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Full text: Energie-Impulse (Rights reserved) Ausgabe 2022,2 (Rights reserved)

zwei 2022 Im Fokus: Bereit für den Wandel Im aktuellen Interview Georg Friedrichs, Vorstands­vorsitzender der GASAG AG Eine Publikation im Rahmen von 2 Senatsausschuss Klimaschutz Abgestimmte KlimaGovernance in Berlin Mit Unterstützung der 5 13 Berliner Macher für den Klimaschutz Hanno Balzer, Leiter Energiewirtschaft bei HH2E Konzept und Umsetzung zwei 2022 | Seite 2 Das aktuelle Interview Georg Friedrichs Bild: Rolf Schulten Jürgen Pöschk: Ganz direkt zum Einstieg die Frage: Was passiert in Berlin, wenn morgen ein Lieferstopp von russischer Seite erfolgt? Georg Friedrichs: Dann wird in Berlin wie in ganz Deutschland eine Gas-Mangellage ausgerufen und in Abstimmung mit der Bundesnetzagentur und den Verteilnetzbetreibern die Verteilung des verfügbaren Erdgases vorgenommen. Dabei wird zwischen geschützten und ungeschützten Kunden unterschieden. Privathaushalte zählen zu den geschützten Kunden. Hoffen wir, dass es nicht dazu kommt. Jürgen Pöschk: Ist die GASAG hier eigentlich eine Entscheidungsinstanz oder sind das ausschließlich die Bundesnetzagentur und SenWEB? Georg Friedrichs: Umsetzer der Verteilung ist unsere Netzgesellschaft NBB – aber auf Basis der Vorgaben der Bundesnetzagentur. Natürlich erfolgt das in Abstimmung mit der Energieaufsicht bei SenWEB in Berlin. Jürgen Pöschk: Die Bundesnetzagentur scheint ja verzweifelt am Aufbau verlässlicher Daten zu arbeiten, um im Notfall die richtigen Abschaltentscheidungen vorgeben zu können. Wie weit ist Berlin hier? Georg Friedrichs: Die Datenerhebung ­erfolgt zentral durch die Bundesnetzagentur, da haben die Länder keine Sonderrolle. Die NBB als Netzbetreiberin ist aber ebenfalls seit Monaten im engen Kontakt mit ihren Großabnehmern, um deren Verbräuche zu analysieren und auch Einsparpotenziale auszuloten. Jürgen Pöschk: Es heißt, jede eingesparte Kilowattstunde hilft uns im nächsten Winter… Warum ist in Berlin eigentlich keine Riesenenergiesparkampagne am Start? Georg Friedrichs: Die Heizperiode 2021/22 ist vorbei. Hauptverbraucher ist jetzt die Industrie, die in Berlin eine Georg Friedrichs ist gelernter Bankkaufmann und studierte im Anschluss Rechtswissenschaft in Kiel. In den letzten 20 Jahren war er in verschiedenen leitenden Funktionen der V ­ attenfall-Gruppe tätig. Neben zentralen strategischen Funktionen wie die Unternehmens­ entwicklung in Deutschland verantwortete er als Geschäftsführer auch operative Geschäftseinheiten wie die Vattenfall Europe Windkraft GmbH oder die Fern­ w ärme H amburg. Seit April 2021 ist er ­ ­Vorstandsvorsitzender der GASAG. zwei 2022 | Seite 3 nicht so herausragende Rolle spielt wie in ­ a nderen Regionen und Großstädten Deutschlands. Privathaushalte können deshalb jetzt vergleichsweise wenig Erdgas einsparen. Aber auch das lohnt sich. Die Bundesregierung hat gerade ihre große Kampagne vorgestellt, wo die unterschiedlichsten Zielgruppen angesprochen werden. Über die Verbände werden wir das rechtzeitig mit eigenen Kampagnen stützen. Es ist wichtig, dass diese Kampagnen Erfolg zeigen und zusammen mit den Maßnahmen des neuen Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms zu mehr Energieeinsparung und Investitionen in den Gebäude- und Anlagenbestand führen. Die Potenziale sind noch riesig. Jürgen Pöschk: Welche konkret sich lohnenden Sparpotenziale gäbe es, ­ die sich schnell und niedriginvestiv heben ließen? Georg Friedrichs: Ein Thema wird sein, ob insbesondere industrielle Verbraucher kurzfristig auch alternative Brennstoffe nutzen können, die am Markt verfügbar sind, etwa Öl und Kohle. Darauf zielt auch die Datenerhebung der Bundesnetzagentur ab. Hier könnten größere Potenziale liegen, bis andere Lieferoptionen, zum Beispiel über LNG, in nennenswerten Mengen zur Verfügung stehen. Mittel- und langfristig macht es aber keinen Sinn, fossiles Erdgas durch andere fossile Brennstoffe zu ersetzen. Diese Situation unterstreicht die Notwendigkeit einer schnellen Wärmewende mit Erneuerbaren und grünem Wasserstoff. Jürgen Pöschk: Auch wenn Sie diese ­F rage sicher nicht mögen, aber Sie können Ihre Einkaufspreise ja auch nicht selbst machen… Worauf müssen sich Endkunden in Berlin in den nächsten Jahren einstellen, was die Energiekosten angeht? Steuern wir auf eine großflächige Energiearmut zu? Georg Friedrichs: Zuallerst: Eine Energiearmut werden wir als Gesellschaft hoffentlich nicht zulassen. Aber der Markt ist extrem nervös, wir sehen teilweise im Tagesverlauf Schwankungen, wie wir sie früher über mehrere Monate hatten. Das macht präzise Aussagen zu künftigen Preisen schwierig. Insgesamt verfestigt sich aber das Bild der letzten Monate, wonach das Niveau auch für das kommende Jahr beim mindestens Drei- bis Vierfachen der früheren Preise liegt, die wir noch Anfang 2021 gesehen haben. Das ist schlimm, weil sich ohne Trendumkehr auch die Preise beim Endkunden nicht entspannen, sondern weiter steigen werden. Das belastet industrielle Abnehmer in ihrer Wett­b ewerbsfähigkeit und treibt die Preise in vielen Branchen. Und auch für Privatkunden werden die Energiekosten eine echte Belastung. Wir arbeiten an vielen Stellen mit dem Verbraucherschutz und den Behörden zusammen und machen betroffenen Haushalten individuelle Angebote. Unser Ziel ist auf jeden Fall, dass die Zahl der Zählersperrungen nicht ansteigt. Jürgen Pöschk: Die Preisentwicklung ist ja auch für viele Energieversorger ein existenzielles Thema… Kommen Sie mit dem Gap zwischen explodierenden Einkaufspreisen und ­ Lieferverpflichtung klar? Georg Friedrichs: Solange uns keine großen Lieferanten im Stich lassen, ist dies durch unsere planvolle und langfristige Einkaufsstrategie abgefedert. Wir kaufen in bestimmten Intervallen immer scheibchenweise für die Folgejahre ein. Seriöse Beschaffung hilft aktuell ungemein. Jürgen Pöschk: Sie haben sich ja als ­G ASAG viel vorgenommen, um schnell klimaneutral zu werden. Welche Schritte planen Sie im Unternehmen? Georg Friedrichs: In der Nahsicht wollen wir unsere eigenen Verbräuche, vom Fuhrpark über Dienstreisen bis zum Einkauf, spätestens bis 2025 CO2-neutral gestalten. Noch in diesem Jahrzehnt wollen wir auch die Grundlagen für ein Berliner Wasserstoffnetz legen. Unsere 300.000 Stromkunden werden schon jetzt mit Ökostrom beliefert und bis 2030 werden die Hälfte der Laufzeitprodukte für Gas und zwei Drittel unserer neuen Energiedienstleistungsprojekte CO2-neutral sein. Im Jahr 2040 wird dann unser gesamtes Geschäft klimaneutral sein. Jürgen Pöschk: Abkehr vom grundsätzlichen Geschäftsmodell des Gasverkaufs? Wird die GASAG Solution Plus Ihr neuer Unternehmenskern? Georg Friedrichs: In der Tat werden die Energiedienstleistungen unser Wachstumsgeschäft. Für die Wärmewende werden fast eine Million Gebäude in Berlin und Brandenburg ein neues Energiekonzept brauchen. Das ist ein riesiger Markt und wir sind da schon heute einer der wichtigsten Akteure. Wir können Geothermie, wir können Photovoltaik und kennen uns in den Heizungskellern der Hauptstadtregion bestens aus. Wir bieten auch Stromwärmepumpen an und mit einer Beratung über Fördermöglichkeiten sorgen wir dafür, dass die Investition in die Energiewende für Hausbesitzer bezahlbar bleibt. Und auch größere Nahwärmenetze sind schon heute Kerngeschäft. Für dieses Wachstum stellen wir uns zurzeit auf, auch mit etlichen neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Engineering, Projektplanung, Vertrieb und handwerkliche Umsetzung. Jürgen Pöschk: H2 gilt ja als Champagner der Energiewende… Schampus für alle? Nein im Ernst: Die Szenarien gehen ja in die Richtung Wärmepumpen in den Randbezirken und H2-gestützte Fernwärme. Wo bleibt die GASAG-Gruppe da eigentlich? Georg Friedrichs: Die Champagner-Diskussion ist unselig und Schnee von gestern, mit vergleichbaren Argumenten haben Erneuerbaren-Gegner vor 15 Jahren hantiert – und sind widerlegt worden: Wie hochlaufende und hochskalierte industrielle Strukturen schnell marktfähige Preise erzeugen, haben wir bei Offshore Wind eindrucksvoll gesehen. Das werden wir auch brauchen, denn Wärmepumpen werden uns allein nicht helfen. Wir müssen die Energie aus dem Sommer in den Winter bringen, dazu wird es grünen Wasserstoff als Speicher und Transportmittel brauchen zwei 2022 | Seite 4 – ohne Gasnetze geht es also nicht. Und auch die Berliner Fernwärme ist in ihrer heutigen Struktur nur bedingt erweiterbar. Für die Wärmewende bis 2040 werden wir deshalb auch dezentrale Nahwärmenetze und grünen Wasserstoff in dezentralen Anlagen brauchen. Jürgen Pöschk: H2 aus überschüssigem Strom aus Brandenburg erzeugen… Rettet Brandenburg Berlin? Georg Friedrichs: In Großstädten gibt es noch viele Möglichkeiten zur Erzeugung von Ökostrom, die noch nicht ausreichend genutzt werden. Aber zur Deckung des eigenen Bedarfs werden noch viel mehr Erneuerbare-Anlagen benötigt. Große Flächenländer werden Schwerpunkte der Erzeugung werden, große Ballungsräume und Industriestandorte die Schwerpunkte des Verbrauchs. Jürgen Pöschk: Wir reden ja seit einigen Jahren viel auch zum Thema Wärmewende… Was muss geschehen, ­ um hier wirklich zeitnahe große Schritte machen zu können? Georg Friedrichs: Wir müssen erstmal raus aus alten Schützengräben und Vertrauen entwickeln. Öffentliche und private Unternehmen, Stromnetz, Gasnetz sowie Fernwärme und Dezentrale brauchen eine gemeinsame Agenda und eine kommunale Wärmeplanung, damit diese große Transformation der Wärmewende gelingen kann. Das können wir nur alle gemeinsam schaffen. Dann brauchen wir rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen, die nicht die Konservierung des Status Quo, sondern den Umbau flankieren. Wenn da die richtigen Schritte passieren, können wir auch schnell vorankommen. Jürgen Pöschk: Die auf Bundesebene diskutierten 65 Prozent Erneuerbaren-Anteil bei neuen Heizungen ab 2025… Wie ist das in Berlin darstellbar? Im EfH- und MfH -Bereich… Georg Friedrichs: Im Neubau können wir technisch alles umsetzen und die Anforderungen erfüllen. Aber im Vergleich zum Bestand mit seinen zirka 360.000 Gebäuden werden eben relativ wenig neue Gebäude pro Jahr errichtet. Viel entscheidender ist deshalb, wie die Umsetzung dieser Vorgabe in Bestandsgebäuden erfolgen kann. Berlin ist gebaut und der überwiegende Teil der Gebäude ist auch hier vor der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet. Aktuell liegt die Sanierungsrate in Berlin leider deutlich unter einem Prozent. Damit laufen wir Gefahr, die Wärmewende-Ziele krachend zu verfehlen. Umso wichtiger ist es auch hier, schnell einen Überblick über den Gebäudebestand und den Modernisierungsbedarf zu erhalten, Stichwort Wärmekataster Berlin. Das muss zeitnah erstellt werden und wir können dann Aussagen treffen, mit welchen Technologien und Infrastrukturen wir die 65-Prozent-Vorgabe für jedes Gebäude oder Quartier zukünftig umsetzen können. Jürgen Pöschk: Ihre Idee von der dezentralen H2-gestützten KWK ist das nur was für Neubaugebiete? Georg Friedrichs: Auch im Bestand werden wir dezentrale KWK-Lösungen mit Wasserstoff haben müssen. Denn im Jahr 2040 wird noch mindestens die Hälfte des Gebäudebestandes in Berlin nicht zukunftsfähig saniert sein. Das müssen wir einplanen und auch künftig sicher versorgen. Wir müssen künftig immer an den gesamten Energiebedarf Berlins denken – und auch künftig werden wir im Winter viele Stunden sehen, in denen wir mehr Strom und Energie benötigen, als auch optimistische Erneuerbaren-Szenarien hergeben. Dann werden wir auf unsere Energievorräte zurückgreifen müssen oder auf importierte Energie. Für beides wird Wasserstoff das geeignete Medium sein. Aus unseren heutigen Gasnetzen werden wir die erforderlichen H2-Insfrastrukturen, sprich das Sicherungsnetz für eine klimaneutrale Zukunft entwickeln. Jürgen Pöschk: Ok, Sie erwähnten vorhin die kommunale Wärmeplanung als weiteres Schlagwort, das ja in aller Munde ist. Wer soll sie machen und wann? Georg Friedrichs: Damit müssen wir so schnell wie möglich beginnen. Gut wäre, wenn hier die breite Kompetenz aus allen Infrastrukturen in der Stadt zusammengezogen würde und der Senat und die Bezirke dafür den Rahmen geben. Bis 2040 sind es nur noch siebzehneinhalb Jahre und die Aufgabe ist riesig. Deshalb sollten wir eigentlich noch in diesem Jahr beginnen. Jürgen Pöschk: Sie brauchen für Ihre Infrastruktur- und Netzplanung genau wie die Kollegen von Vattenfall, BTB FHW etc. möglichst zeitnah Vorgaben aus der Wärmeplanung, richtig? Wenn die dann da sind, müssen die dann nicht letztlich auch Anschluss- und Benutzungszwänge vorsehen oder versorgen Sie 2040 das eine „Haus am Ende der Straße“, das 2025 von Öl auf Gas umgestellt hat? Georg Friedrichs: Um es ganz klar zu sagen: Das Gasnetz von 2040 wird in Funktionalität und Ausdehnung nicht das Gasnetz von 2020 sein. Das „eine Haus am Ende der Straße“ werden wir im Zweifel in 2025 lieber in ein Nahwärmenetz einbringen, das H2-ready ist oder mit einer Wärmepumpe ausstatten. Und ja: Die Wärmewende wird sich nicht im Wettbewerb paralleler Infrastrukturen entwickeln, sondern abgestimmt. Das Stromnetz wird dabei am stärksten wachsen, aber auch im Wesentlichen durch Wasserstoff dekarbonisierte Nah- und Fernwärmenetze werden ihre Berechtigung haben. Das Gasnetz wird also weiterhin gebraucht, aber etwas anders als heute. Eine solche Abstimmung wird natürlich wirtschaftlich ausgeglichen erfolgen müssen. Jürgen Pöschk: Noch kurz die Frage, die keiner beantworten kann: Wer soll das eigentlich alles machen? Stichwort Fachkräftemangel… Georg Friedrichs: Das ist in der Tat ein Knackpunkt. Für den massiven Ausbau der Erneuerbaren, für die Sanierung hunderttausender Gebäude brauchen wir jede Menge kluge Köpfe und Hände. Wir haben in diesem Jahr die Zahl unserer technischen Ausbildungsplätze verdoppelt. Hier brauchen wir dringend Impulse aus B ­ ildung, Politik und Wirtschaft, sonst werden wir nicht schnell genug sein. Jürgen Pöschk: Vielen Dank für das Gespräch! Der Inhalt dieses Interviews gibt den Stand zum ­R edaktionsschluss am 16. Juni wieder. zwei 2022 | Seite 5 Erster gemeinsamer Ausschuss für besseren Klimaschutz in Berlin Wie der Senat beim Klimaschutz stärker zusammenarbeiten will Rotes Rathaus in Berlin. Foto: yung-chieh Chang / Unsplash Wirtschaft, Energie, Wohnungsbau, Mobilität oder auch Finanzen, all diese Ressorts haben eines gemeinsam: Sie haben einen maßgeblichen Einfluss darauf, ob die Klimaschutzziele erreicht werden. Daher liegt es eigentlich nahe, dass in Sachen Klimaschutz nicht jedes Ressort für sich alleine arbeitet. Stattdessen sollten die betroffenen Ressorts das Ziel der Klimaneutralität gemeinsam und koordiniert ansteuern. Genau aus diesem Grund hat die Berliner Landesregierung nun erstmals einen Senatsausschuss für Klimaschutz eingerichtet. gen zurückbleiben. Es müssen also noch ­einige dicke Bretter gebohrt werden. Gemeinsame Verantwortung für die Klimaziele Angesichts dieser Situation ist klar: Alle relevanten Senatsverwaltungen, nicht nur die für Klimaschutz zuständige, müssen ihren Beitrag dazu leisten, die Klimaschutzziele zu erreichen. Dies soll durch die Beratung in einem „Senatsausschuss Klimaschutz“ erleichtert werden. Der Ausschuss hat sich unter Vorsitz der RegieMit dem „Senatsausschuss Klimaschutz“ renden Bürgermeisterin am 31. Mai 2022 hat der Senat im März 2022 die Klima-­ ­konstituiert und wird zukünftig in der ReGovernance deutlich gestärkt. Das Ziel, gel vier Mal im Jahr zusammenkommen. bis 2020 40 Prozent weniger CO2 zu emit- Weitere ständige Mitglieder des Senatsaustieren, hat Berlin bereits ­ erreicht – die schusses sind die Senatorinnen und SenaCO2-Einsparungen lagen sogar deutlich toren der Senatsverwaltungen für Umwelt, über der Zielmarke von 40 Prozent. Die Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz; Umsetzung des Berliner Energie- und Kli- Bildung, Jugend und Familie; Finanzen, maschutzprogramms 2030 (BEK 2030) so- Kultur und Europa (wegen des Themas wie die Entscheidung zum Kohleausstieg Denkmalschutz); Stadtentwicklung, Bauin Berlin konnten dazu – neben externen en und Wohnen sowie Wirtschaft, Energie Effekten – beitragen. und Betriebe. Weitere S ­ enatsverwaltungen können hinzugezogen werden. Jedoch steht fest: Auf dem Weg zur geplanten Klimaneutralität bis 2045 müssen die Der „Senatsausschuss Klimaschutz“ wird CO2-Emissionen Berlins im Jahr 2030 schon die Erreichung der Berliner Klimaschutz70 Prozent niedriger liegen als im Jahr ziele überwachen und bei Bedarf Maß1990. Das erfordert praktisch eine Halbie- nahmen zur Nachsteuerung vorschlagen. rung der CO2-Emissionen gegenüber dem Er soll Raum für die politische Beratung vorpandemischen Niveau des Jahres 2019. von übergeordneten Fragen bieten. Der Dabei sind in Berlin vor allem die Sektoren Ausschuss bietet auch den Rahmen dafür, Verkehr und Gebäude in den Fokus zu neh- ressortübergreifende Zielkonflikte mögmen, die bisher weit hinter den Erwartun- lichst frühzeitig anzugehen und zu lösen. Der Senatsausschuss wird sich auch mit den Empfehlungen des Klimabürger:innenrats auseinandersetzen, die Ende Juni 2022 vorliegen. Seine Arbeit wird durch einen Ausschuss der zuständigen Staatssekretärinnen und Staatssekretäre und auf ­Fachebene durch eine ständige interministerielle Arbeitsgruppe (IMAG Klimaschutz) unterstützt. Weitere Elemente einer verbesserten KlimaGovernance in Berlin Abgesehen vom „Senatsauschuss Klimaschutz“ hat der Senat sich auf weitere Maßnahmen geeinigt, um das Ziel der klimaneutralen Stadt bis 2045 zu erreichen. Bei der aktuellen Fortschreibung des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms 2030 für den Umsetzungszeitraum 2022 bis 2026 soll der Senat Sektorziele sowie ein CO2-Budget für die nächsten fünf Jahre festlegen. Außerdem soll das Monitoring an die neuen Herausforderungen angepasst werden. Darüber hinaus hat der Senat sich unter dem Stichwort „Klima­ gerechtes Haushalten“ verpflichtet, seine finanzpolitischen Entscheidungen auch an den Klimaschutzzielen zu messen. Gesa Homann Senatsver waltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz Berlin (SenUMVK) gesa.homann@senumvk.berlin.de zwei 2022 | Seite 6 BAUinfo Berlin – eine neue Beratungsstelle für nachhaltiges Bauen und Sanieren Foto: Jonas Denil / Unsplash Ab Juli 2022 gibt es für private Bauherr:innen und Eigentümer:innen von Gebäuden eine neue Anlaufstelle in Berlin bei allen Fragen rund um das Thema „Nachhaltig Bauen und Sanieren“. Das BAUinfo Berlin öffnet im Juli 2022 seine Türen, am Spreeufer 2 in Berlin-Mitte. Das Berater:innen-Team von BAUinfo Berlin bietet ratsuchenden privaten Bauherr:innen und Eigentümer:innen eine kostenlose, neutrale und anbieterunabhängige Initialberatung an. In dieser werden passend zum Sanierungs- oder Bauvorhaben mögliche Schritte zu einer möglichst klimafreundlichen und ressourcensparenden Umsetzung identifiziert. Relevante Beratungsinhalte sind unter anderem die ganzheitliche Betrachtung von Gebäuden, die Energiewende im Eigenheim, der kreislaufgerechte Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen sowie die Lebenszyklusbewertung von Baumaßnahmen und Aspekte der Klimafolgenanpassung. Zudem vermittelt das BAUinfo Berlin Rat­ suchende bei tiefergehenden Bau-, Energie- und Finanzierungsfragen an bestehende Beratungs- und Informationsangebote von Kooperationspartnern in der Stadt weiter. Ratsuchende finden im BAUinfo Berlin Antworten auf Fragen wie: Kann ich meine alte Heizung durch eine umweltfreundlichere Wärmeerzeugung ersetzten? Könnte PV auf meinem Dach wirtschaftlich sinnvoll sein? Muss ich Denkmalschutz oder Milieuschutz bei meiner geplanten Sanierung berücksichtigen? Welche Fördermöglichkeiten gibt es für mein Neubauvorhaben? Das BAUinfo Berlin wird zudem ab dem Spätsommer 2022 an verschiedenen Orten in der Stadt durch Veranstaltungen, ­A usstellungen und Besichtigungen zu Themen rund um das nachhaltige Bauen und Sanieren informieren. Um sowohl das Veranstaltungsprogramm wie auch das Beratungsangebot möglichst gut auf die Bedürfnisse der Eigenheimbesitzer:innen und Bauherr:innen auszurichten und die schon vorhandenen Angebote in der Stadt passgenau zu ergänzen, wird das BAUinfo Berlin mit weiteren Berliner Akteuren im Bereich „Nachhaltiges Bauen und Sanieren“ kooperieren. Das BAUInfo Berlin wird finanziert aus dem Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm (BEK 2030). Es wird im Auftrag des Landes Berlin von einem Konsortium bestehend aus der Berliner Energieagentur, der Verbraucherzentrale Berlin und dem Innovation City Management (Bottrop) aufgebaut und betrieben. Ziel ist es, einen Beitrag zur Senkung der Emissionen im Gebäudesektor – der weiterhin ein großer Verursacher von Emissionen ist – zu leisten. Damit soll das Ziel des Landes Berlin, bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu sein, unterstützt werden. Bis zur Eröffnung des BAUinfo Berlin und der damit einhergehenden persönlichen Beratung ist das Berater:innen-Team für eine Erstberatung telefonisch erreichbar (siehe unten). Der genaue Eröffnungstermin und die Öffnungszeiten der Beratungsstelle sind ab Anfang Juli 2022 auf der Webseite des BAUinfo Berlin verfügbar. Telefonisch können Sie BauINFO Berlin unter (030) 21 485 180 erreichen. Die Hotline ist zu folgenden Zeiten kontaktierbar: Dienstag 15.00 bis 18.00 Uhr / Donnerstag 13.00 bis 16.00 Uhr / Freitag 10.00 bis 13.00 Uhr. Weitere Informationen zu Beratungsmöglichkeiten und Terminen finden Sie im Internet auf www.bauinfo-berlin.de . Frederik Lottje Berliner Energieagentur GmbH lottje@berliner-e-agentur.de zwei 2022 | Seite 7 Die Koordinierungsstelle für Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK) Ein Beratungsangebot für Berliner Unternehmen Die durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe initiierte K oordinierungsstelle für Energieeffizienz ­ und Klimaschutz im Betrieb (KEK) begleitet als neutrale und kostenfreie Beratungsstelle insbesondere kleine und mittlere Berliner Unternehmen (KMU) auf ihrem Weg zu mehr Energieeffizienz und Klimaschutz. Das Leistungsangebot Foto: あんみつ姫 / AdobeStock, erstellt von VDI/VDE-IT Das Angebot für Berliner Unternehmen umfasst drei Bausteine: Basisberatungen zu allgemeinen Informationen rund um Energieeffizienz und Klimaschutz sowie zu passenden Förderprogrammen, die KMU-Detailberatungen sowie Austausch- und Vernetzungsangebote. Die Inanspruchnahme von Basisberatung und Verneutzungsangeboten steht allen Unter- nehmen offen; die Detailberatungen werden speziell für KMU angeboten. Dieser zweite Baustein ist besonders hervorzuheben: Mit diesem kostenlosen Angebot besteht für KMUs die Möglichkeit, sich im Rahmen einer mehrstündigen Beratung vor Ort von Fachexpertinnen und Für Projekte, die Wohnraum schaffen Sie suchen die passende Finanzierung für Bau, Sanierung oder Modernisierung Ihrer Immobilie? Wir haben sie. Kompetent, zuverlässig und mit dem Ziel, Ihr Bauvorhaben erfolgreich zu gestalten. Sprechen Sie mit uns! Hotline Immobilienförderung: 030 / 2125-2662 ibb.de/vermieter_investoren -experten der KEK beraten zu lassen. In enger Absprache mit dem interessierten Unternehmen wird der Beratungstermin entsprechend der individuellen Bedürfnisse vorbereitet. Die Vor-Ort-Beratung kann allgemein und themenoffen sein, es können aber auch konkrete Themen im Fokus stehen, wie zum Beispiel Optimie- zwei 2022 | Seite 8 rungsmöglichkeiten im Bereich der Versorgungs- oder Produktionstechnik, die Prüfung der Fördervoraussetzungen bestimmter Maßnahmen oder auch die vollständige Transformation hin zu einem klimaneutralen Unternehmen. Zudem werden Handlungsempfehlungen für das weitere Vorgehen besprochen. Ein Beispiel aus der Praxis Im Rahmen einer KMU-Detailberatung ließ sich beispielsweise das Berliner Traditionsunternehmen Karl F. Opitz in Berlin Neukölln bei verschiedenen Wärmekonzepten ­ b eraten. Karl F. Opitz fertigt und entwickelt Industrieverpackungen für den weltweiten Transport. Aufgrund einer beschränkten Einsatzfähigkeit der bestehenden Holzheizung zur Wärmeversor- gung von einem Bürogebäude und einer Produktionshalle sucht das Unternehmen aktuell nach einer ökologischen und ökonomischen Alternative. Hierfür wurden als ­E rsatz Fernwärme oder eine Wärmepumpe in Kombination mit einer PV-Anlage vom Unternehmen in Betracht gezogen. Bei einem Vor-Ort-Besuch wurden die genannten Optionen der Karl F. Opitz durch einen KEK-Experten geprüft und Empfehlungen für das weitere Vorgehen gegeben. Hierfür wurden Vor- und Nachteile beider Varianten unter Berücksichtigung von Investitionskosten, Umbaurisiken, Leistungsauslegung und Fördermöglichkeiten gegenübergestellt. Zudem wurde dem Unternehmen im ersten Schritt empfohlen, den Gebäudebestand energetisch zu optimieren, bevor in neue Technik zur Wärme- Save the Date: „Klimaneutralität durch Energieeffizienz im Unternehmen“, digitale KEK-Veranstaltung am 05.07.2022, von 10:00 bis 11:30 Uhr. Eine Anmeldung ist online möglich. Telefonisch ist die KEK unter (030) 310 078 - 4717 erreichbar, alternativ auch per E-Mail unter info@kek.berlin.de. Weitere Infos unter www.energieeffiziente-unternehmen.berlin.de versorgung investiert wird. Hierbei könnten bereits laufende Kosten unabhängig von der letztlich realisierten Lösung deutlich reduziert werden. Für die Nutzung einer PV-Anlage auf mehreren Dächern des Unternehmens wurde grünes Licht durch die Beratung gegeben und zudem wurden hinsichtlich eines Solarspeichers Vor- und Nachteile aufgezeigt. „Für uns war es sehr wichtig eine unabhängige Meinung zu unseren Planungen einzuholen und wir haben durch die Beratung der KEK noch einmal wichtige Hinweise für die Bewertung der Maßnahmen erhalten. Ich bin nun sehr zuversichtlich, dass wir unsere weitere Planung gezielt vorantreiben und die nächsten Schritte initiieren werden.“, so Sven Lürgen, ­G eschäftsführer der Karl F. Opitz. Jakob Brückner Leiter der Koordinierungsstelle für Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK) info@kek.berlin.de Klimaschutz 100 Pro Volle Lebensqualität und schmaler CO2-Fußabdruck im Kiez Foto: Jonathan Kemper / Unsplash Wer sein Verhalten hinterfragt, Konsum, Mobilität und Genuss neu denkt und Chancen sieht, wo andere an Verzicht denken, der kann viel für den Schutz von Klima und Umwelt erreichen – 100 Pro! Das neue Projekt unterstützt Berlinerinnen und Berliner dabei, Maßnahmen der CO2-Vermeidung zu einem Zeichen hoher Lebensqualität zuhause und im Kiez werden zu lassen. Haste was, biste was – gilt hier nicht! Im Stadtverkehr, am Arbeitsplatz, zuhause, beim Einkaufen oder bei einem Wochenendausflug – im Alltag werden häufig vermeidbare CO2-Emissionen verursacht, die den Klimawandel vorantreiben und schwer auf dem Portemonnaie liegen können. „Haste was, biste was – das gilt ja mal nicht für den CO2-Fußabdruck“, stellten Anfang Juni zwei Anwohnerinnen am ersten Infostand von „Klimaschutz 100 Pro“ im Möckernkiez fest, mit dem das neue Projekt der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz in den Berliner Alltag startete. Weitere Beratungsgespräche, Klimaspaziergänge durch die Kieze und Materialien wie beispielsweise eine KlimaCheckliste für den Hausgebrauch werden künftig Teil des Programms sein, das sich an Anwohnerinnen und Anwohner vor Ort richtet. Gemeinsam mit lokalen Initiativen und ­A nbietern zeigt das Projekt auf, wo und wie mehr Klimaschutz möglich ist. „Klimaschutz 100 Pro“ richtet sich an Berlinerinnen und Berliner, die aus ihren Möglichkeiten alles herausholen wollen. So verursachen einkommensstarke Haushalte überproportional höhere CO2-Emissionen als andere. Dabei könnten gerade sie zwei 2022 | Seite 9 zu mehr Klimaschutz beitragen, zum Beispiel durch Investitionen in Energiespartechnik, in klimaschonende Mobilitäts­ lösungen oder durch ressourcenbewussten Konsum. Das Angebot der Senatsverwaltung gibt Denkanstöße, vermittelt Wissen und informiert über gute Gelegenheiten, Klimaschutz bewusst zu leben. Und das Beste: „Klimaschutz 100 Pro“ kommt in die Berliner Quartiere! Boxi und Möckernkiez machen den Anfang Zunächst startet die Kampagne in den Modellquartieren rund um den Boxhagener Platz und im Gebiet vom Möckernkiez bis zum Dragonerareal. Wo Stadtentwicklung in hohem Tempo vorangeht und sich Anwohnerinnen und Anwohner neu orientieren müssen, kann Klimaschutz neben anderen guten Gründen ein Argument für geändertes Verhalten sein. Gute Anbindung an den ÖPNV und ein neuer Fahrradweg können dann den Impuls geben, den eigenen PKW abzuschaffen und sich per Drahtesel fortzubewegen. Wer im Sommer durch den Kiez schlendert, sucht frisches Grün, schattige Oasen und ruhige Rückzugsorte – ideale Plätze für bienenfreundliche Blumen und Pflanzen. Auch zuhause geht immer noch mehr Klimaschutz: Die smarte Nutzung von Wärme und Strom, das Elektrofahrzeug lädt natürlich Ökostrom und Einkäufe werden per Lastenrad organisiert – was andernorts bereits gewohnte Praxis ist, soll auch in Berlin Standard werden. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie im Internet unter www.berlin.de/klimaschutz-100-pro Da kann jeder mitmachen! Das Projekt „Klimaschutz 100 Pro“ wird durch die Berliner Energieagentur gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Berlin (BUND Berlin) umge- FÜR EIN SICHERES MORGEN. FRANK PLANT DEINE WÄRMEPUMPE. Frank, Produktmanager Wärmelösungen Mach Dich unabhängiger mit einer Wärmepumpe von der GASAG. Gemeinsam für ein klimaneutrales Berlin. www.gasag.de/energiewende setzt. In den nächsten Monaten wird sich das Projekt mit lokalen Klimaschutzakteuren vernetzen. Denn Klimaschutz braucht kluge Ideen, viele Hände und jede Menge Ausdauer – am besten gelingt es gemeinsam. 100 Pro! Susanne Kramm Berliner Energieagentur / Klimaschutz 100 Pro kramm@berliner-e-agentur.de zwei 2022 | Seite 10 Für ein nachhaltiges Berlin KlimaSchutzPartner 2022 ausgezeichnet Schule in Berlin!“. Im Rahmen des Projektes können Schulen mithilfe externer Begleitung in thematischen Inputs, Workshops und durch Beratung sowie Gebäudeanalysen ihre jeweils individuellen Wege zu einer klimaneutralen Schule der Zukunft herausfinden und hierzu konkrete Klimaschutzmaßnahmen planen und umsetzen. Dr. Silke Karcher, Staatssekretärin für Umwelt Klimaschutz des Landes Berlin: „ Klimaschutz beginnt konkret vor Ort ­ und im Alltag. Ich freue mich sehr, dass das Unabhängige Institut für Umwelt­ fragen e.V. mit dem Projekt „Klimavisionen – Wege zur klimaneutralen Schule in Berlin“ ausgezeichnet wurde. Das Projekt unterstützt mit konkreten Klimaschutz­ aktivitäten zukunftsweisend und nachhaltig das Engagement für den Klimaschutz an Berliner Schulen.“ Preisverleihung im Ludwig Erhard Haus mit Vertreter*innen der Gewinnerprojekte. Foto: Ines Meier Am 4. Mai 2022 war es wieder soweit: Beim 20-jährigen Jubiläum des KlimaSchutzPartner-Wettbewerbs wurden drei Berliner Unternehmen für ihre herausragenden Projekte im Bereich Klimaschutz ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand im Rahmen der Berliner Energietage im Ludwig Erhard Haus statt. In der Kategorie „Erfolgreich realisierte Projekte“ wurde die Michels Architekturbüro GmbH für das Projekt „Telegraph“ ausgezeichnet. In der Köpenicker Straße in Berlin hat das Architekturbüro zwei denkmalgeschützte Gebäude des ehemaligen Post- und Telegraphenbauamtes saniert und mit einem siebengeschossigen Neubau inklusive Fahrrad-Tiefgarage zu einem nachhaltigen Büroensemble kombiniert. Christian Feuerherd, Vertriebsleiter der Vattenfall Wärme Berlin AG: „In vielen Städten Europas stehen wir vor ähnlichen Herausforderungen: Ein verdichteter und energetisch anspruchsvoller Gebäude­ bestand trifft auf wachsende Flächenbedarfe und begrenzte Optionen zur Integration erneuerbarer Energien. Das Bau- und Versorgungskonzept des Telegraph ver- bindet denkmalgeschützten Altbau mit modernen Strukturen aus Glas und Beton, Photovoltaik und Geothermie für eine ­k limaschonende Energieversorgung.“ Der Preis in der Kategorie „Erfolg­ versprechende innovative Planungen“ ging an die Vabeck GmbH mit Ihrem Projekt „CO2-neutrale Erzeugung von Wasserstoff mittels thermischer Spaltung von wasserstoffhaltigen Stoffen mit ­patentierter VABECK®-Technologie“. Daniel-Jan Girl, Präsident der IHK Berlin: „Wasserstoff gilt seit langem als mögliche Alternative zu fossilen Energieträgern. Doch das große Problem hierbei ist die klimafreundliche UND wirtschaftliche Herstellung des Wasserstoffes. Unsere heutigen Preisträger haben nicht nur ein zentrales Problem erkannt, sondern auch eine Lösung entwickelt, um grünen Wasserstoff wirtschaftlich zu produzieren.“ Den Anerkennungspreis für herausragende Projekte öffentlicher Einrichtungen erhielt das Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) für das Projekt „KlimaVisionen - Wege zur klimaneutralen Der Wettbewerb „Klimaschutzpartner des Jahres“ ist der traditionsreichste Klimaschutzpreis der Berliner Wirtschaft und feiert dieses Jahr 20-jähriges Jubiläum. Die Kandidaten und Preisträger werden unter www.klimaschutzpartner-berlin.de veröffentlicht. Der Wettbewerb 2022 wurde mit freundlicher Unterstützung der ­Vattenfall Wärme Berlin AG durchgeführt. Start des nächsten Wettbewerbs ist voraussichtlich im Januar 2023. Das Bündnis „Klimaschutzpartner Berlin“ ist ein Zusammenschluss von Architektenkammer Berlin, Baukammer Berlin, BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V., Handelsverband Berlin-Brandenburg e.V., Handwerkskammer Berlin und IHK Berlin. Kemal Abu Doush IHK Berlin / KlimaSchutzPartner kemal.abu-doush@berlin.ihk.de Advertorial zwei 2022 | Seite 11 Klimaneutral bis 2040. Stadt. Wärme. Wende. Schnell sinkende Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor. Das Ziel: rund 42 Prozent Einsparungen bis 2030. Obwohl Heizungswärme fast die Hälfte der in Berlin verbrauchten Energie ausmacht, wird die Wärmewende als Erfolgsfaktor zur Klimaneutralität bisher noch unterschätzt. Lokale Stadtwärme für mehr Klimaschutz Wärmewende – ein Gewinn für alle Zum Erreichen der Berliner Klimaschutzziele ist eine Umstellung der städtischen Wärmeversorgung notwendig: Lokal erzeugte Fernwärme – oder Stadtwärme, wie Vattenfall die Berliner Fernwärme nennt – spart pro Haushalt und Jahr schon heute im Durchschnitt eine Tonne CO2 im Vergleich zu Öl- oder Gasheizungen ein. Im Rahmen energetischer Gebäudesanierungen kann sie zudem die Sanierungskosten senken. Die Vorteile von Großwärmepumpen: Sie bieten Kund:innen eine nachhaltige, sichere und komfortable Versorgung, für den Gebäudesektor sowie das Klima deutliche CO2 -Einsparungen und für die lokale Umgebung eine erheblich reduzierte Wärmeabgabe. Vattenfall arbeitet konsequent am Umbau des Stadtwärmesystems. Immer mehr Berliner:innen können ihre Wohnungen so ohne zusätzlichen Aufwand klimaschonend beheizen und die CO2 -Emissionen senken. Großwärmepumpen sind dabei nur ein Baustein. Vattenfall unterstützt seine Kund:innen auch darin, den Wärmeverbrauch zu reduzieren – so leistet jede:r einen Beitrag auf dem Weg zur Klimaneutralität. Unkompliziert und komfortabel. Technologien für die Wärmewende ” Stadtwärme ist nicht nur ein, sondern der Baustein für die urbane Wärmewende. Mit Stadtwärme ist die Immobilienwirtschaft für die kommenden gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen bestens gerüstet. Christian Feuerherd Leiter Vertrieb Vattenfall Wärme Berlin AG Der von Vattenfall geplante Kohleausstieg bis 2030 und Klimaneutralität bis 2040 sind erreichbar durch einen Umbau der Wärmeerzeugung in Berlin inklusive der Einführung klimaschonender Technologien. Stadtwärme punktet hierbei mit der optimalen Integration aller Bausteine in das Wärmesystem. Baustein für die Zukunft: Wärmepumpen XXL Alternative Wärmequellen spielen eine entscheidende Rolle für die urbane Wärmewende. Die technischen Herausforderungen sind stets unterschiedlich. Wärmepumpen sind einer der Bausteine, mit denen Vattenfall die Wärmeversorgung der Zukunft auf den Weg bringt. Sie wandeln ungenutzte Abwärme, z. B. aus Abluft von Gewerbebetrieben, Kühlwasser, industriellen Fertigungsprozessen oder städtischem Abwasser in klimaschonende Wärme um. In Berlin ist bereits eine hocheffiziente Großwärmepumpe in Betrieb, eine weitere befindet sich derzeit im Bau. Gemeinsam bringen wir die Wärmewende voran. → www.wärmewende.berlin zwei 2022 | Seite 12 Werkstattbericht zur Bürgerpartizipation Die Mitglieder des Berliner Klimabürger:innenrats Die Mitglieder des Klimabürger:innenrates bei der Auftaktveranstaltung im Umweltforum am 26. April 2022. Foto: Robert Boden. Am 26. April 2022 kamen die 100 Mitglieder des Berliner Klimabürger:innenrates zum ersten Mal zusammen. In insgesamt neun Sitzungen diskutieren sie bis Ende Juni stellvertretend für alle Berlinerinnen und Berliner über die klimaschutzpolitische Zukunft der Hauptstadt und formulieren Empfehlungen an die Politik. Das Gremium ist zusammengesetzt wie ein Mini-Berlin. Die Mitglieder kommen aus allen zwölf Bezirken und sind zwischen 17 und 84 Jahren alt. Ein Viertel von ihnen hat einen Migrationshintergrund, die Hälfte sind Frauen. Die Teilnehmenden wurden in einem aufwändigen Auswahlverfahren zunächst per Los via Melde­ r egister, dann nach repräsentativ quotierten Kriterien ausgewählt. Das Auswahlverfahren hatte die bestmögliche Repräsentation der Berliner Bevölkerung zum Ziel und stellt sicher, dass auch Menschen zu Wort kommen, die sonst weniger aktiv an politischen Prozessen beteiligt sind. Einige Mitglieder werden auf den Social Media Kanälen der SenUMVK vorgestellt. In unserer Ausgabe 1/21 haben wir ausführlich über Partizipationformate berichtet – auch zum Berliner Klimabürgerinnerat. Nachlesen können sie die Beiträge online unter www.berliner-impulse.de Klara Schwobe Infos zum Berliner Bürgerinnenrat und deren Sitzungen finden Sie im Internet auf www.berlin.de/klimabuergerinnenrat. Senatsver waltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz Berlin (SenUMVK) klara.schwobe@senuvk.berlin.de Bild: K e rs t i n R e i s c h/ HH 2E zwei 2022 | Seite 13 Ein ansteckendes Lachen, blitzwache Augen und ein unbändiger Tatendrang, man kennt Hanno Balzer eigentlich nicht anders. 25 Jahre klassische Energiewirtschaft auf dem Buckel, schickt sich Balzer gerade an, mit einem kleinen Team ganz Großes aufzubauen. Das Startup HH2E will nach eigenen Angaben bis 2030 einer der Top 10 Anbieter von grüner Energie in Europa werden. 1. Worauf führen Sie Ihr besonderes Engagement bei sich persönlich zurück? Gibt es da ein biografisches Datum oder ­Erlebnis, das Sie besonders geprägt hat? Energie hat mich schon immer fasziniert. Schon in meiner Jugend in den 80ern hatten wir heiße Diskussionen zwischen den MitschülerInnen, ob der Atomausstieg oder der Kohleausstieg die höhere zeitliche ­P riorität hat. Ich war damals eher auf der Seite derjenigen, die sich für einen schnellen Atomausstieg eingesetzt haben. Geprägt hat mich dabei vor allem der ­Reaktorunfall von Tschernobyl. Letztendlich hat mein Studium und auch meine Arbeit in der Energiewirtschaft dazu geführt, dass ich zu der Überzeugung gekommen bin, dass eine Energieversorgung auf Basis 100 Prozent erneuerbarer Energien nicht nur technisch möglich und gesellschaftlich erwünscht ist, sondern auch dauerhaft die bei weitem kostengünstigste und sicherste Form der Energieversorgung darstellt. 2. Wer sind Ihre persönlichen Vorbilder beim Thema Klimaschutz? Mit politischen Vorbildern muss man immer etwas vorsichtig sein, aber meine Vorbilder Fünf Fragen an Berliner Macher*innen für den Klimaschutz Hanno Balzer Wunschdenken? Das kaum zwei Jahre existierende Startup hat einen abgesicherten ­Investitionsplan von inzwischen 2,7 Milliarden Euro. Wie das mit einem bis vor kurzem gerade fünf Menschen starken Team geht? Eben mit Menschen und Machern wie Hanno Balzer. Obwohl technisch sehr beschlagen, liegen Balzers Qualitäten vor allem in seiner sozialen Kompetenz. „Menschen gemeinsam für eine kluge und weitsichtige Energie­ politik sind Joschka Fischer und Jürgen Trittin. Joschka Fischer hat mit seinem Amtsantritt als hessischer Umweltminister für mich eine Haltung gezeigt, die mich bis heute sehr prägt: Man muss in die Strukturen hineingehen, um sie zu verändern. Jürgen Trittin hat in der ersten rot-grünen Bundesregierung zwischen 1998 und 2000 verschiedene Gesetzespakete vorangetrieben, die die Energiewirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten 20 Jahren geprägt haben: Der Atomausstieg, das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz und das Erneuerbaren Energien Gesetz waren handwerklich aus meiner Sicht ausgesprochen ­solide und haben weit über die Regierungszeit der rot-grünen Bundesregierung hinaus die Grundlage für den Siegeszug der Erneuer­baren Energien gelegt. 3. Was wollen Sie im Klimaschutz in den nächsten drei Jahren erreichen? Ich möchte mit der HH2E einen spürbaren Beitrag dazu leisten, dass hier in Deutschland und international technisch und wirtschaftlich leistungsfähige Energieversorgungsanlagen ohne die Emission von fossilem CO2 in Betrieb gegangen sind. Die Zeit der Ankündigungen und der Leuchtturmprojekte ist eindeutig vorbei. ins Arbeiten bringen“ so sein Credo, das eben nur bei völligem Verzicht auf Statusdenken und Gockelgehabe wirklich stabil funktioniert. Mit solch kleinen Einheiten wie bei der von Balzer mitgeprägten HH2E Klimaschutz-­ Investitionen in Milliardenhöhe anschieben: Man stelle sich kurz vor, ein Balzer würde sich einem zentralen Projekt der Berliner Energieund Klimawende annehmen… 4. Was werden hier die größten Herausforderungen bei der Umsetzung sein? Die Herausforderungen bei der Umsetzung dieser Projekte liegen nicht in der wirtschaftlichen oder technischen Machbarkeit, sondern in der Mutlosigkeit und der Langsamkeit von Transformationsprozesse in „satten“ Industriegesellschaften. Diese Herausforderung dürfen wir nicht an die Politik delegieren, sondern sie ist eine Führungsaufgabe für alle, die sich in der Energiewirtschaft engagieren wollen. 5. Ihr Wunsch an die Berliner Klimaund Energiepolitik? Tempo, Mut und die Neugier auf die E rfahrungen anderer Kommunen in Be­ zug auf die Umsetzung der Energiewende. Ich wünsche mir auf der einen Seite eine Fehlertoleranz, um Dinge einfach einmal ausprobieren zu können. Und die Entscheidungsfreudigkeit, die es braucht, um Projekte zu beginnen, auch wenn man noch nicht alle Details genau kennt. zwei 2022 | Seite 14 SpreeX – Reallabor für Klimakompetenz Schulen und Hochschulen sind nicht nur Orte des Lehrens und Lernens; sie tragen auch besondere Verantwortung im Land Berlin für die klimafreundliche Entwicklung und die Zukunftsfähigkeit der Stadt. Zum einen, weil sie selbst große CO2-Emittenten sind, zum anderen, weil sie als öffentliche Einrichtungen das ökologische Bewusstsein mitgestalten. Daher hat die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin das Reallabor SpreeX gegründet, finanziert aus dem Berliner Energie-und Klimaschutzprogramm 2030 (BEK 2030). Dort erarbeiten Studierende mit Professor*innen Ideen für einen klima­ Bi ld :J ea nne neutralen Campus. Projekte zu Energie- und Flächeneffizienz stehen dabei im Vordergrund. Gemeinsam mit Schulen aus dem Bezirk Treptow-Köpenick und dem Bezirksamt, dem FEZ Berlin und dem Umweltbildungszentrum werden die Ideen wie beispielsweise essbare Fassadenbegrünung, Stromspeicher-Recycling oder Abwärmenutzung für Aquaponik weiterentwickelt. Daraus entstehen frei zugängliche LehrLern­m aterialien für alle Berliner Bildungseinrichtungen. Weitere Informationen unter: www.spreex.berlin Maria Anne Schmidt & Jeannette Hanko Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin spree-x@htw-berlin.de tte H a n o k KlimaGesundheit – Aktiv für Kitas: Kostenfreie Bildungsmaterialien für Erzieher*innen Die Folgen der Klimakrise sind in Deutschland längst spürbar. Verstärkt auftretende Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürme und Starkregen verdeutlichen dies immer wieder. Kinder leiden besonders unter den Folgen der Klimakrise – hier sind sich Expert*innen einig. Kinder tragen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko, haben zusätzlich ein geringes Risikobewusstsein und sind deshalb besonders auf die Fürsorge und Betreuung von Erwachsenen angewiesen. Erzieher*innen in Kitas kommt daher in ihrer täglichen Arbeit eine besondere Bedeutung beim Schutz von Kindern zu. Im Rahmen des Programms KlimaGesundheit – Aktiv für Kitas wurden in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen und Expert*innen, 15 Fachschulen für Sozialpädagogik, ihren Dozent*innen und zirka 350 Schüler*innen, Bildungsmaterialien mit den Schwerpunkten Klimakrise und Kindergesundheit erstellt. Diese bieten zum einen Handlungsmöglichkeiten und Lösungsansätze für den Kita-Alltag unter veränderten klimatischen Bedingungen. Zum ­ a nderen un- terstützen sie Lehrkräfte in Fachschulen dabei, das Thema Klimafolgenanpassung in die Ausbildung von Erzieher*innen zu tragen. KlimaGesundheit – Aktiv für Kitas ist ein Programm von BildungsCent e.V. und wird im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare S ­ icherheit und Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages sowie durch das Berliner Energie- und ­K limaschutzprogramm 2030 der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz Alle Infos zum Programm und den en Materialien finden Sie auf unserer Website: www.klimagesundheit.bildungscent.de Team KlimaGesundheit BildungsCent e.V. klimagesundheit@bildungscent.de kostenfrei- zwei 2022 | Seite 15 Auf jedem „KlimaKompetenz Camp“ sind wissenschaftlich fundierte Impulse zu den Themen „Herausforderung Klimakrise“ und „Lösungswege für Nachhaltige Entwicklung" geboten: Wie ist der derzeitige Stand? Was funktioniert gut, wo besteht erhöhter Kompetenz- und Handlungsbedarf? Welche neuen Lösungsansätze gibt es? Außerdem werden (Online-) Quellen vorgestellt, unter welchen themen- und zielgruppenspezifisch passende Bildungsmaterialien angeboten werden. Abhängig des Schwerpunktthemas des jeweiligen ­„ KlimaKompetenz Camps“ sind zudem externe Referent:innen mit entsprechender Fachexpertise vor Ort. Im ersten Camp lag der Fokus auf dem Thema „Regenerative Energietechnik“. Auf die grafisch angepassten Dokumente kann über die Online-Plattform colearnet.de jederzeit zugegriffen werden. Nutzer:innen können die lizenzfreien Materialien kostenfrei downloaden, für sich anpassen Bi ld : ib bf Nach dem erfolgreichen Pilotjahr 2021 geht die Fort­bildungsreihe nun in die zweite Runde. In diesem Jahr wird es weitere Camps zu den Schwerpunktthemen „Nachhaltiges Wirtschaften“ (29.06. bis 01.07.), „Regenerative Energie- und Wärmetechnik“ (12.09 bis 14.09.) sowie zu „Nachhaltiges Bauen“ (14.11. bis 16.11.) geben. Das Angebot wird aus dem Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 (BEK 2030) finanziert. Kostenfreie Anmeldung sowie weitere Infos unter: www.ibbf.berlin/veranstaltungen Nikolas Hubel Institut für Betriebliche Bildungsforschung nikolas.hubel@ibbf.berlin Muriel Neugebauer Unabhängiges Institut für Umweltfragen muriel.neugebauer@ufu.de ib b ld : Seit Herbst 2021 haben Bildungsverantwortliche Berliner Betriebe, Aus- und Weiterbilder:innen sowie Lehrkräfte beruflicher Schulen die Möglichkeit, klimaschutzrelevante Kompetenzen innerhalb eines Workshops kostenfrei auf- und auszubauen: Sie erleben drei Tage interaktives Lernen, naturnah im Berliner Umland und erfahren, wie Klima- und Umweltschutz theoretisch wie praktisch gelingen kann. Das Institut für betriebliche Bildungsforschung (IBBF) und das Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) unterstützen die Teilnehmenden dabei, gemeinsam Bildungs- bzw. Arbeitsmaterialien für das eigene berufliche Anwendungsfeld zu entwickeln, um aktiv zur Förderung von Klimaschutz und Nachhaltige Entwicklung beizutragen. und unter Kolleg:innen weiter verbreiten. Im Kontext der ersten drei KlimaKompetenz Camps 2021 sind insgesamt bereits neun Bildungsund ­A rbeitsmaterialien entstanden, weitere werden folgen. Bi KlimaKompetenz Camps – Innovative und kostenfreie Fortbildungsreihe für Umweltschutz und Nachhaltigkeit in Berlin f Schlaglichter aus dem Berliner Energieund Klimaschutzprogramm (BEK 2030) zwei 2022 | Seite 16 Berliner Netzwerke für den Klimaschutz Plattform Nachwuchsarchitekt*innen Wir sind: Informelles Netzwerk rund um Architektur und Stadt +++ Gegründet 2004 +++ Zirka 30 Aktive Mitglieder*innen +++ Funding über viel Ehrenamt, Engagement und einige tolle Netzwerkpartner*innen aus unserer Branche www.plattformnachwuchsarchitekten.de Das machen wir: Wir sind Plattform für eine nachwachsende Generation ­k reativ und interdisziplinär denkender Planer*innen. Stadt­ entwicklungspolitische Themen in Berlin bilden den inhaltlichen Schwerpunkt unserer kritischen Kommentare und Aktionen. Wir machen Öffentlichkeitsarbeit für nachhaltiges 1. Hallo Nachwuchsarchitekt*innen – wo wirkt Ihr und w ­ arum ist das der beste Ort in ­ B erlin, um den Klimaschutz voranzubringen? Wir wirken vom Wedding aus, ein Kiez, der zum Bezirk Mitte gehört und ständig in Bewegung ist. Dort setzen wir uns beispielsweise gegen Abriss und Leerstand ein und für eine sinnvolle energetische Ertüchtigung des Bestandes. Das spart „graue Energie“ und senkt die Heizkosten, die den höchsten Anteil an den CO2-Emissionen haben. 2. Auf welches eigene Projekt seid Ihr besonders stolz und warum? Wir sind stolz darauf, jährlich einen Nachwuchswettbewerb auszuloben, der das Planen und Bauen, kümmern uns um die Situation junger Kolleg*innen und Hochschulabsolvent*innen, qualitätvolle Aus- und Fortbildung, das Berufsbild im Wandel, die Auswirkungen der Europa-Politik und den Zugang zu nationalen wie internationalen Arbeitsmöglichkeiten. Thema „Stadt im Wandel – Stadt der Ideen“ jedes Jahr mit einem anderen Themenschwerpunkt in Richtung Nachhaltigkeit adressiert. wachsenden Generation kreativ und interdisziplinär denkender Planer*innen lenken. 3. Wo seht Ihr Euch in fünf Jahren? Was wäre hier, außer finanzieller Unterstützung, die größte Hilfe? Physische Treffen bei Getränken und Essbarem. :-) Wenn immer wieder Nachwuchs nachwächst, mit frischen Ideen und Tatendrang. Damit unser Netzwerk kreislaufgerecht wird, wie die Natur. Wenn es mal nicht so rund lief: Was ist die wichtigste Erfahrung, die Ihr anderen mitgeben wollt? 4. Angenommen, Ihr erhaltet Fördermittel – ohne Zweckbindung. Was würdet Ihr damit t­ olles für den Klimaschutz in ­B erlin machen? Würden wir sofort in die Erweiterung unseres nachhaltigen Angebotes für den interdisziplinären Nachwuchs einer nach- 5. zwei 2022 | Seite 17 Die Gesichter hinter dem Netzwerk Ich bin zuständig für ...das Netzwerken und der Ansprechpartner für die Plattform. Mein Lieblings-Projekt für den Klimaschutz in Berlin: Wenn Berlin immer mehr Radwege für die Stadt bekommt. Bild: privat Mein Lieblings-Arbeitsweg: Mit dem Zug. Dort wird gearbeitet, gelesen und meditiert. Bild: Bettina Keller Ein Geheimtipp für das Dienstmittagessen in Berlin: Zwischen Tempelhof und Hermannplatz, da ist ein gutes Ziel und man findet ­i mmer Etwas. Yasser Almaamoun ...ist gut vernetzt Ich bin zuständig für ...als ehemaliges Gründungsmitglied der Nachwuchsarchitekt*innen setze ich mich inzwischen mit meinem ausgegründeten Netzwerk AfA „Aktiv für Architektur“ für Funding und Netzwerke bei der Plattform ein. Theresa Keilhacker ...hat immer eine kreative Idee in petto Mein Lieblings-Projekt für den Klimaschutz in Berlin: Kämpfen für den Erhalt und die behutsame energetische Sanierung des Jugendzentrums in Moabit von NGP Architekten aus den 70er Jahren. Damit soll sowohl die soziale Infrastruktur in Mitte erhalten bleiben, als auch Graue Energie und Ressourcen gespart und damit das Klima geschützt werden. Ich bin zuständig für ...die Betreuung von Organisation und ­Initiativen auf unserer Plattform. Bild: Housing Action Day Hier informiere ich mich besonders gerne: Beim Deutschen Architektenblatt (DAB), direkt vor Ort bei der B-TU in Cottbus und bei der Architektenkammer Berlin. Britta Maier ...ruht in sich selbst Mein Lieblings-Projekt für den Klimaschutz in Berlin: Der Housing Action Day, der dieses Jahr bundes- und europaweit stattgefunden hat und mit kreativen Aktionen auf das Problem von hohen und teilweise unbezahlbaren Mieten aufmerksam macht. Wir haben uns dabei mit einem Anti-Abriss-Spaziergang durch den Bezirk Mitte beteiligt. Jeden Tag werden in Berlin Gebäude abgerissen oder sind von Abriss bedroht, um Platz für profitablere Neubauten zu schaffen. Im Bezirk Mitte ist dieser Druck besonders hoch. Spekulativer Leerstand und eine solche Abrisspolitik können wir uns in Zeiten der akuten Klimakrise, knappen Wohnraums und hoher Mieten nicht mehr leisten. Der Anti-Abriss Mein Lieblings-Arbeitsweg: Vom Büro in Moabit diagonal mit dem Fahrrad durch den Tiergarten über die Bellevue-Achse zur Architektenkammer Berlin. Urbanität und Natur pur! Hier informiere ich mich besonders gerne: Natürlich über EUMB Pöschk und das Deutsche Architektenblatt (DAB). Ein Geheimtipp für das Dienstmittagessen in Berlin: Der Italiener am Helgoländer Ufer gleich um die Ecke in Moabit. Spaziergang zeigte auf einer kurzen Route diverse Häuser in Berlin-Mitte, die leer stehen oder/und abgerissen werden sollen, obwohl viel „Graue Energie“ in ihnen steckt.“ Mein Lieblings-Arbeitsweg: Von Pankow entlang der Panke nach Wedding. Die Renaturierung der Panke ist ein Segen für Berlin und für mich eine tolle Rad-Strecke! Hier informiere ich mich besonders gerne: In erster Linie online – und da alles was ich finden kann. Ein Geheimtipp für das Dienstmittagessen in Berlin: Cafe Motte in der Nazarethkirchstraße / Ecke Malplaquetstraße. Das hat zwar nicht immer offen, dafür sind die selbstgemachten Leckerein immer top. zwei 2022 | Seite 18 Tipps & Termine CARBONALE - Festival für Klimakultur Die CARBONALE liefert Inspiration, Information und Partizipation für alle, die mitdenken und mitreden möchten – über das, was ab heute vor uns liegt und wie wir es gestalten können. Anfang Juli bietet die Malzfabrik einen Raum für spannende Diskussionen über Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Einein Tag Klimakultur erleben; mit vielen mal ernsten und mal spielerischen Formaten und ohne Schnörkel. 10. Moabiter Energieund Klimatag Im Nirgendwo, einem wundervollen Ort zwischen Blumen, Bienen und Bässen, treffen wir uns zum ersten Mal seit langem wieder analog, um uns über die Zukunft des Feierns auszutauschen. Neben dem Input von Startnext möchten wir euch Raum geben für eure Fragen und Wünsche – und natürlich zur Vernetzung! Das zehnte Jubiläum des Moabiter Energie- und Klimatags steht an! Geplant und realisiert wird das Info- und Mitmachfestival in diesem Jahr mit dem Kiezfest am Rathaus Tiergarten und der TIM Turmstraßen-Initiative Moabit. In guter Tradition wird das Highlight des Jahres an der Turmstraße stattfinden: Zahlreiche Präsentationen von Moabiter Projekten und Akteuren, ein buntes Kulturprogramm auf der Turm-Bühne vor dem Rathaus und kulinarische Köstlichkeiten für die Besucherinnen und Besucher bereithalten. Thematische Schwerpunkten sind in diesem Jahr Energetische Gebäudesanierung, Stadtgrün und Wasserspeicherung sowie Beratungen zur Energieeffizienz. Im letzten Jahr hat clubtopia einen Code of Conduct "Zukunft Feiern!" veröffentlicht, einen Nachhaltigkeitskodex von und für die Clubszene. Jetzt geht es daran, sich darüber auszutauschen, (voneinander) zu lernen und den Nachhaltigkeitskodex umzusetzen. 31. August 2022 BUND & clubliebe e.V. www.clubtopia.de 2. Juli 2022 Carbonale / Propellabor 10. September 2022 Unternehmensnetzwerk Moabit e.V. www.netzwerk-moabit.de Green World Tour 2022 www.carbonale.com Das Berliner Solargesetz – Vorgaben und Praxis Zum 1. Januar 2023 tritt das Berliner Solargesetz in Kraft. Dieses Gesetz sieht bei Neubauten und umfassenden Dachsanierungen im Bestand die verpflichtende Installation von Solaranlagen vor. Wie groß müssen die Anlagen sein? Was ist eine umfassende Dachsanierung? Welcher Stichtag gilt beim Neubau? Diese und weitere Fragen werden auf einer gemeinsamen Informationsveranstaltung vom VDGN und dem Solarzentrum Berlin beantwortet. 7. Juli 2022 VDGN & SolarZentrum Berlin Zukunft Feiern! Runder Tisch für eine grüne Clubkultur Das Thema Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen rückt immer mehr in den Fokus der Gesellschaft. Wer Inspirationen und Möglichkeiten sucht, um sein eigenes Leben nachhaltiger zu gestalten, kann an zwei Tagen die Messe Green World Tour besuchen: Von veganen Produkten, Jobs mit Sinn bis zu Informationen zu erneuerbaren Energien. Die Messe ist in verschiedene Themenbereiche unterteilt, so wird dem Besucher schnell klar, auf wie vielen Ebenen Nachhaltigkeit funktioniert. Außerdem gibt es interessante Vorträge ­ von Ausstellern. 3. / 4. September 2022 Autarkia www.autarkia.info www.solarwende.berlin.de Green Cities 2035: Welche Beteiligungskultur braucht das 1,5°-Ziel? Ein wirksames Umsteuern vor Ort erfordert auch eine neue gesellschaftliche Verständigung über die notwendigen Schritte und das gemeinsame Projekt der klimaneutralen Kommune. Nicht alle gesellschaftlichen Gruppen profitieren gleichermaßen von diesem Umbau – dennoch geht es darum, die Mehrheiten zu überzeugen. Für ein Gelingen werden neue gesellschaftliche Allianzen gebraucht, die einer klima­ gerechten Lebensrealität zum Durchbuch zu verhelfen. In der Online-Veranstaltung der "Green Cities"-Reihe dikutieren Böll Stiftung und difu Wege für erfolgreiche Beteiligung und Teilhabe. 22. September 2022 Heinrich Böll Stiftung www.boell.de Weitere Veranstaltung, Seminare und Termine finden Sie auf unserer Homepage unter www.berliner-impulse.de/terminkalender. zwei 2022 | Seite 19 M ED I E N EC D ie Energiewende als Bottom-up-Innovation – Wie Pionierprojekte das Energiesystem verändern Wie kann gesellschaftlicher Wandel in Richtung Nachhaltigkeit gelingen? Diese Frage steht letztlich hinter den vielen Debatten, die in Deutschland seit einigen Jahren rund um Themen wie erneuerbare Energien und Klimaschutz geführt werden. Auffällig ist bei der bisherigen Entwicklung der herausragende Stellenwert bürgerlichen Engagements als Wegbereiter und Motor der sogenannten Energiewende. Diese »Energierevolution von unten« in Form von ­B ürgerenergieprojekten macht deutlich, dass eine Zukunft mit erneuerbaren Energien nicht nur technisch, sondern auch gesellschaftlich möglich, und vor allem erwünscht ist. Martin David und Sophia Schönborn untersuchen in Ihrem Buch drei Bürgerenergieprojekte, die bottom up mit innovativen Ideen den deutschen Energiesektor aufmischen. Das Buch zeigt, welche sozialen, politischen und strukturellen Faktoren solche Pionierprojekte für ihren Erfolg benötigen und welchen Konflikten sie auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung begegnen. Martin David, Sophia Schönborn: Die Energiewende als Bottom-up-Innovation – Wie Pionierprojekte das Energiesystem v­ erändern. Oekom Verlag, 144 Seiten, Softcover, 24,95 Euro Pitch Your Green Idea! – Spiel dich zu deiner nachhaltigen Unternehmung Das mehrfach ausgezeichnete Brett-Planspiel „Pitch Your Green Idea!“ bringt allen Interessierten das Thema nachhaltige Organisations­ entwicklung näher. Im geschützten Raum des Spiels können die Teilnehmenden kreative Ideen zur Lösung drängender gesellschaftlicher und ökologischer Probleme entwickeln und sich auf unterhaltsame Weise mit Nachhaltigkeit und Unternehmensführung auseinandersetzen. Entscheidungen können reflektiert werden, ohne tatsächliche Auswirkungen auf die eigentliche Realität befürchten zu müssen. Pitch Your Green Idea! ist modular aufgebaut und kann auf verschiedene Weise angepasst werden. Es funktioniert gleichermaßen als unterhaltsames Gesellschaftsspiel für private Zwecke wie auch auch als Team- und Weiterbildungsevent oder Innovationsmethode für ­U nternehmen und Bildungseinrichtungen. Pitch Your Green Idea! systainchange, 2 bis 12 Spieler*innen, 1 bis 5 Stunden, Spielbrett und 440 Spielkarten, ab 60,00 Euro Entrepreneurship-Kartenspielvariante, 1 bis 12 Spieler*innen, 20-120 Minuten, 89 Spielkarten, ab 26,70 Euro Wir verlosen Buch und Kartenspiel auf dieser Seite im Komplettpaket! Schicken Sie uns bis zum 9. September 2022, 23:59 Uhr eine kurze E-Mail mit dem Betreff GEWINNSPIEL an gewinnen@berliner-impulse.de, um teilzunehmen. Impressum Herausgeber EUMB Pöschk GmbH & Co. KG info@berliner-impulse.de www.berliner-impulse.de Konzept und Umsetzung EUMB Pöschk GmbH & Co.KG Oranienplatz 4 10999 Berlin tel 030 2014 308 0 fax 030 2014 308 10 Redaktion Jürgen Pöschk (Leitung und ViSdPR) Michael Scheuermann scheuermann@berliner-impulse.de 030 2014 308 25 Anzeigenabteilung Nicole Maus maus@berliner-impulse.de 030 2014 308 21 Satz und Gestaltung Michael Scheuermann Druck & Auflage Das Druckteam Berlin; Auf l. insg. 9000 digital + print Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht zwingend die Meinung der Redaktion wieder. Für den Abdruck und die Rücksendung von unverlangt eingeschicktem Material besteht keine Gewähr. Bildnachweise Alle Bilder und Grafiken sind, soweit nicht anders angegeben, Eigentum von EUMB Pöschk. Titelseite: Michael Heise / Unsplash.com Die Cover der Medienecke sind Eigentum der jeweiligen Verlage. E K į Zentrale Studien und Meldungen aus dem Energie- und Klimabereich į Monatlicher Newsletter mit dem Wichtigsten aus Berlin und Bund į Alle Zeitschriftenausgaben online und kostenlos abrufbar weitere Infos auf www.berliner-impulse.de
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