65.546

38.346

37.565

38.170

5.409

31.397

Hemmingen

364.010

9.017

2.141

1.981

1.237

1.311

1.959

388

40.369

Isernhagen

529.542

11.495

2.554

2.499

1.607

1.655

2.553

627

46.067

Laatzen

555.103

18.577

5.174

4.823

2.842

2.585

2.862

291

29.881

Langenhagen

765.471

25.625

7.122

6.708

3.921

3.633

3.844

397

29.872

Lehrte

646.627

21.200

6.003

5.349

3.176

2.898

3.410

364

30.501

Neustadt

669.178

20.843

5.574

5.205

3.018

3.102

3.544

400

32.106

Pattensen

248.718

6.682

1.730

1.574

1.029

952

1.236

161

37.222

Ronnenberg

351.081

11.264

3.160

2.864

1.606

1.581

1.827

226

31.168

Seelze

472.144

15.996

4.732

4.099

2.250

2.174

2.504

237

29.516

Sehnde

352.145

10.593

2.830

2.469

1.577

1.488

2.000

229

33.243

Springe

424.901

13.973

4.140

3.368

2.086

1.912

2.213

254

30.409

Uetze

280.054

9.435

2.745

2.364

1.384

1.327

1.471

144

29.682

Wedemark

580.525

14.029

3.444

3.231

1.906

1.969

2.891

588

41.380

Wennigsen

232.667

6.428

1.578

1.528

899

926

1.294

203

36.196

Wunstorf

645.815

20.043

5.465

4.977

2.820

2.933

3.435

413

32.221

17.858.851

553.036

155.842

137.501

80.461

78.825

88.133

12.274

32.292

Hannover

Region Hannover
Quelle(n):

Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, LSKN-Online-Datenbank

Seite 106

Sozialbericht 2015

Tabelle 5.1

Soziale Lagen in der Region Hannover

Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren mit Mindestsicherungsleistungen*
Einwohner

Städte und
Gemeinden

Kinder und Jugendliche im Mindestsicherungsbezug am 31.12.2013

Anteil Kinder
Kinder unter 18
Anteil Kinder
Kinder unter 15
Anteil Kinder mit
Kinder unter 15
unter 15 Jahren
Jahren mit
unter 18 Jahren
Jahren mit SGB
MindestsicheJahren gesamt
mit SGB IILeistungen
mit Leistungen
II-Bezug
rung gesamt
Bezug
AsylbLg / HLU** AsylbLg / HLU**
absolut

absolut

in %

absolut

in %

in %

Barsinghausen

4.177

695

16,6

60

1,4

18,1

Burgdorf

3.960

582

14,7

26

0,7

15,4

Burgwedel

2.957

248

8,4

45

1,5

9,9

Garbsen

8.019

1.870

23,3

46

0,6

23,9

Gehrden

2.034

188

9,2

44

2,2

11,4

Hannover

65.753

17.903

27,2

713

1,1

28,3

Hemmingen

2.595

234

9,0

25

1,0

10,0

Isernhagen

3.156

215

6,8

32

1,0

7,8

Laatzen

5.345

1.375

25,7

42

0,8

26,5

Langenhagen

7.466

1.458

19,5

50

0,7

20,2

Lehrte

5.879

1.029

17,5

55

0,9

18,4

Neustadt

6.072

864

14,2

87

1,4

15,7

Pattensen

1.950

148

7,6

28

1,4

9,0

Ronnenberg

3.171

631

19,9

23

0,7

20,6

Seelze

4.488

967

21,5

53

1,2

22,7

Sehnde

3.323

298

9,0

40

1,2

10,2

Springe

3.751

547

14,6

54

1,4

16,0

Uetze

2.937

346

11,8

29

1,0

12,8

Wedemark

4.142

298

7,2

51

1,2

8,4

Wennigsen

1.942

177

9,1

38

2,0

11,1

5.586

742

13,3

80

1,4

14,7

148.703

30.815

20,7

1.621

1,1

21,8

Wunstorf
Region Hannover
Quelle(n):
*

**

Bundesagentur für Arbeit, Städte und Gemeinden der Region Hannover, Region Hannover
Empfänger/innen von Sozialgeld nach SGB II (neLb) unter 15 Jahren, Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen (HLU a. v. E) unter 18 Jahren, Empfänger/innen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylblG) unter 18 Jahren.
Die beiden Hilfearten werden hier wegen teilweise geringer Fallzahlen zusammengefasst dargestellt. Für
die Empfänger/innen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und der HLU ist nur eine Unterteilung bis
unter 18 Jahren möglich. Da die Anzahl der Kinder im Mindestsicherungsbezug von 15 bis 17 Jahren in
diesen beiden Hilfearten nur rund ein Sechstel der 1.621 Empfänger dieser Leistungen ausmacht (rund
270) wird hier dennoch der Bezug zu den unter 15-Jährigen gezogen.

Seite 107

Sozialbericht 2015

Tabelle 5.2

Soziale Lagen in der Region Hannover

Kindertagesbetreuung zum Stichtag 01.10.2013 im Zuständigkeitsbereich der Region
Hannover als Jugendhilfeträger*
Anzahl der Kinder am 31.12.2013

Städte und
Gemeinden

Barsinghausen

Angebot*** 0 bis 2 Jahre

unter 1
Jahr

1 bis 2
Jahre

3 bis 6 6 bis 10
Jahre** Jahre**

absolut

absolut

absolut

216

514

827

absolut

Plätze

Angebot*** 3 bis 6 Angebot*** 6 bis
Jahre
10 Jahre

Quote 0 Quote 1
bis 3
bis 2
Jahre
Jahre

Plätze

Quote

Plätze

Quote

absolut

absolut

in %

absolut

in %

in %

in %

1.176

206

28,2

40,1

806

97,5

78

6,6

Burgwedel

142

304

623

865

203

45,5

66,8

694

111,4

275

31,8

Garbsen

478

1.010

1.698

2.259

380

25,5

37,6

1.645

96,9

445

19,7

Gehrden

106

258

435

579

137

37,6

53,1

424

97,5

65

11,2

Hemmingen

134

288

524

763

151

35,8

52,4

541

103,2

212

27,8

Isernhagen

199

393

661

906

200

33,8

50,9

675

102,1

227

25,1

Neustadt

323

717

1.189

1.725

343

33,0

47,8

1.139

95,8

382

22,1

Pattensen

95

241

407

556

97

28,9

40,2

495

121,6

113

20,3

Ronnenberg

199

407

677

870

173

28,5

42,5

616

91,0

228

26,2

Seelze

274

558

974

1.234

245

29,4

43,9

880

90,3

175

14,2

Sehnde

161

404

695

953

213

37,7

52,7

683

98,3

77

8,1

Uetze

147

336

578

801

136

28,2

40,5

676

117,0

129

16,1

Wedemark

199

478

824

1.185

250

36,9

52,3

874

106,1

456

38,5

Wennigsen

86

199

388

555

118

41,4

59,3

523

134,8

177

31,9

306

644

1.130

1.526

306

32,2

47,5

1.188

105,1

313

20,5

3.065

6.751

11.621

15.953

3.158

32,2

46,8

11.859

102,0

3.352

21,0

Wunstorf
Gesamt
Quelle(n):

*

**

***

Region Hannover, Team Fachdienste für Jugendhilfe, Städte und Gemeinden ohne eigenes Jugendamt
Zum Zeitpunkt der Erhebung am 01.10.2013 hatten die Städte Burgdorf, Hannover, Lehrte, Laatzen, Langenhagen und Springe eigenständige Jugendämter. Das Jugendamt der Stadt Springe ist erst 2014 an die
Region Hannover übergegangen. Da es keine vergleichbare gemeinsame Datenbasis für die Kindertagesbetreuung in allen 21 regionsangehörigen Städten und Gemeinden gibt wird hier auf die gemeinsame
Berichterstattung für die 15 Städte und Gemeinden zurückgegriffen, für die die Region Hannover zuständiges Jugendamt ist (vgl. Kindertagesbetreuung in der Region Hannover 2013). Auf die Darstellung der im
Prinzip verfügbaren Daten des Landesamtes für Statistik zur Kindertagesbetreuung wird hier bewusst
verzichtet, weil diese Daten aus verschiedenen Gründen auf der Ebene einzelner Städte und Gemeinden
und damit unterhalb der Ebene der zuständigen Jugendämter nicht valide und damit nicht vergleichbar
sind.
Der Jahrgang der 6-Jährigen wurde zur Berechnung der Versorgungsquoten zwischen den Altersgruppen
3 bis 6 Jahre und 6 bis 10 Jahre (25% zu 75%) aufgeteilt, weil durch die vorgezogene Einschulung (alle
Kinder, die bis zum 30. September 6 Jahre alte werden) 5-Jährigen zunehmend weniger 6-Jährige den
Kindergarten besuchen und stattdessen früher eingeschult werden. Der Jahrgang der 10-Jährigen wird nur
zu 50% berücksichtigt.
Das Platzangebot bezieht alle zur Verfügung stehenden Plätze in Krippen, Kindergärten und Horten für die
entsprechende Altersgruppe mit ein. Dazu zählen ebenfalls die von der jeweiligen Altersgruppe belegten
Plätze in der Kindertagespflege, nicht jedoch die nicht belegten aber zur Verfügung stehenden Plätze der
Kindertagespflege, weil diese Plätze erstens keiner Altersgruppe eindeutig zuzuordnen wären und zweitens das Angebot die tatsächliche Nutzung weit übersteigt, was die Versorgungsquoten unrealistisch nach
oben verzerren würde.

Seite 108

Sozialbericht 2015

Tabelle 5.3.1

Region Hannover gesamt

Soziale Lagen in der Region Hannover

Schuleingangsuntersuchungen, Zeitreihe, soziodemografische Daten, Sprache, zentrale Wahrnehmung und Verarbeitung, Gewicht*
2010/2011
absolut

2011/2012

in %

absolut

2012/2013

in %

absolut

2013/2014

in %

gesamt

2014/2015

in %

gesamt

in %

Soziodemografische Daten
Anzahl untersuchte Kinder

10.701

100,0

10.421

100,0

10.739

100,0

10.316

100,0

10.671

100,0

5.577

52,1

5.433

52,1

5.511

51,3

5.326

51,6

5.632

52,8

Mädchen

5.124

47,9

4.987

47,9

5.228

48,7

4.990

48,4

5.039

47,2

mit Migrationshintergrund

3.841

35,9

3.834

36,8

4.070

37,9

4.011

38,9

4.180

39,2

ohne Migrationshintergrund

6.818

63,7

6.530

62,7

6.616

61,6

6.250

60,6

6.466

60,6

42

0,4

57

0,5

53

0,5

54

0,5

25

0,2

Jungen

ohne Angabe zu Migration

Sprache
ohne Befund (O)

6.284

58,7

5.915

56,8

6.122

57,0

5.354

51,9

5.399

50,6

Befund ohne Maßnahme (X)

2.137

20,0

2.100

20,2

2.222

20,7

2.603

25,2

2.761

25,9

615

5,7

650

6,2

622

5,8

647

6,3

671

6,3

1.610

15,0

1.679

16,1

1.686

15,7

1.641

15,9

1.703

16,0

55

0,5

77

0,7

87

0,8

71

0,7

137

1,3

Arztüberweisung (A)
in Behandlung (B)
Test nicht erfolgt

Zentrale Wahrnehmung und Verarbeitung
ZWV ohne Befund (O)

7.007

65,5

7.102

68,2

7.346

68,4

6.927

67,1

7.244

67,9

Befund ohne Maßnahme (X)

2.351

22,0

2.087

20,0

2.077

19,3

2.049

19,9

2.046

19,2

Arztüberweisung (A)

648

6,1

632

6,1

653

6,1

666

6,5

667

6,3

in Behandlung (B)

606

5,7

535

5,1

602

5,6

600

5,8

636

6,0

89

0,8

65

0,6

61

0,6

74

0,7

78

0,7

364

3,4

344

3,3

335

3,1

Test nicht erfolgt

Gewicht
starkes Untergewicht
Untergewicht
Normalgewicht
Übergewicht
Adipositas
Quelle(n):
*

519

4,9

412

4,0

888

8,3

750

7,2

770

7,2

687

6,7

746

7,0

8.156

76,2

8.163

78,3

8.452

78,7

8.171

79,2

8.584

80,4

594

5,6

587

5,6

600

5,6

630

6,1

595

5,6

395

3,7

409

3,9

447

4,2

409

4,0

349

3,3

Region Hannover, Team Sozialpädiatrie und Jugendmedizin
Für Erläuterungen zu den Begriffen und Befundkategorien siehe Kapitel 5.3

Seite 109

Sozialbericht 2015

Tabelle 5.3.2

Soziale Lagen in der Region Hannover

Schuleingangsuntersuchungen, kumulierte Jahrgänge, untersuchte Kinder, Migrationshintergrund und Gewicht*
Kumulierte Werte für Kinder der Einschulungsjahrgänge 2010/2011 bis 2014/2015

Städte und
Gemeinden

untersuchte
Kinder

ohne

mit

Anteil mit

absolut

absolut

absolut

in %

Migrationshintergrund

Untergewicht und
starkes Untergewicht
absolut

in %

Normalgewicht
gesamt

in %

Übergewicht und
starkes Übergewicht
gesamt

in %

Barsinghausen

1.401

1.112

285

20,3

154

11,0

1.105

78,9

117

8,4

Burgdorf

1.431

1.076

354

24,7

169

11,8

1.153

80,6

100

7,0

Burgwedel

1.039

877

160

15,4

160

15,4

819

78,8

48

4,6

Garbsen

2.941

1.654

1.205

41,0

284

9,7

2.292

77,9

348

11,8

Gehrden

665

504

161

24,2

72

10,8

546

82,1

39

5,9

23.628

11.943

11.591

49,1

2.434

10,3

18.564

78,6

2.420

10,2

Hannover
Hemmingen

937

713

224

23,9

131

14,0

751

80,1

45

4,8

Isernhagen

1.142

895

247

21,6

168

14,7

901

78,9

64

5,6

Laatzen

1.872

974

891

47,6

235

12,6

1.467

78,4

160

8,5

Langenhagen

2.666

1.523

1.139

42,7

357

13,4

2.052

77,0

233

8,7

Lehrte

2.114

1.483

624

29,5

257

12,2

1.624

76,8

218

10,3

Neustadt

2.155

1.714

438

20,3

140

6,5

1.746

81,0

227

10,5

709

562

147

20,7

97

13,7

547

77,2

57

8,0

1.046

590

455

43,5

126

12,0

794

75,9

109

10,4

Seelze

1.512

1.019

479

31,7

136

9,0

1.181

78,1

185

12,2

Sehnde

1.181

895

282

23,9

139

11,8

905

76,6

127

10,8

Springe

1.327

1.048

276

20,8

150

11,3

1.051

79,2

123

9,3

Uetze

1.047

850

197

18,8

123

11,7

806

77,0

114

10,9

Wedemark

1.441

1.229

212

14,7

220

15,3

1.125

78,1

75

5,2

Pattensen
Ronnenberg

Wennigsen
Wunstorf
Region Hannover
Quelle(n):
*

680

575

101

14,9

77

11,3

552

81,2

45

6,6

1.887

1.424

461

24,4

194

10,3

1.523

80,7

157

8,3

52.848

32.660

19.929

37,7

5.823

11,0

41.504

78,5

5.011

9,5

Region Hannover, Team Sozialpädiatrie und Jugendmedizin
Für Erläuterungen zu den Begriffen und Befundkategorien siehe Kapitel 5.3

Seite 110

Sozialbericht 2015

Tabelle 5.3.3

Soziale Lagen in der Region Hannover

Schuleingangsuntersuchungen, kumulierte Jahrgänge, Sprache, zentrale Wahrnehmung und Verarbeitung*
Kumulierte Werte für Kinder der Einschulungsjahrgänge 2010/2011 bis 2014/2015
Zentrale Wahrnehmung und Verarbeitung Befundkombination
(ZWV)
Sprache / ZWV

Sprache
Städte und
Gemeinden

ohne Befund

absolut

in %

Befund ohne Maßnahme (X) oder
Arztüberweisung (A)
absolut

in %

ohne Befund

absolut

in %

Befund ohne MaßBefund ohne Maßnahme und Arztnahme (X) oder
überweisung, (XX,
Arztüberweisung (A)
AA, AX, XA)
gesamt

in %

gesamt

in %

Barsinghausen

792

56,5

326

23,3

906

64,7

369

26,3

114

8,1

Burgdorf

761

53,2

448

31,3

989

69,1

324

22,6

171

11,9

Burgwedel

568

54,7

286

27,5

739

71,1

227

21,8

100

9,6

1.617

55,0

837

28,5

1.885

64,1

884

30,1

386

13,1

Garbsen
Gehrden

445

66,9

135

20,3

465

69,9

168

25,3

47

7,1

12.413

52,5

7.375

31,2

15.244

64,5

7.091

30,0

2.991

12,7

Hemmingen

604

64,5

148

15,8

708

75,6

143

15,3

39

4,2

Isernhagen

693

60,7

277

24,3

850

74,4

222

19,4

81

7,1

Laatzen

921

49,2

567

30,3

1.353

72,3

376

20,1

148

7,9

Langenhagen

1.483

55,6

767

28,8

1.959

73,5

556

20,9

259

9,7

Lehrte

1.094

51,8

616

29,1

1.447

68,4

426

20,2

182

8,6

Neustadt

1.246

57,8

525

24,4

1.347

62,5

683

31,7

215

10,0

Pattensen

473

66,7

106

15,0

515

72,6

121

17,1

29

4,1

Ronnenberg

528

50,5

342

32,7

625

59,8

372

35,6

140

13,4

Seelze

911

60,3

379

25,1

1.042

68,9

382

25,3

156

10,3

Sehnde

721

61,0

266

22,5

843

71,4

239

20,2

97

8,2

Springe

844

63,6

297

22,4

1.094

82,4

165

12,4

59

4,4

Uetze

571

54,5

297

28,4

768

73,4

209

20,0

84

8,0

Wedemark

809

56,1

392

27,2

987

68,5

346

24,0

135

9,4

Wennigsen

463

68,1

102

15,0

578

85,0

52

7,6

12

1,8

1.108

58,7

531

28,1

1.269

67,2

517

27,4

219

11,6

29.065

55,0

15.019

28,4

35.613

67,4

13.872

26,2

5.664

10,7

Hannover

Wunstorf
Region Hannover
Quelle(n):
*

Region Hannover, Team Sozialpädiatrie und Jugendmedizin
Für Erläuterungen zu den Begriffen und Befundkategorien siehe Kapitel 5.3

Seite 111

Sozialbericht 2015

Tabelle 6.1

Soziale Lagen in der Region Hannover

Wohnungslosigkeit und Wohnungsnotfälle
2009

2010

2011

2012

Entwicklung

2013

absolut

in %

Tagesaufenthalte*
Tagesaufenthalte

8

8

8

8

8

0

0,0

96.596

111.619

115.131

125.729

129.207

32.611

33,8

2.822

3.191

3.621

3.822

4.310

1.488

52,7

33,3

31,2

31,4

31,5

32,5

460

49,0

Anteil Männer

65,9

68,8

68,6

68,5

67,5

1.050

56,4

Anteil unter 27 Jahre

11,3

9,6

9,9

9,5

10,3

125

39,1

Anteil 27 bis 59 Jahre

81,1

82,7

81,7

80,4

76,5

1.008

44,0

Anteil 60 Jahre und älter

7,5

7,7

8,4

10,0

12,2

314

147,4

Ø Kontakte pro Person

34

35

32

33

30

-4

-12,4

12.075

13.952

14.391

15.716

16.151

4.076

33,8

353

399

453

478

539

186

52,7

Kontakte insgesamt
Personen gesamt
Anteil Frauen

Ø Kontakte pro Tagesaufenthalt
Ø Personen pro Tagesaufenthalt

Ambulante Hilfe Basisangebot**
Beratungsstellen
Erstkontakte insgesamt
Anteil Frauen
Anteil Männer

3

3

3

3

3

0

0,0

443

566

616

946

1.048

605

136,6

x

x

x

23,7

27,2

61

27,2

x

x

x

76,3

72,8

41

5,7

Anteil unter 25 Jahre

42,9

42,9

36,5

28,8

26,8

91

47,9

Anteil 25 bis 59 Jahre

54,0

54,2

60,6

65,3

70,8

503

210,5

3,2

2,8

2,8

5,9

2,4

11

78,6

Anteil 60 Jahre und älter

Stationäre Hilfe***
Plätze in stationären Einrichtungen

x

300

300

300

300

0

0,0

Aufnahmen gesamt

x

640

832

911

692

52

8,1

Anteil unter 25 Jahre

x

9,2

7,5

9,4

8,7

1

1,7

Anteil 25 bis 59 Jahre

x

83,8

85,6

84,1

84,7

50

9,3

Anteil 60 Jahre und älter

x

7,0

7,0

6,5

6,6

1

2,2

Ø Aufnahmen pro Platz

x

2,1

2,8

3,0

2,3

0,2

8,1

628

767

139

22,1

Ordnungsrechtliche Unterbringungen****
Haushalte

x

x

x

Personen

x

x

x

932

1.055

123

13,2

Anteil Frauen

x

x

x

37,1

35,6

30

8,7

Anteil Männer

x

x

x

62,9

64,4

93

15,9

Quelle(n):

Zentrale Beratungsstelle Niedersachsen (ZBS), Sozialplanung / Fachberatung / Koordination, Regionalvertretung Hannover, Region Hannover, Team 50.06 Besondere soziale
Leistungen, Städte und Gemeinden in der Region Hannover.

*

Daten der 8 Tagesaufenthalte, 7 in Hannover, 1 in Wunstorf. Daten ab 2009 verfügbar.

**

Daten von 3 ambulanten Beratungsstellen, 2 in Hannover 1 in Neustadt, nur ambulantes
Basisangebot ohne sonstige ambulante Hilfe. Daten ab 2004 verfügbar, Angaben zum
Geschlecht jedoch erst ab 2012.

***

Daten von 6 stationären Einrichtungen, alle in Hannover, fast ausschließlich Plätze für
Männer, daher keine Angaben zum Geschlecht. Daten ab 2010 verfügbar.

****

Daten der 21 Städte und Gemeinden, ab 2012 verfügbar.

x

Keine Daten vorhanden

Seite 112

Sozialbericht 2015

Tabelle 6.2

Sozialpsychiatrische
Beratungsstellen*

Soziale Lagen in der Region Hannover

Entwicklung der Patientenzahlen der sozialpsychiatrischen Beratungsstellen
der Region Hannover 2006 bis 2013 und ausgewählte Kennzahlen 2013*
Anzahl der mit Datenblatt C erfassten Patienten/innen** absolut
2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

Entwicklung
2013

absolut

in %

1 Ronnenberg-Empelde

628

602

737

819

984

946

908

928

300

47,8

2 Freytagstraße

550

650

713

738

847

1.031

1.066

1.114

564

102,5

3 Plauener Straße

250

327

381

465

565

616

614

624

374

149,6

4 Deisterstraße

707

860

1.051

1.076

1.204

1.326

1.364

1.391

684

96,7

5 Königstraße

683

841

951

1.008

1.015

1.148

1.236

1.270

587

85,9

7 Burgdorf

561

569

709

674

738

768

776

744

183

32,6

8 Neustadt

727

762

759

815

833

941

991

1.030

303

41,7

9 Laatzen

357

352

533

507

504

654

586

678

321

89,9

10 Langenhagen

547

603

673

768

843

850

819

850

303

55,4

6 MHH-List

unvollständige Daten**

11 MHH-Campus

unvollständige Daten**

Stadtsektoren

2.190

2.678

3.096

3.287

3.631

4.121

4.280

4.399

2.209

100,9

Umlandsektoren

2.820

2.888

3.411

3.583

3.902

4.159

4.080

4.230

1.410

50,0

5.010

5.566

6.507

6.870

7.533

8.280

8.360

8.629

3.619

72,2

Region Hannover

Kennzahlen 2013

Sozialpsychiatrische
Beratungsstellen*

1 Ronnenberg-Empelde

davon
Patien- darunter
unter 65
ten 2013 Männer
Jahre

Patien- Patien- PatienPatienMänner
ten pro ten u. 65 ten ab
ten p.
pro 100
1.000 p. 1.000 65 p.
1.000
PatienArbeitsEinwoh- E. 18 bis 1.000 E.
ten
ner
lose
64 J.
ab 65 J.

928

457

788

140

20,8

6,2

8,5

4,3

49,2

170,7

544

991

123

21,0

10,3

13,4

6,4

48,8

279,3

624

320

556

68

21,3

10,5

15,1

5,5

51,3

187,4

4 Deisterstraße

1.391

759

1.291

100

21,1

12,5

17,4

4,8

54,6

194,7

5 Königstraße

1.270

659

1.158

112

21,1

12,3

15,9

6,8

51,9

202,9

3 Plauener Straße

6 MHH-List

unvollständige Daten**

7 Burgdorf

744

399

628

116

21,7

6,1

8,2

4,7

53,6

193,4

8 Neustadt

1.030

566

909

121

20,8

6,8

9,7

3,6

55,0

207,9

678

361

556

122

19,8

6,3

8,6

4,8

53,2

207,3

850

474

701

149

20,5

6,5

8,7

5,1

55,8

236,6

9 Laatzen
10 Langenhagen
11 MHH-Campus

unvollständige Daten**

Stadtsektoren

4.399

2282

3996

403

21,1

8,3

11,4

4,1

51,9

212,3

Umlandsektoren

4.230

2257

3582

648

20,7

6,4

8,8

4,5

53,4

200,5

8.629

4.539

7.578

1.051

20,9

7,3

10,0

4,3

52,6

206,3

Region Hannover
Quelle(n):

**

Risikoscore

1.114

2 Freytagstraße

*

davon
ab 65
Jahre

Region Hannover, Team Sozialpsychiatrischer Dienst
Der sozialpsychiatrische Dienst ist in insgesamt 11 Beratungsstellen gegliedert. Die Patientendaten werden im internen Berichtssystem nach diesen Beratungsstellen dokumentiert, weshalb hier
keine Daten für einzelne Städte und Gemeinden abgebildet werden können. Die einzelnen Beratungsstellen sind für folgende Städte und Gemeinden bzw. in der Stadt Hannover für folgende
Stadtbezirke und Stadtteile zuständig: BS 1: Badenstedt, Barsinghausen, Gehrden, Ronnenberg,
Seelze, Wennigsen, BS 2: Bemerode-Wülfelrode, Döhren-Wülfel, Südtstadt-Bult, BS 3: Vahrenheide-Bothfeld, BS 4:Ahlem-Davenstedt, Linden-Limmer, Ricklingen, BS 5: HerrenhausenStöcken, Nord, BS 6: Buchholz, Mitte, Vahrenwald-List, BS 7: Burgdorf, Lehrte, Sehnde, Uetze,
BS 8: Garbsen, Neustadt, Wunstorf, BS 9: Hemmingen, Laatzen, Pattensen, Springe, BS 10:
Burgwedel, Isernhagen, Langenhagen, Wedemark, BS 11: Kleefeld, Kirchrode, Misburg-Anderten.
Als „Stadtsektoren“ werden hier die in der Stadt Hannover angesiedelten Beratungsstellen 2, 3, 4,
5, 6 und 11 zusammengefasst, als „Umlandsektoren“ die Beratungsstellen 1, 7, 8, 9 und 10.
Für die Beratungsstellen 6 MHH-List und 11 MHH-Campus liegt bisher keine vollständige Dokumentation der Patientendaten vor.

Seite 113

Sozialbericht 2015

Tabelle 6.3a (siehe 6.3.b)

Soziale Lagen in der Region Hannover

Pflegebedürftige mit Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung und
Empfänger von Hilfe zur Pflege
2001

2003

2005

2007

2009

2011

2013

Entwicklung bis
2013 in %

Bevölkerung
Gesamt
darunter 75 Jahre und älter

1.114.720 1.119.417 1.121.888 1.122.499 1.119.831 1.125.196 1.138.700
88.181

91.519

94.582

2,2

96.198

100.283

108.374

117.353

33,1

Hilfe zur Pflege
gesamt

x

x

x

5.559

5.759

5.896

5.850

5,2

davon ambulant

x

x

x

1.424

1.570

1.551

1.589

11.6

davon stationär

x

x

x

4.135

4.189

4.345

4.261

3,0

Anteil Empfänger HzP an Bev. 75+

x

x

x

5,8

5,7

5,4

5,0

xx

Anteil Empfänger HzP an Pflegebed.

x

x

x

17,9

17,1

16,2

14,9

xx

Pflegebedürftige insgesamt
Gesamt

27.617

27.614

29.191

31.036

33.715

36.364

39.143

41,7

Anteil Pflegegeldempfänger

44,9

42,6

40,9

41,4

40,8

41,2

42,1

xx

Anteil ambulant Pflegebedürftige

20,0

20,9

22,4

23,2

24,0

22,8

23,0

xx

Anteil stationär Pflegebedürftige

35,1

36,5

36,7

35,4

35,2

36,0

34,9

xx

Anteil Pflegestufe I

45,6

47,2

48,7

51,4

54,4

56,2

57,0

xx

Anteil Pflegestufe II

37,4

36,7

36,0

34,7

33,1

31,8

31,2

xx

Anteil Pflegestufe III

16,9

16,1

15,3

13,9

12,5

12,0

11,8

xx

21.085

21.255

22.882

24.172

26.130

27.605

30.130

42,9

Anteil Pflegebed. 75+ an Pflegebed.

76,3

77,0

78,4

77,9

77,5

75,9

77,0

xx

Anteil Pflegebed. 75+ an Bev. 75+

23,9

23,2

24,2

25,1

26,1

25,5

25,7

xx

2,5

2,5

2,6

2,8

3,0

3,2

3,4

xx

Pflegebedürftige 75+

Anteil Pflegebedürftige an Gesamtbev.

Pflegegeldempfänger
Gesamt

15.796

15.145

15.937

16.645

17.927

18.331

20.523

29,9

darunter o. Sachleistungen*

12.409

11.757

11.925

12.842

13.768

14.967

16.468

32,7

Pflegestufe I

8.347

8.126

8.815

9.598

11.004

11.557

13.289

59,2

Pflegestufe II

5.567

5.221

5.363

5.356

5.345

5.247

5.649

1,5

Pflegestufe III

1.882

1.798

1.759

1.691

1.578

1.527

1.585

-15,8

52,8

53,7

55,3

57,7

61,4

63,0

64,8

xx

8.803

8.483

9.129

9.708

10.422

10.601

12.116

37,6

Anteil Pflegestufe I
Pflegegeldempfänger 75+
Quelle(n):

Daten Hilfe zur Pflege Region Hannover, Team 50.08, Daten Pflegebedürftige Niedersächsische Pflegestatistik des LSN und Pflegestatistik Kreisvergleich Statistisches
Bundesamt.

*

Pflegegeldempfänger ohne Sachleistungen werden ausschließlich von ihren Angehörigen betreut und beziehen keine parallelen Leistungen durch ambulante Pflegedienste
oder stationäre Einrichtungen.

x

Keine Daten vorhanden.

xx

Berechnung der Entwicklung in Prozent nicht sinnvoll.

Seite 114

Sozialbericht 2015

Tabelle 6.3b (siehe 6.3.a)

Soziale Lagen in der Region Hannover

Pflegebedürftige mit Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung und
Empfänger von Hilfe zur Pflege
2001

2003

2005

2007

2009

2011

2013

Entwicklung bis
2013 in %

Ambulante Pflegedienste
Ambulante Pflegedienst gesamt
Personal in ambulanten Pflegediensten

113

112

119

137

147

157

171

51,3

2.451

2.800

3.099

3.586

4.130

4.385

4.794

95,6

Vollzeit

739

779

809

978

1.140

1.175

1.226

65,9

Teilzeit

1.173

1.342

1.464

1.711

1.960

2.166

2.359

101,1

geringfügig entlohnte Beschäftigte

382

553

735

814

908

955

1.052

175,4

Anteil Vollzeit

30,2

27,8

26,1

27,3

27,6

26,8

25,6

xx

Ambulant Pflegebedürftige

5.511

5.783

6.543

7.208

8.085

8.307

9.004

63,4

Pflegestufe I

2.685

2.943

3.500

4.121

4.862

5.204

5.681

111,6

Pflegestufe II

2.014

1.998

2.187

2.262

2.396

2.305

2.538

26,0

Pflegestufe III

812

842

856

825

827

798

785

-3,3

Anteil Pflegestufe I

48,7

50,9

53,5

57,2

60,1

62,6

63,1

xx

Pflegebedürftige 75+

4.208

4.407

4.921

5.448

6.130

6.278

6.909

64,2

Pflegeheime gesamt

143

148

153

161

171

199

211

47,6

x

11.103

11.811

12.238

13.347

14.795

15.662

41,1

Stationäre Pflegeheime

verfügbare Plätze gesamt
darunter vollstationäre Pflegeplätze

x

10.880

11.635

12.007

13.039

14.220

14.860

36,6

Personal in Pflegeheimen

7.566

7.824

7.965

8.512

9.190

10.204

10.606

40,2

Vollzeit

3.969

3.915

3.623

3.641

3.820

3.979

3.893

-1,9

Teilzeit

2.310

2.561

2.836

3.193

3.721

4.446

4.677

102,5

788

840

992

1.159

1.161

1.228

1.348

71,1

geringfügig entlohnte Beschäftigte
Anteil Vollzeit

52,5

50,0

45,5

42,8

41,6

39,0

36,7

xx

9.697

10.074

10.723

10.986

11.862

13.090

13.671

41,0

x

9.743

10.317

10.593

11.243

11.969

12.283

26,1

darunter vollstationäre Kurzzeitpflege

x

192

219

146

282

339

392

104,2

darunter teilstationäre Pflege

x

139

187

247

337

782

996

616,5

Pflegestufe I

3.076

3.509

3.764

4.126

4.657

5.481

5.470

77,8

Pflegestufe II

3.992

4.094

4.347

4.437

4.735

5.050

5.205

30,4

Pflegestufe III

2.547

2.327

2.452

2.329

2.301

2.418

2.688

5,5

Stationär Pflegebedürftige gesamt
darunter vollstationäre Dauerpflege

Anteil Pflegestufe I
Pflegebedürftige 75+
Auslastung vollstationäre Pflegeplätze

31,7

34,8

35,1

37,6

39,3

41,9

40,0

xx

8.074

8.365

8.832

9.016

9.578

10.726

11.105

37,5

x

91,3

90,6

89,4

88,4

86,6

85,3

xx

Quelle(n):

Daten Hilfe zur Pflege Region Hannover, Team 50.08, Daten Pflegebedürftige Niedersächsische Pflegestatistik des LSN und Pflegestatistik Kreisvergleich Statistisches
Bundesamt.

*

Pflegegeldempfänger ohne Sachleistungen werden ausschließlich von ihren Angehörigen betreut und beziehen keine parallelen Leistungen durch ambulante Pflegedienste
oder stationäre Einrichtungen.

x

Keine Daten vorhanden.

xx

Berechnung der Entwicklung in Prozent nicht sinnvoll.

Seite 115

Sozialbericht 2015

Tabelle 7.1a
(siehe 7.1.b)

Soziale Lagen in der Region Hannover

Allgemeine Sozialstrukturindikatoren der Sozialstrukturtypologie, zusammengefasste
Daten 2010 bis 2013
Allgemeine Sozialindikatoren Nr. 1 bis 7
Bevölkerungsgruppen
1

Städte und
Gemeinden

2

Haushalte*

3

4

5

6

7

Singlehaushalte*

Familienhaushalte*

Haushalte
Alleinerziehender*

in %

in %

in %

0 bis 17Jährige

18 bis 64Jährige

Ab 65Jährige

Ausländer
und Deutsche mit 2.
Staatsbürgerschaft

in %

in %

in %

in %

Typ

Barsinghausen

1

16,0

60,0

24,0

10,2

34,9

21,4

21,8

Burgdorf

1

16,3

60,7

23,0

10,6

38,8

20,4

21,7

Burgwedel

2

18,1

58,0

24,0

7,2

33,3

24,0

20,9

Garbsen

3

16,5

60,2

23,3

23,4

36,3

21,6

22,4

Gehrden

2

17,2

59,7

23,2

11,0

35,3

23,5

21,2

Hannover

4

15,0

65,6

19,4

26,0

54,1

16,8

27,2

Hemmingen

2

17,3

58,9

23,7

9,6

35,5

22,7

20,7

Isernhagen

2

16,4

59,9

23,7

10,6

34,1

21,8

18,0

Laatzen

3

16,1

60,5

23,4

19,8

38,9

20,7

23,2

Langenhagen

3

17,1

61,4

21,5

17,4

40,6

22,1

21,6

Lehrte

5

17,0

62,5

20,4

10,9

35,6

22,6

21,0

Neustadt

5

17,6

61,1

21,4

10,1

34,4

23,6

19,8

Pattensen

2

17,3

59,4

23,3

7,7

30,7

24,0

17,3

Ronnenberg

3

16,8

62,1

21,1

17,4

37,0

22,0

20,4

Seelze

3

16,8

61,6

21,5

14,8

38,7

21,9

22,6

Sehnde

5

18,1

63,6

18,3

8,3

31,6

26,3

17,2

Springe

1

16,6

58,6

24,8

8,7

35,8

21,6

21,0

Uetze

5

18,7

61,0

20,3

7,7

31,0

25,3

19,4

Wedemark

2

18,0

60,6

21,3

7,6

32,8

24,7

18,0

Wennigsen

2

17,8

59,2

23,0

6,9

31,6

23,3

20,1

Wunstorf

5

17,3

61,7

21,0

11,7

36,4

22,5

20,4

63,0

20,9

18,9

45,1

19,6

23,5

9,9

36,4

21,1

21,5

Region Hannover

16,1

Clustermittelwerte der Sozialstrukturtypen
Sozialstrukturtyp

1

16,3

59,8

23,9

Sozialstrukturtyp

2

17,5

59,5

23,1

8,6

33,4

23,4

19,3

Sozialstrukturtyp

3

16,7

61,0

22,4

19,2

38,3

21,6

22,1

Sozialstrukturtyp

4

15,0

65,6

19,4

26,0

54,1

16,8

27,2

Sozialstrukturtyp

5

17,6

61,9

20,5

10,2

34,5

23,6

19,8

Berechnungsformeln
0 bis 17Jährige /
Gesamtbevölkerung *
100
Quelle(n):
*

18 bis 64Jährige /
Gesamtbevölkerung *
100

Ausländer u.
Haushalte
Ab 65FamilienDeutsche m.
Jährige / 2. Staatsbür- Singlehaus- haushalte / Alleinerziehalte / alle
hender /
Gesamtbe- gerschaft /
alle HaushalFamilienvölkerung * Gesamtbev. Haushalte
te
haushalte
100
*100

Diverse, siehe Ursprungstabellen der jeweiligen Themenbereiche
Daten zu Haushalten liegen für Hannover nur für die Jahre 2012 und 2013 vor, weshalb hier abweichend
für alle Städte und Gemeinden nur für diese beiden Jahre ein Mittelwert gebildet werden konnte

Seite 116

Sozialbericht 2015

Tabelle 7.1b
(siehe 7.1.a)

Soziale Lagen in der Region Hannover

Allgemeine Sozialstrukturindikatoren der Sozialstrukturtypologie, zusammengefasste
Daten 2010 bis 2013
Allgemeine Sozialindikatoren Nr. 8 bis 15
Bevölkerungsdynamik
8

Städte und
Gemeinden

Typ

9

Armut / Einkommen / Wohlstand
10

Bevölkerungsentwicklung
2010 bis
2013

Wanderungsvolumen**

in %

in %

11

12

Gesamtbetrag der
MindestsiArbeitslose Einkünfte
cherungsSGB II / III pro Steuempfänger
erpflichtigem***
in %

in %

in €

Wirtschaft / Struktur
13

14

15

Sozialversicherungs
Wohnflärungsche pro
pflichtig
Kopf**** Beschäftigte am
Arbeitsort
in %

in %

Urbane
Verdichtung

Einw. p. ha

Barsinghausen

1

0,1

9,0

8,0

4,8

31.048

46,1

32,5

3,3

Burgdorf

1

1,6

10,3

8,6

6,1

33.703

46,7

27,0

2,6

Burgwedel

2

-0,5

10,0

5,2

3,3

41.939

48,5

60,6

1,4

Garbsen

3

0,5

10,2

11,2

6,7

29.773

42,2

36,6

7,8

Gehrden

2

1,9

11,9

5,7

4,0

38.148

45,1

33,3

3,4

Hannover

4

2,4

12,6

15,5

8,1

31.397

42,1

80,8

25,4

Hemmingen

2

0,4

11,4

5,6

4,1

40.369

45,8

30,7

6,0

Isernhagen

2

1,7

12,9

4,3

3,5

46.067

50,2

58,1

3,9

Laatzen

3

1,5

11,4

13,2

6,8

29.881

41,8

58,9

11,9

Langenhagen

3

2,3

12,1

10,3

6,4

29.872

42,6

89,9

7,3

Lehrte

5

0,8

9,8

9,6

5,9

30.501

42,8

39,5

3,4

Neustadt

5

-0,4

8,0

7,6

4,7

32.106

43,8

30,6

1,2

Pattensen

2

1,7

9,4

5,3

3,8

37.222

45,8

37,6

2,1

Ronnenberg

3

1,6

12,0

10,2

6,2

31.168

40,9

25,5

6,3

Seelze

3

1,8

11,9

11,2

6,3

29.516

42,6

23,4

6,1

Sehnde

5

1,0

12,1

5,7

3,8

33.243

41,8

32,1

2,3

Springe

1

-1,2

8,7

8,0

6,2

30.409

49,5

33,9

1,8

Uetze

5

-0,1

8,7

7,0

5,2

29.682

46,2

22,8

1,4

Wedemark

2

1,6

9,3

4,5

3,4

41.380

47,2

34,9

1,7

Wennigsen

2

-0,2

9,6

6,1

3,9

36.196

45,5

24,9

2,7

Wunstorf

5

Region Hannover

0,0

9,1

7,2

4,3

32.221

41,7

42,5

3,3

1,5

11,4

11,7

6,6

32.292

43,3

60,0

4,9

Clustermittelwerte der Sozialstrukturtypen
Sozialstrukturtyp

1

0,2

9,3

8,2

5,7

31.699

47,4

31,1

2,5

Sozialstrukturtyp

2

1,0

10,6

5,1

3,7

40.862

47,2

41,2

2,3

Sozialstrukturtyp

3

1,5

11,4

11,2

6,5

29.933

42,1

50,9

7,6

Sozialstrukturtyp

4

2,4

12,6

15,5

8,1

31.397

42,1

80,8

25,4

Sozialstrukturtyp

5

0,2

9,4

7,7

4,8

31.588

43,1

35,0

2,0

Berechnungsformeln
Zu- und
Bev. 2013
Fortzüge /
– Bev.
Gesamtbe2010 / Bev.
völkerung *
2010 * 100
100
Quelle(n):
**
***
****

MindestsiGesamt- sozialvers.
Arbeitslose Gesamtcherungswohnfläche Besch. a. Gesamt/ 15 bis 64- einkünfte /
empfänger
/ Gesamt- A. / 15 bis einwohner
Jährige *
Steuer/ ha
/ Gesamtbevölke- 64-Jährige
100
pflichtige
bev. * 100
rung
* 100

Diverse, siehe Ursprungstabellen der jeweiligen Themenbereiche
Daten zu den Wanderungen liegen für nur für die Jahre 2010 bis 2012 vor, weshalb hier abweichend für
alle Städte und Gemeinden nur für diese drei Jahre ein Mittelwert gebildet werden konnte
Daten zu Einkünften pro Steuerpflichtigem lagen zum Zeitpunkt der Berechnungen nur für 2010 vor.
Daten zur Wohnfläche lagen zum Zeitpunkt der Berechnung nur für 2010 und 2011 vor.

Seite 117

Sozialbericht 2015

8.2

Soziale Lagen in der Region Hannover

Literatur / Quellen

Con_sens (2014), Expertise Langzeitleistungsbezieherinnen und Langzeitleistungsbezieher in der
Region Hannover, Sonderauswertung im Auftrag der Region Hannover
Creditreform Boniversum GmbH (2014), SchuldnerAltlas Deutschland 2014, Neuss
Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement KGSt (2009); Sozialmonitoring, Materialien Nr. 4/2009, Köln
Landesamt für Statistik Niedersachsen (2014), Armutsgefährdung in Niedersachsen im Jahr 2013, in:
Statistische Monatshefte Niedersachsen 12/2014, S. 642ff
Landesamt für Statistik Niedersachsen (2015), Migration und Teilhabe in Niedersachsen – Ergebnisse
aus dem Integrationsmonitoring 2014, Statistische Monatshefte Niedersachsen 1/2015, S. 4ff
Landeshauptstadt Hannover (2013), Die Vielfalt Hannovers, Sozialbericht 2013, soziale Lagen und
soziale Räume
Landeshauptstadt Hannover (2014), Familienmonitoring 2014
Niedersächsisches Institut für Wirtschaftsforschung (2011), Aktuelle Arbeitsmarktsituation und Perspektiven der Gesundheits- und Pflegeberufe in der Region Hannover, Gutachten im Auftrag
der Region Hannover, Hannover
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit, und Gleichstellung (Hrsg.) (2014), Handlungsorientierte Sozialberichterstattung Niedersachsen, Statistikteil, Bericht 2014
Region Hannover (2011), Sozialbericht der Region Hannover, Berichtsjahr 2009
Region Hannover (2014), Bericht über die Förderung von Schuldnerberatungsstellen in der Region
Hannover 2013
Region Hannover (2014), Schuleingangsuntersuchung Band I 2014
Region Hannover (2014), Sozialpsychiatrische Schriften Band 5, Vorwärts nach weit, 15 Jahre Sozialpsychiatrischer Verbund, in der Region Hannover, Sozialpsychiatrischer Plan 2013/2014
Region Hannover (2014), Kindertagesbetreuung im Zuständigkeitsbereich der Region Hannover als
Jugendhilfeträger, Bestandserhebung und Vorausschau über Plätze und deren Inanspruchnahme in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege zum Stichtag 01.10.2013
Region Hannover (2014),Regionales Konzept für die Hilfen nach §§ 67ff. SGB XII. Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten in der Region Hannover. Handlungskonzept und
Projektbericht
Region Hannover, Landeshauptstadt Hannover (2014), Bevölkerungsprognose für die Region Hannover, die Landeshauptstadt Hannover und die Städte und Gemeinden des Umlands 2014 bis
2025/2030, Schriften zur Stadtentwicklung Heft 120
Region Hannover (2015), Rückblick 2014 sowie aktuelle Information der Gemeinsamen Einrichtung
Jobcenter Region Hannover
Zentrale Beratungsstelle Niedersachsen (2014), Statistikbericht, Daten für 2012, Hilfen für Menschen
in besonderen sozialen Schwierigkeiten

Seite 118

Impressum
Region Hannover
Der Regionspräsident
Dezernat für Soziale Infrastruktur
Titelgestaltung:
Team Medienservice & Post
Druck:
Team Medienservice & Post
gedruckt auf 100% Recyclingpapier
Ausgabe:
2015
Weitere Informationen:
Dezernat für Soziale Infrastruktur
Stabsstelle Sozialplanung
Hildesheimer Str. 20
30169 Hannover
Tel.: 0511 616 21039
Fax: 0511 616 22404
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