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Periodical volume

Full text: Geschäftsbericht Issue 2015

www.nbhs.de

Geschäftsbericht 2015

www.nbhs.de
Herausgegeben von
Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V.
Nachbarschaftsheim Schöneberg Pflegerische Dienste gGmbH
Holsteinische Straße 30
12161 Berlin
www.nbhs.de
Vorstand: Jürgen Kipp, Havva Korkmaz (stellvertretende Vorsitzende),
Rainer Mohnhaupt (Schatzmeister), Elke Fiedler,
Dr. Gernot Halbleib, Pedro Elsbach, Prof. Dr. Jutta Lukas, Dr. Ulrich Marenbach, Rosa Strobl-Zinner
Geschäftsführung e.V.:
Karin Höhne, Franziska Lichtenstein, Bianca Thiede
Geschäftsführung Pflegerische Dienste gGmbH:
Franziska Lichtenstein, Karen Lawerenz (Prokuristin)
Redaktion: Simone Siwek, Bianca Thiede (V.i.S.d.P.)
Gestaltung: Labor für Gestaltung Schleßelmann GmbH | www.lfgberlin.de
Titelfotos im Uhrzeigersinn:
Abenteuerspielplatz Spirale; Kultur macht stark; Foto: G. Arndt
Kidöb Saz Kurs; Foto: Anita Back
Kita Stegerwaldstraße: Christel Ucar und Hilde Wohak; Foto: Hans Josten
Gustav-Langenscheidt-Schule, Felix Othily mit Jugendlichen aus der Ganztagsbetreuung; Foto: NBHS
Kinder- und Jugendzentrum JeverNeun, Kindertanz; Foto: Anita Back

Vorwort

3

Liebe Mitglieder, liebe Kooperationspartner, liebe Leserinnen und Leser

Die Situation rund um geflüchtete Menschen, die in großer Zahl
aus ihren Heimatländern nach Deutschland kamen, beeinflusste auch die Arbeit unserer Projekte. Das spiegelt sich an verschiedenen Stellen in diesem Bericht wider.
Wir sind davon überzeugt, dass besonders die Nachbarschaftsheime und Stadtteilzentren im Zuge der gesellschaftlichen
Veränderungen eine vordergründige Rolle spielen sollten. So
sehen wir insbesondere die Mitgestaltung der sozialen Integration der geflüchteten Menschen als eine unserer Aufgaben.
Aus diesem Grund entschieden wir uns im Herbst 2015 auch für
die Errichtung einer kleinen Gemeinschaftsunterkunft für allein
reisende Frauen mit und ohne Kinder in Friedenau. Die Eröffnung und der Bezug dieser Unterkunft erfolgten in kürzester
Zeit – nach nur fünfmonatiger Bauphase, im März 2016.
Dank des herausragenden freiwilligen Engagements von Nachbarinnen und Nachbarn sowie haupt- und ehrenamtlichen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sind diese und die vielen

Fotos: Jörg Farys, NBHS

Sie halten unseren aktuellen Geschäftsbericht für das Jahr
2015 in der Hand. Er gibt Ihnen einen Einblick in die vielfältige
Arbeit unserer Einrichtungen sowie in neue Projekte und Entwicklungen.

Karin Höhne, Franziska Lichtenstein und Bianca Thiede

anderen Aktivitäten zur Unterstützung und Integration der
Geflüchteten realisiert und auch unsere anderen Projekte bereichert worden. Mit ihnen an unserer Seite, blicken wir kommenden Herausforderungen entgegen, auf die wir gewohnt unkompliziert, zupackend und kompetent reagieren werden.
Wir wissen es zu schätzen, dass Sie sich für die aktuellen Entwicklungen im Nachbarschaftsheim Schöneberg interessieren
und wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen.
Karin Höhne, Franziska Lichtenstein, Bianca Thiede
Geschäftsführerinnen

Inhaltsverzeichnis
I.	Vorwort  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 3
II.	 Wichtiges im Überblick  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 4 - 5
III.	 Aus den Bereichen
	

Vereins- & Öffentlichkeitsarbeit  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 6 - 12

	

Ehrenamtliches Engagement  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 13 - 14

	Stadtteilarbeit .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 15 - 21
		 Freizeit & Kultur  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  15 - 19
		 Selbst- & Nachbarschaftshilfe  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  20
		Migration .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 21
	
Kita & Familie .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  24 - 29
		
Kindertagesstätten  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  24 - 26
		Familienbildung .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  27 - 28
		 Kinder & Jugendliche  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 29
	
Kinder & Jugendliche .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .30 - 37
		
Freizeiteinrichtungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  31 - 33
		 Kooperationen an Schulen .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  34 - 37
	

Rechtliche Betreuung & Vorsorge .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 38

	

Pflegerische Dienste .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 39 - 41

IV.	 Personelle & finanzielle Situation .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 42
Organigramm  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .22 - 23
Judo im Schülerclub Oase; Foto: Anita Back

Wichtiges im Überblick

Neue Projekte und
Baumaßnahmen

// Besucher *
1.000.000

1.159.384

1.321.028

1.399.780

2013

2014

2015

200.000

1.170.268

400.000

2007 658.260

600.000

2012

800.000

// Pflegeeinsätze
200.000

2015 132.496

2014 132.860

2013 136.032

50.000

2012 156.624

100.000

2007 171.340

150.000

87
2015

2014 86

76
2013

2012 74

60
40
20

2007 56

// Einrichtungen **

01/2015	 Öffnung der Wohngemeinschaft für Menschen mit
Demenz in der Cheruskerstraße für geistig behinderte ältere Menschen, Konzeptentwicklung und
Koordination dafür haben begonnen
01/2015	 Sanierung der Sozialstation Cranachstraße: Malerarbeiten, neue Beleuchtung, neue Bodenbeläge,
neue Küche
02/2015	 Neu im Nachbarschaftsheim seit Februar: die Ganztagsbetreuung der Grundschule am Dielingsgrund,
Ausstattung der Räumlichkeiten und Malerarbeiten
05/2015	 Ehrenamtliche Begleitung von Familien im Projekt
„Familienpatenschaften“, das zuvor im Jugendamt
Tempelhof-Schöneberg angesiedelt war
07/2015	 Fertigstellung des Anbaus Ganztagsbetreuung Lindenhof-Grundschule mit anschließenden Umbauten
im Bestandsgebäude: neue Gruppenräume, Sanierung der Küche und der sanitären Anlagen
08/2015	 Seit dem Sommer erstmalig mehrwöchige Ferienschulen mit neu zugewanderten Schülerinnen und
Schülern verschiedener Grund- und Oberschulen, mit
Freizeitprogramm und gezieltem Deutschunterricht

2015 1.056

2014 1.023

60o
40o
20o

2013 994

08/2015	 Sanierung der sanitären Anlagen in der Kita Pestalozzistraße

2012 964

80o

2007 655

// Hauptamtliche Mitarbeiter ***

08/2015 	 Sanierung der Küche in der Kita Freiherr-vom-Stein,
Haus B, Erneuerung des Kleingüteraufzuges und der
Boden-und Wandfliesen

// Ehrenamtliche Mitarbeiter ***

2013 1.809

2014 1.720

2015 1.666

2013 35,6

2014 39,1

2015 40,0

2012 1.693

500

2007 831

1000

2012 33,2

// Umsätze (Mio/Euro) **
30
25
20
15
10
5

09/2015	 Mit Schuljahresbeginn ist das Nachbarschaftsheim
– neben der bereits bestehenden Ganztagsbetreuung – mit zwei Schulsozialarbeiterinnen an der
Georg-Giesche-Oberschule vertreten
10/2015	 Beginn der Umbauarbeiten in der Handjerystraße,
mit dem Zweck, eine Gemeinschaftsunterkunft für
geflüchtete Frauen und ihre Kinder zu errichten
11/2015	 Fertigstellung der Gartengestaltung in der Kita
Westfälische Straße im rückwärtigen Bereich des
Hauses

1500

2007 22,3

4

* 	 Jahreswert aus der Besucherstatistik NBHS: 52 Wochen abzüglich
	
6 Wochen Pauschale aufgrund von Schließzeiten, Feiertagen,
	Wochenenden
** 	 ohne Verwaltung
*** 	Stichtage jeweils zum 31.Dezember

Wichtiges im Überblick

5

Veranstaltungshöhepunkte
2015
30. Jan	

Musical „Altes Eisen“ vom Theater der Erfahrungen
in der ufa Fabrik

7. Mai	

Maneo-Aktion bei Kidöb und Al Nadi - Die jährliche
Kampagne "Kiss Kiss Berlin - Regenbogenkuchen"
gegen homophobe Gewalt zu Gast im Nachbarschaftsheim Schöneberg

29. Mai	

9. Kreativtag für alle Generationen mit Werkstätten
in der Kulturetage

18. Juni	

„Vergissmeinnicht – Menschen mit und ohne Demenz im Scheinwerferlicht“ mit 300 Besucherinnen
und Besuchern in der ufa-Fabrik

24. Juni	

Spendenlauf der Teamstaffeln vom Nachbarschaftsheim Schöneberg im Berliner Tiergarten für Flüchtlingsprojekte

9. Juli	

Benefizveranstaltung „Grenzen überwinden“ zugunsten von Flüchtlingskindern im Nachbarschaftshaus Friedenau

5. Sep	

Einschulungsfeier für Flüchtlingskinder gemeinsam
mit Young Voice e.V. in den Räumen des Familientreffpunkts NUSZ, auf dem Gelände der UFA Fabrik

6. Sep	

Sommerkonzert „Die Welt singt“ vom Konzertchor
Friedenau gemeinsam mit der Folk-Combo Berlin mit
Spendenaktion für ein Tempelhofer Flüchtlingsheim

12. Sep	

9. Straßenfest mit Nachbarn unter Federführung der
JeverNeun am Lauenburger Platz mit großem Trödelmarkt, Bühnenprogramm, Spielangeboten und Tombola

20. Sep	

großes Ehrenamtsfest in der Lokhalle auf dem Schöneberger Südgelände

27. Sep	

Konzert des Friedenauer Frauenchors „Folksongs
fort the four seasons“ in der Heilig-Kreuzkirche

30. Sep	

„Berliner Pflanzen“, Gastspiel der Bunten Zellen im
Berliner Grips-Theater

1. Okt	

Drittes Fest der Kulturetage „Kultur auf`m Damm“,
gemeinsam veranstaltet von der Kifrie-Musiketage,
Kifrie-Medienwerkstatt, LAG Spiel und Theater, VD
13 und Theater der Erfahrungen

12. Okt	

Kick-off- Veranstaltung zur Berliner Senatsinitiative
„Berlin braucht dich!“ in der Projektetage Rheinstraße bei Kidöb und Al Nadi

TdE Musical 2015, Foto: TdE

Einschulungsfeier für Flüchtlinge; Foto NBHS

Ehrenamtsfest; Foto NBHS

13. Nov	 Jubiläumsfeier 30 Jahre Selbsthilfe im Nachbarschaftshaus Friedenau
13. Dez 	

“Sing we all Noël!” - internationale Weihnachten mit
dem Konzertchor Friedenau in der Steglitzer Matthäuskirche

Herbstfest Kulturetage; Foto NBHS

6

Vereins- & Öffentlichkeitsarbeit

Grenzen überwinden und voneinander lernen
Unterschiede und Vielfalt machen unsere Gesellschaft aus. Ende 2015 hatte jeder Fünfte, der in Deutschland lebte, eine Migrationsgeschichte. Die Vielzahl von Lebensstilen, die sich an unterschiedlichen Werten
orientieren, spiegelt sich auch in den Programmaktivitäten, Angeboten und Einrichtungen des Nachbarschaftsheims Schöneberg wider.
Im Jahr 2015 haben wir eine ganze Veranstaltungsreihe dem
Thema Interkulturelle Vielfalt gewidmet. Eine dreiteilige Filmreihe etwa zeigte, die Dokumentation „Football Undercover“,
einen Film über die iranische Frauennationalmannschaft, außerdem den Film „Willkommen auf Deutsch“, über das Ankommen von Menschen aus der Fremde und „La Bande de Filles“,
eine Geschichte über das Erwachsenwerden in einem Pariser
Vorort. Daneben gab es Führungen, unter anderem zu verschiedenen Religionsstätten, wie der Sehitlik-Moschee in Kreuzberg
oder der Synagoge in der Rykestraße. Schülerinnen einer Willkommensklasse der Katharina-Heinroth-Grundschule gaben in
einem Programmheft-Beitrag Einblick, was es für sie bedeutet,

in Deutschland zu leben und wie sie ihr Ankommen in unserem
Land empfunden haben. Oder beispielsweise Roberto Gonzales
Toores, der aus Spanien nach Deutschland gekommen ist, bot
ehrenamtlich einen Spanisch-Konversationskurs im Nachbarschaftshaus Friedenau an und bringt so Deutschen seine Heimatsprache näher. Aber auch Menschen, die schon lange hier
leben, zu Nachbarn oder zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
geworden sind, kamen zu Wort. Sie bereichern das Kulturprogramm des Nachbarschaftsheims oder bringen ein Stück ihrer
kulturellen Identität mit in unsere Bildungseinrichtungen und
wecken so das Interesse und die Neugier für vielfältige Lebensformen.

Von links nach rechts: Constanza Silva bringt jede Woche ein Stück Südamerika in die Kita Jeverstraße. Fatma Ülker ist eine der ersten türkischstämmigen Spielerinnen der „Bunten Zellen“. Laurette Fekl und Fanny Rubio Lorza holen Künstler aus aller Welt in das Kultur-Café. Felix Othily aus
Französisch-Guayana unterrichtet Tanz mit Jugendlichen in der Ganztagsbetreuung der Gustav-Langenscheidt-Schule.

Integration von Flüchtlingen vom ersten Tag an
In vielfältiger Weise tragen Einrichtungen wie das Nachbarschaftsheim Schöneberg mit dazu bei, dass geflüchtete Menschen, die zu uns kommen, sich in unser Leben und unsere Gesellschaft integrieren können.
Unsere Einrichtungen versteht sich von jeher als Orte für alle,
unabhängig von Herkunft, Kultur, politischer oder religiöser
Weltanschauung. So trafen sich bald nach der Vereinsgründung
in den späten Nachkriegsjahren Flüchtlinge aus dem Osten zu
Gruppenaktivitäten im Haus. Als Ende der 70er/Anfang der 80er
Jahre Frauen damit begannen, in eigener Initiative unabhängige
Beratungsstellen und Treffpunkte für Einwanderinnen und Asylsuchende zu gründen, nahm sich auch das Nachbarschaftsheim
dieser Aufgabe an. Al Nadi und Kidöb, Beratungsstellen für arabische Frauen und Frauen aus der Türkei entstanden, und bestehen bis heute erfolgreich fort. Und nicht nur dort, beispielsweise
durch Alphabetisierungskurse, sondern auch in der Betreuung
von Willkommensklassen, oder der Betreuung von Kindern und
Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten
und Schulen, trägt das Nachbarschaftsheim Schöneberg seit
langem dazu bei, Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen zu bilden, zu fördern und so zu befähigen, an der
Gesellschaft teilzuhaben und sich dort zu behaupten.
Dennoch hat die Zahl der Flüchtlinge, die in Berlin ihre neue Heimat gefunden haben, auch das Nachbarschaftsheim Schöneberg vor neue Herausforderungen gestellt. Scheinbar plötzlich
überraschten uns im vergangenen Jahr die stark ansteigenden

Fluchtbewegungen von Menschen aus Krisengebieten der Erde,
insbesondere aus dem Nahen Osten. Hunderttausende machten sich auf den Weg über das Mittelmeer oder zu Fuß nach
Europa. Es drängte sich die Frage auf, wie unsere Gesellschaft
die vermuteten Aufgaben und Herausforderungen bewältigen
kann, die der Zuzug aus unterschiedlichen Kulturkreisen mit
sich bringt.
In vielen Einrichtungen sind aus dem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heraus spontan Angebote entstanden,
die die neuen Nachbarn willkommen heißen und zu ihrer Integration beitragen. Haupt- und ehrenamtlich in unserem Haus
Tätige begleiteten und betreuten Flüchtlinge bei alltäglichen
Dingen, organisierten Hilfe und Unterstützung durch ihren persönlichen Einsatz oder durch Spendenaktionen. Ausstellungen, Filmreihen und andere Veranstaltungen zum Thema, die
das Nachbarschaftsheim initiierte, machten auf die Situation
der Menschen aufmerksam, sorgten so für den Dialog mit den
Nachbarn. Es wurden Orte der Begegnung geschaffen, an denen
ein Zusammentreffen zwischen den „neuen“ und den „alten“
Mitbürgerinnen und Mitbürgern ermöglicht und gefördert wird.
All diese Aktivitäten befinden sich, einhergehend mit den aktuellen Erfordernissen, in kontinuierlicher Weiterentwicklung.

Vereins- & Öffentlichkeitsarbeit

Foto: NBHS

Auch 2015 nahm das Nachbarschaftsheim Schöneberg wieder
am 5 x 5 Kilometer Temstaffellauf im Berliner Tiergarten teil,
diesmal mit elf Staffeln. Ein internes Wettrennen zwischen zwei
Staffeln spornte die beiden Teams zu Höchstleistungen an. Das
eingesetzte Wettgeld kam in einen Spendentopf für Flüchtlingsprojekte.

Ausflug in den Zoologischen Garten

Foto: NBHS

Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen machten sich an
einem Samstag im Frühjahr auf den Weg und begleiteten eine
Gruppe von Flüchtlingen aus dem Kosovo und Afghanistan von
ihrer Notunterkunft in den Berliner Zoo. Finanziert wurde der
Tag mit Spendengeldern aus dem Projekt Kinderchancen und
von der Bäckerei Kadakal.

Foto: NBHS

SCC Teamstaffellauf laufen für einen guten Zweck

Am Samstag, dem 5.September, veranstaltete das Nachbarschaftsheim Schöneberg gemeinsam mit Young Voice e.V. und
mit der Unterstützung von vielen Ehrenamtlichen in den Räumen des Familientreffpunkts NUSZ, auf dem Gelände der UFA
Fabrik, eine Einschulungsfeier für Flüchtlingskinder und ihre
Familien. Neben Kaffee und Kuchen und einem Besuch auf dem
Kinderbauernhof, gab es Bastelangebote, Kinderschminken
und eine leckere Einschulungstorte.

Zuckertüten für Schultüten
Um das Projekt „Einschulungsfeier für Flüchtlingskinder“ zu
unterstützen, hatte sich die Gesamtschülerinnen- und -schülervertretung der Montessori-Gemeinschaftsschule überlegt,
beim Sommerfest der Schule die Aktion „Zuckertüten für
Schultüten“ zu starten. Die Jugendlichen bastelten Zuckertüten, die sie bei ihrem
Fest verkauften. Zusätzlich sammelten Sie Spenden. Insgesamt wurden
dabei Einnahmen von
über 200 Euro erzielt, die
dann dem Projekt zugutekamen.

Foto: NBHS

Am 9.Juli 2015 organisierte das Nachbarschaftsheim Schöneberg in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde
Zum Guten Hirten, einen Abend rund um das Thema Flucht und
Fremdsein. Das Prisma Theater PlayBack führte künstlerisch in
das Thema ein.
Anschließend bot
eine
Referentin
vom Flüchtlingsrat
einen Einblick zu
den
Hintergründen von Flucht
und der aktuellen
Lage in Berlin und
beantwortete die
Fragen aus dem Publikum. Ein Buffet, gespendet von Kidöb und
der Kirchengemeinde Zum Guten Hirten, lud alle Gäste zum Verweilen und gemeinsamen Austausch ein. Die eingenommenen
Spenden kamen Kindern aus Flüchtlingsunterkünften in Form
von Schulmaterialien und Schulmappen zu Gute. Flankiert wurde die Veranstaltung durch die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ von Pro Asyl, die bis August 2015 im Nachbarschaftshaus Friedenau zu sehen war.

Einschulungsfeier für Kinder
aus geflüchteten Familien

Foto: NBHS

Foto: NBHS

Benefizveranstaltung „Grenzen überwinden“

7

8

Vereins- & Öffentlichkeitsarbeit

Eine eigene Unterkunft für geflüchtete Frauen
Seit vielen Jahren setzt das Nachbarschaftsheim Schöneberg neben einer Vielzahl von Projekten und Einrichtungen aus den unterschiedlichsten Bereichen, von der Kita bis zur Pflegeinrichtung, auch auf einen
frauenpolitischen Schwerpunkt. So lag es nahe, nachdem die Entscheidung getroffen war, eine eigene Immobilie für die Unterbringung von geflüchteten Menschen zur Verfügung zu stellen, diese der besonders
schutzbedürftigen Gruppe allein reisender Frauen zu widmen.
Angesichts des hohen Bedarfs, geflüchtete Menschen angemessen in Berlin unterzubringen, entschlossen wir uns im Jahr
2015 unser kurz zuvor erworbenes Gebäude in Friedenau, das
ursprünglich für den Umzug der Verwaltung gedacht war, geflüchteten Menschen zur Verfügung zu stellen.
Der Anteil der Antragstellerinnen bei Asylerstanträgen steigt
deutschlandweit seit Jahren signifikant. Die Situation von geflüchteten Frauen ist durch spezifische Problemstellungen
und Fluchtursachen charakterisiert, die sie zu einer besonders schutzwürdigen Personengruppe machen. Dazu gehören
Traumatisierungen durch geschlechtsspezifische Verfolgung,
Frauenhandel und Zwangsprostitution, aber auch Rechtlosstellungen in ihren Heimatländern, sowie systematische Benachteiligung und Ausgrenzung, etwa von Bildungs- und Gesundheitsangeboten. Dies alles erfordert eine besondere Form der
Unterbringung und spezielle Beratungs- und Begleitungsangebote. Gerade in allgemeinen Unterkünften sind alleinstehende
Mädchen und Frauen häufig nicht ausreichend vor sexualisierten Übergriffen geschützt oder haben zu wenig Möglichkeiten,
sich im Kreis anderer Frauen zu treffen und sich auszutauschen.

Die Migrantinnen-Projekte Kidöb und Al Nadi und die Informations- und Orientierungskurse für Frauen arbeiten seit teilweise
über 30 Jahren dezidiert genderorientiert und fördern gezielt
die Eigenständigkeit und Teilhabe von Frauen in dieser Gesellschaft. In der niedrigschwelligen Mütterarbeit mit türkischen
und arabischen Müttern im Schülerclub Oase und in der Jugendeinrichtung VD13, ebenfalls Einrichtungen des Nachbarschaftsheims, geht es vor allem um die Stärkung des Selbstvertrauens
der Frauen in ihre eigenen Fähigkeiten.
Ausgehend von diesen Erfahrungen in der gezielten Arbeit mit
Frauen und dem erkannten Bedarf, wollte das Nachbarschaftsheim die geplante Unterkunft weiblichen Flüchtlingen und ihren
Kindern zur Verfügung stellen. Hier sollten Bedingungen geschaffen werden, in denen geflüchtete Frauen sich gut aufgehoben fühlen. Die Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter vor Ort sowie die Vernetzung mit unseren Angeboten und Einrichtungen im Stadtteil tragen zusätzlich dazu bei,
dass die Frauen und Kinder schnell Fuß fassen und eine längerfristige Perspektive entwickeln können.

Engagierte Nachbarn und großzügige Spenden –
Die Gemeinschaftsunterkunft bekommt Farbe
Seit Herbst 2015 wurde gebaut, gemalert, gefliest und später
geputzt, um unsere Unterkunft für Frauen und Kinder fertigzustellen. Seit Bekanntwerden der geplanten Gebäudenutzung
gab und gibt es zahlreiche Hilfsangebote aus der Nachbarschaft und von anderen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, etwa bei Renovierungsarbeiten im Haus oder Spenden für
die Ausstattung der Unterkunft. Auch verschiedene Organisationen sowie die Astraia-Stiftung unterstützten die Einrichtung.
Durch ihre großzügige Geldspende wurde beispielsweise ein
Lese- und Lernraum für die Frauen und Kinder eingerichtet. Im
Dezember, sozusagen als Weihnachtsgeschenk, erreichte uns
die Nachricht einer Spende von Möbeln und anderen Utensilien
in Höhe von mehr als 10.000 Euro von der IKEA Deutschland
Filiale, Berlin-Tempelhof. Mitte Februar 2016 waren, auch dank
der Nachbarschaftsaktionen und der Unterstützung von IKEA
Beschäftigten, alle Möbel aufgebaut, Vorhänge genäht und insgesamt 19 Bewohnerinnenzimmer fertig eingerichtet.
Zum Tag der offenen Tür, am 11. Februar 2016, erlebte das
Haus einen wahren Besucheransturm. Zeitweise tummelten
sich mehr als 200 Menschen in den Fluren und nahmen die
schön hergerichteten Räume in Augenschein. Wir hatten Nachbarn, Helferinnen und Helfer sowie auch Vertreterinnen und
Vertreter aus lokaler Politik und Verwaltung dazu eingeladen,
die Unterkunft nach Abschluss der Bauarbeiten kennen zu lernen. Senatorin Dilek Kolat, Bezirksbürgermeisterin Angelika
Schöttler, und die Bezirksstadträtin für Gesundheit, Soziales

und Stadtentwicklung Sybill Klotz nahmen die Einladung gerne
an und mischten sich unter die Besucherinnen und Besucher.
Vorstandsmitglieder und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des
Nachbarschaftsheims sowie das Team der Handjerystraße kamen bei Kaffee und Kuchen mit Nachbarn ins Gespräch. Ab dem
17. März 2016 kamen die ersten Bewohnerinnen mit ihren Kindern in der Unterkunft an und bezogen ihr neues Heim.

Vereins- & Öffentlichkeitsarbeit

9

10

Vereins- & Öffentlichkeitsarbeit

Integrationsangebote in Kinderbetreuungseinrichtungen
Neben vielen oft spontan geplanten und umgesetzten Aktivitäten entstanden im Verlaufe des Jahres mehr
und mehr reguläre Angebote, die den akuten und zu erwartenden Bedarf in Zusammenhang mit den geflüchteten Menschen aufgriffen: Beispielsweise die Ferienschulen oder Feriencamps in den Jugendeinrichtungen und Willkommensklassen oder Angebote in den Kindertagesstätten.
sammelte das Team Ideen, wie mit der zukünftigen FlüchtlingsIn einigen Kindertagesstätten sind pädagogische Angebote für
unterkunft kooperiert werden könnte. Die Flüchtlingsunterkunft
Erzieherinnen und Erzieher, sowie gemeinsame Angebote für
wurde schließlich nicht an diesem Standort errichtet. Dennoch
Flüchtlings- und andere Familien etabliert worden, um den Diabesuchen inzwischen mehrere Familien aus anderen Unterkünflog zu fördern und zum Abbau von Vorurteilen beizutragen.
ten die Kita, und das Team profitierte in vielerlei Hinsicht von der
	
Vorbereitung auf das Thema. Und auch für die Eltern der Kita war
Die Kita Stegerwaldstraße in Marienfelde verfügt durch ihre Lage
es wichtig, hierüber in einen Dialog zu treten.
direkt gegenüber einer Flüchtlingsunterkunft schon länger über
Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den dortigen Familien.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband, der umfangreiche StifSie bietet jedes Jahr gezielt freie Plätze für Kinder geflüchteter
tungsmittel für die Arbeit mit Geflüchteten zur Verfügung stellte,
Familien an. Für sie gibt es ganz spezifische Unterstützungsanfinanzierte die Fortbildungen.
gebote. Darüber hinaus richMittlerweile gab es mehrere
tete die Kita im Herbst 2015
übergreifende Fortbildungen
ein Elterncafé für alle FamiliElterncafé - Wir kochen
zum Thema für alle Pädagoen ein, das einmal monatlich
gemeinsam
ginnen und Pädagogen aus
stattfindet. Die ersten Treffen
den Kindertagesstätten des
wurden jeweils von einem ElNachbarschaftsheims Schöneberg. Hilfreiche Informationen,
ternteil angeleitet und standen unter dem Motto „Wir kochen
zu Büchern oder unterstützenden Organisationen wurden und
gemeinsam“. Bis zu 15 Familien besuchten das Café. Es ist für
werden allen Kita-Teams im Nachbarschaftsheim zugänglich
alle Eltern eine gute Möglichkeit sich auszutauschen und Kongemacht. Außerdem gibt es arabischsprachige Erzieherinnen in
takte zu knüpfen.
einigen Kitas, die den Einrichtungen des Trägers oder auch in
kooperierenden Schulen beratend beim Thema Begleitung von
Ein anderes Beispiel zeigt die Kita McNair. Ende 2014 sollte
Flüchtlingsfamilien zur Seite stehen und bei Bedarf auch überin unmittelbarer Nachbarschaft zur Einrichtung eine Notuntersetzen können.
kunft als sogenanntes Containerdorf entstehen. Aufgrund der
durch dieses Vorhaben zum Teil stark verunsicherten Eltern
der Kita und um sich gut auf die Begleitung der geflüchteten
Familien vorzubereiten, plante die Einrichtung sowohl für die
Elternschaft als auch für das Team mehrere Veranstaltungen.
Zunächst wurde, um über die Situation zu informieren und den
Eltern die Möglichkeit zu geben ihre unterschiedlichen Positionen zu diesem Thema auszutauschen, ein Moderator eingeladen, der einen Elternabend dazu begleitete. Weiterhin wurden
für die Pädagoginnen und Pädagogen mehrere Fortbildungen
durchgeführt: „Kommunikation mit den Eltern zum Thema
Flucht“, „Fluchthintergründe und die Situation der Geflüchteten in Deutschland“ und „Erkennen von Traumata“. Außerdem

»

Elterncafé in der Kita Stegerwaldstraße, Fotos: NBHS

«

Vereins- und Öffentlichkeitsarbeit
„PSD Zukunfts-Preis“ 2015
Im Spendenwettbewerb der PSD Bank Berlin-Brandenburg,
der 2015 Premiere hatte, wurden Preisgelder in Höhe von insgesamt 35.000 Euro ausgelobt. Publikum, Mitarbeitende der
PSD Bank und eine Jury vergaben die Preise an 17 gemeinnützige Träger in Berlin und Brandenburg für ihr vielfältiges gesellschaftliches Engagement - beispielsweise in Flüchtlingsinitiativen, der Obdachlosenhilfe, der Unterstützung krebskranker
junger Menschen oder Umweltbildungsprojekten. Das Nachbarschaftsheim Schöneberg erhielt den mit 5.000 Euro dotierten Hauptpreis für nachhaltiges ehrenamtliches Engagement.

11
Am 12. Oktober trafen sich Vertreterinnen und Vertreter vom
Nachbarschaftsheim Schöneberg und von BQN Berlin mit der
Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat, in den
Räumen der Ganztagsbetreuung Fläming-Schule in der Rheinstraße, um die neue Partnerschaft zu besiegeln.
Auch zwei angehende Erzieher kamen, stellvertretend für viele
andere im Haus, in der Runde zu Wort. Harun Manaa und Tihon
Annenkow berichteten der Senatorin über ihre Motivation zur
Berufswahl und ihren Werdegang im Nachbarschaftsheim. Bereits ein halbes Jahr zuvor war ein kurzes filmisches Porträt in
der Ganztagsbetreuung Fläming-Schule entstanden, das in der
Kampagne „Berlin braucht dich!“ für den Erzieherberuf wirbt.

Eva Bittner, Gründerin des Theater der
Erfahrungen, erhält Bundesverdienstorden

Foto: T. Rosenthal

Für ihren außergewöhnlichen Einsatz in der sozialkulturellen
Seniorenarbeit wurde Eva Bittner mit dem Verdienstkreuz am
Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
ausgezeichnet.
Im Kreise von Familienangehörigen und langjährigen Weggefährtinnen und -gefährten nahm sie am Dienstag, 6. Januar
2015, die hohe Auszeichnung vom Staatssekretär für Soziales,
Dirk Gerstle, in der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales entgegen.
Unter der Schirmherrschaft von Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit,
Frauen und Integration, wurden am Montag, den 9. November,
die Gewinner des „PSD ZukunftsPreises“ in der Berliner Urania
geehrt.

„Berlin braucht dich!“ - Nachbarschaftsheim
Schöneberg als neuer Partnerbetrieb
In guter Gemeinschaft mit vielen öffentlichen oder landeseigenen Betrieben und aus der Industrie, ist das Nachbarschaftsheim Schöneberg seit Oktober 2015 Partner bei „Berlin braucht
dich!“

Foto: NBHS

Staatsekretär Dirk Gerstle, Eva Bittner, Foto: NBHS

In der 2007 gegründeten Berliner Senatsinitiative arbeiten
Schulen und Ausbildungsbetriebe eng zusammen mit dem gemeinsamen Ziel, Berufsorientierung und Ausbildung zukunftsfähig zu gestalten. Die Betriebe aus dem öffentlichen Sektor
und der Privatwirtschaft eröffnen Jugendlichen aus Einwandererfamilien Einblicke in die Arbeitswelt. Das Berufliche Qualifizierungsnetzwerk für Migrantinnen und Migranten - BQN Berlin
- begleitet diese Prozesse.

Seit 35 Jahren leiten Eva Bittner und Johanna Kaiser das Theater
der Erfahrungen in Berlin und entwickelten in dieser Zeit neue
Formen der Seniorenkulturarbeit. So haben die Beiden neben
der Theaterarbeit mit alten Menschen neue Schwerpunkte
etabliert: generationsübergreifende Projekte, interkulturelle Produktionen, Aufbau kreativer Gruppen in verschiedenen
Stadtteilen Berlins sowie eine Verzahnung des Praxisprojekts
mit Berliner Hochschulen – letztere personell vor allem durch
Johanna Kaiser getragen. Sie ist seit fünf Jahren Professorin für
Kultur Arbeit in sozialen Feldern an der Alice Salomon Hochschule.
In seiner Laudatio hob Staatssekretär Dirk Gerstle die besondere Leistung der Ausgezeichneten hervor - Eva Bittners langjähriges Engagement und Interesse an innovativer Theaterarbeit,
mit dem sie gleich nach Abschluss ihres Studiums der Theaterwissenschaften das Theater der Erfahrungen gründete. Dirk
Gerstle ging auf die große Bedeutung dieses Theaters ein, das
jungen und alten Laienschauspielerinnen und -schauspielern
die Möglichkeit eröffnet, eigene Lebenserfahrungen sowie gesellschafts- und generationsbedingte Problematiken zu verarbeiten. In seinem 35 jährigen Bestehen habe sich das Theater

12

Vereins- und Öffentlichkeitsarbeit
der Erfahrungen zu einem gesamtstädtischen Akteur entwickelt. An dieser Entwicklung sei Eva Bittner maßgeblich beteiligt, so der Staatsekretär: „Ihr gelingt es mit Engagement, Kreativität und tiefem Respekt vor den Spielerinnen und Spielern,
einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, der in dieser Form
Vergleichbares sucht. Für ihre langjährige engagierte Arbeit in
der Berliner Seniorenkulturarbeit gebührt Eva Bittner großer
Dank und Anerkennung.“
Eva Bittner ist Theaterwissenschaftlerin und Theaterpädagogin.
1980 gründete sie in Berlin das Theater der Erfahrungen, das
sich seit 1983 in der Trägerschaft des Nachbarschaftsheims
Schöneberg befindet. Bereits im April 2014 erhielt das Theater als Impulsgeber für zeitgemäße Seniorenkulturarbeit: die
Theodor-Heuss-Medaille 2014 für bürgerliche Initiative und Zivilcourage.

Carrera Bahnen für unsere Kinder
und Jugendlichen
Die R+V Versicherung AG als lokaler Partner der genossenschaftlichen PSD Bank schenkte dem Nachbarschaftsheim
Schöneberg vier Carrera Bahnen, um sie einem gemeinnützigen Zweck zuzuführen.
Hocherfreut waren die Ganztagsbetreuungen an der Carl-OrffSchule, der Prignitz-Schule, der Nehring-Grundschule und die
Jugendeinrichtung Abenteuerspielplatz Spirale über die Nachricht, dass sie die Bahnen für ihre Kinder und Jugendlichen erhalten sollten.
Am Mittwoch den 1. April, kamen Herr Biersack von der PSD
Bank sowie Frau Lorenz und Frau Starke von der R+V Versicherung AG extra zu uns ins Haus, um die Carrera Bahnen zu übergeben. Daniel Kullen, Erzieher aus der Prignitz-Schule, nahm
sie stellvertretend für alle vier Einrichtungen entgegen.

Foto: NBHS

Persönliche Höhepunkte waren für mich der Besuch einer
Grundschule in Rinkeby, einem Stadtteil Stockholms mit sehr
hohem Migrantenanteil. Die engagierte Direktorin der Schule
sowie zwei Schülerinnen führten uns durch ihre Einrichtung
und boten so einen detailreichen Einblick in die Arbeit des pädagogischen Personals der Schüler. Es folgte ein Besuch einer
Kindertageseinrichtung im angrenzenden Bezirk Spanga.
Die Besichtigung des Projekts „Livstycket“, einem Wissensund Designcenter in Tensta bildeten den Abschluss der Woche.
Hier werden Frauen, die zum größten Teil aus einem Flüchtlingskontext kommen, darin unterstützt, ihre künstlerischen Fähigkeiten, wie beispielsweise Nähen und Sticken, einzubringen
und so ihre Kompetenzen in anderen Bereichen, z.B. Sprachen,
Mathematik und Gesellschaftskunde zu fördern. „Livstycket“
leistet einen wertvollen Beitrag, wenn es darum geht, auf den
Stärken von Menschen mit unterschiedlichsten sozialen wie
auch gesellschaftlichen Hintergründen aufzubauen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, und ihnen dadurch fehlendes Wissen,
beispielsweise in der schwedischen Sprache, zu vermitteln: ein
wichtiger Beitrag zur Integration.
Eine Führung im Stockholmer Rathaus, Austragungsort der alljährliche Nobelpreisverleihung, und die Möglichkeit mit Margarehe Livh, der Bürgermeisterin der linken Partei über die brisante Wohnungssituation in Stockholm zu sprechen, rundeten
eine ereignisreiche, inhaltlich und fachlich sehr interessante
Bildungsreise ab.

Nachbarschaftshäuser
in ihrem Stadtteil
Foto: NBHS

Bildungsreise nach Stockholm –
ein Reisebericht von Franziska Lippold
Am 18.Mai 2015 war es endlich soweit, die von der Paritätischen Akademie ausgeschriebene fünftägige Bildungsreise in
das wunderschöne Stockholm konnte beginnen. Mit dabei, eine
bunte Mischung bestehend aus 15 Kollegen aus ganz Deutschland, tätig in den unterschiedlichsten Berufsfeldern im sozialen
Bereich.
Der fachliche Aspekt der Reise hatte die Überschrift: „Integration und Teilhabe als gesellschaftliche Ressource“. Nach einem kurzen Kennenlernen aller Teilnehmer, erhielten wir einen
Überblick über alle Einrichtungen, die wir in den nächsten Tagen besuchen wollten und wir erhielten eine Einführung, u.a. in
das schwedische Bildungssystem.

Im September erschien der Schriftband „Nachbarschaftshäuser in ihrem Stadtteil“, herausgegeben vom Nachbarschaftsheim Schöneberg, dem Verband für
sozialkulturelle Arbeit und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband. Er umfasst eine Auswahl der zahlreichen
Veröffentlichungen von Georg Zinner, ehemaliger Geschäftsführer des
Nachbarschaftsheims und verstorben im März 2014, zu unterschiedlichen Themen aus Sozialarbeit, Sozialpolitik, Staat und Gesellschaft.
Die Publikation liegt als Download unter: https://www.nbhs.
de/georg-zinner bereit. Zudem kann sie beim Nachbarschaftsheim Schöneberg zu einem Preis von 10,- Euro im Sekretariat
der Geschäftsführung käuflich erworben werden.

Ehrenamtliches Engagement

13

Dank und Anerkennung – im Nachbarschaftsheim Schöneberg großgeschrieben
Einen Höhepunkt unserer Arbeit für und mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bildete
im Jahr 2015 ein Fest, das wir ihnen zu Ehren im Naturpark Schöneberger Südgelände durchgeführt haben. Einen weiteren Schwerpunkt stellte die Schaffung von Strukturen für das Engagement für geflüchtete
Menschen dar.
tes. Elke Fiedler, Vorstandsmitglied des Nachbarschaftsheims
Schöneberg, unternahm einen Rundumblick auf die verschiedenen Tätigkeiten, die ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den unterschiedlichen Einrichtungen und Projekten
des Nachbarschaftsheims ausüben. So konnten sich die Gäste
Am Sonntag, den 20. September 2015, war es wieder einmal
ein Bild von der Vielfalt des Engagements machen, dessen Teil
soweit: Das Nachbarschaftsheim Schöneberg feierte in der Loksie sind. Die „kleinen“ Gäste, die von ihren Eltern mitgebracht
halle auf dem Schöneberger Südgelände mit über 400 Gästen
wurden, scharten sich in einer Ecke der
– 250 Ehrenamtlichen und ihren Familiehemaligen Lokhalle um die Märchenerenangehörigen – sowie mit zahlreichen
Ein Hoch auf
zählerin Birgit Hägele und lauschten geMitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
bannt ihren Geschichten. Abgelöst wurunsere Engagierten!
de diese wiederum von der Big Band The
Ab 12 Uhr mittags trafen die ersten Gäste
Flintstones, die den verbleibenden Nachmittag mit ihrer Musik
ein. Auf dem Programm standen zunächst geleitete Führungen
begleitete.
durch den Naturpark. Etwa 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
erfuhren in sieben verschiedenen Touren etwas zur Geschichte
Ein reichhaltiges Buffet aus warmen und kalten Speisen sorgte
des Geländes sowie zur Fauna und Flora des jetzigen Parks.
für das leibliche Wohl der Besucherinnen und Besucher. ÜberPünktlich mit den ersten Regenschauern kamen die Gäste in der
all in der Halle plauderten die Gäste in kleinen oder größeren
Lokhalle an. Gleich hinter dem Eingang konnten sie sich eine
Gruppen. Beim Abschied gingen alle mit fröhlichen Gesichtern
Ausstellung anschauen, die ehrenamtlich Tätige des Nachbarbeschwingt in den Sonntagabend.
schaftsheims Schöneberg porträtierte.
Mittlerweile einer langjährigen Tradition folgend, laden wir alle
zwei Jahre unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einem „Dankeschön-Fest“ ein.

»

Fotos: NBHS

Das abwechslungsreiche Bühnenprogramm begann mit Darbietungen der Theatergruppe Shakespeare Company. Die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg und Schirmherrin
des Festes, Frau Angelika Schöttler, dankte in ihrer Rede den
vielen Ehrenamtlichen, aber auch den Organisatoren des Fes-

«

Wir freuen uns über die Rückmeldung eines Ehrenamtlichen:
„Ich will einfach mal sagen: Es war ein tolles Fest! Super organisiert, tolle Künstler, leckeres Essen. Da steckte viel Vorbereitung und Herzblut drin. Vielen Dank allen, die daran mitgewirkt
haben“.

14

Ehrenamtliches Engagement

Ehrenamtliches Engagement für geflüchtete Menschen
Über das Jahr verteilt entstanden verschiedene Aktionen, bei denen sich hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Nachbarschaftsheims, sowie Menschen aus der Nachbarschaft
engagierten. Anlass waren die hinzuziehenden Menschen, die nach zum Teil langen Fluchterfahrungen
als neue Nachbarinnen und Nachbarn im Stadtteil angekommen sind.
Eine erste Aktion gab es an einem Samstag im März, als Mitarbeiterinnen des Nachbarschaftsheims in ihrer Freizeit, Familien
aus verschiedenen Unterkünften abholten, um mit ihnen einen
Tag im Zoo zu verbringen.
Zur Einschulung im September buken Ehrenamtliche aus der
Nachbarschaft sowie bereits länger Engagierte des Cafés im
Nachbarschaftshaus Friedenau fleißig Kuchen. Mitarbeiterinnen des Nachbarschaftsheims nahmen diese dann mit ins
Nachbarschaftszentrum in der ufa-Fabrik, um dort mit Familien
aus der Unterkunft Colditzstraße den besonderen Tag für die
jungen ABC-Schützen zu feiern.

Gemeinsames Kochen beim
Kaffee Kontinental, Foto: NBHS

Und im Dezember, kurz vor Weihnachten, gelang es, nicht nur
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch Nachbarn sowie Flüchtlinge aus anderen Unterkünften in großer Zahl zu
gewinnen, um das Haus in der Friedenauer Handjerystraße als
Gemeinschaftsunterkunft für alleinreisende Frauen und ihre
Kinder herzurichten.

Seit dem vergangenen Jahr organisiert ein langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter im Nachbarschaftshaus Friedenau das
Kaffee Kontinental. Geflüchtete Menschen und Nachbarn begegnen sich hier einmal im Monat in unserem Nachbarschaftscafé,
um gemeinsam zu kochen, ins Gespräch zu kommen und mit
den Kindern zu spielen.

Benefizveranstaltung Krimilesung
Zugunsten der Nachbarschafts- und Flüchtlingsarbeit des
Nachbarschaftshauses Friedenau haben am 8. Dezember acht
Krimiautorinnen und -autoren, die im „Syndikat“ zusammengeschlossen sind, eine Benefizlesung durchgeführt. Gut 90 Gäste
hat das Programm in unser Haus gelockt, die sich ausgesprochen spendabel gezeigt haben und die Arbeit mit Spendengeldern in Höhe von fast 580 Euro unterstützt haben.
Freiwilliges, bürgerschaftliches Engagement hat viele Facetten.
Dies war eine, die unseren Nachbarinnen und Nachbarn einen
wunderbaren Abend beschert und gleichzeitig die Arbeit des
Nachbarschaftshauses für weitere Angebote materiell unterstützt hat, die anders nicht finanziert werden.

Netzwerk Friedenau hilft!
Zur Vorbereitung der Belegung des Rathauses Friedenau als
Notunterkunft für geflüchtete Menschen hat sich das Netzwerk
„Friedenau hilft!“ gegründet. Das Nachbarschaftsheim Schöneberg war eines der Gründungsmitglieder. Drei Mitarbeiterinnen
waren in die Prozesse eingebunden, um insbesondere das ehrenamtliche Engagement interessierter Friedenauerinnen und
Friedenauer zu koordinieren und für den konkreten Einsatz zu
organisieren. Dabei sind Freiwillige über das Netzwerk nicht nur
in das Rathaus Friedenau vermittelt worden, sondern auch an
die Heilsarmee, in die Willkommensklassen, in das Kaffee Kontinental, sowie an die Gemeinschaftsunterkunft für allein reisende Frauen mit und ohne Kinder des Nachbarschaftsheims
Schöneberg.
Eine Mitarbeiterin übernahm für das Netzwerk ein Infotelefon
und die Aufgabe, die eingehenden Daten derer, die sich in
Friedenau engagieren möchten, zu verwalten, zu sortieren und
diese über anstehende Aufgaben und Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren.

Zahlen im Ehrenamt
Statistische Angaben*
1.666 ehrenamtliche Mitarbeiter/innen
	 Cura: 	
856
	 Pflege: 	
204
	 Sozialkulturelle Arbeit: 	 292
	 Kinder und Jugendliche: 	 314 	**
	 Männer: 	
	 Frauen: 	
	 k.A.: 	

449 	 (27%)
1.205 	 (72%)
12 	 (1%)

Altersverteilung: (Angaben von 895 Ehrenamtlichen vorhanden)
unter 20 Jahre: 	
5 	 (0,6%)
20 – 29 Jahre: 	
12 	 (1,3%)
30 – 39 Jahre: 	
49 	 (5,5%)
40 – 49 Jahre: 	
96 	(10,7%)
50 – 59 Jahre: 	 188 	(21,0%)
60 – 69 Jahre:	 300 	(33,5%)
70 – 79 Jahre: 	 208 	(23,2%)
80 – 89 Jahre:	
37 	 (4,2%)
* Durchschnittswerte aus den Statistikwochen NBHS 2015
** die Differenz zum letzten Jahr ergibt sich dadurch, dass die Schülerpaten sich verselbständigt haben und so nicht mehr zu unseren
Ehrenamtlichen zählen

Stadtteilarbeit | Freizeit & Kultur

15

Das Kultur-Café – ein Ort der Begegnung für die Nachbarschaft
Als Anlaufstelle für die Nachbarinnen und Nachbarn sowie für kulturelle Akteure in der Umgebung und
freischaffende Künstler hat sich das Kultur-Café als ein wichtiger Ort der Stadtteilkultur weiterentwickelt. Die neun hier tätigen Ehrenamtlichen sind Indikator und Puls für die Interessen und Bedürfnisse
der Nachbarschaft. Sie engagierten sich je nach persönlichen Kenntnissen und Wünschen, entwickelten
ein umfangreiches Programm, förderten Stadtteilkultur, vernetzten Menschen und Institutionen.
Mit seinen regelmäßigen offenen Angeboten begegnete das
Kultur-Café dem Wunsch vieler Besucherinnen und Besucher
nach zeitlicher Flexibilität. Besonders erfolgreich war das Angebot „Haste Töne?! – Offenes Singen“, mit regelmäßig über 20
Teilnehmenden, das Lesecafé und der Fotoarbeitskreis Schöneberg, der sich auf das Fotografieren rund um den Stadtteil
Neben dem eigentlichen kulturellen Angebot wurde von den
konzentriert. Diese Angebote ergaben sich zum großen Teil aus
Gästen des Kultur-Cafés auch die unkomplizierte Möglichkeit
bürgerschaftlichem Engagement heraus. So entstand eine sozum Gespräch und zur Begegnung untereinander und auch mit
zialraumbezogene und nutden Kunstschaffenden oder
zerorientierte Stadtteilarbeit.
Vortragenden sehr geschätzt.
Insgesamt waren es sieben
Auch durch diesen Ansatz
Raum für gemeinschaftliche
solcher Gruppen, geleitet von
ist es gelungen, Angebote
Kulturerlebnisse
sechs Ehrenamtlichen.
zu schaffen, die über einen
reinen „Konsumcharakter“
Im Ausstellungsbereich des Nachbarschaftshauses Friedenau
hinausgehen.
kümmerten sich zwei Ehrenamtliche sehr engagiert um die vielen Anfragen von Kunstschaffenden. Angesichts fehlender oder
Einhergehend mit dem vermehrten Zuzug von Flüchtlingen nach
zu kostenintensiver AusBerlin, auch in den Friedenauer Kiez, waren im vergangenen Jahr
stellungsflächen sind sie
besonders die interkulturellen Veranstaltungen stark vertreten.
auf solche Möglichkeiten
Ideen wurden entwickelt, die auf die sich verändernde Situation
zunehmend angewiesen.
Das Kulturcafé organisierte Lesungen, Konzerte, Stadtführungen und Ausstellungen. Mit durchschnittlichen Besucherzahlen
von 50 Gästen und Spitzenwerten von fast 200 Gästen blickt es
auf ein erfolgreiches Jahr zurück.

»

Fotowettbewerb „Fremden Kulturen auf der Spur“; Foto: Hartmut Becker

im Stadtteil bezogen waren. Der Fotowettbewerb des Kultur-Cafés fand beispielsweise unter dem Titel: „Fremden Kulturen auf
der Spur - Begegnungen und Entdeckungen in meiner Nachbarschaft“ statt. Ein weiteres Beispiel war ein bosnischer Abend
mit ehemaligen Flüchtlingen, begleitet von Lesungen, Musik
und mit inhaltlichem Bezug zur aktuellen Lage. Darüber hinaus
gab es die Benefiz- und Vernetzungsveranstaltung „Grenzen
überwinden“ in Kooperation mit der Gemeinde zum Guten Hirten. Angeboten wurden Vorträge, ein Improvisationstheater und
eine Diskussionsrunde. 50 Gäste kamen. In einem erweiterten
Rahmen wurde eine Filmreihe zu Migration und Flucht gezeigt,
die im Kinder- und Jugendzentrum VD 13 stattfand.
Perspektivisch werden natürlich die geflüchteten Menschen als
„neue Nachbarn“ auch kulturell eine Rolle spielen. Dabei werden die eigenen Wünsche, Kenntnisse und Ideen dieser Menschen in die Planung einfließen.

«

Mehrere Kooperationen
konnten neu ins Leben
gerufen oder verfestigt
werden, wie beispielsweise mit dem Verein
„Südwestpassage“ oder
mit der Volkshochschule
Tempelhof-Schöneberg
und ihren Abschlusskonzerten der Chansonklassen. Eine weitere
vielversprechende Kooperation entstand mit
Ausstellung „Pro Asyl“
dem Obdachlosentheater
„Betablocker“,
einem Projekt von und mit Obdachlosen rund um die
Themen Ursachen und Auswirkungen von Obdachlosigkeit. Eine Aufführung fand im Nachbarschaftshaus im
Oktober vor 40 Gästen statt.
Darüber hinaus wurden gezielt wieder Veranstaltungen angeboten, die sich eng im nachbarschaftlichen Kontext bewegten.
Als feste Angebote haben sich das „Friedenauer Märchenfest“,
die Veranstaltung „Friedenau tanzt in die Nacht“, sowie die
„Friedenauer Handwerkstour“ und die „Klingeltour Friedenau“
etabliert.

16

Stadtteilarbeit | Freizeit & Kultur
Tanztheater zu Flucht und Gewalt

The Mightiest ever

Mit der kolumbianischen Botschaft fand eine ungewöhnliche
Kooperation statt. Ein zeitgenössisches Tanzstück über Flucht
und Gewalt, Wahrnehmung, Erinnerung und Konflikte mit den
bekannten Tänzern Martha Hincapié Charry und Gabriel Galíndez Cruz. Über 60 Gäste waren begeistert.

Im November spielte die hochkarätige Jazzband „The Mightiest
ever“ vor 50 Gästen. Die fünfköpfige Band begeisterte mit ihrem Mix aus Jazz und Pop die Zuschauer.

Hincapié Charry und Gabriel Galíndez Cruz von Double Sided

Benefizkonzert mit dem
Gewerkschaftschor
IG Peng
Der Gewerkschaftschor IG Peng
veranstaltete ein Benefizkonzert
für die soziokulturelle Arbeit im
Nachbarschaftsheim und konnte
durch seine politischen Lieder
und eine entsprechende Moderation den aktuellen Zeitgeist
musikalisch gut einfangen.

Dancing Sand – drei Cellos und ein Zeichner
Eine ungewöhnliche Veranstaltung fand mit drei Cellisten und
einem Sandmaler statt. Katharina Maechler, Michael Gerhardt
und Johanna Cürlis spielten Musik von Bach bis Piazzolla, und
der Sandmaler Pedda Borowski zeichnete dazu live Bilder in den
Sand. Ein Erlebnis, das 60 Gäste so noch nie gesehen hatten.

Lesung von Anja Röhl
Mit fünf Jahren lernte Anja Röhl
die spätere Frau ihres Vaters, Ulrike Meinhof, kennen. Vor einem
altersmäßig sehr gemischten
Publikum las sie aus ihrem Buch
„Die Frau meines Vaters – Erinnerungen an Ulrike Meinhof“.
Nach der Lesung entspann sich
ein anregender Dialog zwischen
den Generationen.

„Vergiss mein nicht“
Nicht nur eine Liebeserklärung
und Verbeugung vor einer beeindruckenden Frau, sondern auch
eine realistische Darstellung einer Krankheit bot der Filmabend
in Kooperation mit dem Besuchsdienst für Menschen mit Demenz
in Anwesenheit des Regisseurs
Daniel Sieveking.

Russische Musik
neu entdeckt
Ein russisches Weihnachtskonzert mit dem Vokal-Ensemble
Lepota mit Informationen über russisch-orthodoxe Bräuche beendete das kulturelle Jahr 2015.

Stadtteilarbeit | Freizeit & Kultur

17

V.l.n.r.: Konzert „Folksongs for the four seasons“ Konzert in der Heilig-Kreuz-Kirche vom September 2015 | Sommerkonzert 2015 „Die Welt singt!“
Foto: Brigitte Sturm | Internationale Weihnacht “Sing we all Noël!” Foto: Lea Kahya | Shalom Chor Berlin; Foto: NBHS

Konzertchöre im
Nachbarschaftsheim Schöneberg
Friedenauer Frauenchor - Sommerkonzert
Am 27. September 2015 fand in der Heilig-Kreuz-Kirche das
Konzert „Folksongs for the four seasons“ (Ralph Vaughan Williams), zusammen mit dem Schöneberger Kammerorchester
statt.

„Die Welt singt!“ in der Alten Lokhalle
Mit herrlichen Gesängen aus aller Welt, einfühlsam begleitet
durch die Folk-Combo Berlin, gelang es dem Konzertchor Friedenau, die Zuhörer beim Sommerkonzert am 6. September
2015 zu erobern. Trotz des verregneten Wetters und für einen
Sommerabend viel zu kalter Temperaturen war die Alte Lokhalle im Schöneberger Südgelände mit rund 200 Besuchern voll
besetzt. Zum Auftakt wurde dem Publikum mit dem Gute-Laune-Canon „Calypso“ von Uli Führe eingeheizt und anschließend
führte Rolf Ahrens locker und unterhaltsam durch sein Repertoire von selbst arrangierten, wunderschönen Chorstücken.
Schöner Nebeneffekt: Außer den Konzerteinnahmen sind stolze
450 Euro an Spenden für die Anschaffung von Schulmaterialien
wie Hefte und Stifte für den Deutschunterricht in einem Flüchtlingsheim in Tempelhof-Schöneberg zusammengekommen.

„Sing we all Noël!“ – Fröhliche Weihnacht
Auch das Weihnachtskonzert des Konzertchores stand ganz im
Zeichen der Internationalität. Durch die festlich geschmückte
Matthäus-Kirche in Steglitz, die wie immer beinahe bis zum
letzten Platz gefüllt war, erklangen am Sonntag, den 13. Dezember 2015 stimmungs- und schwungvolle Weihnachtslieder aus
der ganzen Welt.

Zahlen in der Stadtteil- und Kulturarbeit
Besuche, Teilnahmen und Beratungen pro Woche*
Community Care	
	 Teilnahmen in den Gruppen der Mitgliedertreffs	
	 Beratungen von Mitgliedern	

83	
58

Selbsthilfetreffpunkt	
	 Teilnahmen in den Selbsthilfe-Gruppen	
634
	Beratungen	
43
	 Selbsthilfe-Gruppen insgesamt in 2015	
73
Kontaktstelle Pflegeengagement	
	 Teilnahmen an den Angeboten	
	 Beratungen zu Fragen rund um Altern	

34
16

Berufsorientierung und Kick Projekte	
	 Teilnahmen in Berufsorientierungskursen	
	 Teilnahmen in Beschäftigungsprojekten	

73
36

Jobpaten	
	 Beratungen für Jugendliche und junge Erwachsene	
8
	 Begleitungen insgesamt in 2015	
30
Al Nadi	
	 Teilnahmen an den Angeboten	
	Beratungen	

144
27

Kidöb	
	 Teilnahmen an den Angeboten	
247
	Beratungen	
49
Sozial- und Rechtsberatung	
	Beratungen	

16

Theater der Erfahrungen	
	 Teilnahmen an den Theatergruppen	
138
	Zuschauer/innen	99
Treffpunkt Nachbarschaft	
	Teilnahmen an den Angeboten	

	

136

Friedenauer Chöre		
	Mitglieder in den Chören	
107
Kultur-Café	
	 Teilnahmen an den Angeboten	
	Mitglieder Kultur-Café Gruppe	

156
8

Nachbarschaftscafé	
	Besucher/innen im Café	

185

*Durchschnittswerte aus den Statistikwochen des NBHS 2015

18

Stadtteilarbeit | Freizeit & Kultur

Im Theater der Erfahrungen treffen sich Jung und Alt
In altersübergreifenden Veranstaltungen wie dem Kreativtag für alle Generationen oder den Kooperationsprojekten mit Ausbildungs- und Kulturstätten konnten sich auch junge Menschen ein lebendiges Bild vom
Älterwerden verschaffen und für ihre eigene Berufspraxis davon profitieren.
Durch die mittlerweile regelmäßigen Präsentationen in der Kulturvorlesung der Fachhochschule, durch die Beteiligung von
Studierenden an Aktionstagen des Theaters der Erfahrungen
sowie in gemeinsamen Projekten wie TUKI – Theater und Kita,
konnte ein weiteres Jahr erfolgreicher Verzahnung zwischen
dem Theater der Erfahrungen und der Alice Salomon Hochschule realisiert werden.

Trommelgruppe hielten die Besucherinnen und Besucher dabei
in Atem sowie in Bewegung.

Die KulturEtage etablierte sich weiter am Vorarlberger Damm
und zeigte mit zwei Veranstaltungen, was in ihr steckt: am 29.
Mai gab es den 9. Kreativtag für alle Generationen mit fünf
Werkstätten verschiedenen Zuschnitts, der von knapp 100 Besucherinnen und Besuchern
freudig genutzt wurde. Und
Im Rahmen von TUKI entwi66 Aufführungen und 5000
es gab das dritte Fest „Kulckelten Studierende zusamtur auf’m Damm“, diesmal
men mit Kindern der Kita
Zuschauerinnen und Zuschauer
am 1. Oktober bei strahlenRiemenschneiderweg
und
dem Wetter, beginnend mit
Seniorinnen und Senioren
Kaffee, Theater und Musik am Vorarlberger Damm 1, dann Bedie Mitspielaktion „Mein wunderschöner Waschsalon“. Das
wegungstheater im Treppenhaus und schließlich mit FilmpräProgramm wurde zum ersten Mal am 3. Juli im Jugendzentrum
sentation, Ausstellungseröffnung und Grillparty im VD 13. Das
VD 13 gezeigt, die Kinder wurden zu lautstarken WaschmaschiSpektakel wurde gemeinsam veranstaltet von der Kifrie-Musinen, schleuderten Unterwäsche und suchten mit großer Beketage, Kifrie-Medienwerkstatt, LAG Spiel und Theater, VD 13
geisterung verschwundene Socken.
und Theater der Erfahrungen und hat inzwischen sehr positive
Wirkungen nach innen und außen.
Auch an der Veranstaltung „Vergissmeinnicht - Menschen mit
und ohne Demenz im Scheinwerferlicht“, gab es ein reges InDen nachsommerlichen Höhepunkt bildete ein Gastspiel der
teresse seitens Ausbildungseinrichtungen und AltenpflegeBunten Zellen mit „Berliner Pflanzen“ im Grips Theater am
schulen. Der Aktionstag mit kulturellen Aktivitäten für und
30. September. Eigentlich wäre es schon vor Jahren fällig gemit demenzerkrankten Menschen wurde aufgrund des großen
wesen, dass Alten- und Jugendtheater sich annähern, nun war
Erfolges im Jahr 2014 erneut am 18. Juni 2015 mit 300 Besues endlich so weit. Die ‚gute‘ Adresse am Hansaplatz zog viele
chern in der Ufa-Fabrik durchgeführt. Theateraufführungen,
Interessierte und Fans an, das Haus war mit 260 Zuschauenden
Themeninseln von verschiedenen Akteuren und eine riesige

»

«

TdE - Alice-Salomon-Hochschule; Foto: TdE

Fachtag "Kultur und Demenz" in der ufa Fabrik; Foto: Christine Roth

TUKI Theater-Projekt; Foto: TdE

Kreativtag für alle Generationen; Foto: TdE

Stadtteilarbeit | Freizeit & Kultur

19
Im Theater der Erfahrungen sind mit seinen drei Stammgruppen
und den Kooperationen mit dem Hospiz Schöneberg-Steglitz
und dem Ehrenamtlichen Besuchsdienst des NBHS 50 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagiert.
Das gesamtstädtische EU-Projekt Werkstatt der alten Talente
lief per 30.06.2015 aus. Unterstützt durch verschiedene Überbrückungshilfen, konnten die Ehrenamtlichen dennoch weiter
aktiv in die Theaterarbeit einbezogen werden.

"Berliner Pflanzen" im Grips-Theater; Foto: TdE

knackend voll und die Bunten Zellen in Bestform – ein echtes
Highlight, das vielen Menschen, einschließlich den Spielerinnen und Spielern in Erinnerung bleiben wird.
Im späteren Herbst, Ende Oktober, schwärmte das Theater der
Erfahrungen zum zweiten Mal aus ins Jugend Museum Schöneberg an der Hauptstraße und zeigte dort seine Produktion
„Millionenbauern“, eine Zusammenarbeit von sieben ‚Nachwuchs-Gruppen‘ aus der ganzen Stadt, erweitert durch einen
Inklusions-Workshop für Jung und Alt. Das wandernde Theater-Programm führte die 120 Zuschauenden durchs ganze Haus
und ließ sie auf engstem Raum teilnehmen an der Geschichte
der Villa.
Das Theater der Erfahrungen war 2015 mit 66 Aufführungen für
knapp 5000 Zuschauerinnen und Zuschauer unterwegs. Zwei
Gruppen waren auf Tournee – die Theater-Hospiz-Gruppe mit
„Bertha, stirb endlich!“ in Uslar bei Göttingen, der OstSchwung
mit „Eine andere Welt“ in Vorarlberg/Österreich und die Bunten
Zellen mit ihrer umjubelten Aufführung im Grips Theater.

"Millionenbauern" im Jugendmuseum Schöneber; Foto: TdE

Improtheater im Treppenhaus, Kultur auf'm Damm; Foto: TdE

Aus dem Treffpunkt 50plus wird der Treffpunkt Nachbarschaft
Das vergangene Jahr wurde dazu genutzt, die Ausrichtung der Arbeit des ehemaligen „Treffpunktes 50plus"
konzeptionell zu überdenken und weiter zu entwickeln.
Damit sich die gesamte Nachbarschaft eingeladen fühlt, sollte
künftig in der Namensgebung des Treffpunktes auf den Hinweis
„50plus“ verzichtet werden. Stattdessen heißt er nun „Treffpunkt Nachbarschaft“. Er hat mit Beginn des Jahres 2016 auch
wieder eine neue feste Leitung bekommen.
In einem ersten Schritt haben wir das im Nachbarschaftshaus
Friedenau befindliche Nachbarschaftscafé an den Treffpunkt
angegliedert und die Organisation komplett in die Hände von
Ehrenamtlichen gelegt, um die Nachbarschaft noch stärker
anzusprechen und als offener niedrigschwelliger Treff wahrgenommen zu werden.
Im Treffpunkt wurden im vergangenen Jahr wieder viele verschiedene Gruppen und Kurse organisiert und angeboten.
Anhaltend starken Zulauf hatten beispielsweise die etwa 20
Stadtbesichtigungen und Führungen mit unterschiedlicher thematischer Ausrichtung. Kiezspaziergänge, spezielle Kunst- und
Architekturführungen oder der Besuch von Gotteshäusern verschiedener Religionen waren zum Beispiel im Programm. Und

Offenes Singen im Treffpunkt Nachbarschaft, Foto: Anita Back

auch die Bewegungsangebote von Tanzkursen über Yoga und
Zumba bis hin zu Gesundheitssport und Wandergruppen erfreuten sich großer Beliebtheit. Neu aufgenommen wurde ein
Computerstammtisch für Senioren, eine offene Gruppe für computerbegeisterte Menschen.

20

Stadtteilarbeit | Selbst- und Nachbarschaftshilfe

Der Selbsthilfetreffpunkt wird 30 Jahre alt
1985 vom damaligen Berliner Sozialsenator Fink eröffnet, befand sich der erste Standort des Selbsthilfetreffpunktes im Nachbarschaftsheim Schöneberg in umgebauten Kellerräumen in der Friedenauer Fregestraße. Heute ist er Teil des Nachbarschaftshauses Friedenau.
Um die Hemmschwelle für Hilfesuchende zu verringern, wurde
seinerzeit gleichzeitig ein kleines Café als offener Treffpunkt betrieben. Viel ist seitdem geschehen. Doch gleich geblieben ist,
dass sich die Selbsthilfe an den konkreten Bedarfen der hilfesuchenden Menschen orientiert und einen Raum für Eigenverantwortung und Selbstbestimmung bietet. Die Selbsthilfekontaktstelle unterstützt die Gruppen durch das Bereitstellen von
Räumen, bei der Öffentlichkeitsarbeit, bei Gruppengründungen
und Problemen. Doch das meiste passiert in Eigenregie. Die
Gruppen sind Profis in eigener Sache.

xis heraus wider. Und auch Selbsthilfeaktive kamen zu Wort. So
gab es einen Expertenaustausch mit vier Teilnehmerinnen und
Teilnehmern aus verschiedenen Gruppen. Sie gaben Einblick in
ihre Arbeit und was für sie die Gruppen so wirksam macht: Der
Austausch mit Gleichbetroffenen. Zusammenfassend lässt sich
sagen, dass Selbsthilfegruppen ein Ort des Rückhalts und der
praktischen Hilfe sind.

Insgesamt ist die Zahl der Selbsthilfegruppen und -initiativen
im vergangenen Jahr auf nun 73 leicht gestiegen. Neue Gruppen wurden gegründet, wie z.B. „Wechseljahre“, „AD(H)S bei
Erwachsenen“, „Seh- und Augentraining“, „Borreliose“, „KomDie Jubiläumsfeier am 13. November 2015 fand im Rahmen eipetenztraining für Autisten“, „Trauer und Leben“. Auf Grund
nes Fachtages statt. Unter den geladenen Gästen war auch Dr.
schwindender Teilnahme haSybill Klotz, Bezirksstadträben sich die Gruppen „Angst
tin für Gesundheit, Soziales
30 Jahre Selbsthilfe-Arbeit in
und Depression bei Mänund Stadtentwicklung, die
Tempelhof-Schöneberg
nern“, sowie die Gesprächsauf den hohen Stellenwert
gruppe „Dein eigener Freund
der Selbsthilfe für den Bewerden“ und „Eltern mit Adoptivkindern“ aufgelöst.
zirk hinwies. Sie betonte die gute Verankerung der Kontaktstelle in bezirklichen Strukturen, wie beispielsweise in der
Ende 2015 ist die Internetseite www.maennerselbsthilfe.de
AG Frauengesundheit und dem Gesunde Städtenetzwerk. Im
an den Start gegangen. An dieser Initiative beteiligt sich die
gesamten Bezirk Tempelhof-Schöneberg treffen sich ca. 220
Selbsthilfekontaktstelle. Ziel dabei ist es, mehr Männer für die
Selbsthilfegruppen, davon 70 im Selbsthilfetreffpunkt des
Selbsthilfe zu begeistern, denn ca. 80% der Selbsthilfeaktiven
Nachbarschaftsheims Schöneberg.
sind weiblich. Erste Planungs- und Koordinierungstreffen haEin Arzt und eine Psychologin spiegelten in ihren Beiträgen
ben bereits stattgefunden.
beim Fachtag die Bedeutung der Selbsthilfe aus ihrer Berufspra-

»

«

Kontaktstelle Pflegeengagement – für pflegebedürftige
Menschen und ihre Angehörigen
In der Kontaktstelle Pflegeengagement lag der Arbeitsschwerpunkt 2015 in der Gründung neuer Gruppen
mit dem Schwerpunkt demenzielle Erkrankungen.
So gibt es nun eine türkischsprachige Selbsthilfegruppe für
Angehörige von Menschen mit Demenz sowie eine Gruppe für
Menschen mit beginnender Demenz und einen künstlerisch angeleiteten Maltreff für Menschen mit Demenz. Eine Ausstellung
der ersten Werke fand im Nachbarschaftshaus Friedenau statt.
Auch im Rahmen der neu gegründeten Skat- und Canastagruppe treffen sich Menschen mit Demenz gemeinsam mit Pflegebedürftigen und Bewohnern aus der Umgebung regelmäßig im
Stadtteiltreff – Der Nachbar. Insgesamt 14 solcher verschiedenen Gruppen wurden durch die Kontaktstelle in 2015 angeboten.
Etwa 40 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren
in der Kontaktstelle PflegeEngagement aktiv. Sie besuchten
zum Beispiel alleinstehende pflegebedürftige Menschen, um
ihnen etwas Unterhaltung und Abwechslung zu ermöglichen.
Fast 600 Besuche haben im Rahmen dieses ehrenamtlichen
Besuchsdienstes im vergangenen Jahr stattgefunden. Außerdem wurden 26 Veranstaltungen durchgeführt, mit insgesamt
knapp 400 Besuchern. Darunter eine sehr gut besuchte Infor-

mationsveranstaltung
zum Thema: „Wohnformen im Alter“. Zudem
wurden gemeinsam mit
dem Geriatrisch-Gerontopsychatrischen Verbund Schöneberg und
Tempelhof drei Veranstaltungen zum Thema
Demenz für die Nachbarschaft angeboten.
Auch war Dilek Kolat von
der SPD mit ihrer Kiezverstecke Tour in der
Cranachstraße
unterwegs und besuchte unter anderem den Stadtteiltreff – Der Nachbar.

Offene Freizeitgruppe für Pflegebedürftige, Foto: Paul-Georg Herrmann

Stadtteilarbeit | Migration

21

Anlaufstellen für Migrantinnen
In den Anlauf- und Beratungsstellen für türkische und arabische Frauen, Kidöb und Al Nadi, spiegelt sich
seit dem vergangenen Jahr der vermehrte Zuzug von geflüchteten Menschen wider. Die Schwerpunkte in
der Arbeit lagen einerseits auf den Deutsch- und Integrationskursen und andererseits in der Beratung zu
Frauenrechtsthemen, wie häusliche Gewalt, Trennung und Scheidung.
schaftsheim Schöneberg. Dieses von der Deutschen Kinderund Jugendstiftung geförderte Programm beinhaltet Angebote
zur Freizeitgestaltung und Deutschunterricht. Mitarbeiterinnen
von Kidöb und Al Nadi begleiteten in den vergangenen Sommer- und Herbstferien sowohl Jugendliche als auch deren Mütter bei Ausflügen, um ihre Umgebung und die Stadt besser
Massiver Anstieg von Anfragen kennenzulernen. Siehe auch
S. 33 Ferienschule mit dem
geflüchteter Frauen
Schülerclub Oase.

Die Nutzerinnen von Al Nadi kamen auch im Jahr 2015 wieder
aus dem gesamten Berliner Stadtgebiet. Wie in jedem Jahr
fanden neben den Deutsch- und Alphabetisierungskursen beispielsweise Informationsveranstaltungen zur gesundheitlichen
Aufklärung, Elternarbeit und interkulturelle Vermittlung an
Schulen statt.

»

Signifikant erhöht hat sich seit
Anfang des Jahres die Zahl der
Nutzerinnen, die sich in Asylverfahren befanden oder schon
anerkannt waren. Das waren vor allem Flüchtlingsfrauen aus
Syrien, Libyen, dem Irak und Ägypten. Diese kamen hauptsächlich, um an Deutschkursen teilzunehmen, aber auch um
Beratung bei häuslichen Problemen oder Sozialberatung in Anspruch zu nehmen.
Vielfach wurden die Mitarbeiterinnen von Al Nadi auch von
anderen Einrichtungen, wie Notunterkünften angefragt, um
Übersetzung, Vermittlung, Beratung und Aufklärung für syrische Flüchtlingsfrauen zu leisten. Ein erheblicher Anstieg der
Beratungsanfragen zu häuslicher Gewalt, Möglichkeiten der
Trennung und Scheidung war im Jahr 2015 zu verzeichnen; zunehmend auch für geflüchtete syrische und irakische Frauen.
Im Sommer 2015 gab es in Zusammenarbeit mit Kidöb und Al
Nadi eine Ferienschule für geflüchtete Menschen im Nachbar-

Wohnungslotsen
Gemeinsam mit dem Pflegestützpunkt in der Reinhardtstraße
wurde die Initiative „Wohnungslotsen“ gegründet. 15 Interessierte wurden geschult. Sieben davon engagieren sich nachhaltig bei den Wohnungslotsen, von denen vier im Jahr 2015
bereits vermittelt werden konnten. Sie begleiten Ältere und
Pflegebedürftige, die auf barrierearmen Wohnraum angewiesen sind, bei Veränderungsprozessen wie der Wohnungssuche
oder -anpassung und Knüpfen von Kontakten in der Nachbarschaft.

«

Die Freizeitgruppen bei Kidöb, wie Näh- und Malkurse oder
Handarbeitsgruppen, waren stark nachgefragt. Dienten sie den
Teilnehmerinnen doch vor allem auch als Kontaktmöglichkeit
zu anderen Frauen und dem Gesprächsaustausch zu Alltagsproblemen, familiären und gesundheitlichen Themen. Auf den
gestiegenen Bedarf wurde mit personeller Verstärkung und einer Erweiterung des Angebots reagiert.
Neben den Unterstützungsangeboten im Bereich der Hausaufgabenbetreuung bei Kidöb für Schülerinnen der 5. bis 13. Klassen, gab es auf Wunsch und Nachfrage in den Ferien auch wieder Angebote zur Freizeitgestaltung. Filmnachmittage, Ausflüge
und Basteltage waren unter anderem mit auf dem Programm.

Berlin“ gegen homophobe Gewalt. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 21 verschiedene Orte in Berlin aufgesucht, um
dort den symbolischen Regenbogenkuchen als sichtbares Zeichen von Vielfalt und Toleranz gemeinsam mit den Beteiligten
anzuschneiden. Insgesamt 140 Berliner Unternehmen engagieren sich in dem Berliner Bündnis für Toleranz, dem Maneo
angehört.

Maneo-Aktion
bei Kidöb und Al Nadi
Die jährliche Kampagne „Kiss Kiss Berlin - Regenbogenkuchen“
war im Frühjahr im Nachbarschaftsheim Schöneberg zu Gast.
Am Nachmittag des 7. Mai 2015 kamen Bastian Finke und Moritz Konradi von „Maneo - das schwule Anti-Gewalt-Projekt“ in
Berlin, in die Projektetage von Kidöb und Al Nadi in der Friedenauer Rheinstraße. Gemeinsam mit etwa 20 Frauen aus Syrien,
Somalia, Bulgarien, dem Libanon und aus der Türkei, die die
Treffpunkte regelmäßig besuchen, wurde der Regenbogenkuchen angeschnitten. Bastian Finke, Leiter von Maneo, erläuterte die Hintergründe der Aktion und die Teilnehmerinnen von
Kidöb und Al Nadi erzählten aus ihrem Leben in Deutschland.
Seit vielen Jahren organisiert Maneo die Kampagne „Kiss Kiss

Die Mitarbeiterinnen von Kidöb und Al Nadi zusammen mit Bastian
Finke von Maneo; Foto: NBHS

Organigr
Gesellschafterversammlung

Mitgliederversammlung
Vorstand

Geschäftsführung

Geschäftsführung
Service

Finanzverwaltung

Personalverwaltung

Ehrenamtliches Engagement

Pflege & Begleitung

Stadtteilarbeit

Sozialstation Friedenau
	Standort Cranachstraße

Freizeit & Kultur

	Standort Bundesallee

Theater der Erfahrungen
Treffpunkt Nachbarschaft
Kultur-Café

Information/Empfa

Öffentlichkeitsarbeit

Kinder & Jugendfreizeiteinrichtungen
Flipperklub
Jugend- und Familienzentrum JeverNeun

Konzertchor Friedenau

Kinder- und Jugendzentrum VD 13

Ambulante Familienpflege

Friedenauer Frauenchor

Kifrie Musiketage

wellcome - praktische Hilfe
nach der Geburt

Shalom-Chor
Stadtteilzeitung

Kifrie Medienwerkstatt

Pflege & Betreuung in
Wohngemeinschaften
	Albrechtstraße

Selbst- & Nachbarschaftshilfe

Spirale Abenteuerspielplatz

Sozialarbeit

	Cheruskerstraße
	Skarbinastraße
	Steinmetzstraße
Tagespflege
Schöneberger Insel
Hospiz Schöneberg-Steglitz
	Stationäres Hospiz
	Ambulanter Hospizdienst
Ehrenamtlicher Besuchsdienst
	für Ältere mit Pflegebedarf

Community Care
Kontaktstelle Pflegeengagement
Der Nachbar - Stadtteiltreff
Selbsthilfetreffpunkt
Sozial-/Rechtsberatung

Familie
Familienbildung
Schöneberg
Steglitz
Familienpatenschaften

Kinderfreizeittreff
Menzeldorf

Arbeit statt Strafe

Migration
Al Nadi - für arabische Frauen
Kidöb - für Frauen aus der
Türkei
Gemeinschaftsunterkunft
Handjerystraße
Jobpaten
Willkommensbüro /
Patenschaften

	für an Demenz Erkrankte

Nachbarschaftsheim Schöneberg, Holsteinische Straße 30, 12161 Berlin (Friedenau), Stand Mai 2016

Fortbi

ramm

ang

ildung

Gebäudemanagement

Bauleitung

IT-Koordination

Kick - Beschäftigung und Qualifizierung

Prävention und Kinderschutz

Kooperationen an Schulen

Kindertagesstätten

Charlottenb.-Wilmersd./
Steglitz-Zehlendorf

Am Kleistpark

TempelhofSchöneberg

Ganztagsbetreuung

Ganztagsbetreuung

Carl-Orff-GS

Fläming-GS

Nehring-GS

Friedenauer Gemeinschaftsschule (Grundstufe)

Rothenburg-GS
Sachsenwald-GS

GS am Dielingsgrund

Willkommensklassen
Katharina-Heinroth-GS

Lindenhof-GS
Scharmützelsee-GS

Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule

Prignitz-Schule (FS)

Gail S. Halvorsen-Schule

Friedenauer Gemeinschaftsschule (Sekundarstufe)

Schulsozialarbeit
Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule
Comenius-Schule

Georg-von-Giesche-Schule
Gustav-Langenscheidt-Schule
Schule am Berlinickeplatz

Am Park
Breitensteinweg
Ebersstraße
Fregestraße
Freiherr-vom-Stein-Str.
Hedwigstraße
Holsteinische Straße
Jeverstraße
Karl-Schrader-Straße
Kaubstraße

Prinzregentenstraße
Rominter Allee

Georg-von-Giesche-Schule

Stegerwaldstraße

Kinder- und Jugendclub
Lindenhof

Vormundschaften
für Minderjährige

Pestalozzistraße

Friedenauer Gemeinschaftsschule (Grundstufe)

BT-Schülerclub

Tempelhof	Schöneberg

McNair

Sachsenwald-GS

Jugendarbeit

CharlottenburgWilmersdorf

Lindenhof

Riemenschneiderweg

Gustav-Langenscheidt-Schule

Steglitz	Zehlendorf

Lauterstraße 40

Schulsozialarbeit

Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule

CuraBetreuungsverein

Lauterstraße 30

Katharina-Heinroth-GS

Schulhilfe

Rechtliche
Betreuung
& Vorsorge

Sponholzstraße
Tübinger Straße
Vorbergstraße
Westfälische Straße
Wielandstraße

Schülerclub Oase

www.nbhs.de

24

Kita & Familie | Kindertagesstätten

Sanieren und renovieren – in den 25 Kindertagesstätten ist
immer etwas zu tun
Auf gut ausgestattete und anregende Räumlichkeiten wird in unseren Einrichtungen großen Wert gelegt.
So gab es im vergangenen Jahr immer irgendwo in einer Kindertagesstätte etwas zu renovieren, auszubauen oder zu sanieren. Diese Arbeiten müssen in den Einrichtungen überwiegend im laufenden Betrieb
stattfinden, was dank einer guten Zusammenarbeit mit den beauftragten Firmen und den eigenen Handwerkern im Alltag gut gelingt.
Gerüst oder ein tiefes Loch – sobald Kinder eine Baustelle seDie Kita Freiherr-von-Stein-Straße konnte sich 2015 über eine
hen, sind sie oftmals sehr gebannt und möchten sehen, was
neue Küche freuen, die Kita Ebersstraße über einen neuen
passiert. „Bist du ein Bauarbeiter?“ „Was machst du mit dem
Sandkasten und Sitzmöglichkeiten im Vorgarten, die Kita
Bohrer?“, „Warum ist hier
Pestalozzistraße erhielt ein
so viel Staub?“, „Können
sehr schönes Kinderbad und
Bauarbeiten – eine spannende Zeit, Frauen auch bohren?“ – sind
in der Kita Westfälische Stranur einige Fragen, die die
ße wurde die Erweiterung des
auch für die Kinder
Handwerkerkerinnen
und
Gartens umgesetzt. Nach eiHandwerker täglich zu höner längeren Bauphase kehrren bekommen und gerne fachmännisch beantworten. Indem
ten nun auch die Fachkräfte und Kinder der Kita Kinderzentrum
die Pädagoginnen und Pädagogen die Fragen und Interessen
Lindenhof in neu sanierte Räume zurück, die im Zuge des Erweider Kinder zum Thema „Bauen und Werkzeuge“ in den Kitaallterungsbaus für die Ganztagsbetreuung modernisiert wurden.
tag einbinden, fördern sie gleichzeitig die Kompetenzen der
Für Kitakinder stellen Umbau- und Sanierungsphasen immer
Kinder.
eine spannende Zeit dar. Ein Betonmischer, ein Kran, ein großes

»

«

Bauarbeiten im Kinderzentrum Lindenhof; Fotos: NBHS

Aufklärung und Sexualerziehung
Zur Entwicklung eines jeden Kindes gehört – wie das Laufen lernen oder die Sprachentwicklung– auch
die sexuelle Entwicklung. Aufklärung und Sexualerziehung sind somit ganz selbstverständlich Bildungsthemen einer Kindertagesstätte.
Viele unserer Kitas haben sich Ende 2014 und 2015 auf den Weg
gemacht, für das eigene Haus ein sexualpädagogisches Konzept zu entwickeln. Es galt, als Team eine gemeinsame Haltung
zu entwickeln, bisher noch unbeantwortete Fragen zur kindlichen Sexualität zu beantworten und praktische Maßnahmen
miteinander abzustimmen.
Inhalte eines sexualpädagogischen Konzeptes sind beispielsweise Informationen zur Entwicklung kindlicher Sexualität,
Stärkung der Kinder zur Entwicklung eines positiven Körpergefühls, Bereitstellung von Materialien wie zum Beispiel Bilderbücher, Umgang mit Übergriffen sowie die Zusammenarbeit mit
den Familien. Bei der Erarbeitung der Konzepte wurden viele
unserer Kitas durch externe Fortbildner anerkannter Fachstellen

unterstützt. Auch die Kinderschutzbeauftragte des Nachbarschaftsheims begleitete regelmäßig Teams zu diesem Thema.
Das sexualpädagogische Konzept einer Kita ist gleichzeitig Bestandteil des umfassenden Präventionskonzeptes des
Nachbarschaftsheims Schöneberg zum Schutz der Kinder und
Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt, das im Jahr 2015 erarbeitet wurde. Siehe dazu auch Seite 28.

Zahlen Kita & Familie
Kindertagesstätten*
	 Anzahl der Kindertagesstätten	
25
	 belegte Plätze	
1641
* Durchschnittswerte aus den Statistikwochen NBHS 2015

Kita & Familie | Kindertagesstätten

25

Neue Themen im Berliner Bildungsprogramm
Das Berliner Bildungsprogramm ist für die Teams die Grundlage ihrer frühpädagogischen Arbeit. Es enthält beispielsweise Aussagen zum Bildungsverständnis, zur Rolle der Pädagoginnen und Pädagogen, zur
Zusammenarbeit mit Eltern und den zentralen Bildungsbereichen. Die Kindertagesstätten beschäftigten
sich in 2015 intensiv mit neuen Themen aus dem Berliner Bildungsprogramm und der Weiterentwicklung
ihrer pädagogischen Grundsätze.
Seit Ende 2014 gibt es für alle Kindertageseinrichtungen und
Tagespflegestellen Berlins eine aktualisierte Fassung des Bildungsprogramms. Erweitert wurde es unter anderem um die
Themen Inklusion/Integration, Inhalte für die Arbeit mit Kindern unter drei Jahren und der Gesundheitsförderung auf Ebene der Kinder und der Erwachsenen.
Über das Jahr 2015 verteilt fanden im Kitabereich des Nachbarschaftsheims viele Inhouse-Fortbildungen statt, in denen sich
die Teams ausführlich mit den aktualisierten Inhalten auseinandersetzen konnten. Die Fachkräfte zeigten sich sehr zufrieden mit dem neuen Programm und freuen sich auf die Erarbeitung im Team sowie die Umsetzung im Alltag.
	
Gemeinsam mit dem Berliner Bildungsprogramm stellen die
von der Bereichsleitung Kita, der Fachberatung und den Leitungen aller Kitas erarbeiteten „Grundsätze der pädagogischen
Arbeit“ die Basis für die pädagogische Arbeit in all unseren Kindertagesstätten dar. Sie werden Bestandteil jeder Konzeption
und dienen den Teams in den Häusern als Leitfaden sowie Reflexionsgrundlage.

„Wie soll unsere neue Erzieherin/unser neuer Erzieher sein?“ Kinder
der Kita Kleistpark werden im Rahmen einer neu zu besetzenden
Stelle beteiligt. Foto: NBHS

Was aber bedeutet Partizipation für die kleinsten Kinder in
unseren Einrichtungen? Sie können ihre Wünsche nicht verbal
äußern oder argumentieren, um andere von ihrer Idee und ihren Bedürfnissen zu überzeugen. Somit nehmen die pädagogischen Fachkräfte hier eine bedeutsame Rolle ein. Denn sie
müssen genau beobachten, was die jüngsten Kinder für Bedürfnisse haben, den Alltag darauf ausrichten und die Kinder
dadurch mitentscheiden lassen. Im Krippenbereich sind die
Themen der Partizipation überwiegend solche, die das eigene
Leben und Erfahren der Kinder betrifft und zwischen dem Kind
und der pädagogischen Fachkraft ausgehandelt werden. Aber
mit zunehmendem Alter erweitern
sich sowohl die Themen als auch die
Formen der Beteiligung rasch.

Eine wertschätzende, liebevolle, das Kind mit seinen Ideen,
Bedürfnissen und seiner Familienkultur Ernst nehmende und
einbeziehende Haltung ist einer der grundlegendsten Faktoren, die Kinder in ihrer Entwicklung langfristig stärken. Mit der
Erweiterung um Punkte, wie zum Beispiel: „Bildung braucht
Beziehung“, „unser Verständnis von
Bildung“, „Offenheit für Vielfalt und
Partizipation der Kinder“ verfolgen
wir das Ziel, den unseren BildungsMitgestalten, Mitbestimmen,
Seit dem 1. Januar 2012 wird Kindern
einrichtungen anvertrauten Kindern
Beschwerden vorbringen –
in Kindertagesstätten noch über
bestmögliche Entwicklungschancen
den Begriff der Partizipation hinauszu bieten. Die Erzieherinnen und
auch bei den Jüngsten
gehend, ausdrücklich das gesetzErzieher werden dazu ermutigt, dieliche Recht eingeräumt, sich über
se Grundsätze zum Ausgangspunkt
Dinge und Personen zu beschweren.
ihrer pädagogischen Planungen zu
Ziel dieses Gesetzes ist die Eindämmung von Machtmissbrauch
machen. Vertiefende Arbeitsgruppen, Workshops und Fortbiljeglicher Art. Durch die in der Vergangenheit zahlreich stattgedungen begleiten die Fachkräfte praxisnah bei der Umsetzung
fundenen Missbrauchsskandale in Heimen, Kitas und Schulen
dieser Themen.
sollen Kinder mit Hilfe eines fest installierten Beschwerdeverfahrens in Zukunft besser vor Übergriffen geschützt werden.
Ein Schwerpunkt im Jahr 2015, der auch in den kommenden
Jahren eine hohe Priorität beibehalten wird, war die AuseinanIn der Praxis heißt dies, dass die Teams ganz konkret überlegen,
dersetzung mit Partizipation von Kindern. Kinder haben schon
wie und wodurch sie Kindern die Möglichkeit geben, sich über
in jungen Jahren eigene Ideen und Vorstellungen. Sie sind neuAbläufe sowie auch Personen zu beschweren. Sich beschweren
gierig, aufgeschlossen und an vielen Themen interessiert. Sie
zu dürfen, muss für Kinder normaler Alltag sein, damit sie sich
möchten wissen, wie die Dinge und die Welt funktionieren,
trauen und lernen, sich zu äußern. In ganztägigen Fortbildungsmöchten mithelfen und mitgestalten: Welches Spielzeug soll
veranstaltungen entwickelten bereits einige Einrichtungen Idefür die Gruppe angeschafft werden? Was soll auf dem diesjährien für ihr Haus, sei es in Form von kleinen Briefkästen, in die
gen Sommerfest stattfinden? Wer darf bestimmen, was im Mordie Kinder ihre Beschwerden als gemaltes Bild einwerfen köngenkreis gemacht wird? Wo soll die Kitareise hingehen? Muss
nen, regelmäßig stattfindenden Kinderrunden oder Beschwerich am Frühstückstisch sitzen bleiben, wenn ich fertig bin?
demöglichkeiten im Büro der Leitung.

»

«

26

Kita & Familie | Kindertagesstätten
Den Worten Flügel geben …

Elterncafé mit geflüchteten Familien

… hieß es wieder einmal für die großen Vorschulkinder der Kita
Jeverstraße. Immer in der zweiten Jahreshälfte wird die Steglitzer Kita zur Geschichtenwerkstatt. Aus einem Kostümfundus
wählen sich die Kinder ihr Kostüm für die Theaterstunde aus.
Diese „Theaterfiguren“ bilden den ersten Baustein der Geschichte, die dann erfunden und von den Kindern unter Begleitung einer Theaterpädagogin im Verlaufe des Projektes immer
weiterentwickelt, aufgeschrieben und mit Bildern ergänzt wird.
Auch 2015 hat die Erfahrung mit diesem tollen Projekt gezeigt,
wie die Geschichtenwerkstatt der Sprachförderung und der Erweiterung von Erzähl- und Fantasie-Kompetenzen der Kinder
dient sowie dem Entdecken unterschiedlicher künstlerischer
Ausdrucksmöglichkeiten.

Die Kita Stegerwaldstraße in Marienfelde liegt direkt gegenüber
einer Flüchtlingsunterkunft. Das Team der Kita arbeitet eng mit
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Unterkunft zusammen
und bietet jedes Jahr einige freie Plätze für Kinder geflüchteter
Familien an. Den Pädagoginnen und Pädagogen der Kita ist es
ein großes Anliegen, die individuellen Bedürfnisse jeder Familie zu berücksichtigen, die ihre Einrichtung besucht.
Auch geflüchtete Familien benötigen ganz spezifische Unterstützungsangebote, die das Team der Kita den Familien gerne
zur Verfügung stellt. So wurde unter anderem im Herbst 2015
für die gesamte Kita ein regelmäßig stattfindendes Elterncafé
eingerichtet. Einmal im Monat werden alle Familien der Kita
zu einem zwanglosen Treffen eingeladen, an dem auch die geflüchteten Familien teilnehmen. Die ersten Café-Treffen standen unter dem Motto „Wir kochen gemeinsam“ unter der jeweiligen Anleitung eines Elternteils. Die Cafés sind für alle Eltern
eine gute Möglichkeit sich auszutauschen, Kontakte aufzubauen und zu pflegen.

Jugendliche Lesepaten in der Kita

Geschichtenwerkstatt in der Kita Jeverstraße; Foto: NBHS

In Kooperation mit dem Flipper-Jugendklub findet in der Kita
Ebersstraße immer freitags um 14:00 Uhr eine „Extra Lesezeit“
statt. Zwei bis drei Jugendliche lesen den Kindergartenkindern
verschiedenste Geschichten vor. Damit der Lesestoff nicht ausgeht, besuchen die Kinder regelmäßig die Friedrich-von-Raumer-Bibliothek in der Dudenstraße.

Musik in der Kita am Kleistpark
Seit langem gehört die musikalische Früherziehung zu den Angeboten in der musikbetonten Kindertagesstätte Am Kleistpark
in Schöneberg.
Aus dem Repertoire, das Kinder, Erzieher und Eltern über lange Zeit erlernten, kam die Idee auf, dieses für die Familien als
Weihnachtsgeschenk auf eine CD zu bringen. Die erste CD „ Die
Kinder vom Kleistpark“ entstand und wurde ein voller Erfolg.

"Extra Lesezeit" in der Kita Ebersstraße; Foto: NBHS

Klausurtage „Herausfordernde Kinder“

"Wir Kinder vom Kleistpark"; Foto: NBHS

Die Kinderlieder begeisterten so sehr, dass sie in der Folge
auch im größeren Umfang produziert wurden. Mittlerweile kann
man diese besondere Musik nicht nur auf CD zu Hause hören,
sondern sie auch live auf Konzerten erleben! Das Ensemble
„ Wir Kinder vom Kleistpark“ ist entstanden, ein singendes,
tanzendes und musizierendes Ensemble aus Künstlern unterschiedlichster Altersklassen - bestehend aus Kitakindern der
Kita am Kleistpark, Grundschülern der Scharmützelsee Schule, Teens und erwachsenen Musikern. Es spielt Musik aus aller
Welt von Folklore über Klassik und Pop.

Im Jahr 2015 beschäftigten sich unsere Kitas verstärkt mit dem
Thema „herausfordernde Kinder“. Im Mittelpunkt standen zunächst Kinder mit nach außen gerichtetem aggressivem Verhalten, da diese oft auch besonders herausfordernd für die Pädagoginnen und Pädagogen sind.
Welche unterschiedlichen Ursachen gibt es für „herausforderndes“ Verhalten? Wie können die pädagogischen Fachkräfte in
den Kitas Kinder, die besondere Zuwendung brauchen, möglichst gut unterstützen? Wie gelingt es, Kindern mit nach außen
gerichtetem aggressivem Verhalten in die Gruppe zu integrieren? Welche Beobachtungsinstrumente eignen sich, um Situationen/Verhaltensweisen gut erfassen zu können und hilfreiche
Schlussfolgerungen zu ziehen? Welche Möglichkeiten der Fallbesprechungen gibt es für Teams? Was hilft, auch schwierige
Elterngespräche zu führen? Welche Unterstützung brauchen
Pädagogeninnen und Pädagogen selbst? Dies waren Fragen,
die im Rahmen einer Leitungsklausur auf Schwanenwerder und
zwei Fachtagen für interessierte Pädagoginnen und Pädagogen
miteinander erörtert und beantwortet wurden.

Kita & Familie | Familienbildung

27

Familienbildung Schöneberg-Steglitz
Auch im Jahr 2015 wurden über das Bundesprogramm „Frühe Hilfen“ wieder Angebote der Familienbildung gefördert. Die Elternlotsin in der Region nördliches Steglitz konnte ihre Arbeit in diesem Rahmen
fortführen und neue Projekte, auch in einer anderen Region, wurden begonnen.
Der „Freitags-Treff“, ein niedrigschwelliges Beratungsangebot,
wurde im Bezirk Tempelhof-Schöneberg neu eingeführt. Angelegt als offene Gruppe für Eltern mit Kindern im ersten Lebensjahr, können Mütter und Väter dort einfach ohne vorherige
Anmeldung vorbei kommen. Sie finden dort immer eine kompetente Ansprechperson zu gesundheits- und erziehungsrelevanten Fragen rund um das Kind. Im letzten Quartal kam, dank
der Förderung über das Bundesprogramm, zusätzlich alle
14 Tage eine Expertin hinzu, die
zu Themen, wie „Mein Kind ist
unruhig und lässt sich schlecht
beruhigen“ oder „die kindliche
Bewegungsentwicklung im ersten Lebensjahr“, Fragen der Eltern beantwortet hat.
Seit dem vergangenen Jahr wird
die Veranstaltung „Hallo Baby“
für Eltern mit einem Neugeborenen angeboten. Hier erhalten
Mütter und Väter Informationen
zu Familienbildungsangeboten
im Bezirk und können bei einem
kleinen Imbiss andere junge Familien kennenlernen. Mitarbeiterinnen der Familienbildung,
der Familienpflege und des Jugendamtes stehen währenddessen für Fragen zur Verfügung.
War das erste Treffen im September mit sieben Eltern und deren
Kindern noch überschaubar, kamen zur nächsten Veranstaltung
im November schon mehr als 20 Eltern mit ihren Neugeborenen
und verwandelten den Flur im Erdgeschoss in einen Kinderwagenparcours. „Hallo Baby“ wird nun zweimal pro Halbjahr angeboten, jeweils einmal am Standort Holsteinische Straße und
einmal am Standort JeverNeun.

Die Thematik „Wenn nicht alles rund läuft im 1. Lebensjahr“
wurde als Veranstaltungsreihe mit insgesamt sechs Workshops,
jeweils an einem Nachmittag für Fachkräfte durchgeführt, an denen jeweils acht bis zehn Personen teilgenommen haben.
Personelle Veränderungen:
Hanne Voget-Berkenkamp, langjährige Mitarbeiterin der Familienbildung am Standort Jugend- und Familienzentrum JeverNeun, ging Ende des Jahres in den Ruhestand. Für die Etablierung und Weiterentwicklung der Familienbildung im Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V. war Frau Voget-Berkenkamp
maßgeblich mit verantwortlich. Sie hatte in den letzten zehn
Jahren mit ihrer Kraft, ihrer Kompetenz und ihrem Engagement

Hanne Voget-Berkenkamp; Foto: NBHS

die Familienbildung als Ort für die Eltern im Bezirk bekannt und
beliebt gemacht. Die zweimal jährlich stattfindenden Trödelmärkte gehörten ebenso zum regelmäßigen Angebot, wie das
Märchenfest oder das Straßenfest am Lauenburger Platz, wo
sie im Rahmen eines Organisationsgremiums mitwirkte. Die
neue Mitarbeiterin, Antje Klambt, nahm Mitte September 2015
ihre Arbeit auf.

Familienpatenschaften
Familien und Einrichtungen erhalten im Projekt „Familienpatenschaften“ Unterstützung durch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Mai 2015 wurde die Koordination dafür vom Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V. übernommen. Zuvor war es im Jugendamt Tempelhof-Schöneberg angesiedelt.
Insgesamt sind nun 48 Ehrenamtliche, davon je 24 Familienund Einrichtungspatinnen und -paten im Projekt tätig. Um die
Ehrenamtlichen kennenzulernen, wurden regelmäßige Treffen
durchgeführt. Da die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter größtenteils neu im Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V. tätig sind, ging es zunächst darum die Arbeitsweise,
Philosophie sowie Verständnis und Bedeutung des Ehrenamtes zu erschließen. Aber auch den Verein, mit seinen unterschiedlichen Angeboten und Arbeitsbereichen, kennenzulernen. Die Projektdauer war zunächst bis Ende 2015 befristet.
Für das Jahr 2016 wurde ein Antrag auf Fortführung des Pro-

jekts mit einigen inhaltlichen Änderungen und einer erhöhten
Stundenzahl beim Jugendamt gestellt. Dieser wurde bewilligt,
so dass eine Erweiterung der Patenschaften sowie eine engere Zusammenarbeit mit dem Jugendamt nun möglich sind.
Aufgabe der Paten ist es, Familien in besonderen Lebensphasen, etwa bei früher Elternschaft oder nach einem Schicksalsschlag, in der Familie zu unterstützen. Die Ehrenamtlichen
verbringen ein Mal in der Woche zwei bis drei Stunden Zeit mit
den Kindern. Damit wird den Eltern die Möglichkeit gegeben,
etwas für sich und die eigene Entlastung zu tun.

28

Kita & Familie | Familienbildung

Neuer „alter Renner“: Bewegungsangebote für Eltern und Kinder
Kinder haben einen immensen Bewegungsdrang. Wie wichtig Bewegung im Zusammenspiel mit der gesamten motorischen und kognitiven Entwicklung ist, gehört inzwischen zum Basiswissen der Eltern.

Foto: Anita Back

Wie und wann welche Synapsen gebildet werden und welche
Auswirkungen dies auf die Gehirnentwicklung insgesamt hat,
wird gegenwärtig in den Neurowissenschaften erforscht. Und
auch wenn diese Forschung sich noch in den Anfängen befindet, sind sich alle Experten darüber einig, dass Bewegung einen sehr wichtigen Anteil an der kognitiven Entwicklung hat.
So haben beispielsweise Kinder, die nicht rückwärtsgehen können, später oft Schwierigkeiten beim Subtrahieren. Mit diesen
neueren Erkenntnissen verwundert es nicht, dass die Nachfrage der Eltern nach Bewegungsangeboten schon für die Kleinsten sehr groß ist.

Foto: NBHS

Altersspanne, so dass auch Geschwister gemeinsam einen Kurs
besuchen können. Für alle diese Kurse gibt es Wartelisten, da
leider die Nachfrage, unter anderem auch den besonderen Raumanforderungen für diese Angebote geschuldet, nicht immer
gedeckt werden kann.

In acht Kursen an vier Nachmittagen in der Woche können die
Eltern im Nachbarschaftsheim Schöneberg mit ihren Kindern
zusammen Hopsen, Tanzen, Springen und dem Bewegungsbedürfnis ihrer Kinder unter fachlicher Anleitung einer Sportpädagogin und einer Ergotherapeutin nachkommen. Dabei spielen
natürlich die Freude und der „Spaßfaktor“ eine genauso große
Rolle.

Foto: NBHS

Schon für Babys mit einigen Monaten gibt es Angebote in Form
von PEKiP (Prager-Eltern-Kind-Programm: Spiel- und Bewegungsanregungen im ersten Lebensjahr) oder Pikler-Spielraum
Kursen. Die meisten Kurse sind altershomogen zusammengestellt, um an einen möglichst ähnlichen Entwicklungsstand der
Kinder anknüpfen zu können; andere umfassen eine größere

Fit mit Baby

Das Friedenauer Märchenfest

Sich wieder fit zu machen, nach den ersten Monaten mit dem
Baby, ist den Müttern immer häufiger ein Bedürfnis. So wurde
der Kurs „Mama-Baby-Sport“ mit in das regelmäßige Kursprogramm aufgenommen. Die Babys werden dabei in das Training
integriert.

wurde erstmals als Kooperationsveranstaltung des Kultur-Cafés
mit der Familienbildung durchgeführt. Trotz anhaltenden
Regens machten sich die Familien auf den Weg ins Nachbarschaftshaus, wo zwei Märchenerzählerinnen die Eltern und
Kinder in ihren Bann zogen.

Musizieren mit der Ukulele
Seit dem letzten Jahr zählt auch ein Ukulele Workshop zum festen Repertoire der Familienbildung. Eltern und Fachkräfte können gemeinsam an einem Nachmittag die wichtigsten Griffe auf
einer Ukulele erlernen und damit zahllose Lieder begleiten. Die
beiden Workshops waren komplett ausgebucht.

Zahlen in Kita & Familie
Familienbildung*
	Familienbildungskurse	
	Teilnehmerinnen	
	Honorarstunden	
* insgesamt in 2015

72
1200
1460

Kita & Familie | Kinder & Jugendliche

29

Präventionskonzept verabschiedet
In unseren Einrichtungen betreuen wir unter anderem Kinder, Jugendliche, Menschen mit Behinderungen, psychischen oder demenziellen Erkrankungen, für die wir einen besonderen Schutzauftrag haben. All
unsere Einrichtungen müssen deshalb sichere Orte für die ihnen anvertrauten Menschen sein. Im Jahr
2015 wurde nun ein umfassendes Präventionskonzept zum Schutz vor sexualisierter Gewalt gegen Schutzbefohlene in den Betreuungseinrichtungen des Hauses verabschiedet.
Zwei Jahre intensive Arbeit, viele Besprechungen, Rückmeldeund Testrunden in dafür zusammen gestellten Gruppen und in
Leitungsrunden hatte es gebraucht: Dann konnten alle Einrichtungen des Nachbarschaftsheims mit dem „Präventionskonzept
zum Schutz vor sexualisierter Gewalt gegen Schutzbefohlene“
auf eine neue Arbeitsgrundlage zurückgreifen.

»

Unsere Kinderbetreuungseinrichtungen haben bereits Einführungsveranstaltungen zur Sexualpädagogik erhalten und arbeiten nun an ihren Sexualpädagogischen Konzepten und Risikoanalysen. Für notwendige fachliche Unterstützung können die
Teams jederzeit mit ihren Bereichsleitungen Teamfortbildungen
oder die Einbeziehung von internen und externen Fachleuten
vereinbaren.

Damit verpflichten wir uns als Träger
ausdrücklich, die uns anvertrauten
Klare Regeln zum Schutz In diesem Sinne haben sich viele
Einrichtungen der Thematik bereits
Menschen zu schützen und eine klader anvertrauten Menschen
angenommen. Das Kollegium der
re Haltung gegenüber Gewalt und
Ganztagsbetreuung an der Nehring-Grundschule zum Beispiel
Machtmissbrauch in unseren Einrichtungen zu beziehen. Die im
hatte eine Teamfortbildung mit der Referentin Petra Winkler von
Konzept niedergelegten Regeln dienen sowohl der Sicherheit al„Pro Familia“. Im Anschluss daran arbeitete das Team die erworler Schutzbefohlenen vor Grenzüberschreitungen und sexuellen
benen Kenntnisse in seine Konzeption ein.
Übergriffen, als auch dem Schutz der Mitarbeitenden vor Falschverdächtigungen.
Das Team des Kinderzentrums Lindenhof hat seine Arbeiten
am Konzeptbaustein außerhalb der Einrichtung an zwei TeamZu den praktischen präventiven Maßnahmen gehören eine
tagen abgeschlossen. Die Auseinandersetzung mit dem herSelbstverpflichtung für alle mit Schutzbefohlenen arbeitenden
ausfordernden Thema konnte in entspannter Atmosphäre gut
Personen, ein Risikoanalyse-Fragebogen zur Unterstützung der
umgesetzt werden. In vielen anderen Kindertagesstätten gab
Einrichtungen, Leitfaden und Krisenplan für den Fall der Fälle
es ebenfalls schon eine intensive Auseinandersetzung mit dem
und das Ablaufschema des Beschwerdeverfahrens im NachThema. Siehe auch S. 21 “Aufklärung und Sexualerziehung“.
barschaftsheim. Für die Arbeit vor Ort heißt das nun, dass alle
neu eingestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den betroffenen Bereichen zu Beginn ihres Arbeitsverhältnisses die
Selbstverpflichtung unterschreiben. Alle Teams beschäftigen
sich regelmäßig, beispielsweise im Rahmen von Dienstbesprechungen, mit den dort festgelegten Regeln.

«

Teamfortbildung in Fohrde an der Havel; Fotos: NBHS

Zitate von Teilnehmenden bei der Teamfortbildung in Fohrde an
der Havel: „Wir konnten die Natur genießen, wechseln zwischen
ernsthafter guter Arbeit und Entspannung und Bewegung.“ (Hamide, Kita) „Es war eine schöne Veranstaltung, vor allem, weil
sie woanders stattfand. Wir konnten toll arbeiten und haben dabei ins Grüne und aufs Wasser geguckt. Ein schönes Erlebnis,
das lange nachgewirkt hat. Wir konnten die Anderen auch mal
anders erleben. Das schwere Thema hat so eine Leichtigkeit bekommen.“
(Christoph, OGB)

30

Kinder & Jugendliche

Förderung von gesellschaftlichem Engagement
Der Verein Nachbarschaftsheim Schöneberg ist aus dem Engagement des Einzelnen für sich und für die
Gemeinschaft entstanden. Menschen zu befähigen, sich für ihre und die Belange anderer in der Gesellschaft einzusetzen, war immer eine wesentliche Aufgabe, die sich auch in unserer Satzung widerspiegelt.
Es entspricht unserem Grundverständnis, ungeachtet der Vielzahl an Einrichtungen und der Unterschiedlichkeit der Arbeitsbereiche, unsere Angebote am Bedarf der Bürgerinnen und Bürger auszurichten. Die
Nutzerinnen und Nutzer, vom Kindergartenkind bis zum älteren Menschen, sollen sich beteiligen und ihre
Ressourcen, Anliegen und Ideen einbringen können.
Ziel, eine neue Methodik anzuwenden, die Kinder und JugendGesellschaftliches Engagement als Beteiligung und Mitbestimliche dazu befähigen soll, sich langfristig für ihre eigenen und
mung in allen unseren Einrichtungen selbstverständlich zu
gesellschaftsrelevanten Belange einzusetzen. Grundlage der
machen – diesem Thema widmen wir uns seit dem Jahr 2015
Methodik sind die folgenden vier Grundschritte: Beobachten
verstärkt. Gemeint ist in diesem Sinne die Dynamik, eigene
und Dokumentieren – Auswerten
Themen und Interessen in gemeinund eventuelle Themen benennen,
same Mitbestimmungsprozesse einZeitgemäße Attraktivität für die für die Kinder und Jugendlichen
zubringen und damit Gemeinschaft
zu diesem Zeitpunkt relevant sind
zu gestalten. Diese Form des EnKinder und Jugendliche
– Themen darstellen und im Diagagements hat viel mit den lebenslog mit ihnen klären – Situationen
weltlichen Themen der Familien,
schaffen, in denen sich die Kinder und Jugendliche als aktive
Kinder, Jugendlichen und Nachbarn zu tun, und es lassen sich
Mitglieder der Gesellschaft erfahren.
bei vielen Themen Schnittmengen zwischen den unterschiedlichen Arbeitsfeldern entdecken.
Erste Erkenntnisse aus der Arbeit mit den Einrichtungen zeigen,
dass das begonnene Projekt ganz wesentlich dazu beigetragen
Aufgrund der Größe des Nachbarschaftsheims und der Unhat, den Austausch und die Vernetzung untereinander zwischen
terschiedlichkeit der Einrichtungen wurden die Prozesse der
den Teams, Leitungen und Fachkräften herzustellen. Die AusEngagement-Förderung für das Schuljahr 2015/2016 vorerst
einandersetzung mit der eigenen Pädagogik führte mitunter
modellhaft an drei Standorten begonnen: in Charlotten-

»

«

burg-Wilmersdorf rund um den Abenteuerspielplatz Spirale in Nachbarschaft der Katharina-Heinroth-Grundschule, in
Steglitz-Zehlendorf rund um die Sachsenwald Grundschule und
in Tempelhof-Schöneberg rund um die 1. Gemeinschaftsschule.
Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18
Jahren. Die Arbeit mit den Einrichtungen möchte dazu beitragen, eine zeitgemäße Attraktivität für Kinder und Jugendliche
zu schaffen, die sie einlädt, die Formen der (offenen) Kinderund Jugendarbeit anzunehmen und zu gestalten.

zum Paradigmenwechsel in der Haltung. Es zeigt sich aber auch,
dass der Weg zu einer nachhaltigen strukturellen Veränderung
ein langer ist. Jetzt besteht die Notwendigkeit, die Prozesse
in den jeweiligen Einrichtungen und vor allem im Stadtteil zu
initiieren, sie sichtbar und transparent werden zu lassen. Nur
durch die Resonanz der Zielgruppen kann in Erfahrung gebracht
werden, ob die Themen der Kinder und Jugendlichen erkannt
wurden und sich daraus Dynamiken bilden, die wiederum Erfahrungsräume für Selbst- und Sozialwirksamkeit bilden.

Dabei waren vorerst knapp 70 Fachkräfte aus insgesamt 17
Einrichtungen beteiligt. Das sind die Familienbildung Steglitz,
zwei Kindertagesstätten, vier Ganztagsbetreuungen an Grundschulen, drei Standorte der Schulsozialarbeit, eine Ganztagsbetreuung einer Oberschule und alle Einrichtungen der
Kinder- und Jugendarbeit. Die Teams wurden von zwölf sogenannten Vernetzungsfachkräften beratend begleitet, mit dem

Aus den Ergebnissen der bisherigen Prozesse lässt sich ableiten, dass die Kinder und Jugendlichen ganz wesentliche gesellschaftliche Themen wie Essen, Sexualität, Regeln, Recht
und Gerechtigkeit, Freiheit, Herkunft, Macht, Mitbestimmung
und die Frage „Wer bin ich (in der Gruppe)?“ beschäftigen. Der
nächste Schritt wird spannend, wenn sich die Fachkräfte im Dialog mit den Kindern und Jugendlichen diesen Themen nähern.

Kinder & Jugendliche | Freizeiteinrichtungen

31

Aktivitäten gemeinsam gestalten
In den Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen konnten sich Mädchen und Jungen aus der Nachbarschaft an abwechslungsreichen Aktivitäten beteiligen und diese gemeinschaftlich mitbestimmen. Dazu
gehörten zum Beispiel Musikworkshops der Kifrie Musiketage, verschiedene Koch- und Backaktionen im
Flipperklub und Filmnachmittage im VD13.
gemeinsam das Fasten zu brechen. Die Organisation sowohl
Im Sinne eines nonformalen inklusiven Bildungsansatzes der
des Aufbaus, wie auch des Ablaufs, lag allein in der Hand der
Offenen Kinder- und Jugendarbeit orientierten sich viele AngeJugendlichen. Sehr beliebt und immer wieder nachgefragt wabote wesentlich an den Interessen und Themen der Kinder und
ren die regelmäßigen Kochprojekte, die mehrmals wöchentlich
Jugendlichen sowie der Förderung ihrer individuellen Stärken.
stattfanden. Hierbei konnten die Kinder und Jugendlichen entDie verschiedenen Teams des Arbeitsbereichs haben sich seit
scheiden, was gekocht und in welcher Form zubereitet wird.
September 2015 gemeinsam auf den Weg gemacht, diesen
Ansatz der Förderung von GesellschaftDer Schwerpunkt lag auf einer gesundlichem Engagement und Partizipation
Fasten, Essen, Kochen heitsbewussten Ernährung, dem Kenweiterzuentwickeln und als verbindennenlernen von Lebensmitteln und Ardes und verbindliches Qualitätselement
und Backen
beitsgeräten, sowie der Geruchs- und
umzusetzen. Siehe dazu auch Seite 29.
Geschmacksschulung.
Jungen
und
Mädchen nutzten gleicher Maßen dieses Angebot. Wichtig
Essen und Trinken sind die vielleicht elementarsten Dinge im
aus pädagogischer Sicht war dabei, den männlichen BesuAlltag - natürlich auch bei Kindern und Jugendlichen. Sichtbar
chern zu vermitteln, dass das Kochen nicht ausschließlich
wird dies in Jugendeinrichtungen wie dem Flipperklub. Hier
Frauensache ist.
trafen sich die Älteren im Ramadan-Monat regelmäßig, um

»

«

Bündnisse für Kultur und Bildung
Deutlich setzte sich die Vernetzung mit anderen Partnern in der Nachbarschaft fort, beispielsweise in den
Bündnissen für Bildung, als zentrales Thema der Jugendeinrichtungen.
In der Jugendeinrichtung Spirale drehte sich in den vergangenen Herbstferien ebenfalls alles ums Kochen. „Internationaler Kochspaß - von Berlin bis Bagdad“ hieß das Angebot
für 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Wilmersdorfer
Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung, die hier im Rahmen
des „talentCAMPus“ durch das gemeinsame Zubereiten von
Mahlzeiten ihre Sprachkenntnisse verbesserten und Kontakte zu Gleichgesinnten knüpfen konnten. Zusammen mit
einem pädagogischen Mitarbeiter des Nachbarschaftsheims
Schöneberg und einer Sprachlehrerin trugen die Kinder und

„Kultur macht stark“ gefördertes Projekt, besuchte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka Ende Oktober die Einrichtung. Dort erwartete sie ein im wahrsten Sinne des Wortes internationales Küchenteam. Aus Äthiopien, Nicaragua, Syrien
und Ägypten beispielsweise stammten die jungen Köchinnen
und Köche. Gemeinsam mit Rita Süßmuth, Ehrenvorsitzende
des Volkshochschulverbandes, nahm sich die Bildungsministerin bei ihrem Besuch die Zeit, ins Gespräch zu kommen.
Umgesetzt wurde das Programm durch lokale Bündnisse. In
diesem Fall kooperierten der „talentCAMPus“ des Deutschen
Volkshochschulverbandes mit dem Abenteuerspielplatz Spirale – Nachbarschaftsheim Schöneberg e. V. und dem Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum in der ufafabrik e. V.
Gemeinsam zu kochen ist auch ansonsten in der Einrichtung
ein fester Bestandteil der täglichen pädagogischen Arbeit. In
kleinen Gruppen bereiten Kinder die Speisen vor, die anschließend mit allen Besucherinnen und Besuchern des Abenteuerspielplatzes Spirale verzehrt werden. Oft sind es bis zu 50 Kinder, die von den leckeren Sachen probieren. Viele von ihnen
kommen aus den Willkommensklassen der benachbarten Katharina-Heinroth-Grundschule und aus einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, ganz in der Nähe.

ASP Spirale-Kultur macht stark, Kochen mit der Bildungsministerin
Johanna Wanka, Foto: G. Arndt

Jugendlichen, unter ihnen auch viele aus Flüchtlingsfamilien,
Rezepte aus ihren Herkunftsländern zusammen und erstellten
individuelle Kochbücher. Sie lernten, worauf es beim Einkaufen ankommt und bereiteten landestypische Spezialitäten zu.
Als zehntausendstes, im Rahmen des Bundesprogramms

Weitere Kooperationen im Rahmen des „talentCAMPus“ der
Berliner Volkshochschulen gab es in unseren Jugendeinrichtungen in den Sommerferien 2015: Ebenfalls in der Spirale „Ausdruck ohne Sprache – die Geschichte des Graffiti“, ein Projekt
speziell für Flüchtlinge und Kinder aus sozial benachteiligten
Verhältnissen sowie im Jugend- und Familienzentrum JeverNeun „Ferien für alle – ein inklusives Ferienangebot!“

32

Kinder & Jugendliche | Freizeiteinrichtungen
den Gitarrenkursen haben in wöchentlich stattfindenden Workshops Lieder erarbeitet, Texte geschrieben und Musik gemacht.
Die gemeinsame Arbeit mit den unterschiedlichen Gruppen
erwies sich als eine Herausforderung, da die Bedürfnisse, Ansprüche und Frustrationstoleranz der einzelnen Teilnehmenden sehr unterschiedlich waren. Stolz und große Freude waren
den Jugendlichen anzusehen, als sie am Ende vier Lieder beim
Sommerfest der Kulturetage „Kultur auf’m Damm“ präsentieren
konnten. Das Projekt wurde ehrenamtlich von Trommlerinnen
des Friedenauer Trommelwirbels unterstützt und begleitet.

ASP Spirale-Kultur macht stark, Graffiti Projekt Spirale mit der Ehrenvorsitzenden des Volkshochschulverbandes Rita Süßmuth;
Foto: NBHS

Zu Beginn der Sommerferien fand in der JeverNeun der erste inklusive Talent Campus in Kooperation mit der VHS Steglitz-Zehlendorf und dem Verein „Eltern beraten Eltern von Kindern mit
und ohne Behinderung“ statt. Kinder und Jugendliche zwischen
10 und 16 Jahren konnten ihre Englisch-Kenntnisse beim Hören
und Erforschen von englischsprachiger Popmusik verbessern.
Für andere Musikinteressierte fand ein Bandworkshop statt.
Auch Tänzerinnen und Tänzer sowie Computerinteressierte kamen dabei auf ihre Kosten.

Schülerinnen der Prignitz-Schule beim Sommerfest Kultur auf'm
Damm, Foto: Max Thielmann

In Kooperation mit dem Förderverein des Theaters der Erfahrungen und der Prignitzschule hat die Kifrie Musiketage eine Förderung vom Ministerium für Forschung und Bildung für ein sechsmonatiges Projekt erhalten: 15 Kinder und Jugendliche aus der
Prignitzschule, aus den Trommelgruppen Maraschicki und aus

Neben den vielfältigen, aus besonderen Programmen und Mitteln geförderten Kooperationsprojekten warteten die Kinderund Jugendeinrichtungen des Nachbarschaftsheims Schöneberg im vergangenen Jahr mit weiteren attraktiven Angeboten
innerhalb und außerhalb der Schulferien auf.

Reisen und Workshops
Spannende Reisen und attraktive Ferienwochen fanden in den verschiedenen Kinder- und Jugendeinrichtungen des Nachbarschaftsheims Schöneberg statt.
Gleich zweimal ging es im Jahr 2015 mit dem Kinderfreizeittreff
Menzeldorf auf große Reise: Zum einen traditionell – und wie
immer gemeinsam mit der Kifrie Musiketage – in das Musikund Wildniscamp im Nationalpark Unteres Odertal. Zum anderen gab es in diesem Jahr zum ersten Mal eine Reise auf einen
Reiterhof in Brandenburg – fünf Tage Zelten und Reiten lernen
war dabei der Sommerferien-Höhepunkt für 15 Mädchen und
Jungen.
Eine reine Jungenfahrt organsierte der Abenteuerspielplatz
Spirale zusammen mit der benachbarten Schulsozialarbeit der
Katharina-Heinroth-Grundschule und mit dem Jugendamt Charlottenburg-Wilmersdorf für 18 Teilnehmer in den Herbstferien.
In der Kifrie-Medienwerkstatt wurden in den Sommer- und
Herbstferien unter reger Beteiligung von verschiedenen Kindern unterschiedlichste Trickfilme produziert. Die fertige DVD
dazu wurde in der jeweiligen Ferienwerkschau den stolzen
Kindern und Eltern überreicht. Darüber hinaus sind Dokumentationsfilme über die Arbeit des Vorstandes des Kinder- und
Jugendparlamentes Friedenau sowie über den Ganztag der
Fläming Grundschule entstanden. Sehr erfolgreich verlief das
Kooperationsprojekt „Cybermobbing“ mit Schülern der Ganztagsbetreuung der 1. Friedenauer Gemeinschaftsschule. In
abgewandelter Form soll es hier weitere medienpädagogische
Kooperationsprojekte geben.

Modedesign im VD 13; Foto: NBHS

Im Kinder- und Jugendzentrum VD13 fanden Ferienangebote
wie Kunst- und Design-Nähworkshops einen hohen Zuspruch
bei den Familien und waren schnell mit Kindern aus der Nachbarschaft ausgebucht. Im Zuge dessen wurden sieben Nähmaschinen für Kinder angeschafft, die in den wöchentlichen
Kursen und im Ferienangebot genutzt werden konnten. Sehr
individuelle Kleider, Röcke, Oberteile, Turnbeutel und Tablet-oder Handyhüllen sind von den Mädchen und Jungen unter
Anleitung von angehenden Modedesignern hergestellt worden.

Kinder & Jugendliche | Freizeiteinrichtungen

33

Ich bin ein Stadtteil
Angegliedert an das Jugend- und Familienzentrum JeverNeun und gemeinsam mit anderen Einrichtungen
und Institutionen sowie den im Stadtteil lebenden Menschen, sollen gesellschaftsstrukturelle Veränderungen und die Teilhabe an der Gesellschaft für alle Menschen im Bismarck-Kiez bewirkt werden.
Seit Oktober 2015 bis Ende März 2016 befindet sich „Ich bin
ein Stadtteil!“ in der Vorlaufphase einer Förderung von Aktion Mensch. Daran schließt sich eine dreijährige Hauptphase
an. Es ist im Stadtteil Steglitz Nord angesiedelt, der auch als
Bismarck-Kiez bekannt ist.
Das Projekt arbeitet auf zwei Ebenen – der Einwohnerebene
und der institutionellen Ebene, bestehend aus Einrichtungen
und Institutionen im Stadtteil. In der Vorlaufphase wurde ein

Netzwerk aufgebaut, das sich bereits mehrmals getroffen hat.
Einwohnerinnen und Einwohner mit und ohne Beeinträchtigung, wurden als Expertinnen und Experten ihrer Belange und
Interessen zu einer Zukunftswerkstatt eingeladen. Diese fand
am 5. März statt. An diesem Tag wurden gemeinsam mit den
Netzwerkpartnern Ideen und Strategien für die Prozesse in der
Hauptphase entwickelt, um den Stadtteil zu gestalten.

Ein Neubau für das Menzeldorf
Im Kinderfreizeittreff Menzeldorf fanden 2015 unter anderem
die Vorbereitungen für den Neubau des Einrichtungsgebäudes
statt. Die mobilen Raumcontainer wurden abtransportiert,
einige alte Schuppen abgerissen und die Kleintiere fanden eine
Herberge bei ihren Paten und deren Familien. Weil die Finanzmittel der Lottostiftung aber noch nicht freigegeben wurden,
kann mit dem Neubau erst im Jahr 2016 begonnen werden.

Filmnachmittage
Zweimal monatlich gab es im Kinder- und Jugendzentrum VD13
eine kostenfreie Kinovorstellung. Auf großer Leinwand und mittels einer hochwertigen Sound Anlage sowie einer Lizenz für öffentliche Kinovorführungen konnten dem jungen, begeisterten
Publikum relativ neue Kinofilme präsentiert werden.

„Kifrie Monkeys“ beim Nikolauskonzert, Foto: Kifrie Musiketage

Bühne, auf der drei Schlagzeuge Platz hatten, präsentierten
sich dabei die Schlagzeuggruppen, die angeleiteten Kinderund Jugendbands, die Trommelgruppen und die Jugendband
„Skip the truth“.

Die Jugendband „Right away“ beim Cranachstraßenfest, Foto: Kifrie
Musiketage

Kifrie-Musiketage –
immer präsent auf der Bühne!
Das Bühnenjahr 2015 begann für die Musiketage mit dem Gitarrenvorspiel im Januar. Auf dem Cranachstraßenfest und dem
Kulturetagenfest im Sommer bespielte die Kifrie Musiketage
wieder mit ihren Kinder- und Jugendbands und den Trommelgruppen die Bühne. Organisiert von der Ganztagsbetreuung
der Prignitzschule, konnten sich die von der Jugendeinrichtung
angeleitete Schulband und andere Arbeitsgemeinschaften alle
zwei Monate bei schulinternen Veranstaltungen präsentieren.
Und im November gab es im Saal des Nachbarschaftshauses
Friedenau das traditionelle Nikolauskonzert. Auf einer großen

Gitarrenvorspiel, Foto: Kifrie Musiketage

Zahlen Kinder & Jugendliche
Besuche & Teilnahmen pro Woche*
Kinder- & Jugendfreizeiteinrichtungen*
	 Anzahl der Einrichtungen	
	 Teilnahmen der Kinder & Jugendlichen	

8
2182

* Durchschnittswerte aus den Statistikwochen NBHS 2015

34

Kinder & Jugendliche | Kooperationen an Schulen

Alte und neue Herausforderungen in der Zusammenarbeit
mit Schulen
Auch im Jahr 2015 galt es, mit der Raumnot an einigen Standorten insbesondere der Ganztagsbetreuung
umzugehen. Eine weitere große Herausforderung, die sich in vielen Einrichtungen widerspiegelte, war die
Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen in den schulischen Alltag zu meistern.
Nach wie vor gab und gibt es an einigen Standorten Raumprobleme. Das heißt, es ist nicht genügend Raum für Angebote der
Ganztagsbetreuung vorhanden. Gerade für sportliche Aktivitäten fehlt es immer noch an freien Zeiten in Turnhallen oder auf
Sportplätzen. Während der Sommermonate ist dieses Problem
nicht so gravierend, aber in der Winterzeit führt der beengte
Raum oft zu Spannungen, die der Enge geschuldet sind.

Mitarbeiterinnen des Schülerclubs die Integration der Kinder
aus geflüchteten Familien in die alltäglichen schulischen Abläufe und eröffneten ihnen Freizeit- und Bildungsangebote. Sie
vermittelten daneben häufig zwischen den Familien und den
Schulpädagoginnen und -pädagogen.

Im Herbst 2015 fand unter anderem mit dem Schülerclub Oase
eine Ferienschule statt. Die Ferienschule ist ein Programm der
Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, gefördert durch die BerAn der Lindenhof-Grundschule beispielsweise gestaltete sich
liner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft
in den letzten Jahren die räumliche Situation als sehr schwieund soll neuzugewanderten Schülerinrig. Die im Jahr 2013 daraufhin begonnen und Schülern , die in den letzten
nene Baumaßnahme zur Erweiterung
Geflüchtete Kinder
12 Monaten eine Willkommensklasse
des Kinderzentrums Lindenhof von
besucht haben bzw. besuchen, die
40 auf 80 Plätze wurde im Juli 2015
im Schulalltag
Möglichkeit geben in den Ferien ihre
fertiggestellt. Die großen Arbeiten im
Deutschkenntnisse aktiv auszubauen und parallel dazu ein abBestandsgebäude waren im Dezember 2015 beendet. Da der
wechslungsreiches Freizeitprogramm wahrnehmen zu können.
hiermit geschaffene Platz aber dennoch nicht für die weiter geÜber mehrere Wochen hindurch nahmen die jungen Menschen
stiegene Anzahl der zu betreuenden Kinder ausreicht, wurde
an dem Programm der Ferienschule teil, wovon jeweils 15 Stunein Modulbau beantragt, der dauerhaft auf dem Schulhof aufden pro Woche dem Deutschunterricht vorbehalten waren und
gestellt, Platz für dann 120 Kinder bieten würde. Dieser konnte
15 dem Freizeitprogramm, inklusive Mittagessen, und alles völim Jahr 2015 jedoch noch nicht realisiert werden.

»

«

Spirale-Kultur macht stark, Foto: G.Arndt

Spirale-Kultur macht stark, Foto: G.Arndt

Im Verlauf des vergangenen Jahres wurden an vielen Schulen, mit denen das Nachbarschaftsheim kooperiert, Willkommensklassen für geflüchtete Kinder und Jugendliche eingerichtet beziehungsweise das bereits bestehende Angebot erweitert.
Entsprechend reagierten die betreffenden Einrichtungen des
Nachbarschaftsheims auf den Bedarf und die Bedürfnisse der
Neuankömmlinge:

lig kostenfrei für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Neben
Stadtbesichtigungen, Theater- und Stop-Motion-Workshops
und Klettern fand auch ein Linoldruck-Workshop statt. Die Ferienschulen wurden von den Kindern und Jugendlichen sehr gut
angenommen und erfreuten sich großer Beliebtheit.

Aus den Willkommensklassen der Teltow-Grundschule, an die
der BT Schülerclub angegliedert ist, kamen zum Beispiel viele Kinder aus einer Unterkunft, in der katastrophale Zustände
herrschten. Andere wohnten in einer Notunterkunft in der ehemaligen Teske-Schule, die in direkter Nachbarschaft zur Teltow-Grundschule liegt. Mit enormem Engagement leisteten die

Weitere Projekte liefen am Standort Katharina-Heinroth-Schule
mit Schülerinnen und Schülern der Willkommensklassen und
Flüchtlingen aus einer benachbarten Notunterkunft auf dem
Abenteuerspielplatz Spirale. Im Sommer und im Herbst fanden
dort Feriencamps statt, die sich speziell an die geflüchteten
Kinder und Jugendlichen richteten. Siehe auch S. 30 „Bündnisse für Kultur und Bildung“.

Kinder & Jugendliche | Kooperationen an Schulen

35

Betreuung an Oberschulen - Die Themen junger Menschen
in der Pubertät aufgreifen
Die Ganztagsbetreuung an den sechs Oberschulen hat sich weiter als fester Bestandteil unserer Arbeit an
Schulen etabliert. Die Kooperation mit den jeweiligen Lehrerinnen und Lehrern vor Ort sowie mit den Schulleitungen konnte gefestigt werden. In den fünf Jahren haben viele die Erfahrung gemacht, dass die Zusammenarbeit eine Entlastung für die Lehrerinnen und Lehrer bedeuten kann und eine wichtige fachliche Ergänzung ist. Hier sind Angebote und Gespräche möglich, für die im „normalen“ Unterricht kaum Zeit bleibt.
einzelnen Schüler als Gesamtpersönlichkeit wahr- und ernst
Gerade an den Oberschulen spiegelt sich die Identitätsfindung
zu nehmen und damit ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Siehe
der Schülerinnen und Schüler, die mitten in der Pubertät sind,
auch Seite 29.
in den jeweiligen Konzepten und Anforderungen der Ganztagsbetreuung wider. Fragen danach, wie Ganztagsbetreuung an
Diese Herangehensweise erfordert eine enge Absprache aller
Oberschulen für Schülerinnen und Schüler in der Pubertät ausvor Ort beteiligten Akteure, daneben Transparenz und regelsehen kann, müssen beantwortet werden: Wie kann die wachmäßige Kommunikation. Dies ist im Schulalltag nicht immer
sende Eigenständigkeit und Eigenverantwortung gefördert
leicht zu bewerkstelligen, erfordern akut auftauchende Problewerden und wo braucht es Schutzräume? Wie kann Ganztagsme doch oft spontan einen neuen Handbetreuung das Ziel, Schule als Lebenslungsplan.
raum gemeinsam zu gestalten, fördern
bzw. initiieren?
Ganztagsschule ist
Eine nach wie vor wichtige Aufgabe ist
Lebensschule
es, das Wort Kooperation mit Leben zu
Eine wichtige Aufgabe für die Ganztagsfüllen. Die Herausforderung besteht dabetreuung ist es, die Themen der jungen
bei darin, die Grenzen zwischen Schule und GanztagsbetreuMenschen in der Findungsphase der Pubertät zu sehen, aufzuung klar zu ziehen und zu benennen und andererseits im Alltag
greifen und darauf zu reagieren. An jedem unserer Standorte
wie ein Team zusammen zu arbeiten, obschon die Zuständigzeigt sich daher ein anderer Schwerpunkt der alltäglichen Arkeiten und Leitungen klar getrennt sind.
beit. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen über
eine große Flexibilität und Kompetenz, sich diesen NotwenIn Fachkreisen heißt es, dass die Umgestaltung zu einer Ganzdigkeiten anzupassen und für jedes Schuljahr passgenaue Antagsschule etwa zehn Jahre dauert. Wir haben die Hälfte des
gebote zu machen. Es gibt aber bei alldem eine gemeinsame
Weges hinter uns und schon viel erreicht, aber es warten noch
Klammer: Grundlage für alle ist die Förderung von Partizipation
viele weitere Aufgaben. Es bleibt ein spannendes Feld.
und Eigenverantwortlichkeit; die einzelne Schülerin und den

»

Gustav-Langenscheidt-Schule; Theaterprojekt „Dschinn“; Foto: NBHS

«

Zahlen Kinder und Jugendliche,
Kooperationen an Schulen
Besuche & Teilnahmen pro Woche*
Ganztagsbetreuung an Grundschulen
	 Anzahl der Standorte	
	 belegte Plätze	

10
2480

Ganztagsbetreuung an Oberschulen
	 Anzahl der Standorte	
	 Teilnahmen der Jugendlichen	

6
3191

Jugendarbeit an Schulen / Schulsozialarbeit
	 Anzahl der Einrichtungen	
	 Teilnahmen der Kinder & Jugendlichen	

10
2266

* Durchschnittswerte aus den Statistikwochen NBHS 2015
Georg-Giesche-Schule; Foto: NBHS

Kinder & Jugendliche | Kooperationen an Schulen

36

Schülerclub gerettet
Der BT-Schülerclub an der Teltow-Grundschule war im Jahr 2015
zum wiederholten Male von der Schließung bedroht, da im Juli
die bisherige Finanzierung auslief. Nach dem engagierten Einsatz der Mitarbeiterinnen vor Ort ist der Erhalt der Schulstation nun vorläufig bis zum Jahresende 2016 gesichert. In engem
Austausch mit der Politik wird auf eine baldige Lösung hingearbeitet, die eine langfristige Sicherung dieses seit 2001 bestehenden Standortes ermöglicht.

Projektwochen „Gesunde Ernährung“
Zwei Wochen lang konnten Kinder der Ganztagsbetreuung
Scharmützelsee-Grundschule sich mit praktischen Aufgaben
rund um Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit beschäftigen. Zum Beispiel anhand von Verpackungskartons herausfinden, wie viel Zucker die Lebensmittel enthalten, eine Ernährungspyramide gestalten, gesunde Smoothies zubereiten oder
an einer Bewegungsrallye teilnehmen.

für gute Schule“. Auf beispielhafte Weise wurde gezeigt, wie
bereits Schülerinnen und Schüler der Grundstufe ihren Schulraum nach eigenen Ideen gestalten können. Sie haben sich den
Gartenbereich eigenständig erobert und verschiedene Möglichkeiten in Betracht gezogen, wie man daraus einen Garten zum
Erleben und Anfassen machen kann.

Aufstockung an der Comenius-Schule
Da im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ein Förderzentrum
aufgelöst wurde und die Schülerinnen und Schüler von dort
mehrheitlich an die Comenius-Schule gewechselt sind, erhielt
das Nachbarschaftsheim ab Januar 2015 eine Aufstockung der
dortigen Schulsozialarbeit auf nun insgesamt 1,5 Stellen.

Ganztagsbetreuung Grundschule
am Dielingsgrund
Der Ganztagsbetrieb an der Grundschule am Dielingsgrund in
Lichtenrade konnte, wie geplant, Anfang 2015 starten. Mit viel
Engagement des gesamten Teams wird die Betreuung von ca.
270 Kindern umgesetzt. Neben der Betreuung beschäftigt sich
das neu zusammengesetzte Team mit der Entwicklung eines
tragfähigen Ganztagskonzepts, der Raumgestaltung und der
Teamentwicklung. Zur Teamentwicklung hat sich das Team fachkundige Unterstützung hinzu geholt.

Foto: NBHS

Angebote im Schülerclub Oase

Namensfest

Zu den etablierten Projekten im Schülerclub Oase kam die
Nähwerkstatt hinzu, die bei Mädchen wie Jungen sehr beliebt
ist. Außerdem wurde in den Räumen der Oase gemalert und
ein kleiner Rückzugsraum mit neuen Sitzelementen, Teppichen
und Lampen gemütlicher gestaltet. Das Frühstücksangebot in
der Oase blieb auch erhalten, da die Schule einen Teil der Kosten übernehmen wird.

Seit dem 1. August 2015 trägt die 1. Gemeinschaftsschule Schöneberg einen neuen Namen. Mit einem großen Fest, bei dem
sich die Schülerinnen und Schüler der Grund- und Oberschulen sowie der Willkommensklassen mit kleinen musikalischen
Darbietungen präsentierten, wurde die Schule in „Friedenauer
Gemeinschaftsschule“ umbenannt.

Nähkurs im Schülreclub Oase; Foto: NBHS, Anita Back

„Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“
Namensfest, 1. Gemeinschaftsschule Schöneberg; Foto: NBHS

Preisträger im Wettbewerb „Verein(t) für gute
Schule“ 2015 - Ein Garten für uns
Für die Idee von Schülerinnen und Schülern der Friedenauer
Gemeinschaftsschule, den brachliegenden Garten in ihrem
Schulhof wieder zu nutzen und dieses Projekt auch umzusetzen, erhielt die Schule einen Preis im Wettbewerb „Verein(t)

Die Katharina-Heinroth-Grundschule ist als eine von sieben
Grundschulen in Berlin zur „Schule ohne Rassismus - Schule
mit Courage“ ernannt worden. Mit viel Engagement hatte die
Schulsozialarbeit auf dieses Ziel hingearbeitet. Schließlich
waren es mehr als 90% aller schulischen Fachkräfte sowie der
Schülerinnen und Schüler, die eine Selbstverpflichtung unterschrieben. Diese beinhaltet, sich in Zukunft gegen Rassismus,
Diskriminierung und Ausgrenzung einzusetzen.

Kinder & Jugendliche | Kooperationen an Schulen

In Kooperation mit der Weißen Rose
und den KulturagentInnen entwickelte die Ganztagsbetreuung der
Gustav-Langenscheidt-Schule die
Gruselrevue „Dschinn - TOTAL BESESSEN“. Der Fotograf Philippe
Gerlach und der Regisseur Tancredi
Volpert arbeiteten dabei gemeinsam mit den Betreuern aus dem
Ganztag in den neuen siebten Klassen. Zwei Tage lang wurde getanzt, fotografiert, improvisiert
und Texte wurden erfunden. Nach Bühnen- und Generalprobe
war dann am 20. November der Aufführungstag.

Projektwoche Gail S. Halvorsen-Schule
Ein Highlight in der Ganztagsbetreuung Gail S. Halvorsen-Schule
war die Projektwoche im Sommer mit drei siebten Klassen. Bei
selbstgewählten Projekten wie ‚Kiezerkundung‘, Graffitiworkshop, Hip Hop tanzen, ‚Monsterstabfiguren bauen und bewegen‘, ‚Theater-Future Ride‘, ‚Forschung und Technik‘ und ‚Spiel
und Entspannung‘, bot sie den Schülerinnen und Schülern eine
tolle Möglichkeit, sich besser kennenzulernen und neue Seiten
an sich und den Anderen zu entdecken.

In diesem Projekt ging es um eine kritische Auseinandersetzung mit der Beeinflussung von Medien auf die persönliche
Wahrnehmung. Die Schülerinnen und Schüler ersetzten kommerzielle Botschaften durch ihre persönlichen. Die Ergebnisse
wurden auf großformatige Plakate ausgedruckt und ausgestellt.

Das Nachbarschaftsheim kocht selbst!
In der Ganztagsbetreuung der Gustav-Langenscheidt-Schule
pulsiert in der Küche das Leben. Gemeinsam mit der Küchenchefin Irina Wendt, arbeiten hier Jugendliche aus berufsvorbeitenden Schulen und junge Erwachsene aus dem Projekt „Arbeit
statt Strafe“. Auch Kolleginnen und Kollegen aus der Bürgerarbeit und Schülerinnen und Schüler helfen mit: Bei der Zubereitung der Speisen und im Verkauf; manche schon seit mehr als
drei Jahren.

Mit Auszeichnung gewürdigt
Die frühere Nikolaus-August-Otto-Schule, nun Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule kann sich seit Kurzem zu Recht als
"Starke Schule" bezeichnen.
Mit dem dritten Platz im Landeswettbewerb erhielt sie diesen
Titel als eine von Deutschlands besten Schulen, die zur Ausbildungsreife führen. Gewürdigt wurden dabei neben dem unterrichtlichen und außerunterrichtlichen pädagogischen Handeln
und der Partizipation von Schülerinnen und Schülern, Eltern
und Partnern der Schule, besonders das Konzept der beruflichen Orientierung und der Begleitung am Übergang von der
Schule in die berufliche Zukunft. Maßgeblichen Anteil an dieser
Auszeichnung trug die Schulsozialarbeit des Nachbarschaftsheims Schöneberg, die seit Jahren den Bereich der beruflichen
Integration mitgestaltet.

Präsentation des Hip Hop Workshop in der Projektwoche; Foto: NBHS
Foto: Hertie-Stiftung

Foto: NBHS

Dschinn - TOTAL
BESESSEN Theater in der Weißen Rose

37

Sport und Kultur als Schwerpunkte
In den regelmäßigen Nachmittagsprojekten setzte die Ganztagsbetreuung an der Georg-von-Giesche-Schule neben Sport
und Bewegung als Schwerpunkt weiterhin auf kulturelle Angebote. Die bekannte Spoken-Words Künstlerin und Autorin Stefanie-Lahya Aukungo war für eine wöchentlich stattfindende
„Kreativwerkstatt“ verantwortlich. Andrea Kügler führte Projekte wie „Diversity“ und „Wir erobern Schöneberg“ durch. Außerdem nimmt die Einrichtung an dem auf fünf Jahre angelegten
Projekt „All-Included“ des Jugendmuseums Schöneberg teil.
Die ersten Ergebnisse dieses Projektes zur sexuellen Vielfalt
werden 2016 in einer großen Aufstellung präsentiert.

„Versprochen ist versprochen“ - Ein Plakat-Projekt
der Künstlerinnengruppe A*BOUT
Im Sommer 2015 fand dieses Projekt in Kooperation mit zwei
Lichtenberger Oberschule und der Ganztagsbetreuung der Friedenauer Gemeinschaftsschule (Sek. 1) statt. Gefördert wurde
es vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung.

Beim größten Schulwettbewerb Deutschlands, veranstaltet
durch die Hertie Stiftung, werden alle zwei Jahre Schulen ausgezeichnet, die sich in herausragender Weise für ihre Schüler
einsetzen und diese ausbildungsreif machen. Anschließend
werden alle ausgezeichneten Schulen für vier Jahre in ein Netzwerk aufgenommen, in dem rund 200 Siegerschulen aus allen
16 Bundesländern von- und miteinander lernen. Sie profitieren
von Fortbildungen zu zentralen Themen der Organisations- und
Unterrichtsentwicklung und lernen „best practice“ und erfolgreiche Lösungsansätze zur Weiterentwicklung der eigenen Schule kennen.

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Rechtliche Betreuung & Vorsorge

Neue Aufgaben bei Cura – Vormundschaften für minderjährige Flüchtlinge
Das Jahr 2015, und hier insbesondere das zweite Halbjahr, war geprägt von dem Zuzug einer hohen Zahl
von geflüchteten Menschen nach Berlin. Unter ihnen befanden sich etwa 4500 unbegleitete minderjährige
Flüchtlinge. Seit Herbst vergangenen Jahres unterstützt der Cura-Vormundschaftsverein das Bezirksamt
bei der Vermittlung ehrenamtlicher Vormünder für diese Kinder und Jugendlichen.
Nach dem Haager Minderjährigenschutzabkommen muss ein
minderjähriger, allein reisender Flüchtling in Obhut genommen
und ihm umgehend ein Vormund zur Wahrung seiner Rechte zur
Seite gestellt werden. Die in Obhutnahme geschieht in Berlin
durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft in der Erstaufnahme- und Clearingstelle (EAC) im Bezirk
Steglitz-Zehlendorf. Die Aufnahmestelle ist rund um die Uhr geöffnet und organisiert die unverzügliche Aufnahme und Unterbringung der Kinder und Jugendlichen.
	
Das Clearingverfahren umfasst die Klärung der Situation der
jungen Menschen bis hin zu einer Anschlussunterbringung in
einer Einrichtung der Jugendhilfe. Die Senatsverwaltung arbeitet dabei eng mit den verschiedenen Einrichtungen und Diensten sowie mit den Fachleuten der Jugendämter zusammen, die
die Kinder und Jugendlichen übernehmen, sobald ein Vormund
bestellt und der Jugendhilfebedarf geklärt wurde.
In Berlin hat das Jugendamt Steglitz-Zehlendorf den Auftrag, für
alle in Berlin lebenden unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge die Vormundschaft zu übernehmen. Etwa 1800 Minderjährige warten auf die Bestellung eines Vormundes.
Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf, dessen Jugendamt automatisch
von den Familiengerichten für diese Jugendlichen zum Vormund bestellt wird, zeigte sich durch den steten Anstieg der
einreisenden minderjährigen Flüchtlinge seiner Aufgabe nicht
mehr gewachsen. In einem öffentlichen Aufruf wurden die Bürgerinnen und Bürger gebeten, sich für eine ehrenamtliche Vormundschaft zur Verfügung zu stellen. Das daraus resultierende
Interesse und die Bereitschaft dafür, eine solche Tätigkeit zu
übernehmen, waren für das Bezirksamt überwältigend. Die
Prüfung der Eignung, die Schulung und Vermittlung der Interessenten mussten erfolgen. Das Bezirksamt bat unter anderem
das Nachbarschaftsheim Schöneberg um Unterstützung, dem
unser Vormundschaftsverein gerne nachgekommen ist.

Es wurden im Oktober 60 Interessierte an Cura weiterverwiesen. 55 davon sowie 20 weitere Personen meldeten sich bei
Cura. Insgesamt 53 Ehrenamtlichen wurden im November und
Dezember 2015 in Einführungsseminaren zum Asyl-, sowie zum
Vormundschaftsrecht geschult. Im Anschluss an die Schulungen fanden Einzelgespräche zur Motivation und Eignung statt
und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten weitere Informationen.
Bis zum Jahresende waren 30 Bürgerinnen und Bürger, geschult
und mit den erforderlichen Unterlagen versehen, bereit, eine
ehrenamtliche Vormundschaft für einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling zu übernehmen.
Die Finanzierung der Arbeit im vierten Quartal erfolgte unkompliziert durch das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf. Es gab bereits in 2015 Vorüberlegungen über eine weitere Fortsetzung
der Arbeit in das Jahr 2016 hinein. Insbesondere in der Vermittlung zwischen Ehrenamtlichen und Jugendlichen, in der Anregung der Bestellung der Ehrenamtlichen als Vormund bei den
zuständigen Familiengerichten sowie hinsichtlich der Beratung
und weiteren Schulung und Begleitung der ehrenamtlich tätig
werdenden Vormünder setzt man auch zukünftig auf die Zusammenarbeit mit Cura.

Zahlen im Cura Betreuungs- und
Vormundschaftsverein
Rechtliche Betreuungen	
455
Ehrenamtliche Betreuer/innen	
836
Beratungen	2633
Infoveranstaltungen zu Vorsorge, Betreuungsund Patientenverfügungen	
89
Besucher bei Veranstaltungen	
1038
* Durchschnittswerte aus den Statistikwochen NBHS 2015

Rechtliche Betreuung
Die Vereinsbetreuer an den drei Cura-Standorten in SteglitzZehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf führten im vergangenen Jahr im Durchschnitt 455
rechtliche Betreuungen. 836 ehrenamtlichen Betreuerinnen
und Betreuer sowie Vorsorgebevollmächtigte konnte ein anspruchsvolles Fortbildungsprogramm, Erfahrungsaustausch
und Beratung angeboten werden. Diese Zahlen ähneln denen
des Vorjahres. Die Anzahl der Beratungen dagen ist im Jahr
2015 erneut gestiegen. Für die ehrenamtlich-rechtlichen Betreuer und Betreuerinnen wurden Informationsveranstaltungen
sowie Erfahrungsaustausche angeboten. Im Rahmen der Referententätigkeit fanden darüber hinaus Veranstaltungen zum
Betreuungsrecht und zu Vorsorgevollmachten statt.

Viele der mehr als 800 ehrenamtlich-rechtlichen Betreuerinnen und
Betreuer besuchten das große Ehrenamtsfest in der Lokhalle im September 2015. Foto:NBHS

Pflegerische Dienste

39

Mehr Leistungen für Pflegebedürftige und der Fachkräftemangel – ein täglich zu bewältigender Spagat
Weiterhin und noch dramatischer als im vergangenen Jahr beschäftigte der akute Pflegekräftemangel die
Pflegerischen Dienste des Nachbarschaftsheims, der inzwischen alle Einrichtungen erreicht hat. Gleichzeitig standen und stehen den Menschen mit Pflegebedarf dabei mehr Leistungen der Pflegeversicherung zu.
Durch das Pflegestärkungsgesetz I, das zum 01.01.2015 bundesweit umgesetzt wurde, ist vor allem die ambulante Pflege
gestärkt worden. Pflegebedürftige mit einer Pflegestufe haben
nun ein zusätzliches Budget für Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Eine erfreuliche und notwendige Entwicklung.

gewiesen wurden. Auf Stellenausschreibungen für Pflegekräfte
folgten häufig keine oder nur vereinzelte Bewerbungen. Auch
für den Aufgabenbereich der zusätzlichen Leistungen, für den
Betreuungsassistentinnen oder -assistenten eingestellt werden können, gab es bislang nicht genügend Interessenten.

Hierdurch expandierte zum Beispiel der ehrenamtliche Besuchsdienst im letzten Jahr. Da seither alle Menschen mit einer Pflegestufe „Zusätzliche Betreuungsleistungen“ von der
Pflegekasse erhalten und nicht nur die, denen man eine ein-

Ein positiver Nebeneffekt des Personalmangels war und ist das
immer stärkere Zusammenwachsen von Pflegeeinrichtungen im
Nachbarschaftsheim Schöneberg. Aus der Not geboren, wenn
eine Krankheitswelle zusätzlich zum Personalmangel eine Ein-

geschränkte Alltagskompetenz bescheinigt, konnte das bestehende Angebot nun auch älteren und pflegebedürftigen Menschen zugänglich gemacht werden.

richtung trifft, werden inzwischen auch einrichtungsübergreifend Pflegekräfte ausgeliehen und eingesetzt. Diese scheuten
zunächst den Einsatz in einer „fremden“ Einrichtung, stellten
dann in aller Regel aber fest, dass ihnen die Arbeit Spaß gemacht und sie bereichert hat. Das neu in den jeweils anderen
Pflegeeinrichtungen erworbene Wissen stärkte das vernetzte
übergreifende Arbeiten und bereicherte Kunden wie Mitarbeitende gleichermaßen.

Für diese zusätzlichen Leistungen dürfen sich Pflegebedürftige
auch Zeit einkaufen, die sie etwa gemeinsam mit der Pflegekraft
bei Spaziergängen und Gesprächen, Kaffeetrinken oder Spielen
verbringen können. Viele Kunden der Sozialstation Friedenau
nutzten allerdings dieses Budget, trotz intensiver Beratung,
ausschließlich für anfallende Haushaltstätigkeiten. Der erhoffte Effekt einer ganzheitlicheren Pflege, die in der Vergangenheit immer wieder als unzureichend beklagt wurde und außer
den notwendigen pflegerischen Verrichtungen auch Raum für
Gespräche und Beschäftigung bietet, ist an dieser Stelle nur in
geringem Umfang eingetreten.
Bei wachsenden Nachfragen von Kunden nach Leistungen der
Pflege sank gleichzeitig unsere Anzahl an Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern. Kundenanfragen konnten teilweise nicht bedient
werden, immer wieder berichteten potentielle Kunden, dass
sie bereits von mehreren Pflegediensten mit ihrer Anfrage ab-

Neben den bereits im Vorjahr angelaufenen Maßnahmen, Pflegekräfte zu gewinnen und vor allem auch zu halten, setzten wir
verstärkt auf die Ausbildung von Pflegefachkräften in unseren
Einrichtungen. Ein erfreuliches Beispiel für gelungene Personalentwicklung ist der berufliche Werdegang eines ehemaligen
Zivildienstleistenden: Vor zwölf Jahren hatte er seinen Dienst
im Nachbarschaftsheim Schöneberg aufgenommen, hat dann
neben dem Studium weiter in der Sozialstation Friedenau gejobbt und im Laufe der Zeit festgestellt, dass die Arbeit in der
Pflege genau das Richtige für ihn ist. Er begann nebenberuflich die vierjährige Ausbildung zum staatlich examinierten Altenpfleger und beendete sie im Oktober erfolgreich. Ebenfalls

40

Pflegerische Dienste
im Oktober begann ein weiterer Pflegehelfer der Sozialstation
seine Ausbildung zum staatlich anerkannten Altenpfleger und
wird nach erfolgreichem Abschluss seiner Ausbildung hoffentlich auch weiter dort arbeiten.
Darüber hinaus ist der Bereich Pflegerische Dienste in Klausur
gegangen und hat sich mit folgenden Fragen beschäftigt:“ Was
ist es, was uns zu einem besonderen und attraktiven Arbeitgeber macht? Und wie können wir potentielle Bewerber davon
überzeugen?“ Entstanden ist infolgedessen die Flyer-Serie „Ich
pflege gern“ / „Pflege? Gern!“. Mit langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurden dafür kurze Interviews durchgeführt. Herausgekommen sind kleine Beiträge, die in Verbindung
mit dem jeweiligen Foto ein sehr positives, menschliches Bild
der Pflege darstellen. Erfreulicher Nebeneffekt: Auch Kunden
fühlen sich besser versorgt und betreut, wenn sie wissen, dass
die Pflegekräfte ihren Beruf gerne ausüben.
Zäh und bisher nicht erfolgreich verlief unser Versuch, über Projektpartner geflüchtete Menschen für die Pflege zu gewinnen.
Hier bleiben wir dran und werden auch in den kommenden Jahren Initiative zeigen.
Mit den Aufführungen der erfolgreichen Theaterstücke „Ein
Schiff wird kommen“ und „Bertha, stirb endlich“, gelingt es auf
ganz andere Weise, das Thema Pflege auch jungen Menschen
nahezubringen und bei Schülerinnen und Schülern Interesse
für die Pflege und vielleicht auch für den Pflegeberuf zu wecken. Die beiden Stücke sind zum echten Dauerbrenner gewor-

Theaterstück „Bertha – stirb endlich!“; Foto: TdE, Jörg Farys

den. Bei „Ein Schiff wird kommen“ stehen sechs Menschen mit
Demenz zusammen mit fünf Schauspielerinnen und Schauspielern vom Theater der Erfahrung auf der Bühne. Auch das Theaterstück „Bertha, stirb endlich!“, das 2012 aus gemeinsamen
Workshops von Hospizmitarbeiterinnen und –mitarbeitern
sowie dem Theater der Erfahrungen erwuchs, wurde mehrfach,
auch außerhalb Berlins, aufgeführt. Insbesondere bei Hospizeinrichtungen findet die Geschichte der todkranken Vampirin,
die von ihrem Clan in ein Menschenhospiz abgeschoben wird,
großen Anklang.

Inklusives Wohnen im Alter
Ein neues Projekt hat Einzug in die Pflegerischen Dienste des Nachbarschaftsheims gehalten: Das
Modellprojekt IWA – Inklusives Wohnen im Alter. Im Rahmen des Modellprogramms zur Weiterentwicklung neuer Wohnformen nach §45f SGB XI wird es durch den GKV-Spitzenverband, der zentralen Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen, gefördert.
In den letzten Jahren wurde deutlich, dass ältere Menschen
mit einer geistigen Behinderung - insbesondere wenn sich bei
ihnen eine demenzielle Erkrankung abzeichnet - einen veränderten Bedarf an Möglichkeiten des Lebens und Wohnens haben. Mehr und mehr Menschen mit Behinderung erreichen ein
hohes Lebensalter; das Risiko an einer Demenz zu erkranken,
steigt bei ihnen in besonderem Maße. Die Sozialstation Friedenau hat im Jahr 2000 mit der Pflege für Menschen mit Demenz
in ambulant betreuten Wohngemeinschaften begonnen. Inzwischen ist sie in vier Wohngemeinschaften rund um die Uhr vor
Ort. Diese Wohnform hat sich als Alternative zum Pflegeheim
bewährt. Im Mittelpunkt stehen hier neben professioneller
Pflege ein am normal gelebten Alltag orientiertes Leben in der
Gemeinschaft und ein möglichst langer Erhalt der Selbstständigkeit.
Im Rahmen des geförderten Projektes IWA sind wir bestrebt,
die inklusive Öffnung, der durch die Sozialstation Friedenau
betreuten Wohngemeinschaften, konzeptionell und praktisch
umzusetzen. Ziel ist es, den Bedürfnissen aller Bewohnerinnen und Bewohner gerecht zu werden. Für Menschen mit geistiger Behinderung und Demenz soll die Möglichkeit geschaffen
werden, neben der sicheren Versorgung und Betreuung, gleichzeitig in gewohnter Weise pädagogische Unterstützung zu erhalten, um trotz behinderungsbedingten Einschränkungen am

gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Ein multiprofessionelles
Team aus Pflegefachkräften und
Hauspflegekräften sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
aus dem Bereich der Heil- oder
Sozialpädagogik soll Pflege und
Pädagogik sinnvoll miteinander verknüpfen. Das Projekt ist
Anfang Februar gestartet und
widmete sich im ersten Jahr vor
allem der Konzeptentwicklung.
Neben der Weiterentwicklung
und Anpassung des Konzeptes zur Betreuung und Pflege in
Wohngemeinschaften,
wurde
eine Mitarbeiterschulung entwickelt, die die Pflegeteams auf
die bevorstehenden Aufgaben
vorbereiten soll. Zudem war zu
klären, durch wen und in welcher
Form pädagogische Hilfen in Wohngemeinschaften erbracht
werden können. Hier konnte ein Kooperationspartner aus der
Eingliederungshilfe gewonnen werden, der im Rahmen des Betreuten Wohnens eine pädagogische Begleitung anbietet.

Pflegerische Dienste
Märchenstunden
Das Projekt „Märchen als Türöffner – ein Projekt für Menschen
mit Demenz und Vorschulkinder“ haben wir in diesem Jahr
als wiederkehrendes Angebot in unserer Tagespflege etabliert. Eine diplomierte Puppenspielerin und Theaterpädagogin
kommt dafür einmal wöchentlich in die Einrichtung, um in kleiner Runde den Gästen Märchen und Geschichten zu erzählen.
Dabei kooperiert die Tagespflege mit dem Verein TÄKS e.V., der
auf der Schöneberger Insel Kindertagesstätten betreibt. Die
Gäste der Tagespflege und die Kinder der Kitas genießen diese
gemeinsamen Märchenstunden und lassen sich gleichermaßen in den Bann ziehen. Durch den Besuch ihrer Kinder in der
Tagespflege wird unsere Einrichtung von den Eltern überhaupt
erst wahrgenommen. Es ist ein weiterer Baustein, unsere Einrichtungen in die Nachbarschaft zu integrieren.

Verbleib der Wohngemeinschaft gesichert
In der Wohngemeinschaft Albrechtstrasse wurden dem Generalmieter Herrn Pawletko von Freunde alter Menschen e.V. und
somit auch den Bewohnerinnen und Bewohnern der Mietvertrag gekündigt. Durch das starkes Engagement von Herrn Pawletko, der eine Online-Petition ins Leben rief, die Medien und
die Öffentlichkeit mobilisierte und während mehrerer Monate
mit dem Vermieter verhandelte, setzte er einen neuen Wohnmietvertrag durch. Das Verbleiben der Bewohnerinnen und Bewohner wurde dadurch gesichert.

Familienpflege im Wandel
Bei der Familienpflege spiegeln sich zwei gesellschaftliche
Veränderungen wider: Zum einen kommen Kinder immer früher in die Kita, so dass die Familien häufig nur am Nachmittag Unterstützung benötigen. Zum anderen ist durch die zunehmenden Geburten von Zwillingen und Drillingen der Anteil
der Mehrlingseinsätze in den letzten Jahren stetig gestiegen.

41
Gleichzeitig ziehen sich einige Krankenkassen spürbar aus der
Gewährung von Leistungen der Familienpflege zurück und lehnen die Einsätze zum großen Teil ab. Andere kürzen die Einsatzzeiten bei den Familien, so dass die Mitarbeiterinnen in der
Regel zwei Einsätze am Tag leisten müssen. Das ist neu und für
die Mitarbeiterinnen mit Wegezeiten verbunden, die von den
Leistungsträgern nicht finanziert werden. Da die Familienpflegerinnen in ganz Berlin unterwegs sind, sind die Fahrtzeiten
manchmal sehr lang. Bei künftigen Vergütungsverhandlungen
sollte die Wegezeit von den Kassen berücksichtigt werden.

Berichte aus der Hospizarbeit –
Einblicke in ganz persönliche Erfahrungen
Seit 2005, also nunmehr seit 10 Jahren, erscheint mehrmals im
Jahr der Hospiz-Newsletter. Erzählungen und Berichte über die
Hospizarbeit im Allgemeinen und im Speziellen finden sich hier
wieder. Beispielsweise darüber, wie die Begleitung Sterbender
die Menschen verändert, die alltäglich an ihrer Seite sind.
In 2015 stand in der ersten Jahreshälfte mit „Vom Schweben
im Raum“ das Thema Sinnlichkeit im Mittelpunkt der Betrachtungen. Es handelte davon, wie Menschen auch bei schwerer
Krankheit wieder Zugang zu positiven Empfindungen erlangen
können.
Im zweiten Newsletter aus dem Jahr 2015 berichteten die Autorinnen und Autoren darüber, wie sie sich dem nicht Planbaren
in der Begleitung sterbender Menschen stellen und mit kleinen
und großen Überraschungen umgehen.
Auf der Webseite des Hospizes Schöneberg-Steglitz finden sich
sowohl die aktuellen Newsletter als auch jene aus den vergangenen Jahren: www.hospiz.nbhs.de/newsletter

Zahlen in der Pflege
Besuche & Teilnahmen, Pflegen & Einsätze pro Woche*
Ambulante Familienpflege / wellcome
	 Einsätze	
	 Anzahl Familien	

231
78

Ehrenamtlicher Besuchsdienst
	 Besucher/innen bei Veranstaltungen	
	Einsätze	
	 Anzahl Betreute	

59
62
109

Hospiz Schöneberg-Steglitz
	 Besucher/innen bei Veranstaltungen	
	 Einsätze	
	 Anzahl Begleitungen/Gäste	

107
144
54

Pflege & Betreuung in Wohngemeinschaften
	 Anzahl Bewohner/innen	

32

Sozialarbeit & Pflegeberatung
	Besucher/innen/Beratungen	

31

Sozialstation Friedenau
	Einsätze	
	 Anzahl Patienten/innen	

2030
224

Tagespflege Schöneberger Insel
	Einsätze	
	 Anzahl Gäste	
Sabine Spieß, ehrenamtliche Helferin im Einsatz; Foto: NBHS

* Durchschnittswerte aus den Statistikwochen NBHS 2015

81
40

42

Personelle & finanzielle Situation
Angestellte Mitarbeiter/innen 2015

1056 angestellte Mitarbeiter/innen, davon:
Frauen ����������������� Männer

212
gGmbH

95 nicht deutscher

Staatsangehörigkeiten
von 1056

209
844
e.V.

46 mit anerkannter
Schwerbehinderung
von 1056

847

417 mit betrieblicher

Altersvorsorge
von 1056

mit Stundenvertrag

59
268

Sozialarbeiter/innen/Sozialpäd./innen

Mitarbeiter/innen
Vollzeit
Mitarbeiter/innen
Teilzeit

729

98

Reinigungskräfte: 14
Pflegehelfer/innen

Verwaltungspersonal

44

103
Erzieher/in

Pflegefachkräfte

535

72

Leitungspersonal
Köchin/Koch: 14

78

in Beschäftigungs und
Qualifizierungsmaßnahmen

25

38

Hauswirtschaft

Auszubildende 2

Handwerker: 18
Freiwilliges Soziales Jahr/
Bundesfreiwilligen Dienst: 10

Gesamtleistung 2015 (vorläufiges Ergebnis)
Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V:

	33,56 Mio. Euro	 Erträge
	30,76 Mio. Euro	 Bilanzsumme
	 0,65 Mio. Euro 	 Bilanzgewinn

Nachbarschaftsheim Schöneberg Pflegerische Dienste gGmbH:

	6,42 Mio. Euro	 Erträge
	3,82 Mio. Euro	 Bilanzsumme
	0,06 Mio. Euro 	 Bilanzgewinn

Hinweis zu den Besucherzahlen
Die Angaben in den Zahlenblöcken der einzelnen Kapitel beziehen sich häufig auf die Statistikwochen des NBHS. Hierbei
handelt es sich um die interne Besucherstatistik, die das Nachbarschaftsheim Schöneberg seit 1988 regelmäßig zweimal
jährlich durchführt, um die Besucherinnen und Besucher in den Einrichtungen zu erfassen.
Näheres unter: www.nbhs.de/ueber-uns/besucherstatistik

Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V.
Nachbarschaftsheim Schöneberg Pflegerische Dienste gGmbH
Holsteinische Straße 30
12161 Berlin

www.nbhs.de
        
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