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Periodical volume

Full text: Berliner Stadtblatt Issue 2012,[1] Juni

Berliner
DAS HAT WILLY BRANDT NICHT VERDIENT!
Das Verschieben der Eröffnung unseres neuen Flughafens war eine große Enttäuschung – auch für mich. Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber sie war notwendig. Brandschutz geht vor. Nun kommt es darauf an, das größte Infrastrukturprojekt Ostdeutschlands bis März 2013 zu einem erfolgreichen Start zu bringen. Und ich bin sicher: Das wird gelingen. Die Fluggesellschaften haben die Ausweitung ihres Flugangebotes nicht zurückgenommen, sondern wickeln zusätzliche Flüge über Tegel und Schönefeld ab. Da wird es jetzt enger, aber auch das ist zu schaffen. Und die große Nachfrage zeigt: Berlin ist als Reiseziel gefragt wie nie. Deshalb hat es der neue Flughafen nicht verdient, jetzt nur als Problem betrachtet zu werden. Im Gegenteil: Aller Ärger ändert nichts daran, dass BER für die Region wirtschaftlich einen Quantensprung bedeutet. Mit dem Flughafen Willy Brandt hat die Hauptstadt im nächsten Jahr ein neues Tor zur Welt. Ihr Klaus Wowereit

HAIN-K FRIEDRICHS

REUZBERG

Stadtblatt

Einkaufen mit gutem Gewissen: Gesünder essen muss nicht teurer sein.
Seite 6

ALLES BIO?

W I S SE N S W E RT E S AU S B E R L I N U N D D E M B E Z I R K F R I E D R I C H S HA I N - K R E U Z B E R G · AU S G A B E J U N I 2 0 1 2

Nicht nur Pfauen bevölkern die Insel. Schloss und Garten gehören hier neben den vielen Ausflüglern auch Boriana, Doris, Ode und Hannelore – vier Wasserbüffeln. Anstelle von Gärtnern halten sie die Wiesen kurz. Für weniger Idylle sorgen leider die gefährlichen Raupen des Eichenprozessionsspinners, deren feine Härchen Atemwege und Haut reizen. Rund hundert gefundene Nester will die Schlösserstiftung auf der Pfaueninsel beseitigen lassen. Foto: Paul Glaser

Mieter besser schützen
Es wird gehandelt: Berliner Pläne für mehr Wohnungsbau, einen besseren gesetzlichen Schutz vor Mieterhöhungen und ein Verbot der Zweckentfremdung
Es geht um einen besseren Mieterschutz und um bezahlbare Wohnungen in möglichst allen Stadtteilen. Der Berliner Senat plant dafür ein Bündel an Maßnahmen - darunter Gesetzesänderungen, eine stärkere Förderung des Neubaus und ein Bündnis für bezahlbare Mieten mit den städtischen Wohnungsbaugesellschaften. Lange galt Berlins Wohnungsmarkt als entspannt. Und noch immer liegt die durchschnittliche Kaltmiete in Berlin bei 5,21 Euro, in Hamburg sind Wohnungen knapp zwei Euro, in München mehr als vier Euro pro Quadratmeter teurer. Aber der Mietanstieg hat sich beschleunigt. Und der Zuzug hält an: Allein 2011 kamen 30.000 Neuberlinerinnen und Neuberliner in die Stadt - deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Mit dem Bau von jährlich mindestens 6000 neuen Wohnungen, das ist fast eine Verdoppelung, soll für etwas mehr Entspannung auf dem Wohnungsmarkt gesorgt werden. 14 Grundstücke aus dem Liegenschaftsfonds wurden kostenlos an landeseigene Wohnungsgesellschaften als Sachwerteinlage übertragen. Dafür werden nun spezifische Nutzungskonzepte von den Baugesellschaften gefordert, die auch den sozialen Anforderungen entsprechen. Mit 15 Millionen Euro werden Baugenossenschaften gestärkt. In Bezirken wie Lichtenberg, wo derzeit viele Neubauprojekte geplant sind, werden die Projekte beschleunigt. Mit den Wohnungsbaugesellschaften will Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) ein Bündnis für bezahlbare Mieten schließen. Die Gesellschaften sollen im Einzelfall auf mögliche Erhöhungen verzichten. „Mieterhöhungen sollen bei 30 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens gekappt werden können“, sagt Müller im STADTBLATTInterview (Seite 3). Da, wo es heute schon für Mieter besonders schwierig ist, eine Wohnung zu finden, soll die Zweckentfremdung etwa für Feriendomizile gesetzlich untersagt werden. Die entsprechende Regelung wird gerade vorbereitet. Eine echte Begrenzung des Mietanstiegs aber lässt sich nur in einem Bundesgesetz regeln. Berlin hat dazu im Bundesrat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Mietsteigerungen auf 15 Prozent innerhalb von vier Jahren begrenzen will - derzeit sind 20 Prozent innerhalb von drei Jahren möglich. Dafür kommt jetzt Unterstützung aus der SPD-Bundestagsfraktion. Auch bei Neuvermietungen will sie Mieterhöhungen einschränken. U.H.
Mehr zum Thema auf Seite 3

IN DIESER AUSGABE

DER BJÖRN-EGGERTCODE FÜRS HANDY

Kommen Sie mit Björn Eggert ins Gespräch. Der bezirkliche SPD-Parlamentarier kommt im Kiez vorbei und bringt Kaffee mit. Die aktuellen Termine sehen Sie, wenn Sie den QR-Code mit ihrem SmartPhone scannen oder unter www.björn-eggert.de

FAMILIENZENTREN

Die Berliner Kitas entwickeln sich zu Treff punkten und Beratungseinrichtungen für die ganze Familie weiter. Seite 4

BERLIN IM SOMMER

Hier ist was los: Klassik, PopKonzerte, Sportveranstaltungen, Messen und vieles mehr. Seite 5

Gute Bildung jetzt! Eine saubere Sache
Susanne Kitschun über mehr Geld für Kitas, Schulen und Lehrer
„Bildung ist die wichtigste Investition in die Zukunft“, davon ist Susanne Kitschun überzeugt. Die Friedrichshainer Abgeordnete freut sich, dass Berliner Senat und Abgeordnetenhaus gezielt den Schwerpunkt des Haushalts in diesem Bereich setzen und Geld investieren – in den Ausbau von Kita-Plätzen genauso wie in neue Lehrerinnen und Lehrer. „Wir stecken alles, was möglich ist, in den Bildungsbereich“, sagt Kitschun. Im Interview mit dem „Berliner Stadtblatt“ erklärt sie, warum dafür trotzdem keine neuen Schulden gemacht werden müssen und welche wichtige Rolle die Berliner Bezirke spielen. Die junge Mutter erklärt auch, wie sie mit der Doppelbelastung als stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus zurechtkommt und was in der Großen Koalition anders ist als bei Rot-Rot.
Das vollständige Interview mit Susanne Kitschun lesen Sie auf Seite 8

ZAHL DES MONATS

31.500

Die SPD „Am Südstern“ putzt Kreuzberger Spielplätze – auch wieder im Juni
Getränkedosen, Verpackungen, Bananenschalen – alles Dinge, die nicht auf einen Spielplatz gehören. Das meint auch die SPD „Am Südstern“ und rückt deshalb regelmäßig zum Saubermachen auf Kreuzberger Spielplätzen aus. „Südstern picobello“ heißt die Aktion, die stets großen Anklang bei Eltern und Anwohnern findet. Gutgelaunte Südstern-Sozialdemokraten im Einsatz „Nicht immer sind die Spielplätze in einem schönen nächste Mal unterwegs. Nach- platz). Helferinnen und Helfer Zustand“, weiß „picobello“-Ini- mittags ab 16 Uhr geht es dies- sind immer gern gesehen. Für tiatorin Nicole Groß. Am 22. mal auf den Spielplatz auf dem Besen, Rechen und Müllsäcke Juni ist die Putzkolonne das „Zickenplatz“ (Hohenstaufen- sorgt die SPD.

So viele Studienplätze bietet Berlin im kommenden Semester für Studienanfänger. Damit sind die Berliner Hochschulen gut auf den doppelten Abiturjahrgang vorbereitet.

ZITAT DES MONATS
»Fußball hat eine enorme integrierende Wirkung in der Gesellschaft. Viele Milieus, nicht nur berufliche, haben sich aufgelöst, die Menschen suchen nach neuen Identifikationsfeldern. Die finden sie unter anderem in Stadien, und im Fan-Dress sind alle gleich.« Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments

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MEINUNG

Berliner Stadtblatt

GUT FÜR BERLIN

So gesehen ...

MEIN BLICK AUF BERLIN

FINANZEN

Das Land Berlin muss im Doppelhaushalt 2012/2013 insgesamt 206 Millionen Euro weniger neue Schulden aufnehmen als im Haushaltsplanentwurf des Senats vorgesehen. Die Neuverschuldung soll 2013 damit bereits unter 500 Millionen Euro liegen.

Höhere Löhne sind gerecht und vernünftig
von Christian Hoßbach
Endlich mehr Geld in die Taschen: Dieses Ziel haben die Gewerkschaften in den Tarifverhandlungen der letzten Monate erfolgreich umgesetzt. Rund vier Prozent kommen in diesem Jahr obendrauf, ob in der Industrie oder im öffentlichen Dienst. Die noch fehlenden Bereiche werden nachziehen. Viel höher noch wird das Lohnplus bei den Leiharbeitern sein, jedenfalls in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie. Stammbelegschaften sind für ihre Leiharbeits-Kollegen in Warnstreiks gegangen. Ein riesiger Erfolg, der zeigt: Gewerkschaften sind durchsetzungsfähig. Solidarität lebt. Damit faire Regeln für alle Leiharbeiter gelten, wird allerdings endlich auch die Bundesregierung handeln müssen und das unsägliche „Arbeitnehmerüberlassungsgesetz“ verbessern. Das dritte große Thema waren bessere Perspektiven für die Jugend. Auf breiter Front haben die Gewerkschaften bessere Übernahmeregelungen nach der Ausbildung erkämpft. Genauso wie bei der Leiharbeit haben sich die Arbeitgeber lange dagegen gesperrt. Letztlich war der Druck zu stark, und im Grunde wissen die Arbeitgeber es ja selbst: qualifizierter Nachwuchs wird dringend gebraucht! Wir machen uns nichts vor, Arbeit ist bei uns auch nach den jüngsten Tarifabschlüssen zu billig. Jahrelange Reallohnverluste haben das bewirkt.

REGIERUNGSSITZ

Der Präsident des Bundesrechnungshofs Dieter Engels hat sich in der „Süddeutschen Zeitung“ für einen vollständigen Umzug der Regierung nach Berlin ausgesprochen. „Die Ministerien sollten nicht dauerhaft getrennt arbeiten. Das schadet der Effizienz und Effektivität“, sagte er.

Christian Hoßbach ist Stellvertretender Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg. Foto: DGB

WIRTSCHAFT

Eine aktuelle Studie zeigt: 40 Prozent der mittelständischen Firmen haben im vergangenen Jahr zusätzliches Personal eingestellt, darunter viele neugegründete Unternehmen. Zwei Drittel der Berliner Bauunternehmer haben im vergangenen Jahr den Umsatz gesteigert. Insgesamt wurden in der Branche 2011 rund 2,1 Milliarden Euro umgesetzt, eine Steigerung um 14 Prozent gegenüber 2010.

Karrikatur: Erich Rauschenbach

Eine wirtschaftlich gefährliche Abhängigkeit vom Export ist die Folge. Höhere Löhne in Deutschland schaffen Nachfrage – und sie verbessern die Exportchancen anderer europäischer Länder. Höhere Löhne sind deshalb beides: gerecht und vernünftig.

Wer spart die 30 Milliarden ein?
Swen Schulz (MdB) über Fiskalpakt und Eurokrise
Mit der Wahl des neuen Präsidenten Frankreichs Francois Hollande ist die Forderung nach einer Abkehr von der einseitigen Sparpolitik auf internationaler Bühne angekommen. Auch andere Staats- und Regierungschefs zeigen Einsicht. Endlich scheint auch Bundeskanzlerin Angela Merkel Lernfortschritte zu machen. Aber der Reihe nach: Wie war das als die sogenannte „Euro-Krise“ begann? Frau Merkel tönte, dass sie keinen deutschen Steuer-Euro für „faule Griechen“ rausrücke. Wir wissen, wie die Geschichte weiterging: Die Probleme türmten sich auf und die Krisenbewältigung wurde sehr viel teurer. Zwei Jahre und 300 Milliarden Euro deutsche Rettungsschirmbeteiligung später tönt es wieder aus dem Bundeskanzleramt: „Auf gar keinen Fall gibt es Wachstumsprogramme mit deutschem Geld!“ Und die Finanztransaktionssteuer? So ein Pech aber auch, da ist die FDP gegen … Inzwischen gibt es erste ermutigende Signale der schwarz-gelben Koalition. Sie sprechen von Wachstumschafts-, Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik! Deutschland hat in der Bankenkrise schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme aufgelegt und das Kurzarbeitergeld finanziert – einer der Gründe, weshalb wir heute gut dastehen. Doch das wird nicht so bleiben, wenn unseren europäischen Partnern die Luft ausgeht. Die Einnahmen der Finanztransaktionssteuer wären nicht nur gerecht, sondern würden uns auch beim Schuldenabbau und Bildungsinvestitionen helfen. Ganz nebenbei: Der Fiskalpakt birgt auch für Deutschland, die Bundesländer und Kommunen einigen Sprengstoff. Mit unserer „Schuldenbremse“ ist es nämlich mitnichten getan. Bis zu 30 Milliarden Euro müssten wir jährlich einsparen – zu wessen Lasten würde das wohl gehen? Die Bundeskanzlerin will den „Fiskalpakt“ mit Stimmen der SPD durchsetzen. Sie muss mehr bringen als unverbindliche Absichtserklärungen. Meine Stimme wird es dafür nicht geben, solange der Fiskalpakt so unvernünftig ausgestaltet bleibt.

STIMMEN ZUM BETREUUNGSGELD
„Keine Herzensangelegenheit“ – Die Bundesregierung plant die Einführung eines Betreuungsgeldes für Eltern, die keinen Kitaplatz für ihre Kinder beanspruchen. Das Vorhaben ist umstritten, weil gleichzeitig Kitaplätze fehlen und ökonomisch Schwächere das Geld nicht erhalten sollen. Ein Stimmungsbild. (SoVD): »Kinderkrippen sowie Kitas auszubauen und qualitativ zu verbessern, sind dringend erforderliche Maßnahmen, um frühkindliche Bildung und Sprachförderung zu stärken. Jetzt werden Mittel für ein Betreuungsgeld verpulvert, das die Bildungsungerechtigkeit in Deutschland weiter vertieft.«
I Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA): »Ich appelliere an die Koalition, vom Betreuungsgeld Abstand zu nehmen. Es gefährdet wichtige Ziele der Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Haushaltspolitik. Das Betreuungsgeld schafft einen Anreiz, sich aus dem Beruf zurückzuziehen.« I Sigmar Gabriel, Vorsitzender der SPD: »Das ist eine FernI Adolf Bauer, Präsident des Sozialverbands Deutschland

SCHLECHT FÜR BERLIN

STROMPREISE

Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hat einer Klage gegen die Bundesnetzagentur stattgegeben und eine Neuberechnung der Durchleitungsgebühren für Strom und Gas angeordnet. Damit könnten die Strom- und Gaspreise deutlich steigen. Berlin treffen solche Steigerungen stärker, weil hier das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen mit rund 1800 Euro mehr als 400 Euro niedriger liegt als in Frankfurt/M. oder München.

Swen Schulz ist Spandauer SPD-Bundestagsabgeordneter. Foto: Marco Urban

halteprämie und eine Billiglösung, weil der Bund und die Bundesregierung sich nicht zutrauen, den Rechtsanspruch auf einen Kindertagesstättenplatz bis 2013 umzusetzen.«

RECHTSEXTREMISMUS

Die Zahl der von Rechtsextremisten in Berlin im vergangenen Jahr verübten Straftaten ist mit 1157 (2010: 1137) Fällen leicht angestiegen. Mehr als verdoppelt haben sich aber die Gewalttätigkeiten – von 27 Fällen in 2010 auf 61, rund die Hälfte davon aus fremdenfeindlicher Motivation und 24 gegen politische Gegner gerichtet. Darunter ist auch ein erneuter Brandanschlag auf das AntonSchmaus-Haus der Falken in Berlin-Neukölln.

simpulsen und Besteuerung der Finanzmärkte. Es liegt auf der Hand: Die Staaten mit Schwierigkeiten müssen selbst vieles verändern. Aber ihnen muss geholfen werden. Zumal nicht alle Probleme hausgemacht, sondern Schuld der Spekulanten sind. Aber Merkel will, dass die „einfachen Leute“ büßen. Über 50% Jugendarbeitslosigkeit, und Deutschland zwingt zu massiven Streichungen in der Wirt-

»Richtiger wäre es, die 170 Milliarden Euro für alle familienpolitischen Leistungen auf den Prüfstand zu stellen und neu zu Gunsten der Kinder und Familien zu justieren.«
I Hubertus Heil, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bun-

I Gerd Landsberg, Deutscher Städte- und Gemeindebund:

destagsfraktion: »Das ärgert mich maßlos. Alle sind dagegen: die Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft, die EU-Kommission. In meinem Wahlkreis sagen SPD- und CDU-Bürgermeister, dass sie das Geld lieber für den Ausbau von Ganztagsschulen und Kitas hätten. Aber die CSU rast weiter wie ein Falschfahrer auf der Autobahn, der meint, ihm kämen lauter Falschfahrer entgegen.

I Rainer Brüderle, Vorsitzender der FDP-Bundestagsfrak-

Was macht eigentlich die Schufa?
Internet-Nutzer haben ein neues Hobby: Sie twittern für die Schufa.
„Meine Bank hat angerufen. Muss neues Konto eröffnen. Das alte ist voll“, twittert Lighti85. Und KolleBerlin schreibt: „Ich frage mich ob Herr #Niebel mir aus Afrika einen Elfenbeintisch mitbringen kann. Passt zu meinem Teppich aus Kabul.“ Die Häme ergießt sich über die private Auskunftei Schufa (Motto: „Wir schaffen Vertrauen“), weil sie mit dem Berliner Hasso-Plattner-Institut einen inzwischen gekündigten Vertrag über ein Forschungsprojekt abgeschlossen hatte. Ziel: Aus der Analyse von Daten im Web, also auch in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter, sollten neue Informationen über die Kreditwürdigkeit der Nutzer gewonnen werden. Datenschützer schlugen Alarm, die Internetnutzer reagierten sarkastisch: Sie twitterten sich reich. Gelitten hat allerdings die Bonität der Schufa. U.H.

tion: »Ganz ehrlich: Das Betreuungsgeld ist keine Herzensangelegenheit der FDP.«

IMPRESSUM
Herausgeber: SPD Landesverband Berlin, Müllerstr. 163, 13353 Berlin Chefredakteur: Mark Rackles (V.i.S.d.P.) Redaktion: Ulrich Horb (CvD), Gunter Lange, Ulrich Rosenbaum, Josephine Steffen Bezirksredaktion: Ulrike Dehmel, Heiko Hanschke (Mitte), Burkhard Hawemann, Kai Doering (Friedrichshain-Kreuzberg), Wolf Witte (Pankow), Robert Drewnicki (Charlottenburg-Wilmersdorf), Helene Sommer, Susanne Finsel (Spandau), Hans Kegel (Tempelhof-Schöneberg), Lisa Maren Bürger (Steglitz-Zehlendorf), Heinz Stapf-Finé, Frank Folger (Neukölln), Ralf Thies (Treptow-Köpenick), Enrico Stoelzel (Marzahn-Hellersdorf), Kathrin Söhnel, Christian Paulus (Lichtenberg) Anschrift : Berliner Stadtblatt, Müllerstr. 163, 13353 Berlin, info@berlinerstadtblatt.de, www.berliner-stadtblatt.de Layout-Entwurf: Projektdesign Berlin Gestaltung: kommunikationskombinat Anzeigen: Berliner vorwärts Verlagsgesellschaft mbH, anzeigen@vorwaerts.de Druck: Henke Pressedruck GmbH & Co. KG Auflage: 340.000 Exemplare

Berliner Stadtblatt

THEMA

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„Ich nehme die Sorgen ernst“ Mehr als nur ein Vermieter
Stadtentwicklungssenator Michael Müller im StadtblattInterview über steigende Mieten und Wohnungsneubau
Stadtblatt: Für viele Berlinerinnen und Berliner ist es schwieriger geworden, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Können Sie ihnen Hoffnung machen? Michael Müller: Ich nehme diese Sorgen sehr ernst. In der Tat hat sich der Wohnungsmarkt verändert, wir haben mehr kleine Haushalte und einen stärkeren Zuzug in die Stadt. Es gibt kein Allheilmittel gegen steigende Mieten. Aber wir sind dabei, ein ganzes Bündel von Maßnahmen umzusetzen, um die Mieten zu stabilisieren. Stadtblatt: Das Mietrecht wird auf Bundesebene geregelt. Wie können Sie da Einfluss nehmen? Müller: Wir setzen uns direkt über den Bundesrat für eine Änderung im Mietrecht ein, um den Mietanstieg gesetzlich zu drosseln. Aber auf Bundesebene haben uns bisher Bündnispartner für unsere Initiative gefehlt. Inzwischen hat die SPD-Bundestagfraktion unsere Vorschläge aufgegriffen. Sie will wie wir Mietsteigerungen innerhalb von vier Jahren auf höchstens 15 Prozent begrenzen. Zusätzlich darf die Miete bei Neuvermietungen maximal 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Das würde Berlin und den Mieterinnen und Mietern sehr helfen. Stadtblatt: Welche weiteren Möglichkeiten sehen Sie? Müller: Wir sind dabei, mit unseren Wohnungsbaugesellschaften ein Bündnis zu schließen, um die Mieten zu dämpfen. Mieterhöhungen sollen bei 30 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens gekappt werden können. Gemeinsam wollen wir auch den Neubau vorantreiben. Dazu erhalten beispielsweise die kommunalen Wohnungsunternehmen Grundstücke aus dem Liegenschaftsfonds, damit sie ihren Bestand ausweiten können. Auch die Wohnungsgenossenschaften fördern wir mit einem Fonds von 15 Mio. €. Ziel ist es, mehr bezahlbare Wohnungen zu bauen. Und wir werden ein Gesetz einbringen, das die Zweckentfremdung von Wohnraum in den Teilen der Stadt untersagt, in denen die Wohnungssuche heute schon schwierig ist. Interview: U.H.

Jede 6. Wohnung in Berlin gehört einer der 6 städtischen Wohnungsbaugesellschaften. Und die haben einiges zu bieten.

Das degewo-Projekt „Jule“ unterstützt junge Mütter in Marzahn-Hellersdorf. Foto: Cathrin Bach/degewo

Will Neubau stärker fördern: Stadtentwicklungssenator Michael Müller

Foto: Duclos

UNSER THEMA IN DIESER AUSGABE: WOHNEN
In dieser Stadtblatt-Ausgabe geht es um bezahlbare Mieten, um die städtischen Wohnungsbaugesellschaften und die Pläne für Wohnungsneubau. Uns interessiert Ihre Meinung: Soll künftig „billiger“ gebaut werden? Kann an der Wohnungsausstattung gespart werden? Worauf würden Sie für eine günstigere Miete verzichten? Was halten Sie von gesetzlichen Grenzen bei Mieterhöhungen? I Schreiben Sie an das Berliner Stadtblatt, Müllerstr. 163, 13353 Berlin. Oder schicken Sie eine Mail an: wohnen@berliner-stadtblatt.de

Man stelle sich vor, der Wohnungsverwalter klopft an die Tür und will weder eine Mietpreiserhöhung ankündigen noch zur richtigen Mülltrennung ermahnen sondern einfach wissen: „Kommen Sie mit Ihrem Kind klar? Brauchen Sie Hilfe? Benötigen Sie eine größere Wohnung?“ Oder der, wenn die Mietzahlungen im Rückstand sind, nicht mit Räumung droht, sondern ein Gespräch mit der Schuldnerberatung anbietet? Gibt‘s nicht? Und ob. 600.000 Berliner, für deren Vermieter nicht der Profit im Vordergrund steht, weil der Eigentümer nämlich die Stadt ist, wissen längst die Vorteile des öffentlichen Wohnungs-

„Dauerbrenner sind Betriebskosten“
Frank Wiemann berät Mieter im Schöneberger Kiez
Post vom Vermieter bedeutet meist nichts Gutes. Nicht selten landen solche Briefe auf dem Schreibtisch von Frank Wiemann. Seit April ist der 45jährige Rechtsanwalt zweimal im Monat ehrenamtlicher Mieterberater in einem SPD-Büro mitten im Schöneberger Kiez. Und zu ihm kommen beileibe nicht nur Rentner und Geringverdiener. Meist geht es um Betriebskostenerhöhungen oder Mieterhöhungen, ab und an auch um geplante Modernisierungen. Manche Ängste kann Frank Wiemann im Gespräch nehmen. Denn Mieter haben Rechte und können sich wehren. So darf die Miete innerhalb von drei Jahren um nicht mehr als 20% steigen – was leider nicht für Modernisierungen gilt. Und der Vermieter muss zeigen, dass die von ihm verlangte Miete ortsüblich ist. Viele Fragen betreffen die steigenden Betriebskosten. „Ein Dauerbrenner“, sagt Frank Wiemann. „Die Abrechnungen sind oft unübersichtlich und für jemand, der sich damit nicht auskennt, schwer zu durchschauen.“ Auch wer spart, zahlt nicht in jedem Fall weniger. So kam kürzlich ein Mieter in die Beratung, der sich über gestiegene Heizkosten beklagte, obwohl er im Winter die Wohnung gar nicht geheizt hatte. „Von den gesamten Heizkosten müssen zwischen 50 und 70% nach dem erfassten Wärmeverbrauch der Nutzer verteilt werden“, so Frank Wiemann. „Aber es bleiben eben die Grundkosten, die zu 30 bis 50% nach Wohnungsgröße umgelegt werden.“ Schlaflose Nächte haben Mieter häufig bei geplanten Modernisierungen. „In einem Fall sollte sich die Miete nahezu verdoppeln“, sagt Frank Wiemann. Die große Schöneberger Altbauwohnung hatte noch eine Ofenheizung und sollte nun u.a. eine Zentralheizung erhalten. Nicht alles muss der Mieter akzeptieren. „Eine Modernisierung muss drei

wesens zu schätzen. Heute halten die 6 städtischen Wohnungsgesellschaften degewo, GEWOBAG, HOWOGE, STADT UND LAND, GESOBAU und WBM rund 270.000 Wohnungen. Und sie beschränken sich nicht darauf, Wohnungen zu vermieten, sondern sie kümmern sich auch um das Wohlergehen der Menschen, die dort leben. Wie weit das gehen kann, zeigt derzeit Berlins größte Wohnungsbaugesellschaft degewo mit dem Projekt „Jule“ in MarzahnHellersdorf. Alleinerziehende Mütter und Väter im Alter von 18 bis 27 Jahren werden auf ihrem Weg in ein eigenständiges Leben unterstützt. Dafür stehen 15 Wohnungen mit 3 bis 5 Zimmern zur Verfügung. Darunter sind junge Mütter mit Kinderschwangerschaften, die alleine leben. So wie Aline (18): „Endlich bekomme ich Anschluss an das richtige Leben.“ Nancy (18): „Bisher musste ich mit meinem Kind in einer Einzimmerwohnung klar kommen. Jetzt bietet mir die degewo eine Wohngemeinschaft mit

Kinderbetreuung.“ DegewoChef Frank Bielka: „Wir wollen verhindern, dass die Menschen in die Sozialhilfe getrieben werden, indem wir helfen, dass sie einen Schulund Berufsabschluss bekommen.“ Senat, Bezirksamt, Jobcenter, dem Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreis und Kinderring Berlin e.V. helfen tatkräftig mit. Gemeinschaftsräume, gesellige Veranstaltungen, soziale Beratung, Quartiersmanagement, kulturelle Angebote und ökologisches Verhalten sind den Wohnungsbaugesellschaften genauso wichtig wie energetische Sanierung oder funktionierende Aufzüge. Denn alles zusammen macht den Wohnwert aus, und dazu braucht man keine Luxussanierungen. Wohl aber muss man auf die bewährte „Berliner Mischung“ von Menschen mit unterschiedlichem Einkommen achten. „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ könnte deshalb auch ein gutes Motto der größten Wohnungsbaugesellschaft degewo sein. U.R.

SOZIALES MIETRECHT ERHALTEN
Die Unterschiede könnten nicht größer sein. Die Bundesregierung will den Mieterschutz einschränken, die SPD-Bundestagsfraktion hat ein Gesetz vorgelegt, um Mieterrechte zu stärken und Mietsteigerungen zu begrenzen. Die Pläne der Bundesregierung: Mieterinnen und Mieter dürfen künftig wegen energetischer Sanierung für einen Zeitraum von drei Monaten nicht mehr die Miete mindern. Vermieter sollen ein fristloses Kündigungsrecht haben, wenn Mieterinnen und Mieter die Mietkaution nicht pünktlich zahlen. Außerdem soll die Räumung der gemieteten Wohnung vereinfacht werden. Die SPD-Bundestagsfraktion will dagegen die fortschreitende Verdrängung einkommensschwacher Mieterinnen und Mieter aus den Innenstadtbezirken stoppen. Dazu soll die Miete innerhalb von 4 Jahren nur noch um 15 Prozent erhöht werden dürfen (bisher 20 Prozent in drei Jahren). Bei Neuvermietung sollte die Miete zudem die ortsübliche Vergleichsmieten um höchstens 10 Prozent übersteigen. Die Modernisierungsumlage soll von 11 auf 9 Prozent gesenkt werden. Das Mietminderungsrecht soll erhalten bleiben, ebenso der Kündigungsschutz. M. H.

Berät ehrenamtlich: Frank Wiemann

Foto: Horb

Monate vor Beginn angekündigt werden, Art und Umfang der Maßnahme und die zu erwartende Mieterhöhung müssen mitgeteilt werden“, so Frank Wiemann. Ein Mieter kann die Modernisierung ablehnen, wenn sie eine Härte für ihn oder Personen in seinem Haushalt darstellt. In die Beratung kommen Mieter aber auch, wenn Mängel in der Wohnung vorhanden sind, z.B. ein Wasserschaden. Auch ein Baugerüst mit Plane vor der Wohnung

und eingeschränkter Balkonnutzung ist ein Mangel. In diesem Fall kann die Brutto-Warmmiete z.B. um ca. 10% gemindert werden. Mit seinen Tipps können sich Mieter oft selbst helfen. „In einigen Fällen sollte aber auch ein Anwalt eingeschaltet werden, damit der Mieter zu seinem Recht kommt.“ U.H. Mieterberatung im SPDLaden in der Feurigstr. 4, 10827 Berlin. Jeden 1. und 3. Freitag im Monat von 17–18 Uhr, Anmeldung unter Tel. 7812283.

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BERLIN AKTUELL

Berliner Stadtblatt

Treffpunkte für die ganze Familie
19.000 neue Kitaplätze in Planung - „Hortlücke“ geschlossen - Familienzentren werden eingerichtet
Unten Kita, oben Familienzentrum. Das ist das Konzept des Kinder- und Familienzene trums in der Neuen Steinmetzstraße in Schöneberg vom Träger INA.Kindergarten. Im Erdgeschoss die Kita. Hier spielen, toben und lernen 80 Kinder. Ein Stockwerk höher das Familienzentrum. Dort treffen sich die werdenden Mütter zum Schwangerschaftskurs, die Familienhebamme kommt, es finden Krabbelgruppen und Sprachkurse statt. Die Eltern kommen hier zusammen, tauschen sich aus, bekommen Tipps und Hilfe. Das Familienzentrum wird im Kiez zum Treffpunkt für die ganze Familie. Dieses Konzept will die Berliner Familiensenatorin Sandra Scheeres stärken. Erstmals wurde Geld dafür in den Haushalt eingestellt. Bis zum Jahresende können dafür 500.000 Euro ausgegeben werden, im nächsten Jahr sind es bereits 1,5 Millionen Euro. „Bis Ende nächsten Jahres sollen mindestens zwei Familienzentren pro Bezirk von uns Unterstützung bekommen“, so die 42jährige Senatorin, die selbst zwei Kinder hat. Die Vorteil der Familienzentren: Hier finden die Eltern viele wichtige Angebote, die Zentren sind gut im Kiez vernetzt und es gibt keine Hemmschwellen oder Hürden für die Eltern. Deshalb sehen die Experten in den Familienzentren auch einen weiteren Baustein für den Kinderschutz. Insgesamt will Sandra Scheeres Berlin als familienfreundliche Stadt stärken. Zwei weitere große Projekte nimmt sie mit dem gerade beschlossenen Haushalt deshalb außerdem in Angriff: den Ausbau der Kitaplätze und das Schließen der Hortlücke. So will die Senatorin bis Ende 2015 bedarfsgerecht bis zu 19.000 neue Kitaplätze schaffen. Schon für die nächsten

MELDUNGEN WILLY BRANDT
Am 19. Juni 2012 eröffnet im Forum Willy Brandt Berlin (Unter den Linden 62-68) die neue ständige Ausstellung „Willy Brandt - Politikerleben“. Mit zum Teil erstmals öffentlich gezeigten Dokumenten, Objekten, Fotografien, Film- und Tonaufnahmen aus dem Leben und Wirken Brandts zeigt sie auch die unterschiedliche Wahrnehmung der Person des früheren Bundeskanzlers und Regierenden Bürgermeisters.

GEGEN GEWALT
16.108 Fälle von häuslicher Gewalt in Berlin wurden im Jahr 2011 polizeilich registriert. In Dreiviertel aller Fälle waren die Täter männlich. 1.511 Frauen und 1.413 Kinder haben Schutz, Hilfe und Unterkunft in den Berliner Frauenhäusern und Zufluchtswohnungen gefunden.

Verschafft sich ein Bild von der Arbeit vor Ort: Bildungssenatorin Sandra Scheeres.

Foto: Schulenberg

zwei Jahre stehen dafür zusätzlich 20 Millionen Euro zur Verfügung. Gleichzeitig führt Sandra Scheeres auch den Hort für

die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klasse ein. Bei Bedarf sind damit auch die älteren Grundschulkinder nach

der Schule länger betreut. Und das ist gut für die bessere Vereinbarkeit von Familie und BeSB ruf.

Mit neuem Team
Stöß: SPD zeigt klares soziales Profil
Am 9. Juni 2012 wurde auf dem Landesparteitag der Berliner SPD ein neuer Landesvorsitzender und Landesvorstand gewählt. Jan Stöß setzte sich mit 123 zu 101 Stimmen gegen r den bisherigen Amtsinhaber und Stadtentwicklungssenator Michael Müller durch. Er teilt die Biographie von vielen in dieser Stadt: Jan Stöß, vor 38 Jahren in Hildesheim geboren, kam als junger Mann nach Berlin. Der Verwaltungsrichter, der das Amt des Landesvorsitzenden ehrenamtlich ausfüllen wird, fühlte sich schnell wohl in dieser offenen Stadt. „Berlin ist für viele Menschen ein Zuhause, auf das sie stolz sind. Berlin muss aber auch mit vielen Rissen und Problemen umgehen. So müssen z.B. zu viele Menschen mit sehr wenig Geld auskommen. Seit über 10 Jahren machen wir Sozialdemokraten Politik für Berlin und wir haben viel bewirkt. Als Berliner SPD-Landesverband wollen wir ein klares soziales Profil zeigen und immer wieder da nachhaken, wo es nicht so gut funktioniert mit dem guten Berlin-Gefühl. Gemeinsam mit Senat und Fraktion werden der neu gewählte Landesvorstand und ich uns konstruktiv und an der Sache orientiert für eine noch lebenswertere Stadt einsetzen.“ Im neuen Landesvorstand sitzen von nun an mehr Frauen, mehr SozialdemokratInnen mit einem Migrationshintergrund und auch die unterschiedlichen Positionen von links bis zur Mitte werden künftig stärker eingebunden. „Die Berlinerinnen und Berliner sollen sich angesprochen fühlen von unserer sozialdemokratischen Politik. Wir wollen mit den Menschen in dieser Stadt ins Gespräch kommen, hören wo der Schuh drückt. Politik soll für die Menschen da sein. Dafür stehen wir als J. S. Berliner SPD.“

„Mieze Schindler“ zum Selberpflücken
Domäne Dahlem: Alte Obstsorten und neue Zukunftspläne
Jetzt kommt die richtige Zeit für „Mieze Schindler“, eine hundert Jahre alte Erdbeersorte. Kenner schwören auf den einzigartigen Geschmack. Nur: Im Handel findet man sie l nicht. Denn sie will schnell gegessen werden. Wo man sie findet? Die U 3 bis DahlemDorf nehmen, rüber in die Dom mäne Dahlem, im Hofladen fragen, kaufen oder pflücken. Die Domäne Dahlem: Innerstädtisches Ausflugsziel für Familien und Schulklassen, Ort von attraktiven Events vom Töpfer- bis zum Weihnachtsmarkt und ein ökologischer Vorzeigebetrieb. Jetzt wird das idyllische Ensemble im Südwesten Berlins für die Zukunft fit gemacht. Das alte Gutshaus, in Teilen eines der ältesten Gebäude Berlins, wurde renoviert, es finden tolle Ausstellungen im Museum statt, unter dem Dach des Pferdestalls entstand ein großer Mehrzwecksaal, die Ausgang. Und das alte Holperpflaster soll einen Streifen für Rollstuhlfahrer erhalten. Geld gibt es unter anderem von der EU. Seltsam indes mutet der Protest gegen die Pläne an, der vor allem aus Kreisen der CDU geschürt wurde. Motto: Nur nichts verändern! Kann es sein, dass Interessen der örtlichen Gastronomie dahinter stehen? Lernen muss auch mancher Domänen-Freund, dass es nicht ohne ein Quantum wirtschaftlichen Denkens geht. Eine Herzensangelegenheit ist die Zukunft der Domäne besonders für Kultur-Staatssekretär André Schmitz (SPD) als Kuratoriumsvorsitzendem. Und die Anerkennung für das Domänen-Team bleibt nicht aus: Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat die museumspädagogische Arbeit soeben mit dem Preis „Ideen für die Bildungsrepublik“ ausgeU.R. zeichnet.

Domäne Dahlem: Sternekoch Michael Hoffmann „Margaux“ engagiert sich bei einer Kinder-Kochaktion. Foto: Stefan Abtmeier

Werkstätten erhielten neue Fundamente. Hinten auf den Äckern wachsen heute vom Aussterben bedrohte Obstund Gemüsesorten. Und dazwischen alte Nutztierrassen, die nicht nur ein Streichelzoo sind. Der nächste, konsequente Schritt heißt: vom Acker auf den Teller. Die Idee: Die beliebte Remise auf dem Hof wird zum Landgasthof, und zwar

unter Glas, damit Familien wie Schulklassen dort bei jedem Wetter etwas trinken oder auch essen können. Und: Den Köchen beim Zubereiten zuschauen. Dazu kommt im Pferdestall das „Culinarium“, eine Erweiterung des Museums um das Thema Ernährungskultur. Zur behutsamen Modernisierung gehört auch ein neues Eingangsgebäude mit Shop direkt gegenüber dem U-Bahn-

Sichere Versorgung zu bezahlbaren Preisen
Wie kann der Einfluss des Landes Berlin auf die öffentlichen Daseinsvorsorge gestärkt werden - also u.a. auf die Wasser- und Stromversorgung und den Nahverkehr? Darüber g beraten derzeit die SPD-Abgeordneten. Im Januar haben sie bereits eine Arbeitsgruppe dafür eingesetzt. Heiß diskutiert wird die Zukunft der S-Bahn. Die SPDFraktion hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, um noch ausstehende rechtliche Fragen zu klären. „Uns ist wichtig, dass wir die Mitwirkung des Parlaments absichern“, begründet der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh den Auftrag. Geprüft wird auch, ob eine Gesamtausschreibung der S-Bahn möglich ist - denn die Sorgen vor einer Zerschlagung der SBahn und den Folgen einer Teilausschreibung sind in der Fraktion groß. Deshalb hat die Fraktionsarbeitsgruppe in enger Zusammenarbeit mit dem Senat mögliche Wege zu einem Betrieb nach dem Auslaufen des aktuellen Verkehrsvertrags im Jahr 2017 besprochen. Eine Entscheidung wird nach Vorliegen des Gutachtens erwartet. Diskutiert wird auch eine (Teil-)Rekommunalisierung der Stromnetze. Derzeit werden sie von Vattenfall betrieben. Die entsprechende Konzession läuft Ende 2014 aus und wird neu ausgeschrieben. Der Senat hat dabei abgesichert, dass eine Übernahme der Konzession durch das Land selbst möglich ist. Hierzu nimmt eine landeseigene Gesellschaft „Berlin Energie“ am Ausschreibungsverfahren teil. Die SPD-Fraktion erörtert

SPD-Fraktion prüft, wie die S-Bahn wieder fahrtüchtig wird und die Stromnetze übernommen werden können
nun, ob eine Rekommunalisierung für das Land mindestens kostenneutral machbar ist. Politisch könnte Berlin durch mehr Einfluss bei den Stromnetzen auf Themen wie Klimaschutz und Energieeffizienz, aber auch auf wichtige Investitions- und Standortentscheidungen Einfluss nehmen. Parallel zu den Beratungen der SPD-Fraktion hat Finanzsenator Ulrich Nußbaum mit RWE über einen Rückkauf von 24,9 Prozent der Berliner Wasserbetriebe verhandelt. Der Kaufpreis soll bei 618 Mio. Euro liegen, hinzu kämen weitere Zahlungen für entgehende Gewinne aus 2012 und Steuererstattungen. Vereinbart wurde mit RWE auch, dass ein solcher Kaufvertrag offengelegt würde. Zur Finanzierung heißt es, dass selbst bei sinkenden Wasserpreisen die Renditen mindestens der Zinslast für den Kauf entsprächen. Das möchte die SPD-Fraktion nun prüfen: „Wir werden genau schauen, ob diese Maßnahme strategisch, politisch und wirtschaftlich sinnvoll ist“, sagt Raed SaF.F. leh.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh. Foto: SPD

Berliner Stadtblatt

BERLINER LEBEN

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Sommer in der Stadt: Da ist was los!
Von Madonna bis Tschaikowsky, von Mode bis Beachvolleyball: Ein pralles Programm erwartet die Berlinerinnen und Berliner und ihre Gäste auch dieses Jahr
Dass die Schulferien in diesem Jahr besonders früh beginnen, hat einen Vorteil: Der Sommer ist „gefühlt“ länger. Denn wenn die Schule wieder beginnt, ist noch lange nicht Schluss mit attraktiven Events. Ob Popmusik oder Klassik, ob kleine und große Messen, ob Marathon oder Grand Slam: Kaum ein Tag, kaum ein Wochenende, an dem nicht richtig etwas los ist. Wer mit der Urlaubsreise noch ein wenig wartet, kann am 30. Juni Madonna live in der 02-World erleben. Das erste Konzert am 28. Juni ist schon ausverkauft. Und dazwischen: Wetten, dass Madonnas Visite in Berlin das große Thema sein wird? Aber auch am 24. Juni, wenn Andris Nelson in der Waldbühne das Sommerkonzert der Berliner Philharmoniker dirigiert, wird alles rappelvoll sein, denn das Konzert ist „Kult“. Dieses Jahr steht Tschaikowsky auf dem Programm. Vom 5. bis 10. Juli gibt es dann wieder „Classic Open Air“ auf dem Gendarmenmarkt. Berlins beste Solisten geben sich ein Stelldichein. Im Haus der Kulturen der Welt ist ab 20. Juli „Wassermusik Süd-Süd“ angesagt, im Konzerthaus gibt es (ab 27. Juli) wieder die Young Euro Classics. Es schließt sich das Internationale Tanzfest an. In die Waldbühne zieht es aber auch die Sportfans. Vom 10. bis 15. Juli heißt es dort „Grand Slam Beachvolleyball“. Und wem das noch nicht „exotisch“ genug ist: Vom 22. bis 24. Juni werden im Tempodrom die deutschen DartMeisterschaften ausgetragen. Am 2. September heißt es dann wieder wie in guten alten Zeiten: ISTAF im Olympiastadion. Und am 30. September startet der Berlin Marathon. Die eine große Ausstellung gibt es in diesem Sommer nicht. Dafür wirft das 775jährige Jubiläum der Stadt Berlin mit einer Reihe von Veranstaltungen seine Schatten voraus. Das beginnt mit einem Rückblick auf die Jubiläumsfeiern 1937 und 1987 (ab 25. August in der Marienkirche). Und an acht verschiedenen Orten kann man Berlin im Mittelalter nachempfinden. Viele werden schon wieder auf die Lange Nacht der Museen warten (31. August) oder

In Berlins Mitte liegen Kultur und Strandcafé dicht beieinander. Und wer sich für keine der zahlreichen Sommer-Veranstaltungen entscheiden kann, fährt einfach mit dem Dampfer die Spree entlang. Foto: Horb

die Pyronale auf dem Maifeld (7./8. September) und das anschließende Festival of Lights. Auch auf dem Messegelände tut sich etwas. Ob allerdings die Coil Winding Exhibition

vom 26. bis 28. Juni etwas für jedermann ist? Wohl kaum. Um was es geht? Um die weltweit größte Messe für Spulentwicklungs-, Isolierungs- und Elektrohersteller. Da ist die

Fashion Week, die vom 4. bis 7. Juli auch wieder unter das Volk geht, schon etwas anderes. Und erst einmal die IFA mit schicken neuen Fernsehern und viel Multimedia (31. August

bis 5. September). Übrigens findet die Luft fahrtschau ILA trotz der Verschiebung der Flughafen-Eröff nung auf dem Schönefelder Gelände statt (11. bis 16. September). U.R.

Wo Geiz nicht geil ist
Menschen, die die Stadt bewegen: Till Behnke, Gründer von betterplace.org
Till Behnke (33) bewegt Menschen. Zum Beispiel zum Geldausgeben. 2007 hat er dafür mit einigen Freunden eigens einen Marktplatz im Internet gegründet. betterplace heißt er und der Name ist Programm: Die Welt soll durch ihn ein wenig besser werden. Mit überschaubaren Projekten. Till Behnkes Marktplatz sammelt Spenden ein. Ob Care-Pakete gegen den Hunger im Tschad, eine Brunnenreparatur in Uganda, Hilfe für Straßenkinder in Brasilien oder eine bessere Ausstattung eines Schulungsraums der AIDSHilfe Hagen – gibt inzwischen viele Initiativen, die betterplace nutzen, um ihre Ideen vorzustellen. Spenden bekommen sie für konkrete Vorhaben, deren Kosten auf der Internetseite genau beziffert werden. So lässt sich jederzeit ablesen, wie viel Geld gerade noch fehlt. Er wollte etwas Sinnvolles tun, sagt Till Behnke. Der Wirtschaftsinformatiker hatte bei einem Internet-Start-up und später als Projektmanager bei DaimlerChrysler Financial Services gearbeitet. Die Eindrücke eines AfrikaAufenthalts aber ließen ihn

Die unbekannte Nachbarschaft
„Gehwegschäden“ und „Senatsreserve“ – Zwei Berlin-Romane so bunt und abenteuerlich wie die Stadt
BUCHTIPPS
Bergwerksstollen in Berlin? Oder Schachboxer? Zwei jüngst in Frankfurt erschienene Berlin-Romane machen Skurriles zum Alltäglichen. Die beiden in Berlin lebenden Autoren, Thilo Bock (Jahrgang 1973) und Helmut Kuhn (Jahrgang 1962), erzählen ihre Geschichten wie ein Puzzle, dessen Einzelteile immer wieder zusammengefügt werden. zu einem Anzeigenblättchen für das Märkische Viertel. An der Seite des Lokalreporters Martin Horn hetzt er zunächst den üblichen Termin nach …, bis beide den großen Scoop wittern. Was hat die Stadt bewogen, die U 8 nach Wittenau statt ins Märkische Viertel zu führen? Die Recherchen führen zu einem mysteriösen Bergwerksstollen mit Senatsreserven In „Gehwegschäden“ führt Helmut Kuhn seinen Protagonisten Thomas Frantz, einen am Existenzminimum lebenden Journalisten, durch einen Mikrokosmos zwischen Prenzlauer Berg und Neukölln. Frantz versteht es, mit Boxhandschuhen ebenso wie am Schachbrett zu agieren. Er begegnet Hartzern, Immobilienmanagern, Gerichtsvollziehern, Laptop-Kreativen, Pferdewettern und Sozialarbeitern. Beide BerlinRomane, verschieden im Sujet und ähnlich in der eher lakonischen Erzählform, führen ihre Leser in die unterschiedlichsten Milieus und Nachbarschaften. Sie sind lesenswert, zeigen sie doch eine Stadt, die uns nahe ist und mit ihren Facetten doch so fern. G.L.
I Thilo Bock: Senatsreserve, September 2011, 320 Seiten, 19,90 Euro. I Helmut Kuhn: Gehwegschäden, März 2012, 445 Seiten, 22,90 Euro. Beide erschienen: Frankfurter Verlagsanstalt

Till Behnke, Mitbegründer von betterplace, in seiner Kreuzberger Firma. Foto: Horb

nicht mehr los. Marktplätze gab es schon etliche im Internet. Warum nicht auch einen für Entwicklungshilfe, für die Unterstützung sinnvoller Projekte? Inzwischen ist betterplace zu einer wichtigen Plattform für Vereine und Initiativen und für Spender geworden. Es gibt Informationen über den Verlauf der Projekte und Bewertungen durch die Spender. Damit die Gelder ohne Abzüge den Projekten zugute kommen, finanziert sich das Team von betterplace über die Einnahmen einer Tochterfirma, die Firmen beim gesellschaft lichen Engagement berät, zum Beispiel Spendenaktionen unter Firmenmitarbeitern

organisiert. Zudem gibt es engagierte Unterstützer und Gesellschafter wie den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Gruner + Jahr Dr. Bernd Kundrun. Drei Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr über die Spendenplattform betterplace.org verteilt. „Ich wünsche mir, dass die Menschen das Internet nicht nur nutzen, um Schnäppchen zu schlagen oder Musik runterzuladen, sondern auch um ihr neues Lieblingshilfsprojekt zu finden“, sagt Till Behnke. Übrigens gibt es inzwischen auch Hunderte Projekte in Berlin, auch die können über die Plattform transparent unterstützt werden. U.H.

„Senatsreserve“ führt in das Berlin kurz vor dem Mauerfall. Thilo Bock schickt seinen Erzähler, den 20-jährigen Karsten Grube, als Praktikanten

sowie ins Rotlichtmilieu. Bei den Recherchen verstricken sich die beiden slapstickhaft in kriminelle und amouröse Abenteuer.

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S E RV I C E – R ÄT S E L

Berliner Stadtblatt

Gesünder essen muss nicht teurer sein
Zwischen Markt und Supermarkt: Wie und wo man richtig einkauft - Viele Qualitätsprodukte kommen aus dem Umland
Kinder sorgen, ebenso wie für Ältere, die nicht vom falschen Essen krank werden sollen. In einer Millionen-Metropole wie Berlin, umgeben von viel Landwirtschaft, ist es nicht schwer, die richtige Bezugsquelle zu finden. Hier einige Tipps: Obst und Gemüse: Das große Problem sind die Spritzmittel, die in manchen Herkunftsländern besonders intensiv genutzt werden. Die gesunde Alternative: Obst und Gemüse aus dem Umland. Wenn es „bio“ ist, umso besser – und kaum teurer. Man findet es eher nicht beim Discounter, wohl aber in gut sortierten Supermärkten mit Regional-Ecke, in Bio-Supermärkten und auf Wochenmärkten. Besonders empfehlenswert: die Marktstände vom „Hofgut Apfeltraum“ oder vom Hof „Teltower Rübchen“. Milch: Wer hat die tiefsten Milchpreise? Ein Wettlauf, der zu Lasten der Qualität geht. Und wenn groß „Brandenburg“ auf der Tüte steht, heißt das nicht, dass die Milch aus der Region kommt. Es lohnt sich, ein paar Cent mehr auszugeben für Bio-Milch, die man auch im Supermarkt findet. Denn die Kühe werden nicht mit Silage und Mais im Stall ernährt, sondern auf der Wiese oder mit dem eigenen Heu. Die Milch schmeckt besser und hat auch etwas mehr Fett (3,8 Prozent). Aber das ist kein Gesundheitsrisiko. Das sehen Experten eher bei fettarmer Milch. Fleisch und Wurst: Der nächste Fleischskandal kommt bestimmt. Dabei kann man ihm ganz einfach entgehen: Nicht blind ins Regal mit den abgepackten Steaks oder Hähnchenbrüsten greifen, sondern mal wieder zum Metzger gehen – das ist garantiert ein Einkaufserlebnis. Ihn darf man fragen, woher sein Fleisch kommt. Auf Nummer sicher geht man mit dem „Neuland“-Siegel, denn dann kommt das Fleisch von Tieren, die artgerecht gehalten und mit dem eigenen Futter gemästet werden. Und zwar nicht in „Turbo-Mast“. Ein solches Schnitzel schrumpft nicht gleich in der Pfanne zusammen. Brot: Wer einen Backshop für eine Bäckerei hält, liegt voll daneben. Tiefgekühlte Brötchen aus Osteuropa, in den Ofen geschoben – ein Trauerspiel. Und die meisten Bäckerei-Ketten arbeiten mit viel Backchemie, aber nicht alle Zutaten sind verträglich. Da lohnt es sich, jenes Bäckerei-Handwerk zu unterstützen, das auf all das verzichtet. Zum Beispiel: BioBackhaus, Soluna, Beumer & Luthum, Märkisches Landbrot, Weichardt, Hofpfisterei, Fahland. Irgendwo in der Nähe findet man sie bestimmt. Wenn im Sommer das brandenburgische Umland lockt, sollte man auch mal einen Hofladen besuchen. Auf der Internetseite www.foel.de kann man den Bio-Einkaufsführer mit allen Adressen herunterladen oder bestellen. U.R.

Backen als Handwerk: Es geht auch ohne Backchemie – wie hier beim Märkischen Landbrot.

Foto: PR

Berichte über Gammelfleisch, Pflanzengift im Gemüse und zunehmende Lebens-

mit telallergien bleiben nicht ohne Wirkung: Die Verbraucher kaufen im-

mer bewusster ein. Das gilt für junge Mütter, die sich um die Gesundheit ihrer

Berliner Preisrätsel
Zu gewinnen: 10 Exemplare des Buches „Stolz auf Berlin“
WAAGERECHT 1 sie macht sich viel Arbeit mit Integration und Frauen 4 Berlin hat zwölf davon 7 verbindet Themse und Spree (Abk.) 10 verdächtig 11 Gleis plus Gleisbett 12 Richtlinie 14 200 Kilometer vor Berlin 16 Abk. f. Zusatzgerät am Telefon 18 gibt‘s nicht nur in Ulm 19 20 23 26 28 29 30 31 34 35 36 jetzt, bzw. englische Nonne Berliner Politiker die nächste ist in Brasilien 2014 präzis, genau Sehnsuchtsort Polsterung für romantisches Nachtlager Berliner Parlamentarier (Abk.) weibliches Personalpronomen Hersteller von Schriftgut Vereinte Nationen (Abk.) das strittigste Adjektiv Europas 38 harziger Wein 40 Zweckbündnis 41 Flüchtlingszug SENKRECHT 1 sie hindert geronnene Milch daran, wegzufließen 2 durch eine Auflösung entstanden 3 ostfriesisches Grundnahrungsmittel 4 Textilfärbung mit Wachs 5 militärisch gezählt

Bilderrätsel
Wissen Sie es? Auf welcher Berliner Promenade steht diese Skulptur und mahnt zum Frieden? Krieg dem Kriege: Auf welcher Berliner Promenade unweit eines kleinen Museums zu diesem Thema steht diese Skulptur und mahnt zum Frieden? Das Berliner Stadtblatt verlost unter den richtigen Ein6 Reißspur 8 Überraschung: Früher fertig als geplant 9 weg damit! 13 englisch: Gesetz 15 Bürger eines geschundenen Volks 17 bayerische Marke, in Berlin beliebt 21 gefährliches Gerät 22 Programm zur intensivierten Rehabilitationsnachsorge der Deutschen Rentenversicherung (Abk.) 24 sonntags gibt‘s hier manchmal Karaoke 25 Kalaschnikow (Abk.)

sendungen zum Bilderrätsel zweimal zwei Eintrittskarten für das Prime Time Theater. Das Weddinger Theater in der Müllerstrasse 163 (Eingang Burgsdorfstr.) hat mit seiner Theatersoap „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“ eine feste
27 US-Staat („Sweet home“) 29 ... dann drücken Sie die 1 ... 30 für Johann Sebastian Bach war sie Religion 31 gibt‘s in der Stadt fast so häufig wie Döner 32 weibl. Vorname 33 Prinz Charles möchte ihn gerne besteigen 37 ist spätestens im Juni vorbei 39 die aktive Stiefschwester des Geredes DIE GEWINNE Zusammengefügt ergeben die rot ein-

Fan-Gemeinde erobert, die den Humor des Ensembles und die treffenden Charaktere schätzt. Einsendeschluss ist der 31. Juli 2012 (per Post an das Berliner Stadtblatt, Müllerstraße 163, 13353 Berlin oder per Email: raetsel@berliner-stadtblatt.de).
gekreisten Buchstaben eine Berliner Institution, die kürzlich wieder als die beste deutsche Einrichtung ihrer Art eingestuft worden ist. Bitte schicken Sie dieses Lösungswort auf einer Postkarte bis zum 31. Juli 2012 per Post an das Berliner Stadtblatt, Müllerstr. 163, 13353 Berlin oder per Email: raetsel@berlinerstadtblatt.de. Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir 10 Exemplare des Buches „Stolz auf Berlin“ mit Porträts von bekannten Berlinerinnen und Berlinern und ihren Lieblingsorten in der Stadt.

Berliner Stadtblatt

FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG

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PORTRÄT DER ANDERE BAYER
Joachim Mühle ist ein echter Bayer. Groß gewachsen, Dialekt mit rollendem R, Vorliebe für deftiges Essen und Bier. Joachim Mühle ist auch ein echter Berliner. Glitzernder Stecker im linken Ohrläppchen, Wohnung in Kreuzberg, eine Vorliebe für Brandenburg. „Ich bin ein Berliner, der seine bayerischen Wurzeln

„SEZ muss wieder in öffentliche Hand“
Offenlegung der Verträge gefordert
In der DDR galt der Gebäudekomplex an der Kreuzung von Landsberger Allee und Danziger Straße als Prestigeobjekt. Als es ein wenig in die Jahre gekommen war, wurde das mittlerweile stillgelegte Sportund Erholungsheim (SEZ) in Friedrichshain 2003 für einen symbolischen Euro an einen privaten Investor verkauft. Dieser sollte einzelne Bereiche sanieren und das Schwimmbad wieder eröffnen. Doch das Gegenteil geschah. Die Schwimmhalle bleibt geschlossen. Ein Ärgernis, wie Gerlinde Schermer findet. Sie gehört zu den Initiatoren des erfolgreichen Volksentscheids „Unser Wasser“ und fordert nach der Offenlegung der Wasser-Verträge nun auch die Veröffentlichung des Privatisierungsvertrags für das SEZ, „damit öffentlich nachvollziehbar wird, ob der Vertrag, den das Land geschlossen hat, überhaupt erfüllt wurde. Ich bezweifle das.“ Schermer befürchtet, dass der Senat „beim Verramschen des SEZ klammheimlich auf Leistungen für die Bevölkerung verzichtet hat“. Entsprechende Vorwürfe habe der Senat jedenfalls nicht entkräften können. „Eine solche Politik am Bürger vorbei ist in Zeiten, in denen ständig von Transparenz die Rede ist, nicht hinnehmbar“, findet Gerlinde Schermer und fordert zudem zu prüfen, „ob in dem weiträumigen Komplex des SEZ, der zur Hälfte leer steht und verrottet, die dringend im Norden Friedrichshains benötigte Grundschule und auch eine öffentliche Kita untergebracht werden können“.

Schnellzug oder Bummelbahn: Wird der Ostbahnhof in Friedrichshain verkehrstechnisch abgehängt? Was hat die Deutsche Bahn AG im Sinn? Foto: Stefan Klink/ Deutsche Bahn AG

Bald nur noch nach Posemuckel?
Halten demnächst keine ICEs mehr im Ostbahnhof?
Vor sechs Jahren wurde der Berliner Hauptbahnhof eröffnet. Seither fahren hier die e meisten Züge des Fernverkehrs ab. Die schnellen ICEs halten nicht mehr am Zoologischen Garten – ein Schicksal, das dem Ostbahnhof erspart bleiben soll. „Eine Herabstufung des Ostbahnhofs würde gravierende Einschränkungen für die Bürgerinnen und Bürger in Friedrichshain und darüber hinaus bedeuten“, weiß Sven Heinemann. Als SPD-Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses hat er deshalb eine Anfrage an den Senat gestellt, ob der Landesregierung Pläne zur Herabstufung des Ostbahnhofs bekannt seien. Die Antwort gab Staatssekretär Christian Gaebler prompt: „Dass der Ostbahnhof als wichtiger Fernbahnhalt für die zentralen und östlichen Stadtteile infrage gestellt wird, ist überhaupt nicht akzeptabel“, ließ er die Abgeordneten wissen. Die Größe und die Struktur Berlins erforderten auch einen Fernbahnhof, der von den östlichen Teilen der Stadt gut erreichbar ist. „Der Senat wird dies in den weiteren Abstimmungen und Gesprächen mit der Deutschen Bahn AG auch deutlich machen“, versprach Gaebler. „Der Senat setzt sich für den Ostbahnhof als Fernbahnhof ein und stellt sich damit gegen die aktuell kursierenden Pläne der Deutschen Bahn“, sagt Sven Heinemann und kündigt an, sich auch weiter „für den Fernbahnhof Ostbahnhof “ stark zu machen: „Dass sich die Eröffnung des Willy-Brandt-Flughafens verzögert, ist schlimm genug. Da dürfen wir nicht auch noch unsere funktionierenden Verkehrsadern kappen.“

nicht abgeschnitten hat“, sagt Mühle über sich selbst. 1978 kam er aus der ostbayerischen 10 000-Einwohner-Stadt Cham nach Berlin. Der damals 18-Jährige zog in den Wedding, machte sein Abitur und studierte an der Freien Universität Politikwissenschaft. Später half er, den ländlichen Tourismus in Brandenburg voranzubringen. Vor sechs Jahren kehrte er in die Hauptstadt zurück und eröffnete das „Gasthaus Valentin“ in Kreuzberg. Mittlerweile ist es in der Hasenheide. „Ich möchte hier das andere Bayern präsentieren“, sagt Joachim Mühle. Auf der Karte stehen zwar Schweinsbraten, „Obatzda“ und selbstgebackene Brezn, doch von dumpfer weiß-blauer Bayerntümelei fehlt jede Spur. An den Wänden hängen Fotos von Karl Valentin, nach dem das Gasthaus benannt ist. Auch das Kulturprogramm, das Mühle regelmäßig anbietet, ist eher links-alternativ. „Es gab in Bayern schon immer eine aufmüpfige Bauernbewegung und eine linke Kulturszene“, sagt der Wirt. „Den Freistaat haben weder die katholische Kirche noch die CSU erkämpft.“ Mühles Gäste schätzen dieses andere Bayern in Kreuzberg – mehr als die Hälfte wurde im Freistaat geboren. Das freut den Wirt. Und dennoch: „Für mich ist jeder ein Berliner, der hier wohnt“, sagt Joachim Mühle, „egal, ob er seine Wurzeln in Bayern hat oder in Anatolien.“

Die Privatisierungskritikerin Gerlinde Schermer fordert die Offenlegung der Verkaufsverträge für das SEZ. Foto: Torben Zimmermann

Wie gut kennen Sie Ihren Bezirk?
Sommer-Fotorätsel des Berliner Stadtblatts

Wasser ja. Geschäftemacherei nein.
Erste europaweite Bürgerinitiative in Friedrichshain-Kreuzberg
Es ist die erste europaweite Bürgerinitiative. Sie wurde von der europäischen Dienstleistungsgewerkschaft initiiert und hat das Ziel, Wasser und sanitäre Grundversorgung für alle Menschen in Europa zu garantieren und die Liberalisierung der Wasserwirtschaft zu stoppen. Die SPD in Friedrichshain-Kreuzberg unterstützt diesen Vorstoß und ruft dazu auf, Unterschriften zu sammeln. Eine Million aus mindestens sieben EU-Mitgliedsstaaten müssen bis Mai kommenden Jahres zusammenkommen, damit es zum Bürgerentscheid kommt. Aus Deutschland müssen damit mindestens 130 000 Unterschriften kommen. „Die EU-Kommission versucht derzeit, öffentliche Aufgaben dem Wettbewerb auszusetzen“, warnt Jan Stöß, Vorsitzender der SPD Friedrichshain-Kreuzberg. Damit drohe die Gefahr, dass soziale, ökologische und qualitiative Standards unter Druck geraten. „Die öffentliche Daseinsvorsorge darf nicht zum renditeorienterten Geschäft verkommen“, fordert Stöß. Die Sozialdemokraten würden deshalb in den kommenden Monaten auf der Straße und im Internet Unterschriften sammeln, „damit auf das erste europäische Bürgerbegehren auch der erste Bürgerentscheid folgt“.

Wo stehen der Admiral und sein Zwillingsbruder? Sagen Sie es uns und gewinnen Sie tolle Preise.

MELDUNGEN NACHBARSCHAFTSGELD
Ob Malwerkstatt für Kinder, Kiezfest oder Pflanzaktion: Die „Kiezaktivkasse“ des Nachbarschaftshauses Urbanstraße fördert niedrigschwellige Nachbarschaftsprojekte in ganz Kreuzberg. Wer eine Idee hat oder sogar Geld für die Kasse spenden möchte, findet alle nötigen Informationen unter www.kiezaktivkasse.de

KIEZ-GESCHICHTE
Stadtgeschichte ist Migrationsgeschichte. In der Ausstellung „ortsgespräche“ im Kreuzbergmuseum (Adalbertstraße 95A) kommen ganz unterschiedliche Bewohnerinnen und Bewohner des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg zu Wort – auch jene, deren Stimmen oft überhört werden. Die Ausstellung läuft noch bis 31. Dezember 2013.

LINKE LEBENSLÄUFE
Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten haben Berlin zu allen Zeiten geprägt. Das Multimedia-Projekt „Werkstatt Linke Lebensläufe“ stellt nun einige von ihnen im Internet unter www.linke-lebensläufe.de vor. Die Sammlung von bisher sechs Biographien soll laufend ergänzt werden. www.linke-lebensläufe.de

Seit 1985 suchen diese bein den Herren den Horizont in unserem Bezirk ab. Wo aber steht der „doppelte Admiral“? Schicken Sie uns die Antwort (eine der beiden Straßen genügt) bis zum 15. August per Post an Sven Heinemann (MdA), Niederkirchnerstr. 5, 10111 Berlin oder per E-Mail an sven.heinemann @spd.parlament-berlin.de.

Unter allen richtigen Einsendungen verlost das „Berliner Stadtblatt“: 1. Preis: Besuch einer Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses (mit max. drei Personen) plus Essen mit Sven Heinemann, 2. und 3. Preis: Je ein Gutschein über 20 Euro für zwei Restaurants in Friedrichshain, 4. bis 10. Preis: 1 Sachbuch.

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FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG

Berliner Stadtblatt

Krach um die Friedensmauer
Ein Kunstprojekt regt in Kreuzberg zu heftigen Diskussionen und zum Nachdenken an
„Forget Fear!“ (Vergesst die Angst) lautet das Motto der 7. Berlin Biennale für zeitgenösn sische Kunst. Sie findet bis zum 1. Juli statt und wird von dem polnischen Videokünstd ler Artur Zmijewski und seinem Team, Joanna Warsza und der in Russland verfolgten Künstlergruppe „Voina“ kuratiert. Zmijewski kritisiert, dass Kunst zum Dekor neoliberaler Politik ausgeartet sei und ihre Wirkung weitgehend verloren habe. Er möchte dem Publikum weder eine Show bieten, in der der Hunger nach Bildern gestillt wird, noch eine Shoppingtour für Kunstkäufer, sondern ganz konkret auf Missstände hinweisen. Das ist auch der Anspruch des Projekts „Peace Wall“ der mazedonischen Künstlerin Nada Prlja. Am 2. Mai wurde die Friedens-Mauer aus Spanplatten und Wellblech in der südlichen Friedrichstadt unweit vom Checkpoint Charlie errichtet. Mit der „Peace Wall“ möchte die Künstlerin auf die gesellschaftliche Spaltung in dieser Gegend aufmerksam machen: 70 Prozent der Bevölkerung sind von Arbeitslosigkeit betroffen und haben einen Migrationshintergrund. Prlja möchte die „Peace Wall“ als ein Forum für den Dialog mit Anwohnern und Verantwortlichen aus der Politik nutzen, um die soziale Schieflage ans Tageslicht zu holen und gemeinsam Lösungen zu finden. Die erste und bisher einzige Veranstaltung an der „Peace Wall“ fand am 8. Mai statt. Neben Bezirksstadträtin Monika Hermann nahm Sebastian Forck, Sprecher der SPD Friedrichshain-Kreuzberg für Stadtentwicklung, an der lebhaften Diskussion mit Anwohnern teil. „Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, dass unser Kiez die Chancen bekommt, die er verdient, ohne dass es zu einer Verdrängung der Anwohner kommt“, forderte er. Die Berlin Biennale plant weitere Aktionen mit den Anwohnern, den Migrantenvereinen und Politikern. Doch

AUFRUF BEWEGTE SPD-GESCHICHTE: ZEITDOKUMENTE GESUCHT
2013 feiert die SPD ihr 150-jähriges Bestehen. Dazu arbeiten Mitglieder der SPD im Boxhagener-, Rudolf-, Samariter-, Trao vekiez und in Stralau an einem Buch zur Geschichte der SPD in Friedrichshain. a

Großer Andrang an der „Peace Wall“: Am 8. Mai trafen Anwohner auf Bezirkspolitiker. Dabei ging es nicht immer ganz harmonisch zu. Foto: Kai Doering

der Widerstand gegen die Mauer wächst. Durch die Aufstellung der Mauer und die Sperrung der Straße scheint die Lebensader einiger Ladeninhaber gekappt zu sein. So stellte die CDU in der Bezirksverordnetenversammlung

am 23. Mai den Antrag: „Die Mauer muss weg!“ Er wurde abgelehnt. Ein Passant erteilt gar die Empfehlung: „Die Mauer gehört ins Museum!“ Damit hat die „Peace Wall“ bereits erreicht, wofür sie errichtet wurde: Sie fällt auf und

regt zu Diskussionen an. Denn eins ist klar: Kunst als Heimat für Fragen von Migration und Ausgrenzung ist gewöhnungsbedürftig. Gerade weil sie ein unschönes Bild abgibt.
www.berlinbiennale.de

WAS IST LOS IN FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG? FEST IM GÖRLI
Am 16. Juni richtet das Nachbarschaftshaus Urbanstraße das mittlerweile vierte Kinder- und Familienfest im Görlitzer Park aus. Geboten werden Spiel und Sport für Kinder und Jugendliche, ein buntes musikalisches Bühnenprogramm sowie Informationen der Träger aus und um den Sozialraum. Internationale Köstlichkeiten runden das Fest ab. Los geht es auf der Wiese vor den Terrassen um 14 Uhr. Auch in Friedrichshain und Kreuzberg laden zahlreiche Bühnen zum Zuhören und Tanzen ein. Die Spanne reicht dabei von der Passionskirche am Marheinekeplatz bis zum RAW in der Revaler Straße, vom „House of Life“ in der Blücherstraße bis zum Pavillon im Volkspark Friedrichshain.

Fallrückzieher auf dem Dach
Die Bezirksverordneten setzen sich für Bezirkssportler ein
Der Sport spielt in Friedrichshain-Kreuzberg seit jeher eine wichtige Rolle – nicht nur während der Fußball-Europameisterschaft. Der Rekordmeister im Eishockey, die „Eisbären“, sind ebenso im Bezirk zuhause wie die Futsal-Sparte des BSC Eintracht/Südring. Ob der Puck übers Eis oder der Fußball durch die Halle gejagt wird – eins haben alle Sportarten gemein: Ohne ehrenamtliche Helfer geht es nicht. „Uns war es deshalb wichtig, in den Haushaltsberatungen die Ehrenamtspauschale für die Sportvereine deutlich anzuheben“, sagt Frank Vollmert aus der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Vollmert und seine Kollegen im Sportausschuss waren erfolgreich: Im März beschloss die BVV, die Zuweisungen des Bezirks in diesem Jahr von 3300 auf 6600 Euro zu verdoppeln. verordnete: „Im Bezirksvergleich liegt FriedrichshainKreuzberg berlinweit auf dem letzten bzw. vorletzten Platz.“ Jeder Ort, der sich bietet, wird genutzt – sogar, wenn er auf dem Dach eines Baumarktes liegt. Volmert: „Der geplante Sportplatz auf dem Dach des „Hellweg“-Baumarktes am Gleisdreieck und zwei Sportflächen auf dem Gebiet des Regenrückhaltebeckens an der Züllichauer Straße werden für Entlastung sorgen.“ Der größte Sportplatz sei jedoch das Tempelhofer Feld. „Was hier nach der Schließung des Flughafens an Freizeitmöglichkeiten entstanden ist, ist einmalig.“ Umso wichtiger sei es, den Zugang für alle zu erhalten.

Die Geschichte der Partei reicht in dem Bezirk bis ins 19. Jahrhundert zurück: Bereits 1877 errang erstmals ein Sozialdemokrat in Friedrichshain ein Reichstagsmandat, 1905 bezog der spätere Reichspräsident Friedrich Ebert seine erste Berliner Wohnung in Friedrichshain. In den 20er- und 30erJahren zählte die SPD Friedrichshain rund 8000 Mitglieder. Viele Friedrichshainer Sozialdemokraten beteiligten sich am Widerstand gegen die Nazis und widersetzen sich nach dem Krieg 1946 der Zwangsvereinigung mit der KPD zur SED. 1960 besuchte Willy Brandt als Regierender Bürgermeister das SPDBüro am Boxhagener Platz, und 1989/1990 gründete sich die SPD in Friedrichshain neu.
Wer hat noch Plakate, Flugblätter, Fotos?

CSD
Am 23. Juni weht wieder die Regenbogenfahne über Berlin. Der große Umzug des Christopher-Street-Days beginnt dieses Jahr ab 12.30 Uhr mitten in Kreuzberg auf der Gitschiner Str./Ecke Prinzenstraße und zieht von dort bis zum Brandenburger Tor. Dort wird das CSD-Finale als Party gefeiert. www.csd-berlin.de

FÊTE DE LA MUSIQUE
Umsonst und in der ganzen Stadt – das ist das Versprechen der „Fête de la musique“. 1982 in Frankreich gestartet, findet sie mittlerweile als weltweites Musikfestival jedes Jahr am 21. Juni statt.

„Die Ehrenamtlichen übernehmen eine unglaublich wichtige Aufgabe in Friedrichshain-Kreuzberg. Das wollen wir honorieren, frei nach dem Motto: Eine Geste zählt oftmals mehr als tausend Worte“, sagt Vollmert. Auch der Frauen- und Mädchensport wird zusätzlich finanziell unterstützt. Für 2013 stehen dafür 13 000 Euro zur Verfügung. Viel nachzuholen sei bei der Versorgung mit Sportflächen, sagt der Bezirks-

Ehrenamtliche Arbeit wird honoriert

Die SPD in Friedrichshain sucht anlässlich des Parteijubiläums 2013 Materialien zu ihrer Geschichte. Wer alte Plakate, Flugblätter, Fotos, Fahnen, Anstecknadeln und andere Dokumente zur SPD in Friedrichshain hat, meldet sich bitte bei Sven Heinemann (MdA), Niederkirchnerstr. 5, 10111 Berlin, Telefon mit Sprachbox (bitte Namen und Telefonnummer hinterlassen): 030-2977 0115, Fax: 03221-2320 525 oder per E-Mail:
sven.heinemann@ spd.parlament-berlin.de

„Bildung ist die wichtigste Investition in die Zukunft“
Das Abgeordnetenhaus hat beschlossen, dass die Bezirke jährlich 50 Millionen Euro zusätzlich bekommen. Was versprechen Sie sich davon? Wir wollen gezielt die Bezirke stärken, weil sie wichtige Angebote vor Ort machen von der Bibliothek bis zum Sportplatz. Und weil jeder Bezirk eigene Schwerpunkte setzt, können sie selbst entscheiden, wofür sie das Geld verwenden. Hinzu kommen 20 Millionen Euro für neue Kita-Plätze in diesem und im kommenden Jahr? Wie viele Plätze sollen entstehen?
Bis 2015 wollen wir bis zu 19.000 zusätzliche Kita-Plätze schaffen. Das ist gerade für Friedrichshain wichtig, weil hier besonders viele Kinder geboren werden. Deshalb haben wir bewusst einen Schwerpunkt in den aktuellen Haushaltsberatungen gesetzt. Ein klares Signal also auch für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auf jeden Fall! Ich denke, dass Berlin schon recht gut aufgestellt ist. Aber gerade in Innenstadtbezirken wie Friedrichshain-Kreuzberg ist es nicht immer ganz leicht, einen Kita-Platz zu bekommen. Das wollen wir ändern. Aktuell werden 435 neue Lehrerinnen und Lehrer für das neue Schuljahr eingestellt. Woher kommt das Geld? Es gibt kein zusätzliches Geld. Bildung ist für uns die wichtigste Investition in die Zukunft. Deshalb stecken wir alles, was möglich ist, in den Bildungsbereich. Natürlich könnte man auch dort noch mehr machen. Deshalb macht sich die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus dafür stark, die Summe für die Sanierung von Schulen zu verdoppeln.

Im Interview: Die Friedrichshainer SPD-Abgeordnete Susanne Kitschun über Kita-Plätze und Stillpausen im Parlament
Sie sind stellvertretende Fraktionsvorsitzende und zweifache Mutter. Wie kommen Sie mit dieser Doppelbelastung zurecht? Am Anfang hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Insgesamt klappt es aber mittlerweile sehr gut. Die Zahl der Sitzungen hat mit meiner neuen Funktion zugenommen. Das ist nicht immer leicht, wenn man zwischendurch ein Baby stillen muss. Dafür müssen die Kollegen gut mitspielen und man braucht einen verständnisvollen Partner. Mit beidem habe ich Glück. Was ist eigentlich der Unterschied von der großen Koalition jetzt zu Rot-Rot in der vergangenen Legislatur? Für mich als linke Sozialdemokratin war Rot-Rot ein politisches Projekt. Mit der CDU haben wir eine neue Situation. Der Umgang ist anders, aber wir haben im Koalitionsvertrag viele gute Vorhaben festgeschrieben, die wir gemeinsam umsetzen wollen. Ein Beispiel: Die Erhöhung des Mindestlohns im Vergabegesetz auf 8,50 Euro. Deshalb denke ich, dass fünf erfolgreiche Jahre vor uns liegen.

Am 22. Juni, 18-19 Uhr, bietet Susanne Kitschun ihre nächste mobile Bürgersprechstunde vor Kaisers, Andreasstraße 59, an.
        
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