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Periodical volume

Full text: Jahresbericht Issue 2014/2015

Rückblick 2014 – Ausblick 2015
Kurzbericht der Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf

HERAUSRAGENDE EREIGNISSE UND ENTWICKLUNGEN IM JAHR 2014.............................................................. 3
ERWERBUNGEN ....................................................................................................................................................... 3
Allgemeiner Bestandsaufbau .......................................................................................................................... 3
Nachlass Dietrich Fischer-Dieskau ................................................................................................................... 3
Partiturkopie von Carl Maria von Webers letzter Oper „Oberon“ ................................................................... 4
Historisches Archiv des Schott-Verlags ............................................................................................................ 4
Königliches aus den Sammlungen Friedrichs des Großen und seiner Schwester ............................................. 4
AUSBAU DER DIGITALEN BIBLIOTHEK ............................................................................................................................ 5
Amerikanische Reisetagebücher Alexander von Humboldts online ................................................................ 5
8.000 Miniaturen in Orient Digital .................................................................................................................. 5
Chamisso online .............................................................................................................................................. 6
BENUTZUNG VON BESTÄNDEN UND DIENSTLEISTUNGEN .................................................................................................. 6
AUSSTELLUNG, KONFERENZ, COLLECTION DAY ............................................................................................................... 7
www.europeana1914-1918.eu ....................................................................................................................... 7
AUSSTELLUNGEN ...................................................................................................................................................... 8
„Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen. Carl Philipp Emanuel Bach in Berlin“ ............................. 8
Förderales Programm: „Das Kinderbuch erklärt den Krieg. Der Erste Weltkrieg im Kinder- und Jugendbuch“
........................................................................................................................................................................ 8
„50 Jahre Wagenbach – der unabhängige Verlag für wilde Leser“ ................................................................. 9
„AVANTGARDE!“ ............................................................................................................................................. 9
„Aufbruch in neue Welten“ ............................................................................................................................. 9
WISSENSCHAFTLICHE TAGUNG .................................................................................................................................. 10
Kolloquium zur Schreiber- und Wasserzeichenforschung im digitalen Zeitalter ........................................... 10
HERAUSRAGENDE GASTVORTRÄGE ............................................................................................................................ 10
FÜHRUNGEN ......................................................................................................................................................... 10
SUCHE NACH NS-RAUBGUT, RESTITUTIONEN............................................................................................................... 11
SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 1/20

Mit Publikationen und Vorträgen andere Institutionen unterstützen ........................................................... 11
Drei Bücher nach London restituiert .............................................................................................................. 11
13 Bücher an die Israelitische Kultusgemeinde Wien restituiert ................................................................... 11
Weitere Provenienzforschung für die Zeit nach 1945 ................................................................................... 12
KULTURGUT IN NOT................................................................................................................................................ 12
NATIONALE DIENSTLEISTUNGEN ................................................................................................................................ 13
FORTLAUFENDE SCHWERPUNKTE (2014/2015 UND FOLGENDE JAHRE).......................................................... 13
STANDORTE / BAUFORTSCHRITTE .............................................................................................................................. 13
Unter den Linden ........................................................................................................................................... 13
Potsdamer Straße .......................................................................................................................................... 14
Speichermagazin Friedrichshagen ................................................................................................................. 15
KOOPERATION MIT KRAKAU ..................................................................................................................................... 15
Digitalisierung und Erschließung des Nachlasses Alexander von Humboldts ............................................... 15
DEUTSCH-RUSSISCHER BIBLIOTHEKSDIALOG ................................................................................................................. 15
KOOPERATION MIT FORSCHENDEN............................................................................................................................. 16
Veranstaltungsreihe Scriptorium .................................................................................................................. 16
CrossAsia – Informations- und Schulungskampagne fortgesetzt .................................................................. 16
SPK-STIPENDIATEN ................................................................................................................................................ 16
HERAUSRAGENDE FORSCHUNGS- UND DIGITALISIERUNGSPROJEKTE.................................................................................. 17
Digitalisierung und Erschließung des Nachlasses Alexander von Humboldts ............................................... 17
Erforschung der Diez-Alben in der Sammlung orientalischer Handschriften................................................. 18
AUSBLICK AUF HERAUSRAGENDE EREIGNISSE IM JAHR 2015 ......................................................................... 18
DIE BPK - BILDAGENTUR FÜR KUNST, KULTUR UND GESCHICHTE ................................................................... 20

SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 2/20

Herausragende Ereignisse und Entwicklungen im Jahr 2014
Erwerbungen
Allgemeiner Bestandsaufbau

Bestände

2014

2013

2012

2011

Bücher, gebundene Zeitungen und Zeitschriften

11,39 Mio

11,28 Mio

11,16 Mio

11,04 Mio.

Sonstige Druckwerke wie
Karten und Pläne, Noten,
Einblattmaterialien

1,87 Mio

1,86 Mio

1,84 Mio.

1,83 Mio.

Sonstige Materialien wie
Mikroformen, Kunstdrucke, Postkarten, CDROM, AVMaterialien

10,44 Mio

10,43 Mio

10,42 Mio.

10,41 Mio.

Laufend bezogene gedruckte Zeitschriften

19.638

21.392

23.998

24.475

Lizensierte elektronische
Zeitschriften

27.213

24.721

24.427

22.414

Digitale Einheiten (ohne
elektr. Zeitschriften);

503.988

462.980

430.700

405.000

5.055

4.978

4.910

4.833

Nachlässe, Archive

2.219

1.659

1.644

1.637

Handschriften und Autographe

450.983

450.891

450.801

450.633

darunter Datenbanken

Nachlass Dietrich Fischer-Dieskau
Der Nachlass des vor zwei Jahren verstorbenen Sängers, Dirigenten und Schriftstellers Dietrich Fischer-Dieskau wurde der SBB-PK von seiner Witwe Julia Varady, verh. Fischer-Dieskau, als Geschenk übergeben. Noch zu Lebzeiten hatte Fischer-Dieskau (1925-2012) großzügig verfügt, dass
sein Nachlass in seiner Heimatstadt Berlin, wo er viele Höhepunkte seines Schaffens erlebt hatte,
verbleiben und dort der Forschung zur Verfügung stehen soll. Sein Repertoire umfasste etwa dreitausend Lieder von über einhundert Komponisten. Als Schriftsteller befasste er sich vielfach mit MusikSBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 3/20

theorie und -geschichte. Seit 1983 hatte er eine Professur an der Hochschule der Künste Berlin inne.
Der Inhalt von über 100 Nachlasskisten – vergleichbar etwa 20 Umzugskartons – wird weiterhin gesichtet und für die Erfassung in der Datenbank der Nachlässe vorbereitet. Zum Nachlass gehören
zahlreiche Musikdrucke mit eigenhändigen Notizen, darunter sehr viele Lieder und umfangreiche Korrespondenzen mit Musikern, Konzertagenturen, Firmen oder auch Verehrern. Sodann Manuskripte zu
seinen Vorträgen, Aufsätzen und Büchern, des Weiteren Verträge, Fotos und viele Schallplatten und
CDs. Ein besonderes Stück des Nachlasses ist sein Konzertflügel, den er in den fünfziger Jahren
kaufte. Zum 28. Mai 2015, seinem 90. Geburtstag, ist eine Feierstunde geplant, in der Stücke aus
seinem Nachlass zu sehen sein werden und sein Flügel erklingt.

Partiturkopie von Carl Maria von Webers letzter Oper „Oberon“
Die größte Quellensammlung zu Carl Maria von Weber wurde um ein besonderes Stück ergänzt: Aus
privater Hand konnte eine dreibändige Partiturkopie seiner letzten Oper „Oberon“ erworben werden.
Angefertigt wurde sie von zwei Dresdner Kopisten - Kretzschmar und Lauterbach -, die häufig für den
Komponisten arbeiteten. Die separat beiliegende Kopie der Ouvertüre stammt von der Hand des Flötisten Fürstenau, der Weber zur Uraufführung der Oper 1826 nach London begleitet und offenbar
noch vor Ort diese Abschrift angefertigt hatte.

Historisches Archiv des Schott-Verlags
Anfang Dezember 2014 wurde der Kauf des historischen Archivs des Mainzer Musikverlags Schott
bekannt gegeben. Ein Konsortium - darunter in erster Linie die SBB-PK sowie die Bayerische Staatsbibliothek – erwarb unter Federführung der Kulturstiftung der Länder und mit großzügiger Unterstützung zahlreicher Förderer - allein 2 Mio. € vom BKM - für 7,2 Mio. € das Archiv (! die Kaufsumme
muss in der Öffentlichkeit ungenannt bleiben!). Das Archiv wurde nach inhaltlichen und Wertgesichtspunkten auf die Erwerber aufgeteilt. Es umfasst die Geschäftsakten (Korrespondenz, Druck- und
Stichbücher, Kopierbücher, Kontojournale) von 1787 bis 1945 sowie das gesamte historische Herstellungs-, Musikhandschriften- und Erstausgabenarchiv seit 1810 bis etwa 1950. Die SBB-PK erhielt
ausschließlich autographes Material, etwa 40.000 Stücke. Darunter sind Kompositionen und Korrespondenzen von Ludwig van Beethoven, Frederic Chopin, Werner Egk, Joseph Haas, Karl Amadeus
Hartmann, Paul Hindemith, Engelbert Humperdinck, Franz Liszt, Bohuslav Martinů, Luigi Nono, Jacques Offenbach, Carl Orff, Hans Pfitzner, Maurice Ravel, Max Reger, Hermann Reutter, Ernst Toch,
Richard Wagner, Ermanno Wolf-Ferrari und Bernd Alois Zimmermann. Das bis dato im Verlagsstammhaus in Mainz verwahrte und im Eigentum der Strecker-Stiftung befindliche Archiv wurde 2004
in das Verzeichnis national wertvoller Archive eingetragen. Der 1770 gegründete Musikverlag Schott
ist einer der ältesten heute noch bestehenden Musikverlage der Welt. Vor allem das Segment 20.
Jahrhundert bereichert die Musiksammlung der SBB-PK auf Beste, dazu waren bislang nur wenige
Stücke präsent.

Königliches aus den Sammlungen Friedrichs des Großen und seiner Schwester
Ein besonderes Exemplar der „Négociations secrètes touchant la paix de Munster et d’Osnabrug; ou
recueil general des préliminaires, instructions, lettres et mémoires etc. concernant ces négociations
depuis leur commencement en 1642 jusqu’à leur conclusion en 1648“ (La Haye: J. Néaulme, 17251726) konnte erworben werden. Es handelt sich um ein Werk über die Verhandlungen zum Westfälischen Frieden, der den Dreißigjährigen Krieg und zugleich den Unabhängigkeitskrieg der Niederlande
beendete. Der prächtige rote Einband wurde vom Berliner Buchbinder Krafft für Friedrich den Großen
hergestellt. Dieser schenkte das vierbändige Werk seiner Schwester Luise Ulrike, der Königin von
Schweden.

SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 4/20

Ausbau der Digitalen Bibliothek
Der Ausbau der Digitalen Bibliothek der SBB-PK – hier werden vorrangig unikale oder seltene Werke
aus den Sondersammlungen der SBB-PK angeboten - ist seit dem Jahr 2010 fester Bestandteil der
bibliotheksinternen Abläufe. Von der Auswahl der zu digitalisierenden Werke über die Produktion der
Abbildungen und der beschreibenden Metadaten bis hin zur Freischaltung der Werke im Netz und
deren dauerhafte Speicherung ist der Prozess durchorganisiert und läuft nach klarer Prioritätensetzung sowie nach Benutzerwünschen. Derzeit (5. Januar 2015) werden 88.285 Bücher, Handschriften,
Nachlässe usw. unterschiedlicher Volumina unter http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/ angezeigt.
Jeder Digitalisierung geht die Begutachtung der Werke und Dokumente durch die Restaurierungswerkstatt bzw. durch die Buchbinderei voraus, wo nötig werden zuvor konservatorische Maßnahmen
durchgeführt, sodann die geeignete Technik – Aufsichtsscanner, Scanroboter oder Kamera mit Buchwippe – festgelegt.

Amerikanische Reisetagebücher Alexander von Humboldts online
Neben anderem unikalen Material wurden im Jahr 2014 die Amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts digitalisiert und erschlossen, seit 4. Dezember 2014 sind sie für jeden Interessenten online zugänglich. In der Digitalen Bibliothek der SBB-PK werden sie in größtmöglicher Bildqualität
in allen Bestandteilen präsentiert und können mit digitalen Werkzeugen komfortabel benutzt werden,
http://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de/werk/.
Die Digitalisierung der in neun Lederbänden eingefassten 4.000 Seiten war besonders anspruchsvoll:
Alexander von Humboldt (1769-1859) brachte von seiner großen Forschungsreise durch die amerikanischen Tropen in den Jahren 1799 bis 1804 knapp 4.000 Seiten voller Zeichnungen, Notizen, Messungen und Reiseschilderungen mit. In seinem langen Forscher- und Gelehrtenleben arbeitete Humboldt sehr intensiv mit seinen Tagebüchern weiter, unter anderem schnitt er Seiten heraus, teils befestigte er sie an anderen Stellen, oder er klebte Notizen und anderes ein, nahm mithin zahlreiche physische Veränderungen vor, die mit der Digitalisierung vollständig zu präsentieren waren; zahlreiche
Blätter wurden daher in mehreren Versionen aufgenommen (z.B. alternativ mit weggeklapptem Notizzettel) und entsprechend in die Metadatenstruktur eingefügt.

8.000 Miniaturen in Orient Digital
Ein weiteres bedeutendes Digitalisierungsprojekt, das im Jahr 2014 beendet wurde, ist die Digitalisierung und Erschließung von rund 8.000 Miniaturen aus 310 orientalischen Handschriften aus dem Bestand der SBB-PK, diese erschlossen in der Handschriftendatenbank www.orient-digital.de. Unter den
etwa 17.000 Handschriften der SBB-PK in arabischer, persischer und türkischer Sprache – der umfangreichsten Sammlung dieser Art in Deutschland – sind 310 Handschriften mit 8.000 Miniaturen.
Diese repräsentieren zahlreiche Stile und Epochen der östlichen islamischen Welt vom 14. bis zum
19. Jahrhundert. Die Buchillustration nimmt in der islamischen Kunst, neben der Kalligraphie und der
ornamentalen Gestaltung, eine zentrale Stellung, sie bezeugt die hohe Wertschätzung des Buches im
islamischen Orient. In der Digitalen Bibliothek der Staatsbibliothek sind jetzt bis auf die Ebene der
8.000 einzelnen Miniaturen, Zeichnungen und Illuminationen diese 310 Handschriften vollständig erschlossen.
Besonderer Wert wurde auf die tiefe Erschließung mit umfangreichen Informationen gelegt, sodass die
Handschriften bzw. die darin enthaltenen Miniaturen für jedes Interessensniveau – für den Betrachter
der Schönheit ebenso wie für den Islam- oder Kunstwissenschaftler – aufbereitet sind. Um auch die
Miniaturen einzeln erfassen und beschreiben zu können, wurde das zusätzliche Modul „Buchkunst“
entwickelt, dort kann nach verschiedenen Facetten gesucht werden, s. http://tinyurl.com/m4gadm3 .
Mit den detaillierten Beschreibungen der Miniaturen und dem direkten Zugang zu den digitalen Bildern
SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 5/20

gehört diese Sammlung der illustrierten islamischen Handschriften zu den weltweit am besten erschlossenen. Mit dem elektronischen Zugriff auf die Digitalisate und Erschließungsdaten der kostbaren Handschriften ermöglicht die Bibliothek ihrem internationalen Fachpublikum den derzeit größtmöglichen Arbeitskomfort. Zugleich – und dies ist der Staatsbibliothek als Hüterin dieser und vieler weiterer Schätze von Weltrang außerordentlich wichtig - werden die Originale seltener physisch beansprucht.
Den Grundstein der Sammlung mit illustrierten islamischen Handschriften der Staatsbibliothek zu Berlin bildete die Schenkung des Orientliebhabers Heinrich Friedrich von Diez (1751-1817). Von Friedrich
dem Großen für mehrere Jahre als Konsul nach Konstantinopel entsandt, erwarb Diez dort für seine
eigene Privatbibliothek wertvolle illustrierte Handschriften. Von Weltrang sind auch die 25 Blätter des
Jahangir-Albums in der Staatsbibliothek zu Berlin. Der Mogulkaiser Jahangir (reg. 1605-1627) ließ
sich von den besten Künstlern seiner Zeit Miniaturen und Kalligraphien anfertigen, zusammen mit
westlichen Kupferstichen in prachtvollen Blättern rahmen und zu Alben zusammenstellen. Das „Berliner Album“ wurde 1861 auf einer preußischen Gesandtschaftsreise in Teheran erworben, der größte
Teil der Jahangir-Alben befindet sich in Teheran, einzelne Blätter auch in Paris und Washington sowie
in Privatbesitz.

Chamisso online
Ein weiteres großes Digitalisierungs- und Erschließungsprojekt, das im Jahr 2014 abgeschlossen
wurde, betrifft den Nachlass des Dichters und Naturforschers Adelbert von Chamisso (1781-1838). In
37 Kästen befinden sich etwa 20.000 Seiten mit dem wissenschaftlichen, literarischen und privaten
Nachlass Chamissos. Sämtliche Lebenszeugnisse, Manuskripte und Korrespondenzen Chamissos,
die sich im Besitz der SBB-PK befinden, sind jetzt archivalisch und wissenschaftlich erschlossen, zugleich können die jeweils zugehörigen digitalen Bilder aufgerufen werden. Bei der Erschließung des
Nachlasses wurden die komplexen Zusammenhänge berücksichtigt, die einerseits in den Materialien
manifestiert sind, andererseits sich im Zuge der Arbeit in weiterführenden Fragestellungen zeigten.
Der stetige Austausch der Bearbeiterinnen, deren Arbeit durch die Robert Bosch Stiftung finanzier
wurde, mit externen Experten der Chamisso-Forschung führte zu einem guten Gelingen der Tiefenerschließung. Der Nachlass ist in der HandschriftenDatenbank Kalliope u. a. nach Stichwörtern durchsuchbar, sodass sich nach thematischen Suchanfragen eine Kompilation von Datensätzen und entsprechenden Bildern zeigt.

Benutzung von Beständen und Dienstleistungen
Die Anzahl der aktiven Benutzer und der Ausleihen sowie die Nutzung aller anderen Services bewegen sich auf etwa gleichem Niveau wie in den Jahr 2012 und 2013. Trotz der steten Verbesserung der
elektronischen Services sowie des wachsenden Umfangs an elektronischen Beständen bleibt die Anzahl der persönlichen Besuche in den Standorten etwa gleich, die Lesesäle ebenso wie Beratungen
und Schulungen werden gut genutzt.
2014*

2013

2012

registrierte Benutzer mit Monats- oder Jahresausweis

34.000

35.343

33.954

Bibliotheksbesuche an allen Standorten

920.000

914.561

966.012

Suchanfragen in lokalen Online-Katalogen

17.000.000

15.152.641

n

SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 6/20

Zugriffe auf elektronische Zeitschriftentitel
Anzahl der entliehenen physischen Einheiten

1

43.000

35.743

n

1.400.000

1.417.778

1.387.042

* alles ca.-Angaben, die korrekten Zahlen liegen erst mit dem Erstellen der Bibliotheksstatistik im März
2015 vor.

Ausstellung, Konferenz, Collection Day
www.europeana1914-1918.eu
Nach dem Konzept und unter Federführung der SBB-PK wurden in den Jahren
2011 bis 2013 aus den Beständen von zehn Nationalbibliotheken, 21 europäischen Filmarchiven und aus den Erinnerungsstücken Hunderter von Privatpersonen rund 400.000 Bücher, Zeitungen, Flugblätter, Schützengrabenzeitungen und anderes, 660 Stunden Film und über 100.000 Privatdokumente
ausgewählt, digitalisiert, erschlossen und mehrsprachig miteinander vernetzt.
Mit Hilfe eines gemeinsamen Schlagwortsystems wurden die digitalisierten Bestände aus unterschiedlichen europäischen Ländern und verschiedenen Projekten miteinander vernetzt, so dass thematisch
zusammengehörige Objekte einfach gefunden werden können. So führt etwa die Suche nach „Karrikatur“ oder „Cartoon“ zu Ergebnissen in verschiedenen Medientypen wie Filmen oder Plakaten und zu
Ergebnissen aus verschiedenen europäischen Ländern und in verschiedenen Sprachen. Für einen
wesentlichen Teil der Digitalisate der SBB-PK liegen zudem Volltexte vor, so dass diese Texte vollständig Wort für Wort durchsuchbar sind.
Im Januar 2014 übergaben die Europeana Foundation und die SBB-PK in Berlin diese umfassendste
europäische Sammlung von Originaldokumenten zum Ersten Weltkrieg unter www.europeana19141918.eu der Öffentlichkeit. Jeder Interessent, jede Institution oder Firma kann seither über eine offene
Schnittstelle online kostenfrei auf die Materialien zugreifen und die angebotenen Daten für eigene
Zwecke (Websites, Apps, andere Tools etc.) weiternutzen, kann Zusammenhänge erforschen und
bisher unbekannte Geschichten jener Zeit erzählen.
Auf der zweitägigen Konferenz „Unlocking Sources“ wurden die Chancen, die sich mit diesem Portal
für die historische Forschung, für Bildung, Forschung und Kultur und für jede Privatperson ergeben,
ausführlich beleuchtet sowie erste von Universitäten und Schulen erarbeitete Projekte vorgestellt. In
einer Ausstellung waren Beispiele des Ausgangsmaterials aus der Sammlung Krieg 1914 der SBB-PK
im Zusammenhang mit ihrer digitalen Präsentation sowie Beispiele für die Auswertung der nunmehr
online verfügbaren Dokumente vorgestellt. Während zweier Collection Days brachten Privatpersonen
Stücke aus ihrem Besitz zur Digitalisierung in die SBB-PK, mithilfe von Historikern wurden ihre so
gewonnenen digitalen Dokumente beschrieben und sofort der Sammlung www.Europeana19141918.net hinzugefügt.
Die quer durch Europa beteiligten Institutionen informierten zeitgleich in ihren jeweiligen Ländern die
Medien über das neue WebPortal und fanden enorme Resonanz. Nach den ersten Berichterstattungen Ende Januar/Anfang Februar erschienen im Lauf des Jahres zahlreiche Berichte über den Nutzen
und über die Nutzung des Portals. Auch im Fernen Osten fand das WebPortal Beachtung, dort berich-

1

Ungezählt ist, wie oft die in den Lesesälen frei zugängliche Literatur konsultiert wird.
SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 7/20

tete eine der mit 4,3 Millionen Auflage größten Tageszeitungen Japans, Tokyo Shimbun, über das
international angelegte, erfolgreiche Projekt.
Die Gutachter der Europäischen Kommission, die das gesamte Projekt finanziert hatte und schon im
Jahr 2010 ihre Finanzierungszusage mit der Höchstnote für das eingereichte Konzept verbunden hatte, kamen zum Abschluss des Projekts zu dem Ergebnis: „Excellent progress. The project has fully
achieved its objectives and goals for the period and has even exceeded expectations.“
Im Mai 2014 wurde das Webportal für den Zedler-Preis 2014 für Freies Wissen der Wikimedia
Deutschland nominiert. In ihrem Podcast am 24. Mai 2014 würdigte Bundeskanzlerin Angela Merkel
das WebPortal Europeana 1914-1918 als „eine ganz wunderbare Initiative, zumal sie sich eben nicht
nur auf Deutschland bezieht, sondern die Gräben, die es damals gab, einfach auch dadurch schließt,
dass man digitalisierte Bilder aus ganz anderen europäischen Ländern sehen kann. Das ist eine tolle
Sache.“
Im Juli stellte die Projektleiterin der SBB-PK internationalen Gästen der Bundesregierung die Möglichkeiten des Angebots vor. Die 27 Journalisten, Forscher und Vertreter von Gedächtnisinstitutionen
unternahmen eine Reise zum Thema „Deutschlands Umgang mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts anlässlich des 100. Jahrestags des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs und des 75. Jahrestags
des Zweiten Weltkriegs“.
Im Verlauf des Jahres 2014 wurde das WebPortal in Europa weiter bekannt gemacht, u. a. im April mit
einem Vortrag, gehalten von den Koordinatoren der SBB-PK in Paris auf einer Konferenz über den
Ersten Weltkrieg oder bei Tagungen historischer Forscherverbünde, des Weiteren mit Aufsätzen in
historischen, bibliothekarischen und IT-Fachzeitschriften. Im November wurde in Rabat, der Hauptstadt Marokkos, während eines Kongresses zum Ersten Weltkrieg das WebPortal ebenfalls vorgestellt
und stieß wegen der enthaltenen digitalisierten Bestände mit Bezug zu Nordafrika und den subsaharischen Raum auf sehr großes Interesse: Einige der anwesenden marokkanischen und tunesischen
Forscher arbeiten über muslimische Kriegsgefangene und fanden jetzt die arabische Lagerzeitung, die
im sogenannten Halbmond-Lager Wünsdorf entstanden war, komplett digitalisiert vor.

Ausstellungen
„Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen. Carl Philipp Emanuel Bach in Berlin“
6. – 29. März 2014
Haus Potsdamer Straße
Selbstverständlich beteiligte sich die SBB-PK an den Feiern anlässlich des 300. Geburtstags des berühmtesten der Söhne Johann Sebastian Bachs, Carl Philipp Emanuel Bach, besitzt sie doch zur
Bach-Familie die umfangreichste Sammlung. Die Ausstellung stellte Quellen über sein Berliner Instrumentalschaffen in den Mittelpunkt, fast 30 Jahre lang war er Hofcembalist am Hofe Friedrich II.
von Preußen. Zur Ausstellung erschien ein 104 Seiten umfassender, farbig illustrierter Begleitband,
der auf dem Umschlag den Stammbaum der Familie Bach zeigt.

Förderales Programm: „Das Kinderbuch erklärt den Krieg.
Der Erste Weltkrieg im Kinder- und Jugendbuch“
31. März – 5. April 2014, Berlin
4. August - 12. Oktober 2014, Troisdorf
15. – 25. November 2014, Oldenburg
In Vorbereitung: 24. April bis Juli 2015, Corvey

SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 8/20

geplant für Herbst 2015 in Haltern
Äußerst erfolgreich, mit vielen Besuchern und guter Medienresonanz, verliefen die bisherigen drei
Stationen der Ausstellung der SBB-PK „Das Kinderbuch erklärt den Krieg. Der Erste Weltkrieg im
Kinder- und Jugendbuch“. Während in Berlin zunächst nur ein Ausschnitt aus der Ausstellung gezeigt
wurde, konnten die Besucher in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen die komplette Ausstellung
mit 190 Bilderbüchern, Erzählungen, Liedern, Kriegsaufrufen, Sachliteratur, Bilderbogen, Originalillustrationen, Schulbüchern und anderem mehr sehen. Die SBB-PK entsendete diese Ausstellung im
Rahmen des Föderalen Programms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, im Jahr 2015 folgen noch
zwei Stationen.

„50 Jahre Wagenbach – der unabhängige Verlag für wilde Leser“
28. Mai - 12. Juli 2014
Haus Potsdamer Straße
Der Berliner Verlag Klaus Wagenbach feierte im Jahr 2014 seinen 50. Jahrestag, der u. a. mit einer
Ausstellung in der SBB-PK begangen wurde. Mit einer Kombination aus Tafelausstellung, Vitrinenpräsentation, der Inszenierung von Teilen des Bibliotheksgebäudes und lebhaften Führungen zogen die
Fundstücke und Überreste aus 50 Jahren Verlagsarbeit zahlreiche Besucher an.

„AVANTGARDE!“
6. Juni – 12. Oktober 2014
in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Zur gemeinsam mit der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin konzipierten Ausstellung „AVANTGARDE!“ trug die SBB-PK wesentliche Stücke aus dem „Sturm“-Archiv
bei, an Herwarth Walden gerichtete Briefe und Kataloge der Galerie „Der Sturm“. Die Briefe thematisierten die Kunst, die Herwarth Walden in seiner Galerie ausstellte, aber auch die Alltäglichkeiten der
Zeit des Ersten Weltkriegs. Das „Sturm“-Archiv und der Hergang seiner Erwerbung 1926 durch die
Preußische Staatsbibliothek wird im reich illustrierten, 302 Seiten starken Ausstellungskatalog ausführlich dargelegt.

„Aufbruch in neue Welten“
4.- 6. Dezember 2014
Haus Potsdamer Straße
Zum ersten Mal waren die im Herbst 2013 erworbenen 4.000 Seiten der Amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts, die er später in neun Ledereinbände fassen ließ, für die Öffentlichkeit ausgestellt. Dank der breiten Berichterstattung in den Medien gab es in diesen nur drei Tagen
einen unablässigen Strom von Besuchern jeden Alters. Neben den Tagebüchern waren Stücke aus
dem Humboldt-Nachlass zu sehen - dieser gehört zu den Sammlungen der SBB-PK – sie verdeutlichten die Einbettung der Reisetagebücher in das Gesamtwerk Humboldts. An mehreren Terminals konnten die Ausstellungsbesucher die am 4. Dezember 2014 im Netz freigeschalteten Tagebücher intensiv
betrachten, http://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de.

SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 9/20

Wissenschaftliche Tagung
Kolloquium zur Schreiber- und Wasserzeichenforschung im digitalen Zeitalter
Vom 6. bis 8. Oktober 2014 kamen im Rahmen des von der DFG geförderten Projektes Kompetenzzentrum Forschung und Information Musik (KoFIM Berlin), durch welches die Musikabteilung der SBBPK zu einem zukunftsweisenden Kompetenzzentrum für die Musikautographenforschung weiterentwickelt wird, 120 Wissenschaftler/innen nach Berlin. Durch KOFIM soll eine praxiserprobte, fachadäquate Tiefenerschließung von Musiksammlungen erfolgen, die im digitalen Zeitalter den Forschern einen
Mehrwert über die bisherigen Katalogdaten hinaus bietet. Vor diesem Hintergrund diskutierten die
rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kolloquiums über die Möglichkeiten und Grenzen sowie die Chancen und Herausforderungen innovativer Erschließungsmethoden.
Ausgangspunkte für die Vorträge und Diskussionen zum Spezialthema „Schreiber- und Wasserzeichenforschung im digitalen Zeitalter“ waren die im KoFIM-Projekt entwickelten Workflows, für 1. die
Katalogisierung von Musikhandschriften in der Datenbank RISM (Repertoire Internationale des
Sources Musicales – Online-Katalog der Musikautographe), 2. die Erfassung von Wasserzeichen mithilfe der Thermographiekamera, 3. die Erschließung von Wasserzeichen in der WZIS-Datenbank
(Wasserzeicheninformationssystem) sowie 4. die Präsentation von Schriftproben im Internet.
Besondere Aufmerksamkeit fand die bislang nur an der Bayerischen Staatsbibliothek und an der SBBPK eingesetzte Thermographie-Kamera, mit deren Hilfe Wasserzeichen in Papieren äußerst bestandsschonend sichtbar gemacht und digital festgehalten werden. Wasserzeichen sind wesentliche
Merkmale von Autographen und lassen vielfältige Rückschlüsse über die Datierung und Herkunft von
Autographen zu. Durch die thermographischen Aufnahmen besteht zum ersten Mal die Möglichkeit,
Wasserzeichen umfassend zu dokumentieren und auszuwerten. Ein weiterer Schwerpunkt des Kolloquiums waren die etwa 3.200 verschiedenen Schreiberhände von Komponisten und Kopisten, zu deren Identifizierung digitale Schriftproben aus unterschiedlichen Schriftstadien frei zugänglich vorgehalten werden sollen.

Herausragende Gastvorträge
Auch im Jahr 2014 konnte die SBB-PK renommierte Persönlichkeiten zu Vorträgen begrüßen, deren
Ausstrahlung sich stets in großer Besucherresonanz niederschlug. So sprach im Mai der Präsident der
B. H. Breslauer Foundation (New York), Felix de Mayenz Oyens, über Mäzenatentum, im Juni der
Architekt Vittorio Lampugnani über die städtebaulichen Perspektiven für das Kulturforum, im September die Autorin Kara Huber über Dorfkirchen in Berlin und Brandenburg, sowie im November der Historiker Peter Burke über den Wandel der Wissensgesellschaft und der Literaturwissenschaftler und
Pulitzer-Preisträger Stephen Greenblatt über das Werk Shakespeares zum Aspekt des Alters.

Führungen
Etwa 3.500 Gäste wurden zu verschiedenen Aspekten – vorrangig architektonischen und bibliothekarischen Fragestellungen - durch die Gebäude der SBB-PK geführt, durch die Häuser Unter den Linden, Potsdamer Straße und Westhafen. Etwa 750 weitere Gäste kamen allein während des Festes am
Kulturforum am 14./15. Juni in das Haus Potsdamer Straße und nahmen dort an verschiedenen Themenführungen teil, darunter solche durch die Buchbinderei und die klimatechnischen Anlagen des
Gebäudes. (in diese Zählung fließen keine Besucher von Veranstaltungen und Ausstellungen ein)

SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 10/20

Suche nach NS-Raubgut, Restitutionen
Von September 2010 bis Juni 2014 überprüfte die Abteilung Historische Drucke im Forschungsprojekt
"Transparenz schaffen: Recherche, Erschließung und überregionaler Nachweis von NS-Raubgut im
Druckschriftenbestand der Staatsbibliothek zu Berlin" systematisch einschlägige Verdachtsfälle von
Büchern, deren Provenienz bzw. andere Merkmale vermuten ließen, dass diese nicht rechtmäßig
erworben wurden. Finanziert wurde dies mit Mitteln vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien
und von der Kulturstiftung der Länder, ausgereicht via Arbeitsstelle für Provenienzforschung (AfP).
Überprüft wurden rund 11.000 Verdachtsfälle. Von den knapp 3.600 eindeutig als Raubgut identifizierten Büchern konnten bislang 1.000 an die rechtmäßigen Erben zurückgegeben werden. Die SBB-PK
legt großen Wert auf die nachhaltige Dokumentation der Recherche- und Erschließungsergebnisse.
Daher werden alle Fälle von NS-Raubgut mit sämtlichen Provenienzspuren möglichst rasch und umfassend im Online-Katalog StaBiKat (Suchschlüssel Provenienz „NS-Raubgut“) und in der InternetDatenbank Lost Art der Koordinierungsstelle Magdeburg dokumentiert. So sind die Informationen
weltweit recherchierbar und können rechtmäßigen Eigentümern dazu dienen, ihr Eigentum zu erkennen.

Mit Publikationen und Vorträgen andere Institutionen unterstützen
Ende 2013 veröffentlichte die SBB-PK die 400 Seiten starke Studie „Beschlagnahmt, erpresst, erbeutet. NS-Raubgut, Reichstauschstelle und Preußische Staatsbibliothek zwischen 1933 und 1945“, die
seitdem als Basis für die Suche nach unrechtmäßigen Erwerbungen in den eigenen Beständen dient
und wichtige Hinweise für die Provenienzforschung in anderen Bibliotheken und Institutionen gibt.
Am 13./14. November 2014 fand an der Technischen Universität Berlin das zweite Treffen des Arbeitskreises „Provenienzforschung und Restitution – Bibliotheken“ statt. Dort hielten die Projektverantwortlichen der Bibliothek Vorträge zu den an der SBB-PK inzwischen etablierten Standards in der
Provenienzerschließung und zum Stand der eigenen Suche nach NS-Raubgut. Sie berichteten unter
anderem über die Ergebnisse des im Juni 2014 erfolgreich abgeschlossenen Projekts „Transparenz
schaffen“, s.o.

Drei Bücher nach London restituiert
Im Juli 2014 gab die SBB-PK drei Bücher aus dem ehemaligen Eigentum des jüdischen Apothekers
Leopold Scheyer an seine in London lebende Enkelin Dr. Edith Rosenberger zurück. Leopold Scheyer, besaß in der Berliner Alexanderstraße die Alexander-Apotheke, die er 1936 aufgrund der Verfolgung durch die Nationalsozialisten unter Wert zwangsverkaufte, ebenso wie seinen Hausrat und seine
Privatbibliothek. Im August 1939 emigrierte er in die Niederlande, wo er sich angesichts der drohenden Deportation am 9. März 1943 das Leben nahm. Einzelne Bände seiner Bibliothek konnten in den
letzten Jahren anhand der sich in den Büchern befindlichen Besitzeinträge in verschiedenen Berliner
Bibliotheken identifiziert werden. Wie die nun restituierten Exemplare in die Staatsbibliothek gelangt
sind, ist ungewiss. Sie wurden nach 1945, wahrscheinlich Anfang der fünfziger Jahre, in den Bestand
übernommen.

13 Bücher an die Israelitische Kultusgemeinde Wien restituiert
Im Dezember 2014 konnte die SBB-PK der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG Wien) dreizehn
Bücher übergeben. Die Druckschriften waren zwischen 1840 und 1914 erschienen. Vier Bände stammen aus dem früheren Eigentum der Kultusgemeinde, die übrigen neun gehörten jüdischen Organisationen, deren Rechtsnachfolgerin die IKG Wien ist. Kurz nach der Veröffentlichung der Rechercheergebnisse zu diesen Büchern im Online-Katalog StaBiKat wandte sich die IKG Wien mit der Bitte um
SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 11/20

Rückgabe einiger identifizierter Bücher an die SBB-PK. - Im Zuge des Novemberpogroms 1938 hatte
die Gestapo die Bibliothek der IKG Wien versiegelt. Zwischen 1939 und 1941 wurden die Bände in
das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) in Berlin gebracht, nach den Luftangriffen auf Berlin wurden
zumindest Teile der Bibliothek ab 1943 nach Niederschlesien und Nordböhmen ausgelagert. Nach
1945 wurde nur ein geringer Anteil der Bestände wieder aufgefunden und der Deutschen Staatsbibliothek in Berlin (heute SBB – PK) übergeben.

Weitere Provenienzforschung für die Zeit nach 1945
Seit August 2014 ist das Projekt „NS-Raubgut nach 1945: Die Rolle der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände“ angelaufen. Dieses soll die Wege von NS-Raubgut, das nach dem Zweiten Weltkrieg teilweise an unterschiedliche Bibliotheken verteilt wurde, erforschen.

Kulturgut in Not
Aufgrund ihrer Expertisen und ihres guten internationalen Rufes ist auch die SBB-PK eine gesuchte
Anlaufstelle für Fachkollegen aus dem Nahen Osten und Nordafrika bei der Suche nach Rat und Informationsaustausch zu den Möglichkeiten, gefährdete Kulturgüter zu schützen und zu retten oder
kulturelles Leben zu erhalten. So hatte bereits im Jahr 2010 in der SBB-PK ein Workshop der internationalen „Yemeni Manuscript Digitization Initiative“ stattgefunden, um drei aus Jemen stammende
Teilnehmer so zu qualifizieren und mit Technik auszustatten, dass sie vor Ort solche jemenitischen
Handschriften, die aus politischen und kulturellen Gründen teils von Totalverlusten bedroht sind, so
rasch wie möglich digitalisieren könnten. Im Jahr 2012 berichteten sie, dass es ihnen unter schwierigsten Bedingungen gelungen war, drei private Bibliotheken zu digitalisieren. Leider gab es seither keine
positiven Nachrichten mehr zu dieser Initiative. Dennoch lässt die SBB-PK in ihrem Bemühen, solche
Vorhaben zu unterstützen, nicht nach.
Im März 2014 informierte sich eine Gruppe von Buch- und Handschriftenrestauratoren des irakischen
(schiitischen) Schreins des Heiligen Imam Ali aus Najaf in der Restaurierungswerkstatt und in der
Orientabteilung der SBB-PK über die Lagerung und Nutzung sowie über Konservierungsmethoden
von historischen Büchern und Handschriften. Die schiitischen Schreine in Kerbela und Najaf verfügen
über große Bestände alter Korane und islamisch-wissenschaftlicher Handschriften und Bücher, die
z.T. durch Konfiszierung und anschließende unsachgemäße Lagerung infolge des Krieges im Jahr
2003 schwer beschädigt sind.
Ebenfalls im März 2014 hospitierte eine Bibliothekarin der Stadtbibliothek von Suwayrah, einem kleinem Ort 60 km südlich von Baghdad, für zwei Wochen in der Orientabteilung, um Ideen und Strategien für die Wiederbelebung der weitgehend brachliegenden Bibliothekslandschaft im Irak zu sammeln
bzw. auszuarbeiten.
Im Juni 2014 fand im Auswärtigen Amt ein Strategietreffen zur Erhaltung der islamischen Handschriften von Timbuktu (Mali) statt, an dem der Leiter der Orientabteilung als Vertreter der SBB-PK teilnahm. Im Rahmen dieses Arbeitstreffens besuchte eine hochrangige Delegation aus Mali die SBB-PK,
geleitet wurde sie vom Leiter der „Association de Sauvegarde des Manuscrits et la Defense de la Culture Islamique“ (SAVAMA-DCI) in Timbuktu. Die Gäste interessierten sich besonders für die Abläufe
im Digitalisierungszentrum und in der Restaurierungswerkstatt, wo sie ausführlich geführt und beraten
wurden.

SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 12/20

Nationale Dienstleistungen
Im Januar 2014 nahm das im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft, DFG, aufgebaute
„Kompetenzzentrum für die Lizenzierung elektronischer Ressourcen“ seine Arbeit auf. Es agiert als
Dienstleister für die Fachinformationsdienste für die Wissenschaft (FID). Die DFG stellt derzeit das
System der Sondersammelgebiete auf das System der Fachinformationsdienste um. Diese ermöglichen ihren jeweiligen Fachcommunities den schnellen und direkten, vorzugsweise elektronischen
Zugriff auf forschungsrelevante Spezialliteratur. Das Dienstleistungsangebot des Kompetenzzentrums
für die Lizensierung elektronischer Ressourcen umfasst u.a. die Verhandlung von Lizenzen, die überregionale Bereitstellung von elektronischen Medien, die Entwicklung geeigneter Lizenz- und Geschäftsmodelle, das Datenmanagement sowie den Aufbau von Mehrwertdiensten. Das Kompetenzzentrum wird gemeinsam von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und der Verbundzentrale des Gemeinsamen
Bibliotheksverbundes betrieben.

Fortlaufende Schwerpunkte (2014/2015 und folgende Jahre)
Standorte / Baufortschritte
Unter den Linden
Ende September konnte der Teil des Gebäudes, der die Straßenecke Unter den Linden/ Universitätsstraße markiert, an die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften übergeben werden,
die seit Einweihung des Gebäudes 1914 ein dauerhaftes Recht auf Nutzung dieses Gebäudeteiles
genießt. (Es ist geplant, dass mit Einweihung dieser Räume durch die BBAW die Öffentlichkeit über
die Nutzung dieses Gebäudeteils informiert wird, ein Termin ist derzeit nicht bekannt.)
!! Der Gesamtabschluss der Generalsanierung wird sich um mind. 18 Monate gegenüber dem zuletzt
avisierten Termin verzögern, das ist gegenüber der Öffentlichkeit noch nicht kommuniziert, hier der
aktualisierte Plan und Hintergründe:
Die Bauteile des Altbaus Unter den Linden/Ecke Charlottenstraße werden voraussichtlich Ende
2016 fertig, in diesem südwestlichen Flügel werden weitere Bürobereiche und Magazine sowie die
Veranstaltungssäle ab dem Jahr 2017 nutzbar sein, von Unter den Linden wird ein provisorischer
Zugang eingerichtet. Jedoch können die weiteren Bereiche für Benutzer (erwartet werden die Lesesäle für die Sondersammlungen + die endgültige Zugangssituation von Unter den Linden über
die zentrale Erschließungsachse) dann noch nicht fertiggestellt werden. Denn erst mit dem Ende
des 2. Bauabschnitts kann der für die Leser notwendige Haupteingang über den Ehrenhof (auch
„Brunnenhof“) etwa Ende 2017/ Anfang 2018 fertig gestellt werden. Bis dahin muss der provisorische Zugang für die Leser von der Dorotheenstraße her geöffnet bleiben und der Bibliotheksbetrieb in dem jetzt erreichten Maß – Allgemeiner Lesesesaal, Rara-Lesesaal (genutzt für Historische
Drucke und Musiksammlung) sowie der provisorisch kleine Lesesaal für die historische Sammlung
der Kartenabteilung – fortgeführt werden.
Erst mit der vollständigen Fertigstellung des Gebäudes kann auch das Bibliotheksmuseum entstehen, dessen Fertigstellung ist derzeit für 2018 geplant. Da das Museum in dem Bereich des jetzigen provisorischen Zugangs von der Dorotheenstraße her eingerichtet werden wird, muss zuvor
der Haupteingang wieder an die Straße Unter den Linden verlegt worden sein.

SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 13/20

Die Hauptursache für die Verzögerungen sind Schäden am Stahlfachwerk über der Haupttreppe und
an der historischen Tragwerkskonstruktion der über dem Vestibül liegenden Kuppel. Nach neuesten
Erkenntnissen müssen in dem nicht von außen erreichbaren (!) Bauteil alle Stahlfachwerksträger über
der Freitreppe ausgewechselt werden, da ihre Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet ist. Hierfür
waren u.a. umfangreiche Planungsänderungen und neue Abstimmungen mit dem Landesdenkmalamt
notwendig.
Die Bauzeitverlängerung und die Folgen dieser und anderer erst kürzlich im Rahmen der Sanierungsarbeiten entdeckten Schäden werden im Jahr 2016 einen 5. Nachtrag in der Höhe von 26,8 Mio. €
notwendig machen. Zum Zeitpunkt des ersten Spatenstichs für die Neubauten und die Generalsanierung im Mai 2005 ging man von einem Gesamtbudget von 326 Mio. und der Fertigstellung des ersten
Bauabschnitts (neuer Lesesaal und andere Neubauten) im Jahr 2008/09 aus (tatsächlich: Ende 2012
Bauabnahme / Anfang 2013 Benutzungsbetrieb).
Derzeit umfasst das Budget 442 Mio. € (aktuell publizierte Angabe beim BBR), dieses wird ab 2016
wie beschrieben erhöht. Die vorherigen Nachträge 1 bis 4 begründeten sich u. a. mit der Mehrwertsteuererhöhung 2007 und des Anstiegs des Bauindex‘, Änderungen der HOAI wegen stark gestiegener Rohstoffpreise, mit Firmeninsolvenzen, der zeitintensiven Abnahme der Konstruktion des Glaskubus‘ etc. Auf geänderte Nutzeranforderungen seitens der SBB-PK – etwa der zeitgemäße Einbau von
Gruppenarbeitsplätzen anstelle der in der ersten Planung vorgesehenen, jedoch nicht mehr benötigten Mikrofiche-Leseplätze – sind lediglich 300.000 € zurückzuführen.
Bauen im Bestand ist ein besonders komplexer Vorgang, Bauen an einem durch Kriegsschäden und
in der Nachkriegszeit mit notdürftigen Reparaturen versorgtem Gebäude umso mehr.

Potsdamer Straße
Im Oktober 2013 wurden die im Haus Potsdamer Straße nach dem Ende der seit 2006 durchgeführten
Asbestsanierung (ASA) verbliebenen asbesthaltigen Bauteile erneut begutachtet, im Februar 2014
wurden die Beschäftigten und die Personalräte über die Ergebnisse ausführlich informiert. Das Gutachten bezog sich auf drei weiterhin mit Asbest belastete Bereiche:
-

-

Abluftkanäle aus den Zwischenräumen der Lesesaalglasfassade: Diese sind gegenwärtig außer
Betrieb, sie werden aktuell noch im Rahmen der ASA saniert.
Liegestäube auf den abgehängten Decken im Lesesaal: Eine Reinigung ist bei laufendem Bibliotheksbetrieb nicht möglich. Zur Sicherung wurden alle Zugänge gekennzeichnet, die Bereiche
dürfen nicht betreten werden. Bei unaufschiebbaren Arbeiten in diesem Bereich wird gemeinsam
mit dem BBR eine für Arbeiten mit Asbest zertifizierte Firma beauftragt, die alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen einhält.
Fußbodenbeläge in den Hochmagazinen und der Kellermagazine, auch in Magazinen des IAI: Im
Frühsommer 2014 wurden gemeinsam mit dem BBR ein Antrag für eine Sofortmaßnahme und
ein Logistikkonzept erarbeitet, um möglichst rasch die asbesthaltigen Linoleumbeläge in den Magazinen auszutauschen. Dieser Antrag wurde Mitte Oktober 2014 von den zuständigen Bundesministerien bestätigt. Die für die Baufreiheit notwendigen Umzüge der Bestände innerhalb des
Hauses beginnen am 5. Januar und werden in mehreren Schichten und am Wochenende durchgeführt. Die Maßnahme kostet 8,365 Mio. €, knapp 4,5 Mio. € dieses Budgets speisen sich aus
nicht verbrauchten Mitteln für die vorherige Baumaßnahme Asbestsanierung / Erneuerung der
raumlufttechnischen Anlagen (2006–2014).

Im letzten Jahr wurde auch die Sanierung der Kelleraußenmauern („Feuchtesanierung“) im Bereich
des IAI und des Otto-Braun-Saales planmäßig fortgesetzt. Diese Maßnahme soll ebenfalls 2015 beendet werden. Zeit-und Finanzrahmen wurden hier eingehalten. Unmittelbar im Anschluss folgt die
Wiederherstellung der Außenanlagen vor dem Haupteingang des Gebäudes.
SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 14/20

Speichermagazin Friedrichshagen
Am 30. Juni 2014 wurde das unter Federführung der SBB-PK errichtete Speichermagazin Friedrichshagen eröffnet. Hier werden zunächst knapp 4 Mio. Bände aus den Beständen der Staatsbibliothek,
v.a. Zeitschriften, sowie 12 Mio. Negative und Prints aus der Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte (bpk), schließlich ein kleiner Bestand aus dem Ibero-Amerikanischen Institut, 300.000 Bände,
untergebracht. Die Umzüge begannen im Mai 2014 und werden noch bis zum Sommer 2015 andauern.
Zu den Führungen durch dieses erste Gebäude am neuen Speicherstandort Friedrichshagen der SPK
kamen am Nachmittag des 30. Juni innerhalb weniger Stunden etwa 2.000 Interessenten.

Kooperation mit Krakau
Seit einigen Jahren kooperieren die SBB-PK und die Jagiellonen-Bibliothek in Krakau zum Nutzen der
Wissenschaft in gutem Einvernehmen; infolge der Auslagerungen der Bestände der Preußischen
Staatsbibliothek während des Zweiten Weltkrieges befinden sich heute Teile dieser Bestände in Krakau in der Jagiellonen-Bibliothek. Schon für das umfassende Digitalisierungs- und Erschließungsprojekt zum Aufbau des Online-Portals „Bach-Digital“ (Phase 1 lief von 2008 bis 2012, finanziert von der
Deutschen Forschungsgemeinschaft) waren die in Krakau liegenden Autographe von Johann Sebastian Bach digitalisiert und elektronisch übermittelt worden. Im Jahr 2013 wurde, finanziert vom damaligen Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, gemeinsam die virtuelle Rekonstruktion der historischen Berliner Ostasiensammlung vorangetrieben: Je ein Drittel dieser Sammlung befinden sich in der
SBB-PK und in der Jagiellonen-Bibliothek, der Verbleib des letzten Drittels ist unbekannt. An ihren
derzeitigen Aufbewahrungsorten wurden die Sammlungsteile digitalisiert, im Lauf des Jahres 2014
wurde mit der Tiefenerschließung begonnen.

Digitalisierung und Erschließung des Nachlasses Alexander von Humboldts
Zum Ende des Jahres 2014 konnten die SBB-PK und die Jagiellonen-Bibliothek nun einen weiteren
Schritt der Zusammenarbeit bekanntgeben: In enger Abstimmung wird der gesamte Nachlass Alexander von Humboldts – etwa ein Drittel dieses Nachlasses befindet sich in Krakau – digitalisiert und erschlossen, damit die Wissenschaft auch mit diesem kulturellen und wissenschaftlichen Erbe uneingeschränkt arbeiten kann. Die Digitalisierung des Humboldt-Nachlasses wird vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung finanziert. Innerhalb von drei Jahren wird der weltweite Zugang zum wissenschaftlichen Nachlass des Forschers und Gelehrten Alexander von Humboldt hergestellt. Alle in seinem Nachlass enthaltenen Manuskripte, Briefe, Zeichnungen, Skizzen, Messergebnisse, Notizen,
Artikel und vieles mehr – rund 60.000 Dokumente - werden sukzessive online einsehbar.

Deutsch-russischer Bibliotheksdialog
Im November 2014 fand der 5. Deutsch-Russische Bibliotheksdialog statt, dieses Mal in Saratow an
der Wolga. Themen waren u. a. das Wirken einer Arbeitsgruppe der Akademie der Wissenschaften
der UdSSR zum Abtransport von Büchersammlungen aus der Sowjetischen Besatzungszone in die
UdSSR, praktische Erfahrungen bei der heutigen Provenienzforschung sowie die Chancen virtueller
Sammlungsrekonstruktionen durch Digitalisierungen. Insbesondere die deutsche Seite hofft auf die
Beteiligung russischer Bibliotheken bei der virtuellen Rekonstruktion von Sammlungen, wie zwischen
der SBB-PK und der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau im Jahr 2013 praktiziert, zu den diesbezüglichen
Erfahrungen gab Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf einen ausführlichen Bericht. Da Saratow

SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 15/20

für das Kulturerbe der Russlanddeutschen von besonderer Bedeutung ist, wurde auch die Bewahrung
dieses Kulturerbes ausführlich diskutiert.

Kooperation mit Forschenden
Veranstaltungsreihe Scriptorium
Als partnerschaftliches Angebot für die Forschung wurde die Workshop-Reihe Scriptorium auch im
Jahr 2014 fortgesetzt. Die äußerst erfolgreiche Veranstaltungsreihe zu arabischen Handschriften hat
sich international sehr gut etabliert. Im ersten Jahr, 2012, wurde allg. in arabische Handschriften eingeführt, im Jahr 2013 standen hebräische Handschriften im Zentrum, in Jahr 2014 persische – insgesamt 120 Personen sind bereits durch diese sehr spezialisierten Workshops erreicht worden. Im Jahr
2015 wird der Schwerpunkt auf armenischen Handschriften liegen.

CrossAsia – Informations- und Schulungskampagne fortgesetzt
Im Jahr 2014 setzte die Ostasienabteilung ihre breit angelegte Kampagne an und für Universitäten
und andere Forschungseinrichtungen fort, mit der sie seit dem Jahr 2013 intensiv über ihre herausragenden konventionellen und elektronischen Bestände aus und über Ost- und Südostasien informiert
und deren komfortable Benutzung via Portal CrossAsia vorstellt. Zunächst wurden die einschlägigen
Lehrstühle der Universitäten Zürich und Heidelberg besucht, im Jahr 2014 folgten Veranstaltungen u.
a. an den Universitäten in Freiburg, Trier, Bonn, Frankfurt am Main, Tübingen, Duisburg-Essen und
Freie Universität Berlin. Mehrfach begrüßten die Wissenschaftler der Ostasienabteilung Studierende
und Lehrende auch in Berlin in der SBB-PK und führten Praxisseminare durch oder stellten auf internationalen Fachtagungen u. a. im slowakischen Olmütz, das Dienstleistungsspektrum von CrossAsia
vor. Erneut besuchte eine chinesische Delegation, Fachkollegen aus der Hauptstadtbibliothek Peking,
die Ostasienabteilung um Kooperationsmöglichkeiten zu eruieren. - In Europa ist die Ostasiensammlung der SBB-PK die größte in den asiatischen Sprachen Koreanisch, Chinesisch, Japanisch und
Mongolisch, sie beinhaltet zugleich umfangreiche Bestände in westlichen Sprachen, jährlich kommen
etwa 25.000 Bände aus der aktuellen Produktion hinzu. Rund 4.000 laufend gehaltene ostasiatische
Zeitschriften dokumentieren aktuelle Forschungen und Entwicklungen in Ost- und Südostasien. Zum
Bestand gehören auch umfangreiche Rara-Bestände aus China, Japan und Tibet.
In den Jahren 2007 bis 2013 hatte die Ostasienabteilung mit mehreren deutschen und internationalen
Partnern kooperativ die Virtuelle Fachbibliothek Ost- und Südostasien CrossAsia aufgebaut. Im Jahr
2013 wurde das von der DFG stets großzügig geförderte Projekt abgeschlossen: Seither steht der
Wissenschaft mit CrossAsia eine Plattform zur Verfügung, die den nahtlosen Zugriff auf den gedruckt
vorliegenden Bestand der Ostasien-Sammlung und darüber hinaus Zugang zu mehr als 100 fachrelevante elektronische Ressourcen mit mehr als 90 Millionen Einheiten bietet. CrossAsia versteht sich als
die elektronische Repräsentanz des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sondersammelgebiets Ost- und Südostasien und bündelt alle Angebote unter einem Dach. Zentrale Bestandteile von CrossAsia sind CrossAsia Suche, die Virtuelle Forschungsumgebung CrossAsia Campus, der Zugriff auf die digitalisierten Sammlungen, die Integration des Fernleihverkehrs, ein Fachinformationsführer sowie der Zugang zu den elektronischen Ressourcen. CrossAsia heute auf allen
Endgeräten – vom klassischen PC, dem Tablet oder einem Mobiltelefon - optimal nutzbar.

SPK-Stipendiaten
Das Stipendienprogramm der SPK erfreut sich nach wie vor großer Nachfrage. Im Jahr 2014 begrüßte
die SBB-PK sechs Stipendiaten aus den USA und aus Spanien, Italien, Polen, Österreich und Belgien.
SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 16/20

Sie forschten mit den Sammlungen der Handschriftenabteilung (Nachlässe und Autographen bzw.
mittelalterliche Handschriften) sowie den Spezialsammlungen der Musik-, Osteuropa- und Orientabteilungen. Zwei der Stipendiaten sind Doktoranden, die anderen bereiten ihre Habilitationen vor oder
arbeiten für Editions-Projekte. Dem Wunsch der SBB-PK folgend, die Stipendiaten mögen öffentlich
über ihre Arbeitsergebnisse berichten, wurden im Rahmen der Wissenswerkstatt kulturellwissenschaftliche Abende gestaltet, etwa zu „Chapata Saddhammajotipāla and the Pali Grammatical
Literature of Burma” oder “Die Rezeption des deutschen Bauhaus und des Berliner Sturmkreises in
der ukrainischen Avantgarde“. Ein Stipendiat erreichte mit einem Vortrag, der als in Zusammenarbeit
mit der Mendelssohn-Gesellschaft in der Mendelssohn-Remise als Gesprächskonzert gestaltet war,
eine breitere Öffentlichkeit.
Im Jahr 2015 werden sieben Stipendiaten erwartet, sie kommen aus Russland, Polen, Frankreich,
Irland und Großbritannien. Vier sind Doktoranden, die anderen bereits promoviert. Ihre avisierten
Themen sind neben anderen „Situating Pyrsos (Torch) Greek-language magazine in GDR periodical
production, 1961-1968”, “Unbekannter Kirnberger: Studien zum handschriftlichen Berliner Nachlass
des Musiktheoretikers und Komponisten“ oder „Kabbalah and Jewish Magic in the Early Modern Ashkenaz - preliminary survey of the manuscript sources“.

Herausragende Forschungs- und Digitalisierungsprojekte
In der SBB-PK sind derzeit 32 herausgehobene Aufgaben in Projektform organisiert, mit deren Umsetzung die Bestände der Bibliothek ausgebaut sowie umfassender nachgewiesen und erschlossen
und daher leichter zugänglich und nutzbar werden. Viele dieser Projekte, von denen einige kooperativ
mit anderen Institutionen durchgeführt werden, sind finanziell gefördert, aktuell von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG), Der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM),
dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), den Freunden der Staatsbibliothek zu
Berlin, der Europäischen Kommission.

Digitalisierung und Erschließung des Nachlasses Alexander von Humboldts
Bis zum Jahr 2017 werden die SBB-PK und die Jagiellonen-Bibliothek in Krakau sukzessive alle Bestandteile des wissenschaftlichen Nachlasses Alexander von Humboldts digitalisieren, erschließen
und online für jeden Interessenten zur Verfügung stellen (s. o.). Dieses Vorhaben ist ein Teil des vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung mit erheblichen Mitteln finanzierten Verbundprojekts
zur Erforschung der Amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts, letzteres wird vom
Lehrstuhl für Romanistik n der Universität Potsdam durchgeführt.
1769 in Berlin geboren und 1859 ebenda gestorben, interessierte A. v. Humboldt sich stets für naturwie kulturwissenschaftliche und ökonomische Themen. Mit 20 Jahren begann er wissenschaftlich zu
publizieren, bis ins hohe Alter hielt er Vorträge an wissenschaftlichen Akademien und veröffentlichte
umfassende Werke wie „Ansichten der Natur“ oder „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“. Humboldt legte Wert auf eigene Anschauung, Erfahrung und Erkenntnis. Als Dreißigjähriger begab er sich auf seine vierjährige Erkundungs- und Forschungsreise durch die amerikanischen
Tropen (von dort brachte der die bereits online einsehbaren Amerikanischen Reisetagebücher mit, die
im Jahr 2013 für die SBB-PK erworben wurden). Drei Jahrzehnte später reiste er nach Zentralasien
bis zum Ural. Humboldt führte ausgedehnte Korrespondenzen mit zahlreichen international bedeutenden Spezialisten der verschiedenen Fachrichtungen. und schuf so ein wissenschaftliches Netzwerk,
das sich auch in seinem Nachlass widerspiegelt und noch viele neue Forschungsfragen aufwerfen
wird.

SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 17/20

Mit der virtuellen Zusammenführung seines bisher weitgehend unerschlossenen Nachlasses präsentieren die beiden Bibliotheken das Wissen eines der bedeutendsten Forscher und Gelehrten der letzten Jahrhunderte, welches er in rund 60.000 Dokumenten aller Art niedergelegt hat.

Erforschung der Diez-Alben in der Sammlung orientalischer Handschriften
Seit Anfang 2014 arbeitet, finanziert durch die DFG, eine Kunsthistorikerin über die Diez-Alben der
SBB-PK. Sie erforscht die in ihnen enthaltenen persischen Zeichnungen aus dem 14. und 15. Jahrhundert unter der Fragestellung, welche dieser Bilder als autonome Kunstwerke anzusehen sind. Um
die autonomen Zeichnungen von Dekorationsentwürfen, Textillustrationen und Vorstudien zu unterscheiden, werden in der ersten Projektphase durch die Bundesanstalt für Materialforschung und prüfung (BAM) mithilfe naturwissenschaftlicher Methoden Zeichentechniken, Künstlersignaturen und
verwendete Materialien untersucht. In der zweiten Phase werden der historische Entstehungskontext
und die Rezeptionsgeschichte dieser Bilder analysiert.
Die fünf Diez’schen Klebealben der SBB-PK gehören zu den herausragendsten Schätzen islamischer
Kunst. Zusammen mit über 17.000 Büchern, Handschriften und einer umfangreichen Münzsammlung,
bilden sie das Vermächtnis des Gesandten Heinrich Friedrich von Diez (1751-1817), der sie während
seines Aufenthaltes an der Hohen Pforte in Konstantinopel in den Jahren 1784-1791 zusammengetragen hatte. Die im Format und Inhalt unterschiedlichen Alben enthalten um die 450 Malereien,
Zeichnungen, Skizzen und Kalligraphien, die zum großen Teil im 14. und 15. Jahrhundert im Gebiet
des heutigen Irans und Afghanistans entstanden sind. Die äußerst hohe Qualität wie auch die bemerkenswerte Vielfalt der Kunstwerke machen sie zu einer der bedeutendsten Sammlungen persischmongolischer Buchkunst überhaupt. Eine vergleichbare Materialsammlung befindet sich heute nur
noch in der Bibliothek des Topkapi Saray in Istanbul

Ausblick auf herausragende Ereignisse im Jahr 2015
(alle Veranstaltungen finden im Haus Potsdamer Straße statt)
Konferenz
Studies on Johann Gottfried Wetzstein (1815 - 1905): Manuscripts, Politics and Oriental Studies
19. – 21. Februar 2015
mit finanzieller Unterstützung durch die Fritz-Thyssen-Stfitung und die Freunde der Staatsbibliothek zu
Berlin e.V.
Der Geburtstag des Orientalisten Johann Gottfried Wetzstein jährt sich zum 200. Mal. Er war u. a.
preußischer Diplomat in Damaskus, Syrien. Der Bibliothek überließ er seine etwa 2.500 Bände umfassende Handschriftensammlung und seinen wissenschaftlichen Nachlass. Als Konsul (1849 - 1861)
erlebte er die Aufstände gegen die syrischen Christen, 1870 reiste er zu einer diplomatischen Mission
nach Tunesien. Da seine politische und wissenschaftliche Bedeutung bisher vergleichsweise wenig
bearbeitet ist, werden im Februar 2015 während der internationalen Tagung Orientalisten und Historiker diesen spannenden Ausschnitt der deutschen Orientpolitik und Geschichte der Arabistik beleuchten.
Ausstellung
Literatur im Foyer: Die Illustratorin Ilon Wikland
23. – 28. Februar 2015
Die schwedisch-estnische Kinderbuchillustratorin, geboren 1930, wurde vor allem durch ihre Arbeiten
für die Bücher von Astrid Lindgren bekannt.
Gastveranstaltung der Architekten- und Ingenieursvereinigung Berlin
SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 18/20

Verleihung des Schinkel-Preises
13. März 2015

Ausstellung
Last Folio
24. April – 27. Juni 2015
Fotoausstellung mit Aufnahmen von Juri Dojc, kuratiert von Katja Krausowa
in Kooperation mit der Bertelsmann-Stiftung
Seit ihre jüdischen Schüler und Lehrer 1943 deportiert wurden, steht in der Ostslowakei eine Schule
verlassen, indes bis heute vollkommen unberührt und unverändert. Der Fotograf Juri Dojc traf auf eine
Szenerie mit Schulbüchern und -heften auf staubigen Regalen und Tischen, selbst eine Tasse mit
Zucker darin … Diese Zeugen einer vergangenen Zeit wurden vom Künstler einzeln porträtiert. Aus
den hunderten von Büchern und Fragmenten, die Juri Dojc fotografierte, ragt eins jedoch besonders
heraus: Eines der Bücher gehörte einst seinem Großvater Jakub, und hat nun, Jahrzehnte später,
seinen rechtmäßigen Erben gefunden.
Informations- und Schulungstag
E-Day
5. Mai 2015
Dieser jährlich angebotene und sehr erfolgreiche Veranstaltungstag zum Umgang mit den elektronischen Rechercheinstrumenten der SBB-PK findet zum fünften Mal statt.
Gedenkveranstaltung, Konzert, Präsentation von Stücken aus dem Nachlass
28. Mai 2015
Zum Gedenken an Dietrich Fischer-Dieskau zum 90. Geburtstag
Im Jahr 2014 wurde die Schenkung des Nachlasses Dietrich Fischer-Dieskau abgeschlossen, zu seinen Ehren findet eine Feierstunde statt, in der sein Flügel erklingen wird. Im Foyer werden Stücke aus
seinem Nachlass gezeigt.
Konferenz
"Change" in medieval and Renaissance manuscripts. 19th Colloqium of Comité international
de paléographie latine (CIPL)
Konferenz zur mittalterlichen Handschriftenkunde
16. – 18. September 2015
Konferenz
Jahreskonferenz der International Association of Law Libraries
21. – 26. September 2015
Konferenz
IADA Congress 2015 - Internationale Arbeitsgemeinschaft der Archiv-, Bibliotheks- und Graphikrestauratoren
12. – 16. Oktober 2015
Ausstellung
Weltreise. Ulrike Ottinger auf den Spuren von Adelbert von Chamisso
2.Dezember 2015 – 27. Februar 2016:
Gemeinsam mit der Berliner Filmemacherin Ulrike Ottinger richtet die SBB-PK eine Ausstellung aus, in
der die Besucher dem Forscher und Schriftsteller Adelbert von Chamisso nah kommen können. Dieser nahm von 1815 bis 1818 an der Rurik-Expedition teil, die wie auch viele andere Expeditionen zuvor und danach das Ziel hatte, die Schiffspassage durch das nördliche Eismeer zwischen NordameriSBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 19/20

ka und Asien zu finden. Die Expedition scheiterte, jedoch brachten die Teilnehmer in ihre Heimatländer vielfältige Eindrücke und Erkenntnisse zu anderen Kulturen mit zurück. Teil der Ausstellung wird
eine filmische Dokumentation Ulrike Ottingers sein, die von Juli bis November 2014 einige Stücke des
Reisewegs Chamissos befuhr. Derzeit entsteht ein Dokumentarfilm, der die Eindrücke der Reise von
vor 200 Jahren mit den heutigen in Beziehung setzt.
Die Ausstellung wird von der Kulturstiftung des Bundes mit erheblichen Mitteln unterstützt.

Die bpk - Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte
Die Bildagentur ist organisatorisch der Staatsbibliothek zugeordnet. Im Jahr 2014 hat sie ihre starke
Position am Bildermarkt weiter ausgebaut:
Für das von ihr betriebene kommerzielle Bildportal führender Kultureinrichtungen (bpk-images.de)
konnten im zurückliegenden Jahr weitere bedeutende Kooperationspartner gewonnen werden, darunter aus Deutschland die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, das Deutsche Historische Museum in Berlin und das Technoseum in Mannheim. Als Auslandspartner kam mit dem Victoria
& Albert Museum in London nach dem British Museum, der British Library und dem National Trust
eine weitere Spitzeneinrichtung aus Großbritannien hinzu.
Die Bildagentur bpk betreibt für alle teilnehmenden Kultureinrichtungen einen öffentlich-rechtlichen
Online-Shop, in dem die Medien, Buchverlage und andere Wirtschaftsunternehmen auf sehr einfache
Weise Bildmotive für Veröffentlichungszwecke bestellen und Nutzungsrechte erwerben können. Über
450.000 Bildmotive stehen inzwischen in hochwertiger Qualität zum Abruf bereit. Auf diese Weise
generiert die Bildagentur bpk für die inzwischen weit über 100 beteiligten Kultureinrichtungen aus
Deutschland, Frankreich, England, Italien und den Vereinigten Staaten attraktive Honorarerlöse.
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SBB-PK | GD Kurzbericht 2014 / Ausblick 2015 | S. 20/20
        
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