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Full text: Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept ... Issue 2015/16

Integriertes Handlungs- und
Entwicklungskonzept 2015/2016
Quartiersmanagement Mehrower Allee

Stand: 04.06.2015

Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung und Umwelt
Referat IVb "Soziale Stadt"
Württembergische Straße 6
10707 Berlin

Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf
Stadtentwicklungsamt
AG Städtebauförderung
Alice-Salomon-Platz 3
12627 Berlin

Weeber+Partner
Institut für Stadtplanung und
Sozialforschung
Emser Straße 18
10719 Berlin

Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

Inhalt
1

Einleitung

2

2

Gebietsbeschreibung

3

2.1 Allgemeine Gebietsbeschreibung

3

2.2 Gebietsentwicklung

6

3

Leitbild

11

4

Künftiger Handlungsbedarf

13

4.1 Handlungsfeld Bildung, Ausbildung und Jugend

13

4.2 Handlungsfeld Arbeit und Wirtschaft

16

4.3 Handlungsfeld Nachbarschaft (Gemeinwesen, Integration)

17

4.4 Handlungsfeld Öffentlicher Raum

19

4.5 Handlungsfeld Beteiligung, Vernetzung und Einbindung der Partner

20

Fazit

21

5.1 Erläuterung der Prioritätensetzung - künftige Handlungsschwerpunkte

21

5.2 Verstetigung der Ergebnisse

22

Anlagen

24

5

6

1

Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

1 Einleitung
Das vorliegende "Integrierte Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016" ist die achte Fortschreibung seit der Etablierung des Quartiersmanagement-Gebietes und das Ergebnis der laufenden Arbeit
und mit Blick auf die vergangenen zwei Jahre. Es baut auf seinen Vorgängern auf und bildet die Arbeitsgrundlage für den weiteren Prozess im Quartier. Die neue Gliederung wird dabei berücksichtigt.
Folgende wesentliche Änderungen wurden vorgenommen:
 Aktualisierung der statistischen Daten
 Darstellung der Entwicklungen der vergangenen zwei Jahre
 Darstellung des künftigen Handlungsbedarfs im Gebiet

2

Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

2 Gebietsbeschreibung
2.1

Allgemeine Gebietsbeschreibung

Das Quartiersmanagement-Gebiet "Mehrower Allee" befindet sich im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Es
wird begrenzt durch die Märkische Allee, die Mehrower Allee, die Raoul-Wallenberg-Straße und den
Bürgerpark Marzahn. Der Bereich Ringkolonnaden zählt nicht zur Gebietskulisse, die Karl-FriedrichFriesen-Grundschule (roter Kreis) dagegen schon. Das Quartier bildet zusammen mit den stadträumlich
und baulich ähnlichen benachbarten Wohnvierteln den Stadtteil bzw. die Bezirksregion Marzahn-Mitte
und gehört zum Planungsraum Ringkolonnaden. Direkt an der Bundesstraße und der S-Bahn-Linie
gelegen, ist das Gebiet mit der Berliner Innenstadt und auch mit dem nördlichen Umland gut verbunden.
Zahlreiche Bus- und Straßenbahnlinien stellen zudem die
Verbindung in den Stadtteil
sicher.
Seit 2005 ist es Quartiersmanagement-Gebiet mit der
Festlegung Prävention (Kategorie III). Gleichzeitig gehört
das Gebiet zur Kulisse Aktionsraum der Großsiedlung
Nord-Marzahn/
NordHellersdorf.

Geoportal Berlin/Luftbild 2014

Stadträumliche und bauliche Struktur
Das Quartier Mehrower Allee ist Teil der Großsiedlung Marzahn, die Ende der 1970er/Anfang der
1980er Jahre entstand. Weitläufige Grünflächen, ein breites Spektrum an Versorgungs- und Infrastruktureinrichtungen und typische Großsiedlungsstrukturen prägen den Charakter dieses Wohnviertels.
Plattenbauten unterschiedlicher Typen mit 5, 10 und 11 Geschossen sowie Wohnhochhäuser mit 18
bzw. 21 Geschossen sowie mehrgeschossige Wohnbebauung aus den 1990er Jahren bestimmen die
bauliche Struktur.
Die rund 5.500 Wohnungen im QM-Gebiet befinden sich im Besitz von insgesamt sieben Eigentümern:
WG Marzahner Tor eG, degewo Marzahner Wohnungsgesellschaft mbH, die holländische Volker Wessels-/Reggeborgh-Gruppe, vertreten durch die allod Immobilien- und Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH & Co. KG, horizont eG, Fortuna eG, "Plaza Marzahn" und Immobilien Krulich GmbH. Marzahner Tor, degewo und allod sind die größten Akteure vor Ort.
Fast alle Bestände sind weitgehend, teilweise auch altersgerecht, saniert und weisen einen guten Stan3

Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

dard auf. Laut Mietspiegel1 ist das QM-Gebiet überwiegend als einfache Wohnlage ausgewiesen, nur
vereinzelt im südlichen Bereich entlang der Raoul-Wallenberg-Straße gibt es mittlere Wohnlagen. Die
Nettokaltmieten für die Wohnungen liegen aktuell zwischen ca. 4,70 Euro/m² und 9,00 Euro/m². Der
Wohnungsleerstand im Quartier beträgt inzwischen nur noch ca. 3 %2.
Bevölkerungsstruktur und -entwicklung
Im QM-Gebiet Mehrower Allee lebten Ende Juni 2014 rund 8.300 Einwohner. Nach einem bisherigen
Höchststand Ende 2013 ist die Einwohnerzahl wieder gesunken (-1 %). Der Anteil an Menschen über
65 Jahre ist mit inzwischen fast 24 % überdurchschnittlich (Marzahn-Hellersdorf 18 %, Berlin 19 %), der
an Kindern und Jugendlichen mit nur 11 % bleibt dagegen sehr gering (Bezirk/Berlin: 16 %/15 %), obwohl die Anzahl der Kinder bis unter 15 Jahren und dabei vor allem der unter 6-Jährigen gestiegen ist.
Im Vergleich zu Ende 2013 sind weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter hier zu Hause. Menschen
mit Migrationshintergrund machen inzwischen 16 % der Bewohnerschaft aus, deren Anteil ist in den
letzten Jahren stetig gestiegen. Die meisten Migranten sind Spätaussiedler sowie Bewohner vietnamesischer Herkunft.
Bewohnerstruktur 2013/2014
Quartiersmanagement-Gebiet Mehrower Allee

Stadtteil
MarzahnMitte

Bezirk
MarzahnHellersdorf

Berlin gesamt

Einwohner
(Stand: 30.06.2014)

8.315

geringer Verlust im Vergleich zu Ende 2013

> 65 Jahre:

24 %

leicht gestiegen

17 %

18 %

19 %

< 18 Jahre:

11 %

gleichbleibend gering

15 %

16 %

15 %

Arbeitslosenanteil
(Stand: 31.12.2013)

8%

abnehmend

Transferleistungsempfänger
(Stand: 31.12.2013)

23 %

abnehmend

31 %

23 %**

14 %

mit Migrationshintergrund
(Stand: 30.06.2014)

16 %

zunehmend

16 %

12 %**

27 %

Ausländer
(Stand: 30.06.2014)

7%

zunehmend

6%

5%

14 %

Quartiersmanagementgebiete
Berlin gesamt 9 %*

6%

*Auf den räumlichen Ebenen Stadtteil Marzahn-Mitte und Bezirk Marzahn-Hellersdorf liegen keine vergleichbaren Daten zum Arbeitslosenanteil vor. Vergleichend sind die Angaben zu allen Berliner Quartiersmanagement-Gebieten aufgeführt.
**Die Angaben haben den Stand von 31.12.2012.

Im Planungsraum Ringkolonnaden, zu dem auch das QM-Gebiet gehört, lag der Arbeitslosenanteil Ende 2013 bei knapp 8 %. Er ist seit Jahren rückläufig. Auf Transfereinkommen sind gut 23 % der Einwohner angewiesen. Der Anteil geht ebenfalls kontinuierlich zurück, Ende 2010 hatte er noch bei 26 %
gelegen. Diese Entwicklung entspricht auch der, die der Bezirk und die Gesamtstadt verzeichneten.
Die Bewohnerschaft hat sich innerhalb der letzten 20 Jahre im Quartier in weiten Teilen ausgetauscht
und verändert sich weiter. Aktuell leben ältere, gut gebildete, dem Quartier sehr verbundene Erstmieter
mit meist auskömmlichen Renten neben in Schwierigkeiten geratenen Haushalten. Im Wesentlichen ist
es die ältere Bewohnerschaft, die dazu beiträgt, dass die Situation im Gebiet insgesamt stabil ist. Deren
Fluktuation ist verhältnismäßig gering und die Wohnverhältnisse zeichnen sich oft durch lange Mietdau1
2

Siehe Wohnlagenkarte zum Mietspiegel 2013.
Vergleich 2010: ca. 5 %

4

Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

er aus. Gleichwohl sind auch bei ihnen Altersarmut, Hilfsbedürftigkeit und Rückzug in die Einsamkeit zu
beobachten. Die soziale Situation vor allem unter der älteren Quartiersbevölkerung verschiebt sich aufgrund der natürlichen Entwicklung, immer mehr Menschen mit gebrochenen Arbeits- und Lebensbiografien kommen ins Rentenalter. Die Gruppe der Erstmieter wird kleiner, größer dagegen wird die Gruppe
der mit der Wende ins Abseits geratenen Generation der damals um die 50-Jährigen.
Neu zugezogene Bewohner befinden sich zum Teil in sehr schwierigen sozialen Lebenslagen meist mit
prekären Einkommen (im Sozialraum Ringkolonnaden leben ca. 50 % der unter 15-Jährigen von
HARTZ IV). Dazu gehören Migranten sowie vermehrt junge Erwachsene und Haushalte mit Kindern
deutscher Herkunft mit Transfereinkommen, teils geringem Bildungsniveau und unzureichenden Erziehungskompetenzen. Insgesamt wird ein deutlicher Generationenumbruch erwartet, was die Stabilität –
in Abhängigkeit von künftigen Wanderungsbewegungen – des Quartiers gefährden kann.
Auf der anderen Seite steigt aber nach Angaben der Wohnungsunternehmen, gestützt durch Hinweise
aus der Kita und der Grundschule, auch die Nachfrage von Mietinteressenten mit eigenem Einkommen
wieder. Dies ist vor allem den baulichen Veränderungen und der damit verbundenen Imageverbesserung des Quartiers geschuldet. Die Wohnungsunternehmen bemerken aber auch, dass die KitaKnappheit vor allem für berufstätige Eltern ein Hindernis für einen Zuzug darstellt. Die teils altersgerechten Sanierungen bei den Wohnungsunternehmen haben den Zuzug auch älterer Mieter verstärkt. Insgesamt erfordert diese Entwicklung eine verstärkte Moderation bei der Nutzung von Stadträumen durch
unterschiedliche Generationen.
Infrastrukturausstattung
Das Quartier verfügt über ein breites Spektrum an Infrastruktur- und Versorgungsangeboten. Ein lokales Versorgungszentrum (Plaza Marzahn mit rund 25 Anbietern) mit verschiedenen Einzelhandels- und
Dienstleistungsangeboten gibt es entlang der Mehrower Allee. Überdurchschnittlich gut ist die Versorgungssituation mit Gesundheitsangeboten: in den beiden Gebäuden des Gesundheitszentrums
RENTAmed konzentrieren sich ca. 35 Ärzte und 15 Therapiepraxen. Das Zentrum ist für die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung im Gebiet sehr wichtig und auch für das nördlich angrenzende
Wohngebiet.
Im Quartier gibt es zwei Kindertagesstätten. Die vom Eigenbetrieb Kindergärten NordOst betriebene
Kita Sonnenschein betreut aktuell rund 180 Kinder bis zur Einschulung. Die im Jahr 2011 eröffnete Kita
Kreuz&Quer des DRK Kreisverbandes NordOst e.V. hat derzeit 85 Kinder im Alter von unter einem Jahr
bis sieben Jahre in der Betreuung. Die dem Quartier zugehörige Karl-Friedrich-Friesen-Grundschule ist
eine verlässliche Halbtagsgrundschule mit aktuell 385 Schülerinnen und Schülern. Das Profil der Schule
setzt auf Bewegung und Gesundheit. Der Ausbau und die Erweiterung der Grundschule in den Jahren
2012-2014 mit Mitteln aus dem Programm Stadtumbau Ost hatte auch das Ziel, diese Schule als Quartiersschule aufzubauen. Gegenwärtig wird der Schulhof aufgewertet. Zentral im Quartier liegt die Tagore-Schule. Als eines von fünf Gymnasien im Bezirk hat sie seit Jahren einen guten Zulauf und aktuell
gut 800 Schülerinnen und Schüler. Gebäude und auch Schulhof wurden vor einigen Jahren saniert. Im
nördlich angrenzenden Gebiet befindet sich die Thüringen-Schule, die sich zusammen mit der BrunoBettelheim-Grundschule zu einer Gemeinschaftsschule entwickelt hat. Zahlreiche Kinder und Jugendliche auch aus dem QM-Gebiet besuchen diese Schule. Das Kinder- und Jugendhilfezentrum des gesamten Stadtteils ist im Quartier ansässig (Kinder-, Jugend- und Familienzentrum DRehKreuz des DRK
KV NordOst e.V.). Neben einer Vielzahl an Beratungs- und Betreuungsangeboten im Rahmen von Hilfen zur Erziehung unterhält der Träger auch einen offenen Treff für Kinder und Jugendliche und das
Familiencafé mit einer Vielzahl an Angeboten für unterschiedliche Zielgruppen. Weitere Kinder- und
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Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

Jugendfreizeiteinrichtungen liegen außerhalb des Quartiers, werden jedoch auch von Kindern und Jugendlichen hier genutzt: M3 (Haus der Begegnung M3 e.V.), IMPULS (Kinderring-Berlin e.V.) und FAIR
(Humanistischer Verband Deutschlands, LV Berlin-Brandenburg e.V.), Zirkus Cabuwazi-Springling
(GrenzKultur gGmbH); Unser Platz (Sportplatz), Schwarzburger Straße (dissens e.V.).
Das Quartier ist sowohl für den Sportunterricht als auch für den Vereins- und Freizeitsport gut mit
Sportanlagen ausgestattet: Sportanlage Walter-Felsenstein-Straße, Beachvolleyballplatz Alfred-DöblinStraße, drei Schulsporthallen sowie die Kiezsporthalle mit Mehrzweckraum für den Jugendbereich.
Das, was in anderen QM-Gebieten die Nachbarschaftscafés sind, ist im Gebiet Mehrower Allee der
"Garten der Begegnung". Von den Bewohnerinnen und Bewohnern, den Einrichtungs- und Projektträgern wird der Garten intensiv genutzt. Außerdem betreibt die WG Marzahner Tor eG die Begegnungsstätte "Wohnfühltreff", die von der Mieterschaft gut in Anspruch genommen wird. Angebote für Nachbarn gibt es durchaus auch im Familienzentrum DRehKreuz sowie inzwischen vereinzelt bereits in neu
geschaffenen Räumen der Karl-Friedrich-Friesen-Grundschule, im Seniorenzentrum POLIMAR.
Akteure der Gebietsentwicklung
Im Ergebnis von Vernetzung und jahrelanger Zusammenarbeit sind inzwischen alle im Quartier sowie in
der näheren Umgebung agierenden Einrichtungen und Vereine Partner für die Quartiersentwicklung:

Quelle: Quartiersmanagement Mehrower Allee/Weeber+Partner

2.2

Gebietsentwicklung

In den vergangenen zwei Jahren wurden weitere Schritte unternommen, um die Quartiersbevölkerung
zu aktivieren sowie Partnerschaften und Netzwerke im Quartier aufzubauen und zu stabilisieren. Eine
Grundlage dazu bildet das vom Quartiersmanagement 2014 erstellte Beteiligungskonzept.
Aktivierung der Bewohnerinnen und Bewohner
 Die Beteiligung im Quartier insgesamt ist gewachsen. Während sich an unterschiedlichen Nachbarschaftstreffs durchschnittlich 20 Bewohnerinnen und Bewohner beteiligen, sind bei größeren Events
wie Stundenlauf, Kiez4All-Fest bis zu 500 Menschen dabei.
 In erster Linie gelang es, vor allem ältere Bewohnerinnen und Bewohner zu aktivieren. Diese Bewohnergruppe zeichnet sich oft durch ein großes Interesse an gemeinsamen Aktivitäten aus.
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Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

 Die Bewohnerschaft unter 50 Jahren gelingt es in nachbarschaftliche Aktivitäten einzubeziehen,
wenn deren individuelle Interessen angesprochen werden. So wurden Bewohner dieser Altersgruppen in den vergangenen zwei Jahren durch die Möglichkeit, Bewohnerbeete im Garten der Begegnung zu nutzen, animiert, sich in eine nachbarschaftliche Gemeinschaft zu begeben. Derselbe Effekt
konnte mit den Familiensportsonntagen erreicht werden.
 Kinder und Jugendliche werden durch generationsübergreifende Aktionen einbezogen (Berufe vorstellen in der Kita, Kreative Nachmittage in der Karl-Friedrich-Friesen-Grundschule). Mit dem Ende
2014 gestarteten Projekt Aufbau eines Jugendrates wird im Quartier ein Netzwerk aus engagierten
und motivierten jungen Menschen aufgebaut, die erste Projektideen entwickelt und Verantwortung
für deren Umsetzung übernommen haben.
 Um Schülerinnen und Schüler des Tagore-Gymnasiums für die Quartiersentwicklung zu gewinnen,
wurden deren Ressourcen für kleinere Aufwertungsmaßnahmen und Kunstprojekte genutzt (Gestaltung der Außenfassade und des Theaterraumes in der Kita Sonnenschein, Kiezfilm).
 Kontakte zur größten Migrantengruppe im Quartier - Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler - wurden intensiviert. Die meisten sind inzwischen gut integriert, viele beteiligen sich an Quartiersaktivitäten und gestalten diese aktiv mit. Es gelang, Kontakte zu einer Gruppe junger Spätaussiedlerinnen
und Spätaussiedler aufzubauen, die eine Art Patenschaft für die Beachvolleyballanlage übernommen haben, indem sie diese 2014 durch Arbeitseinsätze sauber hielten.
 Durch den Einsatz von vietnamesischen Bewohnerinnen und Bewohnern als Multiplikatoren gelang
der Zugang zu dieser Migrantengruppe. Einzelne Patenschaften mit vietnamesischen Familien gibt
es im Quartier, es erweist sich aber als sehr schwierig, neue zu initiieren, da hier große kulturelle
und sprachliche Hürden bestehen.
 Bei der letzten Quartiersratswahl Anfang 2014 kandidierten 14 Bewohnerinnen und Bewohner.
Knapp 100 Personen hatten den Quartiersrat gewählt, das sind zwar doppelt so viele wie bei der
Wahl 2011, aber immer noch zu wenige.
 Die Selbstorganisationspotenziale der Bewohnerinnen und Bewohner sind nach wie vor eher gering.
Impulse gehen meist vom Quartiersmanagement bzw. den Nachbarschaftsprojekten aus. Inzwischen gibt es jedoch eine Reihe kleinerer Projekte, die nicht mehr oder nur in ganz geringem Umfang gefördert werden, aber noch nicht ganz ohne Begleitung auskommen.
Verantwortung für den Kiez
Die Art der Zusammenarbeit und der Verantwortung für das Quartier hat sich mit der Zeit verändert.
Wesentlich neue Qualität haben unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit und Kooperation der
Akteure untereinander:
 So agieren Steuerungsrunde und Quartiersrat seit 2009 gemeinsam, wenn es um die Entwicklung
von Projekten und die Entscheidung um ihre Förderungen geht. Einzelne Mitglieder der Steuerungsrunde und der Fachämter nehmen an den Startgesprächen zu den neuen Projekten teil, sie sind in
die Projektentwicklung involviert und stehen mit ihrem Fachwissen zur Verfügung.
 Unter der Bewohnerschaft sind es vor allem die Mitglieder des Quartiersrates und des Vergabebeirates, die Verantwortung für den Kiez übernehmen, indem sie regelmäßig über Ideen, Strategien, Perspektiven und konkrete Vorhaben für das Quartier beraten, gemeinsam mit anderen Akteuren Maßnahmen entwickeln und über die Verwendung der verfügbaren Fördermittel entscheiden.
 Einzelne Bewohnerinnen und Bewohner zeigen ihre Verantwortung für den Kiez, indem sie Projekte
initiieren und – teils ehrenamtlich – umsetzen: Bildungsspaziergänge und Informationsveranstaltungen von Bewohnern für Bewohner, Lesepaten an der Grundschule, Berufe vorstellen in der Kita, Betreuung von Frauensportgruppen, gemeinsame Wanderungen, Garteneinsätze, aber auch Kiezschaufenster, Männertreff, Offener Tanztreff und Stundenlauf sind weitgehend bewohnerinitiierte
Projekte.
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Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

 Inzwischen agieren Partner der Quartiersentwicklung – unabhängig von der Förderung des Quartiersmanagements – auch miteinander, so sind beispielsweise Kooperationen zwischen der WG
Marzahner Tor und der Kita Sonnenschein, zwischen der allod und der Karl-Friedrich-FriesenGrundschule, zwischen der Kita Sonnenschein und der Tagore-Schule, zwischen der Agrarbörse als
Träger des Gartens und der Karl-Friedrich-Friesen-Grundschule entstanden und die Wohnungsunternehmen haben sich zu gemeinsamen Aktionen wie dem Wohnführerschein vernetzt.
Der öffentliche Raum hat für das Quartier besondere Bedeutung. Hier hat sich in den Jahren seit Beginn des Verfahrens viel getan. Neben Mitteln aus dem Städtebauförderungsprogramm Stadtumbau Ost
und zahlreichen Investitionen der Wohnungsunternehmen hat auch der Strategiewechsel im Rahmen
der Sozialen Stadt, wonach seit 2007/2008 auch in dieses Quartier investive Mittel (QF 4/Baufonds)
fließen konnten, beigetragen und deutliche Entwicklungsimpulse gegeben.
 Die Beachvolleyballanlage, die Aufstellung von Bänken vor allem entlang der öffentlichen Hauptwege und Plätze, kleine Ausbesserungen an Wegen, die Errichtung des Niedrigseilgartens und des Elterntreffs in der Kita Sonnenschein, die Sanierung der Kiezsporthalle und dabei die Einrichtung eines
Mehrzweckraumes für gemeinschaftliche Aktivitäten haben das Quartier attraktiver gemacht und
auch das Interesse bisher unbeteiligter Bewohnerinnen und Bewohner geweckt.
 Seit 2007 wird der Garten der Begegnung entwickelt und aufgewertet: 2011 wurde hier mit Mitteln
des Programms Soziale Stadt ein Gartenhaus errichtet, 2014 entstanden aus Mitteln der Zukunftsinitiative Stadtteil, Teilprogramm Bildung im Quartier, ein Öko-Labor und ein Grünes Klassenzimmer,
wobei sich der Fördernehmer – Agrarbörse Deutschland Ost e.V. – am Projekt mit 50 % beteiligte.
2015/2016 werden weitere 100.000 Euro aus dem Programm Soziale Stadt für die barrierearme und
ökologische Weiterentwicklung des Gartens der Begegnung zur Verfügung gestellt.
 Die Karl-Friedrich-Friesen-Grundschule wurde aus Mitteln des Programms Stadtumbau Ost energetisch saniert und erweitert. Derzeit erfolgt die energetische Sanierung der Turnhalle der Grundschule
aus dem Sportstättensanierungsprogramm. 2014–2015 stehen aus dem Programm Soziale Stadt
ca. 800.000 Euro zur Verfügung, um den Schulhof zu qualifizieren.
 Einen besonderen Impuls für das Quartier und darüber hinaus bedeutete die Idee, einen Hochzeitspark zu entwickeln. Aus dieser Idee ist seit Ende 2007 ein stark nachgefragtes und kontinuierlich
gewachsenes Projekt entstanden, im November 2014 wurde hier der 209. Baum gepflanzt. 2015
wird mit weiteren 200.000 Euro aus dem Programm Soziale Stadt ein Eingangsbereich geschaffen,
der auch Außenstehenden ermöglicht, die Besonderheit des Parks zu erkennen.
 Aus dem Programm Soziale Stadt wurden 2012 im Kinder-, Jugend- und Familienzentrum des DRK
ein Familiencafé und ein Kitagarten geschaffen. 2014 wurden ca. 180.000 Euro für die Errichtung eines Familiengartens zur Verfügung gestellt.
 Von einem privaten Investor wird zurzeit das ehemalige Kitagebäude in der Alfred-Döblin-Straße zu
einem Seniorendomizil Vivre Ensemble-Gemeinsam Leben bis August 2015 umgebaut, erste Bewohner sind bereits eingezogen. Inzwischen wurde das Haus auf Initiative des QMs zweimal besichtigt und es gibt erste Gedanken für künftige gemeinsame Aktivitäten.
 Das seit Jahren leer stehende Terrassenhaus am Bürgerpark wurde von der Freien evangelischen
Kirchgemeinde erworben und wird seither mit eigenen Mitteln und daher voraussichtlich über einen
längeren Zeitraum hinweg saniert. Künftige Nutzungen und mögliche Impulse für die Quartiersentwicklung sind derzeit noch nicht absehbar.
Vernetzung
 Alle im Quartier agierenden Einrichtungen und Vereine bzw. Interessenvertreter sind inzwischen
Partner für die Quartiersentwicklung und auch im Quartiersrat dabei. Darüber hinaus gibt es mit einzelnen Trägern zeitlich begrenzte projektbezogene Kooperationen.
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 Die Zusammenarbeit mit bezirklichen Fachverwaltungen ist über die Verantwortliche für das Quartiersverfahren (Stadtentwicklung) und die Steuerungsrunde (Jugend, Stadtplanung, Gesundheit) regelmäßig sowie mit weiteren Fachressorts (vor allem Straßen- und Grünflächenamt, aber auch
Schule) projektbezogen gegeben.
 Die Zusammenarbeit mit den Wohnungsunternehmen Marzahner Tor, degewo und allod hat eine
besondere Qualität. Alle drei Unternehmen sind in der Steuerungsrunde vertreten. Außerdem werden gemeinsame Projekte entwickelt und kooperativ umgesetzt, so ist beispielsweise das Projekt
Wohnführerschein entstanden, das seit 2015 als Netzwerkfondsprojekt an weiterführenden Schulen
in Marzahn-Hellersdorf stattfindet. Bis 2014 wurde ein gemeinsamer Balkonwettbewerb der Wohnungsunternehmen Marzahner Tor, degewo, allod und Fortuna durchgeführt. 2015 entstand die Idee
für ein neues gemeinsames Projekt "fröhlich-bunt-gesund – Marzahn schmeckt!", das Anfang Mai
2015 mit einem Fest im Garten der Begegnung startete.
 Zur Steuerungsrunde gehört auch die Leiterin des Stadtteilzentrums Marzahn-Mitte, das nicht im
Quartier liegt. Damit ist eine Zusammenarbeit hinsichtlich der Aktivierung der Bewohnerschaft, der
Entwicklung sowie der Abstimmung nachbarschaftlicher Projekte möglich und gewährleistet.
 Die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen, Einrichtungen und Initiativen hat in den vergangenen
zwei Jahren vor allem innerhalb geförderter Projekte zugenommen. Verstärkt wurde sie zwischen
der Grundschule und der Agrarbörse, da die Grundschule im Garten der Begegnung drei Beete bewirtschaftet und an den Bildungsveranstaltungen im Garten teilnimmt.
 Im Rahmen der Entwicklung der Grundschule zu einer Quartiersschule verstärkte sich auch deren
Kooperation mit der Kita Sonnenschein insbesondere beim Übergang Kita/Schule (gemeinsame Elternversammlungen, Teilnahme der Vorschüler an den Schulfesten).
 Die Kita Sonnenschein hat seit 2013 einen Kooperationsvertrag mit der WG Marzahner Tor. Die
Genossenschaft unterstützt die Vorschulfahrten der Kita finanziell, die Vorschulkinder treten regelmäßig in der Begegnungsstätte der Genossenschaft zur kulturellen Umrahmung der Geburtstagsfeier auf.
 Allod, Alba Berlin und die Karl-Friedrich-Friesen-Grundschule haben im Rahmen der ALBAJugendpartnerschaften und -grundschulliga einen Kooperationsvertrag geschlossen, was für die
Entwicklung der Grundschule neue Möglichkeiten eröffnet.
 In den letzten Jahren wurde im Quartier ein Nachbarschaftsnetzwerk aufgebaut, mit dem alle Bewohnergruppen angesprochen wurden. Besonders ältere Bewohnerinnen und Bewohner, die in ihrer
neuen Lebensphase nach Ende der Erwerbstätigkeit für die Übernahme ehrenamtlicher sinnstiftender Aufgaben bereit sind, beteiligen sich und bestimmen so das Miteinander im Quartier aktiv mit.
Um auch Familien mit Kindern besser zu erreichen, wurde das bestehende Nachbarschaftsnetzwerk
Anfang 2015 zu einem Netzwerk für Familie und Nachbarschaft. Eine Netzwerkgruppe, bestehend
aus engagierten Bewohnerinnen und Bewohnern und Institutionen wie Kita und Schule, setzt sich
seither dafür ein, dass Belange der jüngeren Generation im Quartier stärker berücksichtigt werden
und entwickelt unterschiedliche Angebote und Aktionen auch für Familien.
 Das Quartiersmanagement war Mitglied im Begleitausschuss zum Bundesprogramm TOLERANZ
FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend im Stadtteil Marzahn-Mitte sowie in der dortigen Vernetzungsrunde. Das Programm endete
2014. Im neuen Bundesprogramms "Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und
Menschenfeindlichkeit" in den nächsten fünf Jahren hat das Quartiersmanagement zusammen mit
den anderen Marzahn-Hellersdorfer QM-Gebieten eine Stimme im Begleitausschuss.
Bildungssituation
 In der Kita Sonnenschein (Kindergärten NordOst, Eigenbetrieb von Berlin) werden 180 Kinder von 0
bis 6 Jahre in 12 Gruppen von 30 Erzieherinnen betreut. Ca. 20 % der Kinder haben einen Migrationshintergrund, ca. 9 % sind Kinder mit Behinderungen und Entwicklungsverzögerungen. Die Kita
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profiliert sich als gesundheitsbewusste, bewegungsfreundliche und sprachbetonte Einrichtung. Die
Elternschule, die bis Ende 2013 aus dem Programm Soziale Stadt gefördert wurde, wird mit eigenen
Mitteln fortgesetzt. Im Rahmen der Offensive Frühe Chancen wird die Kita durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Das Ziel der Offensive besteht in der frühestmöglichen Unterstützung der Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung mittels alltagsintegrierter
sprachlicher Bildung und Förderung.
In der Kita Kreuz&Quer (neu seit 10/2011, DRK Kreisverband NordOst e.V.) werden inzwischen 85
Kinder von 15 Erzieherinnen und Erziehern in 6 Gruppen betreut. Ca. 10 % der Kinder haben einen
Migrationshintergrund, ca. 10 % sind Kinder mit besonderem Entwicklungsbedarf. Um die kindliche
und frühkindliche kulturelle Bildung in der Kita nachhaltig zu stärken, gibt es eine Partnerschaft zwischen Kita und einer Theatergruppe (Theater ohne Namen3).
Die Karl-Friedrich-Friesen-Grundschule als Schule mit offenem Ganztagsbetrieb wurde um einen 4geschossigen Anbau und zwei eingeschossige Pavillons erweitert und ist zu einem attraktiven Bildungsstandort geworden. 385 Schülerinnen und Schüler werden von 20 Lehrerinnen und Lehrern in
16 Klassen unterrichtet. 170 Kinder werden von 12 Erzieherinnen im Hort (OGB) betreut. Der Anteil
an Kindern mit Migrationshintergrund ist zurückgegangen und beträgt ca. 18 %. Ca. 50 % der Schülerinnen und Schüler sind lernmittelbefreit. Mit Beginn des Schuljahres 2014/2015 wurde von der
jahrgangsübergreifenden Schuleingangsphase Abstand genommen. Seit September 2014 hat die
Schule eine Sozialarbeiterin, Träger ist die Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit gGmbH.
Als "bewegte" und "gesunde" Schule nimmt sie am INKA-Programm für Inklusion und am Landesprogramm "Gute gesunde Schule" teil und entwickelt sich zu einer Quartiersschule. 12 ehrenamtliche Lesepaten sind an der Schule seit Jahren aktiv und unterstützen Kinder mit Leseschwächen.
Durch das sprachlich und künstlerisch profilierte Tagore-Gymnasium, dessen Angebote und Qualität
sowie das zunehmende Engagement vor Ort ist das Quartier besonders bevorzugt. Hier werden ca.
800 Schülerinnen und Schüler von 68 Lehrerinnen und Lehrern, davon 12 Referendare, unterrichtet.
Ca. 19 % der Schülerinnen und Schüler haben einen Migrationshintergrund. Die Lernmittelbefreiung
liegt bei ca. 30 %. An der Schule gibt es zahlreiche Arbeitsgemeinschaften wie Chor, Volleyball,
Theater, Film, Keramik usw.
Zu einer erlebnisorientierten Grünen Bildungsstätte in der Natur entwickelt sich der Garten der Begegnung (Agrarbörse Deutschland Ost e.V.). Im Rahmen des BIQ-Projektes wurde ein erstes Bildungskonzept erstellt, das auf Kinder, Familien, Lehrer und Erzieher zielt. Einzelne Bildungsveranstaltungen für Kitas und Schulen werden mit großem Erfolg umgesetzt.

Lebendiger Kiez
 Durch die Aktivitäten des Quartiersmanagements und der dadurch initiierten Projekte und Aktionen
hat sich das Quartier in den letzten Jahren sehr verändert und durchaus auch sichtbar belebt, ohne
dabei jedoch innerstädtische Urbanität zu erreichen. Gründe dafür sind eine verbesserte Aufenthaltsqualität in Teilen des Quartiers, vielfältige soziokulturelle Aktionen aller Akteure sowie eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit (Quartiers-Homepage, Veranstaltungskalender, …). Eine besondere Rolle dafür spielen der Garten der Begegnung und zahlreiche kleine Nachbarschaftstreffs als Orte sowie die engagierten Aktivitäten im Nachbarschaftsnetzwerk.
 Das Quartier hat im soziokulturellen und nachbarschaftlichen Bereich kein eigentliches Zentrum,
verfügt aber über eine Reihe dezentraler Treffpunkte: Familienzentrum DRehKreuz (DRK); Garten
der Begegnung mit Gartenhaus (Agrarbörse Deutschland Ost e.V.); Elterntreff in der Kita Sonnenschein, Kiezsporthalle (FC NORDOST Berlin e.V.); Gewerkschaftlicher KIEZ-Treff (Ortsverein Berlin
3

DRK-Kreisverband Berlin-Nordost e.V., zum Konzept Kita Kreuz&Quer heißt es auf der Internetseite: "Deshalb sind wir eine Kooperation mit dem "Theater
ohne Namen" eingegangen und haben uns gemeinsam für das Projekt "TUKI" (Theater und Kita) beworben. TUKI ist ein lebendiges Partnerschaftsmodell
zwischen Kitas und Theatern für Kinder, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die kindliche und frühkindliche kulturelle Bildung in Berlin nachhaltig zu stärken." (URL: http://drk-berlin-nordost.de/kindergarten/konzept/tuki-kita.html, 18.05.2015)

10

Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

Ost ver.di/DGB); Wohnfühltreff der WG Marzahner Tor eG, Seniorenzentrum POLIMAR. Darüber
hinaus können auch Angebote im Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte an der Marzahner Promenade
(Volkssolidarität e.V.); im Frauentreff HellMa, in der Bezirkszentralbibliothek "Mark Twain", im Freizeitforum Marzahn oder auch im Don-Bosco-Haus genutzt werden.
 Einer großen Beliebtheit erfreuen sich unterschiedliche sportliche Angebote, die zum Teil bereits
ohne Förderung fortgeführt werden: Familiensportsonntage, Frauensport 50+, Laufgruppe 3000
Schritte extra, Laufgruppe "Laufen und Walken", Offener TanzTreff.
 Es gelang, mit besonderen Aktivitäten kleine Traditionen im Jahresverlauf zu entwickeln: Stundenlauf im Bürgerpark Marzahn im September, Nachbarschaftstag im Mai, Pflanzfeste im Hochzeitspark
im April und November sowie ein größeres Quartiersfest pro Jahr in Kooperation mit jeweils einer
Einrichtung des Quartiers.
Wohnen und Wohnumfeld
 Die Wohnungsbestände im QM-Gebiet sind, bis auf wenige Ausnahmen, weitgehend saniert. Von
einem oft zitierten "tristen Grau" der Großsiedlung ist somit – bis auf wenige unsanierte Reste – nur
noch wenig übrig (Terrassenhaus, Ringkolonnaden Nord, Wohnhochhäuser der Ludwig-RennStraße).
 Derzeit wird das Gebäude der WG Marzahner Tor in der Sella-Hasse-Straße 27–33 barrierearm
umgestaltet und einige Wohnungen werden zusammengelegt. Für das kommende Jahr ist die Umgestaltung der dazugehörigen Grünfläche, die sich zwischen Tagore-Schule und Wohngebäude befindet, geplant. In diesem Zusammenhang könnte auch über eine Neugestaltung des öffentlichen
Spielplatzes sowie über die Wegesituation nachgedacht werden. Derzeit gibt es nur einen Trampelpfad zwischen Walter-Felsenstein und Sella-Hasse-Straße.
 Ein großzügiges Wohnumfeld und zahlreiche Grün- und Freiflächen sind charakteristisch für das
Quartier. Seit 2005 sind sie in hoher Qualität mit Förderung aus den Bund-Länder-Programmen
Stadtumbau Ost und Soziale Stadt, aber auch durch das Engagement privater Investoren, darunter
vor allem durch die Wohnungseigentümer, sichtbar aufgewertet worden.

3 Leitbild
Die Entwicklung des Quartiers an der Mehrower Allee als Teil der Großsiedlung ist an deren Entwicklungsoptionen geknüpft. Das zeigt sich vor allem daran, dass zu Beginn des Quartiersverfahrens 2005
die Entwicklungsstrategie für die gesamte Großsiedlung stark durch die gravierenden Probleme, die
sich aus dem Wohnungsleerstand und seinen Folgen ergaben, geprägt war. Sie bewegte sich im Spannungsfeld zwischen Rückbau von Wohnungen und Infrastruktur auf der einen und Aufwertung der Siedlung auf der anderen Seite. Außerdem galt nach wie vor das Entwicklungsprinzip, das schon zu Beginn
der 1990er Jahre entwickelt worden war und auf eine kleinräumige Strukturierung der Großsiedlung und
eine differenzierte Entwicklung von Stadtteilen und Quartieren abzielte. Damit sollte Bedürfnissen ganz
unterschiedlicher Zielgruppen entsprochen und Segregation vorgebeugt werden. Diesen Prämissen
folgten auch Leitbild und Strategieentwicklung für das Quartier: "Ruhiges Wohnen im grünen Viertel
(innerhalb der Großsiedlung)" war 2005/2006 erster Entwicklungsgedanke, der anschließend zu "Miteinander leben im grünen Viertel" modifiziert sowie durch strategische Ziele, wesentliche Handlungsfelder und Maßnahmen untersetzt wurde.
Auch gut zehn Jahre nach Einrichtung des Quartiersmanagements ist dieser Ansatz richtig und weiterhin wichtig. Zumal sich die "Entwicklungsvorzeichen" in den letzten Jahren im gesamten Stadtteil und im
Quartier geändert haben. Die gesamtstädtischen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt, insbesondere die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum sind auch im Gebiet Mehrower Allee spürbar. Es gibt so
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Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

gut wie keinen Wohnungsleerstand, die Nachfrage nach Kita- und Schulplätzen ist seit Langem hoch
und es sind vermehrt Zuzüge ins Gebiet zu beobachten.
Es sind vor allem die Stärken des Quartiers wie gute Wohnstandards bei vergleichsweise bezahlbaren
Mieten, weitläufige und qualitativ hochwertige Freiflächen, eine gute Versorgungsstruktur und gute Verkehrsanbindungen, die dieses Gebiet zu einem attraktiven Wohngebiet machen. Die in den letzten Jahren geschaffenen Netzwerke und Angebote für unterschiedliche Zielgruppen und Highlights wie der
Hochzeitspark oder der Garten der Begegnung haben dem Quartier ein positiveres Außenimage und
gleichzeitig Individualität verschafft. In den letzten Jahren entwickelte sich das Quartier vor allem als
spezifischer Standort für das Wohnen im Alter, unterstrichen durch umfangreiche Investitionen in den
Wohnungsbestand, in begleitenden Service sowie durch den Ausbau des Gesundheitsdienstleistungssektors am Standort.
Aus heutiger Perspektive und mit Blick auf die Erfahrungen der letzten Jahre bleiben die bisherigen
Entwicklungsansätze nach wie vor gültig:
Gutes Wohnen erhalten: Bezahlbares Wohnen in guter Qualität für unterschiedliche Zielgruppen, verstärkt auch für Haushaltsgründer und junge Familien, und gutes Wohnen auch jenseits der Innenstadt
zu sichern und zu stärken, sind politische Ziele des Landes Berlin. Dafür haben die Großsiedlungen und
ihre Quartiere hohen Stellenwert und sind entsprechend weiter zu entwickeln.
Individuellen grünen Charakter sichern: Weiträumige Grün- und Freiflächen sowie der Bürgerpark in
unmittelbarer Nachbarschaft prägen das Quartier. Der für Berlin einmalige Hochzeitspark ist inzwischen
von stadtweitem Interesse. Durch geeignete Darstellung dieses Potenzials und Verknüpfung auch mit
der IGA 2017 kann diese Bedeutung weiter verstärkt werden. Adäquate und besondere Gestaltung von
Grün- und Freiflächen und ihre Vernetzung tragen auch zum weiteren Imagegewinn der Großsiedlungen als Wohnort und des gesamten Bezirkes bei.
Nachbarschaftliches Miteinander stärken: Ein interessantes und friedvolles Zusammenleben im
Quartier, das eine aktive und selbstbewusste Bewohnerschaft zunehmend als eigenes Zuhause betrachtet, soll entstehen. Der wachsende Zusammenhalt, der Austausch der Generationen und Kulturen
soll zunehmend den Charakter des Quartiers als lebenswerten Ort prägen.
Altersgruppen-spezifische Angebote weiter entwickeln: Kindern und Heranwachsenden gilt die
besondere Aufmerksamkeit, wenngleich sich das Quartier in den letzten Jahren als spezifischer Standort für das Wohnen im Alter etablierte. Die gute Ausstattung mit Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur
für Kinder und Heranwachsende – darunter vor allem auch das Gymnasium – und die aktuellen Investitionen in deren Gebäude, den Freiraum und Angebote signalisieren, dass das Quartier auch für junge
und bildungsorientierte Familien von Interesse sein kann und muss. Diese jungen Haushalte verstärkt
zu gewinnen und zu halten, ist in Erwartung eines bevorstehenden deutlichen Generationswechsels im
Quartier strategisch notwendig und für eine langfristig positive und nachhaltige Entwicklung des Quartiers von besonderer Bedeutung. Weitere Qualifizierung von Standorten und Inhalten der wohnbegleitenden Infrastruktur, vor allem der Betreuungs- und Bildungseinrichtungen für Kinder, sowie die Schaffung verlässlicher Strukturen stehen im Mittelpunkt der künftigen Entwicklung.
Die Ergebnisse aus bisherigen Projekten und die Erfahrungen der unterschiedlichen Träger zeigen,
dass es wichtig ist, an diesen vier aufgeführten Ansätzen festzuhalten, um gute Wohnbedingungen zu
schaffen.
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Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

4 Künftiger Handlungsbedarf
Für die Ableitung künftigen Handlungsbedarfes sind die Problemlagen und Defizite im Quartier, aber vor
allem die bisher gemachten Erfahrungen ausschlaggebend. Seit Verfahrensbeginn haben wir uns verstärkt auf die folgenden drei Handlungsschwerpunkte konzentriert und gemeinsam mit den Akteuren im
Gebiet adäquate Projekte, Aktionen und Kooperationen entwickelt und umgesetzt:
 Fortbildung, Bildung und Erziehung von Kindern und Stärkung von Familien,
 Integration und Stabilisierung der Nachbarschaften,
 Bewohneraktivierung und Stadtteilleben.
Auch für die kommenden Jahre sehen wir darin die Schwerpunkte der Quartiersarbeit. Das ergab unter
anderem die Anfang 2015 durchgeführte Ideenwerkstatt mit Bewohnern, Vertretern von Kitas und Schulen, Wohnungsunternehmen und dem Bezirksamt. Vor diesem Hintergrund haben die Mitglieder von
Steuerungsrunde und Quartiersrat bereits wesentliche Entscheidungen über die in den Jahren 2015
und teilweise 2016 fortzusetzenden Projekte getroffen. Alle Programmmittel bis einschließlich Programmjahr 2015 sind inzwischen mit Projekten gebunden bzw. reserviert. Mit den ab 2016 zur Verfügung stehenden weiteren Programmmitteln bleibt ausreichend Spielraum für die Entwicklung neuer
bzw. die Fortsetzung sehr erfolgreicher Projekte.
Für das Berliner Quartiersverfahren gelten die folgenden Handlungsfelder als wesentlich, wir haben die
genannten Schwerpunkte unserer Arbeit entsprechend zugeordnet.
4.1

Handlungsfeld Bildung, Ausbildung und Jugend

Kitas und Schule berichten nach wie vor von Eltern bzw. Familien, die in schwierigen finanziellen und
sozialen Situationen leben und denen es schwerfällt, sich in den Kita- und Grundschulalltag ihrer Kinder
einzubringen. Sehr junge Eltern bzw. Mütter benötigen zudem nach Auffassung der Akteure vor Ort
Unterstützung bei ihren Erziehungsaufgaben. Es mangelt teilweise an einfachen Grundkenntnissen, wie
Kinder für den Alltag auszurüsten sind, es zeigen sich hygienische Mängel oder ein wenig ausgeprägtes
Sozialverhalten im Umgang miteinander oder mit Erwachsenen. Gut ein Drittel der Kinder in der Kita
Sonnenschein erhält den BerlinPass.4 Durch den Inklusionsansatz und damit den Rückgang an Förderzentren kommen mehr Kinder mit Förderbedarf in die Grundschulen. Mit dem neuen Schuljahr sollen an
der Karl-Friedrich-Friesen-Grundschule auch zwei zusätzliche Kleingruppen zur Beschulung von Kindern nicht deutscher Herkunft eingerichtet werden. Es bleibt daher abzuwarten, wie sich durch Zuwanderungen die Situation insgesamt im Gebiet entwickelt und welche Auswirkungen sich daraus u.a. auf
die Gestaltung des Schulalltages bzw. auf die des Kita-Alltages ergeben werden. Inwieweit Aktionen
und Angebote erforderlich sind, ist dann entsprechend der Bedarfslage konkret zu entwickeln.
Die Stärkung und Unterstützung der Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder ist von Anfang an ein
Schwerpunkt in diesem Handlungsfeld. Bildung, Ausbildung und Sprachkompetenz entscheiden maßgeblich über Chancen auf dem Arbeitsmarkt und damit über konkrete Lebensperspektiven und gesellschaftliche Integration. Ein Grundstein für eine gute Schul- und Ausbildung ist, dass Eltern die Entwicklung ihrer Kinder fördern und sich an deren Erziehung und Bildung beteiligen. Mit diesem Ziel wurden in
den letzten Jahren mehrere Projekte an Kitas, Grundschule und im Jugendhilfezentrum initiiert. Die
beiden Projekte Elternbeteiligung und -aktivierung an der Grundschule sowie das Projekt Familienfrüh4

Der BerlinPass ermöglicht Berlinerinnen und Berlinern, die Hartz IV, Sozialhilfe, Grundsicherung oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz
erhalten, den vergünstigten Eintritt bei Kultur, Bildung, Sport und Freizeit und bietet ihnen so die Gelegenheit, trotz eines geringen Einkommens am sozialen
und kulturellen Leben in Berlin teilzunehmen.

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Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

stück (Träger jeweils DRK) wurden über 2013 hinaus nicht mehr gefördert. Es hatte sich erwiesen, dass
mit diesen Ansätzen die Eltern nicht erreicht werden. Auch das Projekt Elternarbeit und Elternbegleitung
- Elterntreff an der Kita Sonnenschein lief Ende 2013 aus. Seit 2014 wird das Projekt ohne finanzielle
Förderung aus dem Programm Soziale Stadt mit gleicher Zielstellung, Eltern bei Erziehungsfragen zu
unterstützen, aber in geringerem Umfang fortgesetzt. Der geschaffene Elterntreff in der Kita Sonnenschein steht darüber hinaus für andere quartiersbezogene Veranstaltungen und Aktionen zur Verfügung. Während der Ansatz in der Kita als erfolgreich bezeichnet werden kann, gelingt die Einbeziehung
und Beteiligung von Eltern an der Grundschule noch nicht im erforderlichen Maße. Mit der seit Herbst
2014 an der Schule tätigen Schulsozialarbeiterin besteht jedoch die Chance, die Eltern künftig besser
anzusprechen und einzubeziehen. Auch mit dem Aufbau eines Elternnetzwerks seit Mitte 2014 soll
dafür erneut Anlauf genommen werden. Ein früherer Ansatz, Familienpatenschaften zu etablieren, hat
sich bisher als nicht erfolgreich erwiesen, obwohl es vereinzelt Bewohnerinnen gibt, die sich ehrenamtlich um Familien in ihrer direkten Nachbarschaft kümmern.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Förderung und Unterstützung von Kindern, die Konzentrationsschwierigkeiten haben sowie Defizite in der motorischen und kognitiven Entwicklung und/oder ein
problematisches Sozialverhalten aufweisen. Insbesondere an der Grundschule wird deutlich, dass im
Einzugsgebiet der Schule zahlreiche sozial eher schwache Familien (im Sozialraum Ringkolonnaden
lag Kinderarmut 2013 bei rund 50 %) leben. Mit Projekten der Bewegungs- und Konzentrationsförderung (Fitte Kids von Anfang an, Bewegungsspiele) wurde in den vergangen Jahren insbesondere auf
Kinder eingegangen, die Konzentrations-, Lern- und Ausdauerschwächen haben. Mit gezielten Übungen haben die Kinder der ersten Klassenstufen erlernt Lernblockaden zu lösen und ihre Aufmerksamkeit und Konzentration zu verbessern. An der Grundschule war das bei vielen Kindern sehr erfolgreich.
Vereinzelt wurden die von der Lerntherapeutin vermittelten einfachen Übungen von Lehrerinnen bei
anderen Kindern im Unterricht angewandt. Durch die langjährige Zusammenarbeit von Lerntherapeutin
und Grundschule hat sich ein enges Vertrauensverhältnis entwickelt. Die Kita-Träger berichten ebenfalls von auffälligen Sprach- und Bewegungsdefiziten und haben gute Erfahrungen mit Tanz- und Theaterprojekten gemacht. Die Kita Kreuz&Quer hat ihr Profil danach ausgerichtet und in der Kita Sonnenschien fand aktuell ein Theaterprojekt mit dem Tagore-Gymnasium statt. Es zeigt sich insgesamt, dass
die bisher verfolgten Ansätze durchaus gute Ergebnisse liefern und auch für immer wieder nachkommende Kinder mit gleichem Bedarf fortgesetzt werden sollten.
Der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren im Quartier ist im Vergleich zu anderen Teilen
des Bezirks zwar recht gering, dennoch gilt es diese Gruppe zu berücksichtigen. Da es außer dem Offenen Treff im Kinder- und Jugendhilfezentrum, der jedoch vorrangig Kinder und Jugendliche aus anderen Angeboten des Hauses betreut, im Gebiet keine Jugendfreizeiteinrichtung gibt, war die Zusammenarbeit mit den Trägern in den vergangenen Jahren eher punktuell. Um die Jugendlichen dennoch Schritt
für Schritt in die Quartiersentwicklung einzubinden, wurde 2014 das Projekt KiezGuerilla-Aufbau eines
Jugendrates (Träger Kinderring e.V.) gestartet. Ziel des auf drei Jahre angelegten Projektes ist es, Jugendliche für ihr Wohngebiet zu interessieren und ihnen zunächst über ganz praktische Aktionen eigene
Handlungsfelder aufzuzeigen. Mit einem "Börgerfest" im Bürgerpark Ende April 2015 fand eine erste
öffentliche Aktion statt, die vom Träger zusammen mit den Jugendlichen umgesetzt wurde. Langfristig
ist vorgesehen, die Jugendlichen in die Gremienarbeit des Quartiers (Quartiersrat, Aktionsfondsjury)
einzubinden. Dass ganz praktische Ansätze einen erkennbaren Nutzen haben, zeigt auch der Einsatz
von Jugendlichen, die sich um die Beachvolleyball-Anlage kümmern. Auch der zusammen mit den
Wohnungsunternehmen entwickelte Wohnführerschein wurde initiiert, um junge Menschen weiterzubilden, einen eigenen Haushalt zu führen, und damit auch Chancen für eine eigene Wohnung zu erhöhen.

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Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

Immer einen Schwerpunkt bildeten kleine Projekte in der Erwachsenen-Bildung, insbesondere vor
dem Hintergrund, damit Gelegenheiten fürs Zusammenzukommen zu schaffen. Der Computertreff 50+
konnte allerdings durch den erneuten Wegfall der Räumlichkeiten vorerst nicht aufrechterhalten werden.
In der Unterstützung von Familien und der Förderung der Kinder sehen wir auch für die kommenden
Jahre wesentliche Aufgaben und werden an erfolgreiche und funktionierende Projekte anknüpfen. Im
Fokus des Handlungsfeldes Bildung, Ausbildung und Jugend steht daher, die Betreuungs- und
Bildungseinrichtungen dabei zu unterstützen, trotz teils schwieriger sozialer Entwicklungen in Familien
und damit höherem Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsbedarf ihre Aufgaben umzusetzen zu können. Um Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen, müssen sie zunächst erreicht werden.
Das gelingt erfahrungsgemäß am ehestens dort wo sie bereits in irgendeiner Form angekommen sind,
also in Kitas und Schulen. Ansatzpunkte sehen wir daher in der:

 Unterstützung von Eltern hinsichtlich ihrer Erziehungskompetenzen: Erziehungskompetenzen
der Eltern, ihr Interesse an der Entwicklung der Kinder und deren Beteiligung sowie Bildungs- und
Sprachförderung für Kinder und Eltern im weitesten Sinne bleiben wichtige Themen an Kitas und
Grundschule. Mit dem seit 2014 gestarteten Projekt Elternnetzwerk soll darüber hinaus mehr als
bisher eine Netzwerkstruktur zwischen den Einrichtungen aufgebaut werden, um die Rahmenbedingungen für Familien und Kinder besser abstimmen und aufeinander aufbauen zu können. Eine Einbindung in die bezirkliche Präventionskette in Zusammenarbeit mit Gesundheit Berlin-brandenburg
steht noch aus.
 Förderung von Gesundheit und Bewegung: Die Profilierungen der Kitas und Grundschule als
bewegungsfreundliche Einrichtungen sind gute Voraussetzungen, dort Projekte zu etablieren, die
sich den Themen Gesundheit und Bewegung widmen. Die Qualifizierung von Erziehern, Lehrern und
letztendlich von Eltern ist eine der Aufgaben für die nächsten Jahre. Anknüpfend an das langjährig
durchgeführte Projekt Fitte Kids von Anfang an wird es zukünftig vermehrt darum gehen, entsprechendes Wissen an Multiplikatoren zu vermitteln und so an die jeweilige Zielgruppe weiterzugeben.
 Einbindung der Jugendlichen in die Quartiersentwicklung: Es bleibt vordergründige Aufgabe im
Projekt KiezGuerilla Ansätze zu entwickeln, wie junge Menschen im Quartier aktiviert und für eine
Quartiersentwicklung interessiert werden können. Möglicherweise sollten im Zusammenhang damit
nochmals an die Erfahrungen des bezirklichen Peer-Helper-Projektes angeknüpft werden.
 Öffnung der Einrichtungen für das Gebiet: Neu geschaffene Räumlichkeiten an der KarlFriedrich-Friesen-Grundschule, die im Zusammenhang mit dem Ausbau zur Quartiersschule entstanden sind, bieten gute Voraussetzungen für Treffen und Aktionen von Kindern, Eltern und meist
älterer Quartiersbevölkerung. So nutzt das aktuelle Nachbarschaftsprojekt bereits Räume der
Grundschule für entsprechende Aktionen. Eine besondere Bedeutung für die Nachbarschaftsarbeit
erhalten die Räume in der Grundschule zudem, weil sie – anders als der Garten – ganzjährig zur
Verfügung stehen. Bedingung für die Öffnung der Einrichtungen ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, eine nachhaltige Partnerschaft und eine unkomplizierte Nutzbarkeit und Zugänglichkeit. In
enger Zusammenarbeit mit der Schulleitung und der Schulsozialarbeiterin werden gemeinsame generationsübergreifende Angebote entwickelt. Durch die Kombination von Schul-AGs und Nachbarschaftsveranstaltungen wird Bildungsarbeit von Generation zu Generation initiiert, die durch den
Einsatz ehrenamtlich agierender Nachbarn langfristig abgesichert werden soll.
 Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für soziale Infrastruktureinrichtungen: Eine Voraussetzung für Betreuungs- und Bildungseinrichtungen, um aktiv an der Quartiersentwicklung mitzumachen, sind gute (bauliche) Rahmenbedingungen. Mit dem Ausbau der Karl-Friedrich-FriesenGrundschule, inklusive der Turnhalle, der gegenwärtigen Schulhofgestaltung und der Fertigstellung
des Familiengartens beim DRK sind bereits gute Bedingungen geschaffen. Weitere Aufgaben bestehen in der Dach- und Fassadensanierung des DRK-Gebäudes, der Fassadensanierung und der
Umgestaltung der Außenanlagen der Kita Sonnenschein.
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Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

Projekte ab 2015 (Förderung aus Mitteln des Quartiersverfahrens)
 Fitte Kids von Anfang an, an der Grundschule: Gesundheitsförderung und Persönlichkeitsentwicklung in der Schulanfangsphase (5-9 Jahre), unterrichtsbegleitend, -ergänzend, vor allem für Schüler
mit Lernproblemen oder auffälligem Sozialverhalten; unterschiedliche Projektbausteine, vorrangig
zirkuspädagogische Mittel, Spiele, kreative Bewegungsaufgaben zur Entwicklung von Teamfähigkeit,
Selbstvertrauen, sozialem Verhalten, Konzentrationsfähigkeit, Lernbereitschaft, Feinmotorik (Förderung bis Sommer 2015, 2015: 10.000 Euro)
 SpielraumQuartier – Lerntherapeutisches Qualifizierungsangebot für Erwachsene (2015-2017): praxisnahe Qualifizierung Erwachsener zu Bewegung und Konzentration an Kitas und Grundschule
(2015: 5.000 Euro, 2016: 15.000 Euro, 2017: 10.000 Euro)
 KiezGuerilla Jugendrat, Aufbau des Jugendrates QM Mehrower Allee (2014-2016) (2015: 5.000
Euro, 2016: 5.000 Euro)
 Aufbau eines Elternnetzwerkes (2014-2016): Herkunftsunabhängige und einrichtungsübergreifende
Ansprache, Aktivierung und Beteiligung von Eltern, insbesondere mit Kindern im kitafähigen Alter,
Unterstützung der Eltern insbesondere bei den Übergängen Geburt/Kita und Kita/Grundschule, Impulse zum Aufbau von selbsttragenden Strukturen, (2014: 12.000 Euro, 2015: 24.000 Euro, 2016:
24.000 Euro)
4.2

Handlungsfeld Arbeit und Wirtschaft

Als Gebiet mit überwiegender Wohnnutzung ist die lokale Ökonomie weitestgehend durch Angebote
und Versorgungsstrukturen für den täglichen Bedarf geprägt. In erster Linie ist hier das Quartierszentrum entlang der Mehrower Allee und beiderseits der Sella-Hasse-Straße zu nennen, in dem es verschiedene Einzelhandels- und Dienstleistungsangebote gibt. Daneben konzentrieren sich im Gesundheitszentrum RENTAmed verschiedene Ärzte und ergänzende medizinische Dienstleistungen. Die in
den letzten Jahren etablierte umfassende Gesundheitswirtschaft hat durchaus einen überregionalen
Stellenwert, da die Nachfrage nach Fachärzten auch Patienten aus anderen Bezirken anzieht. Außerdem hat sich die degewo als großes städtisches Wohnungsunternehmen hier ihr Marzahner Kundendienstzentrum und auch die Genossenschaft Marzahner Tor hat in der unmittelbaren Nähe ihre Unternehmenszentrale. Mit Gesundheits- und Wohnungswirtschaft sowie lokalen Handels- und Dienstleistungseinrichtungen ist das Quartier damit inzwischen auch Dienstleistungsstandort, an dem auch Arbeitsplätze vorhanden sind. Darüber hinaus verfügt das Gebiet jedoch über keine ausgeprägte kleinteilige Gewerbe- oder Wirtschaftsstruktur.
Das Handlungsfeld Arbeit und Wirtschaft wird im Rahmen des Quartiersmanagementverfahrens Prävention prinzipiell einbezogen, wird aber auf der Projektebene nicht mit Nachdruck betrieben, da sich
auf Quartiersebene kaum Ansätze für Beschäftigungsförderung und die Stärkung der lokalen Ökonomie
bieten. Um angesichts der neuen Rahmenbedingungen dennoch Potenziale für wirtschaftliche Ansatzpunkte im Gebiet auszuloten, wurde 2013 eine Ideenwerkstatt zum Schwerpunkt Arbeit und Wirtschaft
durchgeführt. Die Veranstaltung bot Möglichkeiten für Austausch und Aufbau von Kontakten unter den
Beteiligten, hat aber ansonsten nur wenige Impulse erbracht. Die Beteiligten regten ein neues Projekt in
Vorbereitung auf die IGA 2017 an, das inzwischen weiter entwickelt wurde und in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll.
Ein künftiger Ansatz bietet sich möglicherweise durch die Einrichtung regionaler Anlaufstellen der Jugendberufsagentur Berlin. Marzahn-Hellersdorf ist einer von vier Bezirken, in dem das Konzept pilothaft
umgesetzt werden soll. 5 Aus heutiger Sicht, wäre es vorstellbar, Projekte zur Ausbildungsförderung und
5

"Das übergreifende Ziel der Jugendberufsagentur Berlin ist es, jeden Jugendlichen oder jungen Erwachsenen zu einem Berufsabschluss zu führen, indem

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Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

zur Berufsorientierung in Kooperation mit Beschäftigungsträgern und dem Jobcenter für die Jugendlichen aus dem Gebiet zu entwickeln, möglicherweise auch im Zusammenhang mit dem Masterplan "Arbeit und Ausbildung für Alle Jugendlichen in Marzahn-Hellersdorf bis 2016" (AAA)6. Unter der Bezeichnung MatchPoint gibt es eine Anlaufstelle für Schüler, Jugendliche und Unternehmen, die eingerichtet
wurde, um Praktika, Praxislernen oder Schnuppertage zu vermitteln. Auch der sich entwickelnde Jugendrat im Quartier könnte einbezogen werden, zielgerichtete Bedarfe für die Jugendlichen zu klären.
Darüber hinaus wird die Beschäftigungsförderung als Querschnittsthema in vielen Projekten innerhalb
der anderen Handlungsfelder mittelbar berücksichtigt. So setzt im Handlungsfeld "Bildung" beispielsweise ein Teil der Projekte im Quartier in den Bildungseinrichtungen an, um vor allem Kindern bessere
(Aus-)Bildungschancen zu ermöglichen.
Die bisherigen Ansätze werden in dieser Form beibehalten. Zudem wird die Zusammenarbeit und Vernetzung der Akteure aus den Bereichen der Wirtschafts- und Stadtteilentwicklung, aus Initiativen und
Schulen im Quartier und Stadtteil verstärkt. Wie in den Jahren zuvor richten wir unseren Fokus im
Handlungsfeld auf die Akteure der Wohnungswirtschaft und künftig auch die der Gesundheitswirtschaft.
4.3

Handlungsfeld Nachbarschaft (Gemeinwesen, Integration)

Zu einem guten Wohnstandort gehört eine Bewohnerschaft, die gern im Quartier wohnt und sich mit
ihrem Wohnort identifiziert. Eigene Lebenszufriedenheit und gute Nachbarschaften sind dafür maßgeblich. Schwierige individuelle Lebenslagen, Polarisierungen in der Bewohnerschaft, das Zusammenleben
verschiedener Generationen, unterschiedlicher Lebensweisen und Herkünfte überfordern die Menschen
jedoch und können sich zunehmend in Nachbarschaftskonflikten und innerfamiliären Auseinandersetzungen entladen. Neben der Vermeidung und Regulierung von Konflikten geht es wesentlich auch darum, vorhandene gute Nachbarschaften zu stabilisieren sowie Kennenlernen und solidarisches Miteinander von Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Wohndauer und unterschiedlicher sozialer Situation zu fördern. Besonderes Augenmerk gilt dabei der älteren
Quartiersbevölkerung, zunehmend aber auch jungen Familien – vor allem mit Blick auf eine gemeinsame Nutzung von Stadträumen durch unterschiedliche Generationen. Eine weitere Aufgabe im Handlungsfeld wird sich womöglich durch den Zuzug von Flüchtlingen in umliegenden Gebieten ergeben.
Bisher spielte das Thema im Gebiet konkret keine spezifische Rolle. Es bleibt daher abzuwarten, wie
sich die Situation vor Ort entwickeln wird, wenn die Flüchtlingsunterkünfte eingerichtet sind. Insgesamt
das Handlungsfeld eine große Rolle und ist seit Beginn des Quartiersverfahrens wichtiger Ansatz für die
Gebietsentwicklung.
Es sind vor allem ältere Bewohnerinnen und Bewohner, die sich am Quartiersleben beteiligen, sich
einbringen und letztendlich auch dafür sorgen, dass Nachbarn zusammenkommen. Im Wesentlichen ist
das auf Netzwerkarbeit und direkte Ansprache in Projekten zurückzuführen. In den vielen Jahren der
Nachbarschaftshilfe haben sich kleine Bewohnergruppen entwickelt, die sich mittlerweile auch alleine
treffen und kleine Projekte teilweise selbstständig fortsetzen. Kontakte haben sich entwickelt und haben
auch über Quartiersprojekte hinaus Bestand. Erfahrungsgemäß ist das ein Prozess, der langwierig ist
und einen vertrauensvollen Umgang miteinander erfordert. Ein erfolgreicher Ansatz, Nachbarn zusamsie umfassend und ggf. aufsuchend berät. Es sollen Zielperspektiven geklärt und ein realistisches Qualifizierungsangebot unterbreitet werden, mit dem die
Jugendlichen oder jungen Erwachsenen bis zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss oder im Einzelfall einer nachhaltigen Beschäftigungsaufnahme unter
Einbeziehung aller zur Verfügung stehenden Instrumente begleitet werden." siehe Bezirk Marzahn-Hellersdorf, Jugendberufsagentur in Berlin und MarzahnHellersdorf auf dem Weg; Pressemitteilung, (URL: http://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/aktuelles/presse/archiv/20141217.1600.400674.html,
12.05.2015).
6 Bezirk Marzahn-Hellersdorf: Masterplan, Arbeit und Ausbildung für Alle Jugendlichen in MH bis 2016 (URL: https://www.berlin.de/ba-marzahnhellersdorf/verwaltung/bildung/masterplan.html#masterplan,12.05.2015).

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menzubringen, bleibt es, sie über ihre Interessen anzusprechen. Kleinteilige und häufig auch selbst
gestaltete kulturelle, kreative, Informations- und Bildungsangebote sowie alles, was mit Sport, Bewegung und Gesundheit zu tun hat, erwiesen sich nach und nach als erfolgversprechend. Um entsprechend Gelegenheiten für Bewohnerinnen und Bewohner zu kreieren, sind deren Interessen und Bedarfe
herauszuarbeiten. Mit dem Projekt Stabilisierung des Nachbarschaftsnetzwerkes 2014/2015 wird genau
dieser Ansatz verfolgt und es fließen Erfahrungen aus der Nachbarschaftsarbeit vorangegangener Projekte ein. Neben individueller Ansprache von Bewohnern geht es um Vernetzungsstrukturen zwischen
allen Einrichtungen und Vereinen im Quartier. Es gilt, Verabredungen zwischen ihnen unter dem Dach
des Nachbarschaftsnetzwerkes zu initiieren und als langfristige Kooperationsbeziehungen zu etablieren.
Die Bewohnerinnen und Bewohner werden als Ideengeber und Akteure in die Projektentwicklung und
-realisierung einbezogen. Inzwischen wurde eine Netzwerkgruppe etabliert, die das Projekt begleitet
und auch im Nachhinein überlegt, inwieweit diese gelungen sind. In den kommenden Jahren gilt es,
diese Netzwerkgruppe so zu stabilisieren, dass sie ehrenamtlich und selbstständig agiert und einzelne
Maßnahmen durch Ehrenamtliche sichert.
Eine Schlüsselrolle für das nachbarschaftliche Miteinander im Gebiet spielt der Garten der Begegnung.
Das Entwicklungsziel besteht darin, diesen Ort als Treffpunkt für alle langfristig zu sichern und ihn als
Bildungsstätte zu etablieren. Vielfältige Veranstaltungen und Aktionen in den letzten Jahren (z.B. Bewohnerbeete, Interkulturelles Picknick, Sing-Nachmittage, Kochveranstaltungen, …) haben ihn sehr
bekannt gemacht. Auch das aktuelle Projekt Zusammenhalt durch Natur, Kultur und Bewegung der
Agrarbörse e.V. zielt darauf. Stück für Stück wurde der Garten mit Mitteln des Programms Soziale Stadt
aufgebaut und weiterentwickelt. Kitas und Schule nutzen das Grüne Klassenzimmer oder das ÖkoLabor. Auch andere Akteure haben den Garten für sich entdeckt, so beispielsweise die vier Wohnungsunternehmen, die im Mai 2015 dort den Auftakt zur Reihe Marzahn schmeckt´s als Frühlingsfest für die
Bewohnerschaft veranstalteten.
Im Handlungsfeld Nachbarschaft wird es daher auch zukünftig darauf ankommen, Orte und Anlässe für
Nachbarschaften zu entwickeln und bestehende weiter zu stabilisieren. Dazu gehört aus unserer Sicht:
 Garten als Ort der Nachbarschaften: Das, was in anderen Quartieren das Nachbarschaftscafé ist,
ist im Gebiet Mehrower Allee der Garten der Begegnung. Er ist das Schlüsselprojekt für Nachbarschaften und für die Quartiersentwicklung insgesamt. Für die Gartenentwicklung und -gestaltung
sowie die (barrierearme) Gartenbenutzung sind auch in den kommenden Jahren Projekte und Aktivitäten zu erarbeiten. Darüber hinaus wird es eine Herausforderung bleiben, den Garten auch künftig
weiter zu fördern und zu finanzieren. Für die Winterzeit sind ergänzende "Nachbarschaftsorte" zu erschließen.
 Anlässe und Gelegenheiten für nachbarschaftliches generationenübergreifendes Miteinander: Menschen kommen zu Veranstaltungen oder Projekten zusammen, weil sie am Thema interessiert sind. Anlässe und Anregungen für Begegnungen, Kennenlernen und Kommunikation im Quartier zu entwickeln und zu schaffen, werden daher weiterhin wesentlicher Bestandteil für die Nachbarschaftsarbeit, für Toleranz, Zusammenleben und gegenseitige Hilfe bleiben. Dazu zählen die Bereiche Sport und Bewegung, Gesundheit und Genuss sowie kulturelle und kreative Informations- und
Bildungsangebote.
 Ausbau der Grundschule zur Quartiersschule: Es werden – in Abstimmung mit und Ergänzung
zu dem Netzwerkfondsprojekt – weitere Anstrengungen unternommen, die Karl-Friedrich-FriesenGrundschule als Quartiersschule "in das Gebiet zu holen" bzw. für das "Gebiet zu öffnen".
 Nachbarschaftsnetzwerk und Netzwerkstrukturen: Aufbauend auf den Ergebnissen der aktuell
laufenden Projekte Nachbarschaftsnetzwerk und Familiennetzwerk wird ein gemeinsames generationenübergreifendes Quartiersnetzwerk auf- und ausgebaut, von dem Nachbarn profitieren und sich
gleichzeitig als Teil des Netzwerks verstehen und einbringen. Die Weitergabe von Kompetenzen Äl18

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terer an Jüngere steht u.a. im Vordergrund.
 Traditionen und Rituale: Zur Identifizierung mit dem eigenen Wohnstandort gehören Traditionen
und Höhepunkte, die an individuellen Gegebenheiten vor Ort anknüpfen. Diese herauszufinden und
als Höhepunkte auszubilden, sehen wir auch als Aufgabe für die Zukunft. Mit einem HochzeitsparkFest soll auch künftig an die nun mehr achtjährige Tradition der Pflanzung erinnert werden.
Projekte ab 2015 (Förderung aus Mitteln des Quartiersverfahrens)
 Garten der Begegnung als zentraler Treffpunkt im Quartier: Zusammenhalt durch Natur, Kultur und
Bewegung (2015: 20.000 Euro); Stabilisierung Garten der Begegnung (2016: 15.000 Euro), Treffpunkt Garten (2017: 10.000 Euro)
 Gesundheits- und Ernährungsprojekt "So gesund isst unser Kiez" (2015: 10.000 Euro, 2016: 10.000
Euro)
 Nachbarschaftsnetzwerk "Nachbarn für Nachbarn" (2015: 15.000 Euro)
 Erweiterung des Nachbarschaftsnetzwerks zum gemeinsamen Quartiersnetzwerk "Gemeinsam für
den Kiez" unter Einbeziehung der Strukturen aus dem Projekt Elternnetzwerk 2016-2017 (2016:
10.000 Euro, 2017: 18.000 Euro)
4.4

Handlungsfeld Öffentlicher Raum

Der öffentliche Raum hat für das Quartier mit seinen umfangreichen Freiräumen besondere Bedeutung.
Hier hat sich in den Jahren seit Beginn des Verfahrens viel getan und zu Recht kann von einer guten
und soliden Frei- und Grünflächensituation gesprochen werden, da die Flächen fast durchweg neu gestaltet wurden und nur an einigen Stellen noch wie Entwicklungsbedarf haben. Hinweise auf mangelnde
Sicherheit und Vandalismus im Quartier sowie Gewalt im öffentlichen Raum oder Störung der öffentlichen Ordnung gibt es laut Polizei kaum.
Neben Mitteln aus dem Städtebauförderungsprogramm Stadtumbau Ost und zahlreichen Investitionen
der Wohnungsunternehmen flossen seit 2007/2008 in dieses Quartier auch investive Mittel aus dem
Programm Soziale Stadt (QF 4/Baufonds), was seiner Entwicklung deutliche Impulse verlieh. Die
Beachvolleyballanlage, die Aufwertung des Gartens der Begegnung und die Errichtung des Gartenhauses, die Aufstellung von Bänken vor allem entlang der öffentlichen Hauptwege und Plätze, kleine Ausbesserungen an Wegen, die Errichtung des Niedrigseilgartens und des Elterntreffs in der Kita "Sonnenschein", die Schaffung des Familiencafés und des Familiengartens im DRK Kinder-, Jugend- und Familienzentrum DRehKreuz, die Sanierung der Kiezsporthalle und dabei die Einrichtung eines Mehrzweckraumes für gemeinschaftliche Aktivitäten haben das Quartier attraktiver gemacht und auch das Interesse bisher unbeteiligter Bewohnerinnen und Bewohner geweckt. Die Ideen dafür wurden gemeinsam mit
den Akteuren vor Ort entwickelt. Einen besonderen Impuls für das Quartier und darüber hinaus hatte
die Idee, einen Hochzeitspark zu entwickeln.
Insbesondere in Gebieten, die durch großflächige und weitläufige Grünanlagen geprägt sind, kommt es
darauf an, Strukturen zu etablieren, die einen eigenen Charakter haben und sich damit zur Identifizierung mit dem Quartier eignen. Für das Quartier an der Mehrower Allee sind das der Garten der Begegnung und der Hochzeitspark. Beide Standorte werden in den nächsten Jahren durch Projekte aufgewertet. Für den Garten ist 2015/2016 die barrierearme Gestaltung vorgesehen und der Eingangsbereich
des Hochzeitsparks wird 2015 ebenfalls mit Mitteln aus dem Baufonds entwickelt ("Willkommen im
Hochzeitspark"). Mit diesen beiden Orten wird das QM-Gebiet Außenstandort der IGA 2017 sein. Das
ist ein willkommener Anlass, sich mit den grünen Qualitäten des Gebiets auseinanderzusetzen und
ihren Wert für die Großsiedlung herauszuarbeiten. Unterstützt werden soll dies durch das vorgesehene
Projekt Wurzeln schlagen im Quartier. In Vorbereitung auf die IGA wird es darüber hinaus in enger Zu19

Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

sammenarbeit mit dem Bezirk darauf ankommen, die Aktionen rund um die Gartenausstellung direkt vor
Ort (Garten der Begegnung und Hochzeitspark) mit denen am Standort des Erholungsparks Marzahn
abzustimmen.
Einfluss auf das Erscheinungsbild des öffentlichen Raumes haben auch die Außenanlagen der sozialen
Infrastruktureinrichtungen. Aufgrund ihrer Größe sind diese strukturprägend für ihre Umgebung. Entsprechend wird aktuell die Gestaltung der Außenfläche der Kita Sonnenschein durch spezifische Angebote für sehr kleine Kinder für eine Förderung aus dem Baufonds vorgeschlagen. Ebenfalls weiter zu
konzeptionell voranzutreiben und eine Förderung (Baufonds Soziale Stadt, Stadtumbau Ost o.a.) zu
erreichen, betrifft folgende Standorte/Ansätze:
 Spielplatz-Erneuerung Sella-Hasse-Straße (hinter Tagore-Gymnasium)
 Freiflächen im Bereich der ehemaligen südlichen Ringkolonnaden
 Platz am S-Bahnhof Mehrower Allee
 Kleiner Stern – Wegeführung in der Quartiersmitte
 "Bänke-Programm"-Fortsetzung als kleinteilige Freiraumaufwertung sowie
 ggf. Nachsteuerungsbedarf für die Öffnung der Quartiersschule als Nachbarschaftstreff
Daneben gibt es im gesamten Gebiet durchaus noch immer "offene Baustellen" im öffentlichen Raum,
bei denen gegenwärtig noch nicht abgeschätzt werden kann, welche Entwicklungsoptionen sich ergeben werden. Dazu zählen:
 ungenutzte und Brachflächen im Bereich Mehrower Allee/Ärztehaus, ehemalige Kitastandorte im
Süden des Gebiets und hinter dem POLIMAR
 Ringkolonnaden Nord7, Terrassenhaus am Bürgerpark
Projekte ab 2015 (Förderung aus Mitteln des Quartiersverfahrens)
 IGA-Projekt 2017 – Wert und Wertschätzung des wohnungsnahen Grüns 2015-2017 (2015: 9.000
Euro, 2016: 13.000 Euro, 2017: 10.000 Euro)
 Fortsetzung Familiengarten DRK 2014/2015 (Baufonds 2015: 180.000 Euro)
 Fortsetzung Aufwertung Garten der Begegnung; Barrierearme und ökologische Weiterentwicklung
des Gartens 2015/2016 (Baufonds 2015: 80.000 Euro, 2016: 20.000 Euro)
 Hochzeitspark, Schaffung eines Eingangsbereiches mit Kennzeichnung, Schaffung weiterer Baumstandorte (Baufonds 2015: 200.000 Euro)
 Schulhof Karl-Friedrich-Friesen-Grundschule, Sanierung, Gestaltung, Qualifizierung der Außenanlagen auf dem Schulgelände 2014/2015 (Baufonds 2015: 770.000 Euro)
4.5

Handlungsfeld Beteiligung, Vernetzung und Einbindung der Partner

Aufgrund der Arbeit der letzten Jahre ist eine Reihe von Netzwerken und Kooperationen im Quartier, im
Stadtteil und darüber hinaus entstanden (vgl. Absatz zu Akteuren in Kap. 1 und zu Vernetzung in Kap.
2.2). Zu den wesentlichen Zielen des QM-Verfahrens gehört es, diese Strukturen zu festigen. Im Fokus
des Handlungsfeldes stehen daher die Stabilisierung bestehender Gremien, Kooperationen und Netzwerke sowie die projektbezogene Zusammenarbeit mit den Trägern und deren jeweiligen Zielgruppen.
Insgesamt verstehen wir Beteiligung, Vernetzung und Einbindung der Partner als übergeordnetes
Handlungsfeld und Querschnittsaufgabe für das gesamte Verfahren sowie für jedes einzelne Projekt.
7

Im Rahmen des Bürgerhaushaltes 2016/2017 wurde der Vorschlag "Vermarktung/Vermietung des Nordflügels der Ringkolonnaden" eingereicht. Der
Vorschlag erhielt die zweithöchste Punktzahl im Stadtteil Marzahn-Mitte. Mit der Entscheidung, ob und wie die Vorschläge in die Haushaltsplanung einfließen können, wird im Herbst 2015 gerechnet. Dann wird auch nochmal zu prüfen sein, welche ergänzenden Mittel aus der Städtebauförderung (u.a. Baufonds) für die weitere Entwicklung der Ringkolonnaden Nord unterstützend einzubeziehen sind. (vgl. Vorlage für das Bezirksamt 0974/IV, URL:
www.berlin.de/projekte-mh/projekte/buergerhaushalt/downloads/vorschlaege_zum_bhh_2016_2017.pdf (3.6.2015)).

20

Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

Auch künftig sehen wir die folgenden Schwerpunkte als wesentlich an:
 Erweiterte Steuerungsrunde als Arbeits- und Beratungsgremium: In den vergangenen Jahren
ist eine gute Arbeits- und Diskussionsatmosphäre zwischen allen wesentlichen Akteuren auf der
Steuerungsebene (Senat, bezirkliche Fachämter, starke Partner der Quartiersentwicklung, u.a.
Wohnungsunternehmen) entstanden. Diese Form, unterschiedliche Perspektiven in die Quartiersarbeit einzubinden, wird beibehalten.
 Rahmenbedingungen für eine gute Gremienarbeit: Quartiersrat und Aktionsfondsgruppe sind
auch künftig wichtige Partner der Gebietsentwicklung und werden entsprechend beteiligt. 2016 ist
der Quartiersrat neu zu wählen. Damit besteht gleichzeitig die Chance, aber auch Herausforderung
noch stärker Jugendliche, junge Familien und bisher noch wenig berücksichtigte Bewohnerinnen und
Bewohner einzubinden. Auch die Zahl derjenigen, die die Gremien wählen, sollte erhöht werden.
 Zielführende Beteiligungs- und Diskussionsformen: Ideen- oder Projektwerkstätten mit Akteuren
und Bewohnern haben sich in den letzten Jahren als gute Instrumente für die Strategie- und Projektentwicklung erwiesen. Für wesentliche Fragestellungen werden auch in den nächsten Jahren ähnliche Formate umgesetzt.
 Bündelung von Netzwerken und Kooperationen: Im Mittelpunkt stehen die für die Quartiersentwicklung wichtigen Orte wie der Garten der Begegnung als Ort für Vernetzung von Trägern und Bewohnern, die Grundschule als Quartiersschule sowie das Kinder-, Jugend- und Familienzentrum des
DRK sowie die Weiterentwicklung der Strukturen aus dem Nachbarschaftsnetzwerk und dem Elternnetzwerk zu einem gemeinsamen Quartiersnetzwerk.
 "Blick über den Tellerrand": Den themenbezogenen Austausch mit den anderen beiden Quartiersmanagement-Gebieten im Bezirk wollen wir auch in den nächsten Jahren aufrechterhalten. Im
seit Ende 2014 bestehenden Bündnis für Demokratie und Toleranz am Ort der Vielfalt MarzahnHellersdorf sind wir beispielsweise gemeinsam mit dem QM NordWest mit einer Stimme vertreten.
Sich in Vernetzungs- und thematischen Runden auf Bezirksebene einbringen, bleibt auch für die
nächsten Jahre als Aufgabe bestehen.
 Zusammenarbeit mit (institutionellen) Akteuren: Die gute und verlässliche Zusammenarbeit mit
den Wohnungsunternehmen/Eigentümern sowie den bezirklichen Fachverwaltungen und Projektträgern und – in erster Linie – den Beauftragten von Senatsverwaltung und Bezirk für das Quartiersmanagement-Gebiet Mehrower Allee wird intensiv fortgesetzt und gepflegt.
Unser Ziel für die weitere Zusammenarbeit mit allen Akteuren vor Ort besteht darin, gemeinsam Strategien und Projekte für die Gebietsentwicklung zu entwerfen und umzusetzen.

5

Fazit

5.1

Erläuterung der Prioritätensetzung – künftige Handlungsschwerpunkte

Mit Blick auf das formulierte Leitbild "Miteinander leben im grünen Viertel" und den damit gesetzten
Zielen für die Quartiersentwicklung wird auch weiterhin an den Strategien der vorangegangenen Jahre
festgehalten. Im Vordergrund stehen gute und friedliche Nachbarschaften, eine aktive und selbstbewusste Bewohnerschaft in einem Quartier, das allen interessante Aktivitäten ermöglicht, und gestärkte
Familien, durch die Kinder, Jugendliche und deren Eltern ihre eigenen Chancen auf Bildung, Beschäftigung und Teilhabe an der Gesellschaft verbessern.
Im Kern konzentrieren sich die Schwerpunkte der künftigen Quartiersarbeit auf die Kinder und Familien
im Gebiet und auf die Nachbarschaften insgesamt – insbesondere vor dem Hintergrund eines sich abzeichnenden Generationenumbruchs. In den Handlungsfeldern Bildung und Nachbarschaften liegen
demnach die wesentlichen Schwerpunkte für die künftige Entwicklung im Quartier. Langfristiges Ziel soll
21

Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

es sein, die vorhandenen Infrastruktureinrichtungen und ihre Träger dabei zu unterstützen, die sozialen
Entwicklungen im Gebiet abfedern zu können. Dafür wird es prioritär sein, die Zusammenarbeit der
Einrichtungen und die Zusammenarbeit zwischen Quartiersmanagement und Trägern weiter zu stabilisieren und auszubauen, um mit ihnen gemeinsam adäquate Projekte und Aktionen zu entwickeln. Weiterer Schwerpunkt bleibt die Stabilisierung von "Nachbarschaftsorten", so der Garten der Begegnung,
die Quartiersschule und weitere kleine Nachbarschafts- und Elterntreffs. Ziel ist es, gemeinsame Interessen fürs Zusammenkommen und Kennenlernen herauszufinden und zu nutzen.
Bezüglich der Handlungsfelder gelten für die nächsten Jahre Quartiersarbeit zusammenfassend folgende Punkte:
Bildung, Ausbildung und Jugend: Förderung von Projekten in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen, vor allem in der Grundschule und an den Kitas und damit auch Unterstützung bei der Elternarbeit;
Unterstützung der Eltern hinsichtlich ihrer Erziehungskompetenzen im Sinne des Kompetenzerwerbs;
Unterstützung der Qualifizierung und Aufwertung der Einrichtungen;
Nachbarschaften: Sicherung des Nachbarschaftsnetzwerk als gemeinsames Quartiersnetzwerk;
Nachbarschaftshilfe und Aufbau ehrenamtlicher Nachbarschaftshilfe und selbstinitiierter Aktionen und
Projekte für weitere Begegnungen; Maßnahmen zur Bewirtschaftung, Erhaltung und Stabilisierung des
"Gartens der Begegnung" als zentrale Basis für kleine Nachbarschaftsprojekte und zur Erhaltung der
Qualität im öffentlichen Raum; Erschließung und Nutzung weiterer räumlicher Potenziale; Entwicklung
von Traditionen des Gebietes;
Vernetzung/Kooperation: kontinuierliche Fortsetzung der Netzwerk- und Gremienarbeit; Weiterentwicklung von Kooperationen für die gemeinsame Quartiersentwicklung; (noch) notwendige Begleitung
und Unterstützung sowie Moderation im Rahmen des Quartiersverfahrens;
Öffentlicher Raum: Sicherung von Orten und Projekten, die eine wichtige Rolle für die Identifizierung
mit dem Gebiet haben; Nutzung und Wertschätzung des Hochzeitsparks auch nach der aktiven Entstehungszeit; Stabilisierung Garten der Begegnung; Überlegungen für Entwicklungen auf noch vorhandenen Leerstands- oder Brachflächen, inklusive Ringkolonnaden.
5.2

Verstetigung der Ergebnisse

Nach wie vor hat das Verfahren keinen Stand erreicht, an dem eine generelle Verstetigung der Ergebnisse ohne weitere Förderung möglich wäre. Es zeigt sich bei vielen Projekten, dass es weiterhin notwendig ist, diese strukturell und finanziell zu fördern. Insbesondere Schlüsselprojekte und -themen sind
noch nicht ausreichend stabilisiert, um sich selbsttragend im Gebiet zu etablieren. So besteht nach wie
vor das Ziel zumindest für die Bewirtschaftung des Gartens der Begegnung ein adäquates Konzept zu
entwickeln und umzusetzen, damit sich dieses Angebot kostenneutral trägt.
In den seltensten Fällen gelingt es jedoch, Träger oder Partner zu finden, die die Projekte ohne Förderung fortsetzen. Dort wo allerdings Strukturen in den "Alltag" überführt werden konnten, handelte es sich
um Maßnahmen, die mit Trägern aus dem Quartier entwickelt wurden und wo die Einrichtungen langfristige Perspektiven haben. Der Elterntreff und das Projekt Elternschule an der Kita Sonnenschein sind
zwei Beispiele dafür. Insofern sollte auch zukünftig vor allem mit den Trägern zusammengearbeitet
werden, die bereits im Gebiet oder angrenzend aktiv sind.

22

Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

Am ehesten bestehen Verstetigungspotenziale noch für kleinere Projekte und Aktionen, insbesondere
solche, die bewohnerinitiiert (Kiezschaufenster) und finanziell vergleichsweise wenig aufwändig (3000
Schritte extra, Laufgruppe, offener Tanztreff) sind. Was die Verstetigung von Netzwerkstrukturen anbetrifft, scheint es gegenwärtig noch die wenigsten Chancen zu geben, einerseits weil sich im Gebiet die
Strukturen noch weiter aufbauen müssen und andererseits, weil es oft mit dem persönlichen Engagement der Akteure und dem vertrauensvollen Umgang zusammenhängt, dass Netzwerke funktionieren.
Voraussetzungen für Verstetigungen von Projekten sind entweder alternative Grundfinanzierungen (z.B.
über Wohnungsunternehmen), Formen der Finanzierung von Angeboten über Nutzungsbeiträge (z.B.
Frauensport 50+) oder auch stabile personelle wie strukturelle Rahmenbedingungen (Kiezsporthalle,
bewirtschaftet durch einen ansässigen Sportverein). Insgesamt besteht jedoch sowohl für die Projekte
als auch für die Begleitung des Verfahrens selbst noch anhaltender Förderbedarf, vor allem weil – angesichts des bevorstehenden Generationenumbruchs in weiten Teilen der Wohnungsbestände sowie
der stadtweiten Entwicklungs- und Verdrängungsprozesse – für die kommenden Jahre mit einem Bevölkerungswechsel im Quartier gerechnet werden muss, dessen durchaus problematische Auswirkungen durch gut funktionierende Quartiersstrukturen und eine anhaltende Begleitung gegebenenfalls abgefedert werden können.

23

Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

6 Anlagen:
 Liste mit Bedarfen (Projektfonds, ggf. Netzwerkfonds)
 (Kosten- und Finanzierungsübersicht), wird vom Bezirksamt ausgefüllt
Bedarfsliste
Die nachfolgende Auflistung enthält sowohl die Projekte die bereits für den Zeitraum 2015/2016 und
teilweise darüber hinaus stattfinden werden, als auch Bedarfe, die für das QM-Gebiet weiterhin festzustellen sind. Sie knüpfen dabei zum Großteil an vorangegangene Projektansätze an.
Maßnahme/Projekt

Kurzbeschreibung

Zeithorizont

Soziale Stadt-Fonds

2014 bis Juli
2015

QF3
2015:10.000 Euro

2015-2017

Projektfonds
2015: 5.000 Euro
2016: 15.000 Euro
2017: 10.000

2014-2016

Projektfonds
2014: 5.000 Euro
2015: 5.000 Euro
2016: 5.000 Euro

langfristig

Projektfonds

HF 1 - Bildung, Ausbildung und Jugend
„Fitte Kids von Anfang an“
an der Karl-FriedrichFriesen-Grundschule

„Spielraum Quartier“ lerntherapeutisches Qualifizierungsangebot für
Erwachsene
KiezGuerilla Jugendrat

Beitrag für Gesundheitsförderung und Persönlichkeitsentwicklung in der Schulanfangsphase (5-9 Jahre), unterrichtsbegleitend, -ergänzend, vor allem für Schüler mit Lernproblemen oder auffälligem Sozialverhalten; unterschiedliche
Projektbausteine, vorrangig zirkuspädagogische Mittel,
Spiele, kreative Bewegungsaufgaben zur Entwicklung von
Teamfähigkeit, Selbstvertrauen, sozialem Verhalten, Konzentrationsfähigkeit, Lernbereitschaft, Feinmotorik
Fortsetzungsbedarf:
Schlüsselthema "Stärkung der Entwicklungschancen von
Kindern" bleibt auch langfristig bestehen, aufgrund anhaltenden Bedarfs in Grundschule
Praxisbezogene Qualifizierung der Erwachsenen (Erzieher,
Lehrerpersonal, Lesepaten, Eltern) im Umgang mit Kindern
mit Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten
Aufbau eines Netzwerks aus engagierten und motivierten
jungen Menschen; Aufbau eines Jugendrates, der seine
Aufgabenfelder selbst konzipiert und Strategien entwickelt

Fortsetzungsbedarf:
Einbindung der Jugendlichen in Gremien der Quartiersentwicklung; Berücksichtigung im gemeinsamen Quartiersnetzwerk; Konzipierung konkreter Projektmaßnahmen
Langfristig werden weitere Handlungsbedarfe gesehen in:
Elternbegleitung und
Fortführung Elternbegleitung und Elternaktivierung als
Elternarbeit
Schlüsselthemen in Kitas und Grundschule; im Anschluss an
bisherige, teil erfolgreiche, Projektförderungen; u.a. Förderung des Sprach- und Bildungserwerbs; junge Eltern
(Sommer)Ferienangebote
hier besteht alljährlich Dauerbedarf; gute Erfahrungen aus
Projektansätzen der letzten Jahre
Verbraucher-Informationen Informationen, Stärkung von Verbraucherkompetenzen im
Rahmen von Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen.

langfristig
Aktionsfonds
2015: 300 Euro
ab 2016 Kalkulation
offen

HF 2 – Arbeit und Wirtschaft
Ausbildungs- und
Berufsorientierung für
Jugendliche

Projekte zur Beratung und Unterstützung Jugendlicher;
Ausbildungsförderung und Berufsorientierung sowie zur
Klärung von Bedarfen für Jugendliche

mittelfristig/
langfristig

Gesundheitswirtschaft

Formen der Zusammenarbeit mit den Unternehmen im Cluster Gesundheitswirtschaft erörtern

mittelfristig/
langfristig

24

Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

HF 3 - Nachbarschaft (Kultur, Gemeinwesen, Integration, Gesundheit)
Garten der Begegnung als
zentraler Treffpunkt

Nachbarschaftsnetzwerk
„Nachbarn für Nachbarn“

Gemeinsam für den Kiez

Gesundheits- und Ernährungsprojekt "So gesund
isst unser Kiez"
Aktivierung der Nachbarschaft

Weiterentwicklung und Stabilisierung des Gartens der Begegnung als interkulturellen Begegnungs- und Erholungsort
mit verschiedenen Projekten:
1. Zusammenhalt durch Natur, Kultur und Bewegung

2015

2. Miteinander im Grünen

2016

QF3
20.000 Euro
Projektfonds
15.000 Euro
Projektfonds
10.000 Euro

3. Treffpunkt Garten
Fortsetzung:
Langfristig Sicherung und Stabilisierung des Gartens als
etablierter und eigenständiger Nachbarschaftsort im Quartier
Erweiterung und Stabilisierung des Nachbarschaftsnetzwerkes, Belebung der multifunktional nutzbaren Räume der KarlFriedrich-Friesen-Grundschule mit verschiedenen Angeboten
für die Quartiersbevölkerung

2017

2014-2015

Projektfonds
2014: 5.000 Euro
2015: 15.000 Euro

Erweiterung des Nachbarschaftsnetzwerkes unter Einbeziehung der Strukturen aus dem Elternnetzwerk zu einem gemeinsamen Netzwerk für das QM-Gebiet; Schwerpunkte:
Mehrgenerationen-Angebote, Nachbarschaftshilfe und Konfliktmoderation; Entwicklung von Inhalten für die offene
Nutzung der Karl-Friedrich-Friesen-Grundschule als Quartiersschule
Im Fokus steht das Thema gesunde Ernährung im Quartier;
Sensibilisierung der Familien mit Kindern und anderer Bevölkerungsgruppen, wie z.B. alleinstehende Senioren;

2016-2017

Projektfonds:
2016: 10.000 Euro
2017: 18.000 Euro

2015-2016

Projektfonds:
2015: 10.000 Euro
2016: 10.000 Euro

Förderung erfolgt ggw. im Rahmen des Projektes „Zusammenhalt durch Natur, Kultur und Bewegung“, durch einzelne
Aktionen im Rahmen des Aktionsfonds bzw. ehrenamtliche
Umsetzung

2015
langfristig

Projektfonds

Baufonds
2015: 80.000 Euro
2016: 20.000 Euro
Baufonds
2015: 200.000 Euro
Baufonds
2014: 30.000 Euro
2015: 770.000 Euro

Fortsetzungsbedarf: Einbeziehung und Aktivierung der Bewohnerinnen und Bewohner für die Quartiersentwicklung;
interessens- und bedarfsgerechte Entwicklung von Angeboten mit und für Bewohner; Sport und Bewegung als ein
Schlüsselthema, um Menschen im Gebiet zusammenzubringen und zu erreichen; Grundbausteine für eigenständig
agierende Gruppen legen (vgl. Frauensportgruppen, Tanztreff etc.)
HF 4 - Öffentlicher Raum
Garten der Begegnung

Barrierearme und ökologische Weiterentwicklung des Gartens

2015-2016

Hochzeitspark

Schaffung eines Eingangsbereichs mit Kennzeichnung,
Schaffung weiterer Baumstandorte
Sanierung, Gestaltung, Qualifizierung der Außenanlagen auf
dem Schulgelände

2015

DRK Kinder-, Jugend- und
Familienzentrum
IGA 2017: „Wurzeln schlagen im Quartier

Freiflächengestaltung DRK-Familiengarten

2014-2015

180.000 Euro

Konzeptentwicklung und -umsetzung in Vorbereitung auf die
IGA 2017; Wert und Wertschätzung der Grünanlagen im
Gebiet

2015-2016

Kita „Sonnenschein“

Fassadensanierung (-dämmung) und Neugestaltung der
Außenanlagen, Gartengestaltung, Ergänzung von Angeboten
für 0-3 Jährige, evtl. in Kooperation mit weiterführenden
Schulen und Wohnungsunternehmen

offen

Projektfonds
2015: 9.000 Euro
2016: 13.000 Euro
2017: 10.000 Euro
Projekt im Baufonds
angemeldet: Entscheidung ist abzuwarten

Schulhof Karl-FriedrichFriesen-Grundschule

2014-2015

25

Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015/2016

Freiraumaufwertung im
QM-Gebiet

Sicherheit, Sauberkeit und Aufenthaltsqualität erhalten und
schaffen; in Anlehnung an vorhergehendes Projekt im Wohnumfeld; auf Bewohnerinitiative beruhend; u.a. mit folgenden
Ansätzen: Standorte für Bänke und Papierkörbe; Ausbesserung von Wegen und barrierearme Gestaltung; Sanierung
von Ausstattungselementen; Neu- und Ersatzpflanzungen;
Wiederherstellung der Nutzbarkeit von Sportanlagen z.B.
durch Baumfällungen im Bereich der Beachvolleyball-Anlage

offen

Projekt im Baufonds
angemeldet: Entscheidung ist abzuwarten

Gestaltung Vorplatz am SBhf. Mehrower Allee

Entwicklung eines "Ankunftsortes"; Neugestaltung der Freifläche vor dem Ein-/Ausgangsbereich am S-Bahnhof Mehrower Allee; Themen sind Aufenthaltsqualität, Ankommen
und Verweilen, Quartierseingang, Wege ins Gebiet; Einbindung bestehender Nutzungen (Kioske, Lidl, Freifläche)

offen

Projekt im Baufonds
angemeldet: Entscheidung ist abzuwarten

Wegenetz Quartiersmitte
(„Strahlen des kleinen
Sterns“)

Neuordnung, Gestaltung, Durchgrünung und Umbau des
Wegenetzes in der Quartiersmitte, z.B. Wegeverbindung
zwischen Bürgerpark und Alfred-Döblin-Str. (alter Rüsternweg), zwischen Alfred-Döblin-Str und Walter-Felsenstein-Str.,
inkl. Zuwegungen und Querverbindungen

offen

offen

Spielplatz Sella-HasseStraße/TagoreGymnasium

Neuordnung und Gestaltung der öffentlichen Spielplatzfläche
zwischen Tagore-Gymnasium und Wohnhäusern der SellaHasse-Straße 27-33; in Abstimmung mit der Wohnungsgenossenschaft Marzahner Tor als angrenzende Eigentümerin

offen

offen

Standortentwicklung
Brachflächen

Standortentwicklung für vorhandene Brachflächen Ringkolonnaden Süd/zwei Kitastandorte Ludwig-Renn-Straße (Nähe
Hochzeitspark und Nähe POLIMAR), Neu- und Umgestaltung
der Freifläche an den Ringkolonnaden (ehemals durch Gebäude südliche Ringkolonnaden bebaut, vor der Grundschule,); Konzept zur Einbindung der Fläche in den Bürgerpark
(Verlängerung nach Norden); mglw. Errichtung eines Spielplatzes, unter Beteiligung von Schülern und Jugendlichen
umliegender Infrastrukturen

offen

offen

Tagore-Gymnasium

Überdachte Verbindung zwischen beiden Schulgebäuden als
Idee der Schulleitung, die mit dem Schulamt noch abzuprüfen
ist (ständiger Wechsel der Schüler zwischen den Gebäuden
im Schulalltag; Chance auf räumliche Erweiterung für Ganztagsangebote durch Nutzung des überdachten Bereiches;
Berücksichtigung der Außenanlagen; Profilierung der Schule
auch durch weitere Nutzungsmöglichkeiten unterstützen)

offen

offen

Spiel- und Freibereich
Max-Herrmann- Straße

Aufwertung, Strukturverbesserung (in Zusammenarbeit mit
allod)

offen

offen

2014-2016

Projektfonds
2014: 12.000 Euro
2015: 24.000 Euro
2016: 24.000 Euro

HF 5 - Beteiligung, Vernetzung und Einbindung von Partnern
Nachbarschaftsnetzwerk
„Nachbarn für Nachbarn“

Siehe Beschreibung unter HF 1 dieser Liste

Gemeinsam für den Kiez

Siehe Beschreibung unter HF 1 dieser Liste

Aufbau eines Elternnetzwerkes

Herkunftsunabhängige und einrichtungsübergreifende Ansprache, Aktivierung und Beteiligung von Eltern, insbesondere mit Kindern im kitafähigen Alter, Unterstützung der Eltern
insbesondere bei den Übergängen Geburt/Kita und
Kita/Grundschule, Impulse zum Aufbau von selbsttragenden;
Überführung geschaffener Strukturen in das gemeinsame
Quartiersnetzwerk

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