Path:
Volume

Full text: Jahresbericht (Rights reserved) Issue2017/2018 (Rights reserved)

Bericht der Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf für das Jahr 2018 Auswahl an Projekten und Themen || erstellt im Dezember 2018 Allgemeines ______________________________________________________________ 3 „Kriegsverlust möglich“ nicht mehr möglich__________________________________ 3 Restitution von Handschriften ______________________________________________ 3 Rückkehr einer mittelalterlichen Handschrift__________________________________ 4 100 Projekte in Arbeit oder in Vorbereitung ___________________________________ 4 Strategie _________________________________________________________________ 5 Neuorganisation der Digitalen Bibliothek der SBB-PK __________________________ 5 Langzeitverfügbarkeit ____________________________________________________ 5 Netzwerk Digital Humanities der SBB-PK _____________________________________ 5 Qualitätsmanagement: Strategische Ausrichtung und Perspektiven der Abteilungen 6 Sammeln und Bewahren ____________________________________________________ 7 Erwerbungen - Übersicht __________________________________________________ 7 Nachlass Leni Riefenstahl als Geschenk an die SPK ___________________________ 8 Erwerbungen mit Haushaltsmitteln und BKM-Sondermitteln_____________________ 8 Erschließen und Erforschen ________________________________________________ 11 Abgeschlossen: KOFIM - Kompetenzzentum Forschung und Information Musik ___ 11 „Seid umschlungen Millionen“ - Digitalisierung und Tiefenerschließung der Autographen Beethovens ________________________________________________ 12 Bach Digital III - Quellenkorpus Bach Söhne _________________________________ 13 NS Raubgut nach 1945: Rolle der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände _ 13 Abgeschlossen: Konservierung des Gebetbuchs der Maria von Geldern _________ 13 Zeitungsportal Deutsche Digitale Bibliothek _________________________________ 14 SBB-PK erneut Partner bei Europeana DSI-4 _________________________________ 14 DFG-Gesamtvorhaben OCR-D _____________________________________________ 14 Handschriftenportal _____________________________________________________ 15 Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | 04.12.2018, S. 1/22 In der Startphase: QURATOR – Flexible KI-Verfahren für die adaptive Analyse und kreative Generierung digitaler Inhalte in branchenübergreifenden Kontexten _____ 15 In der Feinplanung: Erschließung von Briefen des Verlegers Nicolai _____________ 16 Im Antragsverfahren bei der DFG: Zeitungsdigitalisierung _____________________ 16 Großprojekt Konversion von Zettelkatalogen … ______________________________ 16 … für die Musiksammlung ________________________________________________ 16 … für die Kartographische Sammlung _______________________________________ 16 … für weitere Sondersammlungen _________________________________________ 17 Vernetzen und Vermitteln __________________________________________________ 17 Benutzung der Bestände _________________________________________________ 17 Beethoven 2020: BKM-Mittel nun auch für Ausstellung und Studienkolleg ________ 17 Vier Fachinformationsdienste an der SBB-PK ________________________________ 18 Evaluierung durch DFG resp. Prognos, Tiefenevaluierung _______________________ 18 FID Asien, FID Slawistik, FID Kartographie ___________________________________ 18 FID für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung _____________________ 18 Restaurierungsworkshop im Handschriftenzentrum Matenadaran _______________ 19 Bauen und Gestalten ______________________________________________________ 19 Haus Potsdamer Straße __________________________________________________ 19 Planungsauftrag für Grundinstandsetzung ___________________________________ 19 Fassadensanierung läuft _________________________________________________ 19 Haus Unter den Linden ___________________________________________________ 20 Organisieren und Kommunizieren ___________________________________________ 20 Integriertes Bibliotheksmanagement-System ________________________________ 20 Einführung des PICA-Ausleihmoduls OUS __________________________________ 20 Digital unterstütztes Gebäudemanagement __________________________________ 21 Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) _________ 21 Die Modellprojektförderungen seit 2010 _____________________________________ 21 Das BKM-Sonderprogramm _______________________________________________ 22 Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 2/22 Allgemeines „Kriegsverlust möglich“ nicht mehr möglich Das über ein Jahrzehnt dauernde Großprojekt zur Revision des Altbestandes ist abgeschlossen. Der Begriff „Altbestand“ umfasst die einst 3 Mio. Bände und Katalogeinträge des Hauptbestandes (nicht der Sondersammlungen), die bis zum Jahr 1945 verzeichnet und während des Zweiten Weltkrieges weithin verstreut worden waren. Etwa 600.000 dieser Bände sind durch Kriegseinwirkungen vernichtet oder verschollen. Die nach Berlin zurückgekehrten etwa 2,4 Mio. Bände verteilten sich für mehrere Jahrzehnte auf die beiden Bibliotheken in Ost- und West-Berlin. Erst mit der Vereinigung der beiden Standorte zur Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz im Jahr 1992 bestand erstmals nach knapp 50 Jahren die Möglichkeit, den Altbestand einer gründlichen Revision zu unterziehen und festzustellen, welche Bände vorhanden sind, welche als Verlust zu gelten haben, welche im Lauf der Jahre mehrfach nachbeschafft wurden und welche in was für einer Qualität erschlossen vorliegen. Generaldirektorin Schneider-Kempf ordnete bald nach ihrem Amtsantritt im Jahr 2004 an, umgehend mit den Vorbereitungen für die Revision dieses Bestandes zu beginnen, um die zu dem Zeitpunkt noch rund 1,5 Mio. Mal vorhandene Anzeige „Kriegsverlust möglich“ nach Jahrzehnten der Unklarheiten umzuwandeln in „Kriegsverlust“ oder „bestellbar“. Daraus entwickelte sich ein Großprojekt, das im September 2018 seinen erfolgreichen Abschluss fand. In den Jahren, in denen an den Regalen per Autopsie die Daten erhoben und sämtliche Erkenntnisse in Tabellen eingetragen wurden, waren permanent jeweils für zwei Jahre zwölf vom Arbeitsamt Berlin-Süd entsendete Projektkräfte im Einsatz. Die Bibliothekare übernahmen in der dann folgenden mehrjährigen Phase die Prüfung und Korrektur aller Daten mithilfe von Datenbanken und durch Einzelfallklärungen. Restitution von Handschriften Am 8. März 2018 wurden der Stiftung Deutsches Historisches Museum (DHM) neun Handschriften übergeben, die sich bis dahin in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz befunden hatten. Die militär-historischen Werke gehörten bis zur Auflösung des Zeughauses in die Zeughaus-Bibliothek und waren in der DDR auf unterschiedlichen Wegen in die heutige Staatsbibliothek zu Berlin gelangt. Dort wurden sie verzeichnet und erschlossen. Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Bibliothek des Staatlichen Zeughauses eine der größten militärischen Bibliotheken im deutschsprachigen Raum. Während des Zweiten Weltkrieges wurden etwa drei Viertel des Bestandes, rund 15.000 Bände, an verschiedene Orte ausgelagert, die meisten gelten bis heute als verschollen. Nur ein Viertel des Bestandes überstand den Krieg im Gebäude des Zeughauses Unter den Linden unbeschadet. Von der einstigen Handschriftensammlung der Zeughaus-Bibliothek mit knapp 400 Signaturen sind noch gut 120 Stücke im DHM erhalten, der Rest gilt als verschollen. Die wertvollste der zurückgegebenen Handschriften ist ein in Süddeutschland verfasstes Kriegsbuch aus dem Jahr 1453. Auf 254 Blättern zeigen neben anderem zahlreiche Federzeichnungen den Stand der Kriegstechnik und die Ausrüstung der Soldaten um die Mitte des Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 3/22 15. Jahrhunderts. Dargestellt sind Belagerungsgeräte, Pyrotechnik, Geschütze, Rüstungen, Kampfszenen sowie Burganlagen. Zwei der Handschriften entstanden um 1800 in Frankreich, sie handeln vom Krieg im Gebirge und von der Ausbildung in der Königlichen Garde du Corps. Die sechs weiteren Handschriften stammen aus Deutschland und wurden zwischen 1820 und 1900 verfasst. Sie handeln vom Wert und der Verwendung von Scharfschützen, von der Entwicklung der Kanonen seit dem Jahr 1666, beschreiben die Belagerung der Zitadelle von Antwerpen, behandeln Ursachen des Krieges, taktische Fragen, strategische Operationspläne. Rückkehr einer mittelalterlichen Handschrift Über viele Jahre stellte sich bei einer kostbaren mittelalterlichen Handschrift eine durchaus heikle juristische Situation dar, die in diesem Jahr einvernehmlich bereinigt werden konnte. Beteiligt waren die Pariser Société des manuscrits des assureurs français (SMAF), die Bibliothèque nationale de France (BnF), die B.H. Breslauer Foundation, New York, und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit der Staatsbibliothek zu Berlin. Im Jahr 1852 hatte das Preußische Königshaus einen in französischer Sprache verfassten Fürstenspiegel der damals Königlichen Bibliothek, später Preußische Staatsbibliothek, heute Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz geschenkt. Vor 77 Jahren, 1941, kam die Handschrift zusammen mit anderen Pretiosen der Bibliothek nach Schlesien ins Schloss Fürstenstein, um vor möglichen Kriegsschäden geschützt zu sein. Dort jedoch verlor sich ihre Spur, die mittelalterliche Handschrift galt seither als verschollen. Als die SMAF im Jahr 1980 eben diese Handschrift erwarb, hatte niemand ihre wahre Herkunft feststellen können, denn schon Jahre zuvor waren Besitzstempel und Signaturen entfernt und der originale Einband durch einen anderen ersetzt worden. Die SMAF hatte, ebenso wie schon im Jahr 1972 ein anderer Käufer, die Handschrift im guten Glauben erworben. Erst im Jahr 1996 gelang es einer Wissenschaftlerin die Provenienz zweifelsfrei als Altbestand der Staatsbibliothek zu Berlin nachzuweisen. Als sich die SMAF entschied, ihre inzwischen zum nationalen Kulturgut Frankreichs erklärte gesamte Handschriftensammlung zu verkaufen, wurde diese von der BnF nahezu vollständig erworben, nicht jedoch eben die Handschrift mit der Berliner Provenienz, die ja inzwischen erwiesen war. Später bot die SMAF der SBB-PK den Rückerwerb der Handschrift an. Dank der Vermittlung und finanziert durch die B. H. Breslauer Foundation, New York, gelang nun gegenüber der SMAF ein angemessener finanzieller Ausgleich, die Handschrift konnte im Frühjahr 2018 wieder nach Berlin zurückkehren. 100 Projekte in Arbeit oder in Vorbereitung Das zentrale Projektmanagement der Staatsbibliothek zu Berlin, SBB-PK, kontrolliert Organisations-, Ablauf-, Ressourcen- und Finanzplanungen für alle größeren Projekte, derzeit befinden sich 44 im Planungsstadium, 56 Projekte laufen bereits. 4 der gestarteten Projekte wurden durch die SBB-Strategie 2015-2020 ausgelöst (z.B. Bibliotheksmuseum, Modernisierung der Nachweissituation oder Evaluierung von Arbeitsgruppen), für 45 Vorhaben wurden Zielvereinbarungen im Rahmen der strategischen Ausrichtung der Abteilungen abgeschlossen. Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 4/22 34 der gestarteten Projekte werden durch Drittmittel finanziert, die meisten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), andere vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM), die Europäische Union oder Stiftungen. Bei 20 Projekten im Planungsstadium sollen Drittmittel beantragt werden oder wurden bereits beantragt, sind aber noch nicht bewilligt. 22 gestartete und 24 geplante Projekte sind Vorhaben zur Verbesserung organisatorischer Abläufe oder der Dienstleistungen der SBB-PK und werden mit Eigenmitteln finanziert. [Details zu einzelnen Projekten finden sich in den jeweiligen Abschnitten unten.] Strategie Neuorganisation der Digitalen Bibliothek der SBB-PK Als ein weiterer Baustein zur Neuorganisation der Digitalen Bibliothek wurde zum Ende des Jahres 2017 die Stabsfunktion des Forschungsreferenten installiert, der themenfeldübergreifend die Koordinierung, Analyse, das externe Networking, den Anschub von (Drittmittel-)Projekten und das „Technology-Watching“ übernimmt. Für insgesamt sechs Themenfelder der Digitalen Bibliothek wurden der Wirkungsbereich und die Kompetenzen definiert, weiterhin auf der Agenda steht die Konzeption des Handlungsrahmens für die Themen „Statistik und Evaluation“ sowie „IT-Infrastruktur“. Demgegenüber wurden bereits verschiedene vertikale Ankerpunkte auf der taktisch-operativen Linie gesetzt: So ist die „Beratungsstelle Recht“ mit bibliotheksinternen Services eingerichtet, die derzeit überwiegend in datenschutz-, lizenz- und urheberrechtlichen Fragen berät sowie die Einführung eines neuen Rechtesystems für die digitalen Objekte begleitet. Langzeitverfügbarkeit Zur Etablierung des Arbeitsgebiets Langzeitverfügbarkeit wurde die Stelle „Zentrale Fachkoordination Langzeitarchivierung“ ausgeschrieben. Der Bereich wird zunächst über eine Stabsstelle bei der Generaldirektion aufgebaut und später in einer Haupt- oder Querschnittsabteilung angesiedelt. Das Aufgabenportfolio umfasst neben der Entwicklung einer Langzeitarchivierungs-Policy für die Bestände die produktive Implementierung einer entsprechenden Prozess- und Technologie-Infrastruktur. Netzwerk Digital Humanities der SBB-PK Nach dem Aufstellen der inhaltlichen Leitlinien eines Digital-Humanities-Netzwerks erging an die Beschäftigten der SBB-PK ein Aufruf zur Mitarbeit. Inzwischen haben sich sechs themenspezifischen Knotenpunkte formiert. Angestoßen wurden die Einrichtung dieser agilen Organisationsstruktur vom Lenkungsausschuss Digitale Bibliothek, um die Aktivitäten im Bereich Digital Humanities / e-Humanities zu koordiniert zu forcieren. Das Netzwerk arbeitet im Sinne der Prinzipien von Open Science als ein offenes Gremium. Dementsprechend werden die Termine von Beschäftigen aus verschiedenen Abteilungen Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 5/22 wahrgenommen. Der Teilnehmerkreis an den Sitzungen umfasst konstant zwischen 20 bis 30 Personen. Bibliotheksintern entfaltet haben sich bereits die Aktivitäten aus dem Aufgabengebiet „Kompetenzaufbau“. Dieser Netzwerkknoten hat ein Personalentwicklungsprogramm aufgelegt, das über einführende Fortbildungsveranstaltungen interessierten Beschäftigten ein grundlegendes Verständnis für Technologien und Anwendungsszenarien der Digital Humanities vermittelt. Neben dem Thema Kompetenzaufbau und Personalentwicklung wurden vom Netzwerk die folgenden fünf Aufgabengebiete identifiziert:  Networking und Gremienarbeit  DH-spezifisches Forschungs- und Fördermonitoring  Dokumentation und Synergieidentifikation bestehender Aktivitäten mit DH-Bezug  Themenakquise sowie Priorisierung und Weitergabe von Impulsen (Inkubatorfunktion)  Verbreitung und Vermittlung DH-spezifischer Entwicklungen, Projekte, Angebote etc. Erste zusammenfassende Zwischenberichte zu den Aktivitäten aus den einzelnen Knotenpunkten sollen dem Lenkungsausschuss Digitale Bibliothek zum Jahresende vorgelegt werden. Qualitätsmanagement: Strategische Ausrichtung und Perspektiven der Abteilungen Neben der Umsetzung der inhaltlich abteilungsübergreifenden Projekte, die als ein Ergebnis des Strategieprozesses 2015–2020 angestoßen worden sind, beruht die zweite Säule der SBB-Mittelfristplanung auf der Ausrichtung der Bibliothek aus Perspektive der Fachabteilungen. Hierzu sind mittlerweile über 50 Vorhaben als Abteilungsziele identifiziert. Für etwa zwei Drittel der Ziele stehen die zur Umsetzung der zugehörigen Maßnahmen benötigten Kapazitäten abteilungsintern zur Verfügung. Ein Drittel der Vorhaben ist auf die Zuweisung von Sach-, Personalmitteln oder Kapazitäten von internen Servicestellen angewiesen. In einem Workshop, der am 31. Januar 2018 stattfand, tauschte sich die Generaldirektion mit den Abteilungen zum aktuellen Bearbeitungsstand der Maßnahmen aus. Dabei wurde deutlich, dass ein erheblicher Aufwand in die Projektplanung der Vorhaben fließt und der größte interne Bedarfsposten der Zugriff auf IT-Ressourcen ist. Beim Workshop wurden fünf Merkmale identifiziert, die zur Priorisierung der ressourcenintensiven Vorhaben durch die Generaldirektion herangezogen werden. Diese Merkmale sind im Einzelnen: maßgebliche Steigerung der Nutzungszufriedenheit/Servicequalität, gutes Aufwands- und Ertragsverhältnis, breite Nachnutzbarkeit und Synergieeffekte/Effizienzgewinne, schnelle Realisierung zu erwarten und hohe Relevanz für die Einwerbung von Drittmitteln. Nach dem Abschluss der Zielvereinbarungen sind die ersten Bilanzgespräche, bei denen ausgehend von Erfolgskriterien der Status der Maßnahmen geprüft wird, voraussichtlich nach sechs Monaten, also für den Spätsommer bzw. Anfang Herbst 2018 angesetzt. Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 6/22 Die erste Runde der Bilanzgespräche zu den Zielvereinbarungen der Abteilungen begann Anfang Oktober und wird vor Jahresende 2018 abgeschlossen sein. Insgesamt läuft die Umsetzung der über 50 Abteilungsziele nach Plan, sodass größtenteils mit einer Zielerreichung bis zum Ende des Vereinbarungszeitraums zu rechnen ist. Sammeln und Bewahren Erwerbungen - Übersicht (Angaben aus Deutsche Bibliotheksstatistik für das Jahr 2017, veröffentlicht im April 2018) Aktueller Gesamtbestand 2017 2016 2015 Bücher, gebundene Zeitungen und Zeitschriften 11,68 Mio. 11,59 Mio. 11,49 Mio. Sonstige Druckwerke wie Karten und Pläne, Noten, Einblattmaterialien 1,886 Mio. 1,879 Mio. 1,875 Mio. 10,448 Mio. 10,445 Mio. 10,442 Mio. Laufend bezogene gedruckte Zeitschriften 15.983 17.084 19.187 Lizenzierte elektronische Zeitschriften 28.413 27.067 28.228 646.431 551.526 527.066 darunter Datenbanken 5.213 5.161 5.128 Nachlässe, Archive 2.040 2.005 1.695 451.671 451.211 451.125 Sonstige Materialien wie Mikroformen, Kunstdrucke, Postkarten, CDROM, AV-Materialien Digitale Einheiten (ohne elektron. Zeitschriften); Handschriften und Autographe Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 7/22 Nachlass Leni Riefenstahl als Geschenk an die SPK Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erhielt zum Ende des Jahres 2017 mit der großzügigen Schenkung durch die Erbin den kompletten Nachlass von Leni Riefenstahl (1902-2003). Sie war Tänzerin, Schauspielerin, Filmemacherin (Produzentin, Regisseurin, Drehbuchautorin, Schnittmeisterin) und Fotografin. Der Nachlass enthält umfangreiche Fotografie- und Filmbestände, Manuskripte, Briefe, Tageskalender, Akten und Dokumente sowie Presseausschnitte und Bücher. Der schriftliche und fotografische Nachlass befindet sich im Speichermagazin Friedrichshagen, er umfasst über 700 Umzugskartons. Die Aufgabe der Erschließung und Aufbewahrung des Nachlasses wird in der SPK auf mehrere Institutionen verteilt: Der fotografische Bestand soll, betreut von der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek, im Museum für Fotografie am Bahnhof Zoo untergebracht werden. Hier wird seit 2004 auch das Werk Helmut Newtons gezeigt, mit dem Leni Riefenstahl in ihren späten Lebensjahren eng befreundet war. In der Dauerausstellung „Private Property“ ist dies mit Briefen und Büchern von Leni Riefenstahl dokumentiert – die Briefe Newtons finden sich umgekehrt in ihrem Archiv. Das Museum für Fotografie hat sich in den letzten Jahren zu einem lebendigen Ort für die Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart der Fotografie entwickelt. Der Schriften-Bestand des Leni Riefenstahl Archivs mit Korrespondenzen, Tagebüchern und Manuskripten soll von der Handschriftenabteilung der SBB-PK betreut werden, in der heute über 1.600 Nachlässe aus fünf Jahrhunderten von Persönlichkeiten aus allen Bereichen des geistigen, kulturellen und wissenschaftlichen Lebens aufbewahrt und erschlossen werden. Inzwischen sind in der Handschriftenabteilung erste Schritte zur Erschließung des Nachlasses angelaufen. Erwerbungen mit Haushaltsmitteln und BKM-Sondermitteln Die im Sommer 2017 vom BKM an die SBB-PK zusätzlich für Erwerbungen zugewiesenen 7,75 Mio. € werden innerhalb von zwei Jahren verausgabt. Zugleich standen natürlich die regulären Erwerbungsmittel zur Verfügung. Neben vielem anderen wurden im ausgehenden Jahr 2017 und im Jahr 2018 diese besonderen Erwerbungen getätigt:  die Kantate „Herr Gott dich alle loben wir“ von Johann Sebastian Bach (BWV 130). Johann Sebastian Bach gehört zu den herausragenden Komponisten der nationalen Musikund Kulturgeschichte und gilt für die Wissenschaft und Forschung als Maßstab für die Beurteilung barocker Musikwerke. Mit dieser Erwerbung konnte die wichtige Werksammlung an der SBB um ein weiteres bedeutendes Stück erweitert werden.  Teile eines Briefwechsels zwischen Alexander von Humboldt und des französischen Zoologen und Parasitologen Achilles Valenciennes. Beide verband eine intensive Freundschaft, die hier neben dem fachlichen Austausch, in dem sie standen, in den Briefen dokumentiert ist.  die sog. „Jugendstilbibliothek“. Hierbei handelt es sich um eine privat aufgebaute, umfangreiche Sammlung von illustrierten Einbänden zur deutschen Verlagsproduktion aus dem Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 8/22 Zeitraum 1890 bis 1914. Diese Sammlung füllt große Lücken in dem von der SBB betreuten Segment der Sammlung Deutscher Drucke und ist insbesondere für die Einbandforschung von Bedeutung.  Eine Sammlung mit Drucken von Voltaire-Werken. Auf der Grundlage eines für die Verhandlungen mit dem Eigentümer eingeholten Gutachtens konnte die Abteilung Historische Drucke eine Sammlung mit Voltaire-Drucken erwerben. Das Gutachten stuft die Sammlung mit Drucken von Werken Voltaires wie auch mit zeitgenössischen Gesamtausgaben und zahlreichen Schriften zu seinem Werk als überaus bedeutsam ein. Dies sowohl hinsichtlich der Menge von ca. 1.000 Bänden wie auch der Qualität der gesamten Sammlung und einzelner Stücke daraus - das Spektrum reicht von luxuriös gestalteten Werkeditionen bis zur billigen Broschüre, das Gutachten reißt zudem bereits einige zu erwartende Forschungsfragen an.  Der zweite Teil des Archivs des Wagenbach-Verlags. Im Jahr 2015 erwarb die SBB-PK mit Unterstützung durch die Kulturstiftung der Länder das Archiv der ersten vierzig Jahre des im Jahr 1964 in Berlin (West) gegründeten Klaus Wagenbach Verlags. In dem Archiv ist neben vielem anderen stets auch der Entstehungsprozess eines jeden Buches dokumentiert. In den 1970er Jahren wurde vor allem politische Literatur verlegt, seit den 1980er Jahren wandte der Verlag sich auch der Kultur- und Kunstgeschichte zu. Die SBBPK setzte mit dem Kauf des Wagenbach-Archivs ihre Politik des Erwerbs bedeutender literarischer und wissenschaftlicher Verlagsarchive fort. Im Juli 2017 war auch der Verlag Klaus Wagenbach von den Überflutungen der Berliner Innenstadt massiv betroffen, u. a. wurde der zweite Teil des Archivs, dessen sukzessive Übergabe an die Staatsbibliothek zu Berlin mit dem Vertrag im Jahr 2015 bereits pauschal vereinbart worden war, stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Abteilung für Bestandserhaltung, die Verwaltung und die Handschriftenabteilung entsendeten sofort Fachkräfte für die Begutachtung, den Transport und die konservatorisch sichere Inobhutnahme des Archivs in den Magazinen der SBB-PK. Im Oktober 2018 wurde diese frühzeitige und nunmehr bereits nahezu vollständige Übernahme des Archivs – Unterlagen zu aktuellen Projekten sind selbstverständlich beim Verlag verblieben – vertraglich abgeschlossen. Dabei wurden die erheblichen Kosten für die Bergung und Versorgung des Archivs, die aufseiten der SBB-PK angefallen waren, berücksichtigt.  Mendelssohn-Briefe. Im Juni 2018 wurde aus einer Privatsammlung ein Konvolut von 104 Briefen von Felix Mendelssohn Bartholdy an verschiedene Adressaten erworben. Nunmehr besitzt die SBB-PK ca. 880 Mendelssohn-Briefe. Die meisten dieser Briefe sind in der Gesamtausgabe der Briefe Mendelssohns enthalten, wurden dort aber häufig nicht nach dem Original, sondern nach alten Abschriften ediert; fünf der Schreiben waren hingegen bislang gar nicht oder nur in Auszügen bekannt. Die Briefe umfassen die Zeitspanne vom Frühjahr 1824, als Mendelssohn allmählich als professioneller Musiker an die Öffentlichkeit trat, bis zum Herbst 1847, also wenige Wochen vor dem frühen Tod des Komponisten. Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 9/22  Furtwängler-Briefe. Mit 107 frühen, meist an seine Eltern gerichteten Schriftstücken und Jugendbriefen von Wilhelm Furtwängler konnte im Juni 2018 der in der SBB-PK verwahrte Korrespondenznachlass ergänzt werden, erworben wurden die Autographe aus dem Familienbesitz. Die Briefe umfassen hauptsächlich den Zeitraum von seiner Schulzeit bis zum Beginn seiner beruflichen Tätigkeit als Korrepetitor in Breslau bzw. Chordirektor in Zürich. Enthalten ist auch das allererste, vom Erlernen der Schreibschrift deutlich geprägte Schreiben des gerade mal siebenjährigen Furtwängler an seine Mutter. Die frühen Zeugnisse spiegeln die geistige und künstlerische Atmosphäre des Elternhauses wider und geben einen Einblick in Furtwänglers Kompositionsausbildung unter Joseph Rheinberger und Max von Schillings.  Eine Sammlung Flugblätter aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Sammler Jaques Engels verkaufte nach mehrjährigen Gesprächen seine in über 40 Jahren aufgebaute Sammlung mit Flugblättern aus dem Zweiten Weltkrieg an die SBB-PK. Ende Oktober 2018 kamen die rund 12.000 Flugblätter aus Brüssel nach Berlin, damit wurde die bis dato ohnehin schon sehr gute Sammlung mit Kriegsflugblättern aus dem Zweiten Weltkrieg zu einer außerordentlich großen Sammlung mit nunmehr etwa 30.000 Flugblättern aus jener Zeit.  Im November 2018 gelang in Jerusalem der Erwerb einer Esther-Rolle auf Pergament, geschrieben 1776 von Jechiel Menachem Urbino aus Mantua. Am Beginn der Handschrift ist eine große Zeichnung, die eine Szene des Esther-Buches darstellt, allerdings in der Kulisse einer europäischen Stadt. Es handelt sich um den Text des biblischen Ester-Buches, welches traditionell zum Purimfest in der Synagoge gelesen wird. In jüdischen religiösen Handschriften ist die Darstellung von Menschen aufgrund des Bilderverbotes eher selten – da das Esther-Buch den Gottesnamen nicht enthält, finden sich aber doch in einigen Esther-Rollen Darstellungen von Menschen bzw. Illustrationen des Inhalts.  Vier mittelalterliche theologische Handschriften. Bei Christie's in London erwarb die SBBPK in Spanien entstandene Handschrift Ms. lat. fol. 984; in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde diese von nur einem Schreiber in einer für die Zeit typischen Schrift, Bastarda, sowohl auf Pergament als auch auf Papier in kleinem Folioformat geschrieben, die Initialbuchstaben sind mit Fleuronnéeschmuck gestaltet. - Zwei volksprachige Handschriften wurden bei Bassenge in Berlin sowie Reiss in Königstein im Taunus ersteigert, beide berühren die Themen Glaubenserklärung, Seelsorge und Gebet; die Sammelhandschrift Ms. germ. oct. 1454 enthält u.a. die 100 Betrachtungen aus Heinrich Seuses Büchlein der Ewigen Weisheit und, in zwei Teilen, einen Auszug aus dem Eucharistie-Traktat von Marquard von Lindau; Ms. germ. oct. 1455 liefert eine Abfolge im deutschen Sprachraum bekannter Gebetszyklen, z.B. einen mal Bonaventura, mal Bernhard von Clairvaux zugeschriebenen Marienpsalter zusammen mit dem sogen. Goldenen Marienpsalter und einer Serie mehrerer Tagzeitengebete, d.h. Gebeten, die zu den für das Stundengebet vorgeschrieben Zeiten zu sprechen sind. – Erworben wurde auch eine mit der Signatur Ms. germ. oct. 1456 versehenes niederländisches Stundenbuch aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts mit den für diesen Typ des privaten Laiengebetbuchs einschlägigen Gebeten, eingerichtet für den Gebrauch in Utrecht. Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 10/22 Bei der modernen wissenschaftlichen Literatur konnten im Bereich der digitalen Medien bedeutsame Datenbanken erworben werden, die zum Teil deutschlandweit einmalig zur Verfügung gestellt werden, etwa  „Secret files from World Wars to Cold War”. Diese Volltext-Datenbank mit 144.000 Seiten eingescannter Originaldokumente des „National Archive“ (UK) bietet Einblick in unterschiedliche Sparten der Geheimdienst-Aktivitäten und der Außenpolitik aus dem Zeitraum 1873 bis 1953. Die Dokumente haben überwiegend internationalen Bezug und bieten eine breite thematische Vielfalt für die Forschung vieler Fachrichtungen.  „State papers online (1509–1782)“. Diese Volltext-Datenbank bietet über 3 Mio. eingescannte Originaldokumente zum Verständnis von fast 300 Jahren britischer und europäischer Geschichte aus den Bereichen Diplomatie, Politik, Soziales, Kultur, Religion, Forschung, Reise und Handel.  “Filmmakers library online (second edition)”. Diese Datenbank bietet Primärquellen von audiovisuellen Materialien (ca. 1.800 Filme). Die Datenbank berührt nahezu alle Wissenschaftsdisziplinen, u.a. Anthropologie, Gender Studies, Menschenrechte, Globalisierung und globale Studien, Multikulturalismus, internationale Beziehungen, u.v.m. Die Filmdokumentationen stammen von unabhängigen Filmemachern und bekannten Produzenten wie HBO, CBC Learning, BBC, the Dramatists Guild, Journeyman Pictures, IFC Films/Sundance Selects, Oscilloscope Films, First Run Features, Zeitgeist Films. Die Filme sind als Streaming Video verfügbar. Erschließen und Erforschen Abgeschlossen: KOFIM - Kompetenzzentum Forschung und Information Musik Die Musikabteilung der SBB-PK verwahrt einen der umfangreichsten und wertvollsten Bestände an Musikautographen weltweit. Die zum UNESCO-Weltdokumentenerbe gehörenden Autographe wie auch weitere hochbedeutende Autographen-Gruppen wie die Bach-, Mozart-, Beethoven-, Mendelssohn- und Weber-Quellen liegen seit den 1950er Jahren detailliert erschlossen in Buchform vor oder sind bereits in digitalisierter Form im Internet recherchierbar. Um für diesen herausragenden Bestand zeitgemäße sowie innovative Recherchemöglichkeiten anzubieten, führte die SBB-PK mit DFG-Förderung ein insgesamt 6,5 Jahre dauerndes Projekt der Tiefenerschließung durch, welches in die Etablierung der Musikabteilung der SBBPK als „KOFIM - Kompetenzzentrum Forschung und Information Musik“ mündete. Dafür wurden 7.500 Musikautographe, und zwar der Kernbestand aus der Zeit des 17. bis zum mittleren 19. Jahrhundert, in der Datenbank RISM/Kallisto wissenschaftlich erschlossen und über den RISM-OPAC recherchierbar gemacht. Die seit 2010 kostenfrei zugängliche Online-Datenbank des Internationalen Quellenlexikons der Musik „RISM“ (Répertoire International des Sources Musicales) ist ein Gemeinschaftsprojekt von RISM, der Bayerischen Staatsbibliothek München (BSB) und der SBB-PK. Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 11/22 In dem Erschließungsprojekt der SBB-PK wurden Werke von ca. 1.600 Komponistinnen und Komponisten bearbeitet. Vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gingen in dem Projekt über die konventionellen Erschließungsmethoden weit hinaus, in mehrfacher Hinsicht führten sie ein Pilotprojekt durch: Erstmalig wurde der Fokus auf die standardisierte Erfassung von Papierstrukturmerkmalen wie Wasserzeichen und deren gleichzeitige bildliche Dokumentation gelegt; bildgebend war die noch relativ junge Technik der Thermographiekamera. Auch die Erfassung der Wasserzeichen in der Spezialdatenbank „WasserZeichenInformationsSystem“ und deren reziproke Verlinkung mit dem RISM-OPAC waren im Kontext der Musikhandschriftenerschließung gänzlich neu. Die Idee, das Schriftbild von Komponisten im Kontext der Katalogisierung von Musikautographen mittels Schriftproben digital zu dokumentieren, stellte ebenfalls ein Novum im Bereich der Musikhandschriftenerschließung dar. Für alle genannten Aspekte wurden in der Vorbereitungs- bzw. Anfangsphase des Projekts Workflows und Standards in der SBB-PK entwickelt, die nun von der Fach-Community und darüber hinaus nachgenutzt werden können. Sie sind detailliert dargelegt im Konferenzband „Wasserzeichen – Schreiber – Provenienzen: Neue Methoden der Erforschung und Erschließung von Kulturgut im digitalen Zeitalter“, der im Januar 2016 in der Sonderband-Reihe der ZfBB Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie erschienen ist. Mit der Verbildlichung von Schreiberhänden und der Wasserzeichen wurden des Weiteren erstmals Querbezüge innerhalb des untersuchten Bestandes sowie zu anderen Sammlungen der SBB-PK bzw. anderer Bibliotheken bekannt. Die auf diese Art gewonnenen Erkenntnisse sollen längerfristig die zentrale Disziplin der Quellenforschung mit neuesten Methoden voranbringen und auf diese Weise die Forschungsumgebung für Wissenschaftler/innen nachhaltig verbessern. In Zukunft werden neue Ergebnisse hinsichtlich der chronologischen Einordnung, geographischen Verortung sowie der Erforschung von Entstehung, Überlieferung und Rezeption der Werke erwartet. „Seid umschlungen Millionen“ - Digitalisierung und Tiefenerschließung der Autographen Beethovens Wenn in zwei Jahren der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens gefeiert wird, präsentiert die SBB-PK ihre Beethoven-Sammlung – die umfangreichste weltweit – selbstverständlich online. Zu dieser Sammlung gehören die Sinfonien Nr. 4, 5, 7 (derzeit in Krakau), 8 (teilweise in Krakau) und 9 (UNESCO-Weltdokumentenerbe), die Klavierkonzerten Nr. 1-3 und 5, die Oper Leonore/Fidelio und die Missa solemnis – in Berlin gibt es eine bemerkenswert hohe Quote an "großen Werken" Beethovens, was die Rolle der SBB-PK für das Festjahr Beethoven 2020 verdeutlicht. Insgesamt sind nicht weniger als 100 Kompositionen aus allen Schaffensphasen durch Autographe oder Manuskripte mit autographen Anteilen vertreten, auch der berühmte Brief an die „Unsterbliche Geliebte“. Mit den im letzten Jahr bewilligten BKM-Mitteln werden alle Autographe digitalisiert und wissenschaftlich tiefenerschlossen. Dazu konnte ein externer Wissenschaftler gewonnen werden. Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 12/22 Bach Digital III - Quellenkorpus Bach Söhne Der von der SBB-PK federführend für die Projektbeteiligten Bach-Archiv Leipzig, SLUB Dresden, StUB Hamburg und Landesarchiv Baden-Württemberg bei der DFG eingereichte Antrag zu „Bach Digital III. Der Quellenkorpus der Bach-Söhne“ wurde im Jahr 2017 bewilligt, seither laufen die Arbeiten kontinuierlich. Die Ziele aus den Projekten Bach Digital I (Werke von Johann Sebastian Bach) und Bach Digital II (Abschriften von Werken Johann Sebastian Bachs) werden fortgeführt: Digitalisierung und Tiefenerschließung der Autographe, dieses Mal jene der komponierenden Bach-Söhne. NS Raubgut nach 1945: Rolle der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände Im August 2014 war das Projekt „NS-Raubgut nach 1945: Die Rolle der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände“ angelaufen, die erste Phase wurde durch die BKM gefördert, die letzte seit Januar 2018 durch das Deutsche Zentrum für Kriegsverluste. Erforscht wurden bislang die Wege von NS-Raubgut, das nach dem Zweiten Weltkrieg im Osten Deutschlands teilweise an unterschiedliche Bibliotheken verteilt worden war. Im Fokus stand/steht die Rolle der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA), diese nicht-kommerzielle Zentralstelle koordinierte und organisierte u.a. die Weitergabe von Altbeständen aus unterschiedlichsten Quellen zwischen den Bibliotheken in der DDR sowie an das Zentralantiquariat der DDR, das mit Abnehmern in der Bundesrepublik Deutschland eng kooperierte. In verschiedenen Projekten zur Suche nach Raubgut in deutschen Bibliotheken wurden in den letzten Jahren Bände gefunden, die inzwischen eindeutig als NS-Raubgut identifiziert sind und bei denen gleichzeitig die Verteilung durch die ZwA nachgewiesen ist. Die ZwA wurde 1953 gegründet und 1959 bei der Deutschen Staatsbibliothek – heute SBB-PK – angesiedelt, sie bestand bis 1995. Alle relevanten Akten sind gesichtet, derzeit läuft die Auswertung der Daten. Abgeschlossen: Konservierung des Gebetbuchs der Maria von Geldern Seit dem 14. Oktober 2018 ist in Nijmegen die Ausstellung „Ich – Maria von Geldern“ zu sehen, in deren Zentrum ein Objekt aus der SBB-PK steht, das Gebetbuch der adligen Dame. Das vor über 600 Jahren in Geldern für sie hergestellte Gebetbuch enthält einige eigens für sie geschriebene fromme Texte. Auf den 500 Blatt sind außerdem 92 Miniaturen sowie zahlreichen Initiale und gemalte Bordüren untergebracht, es handelt sich um ein herausragendes Zeugnis der niederländischen Buchkunst des frühen 15. Jahrhunderts. Um ausgestellt werden zu können, waren jedoch zuvor komplexe Untersuchungen und das Aufstellen eines Konservierungskonzeptes notwendig. Die SBB-PK und das Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen zu Berlin erarbeiteten das Konservierungskonzept, dieses finanziert von der Ernst von Siemens Kunststiftung. Die Konservierung des Gebetbuches wurde zu Beginn des Jahres 2018 in der Klimakammer der SBB-PK durchgeführt, dafür musste ein Mikroskop mit 48-facher Vergrößerung angeschafft werden. Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 13/22 Zeitungsportal Deutsche Digitale Bibliothek Mit Förderung durch die DFG läuft seit April 2018 für zwei Jahre unter der Federführung der Deutschen Nationalbibliothek und in Kooperation mit dem FIZ Karlsruhe, der Sächsischen Landebibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und der Staatsbibliothek zu Berlin das Projekt „Zeitungsportal DDB“: Auf der technologischen und organisatorischen Basis der Deutschen Digitalen Bibliothek soll ein Portal entwickelt und in den Produktivbetrieb überführt werden, das den zentralen und nutzerfreundlichen Zugang zu den digitalisierten historischen Zeitungen aus Deutschland ermöglicht. Durch den unmittelbaren Zugang zu den Zeitungsbeständen mit ihren Volltexten bildet das Zeitungsportal eine Ergänzung zu dem auf bibliographische Daten fokussierten Katalog der Zeitschriftendatenbank, ZDB. Das Portal steht in enger Verbindung zu einer neuen Förderinitiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Digitalisierung von Zeitungen. Ein wesentliches Element des neuen Portals soll die bruchlose Wahrnehmung der Rechercheergebnisse durch den Nutzer sein – Zeitungsausgaben sollen vollständig rezipiert werden können, ohne dass dafür das Portal ‚verlassen‘ werden muss. Zudem soll das Portal so konzipiert und umgesetzt werden, dass es auch in den zukünftigen Ausbaustufen möglichst offen und anschlussfähig bleibt für neuere Konzepte und Technologien. SBB-PK erneut Partner bei Europeana DSI-4 Europeana, die europäische Digitale Bibliothek, arbeitet seit Januar 2015 gemeinsam mit zahlreichen Partnern in ganz Europa an der strukturellen Weiterentwicklung der digitalen Inhalte. Insbesondere deren Zusammenführung in Themenportalen bzw. thematischen Sammlungen soll den Nutzern den Zugang zu dem immensen Angebot erleichtern. Seit dem 1. September 2018 läuft mit Europeana DSI-4 die vierte Runde des Programms zur Entwicklung der Core Services Europeana Digital Infrastructure. Schon an den Vorgängerprogrammen DSI-2/-3 war die SBB-PK beteiligt, sie koordinierte die Überführung von „Europeana Newspapers“ zu „Europeana Newspaper Collection“. Die SBB-PK hat jetzt das Segment „Curation of the Europeana Newspapers Thematic Collection” übernommen. Dafür werden Marktforschung und Analysen zum Bedarf und zur Nutzung digitaler Zeitungsangebote vorgenommen, die Anforderungen an das Europeana Zeitungsportal von Seiten der Forschung und Kreativwirtschaft ermittelt, relevante europäische Zeitungssammlungen identifiziert, eine Content-Strategie erstellt sowie das Europeana Zeitungsportal redaktionell betreut. DFG-Gesamtvorhaben OCR-D Die DFG verfolgt seit längerem das Gesamtvorhaben „OCR-D“, das in ein konsolidiertes Verfahren zur OCR-Verarbeitung von Digitalisaten des gedruckten deutschen Kulturerbes des 16. bis 19. Jahrhunderts münden soll. Das Verfahren soll deutschlandweit in die Digitalisierungsworkflows der Bibliotheken eingebunden werden und sicherstellen, dass die damit gewonnenen digitalen Volltexte insbesondere im Bereich der geisteswissenschaftlichen Forschung anwendungsbereit sind. Seit November 2016 bis zur Mitte des Jahres 2018 beteiligte sich die SBB-PK als Partner im deutschlandweiten Vorprojekt der DFG. Die Institutionen arbeiteten an Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 14/22 Verfahren und Richtlinien sowie an weitreichenden Standardisierungen von OCR-bezogenen Prozessen und Metadaten. Das langfristige Ziel ist die vollständige Transformation des schriftlichen deutschen Kulturerbes als strukturierte Volltexte in eine maschinenlesbare Form. Innerhalb der SBB-PK wurde unter Federführung der Abteilung für Informations- und Datenmanagement eine Volltext-Strategie entwickelt. Für das Massengeschäft wird ein externer Dienstleister hinzuziehen sein, ein dauerhafter Geschäftsgang muss etabliert werden. Voraussichtlich werden durch wiederkehrende OCR-Gänge die Erkennungsraten gesteigert und dadurch die Qualität des Volltextangebots ständig verbessert. Seit September 2018 läuft die zweijährige Anschlussförderung durch die DFG. Gemeinsam mit der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften kümmert sich die SBB-PK nun um die Koordination und fachliche Betreuung der in diesem Jahr gestarteten acht Modulprojekte für OCR-D, des Weiteren um die technische Integration der von den Modulprojekten entwickelten Software in ein OCR-D Framework und die Bereitstellung von Schnittstellen. Zu den Aufgaben gehören auch die Vermittlung der Projektergebnisse in die interessierte Öffentlichkeit und die Überarbeitung der DFG-Praxisrichtlinien Digitalisierung hinsichtlich OCR. Ergänzt werden die Aktivitäten durch die Übernahme von Aufgaben, die im Rahmen der Modulprojekte nicht beauftragt wurden. Handschriftenportal Das im Januar 2018 von der DFG bewilligte Projekt zum Aufbau eines nationalen Web-Portals für Buchhandschriften des Mittelalters und der Neuzeit in deutschen Kultureinrichtungen unter der Federführung der SBB-PK, das Handschriftenportal, ist im Oktober 2018 gestartet. Kooperationspartner sind die Universität Leipzig, die Bayerische Staatsbibliothek und die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Die DFG finanziert den technischen Aufbau des Portals, Ziel ist ein modernes Instrument für die internationale Forschung der unterschiedlichsten Disziplinen. Etwa 60.000 in Codizes gebundene Handschriften aus der Zeit bis um 1500, befinden sich in deutschen Bibliotheken und Archiven. Am bekanntesten sind die Handschriften des Nibelungenliedes (13. Jh.), die Carmina Burana (um 1230) oder ein Autograph des Decamerone von Giovanni Boccaccio (1370). Das Handschriftenportal wird ein zentrales Nachweisinstrument sein, daher sind vorrangig ein Erfassungs-, Datenhaltungs-/ –vernetzungs- und Präsentationssystem zu entwickeln. Neben zeitgemäßen Präsentationsformen wird das Portal für die Erfassung nutzergenerierter Daten offen sein und interoperable Datenstrukturen bereitstellen. In der Startphase: QURATOR – Flexible KI-Verfahren für die adaptive Analyse und kreative Generierung digitaler Inhalte in branchenübergreifenden Kontexten Ab dem 1. November 2018 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung für drei Jahre das Projekte QURATOR bewilligt. In dem Projekt sollen flexible Verfahren zum Einsatz Künstlicher Intelligenz bei der Auswertung wie auch Kreierung von Datenbeständen und digitalen Inhalten entwickelt werden. Daran wirken neben dem Deutschen Forschungszentrum Künstliche Intelligenz (DFKI), dem Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme, Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 15/22 dem Wikimedia Deutschland e.V. und der SBB-PK mehrere in Berlin und Potsdam ansässige Firmen zusammen, das sind Ada Health, ART+COM, CONDAT, Kreuzwerker, RiseML, Semtation, uberMetrics und 3pc. Die SBB-PK deckt den Bereich „Digitalisiertes kulturelles Erbe“ ab. Zu den Projektzielen der SBB-PK gehören die Entwicklung von Verfahren für die automatisierte Qualitätsverbesserung der von digitalisierten Dokumenten erzeugten Volltexte sowie die Entwicklung von Verfahren für die skalierbare semantische Erschließung und Anreicherung von digitalisierten Dokumenten mit automatisierten Kuratierungstechnologien. In der Feinplanung: Erschließung von Briefen des Verlegers Nicolai Der Nachlass des Berliner Verlegers und Schriftstellers Friedrich Nicolai (1733-1811) ist kriegsbedingt weitgehend verschollen. Die in der SBB-PK erhaltenen und von den Forschern stark benutzten 9 Bände mit 20.000 an ihn gerichteten Briefen – insgesamt 30.000 Blatt - sollen demnächst restauriert, digitalisiert und wissenschaftlich erschlossen werden. Dafür wurden von der BKM und der Stiftung Preußische Seehandlung bereits Fördermittel zugesagt, die die Eigenmittel der SBB-PK ergänzen. Im Antragsverfahren bei der DFG: Zeitungsdigitalisierung Im Rahmen der DFG-Ausschreibung „Digitalisierung historischer Zeitungen des deutschen Sprachgebiets“ hat die SBB-PK einen Antrag zur Digitalisierung von 20 überregionalen Tagesund Wochenzeitungen des 19. Jahrhunderts eingereicht. Zu über 99% von Mikrofilmen, nur ergänzend von Originalen, sollen etwa 4,3 Mio. Seiten aus den deutschsprachigen Zeitungen digitalisiert und dabei der OCR-Erkennung unterzogen werden, um die Inhalte der Forschung zugänglich zu machen. Großprojekt Konversion von Zettelkatalogen … Die SBB-PK steht vor der großen Aufgabe, ca. 2 Millionen Bestandsnachweise der Sonderabteilungen vor allem zu wertvollen Musikalien, Karten, Buchhandschriften, Nachlässen und Autographen-Sammlungen sowie Orientalia und Ostasiatica in elektronische Fassungen zu konvertieren. Der Anteil an unikalem Material von internationaler Bedeutung ist in diesen Sammlungen sehr hoch. Auch aus diesem Grund müssen die Daten nach der Konversion in hoher Qualität vorliegen, sie müssen mit bibliographischen Normdaten verknüpft werden und die Darstellung der Bestände in der Digitalen Bibliothek der SBB-PK erlauben. … für die Musiksammlung Hier geht es um ca. 1 Mio. Datensätze, aktuell sind die Erfassungsanweisungen zur Vorbereitung einer Fremdvergabe in Arbeit. … für die Kartographische Sammlung Seit 2017 läuft die Konversion des Formalkataloges des Kartenaltbestandes und des Bandkataloges der Gesellschaft für Erdkunde, damit die Nachweissituation besonders für den stark Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 16/22 nachgefragten Bestand 1850-1940 und für Handzeichnungen verbessert sowie zugleich der Bestand vollständig überregional sichtbar gemacht werden kann. … für weitere Sondersammlungen Noch nicht in Arbeit ist die Konversion der Kataloge der Handschriftenabteilung, der Orientabteilung, der Ostasienabteilung und der Kinder- und Jugendbuchabteilung. Vernetzen und Vermitteln Benutzung der Bestände (Angaben aus Deutsche Bibliotheksstatistik für das Jahr 2017, veröffentlicht im April 2018) 2017 Registrierte Benutzerinnen und Benutzer mit Jahres- oder Monatsausweis Bibliotheksbesuche alle Standorte Entliehene physische Einheiten (nicht enthalten: Nutzung der frei zugänglichen Literatur in Lesesälen) Suchanfragen in lokalen Online-Katalogen Zugriff auf elektronische Zeitschriftentitel 2016 2015 33.641 34.515 33.289 852.600 1.050.500 903.909 1.126.339 1.188.524 1.266.717 18.106.645 9.534.319 10.995.507 32.692 38.815 42.698 Beethoven 2020: BKM-Mittel nun auch für Ausstellung und Studienkolleg Das BKM-finanzierte Programm „Seid umschlungen Millionen“ zur Digitalisierung und Tiefenerschließung der Autographe Ludwig van Beethovens läuft bereits seit dem Jahr 2017, siehe oben. Im Sommer 2018 kamen zwei weitere Förderbausteine der BKM hinzu, was erneut auch die Wertschätzung der Bundesregierung für die Beethoven-Sammlung der SBB-PK unterstreicht; diese ist die umfangreichste und enthält neben vielem anderen die Sinfonien Nr. 4, 5, 7 (derzeit in Krakau), 8 (teilweise in Krakau) und 9 (UNESCO-Weltdokumentenerbe), die Klavierkonzerte Nr. 1-3 und 5, die Oper Leonore/Fidelio, die Missa solemnis, aber eben auch den Brief an die „Unsterbliche Geliebte“: Von Mitte März bis Ende Mai 2020 wird die SBB-PK, überwiegend auf Materialien des Hauses gestützt, im Haus Potsdamer Straße die Ausstellung „Beethoven schreibt“ einrichten. Dafür Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 17/22 wie auch für das Abhalten eines Studienkollegs im Beethoven-Haus Bonn wurden kürzlich erhebliche Mittel im unteren sechsstelligen Bereich bewilligt. Vier Fachinformationsdienste an der SBB-PK Evaluierung durch DFG resp. Prognos, Tiefenevaluierung Alle vier an der SBB-PK angesiedelten und von der DFG geförderten Fachinformationsdienste für die Wissenschaften laufen planmäßig, das FID Recht bereits in der zweiten Bewilligungsperiode, die FID Kartographie, Slavistik und Ostasien in der ersten. Alle aktuellen Förderungen reichen bis in das Jahr 2019. Im Frühjahr 2018 beteiligten sich die FID an einer Evaluation, die die DFG durch die Firma Prognos durchführen ließ. FID Asien, FID Slawistik, FID Kartographie Für diese drei Fachinformationsdienste für die Wissenschaft sind jeweils die Anträge für die zweite Förderphase bei der DFG eingereicht und wurden in Beratungen bei der DFG im Oktober 2018 begutachtet. Die Anträge liegen jetzt dem Hauptausschuss zur Beschlussfassung vor. In der kommenden Sitzung der Bibliothekskommission wird erneut dazu berichtet. FID für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung Ziel der zweiten Projektförderphase des FID Recht ist es, die im Januar 2014 begonnene Transformation des Sondersammelgebiets Recht in einen FID für die Wissenschaft zu vollziehen: Im intensiven Austausch mit der rechtswissenschaftlichen Fachcommunity konnte der FID in den vergangenen Monaten sein Erwerbungsprofil weiter schärfen und sein Angebot an hochspezialisierten elektronischen wie konventionellen Fachinformationsressourcen ausbauen. So wird der personalisierte Fernleihservice für forschungsrelevante Werke aus dem gesamten Druckbestand der SBB-PK nunmehr ergänzt durch einen virtuellen Lesesaal, in dem ein Bündel an in Deutschland bislang kaum verfügbaren Datenbanken und E-Zeitschriften überregional zugänglich ist. Gemeinsam mit zwei juristischen Fachgesellschaften wurde ein Teilprojekt zur Retrodigitalisierung grauer Forschungsliteratur durchgeführt, dessen Resultate ebenso wie die im Rahmen seines regulären On-Demand-Digitalisierungsservice erzeugten Scans der Allgemeinheit im Open Access zur Verfügung stehen. Die Etablierung des Open Access-Paradigmas in den Rechtswissenschaften unterstützt der FID darüber hinaus durch vielfältige Beratungs- und Tagungsaktivitäten sowie vor allem durch den Betrieb des ersten juristischen Multimediafachrepositoriums in Deutschland, das im Berichtszeitraum das DINI-Repository Sigel erhielt und zunehmend von reputierten Wissenschaftsblogs für die Langzeitarchivierung, den bibliothekarischen Nachweis und die persistente Adressierung ihrer Veröffentlichungen in Anspruch genommen wird. Seinen augenfälligsten Ausdruck fand der angesprochene Transformationsprozess in der grundlegenden Modernisierung der Virtuellen Fachbibliothek Recht, die gemäß der konzeptio- Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 18/22 nellen Neuausrichtung des FID auf den Informationsspitzenbedarf der internationalen und interdisziplinären Rechtsforschung in Virtuelle Fachbibliothek ² umbenannt wurde. Auf ihren Seiten bietet der FID sein gesamtes Serviceportfolio an, das neben den erwähnten Diensten u.a. auch eine Suchmaschine für juristische Forschungsliteratur sowie Aggregatoren für die Vermittlung der jüngsten Inhalte rechtswissenschaftlicher Blogs und Fachzeitschriften umfasst. Restaurierungsworkshop im Handschriftenzentrum Matenadaran Schon zum dritten Mal seit dem Jahr 2012 reisten im Oktober 2018 Restauratorinnen der SBB-PK nach Jerewan zum Handschriftenzentrum Matenadaran, dessen Sammlung im Jahr 1997 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe erklärt worden war. Gemeinsam mit den dortigen Kolleginnen tauschten sie in Workshops Erfahrungen und Wissen rund um die diffizile Aufgabe, Unikate zu restaurieren und unter konservatorisch bestmöglichen Bedingungen aufzubewahren. Wie schon bei den Workshops zuvor war das vordringliche Ziel, nur mit den vor Ort bestehenden Möglichkeiten die besten Restaurierungstechniken anzuwenden. Bauen und Gestalten Haus Potsdamer Straße Planungsauftrag für Grundinstandsetzung Am 11. Oktober 2018 erteilte die AG Bau des Stiftungsrates der SPK den Planungsauftrag für die Grundinstandsetzung des Hauses Potsdamer Straße. Als Nächstes wird unter der Federführung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung eine Ausschreibung zur Findung eines geeigneten Büros erfolgen. Wie mehrfach berichtet, ist die technische Infrastruktur des Gebäudes sehr fragil, diese könnte jederzeit versagen. Des Weiteren stellen die noch vorhandenen Asbeststäube im Lesesaal eine latente Gefahr dar. Sollte bei den regelmäßigen Messungen eine Unregelmäßigkeit festgestellt werden, müsste das Haus sofort geschlossen werden. Fassadensanierung läuft Die Sanierung der Fassade hat begonnen, Ziel ist die statische und energetische Ertüchtigung der Fassade - das schließt den kompletten Austausch aller nach außen gerichteten Fenster, Türen, Fluchtwege sowie aller Anlagen ein, die die Fassade betreffen. Im Zuge ihrer Sanierung wird die Bauphysik der Fassade deutlich verbessert: Die zwischen dem Baukörper und der Fassade im Bestand gegebene Abstand von 4 cm wird mit einem hoch effizienten Dämmmaterial gefüllt, so dass durch beide Maßnahmen die Energieeffizienz des Gebäudes signifikant erhöht wird. Derzeit wird mit einem Budget von 30 Mio. € gerechnet. Derzeit laufen die Planungen für die Umzüge, denn sukzessive werden nahezu alle Mitarbeiter/innen ihre Büros vorübergehend räumen müssen, um die jeweils nötige Baufreiheit zu Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 19/22 schaffen. Ab Februar 2019 wird der Eingang Süd für den Personenverkehr auf Dauer geschlossen. Haus Unter den Linden Nach den gegenwärtigen Planungen ist die bauseitige Fertigstellung der Generalsanierung des Hauses Unter den Linden in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 zu erwarten. Nach der Übergabe des Gebäudes an die SBB-PK folgt eine etwa 4-monatige Schließung des Hauses, um den Eingang wieder zur Straße Unter den Linden zu verlegen, die Um- und Einzüge in das Gebäude abzuwickeln, sowie den letzten Bauabschnitt – die Installation des Bibliotheksmuseums - vorzubereiten. Dieses wird unterhalb des Allgemeinen Lesesaals mit den drei Teilbereichen Dauerausstellung, Wechselausstellung und Schatzkammer eingerichtet. Organisieren und Kommunizieren Integriertes Bibliotheksmanagement-System Für die Einführung eines integrierten Bibliotheksmanagement-Systems analysiert derzeit die Projektorganisation sämtliche Prozesse der Bereitstellung und des Bestandsaufbaus in Hinblick darauf, wie diese durch ein Bibliotheksmanagementsystem unterstützt werden können. Einführung des PICA-Ausleihmoduls OUS Das in der SBB-PK verwendete Ausleihsystem BIBDIA soll abgelöst werden durch PICA-OUS. Dafür sind folgende Arbeitspakete identifiziert worden, die jetzt in Teilschritten sukzessive abgearbeitet werden: Analyse der Ausgangssituation, Adaption von Good Practice, Konfigurationsmanagement für OUS und Nachbarsysteme, Anreicherung von Metadaten, Migration der Medien- und Bewegungsdaten. In den letzten Wochen erfolgte ein Erfahrungsaustausch mit anderen PICA-Bibliotheken zur Erfassung von Zeitschriftenbänden und zur Abbildung von Benutzungsprozessen. Die Erkenntnisse flossen in das Konzept für die Anpassung von Geschäftsgängen ein. Der neue Prozess für die Zeitschriftenerfassung liegt vor. Für das Konfigurationsmanagement von OUS fanden Workshops zum Zusammenspiel von CBS und OUS statt. Dabei ging es auch um die Abbildung der Bibliotheksstruktur und die Erstellung der Konkordanz der Signaturen als Basis der Steuerung der Medienbereitstellung. Die Analyse der Mediendaten - Signatur, Mediennummer, Standort, Leihbedingung und Zustandsbeschreibung - wurde fortgeführt. Daraus wurde die Beschreibung des Anpassungsbedarfs für diese Daten vorgenommen, erste Migrationsläufe sind erfolgt. Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 20/22 Digital unterstütztes Gebäudemanagement In der Verwaltung wird sukzessive ein Informations- und Managementsystem, IMS, für das Gebäudemanagement eingeführt. Das Modul Vertragsmanagement ist in der SBB-PK bereits in Betrieb, demnächst soll es auch stiftungsweit eingesetzt werden. Der Einsatz weiterer Module ist technisch auf der Ebene der Hauptverwaltung in Vorbereitung. Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) ist seit dem Jahr 2010 bei der SBB-PK angesiedelt. Wesentlich finanziert wird die Koordinierungsstelle von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) und der Kulturstiftung der Länder (KSL). Über die Verwendung der Fördermittel für Modellprojekte wie auch für Originalerhaltung durch Mengenverfahren im BKM-Sonderprogramm wird durch einen Fachbeirat regelmäßig entschieden, die Anträge dazu treffen aus ganz Deutschland ein. Die Modellprojektförderungen seit 2010 Innovativ, öffentlichkeitswirksam und modellhaft – das sind die Kriterien, die KEK-geförderte Modellprojekte erfüllen müssen. Seit 2010 wurden und werden jedes Jahr bundesweit ausgewählte Vorhaben unterstützt, die sich mit der Erhaltung von schriftlichem Kulturgut befassen. Die Förderung setzt dabei auf den Dominoeffekt: Die KEK-Modellprojektförderung gibt Archiven, Bibliotheken und Museen finanzielle Anreize, wertvolle Bestände systematisch zu erhalten, zu schützen und entsprechende praktische Maßnahmen zu entwickeln. Als Vorbilder regen die Partner wiederum weitere Institutionen an, sich aktiv mit dem Schutz ihrer kulturellen Schätze zu befassen. So wird ein doppelter Effekt erzielt: Zum einen sichern und bewahren wir national herausragende Schriftbestände. Zum anderen treiben wir die wissenschaftliche Entwicklung innovativer Verfahren und Erfolg versprechender Techniken zur Erhaltung schriftlicher Dokumente entscheidend voran. Mehr als 250 Modellprojekte zum Originalerhalt sind von der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) bereits gefördert worden. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und die Kulturstiftung der Länder (KSL) stellten insg. fast 3,5 Mio. Euro für diese modellhafte Sicherung von schriftlichem Kulturgut in Archiven und Bibliotheken bereit. Inzwischen liegt ein weit über alle Länder reichendes Netz von Projekterfolgen vor, das die Vielfalt und die Leistungen von Schriftgut verwahrenden Kultureinrichtungen in Deutschland anschaulich macht. Alle Modellprojektdaten sind via http://schriftgutschuetzen.kek-spk.de/ recherchierbar. Stets werden die Modellprojekte unter einem bestimmten Jahresthema gefördert, das waren bisher 2018 Sharing & Caring, 2017 Das besondere Format, 2016 Erste Wahl, 2015 Vergessene Kostbarkeiten, 2014 Verblassende Schrift, Verblassende Farbe, 2013 Vorsorge im Großformat, 2012 Mit vereinten Kräfte, 2011 Flammen, Fluten und Zerfall, 2010 Der Auftakt. Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 21/22 Allein im Jahr 2018 wurden unter dem Motto „Sharing & Caring“ bundesweit 18 Modellprojekte gefördert. Die BKM und die KSL stellten hierzu mehr als 200.000 Euro bereit. Gefördert wurden in Archiven und Bibliotheken etwa die gezielte Bearbeitung herausragender Einzelstücke oder die Entwicklung von Schadenskatastern. Das BKM-Sonderprogramm In Archiven sind Papiere im Umfang von 1,8 Mio. Regalmetern vom Säurezerfall bedroht, in wissenschaftlichen Bibliotheken müssen rund 9 Mio. Bände entsäuert werden. Diese und weitere Mengen gefährdeten und geschädigten schriftlichen Kulturguts sind über die „Bundesweiten Handlungsempfehlungen der KEK“ im Jahr 2015 bilanziert worden. Damit wurde vor allem eines deutlich: Soll das Entstehen von gravierenden Lücken in der schriftlichen Überlieferung verhindert werden, müssen Originale in großen Mengen gesichert werden. Die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM) hat seit dem Jahr 2017 mit einem Sonderprogramm für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts auf diesen Bedarf reagiert und ermöglicht, dass in Archiven und Bibliotheken große Mengen an Akten und Bänden entsäuert, gereinigt und schutzverpackt werden konnten. Bundesweit sind im Jahr 2017 insgesamt 45 Projekte im Bereich Mengenverfahren mit einem Fördervolumen von 1 Mio. Euro umgesetzt worden, im Jahr 2018 waren es schon 97, diese gefördert mit 2,5 Mio. Euro. Der Bundestag hat für das Jahr 2019 für dieses Sonderprogramm bereits die Bereitstellung von 4,5 Mio. Euro bestätigt. *** Staatsbibliothek zu Berlin – PK | Jahresbericht 2018 | S. 22/22
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.