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Periodical volume

Full text: Berliner Stadtblatt Issue 2011, August

Berliner!
MEIN BERLIN
Am 13. August 1961 – also vor 50 Jahren – wurde in Berlin die Mauer gebaut. Weltweit war sie Symbol für die Teilung im Kalten Krieg. In Berlin war sie Realität und für viele eine unüberwindbare Barriere. Die Mauer hat Berlin geprägt. Sie hat unserer Stadt den hohen Wert der Freiheit über Jahrzehnte schmerzhaft vor Augen geführt. Die Erinnerung an den Bau der Berliner Mauer schärft unseren Sinn für den Wert von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat. Heute ist die Mauer Geschichte und für die junge Generation kaum noch vorstellbar. Berlin hat seine Freiheit wieder. Berlin ist damit zum Symbol für Toleranz und Akzeptanz unterschiedlicher Herkünfte und Lebensentwürfe geworden. Viele Menschen kommen nach Berlin, um genau diese Freiheit zu erleben. Wir dürfen die Voraussetzungen dafür nicht vergessen. Der 13. August mahnt uns dazu immer wieder deutlich zu machen, dass Demokratie und Freiheit nicht selbstverständlich sind. Wir und auch kommende Generationen müssen täglich an Erinnerung und Gedenken arbeiten! Ihr Klaus Wowereit

EHLE STEGLITZ-Z

NDORF

LERNERFOLG

Stadtblatt
W I S S E N S W E RT E S AU S B E R L I N U N D D E M B E Z I R K S T E G L I T Z - Z E H L E N D O R F

Spielend die Welt entdecken und die Zukunft erobern - dafür sorgen Berlins Seite 3 Kitas.

· AU S G A B E AU G U S T 2 0 1 1

Wo früher Mauern waren, sind heute Brücken. Symbol dafür ist die restaurierte Oberbaumbrücke: Bis zum August 1961 passierten hier täglich 25.000 bis 30.000 Menschen die Sektorengrenze. Dann zerschnitt die Mauer alle Verbindungen, bis einige Jahre später ein kleiner Grenzübergang für Fußgänger geöffnet wurde. Seit 1995 fahren wieder Autos und Hochbahn über die Brücke. Mehr zu 50 Jahren Mauerbau auf Seite 4 und 5. Foto: Ulrich Horb

So einfach kann Schule sein
Berlin als Vorbild: Ein Schulsystem, das jeder versteht
Sie bringen ihre Neugier und den Spaß am Lernen mit: Rund 26.000 Berliner Erstklässlerinnen und Erstklässler freuen sich in diesen Tagen auf ihren Schulstart. Damit ihre Schulzeit für sie zum Erfolg wird, sind die Schulen in den vergangenen Jahren gründlich umgestaltet worden. Inzwischen gibt es an allen Schulen bessere individuelle Förderung, Schulessen, Ganztagsangebote. „Die Grundschule“, so erläutert es Bildungssenator Jürgen Zöllner, „wird zunehmend zum Lernund Lebensort mit anspruchsvollen Angeboten auch in der Freizeit.“ Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits in den kostenfreien Berliner Kitas beginnt: Individuelle Begabungen werden frühzeitig gefördert, Nachteile, etwa bei mangelnder Sprachkenntnis, erkannt und ausgeglichen. Das Berliner Schulsystem ist aber vor allem viel einfacher geworden. Mit den Hauptund Realschulen verschwinden auch die Sackgassen des alten Schulsystems. An den neuen Sekundarschulen ist jetzt genauso wie am Gymnasium das Abitur möglich. „Bei aller Freude über die positiven Entwicklungen in den Schulen, weiß ich um die Probleme“, so Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit gegenüber dem BERLINER STADTBLATT. „Die Reformen brauchen Zeit und die Schulen in den nächsten Jahren Ruhe, damit die Umsetzung gut wird. Ich stehe dafür, dass ein Berliner Schulfrieden nicht ständig alle Baustellen wieder aufreißt.“ Verbessert werden sollen jetzt vor allem Qualität und Ausstattung. Ein Ärgernis, das Familien mit Kindern immer wieder zu schaffen macht, muss allerdings noch angepackt werden: die Bildungskleinstaaterei. Als erster führender Berliner Landespolitiker hat der Berliner SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Michael Müller dem „Kuddelmuddel“ der unterschiedlichen Schulsysteme, Bildungswege und Lehrpläne den Kampf angesagt. „Im Bildungsbereich dürfen wir uns diese Unterschiedlichkeit zwischen den Bundesländern nicht länger leisten“, schreibt Müller in einem Kommentar für das BERLINER STADTBLATT. „Bildung muss eine nationale Aufgabe sein - mindestens mit bundesweit gleichen Standards.“ Er wirbt für ein gemeinsames Bildungssystem, das sich an den Berliner Erfahrungen orientiert: frühe Förderung, Gebührenfreiheit, Ganztagsangebote. Und eine einfache zweigliedrige Struktur, die alle Abschlüsse ermöglicht. Warum nicht auch einmal bundesweit ein Schulsystem entwickeln, das jeder versteht? U.H.
Siehe auch Seite 2

IN DIESER AUSGABE

ABSCHIED

Stadtplanung ohne Ideologie: Ein Interview mit dem scheidenden Stadtrat Uwe Stäglin. Seite 8

AVUS

Krach lass nach: Bis zum Jahr 2014 wird die Autobahn grundsaniert – mit möglichst geringer Belastung. Seite 8

GUT WOHNEN

Günstigen Wohnraum bieten Berlins Wohnungsbaugenossenschaften. Während die einen 125jähriges Bestehen feiern, gründen sich andere gerade neu. Seite 6

MAUERBAU

Stadtblatt-Leser erinnern sich an die Berliner Mauer: Drei Bilder und ihre Geschichten. Seite 4

Mieter atmen auf
Sieben Jahre Kündigungsschutz bei Umwandlung in Eigenbedarf
Der Senat hat den Kündigungsschutz bei Eigenbedarf gegenüber dem allgemeinen Mietrecht um vier Jahre verlängert. Ab 1. September kann sich ein neuer Eigentümer in Steglitz-Zehlendorf innerhalb dieser Sperrfrist nicht auf Eigenbedarf oder fehlende wirtschaftliche Verwertbarkeit als Kündigungsgrund berufen. „Gerade in Steglitz-Zehlendorf häufen sich solche Umwandelungen,“ sagt SPD-Mietenexperte Michael Arndt, der als Lankwitzer Abgeordneter an der Ausweitung des Kündigungsschutzes beteiligt war. Deshalb sei es besonders wichtig gewesen, mehr Sicherheit vor einer Eigenbedarfskündigungen im Bezirk durchzusetzen. Dies sei mit der Änderung gelungen, so Michael Arndt. In Steglitz-Zehlendorf gibt es rund 157.000 Wohnungen, meist Mietwohnungen. Durchschnittliche Wohnfläche: rund 80 Quadratmeter. Dem Durchschnittsbewohner stehen im Berliner Südwesten knapp 44 Quadratmeter zur Verfügung.

Jets verschonen Südwesten
Gesundheitsstadträtin Loth (SPD): Proteste vieler Bürger haben in Steglitz-Zehlendorf Wirkung gezeigt
Die Deutsche Flugsicherung hat die Flugrouten für den Flughafen BER in Schönefeld vorgestellt. Die neue Routenführung belastet den Bezirk jetzt nicht mehr. Steglitz-Zehlendorfs Gesundheitsstadträtin Barbara Loth (SPD): „Für uns ist entscheidend, dass der Vertrauensschutz zum Stand der Planfeststellung wiederhergestellt Flughafen „Willy Brandt“: Es geht nun doch leiser. Foto: Huss und die Proteste vieler Bürger jetzt geradeaus fliegen und haben. Laute, schwere und tief berücksichtigt wurden.“ Beim Abflug in Richtung müssen beim Überfliegen von fliegende Maschinen werden Westen können die Flugzeuge Wannsee mindestens eine Höhe südlich an Berlin und westlich auf der nördlichen Startbahn von 2,5 Kilometern erreicht an Potsdam vorbei geführt.

MAUERFALL

Wenn Wahlplakate Geschichte machen: Der Junge auf der Mauer erinnert sich an ungewöhnliche Aufnahmen. Seite 5

ZAHL DES MONATS

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So hoch ist der Prozentsatz von Professorinnen in Berlin. Im Bundesdurchschnitt sind es lediglich 18 Prozent.

ZITAT DES MONATS
»Steuersenkungen von heute sind die Sozialkürzungen von morgen.« Claus Matecki, DGB-Vorstandsmitglied.

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MEINUNG

Berliner!Stadtblatt

GUT FÜR BERLIN
Berliner Mieter bleiben länger vor Eigenbedarfskündigungen geschützt. Schon bisher konnten Käufer einer vermieteten Eigentumswohnung in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow, Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf erst nach sieben Jahren Eigenbedarf anmelden. Diese Regelung, die jetzt ausgelaufen wäre, wurde von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) verlängert und zugleich auf Mitte und Steglitz-Zehlendorf ausgedehnt. In diesen Bezirken ist der Druck auf dem Wohnungsmarkt größer. Sonst gilt eine gesetzliche Schutzfrist von drei Jahren.

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MEIN BLICK AUF BERLIN

MIETERSCHUTZ

Die Chancen für Familien erkennen
Von Peter Ruhenstroth-Bauer
Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Kitaversorgung, die Schulsituation, Freizeitangebote für Jugendliche oder die Pflegesituation - in der Berliner Politik gehört es längst zum „guten Ton“ diese Themen anzusprechen. Doch ganz schnell trennt sich die Spreu vom Weizen, wenn es um die dafür notwendigen Finanzentscheidungen geht. Häufig werden dann die sogenannten Sachzwänge ins Feld geführt. Deshalb   lautet die berechtigte Frage: Wird in Berlin nur geredet oder auch gehandelt? Meine Beobachtung: Jetzt zahlt sich aus, dass die Stadt konsequent etwas für Familien tut. Familienfreundlichkeit ist kein Lippenbekenntnis mehr, sondern ist als Standort-, Lebensqualitäts- und schließlich auch als Wirtschaftsfaktor erkannt. War es in dieser Legislaturperiode die Kita- Beitragsfreiheit, soll jetzt der nächste Schritt gegangen werden. Im Haushaltsentwurf 2012/ 2013 haben Investitionen trotz Sparzwang in Kitas und Einrichtung von Familienzentren Priorität. Eine Etappe auf dem Weg dorthin konnte der Berliner Beirat für Familienfragen initiieren und begleiten.

Berlin ist attraktiv für die Spitzenforschung geworden. Inzwischen führt der Weg renommierter Wissenschaftler nicht mehr von der Spree in die USA – die Richtung hat sich umgekehrt, wie Klaus Wowereit bei einem Besuch im Institut für medizinische Systembiologie in Berlin-Buch feststellte. Dort arbeitet Dr. Kevin Chen vom Center for Comparative Functional Genomics der New Yorker Universität an der Sequenzierung von DNA, den Erbträgerinformationen. Foto: Paul Glaser

NEUE JOBS

Nach dem Internet-Anbieter Amazon (400 neue Jobs) richtet jetzt auch der japanische Computerkonzern Fujitsu im Oktober in Berlin ein Vertriebs- und Kundenservice-Zentrum ein. Zunächst sollen 100 Mitarbeiter in Berlin eingestellt werden, in drei Jahren sollen es 400 sein. Für den Standort ist die Vielzahl an qualifizierten Mitarbeitern sowie Universitäten und Hochschulen ausschlaggebend gewesen.

Schluss mit dem Kuddelmuddel
Michael Müller: Für ein einheitliches und durchschaubares Bildungssystem in ganz Deutschland
Deutschland ist im Bildungsbereich ein Flickenteppich. Diverse Schulformen, unterschiedliche Lehrpläne – das ist zum Nachteil der Schülerinnen und Schüler. Wir als Landespolitiker wollen über möglichst viele Themen selbst entscheiden. Aber im Bildungsbereich dürfen wir uns diese Unterschiedlichkeit zwischen den Bundesländern nicht länger leisten. Bildung muss eine nationale Aufgabe sein - mindestens mit bundesweit gleichen Standards. Deshalb ist die ausschließliche Zuständigkeit der Bundesländer der falsche Weg. Es zeigt sich immer deutlicher, wie dieses System ausgestaltet sein muss: frühe Föreine Zweigliedrigkeit mit Gymnasien und Sekundarschulen, an denen man auch Abitur machen kann. Berlin setzt auf diesem Weg Maßstäbe. Wir brauchen dieses gemeinsame Bildungssystem, damit möglichst viele Kinder zu guten und sehr guten Schulabschlüssen kommen. Ein Bildungssystem mit einheitlichen Standards bietet der einzelnen Schule trotzdem die Möglichkeit, ihr Profil zu bilden, Schwerpunkte zu setzen oder auch Lehrer selbst auszuwählen. So gibt es die richtige Kombination von gemeinsamen Standards und der lokalen Mitsprache von Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern.

Peter Ruhenstroth-Bauer ist ehrenamtlicher Vorsitzender des Berliner Familienbeirats.

SCHLECHT FÜR BERLIN

Die Bundesregierung setzt das Chaos an den Hochschulen fort: Das eigentlich für 2010 angekündigte bundesweite elektronische Zulassungssystems für Studiengänge mit örtlichem Numerus clausus funktioniert nicht, Studenten müssen sich weiter an allen Unis einzeln bewerben. Die Folge, so der SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz: „20.000 Studienplätze pro Semester bleiben unbesetzt, während viele Studenten unversorgt bleiben. Das ist vollkommen inakzeptabel!“

UNIZULASSUNG

Michael Müller ist Landes- und Fraktionsvorsitzender der Berliner SPD. Foto: SPD

Zentraler Ansatz des  überparteilichen Beratungsgremiums des Senats ist es, nicht nur die Risiken für Familien in Berlin benennen, sondern auch die Chancen erkennen. Denn auch hier tut sich eine Menge:   Nicht nur die Politik auch   die Arbeitgeber spüren zunehmend, dass sich Investitionen in familienfreundliche  Arbeitsplätze um ein Vielfaches auszahlen. Berlin ist familienfreundlich, wenn auch in Zukunft die Rahmenbedingungen stimmen – zum Beispiel mit Familienzentren in der ganzen Stadt, einem zentralen Familieninformationsportal im Netz und konkreten Lösungsmodellen für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf.

WAS IST LOS IN BERLIN
࡯ 20. und 21. August: In Umfragen hat die schwarz-gelbe Bundesregierung schon lange keine Mehrheit mehr. Aber sie regiert noch und so lädt sie an den beiden Tagen zwischen 10 und 18 Uhr wieder zum Tag der Offenen Tür in die Ministerien und das Bundeskanzleramt. „Besuchen Sie zum Beispiel Diskussionsrunden mit Kabinettsmitgliedern“, so die Werbung der Bundesregierung. Ob sich danach ihr Tun besser erschließt? ࡯ 21. August: Eine „Wahlkampfpause“ verordnet die Evangelische Kirchengemeinde St. Petri - St. Marien in Mitte an diesem Tag den fünf Landespolitikern Volker Ratzmann (Bündnis 90 / Die Grünen), Frank Henkel (CDU), Dr. Martin Lindner (FDP), Christian Gaebler (SPD) und Stefan Liebig (Die Linke). Im liturgischen Rahmen des Sondergottesdienstes um 18.30 Uhr sind sie gebeten, über ihre politischen Konkurrenten nur Positives zu äußern. Da kommen sie doch gern. ࡯ 2. bis 7. September: Die Internationale Funkausstellung IFA lockt mit neuesten Elektronik-Angeboten. Hippe TV-Geräte, Kameras, Notebooks, Navigationsgeräte sind zu bewundern, das Internet spielt die gewohnt wichtige Rolle. Insgesamt kommen 1200 Aussteller aus 32 Ländern. Zeit, vielleicht auch wieder stärker über die flimmernden Inhalte nachzudenken.

derung, Gebührenfreiheit von der Kita bis zur Hochschule und möglichst flächendeckend Ganztagsschulen mit Essensangebot. Im Oberschulbereich

Stadtblatt-Presseschau: Wer die Wahl hat...
Berlin wählt. Die Parteien haben ihre Plakate aufgestellt, an den Ständen informieren Wahlkämpfer über ihre Programme. Bis zum 18. September haben Wählerinnen und Wähler Zeit, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Ein kleiner Blick in die Berichterstattung. Taz: „Die Grünen aber wünschen sich vor allem Renate Künast im Roten Rathaus. Doch je weiter sie hinter der SPD liegen, desto offensichtlicher wird, dass sie ihren Traum nur mit der CDU verwirklichen können. Und je offensichtlicher das wird, desto mehr verschrecken sie einen Großteil ihrer Wähler. Zwei Drittel aller Grünen-Sympathisanten bevorzugen eine Koalition mit der SPD, Tendenz steigend. Werbeexperte Raban Ruddigkeit bewertete die Wahlplakate im Berliner Kurier: „Berlin ist eine ganz besondere Stadt mit ganz vielen Lebensentwürfen, das zeigt die SPD sehr gelungen. Zeitgemäße Werbung, intelligent und modern.“ Süddeutsche Zeitung: „Wenn die SPD nun (nach dem Attentat in Norwegen, die Red.) Plakate mit einem hübschen Kopftuchmädchen zeigt und „Berlin verstehen“ dazu schreibt, wirkt das auf einmal nicht mehr wie verlogene HeileWelt-Werbung. Sondern wie eine friedliche und doch glasklare Kampfansage gegen rechten Wahnsinn. Das passt.“ Online-Magazin Cicero: „Letzten Endes wird die Wahl am 18. September von den Wählern entschieden und für deren Gunst muss die kantige Künast erst noch ein paar ihrer Ecken abschleifen. Was das für ihre Authentizität bedeutet, ist wieder eine andere Frage. Betrachten wir die Amtsanwärterin in ihrem Wahlkampf, scheint das bisschen Avantgarde jedenfalls verflogen, das die Grünen auf dem Weg zur Volkspartei wohl einzubüßen bereit sind.“ Bild-Zeitung: „Zwar würden derzeit laut Forsa 66 Prozent der Grünen-Anhänger ein rot-grünes Bündnis bevorzugen und nur 17 Prozent Grün-Schwarz. Aber viele Christdemokraten auch im Bund hoffen insgeheim darauf, dass die Grünen ein Bündnis mit der CDU eingehen würden, wenn sie mit Künast dann die Bürgermeisterin stellen könnten.“

„HERDPRÄMIE“

Die Bundesregierung will 2013 ein „Betreuungsgeld“ für Eltern einführen, die ihre Kinder nicht zur Kita bringen. 21 Verbände und Gewerkschaften haben dagegen jetzt erneut protestiert: Das Betreuungsgeld stelle sozial schwache Familien vor die Alternative, entweder monatlich 150 Euro zu erhalten oder aber Bildungs- und Förderungsangebote für ihre Kinder. Das stehe „im krassen Widerspruch zu allen bildungs- und migrationspolitischen Zielen“. Berlin zielt mit seinem ausgebauten Kitaangebot gerade darauf ab, durch frühe intensive Förderung die Bildungschancen für Kinder aus sozial schwächeren Familien zu verbessern.

IMPRESSUM
Herausgeber: Rüdiger Scholz, SPD Landesverband Berlin, Müllerstr. 163, 13353 Berlin Chefredakteur: Mark Rackles (V.i.S.d.P.) Redaktion: Daniela Augenstein, Ulrich Horb, Gunter Lange, Dieter Pienkny, Ulrich Rosenbaum Autoren: Horst Bosetzky, Siegfried Heimann Bezirksredaktion: Ulrike Dehmel, Julian Zado (Mitte), Burkhard Hawemann (Friedrichshain-Kreuzberg), Wolf Witte (Pankow), Robert Drewnicki (Charlottenburg-Wilmersdorf), Ulrike Sommer (Spandau), Anne-Kathrin Helmstorf, Hans Kegel (Tempelhof-Schöneberg), Ruppert Stüwe (SteglitzZehlendorf), Stefan Aust (Neukölln), Ralf Thies (Treptow-Köpenick), Dmitri Geidel, Enrico Stoelzel (Marzahn-Hellersdorf), Henning Fahrenberg, Peter Müller (Lichtenberg), Gilbert Collé (Reinickendorf) Redaktionsassistenz: Teodora Gionova-Busch Anschrift: Berliner Stadtblatt, Müllerstr. 163, 13353 Berlin, Mail: info@berliner-stadtblatt.de, Internet: www.berliner-stadtblatt.de Projektorganisation: NetworkMedia GmbH Gestaltung: Projektdesign Berlin Anzeigen: Berliner vorwärts Verlagsgesellschaft mbH, Mail: anzeigen@vorwaerts.de Druck: Henke Pressedruck GmbH & Co. KG Auflage: 446.300 Exemplare

Berliner!Stadtblatt

THEMA

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Die Zeiten ändern sich – auch in der Kita
Berlin ist Tag und Nacht geöffnet. Wie flexibel müssen die Betreuungsangebote künftig sein?
Passt die Öffnungszeiten an, sagen die einen. Mutet Kindern nicht zu viel zu, warnen die andern. Maren J. (35) aus Mitte arbeitet als Serviererin in einem Bistro in Charlottenburg. Eigentlich tagsüber. Aber während der Messezeiten werden in der Gastronomie alle Regeln zur Ausnahme, auch für Maren J. Meist weiß sich die alleinerziehende Mutter der dreijährigen Marie zu helfen; Großeltern oder Nachbarinnen springen ein und kümmern sich um die Kleine. Aber manchmal ist guter Rat teuer. Dann ist Maren J. froh, dass die Kita ihrer Tochter mindestens zwölf Stunden täglich geöffnet hat – von 6 bis 20 Uhr. Noch ist die Öffnungszeit ihrer Kita ungewöhnlich. Die meisten Berliner Kindergärten schließen abends um 18 Uhr – auch dies ist eine familienfreundliche Öffnungszeit, jedenfalls verglichen mit anderen Bundesländern. Fast zwei von drei Kindern besuchen in Berlin einen Ganztagskindergarten. Hier werden alle Kinder gut gefördert, zumal solche aus armen und bildungsfernen Familien. Berlin ist Tag und Nacht geöffnet, das macht den Reiz der Stadt aus. Die Anziehungskraft der Metropole bedeutet aber auch, dass in vielen Branchen rund um die Uhr und zu ungungskonzern Dussmann plant gar eine ganze Kette von Kitas, die rund um die Uhr geöffnet haben – und will damit Geld verdienen. Auch unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gibt es Zusammenarbeit mit Unternehmen. „Es steht außer Frage, dass die Angebotsformen differenzierter werden und sich an den Bedarfslagen der Familien orientieren müssen“, heißt es bei der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di), die die Interessen der Erzieherinnen und Erzieher vertritt. Aber sie gibt zu bedenken: „Lange aushäusige Zeiten der Kinder mit ‚Fremdbetreuung‘ und eine immer größere Flexibilisierung werden der Entwicklung und den individuellen Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht.“ UDS Schreiben Sie uns ihre Meinung: Müssen Kitas flexibler öffnen? Brauchen Familien mehr Zeit für ihre Kinder? An meinung@berliner-stadtblatt.de, per Post an Berliner Stadtblatt, Müllerstr. 163, 13353 Berlin.

Spielend lernen: Kita in Wilmersdorf.

Foto: Paul Glaser

gewöhnlichen Zeiten gearbeitet wird. Tourismus, Informationstechnologie, Kreativindustrie, Telekommunikation, Gastronomie und Hotellerie. Ein Blick in die Stellenangebote genügt: Wer hier einen Job sucht, von dem wird Flexibilität erwartet. Das hat Auswirkungen auf die Kitabetreuung. So fordert etwa die Berliner SPD: „Die SPD setzt sich dafür ein, die Kinderbetreuung in Berlin flexibler zu gestalten. Wir stellen sicher, dass viele Kitas in Berlin weiter-

hin Öffnungszeiten von bis zu 12 Stunden anbieten können.“ Die Sozialdemokraten reagieren damit auf das, was Mütter und Väter wünschen. Stellvertretend für viele Betroffene sagt Elisabeth Küppers vom Landesverband Alleinerziehender Mütter und Väter: „Das größte Problem haben die Eltern, die im Schichtdienst arbeiten – sprich, diejenigen in klassischen Frauenberufen: Krankenschwestern oder Verkäuferinnen. Selbst wenn die

Kita lange geöffnet hat, reicht das nicht bei Ladenöffnungszeiten bis 20 Uhr oder an Samstagen.“ Einige Kitaträger haben zusammen mit Berliner Arbeitgebern Kitas eröffnet, die den flexiblen Arbeitszeiten Rechnung tragen. Dazu gehört zum Beispiel die gemeinnützige Fröbel-Gruppe. Sie betreibt einen Kindergarten auf dem „Campus Adlershof “, der von 6 bis 20 Uhr geöffnet hat, bei Bedarf auch länger.

Ähnliche Angebote gibt es im Virchow-Klinikum am Augustenburger Platz, bei die Axel Springer AG und bei Daimler am Potsdamer Platz. Der Reini-

STADTBLATT-THEMA: FAMILIE
Berlin hat sich auf Familien eingestellt: Experten bescheinigen der Stadt ein hervorragendes Kitaangebot, Familienzentren entstehen, viele Schule sind saniert, die Förderung ist verbessert, auch die neuen Sekundarschulen führen zum Abitur. Wohnraum für Familien ist noch immer deutlich günstiger als in anderen Großstädten, neue Jobs entstehen vor allem in zukunftsorientierten Branchen. Auch dies u. a. wieder, weil das Kitaangebot stimmt.

Kinder, Kinder…
Berlin ist Spitze bei der Kita-Betreuung
Ob bei der Betreuungsquote oder den Pro-Kind-Ausgaben: Berlin ist bundesweite Spitze! Die Angebote für die Eltern sind in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches gestiegen. Die Zufriedenheit wächst. Das haben zuletzt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung und ein Vergleich der Landeshauptstädte im Auftrag der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam nachdrücklich unter Beweis gestellt. So liegt Berlin bei den Pro-Kind-Ausgaben vorn. Jährlich 4.145 Euro pro unter 6-jährigem Kind gab die Stadt im Jahr 2010 aus. Das sind die höchsten Ausgaben aller Länder. Sie lagen dabei um 1.367 Euro über den durchschnittlichen Ausgaben in Deutschland. 94,6 Prozent der Kinder in der Altersgruppe 3 bis 6 Jahre haben einen Platz in einer Kindertagesbetreuung. Bei der Betreuung der unter Dreijährigen liegt Berlin im Vergleich zu den anderen bundesdeutschen Landeshauptstädten mit einem Versorgungsgrad von 41,2 Prozent auf Platz 4. Nur Magdeburg, Potsdam und Schwerin liegen noch besser. Steigerungsfähig ist der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund. S. S.

Eine Kita für Eltern
Familienzentren als Treffpunkte im Kiez
Morgens kommen die Kinder, abends die Eltern. Aus Kitas sollen Familienzentren werden - Treffpunkte im Kiez. „Eine berlinweite Umsetzung des Konzepts Familienzentren“ verspricht der Senat in seiner Antwort auf den Bericht des unabhängigen Berliner Familienbeirats. Was an Angeboten möglich ist, zeigen bereits das Familienzentrum am Kreuzberger Mehringdamm oder die Kiezoase in Schöneberg: Ein Café als Anlaufpunkt, Kurse für junge Eltern und ihre Babys, Sport-, Musik- und Tanzangebote, ein Babysitter-Service. Dazu Beratung bei Familien-, Gesundheits- und Rechtsfragen, Deutschkurse für Eltern, für Schulkinder Hilfe bei den Hausaufgaben. Nun sollen solche Zentren dort entstehen, wo viele Eltern bereits täglich ein- und ausgehen. 1800 Kitas gibt es in Berlin, etliche könnten ihr Angebot ausbauen, sich zu Treffs für alle Eltern und Kinder aus der Nachbarschaft entwickeln und mit Stadtteilzentren, Mehrgenerationenhäusern und Schulen im Kiez zusammenarbeiten. Der Berliner Familienbeirat möchte in einer ersten Ausbaustufe aus 100 Kitas Familienzentren machen. U.H.
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BERLIN AKTUELL

Berliner

Im August 1960 besuchte Willy Brandt unangemeldet das SPD-Büro in Friedrichshain. Nach dem 13. August 1961 musste es schließen. Foto: Archiv der sozialen Demokratie

Hans Werk (r.) war einer der ersten Busfahrer, die auf Initiative der Gewerkschaft ÖTV zur Unterstützung der BVG nach West-Berlin kamen. Foto: privat

Häuserfronten als Mauer: 1972 kam Norbert Schulz nach Berlin und fotografierte die Bernauer Straße im Wedding. Foto: Norbert Schulz

13. August - die gespaltene Stadt
Stadtblatt-Leser erinnern sich an die Mauer und das Leben in zwei Stadthälften
Vor 50 Jahren begann ihr Bau, 28 Jahre stand sie, teilte eine Stadt, trennte Familien, brachte Menschen den Tod. Leserinnen und Leser des Berliner Stadtblatts schickten uns ihre Erinnerungen an die Mauer. Hier eine Auswahl. Sven Heinemann, Friedrichshain: Ein Foto hat er jetzt in einem Archiv ausfindig gemacht hat. Darauf zu sehen: Willy Brandt, der das Kreisbüro der SPD Friedrichshain am Boxhagener Platz verlässt. Ein Solidaritätsbesuch im August 1960. Denn was nur wenige wissen: Bis zum August 1961 gab es die SPD auch in OstBerlin. „Nach dem Eintreffen Brandts kam es zu einem Menschenauflauf und zu lauten Beifallsbekundungen“, so Sven Heinemann. Nach dem August 1961 musste die SPD ihre Büros schließen, die Partei in OstBerlin auflösen. Hans Werk, Spandau: „Ich gehörte zu den ersten acht Busfahrern und Schaffnern, die von den Frankfurter Verkehrsbetrieben nach West-Berlin kamen“, erinnert er sich. „Am 3. September 1961 trafen wir auf dem Luftweg in Berlin ein. Unsere Busse wurden mit der Bahn nach Berlin transportiert.“ Der Mauerbau hatte das Verkehrssystem der Stadt zerschnitten, die von der östlichen Reichsbahn betriebene S-Bahn wurde im Westteil boykottiert, von einem Tag auf den anderen fehlten Busfahrer. „Der Solidaritätseinsatz sollte vier Wochen dauern, wurde dann aber bis zum 30. April 1963 verlängert.“ 1965 zog Hans Werk endgültig nach West-Berlin und erlebte den Mauerfall hautnah. Norbert Schulz, Kreuzberg: 1972 kam er mit 25 Jahren zum Jurastudium nach Berlin. „Damals bin ich in eine WG in Schöneberg eingezogen. Das alternative Leben hatte mich angelockt, Kneipen, Programmkinos. Diese neue Art ,Freiheit’ habe ich sehr genossen.“ Mit dem Fotapparat fing er aber auch die bedrückende Stimmung der Bernauer Straße ein. „Mitte der 70er-Jahre lernte ich eine junge Frau kennen, die auf Antrag aus der DDR ausreisen durfte. So bin ich regelmäßig ,rüber’ nach Potsdam, um ganz persönliche Nachrichten, Fotos usw. zu überbringen, im Gepäck jede Menge Westwaren.“ Natürlich streng kontrolliert. U.H.

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Noch vor der Wahl hat der Berliner Senat seinen Entwurf für den Landeshaushalt vorgelegt. „Der Bildungsbereich mit 4,2 Mrd. € ist der am stärksten wachsende Teil des Haushalts, so Staatsekretärin Iris Spranger (SPD). Trotz Ausgabebegrenzung und stark steigender Sozialausgaben werden auch die Investitionen auf dem bisherigen Niveau verstetigt. „Dennoch wird Berlin schon deutlich vor 2020 einen Haushalt ohne neue Schulden vorlegen können.“

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Ein Gebäude und viele Geschichten - Ausstellung „125 Jahre Architekturmuseum“
Architektonischer Kontrast am Werderschen Markt in Mitte: In den Fenstern der hellen, nüchternen Fassade des Auswärtigen Amtes spiegelt sich eine Fassade des Schinkelschen Klassizismus. Das rote Backsteingebäude ist ein Fake aus Plastikplanen, bedruckt mit der feingliedrigen Fassade, wie sie einst der preußische Baumeister Karl-Friedrich Schinkel gezeichnet hat. Nur eine Ecke ist real, zeigt solide Baukunst. Die Berliner Bauakademie ist ein baumeisterliches Kleinod, das sich nach Auferstehung sehnt. Karl-Friedrich Schinkel ist Preußens ranghöchster Baudirektor, als er die Entwürfe für die Königliche Preußische Bauakademie zeichnet. Zwischen 1832 und 1836 entsteht das Gebäude. Im 2. Obergeschoss bezieht er eine Dienstwohnung. Nach Schinkels Tod 1841 erinnert ein Museum an den genialen Baumeister. 1884 zieht die Messbild-Anstalt ein, zu Beginn der zwanziger Jahre die Deutsche Hochschule für Politik. In den letzten Kriegsmonaten brennt das Gebäude aus. Nach Instandsetzung wird das Gebäude zeitweilig Sitz der Deutschen Bauakademie, 1962 folgt der Abriss. Die Schinkelsche Bauakademie weicht einem Neubau des DDR-Außenministeriums, das 1995 auch abgerissen wird. Der Senat lässt jetzt mit einem Gutachten die Chancen einer wirtschaftlich vertretbaren Nutzung einer wiederaufgebauten Bauakademie ausloten. G.L.

Im Musterraum der Bauakademie am Schinkelplatz zeigt die TU noch bis zum30. September (täglich von 11-19 Uhr ) die Ausstellung „125 Jahre Architekturmuseum“. Foto: Gunter Lange

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Mit einem Bürgerfest wird am 2. und 3. September der Park am Gleisdreieck eröffnet. Zunächst wird Stadtentwikklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer den östlichen Teil des früheren Bahngeländes freigeben.

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U18-Wahl für Kinder und Jugendliche
Die Idee entstand vor 15 Jahren in einem Berliner Jugendclub. „Wir haben die U18Wahl ins Leben gerufen, weil wir zeigen wollten, dass sich auch Kinder und Jugendliche für Politik interessieren“, erzählt der Gründungsvater des Projekts Marcus Lehmann.
hen, Unterschiede in den Wahlprogrammen der Parteien zu erkennen und Versprechen von Politikerinnen und Politikern kritisch zu hinterfragen“, sagt Candida Splett vom Landesjugendring Berlin. Im Vorfeld der U18Wahl, die neun Tage vor der Abgeordnetenhauswahl am 9. September stattfindet, setzen sich die Jugendlichen dafür mit den Wahlprogrammen der Parteien und den Wahlversprechen der Politiker auseinander. „Im Moment sind wir auf der Suche nach geeigneten Wahllokalen“, sagt Candida Splett. „Wer die Möglichkeit hat, einen Raum zur Verfügung zu stellen, kann ein Wahllokal für die U18-Wahl über unsere Internetseite anmelden.“ K.D.

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Mit Ausländerhetze und Agitation gegen „Multikulturalismus“ zieht die rechtsextreme NPD in den Wahlkampf. Der Landeswahlausschuss hat am 22. Juli grünes Licht gegeben, die rassistische Partei bewirbt sich mit einer zehnköpfigen Landesliste für das Abgeordnetenhaus und kandidiert mit Ausnahme von Charlottenburg-Wilmersdorf für sämtliche Bezirksparlamente. Die Rechtspopulistentruppe „pro Berlin“ stellt eine Landesliste und in 77 Wahlkreisen Direktkandidaten auf. Außerdem tritt sie mit Listen für alle zwölf BVVs an. Bei der „Freiheit“ des Ex-CDUlers Rene Stadtkewitz reicht es neben der Landesliste nur für Direktkandidaten in 30 Wahlkreisen. Ebenso kandidiert die Islamkritiker-Partei für elf Bezirksparlamente, lediglich nicht in TempelhofSchöneberg. Zum Wahlkampfendspurt hat die „Freiheit“ für den 3. September u.a. RechtsaußenPolitiker wie den niederländischen Islamfeind Geert Wilders und Oskar Freysinger von der national-konservativen Schweizerischen Volkspartei eingeladen. Eine „große islamkritische Veranstaltung“ ist geplant.
Zusammengestellt vom Informationsdienst gegen Rechtsextremismus „Blick nach rechts“ www.bnr.de

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Die Flugsicherung hat jetzt neue Routen zum künftigen Großflughafen vorgeschlagen, die die Lärmbelastung im Süden Berlins verringern und gerechter verteilen sollen. Protest gibt es noch gegen die geplante Überfliegung des Müggelsees. Hier werden weitere Alternativen geprüft.

Bei der Wahl dürfen all diejenigen ihr Kreuz machen, die beim offiziellen Urnengang wegen ihres Alters ausgeschlossen sind - die unter 18Jährigen. In diesem Jahr geht die U18Wahl in Berlin bereits in die siebte Runde. „Ziel von U18 ist es, junge Menschen darin zu unterstützen, Politik zu verste-

U18: Aktive Erstwähler. Foto:PR

www.u18.org/berlin

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BERLINER LEBEN

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Der erste Blick über die Mauer
Wie der echte Mauerfall das Leben des Jungen auf der Leiter veränderte
Fabio Patrzek war einer der ersten, die einen Blick über die Mauer wagten. Es war der Herbst 1988, Fabio war sieben Jahre, er stand auf einer Holzleiter. Ein paar Wochen später, exakt vom 29. Dezember 1988 an, hing das Bild mit ihm überall in der Stadt – als Wahlplakat der Berliner SPD. Fabio blickte darauf ein wenig skeptisch in den zugemauerten Osten, ihm gegenüber ein neugieriges Mädchen mit Pionierhalstuch. Ein Bild, das auf die Zukunft setzte. Der Slogan: „Berlin ist Freiheit“. An einen Fall der Mauer war zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken. Fabios Mauer war eine weit über zwei Meter hohe Kulisse aus Holz, mit Graffiti besprüht. „Oben drauf ein aufgeschnittenes Kunststoffrohr“, wie sich Fotograf Kelly Kellerhoff erinnert. Aufgebaut war sie in der Bahnhofshalle des damals noch stillgelegten S-Bahnhofs Witzleben. Kellerhoff setzte damals die Bildideen um, die der SPDWahlkampfstratege Wolfgang Nagel zusammen mit der Agentur Runze und Casper für die Wahl im Frühjahr 1989 entwickelt hatte. Motive, die sich von den gewohnten Wahlplakaten deutlich unterschieden. Für Fabio Patrzek war es nicht der erste Fototermin. Seine Familie war mit Kelly Kellerhoff befreundet, Fabio hatte mit ihm zuvor bereits Werbeaufnahmen gemacht. Sein fröhliches Gegenüber auf der Mauerkrone kam von der Künstlervermittlung des Arbeitsamtes. Für den Siebenjährigen war die Zusammenarbeit mit einem Mädchen allerdings ungewohnt: „Ich wäre am liebsten wieder gegangen“, erinnert er sich. Die Mauer gehörte 1988 zum Alltag in We s t - B e r l i n , ebenso die Grenzkontrollen, an die sich Fabio Patrzek noch erinnert. Der Mauerfall aber hat dann auch ihm, dem West-Berliner, völlig neue Perpektiven eröffnet. Als sportbegeisterter Jugendlicher wechselte er von seiner West-Berliner Oberschule zur Werner-Seelenbinder-OberVerein. „Mein Bruder war der erste West-Berliner, der in der Profimannschaft der Eisbären spielte“, sagt der heute Dreißigjährige. Er selbst lief zwischen 1999 und 2002 ebenfalls für sie im Blechpalast auf. Inzwischen war das Eis gebrochen, auch zwischen Ost und West. U.H.

WOHIN IN BERLIN
Am 27. August 2011 findet die 29. Lange Nacht der Museen statt. Eröffnet wird sie um 18.00 Uhr am Kulturforum – hier ist der zentrale Umsteigeplatz für die Shuttle-Busse und es können kurzfristig noch Tickets gekauft werden. Auf der Webseite www.lange-nachtder-museen.de sind alle 100 teilnehmenden Museen zu finden.

LANGE NACHT

Damals und heute: Mit sieben Jahren machte Fabio Patrzek Aufnahmen für ein Wahlplakat der Berliner SPD, heute - mit 30 Jahren - freut er sich über das Leben in der wiedervereinten Stadt. Fotos: Archiv / Ulrich Horb

schule, einem Sportgymnasium. Und auch

beim Eishockey erfolgte ein Wechsel vom West- zum Ost-

Die Nationalgalerie zeigt noch bis zum 2. Oktober an der Potsdamer Straße unter dem Titel „Moderne Zeiten“ ihren Bestand zur Klassischen Moderne mit Arbeiten aus den Jahren 1900 bis 1945.

MODERNE

„Ich möchte inspirieren“
Menschen, die die Stadt bewegen: Paul van Dyk engagiert sich für seine Stadt, ihre Menschen und die Musik
Wer Paul van Dyk bei der Arbeit zuschauen will, der sollte reichlich Geld, Sonnencreme und spanische, englische oder griechische Sprachführer einpacken. Dyks nächste Gigs sind nämlich in Spanien, Griechenland und England. Zuletzt brachte er die Raver auf Sizilien in Bewegung, danach in Rumänien, im Hunsrück und in der Schweiz. Der Berliner gilt als einer der besten DJs (Diskjockeys) und Musikproduzenten der Welt. Diesen exzellenten Ruf kann man seit vielen Jahren an seinem Terminkalender ablesen. Im Tagestakt bringt er elektronische Schwingungen in die Clubs und über die Open Airs, auf die sich die Fans in hellen Scharen einlassen. In Brasilien, heißt es, habe Paul van Dyk mit seinen Beats eineinhalb Millionen junger Raver in diesen typischen Rhythmus gespielt, der weltweit sein Markenzeichen geworden ist. Seine Mixes und Remixes gehen unmittelbar in Bewegungsenergie über. Die Körper schwingen mit. Töne, Beats, Rhythmen, Licht legen sich in den Raum und werden eins mit den Ravern, der Nacht und dem DJ, der das alles in Bewe-

Das Treffen der Königinnen
Erstmals sind 27 Mauritius-Marken an einem Platz vereint – und das in Berlin
Es darf gewettet werden, wie lange die Schlangen vor dem Museum für Kommunikation an der Leipziger Straße sein werden. Denn nur drei Wochen dauert ein Ereignis, das die Herzen der Briefmarkensammler aus aller Welt höher schlagen lässt. Rund drei Viertel der heute weltweit noch existierenden 27 Exemplare der berühmtesten Briefmarke der Welt, der MauritiusMarke, werden vom 2. bis zum 25. September 2011 in Berlin gezeigt. Nicht nur für Kenner, auch für Laien symbolisiert die Blaue Mauritius alles, was eine Briefmarke zur Besonderheit macht: Ein märchenhaft hoher Wert, absolute Seltenheit und eine faszinierende Entstehungsgeschichte, um die sich manche Mythen und Legenden ranken. Der Titel der Ausstellung „Die Blaue Mauritius. Das Treffen der Königinnen in Berlin“. In dieser weltweit einzigartigen Ausstellung führt das

AUSSTELLUNGSTIPP

gung setzt wie ein Herz, das Leben in den Körper pumpt. Van Dyk gibt sich eher zurückhaltend, in Interviews und bei der Arbeit. Korrekte Frisur, T-Shirt, Mineralwasser. Er geht fast kontrolliert mit der Musik mit, wenn er über seinen Laptops und Keyboards schaltet. „Ich möchte die Menschen in eine andere Welt entführen, für einen kurzen Moment, wenn sie sich in der Musik verlieren. Ich möchte sie inspirieren.“ Gelegentlich lässt er sich auch in Berliner Clubs sehen. Im legendären „Tresor“, begann Paul van Dyks Leben als Schöpfer elektronischer Klänge vor rund 20 Jahren. Geboren wurde er vor 40 Jahren in Eisenhüttenstadt, kurz vor der friedlichen Revolution durften seine Mutter und er ausreisen. Paul van Dyk (40) ist so etwas wie der Botschafter für

Berlin. Den legendären Ruf der Berliner Clubszene, die er durchaus auch skeptisch sieht, hat er mitbegründet und in die Welt getragen. Dafür, vor allem aber wegen seines beachtlichen sozialen Engagements, wurde Paul van Dyk 2006 der Verdienstorden des Landes Berlin von Klaus Wowereit überreicht. So fördert van Dyk beispielsweise das DRK-Projekt „Rückenwind“, das Kinder stärkt und ihnen soziale Kompetenztrainings vermittelt. „Rückenwind“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, weniger privilegierten Kindern ihre Neugier und ihren Wissensdurst zu bewahren. Klaus Wowereit über Paul van Dyk: „Er zieht viele Menschen in seinen Bann, er hat Ausstrahlung und Charisma, und das wird immer so bleiben.“ UDS

von der Deutschen Post und der Deutschen Telekom getragene Museum für Kommunikation Berlin, selbst im Besitz einer Blauen und einer Roten Mauritius, die bislang größte Anzahl dieser philatelistischen Kostbarkeiten zusammen. Die vor über 160 Jahren in der britischen Kronkolonie Mauritius herausgegebenen und nun in Berlin zu bewundernden Marken stammen unter anderem aus den Sammlungen Ihrer Majestät Königin Elisabeth II. von England, der British Library, der Postmuseen in Den Haag und Stockholm, des Blue Penny Museums (Port Louis/ Mauritius) sowie von einer

Reihe privater Sammler. Höhepunkt der Schau ist das „Kronjuwel der Philatelie“: Der mit einer Blauen und einer Roten Mauritius frankierte, auf rund vier Millionen Euro taxierte „Bordeaux-Brief “. In ihm bestätigte der in Port Louis ansässige Weinhändler Edward Francis seinem Lieferanten in Bordeaux den Erhalt von 48 Fässern Wein. Eine Begleitausstellung sowie ein Katalog erläutern den Besucherinnen und Besuchern den historischen Hintergrund des „Mythos´ Mauritius“ und zeigen, was uns an diesen Marken nach wie vor fasziniert. Eintrittskarten können vorab unter www. mauritius-in-berlin.de gebucht werden. U. R.

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SERVICE

Berliner!Stadtblatt

Zur Miete wohnen wie ein Eigentümer
Immer mehr junge Menschen entdecken den „dritten Weg“ des Wohnens: In der Genossenschaft

Adlershof: Die Anfänge der Berliner Baugenossenschaft. Foto: BBG

Gut wohnen: Arne Sangerhausen mit seiner Familie im Hof der Mariendorfer Wohnanlage. Foto: Ulrich Horb

Es war ein riesiges Familienfest am Wannsee, das die Berliner Baugenossenschaft (BBG) vor wenigen Wochen feierte: 125 Jahre alt - oder besser: jung - ist Berlins älteste Einrichtung dieser Art geworden. 1886 weihte die BBG in Adlershof, Helbigstraße 30, das erste Doppelhaus ein. Zwei Arbeiter, ein Buchhalter, ein Mechaniker, ein Sterbekassenvertreter und ein Baumaterialienhändler zogen als erste mit ihren Familien ein. Zwei Jahre später war ein ganzes Viertel entstanden. Mittendrin das eigene Wirtshaus. Heute hat die BBG 6.600 Wohnungen und 8.000 Mitglieder. Der beste Beweis, dass die Genossenschaft

kein Auslaufmodell ist, sondern eine Wohnform mit Zukunft, die in der Vergangenheit alle Wirtschaftskrisen überstanden hat. Arne Sangerhausen gehört zu denen, die davon überzeugt sind. Mit Frau und den beiden Kindern wohnt der Mitarbeiter eines Beratungsunternehmens in einer Wohnanlage der BBG in Mariendorf. Vielleicht hätte er sich ja eine Eigentumswohnung gekauft oder ein Reihenhaus gebaut, aber dann? Lässt sich wirklich kalkulieren, was da auf einen zukommt? Arne Sangerhausen wusste es besser: Auch seine Eltern und sogar seine Schwiegereltern wohnen in der Genossenschaft. In der modernisierten Woh-

nung aus dem Jahre 1931, umgeben von viel Grün, zahlt Arne Sangerhausen 4,90 Euro Kaltmiete – in der Genossenschaftssprache: Nutzungsgebühr - pro Quadratmeter. Aber nicht an irgendwelche am Profit interessierte Eigentümer, sondern praktisch an sich selbst. Er ist Mitglied der Genossenschaft, und das bedeutet „wohnen plus“. Es gibt ein Mietercafé, Ausflüge für die Kinder, und wenn mal Besucher aus Westdeutschland kommen, stehen Gästewohnungen zur Verfügung. Niemand kann ihm wegen Eigenbedarfs kündigen oder ihn durch Luxusmodernisierungen oder Umwandlungen vergraulen, denn er hat ein Dauernutzungsrecht. „Ich habe

auch noch nie erlebt, dass mit den Nebenkostenabrechnungen getrickst wurde“, sagt Arne Sangerhausen. Er darf in den Gremien mitbestimmen und kann darauf vertrauen, dass seine Genossenschaft dankt strikter Prüfungsvorgaben nicht pleite geht. Für seine Mitgliedseinlage bekommt er jährlich eine Dividende. Und wenn die Kinder eines Tages aus dem Haus sind, die Wohnung zu groß wird: Als Genossenschaftsmitglied hat er dann Anspruch darauf, in eine kleinere Wohnung zu wechseln. Sollte er einmal in materielle Not geraten: Genossenschaft bedeutet Solidargemeinschaft. „Ich habe schon mehrere Freunde von dieser Wohnform überzeugen können“, sagt Arne

Sangerhausen. Und wer angesichts eines in manchen Bezirken schon wieder angespannteren Wohnungsmarkts Probleme hat, die richtige Wohnung zu finden, sollte sich an eine der

zahlreichen Wohnungsbaugenossenschaften wenden. Übrigens: Bei der 125 Jahre alten BBG (www.bbg-eg.de) sind auch immer wieder Wohnungen frei. U.R.

VERNETZT
࡯ www.wohn-eg.de - Bundesweiter Überblick von Genossenschaften mit Suchfunktion für freie Wohnungen. ࡯ www.wohnungsbaugenossenschaften.de Bundesweiter Zusammenschluss, darunter auch 21 Berliner Wohnungsbaugenossenschaften mit Anschrift, Internetadresse und Wohnungsangeboten. ࡯ web1.bbu.de Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. (BBU) mit 356 Wohnungsbaugesellschaften und –genossenschaften in Berlin und Brandenburg und aktuellen Informationen rund ums Wohnen. ࡯ http://www.berliner-genossenschaftsforum.de/ Informationen zur Geschichte und Idee der Genossenschaften.

MANCHMAL MUSS ES SCHNELL GEHEN

WICHTIGE RUFNUMMERN FÜR FAMILIEN
Krisenhilfe 24-Stunden-Hotline Kinderschutz Kindernotdienst Jugendnotdienst Mädchennotdienst Frauenkrisentelefon Trauergruppe für Kinder und Jugendliche (030) 61 00 66 (030) 61 00 61 (030) 61 00 62 (030) 61 00 63 (030) 615 42 43 (030) 398 998 26 / 37

Berliner!Stadtblatt

Selbst ist der Baugenosse
Alte Idee, neue Projekte – das Beispiel Möckernkiez
Ulrich Haneke (69) hat große Pläne – im wahrsten Sinne des Wortes: Ein 30 000 Quadratmeter großes Grundstück am Gleisdreieck soll bebaut werden. Aber er steht dabei nicht allein. Im Mai 2009 wurde die „Möckernkiez Genossenschaft für selbstverwaltetes, soziales und ökologisches Wohnen eG“ gegründet. Ulrich Haneke gehört zum Vorstand, seit 45 Jahren wohnt er hier im Kiez. „Wir planen den Bau eines neuen Stadtquartiers mit rund 420 neuen Wohnungen und berücksichtigen dabei ökologische, soziale und interkulturelle Aspekte“, sagt er. Die Genossenschaft will das Baufeld Möckernkiez bebauen, die Wohnungen, Gewerbeeinheiten und das Gelände anschließend verwalten und bewirtschaften. Ein Projekt, das benötigt: Bis heute haben bereits über 850 Genossenschaftsmitglieder je zwei Pflicht-Geschäftsanteile à 500 Euro und weitere Geschäftsanteile in Höhe von insgesamt über neun Millionen Euro eingezahlt. Für das 90-Millionen-Euro-Projekt ist eine solide Finanzierung Voraussetzung. Viertens bedarf es einer seriösen Planung: Pläne von Architekten zur Gestaltung diskutieren die Baugenossen in Arbeitsgruppen und auf ihren Mitgliederversammlungen miteinander. Denn sie entscheiden mit, was Ausstattung und Umsetzung angeht. In zwei Jahren sollen die Wohnungen bezugsfertig sein. Ulrich Haneke kann sich freuen: Dann wird es im Möckernkiez ein neues Miteinander geben. U.H.

Beratung und Hilfe im Alltag für Familien AWO-Beratungszentrum für Familiengesundheit (030) 40 30 14 10 Verein Kinder Pflege Netzwerk (030) 76 40 38 28 Kinder- und Jugendrechtshaus (030) 66 06 36 32 Jugendberatungsstelle des Berliner Anwaltsvereins (BAV) in Marzahn (030) 460 67 584 Elternkompass (Informationen über Stipendien) (030) 278906 777 Elternkurse in Mitte (030) 9019 45400 Elternkurse in Charlottenburg-Wilmersdorf (030) 9029 15012 Beratung und Hilfe im Alltag für Senioren Ehrenamtlicher Besuchs- und Krankenhausbesuchsdienst (030) 71 38 70 50 AWO-Putzmobil (030) 71391724

Möckernkiez: Entwurf des Büros BE - Baumschlager Eberle.

zeigt, wie aktuell die Genossenschaftsidee auch heute ist. Was wird dafür benötigt? Erstens ein Auslöser. Bei Ulrich Haneke war es die Teilnahme an einem Workshop über bürgerschaftliches Engagement. Zweitens ein konkretes Projekt. 2007 entstand die Initiati-

ve Möckernkiez, die Ideen für ein leerstehendes Gelände entwickelte. Um dem damaligen Grundstückseigentümer ein Kaufangebot machen zu können, wurde die Genossenschaft gegründet und vom Dachverband BBU geprüft. Drittens werden Mitglieder

Berliner!Stadtblatt

U N T E R H A LT U N G

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Über das Glück zu fahren
Mit dem Berliner Krimiautor Horst Bosetzky unterwegs im Nahverkehr
Ich sitze nur in Bahn und Bus und schaue, sitze da wie ein Yogi, und die Welt zieht an mir vorüber. Ich muss nichts tun, nicht laufen, nicht rudern und nicht paddeln, in keine Pedale treten und auf den Verkehr achten. Es ist wie früher im Kinderwagen. Steht am Bahnhof Savignyplatz an der Hauswand „WIR rollen sitzend in den Tod“, so ist das pseudophilosophischer Unsinn für mich: Ich rolle sitzend in die Seligkeit, in einen Zustand, der als flow bezeichnet wird, das Gefühl, mit sich und der Welt eins zu sein und in eine Hochstimmung zu geraten, die das Leben auf eine höhere Ebene transportiert. „Musik wird oft nicht schön gefunden, / Weil sie stets mit Geräusch verbunden.“ Das kennen wir, wäre aber Wilhelm Busch in S- und U-Bahn unrer Ziehharmonika entlocken, kann nur als akustische Umweltverschmutzung bezeichnet werden und ist nichts anderes als grausam, aber auch auch Gitarrenspieler und Vokalisten können mächtig nerven. Bei allem Mitleid mit ihnen kann ich mir, da ich weder über Karatekünste verfüge noch eine Smith & Wesson bei mir führe, nur mühsam den Satz verkneifen: „Hier haben Sie zehn Euro, aber nur unter der Bedingung, dass sie nie wieder spielen, wenn ich im Zug sitze.“ Auch wenn „Straßenfeger“VerkäuferInnen auftauchen und ihr Verslein aufsagen, gerate ich in einen emotionalen Ausnahmezustand. Dies vor allem darum, weil ich selbst einmal durch die U-Bahn gegangen bin, um den „Straßenfeger“ zu verkaufen, und zwar im Rahmen eines Projektes, in dem meine Studierenden sich in das Leben von Obdachlosen hineinversetzen sollten. Wer wollte, konnte auch für rund 200 DM ein „Bettel-Diplom“ machen, aber außer mir wollte das nur noch eine Studentin. Seitdem habe ich immer sehr ambivalente Gefühle, wenn „Straßenfeger“-Leute die Wagen entern. Manchmal packt mich das Entsetzen, denn es waren damals schlimme Stunden, und ich will nicht mehr daran erinnern werden und gucke weg, zum anderen tun mir die armen Teufel leid und ich greife in die Tasche. Horst Bosetzky, als Krimiautor –ky bekannt geworden, schreibt für das Berliner Stadtblatt Alltagsgeschichten aus dem Berliner Nahverkehr. Zuletzt erschien von ihm im JaronVerlag der Kriminalroman „Der Lustmörder“

Bilderrätsel: Auf welchem Platz steht diese Figur?

terwegs gewesen, hätte er sein Störgefühl wesentlich drastischer in Reime gekleidet, etwa so: „Ich ringe mit dem Tode, / Höre ich schon wieder eine Quetschkommode.“ Was manche Musikanten im rollenden Konzertsaal ih-

Hat Füße und kann doch nicht laufen, steht fest verankert auf historischem Grund. Das Berliner Stadtblatt verlost unter den richtigen Einsendungen zum Bilderrätsel zwei Familienkarten (2 Erwachsene und ihre Kinder) für den Berliner Tierpark. Einsendeschluss ist der 2. September 2011 (per Post an das Berliner Stadtblatt, Müllerstraße, 163, 13353 Berlin oder per Email: raetsel@berlinerstadtblatt.de).

So gesehen
Erich Rauschenbach

Berliner Preisrätsel
Gewinnen Sie Karten für eine Besichtigungstour auf dem neuen Großflughafen
seit 2009 mit Berlin verbindet 11 Man könnte sich daran gewöhnen 15 Bietet die FU-Berlin für Niederschläge an 16 Die Hälfte einer heimischen Modemesse (auf deutsch) 18 Traditionsblume der Sozialdemokraten 23 Ist bei Piëch und bei Citroën auf dem kleinen e 25 Im Zoo schnüffeln die Jungtiere vor dem Antilopenhaus herum 26 ... mehr, desto besser 27 Höchster und aktivster Vulkan Europas 29 So hieß sie mal, die Deutsche Bank Berlin 31 Die ersten vier Buchstaben eines Erntemessers 32 Die andere Hälfte einer heimischen Modemesse (auf deutsch) 33 Wäre ohne Wuhle, Panke, Dahme auf dem Trockenen 35 Bei den Philharmonikern ist Herr von Puttkamer zuständig 40 Musikkanal, Stralauer Allee 6 42 Gottlob vorbei: Tomaten bitte nicht ... essen 44 Strahlen, die uns lange nicht verwöhnt haben WAAGERECHT 1 Ihn hegt Alba-Star Jenkins 4 Ein bekannter Berliner 9 Im April wurden im Zoo vier Küken geboren 11 Unstrut-Hainich-Kreis (Kfz) 12 Zu bewundern im Gewächshaus 1 des Botanischen Gartens 13 Wahlmonat in Berlin 14 Starke Neigung 17 Liegt zwischen zwei Höhen 19 Lauf los, Ami! 20 Ab und ... 21 Hier und ... 22 Basis 8 24 ... Karte 26 Was erwartet der Standesbeamte? 28 Unser aller Planet 30 Wenn ...., dann Wurstbuden vor dem Brandenburger Tor 30 Führt in den Berliner Wahlumfragen 33 Schreib mir, Schatz! 34 Sauerei, gewählt gesagt 36 Kam aus dem Eyjafjallajökull 37 Kommunale Arbeitsgemeinschaft „Der Teltow“ (Abk.) 38 Air Berlin verbindet TXL mit dem Koloss von ... 39 Berliner Musikmanager (Vorname) 41 Wann- und Müggelsee sind leider zu klein für dieses Segelschiff 43 Jebongt 45 Papa ohne Mama, Mama ohne Papa 46 Volkspolizei in Kürze 47 Ohne Rhin, Dosse, Briese, Spree läge sie auf dem Trockenen SENKRECHT 1 So waren manche Winterwege 2 Kugelflöte 3 Luv und ... 5 Manchmal packt sie einen 6 Einst, als es im Sommer noch warm war 7 Wurde über Libyens Gaddafi verhängt 8 Italienische Stadt, die Alitalia DIE GEWINNE Richtig gelöst ergibt sich in den markierten Feldern ein einigermaßen naheliegendes Wort. Bitte schicken Sie dieses Lösungswort bis zum 2. September 2011 per Post an das Berliner Stadtblatt, Müllerstraße, 163, 13353 Berlin oder per Email: raetsel@berliner-stadtblatt.de. Unter allen richtigen Einsendungen werden 3 x 2 Karten für eine Tour über den neuen Großflughafen inklusive Besichtigung des Infotowers verlost. Wir wünschen Ihnen Freude beim Rätseln und Glück bei der Auslosung.

AUFLÖSUNG DER LETZTEN AUSGABE:

Im Kreuzworträtsel wurde der Begriff „Sommer“ gesucht. Unser Bilderrätsel zeigte die Statue der Göttin Fortuna auf der Kuppel des Stadthauses in der Parochialstraße. Die Gewinner wurden schriftlich benachrichtigt.

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STEGLITZ-ZEHLENDORF

Berliner !"#$"%&#""

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Steglitz-Zehlendorf nimmt an der Initiative „Kommune goes International“ teil. Damit sollen allen Jugendlichen internationale Angebote zugänglich gemacht werden. Dazu entwickeln Jugendamt und Träger in den kommenden drei Jahren Projekte und setzen diese gemeinsam um. Weitere Informationen: www.jive-international.de

Kultur darf nicht nur in Mitte stattfinden
Wie weiter mit dem Museumsstandort Dahlem?
Bis zu 590 Millionen Euro hat der Bundestag im Juli 2011 für den Wiederaufbau des Stadtschlosses in der Berliner Mitte beschlossen. Als Humboldt-Forum sollen darin Bibliothek, Universität und die Museen Platz finden, die bisher in Dahlem angesiedelt sind. Gut so! Doch wie geht es mit dem Museumsstandort Dahlem weiter? Mit dieser Frage lenkt die SPD den Blick auf die Nachnutzung des bisherigen Standorts in Dahlem. „Die Dahlemer Museen dürfen in Bauten und Beständen nicht Schaden nehmen. Mit einem Verkauf der Grundstücke soll keinesfalls schlicht Kasse gemacht werden.“ Das bekräftigt die sozialdemokratische Stadträtin Barbara Loth. Sie will für ihre Partei Bezirksbürgermeisterin werden. Als Vorzug, nicht als Nachteil Berlins sehe sie die dezentralen Museumsstandorte in Charlottenburg, Tiergarten und Dahlem. In einer Stadt mit gutem U-Bahn-Netz gelte dies erst recht. Ein musealer Olymp in Mitte, umgeben von musealer Brache in den Bezirken, sei für die Stadt eher schädlich. Schon heute könne mehr für die Museen getan werden. Deshalb will Loth die Diskussion über die Nachnutzung weiter vorantreiben. „Warum nicht das Humboldt-Forum als Schaufenster der Dahlemer Museen nutzen und deren Bestände umfangreich weiter auch in Dahlem präsentieren, statt sie künftig überwiegend in Depots der Öffentlichkeit zu entziehen oder ein Architekturmuseum mit nationaler Ausstrahlung auf den Weg bringen?“ Diese Vorschläge sollten jetzt mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert werden. www.barbara-loth.de

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Das Lilienthaldenkmal im Bäkepark (Foto) soll restauriert werden. Die

Der Kulturstandort Dahlem droht zur Museumsbrache zu werden, es sei denn... Foto: SM B/ Maximilian Meisse Ikarus-Figur auf einem vier Meter hohen Sandsteinsockel, geschaffen vom Berliner Bildhauer Peter Christian Breuer, wurde 1914 errichtet. Das Denkmal erinnert an den Absturz des Flugpioniers Otto Lilienthal. Die Kosten für die Sanierung werden auf 63.400 Euro geschätzt. Mit den Arbeiten soll noch im Sommer begonnen werden

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Thärichen: Lärmschutz verbessern!
Ende Juni haben die Bauarbeiten an der Avus begonnen. Bis zum Jahr 2014 wird die Autobahn grundsaniert. Auf einer Veranstaltung der SPD erklärte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, wie sie die Belastungen für die Anwohner möglichst gering halten will. Die Avus wird jeweils nur auf einer Fahrbahnseite saniert. Pro Richtungsfahrbahn stehen also zwei Fahrspuren zu Verfügung. Um Stau zu vermeiden, wurden sämtliche Ampeln zwischen Hohenzollerndamm und Hüttenweg angepasst und weitere Baumaßnahmen im Umfahrungsbereich bis zum Ende der Sanierungsarbeiten im Jahr 2014 nicht genehmigt. Holger Thärichen, Abgeordneter der SPD in Wannsee und Nikolassee hob den Lärmschutz besonders hervor: „Allein schon durch die Sanierung erreicht man eine Lärmminderung. Das reicht aber sicherlich nicht aus.“ Welche weiteren Lärmschutzmaßnahmen zur Anwendung kommen, wird erst bei Beginn der Arbeiten im Abschnitt Nikolassee im Jahr 2014 entschieden. Nur so können die besten Lärmschutztechniken eingesetzt werden. Mit etwa 90.000 Fahrzeugen pro Tag ist die Avus die meist befahrene Verkehrsverbindung in Berlin. Sie ist seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr grundsaniert worden. Die Kosten in Höhe von etwa 28 Millionen Euro werden vom Bund getragen.

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SPD Steglitz-Zehlendorf: Jeder zehnte Euro für Radler & Co.
Radfahren in Steglitz-Zehlendorf soll einfacher und sicherer werden. Das ist das Ziel des neuen FahrradroutenKonzepts des Bezirks. Mit Absicht werden die Routen dabei über gut befahrbare Nebenstraßen geführt. Damit werden wichtige Ortsteile und Nahverkehrsknotenpunkte miteinander verbunden, zum Beispiel der S-Bahnhof Zehlendorf via Lichterfelde-West zum Regionalbahnhof LichterfeldeOst. Das Konzept wurde vom Bezirksstadtrat Uwe Stäglin (SPD) in Zusammenarbeit mit den Teilnehmern des Runden Tisches Fahrradverkehr erarbeitet, dessen ehrenamtliche Mitglieder dazu mögliche Strecken abgeradelt haben.

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Die Renovierung und Verschönerung öffentlicher Einrichtungen im Bezirk durch ehrenamtliches Engagement unterstützt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit 23.000 Euro. Das Geld erhalten 23 Einrichtungen. Darunter sind neun Fördervereine von Schulen, Sportvereine, Kitas, Jugendfreizeiteinrichtungen und Mehrgenerationenhäuser.

Barbara Loth (Bildmitte) testete mit Bürgern neue Velo-Routen.

Bis die Routen offiziell ausgeschildert werden, muss jedoch noch einiges getan werden. „Die SPD setzt sich dafür ein, dass jeder zehnte Euro in der Tiefbauunterhaltung für Barrierefreiheit und Fußgängerverkehr sowie die Verbesse-

rung der Radverkehrsinfrastruktur eingesetzt wird“, betont ihr Fraktionsvorsitzender Michael Karnetzki. Die Baumaßnahmen müssten schrittweise in den nächsten Jahren erfolgen. www.spd-suedwest.de

!"#$"%&#'(')*+,'-*.$-+&+)/Interview mit dem scheidenden Stadtrat für Bau und Stadtplanung, Uwe Stäglin
Stadtentwicklung ist in Steglitz-Zehlendorf die Domäne der SPD. Fast zehn Jahre leitete Uwe Stäglin das Ressort Bauen, Stadtplanung und Naturschutz. Jetzt wechselt er nach Halle / Saale. Berliner Stadtblatt: Herr Stäglin, warum hat die SPD gerade bei der Stadtentwicklung einen Schwerpunkt gesetzt? Uwe Stäglin: Hier können Entscheidungen getroffen werden, die den Bezirk über Jahre prägen. Daher ist es wichtig, dass jemand Verantwortung trägt, der die sozialen Folgen seiner Entscheidungen im Blick hat. Ein konkretes Beispiel ist für mich der Schulbau. Es ist doch kein Zufall, dass unter einem sozialdemokratischen Stadtrat unser Bezirk beim Ausbau der Ganztagsschule hervorragende Projekte umgesetzt hat. Zum Beispiel die Mensa der Freiherr-vonHünefeld-Grundschule. Und außerhalb der stadtund bezirkseigenen Gebäude, gibt es dort Spielraum? Natürlich, man muss ihn nur nutzen! Die Schloßstraße war für mich ein zentrales Thema, sie entwickelt sich jetzt wieder prächtig. Viele private Investitionen wurden auf den Weg gebracht, so das „Schloss“ oder jetzt das Projekt „Boulevard Berlin“. Auch die öffentliche Hand muss das Zentrum gestalten. Gehwege wurden verbreitert, gute Beleuchtung und mehr Bäume werten die Schlossstraße auf. Sie waren auch für die Straßen verantwortlich... ... hier habe ich versucht, die ideologischen Auseinandersetzungen zu vermeiden. Das heißt zum Beispiel den Radverkehr zu stärken und trotzdem Straßen, wie die Leonorenstraße, zu sanieren. Sowie für Fußgänger zu planen und Barrierefreiheit zu berücksichtigen. Allerdings, wenn dann aus der CDU gegen Tempo 30 vor Schulen geklagt wird, kommt doch wieder die Ideologie ins Spiel. Damit muss man bei dem Thema wohl leben.

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Die Jugendwerkstatt Ostpreußendamm soll eine Skateranlage bekommen. Darauf drängt die SPD in der Bezirksverordnetenversammlung. Schon vor elf Jahren hatte die Jugendeinrichtung Ideen für den Bau der Anlage entwickelt. Weil die ursprünglichen Pläne erweitert wurden und neu genehmigt werden mussten, kam es zu Verzögerungen. Die Jugendwerkstatt hofft, dass die Bahn in spätestens zwei Jahren genutzt werden kann. schiedenen Stationen über Heinrich von Kleists Werke, aber auch über sein Leben und die Umstände seines Todes berichten. Außerdem wird man sich über Mobiltelefon noch weiter informieren können.

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Das bezirkliche Frauenprogramm für die zweite Jahreshälfte 2011 liegt in den Bürgerämtern, den Bibliotheken und in den Eingangsbereichen der Rathäuser Steglitz und Zehlendorf aus. Das Programm informiert über Vorträge und Seminare zur Gesundheitsprävention, PCKurse, Fort- und Weiterbildungen zum Wiedereinstieg in den Beruf, rechtliche Informationsveranstaltungen sowie viele weitere Angebote zur Freizeitgestaltung.

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Das Kleist Grab am Kleinen Wannsee wird zum Ende des Kleist-Jahres im November umfassend landschaftsarchitektonisch neu gestaltet. Neben der Grabanlage sollen Informationstafeln mit ver-

Baustadtrat Uwe Stäglin (l.) bespricht mit dem SPD-Bezirksverordneten Detlev Ronnisch die Neugestaltung des Kleist-Grabes.
        
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