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Periodical volume

Full text: Der Ganghofer Issue 33.2015,April/Mai

der

Gang­hofer

Die Zeitung des Quartiersmanagements Ganghoferstraße

Kiezgärten
April / Mai 2015

Neuigkeiten
Editorial

Pünktlich zum ersehnten Frühling behandelt der Ganghofer ein echtes Zeitgeist-Thema: das „Urban Gardening“, also das Gärtnern in der Stadt. Wirklich neu ist das Thema jedoch nicht. Noch viele BerlinerInnen erinnern sich an Zeiten, in denen Landwirtschaft ein sichtbarer Teil der Stadt war. Auch das Urban Gardening begann schon vor 40 Jahren in New York, hat aber erst in den letzten 10 Jahren wirklich Fuß in der deutschen Hauptstadt gefasst. Die Urban Gardening-Bewegung bedient – je nach Selbstverständnis – ganz unterschiedliche Aspekte: wohnortnahe Obst- und Gemüseproduktion, das soziale, oft integrative Miteinander, die aktive Teilhabe an Stadtentwicklung, die Verbesserung der Stadtökologie oder auch weitergehende kulturelle oder nachbarschaftliche Angebote. Von Anfang an hat die Nutzung, Umgestaltung und Pflege grüner Flächen eine große Bedeutung für das Quartiersmanagement Ganghoferstraße gehabt. Dies zeigt sich etwa in Maßnahmen zur Streuobstwiese, Baumscheibenbegrünungen oder Aktionen wie den bepflanzten Einkaufswagen. Ein großes Projekt im Quartier sind die „Umweltaktionen“ der Stadtagenten, zu dem auch der Frühjahrsputz oder das Verteilen von Sonnenblumensamen gehören. Wer mit offenen Augen durch den Kiez läuft, kann sehen, wie viel grünes Potenzial hier schlummert. Das QM hilft beim Wecken. Ihr Team vom Quartiersmanagement Ganghoferstraße

Bis 8. Mai: Haben Sie Vorschläge für Bauvorhaben?

Neue Bauprojekte für das QM Ganghoferstraße

Foto: M. Hühn

Die ehemalige Hausmeisterwohnung der Eduard-Mörike-Schule wird umgebaut und kann so für den Schülerclub und vom Elterncafé genutzt werden. Anders als bei den normalen Projekten des Quartiersmanagements entscheidet bei den Bauvorhaben der Quartiersrat nicht über die Förderung, sondern nur über eine Prioritätenliste möglicher Vorhaben im Gebiet. Die Entscheidung über die kostenintensiven Bauprojekte trifft letztlich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, die aus den gesammelten Vorschlägen aller 34 Berliner Quartiersmanagementgebiete ihre Favoriten auswählt. Ausgewählt wurde nun auch ein weiteres Bauprojekt aus dem Ganghoferkiez: An der Eduard-Mörike-Schule wird das ehemalige Hausmeisterhaus umgebaut. Seit 2011 ist die Mörike-Schule als einzige Grundschule Nordneuköllns im sogenannten gebundenen Ganztagsbetrieb. Bis mindestens 16 Uhr ist damit der Verbleib der Schülerinnen und Schüler verpflichtend. Damit einher gehen natürlich auch erweiterte Anforderungen an die Raumausstattung, etwa für AGs, den Schülerclub oder die Hausaufgaben-Betreuung. Das nicht mehr genutzte Hausmeisterhaus auf dem Schulgelände bietet dafür Potenziale, die bislang nicht genutzt werden können: Ein zweiter Fluchtweg ist notwendig, die sanitären Anlagen müssen ersetzt und der Dachboden ausgebaut werden. Zur Ausweitung der wichtigen Elternarbeit der Schule soll zudem ein einladender straßenseitiger Eingang zum einzurichtenden Elterncafé geschaffen werden. Gleichzeitig müssen die Anforderungen des Denkmalschutzes erfüllt werden. Mit der im März getroffenen Finanzierungszusage über 349.000 Euro kann die Schule den Umbau bis 2016 durchführen und damit ihren Schwerpunkt des sozialen Lernens stärken. Zudem wird der parallel eingereichte Vorschlag zum Umbau des Schulhofes noch zwischen Bezirksamt und Senatsverwaltung diskutiert. Jetzt läuft die nächste Förderrunde an, und dafür sammelt und erarbeitet das QM-Team Vorschläge. Welche Bauprojekte sind aus Ihrer Sicht im Quartier notwendig? Die Prioritätenliste soll mit dem Quartiersrat am 8. Mai abschließend diskutiert werden. Wenn Sie eine Idee haben, welche Freifläche oder welche soziale oder Nachbarschafts-Einrichtung im Ganghoferkiez neu gestaltet werden sollte, dann wenden Sie sich mit Ihrer Vision an das QM-Team – wir freuen uns über konstruktive Anregungen! Martin Gorecki, QM Ganghoferstraße der Ganghofer

Kontakt Quartiersmanagement Ganghoferstraße Donaustraße 78/Ecke Roseggerstraße 50 12043 Berlin Telefon: 030-6808 5685 0 Telefax: 030-6808 5685 19 E-Mail: team@qm-ganghofer.de www.qm-ganghofer.de Öffnungszeiten Montag bis Donnerstag: 10‑17 Uhr Freitag: 10‑14 Uhr Sprechstunde Mittwoch: 15‑18 Uhr u. Donnerstag: 10‑13 Uhr 2

Neuigkeiten

Am Samstag, 13. Juni: Feiern Sie mit!

Kiezfest in der Donaustraße
Foto: M. Hühn

Mitmachaktion auf dem Kiezfest 2014. Im Ganghoferkiez lässt es sich gut feiern, das haben die Suppenfeste auf dem AOK-Vorplatz und die Kiezfeste in der Donaustraße in den letzten Jahren bewiesen. Dabei war es gerade mit den Kiezfesten immer so eine Sache. Selbst wenn vorher tagelang die Sonne schien - am Samstag des

Kiezfestes kam mindestens einmal ein Schauer vorbei. Trotzdem waren es durchweg entspannte, gut besuchte Feste, bei denen viele Menschen miteinander ins Gespräch kamen. Projekte, Einrichtungen und Gewerbetreibende stellten sich vor oder boten Mitmachaktionen an. Das wird auch dieses Jahr wieder so sein, eventuell sogar ohne Schauer. Am Samstag, 13. Juni werden in der Donaustraße ab 13 Uhr die Stände aufgebaut sein und natürlich auch die Bühne, auf der das gewohnt abwechslungsreiche Kulturprogramm stattfinden wird: u.a. mit der Bigband der Richard-Grundschule, Sängerinnen des Mädchenzentrums Szenenwechsel und den jungen TänzerInnen der Kita Brüdergemeine. Organisiert wird das Fest wieder von Hussein Chahrour. M. Hühn Kiezfest. Samstag, 13. Juni ab 13 Uhr in der Donaustraße zwischen Wörnitzweg und Treptower Straße (Höhe Verkehrsschulgarten)

Großer Frühjahrsputz am 25. April!
Am Samstag, den 25. April starten wir um 11 Uhr gemeinsam vom Büro des Quartiersmanagements in der Donau­ straße 78 unseren großen Kiezputz, ausgestattet mit allen nötigen Utensilien wie Handschuhen, Besen und Mülltüten, die uns auch dieses Mal wieder netterweise von der BSR gestellt werden. Nach unserem besenschwingenden Spaziergang gibt es eine Siegerehrung, bei der die Kinder gekürt werden, die den meisten Müll gesammelt haben. Danach gibt es für alle ein paar leckere Snacks. Die Aktion findet statt im Rahmen des vom Programm Soziale Stadt geförderten Projektes „Umweltbewusstsein stärken im Ganghoferkiez“, das die Stadtagenten organisieren. Wir hoffen, dass Sie dabei sein können! Die Stadtagenten Nadine Lorenz, Chris Benedict & Alexander Rückl (www.stadtagenten.org)

Hertzbergplatz: Kiezolympiade am 7. Juni
Am Sonntag, den 7. Juni 2015 findet ab 14 Uhr zum ersten Mal in diesem Jahr auf dem Hertzbergplatz ( an der Sonnenallee) die Kiezolympiade des Ganghofer Kiezes statt. Hier warten viele spannende Sport- und Bewegungsangebote, die Ihr kostenlos und gemeinsam mit Freunden und Familie ausprobieren könnt. Das Ganze findet im Rahmen des Projektes „Sportvereine gehen in die Schulen!“ statt (gefördert durch das Programm Soziale Stadt) und wird vom bwgt e.V. organisiert. Infos und Kontakt unter www.bwgt.org. Kiezolympiade, 7. Juni, 14–18 Uhr, Hertzbergplatz

Foto: bwgt e.V.

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Plakat: Stadtagenten

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Thema

Urbanes Gärtnern

Die Sehnsucht nach Grün

Foto: H. Bloch

Sieht nach Land aus, liegt aber im Kiez: Garten mit Scheune im Böhmischen Dorf. Wer in der Berliner Innenstadt wohnt, hat zum ländlichen, nahrungsmittelproduzierenden Raum in der Regel ein distanziertes Verhältnis. Die Stadtgrenze und die dahinter liegenden Felder sind weit weg, folglich bekommen nur wenige BewohnerInnen mit, woher zumindest ein Teil der täglichen Nahrung stammt. Dabei ist es noch nicht allzu lange her, da war das Verhältnis der BerlinerInnen zur Natur bzw. zur Nahrungsmittelproduktion wesentlich enger. Nach dem Krieg wurden in den meisten Schrebergärten Obst und Gemüse angebaut, um die Versorgung mit Frischkost sicher zu stellen. Die städtische Nahrungsmittelproduktion ging spätestens seit den sechziger Jahren aber immer mehr zurück. Viele Schrebergärtner stellten auf Zierpflanzen um, große Gärtnereien, die Gemüse anbauten, verschwanden nach und nach. Nichtsdestotrotz ist Berlin eine grüne Stadt, da macht der Ganghoferkiez keine Ausnahme. In den letzten Jahren gibt es verstärkt eine Hinwendung zu grünen Flächen, auch in Neukölln. Manche Projekte sind nur für eine kurze Zeit, manche planen für Jahre. Fest steht: Urbanes Gärtnern ist im Kommen. Fest steht auch: Es gibt genügend Potenzial dafür. 4 der Ganghofer Urban Gardening Die Idee, in der Stadt Gemüse anzubauen und sich selbst zu versorgen, hat seit einigen Jahren zum Aufblühen der „Urban Gardening“-Bewegung geführt. Egal ob auf dem Tempelhofer Feld oder im Prinzessinnengarten in Kreuzberg, gemeinsames Gärtnern ist beliebt und es machen viele mit. Beim Urban Gardening ist der soziale Aspekt mindestens genauso relevant wie der ökologische. Allein im Prinzessinnengarten zählt die Kerngruppe 30 Menschen, weitere 60 sind temporär dabei. Entstanden ist die Urban Gardening-Bewegung in New York, wo Menschen in den 1970er Jahren eigenmächtig anfingen, Flächen zu begrünen und später Gemüse anzubauen. Längst ist aus dem anfangs oft illegalen Guerilla-Gärtnern eine Bewegung geworden, mit der auch Stadtplaner rechnen, wenn es um die Verbesserung der Klimabilanz geht. Aber nicht nur das Klima spielt perspektivisch eine Rolle: Weil Menschheit und Städte wachsen, wird auch die Stadt - wieder - als Standort für die Nahrungsmittelproduktion wichtig. Neben sozialen, kulturellen und auch politischen Gesichtspunkten ist Urban Gardening deshalb auch ein großes Expe-

Thema

riment: Welche Sorten eignen sich, welche ökologischen Anbautechniken ergeben den besten Ertrag und welche Flächen können genutzt werden? Infrage kommt im Grunde jeder Flecken, auf den Licht fällt und der nicht direkt und ungeschützt den Emissionen des Straßenverkehrs ausgesetzt ist. Eine Untersuchung der TU Berlin hat ergeben, dass die Schadstoffbelastung bei Gemüse unbedenklich ist, wenn es nicht direkt an eine vielbefahrenen Straße, sondern in Hinterhöfen oder auf Dächern angebaut wird. Café Botanico Einer, der mit viel Einsatz eine 1.000 qm große Fläche gärtnerisch bearbeitet, ist Martin Höfft vom Café Botanico in der Richardstraße 100. Hinter dem Haus, in dem das Café liegt, hat Höfft vor ein paar Jahren einen „Permakultur-Garten“ angelegt. Früher war das Areal verholzt und zugewuchert, jetzt gedeihen dort Kräuter und alte Gemüsesorten, die Höffts Schwiegervater in der Küche des Botanicos verwendet. Das Permakultur-Prinzip basiert auf der Idee, die Natur für sich arbeiten zu lassen. Das heißt, die Erde wird nicht umgegraben und nur in Ausnahmefällen gedüngt, den Rest erledigen die Pflanzen selbst: Sogenannte „Pionierpflanzen“ verbessern durch ihr Wuchsverhalten oder ihre Düngequalität langfristig die Güte des Bodens. Das Gemüse wird nicht komplett abgeerntet, sondern mehrfach genutzt und schließlich samt Wurzel verwittern gelassen. Was sich zunächst nach einer Variante für faule Gärtner anhört, bedeutet tatsächlich in der ersten Phase einen großen Arbeits- und Zeitaufwand. „Man kann nicht erwarten, dass man in zwei, drei Jahren einen guten Boden hat.“ Höfft beobachtet vorsichtig den Zustand der Pflanzen, greift hier und da ein, pflanzt gegebenenfalls Sorten nach, die den Boden bereichern. Wenn er düngt, dann mit Kompost oder selbst angesetzter Pflanzenjauche aus Brennnesseln. „Im Grunde bin ich kein Gärtner, sondern eine Art Steward. Man sollte schon eine Lebensgemeinschaft mit dem Garten eingehen.“ Der Garten ist einer der wenigen innerstädtischen, der eine Biozertifizierung bekommen hat. Die belegt, dass ökologische und natürliche Kreisläufe beachtet werden. Mittlerweile kann Höfft ganzjährig im Café Gemüse anbieten, das im Garten frisch geerntet wurde. Nur im Februar musste er das Angebot reduzieren, weil im Winter mehr verbraucht wurde, als nachwachsen konnte. Viele Gäste, so Höfft, seien durch das Essen im Café auf den Garten aufmerksam geworden und ließen sich vom Permakultur-Konzept inspirieren. Wer selbst einen solchen Garten plane, sollte sich aber vorher unbedingt beraten lassen und Wissen aneignen. Wichtig sei vor allem, erklärt Höfft, langfristig agieren zu können. So sollten beispielsweise länger laufende Verträge mit den Hausverwaltungen

Foto: M. Höfft

Eine Schulklasse erkundet den Permakulturgarten. Weitere Infos zum Garten und zum Café gibt es unter www.cafe-botanico.de abgeschlossen werden. Wenn alles klappt, haben beide Seiten etwas davon, denn die Hausverwaltungen müssen keine Gartenbaufirma mehr engagieren, gewönnen besseren Boden und die Gartenbetreiber ernten wohnortnah frisches Gemüse. Bepflanzte Einkaufswagen Eine radikale Variante des Urban Gardening erprobten Thomas Herr und Gabrielle Maingy 2012 im Ganghoferkiez. An zwei Tagen bepflanzten sie zusammen mit knapp zwanzig Kindern und NachbarInnen auf dem Parkplatz der Brüdergemeine Einkaufswagen, die zuvor als Sperrmüll irgendwo herumstanden. Herr und Maingy hatten vor der Aktion nach Paten gesucht, die anschließend die bepflanzten Wagen pflegen und Herausgerissenes erneuern sollten. Gefördert wurde das Projekt vom Quartiersmanagement, das ebenfalls für einen Wagen in der Donaustraße die Patenschaft übernahm. Im Nachhinein gab es aber nicht nur positive Stimmen zu den Mobilen Gärten. Brigitta Polinna vom Museum im Böhmischen Dorf: „Irgendwann sahen die Einkaufswagen nur noch wie Müll aus. Die Pflanzen waren herausgerissen und ständig lag Abfall drin.“ Thomas Herr nimmt die Kritik locker, denn die ganze Aktion war als Versuch und als Kunstaktion gedacht: „Der Gedanke war ja, die Einkaufswagen als Symbol des Konsums umzunutzen und darin etwas zu produzieren.“ Man hätte, so Herr einschränkend weiter, vielleicht deutlicher kommunizieren müssen, dass die Patenschaft einen gewissen Aufwand darstellt. Die PatInnen, so Herr, müssten sich als wirkliche GärtnerInnen der Rollwägen annehmen, April / Mai 2015

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da gießen alleine nicht reiche. Auf jeden Fall sei das Bepflanzen auf dem Parkplatz ein soziales Event geworden, bei dem vor allem Kinder begeistert mitgemacht hätten. Grün im Kiez: Mehr wäre möglich Auch wenn manche Einkaufswagen Opfer von Vandalismus geworden sind, so hat das Konzept, auf private Initiative hin Grün in die Stadt zu bringen, viel Potenzial. Und kann eine Ersparnis für Mieter, Vermieter und die öffentliche Hand bedeuten.

Foto: M. Hühn

„Topfschnitt“: Kompromisslos gestutzte Hecken in der Donaustraße. Dass eine grüne, von professionellen Gartenbaufirmen gepflegte Fläche, noch lange nicht schön aussehen muss oder der Artenvielfalt Vorschub leistet, wird deutlich, wenn man sich manche Ecken im Kiez genauer betrachtet. Was auf einer Luftbildaufnahme grün aussieht, entpuppt sich aus

der Nähe oft als triste Wiese oder grob gestutzte Hecke. Rainer Thier, Ur-Neuköllner und Mitglied in der Aktionsfondsjury, kennt sich in der Fauna aus wie kein zweiter im Kiez. Er weiß, welche Bäume heimisch und welche importiert sind, er kennt die lateinischen Namen und die Bedürfnisse der Pflanzen. Für die Art und Weise, wie im Kiez die elektrische Heckenschere geschwungen wird, hat er kein Verständnis: „Guck dir die Hecke hier an, die ist fast zu Tode geschnitten. Die Sträucher werden in eine rechtwinklige Umwelt gezwungen, das ist deprimierend.“ Wir stehen in der Donaustraße vor dem Wohnblock der Neuköllner Baugenossenschaft, zwischen dem Block und der Straße erstreckt sich eine breite Grünfläche. Um die parzellierten Rasenflächen ziehen sich Hecken, allesamt auf Hüfthöhe abgeschnitten. Was oben zu viel geschnitten wurde, ist unten zu wenig passiert. Dort drängen sich alte, abgestorbene Stämme und nehmen der Pflanze Raum und Licht. Das Kahlschlag-Prinzip wiederholt sich öfter im Kiez: Überall dort, wo professionelle Firmen im Auftrag von Haus- oder Grundstücksverwaltungen aktiv sind, geht es meist um die Regulierung der Heckenbreite- und höhe, aber nicht um ein Erscheinungsbild, das den verschiedenen Anlagen gerecht wird. Dabei könnten die Hausverwaltungen sogar Geld sparen, wenn sie, so Rainer Thier, das vorhandene Potenzial besser nutzen würden: „Mit einfachen Mitteln kann man unterschiedliche Heckensorten pflanzen, die auch nicht jedes Jahr geschnitten werden müssen.“ Thier plädiert für die Anpflanzung angestammter Bäume wie Walnuss und Vogelbeere sowie früh blühender Heckensorten. Letztlich hätten alle etwas davon: Zu Ostern würde der Kiez in vielen verschiedenen Farben blühen, der Pflegeaufwand wäre geringer und die Vögel, Schmetterlinge und Kleinsäugetiere hätten mehr Raum und Nahrungsvielfalt. M. Hühn

Grüner Kiez

Offene und verborgene Gärten im Quartier
Wer sich ein Luftbild des Kiezes anschaut, sieht zwar auch die langgezogenen, dicht an die Straße gebauten Mietshäuser, aber dahinter und dazwischen gibt es zahlreiche Ecken, auf denen Bäume stehen oder sonst irgend etwas wächst. Manche dieser Gärten sind für alle zugänglich, manche nur an wenigen Tagen. Die Gärten im Böhmischen Dorf Die Gehöfte in der Richardstraße sind die letzten innerstädtischen Anlagen, die einen Eindruck aus der Zeit vermitteln, als in Berlin noch traditionelle Landwirtschaft betrieben wurde. Gärten gab es in den geschlossenen Höfen aber nur kleine, meist waren es umzäunte Flächen für die Erholung. 6 der Ganghofer Die Umzäunung war nötig, damit die im Hof frei laufenden Hühner dort nicht wühlten. Häufig stand noch eine kleine Laube im Garten mit Gitterholz und Dach, erzählt Brigitta Polinna: „Da saß man dann und trank Kaffee.“ Größere Anbauflächen existierten außerhalb der Hofmauern zwischen der Kirchgasse und der Donaustraße. Dort zogen die Bauern Pflanzen an, die sie später auf ihre Felder setzten, die allerdings weiter draußen an der Neuköllner Grenzallee lagen. Mit dem Ende der Landwirtschaft im Böhmischen Dorf seien die Gemüsegärten und Teile der Hofanlagen, so Polinna, zu „Freizeitbereichen“ umgestaltet worden. Ähnlich wie in den meisten Schrebergärten blieben ein paar Obstbäume stehen, ansonsten wurden Blumen und Rasen gepflanzt. Die unterschiedliche Ausgestaltung der

Thema

Die Streuobstwiese Ein besonders eindrückliches Beispiel einer offenen Grünfläche, die sich im Privatbesitz befindet und deren Potenzial kaum entfaltet wird, ist die Streuobstwiese. Hinter dem Museum im Böhmischen Dorf gelegen, ist die Streuobstwiese eine abgeschiedene kleine Idylle mit Teich und Bäumen. Im Jahr 2010 unternahm der Verein netzwerk stadtraumkultur einen Anlauf, die Streuobstwiese gärtnerisch und kulturell zu nutzen. Das Konzept sah vor, kleine Gemüsegärten anzulegen und im Rahmen eines „Interkulturellen Gartens der Poesie“ Lesungen, Konzerte und sonstige Kulturveranstaltungen zu organisieren. Ein damals auftretender Konflikt mit Hundebesitzern, die die Streuobstwiese als Auslauffläche für die Tiere erhalten wollten, konnte in einem öffentlichen Diskussionsprozess, moderiert von den Stadtagenten und vom Quartiersmanagement finanziert, konstruktiv bearbeitet werden. Aus vielen Vorschlägen wurde dabei ein Konzept entwickelt, das allen gerecht wurde. Zwar hat sich das netzwerk stadtraumkultur mittlerweile zurückgezogen, eine nachbarschaftliche Nutzung steht aber immer noch im Raum. Das Problem: Die Wiese wird von einer privaten Hausverwaltung betreut und die Eigentümer sind nicht Willens oder in der Lage, sich an einem neuen Konzept zu beteiligen bzw. für ein solches zu öffnen. Im Herbst letzten Jahres hat nun eine von der Hausverwaltung beauftragte Gartenbaufirma die Streuobstwiese nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten bearbeitet: Es wurde alles abgeschnitten, nur die Bäume blieben stehen. Dabei wäre eine nachbarschaftlich organisierte Pflege der Wiese für alle von Vorteil. Die Hausverwaltung hätte weniger Arbeit und Kosten damit und die Wiese könnte ein wertvoller Freizeitbereich im Kiez werden. Der Donaugarten Ruhig und geschützt hinter dem Mädchenzentrum Szenenwechsel liegt der Donaugarten. Er wird in erster Linie von den TeilnehmerInnen der Mutter-Kind-Kurse von Wanda e.V. im Szenenwechsel genutzt, am Donnerstag Nachmittag gibt es aber auch einen offenen Termin für alle Menschen aus dem Kiez. Gruppen mit Kindern im Vorschulalter können den Garten zu den Öffnungszeiten des Szenenwechsels (12.30–20 Uhr) nutzen. Es wird um eine Voranmeldung gebeten. Gut aufgehoben sind hier vor allem BesucherInnen, die sich an der Gestaltung und der Pflege des Nutzgartens beteiligen und dies zusammen mit Kindern tun wollen. Wer Interesse hat, kann nach Absprache eine Patenschaft übernehmen. Neben dem Kräutergarten gibt es ein Obst- und ein Gemüsebeet, Johannisbeer-, Himbeer- und Heidelbeersträucher. Kontakt: Über das Mädchenzentrum Szenenwechsel (Tel. 030/ 680 868 41) oder über Wanda e.V. (030/ 695 191 33). M. Hühn April / Mai 2015

Foto: H. Bloch

Die verborgenen Hofgärten im Böhmischen Dorf
Zwischen Kirchgasse und Richardstraße Am Sa., 16. und So., 17. Mai von 12 bis 18 Uhr Eintritt 2 Euro

Gärten innerhalb der Höfe hänge freilich auch vom Zeitaufwand und den finanziellen Mitteln ab, die jeweils zur Verfügung stünden. Denn aufwendig sei die Gartenpflege allemal: „Man muss Pflanzerde kaufen, weil die Bodenqualität eher schlecht ist. Auf dem Sand wächst wenig.“ Die Gartenliebhaberin kam vor ein paar Jahren auf die Idee, einmal im Jahr die Hofgärten des Böhmischen Dorfes zu öffnen. Angeregt vom schon länger stattfindenden „Tag der offenen Gärten“ organisiert sie seit 2010 zusammen mit den Nachbarn den „Tag der verborgenen Hofgärten“, an dem mittlerweile bis zu 1.500 Besucher ins Böhmische Dorf kommen. „Verborgene Hofgärten“ deshalb, weil sie von außen nicht einsehbar sind. „Die Besucher gucken sich dann alles genau an, manche krabbeln sogar auf dem Boden herum.“ Zu sehen ist eine vielfältige Gartengestaltung, angefangen von kaum bearbeiteten Hofflächen bis hin zu üppigen Blumenbeeten. Im Ganghoferkiez sieht Brigitta Polinna viel gärtnerisches Potenzial. „Man vermutet nicht, wie viele große Flächen hinter den Häusern existieren. Wenn sich Leute zusammenschließen und beispielsweise Hinterhöfe begrünen, kann man schon viel machen. Es müsste mehr Grün in die Stadt hinein, denn die Sehnsucht danach ist immer da.“

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Mit Kiezrundgang, offenem Büro und Begrünungsaktion am Sa. 9. Mai

Tag der Städtebauförderung

Foto: QM Ganghoferstraße

Foto: M. Hühn

Tanja Henrich, Martin Gorecki und Pinar Uksul vom Quartiersmanagenment informieren am Tag der Städtebauförderung über die Tätigkeiten und Projekte im Kiez. Zum Abschluss des Tages gibt es noch eine Begrünungsaktion auf dem AOK-Vorplatz, Donaustr. 89. Seit Jahren schon unterstützt der Bund mit der „Städte­auförderung“ Städte und Gemeinden bei der b Bewältigung neuer Aufgaben und Herausforderungen. Unterschiedliche Förderprogramme unterstützen etwa die funktionale Stärkung von Innenstädten und Ortszentren durch bauliche Maßnahmen, die Belange des Denkmalschutzes oder auch die staädtebauliche Anpassung an große demographische oder wirtschaftliche Veränderungen. Zur „Städtebauförderung“ gehört auch das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“, das die Stabilisierung und Verbesserung städtebaulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligter Orte und Stadtteile zum Ziel hat. Unter anderem werden aus diesem Programm die Berliner Quartiersmanagements finanziert. Um die Städtebauförderung, von der viele Menschen profitieren, ohne darum zu wissen, bekannter zu machen, findet am Samstag, 9. Mai erstmals der bundesweite „Tag der Städtebauförderung“ statt. Ziel der Aktion ist es, so das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, „die Bürgerbeteiligung zu stärken und kommunale Projekte der Städtebauförderung in diesem größeren Rahmen der Öffentlichkeit zu präsentieren.“ Das Quartiersmanagement Ganghoferstraße macht mit und wird am Samstag, 9. Mai ab 12.30 Uhr die Büroräume für interessierte BürgerInnen und alle ihre Fragen und Wünsche öffnen. Außerdem wird es um 13 Uhr einen Kiez-Rundgang zu geförderten Projekten geben, und um 15 Uhr findet eine gemeinsame Begrünungsaktion auf dem AOK-Vorplatz statt. Sie sind herzlich eingeladen, vorbeizuschauen und mitzumachen! Eine Voranmeldung ist nicht nötig. Ihr Quartiersmanagement Ganghoferstraße

Impressum

QM verleiht Gartenwerkzeuge
Wer gerne einmal die Baumscheibe vorm Haus gärtnerisch bearbeiten, im Hinterhof etwas pflanzen oder eine Grünfläche pflegen möchte, braucht dafür das nötige Equipment wie Spaten, Rechen, Erde, Samen oder Blumenzwiebeln. Da nur wenige BewohnerInnen solche Dinge auf Lager haben, verleiht das Quartiersmanagement jetzt Werkzeuge und Materialien zum Selber-Gärtnern. Übrigens auch in Kindergröße! Des Weiteren kann man sich im Quartiersbüro darüber informieren, welche Grünflächen beackert werden dürfen und welche nicht.

Herausgeber: Quartiersmanagement Ganghoferstraße Donaustraße 78, 12043 Berlin Tel.: 030-6808 5685 0 Fax: 030-6808 5685 19 E-Mail: team@qm-ganghofer.de www.qm-ganghofer.de V.i.S.d.P.: Mathias Hühn Redaktion/ Layout: Mathias Hühn Druck: Ronald Fritzsch Auflage: 2.000

Unter Beteiligung von:

Gefördert durch:

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