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Periodical volume

Full text: Jahresbericht Issue 2012/13

Barbara Schneider-Kempf Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz Kurzbilanz 2012/Ausblick 2013 erstellt im Januar 2013 2012 / 2013 im Überblick
Ausbau der beiden Standorte Umzüge im Haus Unter den Linden Asbestsanierung Potsdamer Straße Errichtung des Speichermagazins Friedrichshagen Ausbau der Forschungsinfrastruktur Bestandsausbau und Benutzung Kompetenzzentrum Forschung und Information Musik

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3 3 3 4 4 4 4

Ausbau der Digitalen Bibliothek Suche nach NS-Raubgut
Verlauf der Untersuchungen Bisher erzielte Ergebnisse Beispielhafte Restitutionsverfahren

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7 7 8

Deutsch-russischer Bibliotheksdialog Nationale Aufgabe Bestandserhaltung Projekte in der SBB
Seit 2011 Koordination von Europeana Collections 1914-1918 Seit 2012 auch Koordination von Europeana Newspapers Entwicklung zum Kompetenzzentrum Forschung und Information Musik Von der DFG mitfinanziert Mit EU-Strukturfördermitteln finanziert Vom BKM mitfinanziert Mit Mitteln der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin finanziert Mit Mitteln der Robert Bosch Stiftung finanziert

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Forschungsinfrastruktur für Benutzer
Suchraum für Ostasiatica Konversion von Zettelkatalogen Sacherschließung Revision des Altbestandes der Bibliothek Auskunftsdienste, Schulungen und Veranstaltungen für Benutzer

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SBB-PK als Dienstleister für Bibliotheken und Archive Tagungen, Konferenzen Stipendienprogramm der SPK Wissenstransfer Personalentwicklung
Fortbildung Gesundheitsmanagement

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Gleichstellungsplan

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SBB als Ausbildungsstätte
Bibliotheksreferendare Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste Boy’s Day

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Kooperationen in der Lehre anderer Institutionen Präsenz im Web, Social Media Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. Weitere Förderer und Spender Bpk Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte Erwerbungen und Bestandsaufbau Besondere Erwerbungen, Geschenke, Rückkehrer Benutzung
Verbesserung des Benutzungskomforts

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Erhaltung der SBB-Bestände Führungen für die Öffentlichkeit
Allgemeine Führungen zur Geschichte und Funktion der Bibliothek sowie zu ihren Gebäuden Tag der offenen Tür im Haus Unter den Linden

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28 28

Eigene öffentliche Ausstellungen und Veranstaltungen Externe Ausstellungen und -beteiligungen Leihgaben ins In- und Ausland Geplante Veranstaltungen 2013

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2012 / 2013 im Überblick
Ausbau der beiden Standorte
Das wichtigste Ereignis im Jahr 2012 war für die Bibliothek Ende Dezember die Übernahme der Neubauten im Haus Unter den Linden: Allgemeiner Lesesaal, Rara-Lesesaal, Tresormagazine, künftiges Freihandmagazin. Nach gut sieben Jahren Bauzeit – der erste Spatenstich wurde im Mai 2005 ausgeführt – werden nun seit Januar 2013 die Bücher in die Freihandregale der Lesesäle eingeräumt, die IT-Infrastruktur für die Benutzung installiert und andere vorbereitende Arbeiten getroffen. Mit der Eröffnung der Lesesäle ist im März 2013 zu rechnen. Mit der Eröffnung des Lesesaals Unter den Linden ist das Konzept der Einen Bibliothek in zwei Häusern für die Allgemeinen Lesesäle umgesetzt: Während der Bestand im Lesessaal des Hauses Potsdamer Straße diesen Standort als Forschungsbibliothek der Moderne definiert, profiliert sich das Haus Unter den Linden als Historischen Forschungsbibliothek. Die Freihandbestände des Hauses Unter den Linden werden im Haus Potsdamer Straße ‚forgesetzt’, der Schnitt wir inhaltlich mit dem Einsetzen der Moderne etwa um die Jahrhundertwende markiert. Die Magazine hingegen beherbergen im Haus Unter den Linden Bestände mit Erscheinungsjahr bis 1945, im Haus Potsdamer Straße ab 1946, ausleihbare Bücher werden am jeweils gewünschten Standort zur Benutzung bereitgestellt. Die Verteilung der Sondersammlungen und der dazugehörigen Lesesäle auf die beiden Häuser, und damit die endgültige Ausgestaltung der beiden Standorte, wird erst abgeschlossen sein, wenn nach dem Ende des zweiten Bauabschnitts – bis voraussichtlich 2015/16 wird der südliche Teil des Altbaus saniert und modernisiert - die Sonderabteilungen ihre endgültigen Standorte beziehen können.

Umzüge im Haus Unter den Linden
Nach der Übernahme der Neubauten im Dezember 2012 konnte der südliche Gebäudeteil für den zweiten Bauabschnitt frei geräumt werden. U.a. wurde das alte Kartenmagazin aufgelöst: 450.000 historische Karten wurden in den neu errichteten Tresormagazinen in 310 Kartenschränken neu sortiert aufgestellt; 250 dieser Schränke waren bereits vorhanden, 60 wurden neu beschafft. Ebenfalls zum Jahresende wurden die Büros von 170 Mitarbeitern verlagert, entweder in bereits fertig gestellte Büros im sanierten Altbau oder in Containerbüros, die für die Bauzeit in der Charlottenstraße errichtet wurden; etwa 1.550m³ Umzugsgut waren zu bewegen.

Asbestsanierung Potsdamer Straße
Die weitere Sanierung der raumlufttechnischen Anlagen und die parallele Asbestbeseitigung verliefen wie geplant, die Baumaßnahme – begonnen im Jahr 2006 - wird noch bis zum Jahr 2014 andauern.
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Im Jahr 2012 schloss sich auch die SBB-PK dem Energiecontracting der SPK an. Derzeit werden die technischen Installationen vorgenommen, die Leistungsphase soll im Juli 2013 beginnen.

Errichtung des Speichermagazins Friedrichshagen
Derzeit ist die Schlüsselübergabe für das neu errichtete Speichermagazin – Anfangskapazität 6 Mio. Bände – für Oktober 2013 geplant. Die ersten Nutzer an dem neuen Depotstandort der SPK werden das Ibero-Amerikanische Institut, die bpk Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte sowie die SBB-PK sein.

Ausbau der Forschungsinfrastruktur
Derzeit sind 45 Projekte, viele davon mit Drittmittelförderung, in Planung bzw. in der Umsetzung. Alle Projekte dienen dem Ausbau der Infrastruktur, die die SBB-PK ihren Benutzerinnen und Benutzer für deren Forschungen zur Verfügung stellt, (siehe Einzeldarstellung). Von besonderer Bedeutung sind jene Projekte, für die die SBB-PK auf EU-Ebene die Federführung hat sowie solche, die ein hohes Innovationspotential tragen und die Entwicklung des Bibliothekswesens insgesamt befördern werden.

Bestandsausbau und Benutzung
Das Niveau der Erwerbungen ist im Jahr 2012 nahezu unverändert gegenüber dem des Vorjahres. Auch der Umfang der Benutzung hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht wesentlich verändert. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser mit Betrieb der neuen Lesesäle ab März 2013 entwickelt.

Kompetenzzentrum Forschung und Information Musik
Seit 2012 entwickelt sich die SBB-PK zum Kompetenzzentrum für die Musikforschung, in dem die hochwertigen und umfangreichen Bestände mit Autographen, Musikernachlässen und Musikdrucken vertieft erschlossen werden. ***

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Ausbau der Digitalen Bibliothek
Die Digitalisierungsstrategie der SBB-PK beinhaltet folgende Prinzipien: Im eigenen Digitalisierungszentrum (15 Scansysteme + 2 Roboter + 1 Fotostelle) bearbeiten 25 Scanoperateure und drei Fotografinnen • • • Unikate und Druckwerke nach SBB-Prioritätenplan, Im Rahmen von Projekten herausragende Sammlungen (diese oft in Kooperationsprojekten mit anderen Institutionen und oft gefördert von der DFG), Benutzerwünsche, sofern das gewünschte Werk nicht schon im Netz vorhanden ist.

Im Dezember 2012 war folgender Stand erreicht: • • • etwa 5 Mio. Seiten sind aufgenommen und auf etwa 115 Terrabyte Speicherplatz gesichert, seit Einführung des Zweischichtbetriebes seit Oktober 2012 werden über 200.000 Seiten pro Monat gescannt, es wird mit etwa 80 TB Speicherplatz Zuwachs pro Jahr gerechnet,

Derzeit laufen 13 Digitalisierungsprojekte zu herausragenden Sammlungen (s. a. die Darstellung einzelner Projekte): • • • • • • • • • • • • • historische Drucke d. 16., 17., 18. Jh. der Anteil der SBB-PK am europaweiten Portal Europeana Collections 1914-1918 Leichenpredigten aus der Sammlung der historischen Drucke DDR-Zeitungen zum Aufbau des Forschungsportals Presse und Publizistik in der DDR Sondersammelgebiet Juristische Zeitschriften des 18./19. Jh. Deutsches Territorialrecht Sondersammelgebiet Ost- und Südostasiatica Potraitsammlung Orientalische Handschriften Inkunabeln Adelbert von Chamisso-Nachlass Gerhart-Hauptmann-Archiv Musikautographe zum Aufbau des Kompetenzzentrums Forschung und Information Musik (KOFIM)

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Suche nach NS-Raubgut
Seit der Veröffentlichung der Washingtoner Erklärung im Jahr 1998 beschäftigt sich die SBB-PK in verschiedenen Projektzusammenhängen mit der Problematik von NS-Raubgut in ihren Sammlungen. 1999 wurden die Erwerbungen der Preußischen Staatsbibliothek aus dem Zeitraum 1933 bis 1945 auf ehemals jüdischen Besitz stichprobenartig untersucht. 2006 wurden Erwerbungsakten und Akzessionsjournale hinsichtlich "zweifelhafter Erwerbungen" ausgewertet. 375.000 Einzeleinträge wurden geprüft, dabei entstand eine interne Datenbank, die rund 11.000 relativ eindeutige Fälle von NS-Raubgut auflistet und auf weitere etwa 9.000 Fälle mit einem Anfangsverdacht hinweist. 2006/07 wurde in einem Kooperationsprojekt mit dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Göttingen die Rolle der Reichstauschstelle und der Preußischen Staatsbibliothek (Vorgängerinstitution der SBB-PK) in den Jahren 1933 bis 1945 untersucht. Im Jahr 2007 wurde der Aufgabenbereich „Suche nach unrechtmäßig erworbenen Beständen“ in der Abteilung Historische Drucke eingerichtet. Untersucht werden dort • • • NS-Raubgut im Druckschriftenbestand der SBB-PK, Verteilung geraubter/beschlagnahmter Literatur über die Reichstauschstelle und die Preußische Staatsbibliothek im NS-Staat (Vorgänger-Institution der SBB-PK), die Arbeit der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA) als Verteilerinstitution in der DDR, insbesondere unter dem Aspekt Verteilung von NS-Raubgut nach 1945 (war in der Vorgängerinstitution der SBB-PK angesiedelt), Recherchen zu weiteren unrechtmäßige Erwerbungen: Bodenreform, DDR-Unrecht

•

Anhand der Erkenntnisse aus den Voruntersuchungen der Jahre 1999 bis 2006 wird der rund 3 Millionen Bände umfassende historische Druckschriftenbestandes der Bibliothek systematisch untersucht. Für die Bearbeitung von NS-Raubgut wurden spezielle Geschäftsgänge entwickelt, die sich an dem in Marburg entwickelten "Leitfaden für die Ermittlung von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut in Bibliotheken" (2005) und den Weimarer "Empfehlungen zur Provenienzverzeichnung" orientieren. Die nunmehr dauerhafte Anlaufstelle für die Provenienzforschung/erschließung in der SBB-PK unterstützt auch andere Bibliotheken bei ihren NS-Raubgutprojekten, darunter die Bibliothek der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften oder die Staats- und Universitätsbibliotheken Göttingen und Hamburg. Zudem werden in der Abteilung Historische Drucke Forschungsprojekte von externen Wissenschaftlern zu den institutionellen Hintergründen der Verteilung von NS-Raubgut vor und nach 1945 initiiert und betreut. Seit September 2010 läuft das vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (via Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung an der SPK) geförderte Rechercheprojekt „Transparenz schaffen“, das die o.g. 11.000 besonders verdächtige Zugänge aus den Jahren 1933 bis 1950 bearbeitet.

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Verlauf der Untersuchungen
Auf der Basis der oben genannten internen Datenbank sowie mithilfe von Zugangsjournalen und Erwerbungsakten werden "verdächtige" Bücher im Katalog ermittelt. Wenn sich ein Verdacht bestätigt und das Exemplar eindeutig als das gesuchte identifiziert werden kann, werden die Rechercheergebnisse einschließlich des Sachverhaltes "NS-Raubgut" mittels vertiefter Provenienzerschließung im Online-Katalog der Staatsbibliothek, dem StaBiKat, dokumentiert und so weltweit recherchierbar. Dokumentiert werden die in den Büchern vorhandenen Provenienzspuren (Stempel, Exlibris, handschriftliche Besitzeinträge) sowie die Angaben aus den Zugangsbüchern und ggf. den Akten über die Herkunft der Bände (Lieferanten), mögliche Vorbesitzer, der Zeitpunkt und die Art der Erwerbung. Ziel ist, dass jeweils die Exemplargeschichte im elektronischen Katalog der SBB-PK vollständig recherchierbar ist. Ebenfalls aufgeführt werden eine Restitution oder auch ein Restitutionsverzicht durch den Eigentümer oder seinen Rechtsnachfolger, dies unter Angabe des Zeitpunktes der Rückübertragung bzw. des Datums der Verzichtserklärung. Ein künftiges Forschungsfeld ist das Schicksal geraubter/beschlagnahmter Büchersammlungen nach 1945, dabei insbesondere die Rolle der institutionell eng mit der Deutschen Staatsbibliothek (Vorgängerinistution der SBB-PK) verknüpften Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA). Bestände in den Sonderabteilungen konnten noch nicht systematisch geprüft werden.

Bisher erzielte Ergebnisse
Rund 8.700 Exemplare sind geprüft, davon sind knapp 3.000 Kriegsverlust und über 600 in keinem Katalog nachzuweisen. Knapp 3.400 Exemplare sind als Raubgut identifiziert und entsprechend im Online-Katalog recherchierbar, siehe http://stabikat.de/DB=1/CMD?ACT=SRCHA&IKT=5005&SRT=YOP&TRM=ns-raubgut Davon konnten 884 Exemplare an ihre rechtmäßigen Eigentümer restituiert werden, siehe http://stabikat.de/DB=1/CMD?ACT=SRCHA&IKT=5005&SRT=YOP&TRM=nsraubgut+restitution Derzeit werden rund 500 Bilder von Provenienzmerkmalen für die Veröffentlichung in ProvenienzWiki vorbereitet. Für die Gesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden wurde beispielhaft eine Seite mit den von dieser Institution verwendeten Stempeln eingerichtet, siehe http://provenienz.gbv.de/Gesellschaft_zur_Bef%C3%B6rderung_des_Christentums_unter_den_Jud en In der Lost Art-Datenbank sind derzeit knapp 3.000 als Raubgut identifizierte Exemplare aus dem Bestand der Staatsbibliothek nachgewiesen, die über den regelmäßigen Datenabzug aus dem Online-Katalog der SBB-PK importiert wurden, siehe http://www.lostart.de/Webs/DE/Datenbank/ObjektgruppeFund.html?param=OBJGRP_ID%3D246 34
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Beispielhafte Restitutionsverfahren
Inzwischen konnten etliche Restitutionsverfahren eingeleitet werden, die jeweils über das Justiziariat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz abgewickelt werden. Insbesondere über die Bestandsprüfung der Judaica/Hebraica im Magazin sind einige Bände gefunden worden, die aus geraubtem jüdischen Privatbesitz stammen und in den Jahren 1946-1954 (Stempel: Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek [Vorgängerinstitution der SBB-PK]) eingearbeitet wurden, so etwa aus der Bibliothek des deutsch-niederländischen Judaisten und Historikers Sigmund Seeligmann (gest. 1940). Da die SBB-PK bereits 2005 mit der Witwe seines Sohnes Isac Leo Seeligmann wegen der Restitution eines Bandes aus dessen Bibliothek Kontakt hatte, ist die Ermittlung der Erben hier unproblematisch. Ebenfall gut belegt ist die Biographie des Berliner Rabbiners Hans Gabriel Löwenthal, der 1942 zusammen mit seinen Eltern nach Theresienstadt deportiert wurde und dort umkam. Die Schwestern Löwenthals konnten jedoch emigrieren, so dass auch hier für die aufgefundenen sechs Bände aus der Bibliothek Löwenthals ein Restitutionsverfahren eingeleitet werden konnte. Aus der Bibliothek der Berliner Gesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden konnten kurz vor Jahresende 2012 rund 300 Bände restituiert werden, die - wie bereits bei der ersten Restitution 2010 – an das Berliner Missionswerk der Evangelischen Kirche BerlinBrandenburg-schlesische Oberlausitz übergeben wurden. Weitere Bände, deren Restitution bevorsteht, stammen aus jüdischen Institutionen z.B. aus der 1938 beschlagnahmten Bibliothek des Jüdischen Museums Wien. Bei der Prüfung der deutschen Geschenkzugänge konnten weitere 330 Exemplare aus der Bibliothek der Potsdamer Loge „Teutonia zur Weisheit“ identifiziert werden. Von den ursprünglich 1.000 in den Bestand der Preußischen Staatsbibliothek eingearbeiteten Bänden aus dieser beschlagnahmten Logenbibliothek wurden 1965 bereits 639 Bände restituiert, so dass dieser Bestand jetzt als fast vollständig wieder aufgefunden gelten kann. Die Restitution der Bände ist in Vorbereitung.

Deutsch-russischer Bibliotheksdialog
Im Mai 2012 fand im russischen Perm das 3. Treffen des Deutsch-Russischen Bibliotheksdialogs zu kriegsbedingt verlagerten Büchersammlungen statt. In Anwesenheit von Bibliotheksvertreterinnen und -vertretern aus Berlin, Moskau, Dresden, Sankt Petersburg, Leipzig, Smolensk, Bremen, Perm und anderen Orten übergab Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf während der Veranstaltung neun Bücher, die während des Zweiten Weltkrieges von deutschen Truppen geraubt und im vergangenen Jahr in der Bibliothek des Botanischen Gartens und des Botanischen Museums der FU Berlin wiedergefunden worden waren. Sie überreichte die Bücher dem Rektor der Universität Smolensk. In Anwesenheit des stellvertretenden russischen Kulturministers, Grigori P. Iwlijew, wurden neue Erkenntnisse zu russischen Kriegsverlusten, zu in russischen Bibliotheken aufgefun___________________________ Kurzbilanz SBB 2012 | 8 von 33

denen, kriegsbedingt verbrachten Sammlungen aus Deutschland und zur Provenienzforschung in deutschen Bibliotheken ausgetauscht. Das nächste Treffen soll im Herbst 2013 in Deutschland durchgeführt werden.

Nationale Aufgabe Bestandserhaltung
Die seit August 2011 bei der SBB-PK eingerichtete „Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts“ (KEK), die vom Bund mit 500 T€/Jahr und von der Kulturstiftung der Länder mit 100 T€/Jahr finanziert wird, präsentiert im Herbst 2012 dem Kulturausschuss der Kultusministerkonferenz einen umfangreichen Bericht zur Tätigkeit der KEK. Mit der Arbeit der KEK sollen Bibliotheken und Archive bundeweit bei ihrer Aufgabe der Erhaltung des schriftlichen Kulturguts konzeptionell und mit Erkenntnissen aus Modellprojekten unterstützt werden. Im Jahr 2012 wurden 40 Projekte in Archiven, Bibliotheken und Museen finanziell gefördert. Erstmals beinhaltete die Förderung nicht allein die Erhaltung des Schriftguts selbst, sondern auch Aktivitäten, die die Öffentlichkeit für die Gefährdung des schriftlichen Kulturguts sensibilisieren sowie die Entwicklung und Stärkung von Fachkompetenzen für die Bestandserhaltung zum Ziel haben.

Projekte in der SBB
Neben den auf nationaler und internationaler Ebene von der SBB-PK koordinierten Projekten befasst sie sich mit zahlreichen Vorhaben, die teils in Kooperationen mit anderen Institutionen angelegt sind. 23 Projekte sind derzeit in der Planungsphase, d. h. es wurden für die Vorhaben Drittmittel beantragt oder die Projektorganisation befindet sich im Aufbau. 22 Projekte laufen bereits in den verschiedenen Abteilungen der SBB-PK, davon zahlreiche mit Hilfe von Drittmitteln. Ziel aller Projekte, die hier in einer Auswahl skizziert werden, ist stets, den Forschern den Zugang zu den Beständen der Bibliothek mit modernen Mitteln zu erleichtern und neue Forschungsfragen zu initiieren. Einzelne Projekte haben ein hohes Erkenntnis- und Innovationspotential, das die Entwicklung des Bibliothekswesens beflügeln wird:

Seit 2011 Koordination von Europeana Collections 1914-1918
Seit dem Jahr 2011 hat die SBB-PK die Federführung für das europäische Gemeinschaftsvorhaben Europeana Collections 1914-1918 zur digitalen Präsentation von 425.000 Materialien aus der Zeit des Ersten Weltkriegs inne. Im Auftrag der Europäischen Kommission, und von dieser mit 50% der Aufwendungen kofinanziert, bearbeiten bis zum Jahr 2014 zehn Nationalbibliotheken aus acht europäischen Ländern und zwei weitere Partnerinstitutionen Teile ihrer Weltkriegs-Sammlungen und werden diese via www.europeana.eu frei zugänglich machen. Aus ihren eigenen Sammlungen wird die SBB-PK knapp 7.000 Druckschriften, darunter auch Flugblätter, Karten, Notizbücher, Lieder___________________________ Kurzbilanz SBB 2012 | 9 von 33

bücher und Noten, digitalisieren und erschließen – vornehmlich Werke, die das Alltagsleben in den Kriegsjahren verdeutlichen. Bis Ende 2012 waren 2.500 Objekte bearbeitet und online in der Digitalen Bibliothek der SBB-PK präsentiert. Im Frühjahr 2013 werden diese Daten in europeana.eu sichtbar.

Seit 2012 auch Koordination von Europeana Newspapers
Für das im März 2012 aufgelegte Projekt „Europeana Newspapers“ hat die SBB-PK die Rolle als Koordinatorin übernommen, 19 Bibliotheken sind europaweit beteiligt. Im Lauf des Jahres wurde mit dem Auswahlprozess und der Zusammenstellung der Zeitungsexemplare für das Europeana Portal begonnen werden. In zwei technischen Workshops in Hamburg und Innsbruck wurden die Bearbeitungsverfahren abgestimmt. Die Webseite www.europeana‐newspapers.eu ging im Juni online, für die Projektarbeit wurde eine gemeinsame web-basierte Arbeitsoberfläche geschaffen. Bis heute hat das Konsortium alle vereinbarten Aufgaben erarbeitet und termingerecht an die EU Kommission übergeben, u.a. wurden Daten zu verfügbaren digitalisierten Zeitungen in Europa erhoben. Das Projekt wurde auf zahlreichen Konferenzen und Workshops auf hohem wissenschaftlichtechnischem Niveau europaweit vorgestellt.

Entwicklung zum Kompetenzzentrum Forschung und Information Musik
Das Projekt Kompetenzzentrum Forschung und Information Musik (KoFim) wird die SBB-PK zu einer Forschungsstätte ersten Ranges für Musik weiterentwickeln. Im Februar 2012 wurde die Arbeit daran aufgenommen. Das von der DFG geförderte Vorhaben ist auf sechs Jahre angelegt. Aus dem umfangreichen Autographenbestand der Musikabteilung werden über 10.000 Signaturen des 17. bis mittleren 19. Jh. erforscht und in der Datenbank RISM/Kallisto vertieft erschlossen. KoFim geht weit über konventionelle Erschließungsmethoden hinaus: Zentrale Rollen werden die Aspekte Schriftbild des Komponisten, Wasserzeichen und Provenienzen der Autographen spielen. Durch die Digitalisierung von Schlüsselseiten kann erstmals weit über verbale Beschreibungen hinausgegangen werden. Erwartet wird u.a., dass Querbeziehungen zu anderen Teilen der Musiksammlung erkennbar werden, die wichtige Aufschlüsse für die Musikgeschichte ergeben.

Von der DFG mitfinanziert
Die SBB-PK ist seit Frühjahr 2006 an dem Erschließungsprojekt Digitaler Portraitindex druckgraphischer Bildnisse der Frühen Neuzeit beteiligt, durch das etwa 257.000 druckgrafische Portraits online zusammengeführt und systematisch erschlossen werden sollen. Die SBB-PK steuert die Digitalisate von 22.000 Bildnissen bei. Seit Juni 2009 wird ein Online-Forschungsportal zur Presse und Publizistik der DDR aufgebaut. Alle Ausgaben der DDR-Zeitungen Neues Deutschland (1946-1990), Berliner Zeitung (1945-1990) und Neue Zeit (1945-1994) sind digitalisiert und werden mit komfortablen Werkzeugen den Benutzern der Bibliothek zur Recherche online zur Verfügung gestellt. Dabei wird mit dem Fraunhofer
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Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme kooperiert. Das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) liefert eine wissenschaftliche Forschungsumgebung zur Einordnung der Inhalte in den historischen Kontext. Dieses Projekt hat ein besonders hohes Erkenntnis- und Innovationspotential, da es zahlreiche Facetten eines Massendigitalisierungsvorhabens berührt und die Erkenntnisse daraus modellhaft für andere Vorhaben sein können: technisch-organisatorische Abläufe, Layout- und Texterkennungsprogramme, Präsentation der Ergebnisse mit verschiedenen Werkzeugen, Vernetzungen mit anderen Datenbeständen. Im Dezember 2012 standen die Jahrgänge 1946-1970 des Neuen Deutschland und die Jahrgänge 1945-1964 der Berliner Zeitung online zur Verfügung. Seit September 2012 gibt es Anreicherungen aus Docupedia, dem Portal des Kooperationspartners ZZF mit Aufsätzen zur DDR-Presse, zu historischen Einzelereignissen und mit biografischen Informationen präsentieren. Der Abschluss des Projekts ist für Ende Mai 2013 geplant. Seit Herbst 2009 werden Segmente des Bestandes des Sondersammelgebiets Ost- und Südostasien digitalisiert und erschlossen, darunter die Erwerbungen der Bibliothek im 18. und 19. Jh. an chinesischen und japanischen Drucken und Handschriften, des Weiteren die bedeutende tibetische Sammlung Waddel, die chinesische Sammlung Haenisch und die auf verschiedene Signaturenbereiche verteilten historischen mandschurischen Drucke und Handschriften. Seit Herbst 2009 werden die rechtshistorischen Quellen zum Deutschen Territorialrecht / Schwerpunkt deutsches Partikularrecht aus dem Publikationszeitraum 1801-1900 digitalisiert und erschlossen. Die SBB-PK besitzt – dank des Sondersammelgebiets Recht - den weltweit dichtesten Bestand zum deutschen Territorialrecht mit einem hohen Anteil seltener sowie unikaler Literatur, etwa 12.500 Bänden mit ca. 2,5 Mio. Seiten. 1.600 Werke wurden bereits im Digitalisierungszentrum der SBB-PK gescannt. Im November wurde ein externer Dienstleister mit dem Scan weiterer 4.650 Bände beauftragt. Von Mai 2010 bis Herbst 2012 wurden in einem Kooperationsprojekt mit dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte alle juristischen Zeitschriften des deutschen Sprachgebietes mit Erscheinungsbeginn 1703-1830, wie sie in der Bibliographie von Joachim Kirchner aufgeführt sind (247 Titel), digitalisiert. Die Images der Seiten der Zeitschriften sowie die Einzelbeiträge sind durch Metadaten formal erschlossen und stehen online zur Verfügung. Alle im Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 18. Jh. aufgeführten Werke werden in kooperativer Zusammenarbeit großer Bibliotheken digital erfasst und erschlossen. Es handelt sich um 600.000 Titel, die in ihrer Gesamtheit das Zeitalter der Aufklärung widerspiegeln, eine Epoche, in der Deutschland im Dialog mit den europäischen Nachbarn seine Nationalkultur ausbildete. Die SBB-PK steuert etwa 125.000 Drucke für das Projekt bei. In der Pilotphase werden seit Ende des Jahres 2009 etwa 14.000 Titel katalogisiert, digitalisiert, sachlich suchbar und durch Strukturdaten navigierbar aufbereitet.

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In Kooperation mit dem Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität Berlin werden seit Oktober 2010 die etwa 81.000 Briefe im Nachlass von Gerhart Hauptmann erschlossen, digitalisiert und künftig online zur Verfügung gestellt. Die Staatsbibliothek und das Deutsche Volksliedarchiv (Freiburg i.Br.) werden bis zum Ende des Jahres 2013 ihre herausragenden Sammlungen deutschsprachiger Liedflugschriften des 16. bis 20. Jahrhunderts inhaltlich erschließen, digitalisieren und im Internet präsentieren. Als Kooperationspartner beteiligt ist darüber hinaus das Österreichische Volksliedwerk Wien (eine Sondersammlung der Österreichischen Nationalbibliothek), das die Daten der dort bereits erschlossenen und digitalisierten Liedflugschriften dem Projekt zur Verfügung stellt. Damit umfasst das neu entstehende „Verzeichnis der deutschsprachigen Liedflugschriften digital“ künftig über 15.000 Flugschriften, die ca. 33.000 Lieder enthalten. Zur Weiterentwicklung des Workflows Goobi, der den gesamten Prozess der Auswahl, Digitalisierung, Erschließung, Speicherung und Präsentation aller Objekte und Daten für die Digitale Bibliothek der SBB-PK stützt, werden ein Jahr lang durch die DFG Mittel bereitgestellt, um das technische Design der Produktionsmodule ausarbeiten zu lassen.

Mit EU-Strukturfördermitteln finanziert
Im Wettbewerb „Digitalisierung und IT-Anwendungen von Einrichtungen der Informationsversorgung“ ermittelten im Herbst 2012 die beiden Senatsverwaltungen für Wirtschaft und Kultur des Landes Berlin solche Projekte, die ein hohes technisches Innovationspotential haben und mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert werden. Die SBB-PK setzte sich mit dem Plan, historische Berliner Tageszeitungen der Öffentlichkeit online zur Verfügung zu stellen, als einer der neun Gewinner des Wettbewerbs durch. Vier Tageszeitungen, die zwischen 1870 und 1932 erschienen und bestimmte soziale Milieus repräsentierten, werden innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre digitalisiert: Als Massenblätter das Berliner Tageblatt und die Berliner Volks-Zeitung, als eher regierungsnah die Deutsche Allgemeine Zeitung und als Medium für das Großbürgertum die Berliner Börsen-Zeitung. Sie gehören zu den am meisten nachgefragten historischen Zeitungen. Bearbeitet werden voraussichtlich 1,75 Millionen Zeitungsseiten.

Vom BKM mitfinanziert
Kurz vor ihrem Start stehen drei wegweisende Projekte, die ab dem Jahr 2013 vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert werden: • Teile der historischen Ostasiensammlung der SBB-PK, die sich seit dem Zweiten Weltkrieg in Krakau befindet, werden in Kooperation mit der dortigen Jagiellonen-Bibliothek digitalisiert und virtuell der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Sachliteratur für Kinder aus den Jahren 1507-1900 kann im kommenden Jahr digitalisiert und erschlossen werden.
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Das nationale Nachweissystem für die Erschließung und Digitalisierung von mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Buchhandschriften, Manuscripta Mediaevalia (ManuMed), wird für seine aus allen historisch arbeitenden Wissenschaftsdisziplinen stammenden Nutzer weiterentwickelt.

Mit Mitteln der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin finanziert
Sehr großzügig gestaltet sich die seit April 2012 realisierte Komplettfinanzierung einer Stelle für einen Wissenschaftler, was 18 Monate lang die Erschließung des Verlagsarchivs Vandenhoeck & Ruprecht, eine Schenkung aus dem Jahr 2011, ermöglicht.

Mit Mitteln der Robert Bosch Stiftung finanziert
Ebenfalls im Dezember 2011 begann die von der Robert Bosch Stiftung finanzierte Erschließung des Nachlasses Adelbert von Chamisso. Ziel des Projekts ist die Durchsicht, Ordnung, elektronische Verzeichnung und Digitalisierung sowie die angemessene Präsentation des Nachlasses Adelbert von Chamissos im Internet.

Forschungsinfrastruktur für Benutzer
Suchraum für Ostasiatica
Eine relativ neue Entwicklung im Bibliothekswesen ist die technische Gestaltung eines ‚Suchraums’. Mit Hilfe moderner Suchmaschinentechnologie werden eine Vielzahl unterschiedlicher Datenbestände optimiert in einem gemeinsamen Suchindex zusammengefasst, dieser kann von verschiedensten Suchanwendungen in Sekundenschnelle abgefragt werden. Seit April bietet die bei der SBB-PK angesiedelte Virtuelle Fachbibliothek Ost- und Südostasien CrossAsia eben solch einen Suchraum mit mehr als 90 Millionen Datensätzen. Die Suche integriert neben dem Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin (inkl. der mehr als 30 Millionen Einzeltitel aus dem Bereich Ostasien) und dem Online Guide East Asia auch die Nachweise der Nationallizenz-Datenbanken (Monographien und Zeitschriften).

Konversion von Zettelkatalogen
Neben den Nachweisen zu den Neuerwerbungen der SBB, die grundsätzlich elektronisch recherchierbar sind, gibt es noch konventionelle Nachweise, welche sukzessive in elektronische Form gebracht werden. Von den einst etwa 11 Mio. Katalogzetteln der SBB sind in der letzten Dekade etwa 9 Mio. konvertiert worden. Im April 2012 wurde die Konversion der fünfbändigen Bibliographie slawistischer Publikationen aus der Deutschen Demokratischen Republik aus den Jahren 1946 bis 1986 (BibSlawPub) für das Slavistik-Portal abgeschlossen. Die wichtigsten slawistischen Bibliographien aus dem gesamten deutschsprachigen Raum enthalten 19.600 bibliographische Datensätze, die jetzt komfortabel
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durchsucht werden können. Der bibliographische Datenpool Slawistik wird durch fachbezogene Bibliographien ergänzt, die in Kooperation mit zahlreichen Partnern aus Deutschland und Osteuropa ebenfalls in Datenbankform überführt wurden. Aktuell sind elf bibliographische Quellen mit rund 245.000 Datensätzen durchsuchbar. Die Konversion zweier konventioneller Kataloge zu Orientalia soll im Lauf des Jahres 2013 erfolgen.

Sacherschließung
Die hohe Qualität von Bibliothekskatalogen beruht wesentlich auf der Tiefe und Breite der sachlichen Erschließung einzelner Titel, was besondere Fachkenntnisse erfordert. Nach wissenschaftlichen Kriterien wurden im Jahr 2012 über 58.000 Titel entsprechend bearbeitet.

Revision des Altbestandes der Bibliothek
„Kriegsverlust möglich“ – seit 2006 hat sich die SBB-PK intensiv der nötigen Arbeiten zugewendet, um den Eintrag „Kriegsverlust möglich“ umzuwandeln in eine eindeutige Aussage, ob ein Buch vorhanden und somit ausleihbar ist oder ob es infolge von Kriegsereignissen als verloren anzusehen ist. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges umfasste der damalige Bestand der Bibliothek 3 Mio. Bände und dazugehörige Kataloge, die zum Schutz vor Kriegseinwirkungen in 30 Orte des damaligen deutschen Reiches ausgelagert wurden. Von dort kehrten in den Nachkriegsjahren nur rund 2,4 Mio. Bände und unvollständige Kataloge in beide Teile Berlins zurück, wo sie wiederum jahrzehntelang zwischen Ost und West geteilt waren und so keine grundlegende Revision der Bestände und der Kataloge möglich war. Erst vor einigen Jahren konnte der Altbestand wieder an einem Ort, im Außenmagazin Westhafen, zusammen aufgestellt werden. Von 2006 bis 2010 war es mithilfe vom JobCenter vermittelter Arbeitskräfte möglich, eine groß angelegte Revision des Altbestandes durchzuführen, also zu prüfen, welche Bücher im Krieg definitiv verloren gegangen sind und welche sich unversehrt in der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz befinden. Zur Klärung der Fakten wurden in den Magazinen die Katalogeinträge zu den einzelnen Bänden mit den in den Regalen vorhandenen Beständen direkt abgeglichen. In der gegenwärtigen zweiten Phase des Revisionsprojekts werden die im Online-Katalog der Staatsbibliothek, www.stabikat.de, noch vorhandenen Einträge „Kriegsverlust möglich“ sukzessive umgewandelt in „bestellbar“ oder „Kriegsverlust“. Waren es 2006 rund 1,8 Mio. „Kriegsverlust möglich“-Einträge im Online-Katalog, so sind es jetzt nur noch 500.000. Das Einspielen aller Daten wird im Jahr 2013 abgeschlossen sein, jedoch kann bereits jetzt jeder Zweifelsfall im direkten Gespräch mit den Auskunftsstellen der Bibliothek (persönlich, telefonisch, per Mail) geklärt werden, da intern alle Daten zur Verfügung stehen.

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Auskunftsdienste, Schulungen und Veranstaltungen für Benutzer
Wesentliches Standbein bei der Unterstützung der Klientel der SBB-PK sind Auskunftsdienste, Schulungsangebote und Sonderveranstaltungen des Wissenschaftlichen Dienstes: Knapp 2.600 Auskunftsstunden wurden im Informationszentrum im Haus Unter den Linden sowie am Informationspunkt und an der Lesesaalinformation im Haus Potsdamer Straße von den wissenschaftlichen Bibliothekaren an den stets besetzten Anlaufstellen erbracht. 480 Interessenten wurden während 85 Terminen in die Arbeit mit den Katalogen der Bibliothek eingeführt. 119 Mal bot der Wissenschaftliche Dienst im Rahmen seiner Wissenswerkstatt jeweils rund zweistündige Schulungsveranstaltungen zur fachlichen Literaturrecherche und insbesondere zur Nutzung elektronischer Medien an. Auch zahlreiche neue Themen, z.B. „Literaturverwaltung“ oder „Apps für die Wissenschaft“, wurden ins Programm aufgenommen und stießen auf großes Interesse. Insgesamt nutzten 1040 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese Angebote. 11 Veranstaltungen wurden von den Sonderabteilungen angeboten. Zum zweiten Mal fand im Frühjahr der E-Day statt: Über 500 Interessenten – Schüler/innen, Studierende, Fachkollegen anderer Einrichtungen, Wissenschaftler/innen sowie allgemein interessierte Gäste - informierten sich den ganzen Tag über in 32 Veranstaltungen über das umfangreiche Angebot elektronischer Ressourcen der Staatsbibliothek. Die abschließende Podiumsdiskussion über die Erwartungen in Forschung und Lehre an die Staatsbibliothek bot die Gelegenheit zum direkten Austausch mit unseren Zielgruppen.

SBB-PK als Dienstleister für Bibliotheken und Archive
Die Abteilung Überregionale Bibliographische Dienste erbringt Leistungen für das gesamte Bibliohekswesen, indem sie den nationalen Verbund Zeitschriftendatenbank (ZDB) betreibt und weiterentwickelt, redaktionell die Gemeinsame Körperschaftsdatei (GKD) betreut, und - zusammen mit der Deutschen Nationalbibliothek, der Bayerischen Staatsbibliothek, der Österreichischen Nationalbibliothek und anderen regionalen Verbundbibliotheken – die Deutsche ISIL-Agentur (International Standard Identifier for Libraries an related Organizations) sowie die Sigelstelle führt. In der Zeitschriftendatenbank waren Ende des Jahres Daten zu 1,647 Mio. Zeitschriftentiteln hinterlegt, welche in 4.400 Bibliotheken aufbewahrt werden. Die GKD führt stets aktuell die Daten zu über 1,63 Mio. Institutionen, Vereine, Gesellschaften, Staaten, Gemeinden u.a. Im Jahr 2012 begann die Abteilung, die früher bibliotheksspezifisch angelegte ISIL-Datei zu einer spartenübergreifenden „Kulturdatei“ weiterzuentwickeln: Zu finden sind jetzt die Kerndaten nicht nur zu 6.064 Bibliotheken, sondern auch zu 6.672 Museen und bislang 513 Archiven. Im Jahr 2013 soll die Integration der Daten zu allen noch nicht aufgeführten Archiven zu Ende geführt werden.
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Tagungen, Konferenzen
Vom 20. bis 22. Juni veranstaltete die Mendelssohn-Gesellschaft e.V. gemeinsam mit der SBB-PK und weiteren Kooperationspartnern in der Mendelssohn-Remise in der Jägerstraße und im Centrum Judaicum den wissenschaftlichen Kongress 250 Jahre Familie Mendelssohn. Anlässlich der 250sten Wiederkehr der Hochzeit von Moses Mendelssohn mit Fromet Gugenheim am 22. Juni 1762 befassten sich rund 25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen aus dem In- und Ausland mit herausragenden Einzelpersonen wie auch übergreifenden Themen dieser geschichtsträchtigen Familie, deren Mitglieder das deutsche Geistes-, Kultur- und Wirtschaftsleben über mehr als eineinhalb Jahrhunderte hinweg in vielfältiger Weise bereichert und geprägt haben. Vom 19. bis zum 22. September fand im Simón-Bolívar-Saal die 23. Konferenz der European Association of Japanese Resource Specialists (EAJRS) zum Thema Bridging the Gap – Past and Present Japanese Resource in the Digital Age statt. 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern kamen aus 17 Ländern.

Stipendienprogramm der SPK
Für das Stipendienprogramm 2012 der SPK hatten sich in der SBB-PK 28 Interessenten aus elf Ländern beworben. Fünf Wissenschaftlerinnen und zwei Wissenschaftler aus Italien, Polen, Russland und Großbritannien widmeten sich Forschungsvorhaben von der Altertumswissenschaft über Theologie und Kirchenmusik, Philosophie, Romanistik bis zu Schulbuch- und Bildungsgeschichte. Betreut wurden die Stipendiaten von den jeweils fachlich zuständigen Fachreferenten der Sonderabteilungen und des Wissenschaftlichen Dienstes. Fünf der Stipendiaten stellten ihre Forschungsergebnisse in Werkstattgesprächen und damit in einer breiten Öffentlichkeit zur Diskussion. Ausblick 2013: Aus 20 eingegangenen Bewerbungen konnten fünf Stipendiatinnen und zwei Stipendiaten die Zusage erteilt werden. Die Anträge kamen aus zehn Ländern. Auch dieses Mal ist der Anteil der Postdoc-Stipendien wieder deutlich höher als der der Graduierten- bzw. DoktorandenStipendien. Die Forschungsaufenthalte verteilen sich auf alle zwölf Monate.

Wissenstransfer
Die SBB-PK ist seit dem Jahr 2010 Kooperationspartner der Yemeni-Manuscript-DigitizationInitiative (YMCI). Das von der Princeton University Library und der FU Berlin initiierte und gemeinsam
von dem National Endowment for the Humanities und der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt betreut die Digitalisierung arabischer Handschriftensammlungen in Privatbibliotheken im Jemen. Die Handschriftenschätze im Jemen sind aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Umstände besonders von Raub, Zerstörung, Plünderung und illegalem Verkauf bedroht. Gerade im Jemen befinden sich jedoch
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Handschriften von außerordentlicher Bedeutung, da sich in den schwer zugänglichen Gebieten an der Peripherie der arabischen Welt Überlieferungen erhalten haben, die in anderen Regionen der arabischislamischen Welt als verschollen gelten. - Im Mai 2012 traf man sich, um den erreichten Stand der Ar-

beiten seit 2010 zu erörtern. Das Ziel des damaligen ersten Workshops der Initiative war es, die Teilnehmer aus Jemen so zu qualifizieren, dass sie vor Ort die jemenitischen Handschriften so rasch wie möglich digitalisieren können. Anhand der in der SBB-PK vorhandenen jemenitischen Handschriften übten die künftigen Scanoperateure an von den amerikanischen Partnern mitgebrachter Technik das Scannen der Werke. Die Technik und das KnowHow wurden nach Jemen mitgenommen, dort gelang es unter schwierigsten äußeren Bedingungen, drei private Bibliotheken zu digitalisieren.

Das Angebot der Wissenswerkstatt (s.a. Forschungsinfrastruktur), wurde im Jahr 2012 abgerundet durch zwölf gut besuchte Werkstattgespräche zu aktuellen Forschungsvorhaben, darunter zu den Themen Berlins 19. Jahrhundert – Der Weg zur Metropole zwischen Einheitsgedanken und Widerspenstigkeit, Logik und Psychologie bei Kant, der Gerhart-Hauptmann-Nachlass in der SBB-PK, Die nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NAPOLA) in der Geschichtswissenschaft: Forschungsperspektiven im Wandel und neue Rechercheansätze, 125 Jahre Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Gelehrte Journale und Zeitungen als Netzwerke des Wissens im Zeitalter der Aufklärung, Kirchengeschichte, Amerikabilder: Identität und Migration in preußischen und deutschamerikanischen Schulbüchern. Auf Initiative des Deutschen Bibliotheksverbandes (DBV) besuchten zahlreiche Mitglieder des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages im Januar das Digitalisierungszentrum der Staatsbibliothek zu Berlin. Den Kontext stellte das Thesenpapier des DBV: „Deutschland braucht eine nationale Digitalisierungsstrategie“ aus dem Jahr 2011. Erläutert wurden die komplexen Arbeitsabläufe sowie strategische Fragen der Digitalisierung und deren Finanzierung. Mit einem Stipendium des Goethe-Instituts Delhi besuchten, wie schon in den Jahren 2010 und 2011, zwei Doktoranden im Fach Documentation Science aus Bangalore/Indien die SBB-PK für sechs Arbeitstage. Sie besuchten neben anderem die Abteilungen für Überregionale Bibliographische Dienste, die Orientabteilung, das Digitalisierungszentrum, die Abteilung für Informations- und Datenmangement und die Referate für E-Ressourcen und Fachinformation. Während des 101. Deutschen Bibliothekartags in Hamburg hielten wie jedes Jahr zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Vorträge und gaben Workshops zur Vermittlung ihrer speziellen Kenntnisse an die Fachkollegen aus anderen Bibliotheken und Archiven. Folgende Vorträge und Moderationen seien hier beispielhaft genannt: • Der Leiter der Abteilung Informations- und Datenmanagement stellte im Rahmen von „Massendigitalisierung mit Goobi“ das „Goobi Lab: Weitere Perspektiven für Produktions- und Präsentationsmodule“ vor (siehe auch Projekte/DFG-gefördert).

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Die Leiterin der an der SBB-PK angesiedelten Arbeitsstelle trug die Aktivitäten der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts vor. Die Baubeauftragte der Bibiothek berichtete über die „Sanierung von Bibliotheksgebäuden der 60-er und 70-er Jahre des 20. Jahrhunderts – am Beispiel der Scharounbau der Staatsbibliothek zu Berlin: Architektur – Atmosphäre – Asbest“. Eine Mitarbeiterin der Abteilung Bestandsaufbau präsentierte „Amtsdruckschriften ‚to go’ – neue Zugänge zu amtlichen Dokumenten“. Eine Mitarbeiterin der Zentralen Webredaktion erläuterte „Sammlungen als Herz der Bibliothek: Das Sammlungsportal auf den Seiten der SBB-PK“. Die Generaldirektorin stellte „Sieben Leitthemen für die Zukunft – Qualitätsmanagement an der Staatsbibliothek zu Berlin“ vor. Der Leiter des an der SBB-PK angesiedelten Projekts „Europeana Collections 1914-1918“ sprach aber die Digitalisierung von 425.000 Bibliotheksobjekten aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Der Fachreferent für Rechtswissenschaften erläuterte „Lizenzen für von Bibliotheken ins Netz gestellte Digitalisate“.

Im August nahm Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf auf dem in Helsinki stattfindenden Kongress der International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA) an einer Tagung in der Finnischen Nationalbibliothek teil, die sich mit dem Marketing für seltene Bücher, Handschriften und andere Sondermaterialien im digitalen Zeitalter befasste. Zugleich präsentierte sie das Konzept des Bibliotheksmuseums, welches im zweiten Bauabschnitt im Haus Unter den Linden eingerichtet wird.

Personalentwicklung
Die Professionalität und Innovationskompetenz der Beschäftigten zu erhalten und zu fördern, ist eines der strategischen Ziele der SBB-PK. Dies gelingt u. a. durch ein ständig zu aktualisierendes Fortbildungsprogramm, durch Betriebliches Gesundheitsmanagement und mit der Umsetzung eines gemeinsam getragenen Gleichstellungsplans.

Fortbildung
Neben den Angeboten externer Fortbildner wurde in den vergangenen Jahren ein internes Schulungsangebot zu bibliothekarischen Anwendungen von und für Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgebaut. Im Jahr 2012 konnten mit 12 ein- bis zweistündigen Schulungen zu Themen wie „Nachweisinstrumente der Ostasiensammlung“, „Schimmelpilze erkennen“, „Der Digitalisierungsgeschäftsgang in der SBB“ oder „Praktische Einführung in das AuskunftsWiki InfoPool“ 176 Beschäftigte aus fast allen Abteilungen, das sind etwa 20 % der Belegschaft, erreicht werden.

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Gesundheitsmanagement
Seit einigen Jahren hat die SBB-PK präventive Maßnahmen im Rahmen ihres Betrieblichen Gesundheitsmanagements im Angebot. Darunter sind jährliche Gesundheitstage genannt, an denen die Beschäftigten zu gesundheitsrelevanten Themen informiert und für gesundheitsbewusste Verhaltensweisen sensibilisiert werden. Im Jahr 2012 stand der Gesundheitstag unter dem Motto Mahlzeit! Gesund ernähren im Arbeitsalltag. Etwa 500 Beschäftigte - in der Mehrzahl aus der Staatsbibliothek, aber auch Interessierte aus anderen Stiftungseinrichtungen – besuchten die Vorträge und Informationsstände.

Gleichstellungsplan
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eines der Oberziele des Gleichstellungsplans der SBBPK. Verwirklicht wird dies unter anderem dadurch, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Angehörige betreuen, einen Teil ihrer Wochenarbeitszeit am heimischen Telearbeitsplatz erbringen können. Im Jahr 2012 haben davon 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gebrauch gemacht.

SBB als Ausbildungsstätte
Bibliotheksreferendare
Die Bibliotheksreferendare des Jahrgangs 2010-2012 schlossen erfolgreich ihre Abschlussprüfung an der Bibliotheksakademie in München ab, alle konnten bereits vor Abschluss ihrer Ausbildung zum Berufseinstieg befristete Stellen erlangen. Derzeit sind acht Referendare an der SBB-PK beschäftigt: Drei Kolleginnen und Kollegen im Jahrgang 2011-2013 sind derzeit zur theoretischen Ausbildung an der Bibliotheksakademie Bayern, fünf Kolleginnen und Kollegen sind seit Oktober 2012 zur praktischen Ausbildung in der SBB-PK.

Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste
Die sechs Auszubildenden im FaMI-Ausbildungsjahrgang 2009-2012 schlossen im August 2012 erfolgreich ihre Ausbildung ab. Fünf von ihnen nahmen die Angebote für befristete Stellen in der SBB-PK an, eine Absolventin hat ein Studium aufgenommen. Zurzeit bildet die Staatsbildung zwölf FaMI in den Ausbildungsjahrgängen 2010-2013, 2011-2014 und 2012-2015 aus: In der Fachrichtung Bibliothek absolvieren im dritten und zweiten Ausbildungsjahr jeweils vier FaMI und im ersten Ausbildungsjahr drei ihre Ausbildung. In der Fachrichtung Bildagentur absolviert im ersten Ausbildungsjahr eine FaMIe ihre Ausbildung. Für den Ausbildungsjahrgang 2013-2016 bietet die SBB drei FaMI-Ausbildungsstellen in der Fachrichtung Bibliothek an. Das Ausschreibungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.
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Boy’s Day
Im April bot die SBB - ergänzend zum etablierten, von der Gleichstellungsbeauftragten organisierten Girl's Day – bereits zum zweiten Mal einen Boys' Day an. Beide Veranstaltungen widmen sich der beruflichen Orientierung von Jugendlichen. Besonders begrüßenswert ist, dass der Boys' Day jeweils von den FaMI-Auszubildenden des 2. Ausbildungsjahrs konzipiert und durchgeführt wird.

Kooperationen in der Lehre anderer Institutionen
Auch im Jahr 2012 gestaltete das E.T.A. Hoffmann-Archiv der SBB-PK zweistündige Workshops für Abiturientinnen und Abiturienten veranstaltet. Die Jugendlichen arbeiteten eigenständig und angeleitet zur Illustrations- und Rezeptionsgeschichte von Hoffmanns „Goldener Topf“ bzw. „der Sandmann“ – beides Schwerpunktthemen des Berliner und Brandenburger Deutschunterrichts in der Sekundarstufe II. In Kooperation mit dem Landesinstitut für Schule und Medien BerlinBrandenburg (LISUM) und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft wurden 18 Termine angeboten, an den rund 300 Schülerinnen und Schüler teilnahmen. Die Veranstaltung fand im Jahr 2012 zum ersten Mal auch für Brandenburger Lehramtsreferendare statt, um eine Übernahme des Konzepts in die Schulen zu unterstützen. Zur Vorbereitung eines neuen Angebots zur Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern der gymnasialen Oberstufe führten die Wissenschaftlichen Dienste im Oktober einen ersten Workshop durch, um die Wünsche und Anforderungen dieser Zielgruppe zu evaluieren. Im Februar 2013 findet unter dem Motto „Stabi macht Schule“ die erste Veranstaltung für die Kernfächer Deutsch, Geschichte, Englisch und Sozialkunde statt. An der Fachhochschule Potsdam führte Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf im Sommersemester 2012 für den Fachbereich Informationswissenschaften ein Seminar mit dem Titel „Das Ende der Bibliothek?“ durch. Im Jahr 2012 besuchten mehrere Berufsschulklassen von der Louise-Schroeder-Berufschule und vom Oberstufenzentrum Bürowirtschaft und Verwaltung mit ihren FaMI-Klassen und ausländischen Gästen die SBB-PK.

Präsenz im Web, Social Media
Anfang Januar 2012 fand das Jubiläumsjahr einen besonderen Abschluss: Mit der kostenfreien App Kulturschätze aus den Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin kann nun auch eine breite Öffentlichkeit, ohne zeitliche oder örtliche Begrenzung, 24 der berühmten Schätze der Bibliothek virtuell erleben. Die für das iPad entwickelte App richtet sich an all jene, die an kulturhistorischen und wissenschaftlichen Kostbarkeiten interessiert sind. Die von Bettina Flitner für die Ausstellung Die Staatsbibliothek und ich gefertigten Bilder sind Einstiegspunkt in die multimediale Erlebniswelt.
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Unikate aus den Sondersammlungen der SBB-PK können eingehend studiert und können, wie das Gedicht Wer bin ich? von Dietrich Bonhoeffer in ihrer Interpretation genossen werden. Der Wissenschaftliche Dienst bot mit „SBB 140x140“ in sozialen Medien in dichter zeitlicher Folge Informationen für Benutzer: Von Mai bis November wurden an 140 Tagen mit maximal 140 Zeichen (Twitter-Länge) Informationen und Tipps zu Beständen, Nachweissystemen, Schulungen, Veranstaltungen und anderen Tätigkeitsbereichen über twitter@sbb_news kommuniziert. Die Resonanz zeigt eine deutliche Steigerung der Sichtbarkeit der SBB-PK in den sozialen Medien: Die Follower-Zahlen entwickelten sich im genannten Zeitraum von 688 auf 890 Follower. Die Tweets wurden allein bei Twitter über 200 Mal zitiert, erwähnt bzw. favorisiert. Nach der Präsenz der Bibliothek auf Facebook und Twitter – beide seit 2010 – gibt es nun auch seit Dezember 2012 einen eigenen Youtube-Kanal: Hinterlegt sind derzeit ein Zeitraffer-Film, der die Errichtung des neuen Lesesaals von 2005 bis 2011 dokumentiert, sowie ein Video, das den Chor der SBB-PK Bibliotheca Musica mit seiner Interpretation des in der Musikabteilung aufbewahrten Musikautographs zu Beethovens 9. Sinfonie zeigt.

Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V.
Die Freunde der Staatsbibliothek haben sich im Jahr 2012 – über die bereits genannte Projektförderung hinaus – wieder sehr für die SBB-PK engagiert. Von außerordentlich hoher Bedeutung für beide Seiten war die Aktion Helfende Hände, bei der sich 40 Mitglieder des Freundeskreises als echte, zupackende Freunde erwiesen: Von August bis November halfen an allen Wochentagen jeweils ein bis zwei Freunde sowie stets die Leiterin der Geschäftsstelle im Magazin Unter den Linden, etliche Regale zu überprüfen und Bücher, die noch nicht an ihrem endgültigen Standort angekommen waren, dorthin zu sortieren. Insgesamt haben sich 40 Personen beteiligt und der SBB-PK 370 Arbeitsstunden geschenkt. Für diese unschätzbar wertvolle Hilfe bedankten sich die Mitarbeiter und die Leitung des Magazins bei ihren Freunden mit einer Feierstunde. Erneut unterstützten die Freunde einige Erwerbungen, die die SBB-PK sonst nicht hätte realisieren können: Geradezu sensationell ist die gemeinsam mit der Kulturstiftung der Länder, der Bernd H. Breslauer Foundation (New York) und der SBB-PK finanzierte Erwerbung einer über 700 Jahre alte mittelalterliche Sammelhandschrift mit drei amourösen Versgedichten. Erheblichen Anteil hatten die Freunde auch an der Finanzierung des Kaufs des Autographs des 2. Klavierkonzerts von Carl Maria von Weber. Zum einen steuerten die Freunde eine großen Beitrag zur Gesamtsumme bei, zum anderen nutze der Vorsitzende des Freundeskreises seine Kontakte zur Wüstenrot-Stiftung und konnte so einen weiteren bedeutenden Beitrag zu dieser Erwerbung motivieren. Vollständig finanziert haben die Freunde den Kauf eines Konvoluts der Korrespondenz von Herwarth Walden mit dem rumänischen Herausgeber eines Sturm-Sonderheftes, Sasa Pana. Beim Kauf des Teilnachlasses von Heinrich Hoffmann von Fallersleben - ca. 400 Briefe des Dich___________________________ Kurzbilanz SBB 2012 | 21 von 33

ters an die Familie sowie ca. 900 Briefe, Tagebücher und anderes aus seinem Umkreis – beteiligten sich die Freunde wieder mit einem beachtlichen Teilbetrag. Sehr großzügig gestaltet sich auch die seit April 2012 realisierte Komplettfinanzierung einer Stelle für einen Wissenschaftler, der 18 Monate lang die Erschließung des Verlagsarchivs Vandenhoeck & Ruprecht, eine Schenkung aus dem Jahr 2011, ermöglicht. Nicht realisierbar wäre ein Highlight zu den Feierlichkeiten 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm gewesen, wenn nicht wieder die Freunde der SBB helfend zur Seite gestanden hätten: Sie übernahmen die Kosten für die Gestaltung der Ausstellung und den gleichnamigen Katalog „Rotkäppchen kommt aus Berlin“, gezeigt von November 2012 bis Januar 2013. Den diesjährigen Max-Herrmann-Preis überreichte der Vorsitzende der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e V., Senator e.h. Prof. Dr. h.c. mult. Klaus G. Saur, dem israelischen Bildhauer Micha Ullman. Die Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. ehrten mit diesem Preis den bildenden Künstler für sein Mahnmal „Bibliothek“ zum Gedenken an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem heutigen Berliner Bebelplatz. Dieses Zeichen der Erinnerung ist ein Ort, an dem Verlust und Verschwinden zu einer dauerhaften Form gefunden haben. In seiner Laudatio auf Micha Ullman hob der Theologe Prof. Dr. Christoph Markschies die Gleichzeitigkeit von Geschichte, Gegenwart und Zukunft im Werk Micha Ullmans hervor. Zum elften Mal und zwölften lud der Vorsitzende der Freunde der SBB-PK zu seiner Veranstaltungsreihe „Ein Abend für … Was ich Sie schon immer fragen wollte“ ein: Im Mai begrüßte er Professor Dr. Wolfgang Huber, den ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland und Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Im November war die Verlegerin Maria Müller-Sommer sein Gast, beide fanden in ein für alle Gäste vergnügliches Gespräch

Weitere Förderer und Spender
Die großzügigsten Förder – neben der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die dauerhaft die SBBPK vor allem beim Aufbau und der Pflege der Sondersammelgebiete unterstützt – waren im Jahr 2012 die sich erneut bei Erwerbungen engagierenden Bernd H. Breslauer Foundation (New York), Kulturstiftung der Länder, Wüstenrot Stiftung, des Weiteren die Deutsche Bank und die RudolfAugust Oetker-Stiftung für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Denkmalpflege. Bedeutende Schenkungen für die Sammmlungen der SBB-PK übergaben – neben vielen hier nicht genannten Mäzenen – die Urenkel des Harfenisten und Komponisten Franz Poenitz, die Firma Kubon & Sagner sowie Herr Rolf H. Neumann. Für die festliche Gestaltung von Veranstaltungen konnte sich die SBB-PK über die Unterstützung durch die Dussmann AG sowie die Berliner Firmen KMS Beratungs- und Planungsgesellschaft, BAL Bauplanungs- und Steuerungs GmbH, Innius Dö GmbH und DU Diederichs freuen.
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Ausdrücklich gedankt sei aber auch allen hier nicht genannten Spendern und Schenkern, die den Sammlungen der Bibliothek in jedem Jahr wieder einen wertvollen Zuwachs an Büchern, Autographen und anderen Materialien bescherten!

Bpk Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte
Die bpk Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte, ein zentraler Mediendienstleister der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, hat ihre sehr positive Geschäftsentwicklung auch im Jahr 2012 fortgesetzt. Zum Ende des Jahres gelang es, für das von der Bildagentur in Kooperation mit über 100 erstrangigen Museen und anderen Kultureinrichtungen des In- und Auslands betriebene Bildportal der Kunstmuseen mit der British Library einen neuen gewichtigen Partner zu gewinnen. In den ersten Wochen des Jahres 2013 werden ca. 30.000 hochwertige Digitalisate von den bedeutendsten Sammlungsgegenständen dieser Bibliothek eingespeist. Darunter sind die Magna Charta, Shakespeares First Folio, das chinesische Diamant-Sutra, die Notizbücher von Leonardo da Vinci, zwei Gutenberg-Bibeln, bedeutendste Handschriften, Karten, Musikautographen, historische Drucke und frühe Fotografien. - Das Bildportal der Kunstmuseen ist ein öffentlich-rechtlicher One-Stop-Shop, an dem bereits viele der bedeutendsten Kunstmuseen und Bibliotheken Deutschlands, Frankreichs, Italiens und der Vereinigten Staaten teilnehmen, aus Großbritannien auch das British Museum und die Stiftung National Trust.

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Erwerbungen und Bestandsaufbau
Der Erwerb von Monographien und sonstigen Druckwerken blieb, gemessen am Vorjahr, in etwa gleich, jetzt besitzt die Bibliothek knapp 11,16 Mio. Bücher sowie gebundene Zeitungen und Zeitschriften. Für die Sondersammlungen wurden weniger Erwerbungen getätigt als in den Vorjahren, ein wesentlicher Faktor hierbei ist stets das Angebot auf dem Markt. Der Abnahme der laufend gehaltenen gedruckten Zeitschriften um etwa 500 steht ein Anstieg bei elektronischen Zeitschriften von etwa 2.000 laufend gehaltenen gegenüber.

2012 Zuwachs Bücher, gebundene Zeitungen und Zeitschriften Sonstige Druckwerke wie Karten, Pläne, Noten, Einblattmaterialien Handschriften und Autographe Davon Musikautographe Orientalische Handschriften Nachlässe, Archive Sonstige Materialien wie Mikroformen, Kunstdrucke, Postkarten, CD-ROM, AV-Materialien Laufend bezogene gedruckte Zeitschriften Lizensizerte elektronische Zeitschriften Digitale Einheiten (ohne elektronische Zeitschriften) Darunter Datenbanken 24.300 121.000 Bestand 11,157.000

2011 Bestand 11,036.000

12.500

1,84200

1,830.000

168 6 57 7 10.500

450.801 66.687 42.233 1.644 10,420.500

450.633 66.681 42.176 1.637 10,410.000

23.998

24.475

24.427

22.414

430.700

405.000

4.910

4.833

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Besondere Erwerbungen, Geschenke, Rückkehrer
Die herausragendste Erwerbung für die Musikabteilung war kurz vor Ende des Jahres 2012 das Autograph des Klavierkonzerts Nr. 2 Es-Dur op. 23 von Carl Maria von Weber. Niedergeschrieben hat Weber diese Komposition vor genau 200 Jahren. Da die SBB-PK bereits eine Abschrift des Klavierkonzerts mit eigenhändigen Korrekturen von Carl Maria von Weber sowie den Erstdruck des Werkes aufbewahrt, entsteht für die Wissenschaft eine exzellente Quellenlage. Diese Erwerbung war nur dank des Einsatzes grozügiger Spender möglich, diese waren die Deutsche Bank, die Rudolf-August Oetker-Stiftung für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Denkmalpflege, die Wüstenrot-Stiftung, die Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. und die Kulturstiftung der Länder. Die Urenkel des Harfenisten und Komponisten Franz Poenitz (1850-1912) schenkten der Staatsbibliothek zu Berlin den Nachlass des Künstlers, der fast 50 Jahre lang der Königlichen Hofkapelle Berlin als 1. Harfenist angehörte. Der Todestag Poenitz’ jährt sich am 19. März zum 100. Mal. Die Musikabteilung konnte ein kleines Konvolut von Briefen des aus Italien stammenden Komponisten Gaspare Spontini erwerben, der von 1820 an zwei Jahrzehnte lang als Preußischer Generalmusikdirektor das Berliner Musikleben maßgeblich prägte. Die an verschiedene Adressaten gerichteten Briefe stammen teils aus Spontinis Berliner Amtszeit, teils aus späteren Jahren und beleuchten ganz unterschiedliche Aspekte seines Wirkens. - Im Frühjahr konnte ein Brief Frederic Chopins an Camille Pleyel aus dem Jahr 1842 entgegen genommen werden, der 60 Jahre lang von der Bibliothek vermisst wurde. Vor allem dem Chopin-Museum in Warschau war für umsichtiges und partnerschaftliches Handeln bei der Wiederschaffung des wertvollen Briefes zu danken. Der Brief, welcher dem Warschauer Museum zum Kauf angeboten wurde, befand sich mit hoher Wahrscheinlichkeit unter einer Reihe von Autographen, die 1951 aus der Staatsbibliothek in Ostberlin gestohlen worden waren. Für die Handschriftenabteilung wurde eine kleine, schmale und unscheinbare, über 700 Jahre alte mittelalterliche Sammelhandschrift erworben, die mit ihren drei amourösen Versgedichten die germanistische Forschung beflügeln wird. Gemeinsam finanzierten die Kulturstiftung der Länder, die Bernd H. Breslauer Foundation (New York), die Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. und die Bibliothek selbst diesen Ankauf aus italienischem Besitz und brachten so die bis dato völlig unbekannte Sammelhandschrift aus dem späten 13. Jahrhundert in öffentlichen Besitz. Auf 16 Blättern sind drei mittelhochdeutsche Verserzählungen, „Mären“. Das Bändchen war mit 7,5 x 5,5 cm gerade groß genug, um vom Besitzer im Gewand oder Gepäck mitgeführt zu werden, vermutlich stammt es aus Bayern. Für die Sammlung Deutscher Drucke 1871-1912 wurden von der Abteilung Historische Drucke sowie den Musik-, Karten-, Zeitungs- sowie Kinder- und Jugendbuchabteilungen 01; in der Musikabteilung endet der erweiterte Sammlungszeitraum erst mit dem Erscheinungsjahr 1945. Die Staatsbibliothek zu Berlin erwarb im Rahmen der Sammlung Deutscher Drucke im Kauf 448 bibliographische Einheiten zu einem Gesamtpreis von 72.767,51 €.
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Herr Rolf H. Neumann schenkte der Bibliothek die vergangenen dreißig Jahrgänge des Periodikums „Einst und jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung“, die in der SBB-PK bislang nicht vorhanden waren. Die Firma Kubon & Sagner stellte unentgeltlich die Lizenz für aktuelle, digitale Publikationen des Verlags Otto Sagner zur Verfügung, das überwiegend Titel zur Slawistik und Osteuropäischen Geschichte enthält und auch im Fernzugriff von den registrierten Nutzerinnen und Nutzern der SBB-PK eingesehen werden können.

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Benutzung
2012
Bibliotheksbesuche Unter den Linden, Potsdamer Straße, Westhafen Aktive Benutzer mit Jahres- oder Wochenkarte Im Jahr 2012 verkaufte Jahreskarten Im Jahr 2012 verkaufte Monatskarten Benutzte physische Einheiten mit Verlängerungen und Fernleihe Suchanfragen in Online-Katalogen Online-Nutzung der Angebote insgesamt in Stunden Übertragene Gigabyte Besuchte Websites 61.306 811 7,577.000 935.207 33.954 22.997 6.321 1,315.575

2011
1,029.944 33.463 23.558 6.634 1,368.298 13,807.000 31.000 800 k.A.

2010
736.341 34.308 22.353 10.592 931.572 13,201.799 10.000 588 k.A.

Die Benutzungszahlen sind im Vergleich der Jahre 2011 und 2012 nahezu gleichbleibend. Im Vergleich zum Jahr 2010 hat sich die Intensität der Benutzung einzelner Bände von 27,1 je Person auf 38,7 gesteigert.

Verbesserung des Benutzungskomforts
Im Jahr 2012 konnten Benutzerinnen und Benutzer erneut von einem verbesserten Komfort profitieren. Unter anderem wurde für persönliche Nutzer das Kontingent für Ausleihe-außer-Haus von 20 auf 30 Bände erhöht, sodann die Anzahl der möglichen Vormerkungen zur späteren Ausleihe von 10 auf 60 erhöht und die Frist für die Wiederbestellbarkeit von zurückgegebenen Bänden von sieben auf vier Tage gesenkt. Bereits registrierte persönliche Benutzer können jetzt ihren Bibliotheksausweis auch online verlängern. Anfang Oktober konnte der elektronische Benutzerausweis in Betrieb gehen. Auf diesem sind alle wichtigen Daten gespeichert, die für beide Seiten – die Benutzer und die Bibliothek – die Abläufe so effizient wie möglich gestalten, darunter Informationen zu offenen Gebühren und zur Gültigkeit des Ausweises.

Erhaltung der SBB-Bestände
Die Aufwendungen für die Erhaltung der konventionellen Bestände der SBB-PK sind auch im Jahr 2012 um einige Prozentpunkte zurückgegangen: Gegenüber dem Jahr 2011, in dem etwa 1,5 Mio. €
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für die Beseitigung von Schäden aller Art sowie für den sofortigen Neueinband von Erwerbungen ausgegben werden konnten, sank diese Summe auf knapp 1,33 Mio. €, das sind etwa 11% weniger.

Führungen für die Öffentlichkeit
Allgemeine Führungen zur Geschichte und Funktion der Bibliothek sowie zu ihren Gebäuden
Unter den Linden: 95 Führungen mit ca. 4.800 Teilnehmern (darunter die Führungen in der Woche vom 10. bis 15. Dezember nach der Schlüsselübergabe für die Neubauten) Potsdamer Straße: 84 Führungen mit ca. 1.600 Teilnehmer Westhafen: 23 Führungen, ca. 250 Teilnehmer Führungen wurden auf Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch gehalten. Hinzu kommen ungezählte Kurzführungen der Sonderabteilungen für ihre Benutzer und Gäste aus aller Welt und allen Sprachregionen.

Tag der offenen Tür im Haus Unter den Linden
Am 15. Dezember 2012 kamen etwa 4.000 Besucher in das Haus Unter den Linden der SBB-PK, um die soeben fertig gestellten, vom Stuttgarter Architekten HG Merz entworfenen Lesesäle und Magazine in Augenschein zu nehmen und sich über die weitere Entwicklung der Bibliothek zu informieren.

Eigene öffentliche Ausstellungen und Veranstaltungen
26. November 2011 – 18. März 2012; National Library of Australia, Canberra Ausstellung Handwritten. Ten centuries of Manuscript Treasures from Staatsbibliothek zu Berlin Die Ausstellung zeigte Originale von Michelangelo, Newton, Mozart, Marie Curie, Darwin, Luther, Goethe, Dickens, Kepler, Machiavelli, Beethoven, Einstein, Napoleon, Bach, Galilei und anderen sowie Handschriften mit Werken von u. a. Vergil, Augustin und Dante. etwa 100.000 Besucher 23. Januar 2012, Potsdamer Straße Literatur im Foyer | GedankenStriche. Klaus Ensikat zum 75. Geburtstag Veranstaltung und Präsentation von Originalzeichnungen und Büchern mit Illustrationen des Künstlers 400 Besucher

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7. - 18. Februar 2012, Potsdamer Straße Ausstellung Die Bücher des Königs. Friedrich der Große – Schriftsteller und Liebhaber von Büchern und Bibliotheken 1.400 Besucher 10. Mai 2012, Potsdamer Straße Verleihung des Max-Hermann-Preises der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. an den israelischen Künstler Micha Ulman 15. Mai 2012, Potsdamer Straße E-DAY: Datenbanken, Internetportale, E-Books, Rechercheinstrumente etwa 500 Teilnehmer 30. Mai 2012, Potsdamer Straße in der Reihe Ein Abend für …: Klaus G. Saur im Gespräch mit Wolfgang Huber 5./6. Juni 2012, Potsdamer Straße öffentliche Softwareentwicklung Hack for Europe! in Kooperation mit der Europeana Foundation 5. Juni – 17. Oktober 2012, Potsdamer Straße Tafelausstellung Welt-Bilder – Bilder-Welten vor dem Karten-Lesesaal 13. Juni 2012, Potsdamer Straße Vorstellen der Publikation des dreibändigen Werkes von Herrn Prof. Dr. Paul U. Unschuld und Prof. Zheng Jinshen: Chinese Traditional Healing: The Berlin Collections of Manuscript Volumes from the 16th through the Early 20th Century 14. Juni 2012, Unter den Linden Präsentation Der Berliner Mercatoratlas – Original und Faksimile 20. Juni 2012, Potsdamer Straße Buchvorstellung durch Wolfgang Benz und Karol Sauerland: Karol Sauerland: Dreißig Silberlinge. Das Phänomen Denunziation 9. November – 5. Februar 2012, Potsdamer Straße Ausstellung Rotkäppchen kommt aus Berlin! 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm in Berlin, in Zusammenarbeit mit Märchenland e.V. etwa 4.000 Besucher 15. November 2012, Potsdamer Straße 150. Geburtstag von Gerhart Hauptmann Veranstaltung und eintägige Präsentation von Stücken aus seinem Nachlass etwa 100 Teilnehmer und 400 Besucher
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5. Dezember 2012, Potsdamer Straße Literatur im Foyer | Vor 85 Jahren: Die Gründung der Comedian Harmonists Der Chor der Staatsbibliothek zu Berlin, Bibliotheca Musica, sang während der Ausstellung drei Lieder aus dem Repertoire der Comedian Harmonists. etwa 400 Besucher

Externe Ausstellungen und -beteiligungen
17. April – 20. Mai 2012, Kunstforum Halle Ausstellung Schriftkunst und Bilderzauber Aus Anlass des 500. Jubiläums des armenischen Buchdrucks, in Zusammenarbeit mit dem MESROP Zentrum für armenische Studien an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Aus der Staatsbibliothek zu Berlin, die den bedeutendsten Bestand an armenischen Handschriften in Deutschland pflegt, wurden die schönsten und wertvollsten armenischen Manuskripte des 13. bis 17. Jahrhunderts gezeigt. 5. Juli – 30. September 2012, Kunstbibliothek im Kulturforum Ausstellung Homme de lettres – Federic. Der König am Schreibtisch Eine Gemeinschaftsausstellung des Geheimen Staatarchiv und der Staatsbibliothek zu Berlin, beide Preußischer Kulturbesitz, mit Autographen, Porträts, Einblattdrucken, Werkautographen, Drucken, Karten und Plänen etwa 4.500 Besucher 8. September 2012 - 01. November 2012 im Rahmen des Föderalen Programms der SPK: Ausstellung Belle Vue auf die Welt. 150 Jahre Kartenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin Schloss Corvey, Höxter 8. Dezember 2012 – 15. März 2013, Gutenberg-Museum Mainz Ausstellung Schriftkunst und Bilderzauber Die in den Monaten April und Mai bereits in Halle gezeigte Ausstellung wurde vom GutenbergMuseum Mainz übernommen.

Leihgaben ins In- und Ausland
Die die SBB-PK mitfinanzierenden Bundesländer profitieren nicht nur von den überregionalen Dienstleistungen der Bibliothek. In zahlreiche Institutionen in den 16 Bundesländern ebenso wie ins nahe und ferne Ausland werden regelmäßig Objekte entliehen, die die dortigen Ausstellungen und Veranstaltungen bereichern.

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Im Jahr 2012 wurden aus den Sondersammlungen 691 Objekte – abendländische und orientalische Handschriften, Autographe, Karten, Globen, Musikautographe, Portraits, seltene Drucke, Einblattdrucke und anderes – mit einem Gesamtversicherungswert von 38,11 Mio. € zur Verfügung gestellt. Darunter war eine komplette Ausstellung der Kartenabteilung – „Belle Vue auf die Welt“ – die zum ersten Mal im Jahr 2009 im Schloss Bellvue, dem Amtsitz des Bundespräsidenten, und danach in seiner Gesamtkomposition mehrmals an verschiedenen Orten gezeigt wurde. Im Jahr 2012 wurde diese Ausstellung im Rahmen des Föderalen Programms der SPK von September bis November in Schloss Corvey, Höxter präsentiert. Leihgaben wurden u.a. für folgende Ausstellungen zur Verfügung gestellt: bis Mitte April 2012 : Nieuwe Kerk Amsterdam, Jodendom. Een wereld vol verhalen (Das Judentum. Eine Welt voller Geschichten) 20.1.-26.2.2012 : Akademie der Bildenden Künste Wien, Ägypten, Nubien und die Cyrenaika 25.1.-9.4.2012 : Museum für Islamische Kunst | Staatliche Museen zu Berlin – PK, Roads of Arabia 25.1.-29.4.2012 : Landschaftsverband Rheinland / LandesMuseum Bonn, Steppenkrieger. Reiternomaden des 7. – 14. Jahrhunderts aus der Mongolei 20.3.-26.8.2012 : Deutsches Historisches Museum Berlin, Friedrich der Große – verehrt, verklärt, verdammt ... 26.3.-20.5.2012 : Museum für Völkerkunde Hamburg, Nomaden – 5000 Jahre Brisante Begegnungen 18.4.-28.10.2012 : Stiftung Stadtmuseum Berlin, BERLINMACHER! Ein Netzwerk – 775 Porträts 28.4.-28.10.2012 : Neues Palais und Park Sanssouci, Potsdam, Friederisiko. Friedrich der Große 9.5.-29.7.2012 : Bach-Museum Leipzig, Bach – Bibel – Gesangbuch 10.5.-5.8.2012 : Kulturforum – PK, Von mehr als einer Welt. Die Künste der Aufklärung 26.05.2012 – 26.08.2012 Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Gemäldegalerie Alte Meister Die Sixtinische Madonna – Raffaels Kultbild wird 500 20.6.-25.8.2012 : Staatliches Historisches Museum Moskau, Russen und Deutsche. 1000 Jahre Kunst, Geschichte und Kultur 20.7.-28.10.2012 : Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte Potsdam, König und Kartoffel. Friedrich der Große und ‚Tartuffoli’ 27.8.-9.12.2012 : Kulturhistorisches Museum Magdeburg, Otto der Große und das Römische Reich
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28.8.-4.11.2012 : Stiftung Schloss Neuhardenberg, Projekt Paradies. Gartenkunst vom Mittelalter bis zur Romantik 30.8.-20.10.2012 : Landesbibliothek Oldenburg, Karte - Globus - Atlas. Über 400 Jahre Norddeutschland auf Mercator-Karten. Ausstellung zum 500. Geburtstag von Gerhard Mercator 6.10.2012-13.1.2013 : Neues Museum | Staatliche Museen zu Berlin – PK, Russen und Deutsche. 1000 Jahre Kunst, Geschichte und Kultur 20.10.-14.12.2012 : verschiedene Orte in Hannover, Den Seuchen auf der Spur 26.10.2012-26.1.2013 : Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, Käthe Kollwitz und Russland 10.11.-29.1.2012 : Kunstbibliothek | Staatliche Museen zu Berlin – PK, Berliner Photographie 1921 11.11.2012-3.2.2013 : Museum of Fine Arts, Houston (U.S.A.), War Photography: Images of Armed Conflicts and Its Aftermath 16.11.2012-17.2.2013 : Deutsches Historisches Museum Berlin, Der Mercator-Atlas aus dem Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz 27.11.2012-28.4.2013 : Arabic Institute in Paris, Arabian Nights. Legendary tales

Geplante Veranstaltungen 2013
30. Januar 2013, Haus Potsdamer Straße 10-19 Uhr, öffentlich Kolloquium Selbstbehauptung, Anpassung, Gleichschaltung, Verstrickung - Die Preußische Staatsbibliothek und das deutsche Bibliothekswesen 1933-1945 15./16. Februar 2013, Haus Potsdamer Straße Literatur im Foyer: Ursula Mamlok, Eine jüdische Komponistin in Berlin 19. März 2013, Haus Unter den Linden für geladene Gäste feierliche Eröffnung der neuen Lesesäle 9. April 2013, Haus Potsdamer Straße 18.30 Uhr, geladene Gäste Umbenennung des Ausstellungsraums in Dietrich-Bonhoeffer-Saal mit einem Vortrag des Botschafters der U.S.A. in Deutschland, Philip D. Murpy 16. April 2013, Haus Potsdamer Straße ganztägig
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e-day – Elektronische Ressourcen für das moderne wissenschaftliche Arbeiten 17. April 2013, Haus Potsdamer Straße 18 Uhr, geladene Gäste „Ein Abend für …“ – Klaus G. Saur im Gespräch mit Michael Blumenthal 15. Mai 2013, Haus Potsdamer Straße 18 Uhr, geladene Gäste Verleihung des Max-Herrmann-Preises der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. 31. Mai - 30. Juni 2013, Haus Potsdamer Straße Ausstellung „… ein sehr lebhaftes Vielerlei!“ Der Theatermann und Schriftsteller Rudolf Frank begleitend zur Ausstellung im Juni 2013 öffentliches Symposium über Rudolf Frank 8. Juni 2013 Lange Nacht der Wissenschaften 2.-5. Juni 2013, Haus Potsdamer Straße öffentlich Symposium über die Diez-Alben der Staatsbibliothek zu Berlin (künstlerisch besonders wertvolle orientalische Handschriften) 27. Juni 2013 Abschluss des Projektes Forschungsportal Presse und Publizistik in der DDR Oktober – Dezember 2013; Max-Liebermann-Haus in Zusammenarbeit mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Ausstellung Dintenuniversum. Zum 250. Geburtstag des Schriftstellers Jean Paul

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