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Periodical volume

Full text: Berliner Stadtblatt Issue 2016,[1] März

MITTE

WAHLEN IN MITTE
Die SPD Mitte diskutiert
mit BürgerInnen über ihr
Wahlprogramm.

Seite 7+8

WISSENSWERTES

AU S

BERLIN

UND

DEM

BEZIRK

MITTE

·

AU S G A B E

MÄRZ

2016

KOLUMNE

Liebe Leserinnen,
natürlich müssen wir jeden Tag im Jahr dafür
arbeiten, dass Gerechtigkeit in der Gesellschaft
und im Arbeitsleben keine Frage des Geschlechts
sein darf. Viel ist erreicht, aber genauso viel
bleibt noch zu tun. Hier
nicht nachzulassen, dazu
mahnt uns alle der Internationale Frauentag jährlich am 8. März.
Für mich bleibt es das
Wichtigste, für gute Arbeit und Ausbildung zu
sorgen. Dabei müssen wir
besonders Politik für die
vielen Frauen machen,
die immer noch weniger
verdienen als ihre männlichen Kollegen. Wir
müssen Frauen vor Altersarmut bewahren und
ihnen Schutz vor Gewalt
bieten – ganz gleich ob in
den eigenen vier Wänden
oder auf der Straße. Und
wir müssen durch gute
Kinderbetreuung alleinerziehenden Müttern die
Chance auf gute Arbeit
geben, durch die sie mit
ihren Kindern ein gutes
Leben führen können.
Der 8. März zeigt uns
auch dieses Jahr wieder,
wieviel noch zu tun ist.
Die SPD und ich arbeiten
deshalb weiter für eine
soziale und moderne
Frauenpolitik. Jeden Tag.
Ihr Michael Müller,
Regierender Bürgermeister Berlins

Die SPD will eine Politik, die mit Augenmaß und Verantwortungsbewusstsein für Sicherheit sorgt.

Mehr öffentliche Sicherheit...
…mit sozialdemokratischer Politik
Alle Menschen in Deutschland haben das Recht, sich
unabhängig von ihrer persönlichen Situation und
finanziellen Verhältnissen
sicher zu fühlen und umfassend vor Kriminalität und
Gewalt und deren Ursachen
geschützt zu werden.
Die Angst der Bürgerinnen und Bürger vor einem
Terroranschlag, vor Alltagskriminalität und rassistischen Übergriffen nimmt
die SPD sehr ernst. Öffentliche Sicherheit ist eine
wesentliche Staatsaufgabe,
die Bund und Länder gleichermaßen erfüllen müssen. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten
wollen eine Politik, die mit
Augenmaß und Verant-

wortungsbewusstsein Gefahren erkennt, wirksam
bekämpft und Freiheitsrechte wahrt. Als sozialdemokratisches Thema haben
wir „Öffentliche Sicherheit“
auf allen Ebenen zu einem
Schwerpunkt unserer Arbeit gemacht. Hierzu hat
die SPD-Bundestagsfraktion auf ihrer Klausurtagung Anfang Januar gezielte
Maßnahmen beschlossen:
Zur Bekämpfung von
Rassismus und Rechtsextremismus sind weitere Anstrengungen
notwendig.
Insbesondere die NPD, die
AfD und Gruppen wie Pegida schaffen in Deutschland eine Stimmung in der
Gesellschaft, die mitverantwortlich ist für die massen-

haften Angriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsheime
sowie die zunehmenden
Ausschreitungen gegen Helferinnen und Helfer.
Wir begrüßen daher das
NPD-Verbotsverfahren vor
dem Bundesverfassungsgericht und halten ein Verbot
für einen wesentlichen Baustein und ein wichtiges und
deutliches Signal im Engagement gegen Rechtsextremismus. Zudem fordern
wir eine Beobachtung der
rechtsextremen Tendenzen
in der Partei AfD und Gruppen wie Pegida durch den
Verfassungsschutz, damit
wir die dortigen Entwicklungen im Blick behalten
und nicht dieselben Fehler
wiederholen wie damals

beim NSU. Neben vielen
bisher auf den Weg gebrachten Gesetzesänderungen,
wie der Reform des Verfassungsschutzes und der
Berücksichtigung von rassistischen Motiven bei der
Strafzumessung, setzen wir
auf umfassende Prävention.
Daher wollen wir eine
weitere Aufstockung der
Mittel des BMFSFJ-Programms „Demokratie leben!“ von 50 Mio. Euro auf
100 Mio. Euro erreichen,
das kommunale, regionale
und überregionale Projekte
unterstützt, die sich in der
Demokratieförderung und
der Extremismusprävention
engagieren.
Fortsetzung auf Seite 2

Wenn nicht jetzt helfen – wann dann?
Der Kampf gegen Rechts geht uns alle an
Bautzen, Claunitz, Sächsische Verhältnisse: unser
aller Verständnis der neuen
deutschen Willkommenskultur wurde von einigen
wenigen erschreckend in
Frage gestellt.
Wir wollen keine Bilder sehen, in dem pöbelnde Massen aus nächster Zuflucht suchende Menschen bedrohen!
Wir wollen ebenso wenig
noch eine weitere Flüchtlingsunterkunft sehen, die
von selbstherrlichen Straftätern angezündet wird.
Wir wollen uns nicht ausmalen, was passiert, wenn in
solchen Unterkünften auch

Foto links: Senatskanzlei/M. Becker; oben: vadymvdrobot

einmal Menschen sind. Wir
haben diese grausamen Bilder in den 1990ern in Solingen und darüber hinaus
schon erlebt. Nun bahnt sich
dasselbe wieder an.
Wir stemmen uns dagegen, erst recht wenn der
Ausruf der friedlichen Revolution 1989 „Wir sind das
Volk“ zum neuen Synonym
für „Sieg Heil!“ pervertiert!
Wir werden vor Hetzern
und Rechtsextremen nicht
zurückweichen!
Wir heißen die zu uns fliehenden Menschen willkommen. Ihre Zukunft ist auch
unsere Zukunft. Deutsch-

landweit. Das beste Zeichen
gegen menschenverachtende
Tendenzen ist helfen! Fortführen, was seit Monaten
tägliche Helferinnen und
Helfer geleistet haben:
Wer freiwillig mit anpacken will:
https://volunteer-planner.org/
Wer darüber hinaus Hilfe anbieten will:
https://www.facebook.com/
groups/netzwerkwirhelfen/

Boris Velter,
Kreisvorsitzender
SPD Mitte
Wir heißen Flüchtlinge willkommen.

IN DIESER AUSGABE
KLEINE KINDER...
...keine Lehrer? Grundschulen im Brennpunkt.

Seite 2
ZEBRASTREIFEN
Die Gottfried-Röhl-Schule
braucht einen neuen Zebrastreifen!

Seite 2
KULTUR
Die Mitte Berlins ist ein
herausragender Kulturstandort.

Seite 7
GUTES WOHNEN
Unsere Stadt als Ganzes
denken.

Seite 7
STARKE SCHULEN...
...in schwierigen Kiezen

Seite 8

2

Berliner Stadtblatt

MITTE

POLITIK VOR ORT
Die SPD Abteilungen
Schillerpark,
Grünes
Dreieck und Rehberge
laden gemeinsam mit der
Arbeitsgemeinschaft für
Bildung der SPD Mitte am Donnerstag, den
10.03. zum Thema „Kleine Kinder, keine Lehrer?“ Grundschulen im
Brennpunkt – zu einer
Diskussionsveranstaltung mit Staatssekretär
Mark Rackles in die Gottfried-Röhl-Grundschule,
Ungarnstraße 75, 13349
Berlin
Bürger*innensprechstunde:
Die Bundestagsabgeordnete für Mitte, Dr. Eva
Högl, bietet am Dienstag,
08.03. ab 14:00 eine BürgerInnensprechstunde
in ihrem Wahlkreisbüro,
Kurt-Schumacher-Haus,
Müllerstraße 163, 13353
Berlin an. Um Anmeldung
unter: Tel.: 030 4692-125
oder E-Mail: eva.hoegl.
wk01@bundestag.de wird
gebeten.
Der Abgeordnete Ralf
Wieland ist im März bei
zwei Bürgersprechstunden anzutreffen: jeweils
Freitag, 04. und 13.03. von
13:00 bis 14:00 im Bürgerbüro am Gesundbrunnen Bellermannstr. 19 a,
13357 Berlin. Im April
können Sie Ralf Wieland
zu folgenden Terminen
erreichen: Donnerstag,
07.04., 18:00 bis 19:00 und
Dienstag, 19.04., 18:00 bis
19:00.
Thomas
Isenberg,
MdA beantwortet am
Freitag, 11. und 18. 03. in
der Zeit von 16:30–18:00
in seinem neuen Bürgerbüro am Hansaplatz,
Bartningallee 5, 10557
Berlin Ihre Fragen. Anmeldung bitte an: mail@
thomas-isenberg.de.
Die Weddinger Abgeordnete Bruni Wildenhein-Lauterbach bietet
jeweils Dienstag, 01.; 08.
und 15.03., von 12:30–
14:00 unter der Telefonnummer 030 23 25 - 22 97
eine telefonische Sprechstunde an. Bei einer traditionellen Sprechstunde
können Sie Bruni Wildenhein-Lauterbach wieder
Donnerstag, 07.04. in der
Zeit von 16:00–17:00 Uhr
in der AWO Freizeitstätte
Schillerpark, Barfusstraße
22/24, 13349 Berlin sowie
am Freitag, 15.04., 16:00–
17:00 in der Galerie des
August-Bebel-Institut,
Müllerstr. 163, 13353 Berlin antreffen.
Interessiert an Bezirkspolitik?
Die Ausschüsse und
die Sitzungen der Bezirksverordnetenversammlung Mitte tagen
in der Regel öffentlich.
Der nächste Termin der
Bezirksverordnetenversammlung ist Donnerstag, der 17.03.2016. Die
Sitzung beginnt um 17.30.
Ort: Rathaus Mitte, KarlMarx-Allee 31, U-Bahn.

Fortsetzung von Seite 1
Terrorismus und Extremismus werden wir entschieden bekämpfen, denn sie
richten sich gegen unsere
Freiheit, unsere Demokratie
und unsere offene Gesellschaft. Pauschale Rufe nach
Strafverschärfungen
oder
symbolische Gesetzgebung
helfen allerdings nicht weiter. Deutschland hat bereits
eines der schärfsten Anti-Terror-Gesetze der Welt,
unser Strafrecht haben wir in
dieser Legislatur gerade erst
verschärft.
Wir wollen aber Vollzugsdefizite beseitigen und geltendes Recht konsequent
anwenden. Im Kampf gegen
islamistischen Terrorismus
müssen wir unsere Sicherheitsbehörden weiter stärken
und brauchen auch einen
besseren Informationsaustausch in Europa. Mindestens ebenso wichtig sind
wirksame Präventionsmaßnahmen, Aufklärung über
religiösen Fanatismus, politische Bildung und die flächendeckende Etablierung
von Programmen zur Deradikalisierung. Auch Ausstiegsoptionen müssen wir
den Betroffenen aufzeigen.
Für eine nachhaltige Präventionsstrategie müssen wir
zivilgesellschaftliche Verei-

Alltagskriminalität trifft oft Ältere und besonders Schutzbedürftige.

ne und Verbände finanziell
massiv stärken. Eine erfolgversprechende Maßnahme
ist auch die flächendeckende
hauptamtliche Einbindung
besonders geschulter Imame
in Justizvollzugsanstalten,
damit einer Radikalisierung
von Häftlingen im Vollzug
entgegengewirkt
werden
kann.
Zur besseren Bekämpfung
von organisierter Kriminalität wollen wir das Bundeskriminalamt technisch und
personell besser aufstellen
und zudem Finanzquellen

trockenlegen, indem wir
die Geldwäsche erschweren
und durch eine Reform der
Vermögensabschöpfung dafür sorgen, dass kriminell
erworbene Vermögen konsequent eingezogen werden.
Handlungsbedarf sehen wir
auch im Bereich der Alltagskriminalität, z.B. bei Wohnungseinbrüchen und Taschendiebstählen.
Diese Kriminalitätsformen
können jeden treffen, oft
auch ältere und besonders
schutzbedürftige Menschen.
Sie müssen konsequenter

Foto: sdecoret

verhindert sowie nach Tatbegehung verfolgt und aufgeklärt werden. Beim Wohnungseinbruchsdiebstahl
setzen wir auch auf präventiven Einbruchschutz und haben in der Koalition gerade
ein umfassendes Programm
„Kriminalprävention durch
Einbruchsicherung“ zur Förderung von baulichen Maßnahmen zur Eigensicherung
durchgesetzt.
Damit noch mehr Menschen von diesem Programm
profitieren können, wollen
wir die Förderungsvoraus-

setzungen weiter verbessern.
Auf Ereignisse wie jüngst in
Köln und anderswo muss
der Staat in aller gebotenen
rechtstaatlichen Härte reagieren.
Die SPD will deshalb die
Gefahrenabwehr und die
Aufklärung von Delikten in
diesem Bereich verstärken,
u.a. durch mehr Polizeipräsenz, die wir in Wohngebieten, auf den Straßen und auf
öffentlichen Plätzen sichtbar
erhöhen werden. Durch den
Einsatz von Videokameras
in notwendigem Umfang
sollen öffentliche Plätze sicherer werden. Insgesamt
brauchen wir gut aufgestellte
Sicherheitsbehörden. Notwendig ist die Schaffung von
insgesamt 12.000 neuen Stellen bei der Polizei in Bund
und Ländern bis 2019. Die
SPD konnte bereits die Bewilligung von 3000 neuen
Stellen für Polizeivollzugskräfte bei der Bundespolizei
durchsetzen. Dazu gehört
aber auch, Polizistinnen,
Polizisten und andere Einsatzkräfte, die tagtäglich im
Einsatz für alle Bürgerinnen
und Bürger in unserem demokratischen Rechtsstaat
sind, wirksam vor Angriffen
und Gewalt zu schützen.
Dr. Eva Högl

Mehr Vielfalt in der SPD
Mentoring Programm erhält Preis
Mehr sichtbare Vielfalt in
den Reihen der Berliner
SPD – das war das Ziel des
Mentoring-Programms
„Macht Vielfalt!“ der Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt, das nun
mit dem 2. Platz beim
Wilhelm-Dröscher-Preis
ausgezeichnet wurde, der
ehrenamtliches Engagement innerhalb der Sozialdemokratischen Familie
würdigt.
Mit insgesamt 75 Mentees,
Mentoren und Co-Mentoren aus allen 12 Berliner
Bezirken war die gesamte
Berliner SPD auf den Beinen. Der Bezirk Mitte war
mit 15 Teilnehmenden dabei und war damit der am
stärksten vertretene Bezirk.
Mit
Hauptmentor*innen

von der Kommunal- über
Senatorinnen- bis hin zur
Bundestagsebene
waren
zahlreiche politische Akteure aus Berlin daran beteiligt, mehr Frauen und
Männer mit Migrationsbiographie für ehrenamtliche
und mandatsbezogene Aufgaben zu gewinnen. Idee
dahinter war vor allem, dass
die Zukunft der politischen
Parteien auch davon abhängen, wie sehr sie es schaffen
die gesellschaftliche Vielfalt
zu verkörpern.
Zu 100% ehrenamtlich,
durch den Landesvorstand
der AG Migration und Vielfalt gestemmt, gab es neben
den Mentoringbeziehungen
selbst auch ein begleitendes
Programm: Exkursionen,
Hintergrundgespräche und

Bildungsformate bereiteten
die Mentees auf ihre zukünftigen Aufgaben vor.
Das bundesweit erste und
bislang einmalige Mentoring für Parteimitglieder
mit Migrationsgeschichte,
ist ein voller Erfolg! Inzwischen sind zahlreiche Mentees in der Berliner SPD aktiv: in den Gliederungen, in
der AG Migration und Vielfalt und einige bewerben
sich dafür, bei den aktuellen
Parteiwahlen mehr Verantwortung zu übernehmen.
Die SPD in Berlin kann
sich durch das Mentoring
noch vielfältiger ihren zukünftigen Aufgaben widmen.
Maja Lasić, Kandidatin für
das Abgeordnetenhaus im
Wahlkreis 7

Ein Zebrastreifen muss her!

Die Gottfried-Röhl-Schule im Wedding will endlich mehr Sicherheit für die Schulkinder. Ein Zebrastreifen muss her!

Foto: Hanschke

Berliner Stadtblatt

THEMA

3

Mehr Frauen im Chefsessel
Ein langer Weg: Vom Landesgleichstellungsgesetz zur Quote im Aufsichtsrat
Anfang des Jahres gab es
in Berlin etwas zu feiern,
doch kaum jemand bekam
es mit. Seit 25 Jahren gibt
es das Landesgleichstellungsgesetz. Ein Gesetz,
das für gleiche Chancen
von Männern und Frauen
im öffentlichen Dienst und
bei den Unternehmen des
Landes sorgt. Auch bei den
Chefsesseln.
Schon lange fordern Verbände, Initiativen und Parteien wie Grüne, SPD oder
DIE LINKE, dass die Ungleichbehandlung von Frauen in allen Lebensbereichen
ein Ende haben muss. So
arbeiten Frauen häufig als
Krankenschwestern, Erzieherinnen und Reinigungskräfte, weniger häufig als
Ärztinnen, Schuldirektorinnen oder Leiterinnen von
Reinigungsfirmen. An den
Spitzen sitzen Männer – in
der Wirtschaft, den Verbänden und leider auch immer
noch in der Politik. Das hat
etwas mit Strukturen zu tun.
Lange wurde nur appelliert, mehr Frauen in Vorständen und Geschäftsführungen zu berücksichtigen.

Im Januar dieses Jahres war
die Geduld aufgebraucht.
Das „Gesetz zur gleichberechtigten Teilhabe von
Frauen und Männern an
Führungspositionen in der
Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“ trat in
Kraft. Jetzt müssen die 100
größten deutschen Unternehmen, in denen die Mitbestimmung der ArbeitnehmerInnen Pflicht ist und
die börsennotiert sind, eine
Quote von 40 Prozent einhalten. Ist sie für das unterrepräsentierte Geschlecht
nicht erfüllt – das können
auch Männer sein – bleibt
der Sessel leer. 3.500 Unternehmen in Deutschland
müssen zumindest Zielgrößen zur Erhöhung des
Frauenanteils vom obersten
Management bis zum Aufsichtsrat festlegen. Und sie
können sich nicht herausreden: Frauen erlangen in
Deutschland bessere Bildungsabschlüsse als ihre
männlichen Kollegen. In
den nordischen Staaten
wird die Frauenquote zum
Teil sehr konsequent durchgesetzt – das führte zum

Die Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsplatz und in Führungspositionen
macht Fortschritte – auch dank des Landesgleichstellungsgesetzes. Foto: Adobe Stock · contrastwerkstatt

deutlichen Abbau von Geschlechterstereotypen.
Und in der Hauptstadt?
Seit dem Inkrafttreten des

Landesgleichstellungsgesetzes wird regelmäßig auf die
Zahlen geschaut. Berlin liegt
weit vorne bei den Frauen

in Führungspositionen. 43
Prozent der Referatsleitungen im öffentlichen Dienst
werden von Frauen besetzt.

Auf der Abteilungsleiterinnen-Ebene stieg die Zahl
von 8 Prozent (2004) auf
31 Prozent (2014) an. 37
Prozent der Vorstände und
Geschäftsführungen in den
landeseigenen Unternehmen werden von Frauen besetzt. Sigrid Nikutta (BVG)
und Tanja Wielgoß (BSR)
sind nur zwei positive Beispiele. So kann die Senatorin für Arbeit, Integration
und Frauen, Dilek Kolat, mit
Recht sagen: „Berlin ist die
Stadt der Frauen“. Wenn in
den Schulen das nächste Mal
für den Girls Day als Möglichkeit zum Ausprobieren
„typischer Männerberufe“
aufgerufen wird, dann ist
das ein kleiner Schritt auf
dem Weg hin zum Aufbrechen muffiger Denkmuster.
Frauen und Männer haben
ein Recht darauf, dass nicht
ihr Geschlecht die Besetzung
eines Chefsessels bestimmt,
sondern ihre Qualifikation.
Erst wenn diese Botschaft
überall angekommen ist, ist
der ursprüngliche Auftrag
des Landesgleichstellungsgesetzes erfüllt.
Josephine Steffen

Spagat zwischen
Glück und Stress

Über Männer
ohne Sex-Manieren

Wie Arbeit und Familie besser miteinander vereint werden

Haarsträubende Geschichten aus dem Puff

Die bessere Vereinbarkeit
von Familie und Beruf ist
derzeit eine der großen
gesellschaftspolitischen
Herausforderungen. Für
die einen geht es dabei
um die „Zukunftsfähigkeit
Deutschlands“, für die anderen ist die Vereinbarkeit ein „Mythos“:
Einerseits haben sich Familienstrukturen stark verändert. Alleinerziehende mit
minderjährigen
Kindern
kommen als Familienform
immer häufiger vor, auch
in Berlin. Etwa die Hälfte
aller Paare hier ist ledig.
Andererseits wirkt sich der
demografische Wandel auf
den Arbeitsmarkt aus.
Familie, in welcher Form
sie auch gelebt wird, ist für
die meisten Menschen von
größter Bedeutung. Überall
lesen und hören Eltern die
Botschaft der Vereinbarkeit
mit dem Beruf. Der gesellschaftliche Anspruch und ihr
eigenes Gefühl, dass immer
etwas oder jemand dabei auf
der Strecke bleibt, stressen.
Erschöpft versuchen Mütter
und Väter, mehrere Leben in
einem einzigen zu führen.
Das funktioniert, irgendwie,
nur nicht immer gut.
Vor allem die Generation
zwischen 25 und 45 Jahren,
in der „Rush Hour“ des Lebens, fühlt sich zwischen
Beruf und Familie hin- und
hergerissen. Mütter wollen
entsprechend ihrer sehr
guten Ausbildung Karriere

Karolina Leppert arbeitet
unter dem Namen „Vera“
als Domina in Berlin. Nach
einer Laufbahn als Verkäuferin sowie im Mediengeschäft entschloss sie sich
zu einem Berufswechsel in
die Prostitution. Neben
dieser Arbeit kämpft sie
in leitender Funktion bei
der Initiative „Hydra“ für
eine größere Wertschätzung für den SexarbeiterInnen-Beruf in der Gesellschaft. Hydra berät seit vielen Jahren SexarbeiterInnen und setzt sich für eine
Anerkennung der Prostitution als Dienstleistung wie
jede andere ein.
Seit zwanzig Jahren hat
Karolina Leppert Einblick
in einen Beruf, der auf Diskretion setzt. In Ihrem Buch
„Männermanieren – Standpauke aus dem Rotlicht“
gewährt sie einen Blick in
diese Welt und zieht dabei
auch Rückschlüsse zu unserer Gesellschaft. Das Berliner Stadtblatt sprach mit ihr:

Foto: Adobe Stock · misu

machen, Väter mehr Zeit
mit den Kindern verbringen. Alleinerziehende haben
oft gar keine Wahl als Vollzeit
zu arbeiten, um den Lebensunterhalt selbst zu sichern.
Für Manuela Schwesig,
Bundesfamilienministerin,
ist der Kern der modernen
sozialdemokratischen Familienpolitik, die Vereinbarkeit von Familie und
Beruf im Lebensverlauf zu
stärken. Eine Menge wurde
auch schon erreicht: Freibeträge und das Kindergeld,
der Kinderzuschlag und
der Entlastungsbetrag für
Alleinerziehende wurden
angehoben, das „ElterngeldPlus“ eingeführt. Die Quote
bei der Betreuung der Kinder von 3 bis 6 Jahren beträgt 98 Prozent, 70 Prozent
bei der Betreuung der 1 bis
3-jährigen. Rund 90 Millionen Euro aus Bundes- und
Landesmitteln stehen für

2016 und 2017 zur Verfügung, um das Berliner KitaAngebot bedarfsgerecht auszubauen. In den nächsten
Jahren werden 10.000 neue
Kitaplätze in Berlin geschaffen. Im Doppelhaushalt
2016/17 wurde außerdem
die Abschaffung der Kitagebühren bis 2018 verankert.
Manuela Schwesig weiß,
dass noch viel getan werden
muss, um der geforderten
Generation gerecht zu werden. In ihrer Agenda unter
anderem: neue Splittingmodelle bei der Steuer, das
Schaffen verlässlicher Ganztagsgrundschulen, Lohngerechtigkeit für Frauen, flexible familienbewusste Arbeitszeitmodelle, die den Lebensphasen der Menschen
angepasst werden können.
Dann wird es wieder einfacher, festzustellen: Kinder
sind ein großes Glück.
Anja Hoffmann

Sie beschreiben in ihrem
Buch, wie sehr sich die
Manieren der Männer im
Umgang mit SexarbeiterInnen verändert haben. Was
ist anders geworden?
Der permanente Konsum
und die allgegenwärtige
Verfügbarkeit von Internetpornographie verfälscht das
Bewusstsein für die Realität
und stumpft ab. Filme spiegeln eine künstliche Welt

wider. Daraus leitet sich eine
Erwartungshaltung ab, die
es früher nicht gab.
Wie hat sich Ihr Beruf und
auch Ihr Engagement bei
Hydra dadurch verändert?
Ich selbst als Domina bin
in der privilegierten Situation, meine Kunden in die
Schranken zu weisen. Für
die Arbeit von Hydra hat
sich schon etwas verändert.
Wir müssen einfach zur
Kenntnis nehmen, dass die
Erfahrungen der Sexarbeiterinnen heute eine andere
Realität haben.
Welche Schlüsse können
wir allgemein durch dieses
Verhalten der Männer über
die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft ziehen?
Dass die Gleichberechtigung keine selbstverständliche Sache ist. Dass jede Frau
in ihrem Selbstbewusstsein
unterstützt werden soll, dass
wir immer wieder lernen
müssen, „nein“ zu sagen.
Dass zwar nicht alle, aber
viel zu viele Männer einem
falschen Rollenverständnis
vom „Mann sein“ folgen.
Denken Sie, dass die geplante Neufassung des
Prostiuiertenschutzgesetzes dazu führen wird, dass
SexarbeiterInnen mehr Ansehen in der Bevölkerung
genießen und Männer sich
dadurch wieder respektvoller verhalten?

Nein, das denke ich nicht.
Prostituierte müssen nicht
beschützt werden, sie sind
keine Kinder. Ausgenommen vor Kriminalität und
Gewalt. Die Gesetze dazu
sind vorhanden, sie müssten konsequenter umgesetzt
werden. Und was das Ansehen in der Bevölkerung
betrifft: Ich fürchte, da wird
sich so schnell nichts ändern, vor allem nicht durch
ein weiteres, sehr fragwürdiges Gesetz. Sexworkerinnen sehen ihre Tätigkeit als
Erwerbsquelle, und sie sehen das ganz nüchtern. Wir
sollten sie respektieren und
das auch kolportieren.
Josephine Steffen

Karolina Leppert
Männermanieren –
Standpauke aus
dem Rotlicht
ISBN: 978-3990011560
edition a, 2016
128 Seiten, 16,90 Euro

4

Berliner Stadtblatt

BERLIN

MELDUNGEN

Abschied vom Daddelautomaten

MEHR LEHRERINNEN
UND LEHRER

Spielsüchtige sollen durch eine Gesetzesverschärfung besser geschützt werden

Berlin wird in diesem
Jahr insgesamt rund
2.100 Lehrerinnen und
Lehrer einstellen.
Mehr als 960 sind bereits zu Beginn des
Schulhalbjahres 2016 an
die Berliner Schulen gekommen. Dabei wurden
alle offenen Stellen an
allen Schularten besetzt.
Die Einstellungszahlen
lagen im Februar dieses
Jahres deutlich über den
Einstellungen der vergangenen Jahre (2015:
700 Lehrkräfte). Von den
978 Berliner Referendarinnen und Referendaren, die ihre Ausbildung
im Februar 2016 beendeten, hatten 514 bereits
frühzeitig eine Einstellungsgarantie für die
Berliner Schulen erhalten. Die nächsten Einstellungsverfahren beginnen
Ende April. Die Bewerbungsfrist läuft bis Ende
März. Angesichts des zunehmenden Bedarfs rief
Bildungssenatorin Sandra Scheeres die Hochschulen auf, mehr Studienplätze anzubieten.
BERLIN WÄCHST
SEHR VIEL SCHNELLER
Das höchste Wachstum
hat der Bezirk Pankow
zu erwarten, gefolgt
von Treptow-Köpenick,
Lichtenberg und Reinickendorf.
Die neue Bevölkerungsprognose für Berlin weist bis zum Jahr
2030 eine Zunahme um
266.000 Personen von
3,562 Mio. (31. Dezember 2014) auf dann 3,828
Mio. Berlinerinnen und
Berliner aus. Zusätzlich
rechnet der Senat bis zum
Jahr 2020 mit 94.000 bis
174.000 Geflüchteten,
die in Berlin bleiben.

Die Verlockung ist groß.
Immer wieder werfen sie
Münzen in den Automaten
und verfolgen das schnelle
Drehen der Zahlen: Etwa
50.000 Berlinerinnen und
Berliner gelten als anfällig für Glücksspiele, von
ihnen sind rund 27.600
krankhaft glückspielsüchtig. Eine weitere Verschärfung des Spielhallengesetzes soll sie jetzt besser
schützen.
Um die Flut von Spielhallen einzudämmen, hat Berlin bereits im Juni 2011 eines
der strengsten Spielhallengesetze Deutschlands eingeführt. Nach einer Übergangsfrist von fünf Jahren
erlöschen am 31. Juli 2016
alle Genehmigungen für bestehende Hallen. Spielhallen
müssen dann Mindestabstände zueinander und zu
Schulen und Jugendeinrichtungen einhalten. „Die Zahl
der Spielhallen wird sich in
Berlin von 544 Ende 2014
schätzungsweise auf rund
150 reduzieren“, sagt der
SPD-Abgeordnete Daniel
Buchholz, einer der Initiatoren des Gesetzes. Von
Spielhallen geprägte Straßenzüge werden der Vergangenheit angehören.
Jetzt soll es eine weitere
Verschärfung des Berliner

Geldautomaten neben einer Spielhalle sollen verboten werden.

Foto: Horb

Euro, damit endlich spürbare Bußgelder bei Gesetzesverstößen verhängt werden können.“
Um Spielsüchtige davor
zu bewahren, sich weiter zu
verschulden, wird erstmals
eine landesweite Sperrdatei
für Spielsüchtige eingerich-

tet, die in allen Spielhallen
gilt. Automaten zur Bargeldabhebung oder Zahlungsdienste in Spielhallen werden verboten. Die Zuverlässigkeit von Betreibern muss
künftig regelmäßig von Polizei und Ordnungsämtern
kontrolliert werden. U.H.

Spielhallengesetzes geben.
Buchholz: „Nicht einmal
jeder fünfte Betreiber von
Spielhallen, Café-Casinos
und Wettbüros hält sich an
Recht und Gesetz. Darauf
reagieren wir mit einer Verzehnfachung des Bußgeldrahmens auf bis zu 500.000

Zusammenhalt stärken
SPD-Vorsitzender Jan Stöß gegen gesellschaftliche Verrohung

Verbot wird
noch einmal
verschärft
Das vor zwei Jahren eingeführte Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum wird verschärft.
So müssen Anbieter von
Internet-Wohnungsvermittlungsportalen den Bezirksämtern künftig Auskunft über die Anbieter von
Ferienwohnungen geben.
Die Zahlen der Anzeigen
und der aufgedeckten Verstöße zeigen nach Ansicht
von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel, „dass
das Zweckentfremdungsverbot ein notwendiges und
sinnvolles Instrument ist,
um der zunehmenden Wohnungsknappheit in Berlin
entgegenzuwirken“.
Bislang wurden rund
6.300 Ferienwohnungen registriert und etwa 1.200
mögliche Verstöße gegen das
Zweckentfremdungsverbot
ermittelt. Hinzu kommen
rund 2.800 Hinweise aus der
Bevölkerung zu möglichen
Verstößen gegen das Verbot, die ebenfalls überprüft
werden. Um die Zweckentfremdung wirkungsvoll zu
verfolgen, erhalten die Bezirke zusätzliches Personal,
so der Stadtentwicklungssenator.

HISTORISCHES STICHWORT

Urabstimmung
Der Kampf um Berlins Freiheit

Andreas Geisel
Foto: SenStadtUm

„Berlin erlebt eine dritte
Gründerzeit“, so Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel. „Das anhaltende Wachstum Berlins
wird sich fortsetzen und
überall in der Stadt spürbar werden. Die steigende Bevölkerungszahl ist
eine Chance für Berlin,
die wir ergreifen müssen
und werden. Wir brauchen mehr Wohnraum,
mehr Arbeitsplätze, aber
auch mehr Kitas und
Schulen und mehr Busse
und Bahnen. Die Zahlen der Bevölkerungsprognose belegen, dass
ein Mehr an Nachfrage
in allen Bereichen des
städtischen Lebens zu
erwarten ist.“

FERIENWOHNUNGEN

Putzaktion: Die Stolpersteine in der Friedenauer Stierstraße waren bereits mehrfach Ziel rechtsradikaler Schmierereien
Foto: Matthias Geisthardt

Beschmierte Stolpersteine
und Angriffe auf geflüchtete Menschen, aber auch in
Brand gesetzte Autos und
zerstörte Fensterscheiben
von Abgeordnetenbüros
oder einer Beratungseinrichtung des Quartiersmanagements: Gewalt hat
in der politischen Auseinandersetzung nichts zu
suchen. Darin sind sich
die demokratischen Parteien in Berlin einig. „Der
Staat muss zeigen, dass er
handlungsfähig ist“, sagt
Jan Stöß, Vorsitzender der
Berliner SPD.
Gewaltbereite Gruppen
gibt es in der rechtsradikalen Szene ebenso wie bei

den autonomen Gruppen.
Büros von SPD, Grünen und
CDU wurden beschmiert, es
gab persönliche Drohungen
gegen den SPD-Abgeordneten Tom Schreiber. Auf
das Wohnhaus der Bundestagsabgeordneten Eva Högl
wurde ein Farbanschlag verübt. „Ich sehe diese Vorfälle und die Angriffe auf die
Kolleginnen und Kollegen
der Polizei und Feuerwehr
in den letzten Wochen in
einem Zusammenhang. Das
zeigt eine zunehmende Verrohung in unserer Gesellschaft, die den friedlichen
Zusammenhalt zerstören
kann“, so Jan Stöß.
Anfang Februar wurden

in zwei Nächten in der
Flottwellstraße und der
Weserstraße Autos in Brand
gesetzt. Stöß: „Die Menschen in der Flottwellstraße
und Weserstraße haben einen Anspruch darauf, dass
dem mit aller Entschiedenheit nachgegangen wird und
die Gewalttäter dingfest gemacht werden.“
Verfolgt werden müssen
ebenso die Täter, die in der
Friedenauer Stierstraße Stolpersteine schändeten, die an
die früheren jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner der Häuser erinnern,
und eine Jugendeinrichtung
mit einem Hakenkreuz beschmierten.
U.H.

Wenige Monate nach ihrer
Wiedergründung kämpfte
die Berliner SPD im Jahre
1945 erneut um ihre Existenz. Nachdem die Kommunistischen Parteien in
freien Wahlen in Österreich und Süddeutschland
verheerend abgeschnitten
hatten, fürchtete die KPD
ähnliche Ergebnisse auch
für sich. In der sowjetischen
Besatzungszone setzte sie
daher auf die Fusion mit
der SPD.
Während die von Kurt
Schumacher geführte Sozialdemokratie in Westdeutschland dies entschieden ablehnte, gab der Berliner SPD-Zentralausschuss
mit seinem Vorsitzenden
Otto Grotewohl dem zunehmenden Druck nach.
Die Berliner SPD-Mitglieder
setzten dagegen Anfang 1946
eine Urabstimmung durch,
die allerdings nur in den drei
Westsektoren Berlins stattfinden durfte. Ende März
gab es ein klares Ergebnis:
82,3 Prozent der Mitglieder lehnten zu diesem Zeitpunkt eine Vereinigung mit
der KPD ab.
Mit dieser Selbstbehauptung legte die Berliner SPD
vor siebzig Jahren den
Grundstein für Freiheit und
Demokratie im Westteil der
Stadt. Am 7. April 1946 kamen rund 500 Sozialdemo-

kratinnen und Sozialdemokraten in der Aula der Zehlendorfer Zinnowwaldschule zum Bezirksparteitag der
„alten“ Berliner SPD zusammen, im sowjetischen Sektor
wurde dagegen auch unter
Anwendung von Zwang die
Vereinigung zur SED vollzogen. Bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung
am 20.10.1946 wurde der
Kurs der SPD eindrucksvoll
bestätigt. Mit 48,7 Prozent
gewann sie die Wahl vor der
CDU (22,2), der SED (19,8)
und der LDP (9,3).

Zinnowwaldschule: Bild aus
einem SPD-Flugblatt von 1946

Eine
Gedenkveranstaltung, mit der die SPD am
historischen Ort in der
Zinnowwaldschule an den
Kampf um Demokratie vor
siebzig Jahren erinnern wollte, kann nun, nachdem sie
zunächst vom CDU-geführten Bezirksamt untersagt
wurde, doch noch stattfinden: am 7. April 2016 um
18.30 Uhr in der Aula der
Zinnowwaldschule, Wilskistraße 78, 14163 Berlin.

Berliner Stadtblatt

BERLINER LEBEN

5

Der Garten und die Sehnsucht nach Grün
Verlockende Ausflugsziele im Frühling: Botanischer Garten, Gärten der Welt und Späth’sche Baumschule
Tja, wenn es April wäre,
dann käme die Gärtnerin
kaum mehr aus den Gummistiefeln heraus: pflanzen, düngen, schneiden,
Unkraut zupfen… Aber
lassen wir die Gärtner
träumen und genießen die
ersten Sonnenstrahlen auf
einem Spaziergang.
Zum Beispiel durch den
Botanischen Garten in
Dahlem. Hier blüht es. Tausendfaches Goldgelb, der
Crocus flavus und Hellviolett, der Crocus tommasianus. Sie leben seit Jahrzehnten im Gartenbereich
„Balkanhalbinsel“ und gedeihen so prächtig, dass sie
längst über ihr ursprüngliches Pflanzgebiet hinaus gewandert sind, sich sorglos
sortenfremd mischen und
neue Standorte erobert haben. Was das leichte Herz
des bummelnden Blumenfreundes höher schlagen
lässt, bringt die um wissenschaftliche Korrektheit
bemühten Mitarbeiter des
Beschilderungstrupps
zu
schierer
Verzweiflung.
Schneeglöckchen, Blaustern
und Traubenhyazinthe tun
es den Krokussen gleich und
weben einen Blütenteppich,
der zart und kraftvoll zugleich den Boden bedeckt.

Gewächshaus im Botanischer Garten

Start für die neue Saison
in den Gärten der Welt ist
am 25. März. Es wird Zeit,
den neuen Picknickkorb
auszuprobieren und mit
Köstlichkeiten zu füllen und
den Rucksack der Kinder
mit Buddelzeug. Los geht’s:
ein langer schöner Tag in

China, Japan, Bali, Korea,
im Orient, im Okzident und
bei Karl Förster erwartet den
gartenlosen Städter: Winterlinge, Narzissen, Blausterne
und Traubenhyazinthen erblühen, ganz ohne ihm Rückenschmerzen und Muskelkater dafür zu bescheren.

Foto: Horb

Und wenn man auch schon
zehn Mal im vergangenen
Jahr mit den Kindern, Großeltern, Freunden und Gästen
durch das Heckenlabyrinth
geirrt ist, wird man sich nun
zum elften Mal verlaufen.
Wer sich die Schönheit
nach Hause holen will, findet

in der ältesten deutschen
Baumschule ein passendes
Ausflugsziel. 1720 eröffnete
Christoph Späth vor dem
Hallischen Tor eine kleine
feine Gemüsegärtnerei. Das
war der Ausgangspunkt für
die Spät’sche Baumschule,
die einmal zu einer der
größten der Welt zählte.
König Friedrich Wilhelm I
war gern und oft zu Gast bei
Späth’s und ernannte den geschäftstüchtigen Christoph
zum „Kunstgärtner und voll
berechtigten Berliner Bürger“. Das Unternehmen
wuchs, wurde räumlich verlegt, umgestaltet, eine Musteranstalt und Studienort,
umorientiert auf Blumenund Topfpflanzen, Exporte
kamen dazu, die Handelsgärtnerei war geboren. Mit
der Ermordung Ludwig
Späth’s am 15.2.1945 im KZ
Sachsenhausen endete das
traditionsreiche Familienunternehmen, aber nicht die
Tradition der Späth’schen
Baumschule. Und so kann
man Montag bis Freitag von
9 bis 18 Uhr zwischen alten Backsteinhäusern und
Scheunen im Hofladen einkaufen, ausgefallene und
seltene alte Pflanzensorten
kaufen. Und im Hofcafé
lassen sich die Lieblings-

stauden so schön loben, bei
Kaffee und Kuchen, fast wie
auf dem heimischen Balkon. Vom 19. bis 24. März
2016 werden in alter sorbischer Tradition Ostereier
bemalt. Anja Hoffmann

Botanischer Garten
Unter den Eichen 5-10,
12203 Berlin (Bus M48),
Königin-Luise-Platz, 14195
Berlin (Bus X83, Bus 101),
Öffnungszeiten: 9–18 Uhr,
Eintritt: 6 €, ermäßigt 3 €,
große Familienkarte 12 €,
kleine Familienkarte 7 €
Gärten der Welt
Eingang Eisenacher Straße,
S7 Marzahn/Bus 195 bis Haltestelle „Gärten der Welt“ oder
U5 Cottbusser Platz/Bus 195
bis Haltestelle „Gärten der Welt“
Öffnungszeiten: 9–18 Uhr,
Eintritt: bis Mitte März 3 €,
Kinder (bis 14 J.) 1 €,
ab Mitte März 5 €,
Kinder (bis 14 J.) 1,50 €
Späth’sche Baumschule
Späthstraße 80/81, S6, 8, 9, 10,
45, 46 bis Baumschulenweg/
Bus 265, 170 bis Königsweg,
U7 bis Blaschkowallee/Bus 170,
Öffnungszeiten: 9–18 Uhr

Aus der Höhle geholt

Fundort Berlin

Felsbilder aus der Sammlung Frobenius im Gropius-Bau

Objekte zeigen die Geschichte der Region

Begräbnisszene mit Mumie im Ochsenfell

Wie Kunst die Kunst beeinflusst hat, zeigt bis zum 16.
Mai eine Ausstellung im
Martin-Gropius-Bau, die
sich der Zeichnungen aus
der Vorzeit annimmt.
Zu sehen sind rund 100
Felsbildkopien des Frobenius-Institutes, viele davon
großformatig und wandfüllend. Ergänzt werden sie
durch fotografisches und archivalisches Material.
Der deutsche Ethnologe
Leo Frobenius (1873-1938)
hatte diese weltweit bedeutendste Sammlung von Kopien angelegt. Seit seiner
sechsten Afrikareise im Jahre 1912 hatte er Malerinnen
und Maler als Kopisten auf
seine zahlreichen „Deutschen Inner-Afrika ForschungsExpeditionen“ mitgenom-

men. Entstanden sind die
Bilder an teils schwer zugänglichen Stellen Nordafrikas, der inneren Sahara
und des südlichen Afrika.
Später entsandte Frobenius
auch Expeditionen in die
europäischen Felsbildgebiete Spaniens, Frankreichs,
Norditaliens und Skandinaviens sowie nach Indonesien und Australien. Bis zu
seinem Tode 1938 entstand
so eine Sammlung von fast
5.000 Felsbildkopien, farbig
und meist in Originalgröße mit Formaten von bis zu
2,5 x 10 Metern, die sich bis
heute im Frobenius-Institut
an der Frankfurter GoetheUniversität befinden.
Welche Wirkung diese zuvor ungesehenen Bilder auf
die Moderne hatten und

© Frobenius-Institut Frankfurt am Main

wie sie Künstlerinnen und
Künstler inspirierten, ist
Thema dieser Ausstellung.
Zunächst waren die Arbeiten als transportable Faksimiles, d.h. als reine Wissenschaftsbilder gedacht,
mit deren Hilfe kulturhistorische Entwicklungen der
fernsten Vorgeschichte belegt werden sollten. Die Kopisten der Felsbilder verfolgten jedoch ganz eigene
Wege im Spannungsfeld
zwischen wissenschaftlicher
Dokumentation und künstlerischem Anspruch. Das
Interesse der künstlerischen
Avantgarde an den prähistorischen Bildern blieb ihnen
nicht verborgen. Die Bilder
waren, so der deutsche Ethnologe Mark Münzel, Ausdruck eines „wissenschaft-

lichen Expressionismus“.
Die zahlreichen Werkschauen der Felsbilder befeuerten einen regen Diskurs zu den Anfängen der
Kunst und der menschlichen Kreativität in der damaligen zeitgenössischen
Kunstszene. Im Schaffen einiger Künstler zeichnet sich
die Wirkung dieser Ausstellungen deutlich ab. Im Werk
Willi Baumeisters gab es
beispielsweise um 1929/30
einen Stilwechsel, in dem
verschiedene von den Felsbildern bekannte Gestaltungselemente und Techniken zur Anwendung kamen.
Bei anderen Künstlern ist
die Beeinflussung subtiler.
Sicher haben die Surrealisten in Europa maßgeblich
vom Dialog mit der prähistorischen Kunst profitieren
können. Die Ausstellung
zeigt die Urkunst als vitale
Inspirationsquelle der Moderne. SB
Kunst der Vorzeit
Felsbilder aus der Sammlung
Frobenius, bis 16. Mai 2016,
Martin-Gropius-Bau,
Niederkirchnerstraße 7,
10963 Berlin, Mi–Mo 10–19
Uhr, Di geschlossen, an Feiertagen geöffnet
Eintrittspreise 10 € / ermäßigt
6 €, Eintritt frei bis 16 Jahre,
Online-Tickets:
www.gropiusbau.de/tickets

Berlins Boden hat einiges
längst Vergessene wieder
freigegeben: Skelette von
Tieren, Kunsthandwerk,
Gebrauchsgegenstä nde
vergangener Jahrhunderte.
Aufbewahrt werden die
Funde im Museum für
Vor- und Frühgeschichte.
Ein großformatiger Bildband aus dem ElsengoldVerlag zeigt jetzt 50 ausgewählte Objekte aus 10.000
Jahren Geschichte im
Raum Berlin.

Noch bevor es Berlin gab,
gab es Elche. Ein Skelettfund vom Hansaplatz, bei
U-Bahnarbeiten 1956 entdeckt, ist das erste der 50
ausführlicher beschriebenen
Objekte. Es erzählt auch
vom Wandel der Landschaft, hervorgerufen durch
Klimaveränderungen.
Claudia Maria Melisch,
die die Ausgrabungen am
Petriplatz in Mitte leitet und
Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vorund Frühgeschichte, haben

den Band zur „Archäologie
Berlins“ vorgelegt. Großformatige Fotos geben einen
Eindruck von den Ausstellungsräumen im Neuen Museum auf der Museumsinsel,
einführende Texte beschreiben Zeitalter und die Situation im Berlin-Brandenburger Raum. Jeweils auf einer
Doppelseite sind die 50 Objekte beschrieben.
Darunter befinden sich
Opfergaben aus der Spree,
die 1881 in Spandau entdeckt wurden, tausend Jahre
alte Trinkgefäße aus Lichterfelde, die vergoldete Ausrüstung eines Spandauer
Ritters, mittelalterliche Spardosen, am Petriplatz gefunden, aber auch ein großer
Blasenstein, der in einem
Männergrab gefunden wurde und wohl einst für heftige Schmerzen gesorgt haben dürfte. Und schließlich
hilft Archäologie, selbst die
jüngste Geschichte sichtbar
zu machen, etwa mit der
Stacheldrahtrolle, die 1992
auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers
Berlin-Lichterfelde ausgegraben wurden. Ulrich Horb
Claudia Maria Melisch,
Matthias Wemhoff, Archäologie
Berlins, 50 Objekte erzählen
10.000 Jahre Geschichte,
Elsengold Verlag, ca. 160 Seiten,
21x28 cm, rund 70 Abbildungen
Hardcover mit Schutzumschlag,
ISBN 9783944594378, 24,95 €

6

Berliner Stadtblatt

S E RV I C E · R ÄT S E L

Gut zu wissen

Telefonseelsorge

Stadtblatt-Service: Mahnungen – Ernährung – Energie sparen – Online-Shopping

Gut, dass ich mit jemandem reden kann

MAHNGEBÜHREN
BEGRENZT
Im Falle eines Zahlungsverzugs dürfen Verbraucherinnen und Verbrauchern nur die tatsächlich
entstandenen Kosten für
die Mahnung in Rechnung
gestellt werden.
Nach Ansicht der Verbraucherzentrale Berlin sind
dies Kosten für Material und
Porto. „Mahnkosten von 5
und mehr Euro werfen daher die Frage nach deren
Rechtmäßigkeit auf “, heißt
es bei den Verbraucherberatern, die auch vor Gericht
damit erfolgreich waren. So
unterlag das Versandunternehmen Schwab mit seiner
Forderung nach einer Mahngebühr in Höhe von 6,95
Euro. Und Stromanbieter
primastrom musste aus seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Regelung
streichen, die für die erste
Mahnung 5,00 € und für die
zweite und dritte Mahnung
einen Betrag von 10,00 €
vorsah.

Seit 60 Jahren sind Berliner
Telefonseelsorger für ihre
Anrufer zu erreichen – viele sind einsam und sozial
isoliert.
„Kann ich mit Ihnen ein
paar Minuten telefonieren?“
„Selbstverständlich, dafür
bin ich hier.“ „Auch vertraulich? Es ist ein bisschen heikel.“ „Wir Telefonseelsorger
sind zur Anonymität verpflichtet, das ist die Grundlage jedes Gespräches.“
So oder so ähnlich beginnen viele Telefonate, die
über die Rufnummer 08001110111 die Nansenstraße
27 in Berlin-Neukölln erreichen. Dort sind die Dienstund Ausbildungsräume der
Telefonseelsorge Berlin, die
in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag feiert. Sie ist damit
die älteste Einrichtung ihrer
Art in Deutschland, vielleicht sogar auf dem europäischen Kontinent. In Berlin
startete damit eine Bewegung, die heute einen ausgezeichneten Ruf genießt.
Viele Anrufe kreisen um
ein soziales Grundübel, das
man eigentlich im umtriebig-hippen, total vernetzten
Berlin nicht erwartet: Einsamkeit. Vor allem Frauen
und Männer der mittleren
und älteren Generationen
beklagen am Telefon ihre soziale Isolation, nachdem ihre
Familien auseinander sind,
durch Arbeitslosigkeit oder
Krankheit der Kontakt zu
den Kolleginnen und Kollegen abhandengekommen
ist, Nachbarschaften und
Kiezkontakte eingeschlafen
sind. Oft gehen Verarmung
und Vereinsamung Hand
in Hand. In solchen Augenblicken kann ein Gespräch
mit einer Telefonseelsorgerin, einem Telefonseelsorger der Rettungsanker sein.
Manche Anrufer haben seit
Tagen kein Gespräch mehr

ANGELN VERBOTEN
Fisch gilt als gesunde Alternative zum Fleischkonsum.
Doch ein neuer Ratgeber
der Umweltschutzorganisation Greenpeace rät jetzt
vom Kauf der meisten
Fischsorten ab.
Bei Aal, Makrele oder Alaska-Seelachs ist die Greenpeace-Empfehlung eindeutig:
„Finger weg, nicht nachhaltig“. Die Fischbestände der
Meere schrumpfen dramatisch, die Fangmethoden,
aber auch die Abwässer von
Zuchtfarmen zerstören empfindliche Ökosysteme, eine
Erholung der Bestände ist
häufig nicht in Sicht. Greenpeace rät dazu, weniger
Fisch auf die Speisekarte zu
setzen und beim Einkauf
1

2

genauer auf die Herkunft zu
achten. Noch gibt es einige
Fische aus gesunden Beständen. Grundsätzlich empfehlenswert ist Karpfen. Beim
Hering sind nur einzelne
Fanggebiete nicht empfehlenswert, etwa die Färöer, Island, die nördliche Nordsee.
Bei der Scholle gibt es nur
für die Pazifische Scholle
Entwarnung. Der Fischratgeber 2016 von Greenpeace
mit detaillierten Empfehlungen ist jetzt als gedruckte
Broschüre, als App oder als
Poster für den Kühlschrank
erhältlich.
https://www.greenpeace.
de/themen/meere/fischerei/
einkaufsratgeber-fisch
ENERGIEBERATUNG
AM BÜCHERTISCH
Die Verbraucherzentrale
geht mit ihrer Energieberatung in die Bezirke.
In der Steglitz-Zehlendorfer Ingeborg-Drewitz-Bibliothek gibt es jetzt zweimal
im Monat individuelle Tipps,
um Energiekosten zu sparen.
Das entlastet nicht nur das
persönliche Budget. Bis 2050
soll Berlin klimaneutrale
Stadt werden und dabei die
CO²-Emmissionen um 85
Prozent reduzieren. Das geht

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nur, wenn alle in der Stadt
einen Beitrag leisten.
Jeden zweiten und vierten
Montag im Monat von 16
bis 19 Uhr berät der Energieberater der Verbraucherzentrale Berlin, Karl-Heinz
Dubrow, im Veranstaltungsraum der Ingeborg-Drewitz
Stadtteil-Bibliothek in der
Grunewaldstraße 3, 12165
Berlin. Termine können
unter der kostenfreien Rufnummer 0800–809 802 400
oder während der Beratungszeiten direkt beim Berater
vereinbart werden. Pro Beratung wird ein Kostenbeitrag von 7,50 Euro erhoben.
Für einkommensschwache
Verbraucher mit entsprechendem Nachweis ist die
Beratung kostenfrei. Mehr
Informationen gibt es auf
www.verbraucherzentraleenergieberatung.de.
ONLINE-WIDERRUFSRECHT
Beim Einkauf im Internet
haben Kunden bei gewerblichen Anbietern ein Widerrufsrecht.

Online einkaufen: Beim Widerruf sind ein paar Regeln zu beachten Foto: © Adobe Stock • adam121

Innerhalb von 14 Tagen
können sie vom Kauf per
Brief, per Mail oder telefonisch zurücktreten. Eine
bloße Rücksendung oder
eine Annahmeverweigerung
der gelieferten Ware reicht
nicht aus, so die jüngste
Entscheidung eines Amtsge6

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richts. Für die Rücksendung
von Produkten die weniger
als 40,00 Euro kosten, muss
der Käufer das Rückporto
tragen, wenn der Verkäufer
in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine entsprechende Regelung vorgesehen hat.
ENERGIEDRINKS
Getränke, die vorübergehend Flügel verleihen, stehen bei Medizinern unter
dem Verdacht, ungewollte
Nebenwirkungen zu erzielen.
„Energydrinks werden mit
Herzrhythmusstörungen,
Krampfanfällen, Nierenversagen und sogar Todesfällen
in Verbindung gebracht“,
warnt die Verbraucherorganisation „Foodwatch“. Einer
europaweiten Studie zufolge
konsumiert ein Drittel der
Erwachsenen Energiedrinks,
bei den Jugendlichen sind es
jedoch zwei Drittel. Bereits
2009 kam ein Gutachten vom
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zum Schluss,
vor allem die hochkonzentrierte Form der Energy
Drinks, die so genannten
Energy Shots, seien „nicht
sicher“. In Lettland gilt – wie
bereits in Litauen – vom Juni
an ein Verkaufsverbot für
Energiedrinks an Jugendliche unter 18 Jahren.

IMPRESSUM
Berliner Stadtblatt
Wissenswertes aus Berlin und den Bezirken
und Berlin-Beilage (Seiten 3 bis 6) zu den
Bezirksausgaben in Mitte, CharlottenburgWilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg,
Treptow-Köpenick
Herausgeber:
SPD-Landesverband Berlin
Landesgeschäftsführer Dennis Buchner
(V.i.S.d.P.), Müllerstr. 163, 13353 Berlin
Redaktion der Landesseiten:
Ulrich Horb (CvD), Gunter Lange,
Ulrich Rosenbaum, Josephine Steffen
Rätselerstellung: Ulrich Schulte Döinghaus
Grafik: Hans Kegel, Anett Lupelow
Druck: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH

gehabt. Die Möglichkeit, für
eine halbe oder dreiviertel
Stunde Zwiesprache zu halten, auf Verständnis zu treffen, vielleicht auch einen Rat
zu holen – das wissen die
Anrufer zu schätzen.
Die Telefonseelsorger sind,
in ganz Deutschland und
überall auf der Welt, rund
um die Uhr zu sprechen und
während des ganzen Jahres.
Bis zu 150 solcher Telefongespräche, die von Krisen,
Verzweiflung, Liebesproblemen und Einsamkeit handeln, werden täglich allein
in der Berliner Telefonseelsorge geführt. Sie spiegeln
oft ein graues Bild der Metropole wider, erzählen von
gesellschaftlichen und persönlichen Konflikten – aber
auch von Hoffnung, Lebensmut und der Kraft, wieder
auf die eigenen Beine zu
kommen.
Samt und sonders ehrenamtlich und unbezahlt arbeiten die rund 140 Frauen
und Männer in ihren sechsbis achtstündigen Schichten. Für ihren freiwilligen
Dienst, den sie meist zwei
Mal monatlich tun, werden
sie rund eineinhalb Jahre
gründlich in Seminaren und
Praktika ausgebildet und
geschult, bevor sie sich Telefonseelsorger nennen dürfen.
Wer Interesse an einer ehrenamtlichen Mitarbeit in der
Telefonseelsorge Berlin e.V. hat,
der kann sich hier informieren:
Telefonseelsorge Berlin e.V.,
Konfliktberatung –
Suizidverhütung
Nansenstraße 27; 12047 Berlin
Telefon: 030 / 613 50 23
mail@telefonseelsorge-berlin.de
www.telefonseelsorge-berlin.de
Das Rund-um-die-Uhr-Tagfür-Tag-Krisentelefon:
0800-1110111

Berliner Preisrätsel
WAAGERECHT
1 Mit Glück alle Neune
4 ... lässt sein blaues Band
9 Bauelemente fixieren
10 Frühling in der Stadt
der Liebe
11 Tasche für Stift, Telefon
und Kosmetik
12 Versicherung für Versicherungen (Kurzform)
13 milder Abgrund
15 lateinischer Kasus
16 entspringt im Sauerland,
mündet in den Rhein
19 Gefäß zum Ölen
20 zurzeit unruhigster
Kulturraum der Welt
23 bedeutendster
US-Südstaat
24 Autovermietung
25 Meer auf dem Rückzug
27 darauf freut sich ganz
Berlin im Frühling
28 wetterwendischer
Frühjahrsmonat
29 auswärtiger Mitarbeiter
eines Nachrichtendienstes
30 Frühling für
Angelsachsen

SENKRECHT
1 mal in der Dose,
mal im Glas
2 Extrabonus
3 Frühling für Poeten
5 Wiedergeburt (lat.)
6 ein seltenes Unglück
im Frühjahr
7 gewaltig, großmächtig
8 christliche Musik in
Nordamerika
10 Testmethodik
14 nichts geht mehr
17 alles nur geklaut
18 Frontmann ist Der Graf
21 ungeliebter Krakeeler
22 massenhafte
Auswanderung (lat.)
26 höchst extravagante
Frau im Showbusiness

In die richtige Reihenfolge
gebracht ergeben die rot
umkreisten Buchstaben
einen Kalenderstreit zwischen Wetterforschern und
Sternenkundlern, der immerhin 20 Tage ausmacht.

GEWINN: BÜCHER
ZUR BERLINER
GESCHICHTE
Bitte schicken Sie dieses
Lösungswort auf einer
Postkarte bis zum
16. April 2016
per Post an das
Berliner Stadtblatt
Müllerstraße 163
13353 Berlin
oder per E-Mail an raetsel@
berliner-stadtblatt.de
DIE GEWINNE
Unter allen richtigen
Einsendungen verlosen wir
zehn Bücher zur Berliner
Geschichte.
DAS LÖSUNGSWORT
aus der letzten Ausgabe
des Stadtblatts war:
HATSCHI
Die Gewinnerinnen und
Gewinner wurden schriftlich benachrichtigt.

.*55&

Berliner Stadtblatt

MITREDEN
IN MITTE

Ein herausragender Kulturort
Kultur in Berlin ist vielfältig

BILDUNG
ZUWANDERUNG
STADTENTWICKLUNG
KULTUR

D

ie SPD Mitte hat auf
drei Konferenzen mit Bürgerinnen und Bürgern über
das SPD-Wahlprogramm
im Bezirk Mitte diskutiert.
Hintergrund sind die bevorstehenden Berlin-Wahlen 18. September 2016.
Dort wird neben dem
Berliner
Abgeordnetenhaus auch die Bezirksverordnetenversammlung, das
“Bezirks-Parlament”,
neu
gewählt. Diese wählt das Bezirksamt und entscheidet damit maßgeblich darüber, wie
die Politik bei uns vor Ort in
Mitte aussehen wird.
An den Konferenzen nahmen zahlreiche Bürgerinnen

und Bürger teil. Sie stellten
Fragen, informierten sich
und gaben viele wertvolle
Anregungen für das Wahlprogramm der SPD. Dabei
waren alle Diskussionen
zielführend und sachlich. In
Zeiten, in denen in sozialen
Netzwerken Politikerinnen
und Politiker oft angepöbelt
werden, ist das keine Selbstverständlichkeit. Was diskutiert wurde, dokumentieren
wir wir auf den nachfolgenden Seiten.
Die SPD Mitte freut sich
auch jetzt noch über Ihre
Fragen und Anregungen:
kreis.mitte@spd.de.
Julian Zado, SPD Mitte

Foto: Schulz/Schulze

Viele Bürgerinnen und Bürger brachten ihre Ideen ein.

Berlin Mitte ist ein herausragender Kultur- und Geschichtsort. Darin waren
sich die Teilnehmer*innen
der Gruppe „Kultur“ bei
der Veranstaltung „Mitreden in Mitte – Kultur und
Stadtentwicklung“ einig.
Bezirksbürgermeister Christian Hanke und der Arbeitskreis Kultur der SPD Berlin

Mitte diskutierten in dieser
Gruppe am 14. Januar mit
Bürger*innen. Die Ergebnisse fließen in die Vorbereitung des Wahlprogramms
der SPD Berlin Mitte ein.
Wir sprachen über den
Bezirk Mitte als Stand- und
Anziehungsort für die Kreativwirtschaft und die freie
Kunstszene. Über günstige

Räume für Kultur, Erinnerungskultur und kulturelle
Teilhabe – für alle Menschen.
Deutlich wurde: Die Bedeutung von Kultur in Mitte ist
vielschichtig. Es ging um
die Sichtbarkeit des Urberlins, das coole neue Berlin,
um Identität, um Koexistenz
und Verzahnung von Subund Hochkultur, um die Er-

haltung alter Kulturorte und
die Schaffung neuer -orte,
um die Alltagskultur der
bunten Stadtgesellschaft und
den Tourismus.
Viele
Kulturinitiativen
sind in Mitte entstanden.
Manche haben internationales Renommée erlangt, wie
das Stattbad Wedding. Wir
sprachen darüber, wie solche
Initiativen im Bezirk erhalten bleiben können. Auch
für den AK Kultur gilt: Mitte soll cool, spannend und
vielfältig bleiben – im Gegensatz zu monotonen Zentren anderer Metropolen. Dabei gehören zum Gesamtbild
von Mitte auch Alt-Berliner
Einrichtungen wie das Ballhaus. Des Weiteren wurden
Kooperationen zwischen der
freien Kunstszene und den
Kultureinrichtungen angeregt. Und wir haben ein über
ein neues Wegeleitsystem
für Einwohner*innen und
Tourist*innen zu den historischen Orten in Mitte diskutiert. Viele gute Ideen und
Anregungen!
Sigrid Hinteregger, Sprecherin des Arbeitskreises Kultur
der SPD Mitte

Schneller durch die Mitte

Stadt als Ganzes denken

Ideen sammeln für einen besseren ÖPNV

Wohnen als Leben denken

Die Verkehrsströme im Zentrum einer Großstadt zu organisieren ist ohnehin schon
nicht leicht – in Berlin Mitte
scheint es manchmal unlösbar zu sein:
Die Liste der Verkehrsbehinderungen ist lang und
reicht von den vielen Baustellen und Fahrbahnsanierungen über Straßensperrungen
für Staatsbesuche und Megae-

Wohnen soll Leben heißen –
Für Alle. Darauf haben sich
alle Teilnehmenden schnell
geeinigt. Mitte ist attraktiv
und wächst schnell – davon sollten alle profitieren.
Grünflächen soll es geben,
zum Erholen und zum Atmen. Nicht in Blockrandbebauung denken sollen die
Planer, sondern in Kiezen.
Bezahlbar soll das Wohnen sein. Hier soll auch leben können, wer in Mitte
Arbeitet. Der Mensch soll
im Mittelpunkt stehen. „Es
kann nicht sein, dass Menschen jeden Tag lange Arbeitswege haben, weil sie da
wo sie arbeiten keine bezahlbaren Wohnungen finden
– in Mitte“ sagte ein Bürger.
Schnell waren sich alle einig,
dass das auch heißt dichter

Die Ideen werden präsentiert.
Fotos: Schulz/Schulze

vents bis hin zu den für viele
als sehr ärgerlich empfundenen Bierbikes.
Eine bessere Koordinierung
aller Sperrungen und Behinderungen wäre nach Auffassung der Beteiligten schon ein
großer Fortschritt und könnte
für Entlastung sorgen. Ausreichen würde das alleine natürlich nicht. Denn es sei bei
zunehmender Bevölkerung
unerlässlich, grundsätzliche
Alternativen zur jetzigen Verkehrsabwicklung, die trotz
leichter Rückgänge immer
noch vom Auto dominiert
werden, zu entwickeln.
Neben dem Ausbau des
ÖPNV, insbesondere der Straßenbahn, wurden vor allem
neue und tragfähigere Fahrradkonzeptionen gefordert.
Es fehle an zusammenhän-

7

Jan Stöß, Kandidat für das Abgeordnetenhaus im Wahlkreis 2

genden und bezirksübergreifenden Fahrradstraßen.
„Ich möchte auch längere
Strecken ununterbrochen auf
sicheren Radwegen fahren
können“, brachte es eine Teilnehmerin in der Runde auf
den Punkt.
Sascha Wendling,
Kandidat für die BVV

zu bauen – quasi als soziale Maßnahme. Luxus gibt
es schon genug. Gewünscht
wird: für Neubauten 6070% sozialer Wohnungsbau.
Genossenschaften
sollten
weiter gestützt werden. Das
heißt der Gemeinschaftsgedanke und die Stadtgemeinschaft sollen von den
Menschen in Berlin gelebt

werden können - gemeinsame Verantwortung auch von
Grundbesitzern und Bauherren wird erwartet. So sollen z. Bsp. keine Eingeschossige Flachbauten wie Aldi
und Lidl) überdacht werden.
quod mazim placerat fa.
Astrid Hollmann, Kandidaten für das Abgeordnetenhaus im Wahlkreis 1

Astrid Hollmann begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Foto: Schulz/Schulze

Bildung und Kulturlandschaft gemeinsam pflegen
Bildung findet nicht nur in der Schule statt.
In der Diskussion mit Bruni Wildenhein-Lauterbach
MdA stellten die Teilnehmenden fest, dass bereits
eine gute Vernetzung zwischen Schulen und kulturellen Insitutionen besteht. Die
bezirklichen Angebote wie
auch die Senatsprogramme
seien für Kinder aller Altersgruppen sehr geeignet.
Allerdings wünschen sich
Erzieher und Lehrer mehr
personelle Unterstützung,
um die Möglichkeiten besser
nutzen zu können.
Hinsichtlich des bezirklichen Kulturprogramms sollten die vielfältigen Angebote

Ralf Wieland, MdA, im Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern.
Fotos: Schulz/Schulze

übersichtlicher, z.B. in Form
eines Katalogs, zusammengestellt werden. Die Teilnehmer
der Diskussion bemängelten,
dass außerschulisches Gedenkstättenkonzept für den
Bezirk Mitte fehlt. Hervorgehoben wurden die beiden
Kinder- und Jugendtheater
„Atze“ und „Grips“, die sowohl für Kinder als auch für
Erwachsene besuchenswert
seien und die weiterhin gefördert werden sollten.
In Bezug auf die Stärkung
von außerschulischen Bildungsorten wie Bibliotheken,
Jugend-und Nachbarschaftszentren musste die Runde fe-

stellen, dass viele Kinder ihren
Kiez kaum kennen würden.
Kiezralleys wären z.B. ein geeignetes Mittel, um sie gezielt
an die Bildungseinrichtungen
heranzuführen. Auch wird

eine eigener Etat der Bildungseinrichtungen für Werbezwecke als sinnvoll angesehen.
Bruni WildenheinLauterbach

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Berliner Stadtblatt

MITTE

MITREDEN
IN MITTE

Starke Schulen...
… in schwierigen Kiezen
Schule-Beruf gesprochen. Die
neue Jugendberufsagentur
für Mitte wird dabei die entscheidende Keimzelle aller
Vernetzung der Akteure sein.
Für junge Geflüchtete bilden
hingegen gerade Projekte wie
Arrivo eine tolle Möglichkeit
ihr können und ihre Motivation unter Beweis zu stellen.
Damit eröffnen sie sich eine
besondere Chance, schnell in
den Beruf einzusteigen. Alle
Diskutanten waren sich einig,
dass es viel mehr Praktikumsplätze für Geflüchtete werden
müssen.
Maja Lasić, Kandidatin für
das Abgeordnetenhaus im
Wahlkreis 7

BILDUNG
ZUWANDERUNG
STADTENTWICKLUNG
KULTUR

Schulen in Mitte
Schulbau und Sanierung voranbringen
Wie können unsere Schulen genügend Raum für
gute Bildung bieten und
gleichzeitig so saniert werden, dass unsere Kinder
sich dort wohl fühlen?
Schulstadträtin
Sabine
Smentek erläuterte, dass
der Bezirk in diesem Jahr
ca. 35 Mio € für die Schulen
zur Verfügung hat. Damit
können in 10 Schulen unterschiedliche Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Um den Sanierungs-

stau aufzuholen, sei aber
mindestens dreimal so viel
Geld erforderlich.
Eine Zentralisierung des
Schulbaus sahen die Diskutierenden kritisch. Sie berge die Gefahr, dass „Bauen
von der Stange“ stattfindet.
Beteiligung der Akteure vor
Ort sei aber unabdingbar
für eine gute Schule.
Sabine Smentek,
Bezirksstadträtin

Maja Lasic, diskutierte mit Bürgerinnen und Bürgern.

Wie können wir unsere
Schulen für alle Familien attraktiv machen? Und
wie bringen wir die jungen
Neu- und Alt-Berlinnerinnen möglichst schnell zu guten Schulabschlüssen und in
eine Ausbildung?
Die Gesprächsrunde mit
Dr. Maja Lasić befasste sich
vor allem mit der Segragation
an Schulen in Mitte: an noch

viel zu vielen Schulen bleiben
die Kinder aus sozial benachteiligten Familien „unter sich“.
Der Bezirk bemüht sich, dem
entgegen zu wirken durch die
großzügigen Sprengel und
die Stärkung der Profilschulen, die mit besonderen Angeboten um bildungsinteressierte Familien werben. Das
Gespräch ergab aber deutlich
– ohne verstärkter Investition

Fotos: Schulz/Schulze

in Personal und Beton bleibt
jeder Kampf gegen die Segregation Makulatur. Gerade in
schwierigen Kiezen brauchen
wir die besten Schulen unseres Bezirks – nur so werden
sie für alle Familien attraktiv.
In der Runde mit Ralf
Wieland, dem Präsidenten
des Berliner Abgeordnetenhauses, wurde vor allem über
die Bedeutung des Übergangs

Zuwanderung & Arbeitsmarkt Geflüchtete willkommen
Junge Menschen brauchen Angebote

Die Bezirksverwaltung muss internationaler werden

Viele Flüchtlinge verfügen
über große berufliche Erfahrungen. Die Diskutanten des Workshops waren
sich einig: auch informelle
Qualifikationen müssen
besser als bisher anerkannt
werden.
Eine modulare Nachqualifizierung muss ermöglicht
werden, wo nötig. Alle waren sich einig: ein inten-

Wie hat die kommunale Verwaltung auf die große Zuwanderung der letzten Jahre nach
Berlin zu reagieren und welche Hilfestellungen brauchen
Geflüchtete, um ihre Integration in unsere Gesellschaft
sowie den Bildungs- und
Arbeitsmarkt zu erleichtern,
waren Themen der Arbeitsgruppe „Geflüchtete“.
Die
Bezirksverwaltung
muss internationaler werden.
Dies bedeutet, dass neben
der Amtssprache Deutsch
in vielen Bereichen auch die
Verkehrssprache
Englisch
möglich sein muß. Die Verwaltung muß stärker interkulturelle Kompetenzen fördern
und mehr Mitarbeiter_innen
mit Mehrsprachigkeit und
ggf. Zuwanderungsgeschichte
einstellen und ausbilden.
In den letzten Monaten ist
das Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe überfordert worden. Der Staat muß in die

Thomas Isenberg in der
Diskussion. Fotos: Schulz/
Schulze

sives Training in solider
Deutsch-Sprachkenntnisse
ist die Grundvoraussetzung.
Die entsprechenden Kurse
sollten sich bereits konkret
auf das berufliche Vokabular der jeweiligen Flüchtlinge fokussieren, um somit
auch eine schnellere Integration in den Arbeitsmarkt
zu ermöglichen. Darüber
hinaus ist es dringend nötig, die Berufsberatung zu
intensivieren, um den neu
ankommenden Menschen
auch realistische Bilder ihrer biografischen Möglichkeiten hier am Arbeitsmarkt
und Karrieremuster zu vermitteln.
Arbeitgeber sollten zudem, gegebenenfalls mit
entsprechenden
Bundesund Landesprogrammen,

motiviert und unterstützt
werden, ihr Engagement
in der dualen Berufsausbildung in Hinblick auf die
Zielgruppe der Flüchtlinge
zu intensivieren.
Thomas Isenberg,
Abgeordneter und
Kandidat Wahlkreis 3

Gutes Wohnen in Mitte

Bezirksbürgermeister Christian Hanke. Foto: Schulz/Schulze

Lage versetzt werden, seine
Aufgaben selbst zu erfüllen,
denn die Zivilgesellschaft darf
staatliches Handeln nur sinnvoll ergänzen, nicht ersetzen.
Das ehrenamtliche Engagement soll vom Bezirk
mehr unterstützt werden. Die
Einrichtung einer hauptamt-

lichen
Koordinationsstelle
wird begrüßt, um engagierte
Bürger_innen in ihrer Arbeit
zu entlasten. Mitte sollte sein
Webportal für die Flüchtlingsarbeit ausbauen.
Christian Hanke, Bezirksbürgermeister von Mitte

Der Bedarf an Wohnungen steigt
Der Bedarf an Wohnungen
steigt in Mitte. Gerade günstige Wohnungen müssen in
den nächsten Jahren berlinweit in großem Umfang
entstehen und bestehender
Wohnraum muss bezahlbar
bleiben.
In der Gruppendiskussion zum guten Wohnen in
Mitte wurde vor allem über
zwei bezirkspolitische Mittel
gesprochen, dieses Ziel zu
erreichen. Um die Mietsteigerungen insbesondere in
Moabit und im Wedding zu
begrenzen, sollten Milieuschutzgebiete erlassen werden, um in bestimmten Kie-

Andreas Wiedermann, Kandidat für das Abgeordnetenhaus im Wahlkreis 4
Foto: Schulz/Schulze

zen Luxussanierungen und
die Umwandlung von Mietund Eigentumswohnungen
grundsätzlich zu untersagen. Dabei wurde von guten
Erfahrungen berichtet, die
mit diesem Instrument im
Stephankiez bis vor einigen
Jahren gemacht wurden.
Außerdem sollten bezirkliche Flächen, die für Wohnungsbau in Frage kommen,
ausschließlich an öffentliche
Wohnungsbaugesellschaften

übergeben werden. Sie dürfen auf keinen Fall privatisiert
und müssen vor Spekulation
geschützt werden.
Für beides setzt sich die
SPD Mitte bereits erfolgreich
ein. Noch dieses Jahr werden
Milieuschutzgebiete in Moabit und Wedding erlassen
werden. Die Diskussion mit
den BürgerInnen hat gezeigt,
dass dieser Weg richtig ist.
Die SPD wird ihn daher auch
in der kommenden Wahlperiode weiter gehen.
Andreas Wiedermann,
Kandidat für das Abgeordnetenhaus im Wahlkreis 4

IMPRESSUM
Herausgeber:
SPD Kreisverband Mitte
Müllerstraße 163
13353 Berlin
V.i.S.d.P.: Frank Boermann
Redaktion: Frank Boermann, Susanne Fischer,
Jenny-A. Schulz , Bettina
Schulze, Julian Zado
Satz: Nike Marquardt
Druck: Henke Pressedruck
GmbH & Co. KG
        
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