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Periodical volume

Full text: Berliner Stadtblatt Issue 2013, März

Berliner
BERLIN: DIE DEUTSCHE GRÜNDUNGSMETROPOLE
Berlin ist nicht nur eine Stadt, in der es sich wunderbar leben lässt. Immer mehr Menschen entscheiden sich auch für unsere Stadt, wenn es darum geht, Ideen Wirk lich keit werden zu lassen. Insbesondere gilt das bei Unternehmensgründungen. In keinem Bundesland gehen mehr Menschen den Schritt in die Selbständigkeit. Seit Jahren ist Berlin die deutsche Gründerhauptstadt! Und das nicht ohne Grund. Wie kaum eine andere Stadt steht Berlin für kreatives und innovatives Denken und Arbeiten. Menschen aus aller Welt prägen ein internationales Flair. Das ist eine der wichtigen Voraussetzungen, warum sich Berlin neben dem Silicon Valley gerade zu einem führenden Anziehungspunkt für Internet-Start-Ups entwickelt. Junge Kreative ziehen innerhalb kurzer Zeit mittelständische Unternehmen hoch und schaffen in unserer Stadt Tausende Arbeitsplätze. Das ist eine großartige Chance für Berlin – und wir werden sie nutzen. Ihr Klaus Wowereit

G- L I I Z - RE H WE L T T T L NTB U Z C H A R S OE G E

LDE S NM O R F D O R F

Stadtblatt
W I S S E N S W E R T E S AU S B E R L I N U N D D E M B E Z I R K S T E G L I T Z -Z E H L E N D O R F ·

PREISRÄTSEL
Zu gewinnen: 10 Jahreskarten für die Humboldt-Box.
Seite 6

A U S G A B E M Ä R Z 2 013

Sie sind Berlinerinnen – hier geboren oder zugezogen. Sie wohnen in verschiedenen Kiezen, gehen noch zur Schule, jeden Tag zur Arbeit oder engagieren sich ehrenamtlich. So verschieden sie sind, eines wollen sie alle - die gleichen Chancen und Herausforderungen wie ihre Brüder und Männer. Foto: AKP

Die Zeit der Frauen
Gute Ausbildung, verantwortungsvolle Jobs - aber noch immer weniger Gehalt. Die Gleichstellung hat lange Zeit gebraucht. Und noch ist einiges zu tun.
Es ist die Zeit der Frauen. Sie haben eine hervorragende Ausbildung, behaupten sich in schwierigen Jobs, wagen mit eigenen Unternehmen den Sprung in die Selbstständigkeit. Gleichstellung ist für viele Frauen kein Thema mehr. Aber in der Praxis hakt es immer noch an vielen Stellen. Bei der Bezahlung, beim Aufstieg in die letzte entscheidende Position in der Firma oder bei der sozialen Sicherheit im Alter. Vieles ist mühselig erkämpft worden. Erst im Mai 1908 durften Frauen in eine Parteien eintreten, zehn Jahre später setzten sie ihr Wahlrecht durch. Und noch bis 1977 schrieb das Bürgerliche Gesetzbuch Ehefrauen vor, ihren Mann vor einer Berufstätigkeit um Erlaubnis zu fragen. Heute sind Frauen im Berufsleben unverzichtbar. Und sie haben bei der Ausbildung die Nase vorn. Der Anteil junger Frauen auf den Berliner Gymnasien liegt bei 54 %. Von den Schulabgängerinnen des Jahrgangs 2009/10 haben 49 % die Hochschulreife erworben, bei den Männern nur 39 %. Bei den Einkommen macht sich das noch nicht bemerkbar. 2010 verdienten Frauen durchschnittlich 2.441 EUR im Monat und lagen damit um knapp 23 % unter den Verdiensten der Männer mit 3.163 EUR, so der Genderbericht der Senatsverwaltung für Frauen. Auf Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen bei gleicher Tätigkeit macht jedes Jahr der „Equal Pay Day“ aufmerksam. Was Männer 2012 als Jahreseinkommen verdienten, haben Frauen erst am 21. März 2013 erreicht. Ihre Lohnlücke: ganze 22 %. Frauenverbände, Gewerkschaften und SPD rufen deshalb am 21. März von 12 bis 14 Uhr wieder zu einer Aktion am Brandenburger Tor auf. Im Fokus stehen dabei die Gesundheitsfachberufe. Hier sind rund 80 % der Beschäftigten weiblich, die Bezahlung ist angesichts der wachsenden Bedeutung des Bereichs viel zu niedrig. So fordern etwa die Gesundheitspolitiker in der Berliner SPD eine „dauerhafte Anhebung der Ausbildungsvergütungen und der Gehälter der Pflegenden um 30 %“. Auch in den Spitzenpositionen der Unternehmen muss sich mehr bewegen. „Ich finde es sehr schade, dass Qualifikation und Leistung allein bei Frauen oft nicht ausreichen, um in Führungspositionen zu gelangen“, sagt Berlins Frauen- und Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD). „Deshalb bin ich davon überzeugt, dass wir eine gesetzliche Quote brauchen.“ Mehr zum Thema auf S. 3

IN DIESER AUSGABE

UTE MACHT’S

Ute Finckh-Krämer tritt als SPD-Kandidatin in SteglitzZehlendorf für die Bundestagswahl am 22. September an. Seite 7

GUTE ARBEIT

Ein dichtes Infonetz hilft in Berlin, wenn es um Arbeit für Frauen geht. Seite 8

BERLIN IM AUFSTIEG

Der SPD-Vorsitzende Jan Stöß über das Zukunftskonzept seiner Partei Seite 2

ENDLICH FRÜHLING

Im Überblick: Ausflugstipps, Ausstellungen und Konzerte rund um Berlin Seite 5

VORSICHT POLLEN

So halten Sie Allergien im Zaum. Seite 6

Politladen für alle
In der Thermometersiedlung geht neuerdings Politik über den Ladentisch
Seit Dezember des vergangenen Jahres praktiziert eine engagierte Gruppe von Berliner Mandatsträgern eine neue Form der überparteilichen Zusammenarbeit aller Fraktionen der BVV SteglitzZehlendorf. Mandatsträgerin Irene Köhne (SPD) berichtet über die ersten Wochen im sogenannten Politladen: „Als eine der Initiatoren freue ich mich sehr, dass das Projekt, das bisher nur hinter den Kulissen gelaufen ist, nun endlich Gestalt angenommen hat!“ Immer freitags von 12 bis 16 Uhr lädt die SPD SteglitzZehlendorf zur Bürgersprechstunde ein. Auch die Sprechstunden der verbraucherpolitischen Sprecherin der SPD-Abgeordnetenhausfraktion Irene Köhne finden dort jetzt alle vier bis fünf Wochen regelmäßig freitags statt. Ebenso werden die jeweiligen Mandatsträger aus Bezirk, Kreis und Land für die Bürger da sein. Die Adresse: Celsiusstr. 62, 12207 Berlin (Thermometersiedlung).
Fortsetzung auf Seite 7.

Stolpern statt vergessen
Stolpersteine auf unseren Gehwegen erinnern an die Schicksale verfolgter und ermordeter Hausbewohner
Drakestraße, LichterfeldeWest: Hier an der Ecke Curtiusstraße, gegenüber dem Gardeschützenweg, bemerken die wenigsten Passanten die sieben kleinen Messingtafeln, die vor dem Haus Drakestraße 47 in den Fußweg eingelassen sind. Diese kleinen Messingtafeln sind „Stolpersteine“. Sie sollen an die Menschen erinnern, die früher in diesem Haus gewohnt haben, bevor sie 1944 in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten in Theresienstadt und Auschwitz ermorSara Michaelis. Wir finden diese „Stolpersteine“ der Erinnerung vor zahlreichen Häusern in Lichterfelde-West, so zum Beispiel auch vor den Häusern Baseler Straße 11-13 und 27. Seit 1996 wurden diese „Stolpersteine“ durch den Kölner Bildhauer Gunter Demnig in über 700 Städten und Gemeinden im In- und Ausland in die Pflaster von Fußwegen vor Häusern eingelassen, um an die Bewohner zu erinnern, die dem Terror der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen sind. Jörg Hennerkes

ZAHL DES MONATS

11.500

Wohnungen müssen bis 2020 jährlich neu gebaut werden, um den gestiegenen Bedarf in der Hauptstadt zu decken. Nach Prognosen des Berliner Senats wächst die Stadt bis 2030 um rund 250.000 Menschen. Das entspricht einem kompletten Bezirk.

ZITAT DES MONATS
»Es gibt den wunderbaren Spruch von Karl Valentin: ‚Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit!‘. Ich glaube, dasselbe gilt auch für die Politik.« Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, im Interview mit hr2-kultur zu seinem 75. Geburtstag.

Stolpersteine erinnern.

det wurden. Ihre Namen: Erna und Kurt Friedländer, Marlene und Hans Kaplan, Dr. Arthur Arnstein, Frank Cohn und

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MEINUNG

Berliner!Stadtblatt

GUT FÜR BERLIN

So gesehen ...

Es klingt nur ähnlich
Ein Mindestlohn ist mehr als eine Lohnuntergrenze oder: Was wirklich hinter den beiden Begriffen steckt
In kaum einem Punkt sind die Deutschen so einig wie beim Mindestlohn: In Umfragen unterstützen rund achtzig Prozent der Befragten seine Einführung. Seit der Bundesrat am 1. März einem flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro zugestimmt hat, wächst der Druck auf die Bundesregierung. Schwarz-Gelb reagiert darauf – mit Begriffsverwirrung und angekündigter Verweigerung. Der Bundesrat, in dem seit der NiedersachsenWahl die rot-grün geführten Bundesländer eine Mehrheit haben, will mit seinem Gesetzentwurf eigentlich eine Selbstverständlichkeit regeln: Wer eine Vollzeitstelle hat, soll von seinem Verdienst leKarikatur: Erich Rauschenbach

In 20 der 22 in 1993 beschlossenen Berliner Sanierungsgebiete sind die Arbeiten nun abgeschlossen. Im Februar wurde der Kiez um den Teutoburger Platz im Prenzlauer Berg aus dem Programm entlassen. Insgesamt sind fast zwei Milliarden Euro in die Sanierung der Quartiere geflossen. Gerade im Ostteil der Stadt hatte es hohen Modernisierungsbedarf gegeben. Ein neuer Sanierungsplan sei bereits aufgelegt, hier stünden vermehrt Quartiere im Westteil auf der Liste, so Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD).

SANIERUNGEN

MEHR UMSATZ

Der Berliner Zughersteller Stadler konnte seinen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr um 47,6 % steigern. Das Unternehmen beschäftigt ungefähr 1.300 Mitarbeiter in Berlin und Umgebung. Neben der Ostdeutschen Eisenbahn gehört mittlerweile auch die BVG zu den Kunden des Zugbauers. 2015 soll die erste Stadler-U-Bahn getestet werden.

ben können, ohne dass der Lohn noch vom Jobcenter aufgestockt werden muss. Aufstocker sind mit rund einem Drittel heute die größte Gruppe der HartzIV-Empfänger. Kein Wunder: In den ostdeutschen Ländern liegt der durchschnittliche Stundenlohn geringfügig Beschäft igter unter 6,50 Euro, in Sachsen gibt es auch mal 3,82 Euro pro Stunde – der Lohn einer dort arbeitenden Friseurin. Ohne Mindestlohn reichen aber auch die Einzahlungen in die Rentenkasse nicht – schon heute ist damit Altersarmut programmiert. Ein Mindestlohn zieht so etwas wie eine Untergrenze ein, unter die Löhne nicht fallen dürfen – in jedem Bundesland, für jede Berufssparte und gesetzlich.

Hinter den „Lohnuntergrenzen“, wie sie SchwarzGelb unter großem Gezerre nun zugestehen will, verbirgt sich jedoch etwas anderes. Sie sollen nur für Branchen gelten, in denen es bislang keine Tarifverträge mit entsprechenden Regelungen gibt. Das würde tariflich Beschäft igte mit niedrigeren Löhnen ausschließen, genauso wie Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter. Statt einer klaren und eindeutigen Regelung mit einem einklagbaren Recht für alle entstünde ein Dickicht von unterschiedlichen Vereinbarungen. Auch wenn die Begriffe ähnlich klingen: Nur wo Mindestlohn drauf steht, ist auch Mindestlohn drin. U. H.

MEIN BLICK AUF BERLIN

STIMMEN ZUM AUFSTIEG
I Dr. Peter Neher, Caritas-

Berlin Stadt des Aufstiegs. Für Alle.
Von Jan Stöß, Landesvorsitzender der Berliner SPD
Berlin steigt auf. Unsere Stadt ist schon lange Anziehungspunkt für Menschen aus allen Ecken der Welt, die unsere Stadt für ihre Kultur, ihre Vielfalt und ihre fast unendlichen Möglichkeiten schätzen. Darum kommen jedes Jahr Millionen von Menschen nach Berlin, viele auch um zu bleiben. Der Tourismus hat sich in den letzten Jahren zum Wirtschaftsmotor unserer Stadt entwickelt. Aber auch als Wirtschaftsstandort wird Berlin immer attraktiver. Vor allem junge Unternehmerinnen und Unternehmer gründen hier eigene Firmen und nutzen die Nähe zu Forschung und Kultur. Berlin ist attraktiv. Berlin zieht an. Viele Menschen mit guten Qualifikationen können die neuen Chancen nutzen, die unsere Stadt ihnen bietet, zu viele aber leider noch nicht. Auch diese negativen Seiten des Aufstieges können wir jeden Tag beobachten. Wir sehen z.B., dass Bewohnerinnen und Bewohner aus ihren Kiezen verdrängt werden, weil ihre niedrigeren Einkommen mit der Mietpreisentwicklung nicht Schritt halten können. Die Berliner SPD wird dafür kämpfen, dass unser Berlin nicht Stadt des Aufstieges nur für einige, sondern Stadt des Aufstieges für alle wird. Aufstieg für alle schaffen wir vor allem durch gute und gebührenfreie Bildung von der Kita bis zur Hochschule, durch eine moderne Arbeitsmarktpolitik, die niemanden abschreibt, und durch eine Wirtschaftspolitik, die dafür sorgt, dass weiter gute Arbeit zu fairen Löhnen in unsere Stadt kommt. Und wir wollen, dass es bezahlbaren Wohnraum in allen Teilen Berlins gibt. Darum haben Klaus Wowereit, Raed Saleh und ich das Papier „Berlin – Stadt des Aufstieges“ verfasst. Gerade im Bundestagswahljahr müssen wir deutlich machen: Es macht einen Unterschied wer regiert und wer nicht! Wir wollen dieses Jahr nutzen, um die Positionen der Berliner SPD auch im Bund deutlich zu machen, damit nicht nur in unserer Stadt sondern im ganzen Land gilt: Aufstieg für alle.

NEUE LEHRKRÄFTE

Berlin stellt in diesem Jahr 400 neue Lehrer ein. 375 der 400 Lehrkräfte hätten ihren Arbeitsvertrag bereits unterschrieben, so Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Damit beträgt die Personalausstattung in den Schulen 101 %. Bis spätestens Mai 2013 sollen die Plätze besetzt werden.

SCHLECHT FÜR BERLIN
Immer mehr Haushalte in Berlin klagen über steigende Stromkosten. Daran ist u. a. die einseitige Belastung privater Haushalte schuld. Denn die knapp 3.000 energieintensiven Unternehmen werden durch die Bundesregierung von der Erneuer bare-Energie-Umlage befreit. Damit wird die Energiewende fast komplett auf die privaten Stromverbraucher umgewälzt. Menschen mit niedrigen Einkommen sind besonders betroffen, denn sie müssen prozentual am meisten zahlen.

STROMKOSTEN

Jan Stöß

Wo graste das Pferd?
Lebensmittel-Skandale: Der Betrug ist zu einfach. Und wäre zu verhindern gewesen.
Verbraucher haben es nicht leicht. Denn das, was sie verbrauchen, wollten sie häufig gar nicht haben. Ob falsch etikettierte Eier oder beigemischtes Pferdefleisch – man muss nicht mehr ins Dschungelcamp fahren, um das Essen zur Mutprobe werden zu lassen. Und dann mussten die arglosen Käuferinnen und Käufer auch noch mit Vorwürfen leben. Sie selbst seien schuld an solchen Entwicklungen mit ihrer „Geiz ist geil“-Mentalität, so erste Reaktionen nach dem Pferdefleisch-Skandal. Bei Lasagne für 1,49 Euro müsste doch jede und jeder wissen, dass es nicht mit rechten Dingen zugehe. Nein, muss man nicht. Und der Bio-Eier-Skandal beweist ja das Gegenteil. Da gaben viele Menschen eigens etwas mehr Geld aus, um Hühnern eine qualvolle Haltung zu ersparen. Und dann zeigen die Bilder aus den Ställen doch wieder erbarmungswürdige Zustände mit gerupften Hennen. Ein höherer Preis kann auch einfach nur die Gewinnspanne der Betrüger erhöhen. Betrug und Kriminalität, auch im besonders sensiblen Bereich der Lebensmittel, lassen sich nirgendwo hundertprozentig vermeiden, sagt die Lebenserfahrung. Aber leicht gemacht werden darf es Betrügern auch nicht. 2011 scheiterten die Sozialdemokraten im Europäischen Parlament mit ihrem Plan, eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für verarbeitetes Fleisch und eine elektronische Kennzeichnung von Rindern durchzusetzen. Die konservative Mehrheit fand das, was sie heute selbst fordert, unpraktikabel. Dann aber wäre die Herkunft des Fleisches schon jetzt im Detail nachvollziehbar gewesen. Oder wie es die Berliner Europaabgeordnete Dagmar Roth-Behrendt (SPD) formuliert: „Bei der falschen Kennzeichnung von Pferdefleisch als Rindfleisch hätte man mit nur einem Computerklick feststellen können, dass die Kuh mitnichten zerteilt in Frankreich in der Fabrik liegt, sondern stattdessen lebendig und wohlgemut auf einer Wiese in Deutschland, Irland oder woanders grast.“ Verbraucher wollen und müssen sich auf die Herstellerangaben verlassen können, die ohnehin schon zu oft im Kleingedruckten der Etiketten versteckt sind. Danach entscheiden dann Geschmack und der Geldbeutel. Das bedeutet mehr Kontrollen der staatlichen Aufsichtsämter, auch dann, wenn noch kein Skandal entdeckt ist, und eine regelmäßige Veröffentlichung der Ergebnisse. Und das geht nicht mit „weniger Staat“, wie es manche Partei noch immer propagiert. U.H.

Präsident: »Jeder Mensch hat Talente und Fähigkeiten. Befähigung heißt, Kindergärten, Schulen und auch Sozialsysteme so zu gestalten, dass sie Menschen stärken. Die Gesellschaft muss früh bei Kindern und Jugendlichen den Grundstein für die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs legen.« I Wolfgang Stadler, Bundesvorsitzender der AWO: »Das Netz von Institutionen, die Familien, Kindern und Jugendlichen beratend und unterstützend zur Seite stehen, muss so dicht werden, dass jede Familie, die Hilfe benötigt, diese auch bekommt. Dafür muss die Zahl der pädagogischen Fachkräfte entsprechend erhöht werden. Jeder Euro, der in Kinder investiert wird, muss als Investition in die Zukunft verstanden werden.« I Sigmar Gabriel, SPD-Vorsitzender: »Aufstieg durch Bildung und Arbeit: Das war und ist das Kernversprechen der Sozialdemokratie.«

IMPRESSUM
Herausgeber: SPD Landesverband Berlin, Müllerstr. 163, 13353 Berlin Chefredakteur: Mark Rackles (V.i.S.d.P.) Redaktion: Ulrich Horb (CvD), Gunter Lange, Ulrich Rosenbaum, Josephine Steffen Bezirksredaktion: Ulrike Dehmel, Heiko Hanschke (Mitte), Burkhard Hawemann, Kai Doering (FriedrichshainKreuzberg), Martina Krahl, Lucas Koppehl (Pankow), Robert Drewnicki (Charlottenburg-Wilmersdorf), Helene Sommer, Susanne Finsel (Spandau), Hans Kegel (Tempelhof-Schöneberg), Lisa Maren Bürger (Steglitz-Zehlendorf), Heinz StapfFiné, Frank Folger (Neukölln), Ralf Thies (Treptow-Köpenick), Enrico Stoelzel (Marzahn-Hellersdorf), Christian Paulus (Lichtenberg) Anschrift: Berliner Stadtblatt, Müllerstr. 163, 13353 Berlin, info@berlinerstadtblatt.de, berliner-stadtblatt.de Grund-Lay-out: Projektdesign Berlin Gestaltung: koko-berlin.de Anzeigen: Berliner vorwärts Verlagsgesellschaft mbH, anzeigen@vorwaerts.de Druck: Henke Pressedruck GmbH & Co. KG Auflage: 360.000 Exemplare

ASBEST

In rund 48.000 der 280.000 landeseigenen Wohnungen befindet sich Asbest im Fußboden der Wohnungen. Gesundheitsgefahr gehe davon nicht aus, erklärte der Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen. Der Stoff sei sicher gebunden und damit ungefährlich. Bei Schäden sollte die Hausverwaltung benachrichtig werden.

Berliner!Stadtblatt

THEMA

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Drei Berlinerinnen: Ihre Ideen und ihre Projekte
44.267 Neugründungen gab es 2011 in Berlin. Berlin ist zur Hauptstadt der Start-ups geworden. Und immer mehr Frauen setzen ihre Ideen um.
ULRIKE PIECHA
„Berlin ist toll für junge Leute“ Ulrike Piecha ist erfolgreiche GastronomieGründerin. Das Kulinarische Kino war auch dieses Jahr fester Bestandteil der Berlinale. Wer im Spiegelzelt neben dem Abgeordnetenhaus hinter den rian“ in Düsseldorf, eröffnete in Brasilien ein Bistro, doch das reichte ihr nicht. Sie studierte in Pollenzo bei Turin an der Slow-Food-Universität, die eng mit Berlinale-Chef Dieter Kosslick kooperiert. So kam sie nach Berlin, kaufte in der Kreuzberger Marheinike-Halle das „Bio-Buffet“. Den Erfolg kann man jeden Tag sehen: Konditorin, und demnächst wollen die beiden auch noch den besten Kuchen von Berlin anbieten. U.R.

NIKE MARQUARDT
Eine Chance für neue Ideen. Nike Marquardt startet das Magazin „S T I L L“. Auflagen sinken, vielen Zeitschriften droht die Einstellung. Nike Marquardt, 28, setzt dennoch auf ein neues gedrucktes Magazin, das dieser Tage erscheint. „S T I L L“ vereint junge Fotografie und Literatur. „Eine Kombination, die es so bisher nicht gab“, ist die Berlinerin überzeugt. Sie hat Politologie studiert, war in der Politikberatung tätig, seit einem Jahr ist sie PR-Beraterin in einer Agentur. Abends ist sie unterwegs in der Berliner Szene, hat viele kreative Köpfe kennengelernt. Mit ihnen und einem Mitherausge-

JOSEFINE STAATS
Einen Traum verwirklicht. Josefine Staats sorgt für 100 % Kokosnuss. Selbstverständlich hat sie wieder einen Stand beim Karneval der Kulturen. Aber ihre Produkte haben auch in den Regalen kleiner Bioläden, der BioCompany, der LPG oder der Galeria Kaufhof Einzug gehalten. Überall sorgt Josefine Staats (38) für „100 % Kokosnuss“. Angefangen hatte es 2007 mit einer Pina Colada direkt aus der grünen Kokosnuss am Strand von Thailand. Von da an wollte Josefine Staats hochwertige Kokosnussprodukte nach Deutschland bringen. Ein Jahr später gründete sie in Berlin „wirklich am Küchentisch“ ihre Firma Kulau. Geld lieh sie sich von Freunden, von der Familie. Ein mutiger Schritt: In der Lebensmittelbranche war sie noch fremd, studiert hatte sie Wirtschaft. In Brüssel

Vorhang zur Küche schaute, sah, wie hier eine junge Frau Regie führte: Ulrike Piecha, 33, alleinerziehende Mutter, aufgewachsen auf Rügen. Sie machte dort Abitur, doch ihr Traumberuf war Köchin. Sie ging nach Frankreich, machte dann eine Lehre im Sterne-Restaurant „Victo-

Die Gäste stehen Schlange nach dem Bio-Hamburger. „Berlin ist toll für junge Leute“, sagt Ulrike Piecha. „Hier kann man alles ausprobieren. Und die Kiezstruktur sorgt zugleich für KleinstadtWärme.“ Inzwischen ist ihre jüngere Schwester dazu gestoßen, eine ausgebildete

hatte sie zuletzt Firmen bei EU-Förderanträgen beraten. In Berlin fand sie 2008 ideale Bedingungen für den Firmenstart, in Asien suchte sie Produzenten, die BioQualität garantieren konnten. Heute bietet sie frische grüne Kokosnüsse, Kokosnusswasser und -öl an, sowie Kokosblütenzucker in drei Geschmacksrichtungen. Verkaufsschlager ist Kokoswasser. „Das einzige natürliche isotonische Getränk“, so die Firmengründerin. U.H.

ber macht sie nun ihr Magazin „für die stillen Kunstformen, die nur auf dem Papier leben“. Auf der Internetplattform „startnext.de“ hat sie das Projekt vorgestellt und Geld für die Erstausgabe gesammelt. Freunde wurden mobilisiert, neue Interessenten gewonnen. „Crowdfunding“ heißt das, Unterstützer sind mit Minibeträgen ab 9 Euro dabei. Die mehr als 3.100 Euro reichten für den Druck der ersten tausend Hefte. In Berlin, sagt Nike Marquardt, gibt es mehr Konkurrenz, aber auch mehr Chancen, Ideen umzusetzen. Jetzt geht es an die zweite Ausgabe. Noch bleibt die Arbeit unbezahlt. Vielleicht nicht mehr lange. U.H.

Von Familienernährern und Gleichstellungsbremsen
Frauen sind immer noch im Nachteil, wenn es um gleiche Startchancen, Gehälter und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht.
Das Ziel „absolute Gleichstellung“ scheint noch in weiter Ferne. Eine Zustandsbeschreibung. Frauen in Vorständen von Dax-Unternehmen? So gut wie Fehlanzeige: Unter zehn Prozent liegt ihr Anteil. Und Vorstandsvorsitzende gibt es keine einzige. Das hat die Debatte um Quoten in Wirtschaftsunternehmen verstärkt. Zwar haben die Mütter des Grundgesetzes einen Artikel 3 (2) durchgesetzt, der besagt: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Rechtlich scheint die Gleichheit also gesichert, doch der Teufel steckt im Detail und heißt zum Beispiel Aktiengesetz. Die SPD schlägt hier eine konkrete Änderung vor, die Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von über 15 MitarbeiterInnen verpflichtet, eine Frauenquote in den Führungspositionen von zunächst 20 und später 40 Prozent zu garantieren. Das Gesetz wurde von der schwarz-gelben Bundesregierung abgelehnt. Gerade in der Frauenpolitik werden die Konflikte entwickelt. Die Möglichkeit der geringfügigen Beschäftigung war vormals vor allem für Studierende, Rentner und im geringen Maße für hinzuverdienende Ehefrauen gedacht. Heute sind Niedriglöhne ein Massenphänomen, das zu dem auch noch weiblich geprägt ist. Damit werden althergebrachte Rollenmodelle wie der „Familienernährer Mann“ zementiert und die Grundbausteine für Altersarmut und Einkommensunterschiede gelegt. Zudem: Niedriglöhne hinterlassen nicht nur leere Konten bei Frauen, sie schwächen auch insgesamt die sozialen Sicherungssysteme und verursachen Kosten für die Allgemeinheit. Aus diesem Grund fordern die Oppositionsparteien im Deutschen Bundestag, allen voran die SPD, die Umwandlung von gering bezahlten Minijobs und Teilzeitarbeit in reguläre Arbeitsverhältnisse. Die sichernde Sozialversicherung soll ab dem 1. Euro Gehalt eingeführt und Erleichterungen im Steuer- und Sozialversicherungsrecht für Geringverdienende ermöglicht werden. JoS

FAKTEN ZUR GLEICHSTELLUNG
DAX notierten Unternehmen 15 weiblich. Das entspricht einem Anteil von 8 %. Kein einziges Unternehmen hat eine weibliche Vorstandsvorsitzende. I Mehr als die Hälfte aller Hochschulabsolventen ist weiblich. I Im Schnitt verdienen Frauen in Deutschland 22 % weniger als Männer. Das bedeutet: Für ein gleich hohes Jahreseinkommen müssen Frauen 14,5 Monate lang arbeiten. Oder anders gesagt: Frauen arbeiten von Januar bis Mitte März unentgeltlich. I Selbst bei gleichwertigen Bildungsabschlüssen werden Frauen zwischen 8 und 13 % schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. I 2011 waren 79,1 % aller Teilzeitbeschäftigten weiblich. Insbesondere in Westdeutschland ist diese Form weitverbreitet, mit schwerwiegenden Folgen: 2011 erhielten Männer im Westen durchschnittlich 868 Euro Rente, Frauen dagegen nur 484 Euro, also fast 50 % weniger.
I 2013 waren von ca. 180 Vorstandsmitgliedern aller im

Gleichstellung kommt nicht von allein: Frauen engagieren sich für ihre Rechte.

Foto: Horb

zwischen Regierung und Opposition deutlich. Statt eines 1,2 Milliarden Euro teuren Betreuungsgeldes als Ersatzleistung für notwendige Kitaplätze, setzen die SPD-geführten Bundesländer weiter konsequent auf den Kitaausbau. Berlin liegt da mit einer Quote von 93 Prozent bei den 3- bis 6-Jährigen deutlich an der Spitze. Um 20.000 Kitaplätze wird

die Berliner KindergartenLandschaft bis Ende 2015 erweitert, so Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Aktiengesetz und Kitaplatzausbau sind Stellschrauben, die Chancengleichheit zwischen Frauen und Männer ermöglichen können. Sind mehr Frauen sichtbar in Spitzenfunktionen, erhöht dies die Motivation junger Frauen, eigene Karrierewege zu ge-

hen. Haben Frauen die Möglichkeit, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, verringert sich deutlich das Risiko von Altersarmut. Denn: Wer durch lange Erziehungszeiten im Job aussetzen muss, kann nur in geringem Maße für die Rente vorsorgen. Mit den Jahren haben sich früher sinnvolle Instrumente zu Gleichstellungsbremsen

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BERLIN AKTUELL

Berliner !"#$"%&#""

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Die Ausstellung „Zerstörte Vielfalt“ zeigt Menschen, Lebenswege und Stadtgeschichte
Die Verluste werden sichtbar. Auf großen Säulen sind in einer Ausstellung am Lustgarten Bilder und Lebensläufe zu finden. Sie zeigen Künstlerinnen und Künstler, Männer und a Frauen aus Wissenschaft und Politik, die die Stadt bereichert haben. Sie hätten noch viel für sie geleistet, wenn sie nicht von den Nazis verfolgt und unterdrückt, ins Exil gezwungen oder ermordet worden wät ren. Unter ihnen auch Albert Einstein, Claire Waldoff oder Bertolt Brecht. Achtzig Jahre nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten und 75 Jahre nach den Novemberpogromen wird in Berlin mit Ausstellungen und Veranstaltungen an die Zeit zwischen 1933 und 1945 erinnert und zugleich ein Blick nach vorn geworfen. Für Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit heißt lung, die nach einer Station am Brandenburger Tor mit ihren bald 200 Lebensläufen jetzt am Lustgarten zu sehen ist, gibt es viele weitere Ausstellungen. 40 der stadtweiten Projekte zum Themenjahr zeigt das Deutsche Historische Museum bis zum 10. November in einem Überblick. Am Wittenbergplatz, dem Tempelhofer Feld oder am Potsdamer Platz sind Stadtmarkierungen zu finden, die an die dortigen Ereignisse erinnern, an die Enteignungen und Verfolgungen, an die Zerstörung der Vielfalt, die Berlin einst ausgemacht hat und heute wieder ausmacht. Konzerte, öffentliche Führungen und viele bezirkliche Aktivitäten sind zu entdecken. Alle Informationen und Termine gibt es übersichtlich auf einer Themenseite im Internet: U.H. www.berlin.de/2013.

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Der Tag, der ihn unvergessen machte, ist der 23. März 1933. In der letzten freien Reichstagsrede wendet sich der SPDFraktionsvorsitzende Otto Wels gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten. Die kommunistischen Abgeordneten sind bereits verhaftet, viele SPD-Abgeordnete wurden massiv bedroht, SA-Leute sind im Saal. Dennoch stimmen die SPD-Abgeordneten mit Wels gegen das Gesetz, das den Nazis freie Hand für ihre Diktatur gibt. „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“, sagt Wels. Der in Friedrichshagen lebende Sozialdemokrat wird im August 1933 ausgebürgert. In Prag baut er die Exilorganisation der SPD auf, 1938 stirbt er in Paris.

Die Ausstellung mit Porträtsäulen ist jetzt am Lustgarten zu sehen.

Foto: Horb

die Lehre: „Weltoffenheit, Vielfalt und Toleranz sind Werte, um die wir uns gemeinsam und jeder in seinem persönlichen Umfeld bewusst küm-

mern müssen, das ist eine unserer Kernbotschaften des Themenjahres.“ Und dafür haben sich mehr als 120 Einrichtungen, darunter Museen, Vereine,

Verbände, Stiftungen, Unternehmen, Galerien, Gedenk-, Dokumentations- und Erinnerungsstätten, zusammengetan. Neben der Porträtausstel-

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Entgegen dem Bundestrend setzt sich in Berlin der Rückgang der Arbeitslosigkeit fort. So waren im Februar in Berlin 217.507 Arbeitslose gemeldet, 1.564 weniger als im Vormonat und 10.630 weniger als vor einem Jahr. Gleichzeitg wächst die Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse in der Stadt. Im Jahr 2012 entstanden 34.500 neue Arbeitsplätze, eine Steigerung von 2,9 Prozent. Der bundesdeutsche Durchschnitt lag nur bei 1,2 Prozent. Arbeitssenatorin Dilek Kolat sieht darin eine Bestätigung der aktuellen Arbeitsmarktpolitik. Ihr gehe es aber auch um faire und gesunde Arbeitsbedingungen und eine existenzsichernde Entlohnung, sagte sie. Es können nicht sein, dass „Menschen, obwohl sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen, auf aufstockende Leistungen der Jobcenter angewiesen sind, weil ihr Einkommen nicht ausreicht“.

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Experten fordern mehr Wohnungsbau und ein sozialeres Mietrecht
Familie Faber* muss ihrem geliebten Prenzlauer Berg bald den Rücken kehren. Vor 15 Jahren waren Maren und Jürgen als Studenten in den Kiez gekommen. Heute sind sie eine fünfköpfige Familie und harren in 2 ½ Zimmern aus, nur um in der gewohnten Umgebung bleiben zu können. Jetzt ist das Mietshaus verkauft worden und soll modernisiert werden. Die 11 % Mieterhöhung, die der Vermieter nehmen darf, werden sie sich nicht leisten können. Fabers hoffen derzeit auf eine gute Abfindung und die Möglichkeit, eine Wohnung im Genossenschaftswesen zu beziehen - wenigstens in Weißensee. Was die Fabers erleben, betrifft immer mehr Familien in Großstädten. Gerade auch in Berlin werden Wohnungen knapp und damit teurer. „Die steigenden Mieten belarenden Maßnahmen durch finanzielle Unterstützung wie Heizkostenzuschuss und Zuschussförderung beim altersgerechten Umbau, muss eine soziale Wohnraumförderung aktiviert werden. In Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt wie Berlin, ist der Neubau von Sozialwohnungen unumgänglich. Daneben sind neue Ideen des genossenschaftlichen Wohnens gefragt.“ Die SPD-Bundestagsfraktion hat ein Konzept vorgelegt, das die Förderung des genossenschaftlichen Wohnens, die sozial gerechte Verteilung von Energiekosten, eine Deckelung des Mietanstiegs bei Neuvermietung und die sozialverträgliche energetische Sanierung vorsieht (http://goo.gl/VDpCR). Schulz: „Gute und energiesparsame Wohnungen müssen für alle erschwinglich sein.“ B.B. (*Namen geändert)

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Nach Angaben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg kam es 2012 allein aufgrund von Problemen mit dem Schienennetz zu rund 11.000 Zugausfällen und Verspätungen. Hauptursache waren Überalterung und schlechte Wartung der Weichen, Stellwerke und Signalanlagen. Hinzukommen weitere Störungen, etwa in den Zügen. So gab es dadurch allein im letzten Dezember 6698 Verspätungen und 4411 Zugausfälle. Damit „lieferte“ die Bahn gerade einmal 87,4 Prozent des bestellten Angebots. Im Januar behielt das Land Berlin wieder rund 430.000 Euro an Zuschüssen ein. Zwischen 2010 und 2012 wurden insgesamt 97,5 Millionen Euro einbehalten.

In begehrten Kiezen wächst der Druck auf die Mieter.

Foto: Horb

sten nicht nur Geringverdiener und einkommensschwache Haushalte, sondern zunehmend auch die Mittelschicht“, stellt Swen Schulz, Berliner SPD-Bundestagsabgeordneter, fest. Zu steigenden Kaltmieten kommen zunehmende Energiekosten. Mit der Folge, dass die Wohngesamtkosten heute nicht selten 50 % des Haus-

haltseinkommens aufzehren. Die Einkommensentwicklung bleibt weit hinter dem gesetzlich zulässigen Mietanstieg zurück. „Um Wohnraum bezahlbar zu halten, muss der Wohnungsknappheit wirkungsvoll entgegengewirkt werden, so wie das in Berlin jetzt passiert“, sagt Schulz. „Neben flankie-

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Offenheit und Weite, wie sie in Großstädten kaum zu finden ist, bestimmen das Bild, o ein Gefühl von „Tempelhofer Freiheit“ kommt nach den ersten Schritten auf. Und das soll auch so bleiben, wenn am Rande des alten Flughafengeländes Wohnungen und die geplante Landeszentralbibliothek entn stehen. „Das, was heute als Park von den Berlinerinnen und Berlinern so gerne genutzt i wird, bleibt natürlich auch in Zukunft unbebaut“, stellt Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) klar. Ein Volksbegehren fordert jetzt, dass auf dem Tempelhofer Gelände gar nichts verändert werden soll. Gerhard W. Steindorf, Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH, hält das für falsch: „Sollte das Volksbegehren erfolgreich sein, wäre es nicht mehr möglich 4.700 neue, dringend benötigte Wohnungen für Berlin zu bauen. Flächen für ca. 7.000 Arbeitsplätze könnten am Rand des Tempelhofer Feldes nicht realisiert werden.“ Auch der benötigte Ersatzbau für die bislang auf zwei Standorte verteilte Landeszentralbibliothek (LZB) würde entfallen. Dabei, so Volker Heller, Direktor der ZLB, nehme die Bibliothek dem öffentlichen Raum keine Fläche weg,

Tempelhof bleibt vor allem grün - auch mit dem geplanten Wohnungsbau an den Randgebieten.
sondern sei Teil des öffentlichen Raums. „Das bedeutet eine enorme Bereicherung für die Freizeitfläche Tempelhofer Feld, weil hier Angebote zu Bildung und Informationen, Möglichkeiten zu arbeiten, zur Meinungsbildung und zum Meinungsaustausch bis hin zur Selbstorganisation von Meinungsgruppen frei zugänglich sind“, sagt Heller. Stadtentwicklungssenator Michael Müller stellte die Pläne für Tempelhof Anfang März vor. An den Rändern des Feldes - und nur dort - sollen neue Wohnungen entstehen. Müller: „Wir alle wollen möglichst bezahlbaren Wohnraum in der Stadt. Berlin wächst, es kommen Menschen in der Größenordnung eines ganzen Bezirks in Zukunft neu in unsere Stadt, die Nachfrage nach Wohnraum wächst mit. Wir brauchen also dringend mehr Wohnungen und müssen dafür neue bauen - in der ganzen Stadt.“ Und auch in den drei geplanten Wohnquartieren entstehen neue Grünflächen, zwischen 30.000 und 90.000 Quadratmeter groß. „Der Tempelhofer Park bleibt und neuer Wohnraum entsteht“, so Müller. Im denkmalgeschützten Flughafengebäude wird derzeit ein Kreativ- und GründerzenU.H. trum geschaffen.

Tempelhof bleibt grün: Eine 240 Hektar große Freifläche, so groß wie der Hyde Park, ist Kernbereich der Planung. Quelle: SenStadt

Berliner!Stadtblatt

BERLINER LEBEN

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Vom Eise befreit sind Strom und Bäche ...
Was man in den kommenden Wochen in Berlin und Umgebung erleben kann. Auch Konzerte und Ausstellungen stehen auf dem Kalender
„Im Märzen der Bauer ...“ Nur: Wo sind sie geblieben in Berlin, die Bauern. Als die Mauer noch stand, gab es für die West-Berliner ein Ziel: das Bauerndorf Lübars im Norden von Reinickendorf. Nach wie vor lohnt ein Ausflug dorthin. Auch die Domäne Dahlem ist ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Tieren, Gemüseanbau, Hofladen und Märkten. Doch wer das Landleben in der Stadt original erleben möchte, sollte sich auf den Weg nach Gatow machen. Der Vierfelderhof an der Straße 264 bietet Öko-Landwirtschaft zum Mitmachen. Vor allem an Kinder ist gedacht. Was gerade los ist, erfährt man auf www.vierfelderhof.de. Größer noch ist das Angebot für Gartenfreunde. Natürlich denkt man zuerst an die „Gärten der Welt“ in Marzahn, aber auch der Britzer Garten ist gerade im Frühjahr einen Besuch wert. Und natürlich der Botanische Garten in Dahlem sowie die Königliche Gartenakademie gleich gegenüber. Gerettet ist dank der Initiative von Kreuzberger Hirschaue zum Frühlingsspaziergang frei nach Goethe: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche ...“. Auf der einen Seite die buntgefleckten märkischen Sattelschweine, die frei herumtollen, auf der anderen Gatterwild von Rehkitzen bis zu röhrenden Zwölfendern. Speisen kann man in der Guts-Gaststätte. (www.gut-hirschaue.de). Und was bietet die Berliner Kulturszene? Für Klassikfreunde gibt es im Berliner Dom szenische Aufführungen von Bachs Johannes-Passion. Opernhäuser und Philharmonie stehen im Zeichen des Wagner-Jahres. Bei MaerzMusik, dem Festival aktueller Musik, kommen besonders Freunde des Schlagzeugs auf ihre Kosten. Popfans dürften dem Auftritt von Joe Cocker am 24. April in der O2 World entgegenfiebern. Wer sich für Kunst entscheidet, findet interessante Ausstellungen. Im Nordbahnhof kann man etwas über Grenz- und Geisterbahnhöfe im geteilten Berlin erfahren, im Bundesfinanzministerium über den Volksaufstand vom 17. Juni 1953. U. R.

Unterwegs beim Frühlingsspaziergang nach Gut Hirschaue.

Foto: Ulrich Rosenbaum

SPD-Kommunalpolitikern der Prinzessinnengarten am Moritzplatz, ein mittlerweile weltbekanntes Beispiel des Urban Gardening. Im März sprießt es dort wieder – einfach reingehen! Und natürlich lockt das brandenburgische Umland. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Ausflug ins Oderbruch? An den Oderhängen bei Lebus

blüht das vom Aussterben bedrohte Adonisröschen. Wer es nicht verpassen will, fährt am 14. April zum Adonisröschenfest nach Lebus. Alle Tipps auf www.amt-lebus.de. Wunderbare Fischgerichte kann man im Anglerheim von Lebus genießen. Oder in Schecherts Hof in Marxdorf. Gute Küche bietet auch der Gasthof Wagner in Golzow, und

anschließend kann man das Filmmuseum der „Kinder von Golzow“, der Hauptdarsteller einer Langzeit-Dokumentation des DDR-Fernsehens, besuchen. Wer nicht so weit in Richtung Oder fahren möchte, fährt in Fürstenwalde-Ost von der Autobahn ab nach RietzNeuendorf, Ortsteil Birkholz. Hier lockt das weitläufige Gut

Zeitreise ins alte Ägypten
Nofretete und Tutanchamun treffen sich in Berlin
Die Repliken befinden sich mit der Ausstellung auf Wanderschaft durch Europa, 3,5 Millionen Besucher hatte die Ausstellung auf ihren bisherigen 11 Stationen. OriginalFundstücken, wie sie in der Armana-Ausstellung zu sehen sind, wäre die Tour nicht zuzumuten gewesen. Und die Rekonstruktion anhand von Fotografien und Aufzeichnungen bietet einen Anblick, der sonst an einem Ort nicht realisierbar gewesen wäre. So zeigt etwa die Armana-Ausstellung mit ihren 400 Objekten nur einen Bruchteil der Depot-Schätze des Ägyptischen Museums, aber immerhin 50 dazugehörige Leihgaben u. a. aus dem Metropolitan Museum of Art, aus dem Louvre und dem British Museum. U. H.

Unter Einsatz des Lebens
MENSCHEN, DIE DIE STADT BEWEGEN: INGE DEUTSCHKRON
„Wow, sie soll 90 Jahre alt sein?! Großartige Lesung.“ Dieses Kompliment gilt Inge Deutschkron. Nachzulesen im Internet als Reaktion auf ihre viel beachtete Rede am Holocaust-Gedenktag im Deutschen Bundestag. Sie selbst sagt, sie empfände es als ihre Pflicht, „die lückenlose Wahrheit niederzuschreiben. Präzise und emotionslos, so wie ich es mit meinen eigenen Augen gesehen hatte“. Denn die Journalistin und Schriftstellerin Inge Deutschkron, die am 23. August 1922 in Finsterwalde geboren wurde und in Berlin aufgewachsen ist, bewegt vor allem eins: „dass die Jugend versteht, dass jeder das Recht auf Leben und gleiche Rechte hat“. Weil sie Jüdin war, musste die Tochter sozialdemokratischer Eltern ihre gymnasiale Ausbildung abbrechen, Zwangsarbeit leisten und sich mit ihrer Mutter zweieinhalb Jahre bei Freunden verstecken, um zu überleben. Eine Zuflucht in finsterer Zeit war Otto Weidt, der während des Zweiten Weltkriegs in seiner Bürstenwerkstatt hauptsächlich blinde und gehörlose Juden beschäftigte und auch Inge Deutschkron einstellte, obwohl die Nazis Büroarbeit für Juden strengstens verboten hatten. Am authentischen Ort, im Hinterhof der Rosenthaler Straße 39, gibt es nun ein Museum, das die Geschichte der Blindenwerkstatt Otto Weidt erzählt. Und im Frühjahr 2000 wurde unter dem Vorsitz von Inge Deutschkron der „Förderverein Blindes Vertrauen e. V.“ gegründet, dessen Ziel es ist, „zu zeigen, dass es auch im nationalsozialistischen Deutschland Menschen gegeben hat, die unter Einsatz ihres Lebens bereit waren, andere Menschen aus der Hand ihrer Mörder zu retten“. Informationen über den Schrecken des Nationalsozialismus vermitteln und dem Wiederaufleben rechtsradikaler Tendenzen entgegenwirken will auch die IngeDeutschkron-Stiftung. Der Aufgabe, junge Menschen zu Toleranz und Zivilcourage ermutigen, widmet sich die Stifterin kämpferisch und temperamentvoll, so oft sie kann, noch höchstpersönlich. Spenden an die IngeDeutsch kron-Stiftung können auf folgendes Konto über wiesen werden: KontoNr. 101 2617 100, Bankhaus Löbbecke, BLZ 100 305 00 U. W.
Figur des Tutanchamuns als Harpunierer.

Inge Deutschkron beim Festakt zu ihrem 90. Geburtstag im Berliner Rathaus.

Foto: Margrit Schmidt

Es ist eine Art Familienzusammenführung, die in diesen Tagen in Berlin stattfindet. Noch bis 13. April ist im Neuen Museum auf der Museumsinsel eine Sonderausstellung zur Amarna-Zeit des frühen Ägyptens zu sehen. In ihrem Mittelpunkt steht Nofretete, im 14. Jahrhundert vor Christus Hauptgemahlin des Pharaos Echnaton. Seit 1912 ist die Büste der „Schönen“ im Ägyptischen Museum zu bewundern. Jetzt kommt ihr Schwiegersohn Tutanchamun in die Stadt. In der „Arena“ in Treptow ist dafür ein Ausgrabungsfeld entstanden, 4.000 Quadratmeter groß. Hier ist bis zum September eine Nachbildung Goldmaske von Tutanchamun des Grabschatzes zu entdecken Fotos: A.-M. v. Sarosdy / © Semmel Concerts GmbH - ganz so, wie er 1922 vom britischen Archäologen Howard I „Im Licht von Amarna - 100 Carter vorgefunden worden Jahre Fund der Nofretete“, bis war. 1.000 ausgestellte Objekte 13. April 2013, Neues Museum, vermitteln einen Eindruck Bodestr. 1, täglich 10 – 18 Uhr, vom einst fast unversehrten Do 10 – 20 Uhr, Eintritt 14 Euro, Pharaonengrab. erm. 7 Euro I „Tutanchamun – Vor Betreten des Grabs Sein Grab und die Schätze“, lernen die Besucherinnen 9. März bis 1. September 2013, und Besucher in einer multi- Arena Berlin, Eichenstr. 4, 12435 medialen Einführung die Bio- Berlin, täglich 10 - 18 Uhr (letzgrafie Howard Carters, die Ge- ter Einlass 17 Uhr), Eintritt 17 schichte Tutanchamuns und Euro, erm. 9 Euro. (Sa und So die Kultur Ägyptens kennen. 19 Euro), Tickets 030/ 479 974 77

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S E RV I C E – R ÄT S E L

Berliner!Stadtblatt

Vorsicht: Pollen im Anflug
Mit dem Frühling kommen die Beschwerden: Wie können sich Allergiker am besten schützen?
ist, verträgt häufig auch Nahrungsmittel wie Haselnüsse oder Kernobst nicht. An den zum Teil heftigen Abwehrreaktionen des Körpers auf natürliche Stoffe leiden bis zu 30 Millionen Deutsche, allein neun Millionen haben Heuschnupfen. Haut und Schleimhäute tragen die Hauptlast dieses fehlgeleiteten Abwehrkampfes. Die Anlage dazu kann vererbt werden. Die Zunahme von Heuschnupfen oder Nahrungs- und Medikamentenallergien erklären Ärzte mit der ausgeprägten Hygiene, die das Immunsystem von Kindern wenig natürlicher Belastung aussetzt, aber auch mit stärkeren Umweltbelastungen. Heilen lassen sich Allergien nicht. So bleibt als erste wichtige Maßnahme der Allergietest beim Hautarzt, um zu wissen, auf welche Stoffe der Körper überhaupt reagiert. Dazu werden auf Rücken oder Arm verschiedene allergieauslösende Substanzen aufgetupft und die Haut leicht eingeritzt. Rötung oder Schwellung zeigt dann die jeweilige Empfänglichkeit an. Mit diesem Wissen können Allergiker auf bestimmte Lebensmittel verzichten, Besuche bei Katzenfreunden vermeiden, Schimmel aufspüren und beseitigen oder der Hausstaubmilbe das Leben schwer machen. Linderung gegen Heuschnupfen oder Hautausschläge bieten Medikamente mit Wirkstoffen wie Loratadin oder Cetirizin, die das vom Körper freigesetzte Histamin blockieren. In Tablettenform gibt es sie von mehreren Anbietern frei verkäuflich in der Apotheke zu sehr unterschiedlichen Preisen. Solche Antihistaminika bieten als Augentropfen oder Nasenspray auch lokale Linderung. Reichen diese Mittel nicht aus, kann ein Arzt auch neuentwickelte Antihistaminika der dritten Generation verschreiben. Etwas anders wirken sogenannte Mastzellstabilisatoren wie etwa die Cromoglicinsäure, die es ebenfalls als Tropfen und Spray für Augen oder Nase gibt. Sie sorgen dafür, dass das Beschwerden verursachende Histamin gar nicht erst freigesetzt wird, müssen also frühzeitig angewandt werden. Eine länger andauernde Wirkung soll mit der Hyposensibilisierung erreicht werden. Dabei wird der Patient in dosierter Form den allergieauslösenden Stoffen ausgesetzt, um sich an sie zu gewöhnen. In der Vergangenheit mussten Ärzte die individuell zusammengestellten Präparate über mehrere Wochen und Monate mit Spritzen verabreichen. Inzwischen gibt es auch Tropfen oder Tabletten zur Einnahme. Solche Verfahren können auch verhindern, dass aus einem Heuschnupfen ein allergisches Asthma wird. U. H. Pollenflug im Jahresüberblick: www.pollenflug.de

Apfelblüten: Des einen Freud, des anderen Leid.

Foto: Ulrich Horb

Da ist es wieder, dieses Kribbeln in der Nase. Das Atmen fällt schwerer, die Augen jucken. Allergiker brauchen keine Blüten zu sehen, um zu wissen: Jetzt ist der Frühling da. Irgendetwas fliegt fast im-

mer. Pollen von Erle und Haselnuss sind bereits ab Januar in der Luft. Aber von März an kommen immer mehr dazu, darunter Ulmen, Weiden oder Pappeln. Im April und Mai wollen sich Ahorn, Birke

und Eiche vermehren, ab Mai schwirren Gräserpollen durch die Lüfte. Nur im November und Dezember können Allergiker halbwegs aufatmen. Allerdings: Wer beispielsweise gegen Birkenpollen allergisch

Berliner Preisrätsel
ZU GEWINNEN:

10 Jahreskarten für die Humboldt-Box
24 Unangenehm auf Kölsch 26 Montenegro im Internet 27 Filmaufnahme (Schauspielerjargon) 30 Gewässer zwischen Japan, Nordkorea, Russland und Südkorea 33 Da staune ich aber 34 Zornig 35 Lausejunge (Umlaut=1Buchstabe) 37 Weiblicher Vorname & Berliner Kindergartenträger 38 Kletterpflanze 40 Abschnitt auf der Desoxyribonukleinsäure (DNA) 41 Gekonntes Spötteln 43 45 46 47 Ist jeder, der nicht out ist ... nun wieder Schweizer Flussbarsch Ihr Denkmal wurde neulich mit Spätzle verunziert

WAAGERECHT 1 Berlins einzige Bezirksbürgermeisterin (Umlaut = 1 Buchstabe) 6 Französischer Freund 11 Der in das Blasinstrument pustet 12 Nachplappernder Vogel 13 Mode präsentieren, Geld verdienen 17 Musikalischer Single 18 Algerischer Dinar (Abk.) 19 Organismus mit einer Mutation 20 Lieferant umstrittener Pelze 21 Südostasiatische Fluglinie 22 Lösbare Verbindung zwischen Rohren

SENKRECHT 2 Käsesorte - ursprünglich aus Südwestengland 3 Gefährliche Schicht auf Wasser od. Straße (Umlaut = 1 Buchstabe) 4 Brutto minus netto 5 Ihr Laub zittert wie ein Angsthase 7 Vielleicht, vielleicht aber auch nicht (Umlaut = 1 Buchstabe)

8 Mails für den Müll 9 Atemstillstand 10 Die vielleicht berühmteste Berliner Schauspielerin mit US-Hintergrund 14 Bobbie Gentrys Song für Billie Joe 15 Einzige reelle Zahl, die weder positiv noch negativ ist 16 Berliner Kultkomikerin († 1991) 17 Stahlstift zum Gravieren 20 Die wahrscheinlich schönste Berlinerin 23 Öffentliche Dienststelle 25 Ein Stück einer Hinterlassenschaft 28 Oft dickleibige Erzählung 29 Staatlich abgesegnete Paargemeinschaft 30 Himmelsrichtung 31 Durfte man früher nicht trennen, weil es tat ihm furchtbar weh 32 In Österreich heißt die Speise Eierschmalz 36 Da legst di nieda in Lüttich! 37 Internet Explorer in Kürze 39 Einfarbige Hochschule 40 Gehört neuerdings zur Barmer Ersatzkasse 42 Platz 44 Vorname eines Umweltschützers und ehem. US-Vizepräsidenten DIE GEWINNE In die richtige Reihenfolge gebracht, ergeben die rot umkreisten Buchstaben ein globales Datum, das an Gleichberechtigung und allgemeines Wahlrecht erinnert. Bitte schicken Sie dieses Lösungswort auf einer Postkarte bis zum 8. April 2013 an das Berliner Stadtblatt, Müllerstr. 163, 13353 Berlin oder per E-Mail an raetsel@berlinerstadtblatt.de. Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir 10 Jahreskarten für die Humboldt-Box Unter den Linden. Dort wird gezeigt, dass das künftige Humboldt-Forum weit mehr als ein Schloss-Nachbau sein wird. Im Restaurant der Humboldt-Box erhalten Jahreskartenbesitzer 10 % Rabatt.

Bilderrätsel
AN WEN ERINNERT DIE FRAU MIT DEM HAMMER? Im April 1955 wurde diese Muschelkalkfigur in einem Berliner Park feierlich der Öffentlichkeit übergeben. An welche besondere Gruppe von Berlinerinnen erinnert die Frau mit dem Hammer? Das Berliner Stadtblatt verlost unter den richtigen Einsendungen zum Bilderrätsel 3 x 2 Eintrittskarten für das Kleine Theater am Südwestkorso. Dort läuft u. a. derzeit die Revue der Stunde Null „Schwarzer Jahrmarkt“ von Günter Neumann. Einsendeschluss ist der 8. April 2013 (per Post an das Berliner Stadtblatt, Müllerstraße 163, 13353 Berlin oder per E-Mail an raetsel@berliner-stadtblatt.de).

RÄTSEL-LÖSUNGEN UNSERER AUSGABE DEZEMBER 2012 Lösungswort des Kreuzworträtsels: ABGEORDNETENHAUS. Bilderrätsel: Die abgebildete Hirschfigur (der „Goldene Hirsch“) steht auf einer Säule im RudolphWilde-Park in Schöneberg in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus. Die Gewinner der Rätsel wurden schriftlich benachrichtigt.

Berliner !"#$"%&#""

STEGLITZ-ZEHLENDORF

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9*)&:,'*"4.)%,0#";*-&<;)&=*-301>?#@%)#&;#*;;&"Steglitz-Zehlendorf hat gewählt: Die SPD-Bundestagskandidatin für die Bundestagswahl am 22. September
Dr. Ute Finckh-Krämer, Diplom-Mathematikerin, ist von der SPD Steglitz-Zehlenk dorf als Bundestagskandidatin aufgestellt worden. Dem Berliner Stadtblatt verriet sie ihre Ziele. Ich habe mich in den vergangenen Jahrzehnten neben Beruf und Familie ehrenamtlich politisch engagiert — in der SPD, in der Friedensbewegung, in der Gewerkschaft, in der evangelischen Kirche und im Sportverein. Inzwischen sind meine Kinder erwachsen, und ich möchte mich für die nächsten Jahre als Bundestagsabgeordnete hauptberuflich für meine politischen Ziele einsetzen. ü Bildungschancen dürfen nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen Besonders liegt mir soziale Gerechtigkeit am Herzen. Niemand, der Vollzeit arbeitet, soll staatliche Unterstützungsleistungen beantragen müssen. Niemand soll aus seiner Wohnung ausziehen müssen, weil Mieten und Energiekosten schneller steigen als Lohn oder Rente. Wer Jahrzehnte in die Sozialversicherung eingezahlt hat, soll im Alter abgesichert sein. Bildungschancen dürfen nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen — und die medizinische Versorgung nicht von der Art der Krankenversicherung. Militäreinsätze und Rüi stungsexporte können keinen Frieden schaffen. Die Gegenfinanzierung? Den Spitzensteuersatz und die Steuern auf Kapitalerträge erhöhen, hohe Vermögen besteuern, Steuerschlupflöcher schließen und Steuerhinterziehung konsequent bekämpfen. „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts“ in den Konflikt- und Krisenregionen dieser Welt zeigt sich auf bedrückende Weise, dass Willy Brandt mit diesem Zitat Recht hatte. Militäreinsätze und Rüstungsexporte können keinen Frieden schaffen, dafür sind zivile Mittel notwendig — personell, finanziell, konzeptionell. Deutschland als Wissen-

-)(46/) !"#$%&'()$*+,
Mittwoch, 13.03.2013, 19.30 Uhr: Mitgliederversammlung der SPD-Abteilung LichterfeldeWest. Thema: 150 Jahre SPD. Die Abteilung befasst sich mit dem Parteijubiläum im Jahr 2013 und hat als Gesprächspartner den Berliner Historiker und langjährigen Genossen Dieter Fitterling eingeladen. Ort: Oma Brink's Restaurant, Gardeschützenweg 139, 12203 Berlin, Treffen im Veranstaltungsraum im 1. Obergeschoss.

-()..)/$,)($&*.
Mittwoch, 13.03.2013, 19.30 Uhr. Vorstands,und Aktiventreffen der Kreis-AsF (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen). Ort: SPD-Kreisbüro, Thaliaweg 15, 12249 Berlin

Dr. Ute Finckh-Krämer tritt für die Steglitz-Zehlendorfer SPD an, um die Interessen des Bezirks im Deutschen Bundestag zu vertreten. Der gelernten Diplom-Mathematikerin liegt besonders die soziale Gerechtigkeit am Herzen.

0&//*))$*-(&'1Donnerstag, 14.03.2013, 19.30 Uhr. Mitgliederversammlung der SPD-Abteilung Seenplatte. Thema: Wie geht es weiter mit der Zentralstelle für radioaktiven Abfall in Wannsee? . Ort: Wannsee Hof, Kronprinzessinnenweg 252, 14109 Berlin

schaftsstandort weiter stärken. Viele umweltfreundliche Technologien, die in Deutschland entwickelt und zunächst

vom Staat gefördert wurden, sind Exportschlager geworden. Das zahlt sich mittelund langfristig aus, für den Erhalt der natürlichen

Ressourcen der Erde und die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder. Informationen im Web: www.finckh-kraemer.de

43,)(/6*6)(5/7$,)($*-(&**)/9)1)5:'-5/7
In Lichterfelde-West wurden Gasreihenleuchten auf Kompaktleuchtstofflampen Modell „Jessica“ - umgerüm stet, während die kleineren Gaslampen bald im LEDLicht erstrahlen. Anfang der 1950er Jahre wurden die 8400 großen, bogenförmigen Gaslaternen an den Hauptverkehrsstraßen errichtet. Sie sind heute nicht mehr sanierungsfähig. Die Bogenlaternen werden jetzt auf Leuchtstoff statt auf Leuchtdioden (LED) umgerüstet, weil zum Zeitpunkt der Ausschreibung 2008 noch keine LED-Lampen verfügbar waren. Die Leuchtstofflampen sind übrigens um die Hälfte günstiger und verbrauchen etwa die gleiche Menge Strom. Jessica verbraucht 193 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr (Gasreihenleuchte: 6703 kWh) und spart somit ca. 1,2 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr und Laterne. Außerdem entfällt die aufwändige Entsorgung von jährlich ca. 180.000 leicht radioaktiven Glühstrümpfen. Dadurch amortisiert sich Jessica nach neun Jahren. Weitere Gaslaternen werden bis 2016 auf LED-Licht umgestellt, das die nahezu identische Lichtfarbe hat. Für historische Laternen wurden unterdessen Lösungen auf LED-Basis gefunden bzw. einzelne Straßenzüge von der Umrüstung ausgenommen, um den Eindruck dieser Straßenbeleuchtung erlebbar zu erhalten. Jana Kellermann

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Wichtige Tage erinnern daran, dass Ungleichheit fortbesteht
Plötzlich und aus schockierendem Anlass, dem Tod einer jungen Faru in Indien, bekam g in den vergangenen Monaten weltweit ein altes Thema eine neue Dynamik. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen. Schnell wurden auch generelle Fragen gestellt: In welchen Verhältnissen tritt diese Gewalt auf, wo sind wirtschaftliche Ursachen, was hat das mit Alltagssexismus zu tun? Am 14. Februar demonstrierten weltweit Millionen von Frauen unter der Überschrift „One Billion Rising“, denn Milliarden von Frauen leiden unter Gewalt, Armut, wirtschaftlicher Abhängigkeit aber auch unter geringeren Aufstiegschancen und Beschränkungen. Die SPD feiert in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag und damit auch 150 Jahre Frauen in der SPD und SPD in der Frauenbewegung. Sozialdemokratinnen „erfanden“ den Internationalen Frauentag Es waren die deutschen Sozialdemokratinnen Clara Zetkin und Käthe Duncker die den „Internationalen Frauentag“ vorschlugen, der 1911 erstmals gefeiert wurde. Damals ging es noch um das Frauenwahlrecht, das die SPD schon vor 1900 gefordert hatte. Heute feiern wir den Internationalen Frauentag am 8. März, aber noch weitere wichtige Tage erinnern im Frühling an die nach wie vor bestehenden Ungleichheiten: Am „Equal Pay Day“ fordern wir, die Lohnungleichheit endlich zu beenden, die in Deutschland noch immer 23 Prozent weniger Geld für Frauen ausmacht. Bis zu diesem Tag, dem 21. März, haben die Frauen im Vergleich zu Männern umsonst gearbeitet. Am Girls’Day, dieses Jahr am 25. April, sollen junge Mädchen für Berufe interessiert werden, die ihnen Aufstiegschancen und gute Bezahlung bieten. Wir wissen heute ganz genau: Wirtschaftliche Unabhängigkeit und Bildung der Frauen sind die Grundlage für friedlichere und erfolgreichere Gesellschaften. Also — auf in den Frauenfrühling! Ina Czyborra

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Mittwoch, 20.03.2013, 19.30 Uhr. Abteilungsversammlung der SPDAbteilung ZehlendorfSüd. Thema: Rekommunalisierung - Chancen und Risiken. Referent: Daniel Buchholz, MdA. Ort: Restaurant „Cavos“, vormals „Sirtakias“. Teltower Damm 188/Ecke Nieritzweg, 14167 Berlin.

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Samstag, 30.03.2013, ab 10.00 Uhr. OsterInfostand Lankwitz. Sozialdemokraten verteilen bunte Ostereier. Kaiser-Wilhelm-Str. 74 (vor Woolworth), 12247 Berlin.

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Deutschland ist auf etlichen Gebieten Weltspitze, z.B. im Maschinenbau, in der Auto, mobilindustrie, der Steuerund Sozialgesetzgebung. Leider unübertroffen ist aber auch das Schilder(un)wesen auf deutschen Straßen. Ohne Ende Verkehrszeichen, Straßenschilder, Kilometerschilder, Wegweiser, Haltestellenschilder! Der ADAC Berlin schätzte vor einigen Jahren, dass etwa ein Drittel der stadtweit rund 250.000 Verkehrszeichen überflüssig ist. Unser Bezirk Steglitz-Zehlendorf macht da keine Ausnahme. Ein kleiner Schritt zur Reduzierung der Schilderflut wären regelmäßige gemeinsame Straßenbegehungen bzw. -befahrungen von Polizei, Ordnungs- und Tiefbauamt sowie interessierten Bürgern. Vor Ort könnten so falsche oder unnötige Verkehrszeichen rasch festgemacht und ihr Ersatz bzw. Fortfall beschlossen werden. Allein im amtlichen Verkehrszeichenkatalog sind sage und schreibe 384 Verkehrszeichen aufgeführt, akribisch unterteilt in Gefahren-, Vorschriften-, und Richtzeichen sowie Markierungen und Zusatzzeichen! Die Kreativität unserer Verkehrspolitiker ist wahrlich erstaunlich. So sollte im Rahmen einer Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) ein neues Schild „Inline-Skater“ kreiert werden. Dem Arbeiter mit der Schippe (Verkehrszeichen Nr. 123) wurde schon 1992 die Schiebermütze genommen, dem Mädchen auf dem Gefahrenzeichen Nr. 136 (Kinder) der Zopf sowie der Frau und dem Kind auf dem Verkehrszeichen Nr. 239 (Sonderweg Fußgänger) die Haare abgeschnitten. Gestoppt wurde gottlob die Verfügung, wonach sämtliche (auch geringfügig) geänderte Verkehrszeichen auszutauschen seien. Anderenfalls hätten ca. 30 Prozent der an deutschen Straßen angebrachten schätzungsweise 20 Millionen Verkehrsschilder erneuert werden müssen. Ein Beispiel dafür, dass Verkehrsabläufe auch ohne Schilder (oder zumindest mit viel weniger) funktionieren, ist die holländische Kleinstadt Haren südlich von Groningen. Hier konnte der 2008 ver-

Auch in unserem Bezirk könnte die „Schilderitis“ wirksam reduziert werden – ohne großen Aufwand und mit gutem Erfolg
storbene niederländische „Verkehrspapst“ Hans Mondermann erstmals sein „Shared Place-Projekt“ - wenigstens teilweise - realisieren. Auf einer 800 m langen Hauptstraße wurden die Ampeln entfernt, 60 Prozent der Verkehrszeichen abgebaut, die meisten Wegmarkierungen beseitigt. Stattdessen sind verstärkte Rücksichtnahme, Aufmerksamkeit und Zeichensprache angesagt. Resultat: Nur noch halb so viele Verkehrunfälle! Das könnte auch für Deutschland ein Vorbild sein. Klaus Spychalski

Der Schilderwald nervt Foto: Berne Sterzl / pixelio.de

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STEGLITZ-ZEHLENDORF

Berliner Stadtblatt

Im Politladen gibt’s nix zu kaufen, aber ...
Politik mal ganz anders - ein Laden in der Thermometersiedlung, in dem sich verschiedene Parteien um die Bürger kümmern
SPD, CDU, Grüne und Piraten haben mitten in der Thermometersiedlung in Lichteri felde-Süd (Celciusstraße 62) einen gemeinsamen Politladen eröffnet, in dem Bürgersprechr stunden und öffentliche Veranstaltungen aller Parteien stattfinden. Alle Bürger des Bezirks können sich hier jederzeit über politische Fragestellungen informieren und ihre Anliegen einbringen. Über mangelnden Winterdienst, schlechte Müllentsorgung, fehlende Beleuchtung, nicht gewährleistete Barrierefreiheit oder auch die Mietenproblematik — schon die ersten Sprechstunden haben gezeigt, dass es viele praktische, alltagsnahe Probleme gibt, die gelöst werden müssen. Ein Thema ist auch die zukünftige Nutzung des angrenzenden, ca. 60 Hektar großen Geländes, das zur Wohnbebauung vorgesehen ist. Die Bürger möchten allerdings einen angemessenen Grünanteil und auf keinen Fall eine Fortsetzung der Hochhauskette. Überrachend ist, wie viele Bürger vorbeikommen, die auch einfach nur mal reden wollen. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Parteien und ihrer Vertreter beschränkt sich dabei aber nicht nur auf die gemeinsame Anmietung und Nutzung des Ladens. Probleme, die von den Bürgern in den Politladen getragen werden, werden dort auch gemeinsam besprochen und an Verantwortliche weitergegeben, die zur Lösung beitragen können. Auch Mieter- und Verbraue cherberatung könnte hier angeboten werden. Ein solcher Raum bietet allerdings auch Nutzungschancen über die „klassische“ Parteiarbeit hinaus. So steht der Politladen gerade im Kontakt mit der Verbraucherzentrale Berlin, die sich tatsächlich vorstellen könnte, an einem Tag in der Woche den Politladen zu nutzen, um hier ihre aufsuchende Beratung anzubieten. So könnte der Laden zukünftig

Irene Köhne und ihr Mitarbeiter Julian Krischan freuen sich über Ihren Besuch und Ihre Anregungen im neuen Politladen. Adresse: Celsiusstraße 62, in der Thermometersiedlung in Lichterfelde-Süd. Foto: Lisa Maren Bürger

also auch eine Anlaufstelle für Verbraucherfragen sein. Möglich ist auch eine Mieterberatung, die von einem SPD-Mitglied angeboten werden könnte. Bisher ist der Laden erst einmal als zeitlich begrenzter Ver-

such geplant. Sechs Monate sind die Räume angemietet, danach muss gemeinsam neu entschieden werden, ob es weitergeht. Dies wird zum einen davon abhängen, ob es andere, gewerbliche Mietinteressenten für die Räume gibt.

Zum anderen wird natürlich auch das Interesse und der Zulauf der Bürger vor Ort ausgewertet werden. Alle Beteiligten sind aber optimistisch, dass das Angebot die Anwohner interessiert und fortgesetzt wird. Ich lade alle Interessierten

herzlich ein, vor Ort und im Netz vorbeizuschauen. Irene Köhne, verbraucherpolitische Sprecherin der SPDFraktion im Berliner Abgeordnetenhaus www.politladen.de www.irenekoehne.de

KOMMENTAR: DIE „„PILLE DANACH““ SORGT FÜR DISKUSSIONSSTOFF
Ausgelöst durch den Fall einer vergewaltigten Frau, der von Beratungsstellen der Katholischen Kirche die Gabe der Notfall-Verhütung „Pille danach“ verweigert wurde, entbrennt nun die breite öffentliche Diskussion um die Selbstbestimmung von Frauen, den Schutz des Lebens und gesetzliche Rahmenbedingungen. Seit Oktober 2012 fordern Mitglieder der SPD-Bundestagsfraktion eine rezeptfreie Vergabe der sogenannten „Pille danach“. Das Medikament zeigt kaum Nebenwirkungen, ist langzeiterprobt und deshalb schon in vielen europäischen Ländern rezeptfrei zu haben. So war es nur eine Frage der Zeit, bis dies auch in Deutschland gefordert wurde — im Sinne der weiblichen Selbstbestimmung. Ursprünglich hatte sich die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in der SPD (AsF) auf Bundesebene im Mai 2012 erstmalig dieses Themas angenommen und einen entsprechenden Antrag von Mechthild Rawert (Mitglied des Deutschen Bundestages, MdB) beschlossen. Angeregt durch vorausgegangene, kontroverse Debatten haben sich auch kürzlich Arbeitsgemeinschaften der SPD in Steglitz-Zehlendorf zu diesem Thema getroffen. Sowohl die Jusos als auch die AsF wünschten sich hierbei einen aufklärenden, kritischen Umgang mit dem Thema. Kritiker fürchten allerdings bei einer rezeptfreien Vergabe einen Missbrauch dieser „einfachen“ Option, wenn etwas beim Geschlechtsverkehr schief gegangen sei. Nach Maßstäben der Katholischen Kirche wird die Einnahme der „Pille danach“ bereits als Abtreibung gewertet, eine Haltung, die die politische wie gesamtgesellschaftliche Diskussion weiter anheizt. Natürlich bleibt auch in Zukunft die Debatte rund um die „Pille danach“ sicherlich bestehen und es ist auch wichtig, dass sie geführt wird. Es wäre jedoch wünschenswert, dass mehr Menschen die Fragestellung zulassen, ob sie Frauen eine Zukunft wünschen, die frühzeitig Türen schließt, z. B. bei einer Vergewaltigung oder eine, die physisches wie psychisches Leiden verringert? Carolyn Macmillan

Gute Jobs für alle Frauen
Ein dichtes Infonetz hilft in Berlin, wenn es um die Arbeit geht
„Mache ich beruflich das Richtige und was kann ich tun, um etwas zu ändern?“ Diese Frage stellen wir uns wohl alle früher oder später in unserem Leben. Was viele nicht wissen: In Berlin gibt es ein vielfältiges berufliches Beratungsnetzwerk speziell für Frauen. An mindestens neun Beratungsstellen, die vom Berliner Senat mitfinanziert werden, können sich alle Frauen mit Fragen zur beruflichen Qualifizierung und Weiterbildung wenden. Sie erhalten dort eine ausführliche Beratung, die auf sie zugeschnitten ist — natürlich auch dann, wenn es um den Ausbildungsberuf geht. Viele junge Frauen beschränken sich auf ein traditionelles Berufsspektrum und wählen Berufe, die kaum die Möglichkeit bieten, selbst einen ausreichenden Lebensunterhalt zu verdienen. Eine gute Beratung muss dazu ermutigen, den Blick über den Tellerrand zu wagen. Oft fehlt es nämlich an Vorbildern, die zeigen, welche Chancen und Möglichkeiten existieren. Barbara Loth, Staatssekretärin in der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, begrüßt die Unterstützung für Hilfesuchende: „Viele Frauen unterschätzen ihre Fähigkeiten und Chancen in einer Arbeitswelt, die leider noch viel zu oft von Männern dominiert wird. Hier brauchen wir ein funktionierendes Beratungsnetzwerk, das sich mit dem persönlichen Werdegang jeder Ratsuchenden individuell auseinandersetzt.“ Viele Frauen arbeiten nicht mehr im erlernten Beruf, weil sie sich beispielsweise um ihre Familie gekümmert haben. Eine kompetente Beratung analysiert gemeinsam mit den Betroffenen die Situation. Die Mitarbeiterinnen in den Beratungsstellen geben Tipps, wie der Einstieg wieder gelingt. Sie helfen, nehmen Sorgen und Ängste wahr und machen Mut. Sie sprechen Empfehlungen aus, zum Beispiel welche Fortund Weiterbildung wichtig wäre. Eine erste Anlaufstelle für alle Frauen, die mehr wissen wollen, ist die „Fiona-Infoline“: 0180 11 34 662.

Organspender sind Lebensretter
Ulla Schmidt, ehemalige Bundesministerin, war zu Gast in Steglitz-Zehlendorf und sprach zu einem skandalträchtigen Thema
Wie funktioniert die Organspende? Wer kann Organspender sein? Was läuft dabei im ? Krankenhaus ab? Welchen Einfluss haben die Angehörigen? Gibt es ein würdiges Abschiednehmen auch nach der n Organspende? Wie kann mehr für die Organspende geworben werden? Ende Januar war im Ratskeller Zehlendorf die ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt zu Gast bei einer Veranstaltung, die von der SPD-Arbeitsgemeinschaft „60plus“ sowie der Bürgerstiftung SteglitzZehlendorf ausgerichtet wurde. Ingrid Reimann (Vorsitzende der AG 60plus) begrüßte Ulla Schmidt zusammen mit Karin Lau (Vorsitzende der Bürgerstiftung) vor über 40 Zuhörern. Thema „Organspende - eine Bürgerpflicht?!“ Was ist eigentlich eine „erweiterte Zustimmung“, Frau Schmidt? In ihrem Einführungsreferat erläuterte Schmidt ihre ethischen und politischen Ansprüche und konnte dabei an ihre zahlreichen Initiativen als Ministerin und ihre Arbeit in der Bundestagsfraktion anknüpfen. Es gibt wenige Politikerinnen und Politiker die das jetzt festgeschriebene Modell einer „erweiterten Zustimmung“ zur Organspende in seinem Werdegang und in seiner Wirkung besser darstellen können als sie. Zum Schluss reichten zwei Zahlen die ihr Anliegen verdeutlichten: — Drei Schwerkranke sterben täglich in Deutschland, weil die notwendigen Organspenden fehlen. — Ein Organspenderausweis kann bis zu sieben Leben retten. Anschließend ging Ulla Schmidt zwei Stunden lang sachkundig, aber auch werbend und einfühlsam auf die Fragen der Anwesenden ein. Alle Diskutanten und Zuhörer waren sich einig, näher an ein wichtiges Thema herangeführt worden zu sein. Weitere Fragen werden bestimmt auftreten, sicher nicht nur die, die aus der missbräuchlichen Behandlung der Organspende resultieren. Das Thema Organspende sollte nun in den Familien und im Freundeskreis weiter diskutiert werden, um persönliche Entscheidungen treffen zu könGerhard Nitschke nen. www.organspende-info.de

Ulla Schmidt folgte einer Einladung der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus. Foto: Fotoatelier Strauch, Eschweiler
        
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