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Periodical volume

Full text: Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm ... Issue 2016

Das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm wird herausgegeben vom
Landkreis Potsdam-Mittelmark
FB 6 - Jobcenter MAIA
Brücker Landstr. 22 b (TGZ)
14806 Bad Belzig
jobcenter-maia@potsdam-mittelmark.de
www.maiaonline.de
Stand: 15.01.2016
Hinweis:
Das Arbeitsmarktprogramm des Jobcenters MAIA trägt inhaltlich dem Prinzip
der Chancengleichheit Rechnung. Soweit in dieser Schrift Formulierungen nur in
männlicher Form verwendet werden, dient dies allein der besseren Lesbarkeit.
Die Gleichstellung von Männern und Frauen ist grundsätzliches Leitprinzip der
MAIA.

Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG ................................................................................................................................. 4
2. RAHMENBEDINGUNGEN.................................................................................................................. 5
2.1 WIRTSCHAFTSRAUM ............................................................................................................................ 5
2.2 STRUKTUR DER LEISTUNGSBERECHTIGTEN ............................................................................................... 7
2.2.1 ERWERBSFÄHIGE LEISTUNGSBERECHTIGTE ............................................................................................ 7
2.2.2 ARBEITSLOSE ................................................................................................................................... 7
2.2.3 FÖRDERQUOTE VON FRAUEN ............................................................................................................. 8
2.2.4 JUGENDLICHE – ALTERSGRUPPE 15-25 JAHRE.......................................................................................... 9
2.2.5 FLÜCHTLINGE ................................................................................................................................ 10
2.2.6 PROFILLAGEN ................................................................................................................................ 11
2.3 ORGANISATION / PERSONAL ............................................................................................................... 12
2.4 FINANZEN ........................................................................................................................................ 14
3. ZIELE........................................................................................................................................ 15
3.1 ANALYSE DER ÖRTLICHEN RAHMENBEDINGUNGEN .................................................................................. 15
3.1.1 ENTWICKLUNG DER KONJUNKTUR UND ARBEITSMARKTENTWICKLUNG .................................................... 15
3.1.2 ENTWICKLUNG DER KUNDENSTRUKTUR ............................................................................................. 16
3.2 ZIELVEREINBARUNG MIT DEM BRANDENBURGISCHEN ARBEITSMINISTERIUM ............................................... 17
3.3 ZIELE DER BUNDES- UND LANDESPROJEKTE ........................................................................................... 19
3.3.1 INTEGRATIONSBEGLEITER (LANDESPROJEKT) ....................................................................................... 19
3.3.2 BUNDESPROGRAMM „SOZIALE TEILHABE“ ......................................................................................... 20
3.4 LEITBILD UND STRATEGIEPROGRAMM DES LANDKREISES POTSDAM-MITTELMARK........................................ 20
3.5 STRATEGISCHE ZIELE DES JOBCENTERS MAIA ........................................................................................ 20
3.5.1 OPTIMIERUNG DER PROZESSE IM JOBCENTER MAIA ............................................................................ 20
3.5.2 STEIGERUNG DER QUALITÄT DER ARBEITSERGEBNISSE .......................................................................... 21
3.5.3 BEIBEHALTUNG DER HOHEN KUNDENZUFRIEDENHEIT ........................................................................... 22
3.6 GESETZLICHE ZIELE - GLEICHSTELLUNG VON FRAUEN UND MÄNNERN ........................................................ 22
4. HANDLUNGSFELDER ..................................................................................................................... 23
4.1 INTEGRATIONS- UND VERMITTLUNGSPROZESS ....................................................................................... 23
4.2 JUGENDLICHE ................................................................................................................................... 25
4.3 ÄLTERE LEISTUNGSBERECHTIGTE .......................................................................................................... 26
4.4 FALLMANAGEMENT ........................................................................................................................... 27
4.5 GESUNDHEIT (AMIGA)....................................................................................................................... 27
4.6 ALLEINERZIEHENDE............................................................................................................................ 28
4.7 SELBSTSTÄNDIGE............................................................................................................................... 28
4.8 NEBENERWERB ................................................................................................................................. 29
4.8.1 AUFNAHME NEBENBESCHÄFTIGUNG ................................................................................................. 29
4.8.2 AUSWEITUNG NEBENBESCHÄFTIGUNG............................................................................................... 29
4.9 ARBEITGEBERSERVICE (AGS) .............................................................................................................. 30
4.10 SAISONBESCHÄFTIGUNG ................................................................................................................... 31
4.11 FACHKRÄFTESICHERUNG................................................................................................................... 31
4.12 NEUZUGÄNGE ................................................................................................................................ 32
4.13 FLÜCHTLINGE ................................................................................................................................. 33
4.14 ÖFFENTLICH GEFÖRDERTE BESCHÄFTIGUNG ......................................................................................... 33
5. MASSNAHMEN ZUR EINGLIEDERUNG IN ARBEIT .................................................................................. 35
5.1 VERTEILUNG DES EINGLIEDERUNGSBUDGETS.......................................................................................... 35
5.2 WEITERE FÖRDERUNGEN AUS LAND, BUND UND EU............................................................................... 36
5.3 FLANKIERENDE KOMMUNALE LEISTUNGEN NACH § 16A SGB II ................................................................. 36

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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

1. EINLEITUNG
Kontinuität und Wandel – auch 2016 wird sich das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm
des Jobcenters MAIA an diesen bewährten Prinzipien orientieren und die erfolgreiche
Strategie bei der Nutzung arbeitsmarktpolitischer Instrumente im Jahr 2015 auch 2016
fortsetzen.
Im Jahr 2015 haben wir die mit dem Land Brandenburg vereinbarten Ziele erreichen können.
Die Integrationsquote konnte gegenüber dem Vorjahr leicht gesteigert werden und auch das
Ziel, den Bestand an Langzeitleistungsbeziehern zu verringern, wurde klar erreicht. Auch bei
anderen Indikatoren, wie der Nachhaltigkeit der Integrationen, sind die Ergebnisse der MAIA
gut im Vergleich zu vielen anderen Jobcentern. Erfreulich ist auch, dass es im Jahr 2015
gelungen ist, das vom Bund bereitgestellte Budget für Eingliederungsmaßnahmen zu 94 %
auszuschöpfen.
Grundsätzlich knüpft das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016 an die
Arbeitsmarktplanung des Vorjahres an, da im Jobcenter MAIA weiterhin die Überzeugung
herrscht, dass Kontinuität für eine erfolgreiche Integrationsarbeit besonders im Rechtskreis
SGB II wichtig ist und dass sich die arbeitsmarktpolitische Konzeption im Wesentlichen
bewährt hat. Da die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Potsdam-Mittelmark weiterhin
relativ gut sind, liegt bei der Planung der Mittelverwendung der Schwerpunkt erneut bei den
integrationsorientierten Instrumenten.
Dennoch ist eine kontinuierliche Überprüfung der eigenen Integrationsstrategien und deren
stetige Weiterentwicklung Voraussetzung dafür, dass das Jobcenter MAIA auch in Zukunft
die Bürger des Landkreises Potsdam-Mittelmark, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen
sind, möglichst gut auf dem Weg ins Arbeitsleben unterstützen kann. Deshalb soll mit
verschiedenen Maßnahmen, die im Kapitel zu den Zielen des Jobcenters beschrieben sind,
die Qualität der Arbeit im Jobcenter MAIA weiter verbessert werden. Qualitätsarbeit ist auch
das Jahresthema im Benchlearning der Optionskommunen, an dem sich die MAIA auf
verschiedenen Ebenen aktiv beteiligt.
Im Jahr 2016 wird es eine ganz neue Herausforderung sein, die im Landkreis
aufgenommenen Flüchtlinge, die Anspruch auf Leistungen aus dem SGB II haben, zu
betreuen und auf ihrem Weg in Arbeit oder Ausbildung zu begleiten. Noch wird an den
Konzepten zur Betreuung der Flüchtlinge im Jobcenter gearbeitet, aber da die MAIA
inzwischen auf mehr als ein Jahrzehnt erfolgreicher Integrationsarbeit zurückblicken kann
und in dieser Zeit immer wieder bewiesen hat, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich
schnell auf neue Rahmenbedingungen einstellen können, sind wir zuversichtlich, dass es
uns gelingen wird, auch diese Herausforderung zu meistern.
Bad Belzig, im Januar 2016
Bernd Schade
Fachbereichsleiter

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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

2. RAHMENBEDINGUNGEN
2.1

WIRTSCHAFTSRAUM

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark ist mit
bevölkerungsreichste Kreis im Land Brandenburg.

etwa

207.500

Einwohnern

der

Mehr noch als in anderen ostdeutschen Regionen ist die Wirtschaftsstruktur im Landkreis
vorrangig von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt; es gibt nur wenige
kleinere Industriebetriebe. Daneben spielen Land- und Forstwirtschaft sowie Gartenbau eine
nicht unwichtige Rolle.
Im Nordosten hat der Landkreis Anteil am engeren Verflechtungsraum von Berlin. Dort
haben sich vor allem Unternehmen der Dienstleistungsbranche und innovativer
Technologien angesiedelt, z.B. in Stahnsdorf, Teltow und Kleinmachnow. Die
Industrieansiedlungen im Nachbarkreis Teltow-Fläming sowie das Entstehen des
Hauptstadtflughafens (BER) in Schönefeld üben eine positive Wirkung auch auf den
Arbeitsmarkt in Potsdam-Mittelmark aus. Ebenso sind die Unternehmen des
Medienstandortes Potsdam und die Universitäten, Hochschulen und anderen
wissenschaftlichen Einrichtungen der Region sowie die Verwaltungsstandorte Potsdam und
Berlin ein wichtiger Arbeitsmarktfaktor.
Zwischen Werder (Havel) und Brandenburg an der Havel liegen große zusammenhängende
Obstbaugebiete, die Region Beelitz wird vom Spargelanbau geprägt. Der Süden und
Südwesten wird vor allem land- und forstwirtschaftlich genutzt.
Die gute Erreichbarkeit von touristisch interessanten Orten und Einrichtungen, sowie die
natürlichen Gegebenheiten, die einen besonderen Schutz in den drei Naturparks erhalten, an
denen der Landkreis beteiligt ist, und die Aktivitäten der Einwohner in den Städten und
Gemeinden, ihre Orte attraktiv zu gestalten, haben die touristische Entwicklung gestärkt.
Während im nördlichen Teil das Havelland mit seinen vielfältigen Angeboten an der Havel
und ihren Seen ein starker Anziehungspunkt nicht nur für Wassertouristen ist, bildet im
Süden der Naturpark Hoher Fläming das Rückgrat des sich behutsam entwickelnden
Tourismus. Die Kreisstadt Bad Belzig mit ihrer Steintherme und einer Reha-Klinik ist Kurort
und Zentrum der hier entstehenden Tourismusregion Hoher Fläming. Die Bestrebungen,
diese Region auch für den Wandertourismus zu entwickeln, wurden mit der Ausrichtung des
Deutschen Wandertages im Sommer 2012 sichtbar. Anknüpfend an den erfolgreichen
Wandertag ist es das Ziel des Kreises, den Hohen Fläming dauerhaft als Wanderregion zu
etablieren und so die Tourismusbranche zu fördern.
Insgesamt hat der Landkreis sich in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem nachgefragten
Wohnstandort mit hohem Freizeitwert entwickelt. Besonders der Berlin und Potsdam nahe
Raum profitiert immer noch vom Zuzug oftmals einkommensstarker Einwohner, die ihren
Arbeitsort in Potsdam oder Berlin haben. Das widerspiegelt sich auch in der stets geringeren
Arbeitslosenquote im Vergleich mit dem weiter entfernten ländlichen Raum.
Die guten Straßen- und Bahnverbindungen in die Metropole Berlin sind Voraussetzung für
intensive Pendlerbeziehungen, die in beide Richtungen langsam steigen, wobei sich
insgesamt ein stark negatives Pendlersaldo ergibt. Am Stichtag 31.12.2014 gab es unter den
Einwohnern im Landkreis Potsdam-Mittelmark insgesamt 81.153 sozialversicherungspflichtig
Beschäftigte. Davon haben 50.858 Personen regelmäßig ihren Wohnort zur Ausübung einer
Erwerbstätigkeit verlassen, während 27.020 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in die
Städte und Gemeinden des Landkreises kamen, um ihrer beruflichen Tätigkeit nachzugehen.
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Diese Pendlerbewegungen sind nicht nur auf den Landkreis beschränkt, sondern reichen bis
nach Potsdam und Berlin, in andere Landkreise Brandenburgs und auch in andere
Bundesländer.

Ein- und Auspendler
60.000
50.000

47.731

48.763

49.457

49.571

50.858

40.000
30.000

25.393

26.234

24.649

25.612

27.020

20.000
10.000
0
2010

2011

2012
Einpendler

2013

2014

Auspendler

Der Arbeitsmarkt in Potsdam-Mittelmark ist somit geprägt von der spezifischen Situation im
Metropolenraum Berlin-Potsdam:
- Starke Pendlerbeziehungen innerhalb und mit der Großstadtregion, insgesamt ein
negatives Pendlersaldo
- sehr kleinteilig ausgeprägte Wirtschaftsstruktur
- wenig verarbeitendes Gewerbe,
- Land- und Forstwirtschaft, Obst- und Gemüsebau, Gartenbau und
Ernährungswirtschaft sowie gesundheitsorientierte Einrichtungen im ländlichen
Raum,
- zunehmendes Fremdenverkehrs- und Gastgewerbe
- Handwerk und Dienstleistungen im engeren Verflechtungsraum
Für ausgewählte Branchen sieht die Nachfrage nach Arbeitskräften zurzeit folgendermaßen
aus:
Gesundheitswesen/Alten- und Pflegeeinrichtungen:
Der Bedarf nach qualifizierten Arbeitskräften ist weiterhin hoch, besonders im Bereich der
Pflegekräfte im ambulanten und im stationären Bereich der Altenpflege.
Baubereich:
Im Baubereich werden Stellen in vielen Gewerken für qualifiziertes Facharbeiterpersonal
angeboten.
Transport:
Die Nachfrage nach Berufskraftfahrern für Transportaufgaben im Nah- und Fernverkehr ist
weiterhin vorhanden. Anzeichen für Engpässe in diesem Bereich sind teilweise erkennbar.
Hotel- und Gaststättengewerbe (HOGA):
Regelmäßig gibt es im Bereich der Hotels und Gaststätten eine, z. T. stark saisonabhängige,
Nachfrage nach Arbeitskräften für die verschiedensten Bereiche. Darunter befinden sich
auch Minijobs und Helfertätigkeiten. Angebote mit gastronomietypischen Arbeitszeiten in
Service und Küche sind häufig schwer zu besetzen, da in der Regel zeitliche Flexibilität und
regionale Mobilität erwartet werden bzw. erforderlich sind.
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Kfz / Metallbereich / gewerblich-technischer Bereich:
Eher angespannt ist die Lage im Bereich der Metallverarbeitung, im Maschinenbau und der
Automobilindustrie zu bewerten, hier wird kaum Personal nachgefragt.
Dienstleistungen:
In den Städten Brandenburg an der Havel und Potsdam haben große Callcenter ihren Sitz
und es ist regelmäßig ein Arbeitskräftebedarf zu verzeichnen. Weiterhin werden
Reinigungskräfte nachgefragt. Aktuell hinzugekommen ist ein großer Bedarf an Wach- und
Sicherheitspersonal. Problematisch für Leistungsberechtigte der MAIA sind oft die
Rahmenbedingungen (Schichtarbeit, auch Wochenendarbeit, Erreichbarkeit der
Arbeitsstätten).
Landwirtschaft
Regelmäßig gibt es im Bereich der Landwirtschaft eine saisonabhängige Nachfrage nach
Arbeitskräften für die verschiedensten Bereiche. Darunter sind Tätigkeiten in der Ernte, im
Verkauf und im Transport und auch Minijobs und Helfertätigkeiten.
2.2

STRUKTUR DER LEISTUNGSBERECHTIGTEN

2.2.1 ERWERBSFÄHIGE LEISTUNGSBERECHTIGTE
Im August 2015 betreute die MAIA 5.840 Bedarfsgemeinschaften, in denen insgesamt 9.940
Personen leben. Darunter befinden sich 7.366 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die sich
folgendermaßen untergliedern:
(August 2015)

Gesamt

Erwerbsfähige Leistungsberechtigte:
davon:

%

7.366

100,0

15 bis < 25 Jahre

790

10,7

25 bis < 50 Jahre

3.921

53,2

50 Jahre und älter

2.655

36,0

Alleinerziehende:

1.001

13,6

452

6,1

Ausländer:

Männer

%

Frauen

%

3.806

51,7

3.560

48,3

76

7,6

925

92,4

Durch die steigenden Flüchtlingszahlen kann sich diese Struktur im Jahresverlauf ändern. Es
ergeben sich für die MAIA neue Handlungsfelder zur Unterstützung und Erschließung dieser
neuen Potenziale. Obwohl eine konkrete Zahl der leistungsberechtigten Migranten im
Moment noch nicht beziffert werden kann, wird diese Problematik in allen betroffenen
Handlungsfeldern der MAIA fortlaufend und dem aktuellen Stand entsprechend
berücksichtigt.
2.2.2 ARBEITSLOSE
Im Dezember 2015 waren 4.496 ALG II–Empfänger in Potsdam-Mittelmark arbeitslos
gemeldet; das sind insgesamt 13 Personen weniger als zum gleichen Zeitpunkt 2014.
Darunter sind 332 Jugendliche unter 25 Jahren – das sind allerdings 68 Jugendliche unter 25
Jahren mehr als 12 Monate zuvor.
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Die Arbeitslosenquote in Potsdam-Mittelmark insgesamt lag im Jahresdurchschnitt 2015 bei
5,9 % und somit 0,4 % niedriger als im Dezember 2014. Die anteilige Arbeitslosenquote des
SGB II-Bereichs lag im Jahresdurchschnitt 2015 bei 3,9 %, und damit um 0,2 % unter dem
Vorjahreswert und erstmals unter 4 %.
Erfreulicherweise lag die Arbeitslosenquote in Potsdam-Mittelmark 2015 ganzjährig unter
dem Bundesdurchschnitt. Nur wenige ostdeutsche Städte oder Landkreise können ähnliche
Entwicklungen aufweisen.
Auch 2015 wurden Arbeitskräfte weiter nachgefragt. Die zur Verfügung stehenden
arbeitsmarktpolitischen Instrumente wurden gezielt eingesetzt, um auch solche
Leistungsberechtigte aus dem Rechtskreis SGB II, die Defizite für eine
Arbeitsmarktintegration aufweisen, in reguläre, sozialversicherungspflichtige Arbeit zu
integrieren. Im Rückblick auf die vergangenen Jahre ist in Potsdam-Mittelmark insgesamt
eine ständig sinkende Tendenz der Arbeitslosenquote zu beobachten, von jahreszeitlich
bedingten Schwankungen der Arbeitskräftenachfrage abgesehen.
Eine Folge der deutlich gesunkenen Arbeitslosigkeit ist, dass der Anteil der
arbeitsmarktfernen Personen unter den Arbeitslosen tendenziell ansteigt, da die
arbeitsmarktnahen Menschen oftmals Jobs am ersten Arbeitsmarkt gefunden haben.

Arbeitslosenquote in Potsdam-Mittelmark
16%
14%
12%
10%
8%
6%
4%
2%
0%

SGB II

SGB III

2.2.3 FÖRDERQUOTE VON FRAUEN
Das Verhältnis der Anzahl erwerbsfähiger leistungsberechtigter Frauen und Männer ist über
die Jahre hinweg relativ stabil. Allerdings werden stets mehr Männer als Frauen in der MAIA
betreut. Im Dezember 2015 waren 57,7 % der Arbeitslosen Männer (2.592),
dementsprechend 42,3 % Frauen (1.904).
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Gemäß § 1 Abs. 2, Nr. 4 SGB III müssen Frauen entsprechend ihrer anteiligen und relativen
Betroffenheit durch Arbeitslosigkeit gefördert werden. In Potsdam-Mittelmark sind im
Rechtskreis SGB II Frauen unterdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen: Aus der
Eingliederungsbilanz für das Jahr 2014 geht hervor, dass 2014 durchschnittlich 43,4% der
Arbeitslosen im Rechtskreis SGB II Frauen waren. Dementsprechend lag die gesetzlich
vorgesehene Mindestbeteiligung von Frauen an den Fördermaßnahmen der MAIA bei
38,6%. Der realisierte Förderanteil lag bei 38,8%. Damit wurde die geforderte
Mindestbeteiligung um 0,2 % überschritten.
2.2.4 JUGENDLICHE – ALTERSGRUPPE 15-25 JAHRE
Die Gesamtzahl der arbeitslosen und arbeitsuchenden Jugendlichen unterliegt im
Jahresverlauf regelmäßig starken Schwankungen. Dies ist u.a. den Terminen der
Abschlussprüfungen in den Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen geschuldet. In den
vorangegangenen Jahren bedurften ständig weniger Jugendliche der Hilfe durch das SGB II.
Im Jahr 2015 ist aber die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen im Rechtskreis SGB II nur um 4
Personen auf 280 Arbeitslose zurückgegangen.
Bestand Arbeitslose U 25 (SGB II)
1200

1000

800

600

400

200

Jan 05
Mrz 05
Mai 05
Jul 05
Sep 05
Nov 05
Jan 06
Mrz 06
Mai 06
Jul 06
Sep 06
Nov 06
Jan 07
Mrz 07
Mai 07
Jul 07
Sep 07
Nov 07
Jan 08
Mrz 08
Mai 08
Jul 08
Sep 08
Nov 08
Jan 09
Mrz 09
Mai 09
Jul 09
Sep 09
Nov 09
Jan 10
Mrz 10
Mai 10
Jul 10
Sep 10
Nov 10
Jan 11
Mrz 11
Mai 11
Jul 11
Sep 11
Nov 11
Jan 12
Mrz 12
Mai 12
Jul 12
Sep 12
Nov 12
Jan 13
Mrz 13
Mai 13
Jul 13
Sep 13
Nov 13
Jan 14
Mrz 14
Mai 14
Jul 14
Sep 14
Nov 14
Jan 15
Mrz 15
Mai 15
Jul 15
Sep 15
Nov 15

0

Im Dezember 2015 sind 332 arbeitslose ALG II-Empfänger in der MAIA jünger als 25 Jahre;
12 Monate zuvor waren es allerdings nur 264.
Ein Blick auf die Zusammensetzung dieser Altersgruppe zeigt die Heterogenität hinsichtlich
ihrer Bildungs- und Berufsabschlüsse. Die besondere Problemlage dieser Zielgruppe lässt
sich sehr gut daran messen, dass von den derzeit arbeitslos erfassten Jugendlichen nur ca.
50 % einen Berufs- oder Studienabschluss haben, 18 % besitzen noch gar keinen
Schulabschluss.
Insgesamt wird eingeschätzt, dass über die Hälfte der von der MAIA zu betreuenden
Jugendlichen noch nicht den Anforderungen des Arbeits- und Ausbildungsmarktes
entsprechen, also integrationsfern sind.
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

2.2.5 FLÜCHTLINGE
Im Landkreis betrug das Aufnahmesoll an Flüchtlingen im Jahr 2015 2.963 Personen.
Tatsächlich aufgenommen wurden 2.156 Personen. Die derzeit aktuelle Prognose für 2016
geht von einem Aufnahmesoll von 3.881 Personen aus.
Als Flüchtlinge im SGB II betrachtet das Jobcenter alle Flüchtlinge die seit dem 01.01.2015
in die Bundesrepublik eingereist sind und die aus den Herkunftsländern Afghanistan, Eritrea,
Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien kommen. Es wurde im Dezember 2015 eine
Prognose erstellt, wie viele der Flüchtlinge voraussichtlich ins SGB II wechseln werden. In
der Prognose gehen wir davon aus, dass bis zum Jahresende 2016 4.327 Personen, 2.802
Bedarfs-gemeinschaften bzw. 3.290 erwerbsfähige Leistungsberechtigte ins SGB II
übertreten werden. Im Moment deutet aber Vieles darauf hin, dass die Prognose
überzeichnet ist. Am 31.12.2015 haben 223 Flüchtlinge Leistungen nach dem SGB II
bezogen.

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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

2.2.6 PROFILLAGEN
Das Jobcenter MAIA nutzt auch weiterhin zur Strukturierung des Integrationsprozesses das
in der Bundesagentur für Arbeit entwickelte Vier-Phasen-Modell, nach dem in der MAIA
bereits seit mehreren Jahren gearbeitet wird. Zur Standortbestimmung der
Leistungsberechtigten und zur Steuerung des Integrationsprozesses werden so genannte
Profillagen genutzt. Die Profillagen beschreiben den Zusammenhang von zeitlicher
Integrationsprognose
(=Stärken-betrachtung)
und
vermittlerisch
relevanten
Handlungsbedarfen (=Potenzialbetrachtung). Insgesamt ergeben sich danach sechs
Profillagen:
Profillage
Marktprofil

Aktivierungsprofil

Förderprofil

Entwicklungsprofil

Stabilisierungsprofil

Unterstützungsprofil

Beschreibung
Marktprofile weisen keine vermittlungsrelevanten
Handlungsbedarfe in den Schlüsselgruppen auf und haben
in der Regel eine Integrationswahrscheinlichkeit in den
1.Arbeitsmarkt von bis zu 6 Monaten.
Aktivierungsprofile weisen vermittlungsrelevante
Handlungsbedarfe in der Schlüsselgruppe „Motivation“ auf
und haben eine Integrationswahrscheinlichkeit in den
1.Arbeitsmarkt von bis zu 6 Monaten. Diese Profile bedürfen
primär der Aktivierung („Fordern“), ihre Qualifikation wird am
Arbeitsmarkt prinzipiell nachgefragt, aber sie bewegen sich
ggf. in einem für ihre Situation ungünstigen regionalen
und/oder fachlichen Arbeitsmarkt; ggf. muss eine berufliche
Alternative erarbeitet oder die Bereitschaft zur
Mobilität/Flexibilität erhöht werden.
Förderprofile weisen vermittlungsrelevante
Handlungsbedarfe in einer der drei Schlüsselgruppen
„Qualifikation“, „Leistungsfähigkeit“ oder „Rahmenbedingungen“ (alle drei Schlüsselgruppen tangieren den Bereich
„Fördern“) auf und haben eine Integrationswahrscheinlichkeit in den 1. Arbeitsmarkt von bis zu 12 Monaten.
Entwicklungsprofile weisen den Schwerpunkt
vermittlungsrelevanter Handlungsbedarfe in einer der drei
Förder-Schlüsselgruppen „Qualifikation“, Leistungsfähigkeit“
oder „Rahmenbedingungen“ auf sowie zusätzlich in
mindestens einer weiteren Dimension (bzw. Verdichtung im
Schwerpunkt) und haben eine Integrationswahrscheinlichkeit in den 1. Arbeitsmarkt von mehr als 12
Monaten.
Stabilisierungsprofile weisen den Schwerpunkt
vermittlungsrelevanter Handlungsbedarfe in der Dimension
„Leistungsfähigkeit“ auf sowie zusätzlich in mindestens zwei
weiteren Schlüsselgruppen (bzw. Verdichtung im
Schwerpunkt). Hier ist das Heranführen an die
Erwerbstätigkeit in bis zu 12 Monaten wahrscheinlich.
Unterstützungsprofile weisen den Schwerpunkt
vermittlungsrelevanter Handlungsbedarfe in der Dimension
„Rahmenbedingungen“ auf sowie zusätzlich in mindestens
zwei weiteren Schlüsselgruppen (bzw. Verdichtung im
Schwerpunkt Rahmenbedingungen). Hier ist das
Heranführen an die Erwerbstätigkeit in weniger als 12
Monaten unwahrscheinlich.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Im Rahmen der täglichen Arbeit stellte sich heraus, dass das Profiling in der Fachsoftware
Prosoz nicht richtig nachgebildet werden konnte. Darum können die Anteile der einzelnen
Profillagen im Moment nicht korrekt bewertet werden und auf eine Darstellung wird an dieser
Stelle verzichtet.
Aus diesem Grund wurde im Jahres 2015 die Abbildung des Profilings mit Hilfe des
Softwareanbieters Prosoz komplett überarbeitet. Die Schulung der Mitarbeiter und die
Umstellung des Programms erfolgen in der 1. Jahreshälfte 2016.
2.3

ORGANISATION / PERSONAL

Der Fachbereich 6 besteht aus den Fachdiensten „Integration und Beratung“,
„Grundsicherung“. „Serviceangelegenheiten“ und „Recht SGB II“. Zum Personalbestand
gehören derzeit 186 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Fachbereichsleiter FB 6
Herr Schade

FB 0
Service Center

Sekretärin

Fachdienst 61
Integration & Beratung
und Arbeitgeberservice
Frau Steinbach

Fachdienst 62
Grundsicherung
Frau Haß

Fachdienst 63
Recht SGB II
Frau Krone

Team 611
I &B Teltow

Team 621
Leistung Teltow

Team 612
I &B Werder

Team 622
Leistung Werder

Team 613
I &B Brandenburg

Team 623
Leistung Brandenburg

Team 614
I &B Bad Belzig

Team 624
Leistung Bad Belzig

Team 615
Integrationsleistungen
Team 616
Arbeitgeberservice

Das Verwaltungskostenbudget ist durch die Bundeszuweisung zuzüglich des kommunalen
Finanzierungsanteils gedeckelt. Für das Jahr 2016 stehen dem Jobcenter MAIA nach
derzeitigem Kenntnisstand ca. 8,84 Mio. € vom Bund als Verwaltungskosten zur Verfügung.
Das ist eine Erhöhung gegenüber dem Vorjahr um ca. 340.000,00 €, die dem Jobcenter für
flüchtlingsinduzierte Mehrbedarfe zugewiesen wurde.
Die räumliche Organisation der MAIA ist unverändert; sie orientiert sich am Modell der vier
Sozialplanregionen des Landkreises, das den Bürgerinnen und Bürgern eine relative
Wohnortnähe für die Inanspruchnahme sozialer Leistungen bietet. Deshalb betreut die MAIA
ihre Leistungsberechtigten auch weiterhin dezentral an den Standorten Bad Belzig,
Brandenburg an der Havel, Werder/Havel und Teltow.
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Die räumliche Nähe der regionalen Teams (Vermittlung und Leistung) ist für die
Zusammenarbeit und eine optimale Beratung der Leistungsberechtigten zu allen das SGB II
betreffenden Fragen sehr förderlich. Zusätzlich gibt es in Teltow einen für alle Regionen
zuständigen
Fachdienst
zur
Bearbeitung
der
Widersprüche,
Klagen
und
Ordnungswidrigkeiten. Zentral in Bad Belzig werden Fachdienst übergreifende Arbeiten
erledigt und die Anträge von Leistungsberechtigten und Maßnahmeträgern auf Auszahlung
von Förderleistungen aus dem Eingliederungstitel bearbeitet. Die Fachbereichsleitung hat
ihren Sitz ebenfalls zentral in Bad Belzig.
Zur Betreuung der Leistungsberechtigten in den Planregionen arbeiten insgesamt 72
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in vier der sechs Teams des Fachdienstes „Integration und
Beratung“. Davon stehen 8 speziell für die Betreuung Jugendlicher zur Verfügung. In jedem
der vier Teams gibt es außerdem zwei Fallmanagerinnen. Weiterhin arbeiten in einem
Vermittlungsteam zwei „Integrationsbegleiterinnen“; diese Stellen werden aus Mitteln des
Landes und des ESF gefördert. Zur Betreuung der Flüchtlinge, die Leistungen nach dem
SGB II beziehen, wurden zum Jahresbeginn 2016 bereits zwei zusätzliche Stellen im
Fachdienst Integration und Beratung geschaffen. Sollte die zweite Tranche der
Sonderzuweisung für flüchtlingsinduzierte Mehrbedarfe in der geplanten Höhe zugeteilt
werden, ist geplant, zwei weitere Stellen zu schaffen.
In einem weiteren Team gibt es 10 Mitarbeiterinnen, die zuständig sind für die Bearbeitung
von Anträgen der Leistungsberechtigten und Maßnahmeträger auf Förderleistungen aus dem
Eingliederungstitel sowie die jährliche Planung der Mittelvergabe. Auch die Auszahlungen
dieser Förderungen sowie die Beschaffung von Arbeitsmarktdienstleistungen werden hier
erledigt.
Der Arbeitgeberservice besteht aus 8 Arbeitsvermittlern – je Region 2 Mitarbeiter bzw.
Mitarbeiterinnen. Da die Förderung für das Bundesprogramm STÄRKEN 50+ ausgelaufen
ist, musste das Personal um die neun im Rahmen des Projektes finanzierten Stellen
reduziert werden.
Im Fachdienst „Grundsicherung“ erfolgt die Berechnung und Auszahlung des
Arbeitslosengeldes II; hier sind zurzeit insgesamt 62 Mitarbeitende in den vier, den Regionen
zugeordneten Teams tätig.
Die Rechtsbehelfsstelle, deren 16 Mitarbeitende Widersprüche, Klagen, Ordnungswidrigkeiten und Grundsatzangelegenheiten bearbeiten, ist inzwischen ein eigener Fachdienst
„Recht SGB II“.
Der Fachdienst „Serviceangelegenheiten“ hat 9 Mitarbeitende, deren Aufgabengebiete breit
gefächert sind: die Software-Fachbetreuung für die gesamte MAIA, die Außendienste, das
Controlling und das Datenqualitätsmanagement sowie die Bearbeitung von Haushalts- und
Verwaltungsangelegenheiten des Jobcenters.

_________
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

2.4

FINANZEN

Der MAIA stehen im Jahr 2016 für die Erledigung ihrer Aufgaben die in der nachfolgenden
Aufstellung dargestellten Bundesmittel zur Verfügung. Dazu kommen im Verwaltungskostenbudget noch Mittel des Landkreises (kommunaler Finanzierungsanteil).
Neu ist, dass ein besonderer Posten für die zusätzlich zu betreuenden Flüchtlinge vom Bund
zugewiesen wird. Die Höhe bestimmt sich nach bundesspezifischen Regelungen. Der
Zuschlag wird in zwei Tranchen ausgezahlt.
Zuweisung Eingliederungstitel (EGT)
Zuweisung Flüchtlinge – 1. Tranche
Zuweisung Flüchtlinge – 2. Tranche (geschätzt)
Zuweisung für BEZ-Altfälle (§16e alt)
Umschichtung in Verwaltungskostenbudget (VKB)
Umschichtung in VKB Flüchtlinge 1. Tranche
Umschichtung in VKB Flüchtlinge 2. Tranche
voraussichtliche Einnahmen
Gesamt
Verwaltungskostenbudget (inkl. Umschichtung)
Insgesamt:

+
+
+
./.
./.
+
+
=

5.651.024,00 €
156.450,00 €
104.300,00 €
185.150,00 €
1.000.000,00 €
20.330,49 €
10.871,21 €
35.000,00 €
5.122.464,70 €
9.839.914,00 €
14.962.378,00 €

Die Umschichtung in Höhe von 1.000.000 Euro aus dem Eingliederungsbudget in das
Verwaltungskostenbudget ist zur Finanzierung der erforderlichen Verwaltungsausgaben
notwendig. Mit der Umschichtung kann erreicht werden, dass der aktuelle Personalbestand
im operativen Bereich weitgehend gehalten werden kann. Die Reduzierung von Personal im
Vermittlungsbereich würde zu einem höheren Betreuungsschlüssel der persönlichen
Ansprechpartner und Fallmanager führen, was aber kontraproduktiv für die Integrationsquote
ist. Durch die Projekte „Bürgerarbeit“ und „Integrationsbegleiter“ haben wir die Erfahrung
gemacht, dass bei einem geringen Betreuungsschlüssel sehr gute Integrationserfolge erzielt
werden können.
In der folgenden Grafik ist aufgezeigt, in welchem Umfang seit 2009 Bundesmittel für
Eingliederungsleistungen im Rechtskreis des SGB II zur Verfügung standen: Das für
Eingliederungsleistungen im Jahr 2016 zur Verfügung stehende Budget ist damit gegenüber
dem Vorjahr um etwa den Teil erhöht, der als Zuweisung für die Integrationsarbeit mit
Flüchtlingen zur Verfügung gestellt wird.

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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Ausgaben aus dem Integrationsbudget in €
14.000.000

12.000.000

10.000.000

8.000.000

6.000.000

4.000.000

2.000.000

0

2010

Ausgaben 12.702.288 €

2011

2012

2013

2014

2015

Plan 2016

8.587.119 €

5.267.998 €

5.100.705 €

4.654.203 €

4.909.009 €

5.122.465 €

3. ZIELE
„Die Grundsicherung für Arbeitsuchende soll es den Leistungsberechtigten ermöglichen, ein
Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht.“ Dieses Ziel ist in § 1 Abs. 1 SGB
II normiert. Das Jobcenter MAIA sichert die Existenz der hilfebedürftigen Menschen und
begleitet sie auf ihrem Weg ins Arbeitsleben.
3.1

ANALYSE DER ÖRTLICHEN RAHMENBEDINGUNGEN

3.1.1 ENTWICKLUNG DER KONJUNKTUR UND ARBEITSMARKTENTWICKLUNG
Das IAB und die Bundesregierung prognostizieren für 2016 ein Wachstum des realen BIP
um 1,8 %. Für den Arbeitsmarkt erwarten IAB und Bundesregierung einen leichten Anstieg
der Zahl der Erwerbstätigen um 0,6 %. Trotz der insgesamt erwarteten günstigen
konjunkturellen Entwicklung wird wegen der hohen Zuwanderungszahlen perspektivisch mit
einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit gerechnet. Die Bundesregierung erwartet für
2016 einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 2,1 %. Das IAB erwartet einen Anstieg der
Arbeitslosigkeit um 2,5 % und im Rechtskreis SGB II um 3,3 %. Für die erwerbsfähigen
Leistungsberechtigten erwartet das IAB für 2016 einen Anstieg um 4,4 %1.
Die Regionale Arbeitsmarktprognose des IAB geht von einer uneinheitlichen Entwicklung in
Brandenburg und im Agenturbezirk Potsdam aus: Während die Zahl der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland nach der IAB-Prognose um 1,8 %
(Mittelwert) steigen wird, wird für Brandenburg eine Steigerung um 1,5 % und für den
1

Quelle: Dokument „Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung“ auf www.sgb2.info

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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Agenturbezirk Potsdam eine Steigerung um 2,2 % angenommen. Bei der Zahl der
Arbeitslosen prognostiziert das IAB für Deutschland einen Anstieg um 2,6 %, während für
Brandenburg ein Rückgang um 0,1 % und für den Agenturbezirk Potsdam ein Anstieg um
1,7 % prognostiziert wird. Im Rechtskreis SGB II wird für Deutschland ein Anstieg der Zahl
der Arbeitslosen um 3,3 % und für Brandenburg ein Anstieg um 0,5 % prognostiziert2.
Es liegen in der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark keine Erkenntnisse über besondere
regionale Arbeitsmarkteffekte in der Region vor. Da die Wirtschaftsstruktur im Landkreis
Potsdam-Mittelmark ausgeprägt kleinteilig ist und es keine größeren exportorientierten
Industrieunternehmen gibt, werden sich Wachstumserwartungen für wichtige deutsche
Absatzmärkte voraussichtlich geringer auf die regionale Wirtschaftsentwicklung auswirken
als in anderen Regionen, aber auch die Risiken auf Grund von globalen Entwicklungen sind
geringer.
Grundlage der Zielplanung ist die Annahme, dass sich die Konjunktur in der Region leicht
positiv entwickeln wird, aber die Arbeitslosigkeit leicht steigen wird.
3.1.2 ENTWICKLUNG DER KUNDENSTRUKTUR
3.1.2.1 KUNDENBESTAND OHNE FLÜCHTLINGE
Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Landkreis Potsdam-Mittelmark hat
sich auch im Jahr 2015 stärker verringert als der Landesdurchschnitt. Im Juni 2015 lag die
Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten um 7,0 % unter dem Vorjahresniveau.
Auch bei der Zahl der Langzeitleistungsbezieher konnte erneut ein größerer Rückgang
erreicht werden als im Landesdurchschnitt, allerdings belegt Potsdam-Mittelmark beim
Indikator K3 (Veränderung des Bestands an Langzeitleistungsbeziehern) im Vergleichstyp
und auch im Land Brandenburg keinen Spitzenplatz mehr wie in den letzten Jahren.
Die Arbeitslosenquote in Potsdam-Mittelmark ist die niedrigste im Land Brandenburg und
liegt weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt. Mit einer Arbeitslosenquote von 5,6 % im
Oktober 2015 ist inzwischen ein Niveau erreicht, bei dem es nicht mehr als völlig
unrealistisch angesehen werden muss, die Vollbeschäftigung mittelfristig als Ziel in den Blick
zu nehmen. Es gibt Gemeinden im Landkreis Potsdam-Mittelmark, in denen eine
Arbeitslosenquote von unter vier Prozent inzwischen Realität ist.
Wir gehen davon aus, dass weiterhin der Anteil arbeitsmarktnäherer Leistungsberechtigter
rückläufig ist und der Anteil Leistungsberechtigter mit marktfernen Profillagen demzufolge
ansteigt. Das ist nach hiesiger Einschätzung der Hauptgrund für den sich verlangsamenden
Rückgang der Langzeitleistungsbezieher.
Obwohl das IAB für Brandenburg einen Anstieg der Zahl der Arbeitslosen um 0,5 %
prognostiziert, gehen wir für die Planung davon aus, dass sich die Zahl der erwerbsfähigen
Leistungsberechtigten im Jahresdurchschnitt 2016 gegenüber 2015 nicht verändern wird.
Grundlage der Planung ist die vom BMAS für 2015 prognostizierte Zahl an erwerbsfähigen
Leistungsberechtigten von 7.5023 (ohne Flüchtlinge).

2

Quelle: IAB: Regionale Arbeitsmarktprognosen der Arbeitslosen und sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten 2/2015
3
Quelle: Aktualisierte Prognose zum Jahresende 2015, Datenstand Oktober 2015

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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

3.1.2.2 FLÜCHTLINGE
Derzeit ist es sehr schwierig, eine halbwegs verlässliche Schätzung über die Zahl der
Flüchtlinge, die im Jahr 2016 in den SGB II-Leistungsbezug wechseln werden,
vorzunehmen. Folgende Faktoren sind bei der Prognose zu berücksichtigen:
•
•
•
•
•

Anzahl der neu in Brandenburg ankommenden Flüchtlinge
Anerkennungsquoten des BAMF
Dauer der Asylverfahren im BAMF
Wegzug von Flüchtlingen aus dem Landkreis nach Anerkennung
Familiennachzug

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark geht derzeit4 davon aus, dass im Jahr 2016 insgesamt
3.881 Flüchtlinge neu im Landkreis aufzunehmen sind. Bis zum Jahresende 2015 wurden
2.156 Personen aufgenommen.
Auf der Grundlage von verschiedenen Annahmen ging der Landkreis Mitte November 2015
davon aus, dass zum Jahresende 2016 insgesamt 3.280 Flüchtlinge im SGB IILeistungsbezug sein werden, darunter 2.365 erwerbsfähige Leistungsberechtigte (Stichtag
31.12.2016). Im Jahresdurchschnitt werden 1.386 eLb aus dem Bereich der Flüchtlinge
erwartet. Der Jahresdurchschnittswert liegt naturgemäß deutlich unter der Zahl der zum
Jahresende im Leistungsbezug stehenden eLb, da im Laufe des Jahres ein kontinuierlicher
Anstieg erwartet wird. Diese Prognose wurde im weiteren Verlauf präzisiert und es wurde ein
Monitoring aufgebaut, damit überprüft werden kann, wie sich der tatsächliche Zugang von
Flüchtlingen in den Leistungsbezug des Jobcenters entwickelt.
Grundlage der Zielplanung ist die Annahme, dass im Jahresdurchschnitt 2016 1.386
Flüchtlinge als erwerbsfähige Leistungsberechtigte im Jobcenter MAIA betreut werden.
Insgesamt prognostizieren wir im Jahresdurchschnitt 2016 einen Bestand an erwerbsfähigen
Leistungsberechtigten von 8.888.
3.2

ZIELVEREINBARUNG MIT DEM BRANDENBURGISCHEN ARBEITSMINISTERIUM

Mit dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes
Brandenburg (MASGF) wird auch für 2016 eine Zielvereinbarung abgeschlossen werden,
wie das in § 48b SGB II vorgeschrieben ist. In der Zielvereinbarung sollen drei Ziele
festgeschrieben werden, die bundesweit mit allen Jobcentern vereinbart werden. Die
Zielvereinbarung
wurde
noch
nicht
abgeschlossen,
im
bundesweiten
Zielvereinbarungsprozess ist derzeit das Stadium erreicht, in dem die Jobcenter
Angebotswerte gemeldet haben. Seitens des MASGF gibt es noch keine Rückmeldung zu
den Angeboten des Jobcenters MAIA.
Die Angebotswerte werden auf der Grundlage folgender Überlegungen ermittelt:
Große Unsicherheit wegen der Flüchtlingskrise
• Die Planung ist wegen der Flüchtlingskrise mir sehr großen Unsicherheiten behaftet.
• Grundlage der Planung sind erste Schätzungen über den Zugang an Flüchtlingen im
SGB II.
• Grundlage der Zielplanung ist außerdem die Annahme, dass die Konjunktur in der
Region sich leicht positiv entwickeln wird, dass aber die Arbeitslosigkeit leicht steigen
wird.

4

Stand 17.11.15

_________
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

•

Wie sich der Personalbestand des Jobcenters entwickeln wird, ist angesichts der
Unklarheit über die für die Bewältigung der Flüchtlingskrise zur Verfügung stehenden
Mittel völlig unklar.

Spezifische Effekte im Jobcenter MAIA
• Das Auslaufen des Projekte „STÄRKEN 50+“ zu einer Verringerung des Beitrags zur
Zielerreichung aus diesem Projekt führen.
• Das geplante Schulungsprogramm zur Beratungskompetenz führt zu einem Entzug von
Personalressourcen, was zu einer vorübergehenden Verschlechterung der Zielerreichung
führen kann.
• Insgesamt konnte im Jahr 2015 durch verschiedene Maßnahmen einzelne Prozesse im
Jobcenter MAIA optimiert werden, was zu einer Verbesserung der Zielerreichung führt.
• Allerdings ist bei den Kennzahlen Integrationsquote und Senkung des Langzeitleistungsbezugs im Jahr 2015 bereits ein sehr hohes Niveau erreicht, das ja auf Grund der Logik
des Steuerungssystems Ausgangspunkt der Zielerreichung 2016 ist. Insofern ist es
durchaus als Erfolg zu werten, wenn es gelingt, die guten Ergebnisse des Jahres 2015
zu halten.
Ambitionierte und realistische Ziele
• Das Jobcenter MAIA hat den Anspruch, Ziele zu vereinbaren, die sowohl realistisch als
auch ambitioniert sind.
• Aus diesem Grund wird statt des unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht
unwahrscheinlichen Sinkens der Integrationsquote (ohne die Flüchtlinge) angeboten, die
Integrationsquote (ohne Flüchtlinge) gegenüber dem Niveau des Jahres 2015 leicht zu
steigern. Damit soll unser Anspruch, uns stetig weiterzuentwickeln und zu verbessern,
verdeutlicht werden.
• Auch bei dem Indikator der Senkung des durchschnittlichen Bestandes an
Langzeitleistungsbeziehern wäre es ein ambitioniertes Ziel, lediglich die aus
demografischen
Gründen
zu
erwartende
Senkung
der
Zahl
der
Langzeitleistungsbezieher um 1,4 % anzubieten. Wir bieten aber eine leicht darüber
hinausgehende Senkung von 2,0 % an.
Vorgehensweise bei der Berechnung der Angebotswerte für die Integrationsquote
• In diesem Jahr wurden die Angebotswerte in einem zweistufigen Verfahren berechnet:
Zunächst wurden Angebotswerte ohne die zu erwartenden Flüchtlinge berechnet. In
einem zweiten Schritt wurden Angebotswerte für die Gruppe der Flüchtlinge berechnet.
Schließlich wurde aus beiden Werten ein Gesamtwert gebildet.
• Für die Leistungsberechtigten ohne Flüchtlinge setzen wir uns das Ziel, die
Integrationsquote um 0,5 % von 28,2 %5 auf 28,3 % zu steigern.
• Für die Gruppe der Flüchtlinge gehen wir von einer Integrationsquote von 5 % aus.
Langzeitleistungsbezieher
• Bei der Zahl der Langzeitleistungsbezieher ist davon auszugehen, dass die Flüchtlinge
im Jahr 2016 keine Langzeitleistungsbezieher werden, da keiner von ihnen 21 Monate im
Leistungsbezug sein wird.
Für Ziel 2 (Integrationsquote) wird ein Zielwert vereinbart, der die Veränderungsrate der
Kennzahl des Steuerungsziels beschreibt. Der Zielwert für Ziel 2 stellt somit die angestrebte
prozentuale Veränderung der Integrationsquote bis zum Monat Dezember 2016 (im JFW) im
Vergleich zur Integrationsquote bis zum Dezember 2015 (ebenfalls im JFW) dar.

5

Quelle: Aktualisierte Prognose zum Jahresende 2015, Datenstand Oktober 2015

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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

eLb ohne Flüchtlinge
Flüchtlinge
Gesamt

Anzahl eLb (JDW)
7.502
1.386
8.888

Integrationen
2.123
69
2.192

Integrationsquote
28,3 %
5,0 %
24,7 %

Gegenüber der zum Jahresende prognostizierten Integrationsquote von 28,2 % bedeutet
eine Integrationsquote von 24,7 % eine Senkung der Integrationsquote um 12,4 %.

Angebotswert:
Senkung der Integrationsquote um 12,4 %
Für Ziel 3 (Senkung des Langzeitleistungsbezugs) beinhaltet der Zielwert die angestrebte
prozentuale Veränderung des durchschnittlichen Bestandes an LZB in 2016 im Vergleich zu
2015.

Angebotswert:
Senkung des durchschnittlichen Bestandes an Langzeitleistungsbeziehern um 2,0 %

3.3

ZIELE DER BUNDES- UND LANDESPROJEKTE

3.3.1 INTEGRATIONSBEGLEITER (LANDESPROJEKT)
Entsprechend der Richtlinie des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit, Frauen und Familie zur
Förderung der Integrationsbegleitung für Langzeitarbeitslose und Familienbedarfsgemeinschaften in Brandenburg in der Förderperiode 2014 – 2020 konnten im Landkreis Potsdam
Mittelmark zwei Projekte mit jeweils zwei Integrationsbegleitern gefördert werden. Das
Jobcenter hat zwei Anträge gestellt und für ein Projekt eine Zuwendung erhalten.
Ziel der Förderung ist es, die Langzeitarbeitslosigkeit zu reduzieren und damit einen Beitrag
zur Bekämpfung von Armut in Brandenburg zu leisten. Hierzu soll die
Beschäftigungsfähigkeit und die soziale Situation der Teilnehmenden verbessert werden.
Dabei soll auch die Situation von in Familienbedarfsgemeinschaften lebenden Kindern
verbessert werden.
Mit dem Projekt zur Durchführung der Richtlinie IBEG-NEU verfolgt das Jobcenter MAIA das
Ziel, Langzeitarbeitslosigkeit weiter zu reduzieren und einen aktiven Beitrag zur
Armutsbekämpfung im Land Brandenburg zu leisten.
Unsere Erfahrungen zeigen: Je intensiver und individueller die Beratung und Betreuung
erfolgt, umso höher sind die Chancen auf Integration.
Es werden über den Maßnahmezeitraum vom 01.08.2015 bis 31.01.2018 100 Teilnehmende
durch 2 Integrationsbegleiter/innen betreut. Davon werden 25 Teilnehmende in
Erwerbstätigkeit bzw. Bildung integriert. 10 Teilnehmende werden in den 1. Arbeitsmarkt
integriert. 75 Teilnehmende werden nach erfolgreicher Teilnahme ein Teilnahmezertifikat
erhalten.
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

3.3.2 BUNDESPROGRAMM „SOZIALE TEILHABE“
Das Jobcenter MAIA ist unter den Siegern des Wettbewerbs zum Bundesprogramm „Soziale
Teilhabe“. Im Mai hatte das Bundesarbeitsministerium eine Richtlinie für ein neues
Bundesprogramm veröffentlicht. 265 Jobcenter haben sich mit einem Konzept an dem
vorgeschalteten Wettbewerb beteiligt, davon haben 105 den Zuschlag erhalten. Auch das
Konzept der MAIA war unter den Wettbewerbssiegern.
Der Bund finanziert im Rahmen des Programmes für drei Jahre insgesamt 50 öffentlich
geförderte Arbeitsplätze. Insgesamt erhält der Landkreis 1,97 Mio. € vom Bund. Die
Arbeitsstellen, die ähnlich ausgestaltet werden wie im ausgelaufenen Bundesprogramm
„Bürgerarbeit“, werden im ersten Quartal 2016 eingerichtet.
Es ist das Ziel des Jobcenters, das Kontingent an 50 geförderten Arbeitsplätzen
auszuschöpfen und mit geeigneten Teilnehmenden zu besetzen.
3.4

LEITBILD UND STRATEGIEPROGRAMM DES LANDKREISES POTSDAM-MITTELMARK

Der Landkreis hat sich im Jahr 2012 ein Leitbild gegeben, in dem in den drei Rubriken
•
•
•

Wohnen und Leben in Potsdam-Mittelmark
Wirtschaft in Potsdam-Mittelmark und
Naturerlebnis und Kulturvergnügen in Potsdam-Mittelmark

insgesamt neun Leitziele formuliert sind. In dem Leitbild werden bewusst strategische
Schwerpunkte gesetzt, statt umfassend alle Aspekte der Arbeit der Kreisverwaltung zu
beleuchten.
Mit welchen Maßnahmen die Kreisverwaltung die Umsetzung der Leitbildziele erreichen will,
wird im „Strategieprogramm“, einem Teil des Haushaltsplans, dargestellt. Das Jobcenter
MAIA wird mit zwei Maßnahmen zur Umsetzung der Leitbildziele beitragen:
Unter dem Leitbildziel „Wir tragen die Verantwortung für die Bildung junger Menschen“ wird
das
Jobcenter
MAIA
die
Maßnahme
„Förderung
von
Jugendlichen
aus
Bedarfsgemeinschaften“ umsetzen.
Die Erreichung des Leitbildziels „Ein Landkreis gut ausgebildeter Fachkräfte“ wird die MAIA
mit der Optimierung des Arbeitgeberservice unterstützen.
3.5

STRATEGISCHE ZIELE DES JOBCENTERS MAIA

3.5.1 OPTIMIERUNG DER PROZESSE IM JOBCENTER MAIA
In den vergangenen Jahren war es das Ziel, die internen Prozesse zu optimieren und die im
Internen Kontrollsystem (IKS) festgeschriebenen Prozessstandards durchgehend zu
erreichen. Die Verbesserung der Prozessqualität wird im Jobcenter auch weiterhin als ein
laufender Prozess betrachtet.
Im Jahr 2016 soll das Interne Kontrollsystem, das in der jetzigen Form im Jahr 2013 in Kraft
getreten ist, grundlegend überarbeitet werden.
Im Herbst 2014 hat im Jobcenter MAIA eine Mitarbeiterbefragung stattgefunden. Im Zuge der
Auswertung der Befragungsergebnisse wurden im Jahr 2015 verschiedene Maßnahmen zur
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Prozessoptimierung beschlossen und teilweise schon umgesetzt. Weitere Maßnahmen
werden im Jahr 2016 umgesetzt. Im ersten Halbjahr 2017 ist die Durchführung eines neuen
Durchgangs der Mitarbeiterbefragung geplant.
Auf der Grundlage eines im Jahr 2015 erarbeiteten Konzeptes soll im Jahr 2016 das
Wissensmanagement im Jobcenter MAIA neu strukturiert werden. Eine Bestandsaufnahme
hat ergeben, dass in der MAIA bereits ein hoher Standard der Wissensentwicklung und –
bereitstellung existiert, dass aber angesichts der immer komplexer werdenden
Rechtsmaterie die Herausforderung darin besteht, das vorhandene Wissen schnell und
einfach zu finden. Folgende Aspekte sind bei der Neugestaltung des Wissensmanagements
in der MAIA von zentraler Bedeutung:
• Sicherstellung der Aktualität des zur Verfügung gestellten Wissens
• Praktikabilität der angewendeten Instrumente
• Zugang für alle Mitarbeiter
Zentraler Sammelpunkt für Wissen, das nicht in Weisungen kodifiziert ist, soll zukünftig eine
Wissensdatenbank im Intranet sein
3.5.2 STEIGERUNG DER QUALITÄT DER ARBEITSERGEBNISSE
Die Verbesserung der Qualität der Arbeitsergebnisse in allen Bereichen des Jobcenters
MAIA ist eine dauerhafte Aufgabe. Voraussetzung für gute Arbeitsergebnisse ist dabei ein
funktionierendes Datenqualitätsmanagement. Im Fachdienst Integration und Beratung soll
die Arbeitsqualität durch eine konsequente Umsetzung und Fortschreibung der
zielgruppenspezifischen Fachkonzepte verbessert werden.
Es existieren bereits Fachkonzepte
• für das Fallmanagement (seit 01.11.2012),
• für den Arbeitgeberservice (seit 01.04.2013),
• für AmigA - Arbeitsförderung mit gesundheitsbezogener Ausrichtung (seit
01.01.2014) und
• für die Arbeit mit den Selbstständigen (seit 01.03.2014).
Wie geplant, wurde im Jahr 2015 ein Fachkonzept für die Gruppe der Jugendlichen (U25)
erarbeitet. Voraussichtlich wird es noch im 1. Quartal 2016 in Kraft gesetzt.
Das Ziel, in 2015 das Fallmanagement-Fachkonzept zu überarbeiten und mit dem AmigAFachkonzept zusammenzuführen, konnte noch nicht erreicht werden, das soll im 1. Halbjahr
2016 erfolgen.
Für das Jahr 2015 war geplant, alle Integrationsfachkräfte in einer modularen
Schulungsreihe zum Thema „Beratungskompetenz“ zu schulen. Aus verschiedenen Gründen
hat sich auch dieses Projekt verzögert. Es wird nun im Jahr 2016 durchgeführt. Die Schulung
wird für jede Integrationsfachkraft 11 Schulungstage sowie 3 Reflexionstage umfassen. Für
die Schulung konnte ein externer erfahrener Trainer gewonnen werden, der dem Jobcenter
im Jahr 2016 zur Verfügung steht. Ein weiterer Mitarbeiter wird durch diesen Trainer
angelernt und bleibt danach dem Jobcenter als Experte und Trainer erhalten. Der zeitliche
Umfang der Schulungen führt zu einem temporären Entzug von Personalressourcen im
Vermittlungsbereich und kann auch zu einer vorübergehenden Verschlechterung der
Zielerreichung führen, langfristig wird aber eine Verbesserung der Zielerreichung erwartet.
Die Qualität der Arbeitsergebnisse lässt sich teilweise nur schwer über Indikatoren messen,
ein wichtiger Indikator ist aber die Eingliederungsquote, die jährlich mit der
Eingliederungsbilanz veröffentlicht wird. Ein weiterer wichtiger Indikator ist die Kennzahl
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

„Nachhaltigkeit der Integrationen“ (K2E3). Die Definition dieser Kennzahl im bundesweiten
Kennzahlensystem ist zwar nicht optimal, um tatsächlich die Nachhaltigkeit von Integrationen
zu beschreiben, aber näherungsweise kann diese Kennzahl doch genutzt werden, um
Hinweise auf die Qualität des Integrationsprozesses zu erhalten.
3.5.3 BEIBEHALTUNG DER HOHEN KUNDENZUFRIEDENHEIT
Eine hohe Kundenzufriedenheit ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche
Integrationsarbeit. Es soll eine aktive und professionelle Öffentlichkeitsarbeit betrieben
werden. Indikator für die Kundenzufriedenheit sind die Ergebnisse regelmäßiger
Kundenbefragungen. Die im 2. Halbjahr 2015 durchgeführten Befragungen bestätigten im
Wesentlichen den bis dahin erreichten Stand der Kundenzufriedenheit, der sich in Noten
zwischen 2,3 und 2,6 zeigt.
3.6

GESETZLICHE ZIELE - GLEICHSTELLUNG VON FRAUEN UND MÄNNERN

Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist als durchgängiges Prinzip seit 01.01.2005 im
§ 1 SGB II in der Grundsicherung verankert. Die unterschiedlichen Lebenssituationen von
Frauen und Männern sollen bei der Umsetzung sämtlicher Leistungen der Arbeitsförderung
berücksichtigt werden
Die von der MAIA betreuten Frauen werden nicht nur nach ihrem Anteil an den
Leistungsberechtigten unterstützt. Es ist gesetzlich gefordert, mit Hilfe der Leistungen der
Grundsicherung geschlechtsspezifischen Benachteiligungen erwerbsfähiger Leistungsberechtigter entgegenzuwirken. Außerdem sind die individuellen familienspezifischen
Lebensverhältnisse von Leistungsberechtigten, die Kinder erziehen oder pflegebedürftige
Angehörige betreuen, zu berücksichtigen. Im Sinne der Gleichstellung der Geschlechter
werden Männer in derartigen Lebenslagen gleichermaßen behandelt. Allerdings ist ihre Zahl
wesentlich geringer als bei den Frauen.
Ein wesentlicher Indikator für die Qualität der Vermittlungsarbeit ist die Integrationsquote. Im
Jobcenter MAIA lag diese Quote für Frauen immer niedriger als für Männer. Mittlerweile
wurde diese Differenz langsam geringer, jedoch erst im Herbst 2015 konnte erstmals seit
2009 eine gleich hohe Quote erreicht werden. Im November 2015 ist dieser Indikator erstmals seit 2009 - für Frauen höher als für Männer gewesen.
Gemäß § 18e SGB II sind seit 2011 für die Jobcenter Beauftragte für Chancengleichheit am
Arbeitsmarkt (BCA) tätig. Deren Aufgabe ist es, in Fragen der Gleichstellung von Frauen und
Männern in der Grundsicherung für Arbeitsuchende, der Frauenförderung sowie der
Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei beiden Geschlechtern die Mitarbeiter des Jobcenters
zu sensibilisieren, zu unterstützen und zu beraten.
Frau Monika Franke wurde vom Landrat zur Beauftragten für Chancengleichheit am
Arbeitsmarkt berufen. Sie wurde bei der Erarbeitung dieses Arbeitsmarkt- und
Integrationsprogramms beteiligt.

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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

4. HANDLUNGSFELDER
4.1

INTEGRATIONS- UND VERMITTLUNGSPROZESS

Die reguläre Integrations- und Vermittlungsarbeit im Jobcenter MAIA orientiert sich seit 2009
an dem von der BA entwickelten Vier-Phasen-Modell der Integrationsarbeit. Auch als
Optionskommune hat die MAIA dieses Prozessmodell beibehalten.
Durch die geplante Überarbeitung der Profilingmasken und die nachgelagerte Schulung der
Mitarbeiter erwarten wir eine verbesserte einheitliche Dokumentation und damit
einhergehend eine bessere Übersicht über die Kundenstruktur der eLB`s.
Neben der regulären Integrationsarbeit gibt es in der MAIA das Fallmanagement für
ausgewählte
Leistungsberechtigte
mit
komplexen
Profillagen
und
mehreren
Handlungsbedarfen (siehe Kapitel 4.4).

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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Das folgende Diagramm stellt die vier Phasen des Prozessmodells dar:
Profiling durchführen

1

Stärken

Berufliche
+
übergreifende
(Matchingrelevant)

analys
Potenzial
analyse
Bestimmung
Profil

+

Kontextpro
Kompl
ex

Sofortiges
Matching
und
Vermittlung

Ggf.
Fallmanagement

Ziel festlegen

2

K
o
nt
in
ui
er
lic
h
e
R
ü
ck
k
o
p
pl
u
n
g

Persönliches
Profil
Integrationsn
ah

Kompetenzen

Optionen integrationsnahe
Kunden

Optionen
Teilziel
komplexe Kunden____
situationen
_
____
_

Ziel

____
_

Ziel

ggf. Beteiligung
Kommune

____

3

Strategie bzw. Strategiebündel auswählen
HS 1

HS
Profil

Phase
1

Profil

HS 2

Phase Phase
Ziel
2
3

ggf. Beteiligung
Kommune

HS 3
Ziel
Teilziel Teilziel

4

Umsetzen und Nachhalten
Akteure
Aktivitäten

Phase 1

Phase 2

Phase 3

Bürger
Vermittler
pAp
Kommune
Integration
Integrationsfortschrittsbeurteilung

bzw.

Integrationsarbeit

Quelle: Bundesagentur für Arbeit
Im Fachdienst Integration und Beratung wurde die Arbeit so strukturiert, dass es für folgende
Zielgruppen spezialisierte Integrationsfachkräfte gibt:
•
•
•
•

Leistungsberechtigte im Fallmanagement
Jugendliche unter 25 Jahre
Teilnehmer des Projektes Integrationsbegleiter
Arbeitgeber

_________
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

4.2

JUGENDLICHE

In der MAIA betreuten 8 persönliche Ansprechpartner (Berichtsmonat August 2015) 790
erwerbsfähige Jugendliche im Alter von 15 - 24 Jahren. Dieser Betreuungsschlüssel
ermöglicht eine intensive, dem Fallmanagement vergleichbare Betreuung der Jugendlichen.
Für Jugendliche, die einen realistischen Berufswunsch haben und die die Anforderungen an
das Ausbildungsplatzprofil erfüllen, d.h. dass sie ausbildungsreif sind, liegt der Handlungsansatz der persönlichen Ansprechpartner darin, sie zunächst zum Berufsabschluss zu
führen.
Mit unterschiedlichen Maßnahmen und Methoden soll den differenzierten Anforderungen der
Integration dieser sehr heterogenen Zielgruppe begegnet werden. Erfahrungen der Vorjahre
fließen hier ein. Es zeigt sich immer wieder, dass gerade bei den Jugendlichen langwierige,
unspezifische Maßnahmen nicht ihrer Motivationslage entsprechen und sie deshalb häufig
nicht zum erwarteten Erfolg führen.
Für Jugendliche, die nicht in der Lage sind, eine Ausbildung zu absolvieren, ist die direkte
Suche nach einem Arbeitsplatz für Ungelernte erforderlich. Viele arbeitslose Jugendliche
brauchen sehr intensive Unterstützung bei der beruflichen Orientierung, für einen sehr
großen Teil sind Motivation fördernde Maßnahmen, ggf. mit Sanktionsoption verbunden, das
Mittel der Wahl.
Bei der Konzeption der Maßnahmen für die Jugendlichen liegt der Fokus neben dem
Erlangen von Bildungsabschlüssen auch auf der sozialpädagogischen Begleitung, um die
sozialen Kompetenzen der Jugendlichen zu stärken bzw. zu aktivieren und ihre Motivation zu
wecken. Erst dadurch sind Erfolge auf dem Weg zur Integration in Ausbildung und/oder
Arbeit erreichbar. Erfahrungsgemäß zeigen sich viele Probleme jedoch erst im praktischen
Arbeitsalltag. Damit sie nicht den Integrationserfolg gefährden, wird der Nachbetreuung der
Jugendlichen nach Aufnahme einer Beschäftigung bzw. Ausbildung durch die Träger der
Maßnahmen große Bedeutung beigemessen.
Eine wichtige Chance für Jugendliche, die Schwierigkeiten haben, einen Ausbildungsplatz zu
finden, ist die betriebliche Einstiegsqualifizierung als Brücke in die Berufsausbildung. In
Zusammenarbeit mit der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit, den Kammern und
potenziellen Ausbildungsbetrieben nutzt die MAIA dieses Instrument für jugendliche
Ausbildungssuchende.
Für die Qualifizierung wird die MAIA Berufsausbildung auch weiterhin in außerbetrieblichen
Einrichtungen (BaE), ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) und die Einstiegsqualifizierung
(EQ) anbieten. Auf Grund der positiv veränderten Ausbildungsplatzsituation, finden mehr
benachteiligte Jugendliche einen Ausbildungsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsplatz,
brauchen aber die Unterstützung durch ausbildungsbegleitende Hilfen, wie z.B.
Nachhilfeunterricht. Die Kosten für Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen
können dadurch reduziert werden.
Auch als Optionskommune arbeitet die MAIA mit der Arbeitsagentur Potsdam zusammen.
Die BA wurde mit der Ausbildungsplatzvermittlung beauftragt. Das ist sinnvoll, da die BA für
die Berufsberatung zuständig ist und durch diese Beauftragung bei Schulabgängern sofort
die Erstvermittlung übernehmen kann.
Für 2016 ist eine Vertiefung der Zusammenarbeit geplant, denn im Koalitionsvertrag auf
Bundesebene ist die Anregung enthalten, dass flächendeckend die Leistungen nach SGB II,
III und VIII in Jugendberufsagenturen gebündelt werden sollen.
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Neben der oben beschriebenen Kooperation mit der BA besteht auch innerhalb der
Kreisverwaltung bereits eine enge Zusammenarbeit des Jobcenters mit dem Jugendamt und
der Arbeitsgruppe Schule/Wirtschaft.
Wir haben deshalb mit der BA und dem Jugendamt vereinbart, dass wir im April/Mai 2016
einen Workshop mit dem Jugendamt, dem Staatlichen Schulamt, der BA und dem Jobcenter
durchführen werden, bei dem wir eine Bestandsaufnahme der verschiedenen Leistungen für
Jugendliche vornehmen und herausarbeiten, wo es Verbesserungspotential gibt. Das weitere
Vorgehen aller Beteiligten wird im Ergebnis des Workshops vereinbart.
Im SGB II ist geregelt, dass erwerbsfähige Hilfebedürftige, denen nicht sofort ein Arbeitsoder Ausbildungsplatz vermittelt werden kann, in Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik
vermittelt werden können. Ganz besonders gilt dies für Jugendliche: sie sind nach § 3 Abs. 2
SGB II unverzüglich in eine Arbeit oder auf einen Ausbildungsplatz zu vermitteln. Da eine
Vermittlung in Arbeit oder Ausbildung nicht in jedem Fall sofort möglich ist, sind Maßnahmen
der aktiven Arbeitsmarktpolitik ein unverzichtbares Instrument, um diese gesetzliche
Vorgabe umzusetzen.
Das 2015 erstellte Fachkonzept greift alle Möglichkeiten auf, die der Gesetzgeber für die
Vermittlung Jugendlicher in Ausbildung und Beruf bietet und verbindet sie mit den
Kooperationsbeziehungen des Jobcenters zu den anderen Ämtern und Einrichtungen, die
der Jugendarbeit verpflichtet sind. Ziel ist es, die Jugendlichen früher als bisher zu aktivieren
und den Übergang von Schule in Ausbildung und Arbeit noch besser zu begleiten.
4.3

ÄLTERE LEISTUNGSBERECHTIGTE

Eine Zielgruppe, die an Bedeutung gewonnen hat, sind ältere Leistungsberechtigte. Im
Hinblick auf den demografischen Wandel in der Altersstruktur und den sich verschärfenden
Fachkräftemangel ist es daher zwingend erforderlich, die Potenziale dieses Personenkreises
stärker in den Fokus zu nehmen.
Für diese Zielgruppe nutzt die MAIA intensiv alle regulären Förderinstrumente. Zusätzlich
ermöglichte in den letzten drei Jahren die Bundes-Initiative „Perspektive 50plus –
Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen“ im Projekt STÄRKEN 50+ neben dem
Einsatz von Regelinstrumenten des SGB II und III eine sehr intensive Betreuung dieser
Leistungsberechtigten, sofern sie motiviert waren, nochmals ins Berufsleben einzusteigen.
Die Fallmanager gingen bei der Betreuung auf komplexe persönliche Lebenslagen ein, die
oft derart manifestiert waren, dass der Vertrauensaufbau zur Veränderung der
Verhaltensmuster viel Zeit erforderte. Vorrangiges Ziel für diese Zielgruppe war und ist, die
Hemmnisse abzubauen und eine Verbesserung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu
erreichen. Das Projekt wurde durch das BMAS gefördert und endete im Dezember 2015. Die
betreuten Leistungsberechtigten im Projekt, die nicht integriert werden konnten, werden
zukünftig wieder von den regulären pAp/FM betreut. Eine gesonderte Betreuung dieser
Altersgruppe ist im Jobcenter künftig nicht geplant.
Im Ergebnis war das Projekt sehr erfolgreich für die MAIA, denn die durch mit der Förderung
finanzierten zusätzlichen Fallmanager konnten intensiver mit den arbeitslosen Älteren an
deren Integration arbeiten. Die Erfahrungen aus diesem Projekt werden auch in das zu
überarbeitende Fallmanagementkonzept einfließen.

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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

4.4

FALLMANAGEMENT

In der Gesetzesbegründung zum SGB II heißt es: „Leistungen zur Eingliederung in Arbeit
haben Vorrang vor Leistungen zum Lebensunterhalt und werden unter Berücksichtigung der
Grundsätze von Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit erbracht. Grundsätzlich wird eine
Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt angestrebt. Zur schnellstmöglichen
Überwindung der Hilfebedürftigkeit bedarf es einer maßgeschneiderten Ausrichtung der
Eingliederungsleistungen auf den erwerbsfähigen Hilfebedürftigen. Kernelement der neuen
Leistung soll deshalb Fallmanagement sein. Im Rahmen des Fallmanagements wird die
konkrete Bedarfslage des Betroffenen erhoben; darauf aufbauend dann ein individuelles
Angebot unter aktive Mitarbeit des Hilfebedürftigen geplant und gesteuert.“ Aus dieser
Formulierung wird einhellig abgeleitet, dass die Jobcenter ein beschäftigungsorientiertes
Fallmanagement anbieten müssen. Wie das Fallmanagement organisiert ist, sollen die
Jobcenter vor Ort regeln.
Zielgruppe des beschäftigungsorientierten Fallmanagements sind Leistungsberechtigte mit
komplexen Profillagen und mehreren Handlungsbedarfen. Ziel des beschäftigungsorientierten Fallmanagements in der MAIA ist das Erreichen von Integrationsfortschritten bis
hin zu erfolgreichen Integrationen.
Auch 2016 werden je zwei Fallmanager pro Standort in der MAIA tätig sein.
Das Fallmanagement setzt den Beratungsansatz „AmigA“ für alle Profillagen um.
Näheres zum Fallmanagement in der MAIA ist im „Fallmanagementkonzept“ geregelt, das
seit dem 01.11.2012 gültig ist. Es wird im Jahr 2016 überarbeitet und mit dem AmigAFachkonzept zusammengeführt.
4.5

GESUNDHEIT (AMIGA)

Lang anhaltende Arbeitslosigkeit führt häufig zu psychischen und physischen Problemen bei
den Betroffenen. Dies ist auch in der MAIA erkennbar. Es wird eingeschätzt, dass bei ca. 25
% der Leistungsberechtigten derartige gesundheitliche Beeinträchtigungen bestehen und
somit die Eingliederung erschweren bzw. verhindern. Aus diesem Grund ist und bleibt hier
ein Handlungsbedarf für die MAIA.
Seit Bestehen der MAIA ist „AmigA“ – also „Arbeitsförderung mit gesundheitsbezogener
Ausrichtung“ zunächst als Projekt erprobt und inzwischen in die regelmäßige Arbeit der
Fallmanager eingeflossen. Das hier praktizierte interdisziplinäre Fallmanagement hat sich als
probates Mittel zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit, der Integrationsfähigkeit und
zur Unterstützung bei der Integration in den ersten Arbeitsmarkt für diese Kundengruppe
bewährt.
Zur Unterstützung der Leistungsberechtigten ist es wichtig, intensive soziale und
gesundheitsbezogene Netzwerke auf- und auszubauen. Die Leistungsberechtigten
benötigen umfassende Beratungsangebote zu ihren Gesundheitsfragen und –problemen.
Dies wird im „AmigA-Fallmanagement“ gewährleistet, in das auch ein Sozialmediziner und
ein Psychologe einbezogen sind. Die AmigA-Betreuung erfolgt nach dem Beratungsansatz
des beschäftigungsorientierten Fallmanagements. Damit gelingt es immer besser, die
Leistungsberechtigten verhältnismäßig schnell an die notwendigen Hilfen anzubinden und
sie zu stabilisieren, damit sie (wieder) beschäftigungsfähig werden.
Ein weiterer wichtiger Part zur Unterstützung des Gesundheitsnetzwerkes sind die in den
Planregionen eingerichteten Beratungszentren des Landkreises. Dort befinden sich auch die
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

zielorientierte Sucht- und Problemberatung als psycho-soziales Angebot des Landkreises.
Die räumliche Nähe zu den Vermittlungsteams des Jobcenters MAIA ermöglicht eine enge
und intensive Zusammenarbeit zwischen der MAIA und den anderen sozialen und
gesundheitsbezogenen Beratungsangeboten. Damit ist ein Gesundheitsnetzwerk
geschaffen, das zur Unterstützung der Integrationsarbeit der MAIA einen wichtigen Beitrag
leistet.
Näheres zur Betreuung von Leistungsberechtigten mit gesundheitlichen Einschränkungen in
der MAIA ist im „Fachkonzept AmigA“ geregelt, das am 01.01.2014 in einer überarbeiteten
Fassung in Kraft getreten ist. Im Laufe des Jahres wird es überarbeitet und mit dem
„Fallmanagementkonzept“ zusammengeführt.
4.6

ALLEINERZIEHENDE

Da Alleinerziehende im Hinblick auf die vorhandene berufliche Grundqualifikation und eine
meist vorhandene kurze Berufserfahrung deutlich besser qualifiziert sind als Mütter in
Paarhaushalten werden für die Gruppe der Alleinerziehenden im Jobcenter keine
gesonderten Qualifizierungsmaßnahmen angeboten, sondern sie werden in vorhandene
eingegliedert. Ebenfalls spricht gegen ein gesondertes Fachkonzept, dass die
Integrationsquoten der Alleinerziehenden regelmäßig signifikant höher sind als die GesamtIntegrationsquoten.
Im Landkreis wird eine gute, fast bedarfsgerechte Kinderbetreuung von Kindern unter 6
Jahren sichergestellt. Eine Problematik ist noch die Randzeitenbetreuung und die Betreuung
in den ländlichen Regionen. Durch die flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen im
Landkreis ist zunehmend auch die Betreuung der Kinder bis 12 Jahren in den
Nachmittagsstunden abgedeckt.
In der Unterstützung von Alleinerziehenden werden grundsätzlich alle Förderinstrumente des
SGB II und SGB III genutzt. Bei Maßnahmen zur Qualifizierung, wie zum Beispiel FbW, wird
immer auch die Möglichkeit einer Qualifikation in Teilzeit besprochen.
Neben der Nutzung von allen Instrumenten des SGB II und SGB III gewährt das Jobcenter
MAIA auch für die Zielgruppe der Alleinerziehenden seit Anfang 2014 Einstiegsgeld nach §
16b SGB II für die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Bis dahin
wurde dieses Instrument nur für Existenzgründer genutzt. Laut IAB-Studie ist ein Grund für
die Erwerbstätigkeit der Alleinerziehenden in Minijobs, dass eine Vollzeittätigkeit in vielen
Fällen keinen finanziellen Anreiz bietet und oftmals nicht bedarfsdeckend ist.
Zusätzlich werden die marktnahen arbeitslosen Alleinerziehenden auch weiterhin stärker in
den Fokus rücken. Sofern geeignete externe Angebote vorliegen, z.B. aus ESF-Projekten
regionaler Träger, werden auch diese Ressourcen genutzt.
4.7

SELBSTSTÄNDIGE

Das Jobcenter MAIA hat das Ziel, die Beendigung der Hilfebedürftigkeit und Deckung des
Eigenbedarfs selbstständiger/freiberuflicher SGB II – Leistungsempfänger herbeizuführen
durch
- Unterstützung tragfähiger Neugründungen,
- Unterstützung bei der Verbesserung der bestehenden Betriebsführung (§ 16c SGB
II),
- Vermittlung in den 1. Arbeitsmarkt mit Beendigung der erfolgslosen Selbständigkeit
(§ 45 SGB II).
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Die Beratung und Unterstützung durch das Jobcenter wird in allen vier Planregionen des
Landkreises Potsdam-Mittelmark angeboten.
Voraussetzung für die Förderung sind in jedem Fall die fachliche Stellungnahme/
Tragfähigkeitsbescheinigung einer fachkundigen Stelle. Regelmäßig handelt es sich dabei
um Kammerorganisationen, Gründerzentren, Fachverbände, Kreditinstitute etc.
Die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit soll grundsätzlich nur gefördert werden, wenn
die Tätigkeit hauptberuflich ausgeübt werden soll und in angemessenem Zeitrahmen die
Beendigung der Hilfebedürftigkeit realistisch erscheint. Das gilt auch bei
Betriebsübernahmen bzw. der Umwandlung einer nebenberuflichen Tätigkeit in eine
hauptberufliche Selbständigkeit.
Gründer sollen unter Würdigung ihrer individuellen Möglichkeiten und unter Nutzung des
vorhandenen MAIA-übergreifenden Förderspektrums auf die Selbständigkeit vorbereitet bzw.
in diese aktiv begleitet werden.
Die Begleitung konzentriert sich hierbei auf eine qualifizierte, individuelle Beratung und
die optimale Auswahl der bestehenden Förder- und Beratungsangebote, so z.
Lotsendienste, Kammern, der einheitlichen Anlaufstelle beim Ministerium für Wirtschaft,
Coaching–Angebote der KfW–Bank und der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) sowie
vom Landkreis angebotenen Beratertage zur Wirtschaftsförderung.

auf
B.
die
die

Selbständige können individuell durch Maßnahmen nach § 16c SGB II (Leistungen zur
Eingliederung von Selbstständigen) und mit Einstiegsgeld zur Überwindung der
Hilfebedürftigkeit nach § 16 b SGB II gefördert werden.
2014 und 2015 wurde für diese Zielgruppe ein individuelles Coaching organisiert. Es wurde
gemäß § 45 SGB III nach dem Vergaberecht vergeben. Da die Maßnahmen sehr erfolgreich
verliefen, sind sie erneut für das Jahr 2016 geplant.
Näheres zur Betreuung der Selbstständigen im Jobcenter MAIA ist im „Fachkonzept
Selbständige“ geregelt, das seit dem 01.03.2014 in Kraft ist.
4.8

NEBENERWERB

4.8.1 AUFNAHME NEBENBESCHÄFTIGUNG
Die Aufnahme einer Nebenbeschäftigung kann ein wichtiger Schritt in Richtung Integration in
den ersten Arbeitsmarkt sein. Das Selbstwertgefühl der erwerbslosen Personen wird
gesteigert und berufsspezifische Kenntnisse werden erworben, ausgeweitet oder gefestigt.
Daher soll den marktnahen Bewerbern zusätzlich zur Arbeitsstellenvermittlung auch noch die
Vermittlung in geringfügige Beschäftigungsverhältnisse kontinuierlich angeboten werden. Um
dieses Angebot aufrecht halten zu können, wird der Arbeitgeberservice zusätzlich zu der
Arbeits- und Ausbildungsstellenakquisition verpflichtet, Nebenerwerbsstellen zu akquirieren.
4.8.2 AUSWEITUNG NEBENBESCHÄFTIGUNG
Marktnahe ALG II-Empfänger, die sich im Nebenerwerb befinden, werden verstärkt in die
Arbeits- und Ausbildungsstellenvermittlung eingebunden. Bei jeder persönlichen Vorsprache
des Leistungsberechtigten wird ein Stellensuchlauf gemeinsam mit dem Bewerber
durchgeführt, und bei entsprechender Eignung ist ein Vermittlungsvorschlag zu erstellen.
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Außerdem ist geplant, ein intensives Coaching für diese Zielgruppe vorzubereiten, das
außerhalb der Nebentätigkeit stattfinden soll und sowohl im Umfang als auch in der
Durchführung individuell auf die Teilnehmer ausgerichtet wird. Es zielt auf eine Vermittlung in
den ersten Arbeitsmarkt, entweder durch Ausweitung der bisherigen Tätigkeit oder auch
durch Vermittlung in andere Arbeitsstellen. Diese Maßnahmen werden gemäß § 45 SGB III
nach dem Vergaberecht vergeben.
4.9

ARBEITGEBERSERVICE (AGS)

Der kreiseigene Arbeitgeberservice wird kontinuierlich weiterentwickelt, so dass das Konzept
mittlerweile auf drei Säulen basiert:

Stellenakquise,
Arbeitgeberbetreuung,
MAG, EGZ

Bewerberorientierte
Intensivvermittlung

Vermittlungsvorschläge aus
den importierten
Stellen

Einerseits ist natürlich weiterhin die Stellenakquise, Arbeitgeberbetreuung und Beratung zu
den Förderinstrumenten Kernaufgabe des AGS, denn die Arbeitgeber brauchen vor Ort
einen Ansprechpartner mit Kenntnis des regionalen Arbeitsmarktes als Bindeglied zwischen
Wirtschaft und Verwaltung.
Die bewerberorientierte Betreuung im Rahmen der AGS-Intensivvermittlung gewinnt als
zweite Säule der Arbeit im AGS an Bedeutung, denn umso komplexer die Problemlagen der
Bewerber werden, desto individueller müssen diese betreut werden. Es genügt teilweise
nicht mehr, ihnen nur die auf dem Markt verfügbaren Stellen anzubieten, vielmehr müssen in
enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber gezielt neue Möglichkeiten entwickelt werden.
Drittes Standbein ist der Stellenimport von der Bundesagentur für Arbeit. Wie geplant wurden
am 02.01.2014 die ersten Stellenangebote über eine technische Schnittstelle in Prosoz
eingespielt. Inzwischen konnte der Einzugsbereich auch über die Kreisgrenzen hinaus
erweitert werden, um den Bewerbern eine noch größere Anzahl an Arbeitsstellen im Rahmen
regelmäßiger Suchläufe anbieten zu können.
Mit dem „MAIA-Stellenmarkt“ auf der Internetpräsenz www.potsdam-mittelmark.de bietet das
Jobcenter mit der Veröffentlichung ausgewählter aktueller Stellenangebote einen
zusätzlichen Service für Arbeitnehmer und Arbeitgeber an.
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Zudem wurde die Zusammenarbeit zur Wirtschaftsförderung weiter ausgebaut und durch die
Vereinbarung regelmäßiger Treffen dauerhaft verstetigt, so dass Synergieeffekte effizient
genutzt werden. Auch der enge Kontakt zur Bundesagentur für Arbeit wird weiterhin gepflegt.
Dadurch funktioniert die Koordination gemeinsamer Aktionen und gegenseitiger
Unterstützung auch nach Verwerfen der Arbeitgeberaufteilung reibungslos.
Näheres zum Arbeitgeberservice im Jobcenter MAIA ist im „AGS-Konzept“ geregelt, das seit
dem 01.04.2013 in Kraft ist.
4.10

SAISONBESCHÄFTIGUNG

Im Landkreis Potsdam-Mittelmark haben Land- und Forstwirtschaft, Obst- und Gartenbau
eine lange Tradition. Hervorzuheben ist, dass das Beelitzer Spargelanbaugebiet zu den
größten der Bundesrepublik gehört und der „Beelitzer Spargel“ mittlerweile ein weithin
bekanntes und sehr begehrtes Produkt ist. Auch das Werderaner Gebiet ist überregional
bekannt, vor allem wegen seiner Obstplantagen. Auch wenn der Anteil der Beschäftigten in
diesen Branchen relativ gering ist, besteht doch regelmäßig saisonaler Bedarf an
Arbeitskräften, insbesondere während der Erntezeit. Dies wird von der MAIA intensiv für die
Integrationsarbeit genutzt.
Bereits seit 2005 vergibt die MAIA die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen in saisonale
Beschäftigung in Land- und Forstwirtschaft, Obst- und Gartenbau an Dritte. Der praktizierte
Ansatz, dass Teilnehmer freiwillig in einen „Pool“ aufgenommen werden und der beauftragte
Dritte zunächst die Eignung der Leistungsberechtigten für diese spezifischen Tätigkeiten
prüft und sie danach an die Unternehmen vermittelt, hat sich bewährt und wird weitergeführt.
Aufgabe des Dritten ist es auch, die Arbeitnehmer im Falle der Integration in saisonale
Beschäftigung zu unterstützen, die Motivation nicht zu verlieren und bei auftretenden
Problemen zwischen Unternehmen und den einzelnen Arbeitnehmern Lösungen
herbeizuführen.
Der konzeptionelle Ansatz, die gesamte Erntesaison zu umfassen und Teilnehmer
nacheinander an verschiedene Unternehmen zu vermitteln, führt regelmäßig zu guten
Integrationsergebnissen. Deshalb wird auch in der Erntesaison 2016 diese
Vermittlungsarbeit durch einen Vertragspartner ausgeführt.
4.11

FACHKRÄFTESICHERUNG

Inzwischen ist deutlich erkennbar, dass der so genannte „Demografische Wandel“ auch in
Potsdam-Mittelmark angekommen ist. Das zeigt sich u. a. darin, dass einige Unternehmen
mittlerweile bereit sind, die Anforderungen an neu einzustellende Arbeitnehmer oder
Auszubildende zu senken. Das kommt dem Profil der Leistungsberechtigten der MAIA
entgegen und lässt ihre Chancen steigen. Allerdings kann dies aus Sicht der MAIA keine
endgültige Lösung sein. Langfristig sind in den meisten Fällen Schulabschlüsse und/oder
solide Berufsausbildungen/Fachkenntnisse unabdingbar, um am Erwerbsleben dauerhaft
teilzuhaben.
In der Auseinandersetzung mit dem prognostizierten Arbeitskräftemangel wird in der Studie
der Bundesagentur für Arbeit „Perspektive 2025: Fachkräfte für Deutschland“ (Januar 2011)
festgestellt, dass der Mangel überwiegend „Fachkräfte“ betrifft. Als Fachkräfte werden dabei
„alle Personen mit mindestens einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder einem
vergleichbaren Sekundärabschluss“ definiert.

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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Die Studie macht deutlich, dass es u. U. für die Volkswirtschaft Deutschlands negative
Folgen haben kann, wenn es nicht gelingt, den demografisch bedingten Rückgang des
Erwerbspersonenpotentials (EPP) deutschlandweit bestmöglich auszugleichen.
Es wurden 10 Handlungsfelder identifiziert, die darauf ausgerichtet sind, dem
Fachkräftemangel zu begegnen:
1
– Schulabgänger ohne Abschluss reduzieren, Übergänge in den Beruf verbessern
2
– Ausbildungsabbrecher reduzieren
3
– Studienabbrecher reduzieren
4
– Erwerbspartizipation und Lebensarbeitszeit von Menschen über 55 erhöhen
5
– Erwerbspartizipation und Arbeitszeitvolumen von Frauen steigern
6
– Zuwanderung von Fachkräften steuern
7
– Arbeitszeit von Beschäftigten in Vollzeit steigern
8
– Qualifizierung und Weiterbildung vorantreiben
9
– Arbeitsmarkttransparenz erhöhen
10
– Flankierende Maßnahmen im Steuer- und Abgabenrecht prüfen.
Im Einzelnen wurden Vorschläge zur Bearbeitung dieser Handlungsfelder unterbreitet, auf
die an dieser Stelle nicht näher eingegangen wird.
Obwohl die originäre Zuständigkeit in den meisten Fällen bei anderen Einrichtungen und
Behörden liegt, kann auch auf der kommunalen Ebene die Entwicklung einiger
Handlungsfelder positiv beeinflusst werden. So leistet die MAIA einen Beitrag zur Steigerung
der Erwerbspartizipation Älterer und von alleinerziehenden Frauen.
Aktuell – auf Grund der enormen Zuwanderungswelle von Flüchtlingen - werden in der
Gesellschaft die Chancen der Integration von Flüchtlingen stark diskutiert. Wie diese
Entwicklung z.B. die Fachkräftesituation beeinflussen kann, ist momentan noch nicht
endgültig abzusehen. Jedoch ist davon auszugehen, dass auch das Jobcenter MAIA hier in
gewissem Umfang einen Beitrag leisten wird.
Schwerpunkt der Maßnahmen der MAIA zur Fachkräftesicherung sind jedoch die
Ausbildungsstellenvermittlung und auch die Förderung von Berufsausbildungen in
außerbetrieblichen Einrichtungen (siehe Kapitel 4.2) sowie die Förderung beruflicher
Weiterbildung (FbW).
Seit mehreren Jahren hat die Förderung beruflicher Weiterbildung Priorität bei der Planung
der Verwendung der Arbeitsfördermittel. Die Förderung beruflicher Weiterbildung wurde
weitgehend von den erforderlichen Kürzungen im Eingliederungstitel ausgenommen.
Gemeinsam mit der Arbeitsagentur Potsdam und den benachbarten Jobcentern wurde eine
Qualifizierungs-/AVGS-Planung erarbeitet. Ziel ist es, dass jeder Leistungsberechtigte,
dessen Chancen am Arbeitsmarkt durch eine Weiterbildungsmaßnahme erhöht werden,
einen Bildungsgutschein erhalten soll.
Unter Nutzung der vorgenannten Instrumente, aktueller Arbeitsmarktberichte und von
Angeboten der Bildungsträger erfolgt durch die Ansprechpartner der MAIA eine individuelle
persönliche Beratung der Leistungsberechtigten. Hier werden gezielte einzelfallorientierte
Angebote, die den derzeitigen Anforderungen des Arbeitsmarktes entsprechen, unterbreitet
und begleitet.
4.12

NEUZUGÄNGE

Alle Leistungsberechtigten, die erstmalig in der MAIA ALG II beantragen (Neuzugänge),
erhalten unverzüglich nach Antragstellung einen Termin bei einem persönlichen
Ansprechpartner zum Erstgespräch. Dort ist dann mit jedem neuen Antragsteller ein
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

umfangreiches Gespräch zur Feststellung der Stärken und der Handlungsbedarfe des
Leistungsberechtigten zu führen. Gemeinsam wird eine verbindliche Eingliederungsstrategie
erarbeitet und in der Eingliederungsvereinbarung festgehalten. Es wird ein Stellensuchlauf
anhand des angelegten Profils durchgeführt, um eine möglichst zeitnahe Integration am
ersten Arbeitsmarkt zu erreichen. Im IKS ist der Prozess der Betreuung von „Neukunden“
detailliert geregelt.
4.13

FLÜCHTLINGE

Die Willkommenskultur des Jobcenters gewährt Flüchtlingen mit sofortigem SGB II-Anspruch
umfassende und sofortige Hilfe. Die individuell erforderliche moralische, materielle und
finanzielle Unterstützung durch unsere Mitarbeiter wurde bereits in 2014 geschult.
Die Betreuung der Flüchtlinge stellt für das Jobcenter eine völlig neue Aufgabe dar, so dass
zunächst Erfahrungen mit dieser neuen Zielgruppe gesammelt werden müssen. Spezifische
Maßnahmen und Konzepte zur Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt werden erst
im Laufe des Jahres schrittweise entwickelt.
Bei der Ersteingliederung hat die sprachliche Qualifizierung und die Anerkennung beruflicher
Abschlüsse höchste Priorität. (siehe Kapitel 4.12 Neuzugänge).
Es wurden mehrere fremdsprachige Formulare und Merkblätter entwickelt und beschafft, um
den Flüchtlingen eine bessere Orientierung zu Beginn des Leistungsbezugs SGB II zu
geben.
4.14

ÖFFENTLICH GEFÖRDERTE BESCHÄFTIGUNG

Die MAIA wird das Instrument der Arbeitsgelegenheiten (AGH) nach § 16 d SGB II auch
2016 nutzen. Das Gesamtvolumen gegenüber dem Vorjahr wird nicht gesteigert. Grund
dafür sind in erster Linie die im Zuge der Instrumentenreform eingeführten neuen
Restriktionen bei diesem Instrument. So dürfen Leistungsberechtigte innerhalb von fünf
Jahren nur noch maximal 24 Monate in Arbeitsgelegenheiten arbeiten. Dadurch verringert
sich die Zahl der potenziellen Teilnehmer zunehmend. Auch dürfen im Rahmen von
Arbeitsgelegenheiten keine Qualifizierungen durchgeführt werden und es darf keine
sozialpädagogische Betreuung finanziert werden. Gerade diese Elemente wurden in der
Vergangenheit aber erfolgreich im Zusammenhang mit Arbeitsgelegenheiten genutzt.
Maßnahmen, die bisher als AGH mit Qualifizierungsanteil konzipiert waren, werden nun
teilweise als Maßnahmen der Aktivierung und beruflichen Eingliederung durchgeführt. Aus
diesem Grund wurde das Budget für Maßnahmen nach § 45 SGB III deutlich aufgestockt,
während das Budget für AGH verringert wurde.
Auch im Jahr 2016 werden einige AGH mit Mehraufwandsentschädigung (MAE), die in
besonderer Weise Integrationsfortschritte für die Teilnehmer erbrachten, favorisiert:
- Für integrationsferne Leistungsberechtigte werden weiterhin betreuungsintensive
Maßnahmen durchgeführt, um Teilnehmer zu unterstützen, ihre Tagesstruktur zu
finden und zu halten.
- Die Produktion von Obst und Gemüse für die Weitergabe an die „Tafel“ wurde von
den Teilnehmern gut angenommen. Sofern die Rahmenbedingungen es zulassen,
werden derartige Maßnahmen auch weiterhin durchgeführt.
- Bewährt hat sich auch, eine gewisse Zahl von Arbeitsgelegenheiten flächenmäßig
über den gesamten Landkreis regelmäßig vorzuhalten. Sie werden u. a. genutzt, um
Arbeitsbereitschaft zu überprüfen oder flexibel auf anderen, kurzfristigen Bedarf
seitens der Vermittler zu reagieren.
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

Die beispielhaft genannten Maßnahmen dienen der Begleitung der praktischen Arbeit der
persönlichen Ansprechpartner und Fallmanager. Deshalb genießen sie hohe Priorität.
Die Förderung von Arbeitsverhältnissen nach § 16e SGB II wird es auf Grund der
Individualität und der spezifischen Anforderungen nur in Einzelfällen geben können.

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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

5. MASSNAHMEN ZUR EINGLIEDERUNG IN ARBEIT
5.1

VERTEILUNG DES EINGLIEDERUNGSBUDGETS

Nach dem derzeitigen Kenntnisstand wurden die vorhandenen Mittel wie in der folgenden
Tabelle dargestellt verplant. Allerdings wird unterjährig die Planung kontinuierlich angepasst,
da der Mittelabfluss nicht in jedem Instrument durch das Jobcenter gesteuert werden kann.
So ist es z. B. nicht exakt planbar, wie viele der ausgegebenen Vermittlungsgutscheine
durch die Leistungsberechtigten tatsächlich eingelöst werden, so dass die Förderung auch
kassenwirksam wird.
In der folgenden Tabelle sind die tatsächlichen Ausgaben pro Instrument dargestellt sowie
die Planung der Ausgaben für 2016:
Eingliederungsbudget

Ausgaben

Ausgaben

Ausgaben

Planung

2013

2014

2015

2016

516.252 €

542.222 €

495.278 €

616.912 €

849.915 €

715.350 €

769.203 €

906.515 €

Vermittlungsgutscheine

88.500 €

49.000 €

48.000 €

49.608€

Reisekosten zum Meldetermin

47.142 €

45.076 €

39.192 €

46.800€

Förderung beruflicher Weiterbildung

585.124 €

607.559 €

721.012 €

678.314 €

Eingliederungszuschüsse
Eingliederungszuschüsse für Ältere
– Auslauffinanzierung Beschäftigungszuschuss
– Auslauffinanzierung -

1.221.718 €

1.177.494 €

1.283.610 €

1.149.999 €

113.667 €

0€

0€

0€

Vermittlungsbudget
Aktivierung und berufliche
Eingliederung

215.279 €

198.404 €

186.366 €

185.150 €

Einstiegsgeld

50.319 €

53.428 €

68.980 €

65.565 €

Begleitende Hilfen für Selbständige
Berufsausbildung in außerbetrieblichen
Einrichtungen

70.498 €

98.682 €

219.240 €

215.281 €

223.708 €

139.116 €

53.241 €

44.081 €

Ausbildungsbegleitende Hilfen

4.694 €

4.890 €

2.760 €

12.500 €

13.416 €

8.696 €

14.321 €

34.145 €

193.885 €

246.204 €

160.054 €

297.490 €

Arbeitsgelegenheiten mit MAE
Arbeitsgelegenheiten – Entgeltvariante
– Auslauffinanzierung -

699.391 €

673.431 €

734.506 €

650.948 €

50.549 €

0€

0€

0€

Förderung von Arbeitsverhältnissen

133.932 €

88.353 €

104.233 €

149.515 €

22.718 €

6.289 €

9.014 €

19.551 €

4.909.009 €

5.122.465 €

Einstiegsqualifizierung
Leistungen für Menschen mit
Behinderungen / REHA

Freie Förderung
Summe

5.100.705 €

4.654.203 €

Eine Erhöhung des Planansatzes erfolgte in den Positionen Aktivierung und berufliche
Eingliederung sowie Vermittlungsbudget, da Qualifizierung nach wie vor ein gutes Mittel zur
Integration der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in den 1. Arbeitsmarkt darstellt. Dies
begründet sich insbesondere im erwarteten Zugang von Flüchtlingen.
Die Kosten für die Förderung beruflicher Weiterbildung und für Eingliederungszuschüsse
wurden auf nur wenig geringerem Niveau als in 2015 angesetzt, da diese Instrumente häufig
zu einer direkten Integration führen.
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Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2016

5.2

WEITERE FÖRDERUNGEN AUS LAND, BUND UND EU

Bisher unterstützte die MAIA auch von Bund/Land/EU geförderte regionale
Entwicklungsprojekte des Landkreises oder der Kommunen, indem sie – falls geeignet –
durch Beschäftigungsförderung zur Realisierung beitrug. Dies wird auf Grund der begrenzten
finanziellen Mittel nur noch in Ausnahmefällen möglich sein.
Für 2016 ist vorgesehen, in der neuen EU-Förderperiode 2014 - 2020 die angekündigten
Förderprogramme des Landes und des Bundes auch für die Arbeit im Jobcenter MAIA zu
nutzen, sofern diese als wirtschaftlich und zielführend eingeschätzt werden.
5.3

FLANKIERENDE KOMMUNALE LEISTUNGEN NACH § 16A SGB II

Im Jahr 2016 sind für die psychosoziale Beratung und die Qualifizierte Suchtberatung je
105.000 € vom Kreis geplant. Es erfolgt eine pauschale Finanzierung nach
Zuwendungsrecht.
Für die Schuldnerberatung sind 2016 ca. 100.000 € eingeplant. Die Abrechnung erfolgt
hierbei auf die Einzelfälle bezogen.

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