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Periodical volume

Full text: Berliner Stadtblatt Issue 2011,1 Mai

Berliner
MEIN BERLIN
In Berlin muss man sicher leben können! Dieser Ta g e macht uns aber eine Häufung an brutalen Anschlägen nicht nur in den U-Bahnhöfen große Sorgen. Wir sind erschrocken und wütend zugleich. Weder die Politik noch die Berlinerinnen und Berliner können und wollen tatenlos zuschauen. Daher gilt mein Dank denen, die handeln, wenn sie sehen, dass Menschen angegriffen werden. Sie sind der Beweis: Berlin wehrt sich gegen Gewalt! Aber natürlich muss auch die Politik handeln! Mit einem umfassenden Sicherheitskonzept werden wir die Präsenz von Polizei und Sicherheitskräften in den Bahnhöfen massiv verstärken. Wir werden die Videoüberwachung ausbauen, um Straftäter schnell zu stellen. Und wir werden die Zusammenarbeit von Polizei, Justiz und Behörden weiter verbessern, damit auf eine Gewalttat eine schnelle Strafe folgt. Wir bauen weiter an der Sozialen Stadt. Das heißt auch: Recht und Ordnung ist ein Grundrecht, damit man sich in der ganzen Stadt sicher und wohlfühlen kann! Klaus Wowereit

NBURG-WI CHARLOTTE

LMERSDORF

NEUAUFLAGE

Stadtblatt
W I S S E N S W E RT E S AU S B E R L I N U N D C H A R LOT T E N B U RG - W I L M E R S D O R F

Dem Andenken verpflichtet: Willy Brandt war 1950 – 1951 Chefredakteur des Berliner Stadtblattes …  
 
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AU S G A B E M A I 2 0 1 1

Berlins Foyer mit Gleisanschluss: der Hauptbahnhof. Für viele der Millionen Berliner Touristen der spektakuläre Eingang zur Stadt. Nicht mehr wegzudenken und doch erst fünf Jahre alt. „Happy Birthday, Hbf!“ Jetzt wird Geburtstag gefeiert: mit zweitägiger Party und Familienfest. Foto: Paul Glaser

Keine Kompromisse bei der Sicherheit!
Mehr Präsenz, mehr Polizei und mehr Prävention

IN DIESER AUSGABE

WIRTSCHAFT
Was Berlin schon alles kann, wo spannende Jobs entstehen und wie neue Fachkräfte ausgebildet werden. Seite 3

SERVICE
des Konzepts betonte, es keine hundertprozentige Sicherheit geben könne. Das Mehr an Sicherheit wird dennoch nicht zu Fahrpreiserhöhungen führen, versicherte BVG-Chefin Sigrid Nikutta. Auf Streife sind ab Juni auch Spandauer Jugendliche des Projekts „Stark ohne Gewalt“. Sie wollen ihren direkten Draht zu Altergenossen nutzen und in Bussen und Bahnen für einen gewaltfreien Umgang sorgen. Erfolgreiche Prävention, die jetzt ausgeweitet wird (s. S.4).
So wechseln Sie vom Atomstrom. Wählen Sie nach Ihren Umweltzielen.  Seite 6

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s ist die klare Ansage gegen Gewalt auf Berlins UBahnhöfen: Seit gut einer Woche sind zunächst 60 Polizisten unterwegs auf Streife in der UBahn, 200 sind künftig eingeplant. Kein Gewalttäter dürfe sich sicher fühlen, sagt Innensenator Ehrhart Körting. Der Einsatz – Teil eines umfassenden Sicherheitskonzepts – wird in der Stadt begrüßt. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Rolf Wiegand, ehrenamtlicher Landesvorsitzender der Gewerk-

schaft ver.di, die auch die BVG-Beschäftigten organisiert. Darunter sind Busfahrer, die schon Attacken erlebt haben. „Bürgerinnen und Bürger sowie Beschäftigte in Bussen und Bahnen sind zu schützen. Diese brutale Gewalt ist ein gesellschaftliches Problem, das jetzt mit Geld und Personal angepackt wird.“ 30 Millionen Euro stellen Senat und BVG bereit. 200 zusätzliche BVG-Mitarbeiter sollen für mehr Sicherheit sorgen, die Videoüberwachung wird

verbessert, die Kontrolle in der Leitzentrale verstärkt. Künftig ist dort auch ein Polizist vor Ort, der sofort einen Einsatz auslösen kann. Und aus der Leitzentrale heraus sollen in Kürze Ansagen auf den Bahnhöfen möglich sein. Fakt bleibt: Statistisch sind die Gewalttaten in Berlin seit Jahren rückläufig. Aber der Häufung von Brutalität in den vergangenen Wochen soll rasch ein Riegel vorgeschoben werden, auch wenn, wie Klaus Wowereit bei der Vorstellung

AUS DEM BEZIRK
Ohne türkische Unternehmer würde es Berlins Wirtschaft schlechter gehen, sagt Serdar Yilmaz vom Unternehmerverband TDU. Seite 8

ZITAT DES MONATS
»Wir lieben dieses Berlin. Wir mögen diese Stadt, ihr Lebensgefühl, ihre leisen und lauten Töne, ihre Impulsivität, manchmal ihre Rohheit und vor allem auch ihren herben Charme.« Klaus Wowereit in seiner Rede auf dem SPD-Parteitag am 13. Mai.

Neuer Campus
In der City-West entsteht ein neues Technik- und Kreativzentrum

Mütter für den Norden
Stadtteilmütter gehören jetzt auch im Norden Charlottenburgs zum Familienalltag

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erlin hat nach Jahren des Rückgangs von Industrie endlich wieder Anschluss an die wirtschaftliche Entwicklung in anderen Ballungsräumen Deutschlands gefunden. Neue Unternehmen und neue Branchen sind entstanden, die u. a. auf Berlins exzellenter Wissenschaftslandschaft aufbauen. So sind im Technologiepark Adlershof aus der Verbindung aus Forschung und produzierenden Gewerbe und in Buch im Bereich der Biotechnologie tausende Arbeitsplätze

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Hier wird der Campus Charlottenburg geplant. entstanden. In der City-West soll mit dem Campus Charlottenburg ähnliches gelingen. Fortsetzung Seite 8

ünfzehn Mütter aus elf Nationen haben Ende März im Café K in der Toeplerstraße im Charlottenburger Norden feierlich ihre Ausbildungsurkunden überreicht bekommen. Jede der Frauen bekam zudem als Erkennungsmerkmal für ihre Arbeit einen roten Schal und eine schwarze Umhängetasche. Den neuen Stadtteilmüttern war anzumerken, dass sie sich auf die nächsten Monate als Unterstützerinnen in allen Lebenslagen freuen. Sechs Monate lang sind die

ZAHLEN DES MONATS

100
Die Nominierung von Klaus Wowereit zum Spitzenkandidaten für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus erfolgte letzte Woche mit 100 Prozent.

Stadtteilmütter, die alle selbst Kinder aufgezogen haben und aus unterschiedlichsten Ländern der Welt kommen, ausgebildet worden. Im Charlotten-

burger Norden geben sie in den kommenden zwei Jahren anderen Müttern Tipps und Hilfsangebote in Erziehungsfragen. Fortsetzung Seite 8

41,3
Milliarden. So viele Nachrichten wurden 2010 von Handys in Deutschland „gesimst“

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MEINUNG

Berliner Stadtblatt

GUT FÜR BERLIN !" Europa. Zwei Monate lang
fährt der populäre Bus 100 als „Berliner Europabus“ auf 17 Haltestellen die verschiedenen Bezüge zu Europa ab. Unter dem Motto „Europa ist hier!“ soll damit der Blick für Europas Präsenz in Berlin geschärft werden: Forschungsförderung an der Humboldt-Universität, Natur- und Umweltschutz im Tiergarten, kulturelle Vielfalt in der schwangeren Auster, Verbraucherschutz – Europa steckt mit drin!

MEIN BLICK AUF BERLIN

Sarrazin und die Störche
Von Sadık Tastan, Wedding

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Sieht sich nicht als Einzelkämpfer: der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit mit den Wahlkreiskandidatinnen und -kandidaten auf dem SPD-Parteitag. Foto: Ulrich Horb

Vor der Wahl
Der neue 100er. Foto: Glaser

Pressestimmen zur Kandidaten-Kür der SPD
instimmig ist Klaus Wowereit am vergangenen Wochenende zum Spitzenkandidaten der Berliner SPD gewählt worden. Was schreiben die Zeitungen? Die Berliner Zeitung meint zum Parteitag in der STATION am Gleisdreick: Es ist der zielgerichtet ausgesuchte Ort für das, was Wowereit über die Rolle Berlins zu sagen hat: Dass es eine Stadt ist, die sich immer verändern müsse, die nicht stehenbleiben könne, und die er, wenn er am 18. September wieder zum Regierenden Bürgermeister gewählt werden sollte, auch weiter verändern will. Der Name seiner grünen Konkurrentin Renate Künast fällt

Versichertenschutz. Versicherte der insolventen Krankenkasse City BKK haben beim Wechsel zu einer anderen Kasse Schwierigkeiten. Dabei ist die freie Wahl einer gesetzlichen Krankenkasse in diesem Fall ihr gutes Recht. Der SPD-Gesundheitspolitiker Thomas Isenberg hat deshalb jetzt ein Beschwerdetelefon unter der Rufnummer 030 – 3983 8508 eingerichtet, um ehemaligen Versicherten der City BKK zu helfen. Familienunterstützung. Berlin soll familienfreundlicher werden: Beruf und Familie sollen in Zukunft in Berlin besser mit einander vereinbar sein, passgenaue Hilfsangebote für Familien mit Problemen geschaffen werden. So sieht es ein neues Konzept zur Familienpolitik vor, das SPD-Chef Müller und Sandra Scheeres, die familienpolitische Sprecherin der Fraktion vorgestellt haben.

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bei Wowereit kein einziges Mal, aber jeder im Saal weiß, um wen es geht, als Wowereit sagt, „dass man Dilettanten nicht die Führung dieser Stadt überlassen darf “. Die Berliner Morgenpost kommentiert: Die Zeit für Streit ist abgelaufen in der SPD. Wie so oft raufen sich die sonst so konfliktfreudigen Genossen vor wichtigen Wahlen zusammen. Nachdem zum Beispiel der Weiterbau Stadtautobahn A 100 von Neukölln nach Treptow im Wahlprogramm steht, akzeptieren auch die Kritiker klaglos die Entscheidung. Änderungsanträge dazu gab es in der Programmdebatte nicht. Die Tageszeitung taz schreibt: Die Besucher und

Delegierten belohnen den Regierenden nach seiner Rede minutenlang mit stehendem Applaus, als hätten sie ihn bereits gewählt. Da bleibt eigentlich nur noch die Frage, ob es möglicherweise Enthaltungen bei seiner Wahl geben wird, Gegenstimmen sind nicht zu erwarten. Enthaltungen bleiben dann auch aus. Das Handelsblatt stellt fest: Der Regierende Bürgermeister räumte auch Fehler ein etwa bei der Privatisierung der Wasserbetriebe 1999. „Wo wir können, werden wir das korrigieren, aber nicht um jeden Preis“, sagte er mit Blick auf die Bestrebungen für einen Rückkauf der Anteile von den privaten Investoren.

ussten Sie, dass es statistisch belegbar ist, dass der Storch die Babys bringt? Der empirische Beweis: Auf dem Land gibt es mehr Störche und die Geburtenrate ist im Durchschnitt höher. Das hat mit Störchen wenig, aber viel mit einer sogenannten Scheinkorrelation zu tun. Empirisch ist auch nachzuweisen, dass Menschen mit kleinen Füßen überdurchschnittlich viele Babys bekommen. Viel Schein, wenig Korrelation: Frauen haben durchschnittlich kleinere Füße als Männer und bekommen unabhängig von ihrer Schuhgröße deutlich mehr Babys als Männer … Mit Statistik lässt sich vermeintlich alles belegen. Daher ist Obacht vor Populisten geboten, die sie manipulierend wiedergeben. Sarrazin, der sich als Experte der Integration ansieht, berücksichtigt nicht die wichtigsten Studien zu diesem Thema. Er unterschlägt konsequent Zahlen, die für „muslimische“ MigrantInnen sprechen. Sarrazins Behauptung: MigrantInnen möchten mit Deutschen nichts zu tun haben. Falsch! Nur 3,5% der MigrantInnen (6,1% der Türken, 1,6% der Polen) wollen keinen Kontakt zur deutschen Mehrheitsgesellschaft.

Sarrazin: Probleme vererben sich. Belege seien Bildungsabschlüsse. Falsch! Für Menschen mit türkischem Migrationshintergrund lässt sich ein überproportionaler Anstieg der Bildungsabschlüsse über die Generationenfolge hinweg feststellen. Sarrazin: Die Kriminalitätsrate hänge von Ethnie und Religion ab. Falsch! Straftaten zu begehen, hängt nicht von solcher Scheinkorrelation ab, sondern von sozio-strukturellen Faktoren (Bildung, Einkommen usw.). Bei gleichen sozio-strukturellen Gegebenheiten begehen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund annähernd gleich viel Straftaten. Sarrazin kann mit Scheinkorrelationen nicht umgehen. Für ihn bringt der Storch die Babys.

SCHLECHT FÜR BERLIN #"
„Soziale Stadt“ gekürzt. Die Bundesregierung will erneut die für Berlin wichtigen Mittel für die Städtebauförderung und das Programm „Soziale Stadt“ kürzen. Erst im Februar hatte der Berliner Senat mehr als 8 Millionen Euro als Ausgleich zur Verfügung gestellt, um 2011 die erfolgreichen Projekte und Maßnahmen im Quartiersmanagement ohne Bundesunterstützung fortsetzen zu können. Der neue Haushaltsplan der Bundesregierung deutet für 2012 auf eine weitere Halbierung der Mittel in der Städtebauförderung hin. Weniger Mieterschutz. Das FDP-geführte Bundesjustizministerium plant, den Mieterschutz deutlich einzuschränken. Modernisierungen zum Klimaschutz müssen Mieter künftig grundsätzlich dulden, Mietminderungen sind in den ersten drei Monaten nicht mehr möglich. Der Mieterbund warnte, den Klimaschutz „nicht allein auf dem Rücken und auf Kosten der Mieter“ durchzusetzen.

Post vom Berliner Stadtblatt
Antwort erwünscht: Jetzt können Sie uns schreiben
In unserer ersten Ausgabe finden Sie hier Briefe vom Stadtblatt an ausgewählte Leserinnen und Leser. In der kommenden Ausgabe ist Raum für Ihre Leserbriefe. Uns interessieren Ihre Meinung und Ihre Ideen: Berliner Stadtblatt, Müllerstr. 163, 13353 Berlin, Mail: info@berliner-stadtblatt.de Liebes Steuerplus! Kaum hast Du mit Hilfe der amtlichen Steuerschätzer das Licht der Welt erblickt, hast Du auch schon das Zeitliche gesegnet. Auf stolze 140 Mrd. € sollst Du bis 2014 anwachsen, aber Du bist innerhalb weniger Stunden bereits mehrfach verplant: Du musst zwar nicht übers Wasser laufen und dieses nebenbei zu Wein werden lassen, aber die Erwartungen an Dich sind auch so groß: Entlastung der Einkommen im unteren Drittel, Finanzierung der Energiewende, Entlastung der Kommunen, Rückkehr zur aktiven Arbeitsmarktpolitik und nebenbei noch etwas Haushaltskonsolidierung. Da wär’s fast besser, gar nicht erst erschienen zu sein, oder? Voller Verständnis, Deine Red. Liebe Frau Merkel, das war die hohe Kunst der Politik, wie sie Herrn Brüderle aus dem Kabinett getrieben haben. Kein Machtwort, keine eigene Entscheidung war nötig, obwohl er ja nach seinen Äußerungen zur Atomenergie für Sie untragbar gewesen sein muss. Stattdessen trieben Sie ein Spiel über Bande, in diesem Fall über die FDPBande. Da hielten Sie einfach am Außenminister fest, gerade als der mal von etwas zurücktreten wollte. So konnte er nur noch seinen Parteivorsitz niederlegen. Damit war der arme Herr Rösler zur Übernahme dieses Amtes gezwungen. Weil er aber als Gesundheitsminister damit ganz schnell ganz alt ausgesehen hätte, musste er den Herrn Brüderle aus dem Kabinett herausrotieren, um einen ruhigen Job zu bekommen. Das wussten Sie natürlich, Frau Merkel. Einfach toll, wie leicht Sie so eine Kabinettsumbildung hinbekommen, findet Ihre Red. Lieber Heiner Geißler! Respekt! Das war ein echter Schlag ins Kontor: da lädt Dich die CDU-Berlin etwas naiv ein, um die menschelnde und bürgernahe Seite der konservativen Volkspartei CDU zu unterlegen. Und was machst Du? Eine 100%ige Standpauke in Sachen Neoliberalismus (Vertrauen verspielt), Atomkraftnutzung („prometheusche Anmaßung“) und Kanzlerinnendämmerung (AKW-Verlängerung war „kardinaler Fehler“). Zum Abschluss der 70 Minuten dann noch ein längerer Werbeblock für eine Attac-Mitgliedschaft. Wirkte ein bisschen wie ein vertauschtes Redemanuskript … ein Signal in Richtung Grüne war’s sicherlich und bürgernah wirkte es auch, aber ob das Ganze CDU-nah ist, erscheint uns eher offen. Voller Zweifel, Deine Red.

WAS IST LOS IN BERLIN?
27. Mai bis 4. Juni: Theatertreffen der Jugend +++ 28. Mai: Lange Nacht der Wissenschaften 2011 +++ 01. bis 05. Juni: International Design Festival +++ 3. bis 5. Juni: Emergeandsee media arts festival in der Bötzow-Brauerei +++ 8. Juni: 1. Lange Nacht der Bibliotheken +++ 10. - 13. Juni: Karneval der Kulturen +++ 12.Juni: 6. Sky Run Berlin, Treppenlauf über 39 Stockwerke im Hotel Park Inn BerlinAlexanderplatz +++ 17. bis 19. Juni: 48h Neukölln mit zahlreichen Kulturveranstaltungen +++ 18. bis 19. Juni: Lesbisch-Schwules Stadtfest Berlin am Nollendorfplatz +++

IMPRESSUM
Herausgeber: Rüdiger Scholz, SPD Landesverband Berlin, Müllerstr. 163, 13353 Berlin Chefredakteur: Mark Rackles (V.i.S.d.P.) Redaktion: Daniela Augenstein, Ulrich Horb, Gunter Lange, Dieter Pienkny, Ulrich Rosenbaum Autoren: Horst Bosetzky, Siegfried Heimann Bezirksredaktion: Ulrike Dehmel, Julian Zado (Mitte), Burkhart Hawemann (Friedrichshain-Kreuzberg), Wolf Witte (Pankow), Robert Drewnicki (Charlottenburg-Wilmersdorf), Ulrike Sommer (Spandau), Anne-Kathrin Helmstorf, Hans Kegel (Tempelhof-Schöneberg), Ruppert Stüwe (Steglitz-Zehlendorf), Stefan Aust (Neukölln), Ralf Thies (Treptow-Köpenick), Dmitri Geidel, Enrico Stoelzel (Marzahn-Hellersdorf), Henning Fahrenberg, Peter Müller (Lichtenberg), Gilbert Collé (Reinickendorf) Redaktionsassistenz: Teodora Gionova-Busch Anschrift: Berliner Stadtblatt, Müllerstr. 163, 13353 Berlin, Mail: info@berliner-stadtblatt.de, Internet: www.berliner-stadtblatt.de Gestaltung: Projektdesign Berlin Organisation: NetworkMedia GmbH Anzeigen: Berliner vorwärts Verlagsgesellschaft mbH, Mail: anzeigen@vorwaerts.de Druck: Henke Pressedruck GmbH & Co. KG

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THEMA

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Wo Neues entsteht
Der Zukunftsstandort Berlin: Baustelle für neue Arbeitsplätze

Mehr als Gemüse
Berliner Wirtschaft: international und erfolgreich

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o noch vor 100 Jahren an Flugzeugen geschraubt wurde, ist inzwischen Berlins Vorzeigestandort für Zukunftstechnologien entstanden. Die Rede ist von Adlershof. Dort hat sich seit den 90er-Jahren ein Unternehmen nach dem anderen angesiedelt. Ein Wissenschafts- und Technologiepark ist entstanden, der seinesgleichen sucht. 800 Unternehmen mit 1 bis 85 Beschäftigten sind in Adlershof beheimatet und geben starke Impulse hinein in die Berliner Wirtschaft. Diese kann sich vor Ideen und Perspektiven derzeit kaum retten. Am Humboldthafen entstehen demnächst in einem Bürokomplex bis zu 1100 neue Arbeitsplätze. Eine ebenso große Erfolgsgeschichte wird in Buch geschrieben. Auf dem dortigen Wissenschafts-, Gesundheitsund Biotechnologiepark arbeiten in etwa 50 Unternehmen rund 2200 Mitarbeiter. Was in Adlershof und Buch bereits gelungen ist, soll auch im Wedding auf dem früheren Gelände von Bayer-Schering entstehen. Dort ist ein neuer Pharma-Campus geplant. Zusammen mit dem Entwicklungsgebiet Europacity entlang der Heidestraße entsteht so ein

rund 70 Hektar großes innerstädtisches Wohn-, Dienstleistungs- und Industrieareal, in dem gut 10.000 Menschen arbeiten und noch einmal so viele wohnen werden. Insgesamt sollen mehr als drei Milliarden Euro in die neue Mitte investiert werden. Große Ziele gibt es für die beiden Flughäfen Tegel und Tempelhof. Auf dem Gelände in Tegel soll ein Forschungs- und Industriepark Zukunftstechnologie entstehen. Auf 220 Hektar sind nachhaltige und zukunftsorientierte Industrien geplant, im Randbereich sollen Flächen für Wohnen und Gewerbe ausgewiesen werden. Auch das Tempelhofer Feld, das nun seit einem Jahr besteht, wird auf die Ansiedlung von Wohnen und Gewerbe setzen. Besonderes Markenzeichen des traditionsreichen Geländes wird aber sein, dass Klimaschutz, erneuerbare Energien und ökologisches Bauen verzahnt werden. Berlin ist damit insgesamt der Zukunftsstandort der kommenden Jahrzehnte für neue Technologien und tausende neue Arbeitsplätze. Und auch der neue Willy-Brandt-Flughafen wird Jobs schaffen: Experten sprechen von bis zu 40.000.

Türkischstämmiger Optiker in Kreuzberg: Stärkung der Berliner Wirtschaft. Foto: Paul Glaser

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Hits aus Berlin
Jobs zwischen Tradition und Innovation

er hat die Nase vorn beim Gründen neuer Firmen? Polen oder Türken? Die Statistiken geben keine klare Auskunft. Wichtig bleibt: Die ethnische Ökonomie boomt seit Beginn der 90er Jahre, so die jüngste Studie der IHK. Berlins Wirtschaft werde internationaler, das stärke die Metropole als internationaler Wirtschaftstandort, heißt es. Also Imagegewinn sowie neue Jobs und mehr Steuereinnahmen! Die IHK sieht übrigens die polnischen Unternehmen vorn. An den in Berlin gemeldeten Gewerben machen ausländische Unternehmen mittlerweile 12,4 Prozent aus, das sind 32.373 Firmen. Und sie sind mitnichten alle Gemüsehändler. Laut Handwerkskammer Berlin tummeln sich nichtdeutsche Firmen in 80 verschiede-

nen Gewerken, vom Fliesenleger über den Schneider bis zum Maler. Mehr als 10 Prozent der Firmen sind im produzierenden Gewerbe angesiedelt. Laut Türkisch-Deutscher Unternehmervereinigung (TDU) erwirtschaften allein die Betriebe unter ihrem Dach 3,5 Mrd. Euro pro Jahr und schaffen rd. 30.000 Jobs sowie zahlreiche Ausbildungsplätze in der Hauptstadt. „Wir sind fester Bestandteil der Berliner Wirtschaft“, freut sich deshalb Serdar Yilmaz, stellv. Vorsitzender der TDU. Die ethnische Ökonomie weist hohe Wettbewerbsbereitschaft und Arbeitsintensität auf, die Unternehmen befinden sich vorwiegend in Familienbesitz. Wirtschaftswissenschaftler betonen die Vorbildfunktion: Die Unternehmen geben ein Signal an die Migranten, sich hier zu engagieren.

Eigene Talente
BASF: Mehr Ausbildung dank Betriebsrat
icht nur das Erdöl wird knapp im Industrieland Deutschland. Auch mit dem Rohstoff „Bildung“ muss sorgfältiger umgegangen werden. Der Fachkräftemangel droht zur Wachstumsbremse zu werden. Grund genug für den Senat, in seinem „Masterplan Industrie Berlin“ den Finger in die Wunde zu legen und kleine Unternehmen zu ermutigen, mehr in Aus- und Weiterbildung zu investieren. „Der Fachkräftemangel ist zum Teil hausgemacht“, glaubt Ida Schönherr, Betriebsratsvorsitzende bei BASF Services Europa GmbH, einem Dienstleister (von der Gehaltsabrechnung bis zum Sicherheitsschuh), der auf dem internationalen Parkett zuhause ist. Die Wirtschaftskammern hätten die Messlatte für Azubis mittlerweile sehr hoch gelegt. BASF (1100 Beschäftigte, zwei Drittel davon Frauen) ging den eigenen Weg. In einem mühevollen Verhandlungsmarathon haben Betriebsrat und Geschäftsleitung erreicht, dass mehr Jugendliche ausgebildet werden (20 pro Jahrgang), die

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Das zweimillionste Motorrad von BMW läuft vom Band: Klaus Wowereit und Hendrik von Kuenheim, Leiter der gesamten Motorrad-Produktion. Foto: Paul Glaser

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ine moderne, boomende Metropole – das ist Berlin in den vergangenen Jahren geworden. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bescheinigte der Stadt im letzten Herbst: Die Wirtschaft wächst so schnell wie in keinem anderen Bundesland. Dazu beigetragen haben unternehmensnahe Dienstleistungen, der Tourismus mit neuen Besucherrekorden, die

Gesundheitswirtschaft. Aber auch ein neues Verständnis für Industrie. „Die Berliner Industrie ist innovativ und hat unter anderem durch die räumliche Nähe zu hervorragenden Forschungseinrichtungen große Zukunftschancen“, sagt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Und IHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer bestärkt: „Die Berliner Industrie hat einige Produkt-Hits auf den

Weltmärkten gelandet.“ Neue Umwelttechnologien und Elektroautos – das entwickelt sich gerade. Es gibt aber auch längere Erfolgsgeschichten. Als im Spandauer BMW Werk im Mai das zweimillionste Motorrad vom Band lief, war der Regierende Bürgermeister dabei: „BMW und Berlin sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen, wir werden das auch weiterhin erfolgreich tun."

Nur Tage zuvor war er im Neuköllner Werk von Kraft Foods. Das Berliner Werk ist einer der größten Lieferanten für den deutschen Kaffeemarkt, 230 Berlinerinnen und Berliner sind dort beschäftigt. Das Unternehmen produziert mit moderner Technologie, legt aber auch großen Wert auf Nachhaltigkeit. Und Nachhaltigkeit ist überall gefragt - auch bei der Schaffung neuer Jobs.

Quote soll bis auf acht Prozent der Beschäftigten gesteigert werden. 50 Ausbildungsbetreuer kümmern sich um die Jugendlichen. Nach der Ausbildung erfolgt die Übernahme für wenigstens ein Jahr als Büro- oder Industriekaufmann. Auch die Betriebsrätin klagt über das schwächer gewordene Bildungsniveau bei Jugendlichen, aber: Es gelte, Talente und Begabungen zu entdecken und zu fördern. Dazu gehört Mehrsprachigkeit, da der Konzern international agiert. Ähnlich sieht Ida Schönherr die Herausforderungen bei der Weiterbildung. Wenn die SAP-Software anspruchsvoller werde, müssten sich auch die Beschäftigten weiter qualifizieren. Statt Experten einzukaufen, setze man auf den eigenen Nachwuchs. Darin drücke sich Wertschätzung aus und Motivation könne sich mehr entfalten. Engagement müsse aber auch entsprechend entlohnt werden, so Ida Schönherr: „Wir haben in der Wirtschaftskrise verzichtet, jetzt wollen wir unseren Anteil vom Kuchen. Das ist nur gerecht.“

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BERLIN AKTUELL

Berliner Stadtblatt

Stolpern über die Vergangenheit
Erinnerung an Nazi-Opfer wachgehalten
n der Charlottenburger Giesebrechtstraße, 355 Meter lang zwischen Mommsenstraße und Kurfürstendamm, ist das Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen gegen Berliner Juden jetzt optisch sichtbar. Am 8. Mai, dem Tag der Befreiung von der NS-Diktatur, verlegte der in Berlin geborene Projektkünstler Gunter Demnig 84 Stolpersteine vor den einstigen Wohnhäusern deportierter und ermordeter Juden. 32 waren schon früher in die Gehwege eingelassen worden, sodass nun 116 Stolpersteine an das Schicksal der Verfolgten erinnern und mahnen: Kein Rechtsextremismus, kein Rassismus, kein Antisemitismus! Die Vorsitzende der Jüdischen

MELDUNGEN SCHULANMELDUNG
Die befürchteten Probleme bei der Anmeldung zur Oberschule sind ausgeblieben. Obwohl diesmal mehr Schüler von der Grundschule zu den Gymnasien und den Sekundarschulen wechselten als in den Vorjahren, gab es deutlich weniger Widersprüche gegen Ablehnungsbescheide, so Bildungssenator Jürgen Zöllner. Bis Anfang Juni werden zudem rund 500 Lehrerinnen und Lehrer neu eingestellt. Viele Bewerbungen kommen aus anderen Bundesländern. Insgesamt werden in diesem Jahr 1200 Vollzeitstellen neu besetzt.

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Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind, und der Gesandte der Botschaft Israels, Emmanuel Nahshon, sprachen zum Gedenken an die Opfer aus der Giesebrechtstraße. Die Stolpersteine (einer kostet 95 Euro) waren auf Initiative des Rechtsanwalts und Kunstmäzens Peter Raue von den Bewohnern der Straße gestiftet worden. Raue: „Eine großartige nachbarschaftliche Gemeinschaftsaktion gegen das Vergessen.“ In ganz Berlin gibt es aktuell etwa 3.000 Stolpersteine. Die schon verlegten werden in vielen Bezirken von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern regelmäßig geputzt und gepflegt, damit sie weiter Wirkung zeigen.

Stark ohne Gewalt: Spandauer Jugendliche gehen mit der Polizei auf Streife, um Gewalt in Bussen und Bahnen zu verhindern. Foto: Zumal

TEMPELHOF: BELIEBTE FREIHEIT
Die Tempelhofer Freiheit wird von den Berlinerinnen und Berlinern gut angenom-

Nachts auf Streife
Jugendprojekt „Stark ohne Gewalt“ fährt mit der Bahn
ls Antwort auf die Gewalttaten in den Berliner UBahnen geht das Spandauer Präventionsprojekt „Stark ohne Gewalt“ verstärkt auf Tour: Jugendliche und Polizisten aus Spandau und CharlottenburgWillmersdorf fahren ab Juni in den U-Bahnen mit, sprechen mit jungen Leuten, werben für Gewaltfreiheit und klären über das Verhalten in brenzligen Situationen auf. „Wir haben das mit der BVG abgesprochen. Jede Streife wird von Polizisten begleitet, das ist selbstverständlich“, sagte der Mitgründer des Projekts, der

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Sie beteiligten sich im Mai am Putzen der Stolpersteine: Schriftstellerin Inge Deutschkron, Kulturstaatssekretär André Schmitz, Franziska Becker und Frank Jahnke. BLICK NACH RECHTS
Die selbst ernannte Bürgerbewegung „pro Berlin“ braucht noch 8500 Unterstützungsunterschriften, wenn sie am 18. September zu Wahl antreten will. Der aus dem Rheinland importierte Spitzenkandidat Manfred Rouhs hat Anfang April sein Mandat im Kölner Stadtrat aufgegeben. Zur Unterstützung der dortigen Freunde von der „Pro Bewegung“ ist „pro Berlin“ am 7. Mai zum „Marsch für die Freiheit“ an den Rhein gereist - doch das „freiheitliche Großereignis“ der Rechtspopulisten erwies sich mit wenigen hundert Teilnehmern und tausenden Gegendemonstranten als Reinfall. Rechtspopulismus sehen auch Teile der NPD als aussichtsreiches Rezept zum Stimmenfang. Die Nominierung des Unternehmensberaters Hans-Ulrich Pieper, Organisator der „Dienstagsgespräche“, als Kandidat für das Abgeordnetenhaus, ist als Versuch der Neonazi-Partei zu deuten, sich konservativen Strömungen zu öff-

SPD-Abgeordnete Raed Saleh aus Spandau. „Wir machen das ja in den Bussen schon seit über zwei Jahren und haben sehr gute Erfahrungen gemacht“, fügte er hinzu. Saleh weiß: „Gewalt fängt beim Scheibenkratzen an und hört beim so genannten ,Busfahrer-Klatschen’ nicht auf. Wir sprechen das alles offen an und versuchen, die jungen Leute für ein Leben ohne Gewalt zu gewinnen.“ Die jungen Männer und Frauen, die selbst geschult werden, bevor sie auf die Streifen mitgenommen werden, sind

gute Vorbilder und haben einen viel besseren Zugang zu ihren Altersgenossen als Erwachsene. Sie verteilen Flyer, werben mit Musik und arbeiten immerhin schon seit fünf Jahren in Spandau. In dieser Zeit haben sie dazu beitragen können, dass sich die Gewaltspirale nicht ständig weiter dreht. Die Polizeidirektion 2 hat die Zusammenarbeit inzwischen auf das gesamte Gebiet der beiden Bezirke Spandau und Charlottenburg-Willmersdorf ausgeweitet. Saleh: „Nachahmung ist erwünscht.“

men. Über 1,5 Millionen Menschen haben die große Freifläche des ehemaligen Flughafen Tempelhof im vergangenen Jahr besucht. Das Areal ist seit dem 8. Mai 2010 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Ob spazierengehen, walken, joggen, radeln, skaten oder einfach nur auf der grünen Wiese liegen -- die Erholungsmöglichkeiten sind vielfältig. Die entstehende Parklandschaft soll auch in Zukunft viele Nutzungsmöglichkeiten bieten.

nen. Andererseits ist die Berliner NPD eng mit dem Neonazi-Netzwerk „Freie Kräfte“ verbandelt. Drei maßgebliche Köpfe der militanten „Autonomen Nationalisten“ gehören dem Landesvorstand an. NPD-Landesvize Sebastian Schmidtke, Bindeglied zwischen NPD und „Freien Kräften“, kandidiert für die BVV TreptowKöpenick. Zusammengestellt vom Informationsdienst gegen Rechtsextremismus „Blick nach rechts“ www.bnr.de

Der Müll und die Stadt
Mehr Recycling, weniger Betriebskosten

STUDIENPLÄTZE
Aufatmen bei Schulabgängern: Die Zahl der Plätze für Studienanfänger an den Berliner Hochschulen wird bis 2012 auf 31.500 erhöht. 2006 waren es noch 19.000 Plätze. Der Berliner Senat reagiert damit auf den Wegfall der Wehrpflicht, der die Nachfrage an den Hochschulen erhöhen wird. Allein aus Berlin wird mit 1.500 zusätzlichen Abiturienten gerechnet, die statt des Wehr- oder Zivildienstes sofort ein Studium aufnehmen wollen. Dafür hat das Land Berlin acht Millionen Euro zur Verfügung gestellt - zusätzlich zu den bereits eingeplanten 62 Millionen Euro zur Schaffung neuer Studienplätze.

Sperrstunde beim Zocken
Neues Gesetz bremst den Spielhallen-Boom aus
ine Bereicherung für die Stadt sind die bunten Glasfronten nicht. Und die Hoffnung der Spielhallen-Besucher, sich selbst bereichern zu können, geht auch nur selten auf. Jetzt soll ein Gesetz die Spielhallenflut in der Stadt eindämmen. 2005 gab es 297 Spielhallen und 5882 Geldspielautomaten in Berlin. Letztes Jahr waren es schon 11.472 Geräte, verteilt auf 523 Hallen und etliche Gaststätten. Mehr als 400.000

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Euro spielen die Automaten jeden Tag in Berlin ein. „Wir wollen die Glücksspielsucht zurückdrängen, den Jugend- und Spielerschutz stärken und eine Verödung der Stadt verhindern“, sagt der Spandauer SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz. Deshalb begrenzt das neue Gesetz zum Beispiel die Öffnungszeiten: Statt einer Stunde müssen Spielhallen nun acht Stunden (von 3 bis 11 Uhr morgens) schließen. Ein Min-

destabstand von 500 Metern zur nächsten Spielhalle muss eingehalten werden, es gibt Abstandsregelungen zu Kinderund Jugendeinrichtungen. „Spielhallenbetreiber müssen Sachkunde nachweisen, die Beschäftigten müssen Schulungen zur Suchtprävention mitmachen“, sagt Buchholz. Damit soll den geschätzten 37.000 Spielsüchtigen in der Stadt geholfen werden. Berlin ist das erste Bundesland mit einem solchen Gesetz.

In Berlin ist eine einheitliche Wertstofftonne geplant.

HILFE FÜR LÄDEN
Berlins Geschäfte sollen durch Baustellen nicht in wirtschaftliche Not geraten. Bereits jetzt gibt es für Gewerbetreibende finanzielle Hilfen, die aufgrund von Baumaßnahmen des Landes Einnahmeausfälle haben. Dieses Sonderprogramm soll nun auch auf Baumaßnahmen erweitert werden, die nicht direkt vom Land, sondern von der BSR, der BVG oder den Wasserbetrieben durchgeführt werden.

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ostenlos für Mieter und Hausbesitzer soll sie sein, die neue „Wertstofftonne“. Neben Verpackungen mit dem ‚Grünen Punkt‘ wird sie künftig auch alle anderen Plastikabfälle, kleine Elektrogeräte, Metalle und sonstige verwertbare Stoffe aufnehmen. „Der ganz überwiegende Teil dieser Abfälle soll dem Recycling zugeführt werden. Das spart Ressourcen, schont das Klima und ist zudem kostengünstig“,

sagt SPD-Fraktionspressesprecher Thorsten Metter. Seine Fraktion will mit einem neuen Abfallkonzept den Streit um den verwertbaren Müll beenden. Statt zweier konkurrierender Systeme soll es eins geben. Metter glaubt an eine vernünftige Einigung: „Verpackungsabfall bei den Privaten, alle anderen Wertstoffabfälle der privaten Haushalte gehören zum kommunalen Entsorger, also der BSR.“

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BERLINER LEBEN

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Raus aufs Land – rein in die Stadt
Landwirtschaft in der Stadt wird immer beliebter. Berlin ist auch hier Schrittmacher
ur keine Scheu: Einfach aus der U-Bahn raus und rein durchs Gartentor. Es gibt auch Kaffee und Kuchen. Und viel Grün. An einem der wichtigen Plätze Kreuzbergs, dem Moritzplatz, darf man gerne ins Staunen kommen. Wo bis zu einer Bombennacht im Zweiten Weltkrieg ein Wertheim-Kaufhaus stand, grünt und blüht es, seit 2009 zwei junge Menschen das ungenutzte Tortenstück des Runds in Beschlag nahmen. Robert Shaw und Marco Clausen hatten sich ein wenig in der Welt umgeschaut und waren in so unterschiedlichen Hauptstädten wie Havanna und New York auf das gleiche Phänomen gestoßen: „Urban Farming“ – Gemeinschafts-Nutzgärten mitten in der Stadt. Und das wollten sie nun auch in Berlin machen. „Prinzessinnengärten“ nannten sie das Projekt an der Ecke zur Prinzenstraße. Oder auch „Nomadisch grün“. Denn dass sie hier nicht auf unbegrenzte Zeit sesshaft werden konnten, war den beiden gleich klar, als

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Oase in der Innenstadt: die Prinzessinnengärten am Moritzplatz. ihnen mit Hilfe des Bezirksamts das Gelände zur Verfügung gestellt wurde. Von einem Jahr auf das andere könnte ein Investor kommen und dort wieder bauen. Wie bei Nomaden sollte deshalb der Gemüsegarten jederzeit zu neuen Standorten aufbrechen können. Die Lösung: Gebrauchte Brotkisten vom „Märkischen Landbrot“, gefüllt mit Erde vom „Erdenwerk“ aus Falkensee. Sozusagen transportable Hochbeete. Und alles gespendet. Die beiden blieben nicht lange allein. Schnell gesellten sich jüngere und auch ältere Menschen aus dem Multi-Kulti-Kiez hinzu, packten mit an, und es meldeten sich auch diejenigen, die das

Foto: Ulrich Horb Projekt finanziell unterstützen wollten und Beet-Patenschaften übernahmen. Entstanden ist ein richtiges kleines Paradies, versteckt darin Container für die Bewirtung mit Getränken und Imbiss. In den Brotkisten

wachsen Salatköpfe, Kräuter und Wurzelgemüse. Alles „bio“ übrigens. Eine ältere Russin aus dem Kiez kam eines Tage mit einer ganzen Sammlung alter Tomatensorten. Seither werden sie dort ausgesät. Im letzen Winter gab es erstmals auch ein Winterquartier für empfindliche Pflanzen in der Eisenbahnmarkthalle, Robert, Marco und ihr Team sind mittlerweile weit vernetzt mit anderen Garten-Initiativen, die vielleicht weniger Aufmerksamkeit erregen aber umso wichtiger sind, weil es hier um Integrationsarbeit geht. Zum Beispiel beim Interkulturellen Garten „Rosa Rose“ an der Kinzigstraße, der bereits seit 2004 ein Erfolgsmodell für nachbarschaftliches Gärtnern ist. 15 solcher Gärten gibt es derzeit in Berlin, hinzu kommen drei Generationengärten. Und so müssen Kenner mittlerweile nicht mehr nur nach Amerika oder Kuba fahren, sondern können auch in der Spreemetropole, erleben, was „Urban Farming“ bedeutet.

Auf Willy Brandts Spuren
Das Berliner Stadtblatt vor 60 Jahren

Berlin – ein bunt gefüllter Topf
Wenn Heinz Buschkowsky das Rindvieh bei den Hörnern packt und Florian Martens Pferde anfeuert

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eit der Währungsreform waren alle Berliner Zeitungen, vor allem aber auch das SPD-Parteiorgan Der Sozialdemokrat in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die Pressekommission beim SPDLandesvorstand schlug deshalb Ende 1949 vor, Willy Brandt als neuen Chefredakteur zu berufen. Er sollte die Zeitung aktueller und interessanter gestalten. Der neu berufene Chefredakteur schlug eine Titelergänzung vor: Berliner Sozialdemokrat, daraus wurde Anfang 1950 der Name Berliner Stadtblatt. Der neue Name stand für die Absicht, für die Tageszeitung neue Leser auch aus dem Kreise von Nicht-Sozialdemokraten zu gewinnen. Brandt beurteilte den Erfolg seiner Arbeit skeptisch. Die Skepsis war nur allzu berechtigt. Die Berliner Wirtschaftskrise nach dem Ende der

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Blockade war zu groß gewesen. Lediglich 3 500 Abonnenten waren nicht genug. Der Versuch, neue Leser in der ganzen Stadt zu gewinnen, war misslungen. Die Berliner SPD beschloss im Juni 1951, statt einer Tageszeitung nunmehr eine Wochenzeitung herauszugeben. Im Oktober 1951 erschien erstmals die „Berliner Stimme“. Der Name „Berliner Stadtblatt“ aber war nicht vergessen. Im November 1989 war der Ostberliner Bezirksverband der SDP gegründet worden. Mit tatkräftiger Hilfe der Westberliner Genossinnen und Genossen gab dieser das „Berliner Stadtblatt“ heraus. Bis zur Vereinigung mit der „Berliner Stimme“ erschienen von Januar bis April 1990 neun Ausgaben mit einer Auflage von bis zu 100.000 Exemplaren, auch damals übrigens kostenlos verteilt.

erlin ist wie ein bunt gefüllter Topf an Möglichkeiten, für Jung und Alt!“ sagt Kabarettistin Gabi Decker. Und TatortSchauspieler Oliver Mommsen meint: „Dass es in eigentlich eher unspaßigen Land wie Deutschland so eine spontane und verrückte Stadt wie Berlin gibt, ist ein Gottesgeschenk.“ „Berlin ist die Metropole der Gegensätze, Weltstadt und Provinz zugleich, unbequem, frech und bissig, rastlos und immer wieder überraschend“, verspricht der Klappentext von „Berlin – Meine Stadt. Mein Leben.“ Das Buch selbst kommt aber recht ordentlich einher: Zwanzig Porträts, alphabetisch

sortiert, mit schönen Fotos von Lieblingsorten Prominenter. Bei Bread&Butter-Chef Karl-Heinz Müller ist es wenig überraschend der Flughafen Tempelhof, auf dem seine Modemesse stattfindet, bei Handballer Stefan Kretzschmar das Sportforum Hohenschönhausen, bei Alfred Biolek der Kollwitzmarkt. Fotograf André Wagner findet auch bei den bekanntesten Berliner Motiven eine eigene Sichtweise. Und die Porträtierten spielen mit - wenn Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky im Gutsensemble Britz das Rindvieh bei den Hörnern packt oder Schauspieler Florian Martens voller Span-

nung auf die – wenn auch leere – Rennbahn von Hoppegarten starrt. Und nach dem Blättern weiß man: Berlin ist einfach schöner als viele glauben.

BERLIN. Meine Stadt. Mein Leben. Von Claudia Höfling (Text), André Wagner (Fotos), Verlag für Berlin-Brandenburg, EUR 24.90, ISBN-10: 9783942476102

80 Jahre in Eintracht
Beim BSC Eintracht Südring steht die Jugend im Vordergrund
utsal war die Nummer elf. Seit einem Jahr bietet der BSC Eintracht Südring neben zehn klassischen Sportarten wie Volleyball, Tischtennis und Badminton auch diese Hallenvariante des Fußballs an. „Und wir sind drauf und dran, in diesem Bereich der mitgliederstärkste Club in Berlin zu werden“, sagt der Vorsitzende Gerhard Worm. Größter Sportverein in FriedrichshainKreuzberg ist er mit rund 1100 Mitgliedern bereits. Als sich am 28. Juni 1931

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rund 40 Turner und Handballer in der Gaststätte „Absti“ am Marheinekeplatz trafen, war damit nicht zu rechnen. Sie gründeten die „Freie Sport-Vereinigung Fichte (FSF). Nach dem zweiten Weltkrieg ging hieraus der heutige Verein hervor. Seit 1953 ist der Sportplatz an der Gneisenaustraße sein Zuhause, benannt nach Willi Boos, der den Verein einst gründete und ihm 60 Jahre vorstand. Unter Boos’ Nachfolger GerEinträchtig: Der Vereinshard Worm erreichte der BSC vorstand des BSC Eintracht Eintracht Südring den bisher Südring.

größten sportlichen Erfolg: 1999 errang die BadmintonMannschaft den Sieg im Europa-Cup. Doch ist die Eintracht vor allem ein Amateurverein. „Alle Funktionäre arbeiten ehrenamtlich“, betont Worm. „Bei uns steht die Jugend im Vordergrund.“ Fast die Hälfte der Mitglieder sind Kinder und Jugendliche. Der Anteil der Mitglieder mit Migrationshintergrund beträgt 45 Prozent. Gerhard Worm: „Wir haben unsere Mitglieder noch nie gefragt, woher sie kommen.“

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SERVICE

Berliner Stadtblatt

Vom Atomstrom zur Windenergie: So weit ist der Weg gar nicht. Das zeigt zumindest das Windrad neben dem AKW Brunsbüttel.

Foto: Paul Glaser

Kein Atomstrom mehr?
So kann man wechseln: In einfachen Schritten zum Wunsch-Anbieter

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ie Atom-Katastrophe von Fukushima hat einen bisher noch nie gekannten Ansturm auf Ökostrom ausgelöst. Hunderttausende wollen nicht mehr, dass sie mit ihrem Stromtarif Kernkraftwerke finanzieren. Grundsätzlich ist der Wechsel des Stromlieferanten kinderleicht, und teurer muss es hinterher auch nicht sein. Und das sollte man beachten, um den Wechsel gut vorzubereiten: Atomstrom mehr im Mix zu haben, aber trotz aller Klimaprobleme heimische fossile Brennstoffe wie Braun-

kohle aus der Lausitz zu unterstützen und gleichzeitig etwas für die Energieeffizienz zu tun, kann der Berliner bei Vattenfall bleiben und zum Tarif „Berlin Klassik“ wechseln. Hier kommt der Strom aus Kraftwerken, die zugleich Fernwärme erzeugen. (aus regenerativen Energien) egal von wem haben, so gibt es auch den bei Vattenfall. Aber man muss wissen, dass man einen Versorger mitfinanziert, der zwei – wenn auch derzeit vom Netz genommene – Atommeiler

in Norddeutschland und sieben in Schweden betreibt. nehmen offerieren „Ökostrom“, verschweigen aber, dass dieser Strom oft nur durch an der Börse gehandelte Zertifikate, meist aus Norwegen, „grün gewaschen“ ist. Außerdem sollte man aufpassen, dass nicht Vorkasse für ein Jahr verlangt wird – schon mancher Anbieter ist vorher Pleite gegangen. nen Ökostrom-Anbieter – Greenpeace Energy, Naturstrom, Lichtblick und

Elektrizitätswerke Schönau – wechselt, geht auf Nimmer sicher. Sie beziehen den Strom nicht nur aus Wasserund Windkraft, Biomasse oder Sonnenenergie sondern investieren auch entsprechend. Man sollte sich nicht an Ständen auf Plätzen und Märkten oder am Postschalter einen Wechsel aufschwätzen lassen, sondern erst einmal einen Preisvergleich vornehmen. Hier helfen unabhängige Internetportale. Einfach den Verbrauch vom letzten Jahr eintragen und Klick. Der neue Stromlieferant übernimmt die Abwicklung mit

dem bisherigen. Der Gebietsmonopolist - hier Vattenfall muss den Strom zur Steckdose

schicken, auch wenn der neue Lieferant in Schwierigkeiten geraten sollte.

INFORMATIONEN ZUM ANBIETERWECHSEL
Auf mehreren Internetseiten kann man selbst den Preisvergleich machen: www.verivox.de, www.oekostrom-vergleich.com, www.oekostromanbieter.org oder www.stromauskunft.de. Im gerade erschienenen Ökotest Heft (Mai 2011) werden ÖkoStromtarife verglichen. (www.oekotest.de) Hier erreichen Sie die Anbieter von Ökostrom direkt: www.greenpeace-energy.de (Hotline 040 / 808 110-600) www.naturstrom.de (Kundenservice: 0211-7790) www.lichtblick.de (Hotline: 0180-2-660660) www.ews-schoenau.de (Hotline: 07673-888555)

MANCHMAL MUSS ES SCHNELL GEHEN

DIE WICHTIGSTEN NOTRUFNUMMERN
Polizei Feuerwehr und Rettungsdienst Hilfe in Not Ärztlicher Bereitschaftsdienst Giftnotruf Zahnärztlicher Notfalldienst Zentraler Hebammenruf Drogennotdienst Tierärztlicher Notdienst Autoversicherer Zentralruf Stördienst Gas (GASAG) Stördienst Wasser (BWB) Stördienst Strom (Vattenfall) Krisenhilfen Berliner Krisendienst Telefonseelsorge Kinder- und Jugendtelefon Elterntelefon Opferhilfe Weißer Ring Sperren / Verlust EC- / Maestro-Karten Kreditkarten 110 112

Berliner Stadtblatt

Vorsicht: Baustelle
Die Engpässe im Berliner Nahverkehr in den kommenden Wochen

(030) 310031 (030) 19240 (030) 89004333 (030) 2142771 (030) 19237 (030) 83229000 0180-25 (030) 78 72 72 0800 292 75 87 01802 11 25 25

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(030) 39063-10 bis -90 0800-1110111 0800-1110333 0800-1110550 01803-343434

01805-021021 116 116

ie Sanierung der U- und S-Bahnstrecken in Berlin geht weiter. Bis zum 10. Juni verlängert wurden die Bauarbeiten auf der U5 (Alexanderplatz - Hönow), was zu längeren Fahrtzeiten zwischen Hellersdorf und Hönow führt. Fahrgäste müssen in den nächsten Wochen mit Einschränkungen auf der U-Bahnlinie 2, den SBahnlinien 46 und S8 und der Ringbahn rechnen. Anders als beim Ausfall der S-Bahnzüge kommen den Fahrgästen aber die Einschränkungen später zu- Baustelle Ostkreuz: Auch hier gibt es über Pfingsten EinFoto: Ulrich Horb gute: mit sicheren Strecken und schränkungen. moderneren Bahnhöfen. und Schönhauser Allee in und Grünau in beiden RichBauschwerpunkte im S-Bahnbeiden Richtungen tungen netz zu Pfingsten 2011 (10.06. bis 14.06.): mehrerer Weichen im Bahn- Bauschwerpunkte der BVG hof Grünau: Schienenersatzverkehr zwischen Ostkreuz verkehr zwischen Adlershof dion und Ruhleben Sper-

rung wegen Bauarbeiten in beiden Richtungen bis auf Weiteres. Es besteht Ersatzverkehr mit der verlängerten Buslinie 131. eck und U Wittenbergplatz Sperrung wegen Bauarbeiten in beiden Richtungen vom 09.05.2011 bis 11.11.2011. Die Züge fahren zwischen Pankow und Gleisdreieck sowie zwischen Ruhleben/ Olympia-Stadion und Wittenbergplatz. Zwischen Potsdamer Platz und Gleisdreieck besteht nur eine Zugfolge von 10-Minuten, jeder zweite Zug im Tagesverkehr endet am Potsdamer Platz. Zwischen Gleisdreieck und Wittenbergplatz nutzen Sie bitte die Züge der Linie U1.

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U N T E R H A LT U N G

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Zugluft
Unterwegs mit Horst Bosetzky
ch hatte in meiner Bürozeit einmal einen Kollegen, der hieß Zietz, Timon Zietz, und immer wieder einmal, wenn er sich am Telefon mit „Hier Zietz“ meldete, kam der kostenlose Ratschlag: „Dann machen Sie doch das Fenster zu.“ So etwas kann ganz schön nerven. Nicht anders ist es mit dem Spielchen im Sommer in der S-Bahn. Neben mir sitzt eine Verehrerin und Max Frisch und Friedrich Luft und reißt das Fenster auf, weil sie glaubt im Mief ersticken zu müssen. Ich freue mich einerseits darüber, weil frische Luft eine gute Sache ist und auch ich gerade wegen Sauerstoffmangels am Kollabieren war, fürchte aber sofort, dass sich durch die kühle Zugluft mein drittes Ohr entzünden könnte, mein Mittelohr. So freue ich mich ein zweites Mal, als nun Roland Ruppig aufspringt, und das Fenster wieder

So gesehen…
Erich Rauschenbach
dest verbal, wobei die alte Berliner Geisteshaltung „Lieber warmer Mief als kalter Ozon“ eine nicht geringe Rolle spielt. Ich habe es bei solchen Kampfhandlungen immer schwer, weil ich eigentlich für beide Seiten bin und die Rechtslage auch nicht ganz geklärt ist. Jedenfalls ist das ganze meist recht amüsant und dient ja auch einer vergleichsweise harmlosen Aggressionsabfuhr, ich fürchte nur, dass es in den Berliner S- und U-Bahnzügen bald so sein wird wie bei ICE, wo sich die Fenster ja überhaupt nicht mehr öffnen lassen. Horst Bosetzky, als Krimiautor –ky bekannt geworden, schreibt für das Berliner Stadtblatt Alltagsgeschichten aus dem Berliner Nahverkehr. Zuletzt erschien von ihm im Jaron-Verlag der Kriminalroman „Der Lustmörder“

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schließt. Dabei knallt es so laut, dass das etliche Fahrgäste für eine Explosion halten und zum Arzt eilen, um sich ihr Knalltrauma behandeln zu lassen. Ein paar Stationen weiter wiederholt sich alles: Fenster auf, Fenster zu, wenn auch mit anderen Akteuren. Manchmal bekriegen sich die Auf- und die Zu-Partei sehr heftig, zumin-

Das Berlin-Rätsel im Mai
Testen Sie Ihr Wissen der Berliner Landespolitik. Lösung in der nächsten Ausgabe oder ab 15. Juni 2011 unter http://www.berliner-stadtblatt.de

Bilderrätsel: Wo steht dieses Haus?

„Stimmen, die man nicht hören kann aber sehen kann sie jeder MdB ‚Dem deutschen Volke’ steht auf deren Haus von diesem hier ruft Volkes Stimme raus“ Das Berliner Stadtblatt verlost unter den richtigen Einsendungen zum Bilderrätsel der Mai-Ausgabe einmal 2 Freikarten für eine Aufführung in der Komischen Oper sowie dreimal je ein Buch „Berlin. Meine Stadt. Mein Leben“. Einsendeschluss ist der 15. Juni 2011 (per Post an das Berliner Stadtblatt, Müllerstraße, 163, 13353 Berlin oder per Email: info@berliner-stadtblatt.de).

Wortsuche zur Landespolitik
WAAGERECHT 1 Kandidat Linkspartei (4) 3 Mode für Schwangere (8) 9 dauern (7) 10 ... ist menschlich! (5) 11 Hilft beim Beladen und Starten (5) 12 Zentraler Punkt in Wahlprogrammen (6) 14 Der Arzt spritze nicht, er ... (6) 16 Besonderer Bildschirm (6) 19 Ehemaliger Regierender Bürgermeister (6) 21 Binnenstaat in Asien (5) 24 Zu Rittern machen (5) 25 Vorsitzender SPD Berlin (7) 26 Grüner Mann (8) 27 Vogel, auch in Badewannen (4) SENKRECHT 1 Ist im Amt und will es bleiben (8) 2 Streitpunkt beim BBI (5) 4 Kandidaten wollen es erringen (6) 5 Treibt uns alle um (5) 6 ... und Goldmund (7) 7 Center am Potsdamer Platz (4) 8 Die Kraehe ... (6) 13 Nimmt Stimmzettel auf (8) 15 Sollten am Wahltag möglichst viele sein (7) 17 Unter diesen liegt Berlins Boulevard (6) 18 Spielen in Politik und im Theater (6) 20 Hauptstadt Kambodschas (Teilwort) (5) 22 Nachbarland (5) 23 ... doch zur Hölle! (4) Zwanzig Worte mit Bezug zur Politik, Wirtschaft und Wahlkampf sind in unserem Wortsuchrätsel zu finden. Markiert werden kann in alle Richtungen: vertikal, horizontal und diagonal. Zusätzlich lässt sich ein Begriff ein zweites Mal finden. Und es gibt einen Begriff, der in der Landespolitik nichts verloren hat. Welcher ist das? Die richtige Lösung finden Sie ab 15. Juni auf der Internetseite www.berliner-stadtblatt.de

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CHARLOT TENBURG-WILMERSD ORF

Berliner Stadtblatt

NAUMANN MEINT... MÄDCHEN SIND ANDERS, JUNGEN ABER AUCH!
Liebe Bürgerinnen und Bürger, ist Ihnen eigentlich bekannt, dass allein seit 2006 in Berlin zusätzlich 100.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden sind? Dies ist ein großer Erfolg aufgrund der gemeinsam geleisteten Anstrengungen der Wirtschaft in dieser Stadt und des von Klaus Wowereit geführten Senats.

Hertha wieder erstklassig

Campus Charlottenburg: Ein neues Gründerzentrum
ie City-West bietet mit ihren zwei Hochschulen, der TU Berlin, der Universität der Künste, 32.000 Studierenden, 6.000 Wissenschaftlern, fünf Theatern und Hunderten von Betrieben des Designs, der Gastronomie und des Einzelhandels beste Voraussetzungen für einen Campus der Technik und Kreativwirtschaft. Bereits im Dezember 2008 haben Wirtschaftsförderer, Be-

Wichtiger Wirtschaftsfaktor in Westend Fortsetzung von Seite 1 - Raum für Technik und Kreativität

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zirksamt, Senatsverwaltungen und Hochschulmanager das Projekt NAVI BC (NAchhaltige VItalisierung Berlin-Charlottenburg) im Amerikahaus an der Hardenbergstraße ins Leben gerufen - inzwischen auch bekannt als „Campus Charlottenburg“. Es geht um interdisziplinäre Zusammenarbeit etwa im Bereich der Hochtechnologie, des Designs oder der Informa-

tions- und Kommunikationsbranche. Allein die TU Berlin hatte in den letzten drei Jahrzehnten über tausend Ausgründungen und sicherte mehr als 11.000 zukunftsträchtige Jobs in Berlin. Das neue Gründerzentrum in der City-West wird die Unternehmensgründungen auch in Branchen der Designer, Musiker, Filmemacher, Modeschöpfer oder Galeristen weiter steigern.

Seltener Moment der Ruhe: das Olympiastadion. Foto: Paul Glaser
ertha BSC hat seine Mission erfüllt und ist wieder aufgestiegen. Das freut nicht nur die vielen Fans, die dem Verein die Treue gehalten haben und das Olympiastadion bei Heimspielen jedes Mal in eine grandiose Fußballkulisse verwandelt haben. Wichtig ist der Aufstieg auch für die vielen Arbeitsplätze, die am Stadion hängen. So profitiert der Handel z. B. in der

NOTIZEN AUS CHARLOTTENBURG-WILMERSDORF OHNE EINTRITT!
Schon einmal ist der Versuch der Stiftung Schlösser und Gärten, im Schlosspark Charlottenburg Eintritt zu verlangen, am Widerstand von Politik und Bevölkerung gescheitert. Zu erneuten Diskussionen um Parkeintrittspreise sagen die SPD-Kandidaten Ülker Radziwill, Fréderic Verrykken und Robert Drewnicki, deren Wahlkreise um den Park liegen, klar: Der Schlosspark bleibt Volkspark - ohne Eintritt.

Reinhard Naumann. Doch noch immer sind weite Bereiche der Arbeitswelt durch vermeintlich männeroder frauenspezifische Berufe geprägt - zu Unrecht, wie ich finde! Deshalb unterstütze ich seit vielen Jahren den Girls’Day, der traditionell im April stattfindet. Mädchen und junge Frauen, zumeist noch Schülerinnen, machen sich dabei vertraut mit „männlich“ dominierten Berufen, z. B. dem des KFZ-Mechanikers oder Bauingenieurs. Bundesweit hat in diesem Jahr erstmals auch ein Boys’ Day stattgefunden. Ich freue mich darüber, denn diesen kleinen Bruder des Girls’ Day, wie ich ihn gerne nenne, gibt es in Charlottenburg-Wilmersdorf bereits seit 2008! Seitdem stetig wachsend, haben in diesem Jahr über 300 Jungen im Alter von 1117 Jahren aus acht Schulen unseres Bezirks die Möglichkeit genutzt, in „weiblich“ dominierte Berufe, z.B. den der Kita-Erzieherin oder Altenpflegerin, hineinzuschnuppern. Die Rückmeldung der jungen Menschen ist eindeutig positiv. So werden Rollenklischees auf diese ganz praktische Weise hinterfragt. Insbesondere im Bildungsund Sozialbereich fehlen oftmals die Männer, hingegen in vielen technischen Berufen die Frauen. Meine berufliche Erfahrung sagt mir, dass es auf eine gute Mischung von Frauen und Männern am Arbeitsplatz ankommt, von der alle Beteiligten profitieren, egal in welchem Berufsfeld. Und natürlich darauf, dass Frauen endlich ohne Diskriminierung gleichermaßen wie Männer entlohnt werden. Wie ist Ihre Meinung? Ich freue mich auf den Dialog mit Ihnen! Ihr Reinhard Naumann Bezirksbürgermeister-Kandidat für CharlottenburgWilmersdorf Ihr direkter Kontakt: reinhard.naumann@web.de

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Reichsstraße von den Menschen, die das Stadion bei Fußballspielen, Konzerten und anderen Veranstaltungen besuchen. Darunter fast eine viertel Million Touristen pro Jahr. Ärgernis bleiben die Staus und die in den kleinen Alleen wild parkenden Autos. Bezirk und Initiative Stadionparkzone (www.stadionparkzone.de) setzen sich für ein Verkehrskonzept für das Stadion ein.

OLYMPIABAD
Es ist eines der Publikumsmagneten an heißen Sommertagen: das Olympia-Freibad. Das soll auch so bleiben. Dazu brauchen die Bäderbetriebe die Unterstützung des Senats, denn das Bad muss dringend saniert werden, am besten schon 2012. Schön wäre natürlich, wenn man dazu die Schließzeiten nutzen könnte, damit das kühle Nass und der 10 Meter Sprungturm für alle Freibadliebhaber im Sommer geöffnet bleibt.

STOLPERSTEINE
Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die letzten Wohnorte der von den Nazis Deportierten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Damit die vom Winter verdreckten Stolpersteine wieder zur Geltung kommen, hat die SPD Charlottenburg-Wilmersdorf am 7./8. Mai anlässlich des Jahrestages der Befreiung Deutschlands von den Nazis die Stolpersteine des Bezirkes geputzt.

Stadtteilmütter für den Norden
Fortsetzung von Seite 1
ie Stadtteilmütter im Charlottenburger Norden wollen nicht nur bei Erziehungsfragen helfen. Auch bei Fragen zur Ernährung, zum richtigen Umgang mit Medien oder zu innerfamiliären Konflikten stehen sie Eltern mit Rat und Tat zur Seite. Ausgebildet wurden die Stadtteilmütter durch das Diakonische Werk Steglitz und Teltow-Zehlendorf e.V. Unterstützt wird das Projekt vom JobCenter. Im Charlottenburger Norden sind die ersten Stadtteilmütter seit Anfang 2010 unterwegs. Die Initiative geht auf einen Antrag der SPD in der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf zurück. Ursprünglich kommt die Idee aus Neukölln. Dort läuft das Projekt bereits seit sieben Jahren erfolgreich. Und

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Blick auf das Schloss Charlottenburg. Der Schlosspark soll Volkspark bleiben - ohne Eintritt. Foto: Paul Glaser

„Nicht wegzudenken“
Serdar Yilmaz über die türkischen Unternehmer in Berlin

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erlins Wirtschaft ist bunt. Das macht Serdar Yilmaz, stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung türkisch-deutscher Unternehmen in Berlin (TDU) und Inhaber der SunTrips Reisen GmbH, im Interview mit der SPD-Abgeordneten Ülker Radziwill deutlich. Herr Yilmaz, was macht ihr Unternehmen? Suntrips ist Reiseveranstalter für Städte- und Badeurlaub mit ca. 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, seit 17 Jahren ein waschechtes Berliner Unternehmen in der Hardenbergstraße. Wir sind gewisserma-

ßen ein Multikulti-Unternehmen, haben türkischstämmige Mitarbeiter, aber auch aus dem Libanon, Somalia, Serbien, Polen und Vietnam. Kunterbunt. Sie bilden auch aus? Ja, wir haben je nach Zeitraum 4-6 Auszubildende. Wissen Sie wie viele Unternehmen mit Migrationshintergrund es in Berlin gibt? Genaue Zahlen habe ich nicht. Leute wie ich, die 40 Jahre hier sind, fühlen sich deutsch wie türkisch und haben oft die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Es gibt geschätzt ca 30.000 Unterneh-

men, in denen die Inhaber einen Migrationshintergrund haben und sie beschäftigen viele tausende Mitarbeiter. Unternehmer mit Migrationshintergrund sind ein fester Bestandteil und tragen viel zum Wohlstand unserer Stadt bei. Wäre wohnortnahe Versorgung ohne sie noch denkbar? In der Lebensmittelbranche sind die türkischen Unternehmer sehr stark. Ich glaube aber, es gibt fast keine Branche, wo türkische Unternehmer nicht tätig sind. Ohne sie würde es Berlins Wirtschaft schlechter gehen.

auch in anderen Berlinern Bezirken, wie etwa Steglitz-Zehlendorf und Kreuzberg-Friedrichshain gibt es mittlerweile Stadtteilmütter-Projekte. Nun will auch das bevölkerungsreichste Bundesland, Nordrhein-Westfalen, das Projekt bei sich etablieren. Seit einigen Wochen sind in Bochum, Dortmund und Essen Stadtteilmütter unterwegs, um dabei zu helfen. Eine der Mütter bringt es auf der feierlichen Einführung auf den Punkt: „Schade, dass es „uns“ noch nicht gegeben hat, als wir selber unsere Kinder großgezogen haben!“ Kontakt zu den Stadtteilmüttern bekommen Eltern unter Tel. 0177-3097772. Wer sich als Stadtteilmutter bewerben will, kann sich an das Diakonische Werk (030-7710972) wenden.

Die Stadtteilmütter helfen und beraten im Charlottenburger Norden. Foto: Karen Eva Noetzel
        
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