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Periodical volume

Full text: Berliner Stadtblatt Issue 2012,[3] Dezember

Berliner
ZUSAMMENHALT LEBEN UND GESTALTEN!
Zahlreiche Vereine, Stiftungen und Initiativen engagieren sich in und für Berlin. Gleich, ob bei der Stadtmission, in Sportvereinen oder als Lesepaten für Kinder – viele Berlinerinnen und Berliner leisten einen ungemein wichtigen Beitrag für den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt. Dafür bin ich ihnen von Herzen dankbar. Denn wie sähe Berlin wohl ohne all diese unermüdlichen Helfer und ehrenamtlich Engagierten aus? Mit Sicherheit grauer, kälter und weniger sozial. Alle von uns können dazu beitragen, unsere Stadt noch liebens- und lebenswerter zu gestalten. Das fängt schon im Kleinen an. Zum Beispiel, indem wir mehr Verantwortung für unsere direkte Nachbarschaft übernehmen und nicht wegschauen, wenn andere Hilfe brauchen. Lassen Sie uns so gemeinsam ein Berlin des sozialen Miteinanders gestalten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit! Ihr Klaus Wowereit

M ZBERG LE UE R S D O R F ENBURG-W C H S H A I N - KIR RIEDRI C HFA R L O T T

Stadtblatt

PREISRÄTSEL
Zu gewinnen sind 2 x 2 Freikarten für das Gourmet-Theater Palazzo.
Seite 6

W I S S E N S W E R T E S AU S B E R L I N U N D D E M B E Z I R K F R I E D R I C H S H A I N – K R E U Z B E R G · AU S G A B E D E Z E M B E R 2 0 1 2

Wenn es dunkel und kalt ist, erstrahlt Berlin in warmem Glanz. Mehr als 80 Weihnachtsmärkte gibt es in der Stadt. So auch unter dem Fernsehturm - hier lockt der Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus u.a. mit einer Eisbahn rund um den Neptunbrunnen und einem 50 Meter hohen Riesenrad mit geschlossenen Gondeln. Foto: AKP

Die zweite Miete senken
Was tun gegen ständig steigende Energiekosten? – Städtische Unternehmen als Ausweg aus der Kostenfalle – Wasserpreise sinken im neuen Jahr
Die Belastung ist spürbar gestiegen. Mehr als ein Viertel ihres Einkommens geben die Berlinerinnen und Berliner heute für die Miete aus. Heizung und Betriebskosten sind darin noch nicht eingerechnet. Und gerade diese „zweite Miete“ macht inzwischen immer mehr Haushalten zu schaffen. Ein Ende ist nicht absehbar: Mit einer drastischen Strompreiserhöhung von rund 13 Prozent schockte zuletzt der Berliner Grundversorger Vattenfall die Verbraucher. Als Begründung diente unter anderem die Ökostrom-Umlage. Hier ist die Bundesregierung der Preistreiber: Sie müsste die Befreiungen zahlreicher Unternehmen von der Umlage rückgängig machen, so wie es die SPD-Bundestagsfraktion fordert. Denn die Kosten der Energiewende können nicht einseitig die privaten Haushalte tragen. In Berlin sollen städtische Unternehmen stärkeren Einfluss auf die Preise und die Umsetzung der Energiewende bekommen. Inzwischen gehören wieder mehr als 75 Prozent der Wasserbetriebe dem Land Berlin. Gewinngarantien für private Anteilseigner gibt es künftig nicht mehr, erklärte die Berliner SPD-Fraktion. Dafür werden die Berlinerinnen und Berliner bei den Wasserpreisen um 60 Millionen Euro entlastet. Auch beim Strom soll Rekommunalisierung die Preisentwicklung dämpfen. So will sich das Land Berlin in den kommenden zwei Jahren mit einem eigenen Unternehmen an der Ausschreibung um die Gas- und Stromnetze beteiligen. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, die bereits in mehreren städtischen Betrieben vorangetrieben wird, soll künftig in einem Stadtwerk zusammengefasst werden. „Wir brauchen eine stärkere öffentliche Verantwortung in der Energieversorgung, wie wir sie in Berlin vorantreiben“, sagt der Berliner SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß. „Das Land ist dann in der Lage, für einen sozialen Ausgleich zu sorgen.“ Eine Änderung des Mietrechts auf Bundesebene verlangt der Deutsche Mieterbund, damit die energetische Sanierung bezahlbar bleibt. 11 Prozent der Modernisierungskosten kann der Vermieter derzeit auf die Jahresmiete aufschlagen, ein Betrag, der meist deutlich höher ist als die Energieeinsparung des Mieters. „Im Ergebnis zahlt allein der Mieter die Kosten“, so Mieterbundpräsident Georg Rips. Er hält stattdessen einen Zuschlag auf die Kaltmiete für denkbar, der von der konkreten Energieersparnis abhängt. U. H.
Mehr zum Thema auf S. 3

IN DIESER AUSGABE

STADTGARTEN

Warten auf den Retter: Wie geht es mit dem Prinzessinnengarten am Moritzplatz weiter? Seite 8

FOTORÄTSEL

Wie gut kennen Sie Ihren Bezirk? Interessante Preise gibt es für die richtige Lösung beim Bezirksrätsel. Seite 7

INDUSTRIE WÄCHST

Sie qualmt nicht mehr, die neue, erfolgreiche Berliner Seite 4 Industrie.

ES WEIHNACHTET

Im Überblick: Berliner Adventsmärkte mit besonderem Charme. Seite 5

SERVICE GESUNDHEIT

So lässt sich der Winter geSeite 6 nießen.

„Positive Energie“ Learning by Watching
Julia Schimeta ist neue SPD-Vorsitzende im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg
Sie ist die Neue. Seit drei Monaten ist Julia Schimeta Vorsitzende der SPD in Friedrichshain-Kreuzberg. „Mein neues Amt macht mich sehr stolz auf die SPD“, sagt die 30-jährige Doktorandin im Interview mit dem „Berliner Stadtblatt“. Schimeta ist erst die zweite Frau unter zwölf SPDKreisvorsitzenden in Berlin - eine Tatsache, die sie auch als „Chance für die Männer“ sieht. Während ihrer eineinhalbjährigen Amtszeit möchte sie sich besonders dem Thema Gleichstellung, der öffentlichen Daseinsvorsorge und dem Kampf gegen steigende Mieten widmen. Und auch die Bundestagswahl im kommenden Jahr wird eine zentrale Rolle spielen. Hier möchte Schimeta die SPD als Partei der sozialen Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellen. Selbstbewusst sagt sie: „Die Grünen sind keine linke Alternative zur SPD.“
Lesen Sie das StadtblattInterview mit Julia Schimeta auf Seite 7.

ZAHL DES MONATS

Mit einem „Baustellentag“ sucht eine Tiefbaufirma qualifizierten Nachwuchs
Zu einem „Baustellentag“ hatte die Tiefbaufirma „Frisch & Faust“ Anfang November in die Stresemannstraße eingeladen. Dort wird bis 2014 der Abwasserkanal renoviert - für interessierte Schüler eine gute Gelegenheit, die Arbeit des Kanalbauers hautnah zu erleben. „Einen krisensichereren Job gibt es kaum“, machte Ingenieur Marco Knauer Werbung. Interessierte Schüler können ein einwöchiges Praktikum absolvieren und sich anschließend für die dreijährige Ausbildung bewerben. „Gerade

435.680

So viele Straßenbäume hatte Berlin Ende 2011. Mit Hilfe einer Spendenkampagne sollen jetzt 10.000 neue Bäume gepflanzt werden. 500 Euro Spendengelder werden für einen Baum benötigt, gleich viel Geld steuert Berlin dazu. Spenden-Hotline 030 9025-1234.

ZITAT DES MONATS
»Daher betrachten wir das Streben nach absoluter Vollbeschäftigung als weder zeitgemäß noch sozial wünschenswert.« Wirtschaftsprogramm der Piratenpartei

Björn Eggert (r.) mit Marco Knauer.

mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel ist das ein vorbildliches Engagement einer Berliner Firma“, lobte der

Abgeordnete Björn Eggert, als er sich vor Ort einen Eindruck vom Baustellentag machte.
Weitere Infos: bjoern-eggert.de

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MEINUNG

Berliner Stadtblatt

GUT FÜR BERLIN

So gesehen ...

In den ersten drei Quartalen 2012 hat es 6700 Genehmigungen für neue Wohnungen gegeben, das ist ein Anstieg um fast 20 Prozent gegenüber 2011.

MEHR NEUBAU

Die Rente muss auch in Zukunft Sicherheit bieten
Im Stadtblatt-Interview: der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß
Das neue Rentenkonzept seiner Partei wird für mehr Gerechtigkeit sorgen. Davon zeigt sich der Berliner SPDLandesvorsitzende im Interview mit dem Berliner Stadtblatt überzeugt. Herr Stöß, die SPD hat am 24. November ihr Konzept zur Rente beschlossen. Wie zufrieden ist der Berliner Landesverband damit? Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Die Rentenpolitik der SPD stand zu Recht bei vielen Menschen in der Kritik. Die Berliner SPD hat sich sehr hartnäckig durch eigene Vorschläge und Ideen für die Beibehaltung des derzeitigen Rentenniveaus von 50 Prozent, für die Aussetzung der Rente mit 67 und für die Angleichung der Ost-Renten eingesetzt. Diese wichtigen Anliegen konnten wir durchsetzen. Sie sind jetzt Bestandteil der SPD-Rentenpolitik. Wird das Thema Rente im Wahlkampf 2013 eine Rolle spielen? Definitiv. Heute ist es so, dass sich nicht nur ältere Menschen und jene, die sich bereits in Rente befinden, mit dem Thema auseinandersetzen. Viele junge Menschen sprechen uns an und berichten von ihrer Angst vor Altersarmut und stressbedingter Berufsunfähigkeit. Wir erleben hier große Sorgen und wollen mit unserem eigenen Berliner Ansatz Lösungen aufzeigen. Stichwort: Burn-Out und frühzeitige Verrentung. Noch müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einem deutlichen Verlust rechnen, wenn sie arbeitsunfähig werden. Was ist Ihr Vorschlag? Das ist leider richtig. Bei vielen geht das an die Existenz. Der Durchschnittsrentner in Berlin geht mit 756,29 Euro in Rente. Das ist schon wenig. Wer allerdings erwerbsunfähig wird, bekommt im Monat noch einmal rund 200 Euro weniger. Dieser Zustand ist für uns unhaltbar. Deswegen fordern wir, die Erwerbsunfähigkeitsrente ohne Abschlag an die Betroffenen zu zahlen und haben uns auch hier durchgesetzt. Auch ein Thema, das viele Menschen bewegt: Die Gerechtigkeitslücke zwischen den Ostund Westrentnern. Wann hat die SPD vor, diese zu schließen? Da haben wir uns ein ganz konkretes Ziel gesetzt: 2020. Wir wollen die Renten der Menschen im Osten schrittweise erhöhen. Die schwarz-gelbe Bundesregierung schrieb das in ihren Koalitionsvertrag – geschehen ist jedoch nichts.

ARBEITSPLÄTZE

Der Energiekonzern E.ON siedelt 260 Arbeitsplätze aus dem Personaldienstleistungsbereich in der Hauptstadt an. Berlins Mitbewerber waren u.a. Barcelona und Istanbul.

STEUERN

Durch die positive wirtschaftliche Entwicklung nimmt Berlin erheblich mehr Steuern ein als erwartet. Die Gelder werden jetzt genutzt, um die Neuverschuldung in diesem Jahr um weitere 406 Millionen Euro zu senken.

UMWELTSCHUTZ

Mehr als 500 Unternehmen zählen in Berlin zur umweltfreundlichen „Green Economy“. Deshalb liegt Berlin beim Anteil der Beschäftigten in diesem Bereich mit über fünf Prozent vor Hamburg und deutlich vor München, Frankfurt/M. und Köln. Starke Branchen in Berlin sind die Kreislaufwirtschaft, die nachhaltige Wasserwirtschaft und die umweltfreundliche Energieerzeugung.

Karikatur: Erich Rauschenbach

MEIN BLICK AUF DIE BERLINER POLITIK

STIMMEN ZUR RENTE
I Michael Sommer, DGBVorsitzender: »Ein System, das Menschen in ganz normalen Berufen nicht mehr garantiert, nach einem langen Arbeitsleben ihren Lebensstandard halten zu können, pervertiert sich selbst.« I Max Straubinger, sozialpolitischer Sprecher der CSULandesgruppe im Deutschen Bundestag: »Ich sehe das Problem grassierender Altersarmut in der Zukunft, das die Arbeitsministerin aufzeichnet, in keinster Weise.« I Andrea Nahles zur von Schwarz-Gelb geplanten Senkung des Rentenbeitrags: »Wer jetzt die Beiträge senkt, muss sie in den kommenden Jahren umso schärfer anheben.« I Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall: »Die Absenkung des Rentenbeitrags ist ein weiteres Beispiel dafür, dass bürgerliche Parteien nicht mit Geld umgehen können.«

Die Lehren aus dem NSU-Terror
von Dr. Eva Högl
Die Morde und Sprengstoffanschläge der rechtsextremen Terrorgruppe NSU waren ein Anschlag auf unsere Demokratie. Drei Rechtsextreme zogen mehr als ein Jahrzehnt untergetaucht durch Deutschland und ermordeten kaltblütig zehn Menschen – neun Männer mit türkischem und griechischem Hintergrund und eine Polizistin. Vor einem Jahr erfuhren wir von diesem rechtsextremen Terror. Seitdem kamen nach und nach viele Informationen ans Tageslicht: Die unvorstellbare Dimension der NSU-Verbrechen, die zahlreichen Fehler der Sicherheitsbehörden und die dramatische Verharmlosung von Rechtsextremismus. Wir sind es den Opfern und ihren Angehörigen schuldig, die Hintergründe lückenlos aufzuklären. Daran arbeite ich als Sprecherin der SPDBundestagsfraktion und gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages. Bei der Mordserie wurde das Motiv der Täter nicht gesehen und nicht ausreichend in Richtung Rechtsextremismus ermittelt – ein zentrales Versäumnis. Der Verfassungsschutz hat die Gefahr des rechtsextremen Terrors nicht erkannt, ist Hinweisen nicht nachgegangen und hat sogar die Zusammenarbeit bei den Ermittlungen verweigert. Die Eitelkeiten der Behörden verhinderten einen Austausch von Erkenntnissen und Informationen. Und auch auf der politischen Ebene wurden falsche Entscheidungen getroffen, die verhindert haben, dass die Täter gefasst werden konnten. Die Vernichtung von Akten lässt den Eindruck entstehen, dass es einigen Behörden am nötigen Aufklärungswillen fehlt. Dass es sich dabei nur um Pannen handelt, ist schwer zu glauben. Der Untersuchungsausschuss wird im nächsten Jahr Vorschläge für Reformen vorlegen, die dazu beitragen sollen, dass rechtsextremer Terror frühzeitig erkannt und verhindert wird. Wir müssen die Arbeit von Polizei, Verfassungsschutz und Justiz grundlegend verändern und Rechtsextremismus konsequent bekämpfen. Nur so können wir das verloren gegangene Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen wieder herstellen. Wir alle müssen uns gegen Rechtsextremismus engagieren – staatliche Behörden genauso wie zivile Organisationen und Initiativen. Menschenfeindlichkeit und Rassismus gehören nicht in unsere Gesellschaft. Kein Mensch darf verfolgt und ausgegrenzt werden – von niemandem. Wir wollen eine tolerante und weltoffene Gesellschaft – in der Rechtsextremismus und Terror keinen Platz haben.

SCHLECHT FÜR BERLIN KÜRZUNG

Die schwarz-gelbe Koalition hat die Mittel für das Programm „Soziale Stadt“ von 50 auf 40 Millionen Euro gekürzt. Berlins Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hält dagegen eine Aufstockung auf 150 Millionen Euro für nötig. Er kritisierte, dass Schwarz-Gelb „der soziale Zusammenhalt und ein solidarisches Miteinander in den sozial schwachen Quartieren unserer Städte und Gemeinden nichts wert“ sei.

ALTERSARMUT

Die Bundesregierung plant, Beziehern von Armutsrenten 10 Euro mehr Rente zu geben, sofern sie privat vorgesorgt haben. Damit wird die Altersarmut jedoch nicht geringer: Von den 33.000 Berliner Grundsicherungsempfängern würden heute gerade einmal 660 Personen die 10 Euro mehr Geld zum Leben erhalten.

Die Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Eva Högl ist Obfrau ihrer Fraktion im NSUUntersuchungsausschuss.

IMPRESSUM
Herausgeber: SPD Landesverband Berlin, Müllerstr. 163, 13353 Berlin Chefredakteur: Mark Rackles (V.i.S.d.P.) Redaktion: Ulrich Horb (CvD), Gunter Lange, Ulrich Rosenbaum, Josephine Steffen Bezirksredaktion: Ulrike Dehmel, Heiko Hanschke (Mitte), Burkhard Hawemann, Kai Doering (Friedrichshain-Kreuzberg), Martina Krahl, Wolf Witte (Pankow), Robert Drewnicki (Charlottenburg-Wilmersdorf), Helene Sommer, Susanne Finsel (Spandau), Hans Kegel (Tempelhof-Schöneberg), Lisa Maren Bürger (SteglitzZehlendorf), Heinz Stapf-Finé, Frank Folger (Neukölln), Ralf Thies (Treptow-Köpenick), Enrico Stoelzel (Marzahn-Hellersdorf), Christian Paulus (Lichtenberg) Anschrift: Berliner Stadtblatt, Müllerstr. 163, 13353 Berlin, info@ berliner-stadtblatt.de, www.berlinerstadtblatt.de Layout-Entwurf: Projektdesign Berlin Gestaltung: kommunikationskombinat Anzeigen: Berliner vorwärts Verlagsgesellschaft mbH, anzeigen@ vorwaerts.de Druck: Henke Pressedruck GmbH & Co. KG Auflage: 340.000 Exemplare

Na also, es geht doch noch!
Der Flughafen, die AVUS und was sonst noch in Berlin los ist
Einen Mangel an Selbstbewusstsein sagt man Berlin normalerweise nicht nach. Aber in jüngster Zeit war doch etwas mehr Zurückhaltung zu spüren. Erst öffnete der Flughafen nicht, dann verzögerte sich die Fertigstellung der Staatsoper, weil die Berliner Bauarbeiter vor 350 Jahren den Boden mit zahlreichen Holzpfählen stabilisiert hatten - ohne zu ahnen, welche Schwierigkeiten sie damit künftigen Generationen bereiten würden. Ein anderes großes Bauprojekt, die Avus, sollte im November kommenden Jahres fertig werden. Man ahnte schon: Das wird nichts. Und richtig. Ein Jahr früher als geplant ist sie nun fertig. Na also, es geht doch noch. Und so richtig schlecht steht Berlin gar nicht da. Das muss auch mal gesagt werden, fand jetzt wohl der Berliner Senat. In einer Bilanz setzt er Zahlen gegen die üblichen Vorurteile. Berlin wirtschaftsschwach? Na gut, es gibt noch Nachholbedarf nach den Jahrzehnten der Teilung. Aber: Kein anderes Bundesland wächst seit 2005 so dynamisch wie Berlin. Die Stadt hält allen Verdächtigungen aus Bayern zum Trotz im ersten Halbjahr 2012 mit einem Wachstum von 1,8 Prozent bundesweit den Spitzenplatz. Das bedeutet mehr Arbeitsplätze: 2011 entstanden rund 40.000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs, die Zahl der Arbeitslosen ist um mehr als 10.000 gesunken. Der Mindestlohn, der bei Landesaufträgen gezahlt werden muss, stieg auf 8,50 Euro. Berlin zahlt seinen Landesbediensteten 2 Prozent mehr Gehalt. Die Zusammenführung von Charité und Max-Delbrück-Centrum verschafft Berlin mit dem neuen Berliner Institut für Gesundheitsforschung eine international bedeutende Einrichtung. 20 Millionen Euro stellt das Land Berlin im Doppelhaushalt 2012/2013 für den bedarfsgerechten Ausbau des Berliner Kita-Angebots zur Verfügung. Eine neue Mietenpolitik ist eingeleitet und die Zahl der Neubauanträge steigt. Berlins freie Kulturszene wird stärker gefördert. Und der neuverschuldungsfreie Landeshaushalt wird nach heutiger Planung sogar schon 2015 statt 2016 erreicht. Zahlen und Fakten, die kaum zu glauben sind. Was vielleicht damit zusammenhängt, dass man Berlin auch keinen Mangel an Selbstkritik nachsagen kann. U. H.

S-BAHN

1036 Wagen sollen morgens um 7 Uhr bei der Berliner S-Bahn eigentlich im Einsatz sein. Aber an acht von zehn Tagen schaffte die SBahn das zuletzt nicht. In weiter Ferne bleiben auch die Verstärkerfahrten auf der S1 und der S5 im Berufsverkehr.

Berliner Stadtblatt

THEMA

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Kleiner Dreh, große Wirkung
Im Stadtblatt-Interview: Tobias Quast, Energieberater des BUND, über Einsparpotenziale bei Strom und Heizung
Berliner Stadtblatt: Herr Quast, für immer mehr Berlinerinnen und Berliner werden die steigenden Energiekosten zum Problem. Der BUND bietet ja Energieberatungen an. Mit welchen Tipps lässt sich’s sparen? Tobias Quast: Es gibt viele Kniffe, die jeder Haushalt mit wenig Geld umsetzen kann. Angefangen mit wärmedämmender Fensterfolie, Dichtungsband und –bürsten für Türspalten. Wärmereflektierende Styropor-AluPlatten zur Dämmung der Heizkörpernischen kann man in jedem Baumarkt bekommen und ohne großes handwerkliches Geschick anbringen. Kurzes intensives Stoß- und Querlüften statt angekippte Fenster oder das Herunterdrehen der Heizung um einige Grad, nachts und wenn man das Haus verlässt, hilft weiter sparen. Jedes Grad Raumtemperatur weniger in der Heizperiode spart etwa sechs Prozent Energie. Stadtblatt: Lohnt sich der Einbau elektronischer Thermostate mit Zeitschaltfunktion? Quast: Das ist ein sinnvolles Mittel, um Heizkosten zu reduzieren. Einfach den alten Thermostatkopf abschrauben und durch das programmierbare Thermostat ersetzen. So lassen sich regelmäßige Raumtemperaturabsenkungen - z. B. während der Arbeitszeit oder nachts - leichter regulieren. Gute Geräte erkennen, wenn gelüftet wird und schalten die Heizung für diesen Zeitraum automatisch ab. Thermostate kosten etwa 25 Euro, das Sparpotenzial liegt bei bis zu 30 Prozent im Jahr.

Energie für Berlin
Wie Rekommunalisierung die Stadt verändert
Das Geld ist überwiesen. Für 618 Millionen Euro hat das Land Berlin jetzt knapp ein Viertel der Wasserbetriebe zurückgekauft. Damit erhöht sich sein Anteil rückwirkend zum 1. Januar 2012 auf 75,05 Prozent. Ziel ist es, einen wichtigen Versorgungsbereich der Stadt nicht dem Spiel der Marktkräfte zu überlassen - und die Wassertarife wieder zu stabilisieren. Um 60 Millionen Euro sollen die Berlinerinnen und Berliner im Jahr 2013 beim Wasserpreis entlastet werden. Darauf haben sich die Regierungsfraktionen SPD und CDU verständigt. Nach Jahren drastischer Preissteigerungen durch den Einstieg privater Investoren die erste gute Nachricht. Mit dem verbliebenen privaten Teilhaber Veolia verhandelt das Land nun ebenfalls über einen Rückkauf. Damit werden zugleich Forderungen erfüllt, die beim Volksbegehren des Berliner Wassertisches deutlich wurden. Wasserversorgung, Strom und Gas – das sind Bereiche der Daseinsvorsorge, in denen der städtische Einfluss jetzt wieder gestärkt wird, um Preissteigerungen zu begrenzen und die Energiewende mitzugestalten. So sollen die Netze für Gas und Strom in kommunale Hand überführt werden. Dafür wird ein landeseigenes Unternehmen am öffentlichen Vergabeverfahren teilnehmen. Im Jahr 2013 wird das Gasnetz neu vergeben, ein Jahr später das Stromnetz, das derzeit von Vattenfall betrieben wird. Zugleich laufen Vorbereitungen zur Gründung eines Stadtwerks, das vor allem Strom aus erneuerbaren Energien anbieten soll. Städtische Unternehmen sind hier bereits aktiv: Schon jetzt wandelt etwa die Berliner Stadtreinigung 520.000 Tonnen Abfall jährlich in Strom und Wärme um, 9.000 Quadratmeter Dachfläche auf ihren Liegenschaften werden für Solarwärme und Photovoltaik genutzt. „Wir freuen uns, dass die Regierungsfraktionen mit einem schlagkräftigen Unternehmen im Besitz des Landes Berlin den Wettbewerb um das Berliner Stromnetz gewinnen wollen. Ebenso begrüßen wir die Gründung von Stadtwerken, um den Ausbau und Vertrieb erneuerbarer Energien zu fördern und das Energiesparen in der Stadt voranzubringen“, heißt es beim Berliner Energietisch, einem Zusammenschluss von 43 Initiativen, die im letzten Sommer die erste Stufe eines Volksbegehrens „Neue Energie für Berlin“ erfolgreich abgeschlossen haben. Das Grundanliegen wird von der SPD-Fraktion seit langem geteilt, über Detailfragen führt sie derzeit noch Gespräche mit dem Energietisch. U. H.

BUND-Energieberater auf Spurensuche: Wieviel Energie verbraucht der Standby-Betrieb? Foto: BUND Berlin

Stadtblatt: Bei welchen Geräten lässt sich am meisten Strom sparen? Ist der Standby-Betrieb von Elektrogeräten immer noch ein großer Kostenfaktor? Quast: Ja, durch die Vermeidung von unnötigem Stand-By lassen sich unserer Erfahrung nach bis zu 90 Euro pro Haushalt und Jahr einsparen. Insgesamt sorgt vor allem der Bereich der Telekommunikationsund Unterhaltungselektronik für einen seit Jahren steigenden Strombedarf privater Haushalte - obwohl sich in Sachen Energieeffizienz einiges getan hat. Kühlschränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler und Fernseher sind deutlich effizienter geworden. Das hilft jedoch wenig, wenn die Leute gleichzeitig immer mehr und größere Geräte kaufen, die unter dem Strich auch mehr verbrauchen. So sind z. B. die mit LEDTechnologie betriebenen

Riesen-Fernseher oft wahre Stromfresser. Vom KostenNutzen-Effekt her muss ich eine Lanze für die Energiesparlampe brechen. Im Vergleich zu einer klassischen Glühbirne rentiert sich der Kauf oft schon innerhalb eines halben Jahres. Aus ökologischer Sicht ist wegen des Quecksilbergehalts die korrekte Entsorgung besonders wichtig. Als teilweise noch effizientere Lösung bietet sich zunehmend auch für den Haushaltsbereich die LED an. Die Kosten für eine Lampe sind hier jedoch erstmal deutlich höher. Stadtblatt: Es ist die Zeit der Weihnachtsbeleuchtung. Was für Lampen und Leuchtmittel nutzen Sie persönlich, um für stimmungsvolles Licht zu sorgen? Oder empfehlen Sie einen Verzicht? Quast: Bewusste Nutzung ist auch hier sinnvoll. Muss die Lichterkette am Fenster wirklich den ganzen Tag

brennen, obwohl ich erst abends wieder nach Hause komme? Ansonsten gibt es auch hier sparsamere Varianten, oft auf LED-Basis. Für mich persönlich ist Kerzenlicht das mit Abstand stimmungsvollste Licht zur Weihnachtszeit. Tobias Quast ist Projektleiter des Berliner Energieund Abfallchecks ...

... ENERGIECHECK VOR ORT
Für den Energiecheck kommen Berater des BUND direkt in Ihre Wohnung. Vor Ort nehmen sie sich Zeit, um Ihre Situation zu erfassen, Sie individuell zu beraten und ganz konkrete Spartipps zu geben. Für Menschen mit geringen finanziellen Mitteln ist die Beratung kostenfrei. Alle anderen zahlen 40 Euro. Strom, Heizen und Wasser sind Themen beim ersten Termin. Auch eine Analyse der Betriebskostenabrechnung gehört dazu. Bei einem zweiten Besuch nach wenigen Tagen zeigen unsere Berater detailliert auf, mit welcher Maßnahme wie viel Euro pro Jahr gespart werden können. Außerdem informieren sie mit einem Abfallcheck über korrekte Mülltrennung und Möglichkeiten der Abfallvermeidung.
I Für eine Beratung anmelden kann man sich telefonisch un-

ter 030 / 78 79 00 60 oder auf der Internetseite des Projekts: www.berliner-energiecheck.de

Kraftwerk unter dem Dach
Berliner Genossenschaft als Selbstversorger bei Wärme und Strom
Die Investition zahlt sich aus. Während in vergleichbaren Wohnungen die Heizkosten inzwischen bei einem Euro pro Quadratmeter liegen, zahlen die Mieter der Genossenschaftssiedlung Bremer Höhe in Pankow ganze 60 Cent. Und auch ihr Strompreis kann sich sehen lassen: Vertraglich festgelegt liegt er mindestens 5 Prozent unter dem Tarif des Berliner Grundversorgers. In diesem Jahr wurde der Preis sogar um zehn Prozent unterboten. Vor elf Jahren haben die Mitglieder der Genossenschaft Bremer Höhe die richtige Entscheidung getroffen. Strom und Wärme werden seither mit Blockheizkraftwerken erzeugt, die unter dem Dach stehen. Auf dem Dach selbst befindet sich zusätzlich eine Photovoltaikanlage. Betreiber ist die Berliner Energieagentur, an der das Land Berlin, die Gasag, Vattenfall und die KfW Bankengruppe je zum Viertel beteiligt sind. Ihr Ziel: eine effiziente und ökologische Energieversorgung. Die Genossenschaft Bremer Höhe entstand im Jahr 2000 - quasi in letzter Minute, als die Häuser zwischen Gneist- und Buchholzer Straße schon fast an einen Investor verkauft waren. 43 Bewohner und 8 Unterstützer nahmen damals die Instandsetzung in die eigene Hand. Und dazu gehörte auch die Frage einer eigenen Energieversorgung. „Wenn schon, dann richtig“, sagt Ulf Heitmann, Vorstandsmitglied der Bremer Höhe e.G. „Wir wollten mit dem Genossenschaftsmodell nicht nur die Miete, sondern auch die Betriebskosten langfristig niedrig halten.“ Für die großen Kesselanlagen musste der Dachboden verstärkt werden, eine Dämmung verhindert allzu laute Geräusche. Die Energieagentur wurde als Partner gewonnen, weil sie einen besseren Preis anbieten konnte, als die Genossenschaft in Eigenregie erreicht hätte. Die drei Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen senken den Energiebedarf gegenüber den früheren Heizungssystemen um fast ein Drittel und sparen so rund 2.300 Tonnen CO2 im Jahr ein. Die Photovoltaikanlage, die 45 Megawattstunden Strom pro Jahr erzeugt, spart weitere 29 Tonnen CO2. Es brauche schon eine

Bremer Höhe: Der Chef der Berliner Energieagentur Michael Geißler präsentiert Mitgliedern der SPD-Fraktion das KWK-Blockheizkraftwerk. Foto: Claudia Stäuble

gewisse Mindestanzahl an Wohnungen, um solche Anlagen sinnvoll betreiben zu können, sagt Ulf Heitmann. In kleineren Objekten kön-

ne auch Fernwärme eine vernünftige Lösung sein. An der Bremer Höhe aber habe sich das System bewährt. U. H.

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BERLIN AKTUELL

Berliner Stadtblatt

Berlins kleines Wirtschaftswunder
In der Hauptstadt wird wieder mehr produziert - Neue innovative Produkte drängen auf den Markt
Es qualmt nicht mehr, wenn heute in Berlin produziert wird. In den alten Fabrikgeo bäuden tüfteln Softwareingenieure und Designer, in modernen Fabrikationsstätten entstehen neue Straßenbahnl modelle oder hochsensible Medizingeräte. Berlins neue Industrie hat ein kleines Wirtc schaftswunder geschafft: Seit 2005 kann die Hauptstadt die beste wirtschaftliche Entwikklung aller 16 Bundesländer o - mit einem vorweisen Wachstum von 15 Prozent gegenüber dem Bundesdurchschnitt von nur 9 Prozent. Der Trend hält an. 2011 stiegen die Umsätze in der Berliner Industrie um 4,7 Prozent und die Aufträge um 7,5 Prozent. Und Berlin wird zum Exportmeister: Im verarbeitenden Gewerbe liegt die Exportquote heute mit 45 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. ein neuer Elektroroller für die Innenstädte. Reichweite mit einer Batterieladung: 100 Kilometer. Zwischen 2005 und 2011 sind in Berlin mehr als 120.000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden. Das ist ein Zuwachs von stolzen 13,5 Prozent. Damit liegt Berlin an der Spitze aller Bundesländer. Und allein in diesem Jahr kamen mehr als 40.000 neue Jobs im Vergleich zum Vorjahr hinzu. Daran haben die größeren Berliner Industriebetriebe ihren Anteil, aber auch junge Startup-Unternehmen oder kleine kreative Dienstleister. Die Finanzkrise macht keinen Bogen um Berlin, aber, so der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit: „Berlin wächst und hat eine wettbewerbsfähige Industriestruktur mit PerU.H. spektive aufgebaut.“

NOTIZEN AUS BERLIN CAFÉ-CASINOS
Sie sehen aus wie ein Lokal, leben aber von den aufgestellten Spielautomaten. Solche „Café-Casinos“, die sich in sozialen Brennpunkt-Kiezen ansiedeln, sollen nach dem Willen der SPD-Fraktion stärker kontrolliert werden, damit das Spielhallen-Gesetz nicht unterlaufen wird. Bei einer kürzlich durchgeführten Razzia in 104 Spielstätten gab es 390 Ordnungswidrigkeiten.

GASLATERNEN
Ein Großteil der Berliner Gaslaternen soll auf energiesparende LED-Technik umgestellt werden. Ihr Aussehen ändern sie dadurch nicht, auch das Licht unterscheidet sich kaum vom Gaslicht. Das zeigen jetzt fünf Musterlaternen in der Kreuzberger Falckensteinstraße.

Aus alt wird neu: In der früheren Malzfabrik in Tempelhof haben heute u.a. Architekten, Künstler, Designer, Fitneßtrainer, Strickmodenhersteller und ein Dentallabor ihren Sitz. Foto: Horb

Seit Mitte der 90er Jahre hat sie sich verdreifacht. Kein Wunder: Die Berliner Industrie, bis zur Wende im Westen nur die „verlängerte

Werkbank“ Westdeutschlands und im Osten hoffnungslos veraltet, ist heute führend, was Innovationen angeht. In Pankow produzierte Bahnen fah-

ren durch Bern oder Stuttgart, Spezialgeräte zur Krebstherapie aus Berlin-Buch sind weltweit in Kliniken im Einsatz. Aus Spandau kommt in Kürze

Es geht günstiger
Wohnen geht auch günstiger. Das belegt eine Untersuchung des Verbandes Berlinr WohBrandenburgischer nungsunternehmen, dem viele Genossenschaften und städtische Gesellschaften angehören. Gerade bei Neuvermietung zeigen sich die Unterschiede. Während BBU-Mitgliedsunternehmen in Berlin bei Neuvermietung am 31. Dezember 2011 eine durchschnittliche Nettokaltmiete von 5,60 Euro pro Quadratmeter verlangten, mussten nach Zahlen des Forschungsinstituts F+B im Berliner Durchschnitt 6,74 Euro bezahlt werden. „Eine durchschnittliche 60Quadratmeter-Wohnung kostet bei einem BBU-Mitgliedsunternehmen auf das Jahr gerechnet rund 820 Euro weniger Wo engagieren sich die Leserinnen und Leser des BERLINER STADTBLATTS in r ihrer Freizeit? Welche ehrenamtlichen Projekte und Vereine empfehlen sie? Das fragten wir in der vergangenen e Ausgabe. Hier sind einige der Antworten. Wolfgang Stapp, Lichterfelde: In der Luisenstr 11a in 12209 Berlin sitzt die Leitung der „Friedrich Spee Akademie Berlin e.V.“. Dieser Verein ist 1999 gegründet worden und hat sich zum Ziele gesetzt, Menschen in der 2. Lebenshälfte Anregungen zu geben. Halbjährlich gibt es ein Programm - was auch im Internet steht -, das 70 Veranstaltungen und mehr umfasst. Es sind nicht alles nur eigene Veranstaltungen, sondern auch solche der Th Fontane Gesellschaft oder der als bei anderen Vermietern“, sagt BBU-Vorstand Maren Kern. „Die BBU-Daten machen deutlich, dass für eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung offenkundig auch niedrigere Mieten ausreichen“, kommentierte der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild. „Aufgrund fehlender Mietrechtsregelungen können auf dem angespannten Berliner Markt Vermieter leistungslose Mietsteigerungen einzig mit dem Ziel maximaler Rendite einfordern.“ Der Berliner Senat hatte sich auf Bundesebene für eine Änderung des Mietrechts eingesetzt, um Mietsteigerungen zu begrenzen, war aber an der Mehrheit von CDU und FDP U.H. gescheitert.

Mehr gestalten, weniger verkaufen
Wie soll Berlin künftig mit seinen Grundstücken umgehen? Das BERLINER STADTD BLATT sprach mit dem SPDFraktionsvorsitzenden Raed Saleh über neue Konzepte. Worum geht es bei der neuo en Liegenschaftspolitik? Um das Eigentum der Berlinerinnen und Berliner. Wir wollen, dass die Grundstücke des Landes für Wohnen, Wirtschaft, Stadtentwicklung und Kultur genutzt werden. Bisher stand der Verkauf im Vordergrund. Aber es zeichnet sich ab, dass wir schon bald kaum noch Grundstücke haben, gerade in der Innenstadt. Also wollen wir mehr gestalten, weniger verkaufen. Eher in Erbbaupacht vergeben oder Konzeptvergaben machen, bei denen der Inhalt entscheidet und noch Kompromisspunkte finden. Ich möchte, dass wir möglichst bald fertig sind, damit die neue Liegenschaftspolitik auch wirken kann. Warum ist die neue Liegenschaftspolitik so umstritten? Weil es unterschiedliche Interessen gibt. Es geht schließlich darum, die Liegenschaftspolitik völlig neu zu orientieren und eine andere Strategie zu verfolgen. Wir wollen nicht mehr nur verkaufen, sondern sinnvoll inhaltlich nutzen. Das Konzept geht weg von kurzfristigen Einnahmen hin zu einer Nachhaltigkeit in der Liegenschaftspolitik. Dieser Mentalitätswechsel ist schwierig, aber notwendig. Schließlich geht es um das Eigentum der Bürgerinnen und F.F. Bürger. Greeterprogram sind von den Greetern und den Gästen sehr ermutigend. Aus den Berichten wird deutlich, dass auf beiden Seiten viele positive Impulse gesetzt werden und innerhalb der Greets ein vertiefter Austausch zwischen sich vormals unbekannten Menschen in Gang gesetzt wird. Gegründet wurde die Greeterinitiative von Lynn Brooks Anfang der 90er Jahre New York. Mittlerweile gibt es weltweit Greeterinitiativen. Berlin Greeter sind Mitglied des Global Greeter Networks (GGN). Wir suchen dringend Freiwillige, die sich ehrenamtlich bei Berlin Greeter engagieren möchten. Nähere Informationen gibt es unter www.berlin-greeter. org.

Große Unterschiede bei Neuvermietung SPD-Fraktionschef Raed Saleh über den Umgang mit Berlins „Bodenschätzen“

Bedrohter Club Yaam am Spreeufer: Der Senat will sich für den Erhalt einsetzen. Foto: Horb

nicht der Höchstpreis. Wir wollen auch Grundstücke halten und für Zwischennutzungen freigeben, so dass wir handlungsfähig bleiben. Wie weit ist die Koalition mit den Beratungen?

Die SPD-Fraktion hat einen umfassenden Antrag und ein Gesetz beschlossen. Der Senat hat ein Liegenschaftskonzept vorgelegt, das jetzt im Parlament beraten wird. Wir müssen mit der CDU-Fraktion

Es macht Spaß, dabei zu sein
Pückler Gesellschaft oder der Residenz Tertianum. Der Verein hat derzeit 300 Mitglieder mit (noch) einem Jahresbeitrag von 10 €. Die umfangreiche Arbeit wird durch mehrere Ehrenamtliche erledigt, die damit sehr viel zu tun haben. Der Erfolg, etwa durch ausgebuchte Termine etc, entschädigt sie ebenso wie die vielen Neueintritte. Monika Werner, Reinickendorf: Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt Mitte und der Senatsverwaltung für Justiz ermöglichen es straffällig gewordenen Frauen, Geldstrafen abzuarbeiten und somit eine Inhaftierung zu vermeiden. Second Hemd ist ein Verkaufslaund ein soziales Beschäftigungs- und Betreuungsprojekt. Im Laden werden Menschen mit preisgünstiger und qualitativ hochwertiger Kleidung versorgt. Von der Einrichtung IsA-K (Integration statt Ausgrenzung - Kleiderwerkstatt) werden die Kleiderspenden aufgearbeitet und bei Second Hemd verkauft. Das hilft, die beiden Einrichtungen zu sichern, die sich neben Haftvermeidung auch die Integration straffällig gewordener Frauen zur Aufgabe gemacht haben. Das Verkaufsteam besteht aus Ehrenamtlichen, Arbeitslosen in Qualifizierungsmaßnahmen des JobCenters und Frauen, die ersatzweise ihre Geldstrafen

Leserinnen und Leser des STADTBLATTS empfehlen ehrenamtliche Projekte
abarbeiten. Zu finden ist der „Second-Hemd“-Laden in der Prinzenallee 74 im Wedding. Holger Bottling, Kreuzberg: Wir sind eine Initiative, die Berlinerinnen und Berlinern die Möglichkeit gibt, Gästen aus aller Welt ihr persönliches Berlin zu zeigen. Im Vordergrund stehen dabei die Begegnungen zwischen Gästen und Berlinern. Die „Berlin Greeter“ geben dabei dem Gast einen Einblick aus erster Hand und damit das Gefühl nicht nur herzlich willkommen zu sein, sondern auch ein Teil von Berlin und seiner bewegten Geschichte zu werden. Die Rückmeldungen zu dem

Second Hemd: Ehrenamtliche Helferinnen engagieren sich beim Verkauf.

den der besonderen Art: eine gemeinnützige Einrichtung

Berliner Stadtblatt

BERLINER LEBEN

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Zuckerwatte und Handwerkskunst
Es muss nicht immer Kommerz sein: In Berlin gibt es Weihnachtsmärkte für jeden Geschmack
Es sind nicht nur die Kinder, die es gar nicht abwarten können, ehe der erste Weihnachtsmarkt seine Buden öffnet, es nach Weihnachtsspezereien und Zuckerwatte riecht und die Weihnachtslieder aus den Boxen klingen. Auch Erwachsene mögen das, Hartgesottene werden sentimental, und nicht wenige Touristen kommen jedes Jahr eigens nach Berlin wegen der Weihnachtsmärkte. Doch welcher Weihnachtsmarkt ist für mich und meine Kinder der richtige? Wenn es am Breitscheidplatz, am Opernpalais, am Alexanderplatz oder auf dem Gendarmenmarkt gegen vier Uhr nachmittags dunkel wird und die Lichterketten angehen, kann man schon in Stimmung kommen. Doch spätestens beim dritten Weihnachtsmarkt dieser Art, mit vermieteten Einheitsbuden, viel Kitsch, immer dem gleichen Christbaumschmuck „made in China“ und Kopfschmerz-Glühwein kommen Zweifel auf. Gibt es keine Alternativen? Oh doch. Auf dem Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg geht es an allen Adventswochenenden streng ökologisch zu, schließlich ist die aus der DDR-Umweltbewegung entstandene „Grüne Liga“ der Veranstalter. Und bewegt man sich aus dem Zentrum hinaus, gibt es sie überall, die Adventsmärkte, auf denen Handgefertigtes verkauft und Selbstgekochtes zum Essen angeboten wird. Es gibt Basare der Kirchgemeinden, bei denen man auch etwas Gutes tun kann. Und vor allem: Wo der Erlebnisfaktor meist höher ist als beim totalen Klingeling-Kommerz. Der Klassiker ist jedes Jahr an allen Adventswochenenden der Adventsmarkt auf der Domäne Dahlem. Hier gibt es handwerkliche Produkte – ein originelles kleines Geschenk findet man immer – und gesundes Essen aus der Region oder von der Domäne selbst. Man kann sich mit dem Wildoder Schweinebraten für Weihnachten eindecken. Das ganze Gelände kann man mit den Kindern zu Fuß oder mit der Kutsche durchstreifen, Tiere streicheln, Ponys reiten und einen Glühwein vom Bio-Winzer am wärmenden Feuer trinken. Die Domäne Dahlem ist auch so beliebt, weil sie direkten UBahn-Anschluss hat (U 3 Dahlem-Dorf). Am zweiten Adventswochenende ist die Auswahl an Weihnachtsmärkten besonders groß. Ein Super-Erlebnis darf man wieder in Treptow auf den Späth’schen Baumschulen (Späthstraße) erwarten: In der ältesten Baumschule Deutschlands gibt es Leckereien aus Berlin und der Region. Naturwarenwerkstätten, Schmuckdesigner und Kunsthandwerker haben jede Menge Geschenkideen im Gepäck. Eine Märchenerzählerin begeistert in der Märchenhütte die kleinen und großen Gäste. Ein historisches Kinder-Kettenkarussell lädt zur Fahrt ein. Und im Tannenwald suchen Familien gemeinsam ihren Christbaum aus. Ebenfalls am zweiten Adventswochenende lädt zum nunmehr 18. Male Lehmanns Bauernhof im Herzen der alten Dorfanlage von Mariendorf ein. Fast sechzig Händler bieten auf dem Hof und in den Ställen und der Scheune eine Mischung aus Kunsthandwerk und allem rund ums Fest. Es wird besonders Wert darauf gelegt Anbieter mit originellen und einzigartigen Produkten zu gewinnen. Wie in Mariendorf zeigen sich auch andere historische Dorfkerne in Berlin im Lichterglanz. Ob das Alt-Rudow ist oder Marienfelde, Kladow, AltKaulsdorf, Alt-Glienicke, Wartenberg oder auch der Engelmarkt am Rathaus Friedenau. Nicht versäumen sollte man den Historischen Weihnachtsmarkt auf Schloss Britz, denn hier werden vom dritten Advent bis zum 2. Weihnachtsfeiertag allerlei schöne Dinge und Erlebnisse mit viel Nostalgie geboten. Auch der Blick über die Stadtgrenzen hinaus lohnt: In Potsdam gibt es am zweiten Adventswochenende im Holländerviertel das „Sinterklaasfest“ und eine Woche später im Kutschstallhof den Polnischen Weihnachtsmarkt. Eine steht schon jetzt fest: Die Weihnachtsmänner haben alle Hände voll zu tun. U. R.

Juwel mit Hecke
Domäne Dahlem: Handwerkliche Produkte und gesunde Kost. Foto: Karin Wendlandt

Liebermann-Villa bald wieder wie gemalt

Holüber! – Der Fährmann von der Havel
MENSCHEN, DIE DIE STADT BEWEGEN
Berlin hat mehr Brücken als Venedig, sagt man. Aber zwischen der Spandauer Wasserstadtbrücke und der Havelbrücke in Hennigsdorf liegen gut 15 Kilometer Havel ohne eine Brückenquerung. Und der Weg von Spandau nach Tegel wäre sehr lang, gäbe es nicht die Fähre „Hol über III“. Fußgänger, Radfahrer und Autos vom Smart bis zum 20-Tonner-Lkw benötigen vom Hakenfelder Aalemann-Ufer zur Jörsstraße in Tegelort nur ein paar Minuten. „Hol über III“ bringt täglich zwischen 600 und 800 Autos über den Fluss. „Gibt es hier im Nordwesten Berlins auf einigen Straßen Baustellen und damit Staus, können es auch rund 1000 Autos am Tag sein“, schätzt Fährmann Wolfgang Burchardi. Sein Vater Fritz Burchardi hat 1961 mit dem Berliner Senat, bei dem die Fährrechte liegen, einen Pachtvertrag über den Fährbetrieb unterschrieben. Seit 1993 ist Sohn Andreas im Fährbetrieb mit eingestiegen. Die Fähre „Hol über III“ ist für eine Last von 70 Tonnen oder 200 Personen ausgelegt. Burchardi hält den Fährbetrieb ganzjährig aufrecht, auch bei den widrigsten Witterungsverhältnissen. „Bei Frost fährt die Fähre auch ein paar Mal nachts, damit die Fahrrinne nicht zufriert. Probleme kann es geben, wenn Eisbrecher auf der Havel eine Rinne freilegen und treibende Eisschollen sich hier aufstauen. Aber selbst dann ist der Fährbetrieb schlimmstenfalls für ein paar Stunden unterbrochen.“ Neben der Autofähre bieten die Burchardis mit einer kleinen Fähre Überfahrten zu den Inseln im Tegeler See an. Aber das ist ein Verlustgeschäft - zuletzt fuhr „Odin“ nur noch an den Wochenenden. Zum Jahresende ist Schluss, der Vertrag mit dem Senat ist gekündigt. Aber der Fährbetrieb zwischen Hakenfelde und Tegelort bleibt. So kommt man morgens ab 6 Uhr bis abends 20 Uhr (in den Wintermonaten bis 19 Uhr) und an den Wochenendtagen zwischen 9 und 19 Uhr schnell über die Havel. Autofahrer zahlen 1,50 Euro, Radfahrer 0,80, und wer hoch zu Ross ans andere Havelufer will, zahlt 1,10 Euro. G. L.

Das Bild zeigt den Heckengarten, wie ihn Liebermann selbst gemalt hat.

Die „Hol über III“ auf ihrem Weg.

Foto: Gunter Lange

Wer seine Kunst nicht kennt, der kennt zumindest dieses Zitat aus seinem Munde: „Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte.“ Max Liebermann sagte es, als er aus seiner Wohnung am Pariser Platz Nummer 7 am 30. Januar 1933 zusehen musste, wie die Nazis mit einem Fackelzug durchs Brandenburger Tor ihre „Machtergreifung“ feierten. Liebermann war Jude, er starb zwei Jahre später und erlebte den Holocaust nicht mehr. Es gibt viele Gründe, sich an diesen Maler der Zeit um 1900 zu erinnern. Darum kümmern sich zum Beispiel die 1.500 Mitglieder der Max-LiebermannGesellschaft. Er war der wichtigste Vertreter des Impressionismus in Deutschland. Er malte Bauern und Handwerker bei der Arbeit, aber er malte auch mit Vorliebe Gärten. Ein Objekt seiner Malerei schuf er selbst: Seine Villa mit Garten am Wannsee, die im Sommer 1910 fertig wurde.

Wichtigstes Element: der Heckengarten zum Wannsee hin. Doch durch wechselnde Besitzverhältnisse nach Liebermanns Tod war am Ende die Hälfte des Heckengartens beim Wassersport-Club „Klare Lanke“ gelandet, der hier seine Zufahrt und Stege zum See hatte. Seit 2002 die Max-LiebermannGesellschaft das Grundstück übernommen hat, den Garten restaurierte und Liebermanns Gemälde zeigt, blieb der abgeschnittene Heckengarten eine offene Wunde, und es begann ein Kampf mit der Bezirksbürokratie. Nun gibt es die erlösende Nachricht: Die Wassersportler geben den Streifen frei, im Mai 2013 beginnen die Arbeiten und der Bund spendiert dafür 263.000 Euro. Längst ist die Liebermann-Villa eine weltweit bekannte Attraktion, die Zehntausende Besucher anzieht. Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit. U. R.

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S E RV I C E – R ÄT S E L

Berliner Stadtblatt

Eine Lanze für den Winter brechen!
Winterzeit bedeutet nicht gleich Erkältungszeit – was Sie tun können, um gesund zu bleiben.
Winterzeit ist für viele Erkältungszeit. Draußen wird es früher dunkel. Beim Verlassen der kuscheligen Wohnung kriecht die Kälte den Körper hoch, und wer einmal unterwegs ist, ist mehr mit Ein- und Auspacken beschäftigt. Doch all das gehört zum Winter dazu – genau wie der erste Schnee, der Schlitten, legendäre Weihnachtsfeiern und die obligatorischen „zwei Kilo“ mehr. War die Winter- und Weihnachtszeit einstmals eine Phase der Ruhe und Besinnung, so berichten heute immer mehr Menschen von hektischen Einkaufstouren, unentrinnbaren Einladungsansammlungen und dem Stapel Arbeit, der vor dem Jahresende noch vom Tisch muss. Zur Ruhe kommen, innehalten, den Moment mit Familie und Freunde genießen – das kommt oft zu kurz. Viel mehr noch als Kälte und Frost zehrt das an den Kräften. Hinzu kommen Prassereien, fetter Festtagsschmaus und Stress. Keine guten Voraussetzungen für ein ausbalanciertes Immunsystem. Dabei ist gesund bleiben – gerade in der kalten Jahreszeit – viel leichter als gedacht. Sport an der frischen Luft - z. B. Joggen - kräft igt die Abwehr. A und O ist ein Ja zur Mäßigung. Die indische Heilkunst Ayurveda verfolgt den Ansatz: Nicht kalt, nicht schwer verdaulich, nicht sauer. Von Natur aus kühlende Lebensmittel sind z. B. Bananen, Gurken, Milch und Butter. Wärmend wirken hingegen Gewürze wie Curcuma, schwarzer Pfeffer und Ingwer auf den Organismus. Lassen sich mit Liebe zubereitete, doch häufig schwere Lebensmittel nicht vermeiden, werden als Ausgleich „leichte Tage“ empfohlen. Insbesondere aus Zucchini, Kürbis, Steckrüben und Karotten lassen sich hervorragende Suppen und Gerichte mit ein wenig Reis oder Kartoffeln zubereiten. Davon wird man satt und der Körper kommt zur Ruhe. Schlägt der Erkältungs- oder Grippe-Virus trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch zu, dann wird es höchste Zeit, einen Gang zurückzuschalten. Statt ihn zu bekämpfen, nehmen Sie sich Zeit. Trinken Sie Kräutertee oder eine heisse Zitrone. Probieren Sie ansteigende Fußbäder und vor allem: inhalieren Sie. Sollte Fieber Sie schwächen, entziehen Essigwickel dem Körper die Hitze. Quarkwickel – heute fast aus der Mode gekommen, aber zu Omas Zeiten der Geheimtipp – kühlen und helfen bei Husten. So kann der Winter gemütlich, wärmend und gesellig werden. Jo.S.

Den Winter genießen: Eine Wanderung in Berlin und Brandenburg sorgt für die notwendige Bewegung. Foto: Paul Glaser

Berliner Preisrätsel
ZU GEWINNEN:

2 x 2 Karten für das Gourmet-Theater Palazzo
23 Schläft angeblich nie (Abk.) 24 Viel blauer geht‘s nicht 25 Windabgewandte Seite 27 April vorbei 28 Was vom Weizen übrig bleibt 30 Hoffentlich gutartig 31 Zweigestaltig (in der Biologie) 33 E-Mail-Zeile: Worum geht‘s 35 Alteingesessene nennen diesen Berliner Ortsteil „Plumpe“ SENKRECHT 1 Von den Eltern übernommen 2 Fühlt sich leicht gegerbt an 3 Selten 4 Heidekraut 5 Man wird ja noch zweifeln dürfen 6 Lichtstrahl 8 Lindwerder ist eine ... 9 Nördlichstes Adjektiv der Erde 13 Ehemalige Bushalle mit Restaurantschiff

WAAGERECHT 1 Längste Straße in Berlin 7 3,14159265358979323846 ... 10 Bodenlos elektrisch 11 Spielfortsetzung im Fußball 12 Rund 14 Weihestätte im Gotteshaus 16 Glatter Wanderfisch 17 Da lacht das Publikum 18 Er lebte im Bayerischen Viertel in Berlin

Bilderrätsel
Vorsicht, Wildwechsel! Wie heißt der Park, der dieses Tier beherbergt? Er hat eine gute Sicht auf seinem Hochstand: Auf 8,80 Meter Höhe blickt das stolze Tier, vom Bildhauer August Gaul in Form gebracht, hinüber auf einen Turm mit Uhr und Glocke. Das Berliner Stadtblatt verlost unter den richtigen Einsendungen zum Bilderrätsel fünfmal zwei Jahreskarten für den Besuch von Berliner Parkanlagen (Britzer Garten, „Gärten der Welt“ im Erholungspark Marzahn, Botanischer Volkspark Blankenfelde-Pankow, Natur-Park Schöneberger Südgelände). Einsendeschluss ist der 5. Januar 2013. Einsendungen per Post an das Berliner Stadtblatt, Müllerstraße 163, 13353 Berlin oder per E-Mail: raetsel@berliner-stadtblatt.de.

LÖSUNGEN UNSERER SEPTEMBER-AUSGABE 2012 Lösungswort des Kreuzworträtsels: BERLINER AK. Bilderrätsel: Die abgebildete Reiterfigur steht auf dem Dach des Alten Museums am Berliner Lustgarten in Mitte. Der klassizistische Bau gilt als ein Höhepunkt im Schaffen Schinkels und wurde 1830 eingeweiht. Er

gehört zum Gebäudeensemble auf der Museumsinsel, das seit 1999 in der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes vermerkt ist. Die Gewinner wurden schrift lich benachrichtigt.

15 Ohne Einschränkung 19 Beglaubiger von Schriftstücken 20 Sie leben in Zentral- und Nordostkanada sowie auf Grönland 21 Kann man mit den Wimpern 22 Albrecht produzierte hier einst Pech und Teer 26 Volksfest, Jahrmarkt, Fahrgeschäfte 27 Von Kleinlebewesen zerfressen, ungenießbar 28 Aminosäure, kommt in Sojabohnen und Erdnüssen vor 29 Findet gerade an der Lindenoper statt

32 Berliner Exzellenz-Uni (Abk.) 34 Musikalischer bzw. mineralischer Werkstoff DIE GEWINNE Hintereinander geschrieben ergeben die rot umkreisten Buchstaben den Namen einer demokratischen Einrichtung, auf der auch viele Bienen zu Hause sind. Bitte schicken Sie dieses Lösungswort auf einer Postkarte bis zum 5. Januar 2013 per Post an das Berliner Stadtblatt, Müllerstr. 163, 13353 Berlin oder per E-Mail an raetsel@berlinerstadtblatt.de.

Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir zwei mal zwei Karten, die uns das Gourmet-Theater Palazzo zur Verfügung gestellt hat. Im Spiegelpalast am Humboldthafen laden Christian Lohse, Chef de Cuisine im Gourmet-Restaurant „Fischers Fritz“, und Hans-Peter Wodarz bis zum 3. März 2013 zur sechsten Spielzeit des Palazzo, wieder mit einer Komposition aus vorzüglichen Speisen und einem Showprogramm unter dem Motto „Viva la Diva“. Nähere Informationen finden Sie unter www.palazzo.org.

Berliner Stadtblatt

FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG

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PORTRÄT KELLERMEISTER
Dass einer der Liebe wegen nach Berlin kommt, ist nichts Ungewöhnliches. Wenn er allerdings bereits 75 Jahre alt ist und fast sein ganzes bisheriges Leben in der Schweiz verbracht hat, ist es zumindest bemerkenswert. Und wenn er dann noch in der neuen Heimat eine Theatergruppe gründet und einen alten Keller

„Die Grünen sind keine linke Alternative zur SPD“
Im Interview: Julia Schimeta, neue SPD-Kreisvorsitzende, über große Fußstapfen, die Bundestagswahl und Männer
Sie sind seit drei Monaten Vorsitzende der SPD Friedrichshain-Kreuzberg. Wie i sieht Ihr erstes Fazit aus? Mein neues Amt macht mich sehr stolz auf die SPD. Unsere Partei ist vielfältig und leistet tolle Arbeit an ganz verschiedenen Stellen im Bezirk. Wir haben sehr viele kompetente und engagierte Mitglieder. Diese positive Energie führt dazu, dass mein Amt ebenfalls sehr vielfältig ist. Es gibt unglaublich viele Themen, mit denen sich die SPD auf unterschiedlichster Ebene beschäftigt. Ich habe den Anspruch, über all diese Themen informiert zu sein. Das ist auch manchmal anstrengend. Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen? Ich habe mich schon bevor ich Kreisvorsitzende geworden bin um die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern gekümmert. Wir haben zu dem Thema auch eine Arbeitsgemeinschaft eingerichtet, in der wir nach Wegen suchen, wie die SPD für Frauen und Familien attraktiver wird. Zurzeit setzen wir uns stark dafür ein, dass das Rentenniveau nicht weiter sinkt. Wer sein Leben lang gearbeitet hat, darf keine Rente auf Hartz-IV-Niveau beziehen. Daneben ist die Frage der Mietenentwicklung in unserem Bezirk ein zentrales Thema, das wir auch im anstehenden Bundestagswahlkampf offensiv angehen sollten. Auch die öffentliche Daseinsvorsorge spielt für mich eine wichtige Rolle. Ich finde es richtig, dass die Wasserversorgung rekommunalisiert wird und das Land wieder in die Stromnetze einsteigt. Auch der Nahverkehr gehört in öffentliche Hand. Und schließlich ist die Versorgung mit Kita-Plätzen ein ganz wichtiges Thema. Denn auch wenn wir die Anzahl der Plätze in den letzten Jahren ausgebaut haben, besteht bei der Qualität und bei den Öffnungszeiten noch Nachholbedarf. Da müs-

Powerfrauen: Julia Schimeta (r.) und SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles besuchen die „Gelbe Villa“ in Kreuzberg. Foto: Thomas Trutschel/photothek.net

in Kreuzberg zu einer Kleinkunstbühne umbaut, kann man schon von einem außergewöhnlichen Menschen ausgehen. Marcel Schmutz hat genau das getan. 1932 in der Schweiz geboren, arbeitete er dort mehr als 50 Jahre als Kabarettist, Schauspieler und Leiter verschiedener Kleintheater. 2006 kam er schließlich nach Berlin. 2009 eröffnete er zusammen mit seiner Partnerin Marianne Dietloff den „Kleinkunstkeller“ in der Dieffenbachstraße. Im Keller einer ehemaligen Glaserei treten seitdem Schmutz' Kabarettgruppe „Mückenstich“ und andere Kleinkünstler auf. Eintritt verlangen sie nicht. „Wir wollen auch die erreichen, die nicht das große Geld haben“, begründet Marcel Schmutz diesen Schritt. Der Kleinkunstkeller hält sich mit Spenden seiner Besucher über Wasser. Daneben bietet Marcel Schmutz hier Kabarett- und Schauspielunterricht an. Im Moment hat er zwei Gruppen. Eine davon sind behinderte Erwachsene. Schmutz selbst wurde am Schauspielhaus in Zürich ausgebildet, unter anderem von der Mutter von Maria Schell. „Ich wurde während meiner Ausbildung sogar noch geohrfeigt“, erinnert sich der 80Jährige. Damit muss niemand rechnen, der heute den Weg in den Kleinkunstkeller findet. Marcel Schmutz kann man hier gleich in mehreren Rollen antreffen. Er ist Beleuchter, Techniker und auch die Kulissen hat er mit gebaut. Auf der Bühne steht er meist als „improvisierter Bühnenmeister“ und provoziert das Publikum. Und er verspricht: „Diese Rolle werde ich weiterspielen bis ich umfalle.“

„Mein Amt kann eine Chance für die Männer sein, weil sie sehen, dass auch eine Frau führen kann.“ Julia Schimeta, neue Vorsitzende der SPD Friedrichshain-Kreuzberg

sen wir dranbleiben und dürfen uns nicht auf Erreichtem ausruhen. Von zwölf SPD-Kreisvorsitzenden in Berlin sind Sie erst die zweite weibliche. Spielt das o eine Rolle? Ja, auf jeden Fall. Ich bin ja nicht nur die zweite Frau in dieser Runde, sondern auch die jüngste und eine der wenigen, die kein Abgeordnetenmandat haben oder in der Senatsverwaltung arbeiten. Ich sehe diesen Exotenstatus als Chance. Gleichstellungsfragen zum Beispiel kann ich mit einer anderen Glaubwürdigkeit voranbringen als ein mittelalter Mann. Rollenbilder und -verhalten spielen natürlich eine Rolle und ich muss mich immer wieder entscheiden, ob ich darauf eingehe oder nicht. In diesem Sinne ist mein neues

Amt vielleicht auch eine Chance für die Männer, weil sie sehen, dass Frauen einen SPDKreisverband führen können wenn vielleicht auch manchmal mit anderen Mitteln. Sie haben den Bundestagswahlkampf bereits angesprochen. Was hat die SPD dem h Übergrünen Hans-Christian Ströbele entgegenzusetzen? Personell wünsche ich mir eine jüngere Kandidatin, um sich klar gegen den grünen Kandidaten abzugrenzen. Entscheidend wird aber sein, dass wir uns besonders um unsere Hochburgen in Friedrichshain und Prenzlauerberg Ost kümmern. Bei der Abgeordnetenhauswahl im letzten Jahr hat die SPD in Friedrichshain bei den Wählern zugelegt. Darauf müssen wir aufbauen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es

viele Menschen in unserem Bezirk gibt, denen soziale Gerechtigkeit wichtig ist. Ich werde dafür kämpfen, dass die SPD wieder als die Partei wahrgenommen wird, die diesen Wert verkörpert. Die Grünen sind keine linke Alternative zur SPD. Wo kann man Sie antreffen, wenn man ein Anliegen hat? Auf jeden Fall nicht bei Facebook. Da bin ich nämlich nicht Mitglied. Dafür kann man mich auf vielen Veranstaltungen im Bezirk - nicht nur der SPD - und auch auf diversen Demos treffen. Häufig bin ich auch am Infostand am Boxhagener Platz in Friedrichshain. Und natürlich kann man auch einen Termin über unser Bürgerbüro im Willy-Brandt-Haus in der Wilhelmstraße vereinbaren.

Wie gut kennen Sie Ihren Bezirk?
Das Weihnachts-Fotorätsel des Stadtblatts

Wenn Container auf Wanderschaft gehen
Der Bezirk geht gegen illegale Altkleidercontainer vor
Für den einen sind sie ein Ausdruck von Nächstenliebe, für den anderen schlicht ein lui kratives Geschäftsmodell. Die Anzahl von Altkleidercontainer im Bezirk hat in den vergangen Monaten deutlich zugenommen. „Wie viele Altkleidercontainer in Friedrichshain-Kreuzberg befinden sich auf öffentlichem Grund?“, wollte deshalb die Bezirksverordnete Anja Möbus vom Ordnungsamt wissen. Dessen Leiter Peter Beckers hat nach eigener Aussage „Kenntnis von fünf Altkleidercontainern“, deren Eigentümer häufig den Standort wechselten, „vermutlich, damit die Mitarbeiter des Außendienstes sie nicht sofort finden“. Container auf öffentlichem Grund aufzustellen ist im Bezirk nämlich verboten. „Das Bezirksamt ist aus Gründen der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes nicht grundsätzlich gegen das Sammeln von Kleidungsstücken“, wie Peter Beckers klarstellt. „Problematisch erscheint vielmehr der Umgang mancher Aufsteller mit ihren Containern, die sehr häufig einen verwahrlosten Eindruck machen.“ Der Kurs ist deshalb klar: „Wegen jedes auf öffentlichem Straßenland aufgefundenen Altkleidercontainers wird gegen den Aufsteller ein Bußgeldverfahren eingeleitet.“

Wo läuft Ihnen dieser nackte Fuß über den Weg? Sagen Sie es uns und gewinnen Sie tolle Preise.

KURZ & KNAPP NEUE NUTZUNG
Darauf haben viele gewartet: Der Weg für die neue Nutzung des ehemaligen BSRGrundstücks an der Holzmarktstraße ist frei. Im Oktober genehmigte der Aufsichtsrat der Berliner Stadtreinigung den Verkauf des 18.000 Quadratmeter großen Areals. Die neuen Eigentümer, ein Konsortium um die Betreiber des Clubs „Kater Holzig“, wollen auf dem Grundstück Studentenwohnungen, ein Kultur- und Kreativzentrum sowie ein Hotel errichten. erobert. Das neue Konzept setzt bewusst auf offene Räume ohne künstlichen Park und Kletterfelsen. Und auch die Internationale Gartenausstellung wird 2017 nicht wie ursprünglich geplant hier, sondern in den „Gärten der Welt“ in Marzahn stattfinden. Auch gut: Die vom Senat geplanten Investitionskosten senken die jährlichen Betriebskosten auf fünf Millionen Euro.

Mit Schuhen wird es hier schwierig. Der Bildhauers Rainer Kriester hat bei seiner Skulptur aber nicht nur auf Schuhwerk verzichtet, sondern u auch auf den Oberkörper. Auf welchem Platz in Kreuzberg stehen die beiden Männerbeine, von denen hier der rechte d Fuß abgebildet ist? Schicken Sie uns die Antwort bis zum 15. Januar an Susanne Kitschun (MdA), Niederkirchnerstr. 5, 10171 Berlin oder su-

sanne.kitschun@spd.parlament-berlin.de. Unter allen richtigen Einsendungen verlost das „Berliner Stadtblatt“ zwei Karten für das Ballhaus Naunynstraße gesponsert von Susanne Kitschun sowie zweimal den historischen Reiseführer „Arbeiterbewegung in Berlin“ von Helga Grebing und Siegfried Heimann. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

KREATIVES KONZEPT
War da mal was? Auf dem Tempelhofer Feld erinnert immer weniger an den vor vier Jahren geschlossenen Flughafen. Die Berliner haben die Fläche für ihre Freizeitaktivitäten

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FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG

Berliner Stadtblatt

Prinzessin wartet auf Retter
Die Botschaft ist kurz und klar. „Wachsen lassen!“, fordern die Betreiber des Prine zessinnengartens auf ihrer Internetseite. Das Obst und Gemüse, das sie am Kreuzberger MoritzPlatz in Kisten, Säcken und sogar alten Milchtüten anbauen, meinen sie damit nur indirekt. Es geht um die Existenz des Gartens insgesamt. Der Mietvertrag für das Gelände, auf dem früher das „Wertheim“-Kaufhaus stand, läuft im Oktober kommenden Jahres aus. Die Zukunft ist ungewiss. „Der Liegenschaftsfonds plant einen Verkauf der stadteigenen Fläche. Das könnte das baldige Aus des Gartens bedeuten“, fürchten die Betreiber. Sie haben deshalb eine OnlinePetition gestartet, mit der sie zum Erhalt des Prinzessinnengartens aufrufen. Sie fordern u.a. die Verlängerung des Mietvertrags bis 2018 und „eine zukunftsweisende Bürgerbeteiligung, die die Vielfältigkeit und die verschiedenen Bedürfnisse der Nachbarschaft am Moritzplatz angemessen berücksichtigt“. Diesen Forderungen hat sich auch die FriedrichshainKreuzberger Bezirksverordnetenversammlung (BVV) angeschlossen. Einstimmig hat sie einen Antrag verabschiedet, in dem sie sich für ein Weiterbestehen des Prinzessinnengartens auch über 2013 hinaus ausspricht. Die Entscheidung darüber liegt allerdings beim stadteigenen Liegenschaftsfonds, der das Areal für den Bezirk verwaltet. Galt bislang die Maxime, landeseigene Liegenschaften an den Meistbietenden zu verkaufen, ist der Senat in den vergangenen Monaten umgeschwenkt. Künftig sollen auch „weichere“ Faktoren eine Rolle bei einer möglichen Verkaufsentscheidung spielen. Und auch von Stadtentwicklungssenator Michael Müller bekam der Prinzessinnengarten kürzlich Unterstützung. „Das Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie urbane Landwirtschaft durch Engagement vor Ort realisiert

SPD KOMPAKT SPD IM DIALOG
Die SPD hat im September ihren bundesweiten „Bürger-Dialog“ gestartet und wollen wissen: Was muss in Deutschland besser werden? Bürgerinnen und Bürger können ihre Ideen auf „Dialog-Postkarten“ in die Parteizentrale schicken oder sich auf spd.de beteiligen. Die interessantesten Vorschläge fließen in das SPD-Programm für die Bundestagswahl im kommenden September ein. Zum Auftakt der Kampagne haben SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und die Vorsitzende der SPD Friedrichshain-Kreuzberg, Julia Schimeta, im Kreativund Bildungszentrum gelbe Villa über die Möglichkeiten außerschulischer Bildung im Bezirk diskutiert.

Der Mietvertrag für den Prinzessinnengarten läuft 2013 aus. Es droht der Verkauf des Geländes

Entwickelt sich seit 2009 zu einer Oase im Herzen Kreuzbergs: Der Prinzessinnengarten am MoritzPlatz wächst und gedeiht. Trotzdem ist die Zukunft ungewiss. Foto: Ben de Biel

werden kann“, erklärte Müller im Oktober. Das Bezirksamt war ebenfalls nicht untätig. Auf Betreiben des Vorsitzenden der SPDFraktion in der BVV, Andy Hehmke, hat es im Oktober

beim Liegenschaftsfonds den Antrag gestellt, das Gelände rückübertragen zu bekommen. Wird diesem stattgegeben, würde sich der Fonds nicht mehr nach Käufern umsehen, der Bezirk könnte über die

Nutzung des Areals selbst entscheiden. Doch bis es soweit ist, werden auf prinzessinnengarten.net weiter Unterschriften für den Erhalt des Gartens gesammelt. Im November waren es schon fast 30.000.

775 EURO ZUM 775.
In diesem Jahr begeht Berlin seinen 775. Geburtstag. Grund zum Feiern kann das Stadtjubiläum auch für einen Verein, eine Initiative oder ein Projekt aus Friedrichshain sein. Abgeordnetenhausmitglied Sven Heinemann lobt nämlich 775 Euro für herausragende Arbeit aus. Bewerbungsschluss ist der 31. Januar 2013. Eine Jury wird aus allen Einsendungen die beste Idee auswählen. „Mit der Spende anlässlich des Berliner Stadtgeburtstags will ich das Engagement der Bürgerinnen und Bürger vor Ort unterstützen“, so Heinemann. Weitere Informationen: www.svenheinemann.de

KURZ & KNAPP WENIGER SERVICE
Ihr Name klingt wie der Titel eines Edgar-Wallace-Films. In einer intern „Liste des Schreckens“ genannten Vorlage hat das Bezirksamt mögliche Auswirkungen des geforderten Personalabbaus aufgeschrieben. In den kommenden Jahren könnte es auch für die Bürger zu unangenehmen Folgen kommen. Neben verkürzten Sprechzeiten in Bürgerämtern würden sich Bearbeitungszeiten etwa für Ausweise verlängern. Es droht die Schließung von Bibliotheken und Sportanlagen. Nach Willen des Berliner Senats sollen in den Bezirken 1451 Stellen wegfallen, in Friedrichshain-Kreuzberg 138. Interview mit Stadtrat Peter Beckers unter spd-friedrichshain-kreuzberg.de.

MEHR PARKKOSTEN
Am 1. Oktober 2013 soll es losgehen. Zu diesem Zeitpunkt soll nach Willen des Bezirks die so genannte Parkraumbewirtschaftung in Friedrichshain starten. Südlich der Karl-Marx- und der Frankfurter Allee können Autofahrer ihr Fahrzeug dann nur noch gebührenpflichtig parken. Um die Anwohner zu beteiligen und ihre Vorschläge in das Konzept einfließen zu lassen, bietet das Bezirksamt mehrere Workshops an, zu denen die Bürger aus den betroffenen Kiezen eingeladen werden. Parallel soll es Informationsstände auf den Straßen geben. In ganz Berlin werden zurzeit in 39 Parkzonen rund 80.000 Stellplätze bewirtschaftet.

Sport statt Regenrückhalt
Am Tempelhofer Feld sollen neue Sportplätze entstehen
Im Sportbereich ist Friedrichshain-Kreuzberg berlinweit Schlusslicht. Das liegt i nicht an der Leistung der im Bezirk beheimateten Sportvereine, sondern an der geringen i Anzahl von Sportplätzen zwischen Hasenheide und Frankfurter Allee. Frank Vollmert will diese Situation nicht weiter hinnehmen. „Wir brauchen im Bezirk dringend weitere Sportflächen“, fordert der SPD-Sportpolitiker aus der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Eine große Chance für mehr Sportplätze sieht Vollmert in der Verlagerung des Regenrückhaltebekkens am Columbiadamm. Nach Aufgabe des Flughafens Tempelhof war dieses ins Zentrum des Interesses gerückt. Die Berliner Senatsverwaltung macht sich seitdem für eine sportliche Nutzung des Geländes stark. Um die Verwaltung bei ihrem Kurs zu unterstützen, hat die BVV Ende Oktober die Resolution „Sportflächen auf dem Regenrückhaltebecken an der Lilienthalstraße realisieren!“ verabschiedet. Die Bezirksverordneten begrüßen darin nicht nur die Verlagerung des Regenrückhaltebeckens, sondern auch die Pläne des Senats, die ursprünglich vorgesehene Nordbebauung des Tempelhofer Feldes nicht weiter zu verfolgen. „Für den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist die Nachnutzung des Regenrückhaltebeckens dringend erforderlich“, stellt die BVV klar. Mit den neuen Sportflächen könne endlich „dem enormen Zuwachs an sportbegeisterten Kindern und Jugendlichen entsprochen“ werden. Und noch etwas erhoffen sich die Bezirkspolitiker von den Sportplätzen auf dem neuen Areal: dass mit ihrer Hilfe „einem Aufnahmestopp in Kreuzberger Sportvereinen entgegengewirkt werden“ kann. Frank Vollmert freut dieser Rückenwind seiner Verordneten-Kollegen. „Auf das Regenrückhaltebecken an der Lilienthalstraße gehören weitere Sportflächen“, ist Vollmert überzeugt. „Es ist ein wichtiges Signal, dass die Bezirksverordnetenversammlung dieses Ziel nun offiziell mitträgt.“

POLITISCHES CAFÉ
Politische Gespräche bei Kaffee und Kuchen - die bietet das „Politische Café“ der SPD Friedrichshain-Kreuzberg an jedem Mittwoch von 14 bis 18 Uhr im Kreisbüro, Wilhelmstraße 140.

Zwischen Fassungslosigkeit und schierer Wut
Vor über einem Jahr, am 4. November 2011, flog der „Nationalsozialistische Unterf grund“ (NSU) auf. Durch das Entdecken der rechtsradikal motivierten Mordserie wurde vielen in Deutschland bewusst, dass Rechtsextremismus keine Randerscheinung, sondern allgegenwärtig ist. Dabei hätte es einen solchen Paukenschlag wahrlich nicht gebraucht. Allein in Friedrichshain-Kreuzberg registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 109 rechtsextremistisch motivierte Straftaten. 15 Gewaltakte hatten einen antisemitischen, 16 einen fremdenfeindlichen Hintergrund. 17 Mal kam es zu Angriffen auf Personen und Gruppen aus dem linken Spektrum. Die Zahlen der Opferberatung Reachout und der Registerstellen liegen weit darüber. „Die Arbeit gegen Rechts und für die Stärkung unserer Demokratie braucht einen langen Atem, gute Konzepte und eine Vernetzung der Engagierten“, sagt Susanne Kitschun. Sie ist nicht nur stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, sondern auch Sprecherin für Strategien gegen Rechts. Unter ihrer Federführung hat die Berliner SPD eine landesweite Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die Strategien gegen Rechts entwickeln soll. Ihr Ziel ist es, Menschen, die sich gegen Rechtsextremismus, Intoleranz und Rassismus und für Demokratie einsetzen, zu vernetzen. „Wir wollen Informationen schnell austauschen, Aktionen zielgerichteter planen und nicht zuletzt konzeptionell arbeiten“, sagt Susanne Kitschun. Vernetzt werden sollen vor allem die in der SPD und bei den Jusos vorhandenen Kompetenzen. „Über das parteiinterne

Rechtes Gedankengut ist auch in Berlin weit verbreitet. Die SPD hält mit einer Arbeitsgruppe dagegen
Know-how hinaus sollen aber auch Initiativen, Verbände und Fachexperten eingeladen werden, um mit ihnen an einer guten und wirkungsvollen Strategiebildung gegen Rechts und für Demokratie zu arbeiten“, gibt Kitschun die Richtung vor. Neben ihr koordinieren die stellvertretende SPDLandesvorsitzende Barbara Loth und der Vorsitzende der Jusos Berlin Kevin Kühnert die Arbeitsgruppe. Ihren ersten praktischen Einsatz hatten sie am 4. November, dem Jahrestag der Entdeckung der NSU-Mordserie. Gemeinsam mit anderen Parteien, Gewerkschaften, Verbänden und antifaschistischen Gruppen zog die SPD vom Schlesischen Tor zum Gebäude des Bundeskriminalamts. Sie zeigte damit ihre Solidarität mit den NSU-Opfern und ihren Hinterbliebenen und protestierte gegen die schleppend verlaufende Aufklärung. „Die Mordserie macht mich noch immer fassungslos“, sagt Susanne Kitschun. „Auch wenn das die Opfer nicht wieder lebendig macht, müssen wir alles daran setzen, dass sich so etwas niemals wiederholt.“

Plakataktion der Jusos gegen Rechtsradikalismus: Keine Nazis nirgends! Foto Jusos
        
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