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Periodical volume

Full text: Berliner Stadtblatt Issue 2014,[1] Mai

Stimme
WISSENSWERTES AU S BERLIN UND DEM BEZIRK
UNSER PANKOW
Sicher kann man Europa leicht dämonisieren und Ressentiments schüren, wie es kürzlich die CSU mit ihrem Slogan „Wer betrügt, der fliegt“ zur sog. Armutszuwanderung aus Südosteuropa tat. Der Satz hat es in sich, suggeriert er doch, dass Menschen, die aus prekären Verhältnissen stammen und auch hier unter unwürdigen Bedingungen leben, betrügen und Sozialleistungen missbrauchen. Was einen ärgert, ist nicht nur der billige Populismus, sondern die verlogene politische Logik. Man kann in Europa nicht beides haben: freien Handel und die Arbeitskräfte einerseits und den Ausschluss von sozialer Verantwortung für Bedürftige andererseits. Freizügigkeit ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Davon profitieren wir hier in Deutschland am meisten. Es ist unverantwortlich, soziale Fürsorge für eine kleine Gruppe zu verweigern und Sozialneid zu schüren, der nicht nur illegal ist, sondern auch Hand anlegt an jene vorteilhaften Prinzipien der Europäischen Union, deren Nutznießer wir vor allem selbst sind. Nicht zuletzt im reichen Bayern. Es ist deshalb an der Zeit, dass wir die Tugenden ehrlicher Kaufleute beherzigen und uns an Vereinbarungen halten, für die wir einst geworben haben. Europa ist eben keine Party für Rosinenpicker. Alexander Götz, Kreisvorsitzender der SPD Pankow

Pankower
Berliner Stadtblatt
BEZIRKSAUSGABE

Mehr über die Kandidatin, die Europa verändert hat.
Seite 5

NAH DRAN:

AUSGA BE

MAI

2014

Tempelhofer Feld: Eine Freifläche größer als das Fürstentum Monaco bleibt auch bei einer behutsamen Randbebauung erhalten. Sitzbänke und einige wenige schattenspendende Bäume sollen, wenn der Gesetzentwurf 2 eine Mehrheit findet, dafür sorgen, dass auch ältere Besucherinnen und Besucher oder Familien die Wiese zur Erholung nutzen können. Foto: Horb / Montage: Kegel

Ein Kreuz für Wohnraum
Volksentscheid: Gesetzentwurf 2 steht für den Interessenausgleich in der Großstadt - Tempelhofer Feld bietet Raum für Freizeit und bezahlbaren Neubau
Sattes Grün, soweit das Auge reicht, davor Radlerinnen und Radler, Drachensportler, Skater. Ein Bild, das sich nicht ändern wird - auch wenn an den Rändern des Tempelhofer Feldes Wohnungen entstehen. Neue bezahlbare Wohnungen helfen der ganzen Stadt, können den Mietanstieg bremsen. Deshalb werben Sozialverbände, Gewerkschaften, Landessportbund und Unternehmer gemeinsam für ein Gesetz, das die Randbebauung in Tempelhof ermöglicht. Beim Volksentscheid am 25. Mai steht es als zweites zur Abstimmung. „Die Wohlfahrtsverbände spüren über ihre Sozialberatungsstellen und Schuldnerberatungen, wie angespannt der Wohnungsmarkt für Haushalte mit geringen bis durchschnittlichen Einkommen inzwischen ist“, sagt Martin Matz, Vorsitzender der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege Berlin. Der Wohnungsbau müsse in Tempelhof eine Chance bekommen. Die große Freifläche in Tempelhof bleibt erhalten, wird gesetzlich geschützt. Privatisiert wird nichts. Städtische Unternehmen und Genossenschaften sollen am Rand kostengünstig bauen. Eine Schule und Kitaplätze werden gebraucht, kleine Läden. „Am Tempelhofer Feld bietet sich die Möglichkeit, stadtverträgliches Gewerbe im Einklang mit Wohn- und Erholungsflächen zu etablieren“, so Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin. 50.000 Menschen zogen allein im vergangenen Jahr nach Berlin. Ihnen hilft der Hinweis der Bebauungsgegner nicht, es gebe anderswo genug Freiflächen. Denn konkret werden solche Hinweise nie. Mietpreise von 6 bis 8 Euro, wie sie bei mindestens der Hälfte der Wohnungen am Tempelhofer Damm geplant sind, werden als zu teuer kritisiert. Kein Neubau aber würde Mieten auf Dauer noch teurer machen. „Wohnen, Arbeiten, Sport und Erholung muss auf dem Tempelhofer Feld möglich sein“, findet Radsportler Robert Bartko. Er wirbt für Zustimmung zum Gesetzentwurf 2, den das Abgeordnetenhaus mit den Stimmen von SPD und CDU beschlossen hat. Dafür wirbt auch der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß: „Nein zum ersten Gesetzentwurf, Ja zum zweiten“, sagt er im Interview mit dem Berliner Stadtblatt. Es gehe nicht an, „dass da eine Minderheit diese riesige Freifläche allein für sich beansprucht“, weil sie Kite-Surfen wolle. Schon einmal hatte sich Berlin für die Öffnung Tempelhofs entschieden – damals gegen die Privatflieger. U. H.
Mehr zum Thema auf S. 3

IN DIESER AUSGABE

SOZIALES EUROPA

DGB-Vorstandsmitglied Reiner Hoff mann warnt vor populistischen Splitterparteien im EU-Parlament. Seite 2

DIE WAFFEN NIEDER

Das Antikriegsmuseum im Wedding zeigt die Folgen von Kriegen. Seite 4

RÄTSEL

Interessante Preise zu gewinnen. Seite 6

EUROPA VOR ORT

Die Berliner Bündnisse für Arbeit und Wirtschaft und die Projekte in Pankow. Seite 7

MILIEUSCHUTZ

Pankow kämpft wirkungsvoll für bezahlbaren Wohnraum und gegen Luxusmodernisierungen. Seite 7

Alles Europa?
Neue Online-Plattform der SPD Pankow zur Europawahl
Die Wahlbeteiligung bei Europa-Wahlen ist in der Vergangenheit immer wieder hinter der von anderen Wahlen zurückgeblieben. Zu Unrecht. Die SPD Pankow will deshalb mit der neuen Website www.spd-pankow-europa. de umfassend über die Bedeutung von Europa auch für uns vor Ort informieren und darüber, was die sozialdemokratische Partei Europas im EU-Parlament erreichen will. Auch kann hier herausgefunden werden, wann und wo die Berliner SPD-Spitzenkandidatin Sylvia-Yvonne Kaufmann zu treffen ist und welche Europawahl-Termine sonst noch wichtig sind. Wie will die SPD die EU sozialer und demokratischer machen? Und was ist der Unterschied zwischen EU-Kommission und EU-Rat? Das SPDWahlkampfteam beantwortet auf der Website interaktiv Ihre Fragen zu Europa, zeigt die von der EU geförderten Projekte in unserem Bezirk und erklärt so den Wählerinnen und Wählern in Pankow, warum sie diese so wichtige Wahl treffen sollen.

Europäer aus Leidenschaft
Interview mit Tilman Schwencke - Zweiter Berliner SPD-Kandidat zur Europawahl kommt aus Pankow
Tilman Schwencke, Sie leben in Pankow und sind der zweite Berliner auf der SPD-Bundesliste für das Europäische Parlament. Was bekommen die Berlinerinnen und Berliner vom Abgeordneten Schwencke? Sehr viel! Begeisterung, Engagement und Fachkompetenz. Meine Kernthemen sind Energie- und Umweltpolitik. Ich arbeite seit vielen Jahren im Energiebereich, Der Pankower Tilman Schwenentwickle als Projektlei- cke kandidiert für Europa. ter „Erneuerbare Energien“ Projekte europaweit. Eine Energiewende europaweit umzusetzen, das ist eines meiner politischen Ziele. Mein Engagement liegt jedoch nicht nur hier. Europa neu denken und gerechter gestalten, das ist mein zentrales Anliegen. Und schließlich bekommen die Berlinerinnen und Berliner viel Begeisterung für Europa, die hoffentlich ansteckt.

Lesen Sie die Fortsetzung auf Seite 7.

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MEINUNG

Berliner!Stadtblatt

GUT FÜR BERLIN

„Kurswechsel für ein soziales Europa“
Im Stadtblatt-Interview: Reiner Hoffmann, Kandidat für den DGB-Vorsitz
REINER HOFFMANN, 58,
kandidiert auf dem DGBKongress in Berlin für das Amt des Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Er absolvierte seine Berufsausbildung bei den Farbwerken Hoechst, studierte über den zweiten Bildungsweg Wirtschaftswissenschaften, arbeitete bei der Hans-Böckler-Stiftung, bevor er als Direktor des Europäischen Gewerkschaftsinstituts nach Brüssel ging. Er wurde 2003 stellvertretender Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaf tsbundes. Von 2009 bis 2013 war er Landesbezirksleiter der IG Bergbau, Chemie, Energie in Nordrhein-Westfalen und gehört seit Februar 2014 dem DGB-Vorstand an. Er ist seit 1972 SPDMitglied.

Der Senat verzichtet auf die Ausschüttungen aus den Bilanzgewinnen der Berliner Wasserbetriebe (BWB) für die Jahre 2012 bis 2015. In diesem und im kommenden Jahr macht das jeweils 26,5 Mio. Euro jährlich aus. Damit können die Berliner Wasserbetriebe die Absenkung der Trinkwasserpreise für die Jahre 2012 und 2013 endgültig umsetzen.

WASSERPREIS

LANDESHAUSHALT Berlin hat bereits im vergangenen Jahr keine neuen Schulden mehr aufgenommen. Ursprünglich war eine Nettokreditaufnahme von 485 Mio. Euro eingeplant, tatsächlich aber schloss der Landeshaushalt mit einem Überschuss von 476 Mio. Euro ab, von dem der größte Teil in die Schuldentilgung floss. LANGZEITARBEITSLOSE
Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles stockt die Mittel für die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit auf. Insgesamt sollen sie in den kommenden 4 Jahren um 1,4 Mrd. Euro erhöht werden. Für 2014 ist dies ein Mehr von 325 Mio. Euro. Allein für das Jobcenter Neukölln bedeutet das in diesem Jahr eine Erhöhung der Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik um rund 2.84 Mio. Euro.

Jüngst haben 50 000 Gewerkschafter gegen die EUKommission und für ein soziales Europa demonstriert. Was läuft falsch in Brüssel? In der EU sind die Wachstumsraten zu niedrig und die Arbeitslosenquoten zu hoch, vor allem für die jüngere Generation. Die verordnete Sparpolitik für die Krisenländer vermehrt die Armut und verhindert wirtschaftliche Gesundung. Deshalb fordern die Gewerkschaften in Europa von der EU-Kommission einen Kurswechsel. Dazu hat der DGB einen Marshallplan für ein Konjunktur-, Investitions- und Aufbauprogramm für Europa entwickelt, das Krisen überwinden hilft. Worauf kommt es nun bei der Wahl zum Europäischen Parlament an?

Ein friedvolles, soziales Europa braucht ein handlungsfähiges Parlament, keine populistischen Splitterparteien, die mit Diskriminierung, Ausgrenzung und Rückschritten zum Nationalismus auf Stimmenfang gehen. Wir brauchen ein Parlament, das Zukunftsprojekte anpackt, und die Arbeit der Kommission auf ihre sozialen Konsequenzen überprüft, um Nachteile für die Bürger abzuwehren. Wir brauchen im Europäischen Parlament eine Politik, die sich der unsozialen Spaltung unserer Gesellschaft widersetzt. Das ist der Kurswechsel, den wir meinen. Ist Deutschland dabei ein Vorbild? Deutschland hat sicher

eine starke Position in der EU. Die Große Koalition hat in den ersten Monaten mehr zustande gebracht, als die schwarz-gelbe Koalition in vier Jahren. Mindestlohn und Rentenpaket gehen in die richtige Richtung, auch wenn wir einige Details kritisieren. Ausnahmen beim gesetzlichen Mindestlohn darf es nicht geben. Die Koalition muss sich in dieser Legislaturperiode deutlich der Humanisierung der Arbeit zuwenden, denn die zunehmenden psychischen Erkrankungen haben zumeist ihre Ursachen in den Arbeitsbedingungen und in unsicheren Arbeitsverhältnissen. Zur Begrenzung von Werkvertragsarbeit und Leiharbeit brauchen Betriebs- und Personalräte wirkungsvollere Mitbestimmungsrechte. Interview: Gunter Lange Foto: DGB / S. M. Neumann

SO GESEHEN:

Karikatur: Erich Rauschenbach

BLICK AUF DIE BUNDESPOLITIK

SCHLECHT FÜR BERLIN
An drei Messpunkten in Berlin – an der Silbersteinstraße und an der Karl-MarxStraße in Neukölln sowie an der Frankfurter Allee in Friedrichshain – sind in den ersten vier Monaten bereits über 30 Tage gezählt worden, an denen die Feinstaubkonzentration die EURichtwerte überschritten hat. Insgesamt dürfen im Jahr die Messwerte nur an 35 Tagen höher liegen als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Als Hauptursache für den Feinstaub gilt der Autoverkehr.

Was ändert sich jetzt?
Mietpreisbremse, Rentenpaket und Mindestlohn: Die Gesetzesvorhaben der Bundesregierung
Es tut sich etwas: In den vergangenen Wochen hat die Bundesregierung viele neue Gesetze auf den Weg gebracht. Vor allem in Metropolen wie Berlin profitieren zahlreiche Bürgerinnen und Bürger. Beispiel Mietpreisbremse: Bei einem Mieterwechsel darf die neue Miete künftig höchstens zehn Prozent über dem ortsüblichen Niveau liegen. Bisher wurde von den Nachmietern oft eine kräftige Erhöhung verlangt. Ausgenommen sind nur Erstvermietungen im Neubau, um den Wohnungsbau nicht zu bremsen. Wo die Regelung gilt, entscheiden die Bundesländer. Berlin hat bereits angekündigt, sie für die ganze Stadt umzusetzen. Beschlossen ist auch, dass Maklergebühren ab 2015 nicht mehr einfach auf die Mieter abgewälzt werden können. Hier gilt dann die einfache Regel: Wer bestellt, bezahlt. In den nächsten Monaten soll das Mietrecht weiter verändert werden, kündigte Bundesjustizminister Maas (SPD) an. Im Interesse der Mieter wird genauer defirifbindung. Auch für Langzeitarbeitslose, die in nicht-tarifgebundenen Unternehmen eine neue Arbeit aufnehmen, gilt ein halbes Jahr eine Sonderregelung. Sollte die Ausnahme missbraucht werden, werde sie wieder abgeschafft, kündigte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) an. Für langzeitarbeitslose Hartz-IV-Empfänger, die ganz ohne oder ohne geeigneten Berufsabschluss sind, wird es ein spezielles Förderprogramm geben. 30.000 Lange Arbeitstage im Bundestag: Die Große Koalition hat zahl- Plätze sind vorgesehen. Die Optionspflicht für in Foto: Horb reiche Gesetze auf den Weg gebracht. Deutschland geborene und niert, was eine „umfassende“ bzw. Väter, deren Kinder vor aufgewachsene Kinder wird oder eine „energetische“ Sa- 1992 geboren sind, sollen in abgeschafft. In der großen nierung ist. Prüfen will Maas Zukunft ein zweites Kinder- Mehrzahl der Fälle wird das zudem, ob Vermieter, die erziehungsjahr angerechnet Aufwachsen in Deutschland eine Wohnung sanieren oder bekommen. Verbessert wird von der Behörde anhand dämmen, die Miete wie bis- die Situation derer, die aus der Meldedaten mit wenig her dauerhaft erhöhen kön- gesundheitlichen Gründen Aufwand selbst festgestellt. nen oder nur so lange, bis die nicht mehr arbeiten können. Durch diese BeweislastumAb dem 1.1.2015 gilt ein kehr müssen die Betroffenen Kosten gedeckt sind. Als erstes größeres Geset- bundesweiter allgemein ver- nicht mitwirken. Nur in Auszesvorhaben der Großen Ko- bindlicher Mindestlohn. 4 nahmefällen werden sie von alition tritt zum 1. Juli 2014 Millionen Menschen pro- den Behörden angeschrieben. das Rentenpaket in Kraft. fitieren davon. Bis 1.1.2017 Der Vorschlag berücksichtigt Alle, die 45 Jahre lang Beiträ- sind Ausnahmen vom Min- internationale Lebensläufe ge gezahlt haben, können jetzt destlohn nur im Rahmen von und die europäische Freizwei Jahre früher abschlags- Tarifverträgen zulässig - ein zügigkeit. In Deutschland frei in Rente gehen. Mütter Anreiz für eine stärkere Ta- aufgewachsen ist, wer acht Jahre in Deutschland gelebt hat, sechs Jahre zur Schule ging oder einen Schul- oder Berufsabschluss hat. Eine im Gesetzesentwurf enthaltene Härtefallklausel sorgt für Gerechtigkeit im Einzelfall. Die doppelte Staatsbürgerschaft ist ein wesentlicher Schritt zu einem modernen Staatsbürgerschaftsrecht. U. H.

FEINSTAUB

IMPRESSUM
Herausgeber: SPD Landesverband Berlin, Müllerstraße 163, 13353 Berlin Chefredakteur: Mark Rackles (V.i.S.d.P.) Redaktion: Ulrich Horb (CvD), Gunter Lange, Ulrich Rosenbaum, Josephine Steffen Bezirksredaktion: Clarissa de Sielvie, Julian Zado (Mitte), Burkhard Hawemann, Kai Doering (Friedrichshain-Kreuzberg), Martina Krahl, Lucas Koppehl (Pankow), Robert Drewnicki (CharlottenburgWilmersdorf), Hans Kegel (Tempelhof-Schöneberg), Lisa Maren Bürger (Steglitz-Zehlendorf), Christopher King (Neukölln), Ralf Thies (Treptow-Köpenick), Enrico Stoelzel (Marzahn-Hellersdorf), Christian Paulus (Lichtenberg) Anschrift : Berliner Stadtblatt, Müllerstraße 163, 13353 Berlin, info@berliner-stadtblatt.de berliner-stadtblatt.de Grundlayout: Projektdesign Berlin Gestaltung: koko-berlin.de Anzeigen: Berliner vorwärts Verlagsgesellschaft mbH, anzeigen@vorwaerts.de Druck: Henke Pressedruck GmbH & Co. KG Auflage: 412.500 Exemplare

WOHNUNGSVERKÄUFE

Rund 1.700 bundeseigene Wohnungen sollen in nächster Zeit von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) in Berlin verkauft werden. Eine verbilligte Abgabe an städtische Wohnungsunternehmen lehnt die Bima bislang ab. Das Land Berlin hat ein Interesse daran, den Wohnungsbestand bei städtischen Unternehmen wieder zu erhöhen, um den Mietanstieg zu dämpfen.

Berliner Stadtblatt

THEMA

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„NEIN zu 1 – JA zu 2“
Im Interview: Der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß zum Volksentscheid über das Tempelhofer Feld
Berlin braucht Wohnungen – aber wo können die dringend nötigen Neubauten entstehen? Das „Stadtblatt“ sprach mit dem Vorsitzenden der Berliner SPD, Jan Stöß, über das Volksbegehren zum Tempelhofer Feld und die Kampagne zur Randbebauung des riesigen Areals mitten in der Innenstadt. Herr Stöß, Ihre Partei wirbt überall in der Stadt mit „Wohnungen statt Stillstand“. Was meinen Sie eigentlich damit? Uns es geht um das Tempelhofer Feld und darum, dass da eine Minderheit diese riesige Freifläche allein für sich beansprucht. Weil sie KiteSurfen wollen und da sogar Bäume stören würden, die Schatten spenden können. Bäume? Ja. Käme das Volksbegehren so durch, wie es die Initiative will, dann könnte auf dem inneren Feld nichts verändert werden. Absoluter Stillstand. Wir könnten tatsächlich nicht einmal Baumgruppen pflanzen oder Bänke für die weniger sportlichen Besucher aufstellen. Es wird behauptet, der SPDgeführte Senat wolle das ganze Areal bebauen? Das ist Unsinn. Wir wollen lediglich am Rand des Feldes Wohnungen bauen und zwar vor allem mit unseren landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Es geht darum, preiswerten Wohnraum auch mitten in der Stadt zu schaffen. Berlin braucht dringend Wohnungsneubau – und Wohnungen, die bezahlbar sind. Geht es nur um Wohnungen? Nein, nicht nur. Es werden dort Kindergärten, eine Schule, Radwege und vor allem auch Vereinssportplätze entstehen. Aber, und das ist das Wichtigste: In der Mitte wenn sie im Volksbegehren die Mehrheit bekommt. Sie reden von dem Stimmzettel? Genau. Zeitgleich mit der Europawahl rufen wir die Menschen am 25. Mai auf, für eine gute Zukunft dieser Stadt abzustimmen. Dafür, notwendige Veränderungen mit zu gestalten, statt sie einfach abzulehnen. Wir appellieren an alle, am 25. Mai zur Wahl zu gehen, für ein soziales Europa zu stimmen – also das Kreuz bei der SPD zumachen – und bei der Tempelhof-Abstimmung zum 2. Gesetzentwurf Ja zu sagen.
Jan Stöß, Landesvorsitzender der SPD Berlin
Foto: Ralf Höschele

des Feldes bleibt eine Freifläche erhalten, die größer ist als der Tiergarten. Eine Freifläche für alle – für die Sportlichen, aber eben auch für Spaziergänger, für Familien,

für Seniorinnen und Senioren. Politiker sagen viel. Moment mal. Das ist kein vages Versprechen. Im Gegen-

teil. Das Abgeordnetenhaus hat bereits mit der Mehrheit von SPD und CDU ein Gesetz vorgelegt, in dem genau das garantiert wird. Diese Variante 2 wird angenommen,

Man kann ja beiden Gesetzentwürfen zustimmen. Ich finde, entweder – oder. Die beiden Entwürfe widersprechen sich ja: Entweder Stillstand – oder eine vernünftige Nutzung des Feldes an den Rändern. Deshalb: NEIN zu 1 – JA zu 2.

Raum für Wohnen und Freizeit
Tempelhofer Feld: Randbebauung hilft Wohnungssuchenden
Fest steht: Das Gelände des Tempelhofer Feldes bleibt frei von privaten Investoren, die große Innenfläche von 230 Hektar wird nicht bebaut. Wenn der Volksentscheid den Weg frei macht für eine Bebauung, wollen zwei städtische Unternehmen und eine Genossenschaft am Tempelhofer Damm bis zu 1.700 Wohnungen bauen.

DER STIMMZETTEL WIR HABEN DA MAL ZWEI FRAGEN
Bisherige Volkentscheide, ob zum Religionsunterricht oder zum Stromnetz, hatten nur eine Fragestellung. Erstmals gibt es nun am 25. Mai in Berlin einen Volksentscheid, bei dem über gleich zwei Fragen abgestimmt werden muss. Bei beiden Fragen gibt es jeweils die Möglichkeit mit Ja und mit Nein zu stimmen. Die Fragen ähneln sich, denn beide Gesetzentwürfe wollen den großen Innenbereich des Tempelhofer Feldes vor jeglicher Bebauung schützen. Die erste Abstimmungsfrage gilt dem Gesetzentwurf der Initiative, die sich gegen jegliche Bebauung des Tempelhofer Feldes wendet. Wer Veränderungen zulassen will, muss hier mit Nein stimmen. Bei der zweiten Abstimmungsfrage geht es um den Gesetzentwurf des Berliner Abgeordnetenhauses. SPD und CDU hatten ihn eingebracht, um klarzustellen, dass eine behutsame Bebauung nur am Rande des Feldes erfolgen soll. Wer für eine Randbebauung eintritt, muss hier mit Ja stimmen. Angenommen ist eines der beiden Gesetze, wenn die Mehrheit der Abstimmenden und zugleich mindestens ein Viertel der Stimmberechtigten – also rund 625.000 Berlinerinnen und Berliner – dafür stimmen.

Freie Parkfläche
Tempelhofer Damm 230 Hektar groß, für Sport, Freizeit und Erholung, mit neuen Fuß- und Radwegen, Naturschutz- und Ruhezonen, Bäumen, Sitzbänken, Sanitäranlagen sowie Informationen zur Historie des Tempelhofer Feldes Oderstraße

Mindestens die Hälfte der Wohnungen am Tempelhofer Damm wird zu Mieten von sechs bis acht Euro errichtet. Das ist möglich, weil städtische Gesellschaften auf landeseigenem Grund bauen können. Solche Möglichkeiten gibt es sonst in der Innenstadt nicht. Für die Bebauung an den Rändern gibt es einen Masterplan des Senats. Er wird im Rahmen von Wettbewerben

Südring

Sportpark

und Bürgerbeteiligung nach und nach konkretisiert. Festlegungen über die Architektur gibt es noch nicht. In den zwei weiteren Quartieren am Südring und an der Oderstraße steht die Planung erst am Anfang. Auf allen drei Baufeldern sollen insgesamt 4.700

Wohnungen gebaut werden, darunter auch Wohnraum für Studierende. Die Höhe der Gebäude sollen sich an die Umgebung anpassen. In der Planung sind zudem mehrere Kitas und eine Schule, in Neukölln sind Sportflächen vorgesehen.

Gewerbe soll es am Tempelhofer Damm nur direkt an der Straße in den unteren Etagen geben, um den Nahversorgungsbedarf zu decken. Am Südring, wo unmittelbar an der Stadtautobahn kein Wohnungsbau sinnvoll ist, ist mehr Gewerbe vorgesehen.

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BERLIN AKTUELL

Berliner !"#$"%&#""

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Die Bürgerinnen und Bürger der EU wählen zwischen dem 22. und 25. Mai zum achten Mal das Europäische Parlament. In der Bundesrepublik findet die Wahl am Sonntag, dem 25. Mai 2014 statt. Wahlberechtigt sind Deutsche und Angehörige der EU-Mitgliedsstaaten, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens drei Monaten in der Bundesrepublik oder in den übrigen EU-Mitgliedstaaten eine Wohnung haben. Die Wahlbenachrichtigungen sind im April versandt worden. In Berlin sind 2.517.746 Bürgerinnen und Bürger wahlberechtigt. Das sind knapp 45.000 Personen mehr als bei der Europawahl 2009.

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Mehr Kinder in Berlin und 10.000 neue Kitaplätze - Ausbaupläne bei Kitas weit übertroffen
Berlin setzt Maßstäbe bei der Kinderbetreuung: Im vergangenen Jahr sind rund 10.000 e neue Plätze geschaffen worden. Allein durch das Berliner Landesprogramm „Auf die Plätze, n Kitas, los!“ entstanden 2013 nach Angaben von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) 4818 neue Kindergarten-Plätze 6 in 161 Projekten freier und öffentlicher Kita-Träger. „Seit dem Start im Juli 2012 konnten im Rahmen des Landesprogramms über 6900 neue Kita-Plätze geschaffen werden“, sagt Sandra Scheeres. „Damit haben wir das ursprüngliche Ziel von insgesamt 3200 Plätzen um mehr als das Doppelte übertroffen.“ Die meisten neuen Plätze entstanden in den Bezirken Lichtenberg, Treptow-Köpenick und Pankow. „Entgegen dem Bundestrend steigen die Kinderzahlen in Berlin stetig an“, stellt die Bildungssenatorin fest. „Es ziehen nicht nur viele te der Ein- bis Zweijährigen liegt bei 69 Prozent. Eine Quote, die Bildungssenatorin Sandra Scheeres eigentlich erst für das Jahr 2016 angestrebt hatte. Damit komme Berlin aber auch dem Ziel gerechter Bildungschancen für alle Kinder, unabhängig von Herkunft und sozialer Situation, immer näher. Das soll sich an der Schule nahtlos fortsetzen, so Bildungssenatorin Scheeres: „Gerade durch die Schulstrukturreform bietet Berlin allen Jugendlichen die Chance auf einen höchstmöglichen Abschluss. Ob auf dem Gymnasium oder auf der Sekundarschule: Wir müssen die Kinder so individuell wie möglich fördern, damit sie ihre Potentiale ausschöpfen können. In Zusammenarbeit mit der Wirtschaft haben wir 400 Kooperationen geschlossen, die dabei helfen, Schülerinnen und Schüler mit Betrieben in KonU.H. takt zu bringen.“

Bildungssenatorin Sandra Scheeres.

Foto: Frank Schulenberg

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Deutschland entsendet künftig 96 Abgeordnete ins Europaparlament. Auf dem Stimmzettel finden sich 24 Parteien. Die Reihenfolge richtet sich nach der Zahl der Stimmen, die sie 2009 erreicht haben. So findet sich die Sozialdemokratische Partei zum Beispiel auf Listenplatz 3. Die Parteien haben Bundeslisten aufgestellt.

Familien nach Berlin, sondern viele Familien werden hier auch gegründet. In einigen Bezirken geht der Trend schon zum Drittkind." Zudem besuchen anteilig immer mehr Kinder die Kitas, so die Bildungssenatorin. „Das sind beides sehr erfreuliche Entwicklungen, die aber zugleich auch ei-

ne Herausforderung für das Kita-System unserer Stadt darstellen. Deshalb ist der KitaAusbau in Berlin ein Schwerpunkt meiner Arbeit.“ Das 2012 zusätzlich zu den laufenden Bundesprogrammen gestartete Landesprogramm habe dem Ausbau deutlich mehr Rückenwind verschafft.

„Berlin löst den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ein. Damit das so bleibt, bauen wir auch in den kommenden Jahren weiter aus. Im aktuellen Doppelhaushalt stehen 18 Millionen Euro für unser Landesprogramm bereit“, sagt Sandra Scheeres Die aktuelle Betreuungsquo-

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Besucherrekord in den Berliner Museen: Die Ausstellungen von Technikmuseum, e Stadtmuseum, Schwulem Museum oder Berlinischer Galerie lockten im vergangenen Jahr rund 1,3 Millionen Menschen a an - das sind 100.000 mehr als im Jahr 2012. Sogar um 20 Prozent auf insgesamt 2.536.161 h stieg die Besucherzahl der Gedenkstätten. Stand im vergangenen Jahr die Machtübernahme der Nazis vor 80 Jahren im Mittelpunkt von Sonderausstellungne, ist es in diesem Jahr der 25. Jahrestag des Mauerfalls. „Es ist überlebenswichtig für eine freiheitliche Gesellschaft, dass auch nachwachsende Generationen verstehen, dass De-

Berliner Museen und Gedenkstätten mit Besucherrekord

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Passgenaue Beratung für Jugendliche
Der Einstieg ins Berufsleben soll für Jugendliche einfacher werden. Für passende individuelle Hilfe und Unterstützung wird ab 2015 eine Berliner Jugendberufsagentur sorgen.

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Die Wahllokale haben am Wahlsonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

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Mit der Wahlbenachrichtigungskarte können die B r i e f w a h l u nt e r l a g e n schriftlich angefordert werden. Der Wahlbrief muss spätestens am Wahltag um 18:00 Uhr eingehen. Die Briefwahl ist auch persönlich im Bezirkswahlamt möglich.

Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße: Die Besucherzahlen steigen. Foto: Horb

mokratie und Rechtstaat immer wieder von neuem verteidigt werden müssen und keine Selbstverständlichkeit sind“, so Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. Deshalb setze das Land Berlin hier

auch Schwerpunkte. So halten u.a. die Gedenkstätte Hohenschönhausen, die Topografie des Terrors, das Haus der Wannseekonferenz und die Stiftung Berliner Mauer die ErBS innerung wach.

Mit ihrer Hilfe sollen Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahren über alle Angebote nach der Schulzeit informiert werden. „Wir verstehen sie als Signal für ein aufeinander abgestimmtes Übergangssystem aus einem Guss“,

sagt der stellvertretende DGBVorsitzende Christian Hossbach. Senat, Arbeitsagentur, Kammern und Gewerkschaften unterstützen das Projekt. Die bessere Verzahnung der Angebote soll auch dazu beitragen, die Jugendarbeitslosigkeit von derzeit 11,4 Prozent auf unter 10 Prozent zu senken. Arbeitssenatorin Dilek Kolat forderte die Arbeitgeber auf, mehr zukunftsfähige Ausbildungsplätze zur Verfügung zu BS stellen.

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Nach dem opulenten Bildband über Ost-Berlin hat der Elsengold-Verlag jetzt den Berlinerinnen und Berliner aus dem Westteil ein ebenso gewichtiges Werk gewidmet. Tausend Fotografien aus dem Bestand der dpa-Tochter Picture Alliance erzählen - geordnet in thematische Kapitel - von der spannenden Zeit zwischen 1945 und 1990. Die Bilder zeigen den Wiederaufbau der zerstörten Stadt, Hamsterfahrten, Notbeleuchtung während der Blockade und in den Gesichtern Durchhaltewillen. Die Fotografen blicken in enge Küchen mit Kohleöfen, treffen Ausflügler beim Baden am Humboldthain. Die Alliierten haben ihren festen Platz in der Stadt. Das Wirtschaftswunder wirkt auch im Westteil Berlins, auf den Laufstegen ist neue Mode zu sehen, Charlottenburg entwickelt sich zur modernen City der Halbstadt, aber selbst Ende der

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Jubel und Hurra-Patriotismus begleitete den Weltkriegsbeginn vor hundert Jahn ren. Die Schrecken dieses Krieges wurden erst Jahre später öffentlich sichtbar - in Ernst r Friedrichs Berliner Antikriegsmuseum in der Parochialstraße. Der Pazifist Ernst Friedrich hatte in den 20er Jahren in Berlin das Buch „Krieg dem Kriege“ veröffentlicht. 1925 eröffnete er sein Museum, das in zahlreichen Bildern die Verwundungen und Verstümmelungen der Soldaten zeigte und von Grausamkeiten und Tod berichtete. Seine Ausstellung war eine einzige Anklage gegen den Krieg. 1933 zerstörte die SA das Museum, Ernst Friedrich wurde inhaftiert. Ende 1933 ging er in die Emigration.

Tommy Spree setzt die Arbeit Ernst Friedrichs im Antikriegsmuseum fort
suchergruppen vermittelt Tommy Spree dort unten anschaulich, was Kriege auch für die Zivilbevölkerung bedeuten. „Vieles, was hier ausgestellt wird, haben Nachbarn mitgebracht“, sagt Tommy Spree. Darunter etwa ein „Gas-Bettchen“, in dem Säuglinge im 2. Weltkrieg vor Gasangriffen geschützt werden sollten. Eine Karte im Antikriegsmuseum zeigt die aktuellen Konflikte auf der Welt, im Nebenraum stellen Bildtafeln eine Auswahl jener Persönlichkeiten vor, die sich für Frieden und Abrüstung einsetzten. „Junge Menschen sollen aus den Fehlern und Kriegen der älteren Generationen lernen“, sagt Tommy Spree. Das Antikriegsmuseum soll dazu einen U.H. Beitrag leisten.

Der Fotoband mit 1000 Aufnahmen ist im Elsengold-Verlag erschienen und kostet 49,95 Euro. siebziger Jahre finden die Fotografen noch einen Milchbauern in einem bröckeligen Hinterhof. In vielen Bildern wird die Enge der eingemauerten Stadt sichtbar, in der die verschiedensten Lebenswelten und -entwürfe aufeinanderprallen. Große Momente der Berliner Nachkriegsgeschichte stehen neben ganz persönlichen Begegnungen. Der Band ist ein fotografisches Geschichtsbuch und sicher für viele ein Erinnerungsalbum. U.H.

Tommy Spree in den Räumen des Antikriegsmuseums in der Brüsseler Straße 21. Geöffnet ist täglich 16 - 20 Uhr, auch sonn- und feiertags. Der Eintritt ist frei. Foto: Horb

Sein Enkel Tommy Spree hat Berlin das Museum seines Großvaters zurückgegeben. 1982, 15 Jahre nach dem Tod des Gründers Ernst Friedrichs, öffnete es zunächst in einem Keller in der Kreuzberger Stresemannstraße. Seither wuchs die Ausstellung ständig weiter,

unterstützt von vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Heute ist sie in einem Laden in der Weddinger Brüsseler Straße 21 zu finden. Eine kleine Treppe führt vom Ausstellungsraum in den Keller, der im 2. Weltkrieg Schutz vor Luftangriffen bieten sollte. Be-

Berliner Stadtblatt

E U R O PA

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Europäerin mit Überzeugungskraft
Europa hat Sylvia-Yvonne Kaufmann verändert – und sie hat Europa verändert
Es geht um Europa. Anderthalb Stunden lang. SylviaYvonne Kaufmann ist an diesem Abend in Neukölln. Man sitzt im schmucklosen Vorraum einer Turnhalle auf dem Campus Rütli, einem Projekt, das mit EU-Fördermitteln zu einer Modellschule für den Bezirk wurde. Aus dem Publikum kommen Fragen. Viele Fragen. Sylvia-Yvonne Kaufmann hat Antworten. Und manchmal ist Europa auch einfach zu erklären. Zum Beispiel mit der langen Zeit des Friedens, die aus der Partnerschaft der europäischen Staaten entstanden ist. Mit der Förderung sozialer Projekte im Kiez durch EU-Gelder. Oder mit ganz praktischen Vorteilen für die Bürgerinnen und Bürger wie dem Wegfall von Umtauschgebühren bei Währungen oder niedrigeren Roaming-Gebühren beim Telefonieren. Manchmal ist es auch schwieriger. Denn Europa ist noch lange nicht vollkommen. „Nur als demokratisches Gemeinwesen, das die Bürgerinnen und Bürger mitgestalten und über dessen Geschicke sie mitentscheiden, wird die Europäische Union dauerhaft zukunftsfähig sein“, sagt Sylvia-Yvonne Kaufmann. „Ihr“ Europa soll sozialer und demokratischer werden. gen aufgehoben. Von 1993 bis 2000 war sie stellvertretende Vorsitzende der PDS. Damals und in den Jahren danach kämpfte sie im Europäischen Parlament erfolgreich für eine demokratische Verfassung und mehr Bürgerbeteiligung. Zum Teil allerdings gegen den heftigen Widerstand der eigenen Partei, die sich aus ideologischen Gründen wie wahltaktischen Überlegungen europaskeptisch verhält. Eine „europapolitische Geisterfahrt“ nennt sie das in ihrer Austrittserklärung. Zur Politik kam SylviaYvonne Kaufmann auf Umwegen, in der Wendezeit, als alles in Bewegung war – und sie etwas bewegen konnte. Geboren 1955, verbrachte sie die ersten Kindheitsjahre in Mitte. Als 1961 die Mauer gebaut wurde, war sie in Peking. „Mein Vater war im DDRAußenhandel tätig, er hat Textilien aller Art aus China importiert“, erinnert sie sich. Eingeschult wurde sie in um sie bemüht.“ Europa ist der Sozialdemokratin zu wichtig, als es von Populisten zerreden zu lassen. Das EUParlament dürfe nicht zum Spielfeld von Kleinstparteien werden, die die schwierigen Einigungsprozesse weiter behindern. Es braucht ernsthaftes Engagement, Hartnäckigkeit und Überzeugungskraft. Neun Jahre hat es zum Beispiel bis zum Inkrafttreten der EU-Grundrechtecharta gedauert. Der Artikel 23 stammt aus der Feder von Sylvia-Yvonne Kaufmann: „Die Gleichheit von Frauen und Männern ist in allen Bereichen, einschließlich der Beschäftigung, der Arbeit und des Arbeitsentgelts, sicherzustellen. Der Grundsatz der Gleichheit steht der Beibehaltung oder der Einführung spezifischer Vergünstigungen für das unterrepräsentierte Geschlecht nicht entgegen.“ Millionen Menschen können sich heute darauf berufen. Oder ihre Meinung über eine Europäischen Bürgerinitiative einbringen, wie zuletzt gegen die Wasserprivatisierung. Ein Instrument, für das die Europapolitikerin lange gekämpft hat.

Sylvia-Yvonne Kaufmann (rechts) unterwegs im Wahlkampf

Foto: Horb

der DDR-Botschaftsschule, sie blieb in den sechziger Jahren dort, allerdings mit Unterbrechungen: „Während der Kulturrevolution wuchsen die Spannungen zwischen China und der Sowjetunion, das Personal in den Botschaften und

Handelsvertretungen wurde reduziert und auch die Kinder nach Hause geschickt.“ Massendemonstrationen, innerparteiliche Säuberungen und die Jagd auf Menschen bestimmten den Alltag in China. Der geplante Wechsel an die sowjetische Botschaftsschule war nicht mehr möglich, den erweiterten Russisch-Unterricht gab es nun wieder in Berlin, in der Hans-Coppi-Schule in Karlshorst, getrennt von den Eltern, die sie in den Sommerferien in Peking besuchte.

Systeme im Vergleich
Dieser frühe Einblick in die unterschiedlichen politischen Systeme hat ihr neue Sichtweisen eröffnet. „Ich bin mit politischen Konflikten und Debatten groß geworden.“ Der Ost-West-Konflikt steht für sie dabei nicht im Vordergrund, spielt aber privat eine Rolle: „Meine Großmutter lebte in West-Berlin, als Kind konnte ich sie nie besuchen.“ Bei den Weltjugendfestspielen 1973 staunt sie fassungslos über westdeutsche Studenten, die das chinesische System verherrlichten. „Wovon redet ihr da, dachte ich damals.“ 1973 nimmt sie ihr Studium der Japanologie auf, ganz pragmatisch: Für Sinologie hätte sie ein Jahr warten müssen. 1976 tritt sie in die SED ein, im Vergleich zum Moskauer und Pekinger System

„Nah dran“
Im Sommer vergangenen Jahres wurde sie auf einem Landesparteitag der Berliner SPD als Spitzenkandidatin für die Europawahl aufgestellt. Seither ist sie auf ungezählten Veranstaltungen unterwegs. Auf größeren Bühnen, auf Festveranstaltungen, in kleinen Gesprächsrunden. Oder auf der Straße, in Einkaufszonen, an SPD-Ständen. Sie geht auf die Menschen zu. „Nah dran“ steht auf ihren Wahlplakaten und Flyern. Ihre Stärke bei all den Begegnungen heißt: Überzeugung. Für die tritt sie ein, auch wenn es schwierig wird. Das hat sie 2009 in die SPD geführt. Hier fühlt sie sich mit ihren Ideen und Überzeugun-

erscheint ihr das DDR-Modell freier, obwohl die Risse sichtbar werden. Die BiermannAusbürgerung wird im Studenten- und Freundeskreis ganz offen kritisiert, auch von ihr. „Meine Eltern hatten mir früh auf den Weg gegeben, über den Tellerrand zu schauen, mir eine eigene Meinung zu bilden.“ Die ist gefragt, als das erstarrte DDR-System 1989 am Ende ist. Sylvia-Yvonne Kaufmann will Verantwortung für den Neuaufbau übernehmen. 1990 zieht sie für die PDS als Abgeordnete in die DDRVolkskammer ein, vertritt ihre Fraktion im Europarat, wird Mitglied des Deutschen Bundestages. Als Abgeordnete mit Beobachterstatus nimmt sie von 1991 bis 1994 an den Beratungen des Europäischen Parlaments teil und sieht die Chancen, die Europa bietet. Von 1999 bis 2009 ist sie Mitglied des Europäischen Parlaments, wo sie intensiv die Verfassungsdebatte begleitet, und ist 2004 bis 2007 dessen Vizepräsidentin. Jetzt will sie für die SPD ins Parlament zurückkehren.

Kurswechsel nötig
Es ist schwer, die Interessen der 500 Millionen Menschen in den 28 EU-Ländern zusammenzuführen. Europa dürfe keine neoliberale Freihandelszone werden, es braucht eine soziale Balance, sagt die SPDKandidatin. „Überwindung der Finanzmarktkrise, Sicherung des Euro und soziale Gerechtigkeit in Europa – das sind Kernfragen der kommenden Jahre. Daher sind grundlegende Veränderungen notwendig. Ein Kurswechsel hin zu Wachstum und Beschäftigung, ein gezielter Einsatz von Investitionen in den sozial- und umweltverträglichen Umbau der europäischen Volkswirtschaften ist erforderlich.“ Im Campus Rütli in Neukölln hat sie an diesem Abend die Menschen überzeugt. Mit nicht immer einfachen Antworten. Auch das geht. UH

Noch viel zu tun
„Die Einigung Europas ist weder vollendet noch unumkehrbar“, warnt SylviaYvonne Kaufmann. „Sie ist nur von Dauer, wenn man sich immer wieder aufs Neue

1962: Sylvia-Yvonne Kaufmann als Kind in einem Pekinger Foto: privat Tempel mit einem Mönch.

MARTIN SCHULZ TOUR
Montag, 19. Mai 2014 · 18-21 Uhr

19. MAI 2014
18 - 21 UHR

MONTAG

Berlin-Mitte · Alexanderplatz

ALEXANDERPLATZ
BERLIN-MITTE

MARTIN SCHULZ AUF DEM ALEX

SYLVIA-YVONNE KAUFMANN FRANK-WALTER STEINMEIER KLAUS WOWEREIT JAN STÖß

neu MUSIK: LASTREL UND CITY Europa Wowereitdenken. Kaufmann Stenmeier
Martin Schulz Sylvia-Yvonne Klaus

Frank-Walter

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S E RV I C E – R ÄT S E L

Berliner!Stadtblatt

Gut zu wissen ...
Unser Stadtblatt-Service: Mehr Sicherheit im Internet - Besserer Schutz für Mieterinnen und Mieter bei Umwandlung - Vorsicht bei Kosmetika

jeweils der erste Buchstabe eines Wortes benutzt wird. www.bsi-fuer-buerger.de Mieterschutz. Eigenbedarf gehört zu den häufigsten Kündigungsgründen von Vermietern. In Berlin genießen die Bewohnerinnen und Bewohner von Mietwohnungen, die in Eigentumswohnungen umgewandelt werden, jedoch einen erweiterten Schutz: Sie können nach einem Verkauf der Wohnung zehn Jahre lang nicht wegen Eigenbedarf des Käufers gekündigt werden. Eine frühere Regelung, die nur für sieben Jahre und nur in sechs Bezirken galt, ist im vergangenen Jahr von Stadtentwicklungssenator Michael Müller ausgeweitet worden. In allen anderen Fällen lohnt sich die Überprüfung der Kündigung bei einer Mieterberatung. Denn der Vermieter muss vernünftige und nachvollziehbare Gründe nennen, warum er oder eine begünstigte Person die Wohnung beziehen wollen. Gesundheit. Als Einwickelfolie ist Aluminium in vielen Küchen vorrätig.

Passwörter bleiben im Internet leider oft nicht geheim.

Foto: koko-berlin.de

Sicherheit im Internet. Mehr als drei Viertel aller Deutschen nutzen das Internet, im Schnitt verfügt jede Nutzerin und jeder Nutzer über drei Mailadressen. Schon zweimal innerhalb kurzer Zeit wurden jetzt von der Polizei mehrere Millionen Mail-Adressen inklusive der dazugehörigen Passwörter

sichergestellt, die aus Datendiebstählen stammen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat die betroffenen Nutzer entweder direkt informiert oder eine Abfragemöglichkeit eingerichtet. Sicherheitsexperten empfehlen dringend, unterschiedliche Passwörter für alle Websites mit Anmeldefunkti-

on zu nutzen, damit Hacker, die in den Besitz eines Zugangs gekommen sind, die Passwörter nicht auch anderweitig einsetzen können. Zudem wird ein regelmäßiger Wechsel der Passwörter empfohlen. Um einen Diebstahl von Zugangsdaten auf dem eigenen Rechner zu verhindern, ist eine aktuelle Virensoftware nötig.

Verdächtige Mailanhänge oder von Unbekannten zugesandte Links zu Internetseiten sollten nicht geöffnet werden. Passwörter sollten mindestens zwölf Zeichen enthalten, darunter gemischt Klein- und Großbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Als Merkhilfe für Passwörter können ganze Sätze dienen, von denen

Das Metall, das in höherer Dosierung von Gesundheitsexperten als Risiko eingeschätzt wird, gelangt aber auch über Lebensmittel in den Körper. Es kann in Kohl, Getreide oder Hülsenfrüchten vorkommen, in Schokolade oder Lebensmittelfarbstoffen enthalten sein oder als Abrieb aus Kaffeekapseln in das Getränk gelangen. In Form von Aluminiumchlorhydraten ist es in vielen Deodorants enthalten, da es die Hautporen zusammenzieht und so die Schweißbildung unterbindet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält zwar die natürliche Aufnahme über Lebensmittel für tolerabel, warnt aber vor dem zusätzlichen Einsatz der Deos: Bereits bei einmaliger täglicher Benutzung aluminiumhaltiger Antitranspirantien könnte die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge (TWI) von 1 Milligramm Aluminium je Kilogramm Körpergewicht ausgeschöpft werden, so das Institut. Da auch die Entstehung von Brustkrebs nicht ausgeschlossen werden kann, mahnen die Experten zur Vorsicht. U. H.

Berliner Preisrätsel
ZU GEWINNEN:

3 x 2 Karten für das Weddinger Primetime-Theater
20 Labsal für die Ohren (nicht immer) 22 Kleidung (engl.) 24 Macht oder Kraft, die auf die Natur und den Menschen einwirkt 25 Größte Eulenart 26 Eigene Identität 27 Europas Thema Nummer 1 30 Längster Fluss Italiens 31 Anspannungsphase des Herzens 34 Götter(?)gatte 35 Azubi oder Azubiene 36 Klanglich SENKRECHT 1 Narrenwährung 2 Äußeres Erscheinungsbild 4 Bleigewicht, fällt senkrecht 5 Einst hieß der Club Wismut, heute Erzgebirge 6 Weidenkorb mit Tragegeschirr 7 Wenn kein Blatt dazwischen passt, wird‘s ... 8 Abscheu zeigen 9 Nordeuropäisches Hirschtier 13 Einer der erfolgreichsten Leichtathleten der Sportgeschichte 15 Energieträger 16 Herausragender Sportstar 19 Geradewegs nach unten 20 Er schrieb die Buddenbrooks mit 26 21 Berliner Kandidatin fürs Europaparlament 23 Sittsam, tugendhaft 25 Chronometer 26 Umzingelt von Wasser 27 Ringförmiges Korallenriff 28 Stacheliges Säugetier 29 In Berlin gibt es auch einen deutschen und einen französischen 30 Andenstaat 32 Unbestimmter männlicher Artikel 34 Österreichische Fluglinie

WAAGERECHT 1 EU-Parlamentspräsident und Kommissionskandidat 4 Sie treibt den Kuchen an 10 Welträumlich 11 Vollzieht gerade eine Wende 12 Ganz 14 Stadtteil von Hagen / Westf. 16 Vorfahr in grauer Vorzeit 17 Mal gefährlich, mal lecker. Immer kalt 18 Aus welcher Richtung?

Bilderrätsel
WO STEHT DIESER TURM? Hier drehte sich bis vor einigen Jahren alles um die Sicherheit. Heute schaut der weiße, gut 71 Meter hohe Turm, der 1982 entstand, etwas verlassen hinter einem großen, dunklen Gebäude hervor. Wie heißt das Gelände, an dessen Rand sich der Turm befindet? Das Berliner Stadtblatt verlost unter den richtigen Einsendungen zum Bilderrätsel drei mal zwei Karten für die Vagantenbühne. Das Theater hatte jetzt großen Erfolg mit dem Stück „Hurra! 1914“, das den HurraPatriotismus vor 100 Jahren bloßstellt. Im Juni wieder auf dem Spielplan: „Shakespeares Sämtliche Werke“ in 110 Minuten. Einsendeschluss ist der 27. Mai 2014 (per Post an das Berliner Stadtblatt, Müllerstraße 163, 13353 Berlin oder per E-Mail an raetsel@berliner-stadtblatt.de).

DIE GEWINNE In die richtige Reihenfolge gebracht ergeben die rot umkreisten Buchstaben eine europäische Institution, die am 25. Mai zur Wahl steht und in der die Menschen aus Kiruna in Schweden ebenso vertreten sind wie die Bürger von Kreta. Bitte schicken Sie das Lösungswort auf einer Postkarte bis zum 27.5. 2014 per Post an das Berliner Stadtblatt, Müllerstr. 163, 13353 Berlin oder per E-Mail an raetsel@berliner-stadtblatt.de. Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir drei mal zwei Karten für das Weddinger Primetime-Theater, das in diesen Tagen die 91. Folge von „Gutes Wedding, Schlechtes Wedding“ aufführt und danach die 92. Folge auf dem Spielplan hat.

RÄTSEL-LÖSUNGEN UNSERER AUSGABE DEZEMBER 2013 Lösung des Kreuzworträtsels: SILVESTER. Lösung des Bilderrätsels: Unser Foto zeigte einen Ausschnitt aus dem TURM DES RATHAUSES SCHÖNEBERG, dem früheren Arbeitsplatz Willy Brandts. Die Gewinner wurden schriftlich benachrichtigt. Wir danken allen Leserinnen und Lesern für die Einsendungen.

Pankower Stimme

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Europäer aus Leidenschaft
Tilman Schwencke, Sie sagen, wir müssen „Europa neu denken und gerechter gestalten“, das klingt gewaltig, wie wollen Sie das machen? Mit den richtigen Gesetzen, z.B. zur Finanzmarktregulierung, gegen Dumpingwettbewerb, für einen besseren Datenschutz. Europa ist aber auch eine Wertegemeinschaft. Besonders in Zeiten von Krisen und Kriegen müssen wir dafür sorgen, dass Solidarität, Gerechtigkeit und Menschlichkeit nicht wirtschaftlichen oder taktischen Interessen untergeordnet werden. Europas Stärken sind auch seine rechtsstaatlichen Werte und der Einsatz für Frieden und Diplomatie. Keine leichten Aufgaben! Deshalb kämpfen wir für eine sozialdemokratische Mehrheit im Europäischen Parlament und für den SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz als Präsidenten der Europäischen Kommission und somit Regierungschef von Europa. Was bewegt Sie zur Zeit ber sonders? Das Erstarken von nationalistischen und demokratiefeindlichen Tendenzen und Parteien in Europa. Ihr Populismus widert mich an. Das zeigt aber auch, dass in der Vergangenheit versäumt wurde, Europa als Schutzgemeinschaft für die Bürger und nicht nur als Nutzgemeinschaft für die Wirtschaft zu vermitteln. Sie selbst haben eine europäische Vita. Sie haben in Italien studiert und in Wien, Brüssel und London gearbeitet. Zur Zeit pendeln Sie zwischen Berlin und London. Lag t es da nahe, Kandidat für das Europäische Parlament zu werden? Ich bin leidenschaftlich Europäer und will etwas bewegen. Ich weiß, worauf ich mich einlasse. Ich habe sechs Jahre im Europäischen Parlament gearbeitet und bin beruflich ständig mit Europäischer Gesetzgebung und Politik in Kontakt. Und: Ich bin auch leidenschaftlicher Berliner, will auch etwas für Berlin erreichen. Was genau?

TERMINE
10. Mai, ab 17 Uhr 30 Karaoke und Public Viewing: Finale Eurovision Song Contest Ort: Prenzlauer Berg, Helmholtzplatz Nur wenige Anlässe bringen Europa so nahe zusammen, wie der Eurovision Song Contest. Zwei Wochen vor den Wahlen veranstaltet die SPD Pankow auf dem Helmholtzplatz ein Public Viewing des Finales ab 21 Uhr, und ab 17.30 Uhr dazu passend ein Karaoke. Alle sind herzlich eingeladen mitzusingen! Die Berliner SPD-Spitzenkandidatin Sylvia Yvonne-Kaufmann wird an den folgenden Tagen und Orten in Pankow für Sie ansprechbar sein: 16. Mai 2014, 7:30-8:30 S-Bahnhof Greifswalder Straße 20. Mai 2014, 7:30-8:30 S/U-Bahnhof Pankow 22. Mai 2014, 7:30-8:30 U-Bahnhof Eberswalder Straße 24. Mai 2014, ab 10 Uhr vor Rewe in der Hauptstr. 65 in Französisch Buchholz 16. Mai 2014: U 18-Wahl 0 Immer genau 10 Tage vor der eigentlichen Wahl haben die Kinder und Jugendlichen die Wahl. So auch für Europa. Die U18-Wahlen werden immer wichtiger und zeigen häufig Trends auf. Wo in der Nähe ein Wahllokal zu finden ist, steht auf www.U18.org. Auch, wie noch ein Wahllokal gegründet werden kann. Kein Wahlkampf ohne Wahlfeier! - am Wahltag ab 16 Uhr. 25. Mai, ab 16 Uhr Wahlfeier der SPD Pankow. Der Ort wird auf www.spd-pankow-europa.de bekanntgegeben. Mehr Termine und Aktuelles auf www.spdpankow-europa.de

Interview mit Tilman Schwencke - Zweiter Berliner SPD-Kandidat zur Europawahl kommt aus Pankow

Der Pankower Tilman Schwencke (l.), hier beim Bundestagswahlkampf im vorigen Jahr, kandidiert auf der Bundesliste der SPD zur Europawahl am 25. Mai.

Zwei Beispiele. Berlin als Technologie- und Innovationsstandort zu etablieren schafft zukunftsfähige Arbeitsplätze. Die EU kann das direkt mit Fördermitteln und indirekt mit entsprechender

Politik unterstützen. Europas Metropolen gehören stärker in den Fokus der europäischen Strukturpolitik. Wir brauchen neue, innovative Konzepte für Infrastruktur, Energie und Städteplanung. Europa soll

nicht vorschreiben, wie wir in Berlin zu leben haben. Es soll aber mithelfen, dass Metropolen nicht nur für Reiche lebenswert sind. Tilman Schwencke, vielen Dank und viel Erfolg!

STRAßENLEXIKON
Europa in Prenzlauer Berg: Straßburger Straße Wer heute auf die Europäische Union angesprochen wird, denkt an Brüssel als Sitz vieler Institutionen. Hier residieren der Europäische Rat und die Europäische Kommission. Auch das Europäische Parlament hat hier einen Sitz. Der Hauptsitz ist aber das französische Straßburg. Grund dafür ist die dynamische Gründungsgeschichte der verschiedenen europäischen Organisationen von der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl bis zur Europäischen Atomgemeinschaft. Die Aufteilung der Arbeit zwischen Straßburg und Brüssel sowie die Verteilung anderer EU-Organe mit dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg oder der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main erinnert an Deutschland mit dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig und sechs Ministerien in Bonn. Der Grund der Benennung der Straßburger Straße erinnert an den wirklichen Wert unseres geeinten Europas: Am 11. April 1874 wurde die Straße zusammen mit den umliegenden im Viertel nach heute elsässischen Städten benannt, weil sie 1871 dem Deutschen Reich angegliedert worden waren. Nicht zuletzt Dank Europa ist der Grund für diese Straßenbenennung heute Geschichte.

Europa vor Ort
Wo können Menschen besser beurteilen, was ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen e fördert, als in den Bezirken und Kiezen, in denen sie leben? Hier können Projekte zielgerichtet entwickelt und umgesetzt werden. Das war der Grundgedanke, der Europäischen Kommission vor fast 20 Jahren, um lokale Potentiale vor allem im Kampf gegen Arbeitslosigkeit zu nutzen. Aufgegriffen wurde das in Berlin durch die Bündnisse für Wirtschaft und Arbeit, die seitdem in allen Bezirken durch entsprechende Steuerungsgremien über lokale Projekte entscheiden. Die Förderung kommt aus Bezirks-, Landes-, Bundes-, aber allem voran aus europäischen Mitteln.

Die Berliner Bündnisse für Wirtschaft und Arbeit
Dabei können neue Projektinteressierte mit einer Unterstützung für sogenannte Mikroprojekte beginnen, gefördert durch das „Lokale Soziale Kapital“. Für kleinere Fördersummen von bis zu 10.000 € und einer Laufzeit von maximal einem Kalenderjahr sollen vor allem beschäftigungs- und wirtschaftspolitische Maßnahmen gefördert werden. Ein größeres Programm sind die „Wirtschaftsdienlichen Maßnahmen“. Sie dienen u.a. der Konzeptentwicklung für wirtschaftliche Bündnisse, dem Standort- bzw. Stadtmarketing. Auf drei Jahre ausgerichtet können dabei Fördersummen von bis zu 250.000 € aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) abgerufen werden, wobei das immer nur die Hälfte der Projektfinanzierung sein darf. Ebenso bei dem Programm „Partnerschaft-Entwicklung-Beschäftigung PEB“, das gezielt auf benachteiligte gesellschaftliche Gruppen ausgerichtete Beschäftigungen schaffen soll. Aktuell geförderte Pankower Projekte sind u.v.a. das EWA KreativCafe sowie das tic Kultur- und Tourismusmarketing Berlin-Pankow. Das Berliner Zentrum für Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen sowie der Verein „Fördern durch Spielmittel e.V.“ realisieren über PEB seit 2011 Qualifizierungsmaßnahmen für Jugendliche mit Behinderung. Mehr: www.bbwa-berlin.de, www.pankow-wirtschaft.de

Kampf gegen Luxusmodernisierungen
BVV Pankow weitet auf Initiative der SPD den Milieuschutz deutlich aus
Wohnungen sind knapp und die Mieten steigen. Bezahlbarer Wohnraum ist daher zentrales Thema der Berliner Stadtpolitik und im Bezirk Pankow ganz oben auf der Agenda der rot-grünen Zählf gemeinschaft. Die 2011 gegründete Arbeitsgruppe „Soziale Stadterneuerung“ des Bezirks Pankow beriet daher mit Fachleuten aus Verwaltungen und Planungsbüros über die Neuordnung des sozialen Erhaltungsrechts. Roland Schröder (SPD) brachte sich als Ausschussvorsitzender für Stadtentwicklung in die Arbeit ein. Im Frühjahr 2013 wurden neue Genehmigungskriterien in den sozialen Erhaltungs- bzw. Milieuschutzgebieten beschlossen, die - klarer gefasst - sich bisher als rechtssicher erweisen. Danach ist die Zusammenlegung von Wohnungen verboten sowie die Umnutzung von Wohnraum für andere Zwecke. Dasselbe gilt für Luxusmodernisierungen wie den Einbau von Fußbodenheizung, Innenkamin, Zweit-Balkon oder ZweitBad. Wurden energetische Sanierungen bisher ausnahmslos genehmigt, müssen Eigentümer jetzt den Sinn der Maßnahmen nachweisen. Ziel ist es, Bevölkerungsstruktur und das Zusammenspiel von Bevölkerung und Infrastruktur zu schützen. Am 2. April 2014 vollzog die BVV Pankow den nächsten großen Schritt: Die bisher zerklüfteten Gebiete wurden in fünf neue, größere Milieuschutzgebiete zusammengefasst. In künftig insgesamt 9 Gebieten im Prenzlauer Berg und dem Gebiet „Pankow Zentrum“ hat sich so die Zahl der geschützten Wohnungen auf 78.000 und der betroffenen Einwohner auf 130.000 fast verdoppelt. „Allerdings nehmen wir auch in den Bereichen Pankow-Süd, Langhansstraße, Weißensee Zentrum, Mühlenkiez sowie Grüne Stadt Aufwertungsdruck, Aufwertungspotenzial und Verdrängungspotenzial wahr. In diesen Bereichen müssen wir prüfen, ob sie durch soziales Erhaltungsrecht geschützt werden sollten“, so Roland Schröder. Schon heute verfügt Pankow über die meisten Milieuschutzgebiete in Berlin und hat damit eine Vorreiterrolle in der Stadtpolitik übernommen. Das ist auch bei der inhaltlichen Ausgestaltung des sozialen Erhaltungsrechts der Fall. „Wir müssen uns gezielt mit der energetischen Sanierung in Milieuschutzgebieten beschäftigen. Wir sollten derartige Maßnahmen nur genehmigen, wenn veraltete Heizungsanlagen ersetzt werden und sich gleichzeitig die Warmmiete nicht erhöht. Wir müssen dem Milieuschutz Vorrang vor ineffizienten energetischen Sanierungen einräumen. Selbst wenn das anfänglich Rechtsstreitigkeiten nach sich zieht“, so Roland Schröder weiter.

Die fünf neuen Pankower Milieuschutzgebiete. Quelle: Speckmann, BA Pankow

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Pankower Stimme

Ein Kiezspaziergang durch Europa
Wo Europa in Pankow wirkt - von Kati Astner
Am 06. April hängen plötzlich überall in meinem Pankower Kiez Plakate mit Wahlslot gans der Parteien - Moment, war nicht gerade erst die Wahl zum Bundestag? Ich gucke genauer hin und - ach ja, am 25. Mai 2014 ist die Wahl zum Parlament der Europäischen Union. Ich schlendere durch die Straßen und sehe einen Slogan nach dem Anderen: „Gerechtigkeit“, „Fairness“, „Für ein starkes Europa“. Und komme ins Grübeln: Was bringt mir Europa eigentlich persönlich? Warum sollte ich zur Wahl gehen? Ich lebe in Berlin, „Europa“ ist mir zu abstrakt und Brüssel doch ganz schön weit weg. Natürlich weiß ich, dass die EU zum Beispiel dafür gesorgt hat, dass wir alle frei innerhalb Europas leben, arbeiten und reisen können, aber wie sieht es bei mir Zuhause in Pankow aus? Finde ich hier auch ein Stück Europa? Zu Hause angekommen fange ich an, im Internet zu suchen. Mit dem Schlagwort „Europa in Pankow“ finde ich 762.000 Treffer und neugierig klicke ich einen Link nach dem anderen an. Auf Berlin.de finde ich eine Liste von 218 Seiten mit den durch EU-Gelder begünstigten Einrichtungen, Projekten und Unternehmen von 2012. Ich bin beeindruckt: Die EU fördert Kultur, Soziales, die Wirtschaft, Umweltinitiativen und tausende kleine Projekte, die unser Lebensumfeld verbessern. Die Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH, welche ich durch die Begegnungs- und Kulturstätte „Pfefferberg“ im südlichen Prenzlauer Berg kenne, ist mit sehr vielen Projekten gefördert worden. So konnten durch EUGelder Kindertagesstätten neu gebaut oder saniert werden und Projekte wie das „Nachbarschaftshaus am Teutoburger Platz“ und die „Freiwilligenwerkstatt Prenzlauer Berg“ wurden teilfinanziert. Mit dem Fahrrad mache ich mich auf den Weg und fahre einige der 12 in Pankow neu gebauten Fahrradwege ab. „SpiCycles“ heißt das zugehörige Auf dem beeindruckenden Campusgelände treffe ich den Doktor für Biochemie, Emanuel Wyler. Er ist am Max Delbrück Center in der Forschung beschäftigt, gebürtiger Schweizer und aufgrund des guten internationalen Rufs der Einrichtung nach Berlin gezogen. „Auch dank EU-Gelder ist der Standort sehr gut ausgestattet und bietet ideale Voraussetzungen für die Forschung“, so Wyler. Auch hier ist also Europa spürbar. Berlin wird durch vielfältige Projekte bereichert, welche ohne die Förderung durch die EU nicht möglich gewesen wären. Alle Bereiche des Lebens werden gefördert und wir alle profitieren ganz nebenbei im Alltag von der EU. Ich bin nachdenklich geworden und freue mich darauf, weitere spannende EU-Projekte in meinem Kiez zu entdecken. Ich werde auf jeden Fall am 25. Mai zur Wahl gehen und damit dafür sorgen, dass Europa weiter friedlich, sozial und ja, auch profitabel für uns alle bleibt.

Pfefferberg: Eine Begegnungs- und Kulturstätte , die mit EU-Mitteln gefördert wird. Foto: SPD Pankow

von der EU geförderte Projekt, welches das Ziel hat, Pankow besser für das Fahrrad zu erschließen, Verkehrsknotenpunkte zu entlasten und die Si-

cherheit der FahrradfahrerInnen zu erhöhen. Ich fahre in den Norden des Bezirks. Der Campus BerlinBuch wurde in den letzten Jah-

ren mit 20 Millionen durch die EU gefördert und konnte sich zu einem der führenden Standorte für biomedizinische Forschung entwickeln.

PANKOW WIEDER ZU GAST IN DER POLNISCHEN PARTNERSTADT KOLBERG
Zu den 69. Gedenkfeierlichkeiten anlässlich der Kämpfe um Kolberg am 17. und 18. März 1945 waren auch in diesem Jahr Vertreter aus Pankow eingeladen. Beim traditionellen Gedenkgottesdienst ging der Kolberger Pfarrers, Jerzy Checinski, auf die wechselvolle Geschichte der Stadt ein. Er erinnerte daran, dass die Deutschen einst aus ihrer Stadt Kolberg vertrieben wurden, so wie die Polen von Stalin aus dem einstigen Westpolen vertrieben worden waren. Dies dürfe nicht ignoriert werden und sei für die Versöhnung zwischen Deutschen und Polen wichtig. Checinski zeigte sich erfreut, dass auch eine offizielle Delegation der Bundeswehr am Gottesdienst teilnahm. Wachbataillons Kränze nieder. Bemerkenswert war, dass nicht nur der polnischen und russischen Gefallenen gedacht wurde, sondern auch der deutschen Soldaten. Unter Beteiligung zahlloser Kinder wurden am offiziellen Mahnmal an der Ostsee, das die „Vermählung“ Polens mit Meere symbolisiert, auch durch die Pankower Vertreter Kränze niedergelegt. Hintergrund der „Vermählung“ ist ein Vorgang nach Abschluss der Kämpfe um Kolberg: Ein polnischer Soldat, der nach den Kampfhandlungen das Meer erreicht hatte, nahm sich seinen Ehering vom Finger und warf ihn in die See. Damit war die Vermählung Polens mit der Ostsee sprichwörtlich wiedererlangt. Lucas Koppehl

Kiezgeschichte(n)
„Nachbarn im Widerstand“ und „25 Jahre SDP“
Große Geschichte findet im Kleinen statt: durch unsere Nachbarn. Mit diesem Ansatz a hat die SPD am Falkplatz und Arnimplatz im letzten Jahr recherchiert, welche Sozialdemor kratinnen und Sozialdemokraten im Kiez zwischen 1933 und 1945 im Widerstand gegen die Naziherrschaft waren. Herausn gekommen sind sehr spannende persönliche Geschichten. So wohnte am Arnimplatz zum Beispiel Erich Schmidt, vor 1933 Vorsitzender der Sozialistischen Arbeiterjugend Berlins und später Mitglied in der Widerstandsgruppe „Neu Beginnen“. Aus der SPD wurde er wegen der Vorbereitung illegaler Arbeit ausgeschlossen. Elf Tage später holte die Realität die SPD ein: Die Partei wurde verboten. Erich Schmidt wurde kurz darauf verhaftet, kam jedoch frei, weil die Gestapo ihn mit einem Namensvetter verwechselte. Nach einer kurzen Zeit der Illegalität in Berlin floh er in die Schweiz, wo er seine Jugendliebe Hildegard Paul heiratete. Über Frankreich und Portugal landete das junge Paar in den USA. Nach dem Krieg kehrten sie nicht mehr nach Deutschland zurück, er starb dort 2008 wenige Tage vor seinem 98. Geburtstag. Das Schicksal von insgesamt 17 Genossinnen und Genossen konnte so nachvollzogen werden. Darunter sind Ella Kay, die spätere Bürgermeisterin des Prenzlauer Berg, Willy Kressmann, später ihr Kollege in Kreuzberg, Max Kreuziger, lange Jahre Fraktionsvorsitzender der SPD in Berlin, der später zur SED wechselte. Dieses Jahr geht es weiter mit sozialdemokratischer Kiezgeschichte. Anlass dafür sind 25 Jahre Mauerfall. Zur gleichen Zeit bildeten sich im Kiez erste Basisgruppen der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP). Die Basisgruppe am Arnimplatz wählte Manfred Dennert zum Sprecher: Er war 1959 in die Ostberliner SPD eingetreten und wurde 1989 wieder aktiv. Für fünf Jahre war er dann der erste frei gewählte Bürgermeister des Prenzlauer Berg nach der friedlichen Revolution. Mehr Informationen unter www.meinnachbarwarimwiderstand.de.

Von diesem positiven Geist waren auch die nachfolgenden Termine gekennzeichnet: Am Montag folgte die Kranzniederlegung auf dem Soldatenfriedhof. Neben dem Pankower Bezirksbürgermeister Matthias Köhne legte auch der Verein „Freunde Kolbergs“ e.V. und die mit dem Bezirk in einer Patenschaft verbundene 1. Kompanie des

B wie Boulette und Z wie Zuwanderung
In der Berliner Sprache zeugen Wörter wie Boulette oder meschugge noch heute davon t die Stadt hat eine europäische Einwanderungstradition. Zuzüge aus europäischen Staaten nach Berlin nehmen wieder zu. Doch schon lange hat die Migration ihre Wurzeln in der Stadttradition hinterlassen. Im Laufe seiner Geschichte haben die Berliner zunächst eine von oben verordnete Offenheit gegenüber Fremden aufgebracht, die später in Akzeptanz umschlug. Unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg kamen 1685 verfolgte französische Hugenotten, denen wenig später Salzburger und böhmische Protestanten ebenso folgten wie verfolgte Wiener Juden. So hatten die französischen Neu-Berliner - um 1700 immerhin jeder dritte Einwohner - einen staatlich garantierten Freimeisterstatus, die schlechter gestellten Juden waren als Selbständige wirtschaftlich tätig. Der Französische Dom, das Böhmische Dorf in Rixdorf oder das Ephraimpalais zeugen davon noch heute im Stadtbild. Die später erfolgreiche Inte-

Salzburger, Hugenotten und böhmische Protestanten: In der Berliner Geschichte finden sich viele europäische Spuren
gration verlief anfangs holprig. Die sprichwörtliche Berliner Schnauze gab es auch damals schon und sie spiegelte auf ihre Weise den von Sebastian Haffner so benannten „rauhen Vernunftstaat“ wieder, der Preußen vor zwei Jahrhunderten war. Die seinerzeit nicht selbstverständliche Toleranz gegenüber anderen Konfessionen, Religionen und Nationen waren Teil der preußischen Bevölkerungs- und Wirtschaftspolitik. Berlin blieb auch als deutsche Reichshauptstadt 1870 Ziel von Zuwanderern. Der Aufstieg zur Industriemetropole wäre nicht möglich gewesen ohne polnische Zuwanderer, die in vielen Berliner Familiennamen noch heute präsent sind. Hier sind Traditionen, an die Berlin nach den Umbrüchen und Dramen des 20. Jahrhunderts heute wieder anknüpft. Die Europäische Migration prägt heute wie damals die Berliner Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft. Wer beim Thema Europa in Berlin nur an EU-Bürokratie denkt, der blickt viel zu kurz. Europa ist M.E.N viel mehr.

Berliner Boulette: Ein schmackhaftes Ergebnis europäischer Zuwanderung. Foto: Horb
        
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