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Periodical volume

Full text: Der Ganghofer Issue 35.2015,August/September

der

Gang­hofer

Die Zeitung des Quartiersmanagements Ganghoferstraße

Vandalismus
August / September 2015

Veranstaltungen
Editorial

Die Sommerpause neigt sich dem Ende zu und das Quartier wird aktiv: Gleich drei neue Projekte starten (bzw. haben schon begonnen) und in den kommenden Wochen vergeht kaum ein Wochenende ohne Veranstaltungen. Im Herbst, so sieht es aus, beginnt das eigentliche Jahr im Quartiersgebiet. Dass vieles jetzt erst richtig in Bewegung kommt, hat damit zu tun, dass in der ersten Jahreshälfte die Projekte entwickelt, ausgeschrieben und organisiert wurden. Den Projekten sind ausführliche Diskussionen im Quartiersrat und in öffentlichen Sitzungen vorausgegangen. Dort wurde ermittelt, wo im Quartier der Schuh drückt, wo Verbesserungen notwendig sind und wer Unterstützung braucht. Auf den Projektfindungsworkshops Anfang des Jahres kristallisierten sich die Themen Bildung und Nachbarschaft heraus. Die drei großen Projekte, die gerade anlaufen, gründen auf dieser Bedarfsanalyse: Es gibt ein Projekt zur Sprachförderung, ein Projekt zur Unterstützung von SchülerInnen bei der Berufswahl und ein Projekt, das Nachbarn zusammenbringen will (s. S. 5-7). In den nächsten Monaten finden neue Diskussionsrunden statt, in denen es um die Entwicklung von Projekten für das kommende Jahr gehen wird. Da Verbesserungen im Kiez nur mit engagierten BewohnerInnen zu erreichen sind, würden wir uns freuen, wenn wieder viele Anregungen, Kritiken und Ideen eingebracht werden. Dafür stehen wir jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung. Ihr Team vom Quartiersmanagement Ganghoferstraße

Gewerbe im Kiez

Aktionstage 2015 „Kunst, Kultur & Handwerk“

Foto: M. Hühn

Reinhold Steinle, hier auf der Tour 2014, führt wieder zu den Geschäften im Kiez. Am Freitag, den 18. und Samstag, den 19. September finden jeweils von 14 bis 20 Uhr die diesjährigen Aktionstage „Kunst, Kultur & Handwerk“ im Quartiersgebiet statt. Die Aktionstage sind diesmal Teil von „Kultkölln“, dem Jahrmarkt der Manufakturen, den das Kreativnetz Neukölln gemeinsam mit dem Citymanagement der [Aktion! KarlMarx-Straße] ausrichtet. „Kunst, Kultur & Handwerk“ und „Kultkölln“ passen gut zusammen: Auf beiden Veranstaltungen zeigen die Gewerbetreibenden und Kreativen des Kiezes bzw. Neuköllns, wie vielfältig die Angebote an Handel, Dienstleistungen, Handwerk und Kultur sind. Die Aktionstage sind dabei als „Tage der offenen Türen“ gedacht, an denen Besucher­ Innen die Möglichkeit haben, die teilnehmenden Geschäfte und Galerien auf Rundgängen besser kennen zu lernen und teilweise zu günstigeren Preisen einzukaufen. Manche Läden haben sich besondere Aktionen und Angebote überlegt: So gibt es bei „Pünktchen und Caro“ in der Richardstraße Waffeln und in der Galerie „Studio Baustelle“ in der Berthelsdorfer Straße einen Workshop mit Plastiktüten. Die Gewerbetreibenden präsentieren sich aber nicht nur in ihren angestammten Räumen, sondern auch auf dem Alfred-Scholz-Platz. Hier schneidet u.a. die Modefriseurin Margit Zahn am Samstag open-air die Haare, es gibt Büchsenwerfen mit „Lux-Optik“ und einen kostenlosen Hörtest des Hörgeräteladens „Ganz Ohr“. Kulturell begleitet werden die zwei Aktionstage von Live-Musik, Artisten des Zirkus Cabuwazi und den legendären Kiezführungen von Reinhold Steinle. Wer Lust hat, kann sich auch an einer Foto-Safari beteiligen. Die besten Fotos werden am Samstag ab 20 Uhr auf der Abschlussveranstaltung in der Galerie „schlaf-mit-kunst“, Richardstr. 105 prämiert und anschließend in den Räumen des QM-Büros ausgestellt. Organisiert wird das Event von der mpr-Unternehmensberatung, die seit mehreren Jahren Gewerbetreibende im Auftrag des Quartiersmanagements berät und unterstützt. Das ausführliche Programm finden Sie auf www.qm-ganghofer.de. M. Hühn

Kontakt Quartiersmanagement Ganghoferstraße Donaustraße 78/Ecke Roseggerstraße 50 12043 Berlin Telefon: 030-6808 5685 0 Telefax: 030-6808 5685 19 E-Mail: team@qm-ganghofer.de www.qm-ganghofer.de Öffnungszeiten Montag bis Donnerstag 10‑17 Uhr Freitag 10‑14 Uhr Sprechstunde Mittwoch 15‑18 Uhr und Donnerstag 10‑13 Uhr 2

der Ganghofer

Veranstaltungen

Jetzt anmelden und am 10. Oktober mitkochen

AllerWeltsSuppen
Am Samstag, den 10. Oktober werden auf dem AOK-Vorplatz die Löffel zum schönsten Fest des Jahres geschwungen. Zum fünften Mal findet „AllerWeltsSuppen“ statt, das Fest, auf dem man Suppen aus (fast) allen Kontinenten gegen einen geringen Betrag probieren kann. Auf dem Suppenfest zeigt sich der wahre Reichtum Neuköllns, seine kulturelle Vielfalt, die man hier riecht und schmeckt. In den letzten Jahren gab es unter anderem Suppen aus dem Libanon, aus China, Südamerika, Australien oder aus Italien. Gekocht werden die kulinarischen Perlen von Menschen aus dem Kiez, die entweder ein Gericht aus ihrem Herkunftsland oder aus anderen Ländern dieser Welt anbieten. Wer sich mit einer eigenen Suppe beteiligen möchte, kann sich noch bis zum 14. September im Quartiersbüro anmelden. M. Hühn
Foto: M. Hühn

Suppen gibt es überall und die besten in Neukölln.

Rollen auf dem Richardplatz am 12. September

In Rixdorf ist Popráci
die Botschaft der Tschechischen Republik in Berlin zum Strohballenrollen ein – ein traditionelles Fest in moderner Form. Alle sind herzlich eingeladen, am Samstag, den 12. September ab 13 Uhr mitzufeiern, die Strohballen rund um die Schmiede am Richardplatz zu rollen oder die Teams anzuspornen. Daneben gibt es Spiele, Essen, Musik und Tanz. Mannschaftsanmeldung und nähere Infos unter www. popraci.de bzw. anmeldung@popraci.de
Foto: traumpfad e.V.

Eine alte, längst vergessen geglaubte Tradition wurde wiederbelebt! Seit 2008 laden die Künstlerkolonie Rixdorf und

Auch das QM Ganghoferstraße unterstützt das 182. Rixdorfer Strohballenrollen und fördert Angebote für Kinder in der Richardstraße. Schauen Sie vorbei, wir freuen uns! Hinweis: Die Organisatoren des Strohballenrollens benötigen noch Spenden. traumpfad e.V./M. Hühn

Uraufführung: Die Rixdorf SAGA Teil 3

Planet Rixdorf 2244
Die Rixdorf SAGA ist eine wechselvolle Geschichte von Zuwanderung, Vertreibung, Katastrophen und Amüsement. Um die zweihundert Mitwirkenden vom Kindergartenkind bis zum Senior, vom Künstler bis zur Hausfrau, vom Gewerbetreibenden bis zum Schüler - allesamt aus dem Kiez - erzählen und spielen in einer großen Freilichtaufführung die „Rixdorf SAGA“. Die Uraufführung findet am Sonntag, den 6. September um 15 Uhr auf der Streuobstwiese hinter dem Museum im Böhmischen Dorf statt. traumpfad e.V.
Foto: traumpfad e.V.

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Thema

Blinde Zerstörungswut

Vandalismus im Kiez

Foto: T. Henrich

Die zerstörte Tischtennisplatte im Jan-Hus-Weg konnte nicht mehr repariert werden und wurde abtransportiert. Da lag sie nun: Die beliebte Tischtennisplatte im Gerlachsheimer Weg, kaum ein Jahr alt. Das eine Bein gebrochen, die schwere Betonplatte gekippt. Die Zerstörung der Platte ist der vorläufige Höhepunkt eines Phänomens, dass in letzter Zeit häufiger zu beobachten ist: Vandalismus im öffentlichen Raum. In der letzten Ausgabe des Ganghofers hatten wir schon einmal kurz über das Thema berichtet. Zum einen ging es dabei um die Zerstörung der Schilder, die SchülerInnen der Richardgrundschule auf dem Spielplatz am Richardplatz aufgehängt hatten. Die Kinder forderten darauf ein rücksichtsvolles Miteinander und den respektvollen Umgang mit dem Spielplatz im Allgemeinen. Zum anderen ging es um die Zertrümmerung des Schaukastens im Gerlachsheimer Weg, in dem die Kita Brüdergemeine regelmäßig Bilder und Sprüche aus dem Kita-Alltag veröffentlichte sowie um die Fluchttür der Kita, die schon mehrmals eingeschlagen wurde. Die Reihe „Vandalismus im Kiez“ lässt sich noch um einiges erweitern: herausgerissene Pflanzen, gesprengte oder aufgerissene Hundekotbeutel-Spender, umgestürzte Bänke usw. Vandalismus, so die landläufige Definition, beschreibt eine „blinde Zerstörungswut“, die sich in der Regel gegen Sachen 4 der Ganghofer richtet. Kriminologisch ist der Begriff etwas weiter gefasst und schließt neben Sachbeschädigung auch Körperverletzung und Tierquälerei mit ein. Für die Polizei macht es dabei keinen Unterschied, ob jemand einen Grund für seine Tat hat oder nicht. Die politisch oder künstlerisch motivierten Graffiti auf einer Wand gelten genauso als Sachbeschädigung wie das Einschlagen eines Fensters. Grundsätzlich ist die Sache mit dem Vandalismus allerdings nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Manches sieht nach Vandalismus aus, was sich bei genauerem Hinsehen als Begleiterscheinung eines anderen Deliktes herausstellt: „Man kann Vandalismus kriminalistisch schwer aufarbeiten. Es kann sich auch um einen Einbruch oder versuchten Diebstahl handeln, bei dem etwas kaputt geht“, erzählt Peter Grzeschik vom Polizeiabschnitt 54 in der Sonnenallee. Dort, wo es sich um blinde und vor allem sinnlose Zerstörungswut handelt, ist die Aufklärungsquote ernüchternd gering. Da die Taten meistens spontan begangen würden, sei die Polizei von Zeugen abhängig, die genaue Täterhinweise geben könnten. „Eine richtige Fahndung“, erklärt Grzeschik, „gibt es nicht.“ Hinzu komme, dass der „typische“ Vandale nicht existiere. Allerdings lasse sich die Tätergruppe einiger-

Thema / Projekte

maßen eingrenzen: „Meistens sind es männliche Jugendliche, die ihren Mut erproben oder ihre Kräfte messen“, so Grzeschik. Von Vandalismus betroffen war in den letzten Wochen auch der Comenius-Garten in der Richardstraße, in dem zahlreiche Äste von Bäumen abgebrochen wurden. Für Henning Vierck, den Leiter des Gartens, ein eher neues Phänomen. Vierck, der auch schwierige Jugendliche zu seinen Gartenbesuchern zählt und mit diesen ein respektvolles Verhältnis hat, sieht die Ursache im Tabubruch durch vermeintlich harmlose Besucher. Seitdem sich Nordneukölln zur Partyzone entwickelt habe, werde der Garten bisweilen als Ort genutzt, „um nach einer durchzechten Nacht den Alkoholspiegel neu einzupegeln“, so Vierck. Es seien zwar gebildete Leute, die hier gemütlich im Gras säßen, aber „sie respektieren den Schutzraum der Kinder nicht.“ Außerhalb der regulären Öffnungszeiten kletterten diese Erwachsenen über den Zaun – ein auf den ersten Blick geringes Vergehen. Aber: „Wenn ich mir erlaube, drüber zu klettern, motiviere ich andere es auch zu tun. Ich muss meine egoistischen Interessen zurücknehmen und an der gemeinschaftlichen Entwicklung der Regeln des Gartens

mitwirken. Wenn dies nicht gelingt, kommt es zu Gewalt“, so Vierck. Dass gerade die schwierigen und zum Teil auch gewaltbereiten Jugendlichen, die Vierck persönlich kennt, den Garten nicht zerstören, verweist auf einen grundlegenden Aspekt des Vandalismus: den der Beziehung bzw. Beziehungslosigkeit. Zum einen zerstört kaum jemand etwas, das er in irgendeiner Form sein Eigen nennt bzw. für das er sich verantwortlich fühlt. Zum anderen werden selten Dinge von Menschen oder Gruppen zerstört, mit denen man respektvoll kommuniziert. An diesem Punkt setzt auch die Prävention an - die einzige Strategie, die Hilfe verspricht. „Da viele Straftaten aus Langeweile passieren, brauchen die Jugendlichen Angebote. Man muss sie einbinden, wenn es um Veränderungen geht und im persönlichen Gespräch vermitteln, dass es auch ihre Dinge sind, die im öffentlichen Raum stehen“, erklärt Peter Grzeschik. Im Kiez, so der Polizist, sei das aber nicht so einfach: „Es gibt kaum Treffpunkte, an denen man die Jugendlichen direkt ansprechen kann.“ M. Hühn

Neue Veranstaltungsreihe

Nachbarschaftsprojekt „Kiez trifft Kiez“
Fotos: chariteam

Wollen Nachbarn zusammen bringen: Sarah Kröger, Christine Haida und Robin Spaetling. Im Ganghofer Kiez wohnen die unterschiedlichsten Menschen verschiedener Kulturen und Religionen. Oft fällt es nicht so leicht, andere Anwohner und Anwohnerinnen kennen zu lernen – das möchte die Veranstaltungsreihe „Kiez trifft Kiez“ ändern. Bis Ende 2017 werden wir alle ein bis zwei Monate eine Veranstaltung durchführen. Wir planen z.B. eine Führung in der Herrnhuther Brüdergemeine und der Yeni Moschee zur Langen Nacht der Religionen am 29. August, eine Kiez-Rallye zur Erkundung des Ganghofer Gebietes, eine Ausstellung von Künstlern aus dem Kiez, Backen in der Vorweihnachtszeit, einen Theateraktionstag etc. Wir, das sind: Robin Spaetling, Christine Haida und Sarah Kröger vom Engagement-Netzwerk chariteam. Unser Ziel ist eine gute Nachbarschaft im Kiez - und die entsteht meist dann, wenn sich die AnwohnerInnen kennenlernen. Übrigens: Anregungen und Vorschläge für Aktionen und Veranstaltungen sind herzlich willkommen! S. Kröger Kontakt: kroeger@chariteam.de. 5

August / September 2015

Projekte

Ein Sprach-, Lese- und Bildungsprojekt im Quartier

Mobile Sprachwerkstatt
Lesen macht Spaß und fördert die geistige Entwicklung.

Foto: Eventilator

Bücher sind Spielzeuge. Sie laden zum Greifen und Blättern, zum Deuten und Zeigen, zum Sprechen und Vorlesen ein. Für Klein- und Kitakinder sind diese Bücher die ersten Schritte in die Lesewelt. Leider haben nicht alle Kinder die Gelegenheit, Bücher auf diese spielerische Weise kennen zu lernen. Darum hat das Quartiersmanagement Ganghoferstraße einen Ideenwettbewerb mit dem Motto „Mobile Sprachwerkstatt“ ausgeschrieben. Eventilator, eine Kreuzberger Agentur zur Lese- und Sprachförderung, wurde für die Projektdurchführung ausgewählt. In den nächsten zweieinhalb Jahren werden im Quartier verschiedene Aktionen und Maßnahmen zum Umgang mit Büchern, Spielen und elektronischen Medien angeboten. Sprach-Lese-Spiele In den Mutter-Kind-Treffs von Sherazad und Wanda e.V. gibt es gemeinsame Sprach- und Spiel-Workshops für Kleinkinder und ihre Mütter. Nicht das Vorlesen steht bei den Workshops im Vordergrund, sondern das miteinander Entdecken von Farben, Formen und Geschichten. Kinder brauchen dieses „Futter“ für ihre geistige Entwicklung. In den Workshops lernen Mütter und die Mitarbeiterinnen auch neue Lesemedien wie sprechende Stifte, Apps und Lernspiele kennen. Die Lesepädagogin Sylvia Krupicka zeigt, wie Mütter - und gerne auch Väter(!) - zu Hause oder in der Kita selber 10- bis 20-minütige Buchaktionen durchführen können. Sachbuch-Quiz Im Szenenwechsel, dem Mädchen-Treff in der Donau­ straße, wird im Herbst ein Workshop zu Sachbüchern angeboten. Viele Grundschulkinder im Quartier haben Schwierigkeiten, sich aus Büchern oder aus dem Internet 6 der Ganghofer

Jugendliche entwickelt. Im kommenden Jahr ist dann ein Workshop für die älteren Mädchen im Szenenwechsel geplant. Schülerinnen der Oberschulen sind in der Schule oder in der Ausbildung mit schwierigen Texten konfrontiert. Im Workshop werden Übungen erprobt, um die Mädchen bei den Hausaufgaben besser unterstützen zu können.

Informationen zu bestimmten Themen zu holen. Die Erzieher­ innen vom Szenenwechsel wollen mit den Mädchen spielerische Ideen wie Quiz, Rätsel oder Wissens-Wettbewerbe entwickeln. Unterstützung bekommen die Erzieherinnen und die Mädchen von Frank Sommer von Eventilator, der seit über 15 Jahren Leseprojekte für Kinder und

Vorlesetraining In der Yeni Camii in der Richardstraße wurde eine kleine Leseecke mit Kinderbüchern eingerichtet. Nach den Gebetsstunden am Samstag wollen aktive Gemeindemitglieder Kindern vorlesen. Das Projekt „Mobile Sprachwerkstatt“ unterstützt diese Initiative mit einem Kurs für interessierte VorleserInnen. In einer der Grundschulen im Quartier ist 2016 ein Kurs für Eltern dieser Grundschulkinder geplant. Denn auch Kinder aus den ersten Klassen, die selber lesen lernen, brauchen Vorlesezeit mit Eltern. Wie man spannend und vor allem im engen Kontakt mit den Kindern vorliest, trainieren dann professionelle Erzähler gemeinsam mit den Eltern. Und damit auch viele Kinder etwas vom Trainingskurs der Eltern miterleben, ist ein großes Lesefest in der Schule geplant. Und für alle, die sich im Quartier Ganghoferstraße für Bücher, Lesen und Sprachspiele interessieren und selber aktiv werden wollen, sind ab dem Jahr 2016 monatliche Treffen geplant. Wer sich engagieren will, ist immer willkommen. F. Sommer

Kontakt: Eventilator / Projektleitung Frank Sommer, www.eventilator.de, Tel 030 / 612 88 104

Projekte

Projekt für SchülerInnen in der Übergangsphase

Wie finde ich den richtigen Beruf?
Beim Verfassen von Bewerbungen können Jugendliche aus dem Kiez auf Hilfe rechnen.

Foto: Alte Feuerwache e.V.

Der Übergang von der Schule in den Beruf ist eine Phase, in der sich vor vielen SchülerInnen ein unüberschaubarer Berg von Fragen auftürmt: Welcher Beruf ist der richtige, soll ich eine Ausbildung beginnen, weiter zur Schule gehen oder studieren? Und falls ich mich entscheide: Wie geht es weiter, wo kann ich mich bewerben und wie soll ich das machen? Die Entscheidungen, die getroffen werden müssen, sind existentiell, oft mit Unsicherheit und Ängsten besetzt. Da die Schulen personell nicht immer in der Lage sind, die SchülerInnen individuell zu beraten, brauchen viele Hilfen von außen. Im Idealfall sollten die SchülerInnen nicht lange nach Beratungsangeboten suchen müssen, sondern sie dort finden, wo sich ein Teil ihres Lebens abspielt: in Jugendeinrichtungen, religiösen Gemeinschaften oder Vereinen. Um die MitarbeiterInnen der im Kiez ansässigen Einrichtungen in Sachen Berufsberatung zu unterstützen und zu begleiten, gibt es seit Juni 2015 das Projekt „Gemeinsames Gelingen Ganghoferkiez - Übergang Schule-Beruf“. Projektträger ist das Lokale Berufliche Bildungszentrum (LBO) des gemeinnützigen Vereins Alte Feuerwache. Das LBO arbeitet seit Jahren in Neukölln mit Schulen, Bildungsträgern und sozialen Einrichtungen zusammen. Unter anderem bietet es Beratungen für SchülerInnen, Fortbildung für Lehrkräfte und SchulsozialarbeiterInnen an und vernetzt Akteure, die mit Berufsorientierung zu tun haben.

Das Ziel des Projektes „Gemeinsames Gelingen Ganghoferkiez“ ist der Aufbau eines nachhaltigen Netzwerks, das die bereits bestehenden Angebote in den verschiedenen Einrichtungen für Jugendliche bekannter macht und miteinander verknüpft. Darüber hinaus werden weitere Initiativen wie z.B. Unternehmensnetzwerke und Elterncafés in das Netzwerk integriert, um alle am Berufswahlprozess der Jugendlichen beteiligten Akteure einzubeziehen. Dafür nehmen zurzeit die LBO-MitarbeiterInnen Corinna Maschke, Marlies Renkl und Daniel Dietelbach Kontakt zu den Einrichtungen auf und klären, welche Angebote und Vorstellungen in den Einrichtungen existieren und welche Kapazitäten vorhanden sind. Zusätzlich finden mehrere Veranstaltungen statt, bei denen sich die Einrichtungen kennenlernen und austauschen können. „Unser Ziel ist es“, so Maschke, „Angebote aufzubauen, die längerfristig bestehen bleiben. Dazu gehört, dass die MitarbeiterInnen in den Einrichtungen genau wissen, wie sie den Jugendlichen Hilfe anbieten können.“ Die Angebote sollten nicht doppelt vorhanden sein, sondern ineinander übergreifen. Wichtig sei, so Maschke, dass die Jugendlichen ihre AnsprechpartnerInnen kennen, Vertrauen zu ihnen hätten und dass durch Mundpropaganda das Hilfsangebot auch diejenigen erreiche, die nur sporadisch eine der Einrichtungen besuchten. Dem Vorurteil, dass Neuköllner SchülerInnen schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten als andere, lassen Maschke und Dietelbach nicht gelten. „Die Jugendlichen kriegen viel zu oft zu hören, dass ihre Fähigkeiten nicht ausreichen würden. Es ist aber eher ein Problem der Gesellschaft, die die Jugendlichen zu wenig unterstützt“, so Maschke. Letztlich, ergänzt Dietelbach, hätten alle eine Chance, wenn man sie eng begleite und bei Rückschlägen auffange. „Man muss manche Jugendliche auch trösten und wieder aufbauen, wenn es beispielsweise bei der ersten Bewerbung nicht klappt.“ Deshalb ist es Teil des Projektes, dass die Jugendlichen im Kontakt mit Unternehmen realistische Perspektiven herausbilden und dass für den Fall von Absagen ein Plan B oder C entwickelt wird. In der LBO-Broschüre „Arbeitswelt­ orientierte Erfolgsgeschichten - Neuköllner Lebenswege“ wird der 18jährige Ogushan Kalayci zitiert, der jetzt eine Ausbildung zum Verkäufer macht: „Man muss den Hintern bewegen und immer weitermachen, bis man eine Zusage bekommt.“ M. Hühn

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Sonntags eine ruhige Kugel schieben

Treffpunkt Boule-Platz

Etwas südfranzösische Lebensart konnte genießen, wer am letzten Juli-Sonntag am Boule-Turnier im JanHus-­ eg teilgenommen W hat. Sechs Teams sind dem Aufruf des Quartiersmanagements Ganghoferstraße gefolgt und spielten gegeneinander den Gewinner eines hochwertigen Sets Boulekugeln aus. Aber nicht der Wettbewerb stand an dem sonnigen Nachmittag im Mittelpunkt, sondern die gute Atmosphäre: Da auf der Boulebahn immer nur zwei Mannschaften gleichzeitig spielen konnten, blieb genug Zeit, mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu klönen. Auch die Vorbeikommenden blieben stehen, konnten Getränke zu sich nehmen, genossen die Musik von DJ XLA oder haben sich sogar kurzerhand zu einem zusätzlichen Team zusammengefunden. So waren die Teilnehmer bunt gemischt: Vom Könner mit eigenen Boule-Set bis zum Anfänger, der noch nie eine Kugel in der Hand gehalten hat, war alles dabei. Möglich war dies auch dank der einladenden Moderation von Hussein Chahrour sowie der tollen Organisation durch Pantelis Lekakis-Kerkyraios.

Ein wichtiges Ziel des Boule-Turniers war es, den bislang wenig genutzten Bouleplatz im umgestalteten Jan-Hus-Weg stärker als einen Treffpunkt ins Bewusstsein der Nachbarschaft zu rücken – umso mehr, als die nebenan aufgestellte neue Tischtennisplatte im Juni von Vandalen irreparabel zerstört wurde (s. S.4). Dazu wurde auch eine Tafel mit Hinweisen zum Boulespielen eingeweiht. Quartiersmanagerin Tanja Henrich zeigt sich mit dem Nachmittag hoch zufrieden: „Das war sogar noch netter, als wir uns das gewünscht hatten: Ganz unterschiedliche Leute haben mitgemacht, hatten Spaß miteinander und werden den bislang etwas verborgenen Bouleplatz bestimmt auch wieder nutzen.“ Erste Verabredungen zumindest wurden schon getroffen. Ab jetzt immer wieder sonntags Interessierte, die keine MitspielerInnen haben oder spontan spielen möchten, können sich künftig immer sonntags um 15 Uhr vor Ort treffen. Kugeln dafür können zu den Bürozeiten beim QM auch über das Wochenende ausgeliehen werden.

„Einstellungssache! Jobs für Eltern“ die Jobmesse am Do, 3. September
„Einstellungssache! Jobs für Eltern“ – die erfolgreiche Jobmesse des Jobcenter Berlin Neukölln und des JOB POINT findet dieses Jahr unter der Schirmherrschaft der Bezirksbürgermeisterin Frau Dr. Franziska Giffey zum 3. Mal in der Passage vor der Neuköllner Oper statt. Regionale Unternehmen und Beratungseinrichtungen präsentieren sich auf dem Marktplatz der Möglichkeiten mit ihren freien Stellen- und Beratungsangeboten. Interessierte Arbeitsuchende können auf der Messe ganz unkompliziert in den direkten Kontakt mit den Arbeitgebern treten, sich über passende Jobmöglichkeiten informieren und sich vor Ort mit ihren Unterlagen bewerben. Von 10-14 Uhr in der Passage vor der Neuköllner Oper.
Unter Beteiligung von: Gefördert durch:

Impressum Herausgeber: Quartiersmanagement Ganghoferstraße Donaustraße 78, 12043 Berlin Tel.: 030-6808 5685 0 Fax: 030-6808 5685 19 E-Mail: team@qm-ganghofer.de www.qm-ganghofer.de V.i.S.d.P.: Mathias Hühn Redaktion/ Layout: Mathias Hühn Druck: Ronald Fritzsch Auflage: 2.000

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