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Full text: Luftgütemessdaten ... Issue 2015

Luftgütemessdaten
2015

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
Abteilung Integrativer Umweltschutz
-VIII A 24 Brückenstraße 6, 10179 Berlin

Tel.: 030 – 9025 – 2319
Fax: 030 – 9025 – 2952

Jahresbericht 2015

-2-

Impressum
Herausgeber

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
- Abteilung Integrativer Umweltschutz Brückenstr. 6
10179 Berlin
Tel.: 030-9025-0
Bearbeiter:
Dr. Albrecht v. Stülpnagel, Dr. Heike Kaupp, Rainer Nothard, Jörg Preuß, Michaela Preuß,
Sebastian Clemen, Dr. Katja Grunow
unter Mitarbeit von:
Klaus-Dieter Gäde, Helmut Herzog, Sylvia Krüger, Monika Kühn, Martin Schacht, Beate Stock
Berlin, Juli 2016
Bezug des Berichtes bei:
Dr. Albrecht v. Stülpnagel, Tel.: (030) 9025 – 2319, Fax: (030) 9025 – 2952
E-Mail: albrecht.stuelpnagel@senstadt.berlin.de
Veröffentlichung des Berichts und der Messdaten im Internet unter:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/luftqualitaet/messnetz
Titelbild: Messstati on 027 (Marienf elde, Schichauweg )

Jahresbericht 2015

-3-

Inhaltsverzeichnis

Impressum ....................................................................................................................... 2
Begriffsbestimmungen: .................................................................................................. 4
Das Berliner Luftgüte-Messnetz .................................................................................... 5
Tab. 1:
Tab. 2:
Tab. 3:

Standorte des Berliner Luftgüte-Messnetzes 2015 ........................................................................................ 6
Immissionswerte für Luftverunreinigungen nach der 39. BImSchV ............................................................... 7
Verfügbarkeit der Einstundenmittelwerte im Jahr 2015 (in %) ...................................................................... 8

Klimaübersicht für das Jahr 2015 .................................................................................. 8
Abb. 1:
Abb. 2:
Abb. 3:
Abb. 4:

Abweichungen der Monatsmitteltemperaturen im Jahr 2015 in Berlin-Dahlem vom 30-jährigen Mittel
1)
(1961-1990) ................................................................................................................................................. 9
Prozentuale Abweichung der Sonnenscheindauer und des Niederschlags in Berlin-Dahlem in den
1)
Monaten des Jahres 2015 vom 30-jährigen Mittel (1961-1990) ................................................................. 9
2
Windrichtungsverteilung in Berlin-Dahlem im Jahr 2015 (alle Windgeschwindigkeiten) ) ......................... 10
2)
Windrichtungsverteilung im Jahr 2015 in Berlin-Dahlem bei Windgeschwindigkeiten < 3 m/s .............. 10

Die Luftqualität in Berlin im Jahr 2015 ........................................................................ 12
Einordnung im Hinblick auf Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit ........................ 12
Tab. 4:
Schwefeldioxid (SO2)..................................................................................................................................... 12
Tab. 5:
Kohlenmonoxid (CO) .................................................................................................................................... 12
Tab. 6:
Benzol: .......................................................................................................................................................... 12
Tab. 7:
Ozon ............................................................................................................................................................. 13
Tab. 8:
Stickstoffdioxid (NO2) ................................................................................................................................... 15
Tab. 9:
PM10 ............................................................................................................................................................ 16
Tab. 10: Benzo(a)pyren .............................................................................................................................................. 17
Tab. 11: Schwermetalle im PM10 ............................................................................................................................... 17
Tab. 12: PM2,5 ........................................................................................................................................................... 18
Einordnung im Hinblick auf Grenzwerte zum Schutz von Ökosystemen und Vegetation .................. 19
Tab. 13: Summe der Stickoxide .................................................................................................................................. 20
Langzeittrends ............................................................................................................................................ 21
Abb. 5: Verlauf der PM10-Jahresmittelwerte seit 1998 an den automatischen Stationen ...................................... 21
Abb. 6: Verlauf der PM10-Jahresmittel (JM) und der Anzahl der Überschreitungen (U50) des PM10-Tagesmittels
von 50 µg/m³ an der Station Frankfurter Allee ............................................................................................ 21
Abb. 7: Kumulative Darstellung der Anzahl von PM10-Tagesmittelwerten oberhalb der angegebenen
Konzentrationen in den Jahren 2005 bis 2015 an der Station Frankfurter Allee. ........................................ 23
Abb. 8: Kumulative Darstellung der Anzahl von PM10-Tagesmittelwerten oberhalb der angegebenen
Konzentrationen in den Jahren 2005 bis 2015 an der Station Nansenstraße. ............................................. 24
Abb. 9: Verlauf der NO2-Jahresmittelwerte seit 1987 an den automatischen Stationen ......................................... 25
Abb. 10: Quellen der PM10-Immissionsbelastung in Berliner Hauptverkehrsstraßen in den Jahren 2002 und 2009 26
Abb. 11: Verlauf der Benzol-Jahresmittelwerte seit 1996 an den automatischen Stationen ..................................... 27
Abb. 12: Verlauf der Ozon-Jahresmittel von 1987-2015 ............................................................................................. 28
Tab. 14: Obere und untere Beurteilungsschwellen für Luftverunreinigungen nach der 39. BImSchV 1)................... 29
Tab. 15: Einordnung der Kennwerte von Luftschadstoffen für die Jahre 2006 bis 2015 im Hinblick auf die
Beurteilungsschwellen .................................................................................................................................. 30

Ausblick im Hinblick auf Luftreinhaltemaßnahmen ................................................... 31
Quellenangaben ............................................................................................................ 32

-4-

Jahresbericht 2015

Begriffsbestimmungen:
Chemolumineszenz

UV-Fluoreszenz

Lichtemission bei der Reaktion von Stickstoffmonoxid mit Ozon zu
Stickstoffdioxid und Sauerstoff (Verfahren zur Bestimmung von
Stickstoffmonoxid und –dioxid)
Verfahren zur Messung von Schwefeldioxid, das auf der Abstrahlung
von Ultraviolettstrahlung durch Schwefeldioxid-Moleküle bei
Einwirkung von Ultra-violettlicht beruht

Beta-Absorption

Absorption von radioaktiver Strahlung eines Beta-Strahlers durch die
Staubbelegung auf einem Filterband (Verfahren zur Bestimmung von
Schwebstaub)

Streulichtmessung

Die Probeluft wird über ein Edelstahlrohr in eine Messkammer
geleitet. Dort wird kontinuierlich jeweils ein sehr kleines Volumen
(statistisch meist nur ein Partikel) mittels Laser ausgeleuchtet. Die
dabei entstehende Lichtstreuung ist ein Maß für die Partikelanzahl
und Größe. Die Größen werden klassifiziert. Aus der Anzahl der
Partikel pro Größenklasse und dem Volumenstrom kann dann auf die
Konzentration pro Fraktion rückgeschlossen werden.

PM10, PM2,5

Partikelfraktion mit aerodynamischen Durchmessern kleiner oder
gleich 10 µm bzw. 2,5 µm

AOT40

(Accumulated Ozone Exposure over a threshold of 40 ppb) = die
Summe der Differenz zwischen Ozon-Konzentrationen über
80 µg/m³(=40 ppb) als 1-Stunden-Mittelwert und 80 µg/m³ während
einer gegebenen Zeitspanne unter ausschließlicher Verwendung der
1-Stunden-Mittelwerte zwischen 8 und 20 Uhr (MEZ) an jedem Tag
(ausgedrückt in (µg/m³)*Stunden)

AEI

Average Exposure Indicator: gleitender Jahresmittelwert über 3 Jahre,
gemittelt über ausgewählte PM2,5-Messstationen im städtischen
Hintergrund, für einen EU-Mitgliedstaat

Thermo-optisches
Messverfahren

Messverfahren zur Bestimmung von EC (elementarem Kohlenstoff),
wobei die Trennung der Kohlenstoffkomponenten durch thermische
Behandlung der auf Quarzfaserfiltern abgeschiedenen Staubprobe
und eine simultane optische Messung erfolgt. Das Analyseprofil der
thermischen Behandlung ist genau definiert. Die optische Messung
erfolgt auf Grundlage der Reflexion oder Transmission

Gaschromatographie

Verteilungschromatographie, die als Analysenmethode zum
Auftrennen von Gemischen in einzelne chemische Verbindungen
weite Verwendung findet. Im vorliegenden Fall wird die
Gaschromatographie zur Bestimmung von Benzol, Toluol und Xylol
benutzt.

Jahresbericht 2015

-5-

Das Berliner Luftgüte-Messnetz
Die Bundesländer sind nach § 44 (1) des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImSchG) und der
39. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) verpflichtet, die Luftverunreinigung
kontinuierlich zu überwachen. Berlin kommt dieser Verpflichtung mit dem Berliner LuftgüteMessnetz (BLUME) nach. Dieses bestand im Jahr 2015 aus 16 automatisch registrierenden
Messstationen für Luftschadstoffe. Davon waren zur Beschreibung der allgemeinen
Immissionssituation fünf Messstationen im innerstädtischen Hintergrund (Wohn- und
Gewerbegebiete), fünf im Stadtrand- und Waldbereich und sechs an Verkehrsschwerpunkten
eingerichtet. An allen Stationen wurden Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid (mit dem
Chemolumineszenzverfahren), an elf Stationen Staub der PM10-Fraktion (durch Absorption von
Beta-Strahlung oder durch Messung der Streuung von Licht an Staubpartikeln), an sieben
Stationen Ozon (durch Absorption von UV-Strahlung), an zwei Stationen Kohlenmonoxid (durch
Absorption von Infrarotstrahlung), an vier Stationen Benzol (durch Gaschromatographie) und an
zwei Stationen Schwefeldioxid (durch UV-Fluoreszenz) gemessen. An drei bzw. vier Messstellen
wurden in der PM10-Fraktion zusätzlich Schwermetalle und Benzo(a)pyren bestimmt. Die
Analysatoren für gasförmige Schadstoffe wurden einer täglichen automatischen
Funktionsüberprüfung, alle Geräte einer monatlichen Kalibrierung unterzogen. An drei Stationen
im innerstädtischen Hintergrund zur Bestimmung des AEI und zusätzlich an einer Station in einer
Hauptverkehrsstraße wurden die Konzentrationen der Partikel PM2,5 gemessen.
Da der Straßenverkehr für die meisten Schadstoffe einen erheblichen Teil zur Immissionsbelastung beiträgt, wird das automatische Messnetz vor allem in Bereichen mit hohem
Verkehrsaufkommen, in denen aus Platzgründen kein Messcontainer betrieben werden könnte,
seit Mitte der 1990er Jahre durch kleine, an Straßenlaternen befestigte Probenahmegeräte
(RUBIS) ergänzt. Auf diese Weise wurde im Jahr 2015 zusätzlich an 22 Punkten im Berliner
Stadtgebiet die Belastung mit EC und Stickstoffoxiden in zweiwöchiger Auflösung abgeschätzt.
Aus den so gewonnenen EC-Daten ist mit hinreichender Qualität eine Abschätzung der PM10Belastung möglich.
Die Standorte aller Stationen des Berliner Luftgüte-Messnetzes sind Tabelle 1 zu entnehmen.
Die Beurteilung der gemessenen Immissionsbelastung erfolgt durch Vergleich mit den geltenden
Grenz- und Zielwerten (vgl. Tabelle 2).
Eine Übersicht über die Verfügbarkeit der Daten des automatischen Messnetzes bezogen auf
Einstundenwerte gibt Tabelle 3.

Jahresbericht 2015

Tab. 1:
Nr.

-6-

Standorte des Berliner Luftgüte-Messnetzes 2015
Standort

Innerstädtischer Hintergrund
010

Wedding, Amrumer/Limburger Str.

018

Schöneberg, Belziger Str. 52

Nr.

Standort

Straßenverkehr

576

Spandau, Klosterstr. 12

042/517 Neukölln, Nansenstr. 10

579

Wittenau, Eichborndamm 23-25

171

Mitte, Brückenstr. 6

581

Friedrichshain, Markgrafendamm 33

282

Karlshorst, Rheingoldstr., geg. 36/37,
(Johanna-und-Willy-Brauer-Platz)

124

Mariendorf, Mariendorfer Damm 148

Straßenverkehr
115

Charlottenburg, Hardenbergplatz

117/521 Steglitz, Schildhornstr. 76
143/522 Neukölln, Silbersteinstr. 1
174/519 Friedrichshain, Frankfurter Allee 86 b

Stadtrand

220/523 Neukölln, Karl-Marx-Str. 77

027

Marienfelde, Schichauweg 60, WaBoLu

501

Weissensee, Berliner Allee 118

032

Grunewald, Jagen 91

504

Tiergarten, Beusselstr. 66

077/535

505

Tiergarten, Potsdamer Str. 102

Buch, Wiltbergstr. 50,
ehemaliges Klinikum

507

Schöneweide, Michael Brückner Str. 5

085

514

Friedrichsfelde, Alt Friedrichsfelde 7 a

Friedrichshagen, Müggelseedamm
307-310

525

Mitte, Leipziger Str. 32

145

Frohnau, Jägerstieg 1

528

Charlottenburg, Kantstr. 117

530

Schöneberg, Hauptstr. 54

Meteorologie

531

Westend, Spandauer Damm 103

032

533

Neukölln, Hermannstr. 120

537

Tiergarten, Alt-Moabit 63

539

Steglitz, Schloßstr. 29

542

Tempelhof, Tempelhofer Damm 148

545

Neukölln, Sonnenallee 68

547

Friedrichshain, Landsberger Allee 6-8

555

Kreuzberg, Hermannplatz, Laterne 21

559

Britz, Buschkrugallee 8

562

Mitte, Friedrichstr. 172

573

Wedding, Badstr. 67

Grunewald, Jagen 91, 3 und 27 m Höhe

Alle Messstellen mit Nummern größer als 500 messen
Zweiwochenmittelwerte von NO2 (Passivsammler) und
Ruß (Aktivsammler). Die anderen (automatischen)
Messstellen messen kontinuierlich in 5-minütiger
Auflösung im Wesentlichen Stickstoffoxide und PM10,
teilweise auch Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid, Ozon und
Benzol.

-7-

Jahresbericht 2015

Tab. 2:

Immissionswerte für Luftverunreinigungen nach der 39. BImSchV

Komponente

Mittel über

Grenzwert (GW), (für
Benzo(a)pyren,
Schwermetalle und
Ozon: Zielwert)

zulässige Anzahl
von Überschreitungen pro Jahr

Grenz- oder
Zielwert
einzuhalten

Schwefeldioxid

1h
24 h

350 µg/m³
125 µg/m³

24
3

seit 1.1.2005
seit 1.1.2005

Schwefeldioxid

Mittel über Okt.März
(zum Schutz von
Ökosystemen)

20 µg/m³ (kritischer
Wert)

3

seit 1.1.2005

Stickstoffdioxid

1h
1 Jahr

200 µg/m³
40 µg/m³

18
---

seit 1.1.2010
seit 1.1.2010

Summe der
Stickoxide

1 Jahr

30 µg/m³ (kritischer
Wert)

---

seit 1.1.2010

---

(zum Schutz von
Ökosystemen)
Partikel-PM10

24 h
1 Jahr

50 µg/m³
40 µg/m³

35
--

seit 1.1.2005
seit 1.1.2005

Partikel-PM2,5

GW Stufe 1, 1 Jahr

25 µg/m³

---

seit 1.1.2015

GW Stufe 2, 1 Jahr

20 µg/m³

---

ab 1.1.2020

Blei

1 Jahr

0,5 µg/m³

---

seit 1.1.2005

Benzol

1 Jahr

5 µg/m³

---

seit 1.1.2010

) 120 µg/m³
höchster 8-StundenMittelwert eines Tages
180 µg/m³
Informationsschwelle
240 µg/m³
Alarmschwelle

25
(gemittelt über
3 Jahre)

seit 1.1.2010

Ozon

8 Stunden

1-Stunden-Mittelwert
1-Stunden-Mittelwert
Ozon
Kohlenmonoxid

1

---

1

1

-----

AOT40, Summe
über Mai – Juli

) 18000 µg/m³h,
gemittelt über 5 Jahre

---

seit 1.1.2010

8 Stunden

10 mg/m³
höchster 8-StundenMittelwert eines Tages

---

seit 1.1.2005

Arsen (im PM10)

1 Jahr
(Kalenderjahr)

1

---

seit 31.12.2012

Kadmium (im
PM10)

1 Jahr
(Kalenderjahr)

1

) 5 ng/m³

---

seit 31.12.2012

Nickel (im PM10)

1 Jahr
(Kalenderjahr)

1

) 20 ng/m³

---

seit 31.12.2012

Benzo(a)pyren
(im PM10)

1 Jahr
(Kalenderjahr)

1

---

seit 31.12.2012

) 6 ng/m³

) 1 ng/m³

): Zielwerte – Für Quecksilber ist kein Zielwert festgelegt; hier sind nur orientierende
Messungen im Hintergrund vorgeschrieben, die vom Umweltbundesamt durchgeführt werden.

-8-

Jahresbericht 2015

Tab. 3:

Verfügbarkeit der Einstundenmittelwerte im Jahr 2015 (in %)
Station
MC027
MC032
MC077
MC085
MC145
MC010
MC018
MC042
MC171
MC282
MC115
MC117
MC143
MC174
MC220
MC124
---

PM10
--99
97
99
--100
--97
99
----100
100
99
100
98

NO2/NOx
99
100
99
100
98
100
99
99
99
100
97
99
100
99
98
100

SO2
------------------100
------100
-----

CO
----------------------100
--100
-----

Ozon
99
99
99
100
98
100
--99
-----------------

Benzol
----------85
--97
------95
--97
-----

Komponente wurde nicht gemessen

Klimaübersicht für das Jahr 2015
Das Jahr 2015 war in Berlin ein insgesamt eher trockenes Jahr mit überdurchschnittlich hohen
Temperaturen und einer verhältnismäßig langen Sonnenscheindauer.
Die Temperaturverhältnisse des Jahres 2015 im Vergleich zum 30-jährigen Mittel 1961-90 zeigt
Abbildung 1. Dabei lagen fast alle Monate über dem langjährigen Mittel, der Januar um 3,4 °C,
der August um 4,5 °C, der November um 3,1 °C und der Dezember sogar um 5,9 °C. Lediglich
die Monate Mai und Juni lagen knapp unter und der Oktober um 1,0 °C unter dem langjährigen
Durchschnitt.
Die Sonnenscheindauer und die Niederschlagsmenge im Jahr 2015 sind in Abbildung 2
dargestellt. Bei der Sonnenscheindauer ist der Dezember hervorzuheben, der mehr als Doppelte
an Sonnenscheinstunden, bezogen auf das langjährige Mittel, aufwies. Auffällig sind der sehr
feuchte Januar und Oktober, in denen über 70 % mehr Niederschlag als im langjährigen
Monatsmittel fiel, und die sehr trockenen Monate Februar und Mai, die nur 14 bzw. 29 % des
Monatsniederschlags gegenüber dem langjährigen Mittel erhielten.

-9-

Jahresbericht 2015

7,0
"Temperaturabweichung vom 30-jährigen Mittel"

C

6,0

"keine Abweichung vom 30-jährigen Mittel

5,0
4,0
3,0
2,0
1,0
0,0
-1,0

Dezember

November

Oktober

September

August

Juli

Juni

Mai

April

März

Februar

Januar

-2,0

Abb. 1: Abweichungen der Monatsmitteltemperaturen im Jahr 2015 in Berlin-Dahlem
1)
vom 30-jährigen Mittel (1961-1990)

%
250

Sonnenscheindauer
Niederschlag
"100 %, entspricht dem Durchschnitt"

200

150

100

50

Dezember

November

Oktober

September

August

Juli

Juni

Mai

April

März

Februar

Januar

0

Abb. 2: Prozentuale Abweichung der Sonnenscheindauer und des Niederschlags in
1)
Berlin-Dahlem in den Monaten des Jahres 2015 vom 30-jährigen Mittel (1961-1990)
Zu 1): Klimatologische Daten von der Station Berlin-Dahlem entnommen aus den Beilagen zur
Berliner Wetterkarte, herausgegeben vom Meteorologischen Institut der FU Berlin.

- 10 -

Jahresbericht 2015

360°
330°

300°

270°

18%
16%
14%
12%
10%
8%
6%
4%
2%
0%

30°

60°

90°
prozentualer Anteil von
10-Minuten-Werten

240°

120°

210°

150°
180°

2

Abb. 3: Windrichtungsverteilung in Berlin-Dahlem im Jahr 2015 (alle Windgeschwindigkeiten) )

360°
16%

330°

14%

30°

12%
10%

300°

60°

8%
6%
4%
2%

270°

90°

0%

prozentualer Anteil von
10-Minuten-Werten
240°

120°

210°

150°
180°

Abb. 4: Windrichtungsverteilung im Jahr 2015 in Berlin-Dahlem
2)
bei Windgeschwindigkeiten < 3 m/s
Zu 2): Quelle der Winddaten: Meteorologisches Institut der FU Berlin

Jahresbericht 2015

- 11 -

Die Windrichtungsverteilung bei allen und bei geringen Windgeschwindigkeiten ist den
Abbildungen 3 und 4 zu entnehmen. Auffällig ist im Jahr 2015 der deutlich niedrigere Anteil an
östlichen und südöstlichen Winden und der deutlich erhöhte Anteil an südwestlichen, westlichen
und nordwestlichen Winden, verglichen mit 2014. Bei den Schwachwind-Wetterlagen ist der
Anteil an südöstlichen bis südwestlichen Winden im Jahr 2015 deutlich gegenüber 2014
herabgesetzt, während westliche bis nordwestliche Winde 2015 deutlich mehr vertreten sind als
2014. Wenn man die Schwachwind-Wetterlagen der Herbst- und Wintermonate, also Januar bis
März und Oktober bis Dezember, der Jahre 2014 und 2015 vergleicht, so fällt auf, dass 2015
etwa 15 % weniger solcher austauscharmer Situationen als 2014 auftreten. Darüber hinaus
kommen in den Wintermonaten 2015 etwa 24 % weniger Schwachwind-Wetterlagen mit
südlichen bis südöstlichen Winden , aber 53 % mehr solcher Situationen mit westlichen Winden
vor als in den Wintermonaten 2014. Gerade in den Spätherbst- und Wintermonaten zeichnen
sich die schwachwindigen Hochdruckwetterlagen mit südlichen bis östlichen Winden durch hohe
Luftbelastungen durch Partikel aus. Das deutlich seltenere Auftreten dieser Wetterlagen im
Zeitraum Januar bis März und Oktober bis Dezember des Jahres 2015 gegenüber 2014 hat nun
zur Folge, dass 2015 deutlich weniger Überschreitungen des Grenzwerts für PM10 als 2014
festgestellt wurden. Von den meteorologischen Ausbreitungsbedingungen her war also 2015 ein
ziemlich günstiges Jahr.

- 12 -

Jahresbericht 2015

Die Luftqualität in Berlin im Jahr 2015
Einordnung im Hinblick auf Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit
Die Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit wurden für Schwefeldioxid,
Kohlenmonoxid und Benzol weit unterschritten (vgl. Tabellen 4 ,5 und 6).
Tab. 4:

Schwefeldioxid (SO2)
Lage

Station

Innen
stadt

Karlshorst (MC282)

1,42

0

0

Frankfurter Allee
(MC174)

2,19

1

0

Straße

JahresAnzahl von
Anzahl von
mittel Überschreitungen Überschreitungen des
des 1-Stunden24Stunden-Mittels
Mittels von 350
von 125 µg/m³
µg/m³
µg/m³

Alle Grenzwerte wurden eingehalten.
Tab. 5:

Kohlenmonoxid (CO)
Lage

Straße

Station

Schildhornstr. (MC117)
Frankfurter Allee (MC174)

Jahresmittel
mg/m³
0,4
0,4

MAX_8H
mg/m³
1,5
1,9

Der Grenzwert der 39.BImSchV für den maximalen 8-Stunden-Mittelwert von
10 mg/m³ wurde überall eingehalten.
Tab. 6:

Benzol:

Lage
innerstädtischer Hintergrund
innerstädtischer Hintergrund
Straße
Straße

Station

Jahresmittel
µg/m³
Wedding (MC010)
1,0
Neukölln (MC042)
1,0
Frankfurter Allee 86 b (MC174)
1,4
Schildhornstr. 76 (MC117)
1,5

Der Grenzwert der 39.BImSchV für das Jahresmittel (5 µg/m³), der seit dem Jahr 2010
einzuhalten ist, wurde deutlich unterschritten
Beim Ozon (s. Tabelle 7) wurde im Jahr 2015 der Grenzwert für das Achtstunden-Mittel am
Stadtrand zwischen 21- und 26-mal und im innerstädtischen Hintergrund 24- bis 25-mal
überschritten. Im Mittel über die letzten 3 Jahre gab es zwischen 14 und 23 Überschreitungen,
das Jahr 2015 wies im Hinblick auf Ozon also eine deutlich erhöhte Belastung auf. Der Zielwert
der 39. BImSchV wurde im Dreijahresmittel an allen Stationen eingehalten.
Die Informationsschwelle wurde im gesamten Jahr 2015 an neun Tagen überschritten. Die
Überschreitungen traten auf: am 03.07. in Frohnau, am 04.07. an sämtlichen OzonMessstationen, am 05.07. in Neukölln, Wedding und Buch, am 03.08. in Frohnau, am 06.08. in
Buch, am 07.08. in Marienfelde, Frohnau, Buch, Wedding und Friedrichshagen, am 11.08. in

- 13 -

Jahresbericht 2015

Marienfelde, Grunewald, Neukölln, Buch und Friedrichshagen, am 14.08. in Friedrichshagen und
am 15.08. in Buch. Dabei wurden am 11.08. in Friedrichshagen und Buch Einstunden-Mittel von
235,0 bzw. 235,5 µg/m³ gemessen und blieben damit nur wenig unter der Warnschwelle von
240 µg/m³. An allen genannten Tagen betrugen die Temperatur-Tagesmaxima über 30 °C, am
04.07. sogar 36,2 °C und am 07.08. 36,9 °C.
Tab. 7:
Lage

Stadtrand

Ozon
Station

JM

MAX_8H

U120

MC027 (Marienfelde)
MC032 (Grunewald)
MC077 (Buch)
MC085 (Friedrichshagen)
MC145 (Frohnau)

µg/m³
53
48
51
56
49

µg/m³
178
175
191
191
169

Anzahl
26
21
24
31
21

U120, Mittel über
3 Jahre
Anzahl
17
14
17
23
14

47
45

191
168

25
24

15
15

U180

U240

Anzahl

Anzahl

AOT-P
(2014)
µg/m³ *h

4
2
6
5
4

0
0
0
0
0

16099
12251
15501
18977
12387

14379
10004
14038
16709
12092

32189
24594
29394
37068
25046

3
3

0
0

12466
11822

10627
11357

24496
23773

innerstädtischer MC010 (Wedding)
Hintergrund
MC042 (Neukölln)
Station

Stadtrand

MC027 (Marienfelde)
MC032 (Grunewald)
MC077 (Buch)
MC085 (Friedrichshagen)
MC145 (Frohnau)

innerstädtischer MC010 (Wedding)
Hintergrund
MC042 (Neukölln)

AOT-P (letzte 5 AOT-W
Jahre)
(2014)
µg/m³ *h
µg/m³ *h

JM:
Jahresmittel
MAX_8H: maximaler 8-Stunden-Mittelwert
U120:
Anzahl der Überschreitungen des maximalen Achtstundenwertes des Tages von 120 µg/m³
U120 (Mittel über 3 Jahre): wie U120, gemittelt über die letzten 3 Kalenderjahre (Zielwert der 39.BImSchV:
25 Tage/Jahr)
U180:
Anzahl der Tage mit Überschreitung des 1-Stundenwerts zur Information der Bevölkerung von 180 µg/m³
U240:
Anzahl der Tage mit Überschreitung des 1-Stundenwerts zur Warnung der Bevölkerung von 240 µg/m³
AOT-P:
AOT40 (Summe über Mai bis Juli)
AOT-P (letzte 5 Jahre): wie AOT-P, gemittelt über die letzten 5 Kalenderjahre (künftiges Langfristziel zum Schutz der
Vegetation: 6000 µg/m³*h) (Zielwert ab 2010: 18000 µg/m³*h)
AOT-W:
AOT40 (Summe über April bis September), (kritischer Belastungswert zum Schutz von
Waldökosystemen: 20000 µg/m³*h)
Grenzwerte bzw. Zielwerte wurden eingehalten.
Grenzwerte bzw. Zielwerte wurden überschritten.

Jahresbericht 2015

- 14 -

Beim Stickstoffdioxid (s. Tabelle 8) wurden am Stadtrand Jahresmittel von 13-14 µg/m³, im
innerstädtischen Hintergrund von 20-28 µg/m³, in Straßennähe aber zwischen 41 und 53 µg/m³
gemessen. Der seit 2010 einzuhaltende Grenzwert der 39. BImSchV wurde an allen sechs
automatischen Straßenmessstellen überschritten, wenn auch an Station 174 (Frankfurter Allee)
mit 41 µg/m³ nur knapp. Die 2-Wochen-Messungen mit NO2-Passivsammlern geben Hinweise
darauf, dass in vielen Straßenzügen der Innenstadt mit Grenzwertüberschreitungen gerechnet
werden muss. Beim Einstunden-Mittelwert wurde der Grenzwert von 200 µg/m³ an drei
automatischen Stationen (Hardenbergplatz, Silbersteinstraße, Schildhornstraße) je einmal
überschritten, mithin die zulässige Überschreitungshäufigkeit für diesen Kurzzeit-Grenzwert
eingehalten. Die gegenüber 2014 deutlich niedrigeren Werte am Hardenbergplatz (Busbahnhof)
könnten damit zusammenhängen, dass einige Buslinien dort auf Erdgas- oder auch
Elektroantrieb umgestellt worden sind.

Jahresbericht 2015

Tab. 8:

- 15 -

Stickstoffdioxid (NO2)

Lage

Station

Marienfelde (MC027)
Grunewald (MC032)
Stadtrand
Buch (MC077)
Friedrichshagen (MC085)
Frohnau (MC145)
Wedding (MC010)
innerstädtischer Schöneberg (MC018)
Hintergrund
Neukölln (MC042)
Karlshorst (MC282)
Mitte (MC171)
* Berliner Allee 118 (MS501)
* Beusselstr. 66 (MS504)
* Potsdamer Str. 102 (MS505)
* Michael Brückner Str. 5 (MS507)
* Alt Friedrichsfelde 8a (MS514)
Frankfurter Allee 86 b (MC174)
Schildhornstr. 76 (MC117)
Silbersteinstr. 1 (MC143)
Straße
Karl-Marx-Str. 77 (MC220)
* Leipziger Str. 32 (MS525)
* Kantstr. 117 (MS528)
* Hauptstr.54 (MS530)
* Spandauer Damm 103 (MS531)
* Hermannstr. 120 (MS533)
* Alt Moabit 63 (MS537)
* Schloßstr. 29 (MS539)
* Tempelhofer Damm 148 (MS542)
* Sonnenallee 68 (MS545)
* Landsberger Allee 6-8 (MS547)
* Hermannplatz, Laterne 21 (MS555)
* Buschkrugallee 8 (MS559)
* Friedrichstr. 172 (MS562)
Hardenbergplatz (MC115)
* Badstr. 67 (MS573)
* Spandau, Klosterstr. 12 (MS576)
* Eichborndamm 23-25 (MS579)
* Markgrafendamm 6 (MS581)
Mariendorfer Damm 148 (MC124)

Jahresmittel
µg/m³
14
13
14
13
13
28
26
27
20
27
53
52
60
55
55
41
48
52
52
73
49
60
59
60
60
51
50
59
55
59
65
44
53
55
54
41
44
49

Anzahl der Überschreitungen des
1h-Mittels von 200 µg/m³ (GW)
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0

0
1
1
0

1

0

Der Grenzwert der 39.BImSchV für das Jahresmittel beträgt seit 01.01. 2010 40 µg/m³.
GW

Kurzzeit-Grenzwert der 39.BImSchV für 1-Stundenmittelwerte: 200 µg/m3
(darf seit 01.01. 2010 im Kalenderjahr nicht mehr als 18-mal überschritten werden)
Grenzwert für Jahresmittel oder Kurzzeit-GW wurde nicht überschritten.
Grenzwert für Jahresmittel oder Kurzzeit-GW wurde überschritten.
*

(kursiv gedruckt) Passivsammler-Messung (abgeschätzte NO2-Belastung)

Jahresbericht 2015

Tab. 9:
Lage

- 16 -

PM10
Station

Grunewald (MC032)
Buch (MC077)
Friedrichshagen (MC085)
innerstädtischer Wedding (MC010)
Hintergrund
Neukölln (MC042)
Mitte (MC171)
Berliner Allee 118 (MS501)
*
Beusselstr. 66 (MS504)
*
Potsdamer Str. 102 (MS505)
*
Michael Brückner Str. 5 (MS507)
*
Alt Friedrichsfelde 8a (MS514)
*
Frankfurter Allee 86 b (MC174)
Schildhornstr. 76 (MC117)
Silbersteinstr. 1 (MC143)
Straße
Karl-Marx-Str. 77 (MC220)
Leipziger Str. 32 (MS525)
*
Kantstr. 117 (MS528)
*
Hauptstr. 54 (MS530)
*
Spandauer Damm 103 (MS531)
*
Hermannstr. 120 (MS533)
*
Alt Moabit 63 (MS537)
*
Schloßstr. 29 (MS539)
*
Tempelhofer Damm 148 (MS542)
*
Sonnenallee 68 (MS545)
*
Landsberger Allee 6-8 (MS547)
*
Hermannplatz, Laterne 21 (MS555)
*
Buschkrugallee 8 (MS559)
*
Friedrichstr. 172 (MS562)
*
Badstr. 67 (MS573)
*
Spandau, Klosterstr. 12 (MS576)
*
Eichborndamm 23-25 (MS579)
*
Markgrafendamm 6 (MS581)
*
Mariendorfer Damm 148 (MC124)
Stadtrand

Jahresmittel
µg/m³
17
20
20
22
22
23
29
27
28
32
32
29
22
26
26
34
27
30
34
34
32
26
29
34
32
33
35
25
33
29
25
29
29

Anzahl der Überschreitungen
des Tagesmittels von 50 µg/m³
4
5
9
20
10
16

36
20
29
26

24

- Der Grenzwert der39.BImSchV für das Jahresmittel beträgt 40 µg/m3.
- Der Tagesmittelwert von 50 µg/m3 darf nach der 39.BImSchV im Jahr
nicht häufiger als 35-mal überschritten werden.
Der jeweilige Grenzwert wurde eingehalten.
Der jeweilige Grenzwert wurde überschritten.
* (kursiv gedruckt):
RUBIS-Station, PM10 aus Ruß abgeschätzt

Die an den Stationen des automatischen Messnetzes ermittelten PM10-Jahresmittelwerte lagen
am Stadtrand bei 17-20 µg/m³, im innerstädtischen Hintergrund bei 22-23 µg/m³ und an
Schwerpunkten des Straßenverkehrs bei 22-29 µg/m³ (s. Tabelle 9). Die höchsten
Jahresmittelwerte (29 µg/m³) wurden in der Frankfurter Allee und im Mariendorfer Damm
gemessen. Der Grenzwert für das Jahresmittel wurde in den letzten neun Jahren auch an der
höchst belasteten Messstelle weder überschritten noch erreicht. Nur im Jahr 2003 wurde er in
der Frankfurter Allee überschritten und im Jahr 2006 dort gerade erreicht. Auch aus den RUBISMessungen ergaben sich im Jahr 2015 keine Hinweise auf Grenzwertüberschreitungen beim
PM10 in Straßenschluchten.

- 17 -

Jahresbericht 2015

Das wesentlich größere Problem ist die Einhaltung des Grenzwerts für das Tagesmittel. Im
gegenüber 2014 deutlich niedriger belasteten Jahr 2015 lag die Zahl der Überschreitungen
mit nur 4-9 am Stadtrand und 10-20 im innerstädtischen Hintergrund merklich unterhalb der
zulässigen Überschreitungshäufigkeit von 35. Nur an einer verkehrsnahen Messstelle, nämlich in
der Frankfurter Allee, wurde eine Überschreitung mehr als die zulässigen 35 festgestellt. An den
übrigen verkehrsnahen Messstellen wurden nur an 20 bis 29 Tagen PM10-Tagesmittelwerte
über 50 µg/m³ gemessen. Das Jahr 2015 lag beim PM10 hinsichtlich des Jahresmittels und auch
hinsichtlich der Überschreitungen des Tagesmittels von 50 µg/m³ unter dem Durchschnitt der
vergangenen zehn Jahre.
An der Station Mariendorfer Damm wurden in den letzten Jahren deutlich weniger
Überschreitungen des Tagesmittels von 50 µg/m³ festgestellt, als man aufgrund des
Jahresmittelwerts erwarten könnte. Der Grund hierfür dürfte sein, dass der Mariendorfer Damm
in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet ist, die meisten anderen Hauptverkehrsstraßen, in denen
PM10 gemessen wurde, in Ost-West- bis Nordwest-Südost-Richtung ausgerichtet sind.
Während in diesen Straßenschluchten aufgrund der sich ausbildenden Windwalze gerade bei
südöstlichen bis südwestlichen Windrichtungen an den auf der Südseite der Straße gelegenen
Messstationen die höchsten PM10-Werte gemessen werden, werden im Mariendorfer Damm an
der am westlichen Straßenrand gelegenen Station bei westlichen Winden und wegen einer
nahegelegenen Kreuzung auch bei nördlichen Winden die höchsten Werte gemessen. Die
Episoden mit hohen Staubwerten sind aber eher mit östlichen bis südlichen Winden verbunden.

Tab. 10:

Benzo(a)pyren

Lage
Stadtrand
innerstädt.Hintergrund
Straße

Station
Jahresmittel (ng/m³)
Buch (MC077)
0,33
Neukölln (MC042)
0,35
Schildhornstr. (MC117)
0,29
Frankfurter Allee (MC174)
0,41

über Zielwert
für 2012
(1 ng/m³)

Die Benzo(a)pyren-Jahresmittelwerte 2015 (s. Tabelle 10) betrugen 0,29-0,41 ng/m³ und lagen
damit noch deutlich unterhalb des Zielwerts von 1 ng/m³. An einer Messstelle (Frankfurter Allee)
lag das Jahresmittel zwischen unterer und oberer Beurteilungsschwelle (also zwischen 0,4 und
0,6 ng/m³). Bemerkenswert ist, dass nach den vergleichsweise hohen Messwerten des Jahres
2014 die Benzo(a)pyren Jahresmittel 2015 wieder deutlich niedriger sind und im Niveau etwa wie
im Jahr 2013 liegen. Der Grund ist sicher in der 2015 gegenüber 2014 unterschiedlichen
Windrichtungsverteilung mit deutlich niedrigerem Anteil an südöstlichen und östlichen Winden
und etwas milderen Temperaturen während der Heizperiode zu suchen.

Tab. 11:
Lage

Schwermetalle im PM10
Standort

innerstädt. Hintergrund Neukölln (MC042)
Straße
Frankfurter Allee (MC174)

Jahresmittel (ng/m³)
Arsen

Cadmium

Nickel

Blei

0,5
1,0

0,2
0,2

0,9
2,8

5,6
7,8

Die Jahresmittelwerte der Schwermetallkonzentrationen im PM10 (s. Tabelle 11) lagen weit
unterhalb der jeweiligen Zielwerte (Arsen: 6 ng/m³, Cadmium: 5 ng/m³, Nickel: 20 ng/m³) bzw.
dem Grenzwert für Blei (500 ng/m³). Die Jahresmittelwerte lagen beim Arsen bei 0,5-1,0 ng/m³,
beim Cadmium bei 0,2 ng/m³ und beim Nickel bei 0,9-2,8 ng/m³. Die Blei- Jahresmittelwerte
lagen zwischen 5,6 und 7,8 ng/m³. Beim Blei und Arsen waren die Werte im Jahr 2015 erheblich
niedriger als 2014. Darüber hinaus lagen die Schwermetallkonzentrationen in den letzten fünf

- 18 -

Jahresbericht 2015

Jahren weit unter der unteren Beurteilungsschwelle (Arsen: 2,4 ng/m³, Cadmium: 2 ng/m³,
Nickel: 10 ng/m³ und Blei: 250 ng/m³).

Tab. 12:

PM2,5

Standort
Stadtrand
innerstädtischer
Hintergrund
Straße

Buch (MC077)
Neukölln (MC042)
Mitte (MC171)
Wedding (MC010)
Frankfurter Allee
(MC174)

JM
2012
µg/m³

JM
2013
µg/m³

JM
2014
µg/m³

JM
2015
µg/m³

16
18
18
17
20

14
17
17
16
18

19
21
20
19
22

14
17
16
15
19

= AEI-Stationen

Die PM2,5-Jahresmittel der Jahre 2012 bis 2015 sind in Tabelle 12 aufgeführt. Sie lagen
durchgehend unterhalb des seit 2015 einzuhaltenden Grenzwertes von 25 µg/m³. Die PM2,5Jahresmittelwerte weisen von Jahr zu Jahr erkennbare Schwankungen aufgrund der jeweiligen
meteorologischen Ausbreitungsbedingungen auf. Im Jahr 2015 haben sie den bisher niedrigsten
Stand erreicht. Die Luftbelastung in Berlin mit PM2,5 ist noch in weit höherem Maße als
diejenige mit PM10 durch den Eintrag vorbelasteter Luftmassen ins Stadtgebiet aufgrund von
Ferntransport geprägt. Wie schon weiter oben angegeben, zeichnete sich das Jahr 2015
gegenüber 2014 durch einen deutlich geringeren Anteil von schwachwindigen
Hochdruckwetterlagen mit östlichen bis südlichen Windrichtungen aus.
In der 39. BImSchV ist für PM2,5 ein Indikator für die durchschnittliche Exposition der
Bevölkerung im städtischen Hintergrund (Average Exposure Indicator = AEI) definiert. Dieser
wird für jeden EU-Mitgliedstaat gesondert als gleitender Jahresmittelwert über drei Jahre aus
den Werten der entsprechenden PM2,5-Messstellen ermittelt. In Berlin werden diese Messungen
seit dem 01.01.2008 an drei Stationen im städtischen Hintergrund, in Neukölln (MC042), Mitte
(MC171) und Wedding (MC010) durchgeführt. Der AEI für das Referenzjahr 2010 ist als der
Mittelwert der Jahre 2008 bis 2010 definiert; der AEI für das Jahr 2011 ist als Mittelwert der
Jahre 2009 bis 2011 definiert; entsprechend ergibt sich der AEI für das Jahr 2015 als Mittel der
Jahre 2013 bis 2015. In Berlin betrug der AEI für das Jahr 2010 : 19,2 µg/m³, für das Jahr
2011: 19,9 µg/m³, für das Jahr 2012: 19,6 µg/m³, für das Jahr 2013: 18,2 µg/m³, für das Jahr
2014: 18,0 µg/m³ und für das Jahr 2015 nur noch 17,5 µg/m³.
Im gesamten Bundesgebiet betrug für das Jahr 2010 der AEI 16,4 µg/m³ (LAI-Ausschuss, 2012).
Anhand des AEI 2010 ist in der 39. BImSchV ein nationales Reduktionsziel bis zum Jahr 2020
(Mittelwert der Jahre 2018, 2019, 2020) festgelegt. Da der deutsche AEI 2010 mit rund 16 im
Bereich 13-18 µg/m³ lag, ist bis 2020 eine 15 %-ige Reduzierung zu realisieren. Der dreijährige
Mittelwert der 30 deutschen AEI-Messstellen für die Jahre 2018-2020 darf also nur noch etwa
13,9 µg/m³ betragen. Für das Jahr 2015 wurde vom Umweltbundesamt immerhin ein
bundesweiter AEI-Wert von nur noch 14,1 µg/m³ gemeldet. Damit hat der AEI bundesweit von
2010 bis 2015 um 14 % abgenommen, in Berlin für den gleichen Zeitraum um etwa 8 %
abgenommen. Trotzdem scheint insgesamt die Einhaltung des bundesweiten Reduktionsziels
bis 2020 weiterhin sehr schwierig, so dass hierfür erhebliche Anstrengungen nötig sind.

Jahresbericht 2015

- 19 -

Einordnung im Hinblick auf Grenzwerte zum Schutz von Ökosystemen und Vegetation
Beim Ozon blieb der AOT40-Wert, gemittelt über die letzten 5 Jahre, an allen Stationen unter
dem seit 2010 geltenden Zielwert (vgl. Tabelle 7). Auch in Friedrichshagen, wo in den letzten
Jahren der AOT40-Wert meistens über dem Zielwert lag, wurde er in diesem Jahr mit knapp
17000 µg/m³ h eingehalten. Der AOT40-Wert zum Schutz von Waldökosystemen (summiert
über April bis September) betrug 24000-27000 µg/m³ h. An sämtlichen Messstationen überschritt
er deutlich den kritischen Belastungswert von 20000 µg/m³ h.
Dass nach den zwei niedrig belasteten Jahren 2012 und 2013 wieder höhere Ozonwerte in den
Jahren 2014 und 2015 auftraten, zeigt, dass es auch jetzt noch bei für die Ozonbildung
günstigen meteorologischen Bedingungen zu erhöhten Ozonbelastungen kommen kann.
Es sind also weitere Anstrengungen zur Absenkung der Emissionen von Stickstoffoxiden und
anderer Ozon-Vorläuferstoffe erforderlich, um Vegetation und Ökosysteme zu schützen.
Der kritische Wert für den Vegetationsschutz für NOx ist streng genommen für Stadtgebiete
nicht gültig. Dennoch wird er hier herangezogen, um auch der Bedeutung der Vegetation in
innerstädtischen Grünanlagen oder in Straßenzügen für die Erholungswirkung und damit für die
menschliche Gesundheit Rechnung zu tragen. Das Jahresmittel der Summe der Stickoxide (s.
Tab. 13) lag am Stadtrand bei 17-19 µg/m³, im innerstädtischen Hintergrund bei 29-42 µg/m³
und an den Straßen-Messstellen bei 86-127 µg/m³. Der entsprechende kritische Wert wäre also
nur am Stadtrand und an einer innerstädtischen Hintergrundmessstelle eingehalten worden.

- 20 -

Jahresbericht 2015

Tab. 13:

Summe der Stickoxide

Lage

Station

Stadtrand

innerstädtischer
Hintergrund
*
*
*
*
*

Straße

*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*

Marienfelde (MC027)
Grunewald (MC032)
Buch (MC077)
Friedrichshagen (MC085)
Frohnau (MC145)
Wedding (MC010)
Schöneberg (MC018)
Neukölln (MC042)
Karlshorst (MC282)
Mitte (MC171)
Berliner Allee 118 (MS501)
Beusselstr. 66 (MS504)
Potsdamer Str. 102 (MS505)
Michael Brückner Str. 5 (MS507)
Alt Friedrichsfelde 8a (MS514)
Frankfurter Allee 86 b (MC174)
Schildhornstr. 76 (MC117)
Silbersteinstr. 1 (MC143)
Karl-Marx-Str. 77 (MC220)
Leipziger Str. 32 (MS525)
Kantstr. 117 (MS528
Hauptstr. 30 (MS530)
Spandauer Damm 103 (MS531)
Hermannstr. 120 (MS533)
Alt Moabit 63 (MS537)
Schloßstr. 29 (MS539)
Tempelhofer Damm 148 (MS542)
Sonnenallee 68 (MS545)
Landsberger Allee 6-8 (MS547)
Hermannplatz, Laterne 21 (MS555)
Buschkrugallee 8 (MS559)
Friedrichstr. 172 (MS562)
Hardenbergplatz (MC115)
Badstr.67 (MS573)
Spandau, Klosterstr. 12 (MS576)
Eichborndamm 23-25 (MS579)
Markgrafendamm 6 (MS581)
Mariendorfer Damm (MC124)

Jahresmittel
(µg/m³)
17
17
19
16
16
42
37
38
29
40
125
101
126
140
122
86
103
138
127
175
93
127
137
138
143
94
116
131
130
135
162
82
120
124
121
78
88
112

Der kritische Wert der 39. BImSchV für den Vegetationsschutz
für das Jahresmittel (30 µg/m³) wurde eingehalten.
Der kritische Wert der 39. BImSchV für den Vegetationsschutz
für das Jahresmittel (30 µg/m³) wurde überschritten.
* Station kursiv
gedruckt)

mit Passivsammler abgeschätzte NOx-Belastung (RUBIS-Station)

- 21 -

Jahresbericht 2015

Langzeittrends
Exemplarisch sollen nun einige Langzeittrends betrachtet werden:

Straße

Innenstadt

Stadtrand

GW

1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015

PM10 (µg/m³)

50
45
40
35
30
25
20
15
10
5
0

Abb. 5:

Verlauf der PM10-Jahresmittelwerte seit 1998 an den automatischen Stationen

100
µg/m³ bzw. Anzahl der Tage mit Überschreitungen
90
80

35 Überschreitungen
von 50 µg/m³
40 µg/m³

JM
U50

70
60
50
40
30
20
10
0
1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015

Abb. 6:

Verlauf der PM10-Jahresmittel (JM) und der Anzahl der Überschreitungen (U50) des
PM10-Tagesmittels von 50 µg/m³ an der Station Frankfurter Allee

Jahresbericht 2015

- 22 -

Die PM10-Jahresmittelwerte seit 1998 (Abbildung 5) zeigen insgesamt eine Abnahme um rund
27 % am Stadtrand bzw. um rund 35 % an den Straßenstationen. Die einzelnen
Jahresmittelwerte, aber mehr noch die Anzahl der Überschreitungen des Grenzwerts für das
Tagesmittel hängen sehr stark von den meteorologischen Ausbreitungsbedingungen und der
Häufigkeit von austauscharmen Hochdruckwetterlagen mit südlichen bis östlichen Winden ab.
Abbildung 6 enthält als Säulengrafik die PM10-Jahresmittelwerte und die Anzahl der
Überschreitungen des Tagesmittels von 50 µg/m³ von 1999 bis 2015 an der Station Frankfurter
Allee. Es fällt auf, dass die Jahresmittelwerte lediglich um 35 % streuen, die Anzahl der
Überschreitungen jedoch um mehr als den Faktor 4 variiert. Im Jahr 2015 war die PM10Belastung wieder deutlich niedriger als 2014 und entsprach ungefähr den Verhältnissen in den
Jahren 2009 (Anzahl der Überschreitungen) oder 2013 (Jahresmittelwert).
Sehr gut ist die Konzentrationsverteilung der PM10 Belastung in den Abbildungen 7 (für die
Straßenmessstelle Frankfurter Allee) und 8 (für den städtischen Hintergrund Nansenstraße) zu
erkennen. Hier wurden jeweils alle Tage pro Kalenderjahr gezählt (kumulative Anzahl von
Tagesmittelwerten), deren PM10 Tagesmittelwert größer als der jeweils auf der x-Achse aufgetragene Konzentrationsbereich ist. So sind beispielsweise alle 365 Tagesmittelwerte größer
als 0 µg/m³. Im Bereich größer als 200 µg/m³ liegen keine Messwerte mehr, da der größte
Tagesmittelwert weniger als 200 µg/m³ beträgt. Generell gilt: Je flacher die Kurve nach rechts
abfällt, desto häufiger wurden auch hohe Tagesmittelwerte gemessen, und desto höher belastet
war das Jahr.
In den Abbildungen sind jeweils drei Kurven aufgetragen: Die Verteilung im Jahr 2015 und
zusätzlich als Vergleich dazu die maximalen und minimalen Summenhäufigkeiten der Tagesmittelwerte der PM10 Konzentrationsbereiche der letzten 10 Jahre (Jahre 2005 bis 2014). Diese
wurden ermittelt, indem alle Jahre betrachtet wurden und die jeweils niedrigste und höchste
gefundene Anzahl an Tagesmittelwerten bis zur jeweiligen Konzentrationsgrenze
1
(Konzentrationsbereich) aus den Kalenderjahren 2005 bis 2014 als Wert aufgetragen wurde.
Man erkennt in dieser Grafik sehr gut, dass an der Straße ein deutlich größerer Unterschied
zwischen Maxima und Minima vorgefunden wird als im städtischen Hintergrund. Es ist auch zu
erkennen, dass im städtischen Hintergrund nur ein sehr kleiner Bereich mit mehr als 35 Überschreitungen der Tagesmittelwerte größer als 50 µg/m³ (rosa Hintergrund) vorhanden ist, an der
Straße ist dieser Bereich deutlich größer. Der Unterschied zwischen städtischem Hintergrund
und Straße ist vor allem durch den Verkehrsbeitrag begründet. Da der städtische Hintergrund in
den letzten zehn Jahren bereits geringe Überschreitungshäufigkeiten hatte, sind Minderungen
der Anzahl der Tagesmittelwerte größer als 50 µg/m³ nicht allein durch Maßnahmen des Landes
Berlin zu erreichen. Vielmehr muss das Eintragspotenzial verringert werden, da es gerade bei
herbstlichen und winterlichen Hochdruckwetterlagen und südlichen bis östlichen Winden zu
hohen Einträgen von Partikeln aus den östlichen und südöstlichen Nachbarstaaten durch
Ferntransport kommt. Dies wurde mit Untersuchungen der Luftmassenherkunft bei hohen PM10Belastungen über mehrere Jahre, unter anderem mithilfe der Auswertung von
Rückwärtstrajektorien nachgewiesen (Birmili und Engler, 2011 sowie Luftreinhalteplan 2011 bis
2017 für Berlin).
Die niedrigeren Belastungen (jeweils untere Kurven) treten vor allem bei günstigeren
meteorologischen Ausbreitungsbedingungen auf, die sich dadurch auszeichnen, dass es
seltener schwachwindige Hochdruckwetterlagen mit südlichen bis östlichen Winden gibt. Das

1

Zum besseren Verständnis betrachten wir Beispiele in Abb. 7 Frankfurter Allee:
1. Erstes Beispiel: Ein Tagesmittelwert von 40µg/m³ wurde im Zeitraum von 2005 bis 2014 im Jahr 2012 an 50
Tagen (geringste Anzahl von 2005-2014) und im Jahr 2006 an 127 Tagen (größte Anzahl von 2005-2014)
überschritten.
2. Zweites Beispiel: Ein Tagesmittelwert von 50µg/m³ wurde im Jahr 2011 an 23 Tagen (geringste Anzahl von
2005-2014) und im Jahr 2005 an 73 Tagen (größte Anzahl von 2005-2014) überschritten.

Jahresbericht 2015

- 23 -

Jahr 2015 nahm einen relativ gering belasteten Platz ein, es gibt genau eine Überschreitung mit
36 Tagesmittelwerten größer als 50µg/m³ an der Frankfurter Allee.
Die Langzeitbetrachtung zeigt, dass die Belastung mit PM10 zwar sensibel auf
Emissionsminderungsmaßnahmen reagiert, aber die Abhängigkeit insbesondere von der
Herkunft der Luftmassen immer noch erheblich ist. So geht aus dem Luftreinhalteplan 2011 bis
2017 für Berlin auch hervor, dass mittlerweile ein großer Teil der Überschreitungstage des
Tagesgrenzwerts auf Ferntransport aus östlichen und südöstlichen Richtungen zurückzuführen
ist. Gleichzeitig hat der Anteil an Überschreitungstagen aufgrund von regionalen und lokalen
Emissionen abgenommen, offensichtlich auch durch die emissionsmindernden Maßnahmen der
vergangenen Jahre.

Abb. 7:

Kumulative Darstellung der Anzahl von PM10-Tagesmittelwerten oberhalb der
angegebenen Konzentrationen in den Jahren 2005 bis 2015 an der Station Frankfurter
Allee.
(Die gesamte Grafik ist unten links verkleinert abgebildet. Die große Grafik ist ein
vergrößerter Ausschnitt.)

Jahresbericht 2015

Abb. 8:

- 24 -

Kumulative Darstellung der Anzahl von PM10-Tagesmittelwerten oberhalb der
angegebenen Konzentrationen in den Jahren 2005 bis 2015 an der Station
Nansenstraße.

(Die gesamte Grafik ist unten links verkleinert abgebildet. Die große Grafik ist ein vergrößerter
Ausschnitt.)

Jahresbericht 2015

- 25 -

Beim Stickstoffdioxid (Abbildung 9) war bis 1990 ein deutlicher Rückgang der Jahresmittel zu
beobachten, der vor allem auf den vermehrten Einsatz geregelter Dreiwege-Katalysatoren bei
den Ottomotoren zurückzuführen war. Bis zum Jahr 2004 wurde diese Emissionsminderung
durch eine zunehmende Anzahl von Fahrzeugen aber teilweise wieder aufgehoben, was sich in
einer nur noch langsamen Abnahme des Jahresmittelwerts widerspiegelte. Auffällig ist, dass in
Straßen die Jahresmittelwerte von 2005 nach 2006 sogar wieder zunahmen. Dies ist
hauptsächlich mit der ungünstigen meteorologischen Situation (erhöhte Anzahl windschwacher
Hochdruckwetterlagen) zu erklären. Daneben spielt aber die in letzter Zeit beobachtete
Zunahme der direkten Emission von Stickstoffdioxid durch neuere Dieselfahrzeuge eine Rolle.
Die NO2-Jahresmittel seit etwa 2007 waren nahezu konstant und wiesen allenfalls einen sehr
schwachen abnehmenden Trend auf. Insgesamt zeigen die Stickstoffdioxid-Immissionen deutlich
weniger Reaktion auf die meteorologischen Verhältnisse als z.B. die PM10-Immissionen. Es fällt
auf, dass bei den Stadtrand- und innerstädtischen Hintergrundmessstellen seit 2007, bei den
Straßenmessstellen seit 2009 so gut wie keine Reaktion mehr auf die von Jahr zu Jahr
unterschiedlichen meteorologischen Ausbreitungsbedingungen zu erkennen ist.
Dies legt nahe, dass eine Verbesserung der Immissionsbelastungssituation in den
Hauptverkehrsstraßen eine weitere Absenkung der Stickoxid-Verkehrsemissionen erfordert. Die
emissionsmindernden Maßnahmen der letzten Jahre waren hinsichtlich des Stickstoffdioxids
nicht erfolgreich, weil bei Dieselfahrzeugen mit dem Oxidationskatalysator eine neue
Motorengeneration eingeführt wurde, die verglichen mit der Vorgängergeneration einen höheren
Anteil an NO2-Direktemission aufweist. So haben die trotz Umweltzone gestiegenen Emissionen
sicherlich dazu beigetragen, dass auch in Jahren mit günstigen meteorologischen
Ausbreitungsbedingungen die Stickstoffdioxid-Jahresmittel noch über dem seit 01.01.2010
gültigen Grenzwert für das Jahresmittel lagen. Selbst an der am geringsten mit Stickstoffdioxid
belasteten Straßenmessstelle (Frankfurter Allee) lag auch im Jahr 2015 das Jahresmittel mit
41 µg/m³ immer noch knapp über dem Grenzwert. Immerhin haben seit 2009 im Mittel über die
Straßenstandorte die NO2-Jahresmittelwerte um etwa 9 % abgenommen. Auffällig ist am
Hardenbergplatz eine Abnahme des NO2-Jahresmittels von 2014 (62 µg/m³) nach 2015
(53 µg/m³). Dies könnte damit zusammenhängen, dass bei den BVG-Bussen, die dort einen
erheblichen Anteil des Verkehrs ausmachen, nach und nach auf abgasärmere Antriebe
(Methanol, Erdgas) umgestellt wird.
90
80

NO2-Jahresmittel (µg/m³)

70

Straße
Innenstadt
Stadtrand
Grenzwert der 39.BImSchV

60
50

40
30
20
10

1987
1988
1989
1990
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015

0

Abb. 9: Verlauf der NO2-Jahresmittelwerte seit 1987 an den automatischen Stationen

- 26 -

Jahresbericht 2015

Ein besonders guter Indikator für die Abgase aus Verbrennungsprozessen, insbesondere von
Kfz-Motoren, ist Ruß, der über die elementaren Kohlenstoffverbindungen als EC quantifiziert
wird. Der Dieselrußausstoß des Kfz-Verkehrs wurde von 2002 bis 2009 um 58 % gemindert
(Luftreinhalteplan 2011 bis 2017). Die seit 1998 ununterbrochen durchgeführten
Kohlenstoffmessungen bilden diese Entwicklung sehr gut ab und haben sich auch im Hinblick
auf Maßnahmen zur Minderung von Verkehrsemissionen als außerordentlich wertvoll erwiesen.
So gingen an Verkehrsstandorten die EC-Werte von 2007 nach 2008 vermutlich schon als Folge
der Einführung der Umweltzone Anfang 2008 deutlich zurück. Aber auch diese Parameter sind
stark von den meteorologischen Austauschbedingungen, ebenso von den Hausbrandemissionen
und damit von den Wintertemperaturen abhängig. So gab es beispielsweise an der städtischen
Hintergrund-Messstation Nansenstraße von 2008 nach 2009 einen ausgeprägten Anstieg.
Dieser hat sicher seine Ursache auch darin, dass im Stadtteil Neukölln, in dem diese
Messstation liegt, der Anteil von Kohleheizungen immer noch verhältnismäßig hoch ist. Immerhin
ergaben die thermografischen bzw. thermo-optischen Kohlenstoffmessungen2 einen deutlichen
Rückgang der EC-Differenz zwischen den Jahresmittelwerten an den Verkehrsstationen und im
innerstädtischen Hintergrund im Laufe dieser Jahre. Auffällig ist die starke Abnahme der ECBelastung von 2011 nach 2012, wohingegen sich von 2012 nach 2013 nur eine vergleichsweise
abgeschwächte Abnahme ergibt. Von 2013 nach 2014 wiederum war eine leichte Zunahme und
von 2014 nach 2015 eine weitere leichte Zunahme der Jahresmittelwerte zu verzeichnen, was
vermutlich in den ungünstigeren meteorologischen Ausbreitungsbedingungen, möglicherweise
aber auch wieder angestiegenen Emissionen seine Ursache hat.
Untersuchungen an Hauptverkehrsstraßen in Berlin ergaben (siehe Luftreinhalteplan 2005-2010
und Luftreinhalteplan 2011-2017), dass sich in den letzten Jahren der Anteil der Quellen der
PM10-Immissionsbelastung merklich verschoben hat (siehe Abbildung 10). Zugrunde gelegt sind
hierfür die PM10-Jahresmittelwerte.
45

µg/m³

40
4,2

35

5,8

30

4,3

25

1,2
4,8
3,8

20

lokale Verkehrsbelastung:
Kfz-Abgase

lokale Verkehrsbelastung:
Abrieb und Verwirbelung
zusätzliche urbane
Belastung

15
24,7

10

22,2

regionale
Hintergrundbelastung

5
0
2002

Abb. 10:

2

2009

Quellen der PM10-Immissionsbelastung in Berliner Hauptverkehrsstraßen in den
Jahren 2002 und 2009

Informativ: Die Kohlenstoffmessungen erfolgten von 2008 bis einschließlich 2012 im
thermografischen Verfahren. Das Analyseverfahren wurde im Jahr 2013 auf das thermischoptische Verfahren umgestellt, wobei zur Sicherstellung der Vergleichbarkeit die Anbindung der
Messreihen über Vergleichsmessungen sichergestellt wurde.

- 27 -

Jahresbericht 2015

Wie zu erkennen ist, nahm von 2002 bis 2009 der prozentuale Anteil der PM10-Belastung, der
aus Kfz-Abgasen stammt (der toxikologisch relevante Anteil), von 11 % nach 4 % ab, während
der prozentuale Anteil, der Abrieb und Verwirbelung entstammt, mit rund 15 % etwa gleich blieb.
Der gesamte Anteil der Verkehrsbelastung nahm also deutlich ab.
Die Abnahme des lokalen Verkehrsanteils bei der PM10-Belastung bildet sich tendenziell auch
bei der Anzahl der Überschreitungen des Tagesmittels von 50 µg/m³ ab. Dies wird jedoch
überlagert durch die unterschiedlich guten meteorologischen Ausbreitungsbedingungen in den
verschiedenen Jahren.
Die Trendgrafiken beim Benzol (Abbildung 11) zeigen an den Straßenstandorten bis 2004 eine
deutliche Abnahme der Jahresmittel. Seitdem fallen die Benzol-Jahresmittelwerte nicht mehr
erkennbar, sondern streuen in Abhängigkeit von den meteorologischen Randbedingungen.

12,0
Straße
10,0

städt.Hintergrund

Benzol in µg/m³

8,0

6,0

4,0

2,0

Abb. 11:

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

2000

1999

1998

1996

0,0

Verlauf der Benzol-Jahresmittelwerte seit 1996 an den automatischen Stationen

Die Ozon-Jahresmittel (Abbildung 12) nahmen in den letzten 25 Jahren leicht zu. Auch
deutschlandweit wurde im Gegensatz zur Abnahme der Ozon-Spitzenkonzentrationen seit 1990
eine Zunahme der Jahresmittelwerte beobachtet (Umweltbundesamt, 2015). Dieser Zunahme
überlagert sind Schwankungen infolge der klimatischen Situation des jeweiligen Sommers
(Temperaturen, Bewölkung). Die Ozon-Jahresmittel liegen in der Regel zwischen 38 und
50 µg/m³ im Mittel über alle Stationen. Wie die Jahre 2006, 2010, 2013 und auch 2015 zeigen,
kann es bei für die Ozonbildung günstigen meteorologischen Voraussetzungen (hohe
Temperaturen, hohe Sonnenscheindauer) trotz erheblicher Minderung der Vorläufersubstanzen
weiterhin zu hohen Ozonkonzentrationen kommen.

Jahresbericht 2015

60

- 28 -

µg/m³

50
40
30
20
10

1987
1988
1989
1990
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015

0

Abb. 12:

Verlauf der Ozon-Jahresmittel von 1987-2015

Im Folgenden sollen zur weiteren Einstufung der Luftschadstoffe im Verlauf der letzten Jahre die
Kennwerte daraufhin ausgewertet werden, ob die oberen oder unteren Beurteilungsschwellen
über- oder unterschritten wurden. Die Beurteilungsschwellen nach der 39. BImSchV sind in
Tabelle 14 aufgeführt. Dabei gilt nach der Richtlinie 2008/50/EG eine Beurteilungsschwelle dann
als überschritten, wenn sie in den vorangegangenen fünf Jahren in mindestens drei einzelnen
Jahren überschritten worden ist.
Die obere Beurteilungsschwelle (oBs) ist ein Wert, unterhalb dessen eine Kombination von
ortsfesten Messungen und Modellrechnungen oder orientierende Messungen angewandt werden
können, um die Luftqualität zu beurteilen. Die untere Beurteilungsschwelle (uBs) ist ein Wert,
unterhalb dessen keine Messverpflichtung mehr besteht, sondern die Beurteilung der Luftqualität
mit Modellrechnungen oder Schätzverfahren durchgeführt werden darf. Im Einzelfall können sich
allerdings niedrigschwellig angelegte Messungen als die wirtschaftlichere Alternative erweisen.

- 29 -

Jahresbericht 2015

Tab. 14:

Obere und untere
39. BImSchV 1)

Beurteilungsschwellen

für

Luftverunreinigungen

nach

Komponente

Mittel über

obere
Beurteilungsschwelle (oBs)

untere
Beurteilungsschwelle (uBs)

Schwefeldioxid
Stickstoffdioxid

Partikel-PM2,5

24 h
1h
1 Jahr
24 h
1 Jahr
1 Jahr

75 µg/m³
140 µg/m³
32 µg/m³
35 µg/m³
28 µg/m³
17 µg/m³

50 µg/m³
100 µg/m³
26 µg/m³
25 µg/m³
20 µg/m³
12 µg/m³

3
18
--35
-----

Blei

1 Jahr

350 ng/m³

250 ng/m³

---

Kohlenmonoxid

8 Stunden

7 mg/m³

5 mg/m³

---

höchster 8-StundenMittelwert eines Tages

höchster 8-StundenMittelwert eines
Tages

Arsen (As)
(im PM10)

1 Jahr
(Kalenderjahr)

3,6 ng/m³

2,4 ng/m³

---

Kadmium (Cd)
(im PM10)

1 Jahr
(Kalenderjahr)

3 ng/m³

2 ng/m³

---

Nickel (Ni)
(im PM10)

1 Jahr
(Kalenderjahr)

14 ng/m³

10 ng/m³

---

Benzo(a)pyren
(im PM10)

1 Jahr
(Kalenderjahr)

0,6 ng/m³

0,4 ng/m³

---

Benzol

1 Jahr

3,5 µg/m³

2,0 µg/m³

---

Partikel-PM10

der

zulässige
Anzahl von
Überschreitungen pro
Jahr

1)

Für Ozon sind keine Beurteilungsschwellen definiert, unabhängig von der ermittelten Belastung ist eine
bestimmte Anzahl von Messstellen zu betreiben.

Tabelle 15 enthält den Verlauf der Jahreskennwerte und ihr Verhältnis zu den jeweiligen Grenzoder Zielwerten und den oberen und unteren Beurteilungsschwellen seit 2006. Dargestellt ist
immer die Station mit den höchsten, also ungünstigsten Werten. Die Maßeinheiten in Tabelle 15
sind aus Platzgründen weggelassen, sind aber die gleichen wie in Tabelle 14. Wie zu erkennen
ist, gab es beim NO2 im Jahr 2006 noch 49 Ein-Stunden-Werte über 200 µg/m³ und 355 EinStunden-Werte über der oBs von 140 µg/m³. In den folgenden Jahren lagen an der
meistbelasteten Station nur noch zwischen null und acht Ein-Stunden-Werte über 200 µg/m³ und
zwischen 60 und 245 Ein-Stunden-Werte über 140 µg/m³.

- 30 -

Jahresbericht 2015

Tab. 15:

Einordnung der Kennwerte von Luftschadstoffen für die Jahre 2006 bis 2015 im
Hinblick auf die Beurteilungsschwellen

Schwellenwert,
Komponente und Art
SO2 (24h)
NO2 (1h)
(Ü von 200 µg/m³)
NO2 (1h)
(Ü von 140 µg/m³)
NO2 (JM)
PM10 (24h)
PM10 (JM)
PM2,5 (JM)
CO (8h)
Pb (JM)
Cd (JM)
Ni (JM)
As (JM)
B(a)P (JM)
Benzol (JM)

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

< oBs < uBs < oBs < oBs- < oBs < uBs < uBs < uBs < oBs < uBs
49
6
0
8
6
4
5
8
3
1
355

113

63

148

151

245

135

150

93

60

69
71 Ü
40
--4,7
24,2
0,4
2,3
1,5
1,32
3,0

60
30 Ü
31
--2,4
10,4
0,1
2,5
0,9
0,70
2,0

59
24 Ü
31
22,1
2,8
10,3
0,2
2,3
1,1
0,76
2,2

62
73 Ü
38
21,6
1,9
10,9
0,1
1,3
1,2
0,97
2,3

63
56 Ü
38
23,5
2,0
14,2
0,2
1,3
0,7
1,32
2,0

66
54 Ü
33
22,9
1,9
11,9
0,3
1,7
1,4
0,73
2,0

66
31 Ü
29
20,1
3,0
11,3
0,3
3,2
1,8
0,51
1,9

63
28 Ü
29
18,5
2,6
7,3
0,2
1,4
0,7
0,40
1,7

61
48 Ü
32
22,0
1,8
10,9
0,3
2,0
1,4
0,54
1,8

53
36 Ü
29
19,0
1,9
7,8
0,2
2,8
1,0
0,41
0,5

Zeichenerklärung:

oberhalb Grenzwert/Schwellenwert
> = oBs
< oBs und > = uBs
< uBs

JM = Jahresmittelwert
Kennwerte von SO2, NO2, PM10, PM2,5, Benzol in µg/m³, von CO in mg/m³,
von Pb, Cd, Ni, As und B(a)P in ng/m³
Ü = Anzahl von Überschreitungen

Die NO2-Jahresmittelwerte lagen an der jeweils ungünstigsten Messstation im Jahr 2006 bei
69 µg/m³; in den Jahren danach zwischen 66 und 53 µg/m³, also stets über dem Grenzwert.
Beim PM10 wurden Jahresmittel zwischen 40 und 29 µg/m³ mit leicht abnehmendem Trend
gemessen, die jedoch immer noch über der oBs liegen. Bei den PM10-Tagesmittelwerten wurde
der Grenzwert von 50 µg/m³ im Jahr 2006 deutlich mehr als 35mal, nämlich 71mal überschritten;
2007 gab es nur 30 Überschreitungen, so dass der Grenzwert eingehalten wurde.
In den nächsten Jahren lag die Anzahl der Überschreitungen zwischen 73 und 24, wobei kein
eindeutig abnehmender Trend zu erkennen ist. Aber auch wenn dieser Grenzwert eingehalten
wurde, gab es immer mehr als 35 Überschreitungen des Tagesmittels von 35 µg/m³, so dass die
oBs immer überschritten wurde. Beim CO und bei den Schwermetallen lagen die Jahresmittel
immer unterhalb der uBs. Beim Benzo(a)pyren wurden anfangs noch Jahresmittel über der oBs
und teilweise sogar über dem Grenzwert, in den letzten drei Jahren unter der oBs, festgestellt.
Die Benzol-Jahresmittelwerte lagen zunächst unter der oBs, seit drei Jahren sogar unter der
uBs. Auch wenn hiernach für CO, Schwermetalle und Benzol streng genommen keine
Messverpflichtung mehr besteht, sollten diese Messungen bis auf weiteres noch fortgesetzt
werden, da für diese Komponenten eine Fortführung der Messungen als wirtschaftlicher
gegenüber einer Durchführung von Modellrechnungen angesehen wird.

Jahresbericht 2015

- 31 -

Ausblick im Hinblick auf Luftreinhaltemaßnahmen
Der Luftreinhalteplan von 2005 setzte vor allem bei der Emissionsminderung im Straßenverkehr
an. So ist seit 1.1.2008 die Umweltzone in der Innenstadt eingeführt worden. Hierdurch sollte
insbesondere der Einsatz modernster Abgasfilter- und Antriebsmotorentechnik durchgesetzt
werden. Seit Anfang 2010 ist die Stufe 2 der Umweltzone in Kraft, aufgrund derer nur noch
Fahrzeuge mit einer grünen Plakette die Umweltzone befahren dürfen. Tatsächlich ergaben
Untersuchungen der Fahrzeugflottenzusammensetzung im Jahr 2010 (siehe SenStadtUm, 2013,
Luftreinhalteplan 2011-2017), dass 97 % aller PKW, 91 % der Diesel-PKW, 65 % der kleinen
LKW bis 7,7 t und 73-75 % der leichten Nutzfahrzeuge und LKW über 7,5 t inzwischen mit einer
grünen Plakette ausgerüstet sind. Die Anzahl der Fahrzeuge mit grüner Plakette lag um 1,5 - 3mal höher, als es bei der Trendentwicklung ohne Umweltzone zu erwarten gewesen wäre. Die
Anzahl hoch emittierender Fahrzeuge ohne Plakette lag 2010 gegenüber der abgeschätzten
Trendentwicklung ohne Umweltzone um 70 – 85 % niedriger, der Anteil von Fahrzeugen mit
roter Plakette um 50 – 70 % niedriger. Dabei ergaben sich bei den untersuchten
Straßenabschnitten keine signifikanten Unterschiede zwischen solchen, die innerhalb und
außerhalb der Umweltzone lagen. So kann angenommen werden, dass sich der durch die
Umweltzone erzeugte Modernisierungseffekt auch im übrigen Stadtgebiet auswirkt (siehe auch
SenGesUmV, 2011). Zu der Abnahme der hoch emittierenden Fahrzeuge und der Fahrzeuge mit
roter Plakette hat aber auch die staatliche subventionierte Erneuerung der Fahrzeugflotte in den
Jahren 2009/2010 mittels der im Rahmen des Konjunkturpakets II eingeführten „Abwrackprämie“
zu einem erheblichen Teil beigetragen.
Die Jahre 2008, in dem die Umweltzone eingeführt wurde, und 2007 als Vergleichsjahr für die
Situation davor wiesen auf Grund günstiger Ausbreitungsbedingungen eine vergleichsweise
niedrige Belastung auf. In den Jahren 2010 und 2011 herrschten dagegen wesentlich
ungünstigere meteorologische Bedingungen. Dies erschwerte die Bewertung der zweiten Stufe
der Umweltzone erheblich und entfachte eine erneute Diskussion über die Sinnhaftigkeit dieser
Maßnahme.
So war die der Einführung der Umweltzone zurechenbare Abnahme bei den NO2-, PM10- und
Rußimmissionen von 2007 nach 2008 in den Jahren 2009, 2010 und 2011 nicht zweifelsfrei
ermittelbar. Vielmehr kam es zu einer Überlagerung mit dem weit stärkeren Einfluss, den die
schlechteren meteorologischen Ausbreitungsbedingungen von Schadstoffen haben. Deshalb
waren die Luftbelastungen mit diesen Schadstoffen in den Jahren 2009 bis 2011 gegenüber
2008 wieder deutlich höher. Wie die Ergebnisse der Jahre 2009 und 2010 zeigen, werden die
Einflüsse von Emissionsminderungsmaßnahmen sehr stark von den Einflüssen der jeweiligen
klimatischen Situation überlagert. Dies ist besonders stark für PM10 ausgeprägt. Immerhin kann
man, mit einiger Vorsicht, der Umweltzone zuschreiben, dass an der Verkehrsmessstelle in der
Frankfurter Allee (MC174) im Jahr 2010 von den 54 Tagen, an denen das PM10-Tagesmittel von
50 µg/m³ überschritten wurde, dies nur noch an 29 Tagen (54 %) auf lokale Verkehrsemissionen
(also „hausgemacht“) zurückzuführen war (SenStadtUm, Luftreinhalteplan 2011-2017). Im Jahr
2011 waren es schätzungsweise 19 von 48 Überschreitungstagen (40 %). Hingegen ergaben
sich für 2006, vor Einführung der Umweltzone, noch 52 von 71 Überschreitungstagen (73 %),
die ihre Ursache in lokalen Verkehrsemissionen hatten. Die Anzahl von Tagen, an denen lokale
Verkehrsemissionen die Hauptursache der hohen PM10-Belastung waren, ist absolut von 29
(2010) über 19 (2011) auf etwa 13 (in den Jahren 2012 und 2013) zurückgegangen. Wie aber
das Jahr 2014 mit den schlechteren Austauschbedingungen zeigt, kann dieser Rückgang in
manchen Jahren auch unterbrochen sein. So waren im Jahr 2014 von insgesamt 48
Überschreitungstagen die PM10-Belastungen an 33 Tagen (69 %) überwiegend „hausgemacht“,
oder Berlin lag infolge mehrmaliger Winddrehung ohne durchgreifenden Luftmassenwechsel in
seiner eigenen Abluftfahne (dies war an 6 Tagen der Fall). An etwa 14 Tagen (29 %) dürfte
dagegen eher Ferntransport die Ursache gewesen sein. Im Jahr 2015 wiederum waren von
insgesamt 44 Überschreitungen die PM10-Belastungen an 23 Tagen (52 %) überwiegend
„hausgemacht“, während an etwa 17 Tagen (39 %) die Belastungen eher von außen in das

Jahresbericht 2015

- 32 -

Stadtgebiet hineingetragen wurden. Die letztgenannten Überschreitungen werden im
Wesentlichen dem Ferntransport zugerechnet, der nicht durch die Umweltzone beeinflussbar
war, sondern durch die meteorologischen Verhältnisse und die Emissionen der östlichen und
südöstlichen Nachbarstaaten verursacht wurde.
Untersuchungen zur Höhe der Überschreitungen zeigten, dass in den Jahren mit günstigen
meteorologischen
Ausbreitungsbedingungen
wie
2007
und
2008
die
meisten
Überschreitungstage Tagesmittel von nur etwas mehr als 50 µg/m³ aufwiesen. Im mäßig
belasteten Jahr 2009 lagen an der höchstbelasteten Verkehrsstation in der Frankfurter Allee an
10 Tagen die PM10-Tagesmittel zwischen 50 und 55 µg/m³, aber an nur 29 Tagen über 55
µg/m³. Hier hätte also eine Reduzierung der Feinstaubbelastung um nur 5 µg/m³ schon
ausgereicht, um eine Überschreitung der erlaubten Zahl von 35 Überschreitungstagen zu
vermeiden (Luftreinhalteplan 2011-2017). In den Jahren mit sehr ungünstigen meteorologischen
Ausbreitungsbedingungen wie 2005, 2006, 2010 oder 2011 dagegen lagen an einigen
Verkehrsstationen schon an mindestens 20 Tagen die PM10-Tagesmittel über 70 µg/m³, so dass
hier eine Reduzierung der Feinstaubbelastung um mehr als 10 µg/m³ erforderlich gewesen wäre,
um die Zahl von 35 Überschreitungen einzuhalten. Im Jahr 2015 gab es in der Frankfurter Allee
insgesamt 36 Überschreitungstage. Die 36. Überschreitung geschah erst am 31.12.15. Ein
Verzicht auf das Silvester-/Neujahrsfeuerwerk, der natürlich leider unrealistisch ist, hätte bewirkt,
dass im Jahr 2015 der Kurzzeit-Grenzwert für PM10 eingehalten worden wäre.
Ziel der Umweltzone ist die Reduzierung der Luftbelastung durch PM10 und NO2 im Vergleich
zum Zustand ohne Umweltzone. Wenn nun infolge schlechter meteorologischer
Ausbreitungsbedingungen in manchen Jahren die Luftbelastung ansteigt, dann kann es auch
schon als Erfolg verbucht werden, wenn dieser Anstieg weniger stark ausfällt, als er ohne
Umweltzone ausfallen würde. Die Beurteilung der Wirkung der Berliner Umweltzone auf die
Luftqualität beruht auf Untersuchungen zur Veränderung der Verursacheranteile an der PM2,5Belastung aus dem Jahr 2007, also dem Jahr vor Einführung der Umweltzone sowie auf
Auswertung von Luftqualitätsdaten für PM10, NO2 sowie kohlenstoffhaltigen Partikeln als
charakteristischer Bestandteil von Dieselabgasen. Diese Auswertungen ergaben für Feinstaub
PM10, dass ohne Umweltzone der Jahresmittelwert 2010 um etwa 2 µg/m³ oder ca. 7 % höher
gewesen wäre. Damit konnten etwa 10 Tage mit Überschreitungen des 24h-Grenzwertes an
Straßen vermieden werden. Die Stickstoffdioxid-Belastung an Straßen sank durch die
Umweltzone um etwa 5 %. Dennoch beträgt die Zusatzbelastung durch den lokalen Verkehr in
ausgewählten Abschnitten von Hauptverkehrsstraßen noch zwischen 48 und 62 % der gesamten
NO2-Konzentration in diesen Straßen.
Gerade bei der Schadstoffkomponente Stickstoffdioxid besteht noch großer Handlungsbedarf,
um eine Einhaltung der Grenzwerte zu erreichen. Wahrscheinlich wird sich hier ein
durchgreifender Erfolg erst nach Umstellung der Fahrzeugflotte auf abgasärmere (Erdgas) oder
abgasfreie (Elektromotoren) Antriebe einstellen. Insbesondere scheint es dringend erforderlich,
konsequent die Elektromobilität zu fördern.

Quellenangaben
Birmili, W., Engler, C.: Studie zur Charakterisierung und Quantifizierung der räumlichen Herkunft
der PM10-Belastung an hoch belasteten Orten. Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V.,
Hrsg.: Umweltbundesamt. Dessau. 2011.
LAI-Ausschuss, Beschlussvorschlag für die 102. Sitzung vom 24.-25.Januar 2012 in St.Wendel
Meteorologisches Institut der FU Berlin: Winddaten von Berlin-Dahlem 2015, unveröffentlichte
Halbstundenmittelwerte.

Jahresbericht 2015

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Meteorologisches Institut der FU Berlin, Hrsg.: Beilagen KBD zur Berliner Wetterkarte. 2015.
Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, (SenGesUmV), Hrsg.: Ein
Jahr Umweltzone Stufe 2 in Berlin. Juni 2011.
(http://www.berlin.de/sen/umwelt/luftqualitaet/de/luftreinhalteplan/download/umweltzone_1jahr_stufe2_bericht.pdf)

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Hrsg.: Luftreinhalte- und Aktionsplan Berlin 2005-2010.
Berlin. August 2005.
(http://www.berlin.de/sen/umwelt/luftqualitaet/de/luftreinhalteplan/index.shtml)

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (SenStadtUm), Hrsg.: Luftreinhalteplan 2011
bis 2017 in Berlin. (2013)
(http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/luftqualitaet/de/luftreinhalteplan/download/
Luftreinhalteplan_Berlin_2011_korrigiert.pdf )

Umweltbundesamt: Angaben zur Ozon-Belastung im Internet. 2015.
(http://www.umweltbundesamt.de/daten/luftbelastung/ozon-belastung)
        
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