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Periodical volume

Full text: Berliner Stadtblatt Issue 2014, Dezember

MITTE

WEDDING HIPSTERFREI?

Eine Lesung mit Tobias Kunow zu seinem Roman „Hipsterfreie Zone – Keine Macht den Jutebeuteln!“ Seite 8

WISSENSWERTES

AU S

BERLIN

UND

DEM

BEZIRK

MITTE

·

AU S G A B E

DEZEMBER

2014

NEUES TEAM MÜLLER BRINGT FRISCHEN WIND Der neue Regierende Bürgermeister Michael Müller hat es geschafft, alle so genannten Experten in seiner Personalwahl zu überraschen. Zwei unerwartete, aber fachlich hoch versierte neue Senatoren hat er am Freitag, den 21. November vorgestellt. Neuer Finanzsenator wird Matthias Kollatz-Ahnen, ein Ökonom mit linkspolitischem Sachverstand und Expertise im Bankenwesen. Er bringt aus Südhessen berufliche Erfahrungen aus der Europäischen Investitionsbank und einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen mit. Dank Andreas Geisel wird ein erfahrener Bezirksbürgermeister mit besonderem Blick für die Belange der Kieze neuer Senator für Stadtentwicklung und Verkehr. Er möchte besonders die Sozialmieten senken und den Bau neuer Wohnungen beschleunigen; alles Themen, die für Mitte von Beachtung sind. Ebenfalls im SPDTeam von Müller bleiben die Bildungssenatorin Sandra Scheeres und Arbeitssenatorin Dilek Kolat. „Mit diesem Team ist der Senat bestens für die Herausforderungen unserer attraktiven, wachsenden Stadt aufgestellt. Es ist besonders erfreulich, dass wir nun einen Sozialdemokraten als Finanzsenator haben. Matthias Kollatz-Ahnen wird es verstehen, Finanzpolitik menschennah zu gestalten“, so Boris Velter, Kreisvorsitzender der SPD Mitte.

Der Nachfolger von Klaus Wowereit schaut mit Zuversicht auf die nächsten Aufgaben: Michael Müller, bisher Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, auf der Oberbaumbrücke. Foto: Chris Landmann

„Sicherheit im Wandel geben“
Michael Müller will Berlin „jeden Tag ein bisschen besser machen
Berlin bekommt mit Michael Müller einen neuen Regierenden Bürgermeister. Der Wechsel ist gut vorbereitet. Und für Berlins neues Regierungsteam mit Michael Müller an der Spitze gibt es nach der Wahl zum Regierenden Bürgermeister im Abgeordnetenhaus am 11. Dezember keine Schonfrist: Wichtige Beratungen zum L änderfinanzausgleich und zum BER stehen noch im Dezember an. Zugleich sollen die Alltagsprobleme in der Stadt stärker in den Blick kommen. Der Anspruch von Michael Müller: „Mir ist wichtig, mit den Berlinerinnen und Berlinern gemeinsam daran zu arbeiten, unsere Stadt jeden Tag ein bisschen besser zu machen.“ Der Rückenwind für Michael Müller ist dabei groß. Beim Mitgliedervotum der Berliner SPD erreichte er schon im ersten Wahlgang knapp 60 Prozent der Stimmen. Der SPD-Landesparteitag im November nominierte ihn einstimmig für die Nachfolge von Klaus Wowereit, der sein Amt nach mehr als dreizehn Jahren aufgibt. Und die Umfragen für seine Partei gingen nach der Nominierung deutlich nach oben. In den Jahren seit 2001 hat Berlin an internationalem Renommee gewonnen, ist als Ort für Kunst und Kultur ebenso attraktiv wie für Firmengründer. In der Amtszeit von Klaus Wowereit hat Berlin erstmals Schulden zurückgezahlt, konnte die Arbeitslosigkeit halbiert werden und zahlreiche neue Jobs wurden geschaffen. Klaus Wowereit müsse man „Dank und Respekt zollen für 13 Jahre guter Arbeit“, sagt Michael Müller im Interview mit dem Berliner Stadtblatt. Die „Marke“ Klaus Wowereit könne man nicht kopieren: „Ich muss und ich werde meinen eigenen Weg gehen.“ Sein Regierungsteam hat Müller mit der Vorstellung von Andreas Geisel (49) und Matthias Kollatz-Ahnen (57) vervollständigt. Der bisherige Lichtenberger Bürgermeister Geisel soll von Müller das Stadtentwicklungsressort übernehmen und will vor allem die Sozialmieten stabilisieren und mehr bezahlbaren Wohnraum in der Stadt schaffen. Matthias Kollatz-Ahnen, ehemaliger Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank, soll Finanzsenator Ulrich Nußbaum ablösen. Er steht vor der schwierigen Aufgabe, ohne neue Verschuldung für die wachsende Stadt mehr Gelder für Investitionen in Berlins Infrastruktur bereitzustellen – in Kitas, Schulen, Straßen und Brücken. Denn auch das gehört zu den erklärten Zielen des neuen Regierenden Bürgermeisters. Berlin wächst. Es wird deswegen auch künftig Veränderungen in der Stadt geben, stellt Müller fest. Sie sind notwendig, weil in Berlin mehr Arbeitsplätze und neue Wohnungen benötigt werden. Politik müsse aber für die notwendige „Sicherheit im Wandel“ sorgen. Dafür will er sich einsetzen, verspricht der neue „Regierende“. U. H. Lesen Sie das Interview mit Michael Müller auf Seite 3.

IN DIESER AUSGABE KLEINGARTENVEREIN STATT DAUERKOLONIE Kolonialvergangenheit wird aufgearbeitet

Seite 6
STOLPERSTEIN FÜR PAUL AHRENBERG In der Weddinger Bastianstr. 11 ein Stolperstein für Paul Arenberg verlegt.

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FLÜCHTLINGEN HELFEN Eva Högl (MdB) engagiert sich in der Flüchtlingspolitik

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ALLE JAHRE WIEDER Die zahlreichen Berliner Weihnachtsmärkte öffnen erneut ihre Tore

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„Grenzabteilungen“ gemeinsam an der Lichtgrenze
Die Abteilung Gesundbrunnen ließ zum Jubiläum des Mauerfalls gemeinsam mit der Pankower Nachbarabteilung Ballonbotschaften in den Himmel steigen. Am 9. November feierten mehr als eine Millionen Berliner und Besucher das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls mit der stadtweiten Aktion „Lichtgrenze“, bei der 6.800 leuchtende Ballons in den Stadthimmel aufstiegen. Mit dabei war auch die „Grenzabteilung“ Gesundbrunnen, die gemeinsam mit Ihrer Nachbarabteilung östlich der Bornholmer Brücke, der Abteilung Falkplatz-Arnimplatz, zehn Ballonpatenschaften übernommen hat. Neben den Abteilungsgenossen bestückten mit Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke und Janina Körper aus der Bezirksverordnetenversammlung auch „Politprominenz“ aus dem Bezirk Ballons mit persönlichen Botschaften. In gemütlicher Runde bei Glühwein und Sekt warteten die Paten auf dem Schwedter Steg auf den Startschuss zum Steigenlassen der Ballons. Dabei wurden viele Erinnerungen von jenseits der Mauer zwischen den ehemaligen Grenzabteilungen ausgetauscht. Auch zahlreiche Schaulustige interessierten sich für die Botschaften an den Ballons und für die Geschichten dahinter – eine schöne Gelegenheit ins Gespräch zu kommen. Nach dem Startschuss am Brandenburger Tor dauerte es noch lange bis die Kette am Schwedter Steg ankam. Den Paten an der Bornholmer Straße ging das anscheinend nicht schnell genug und so stiegen die Ballons nicht ,wie vom Veranstalter geplant, vom Zentrum nach Ost und West, sondern – eigentlich historisch korrekt – von der Bornholmer Straße aus in die Mitte Berlins. „Es war eine tolle friedliche Veranstaltung. Gerade das Zusammenkommen mit den Genossen aus dem Prenzlauer Berg hat uns erinnert, wie wichtig Freiheit ist und dass es sich lohnt dafür zu kämpfen. Ich bin stolz auf unser weltoffenes und buntes Berlin und wie wir in den vergangenen 25 Jahren zusammengewachsen sind.“, resümiert Kosmas Zittel, Vorsitzender der Abteilung Gesundbrunnen.
Auch Bezirksbürgermeister Christian Hanke bestückte einen Ballon mit einer persönlichen Botschaft

Kosmas Zittel

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MIT TE · TIERGARTEN · WEDDING

Berliner Stadtblatt

JUBILAREHRUNG DER SPD MITTE 2014 Traditionell ehrt die SPD ihre langjährigen Mitglieder im November und Dezember eines jeden Jahres. Im Bezirk Mitte werden alle Jubilare, die 10 oder 25 Jahre in der SPD sind in ihren Abteilungen (Ortsvereinen) gewürdigt. Darunter dieses Jahr viele Genossen, die in der Wendezeit in der ehemaligen DDR in die SDP eingetreten sind. Alle Jubilare, die 40, 50, 60 oder sogar 80 Jahre in der Partei sind, werden jedes Jahr von der SPD Mitte zu ihrer kreisweiten Jubilarehrung eingeladen, die dieses Jahr am 7. November im Erika-Heß-Saal des Kurt-Schumacher-Hauses in der Weddinger Müllerstraße stattfand. Ehrengast war auch dieses Jahr wieder der Landesvorsitzende Jan Stöß, der den Jubilaren geübt ihre Ehrennadeln und -broschen ansteckte. Begrüßt wurden die Gäste vom Kreisvorsitzenden der SPD Mitte, Boris Velter, der zusammen mit den Mitgliedern des geschäftsführenden Krieisvorstandes durch die Veranstaltung führte. Vorgestellt wurden die Jubilare von ihren Abteilungsvorsitzenden, die nicht nur das Parteileben und die Verdienste in den Mittelpunkt stellten, sondern auch persönliche Anekdoten zu ihren GenossInnen erzählten. Nach der Ehrung gab es dann noch Gelegenheit für alle Anwesenden, gemütlich beisammen zu sitzen. Ein besonderer Höhepunkt war die Ehrung von Heinz Craatz, der 80 Jahre der SPD die Treue hält und in seinem langen Leben viele Umbrüche in Deutschland und seiner Partei erlebt hat. Auch nach den Feierlichkeiten hörte sein Enagement nicht auf und so nahm er am nächsten Morgen bereits wieder am Landesparteitag der SPD teil. Geehrt wurden auch altgedienten Genossen, darunter der ehemalige Weddinger Bezirksbürgermeister und Bundestagsabgeordnete Jörg-Otto Spiller und die vielen Helferinnen und Helfer, ohne die das Parteileben der SPD nicht denkbar und möglich wäre. Darunter Renate Gebler, Helga Bröcker und Edith Strahl, um nur ein paar zu nennen. Etwas Neues war die Teilnahme von Martin Nissen, der via Skype aus seinem Dienstsitz in Brasilia an der Ehrung teilnahm und selbst für 40 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet wurde. Susanne Fischer

Kleingartenverein statt Dauerkolonie
Kolonialvergangenheit wird aufgearbeitet
Wem ist es schon aufgefallen? Jahrzehntelang ging man die Müllerstraße auf Höhe des U-Bahn-Eingangs Rehberge entlang und sah das Schild des Kleingartenvereins „Dauerkolonie Togo“. Vor kurzem wurde das neue Schild feierlich enthüllt. Nun steht endlich der richtige Vereinsname auf dem Schild. Das neue Schild wurde von der Weddinger Abgeordneten Bruni Wildenhein-Lauterbach und dem Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke zusammen mit dem Vorsitzenden des Kleingartenvereins Hans-Jörg Jessel feierlich enthüllt. Wie kam es eigentlich zu dem falschen Namen? Viele Jahre hinweg nannte sich der Kleingartenverein „Dauerkolonie“. Dass sich ein Kleingartenverein “Kolonie” nannte, war nichts ungewöhnliches. Schließlich steht der Begriff dafür, bisher ungenutztes Land urbar zu machen. Viele Kleingartenvereine heißen “Kolonie”. Bei dem KleinMitte gespendet. „Mit der Spende eines Schildes wollen wir die Bemühungen im Viertel und auch im Kleingartenverein unterstützen, die Kolonialgeschichte des Deutschen Reiches aufzuarbeiten“, erklärt Martina Matischok, SPD-Fraktionsvorsitzende in der BVV. Bruni Wildenhein-Lauterbach ergänzte:„Wir diskutieren ja schon mehrere Jahre in der BVV, mit Anwohnerinnen und Anwohnern sowie mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern über den Umgang mit Geschichte, speziell in diesem stark belasteten Fall.“ Die Bundestagsabgeordnete Eva Högl freute sich: „Hiermit konnten wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Das Afrikanische Viertel ist um ein unsägliches Zeichen des Postkolonialismus ärmer und der Dauerkleingartenverein Togo zu der Feier seines 75. Bestehens um Schilder mit seinem korrekten Namen reicher.“ Julian Zado

Die Schilder wurden ausgetauscht.

gartenverein Togo liegt die Sache allerdings ein wenig anders. Der Verein wurde 1939 gegründet. “Die Nazis nutzen den Namen bewusst auch zur Verherrlichung der deutschen Verbrechen durch den Kolonialismus”, erklärte Bezirksbürgermeister Hanke. Es sollte der Anspruch symbolisiert

werden, Kolonien auf der ganzen Welt zu besitzen. Nach einer langen Diskussion über diesen Namen, entschied sich der Kleingartenverein dazu, den Namen „Dauerkolonie“ nicht mehr zu nutzen und nennt sich nun „Kleingartenverein“. Leider stand jedoch auf den vier alten

Schildern an den Eingängen auf jeder Seite der Anlage noch der alte Name. Die vier neuen Schilder wurden nun von der Bundestagsabgeordneten Eva Högl, dem Weddinger Abgeordneten Bruni Wildenhein-Lauterbach, dem Bezirksbürgermeister Christian Hanke und der SPD-Fraktion

Eine nachhaltige Zukunft für das Kulturforum!
Es war der Durchbruch nach einer langen Debatte um das Kulturforum, als die Kulturstaatsministerin Monika Grütters verkündete, dass der Bund ein neues Museum der Moderne neben der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe an der Potsdamer Straße finanzieren möchte. Alle Beteiligten waren überrascht und erfreut, eine Begeisterung, die noch viele Tage deutlich zu spüren war. Auch Stadtentwicklungssenator Michael Müller, unser zukünftiger Regierender Bürgermeister, zeigte laut Frau Grütters für diese neue Lösung Entgegenkommen und Sympathie. Denn weder die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses von 1999 und 2002, das Kulturforum „auf der Grundlage der städtebaulichen Planung von Hans Scharoun“ zu vollenden, noch der vom Abgeordnetenhaus 2005 beschlossene Masterplan brachten umsetzbare Planungsvorgaben für die unwirtliche Situation am Kulturforum. Die Lage ist durch die bisher fehlende Erweiterung prekär, denn von den Schätzen der Moderne der Nationalgalerie kann nur ein Viertel gezeigt werden. Bedeutende Sammler drohten sogar, ihre unschätzbaren Werke nicht Berlin, sondern anderen Städte zu vermachen. Schon 2013 gab es zwei große Podiumsdiskussionen in der Akademie am Pariser Platz zum Thema Kulturforum in Tiergarten-Süd. Am Ende wurde vom Publikum und Podium vehement eine Positionierung der Politik gefordert, die nun in seltener Klarheit erfolgte. Um eine ganzheitliche Planung des Kulturforums zu sichern, empfiehlt die SPD Berlin Mitte als einen der nächsten Schritte, einen internationaler Städtebau- und Architekturwettbewerb einzuberufen. Heiner Wörmann

BÜRGERSPRECHSTUNDEN UNSERER ABGEORDNETEN Eine Möglichkeit, wie Sie in Kontakt zu Ihren Abgeordneten treten können, sind deren Sprechstunden. Direkter geht es nicht! Vor Ort in ihren Sprechstunden nehmen sich die Abgeordneten aus Mitte gerne Ihren Fragen oder Ihrer Probleme an. ILKIN ÖZISIK: Mittwoch, 10. Dezember 18:00 bis 19:00 Uhr. Ort: Bürgerbüro. Arminiusstr. 2–4, 10551 Berlin. THOMAS ISENBERG: Freitag, 19. Dezember, 16:30 bis 18:00. Ort: Wahlkreisbüro von Thomas Isenberg, Arminiusstr. 2–4, 10551 Berlin (Arminius-Markthalle); Anmeldung bitte an: mail@thomas-isenberg.de BRUNI WILDENHEIN-LAUTERBACH: Donnerstag, 8. Januar 2015, 16:00 bis 17:00 Uhr. Ort: AWO, Hochstädter Str. 1, 13347 Berlin RALF WIELAND: Donnerstag, 8. Januar, 14:00 bis 15:00 Uhr und nach Vereinbarung. Ort: Bürgerbüro am Gesundbrunnen, Bellermannstr. 19 a, 13357 Berlin, Tel.: 030 643123 20, E-Mail: buero@ralf-wieland.de
Interessiert an Bezirkspolitik? Die Ausschüsse und die Sitzungen der Bezirksverordnetenversammlung Mitte tagen i. d. R. öffentlich. Der nächste Termin der Bezirksverordnetenversammlung ist der 18. Dezember 2014. Die Sitzung beginnt um 17.30 Uhr. Ort: Rathaus Mitte, Karl-Marx-Allee 31

Stolperstein für Paul Arenberg
Der Berliner Stenograf wurde 1943 in Auschwitz ermordet
Am 22. November wurde in der Weddinger Bastianstr. 11 ein Stolperstein für Paul Arenberg verlegt. An der Gedenkstunde anlässlich der Verlegung nahmen u.a. der Weddinger Abgeordnete und Parlamentspräsident Ralf Wieland sowie Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke teil. Paul Arenberg wurde von den Nazis Anfang März 1943 nach Auschwitz deportiert. Wenige Tage nach seiner Ankunft im Konzentrationslager wurde er ermordet. Zum Verhängnis wurde Paul Arenberg einzig der Umstand, dass er Jude war. Da zählte es auch nicht, dass er 1906 aus der Jüdischen Gemeinde Berlins ausgetreten war. Bis 1933 war Paul Arenberg Stenograf im Preußischen Landtag. „Steine sprechen nicht“, so Ralf Wieland in seinem Grußwort anlässlich der Stolperstein-Verlegung, „und so können uns die Steine dieses Wohnhauses nicht berichten, wie die Eheleute privat ihr Schicksal aufnahmen. Stolpersteine zur Erinnerung sprechen sehr wohl. Sie zeigen uns und den nachund ermordet wurden. Sie sagen uns: das darf nie wieder geschehen. Jeder Mensch hat das Recht, sein Leben frei zu leben.“ Der Stolperstein für Paul Arenberg wurde auf Initiative und mit finanzieller Unterstützung durch den Verband der Parlaments- und Verhandlungsstenografen e. V. sowie der Stolperstein-Initiative Mitte ermöglicht. Weltweit sind inzwischen etwa 45.000 Steine verlegt, in Berlin Mitte liegen mit rund 900 Steinen über die Hälfte aller in Berlin verlegten Stolpersteine.

Zahlreiche interessierte Bürger nahmen teil an der Verlegung des Stolpersteins für den Berliner Stenografen.

folgenden Generationen, dass hier Menschen wohnten, deren Leben zerstört

wurde, weil sie aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Herkunft verfolgt, gedemütigt

Berliner Stadtblatt

THEMA

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„Berlin ernsthaft und bürgernah regieren“
Michael Müller im Stadtblatt-Interview über seinen Regierungsstil und die wichtigsten Ziele für die Stadt
Herr Müller, mehr als 13 Jahre lang hat Klaus Wowereit das Amt des Regierenden Bürgermeisters und die Stadt geprägt. Ist es schwer, ein solches Amt jetzt zu übernehmen? Erst einmal muss man Klaus Wowereit Dank und Respekt zollen für 13 Jahre guter Arbeit. Das spannende Berlin zieht jährlich viele Millionen Touristen an. Die Stadt wächst, weil sie so attraktiv ist und wir haben die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren halbieren können. Das und vieles mehr ist das Verdienst von Klaus Wowereit und der Berliner SPD. Ich freue mich, dass ich daran in den letzten 13 Jahren auch meinen Anteil hatte. Aber man kann die „Marke“ Klaus Wowereit nicht kopieren. Ich muss und ich werde meinen eigenen Weg gehen. Dabei ist es mir wichtig, mit den Berlinerinnen und Berlinern gemeinsam daran zu arbeiten, unsere Stadt jeden Tag ein bisschen besser zu machen. Wird es so etwas wie einen erkennbaren Müllerschen Regierungsstil geben? Ich will Berlin ernsthaft und bürgernah regieren. Es ist mir wichtig zu wissen, wo die Menschen „der Schuh drückt“ und ich möchte durch meine tägliche Arbeit dazu beitragen, diese Probleme zu beseitigen. Für ernähren können. In vielen Branchen wurden viele Arbeitsplätze geschaffen. Um mehr gute Arbeit zu schaffen, müssen wir Berlin aber weiter re-industrialisieren. Neue, nachhaltige Industrien müssen für den Fortschritt forschen, entwickeln, für die ganze Welt Produkte „Made in Berlin“ produzieren und vor allem gute Arbeit schaffen. CHANCEN NUTZEN Großprojekten – und dazu gehört auch eine Bewerbung um die Olympischen Spiele – schlägt nicht nur in Berlin viel Misstrauen entgegen. Warum setzen Sie und die SPD sich dennoch für eine Olympia-Bewerbung ein? Ich halte Olympia für eine große Chance für die Stadt. In Berlin sind fast eine halbe Million Menschen in Sportvereinen organisiert, da lebt der olympische Gedanke. Eine erfolgreiche Bewerbung wird es aber nur mit der breiten Unterstützung der Bevölkerung geben. Ich will gemeinsam mit den Berlinerinnen und Berlinern einen breiten Stadtdialog führen, in dem wir gemeinsam erarbeiten, was wir von einer Olympiabewerbung erwarten. Es muss ganz klar sein, dass Berlin auch dauerhaft von den Olympischen Spielen profitiert.

„Es ist mir wichtig zu wissen, wo die Menschen der Schuh drückt“, sagt Michael Müller im Stadtblatt-Interview

Foto: Marco Urban

mich ist als Sozialdemokrat am wichtigsten, ein Berlin zu schaffen, in dem es gerecht zugeht und alle ihre Chance bekommen. Berlin muss Berlin bleiben: frei, bezahlbar, spannend. Als Senator für Stadtentwicklung und Umwelt haben Sie einen Schwerpunkt in der Wohnungspolitik gesetzt. Wie geht es weiter: Bleibt Berlin auch künftig eine „Mieterstadt“? Ein klares Ja. Wir haben schon viel in der Mieten-

und Wohnungsbaupolitik erreicht, damit Berlin Mieterstadt bleibt. Unsere landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften werden dabei weiterhin mit Mietenbündnis und Neubau eine wichtige Rolle übernehmen. Wir werden den kommunalen Wohnungsbestand spätestens 2016 auf 300.000 Wohnungen erhöht haben. Uns fehlt aber noch das Umwandlungsverbot von Mietin Eigentumswohnungen. Darüber werde ich mit der CDU reden.

Wer derzeit ein Bürgeramt aufsucht, muss sich auf längere Wartezeiten einrichten. Stimmt die Personalplanung im Öffentlichen Dienst noch? Für die wachsende Stadt brauchen wir auch mehr Personal. Das ist mittlerweile unumstritten. Wir müssen zuerst dort handeln, wo die Menschen schnell Verbesserungen brauchen wie in den Bürgerämtern und Elterngeldstellen. Und wir müssen konsequent unseren Nachwuchs ausbilden

und die jungen Menschen dann auch dauerhaft in der Berliner Verwaltung beschäftigen. Welche Bedeutung werden Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik haben? Ich sage das hier ganz deutlich. Ich werde mich nicht mit fast 200.000 Arbeitslosen abfinden. Für mich ist Vollbeschäftigung, wie es sie in anderen Regionen gibt, das Ziel - mit Arbeit, von der die Menschen leben und ihre Familien

„Berlin muss Berlin bleiben: frei, bezahlbar, spannend“
Michael Müller – Teamchef mit Bodenhaftung. Ein Porträt
Der Aufstieg ist geschafft: Berlin ist zum Ende der Ära Wowereit in der Champions League der Metropolen angekommen, spielt auf Augenhöhe mit New York, Paris, London oder Barcelona. Doch so schwer wie der Weg nach oben wird auch der Kampf um den Klassenerhalt sein, um im fußballerischen Bild zu bleiben. Der neue Teamchef Michael Müller ist für diese Aufgabe gut gerüstet. Und er will dabei seine eigenen Akzente setzen. Als zuverlässiger Arbeiter ist er in seiner Partei, aber auch bei den politischen Mitbewerbern im Abgeordnetenhaus geschätzt. Wichtige politische Erfahrungen hat der künftige Regierende Bürgermeister an der Seite von Klaus Wowereit gesammelt, dessen engster politischer Weggefährte der selbständige Drucker seit Jahrzehnten ist. Zehn Jahre lang hat er die SPD-Fraktion geführt, von 2004 bis 2012 als Landesvorsitzender auch die Partei. Und als gebürtiger Berliner weiß er überdies, wie die Berliner ticken.
Zur Politik gehört für den neuen Regierenden Bürgermeister Michael Müller auch die Fähigkeit, zuhören zu können. Foto: Marco Urban

An Ermunterungen für Michael Müller hat es nicht gefehlt. „Du packst das schon“, zeigte sich stellvertretend für viele Walter Momper, der Regierende Bürgermeister in der Zeit des Mauerfalls, überzeugt. Dass es ihm an Wowereits Glamour fehlt, trägt der verheiratete Vater zweier Kinder mit Gelassenheit und Humor: „Ich sehe aus wie ich aussehe.“ Daran werde sich in nächster Zeit auch nichts ändern. Beim Glamourfaktor sei noch „Luft nach oben“. Dafür kann ihm

in Punkto Bodenhaftung keiner etwas vormachen. VOLLBESCHÄFTIGUNG UND BEZAHLBARE MIETEN Stolz verweist Müller auf die Halbierung der Arbeitslosigkeit seit 2005 und nennt den fast vergessenen Begriff „Vollbeschäftigung“ als zentrales Ziel seines Handelns. „Berlin muss eine Stadt der Arbeit werden.“ Ein weiterer Punkt auf Müllers Agenda sind solide Finanzen. Denn Berlin ist zwar sexy und nicht mehr arm, aber

zu den Reichen zählt die Stadt noch lange nicht. Eine Stärke der Stadt, so Müller, seien bezahlbare Mieten. Bisher konnten in Berlin größere Verdrängungen von Städtern wie in Paris oder London mit ihren horrenden Mieten verhindert werden. Doch Müller weiß auch, dass als Kehrseite des Aufstiegs der Druck auf den Wohnungsmarkt zugenommen hat. Viele Menschen sorgen sich darum, sich ihre vier Wände nicht mehr leisten zu können. Für den Bause-

nator Müller gibt es auf diese Befürchtungen nur eine Reaktion: bauen, bauen, bauen. „Denn Wohnen ist keine Ware.“ Müller, der das größte Senatsressort leitet, verweist auf 20.000 Baugenehmigungen, die dieses Jahr erteilt werden - doppelt so viele wie 2013. Der künftige Regierungschef, der zwei Tage vor seiner Wahl im Abgeordnetenhaus 50 Jahre wird, hätte gerne noch ein paar weitere Genehmigungen über seinen Schreibtisch gehen lassen. Doch da haben ihm die Wähler im Frühsommer einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Sie lehnten die von Müller befürwortete Teilbebauung des früheren Zentralflughafens ab. Eine Enttäuschung für den Mann, der seit 1981 Mitglied der Partei August Bebels, Ernst Reuters und Willy Brandts ist. Die Antwort von Michael Müller lautete: zuhören, neue Lösungen suchen, den Dialog in der Stadt verstärken. MÜLLER KOMMT AN „Ich bin mit mir selbst im Reinen“, sagt Müller. Beim

Mitgliedervotum setzte er sich schon im ersten Wahlgang klar gegen seine zwei Mitbewerber durch. Und auch die Wählerinnen und Wähler haben das Votum der Berliner Sozialdemokraten für Müller gutgeheißen. Unmittelbar nach der Abstimmung zog die SPD in den Umfragen mit der lange führenden CDU gleich und überholte sie sogar. Das sind gute Voraussetzungen für die Abgeordnetenhauswahl 2016. Dem Koalitionspartner CDU stehen anstrengende Zeiten bevor. Denn es geht um mehr soziale Sicherheit in der Stadt. Und Müllers Forderung ist klar: „Die CDU muss sich bewegen.“ Sehnsuchtsort – so das Credo des künftigen Regierenden – könne Berlin nur bleiben, wenn es sich anders als andere Metropolen entwickele. „Berlin muss Berlin bleiben, frei, bezahlbar und spannend“, gibt der Tempelhofer die Richtung vor. Nur so könne die Millionenmetropole das Versprechen erfüllen, Heimat für alle zu sein – für die Alteingesessenen ebenso wie für die Neuen. Volker Warkentin

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BERLIN

Berliner Stadtblatt

MELDUNGEN NEUES NETZPORTAL FÜR JUGENDLICHE Noch in diesem Monat geht ein neues Internetportal online, das den Stimmen der Kinder und Jugendlichen Berlins mehr Gewicht im politischen Geschehen verschaffen soll. Für Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist der Ausbau der Beteiligungsmöglichkeiten ein wichtiger Schwerpunkt: „Kinder und Jugendliche sind schließlich genauso Bürgerinnen und Bürger wie die Erwachsenen.“ Das geplante Portal ist eine Weiterentwicklung des von den jugendlichen Nutzerinnen und Nutzern gut angenommenen jugendnetz-berlin.de. Eine Redaktion von jungen Menschen soll unter Anleitung von erwachsenen Journalistinnen und Journalisten sowie mit medienpädagogischerBetreuung jugendrelevante Themen aufbereiten. BUNDESTAG MIT NEUEM ZUGANG Kein Parlament in Europa hat so viele Besucherinnen und Besucher wie der Deutsche Bundestag im Reichstagsgebäude. Derzeit ist der Zugang für die Gäste nur über das nach den Terrorwarnungen vor drei Jahren provisorisch errichtete Besucherempfangszentrum an der Westseite des Reichstagsgebäudes möglich. Künftig sollen die Besucherinnen und Besucher in einem ca. 6.000 Quadratmeter großen Besucher- und Informationszentrum auf der anderen Straßenseite bereits erste Informationen erhalten und hier auch das Sicherheitsprozedere durchlaufen. STEUEREINNAHMEN IN BERLIN STABIL Die aktuelle Steuerschätzung hat für das Land Berlin die bisherigen Prognosen zu den Steuereinnahmen weitgehend bestätigt. Für 2014 werden Einnahmen in Höhe von 17,2 Mrd. Euro erwartet; für 2015 liegen die vorausgeschätzten Einnahmen bei 17,7 Mrd. Euro. Ursachen für das stabile Steueraufkommen im Land Berlin sind zum einen das anhaltende Bevölkerungswachstum der Stadt und zum anderen die weiterhin überdurchschnittliche Entwicklung der eigenen Wirtschafts- und Steuerkraft Berlins. Diese Faktoren gleichen die bundesweit zu verzeichnende konjunkturelle Eintrübung teilweise aus.

Berlin hat mehr Arbeit
Arbeitssenatorin: Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit wird verstärkt
Die gute wirtschaftliche Entwicklung Berlins kommt am Arbeitsmarkt an. „Wir haben jetzt zum vierten Mal die wichtige Marke von 200.000 Arbeitslosen unterschritten – und die Marke von 10 Prozent bei der Jugendarbeitslosigkeit erreicht. Das sind zwei der zentralen Ziele der Berliner Arbeitsmarktstrategie BerlinArbeit, sagt Berlins Arbeits- und Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD). Die monatlichen Statistiken der Arbeitsagentur zeigen deutlich den positiven Trend. „Die Berliner Arbeitsmarktpolitik der letzten Jahre wirkt“, so die Arbeitssenatorin. Inzwischen wurde der niedrigste Stand seit 1991 erreicht. Die wichtigste Herausforderung auf dem Berliner Arbeitsmarkt bleibt für sie aber das Engagement gegen Jugendarbeitsgibt es dann Berufsberatung, Vermittlung in Ausbildung und Arbeit sowie Leistungen der Jugendhilfe. Für Jugendliche ein Weg zu schneller und effektiver Hilfe. „Ich möchte, dass alle Jugendlichen in Berlin ein passendes Angebot für eine Ausbildung erhalten“, so die Arbeitssenatorin. „Dafür brauchen wir mehr betriebliche Ausbildungsplätze, die seit 2005 in Berlin stark rückläufig sind. Die Arbeitgeber sollten wissen: Wer heute nicht ausbildet, hat morgen keine Fachkräfte!“ Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Startschwierigkeiten müssen die Betriebe eine zweite und dritte Chance geben, fordert die Senatorin. „Der Senat macht seine Hausaufgaben – die Unternehmen müssen ihre jetzt auch erledigen!“ SB

Arbeitssenatorin Dilek Kolat bei der Fachgemeinschaft Bau: Gute Ausbildung ist eine Grundlage für sichere Arbeitsplätze Foto: Sen AIF

losigkeit. Noch vor drei Jahren, im Oktober 2011, lag die Quote bei 13,1 Prozent. Dennoch geht ihr die Entwicklung nicht schnell genug. „Ich fordere die Unter-

nehmen deshalb erneut auf, mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Auch inklusive der offenen Ausbildungsplätze hat Berlin eine sehr geringe Ausbil-

dungsquote“, so Dilek Kolat. Um die Jugendarbeitslosigkeit weiter abzubauen, startet im nächsten Jahr die Jugendberufsagentur für Berlin. Unter einem Dach

Das Recht auf Leben
Flüchtlinge: Was zählt, sind Solidarität und Menschlichkeit
Es ist ein Menschenrecht: das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Flucht ist immer Ausdruck von Not. Niemand verlässt seine Heimat aus freien Stücken. Auch in Berlin finden Flüchtlinge eine neue vorübergehende Heimat. Die Konflikte in der Welt haben zugenommen. Kamen im Jahr 2012 rund 3000 Flüchtende in die Hauptstadt, waren es in diesem Jahr über 12.000 Menschen. Die Anzahl der Flüchtlinge, die ein Bundesland aufzunehmen hat, bemisst sich an der Bevölkerungszahl. Dass heißt auch: Kein Land muss mehr aufnehmen als es verkraftet. Deutschland nimmt, gemessen an der Einwohnerzahl und im Vergleich zu anderen europäischen Staaten, auch nicht die meisten Menschen in Not auf. Es sind Länder wie Italien, Griechenland und Spanien, die die Hauptlast tragen. Aber auch nach Berlin sind seit den 90er Jahren nicht mehr so viele Menschen ohne Hab und Gut gekommen. Das stellt alle Bezirke vor Herausforderungen, aktuell besonders Marzahn-Hellersdorf, TreptowKöpenick, Lichtenberg, Steglitz-Zehlendorf und Pankow. Dort entstehen neue Unterkünfte. Im Bezirk Mitte, in der Nähe des Landesamts für Gesundheit und Soziales, wurde bereits eine Traglufthalle errichtet. Hier können die gestrandeten und erschöpften Menschen die ersten Tage unterkommen, bis sie auf andere Standorte verteilt werden. Sie brauchen vor allem Ruhe und Unterstützung. Viele sind traumatisiert durch Krieg und Vertreibung. Vielerorts haben sich Bürgerinitiativen gegründet. Sie sammeln Spenden, begleiten die Menschen durch ihren Alltag an einem fremden Ort, organisieren Begegnungen. Dieses Zusammenkommen ist wichtig. Nur so können Ängste und Vorurteile abgebaut werden. Dass die Sorgen der Anwohner ernst genommen werden, machen Politik und Verwaltung deutlich. Jan Stöß, Landesvorsitzender der Berliner SPD: „Was jetzt zählt sind Solidarität und Menschlichkeit. Zugleich nehmen wir die Ängste und Befürchtungen von Anwohnern der Flüchtlingsunterkünfte ernst und werden alle Bemühungen anstellen, um vor Ort zu informieren und Ängste abzubauen.“ Die SPD hat ein Aktionsprogramm für die besonders betroffene Kommunen vorlegt. Mit bis zu einer Milliarde Euro sollen sie bei der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge unterstützt werden. Die Bundesregierung hat bereits eine größere finanzielle Unterstützung zugesagt. JoS

HILFE FÜR FLÜCHTLINGE

Die AWO Mitte betreibt Erstaufnahmeeinrichtungen und Wohnheime (www.awo-mitte.de). Spenden können auch gezielt für Spielsachen oder Lehrbücher überwiesen werden. AWO Mitte, Bank für Sozialwirtschaft, Konto 1237305, BLZ 100 205 00, Betr.: Flüchtlingshilfe Die Beratungsstelle XENION (www.xenion. org) hilft Kindern und Jugendlichen, die allein nach Berlin kommen. Ehrenamtliche Hilfe oder Spenden sind gefragt! Bank für Sozialwirtschaft, Konto 3052403, BLZ 100 205 00

Spiele ohne Gigantismus
Diskussion über Olympiabewerbung Berlins ist angelaufen
Die Unterstützung für eine Olympiabewerbung Berlins wächst. Talkmaster Günter Jauch, Schauspieler Dieter Hallervorden oder Starkoch Tim Raue setzen sich für die Stadt ein. Berlin will mit seiner Bewerbung weg vom bisherigen Gigantismus sportlicher Großereignisse. Investiert werden soll in Sportanlagen, die Berlin ohnehin braucht. Und die Bewerbung soll durch einen gemeinsamen Diskussionsprozess in der Stadt entstehen. „Vor Abgabe der Bewerbung muss eine Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner dieses Konzept unterstützen“, heißt es in einem Beschluss, den die Berliner SPD auf ihrem Parteitag im November gefasst hat. „Dazu wird die Möglichkeit einer für Senat und Abgeordnetenhaus verbindlichen Abstimmung geschaffen.“ Im Berliner Abgeordnetenhaus haben sich SPD, CDU und Piraten auf eine gemeinsame Linie geeinigt. Ein Sonderausschuss soll die Bewerbung und die Bürgerbeteiligung begleiten. Die Voraussetzungen in der Stadt sind gut. Berlin verfügt bereits über entsprechende Hotelkapazitäten, einen ausgebauten öffentlichen Nahverkehr und zahlreiche Sportstätten, in die angesichts des Wachstums der Stadt ohnehin Investitionen notwendig werden. Im Internet sind die bisherigen Ideen auf Zustimmung gestoßen. „Spiele, die zu Berlin passen und auf Nachhaltigkeit setzen, wergramm für rund 200 Schulsporthallen. Zwei Drittel sehen im Flughafen Tegel einen geeigneten Standort für ein Olympisches und Paralympisches Dorf, das anschließend als Wohnquartier genutzt werden kann. Weitere Ideen sind gefragt und können in den kommenden Wochen und Monaten eingebracht werden. Am 21. März will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) festlegen, ob Hamburg oder Berlin die deutsche Bewerber-Stadt wird, danach soll dort eine Bürgerbefragung stattfinden. Gibt es in der ausgewählten Stadt keine Mehrheit, wird sich Deutschland nicht bewerben. U.H. Zur Online-Beteiligung: www.berlin.de/spiele-in-berlin

In Berlin stehen - wie hier am Olympiastadion - viele Flächen für den Sport zur Verfügung. Foto: Horb

den als Bereicherung für die Stadt wahrgenommen“, fasst Senatssprecher Richard Meng die ersten Erkenntnisse zusammen. 74 Prozent, so Meng, begrüßen die

Idee, im Vorfeld von Olympischen und Paralympischen Spielen ein großes internationales Jugendsportfest zu veranstalten – kombiniert mit einem Sanierungspro-

Berliner Stadtblatt

BERLINER LEBEN

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„Oder-Leopard“ mit Gemüse
Der Winter ist im Oderbruch traditionell Quappen-Saison. Man muss nur wissen wo
Einst gab es den Fisch im Überfluss, so dass man ihn trocknete, um Kienspäne zum Anzünden der Öllämpchen daraus zu machen. Die Rede ist von der Quappe, die typisch für das Oderbruch ist, sich heute aber rar macht und als Feinschmecker-Rarität gilt. Ein Landausflug zur Winterzeit gefällig? Kenner gehen auf die Suche nach Gaststätten, die den Raubfisch, im Volksmund Oder-Leopard genannt, auf der Karte stehen haben. Die aber sind gar nicht so leicht zu finden. Denn die Quappe, eine Dorschart, ist ein Wanderfisch. Im Spätherbst kommt sie von der Ostsee die Oder hinauf, um hier zu laichen. Die Saison beginnt Mitte Dezember und endet Anfang März. Ob es genügend Fang gibt, hängt davon ab, wann die Oder vereist. Wenn die Eisschollen die Fangnetze zerstören, wird es schwierig. Dann bleiben nur ein paar Angler. Da helfen dann Polen aus dem Warthebruch aus. Es hat sich herumgesprochen: Das Leit-Restaurant in Sache Quappen ist „Schechert`s Hof “ in Marxdorf nicht weit von der B1 zwischen Müncheberg und

WOHIN, WENN WEIHNACHTEN NAHT?
Es gibt sie auch dieses Jahr, die großen, eher kommerziell betriebenen Weihnachtsmärkte: Gendarmenmarkt, Alexanderplatz, Breitscheidplatz, Schloss Charlottenburg und andere. Und dann die kleinen, handwerklich geprägten Weihnachtsmärkte. Viele Besucher zieht es am 3. und 4. Advent zur Domäne Dahlem (Königin-Luise-Straße 49), die ein breites Angebot von Kunsthandwerklichem und Genussvollem bietet und zudem ein Paradies für Kinder ist. Sie können Tiere streicheln und Kutschfahrten machen oder reiten. Der Advents-Ökomarkt am Kollwitzplatz, veranstaltet von der GRÜNEN LIGA Berlin, ist an den Adventssonntagen von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Von der Tanne bis zum Baumschmuck, von Spielzeug bis Wein und Honig bieten Ökomarkthändler und Kunsthandwerker ihre vielfältigen Produkte aus ökologischem Anbau und fairem Handel.

Einer der wenigen Quappenfischer mit einem Prachtexemplar. Name und Ort des Betriebes müssen wir geheim halten. Foto: Wolfgang Schalow

Seelow. Fischkenner Wolfgang Schalow, der nach der Wende von Wilmersdorf auf den Hof der Familie zurückkehrte, hat vor acht Jahren als erster die Quappe wiederentdeckt. Seine Lieferanten hält er geheim, und die halten ihm dafür die Treue. Die Nachfrage ist so groß, dass man auf jeden Fall vorher anrufen sollte. Das gilt auch für die wenigen anderen Gasthöfe, die mittlerweile die Quappe auf der Karte stehen haben.

Wolfgang Schalow versteht es, den Fisch mit seinem festen Fleisch auf den Punkt zu garen. Er reicht Gemüse dazu. Andere bieten nach alter Oderbruch-Tradition „Fliedermus“ aus Holunderbeeren als Beigabe. Wer die Quappensaison verpasst, ist bei Schalow auch so gut aufgehoben: Dann gibt es Stör aus der Lausitz. In ein paar Jahren wird er auch in der Oder wieder heimisch sein. Ulrich Rosenbaum

Die Quappen-Gasthöfe: Schechert’s Hof, Marxdorf, Tel. (033470) 4950 Anglerheim, Lebus, Tel. (033604) 5691 Landfrauencafé, Groß-Neuendorf, Tel. (033478) 37077 Zur Alten Bäckerei, Altreetz, Tel. (033457) 469855 Zur Oderbrücke, Altglietzen, Tel. (033369) 525 Zum Alten Fritz, Altlewin, (033452) 4180

Die „Nordische Märchenweihnacht“ auf dem Gutshof Schloss Britz: Neben dem skandinavisch geprägten Weihnachtsmarkt gibt es Märchenspiele, Musik, Akrobatik und Fahrten mit Schlittenhunden. Geöffnet ist am 3. und 4. Adventswochenende, freitags von 14.00 Uhr bis 21.00 Uhr, samstags und sonntags von 11.00 Uhr bis 21.00 Uhr. Den nordischen Ländern gewidmet ist auch der LuciaWeihnachtsmarkt in der Kulturbrauerei Prenzlauer Berg. Er ist bis zum 22. Dezember täglich geöffnet. Lucia, die Lichtbringerin, wird in Schweden verehrt, sie lässt Träume wachsen, weckt Sehnsüchte, schenkt Hoffnung und gibt den Sorgenden ein Stück Wärme und Geborgenheit. Ulrich Rosenbaum

Kunst im Parlament
Abgeordnetenhaus bietet Führungen an

Die Zerstörung der Stadt
Ein Bildband zeigt Berlin zwischen 1933 und 1945
Bücher bieten die Chance, Geschichte von ihrem Ende her zu betrachten. Wer die letzten Seiten des großformatigen Bildbandes „Berlin im Dritten Reich“ aufschlägt, sieht das Ausmaß der Zerstörung, das die zwölfjährige Nazi-Herrschaft verursacht hat. Eine Doppelseite zeigt eine Luftaufnahme von Teilen Kreuzbergs im Jahr 1945. Dicht an dicht Häuser ohne Dächer, ausgebrannt und unbewohnbar. Und auf einem letzten Bild ist ein Schild mit einem aufgemalten Hitler-Zitat zu sehen, angebracht an einer zerstörten Hauswand: „Gebt mir zehn Jahre Zeit und ihr kennt Deutschland nicht wieder.“ Der Band, jetzt im Berliner Elsengold-Verlag erschienen, beschreibt die Veränderung der Stadt zwischen 1933 und 1945 in beeindruckenden Bildern. Rund 600 Aufnahmen aus den Beständen des Berliner Landesarchivs hat der Historiker Hans-Ulrich Thamer für den 400seitigen Band ausgewählt. Thamer gibt ihnen mit seinen kurzen Texten ihre Geschichte wieder und liefert notwendige Ergänzungen. Denn nicht alles zeigen die Bilder, die in jener Zeit entstanden, nicht alles konnte und durfte fotografiert werden. Schon 1933 sind die Sym-

Zuletzt wurden in der Wandelhalle des Abgeordnetenhauses 20 Portraits von „Starken Frauen der friedlichen Revolution 1989“ der Künstlerin Gudrun Boiar ausgestellt .
Foto: Abgeordnetenhaus von Berlin

Der Sitz des Abgeordnetenhauses von Berlin ist auch ein Ort für Kultur. Neben ständig wechselnden kleineren Ausstellungen zu meist politischen Themen, die regelmäßig in der Wandelhalle vor dem Plenarsaal zu sehen sind, können einige besondere Werke auch dauerhaft besichtig werden. Neben der Galerie der Berliner Ehrenbürgerinnen und Ehrenbürger, die schon auf Grund des unterschiedlichen Alters der Portraits eine sehr große Spannbreite bildender Kunst zeigt, gibt es mit der Büstengalerie der ehemaligen Präsiden-

tinnen und Präsidenten des Abgeordnetenhauses eine sehr vielfältige Sammlung. Besonders stolz sei man aber, so Parlamentspräsident Wieland, auf die fünf Richter-Bilder: „Diese beeindruckenden Bilder sind seinerzeit eigens für den Festsaal angefertigt worden. Dass wir mit Gerhard Richter einen der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart dafür gewinnen konnten, ist ein echter Glücksfall.“ Seit 2013 ist zudem unter dem Titel „Herzflattern“ in den Gängen des ehemaligen Preußischen Landtags eine Sammlung von Male-

rei und Skulpturen zu sehen. Zusammengestellt von der Artothek der Sozialen Künstlerförderung sind hier Arbeiten zu sehen, die im Berlin der Nachwendezeit entstanden sind. Der Besucherdienst des Abgeordnetenhauses, Telefon 030 / 2325-1064 bietet Führungen zum Thema Kunst an. Ein Katalog zu „Herzflattern“, aber auch weitere Informationen über andere Kunstgegenstände, die im Abgeordnetenhaus in der Regel öffentlich zugänglich sind, können im Referat Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 030 / 2325-1065, erfragt werden. S. Becker

Hans-Ulrich Thamer: Berlin im Dritten Reich, Herrschaft und Alltag unter dem Hakenkreuz, 400 Seiten, ca. 600 Abbildungen, 22 x 29 cm, Hardcover mit Schutzumschlag, ISBN 9783944594170, EUR 39,95

bole der Arbeiterbewegung aus dem Stadtbild verschwunden. Die Fotografien zeigen jetzt Fahnenappelle und Jugendliche beim Arbeitsdienst. Massenaufmärsche. Bilder von der Emigration jüdischer Bürgerinnen und Bürger gibt es, von den später folgenden Deportationen sind keine Bilder im Archiv. Mit Kriegsbeginn starten große Sammelaktionen von Altmetallen, Papier und Knochen, am monat-

lichen „Opfersonntag“ darf nur noch Eintopf gegesssen werden. 1940 wird die Straße vor dem Brandenburger Tor mit grünen Stofffetzen überspannt, um Bomberpiloten zu täuschen. Kaum zu glauben, dass dieses pulsierende Berlin des Jahres 1933 zwölf Jahre später in Schutt und Asche liegt. Die Fotografien zeigen die Entwicklung nüchtern und dokumentarisch. U.H.

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S E RV I C E · R ÄT S E L

Berliner Stadtblatt

Ideen zum Einpacken und Verschenken
Stadtblatt-Service: Tipps und Adressen für ganz besondere Weihnachtsgaben
KRIPPE TO GO ist zudem ein Projekt, in dem Menschen Arbeit finden oder umlernen können. Wer hier vorbei schaut, macht deshalb alles richtig: Entweder er gibt sein – hoffentlich nicht letztes – Hemd oder erwirbt eines und unterstützt damit ein Projekt, das Mehrwert hat. Waldhochseilgarten Jungfernheide, Heckerdamm 260, 13627 Berlin, Tel. 030 - 34 09 48-18 (Mo. bis Fr. 10 - 19 Uhr) oder Kletterzentrum des Deutschen Alpenvereins, Seydlitzstr. 1, 10557 Berlin-Moabit, Tel. 030 - 33 09 98 - 636, täglich 10 - 23 Uhr geöffnet WILLY FÜR KINDER Ein Buch über Willy Brandt, das Kinder, Jugendliche und Eltern gemeinsam lesen können? Das gibt es. Die Geschichte des Katers Billy eignet sich hervorragend für gemeinsame Vorlese-Abende. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts kannte jedes Kind den Bundeskanzler, der mit seiner eigenen Fluchtgeschichte wie kein anderer für Aussöhnung und Frieden stand. Diese 84 Seiten mit Illustrationen von Maren Barber lohnen den Blick in die Geschichte – auch schon für die Kleinen und immer für die Großen. Bundeskanzlers. 84 Seiten, 20 x 20 cm, hardcover, gebunden, ISBN 978-39810097-8-1, 15,00 Euro WAT? HONIG AUS BERLIN? engagieren? Dabei ist Zeit schenken ein doppeltes Geschenk, denn es wird einem etwas zurückgegeben. Zahlreiche Vereine und Verbände bieten die Möglichkeit an, die eigene Zeit für Sinnvolles zu nutzen: einen alten und vielleicht einsamen Menschen begleiten, Flüchtlingen bei ihrer Ankunft helfen oder das Tierheim von Berlin mit Zeit zu unterstützen. Das Berliner Tierheim finanziert sich fast ausschließlich aus Spenden. Da wird jede helfende Hand gebraucht. Zeit zu schenken kostet keinen einzigen Cent oder Euro, aber gibt Freude und Mut – beides ist unbezahlbar. Zwei von vielen Möglichkeiten: Freunde alter Menschen e.V. – Geschäftsstelle: Tieckstraße 9, 10115 Berlin, Telefon: 030 - 13 89 57 90, E-Mail: info@famev.de, www.famev.de und Tierschutzverein für Berlin, www.tierschutz- berlin.de KREATIVE FÄCHER In einer kreativen Stadt wie Berlin gibt es unzählige kleine Designerläden. Wer sich aber lange Wege ersparen will, findet in der Nähe des Checkpoint Charlie ein Geschäft, dessen Regalfächer voller unterschiedlicher kreativer Produkte sind. Denn alle Fächer sind von verschiedenen KünstlerInnen oder DesignerInnen als kleine Verkaufsfläche gemietet worden. Kissen, Taschen, Keramik, Papierarbeiten und Grafiken, Seifen oder hölzerne Lautsprecher für Handys – all das ist hier von Fach zu Fach im Angebot. VIELFACH - Das Kreativkaufhaus, Zimmerstraße 11, 10969 Berlin, Mo-Fr: 11-19 Uhr, Sa. 11-16 /19 Uhr DAS NEUESTE Es soll ja Menschen geben, die schon alles haben. Nur das Neueste müsste ihnen eigentlich fehlen, eben das, was noch keiner hat. In solchen Fällen könnte ein Besuch an der Quelle helfen: im Erfinderladen. Hier haben sich allerlei Kuriositäten angesammelt. Da gibt es Stoffbeutel, in denen sich Gemüse länger halten soll, Pflanzsets, kleine Werkzeuge für unterwegs oder eine faltbare Zitronenpresse nach Origami-Art. Facebook-Freunde, die noch selbst auf Links klicken müssen, finden hier den „Gefällt-mir“-Stempel. Zugegeben, nicht alles scheint auf den ersten Blick wirklich nötig zu sein. Aber neu ist es.

Jeder kennt das: mit kleinen Kindern auf der Autobahn zum Weihnachtsfest mit den Lieben. Einige Zeit geht es gut, aber irgendwann kommt Langeweile auf. Für die Kleinen hat sich die kleine Firma edition.end etwas einfallen lassen. Entzückende, von Frauen in einem sozialen Projekt in Südamerika, handgefertigte Fingerpuppen schauen aus dem Eierbecher heraus. Alle sind da: Ochse, Esel und Engel. Wer es lieber ganzjährig mag, dem seien der Zirkus, der Ozean und der Bauernhof anempfohlen. Online-Shop: www.editionend.de DAS LETZTE HEMD So weit kommt es wohl nicht, aber dieser kleine feine Second Hemd-Laden im Wedding beherzigt das Sprichwort: jemandem sein letztes Hemd geben. Zum kleinen Preis wird extravagante, preisgünstige und stets qualitativ hochwertige Mode für den Mann und die Frau angeboten. Der AWO-Laden Second Hemd

Second Hemd-Laden, Prinzenallee 74, 13357 Berlin Mo. bis Fr. 11 - 18 Uhr, Sa. 10 - 16 Uhr IMMER HOCH HINAUS Als Kind haben wir das oft gemacht. Schwups, hoch hinauf auf den Baum. Unsere Eltern waren bestimmt nicht immer entzückt. Das Überwinden von Hindernissen und Höhen – das reizt viele heute noch. Aber wer hat schon einen Kletterbaum vor dem Haus? Und dann die Muskeln – jeder einzelne wird beansprucht. Aber, gemeinsames Klettern mit den Kindern, Freunden und Partnern im Hochseilgarten oder beim Deutschen Alpenverein hier in Berlin – das macht Spaß. Unsere Stadt bietet vieles an, im Sommer wie Winter.

Aber klar doch! Die Imkerinnen und Imker hinter diesem Projekt haben sich viel vorgenommen. In der grünsten Stadt Europas wollen sie durch fairen und innovativen Handel helfen, dass es wieder ‚Mehr Bienen in Berlin‘ gibt. Bienen sind weltweit in ihren Lebensräumen gefährdet. Um sie zu schützen, werden u.a. Bienenhäuser gebaut. Dieses original Berliner Produkt ist somit nachhaltig, lecker und hochwertig. In zahlreichen Einzelhandelshäusern ist er in Berlin zu finden. Verkaufsstellen und Online-Shop: www.berlinerhonig.de DAS WERTVOLLSTE Wir leben in hektischen Zeiten. Wer hat noch eine Minute, um mit dem Nachbarn zu plaudern, der alten Dame die Einkaufstüten zu tragen oder sich ehrenamtlich in einem Verein zu

Sabine Carbon und Barbara Lücker: Willy – die spannende Geschichte eines deutschen

Berliner Preisrätsel
WAAGERECHT 6 Jahrhundertpflanze 7 es ist, wie es ist 10 neun für mich, einer für dich 11 betrifft: Herzkranzgefäß
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ZU GEWINNEN: BÜCHER ZUR BERLINER GESCHICHTE
28 im Ärmel bringt es Ärger 30 schützender Überhang im Gebirge 31 Personalpronomen 3. Person Plural Dativ SENKRECHT 1 zusammen mit der Mauer abgebaut 2 legendärer Regierender Bürgermeister 3 herunterkommen 4 Vogelart 5 leckere und ansehnliche Obstpflanze 6 Maßeinheit für: Wer weiß wieviel 8 verheerende Windhose 9 macht glatt und schön 13 Christen glauben an seine Geburt zu Weihnachten 15 unter keinen Umständen 16 Autokennzeichen Soest (Westf.) 17 mal klingelt sie schön, mal hagelt sie schlecht 18 unter Druck und Protest 20 pusten, bis die Kerze erlischt 22 neuer Regierender Bürgermeister von Berlin 24 Regenbogenhautentzündung 26 Edelholz aus Asien 29 afrikanische Antilope In die richtige Reihenfolge gebracht ergeben die rot umkreisten Buchstaben einen Wunsch, den Ihnen das Berliner Stadtblatt sowohl zu Weihnachten als auch zu Neujahr übermittelt. Bitte schicken Sie diese Lösung auf einer Postkarte bis zum 4. Januar 2015 per Post an das Berliner Stadtblatt Müllerstraße 163 13353 Berlin oder per E-Mail an raetsel@ berliner-stadtblatt.de. DIE GEWINNE Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir: Ein handsigniertes Buch von Walter Momper: „Berlin, nun freue Dich“ sowie zehn weitere Buchpreise zur Berliner Geschichte.

Erfinderladen, Lychener Straße 8, 10437 Berlin, Mo. bis Sa. 11 - 20 Uhr, www.erfinderladen-berlin.de ALLES UMSONST Immer wieder kommt es vor, dass Beschenkte auch nach langem Nachdenken keine Verwendung für die ihnen zugedachte Aufmerksamkeit finden. Die aber hätte vielleicht ein anderer Mensch irgendwo in der Stadt. Auf dieser Erkenntnis beruhen die Schenk- oder Umsonstläden, die es in mehreren Bezirken gibt. Intakte Kleidung und Haushaltsgegenstände können dort abgegeben oder bei Bedarf mitgenommen werden – ein Beitrag zu einer solidarischen Wirtschaft. Die BSR hat im Internet auch eine Tauschbörse für Überflüssiges eingerichtet. Tauschbörse der BSR: www. bsr.de/verschenkmarkt Umsonstläden u.a.: Systemfehler, Jessnerstr. 41, 10247 Berlin-Friedrichshain / Umsonstladen Weißensee, auf dem KuBiZ-Gelände, Bernkasteler Straße 78, 13088 Berlin / Leila, Fehrbelliner Straße 92, 10119 Berlin / Umsonst Boutique im JUP, Unabhängiges Jugendzentrum Pankow e.V., Florastr. 84, 13187 Berlin JoS / U.H.

12 Kram für daheim 13 brutal 14 8,50 € ab 1. Januar 2015 19 Hausfarbe der Sozialdemokraten
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21 leise weinen 23 längliche Briefliteratur 25 Drehzahlbereich im Leerlauf des Motors 27 Tau aus Natur- oder Kunstfasern
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IMPRESSUM
Berliner Stadtblatt Wissenswertes aus Berlin und den Bezirken und Berlin-Beilage (Seiten 3 bis 6) zu den Bezirksausgaben in Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Tempelhof-Schöneberg, Treptow-Köpenick Herausgeber: SPD-Landesverband Berlin Landesgeschäftsführer Dennis Buchner (V.i.S.d.P.), Müllerstr. 163, 13353 Berlin Redaktion der Landesseiten: Ulrich Horb (CvD), Gunter Lange, Ulrich Rosenbaum, Josephine Steffen Rätselerstellung: Ulrich Schulte Döinghaus Grafik: Hans Kegel

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Berliner Stadtblatt

MIT TE · TIERGARTEN · WEDDING

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Flüchtlingen helfen
Aktuelle Herausforderungen in der Flüchtlingspolitik
Angesichts der Krisen in der Welt werden immer mehr Menschen in Deutschland Zuflucht suchen. Wir müssen in Deutschland unserer humanitären Verantwortung gerecht werden und auch in der EU eine Vorbildfunktion übernehmen. Insgesamt erwarten in diesem Jahr weit über 200.000 asylsuchende Menschen und wollen möglichst vielen Personen Schutz und Sicherheit vor Verfolgung bieten. Zugleich müssen wir jedoch diskutieren, wie Bund, Länder und Kommunen angemessen auf die wachsende Zahl an Flüchtlingen reagieren können, Verfahren gerecht und sorgfältig durchgeführt werden und wie Unterbringung und Versorgung sichergestellt werden. Wir haben das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit 300 zusätzlichen Stellen im Jahr 2014 personell besser ausgestattet, damit zügige und rechtsstaatliche HALLO NACHBAR! NACHBARSCHAFTSKAMPAGNE DER SPD LÄUFT AN Auf ihrem Parteikonvent am 20. September gab die SPD den Startschuss für Ihre „Nachbarschaftskampagne“. Dabei wird es Aufgabe der SPD-Mitglieder vor Ort sein, die Besonderheiten des Wohnumfelds herauszufinden, mit den Bewohnern des Kiezes über ihre täglichen Probleme ins Gespräch zu kommen und sie so zu ermuntern, ihre Positionen zu aktuellen Themen darzulegen, die dann zu Programmaussagen verdichtet werden können. Ziel wird sein, allen Bevölkerungsgruppen Angebote zu machen, die deren Interessen und Bedürfnissen entsprechen. Das geht nur, wenn man sich den konkreten Problemen vor Ort stellt. Einige Formate waren auch schon in den letzten Wahlkämpfen im Einsatz, wie der Tür-zu-Tür-Wahlkampf. Sie werden – neu strukturiert – weiter benutzt und ergänzt, z.B. durch Bürgerdialoge. Die SPD muss vor Ort Antworten auf die Fragen unserer Mitbürger geben können. Diese Fragestellungen und die politischen Antworten lassen sich nur im Dialog mit den Bürgern finden. Dabei wird die Nachbarschaftskampagne helfen. Sie ist aber nur ein Handwerkzeug, das die inhaltliche Arbeit von Abteilungen, Aktiven und Mandatsträgern vor Ort unterstützt. Jörg Horstmeier Asylverfahren gewährleistet sind. Im Haushalt für 2015 sind weitere 300 zusätzliche Stellen eigeplant. Die menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge hat für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten oberste Priorität. Mit der rasant steigenden Zahl an Flüchtlingen wird dies jedoch immer schwieriger. Durch ein kürzlich verabschiedetes Gesetz wird der kommunalen Selbstverwaltung kurzfristig mehr Spielraum für flexible Unterbringungslösungen auf unbebauten Grundstücken in unmittelbarer Siedlungsnähe und als Ausnahme in Gewerbegebieten gegeben. Diese Lösung ist nicht optimal, scheint aber im Hinblick auf den nahenden Winter jedenfalls im Hinblick auf die Errichtung von Zeltstädten oder Containerdörfern die Vorzugswürdigere zu sein. Darüber hinaus konnten wir erhebliche Verbesserungen für alle Asylsuchenden

BUCHVORSTELLUNG RAINER SANDVOSS „Es wird gebeten, Gottesdienste zu überwachen…“ Mit dieser Anweisung an die Gestapo titelt Rainer Sandvoß sein neues Buch über Religionsgemeinschaften in Berlin zwischen Anpassung, Selbstbehauptung und Widerstand von 1933 bis 1945. Sandvoß setzt sich neben der Bekennenden Kirche und der Katholischen Kirche auch mit der kleinen, aber selbstlos aktiven Gruppe der Quäker und mit den Zeugen Jehovas auseinander, die gemessen an ihrer Mitgliederzahl die meisten Opfer im Widerstand zu beklagen hatte. Sandvoß beschreibt auch viele Aktivitäten von Religionsgemeinschaften in Mitte: – So hatten die Zeugen Jehovas einen wichtigen konspirativen, auch für Nicht-Berliner erreichbaren Treffpunkt am im Tiergarten. – Das Internationale Hilfsbüro der Quäker in der heutigen Planckstraße 20 wurde in den 30er Jahren zu einer wichtigen Zuflucht für politischen und rassisch Verfolgte. – In der Singakademie Unter den Linden setzte sich Karl Barth am 30. Oktober 1933 vehement gegen den von den Nationalsozialisten geforderten „Arier Paragraphen“ im Kirchenrecht ein. – Das Gemeindehaus der Friedrichswerderschen Kirche bot so genannten Notgemeinden der Bekennenden Kirche Zuflucht; das waren Gemeinschaften, die in ihren angestammten, von den Deutschen Christen dominierten Gemeinden, keinerlei geistlichen Rückhalt mehr hatten. – Um den Religiösen Sozialisten und Gefängnispfarrer von Tegel und Plötzensee Harald Poelchau bildete sich ein Helferkreis der Kapernaumgemeinde in der Seestraße, zu der die Vikarin Ilse Kersten und der Pfarrer Urner vom Paul-Gerhardt-Stift gehörten. Bei St. Hedwig wirkten Bischof Konrad Graf von Preysing und Domprobst Bernard Lichtenberg gegen den Nationalsozialismus. Sandvoß’ Buch „Die andere Reichshauptstadt“ über den Widerstand aus der Arbeiterbewegung in Berlin in der Zeit des Nationalsozialismus gilt inzwischen als Standardwerk. Beachtung findet auch dieses Buch. Heiner Wörmann

140,1 mm x 95,5 mm

und Geduldeten erreichen: Erleichterungen beim Zugang zum Arbeitsmarkt haben wir bereits beschlossen, der Wegfall der Vorrangprüfung nach 15 Monaten, die Abschaffung der sog. Residenzpflicht und die Umkehr bei der Versorgung der Asylbewerber und Geduldeten vom Sach- zum Geldleistungsprinzip wer-

den folgen. Auch die finanziellen Belastungen spielen in den Kommunen eine große Rolle, denn die Kommunen tragen für die Dauer des Asylverfahrens einen großen Teil der Kosten für Unterbringung und Versorgung. Daher haben wir finanzielle Entlastungen im dreistelligen Millionenbereich für

die Kommunen und die überörtlichen Träger vorgesehen und im Haushalt des Bundesinnenministeriums für 2014 noch einmal 40 Millionen Euro für zusätzliche Integrationskurse zur Verfügung gestellt sowie für 2015 acht Millionen Euro mehr für die Maßnahmen zur Migrationsberatung. Eva Högl

Bezahlte Pflegezeit für Angehörige
Ab 2015 werden zehn Tage Auszeit aufgrund einer Pflege für Angehörige bezahlt. Thomas Isenberg: „Die Maßnahme beinhaltet auch einen Rechtsanspruch auf eine Freistellung von sechs Monaten, sowie die Reduzierung der Arbeitszeit für 24 Monate auf mindestens 15 Stunden.“ Besonders hervorzuheben sind die Auswirkungen des Vorschlags auf die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf: „Es ist sehr wichtig, dass Frauen und Männer von ihrem Job nicht dauerhaft aussteigen müssen. Auf einem Plakat meines Bürgerbüro im Tiergarten steht ‚Sie haben es verdient. Eine gute und faire Pflege‘. Jetzt kann ich ergänzen ‚Die Angehörigen haben es auch verdient!‘“, fügt Isenberg hinzu. „Wir müssen Angehörige von Pflegebedü rftigen besser dabei unterstützen, Beruf, Pflege und Sorgearbeit zu vereinbaren“, so fasst Thomas Isenberg, g e s u n d h e it s p o l it i s c h e r Sprecher der SPD-Fraktion von Berlin, das Ziel des neuen Gesetzes der großen Koalition zusammen. Allerdings brauchen wir auch noch mehr Beratungs- und Unterstützungsangebote vor Ort, auch in Berlin, so Isenberg: „Gute Pflege ist ein Menschenrecht, und hier gibt es noch vieles zu tun. Im Rahmen meiner Stadtteiltage habe ich mir vor Ort über Defizite informiert, die SPD wird auch auf weitere Verbesserungen pochen. Beispielsweise müssen Leistungen schneller und unbürokratischer bewilligt werden, und auch muss das Maß der Unterstützung noch weiter ausgebaut werden.“ Thomas Isenberg

Mehrsprachigkeit leben, Deutsch fördern
Das Sprachförderzentrum Mitte unterstützt Kinder und deren Eltern
Das Sprachförderzentrum (SFZ) ist die zentrale bezirkliche Einrichtung, in der die bezirksweiten Fachkompetenzen im Bereich von Sprachbildung gebündelt werden. Es versteht sich als Kompetenzzentrum für durchgängige Sprachförderung im Bezirk Mitte von Berlin im interkulturellen Kontext. Nun ist die künftige Arbeit des SFZ Berlin Mitte auf eine sichere Grundlage gestellt worden. Gute Sprachkenntnisse im Deutschen sind entscheidend für den Bildungszugang und Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen. Dies wird durch eine Vernetzung der Akteure an den Übergängen von frühkindlicher Bildung, in Kindertagesstätten, Grundschulen und Sekundarstufen erreicht. Ziel der Sprachbildung und Sprachförderung ist das Erlangen der deutschen Sprache als Bildungssprache sein, ohne dabei die Bedeutung der Erstsprache zu vernachlässigen. Dies ist der fortschrittliche Ansatz der bezirklichen Arbeit: Mehrsprachigkeit leben, Deutsch fördern. Dazu der Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke: „Sprachkompetenz in der Bildungssprache Deutsch ist die Voraussetzung für gleichberechtigte Teilhabe. Wir wollen dabei auch die Rolle der Muttersprache beim Spracherwerb stärker in den Fokus rücken. Es bleibt unsere Aufgabe, die Vielfalt der Sprachen im Bezirk zu bewahren und ihre Ressourcen zu nutzen.“ Die frühkindliche Sprachförderung in Kindertagesstätten und Grundschulen soll verbessert werden. Hier liegt für die Kinder in Mitte der Schlüssel für Chancengleichheit in der Bildung. Außedem geht es um Kompetenzvermittlung zum Thema Mehrsprachigkeit und Elternbildung. Das Leitziel ist die Verbesserung der Sprachförderung im Bezirk Mitte durch stärkere Zusammenarbeit aller relevanten Akteure. Adressatenkreis des Sprachförderzentrums sind pädagogische Fachkräfte (Erzieherinnen und Erzieher, Sozialpädagogen, Lehrerinnen und Lehrer sowie Lehramtsstudenten, -anwärter und Berufseinsteiger, Elternvertreter, Elternvereine und Familienzentren. Integrationsprojekte sollen in ihrer Multiplikatorenfunktion gezielt angesprochen und beteiligt werden. Website: www.berlin.de/ ba-mitte/org/sprachfoerderzentrum/ Christian Hanke, Bezirksbürgermeister Berlin-Mitte IMPRESSUM Herausgeber: SPD Kreisverband Mitte, Müllerstraße 163, 13353 Berlin V.i.S.d.P.: Frank Boermann Redaktion: Frank Boermann Susanne Fischer Julian Zado Satz: Nike Marquardt Druck: Henke Pressedruck GmbH & Co. KG

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MIT TE · TIERGARTEN · WEDDING

Berliner Stadtblatt

WEDDING HIPSTERFREI? Im gut besuchten Sprengelhaus lauschten am 22. September die Gäste der Lesung des Autors Tobias Kunow. Herr Wenig und Frau Paul sind die Hauptfiguren in Kunows Kiez-Krimi. Sie werden von einem bösen Schurken bedroht, denn wollen verhindern, dass eine Mauer um den Wedding gebaut wird. Und zu allem Überfluss ist auch noch die Yogalehrerin Vasaa verschwunden. Tobias Kunows KiezKrimi: „Hipsterfreie Zone – Keine Macht den Jutebeuteln!“ lässt den Leser an den vielen Stellen schmunzeln oder laut auflachen. Dabei haben viele im Krimi verarbeiteten Themen einen ernsten Hintergrund. Auch wenn im Wedding nicht unbedingt das „Hipstertum“ umgeht: Auswirkungen einer zunehmenden Gentrifizierung wie steigende Mieten und Preise, die Eröffnung neuer „hipper“ Restaurants und die Veränderung der Sozialstruktur sind tagtäglich sichtbar. Die beiden liebevollen Hauptfiguren Frau Paul und Herr Wernig sind zwei mitdreißiger Berliner mit einem eher bescheidenen Leben. Sie schlagen sich mit schlechten Jobs durch, stürzen gemeinsam in Kiezkneipen ab und tun alles dafür, zusammen mit ihren Freunden den Quizabend zu gewinnen. Doch das ändert sich schlagartig, als ein James Bond Bösewicht in ihr Leben tritt und versucht um den Wedding eine Mauer zu bauen, damit es eine Hipsterfreie Zone bleibt. Das wollen Herr Wernig und Frau Paul mit allen Mitteln verhindern. Mit Tobias Kunows Buch liest man nicht nur einen unterhaltsamen Krimi. Man lernt viel über die Geschichte von Berlin Wedding und die Kultur der Hipster. Insbesondere diejenigen, die den Kiez kennen, werden ihre Freude daran haben Lokalitäten und Personen wiederzuentdecken, die sich aus der realen Welt kennen. So wird die Umbenennung der Straßennahmen im Afrikanischen Viertel ebenso thematisiert, wie die Eröffnung neuer Yoga-Studios in Berlin (Alt-) Mitte. Wer nicht bei der gut besuchten und amüsanten Lesung dabei sein konnte, den Wedding liebt und gerne lacht, dem sei die Lektüre des Kiez-Krimis empfohlen. Hoffen wir, dass es sich nicht bewahrheiten wird, dass die Einwohnerinnen und Einwohner vom Wedding eines Tages auf die Idee kommen, Abschottungsmaßnahmen zu ergreifen, um die Gentrifizierung ihres Stadtteils zu verhindern. Bettina Schulze

Mehr Verantwortung übernehmen?
Das Ringen um eine neue Deutsche Außenpolitik
Bundespräsident Joachim Gauck hat es als erster gefordert: Deutschland soll mehr internationale Verantwortung übernehmen. Viele sind auf diesen Zug aufgesprungen. Aber stimmt diese Wahrnehmung überhaupt? Erleben wir das bei der Eurokrise und im Ukraine-Konflikt tatsächlich so? Und wie misst man eigentlich internationale Verantwortung – nach der Zahl deutscher Soldaten im Auslandseinsatz? Warum wird diese Frage immer wieder auf das Militärische reduziert? Diese Fragen diskutierte die Abteilung 1 Rosenthaler Vorstadt mit dem SPD-Außenpolitiker und ehemaligen Staatsminister Gernot Erler. Gernot Erler stellte klipp und klar fest: Wir brauchen in erster Linie mehr zivile Krisenprävention. „Wir müssen Konfliktherde rechtzeitig lokalisieren und präventiv agieren, sonst werden wir den Ereignissen immer nur hinterher rennen.“ Das seien keine neuen Erkenntnisse – mit dem „Aktionsplan Zivile Krisenprävention, Konfliktlösung und Friedenskonsolidierung“ habe die rot-grüne Bundesregierung bereits vor übernehmen! Wie wäre es mit einer Führungsrolle bei der Stärkung eigenverantwortlicher Regionalsysteme?“ In der Ukraine-Krise sei Deutschland, ohne sich dafür zu bewerben, in eine Führungsrolle gedrängt worden. Es war richtig und letztlich teilweise erfolgreich, die OSZE mit Beobachtungs- und Vermittlungsfunktionen ins Spiel zu bringen, sich völlig auf eine politische Lösung festzulegen, die „Kontaktgruppe“ ins Leben zu rufen und auf verschiedenen Ebenen den politischen Dialog immer wieder anzuschieben. Es werde angesichts der vielen anderen Weltprobleme noch viel Kraft kosten, um gemeinsam die Deeskalation des Konflikts voranzutreiben und eine nachhaltige politische Lösung näher zu bringen. Da die internationale Politik im Krisenmodus auf verlangendes Interesse der Gesellschaft stoße, forderte Erler dazu auf, das Thema auch in der Partei breit zu diskutieren. Die SPD Mitte geht da mit ihrer Projektgruppe „außen- und sicherheitspolitische Grundsätze“ einen guten Weg. Peter Fäßler

SPD-Außenpolitiker und ehemaliger Staatsminister Gernot Erler stellte klipp und klar fest: Wir brauchen in erster Linie mehr zivile Krisenprävention.

10 Jahren tragfähige Konzepte entwickelt. Zu einer vorausschauenden Friedenspolitik gehöre auch die Unterstützung regionaler und multilateraler Strukturen zur Friedenssicherung. In Afrika etwa, dem Kontinent mit

den meisten bewaffneten Interventionen von außen, fehle es an einem Konzept, die Afrikanische Union und die Regionalorganisationen von ECOWAS bis SADC tatsächlich handlungsfähig bis zur Krisenprävention und Krisenbewältigung zu

machen, denn Kräfte und Kapazitäten des Westens reichen nicht aus, um überall zu reagieren. Eine künftige Weltordnung, so Erler, hängt ab von funktionierenden Systemen regionaler Selbstregulierung. „Hier sollten wir Verantwortung

Alle Jahre wieder
Die Berliner Weihnachtsmärkte öffnen ihre Tore
Am 25. November öffnen wieder die Weihnachtsmärkte in Berlin ihre Pforten. Insbesondere das Stadtbild der Mitte Berlins wird an zentralen Plätzen von unterschiedlichen Weihnachtsmärkten geprägt. Über die Landesgrenzen hinaus kommen Menschen, um das Flair Berlins im Zauber des Weihnachtsglanzes zu genießen. Weihnachtsmärkte haben damit eine große gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung. Sie sind imagebildend und wichtig für unser Stadtmarketing als starker Wirtschaftsmagnet insbesondere durch den Weihnachtsmarkttourismus. Die Sogwirkung auf andere Branchen, u. a. Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie zeigt die gesteigerte Kaufkraft in dieser Zeit. Die daraus resultierende Wirtschaftskraft ist nicht zu unterschätzen. Sie schafft dauerhafte und saisonale Arbeitsplätze, steigert die Steuereinnahmen und gibt darüberhinaus aber auch Momente eines besinnlichen Miteinanders. In Berlin Mitte legen wir viel Wert auf ein ausgewogenes Angebot an Weihnachtsmärkten. Mit Eislaufbahn, Riesenrad und Straßenkünstlern bietet der Berliner Weihmagische und märchenhafte Momente vor atemberaubender historischer Kulisse. Auf dem Weihnachtsplatz Berlin mitten auf dem Alexanderplatz wird geshoppt und süße Weihnachtsleckereien genossen. Ein besonderes Lichtspektakel bieten die hell erleuchteten Weihnachtshütten der Winterwelt am Potsdamer Platz, wo es mit Rodelbahn und Möglichkeit zum Eisstockschießen neben viel Besinnlichem auch sportlich zugeht. Daneben bietet der urbane Raum von Berlin-Mitte eine Vielzahl von kleinen und mittleren Weihnachtsmärkten, die zur Weihnachtszeit mit ihren weihnachtlichen Angeboten aus dem Straßenbild einfach nicht wegzudenken sind. Martina Matischok, SPD, Bezirksverordnete der BVV-Mitte

nachtsmarkt am Roten Rathaus Spaß für Groß und Klein in historischem Ambiente durch Fassaden mit Originalabbildungen der Häuser, die um 1900 dort standen. Allen Widrigkeiten im Vorfeld zum Trotz, wird nunmehr auch

dieses Jahr auf dem Nostalgischen Weihnachtsmarkt auf dem Schloßplatz Handwerkskunst aus aller Welt feilgeboten. Der Weihnachtszauber am Gendarmenmarkt mit ausgewähltem Bühnenprogramm und Charity-Gala bietet viele

Die Europacity, ein neues Quartier mitten in Mitte
Dort, wo die Alt-Bezirke Tiergarten, Wedding und Alt-Mitte zusammenstoßen, nördlich des Hauptbahnhofs, entsteht seit geraumer Zeit ein neues Quartier, die Europacity. Die Planungen hierfür begannen schon im Jahr 2006. Begleitet von öffentlichen, gut besuchten Projektworkshops, wurde 2007/2008 ein städtebaulicher Realisierungswettbewerb durchgeführt, der 2008 in einen Masterplan mündete, welcher 2009 durch den Senat beschlossen wurde. In den Jahren 2010 und 2011 gab es weitere Standortkonferenzen , die sich mit den Themen Nachhaltigkeit und öffentlicher Raum beschäftigten. In den Jahren 2012 und 2013 gab es dann Städtebauliche Wettbewerbe und B-Plan-Verfahren für die einzelnen Quartiere der Europacity. Im Jahr 2013 wurden dann die ersten B-Pläne beschlossen und der Baubeginn der Heidestraße fand statt. An den Hauptbahnhof schließen sich mehrere Bürohochhäuser an. Als erstes fertiggestellt wurde die Deutschlandzentrale von Total, kurz vor der Fertigstellung befindet die neue Unternehmenszentrale von 50Hertz, einem Energienetzbetreiber. Im nördlichen Bereich werden 2 Wohnquartiere entstehen, hier finden zur Zeit Bauvorbereitungen statt. Insgesamt entstehen 6 Teilbereiche, in denen sich Arbeiten und Wohnen, aber auch Einkaufen, Kultur und Freizeitmöglichkeiten mischen sollen. Ziel ist es die Erdgeschosszonen öffentlich zu gestalten. Die Bebauungspläne für das Quartier liegen in Händen des Senats und des Abgeordnetenhauses. Die Bezirks-SPD setzt sich aber schon seit Beginn des Planungsverfahrens für ein lebendiges, gemischtes Quartier ein. Eine bezirkliche Aufgabe wird es sein in Zusammenarbeit mit dem Land und den Investoren die soziale Infrastruktur sicherzustellen und das Zusammenwachsen der Europacity mit den Nachbarkiezen zu befördern. Sascha Schug, Stadtentwicklungspolitischer Sprecher SPD-Fraktion Mitte
        
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