Path:
Periodical volume

Full text: Jahresbericht Issue 2006

2006
Jahresbericht

Organigramm im Jahr 2006

Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf

Ständiger Vertreter der Generaldirektorin Referenten Jeanette Lamble Dr. Martin Hollender Dr. Joachim Jaenecke Dr. Karl Werner Finger Sekretariate

Zentralabteilung Dr. Karl Werner Finger

Abteilung Bestandsaufbau Dr. Gerhard Kanthak

Handschriftenabteilung Dr. Eef Overgaauw

Ostasienabteilung Matthias Kaun

Informations- und Datenmanagement i. Gr. Dr. Holger Busse

Abteilung Katalogsystem, Wissenschaftl. Dienste Günter Hädrich

Musikabteilung Dr. Helmut Hell

Zeitungsabteilung Dr. Joachim Zeller

Abteilung Historische Drucke Annette Wehmeyer

Kartenabteilung Wolfgang Crom

Kinder- und Jugendbuchabteilung Carola Pohlmann

Benutzungsabteilung Dr. Daniela Lülfing

Osteuropa-Abteilung Dr. Walter Andreesen

Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz Hanns-Peter Frentz

Abteilung Überregionale Bibliographische Dienste Dr. Hartmut Walravens

Orientabteilung Dr. Hartmut-Ortwin Feistel

Abteilung Bestandspflege und Reprographie Andreas Mälck

Institutionelle Entwicklung der Bibliothek bis heute

1661–1701

Churfürstliche Bibliothek zu Cölln an der Spree öffentlich zugänglich im Apothekenflügel des Schlosses Königliche Bibliothek zu Berlin 1784 Umzug in die „Kommode“ am heutigen August-Bebel-Platz / Unter den Linden 1914 Umzug in den Neubau, heute Unter den Linden 8

1701–1918

1918–1945

Preußische Staatsbibliothek während des 2.Weltkriegs Verlagerung der Bestände an 30 Orte im gesamten Deutschen Reich; nach Kriegsende Teilung der Bestände durch deren Verbleib in den vier Besatzungszonen und Polen

in Berlin (Ost): 1946–1954 Öffentlich-Wissenschaftliche Bibliothek

in Marburg an der Lahn: 1946–1949 Hessische Bibliothek (zugleich in der Universitätsbibliothek Tübingen: 1948–1968 Tübinger Depot / Handschriften, Musikalien)

1954–1990 Deutsche Staatsbibliothek

1949–1963 Westdeutsche Bibliothek 1963–1968 Staatsbibliothek der Stiftung Preußischer Kulturbesitz 1964–1968 Umzug d. Bestände nach Berlin (West)

1968–1991 Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Oktober 1990–Dezember 1991 Deutsche Staatsbibliothek in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz 1978 Neubau des Hauses Potsdamer Straße 33, Zusammenführung aller in Berlin (West) vorhandenen Bestände

seit 1. Januar 1992 vereint als Eine Bibliothek mit zwei Standorten in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Als größte wissenschaftliche Universalbibliothek Deutschlands ist die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz ein Zentrum der nationalen und internationalen Literaturversorgung. Über 10,37 Millionen Bände umfasst allein ihr seit knapp 350 Jahren gewachsener Druckschriftenbestand, hinzu kommen über 2,2 Millionen weitere Druckwerke und andere oft unikale Materialien in den Sondersammlungen – darunter abendländische und orientalische Handschriften, Musikautographe, Autographe und Nachlässe, Karten, historische Zeitungen – sowie mehr als 10 Millionen Mikroformen und im Bildarchiv über 12 Millionen Motive. Eine ständig wachsende Zahl an Datenbanken und anderen elektronischen Ressourcen ergänzen die Bestände. Die Qualität ihrer Sammlungen und ihre vielfältigen Dienstleistungen prägen weltweit das besondere Ansehen der Bibliothek. Die Staatsbibliothek zu Berlin (SBB-PK) gehört zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), welche von allen Ländern und dem Bund getragen wird. Die historischen Sammlungen der Bibliothek stehen in enger Beziehung zu den Sammlungen der anderen Einrichtungen der SPK; sie umfassen alle Fachgebiete und werden fortlaufend ergänzt. Für die modernen Sammlungen mit Schwerpunkten bei den Geistes- und Sozialwissenschaften wird wissenschaftlich relevante Literatur in inhaltlich tiefer Staffelung beschafft. Neben dem kontinuierlichen Erwerben und Bewahren von Literatur aus allen Zeiten, allen Ländern, allen Sprachen sowie in jeder Form ist deren Erschließung und Nutzbarmachung zentrale Aufgabe der Bibliothek. Die weit gefächerten Qualifikationen der Beschäftigten sowie der Betrieb, die Pflege, der weitere Ausbau und die Modernisierung der Gebäude und Standorte mit den Magazinen, Lesesälen und Büros sichern die Erfüllung der nationalen und internationalen Aufgaben der Bibliothek.

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz Bericht der Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin Tel. 030 / 266 0, info@sbb.spk-berlin.de, www.staatsbibliothek-berlin.de Redaktion: Jeanette Lamble Layout: Niels Schuldt Gesamtherstellung: ¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶¶ ISSN: 0340-2274

Inhalt

Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf Die Schwerpunkte im Jahr 2006 5–15 An drei Standorten Bauen für Forschung und Kultur Noch immer nötig: Kriegsfolgen beseitigen Strategische Kooperation Standortübergreifendes Konzept für die Allgemeinen Lesesäle Umorganisation IT-Bereich Gefördert durch DFG: Nationale Aufgaben Sondersammelgebiete, Virtuelle Fachbibliotheken, Nationallizenzen Historische Verantwortung Benutzerschulungen Leihgaben und Wissenstransfer ins In- und Ausland Ausbildung über den eigenen Bedarf hinaus Förderer und Unterstützer Personelle Veränderungen Von uns und über uns: Präsentation von Dienstleistungen und Beständen, Benutzerinformation, Medienberichte Auch dies ist erwähnenswert Allgemeiner Überblick zur Bibliothek Haushalt und Personal Erwerbungen und Bestandsaufbau Besondere Erwerbungen Ersatz für erlittene Kriegsverluste Zeitschriften und Datenbanken, Fernzugriff 16

Erschließung und Verbesserung der Nachweissituation Verbundarbeit, besondere Projekte Sammlungen via Internet, besondere Präsentationen eigener Bestände Benutzung der Bibliothek, ihrer Bestände und Dienstleistungen Verbesserung des Benutzungskomforts Benutzerschulungen Pflege und Erhaltung der Bestände Mitgliedschaften und Mitarbeit in Gremien Vorträge, Führungen, Seminare im In- und Ausland – Wissenstransfer zu bibliotheksfachlichen Themen 44–51 38–43 35–37 32–34 26–31

Das wissenschaftliche und kulturelle Programm der Staatsbibliothek zu Berlin Tagungen Ausstellungen und Veranstaltungen Veröffentlichungen Besichtigungsführungen Zusammenarbeit mit anderen wissenschaftlichen 17 18–25 und kulturellen Einrichtungen Besucher aus dem In- und Ausland Besondere Kooperationen Leihgaben (Auswahl) Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz 62–64 56–61 52–55

Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf

Die Schwerpunkte im Jahr 2006

An drei Standorten Bauen für Forschung und Kultur
Das vergangene Jahr war erneut von den Fortschritten der großen Bauprojekte geprägt. In dem vor 92 Jahren eröffneten Gebäude Unter den Linden 8 sowie in dem seit 28 Jahren betriebenen Gebäude Potsdamer Straße 33 – beide im Zentrum Berlins gelegen – gingen die Ausbau- und Sanierungsarbeiten planmäßig voran. Auch die Vorarbeiten für den Neubau des Magazins im Stadtteil Friedrichshagen verliefen zügig. Am 24. April 2006 legten im Innenhof des Hauses Unter den Linden der Staatsminister für Medien und Kultur, Bernd Neumann, der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Engelbert Lütke Daldrup, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Florian Mausbach, und die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, den Grundstein für die Neubauten. Dort entstehen ein neuer Allgemeiner Lesesaal mit angrenzendem Freihandmagazin, Tresormagazine für Sondersammlungen, ein Sonderlesesaal für Seltene Drucke sowie Ausstellungs- und Besucherbereiche. Der Grundsteinlegung waren in der zweiten Hälfte des Jahres 2005 und in den ersten drei Monaten des Jahres 2006 umfangreiche Arbeiten bis in 13,5 Metern Tiefe im Erdreich voraus-

gegangen. Zum Ende des Jahres 2006 hatte der Rohbau für die Tresormagazine und den neuen Lesesaal bereits die Höhe des vierten Geschosses des Altbaus erreicht, daher wird der auf dieser Höhe eingerichtete Baustellen-Aussichtspunkt, von dem aus die interessierte Öffentlichkeit die Entwicklung der größten Kulturbaustelle des Bundes ungehindert beobachten konnte, in Kürze geschlossen. – Die Baukosten für den Neubau und die Generalsanierung des Altbaus in Höhe von 326 Mio. € trägt vollständig der Bund. Es handelt sich um das größte Bauvorhaben mit kultureller Nutzung, das die öffentliche Hand in Deutschland derzeit betreut. Der neue Lesesaal – 36 Meter wird er in die Höhe ragen und die Stadtlandschaft mit prägen – schließt endlich die architektonische und bibliotheksorganisatorische Lücke, die seit dem kriegsbedingten Verlust des einstigen Kuppellesesaals vor über sechzig Jahren klafft. 250 komfortable Leserplätze und direkter Zugang zu 350.000 Bänden Freihandbibliothek werden die wichtigsten Eckdaten für die Benutzer sein. – Parallel zur Errichtung der Neubauten läuft die aufwändige Generalsanierung und Modernisierung des Altbaus, der außen 107m x 170 m misst und im Innern in 13 Obergeschossen Büros, Lesesäle und Magazine birgt. „This building is a miracle!“, rief der berühmte italienische Architekt Renzo Piano aus, als er am 6. Mai das von Hans Scharoun entworfene Haus

Jahresbericht 2006

| 5

Modell des neuen Allgemeinen Lesesaals im Haus Unter den Linden

Auch im künftigen Allgemeinen Lesesaal Unter den Linden wird viel Freihandliteratur stehen.

Potsdamer Straße besuchte. Doch auch hier muss, nach fast dreißig Jahren Betrieb, vom Bund viel Geld investiert werden, um das Gebäude weiterhin in seinem nicht nur bewunderungswürdigen architektonischen sondern auch seinem guten funktionalen Zustand zu bewahren. Die im letzten Jahr begonnene Asbestsanierung und die damit verbundene Sanierung der raumlufttechnischen Anlagen verliefen planmäßig. In diesem Jahr gingen provisorische Klimageräte sowie Ausweichbüros für Mitarbeiter in Betrieb. – Und auch ein weiteres umfangreiches Bauprojekt konnte im Haus Potsdamer Straße wie geplant im Februar 2006 beendet werden: die Erweiterung und der Umbau der Leihstellen. Mehr Nutzfläche, kürzere Wege und effizientere Abläufe brachten sowohl für Benutzer als auch für Mitarbeiter deutliche Verbesserungen. Den Benutzern und den Beschäftigten der Bibliothek ist für ihr Engagement und ihre Geduld im Umgang mit den Nachteilen dieser beiden großen Baustellen, an denen der Benutzungsbetrieb unvermindert weiterläuft, ganz besonders zu danken. Die ungebrochen hohe Benutzungsfrequenz der Bestände und der Dienstleistungen der Bibliothek unterstreichen, dass die Entscheidung, trotz der Bauarbeiten die Sammlungen der Bibliothek zugänglich zu halten, die richtige war.

Auch die Vorbereitungen für das neu zu errichtende Magazingebäude in Friedrichshagen liefen wie geplant. Voraussichtlich ab dem Jahr 2010 werden dort Bestände der Staatsbibliothek, des Ibero-Amerikanischen Instituts und des Bildarchivs Preußischer Kulturbesitz Platz finden, allein aus der Bibliothek rund 6 Millionen Bände. Im Jahr 2006 konnte für das Bauprojekt Friedrichshagen die Haushaltsunterlage Bau – das Dokument, das alle ideellen, materiellen und finanziellen Pläne für den Bau verbindlich festschreibt – fertig gestellt und den Fachausschüssen des Stiftungsrates Stiftung Preußischer Kulturbesitz zur Abstimmung übergeben werden. Die für die Bauvorbereitung erforderlichen Mittel sind jetzt bewilligt, so dass im Verlauf des Jahres 2007 zügig mit den Arbeiten zur Errichtung dieses Magazinneubaus begonnen wird.

Noch immer nötig: Kriegsfolgen beseitigen
Eines der intern größten Anliegen der Bibliothekare wird seit Februar 2006 im Interimsmagazin Westhafen realisiert: Die Revision sämtlicher Bände mit Erscheinungsjahr bis 1945 (Altbestand). Nur so kann in einem überschaubaren Zeitraum die noch unzureichende Nachweisbarkeit wertvoller Bestände entscheidend verbessert werden. Nach der fast vollständigen Kriegsverlagerung der rund drei Millionen Bücher und wäh-

6 |

Jahresbericht 2006

Der Allgemeine Lesesaal im Haus Potsdamer Straße

Der Allgemeine Lesesaal im Haus Potsdamer Straße erstreckt sich über drei Ebenen.

rend der anschließend knapp 60 Jahre anhaltenden Teilung der Bestände zwischen Ost- und Westdeutschland war es undenkbar, Klarheit über tatsächliche Kriegsverluste herzustellen. Erst vor zwei Jahren, nach Schaffung der notwendigen Räumlichkeiten im interimistischen Außenmagazin Westhafen, war es endlich möglich, die Bücher wieder an einem Ort zusammenzuführen und nebeneinander aufzustellen. Die Bibliothekare – stets unterstützt von zwölf Hilfskräften, die von der Agentur für Arbeit vermittelt werden – gleichen jetzt die elektronischen Katalogeinträge „Kriegsverlust möglich“ mit den in den Regalen vorgefundenen Bänden direkt ab. In kürzester Zeit können so die Katalogdaten eindeutig umgewandelt werden in „ausleihbar“ oder „Kriegsverlust“ – ein klares Plus für die Benutzbarkeit des Altbestandes und damit die Zufriedenheit der Benutzer. Das Revisionsprojekt wird zum 350jährigen Jubiläum der Bibliothek im Jahr 2011 abgeschlossen sein.

Universalbibliotheken Deutschlands ist damit in allen zentralen Aufgaben das gemeinschaftliche und abgestimmte Vorgehen festgeschrieben. Künftig werden die nationalen und internationalen Informationsdienste noch kundenfreundlicher und effizienter gestaltet. Zugleich können die Institutionen in der Konkurrenz zu globalen kommerziellen Informationsdienstleistern gemeinsam wesentlich schlagkräftiger handeln. Eine systematisch abgestimmte Erwerbungspolitik – beide Bibliotheken zusammen verfügen derzeit über einen Erwerbungsetat von jährlich rund 21 Millionen Euro – wird die wissenschaftliche Literaturversorgung effizienter gestalten.

Standortübergreifendes Konzept für die Allgemeinen Lesesäle
Mit dem neuen Allgemeinen Lesesaal im Haus Unter den Linden wird ein zentraler Baustein des 1998 verabschiedeten Konzepts der Einen Bibliothek in zwei Häusern in Betrieb genommen. Dann stehen den Benutzern im Zentrum Berlins an zwei Standorten in einer Entfernung von zwei Kilometern zwei große Allgemeine Lesesäle zur Verfügung. Nur durch eine klare inhaltliche Profilierung der jeweiligen Freihandbestände kann der Benutzungskomfort dieser beiden Lesesäle bestmöglich und für die Nutzer einsichtig gestaltet werden. Dazu wurde im Juni 2006 ein sinn-

Strategische Kooperation
Gleich zu Beginn des Jahres unterzeichneten der Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek in München, Dr. Rolf Griebel, und die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, eine Kooperationsvereinbarung. Für die beiden größten wissenschaftlichen

Jahresbericht 2006

| 7

fälliges Konzept verabschiedet: Die inhaltliche „Nahtstelle“ wird der Beginn der Moderne um die Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert sein. Der Allgemeine Lesesaal des Hauses Unter den Linden stellt dann als Historischer Forschungslesesaal Literatur über die Epochen vom Beginn der Weltgeschichte bis zur Wende des 19. zum 20. Jahrhundert bereit. Der Lesesaal des Hauses Potsdamer Straße wird sich als Forschungslesesaal der Moderne überwiegend den Fragestellungen der Modernen Welt vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart widmen. Die nötigen organisatorischen Veränderungen wurden in der zweiten Jahreshälfte erarbeitet und werden seit November 2006 umgesetzt.

direktion angebunden. Sie erhält umfassende Richtlinienkompetenz für den Auf- und Ausbau geeigneter Strukturen, damit die gesamte Bibliothek künftig das digitale wie auch das konventionelle Informationsspektrum einer modernen Bibliothek effizient, effektiv und benutzerorientiert anbieten kann.

Gefördert durch DFG: Nationale Aufgaben Sondersammelgebiete, Virtuelle Fachbibliotheken, Nationallizenzen
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist seit knapp einem halben Jahrhundert der wichtigste Förderer der Staatsbibliothek zu Berlin. Allein im Jahr 2006 flossen 2,9 Millionen Euro in den weiteren Auf- und Ausbau und die Erschließung qualitativ und quantitativ herausragender Sammlungen. Gesteuert von der DFG hat sich seit dem Jahr 1949 zwischen wissenschaftlichen Bibliotheken eine effektive Form der Kooperation beim Aufbau hoch spezialisierten Literaturbestandes etabliert: Bibliotheken tragen die Verantwortung für das Sammeln, Erschließen und dauerhafte Bewahren von Literatur eines oder mehrerer Fachgebiete, und zwar in besonderer Tiefe und Breite. Entscheidend für die Zuordnung eines Sondersammelgebietes (SSG) an eine Bibliothek

Umorganisation IT-Bereich
Das wachsende Angebot an elektronischen Beständen und der steigende Bedarf an Dienstleistungen auf elektronischem Wege müssen durch eine entsprechende Aufbau- und Ablauforganisation abgesichert sein. Dazu wird jetzt die Verankerung des informationstechnologischen Bereichs im Organisationsaufbau analysiert und neu konzipiert. Die in einem ersten Schritt im Jahr 2006 zusätzlich geschaffene Position des Abteilungsleiters für Informations- und Datenmanagement konnte von außen besetzt werden. Die künftige Abteilung ist hierarchisch direkt an die General-

8 |

Jahresbericht 2006

Sondersammelgebiet Ausländische Zeitungen

Hebräische Druckschrift mit handschriftlichem Besitzvermerk „Leo Bäck“

ist u. a., dass die Institution auf diesem Fachgebiet eine besonders hohe fachliche Kompetenz und über lange Jahre gewachsene Bestände aufweist. Die mit Mitteln der DFG sowie mit Eigenmitteln der jeweiligen Institution für die SSG erworbene Literatur steht der Spitzenforschung bundesweit im Rahmen des Leihverkehrs, der Dokumentenlieferung oder durch den Zugang zu elektronischen Quellen zur Verfügung. Im Jahr 2006 wurden die Bestände in den sieben SSG Rechtswissenschaft, Ost- und Südostasien, Slawische Sprachen und Literatur/Allgemein, einzelne slawische Sprachen, Ausländische Zeitungen, Veröffentlichungen zur Kartographie, Topographische Karten und beim Sammelschwerpunkt Parlamentsschriften weiter verdichtet und ausgebaut. In Weiterentwicklung des SSG-Systems fördert die DFG mit erheblichen Mitteln auch den Aufund Ausbau von Virtuellen Fachbibliotheken sowie seit dem Jahr 2005 den Erwerb von Nationallizenzen: Mit der Freischaltung der Virtuellen Fachbibliothek für Ost- und Südostasien CrossAsia betreibt die Staatsbibliothek seit dem Jahr 2006 zwei virtuelle Fachbibliotheken, die andere ist die Virtuelle Fachbibliothek Recht. Parallel wird seit dem Jahr 2005 die Virtuelle Fachbibliothek Slavistik aufgebaut. Im System der Nationallizenzen – eine Bibliothek erwirbt wissenschaftlich bedeutsame Daten-

banken und organisiert bundesweit den kostenfreien Zugriff von Wissenschaftseinrichtungen auf diese zentral gehaltenen Datenbanken – engagierte sich die Staatsbibliothek im Jahr 2006 mit dem Kauf von Shenbao (chinesische Zeitungen) und Entscheidungen des Reichsgerichts in Zivil- und Strafsachen. Seit 2005 hält die Bibliothek schon die nationalen Lizenzen für The Making of Modern Law, China Academic Journals und The Times Digital Archive.

Historische Verantwortung
Im Mai 2006 gelang es der SBB-PK zum ersten Mal, Bücher jüdischer Provenienz, die aufgrund der Verfolgung der Menschen durch die Nazis geraubt oder verschollen waren, an die rechtmäßigen Erben zurückzugeben: Aus dem Besitz des Pianisten Arthur Rubinstein konnte eine aus insgesamt 71 Positionen bestehende Sammlung von Musikalien – darunter Autographe, Abschriften und Drucke – an dessen vier in New York lebende Kinder übergeben werden. – Zur gleichen Zeit stieß die SBB-PK bei Recherchen in unbearbeiteten Altbeständen auf insgesamt 17 Bücher und Broschüren, die aus der Privatbibliothek von Leo Baeck stammen. Die Bände wurden ebenfalls im Mai an Mrs. Marianne C. Dreyfus, in New York lebende einzige Enkelin Leo Baecks, restituiert.

Jahresbericht 2006

| 9

Zehn Bände aus der Bibliothek Baeck, eingebunden in blaues Papier

Arthur Rubinstein während einer Konzertprobe, ca. 1960 (Foto: bpk)

In der Abteilung Historische Drucke begann im Juni 2006 das Forschungsprojekt „Beschlagnahmte Bücher“ – Reichstauschstelle und Preußische Staatsbibliothek zwischen 1933 und 1945. Aspekte der Literaturversorgung unter der Herrschaft des Nationalsozialismus.“ In Kooperation mit dem Göttinger Max-Planck-Institut für Geschichte, finanziell unterstützt von der FritzThyssen-Stiftung für Wissenschaftsförderung, werden die Erwerbung und die Distribution „beschlagnahmter Bücher“ durch die damals an die Preußische Staatsbibliothek (PSB) angegliederte Reichstauschstelle sowie die Rolle der PSB selbst systematisch analysiert. Durch die interdisziplinäre Fallstudie sollen Erkenntnisse über die Bestandszugänge während der NS-Zeit gewonnen, die Rolle der Bibliotheken in dieser Zeit untersucht und bewertet sowie die Feinstrukturen der Erwerbung geraubter Bücher im Zusammenspiel von Dienststellen, Lieferanten und Bibliotheken herausgearbeitet werden. Zugleich wird ermittelt, in welchem Umfang die PSB Bücher und Sammlungen aus nationalsozialistischen Enteignungen in ihren Bestandsaufbau einfließen ließ und wie diese Bestände an heutige Erben oder Rechtsnachfolger der Enteigneten restituiert werden können. Der Regionalverband Berlin-Brandenburg des Vereins Deutscher Bibliothekare veranstaltete am 12. Juni 2006 einen Offenen Workshop „Raubgut

im Bestand? In der NS-Zeit geraubte und enteignete Bücher in Berliner Bibliotheken von heute – Bibliothekare auf Spurensuche“, bei dem Wissenschaftler der SBB-PK über die Restitutionserfolge und das Forschungsprojekt berichteten. Und auch in dem von der Universitätsbibliothek Marburg herausgegebenen Sammelband „Die Suche nach NSRaubgut in Bibliotheken. Recherchestand, Probleme, Lösungswege“ wurden Erkenntnisse aus der Staatsbibliothek über das Agieren deutscher Bibliothekare in den von Deutschland während des Zweiten Weltkrieges okkupierten Gebieten Osteuropas publiziert. Am 11. Dezember richtete der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin das Symposium „Sammeln – Stiften – Fördern. Jüdische Mäzene in der deutschen Gesellschaft“ aus. Dr. Martin Hollender, Referent der Generaldirektorin, bereicherte die Veranstaltung mit einem durch die Medien viel beachteten Vortrag über den Chemiker, Industriellen und Universitätsstifter Ludwig Darmstaedter (1846–1927), über seine Dokumentensammlung und sein überaus großzügiges mäzenatisches Wirken für die Bibliothek.

10 |

Jahresbericht 2006

Schriftliches Kulturgut zu erhalten erfordert Spezialwissen und -techniken.

Benutzerschulungen
Es gehört inzwischen zum festen Dienstleistungsrepertoire, die Benutzer durch spezielle Schulungen zu befähigen, mit den Nachweisinstrumenten und den Beständen nutzbringend umzugehen. Bei den Benutzerschulungen engagieren sich alle Fachreferentinnen und Fachreferenten sowie eine Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Benutzungsabteilung. Neben der Einführung in die Benutzung, die jedem neuen Benutzer der Bibliothek empfohlen wird, haben sich die Einführung in die Altbestandsrecherche und die umfassenden Schulungen zur Nutzung der zahlreichen Datenbanken sehr gut etabliert. Hervorzuheben ist, dass vor allem die Datenbankschulungen inzwischen vielfach in enger Kooperation mit anderen Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berliner Universitäten und den externen Datenbankanbietern stattfinden. Interessant ist auch die Klientel der Datenbankschulungen: Eine Umfrage ergab, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer über einen Hochschulabschluss verfügte. Annähernd drei Viertel der Befragten interessierten sich vor dem Hintergrund eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts oder einer Abschlussarbeit für die elektronischen Angebote der Staatsbibliothek.

Leihgaben und Wissenstransfer ins In- und Ausland
Die Staatsbibliothek zu Berlin wird, ebenso wie alle anderen Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, vom Bund und von den Ländern finanziert. Daraus wächst die Verantwortung, die Mittel für die Mehrung nationalen Reichtums in jeder Form einzusetzen und das positive Wirken Deutschlands in aller Welt zu unterstützen. Dieses geschieht in vielfältiger Weise, so durch eine umsichtige Erwerbungspolitik, durch die ständige Bereitschaft, Spezialkenntnisse der Bibliothek an andere wissenschaftliche und kulturelle Einrichtungen weiterzugeben, durch das Mitwirken in bibliotheksfachlichen Gremien auf allen Ebenen zur Entwicklung des Bibliothekswesens, oder indem durch eigene Ausstellungen sowie Leihgaben in das In- und Ausland möglichst viele Menschen an dem hier verwahrten kulturellen Erbe teilhaben. An dieser Stelle soll auf folgende Aktivitäten besonders hingewiesen sein: Im März konzipierte und organisierte die Abteilung für Bestandspflege und Reprographie maßgeblich den Ersten Europäischen Kongress großer Bibliotheken und Archive „Schriftliches Kulturerbe erhalten – eine nationale Aufgabe im europäischen Rahmen“, an dem Spezialisten aus 15 Ländern teilnahmen. – Hinsichtlich der Leihgaben war die Musikabtei-

Jahresbericht 2006

| 11

„Das Lied der Deutschen“. Originalmanuskript von Hoffmann von Fallersleben im Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin

Seit sieben Jahren bildet die Staatsbibliothek zu Berlin junge Leute zu Buchbindern aus.

lung im Jahr 2006 besonders gefordert: Großzügig beschickte sie das ganze Jahr über die großen Mozart-Ausstellungen in Wien, Salzburg und Offenbach mit herausragenden Werken des Meisters, um selbst erst zum Ende des Jahres 2006, nach Rückkehr aller Leihgaben, eine eigene Ausstellung aus Anlass des 250. Geburtstages von Wolfgang Amadeus Mozart zu arrangieren. – Zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2006 überreichte die Staatsbibliothek dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, Dr. Norbert Lammert, ein Faksimile des 1841 von Hoffmann von Fallersleben gedichteten Lied der Deutschen, welches seither im Reichstagsgebäude ausgestellt wird; das Original befindet sich in der Handschriftenabteilung. Das Lied der Deutschen, in der Vertonung durch Joseph Haydn zugleich die deutsche Nationalhymne, stellt eines der wichtigsten Symbole deutschen nationalen Bewusstseins dar.

■ In bibliothekarischer Ausbildung befanden sich im Jahr 2006 in der Staatsbibliothek 33 Personen: 21 junge Leute strebten das Ausbildungsziel Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste an. Davon schlossen im Berichtsjahr sechs ihre Ausbildung ab, neun befanden sich im ersten bzw. zweiten Ausbildungsjahr und sechs nahmen ihre Ausbildung im Herbst auf, davon eine Auszubildende in der Fachrichtung Bildagentur am Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz. – Alle sechs Absolventen des Jahres 2006 konnten anschließend weiterbeschäftigt werden, davon fünf befristet und einer unbefristet. 12 Personen mit universitären Abschlüssen waren im Berichtsjahr als Bibliotheksreferendare zur zweijährigen Ausbildung für den höheren Dienst an wissenschaftlichen Bibliotheken beschäftigt. Von diesen schlossen im Jahr 2006 vier ihre Ausbildung mit der Staatsprüfung ab, vier befanden sich im ersten bzw. zweiten Jahr des Vorbereitungsdienstes, vier nahmen ihre Ausbildung im Herbst auf. – Ein Absolvent konnte in der Orientabteilung seine Arbeit als Fachreferent aufnehmen. Die personell besser als zuvor ausgestattete Ausbildungsleitung hat das Ausbildungskonzept überarbeitet und den aktuellen Anforderungen

Ausbildung über den eigenen Bedarf hinaus
Schon seit längerem bildet die SBB-PK bibliothekarischen und handwerklichen Nachwuchs über den eigenen Bedarf hinaus aus und trägt so zur fachlichen Qualifikation junger Menschen für Bibliotheken in ganz Deutschland bei.

12 |

Jahresbericht 2006

angepasst: Der Durchlauf der Referendare durch die Abteilungen der Bibliothek wurde neu gestaltet; zusätzlich werden nun regelmäßig in einer längeren Phase Projekte zur selbständigen Bearbeitung übertragen, die im Kontext aktueller Vorhaben der Bibliothek stehen und Innovationsimpulse geben sollen. Die Entwicklung, dass die Referendare der SBB-PK zunehmend Praktika im europäischen Ausland (und auch darüber hinaus) wahrnehmen, setzte sich auch im Berichtsjahr fort. ■ Seit sieben Jahren bildet auch die Buchbinderei, eine der fachlich sehr anerkannten Werkstätten in der Staatsbibliothek, Lehrlinge aus. Ein Auszubildender beendete im Jahr 2006 seine Ausbildung, eine junge Frau ging in das zweite Ausbildungsjahr und ein junger Mann nahm die Ausbildung im September 2006 auf.

bibliothek zu Berlin e.V., Freundeskreis für Cartographica in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz e.V., Mendelssohn-Gesellschaft e.V. in Berlin, Internationale Carl Maria von Weber-Gesellschaft e.V. – unterstützten mit ihren Möglichkeiten die Entwicklung der Bibliothek und förderten in der Öffentlichkeit ihre Wahrnehmung als bedeutende Kultur- und Wissenschaftseinrichtung.

Personelle Veränderungen
Im vergangenen Jahr verabschiedeten wir verdiente Mitarbeiter der Bibliothek mit den besten Wünschen für eine weiterhin schaffensreiche Zeit in den Ruhestand: Dr. Walter Andreesen, von 2000 bis April 2006 Leiter der Osteuropa-Abteilung, und Dr. Helmut Hell, von 1989 bis Dezember 2006 Leiter der Musikabteilung. Im Februar 2006 nahm Dr. Holger Busse seine Tätigkeit als Leiter der neu zu gründenden Abteilung Informations- und Datenmanagement auf. Im Juli 2006 wurde Matthias Kaun die Position des Leiters der Ostasienabteilung übertragen.

Förderer und Unterstützer
Zahlreichen Partnern ist für ihr Engagement zum Wohl der Bibliothek und zur Mehrung ihrer Bestände zu danken. Firmen und Stiftungen übermittelten projektbezogen Geld- und Sachspenden. Privatpersonen halfen durch Schenkungen und das Knüpfen von Kontakten, die Sondersammlungen zu bereichern. Die der Bibliothek eng verbundenen Vereine – Freunde der Staats-

Jahresbericht 2006

| 13

MA G A Z IN
B I B L I O T H E K S

Mitteilungen

a u s d e r S ta at s b i b l i o t h e k z u B e r l i n

1 2006

Zwölf Seiten Sonderbeilage am 27. Januar 2006

Von uns und über uns: Präsentation von Dienstleistungen und Beständen, Benutzerinformation, Medienberichte
Mit Blick auf die Information breitester Schichten der Öffentlichkeit über die Entwicklung, die Konzepte, die Dienstleistungen und alles andere Wissenswerte rund um die Bibliothek wurden im letzten Jahr Weichen neu gestellt und erneut Früchte der fokussierten Pressearbeit geerntet: Der virtuelle Standort www.staatsbibliothek-berlin.de ist zur ersten Adresse bei der Kontaktaufnahme mit der Bibliothek geworden. Die Website fungiert als Informations-, Arbeits- und Kommunikationsplattform und ebnet Wege zu den bibliothekarischen Dienstleistungen. Über eine Million Mal wurde im letzten Jahr diese zentrale Adresse angesteuert. In diesem Jahr erschien zum ersten Mal die neue Zeitschrift Bibliotheksmagazin. Mitteilungen aus der Staatsbibliothek zu Berlin – und reüssierte sofort. Drei mal jährlich erscheint sie und enthält Beiträge, die ein Publikum weit über Bibliothekare und regelmäßige Benutzer hinaus ansprechen. Für jeden, der sich im weitesten Sinne für die Bibliothek interessiert, ist etwas Lesenswertes dabei – und darin liegt der bisher große Erfolg dieser neuen Zeitschrift.

Speziell für Benutzungsfragen gibt es schon seit Jahren monatlich Neues aus der Benutzung – mit geringem Aufwand hergestellt und direkt über die Auskunftsstellen verteilt bzw. im Internet abrufbar, sucht das Blatt den direkten Kontakt und informiert über aktuelle Entwicklungen im Benutzungsbetrieb. Wer den Monatsbericht liest – dieser erscheint seit 2003 und ist direkt über die Website abonnierbar – ist stets vertraut mit den aktuellen Projekten und Leistungen der Bibliothek. Sehr erfreulich ist die breite Resonanz, die seit längerem schon Presse und Rundfunk, und hier vor allem überregional bedeutende Zeitungen und Sender, der Bibliothek zuteil werden lassen. Herauszuheben für das Jahr 2006 sind im Tagesspiegel die zwölfseitige Sonderbeilage „Mozart in Berlin. Weltkulturerbe in der Staatsbibliothek“, welche anlässlich des 250. Geburtstags von Wolfgang Amadeus Mozart am 27. Januar erschien und sich eingehend der im Haus Unter den Linden angesiedelten größten Mozart-Sammlung der Welt widmete. – Die Frankfurter Allgemeine Zeitung stellte Anfang Februar exklusiv den Nachlass Dietrich Bonhoeffers vor. – Rund um die Grundsteinlegung am Haus Unter den Linden gelang es Anfang April, überregional bedeutende Medien für umfassende Berichterstattungen zu begeistern: Die Süddeutsche Zeitung nahm die Grundstein-

14 |

Jahresbericht 2006

Zwei Generaldirektoren der Königlichen Bibliothek und späteren Preußischen Staatsbibliothek: Adolf von Harnack (links) amtierte von 1905 bis 1921, Fritz Milkau von 1921 bis 1925.

legung zum Anlass, die positive Entwicklung der Bibliothek in den letzten Jahren ausführlich zu betrachten; Der Tagesspiegel veröffentlichte am Tag der Grundsteinlegung eine gemeinsam mit der Bibliothek erarbeitete Doppelseite über das Haus Unter den Linden, so dass ein Exemplar dieser Zeitung gemeinsam mit anderen Dokumenten und Münzen in dem Grundstein eingemauert wurde; anknüpfend an die bauliche Entwicklung der Bibliothek sendete 3sat im Juni einen ausführlichen Bericht über die nationale und internationale Bedeutung der Staatsbibliothek zu Berlin als „Identifikationspunkt der Nation“ (so Bundesbauminister Tiefensee im Interview).

scher Kulturbesitz handele. Dieser Band konnte mehr als 60 Jahre nach seiner Evakuierung wieder in den Sammlungszusammenhang eingeordnet werden. Seit nunmehr 50 Jahren ist die SBB-PK eine der Depotbibliotheken der Vereinten Nationen. Dieser Status wurde der Bibliothek am 30. April 1956 verliehen, damals firmierte sie in Marburg als Westdeutsche Bibliothek. In dem halben Jahrhundert ist die Sammlung an Druckschriften der Vereinten Nationen auf ca. 690 laufende Meter angewachsen; dies entspricht etwa 18.000 Bänden. Ergänzt wird dieser dichte Bestand durch die Dokumente der ‚UN-Familie‘, darunter der UNESCO, der Weltbank, der WHO, der FAO und IAEA, 27 Organisationen insgesamt. Seit der Gründung der Churfürstlichen Bibliothek zu Cölln an der Spree im Jahr 1661 haben 27 Bibliothekare die Staatsbibliothek zu Berlin und ihre verschiedenen Vorgängereinrichtungen geleitet. Von 23 dieser Direktoren haben sich Portraits erhalten, welche im Jahr 2006 als Fotografien reproduziert wurden. In der Generaldirektion im Haus Potsdamer Straße hängt jetzt eine Fotogalerie, darunter die Bildnisse von Johannes Raue, Christoph Hendreich, Mathurin Veyssière de La Croze, Karl Richard Lepsius, Valentin Rose, Adolf von Harnack, Fritz Milkau, Hugo Andres Krüß und Horst Kunze.

Auch dies ist erwähnenswert
Es gibt immer wieder Ereignisse, die in einem Jahresbericht keinen rechten Platz finden, dennoch sollen sie nicht unerwähnt bleiben: So erhielt die Abteilung Historische Drucke von einem französischen Antiquar ein wertvolles Buch aus dem Altbestand der Königlichen Bibliothek zurück: Speculum quaestionum moralium von John Case, im Jahr 1589 bei Nicolaus Bassaeus in Frankfurt am Main verlegt. Aufmerksam geworden durch den Stempel Ex Bibliotheca Regia Berolinensi erkundigte sich der Antiquar, ob es sich dabei um einen noch gültigen Eigentumsvermerk der heutigen Staatsbibliothek zu Berlin – Preußi-

Jahresbericht 2006

| 15

Allgemeiner Überblick zur Bibliothek1

Standorte

Haus Unter den Linden 8, 10017 Berlin Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin Zeitungsabteilung im Westhafen, 13353 Berlin in Vorbereitung: Magazinstandort Friedrichshagen 109.600 m2 67.600 m2 97 % 3 % 300

Gesamtnutzfläche davon Magazinflächen Anteil des geschlossenen Magazinbestandes Anteil frei zugänglichen Bestandes Öffnungstage Öffnungsstunden / Woche (montags bis samstags) registrierte Benutzer mit Monats- oder Jahresausweis Benutzerarbeitsplätze davon Computerarbeitsplätze von den Computerarbeitsplätzen mit Internetzugang

70

57.087 1.336 126 63

1 Die Kategorien aller statistischen Angaben in diesem Bericht sind identisch mit jenen der Deutschen Bibliotheksstatistik, siehe auch www.bibliotheksstatistik.de

16 |

Jahresbericht 2006

Haushalt2 und Personal

2006 Einnahmen3 gesamt Finanzierung durch Unterhaltsträger Drittmittel Erwirtschaftete Mittel4 5 22.642.902 18.071.000 3.082.900 1.489.002 52.194.128 32.861.195 9.656.103 8.805.105 (929.955) 850.998 8.809.946 2.081.519 36.558 1.119.382 5.371.968 659.722 207.162 804 79 135 1.365 28

2005 22.437.903 18.071.000 k. A. 1.320.903 52.606.784 33.069.549 8.658.551 7.785.420 (579.427) 873.131 9.643.934 2.289.967 66.076 908.572 5.603.398 710.613 524.137 807 83 285 1.927 25

Ausgaben gesamt Personal Bestandsaufbau / Erwerbungen, davon für Kauf (allein Kauf und Lizenzkosten elektronischer Medien) für Einband Sonstige sächliche Ausgaben, unter anderem für: Datenverarbeitung kommerzielle Dokumentenlieferdienste Bestandserhaltende Maßnahmen Gebäudebezogene Ausgaben einmalige Investitionen (ohne gebäudeerhaltende Maßnahmen) einmalige gebäudebezogene Investitionen Bibliothekspersonal lt. Stellenplan davon gebäudebezogene Stellen zusätzliche Kräfte Fortbildungstage aller Mitarbeiter Auszubildende

2 3 4 5

alle Angaben in Euro keine Einnahmen für Personalkosten bei der Staatsbibliothek, da Veranschlagung beim Haushalt der SPK darin auch Einnahmen aus Benutzungsgebühren, die bei Erwerb einer Jahres- oder Monatskarte erhoben werden Seit 1. Dezember 2006 gilt eine neue Entgeltordnung.

Jahresbericht 2006

| 17

Erwerbungen und Bestandsaufbau
Zugang nach Art der Erwerbung:
2006 konventionelle Medien 151.103 5.883 5.012 13.869 175.867 elektronische Medien 1.205 110 75 93 1.483 konventionelle Medien 158.947 6.350 4.721 14.606 184.624 2005 elektronische Medien 998 23 123 93 1.237

Kauf Tausch Pflicht Geschenke Gesamt

18 |

Jahresbericht 2006

Zugang nach Medienarten:
2006 Zugang Bestand neu Bücher, Zeitschriften und Zeitungen nach buchbinderischen Einheiten, darunter Inkunabeln Rara Sonstige Druckwerke insgesamt, darunter Karten und Pläne nach Blättern Noten nach physischen Einheiten Einblattmaterialien sonstige nicht-elektronische Materialien, darunter AV-Materialien Mikromaterialien nach Einzelstücken weitere Materialien wie Kunstdrucke, Bildpostkarten, CD-ROM in Büchern Handschriften und Autographe, darunter abendländische Handschriften (ohne Musikhandschriften) Handschriftenfragmente und Urkunden Musikhandschriften orientalische Handschriften Autographe Nachlässe, darunter neue Nachlässe Ergänzungen laufend gehaltene nicht-elektronische Zeitschriften und Zeitungen6 davon im Jahr 2006 neu bestellt im Jahr 2006 weggefallene nicht-elektronische Zeitschriften und Zeitungen im Jahr 2006 abbestellte nicht-elektronische Zeitschriften und Zeitungen laufend gehaltene Zeitschriften und Zeitungen in elektronischer Form digitale Bestände (ohne elektron. Zeitschriften und Zeitungen) davon Datenbanken 127.777 6 833 18.446 17.086 1.257 0 28.994 3 27.522 1.469 650 29 0 92 42 487 35 11 24 24.977 1.606 2.698 48 5.003 1.484 503 10.375.109 4.410 201.719 1.754.917 1.052.072 458.608 243.660 10.210.700 49.518 2.589.436 7.571.746 449.419 18.401 1.601 66.599 41.706 320.570 1.483 2005 Zugang Bestand neu 125.687 17 282 66.995 65.444 1.374 0 30.229 25.412 7.817 448 20 0 65 152 211 27 10 17 – – – – – 1.534 410 10.247.358 4.404 200.886 1.736.471 1.034.986 457.351 243.660 10.181.164 2.561.914 7.570.277 448.769 18.372 1.601 66.507 41.664 320.083 1.448

– – – – – 7.905 2.647

– – – – – 6.421 2.144

6 Für das Jahr 2005 liegen zu den gedruckten und elektronischen Zeitschriften keine gesicherten Angaben vor.

Jahresbericht 2006

| 19

Abzug der sechs Orgelsonaten op. 65 von Felix Mendelssohn Bartholdy mit eigenhändigen Korrekturen

Eintrag Ludwig Tiecks aus dem Jahr 1829 in das Gästebuch von Carl Graf Brühl

Besondere Erwerbungen 2006
Mit Autographen – erworben bei Auktionen, im Fachhandel oder direkt von Sammlern – ergänzten auch im Jahr 2006 die Musikabteilung und die Handschriftenabteilung ihre einzigartigen Bestände. Erworben wurden neben anderen Dokumente von Wilhelm Kempff, Felix Mendelssohn Bartholdy, Friedrich Rochlitz, Max Bruch, Engelbert Humperdinck, Leo Belch, Ferrucio Busoni, Johann Philipp Kirnberger, Otto Nicolai, Gaspare Spontini, Cécile Mendelssohn Bartholdy; Gerhart Hauptmann, Kurt Hiller, Adelbert v. Chamisso, Karl August Varnhagen v. Ense, Jean Paul, Ludwig Tieck, Emil Du Bois-Reymond, Friedrich Fröbel, Pasqual Jordan, Johann Gottlieb Fichte, Georg Friedrich Wilhelm Hegel, Ernst Haeckel, Richard Lepsius und anderen bedeutenden Persönlichkeiten wurden die Sammlungen in der Handschriften- und der Musikabteilung ergänzt. – Hervorzuheben sind ein sehr früher und inhaltsreicher Brief Johann Gottfried Herders und ein ungedruckter Brief Alexander v. Humboldts. Aus Mitteln der Dr. Christa Karoli-Stiftung wurde das Gästebuch des Intendanten der Berliner Staatstheater zu Zeiten E.T.A. Hoffmanns, Carl Graf Brühls, erworben. Neben einem inhaltsreichen Brief des Komponisten Giacomo Meyerbeer an die Sängerin Henriette Sontag konnte ein Korrekturabzug von Felix Mendelssohn Bartholdys sechs Orgelsonaten op. 65 mit

zahlreichen eigenhändigen Korrekturen und Annotationen des Komponisten erworben werden. Für die Handschriftenabteilung/Nachlässe: Der Vorlass des renommierten Berliner Althistorikers Alexander Demandt und das Familienarchiv Cauer konnte in die Bibliothek geholt werde. – Eine Schenkung bereicherte den Nachlass der Brüder Grimm um zwei Korrekturblätter des „Deutschen Wörterbuchs“. – Drei Nachlassergänzungen gehen auf Schenkungen aus Familien zurück: Der Enkel des berühmten Historikers Harry Bresslau überreichte wichtige Dokumente aus einem Teil des großväterlichen Nachlasses, der bis dato bei ihm und anderen Familienangehörigen in Brasilien verwahrt worden war. Anja Hauptmann, Enkelin des Literaturnobelpreisträgers Gerhart Hauptmann, übergab die restlichen noch bei ihr verbliebenen Stücke aus dem Nachlass ihres Großvaters. Die Witwe des vor drei Jahren verstorbenen Berliner Schriftstellers Heinz Knobloch übergab alle noch bei ihr verbliebenen Dokumente seines umfangreichen Nachlasses. – Durch Vermittlung des Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg–schlesische Oberlausitz und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Prof. Dr. Wolfgang Huber, konnte eine vierbändige Lutherausgabe aus der ehemaligen Bibliothek Dietrich Bonhoeffers in seinen Nachlass übernommen werden.

20 |

Jahresbericht 2006

Korrekturblatt des „Deutschen Wörterbuchs“ der Brüder Grimm

Drei bedeutende abendländische Handschriften kamen im Januar 2006 hinzu: Ms. lat. oct. 528, vermutlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Süditalien entstanden, auf Pergament geschrieben mit Historia scolastica, Allegorien zum Alten und Neuen Testament. Ms. germ. fol. 1712, die Fragmente (7 Blätter) enthalten Teile aus dem ersten, dritten und fünften Buch der Natur des Konrad von Megenberg; die Fragmente gehören zu einer zu Beginn des 15. Jahrhunderts entstandenen, heute verschollenen Handschrift. Besonderen Wert erhalten die Blätter dadurch, dass die Staatsbibliothek mit Ms. germ. fol. 1048 (8 Blätter, erworben im 19. Jahrhundert) weitere Fragmente aus dieser Handschrift besitzt. – Ms. germ. oct. 1391, um 1500 in einem niederrheinischen Franziskaner- oder Franziskanerinnen-Kloster entstanden, enthält neben geistlichen Betrachtungen, Anweisungen und Belehrungen die Goldenen Worte des Aegidius von Assisi und die Collacien des Hendrik van Santen. Diese Handschrift ist die einzige bisher bekannte mit dem vollständigen Text der Predigtsammlung. Weitere Erwerbungen der Handschriftenabteilung: Stammbuch des Berliner Pharmazeuten und Chemikers Johann Heinrich Scheibel aus den Jahren 1678 bis 1705; Stammbuch der Johanna Henriette Haas, geb. Decker, Tochter des aus Basel gebürtigen preußischen Hofbuchdruckers Georg Jakob Decker (1732–1799), die im Jahr

1788 Wilhelm Haas (1766–1838) geehelicht hatte; Vorlass Werner Schochow mit umfangreichen Materialien zur Geschichte der Staatsbibliothek zu Berlin. Ostasienabteilung: 300 chinesische medizinische Handschriften aus dem 19. und 20. Jahrhundert (Qing-Zeit und Republikzeit) übergab die Horst Görtz Stiftung als Depositum. – China hat 2006 das Programm Window to China aufgelegt, im Rahmen dessen die Chinesische Nationalbibliothek weltweit 100 Bibliotheken Bücher aus China schenken wird. Auch die SBB-PK kommt in den Genuss dieses Geschenkes, die Ostasienabteilung wird demnächst etwa 100 bis 300 Titel auswählen und in ihren Bestand aufnehmen. Für das Sondersammelgebiet Slawistik konnten, neben anderen Titeln in Originalsprache, ein Gedichtband von Vítezslav Nezval Praha s prsty desté (Prag 1936) sowie die Gesamtausgabe der Werke des russischen Dichters Wladimir V. Majakowskij in einem Band, erschienen in Moskau im Jahr 1941, erworben werden. Für das Sondersammelgebiet Recht wurde ein im Exil verfasster, gedruckter Text von Vladimir Il’ič Uljanov (Lenin) ersteigert. Das kleine Heft, das sich mit dem Gesetz über Geldstrafen befasst, erschien mit einem Umfang von 48 Seiten im Jahr 1897 in Genf.

Jahresbericht 2006

| 21

Melanchthon-Druck aus dem Jahr 1532

Eine der Turntafeln von August Lang, 1876

Die Abteilung Historische Drucke ersteigerte zwei seltene Drucke des 16. Jahrhunderts: Die Magdeburger Ausgabe vom Handbüchlein der Fürnemsten Heuptstücke der Christlichen Lehre von Martin Chemnitz (1579 verlegt bei Francke) sowie eine in den Sammlungen bislang fehlende Ausgabe von Philipp Melanchthon: Elementorvm rhetorices libri dvo, gedruckt bei Georg Rhau zu Wittenberg im Jahre 1532. – Doch auch durch die Abgabe von Drucken aus anderen Bibliotheken kann die Staatsbibliothek immer wieder ihre Sammlungen ergänzen, so beispielsweise im Herbst 2006 durch ein Dublettenangebot der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern: 43 Drucke des 18. und 19. Jahrhunderts, überwiegend schwer zu beschaffende Kleinschriften zu den Themen Recht und Verwaltung der früheren norddeutschen Territorialstaaten und Städte, wurden so in den historischen Druckschriftenbestand aufgenommen. Für die Sammlung Deutscher Drucke/Historische Drucke 1871–1812 erwarb die Abteilung Historische Drucke neben anderem: Ein Beitrag zu der Frage der Ausbildung der Wärterinnen an Irrenanstalten von Pauline von Süssmilch-Hörnig (Dresden ca. 1904); die Betrachtungen eines „alten Soldaten“ über die Leistungen der Norddeutschen Feldpost während des Krieges mit Frankreich 1870–71 von Heinrich Ernst Ludolf von Wulffen (Berlin 1886); die von Rudolf Stoewer zusammengestellte

Geschichte der Stadt Kolberg aus dem Jahr 1897; ein seltenes Zeugnis deutsch-amerikanischer Druckkultur des 19. Jahrhunderts: August Langs Turntafeln, 1876 verlegt bei Shober in Chicago; die Tafeln sind frei bearbeitet nach Justus Carl Lion und August Ravenstein, beide in Deutschland durch Publikationen zur Volkssportbewegung um Friedrich Ludwig Jahn hervorgetreten; ein von der Missouri Einwanderungsgesellschaft in St. Louis herausgegebenes Handbuch für Missouri: enthaltend Darstellungen der landwirthschaftlichen, commerciellen, industriellen … Interessen des Staates; mit seinen topographischen Zügen, Transportgelegenheiten, Gesundheit, Clima etc. (St. Louis 1881); ein von Herman Mittelmann edierter Illustrierter Führer durch die Bukowina (Czernowitz 1908); der von Carl Diem bearbeitete Band über Die Olympischen Spiele 1912 (Berlin 1912). – Dank der Unterstützung durch die Veterinärmedizinische Bibliothek der Freien Universität Berlin wurde der bisher nicht vorhandene 4. Jahrgang der Zeitschrift Archiv für Hygiene aus dem Jahr 1886 ergänzt. Die Kinder- und Jugendbuchabteilung übernahm ein umfangreiches Archiv zur Kinderbuchillustration der Gegenwart aus dem Besitz von Prof. Horst Künnemann (Hamburg), einem international anerkannten Spezialisten für neuere Kinderund Jugendliteratur.

22 |

Jahresbericht 2006

Ein Blatt aus dem Kartensatz Iran

Interessanter Neuzugang: ein Abonnement für Papua New Guinea Post-Courier, deutschlandweit nur hier in Berlin bezogen

Der Kartenabteilung gelang es, einen kompletten Satz topographischer Karten des Iran im Maßstab 1:50.000 zu erwerben. Das Konvolut, erworben im Rahmen des Sammelauftrags der DFG für das Sondersammelgebiet Topographische Karten, umfasst 2.650 moderne Karten mit der aktuellen Topographie in der bekannten UTM-Projektion (Universale Transversale Mercator-Projektion); des Weiteren wurde begonnen – auch dies im Rahmen des Sondersammelgebiets – topographische Karten der zentralasiatischen Republiken Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan und Turkmenistan im Maßstab 1:50.000 zu erwerben. Von den erwarteten 11.300 Blatt sind bis jetzt ca. 5.000 Blatt geliefert. – Zu den weiteren Erwerbungen der Kartenabteilung zählt ein Geschenk vom Freundeskreis für Cartographica: Überreicht wurde ein handschriftliches Kartenwerk aus dem Jahre 1795, das die Grundstückverhältnisse des Ritterguts Weisenburg (Thüringen) in Grundrissen darstellt. Es kann als profane Ergänzung zum Neuzeller Stiftsatlas betrachtet werden. Das Fachreferat Geschichte erwarb das von der Fondation de la France Libre herausgegebene siebenbändige Werk La Mémoire des Français Libres. Das 2002 in einer Auflage von nur 250 Kaufexemplaren erschienene und in Deutschland nur mit diesem einen Exemplar nachgewiesene Werk dokumentiert umfassend die Arbeit der im Herbst 1945 unter der Schirmherrschaft von Charles de

Gaulle gegründeten Association des Français Libres bis hin zu ihrer Überführung in eine Stiftung im Jahr 2000 und enthält einen Teilreprint der in Deutschland bisher nicht nachgewiesenen Verbandszeitschrift. Die Orientabteilung erhielt als Dauerleihgabe Mikrofilme von etwa zehntausend laotischen Handschriften mit etwa drei bis vier Millionen Seiten (1.035 Filmrollen mit 520.000 Aufnahmen), in Laos im Rahmen des Preservation of Lao Manuscripts Programme (als Teil der Lao-German Cooperation) mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes zuvor verfilmt. Damit nähert sich die Zahl der orientalischen Handschriften, die in Form von Mikrofilmen in der Orientabteilung aufbewahrt werden, der Größenordnung von 200.000. – Vom Museum für Völkerkunde Hamburg erhielt die Abteilung zwei äthiopische Handschriften, die zuvor dem Museum zur freien Verfügung geschenkt worden waren. Es handelt sich bei beiden um ein Mäzmurä Dawit, also um die Psalmen Davids, vermutlich aus dem 15./16. bzw. 18. Jahrhundert. Die Zeitungsabteilung erwarb u. a. ein Konvolut des äußerst seltenen und bisher in Bibliotheken mit diesen Ausgaben nicht nachgewiesenen Holzmindischen Wochenblattes aus den Jahren 1785 bis 1791 (unvollständig), sodann den fast vollständigen Jahrgang 1873 des Anzeigers für das Havelland.

Jahresbericht 2006

| 23

Ersatz von Kriegsverlusten für die Sammlung Historische Drucke …

… und für die Globensammlung

Spandauer Anzeiger und eine sehr gut erhaltene Ausgabe der Berliner Morgenpost für die Jahre 1940 bis April 1945. Außerdem erwarb die Abteilung von der in Deutschland seltenen satirischen Pariser Zeitschrift Le Charivari umfangreiche Teile der Jahrgänge 1861, 1862, 1863 und 1867. Auch der Jahrgang 1827 der in Gotha erschienenen National-Zeitung der Deutschen sowie die Monate April bis Juni 1932 des gleichfalls seltenen Karlshorster Lokal-Anzeigers wuchsen der Abteilung zu. – Bei den rund 360 laufenden Zeitungsabonnements gab es einen interessanten Neuzugang: ein Abonnement für Papua New Guinea Post-Courier, diese Zeitung wird deutschlandweit nur hier in Berlin bezogen. Das Fachreferat Physik/Astronomie erwarb ein nummeriertes Exemplar des faksimilierten so genannten Einstein-Besso-Manuskripts, versehen mit einer Einführung von Michael Janssen, verlegt bei Scriptura-Aristophil in Paris.

eine Erstausgabe der Poësies Diverses von Friedrich II., König von Preußen, verlegt 1760 bei Voss in Berlin. Die Besonderheit dieser Ausgabe besteht in dem Paginierungsfehler der Seite 346 [i. e. 306] und der zwischengebundenen Illustrationsfolge von S. Fokke. Die von Pamphilus Gengenbach verfasste und im Jahr 1523 in Basel herausgegebene reformatorische Schrift Nouella war im selben Jahr auch unter dem Titel Ein grausame history von einem Pfarrer und einem geyst und dem Murne … erschienen und gilt als seine beste Satire gegen Thomas Murner. Die Kartenabteilung erwarb aus dem Nachlass des Kartographen Kiepert seinen Erdglobus aus dem Jahr 1935 und ersetzte so ein im Krieg verloren gegangenes Stück.

Zeitschriften und Datenbanken, Fernzugriff
Die SBB-PK bietet derzeit mehrere Pakete von Online-Zeitschriften an, hier einige herausragende Beispiele: Fachübergreifende Pakete sind JSTOR mit derzeit 882 Zeitschriften (vom ersten Jahrgang an, aber ohne die aktuellsten Jahrgänge), MUSE mit derzeit 309 geistes- und sozialwissenschaftliche Titeln als Volltexte, DIGI-Zeitschriften mit derzeit 77 Zeitschriften. Für Juristen besonders interessant sind die Pakete Beck Online mit derzeit 68 und Hein Online mit derzeit 982 Zeit-

Ersatz für erlittene Kriegsverluste
Die Abteilung Historische Drucke konnte durch antiquarische Käufe mehrere Kriegsverluste ausgleichen, darunter zwei zentrale Werke Dard Hunters aus den zwanziger Jahren, The Literature of Papermaking 1390–1800 (1925) und Primitive Papermaking (1927). Wiederbeschafft wurde auch

24 |

Jahresbericht 2006

schriften. Elektronische Osteuropa-bezogene Zeitschriften sind via Central and Eastern European Online Library C.E.E.O.L. und via Integrum, dem größten russischen Datenbankdienst, für registrierte Benutzer der SBB-PK zugänglich. Alle Pakete sind so abonniert, dass neu hinzukommende Titel ebenfalls sofort benutzt werden können. Die Summe der elektronischen Zeitschriften und Datenbanken, die die SBB-PK im Fernzugriff (remote access) anbietet, hatte – inklusive der

Nationallizenzen – Ende November die Zahl von 2.000 Titeln überschritten. Im Angebot finden sich u. a. ProQuest-Volltextdatenbanken zur deutschen und englischen Literatur, bibliographische Datenbanken wie die Bibliography of the History of Art, geistes- und sozialwissenschaftliche Zeitschriften wie das Periodika-Paket von MUSE und Hein Online.

Jahresbericht 2006

| 25

Erschließung und Verbesserung der Nachweissituation

Formalerschließung Neuzugang, davon unter Nutzung von Fremddaten Eigenkatalogisate Retrokatalogisierung, davon unter Nutzung von Fremddaten Eigenkatalogisate Korrekturen Sacherschließung, verbal erschlossene Titel darunter neu angelegte Normdatensätze systematisch erschlossene Titel

2006 98.057 59.835 38.222 187.496 88.288 64.995 589.222 42.510 2.452 52.057

2005 122.280 62.252 60.028 316.048 164.147 151.901 662.791 42.401 2.151 51.176

26 |

Jahresbericht 2006

Verbundarbeit, besondere Projekte
Im Rahmen des Systems der Nationallizenzen ist die von der SBB-PK betriebene Zeitschriftendatenbank (ZDB) für den zentralen Nachweis der in den geförderten Datenbankprodukten vorhandenen Zeitschriftentitel zuständig. Die Zentralredaktion der ZDB hat dabei über 2.000 Titel korrigiert bzw. neu katalogisiert. Die Titel werden über den Datendienst der ZDB auch allen regionalen Verbundsystemen zur Verfügung gestellt und sollen von dort bei Bedarf auch in die lokalen Bibliothekskataloge übernommen werden. Für alle knapp 50 Produkte mit Nationallizenz wurden in der Bibliotheksdatei der ZDB (= Sigelverzeichnis online) Produktsätze unter einem virtuellen Sigel (WWW 49/...) eingerichtet. Sofern Zeitschriftentitel in dem Produkt enthalten sind, können diese über einen direkten Link aufgerufen werden. Außerdem werden alle Titel auch in einer besonderen Sicht „Nationallizenzen“ im Online-Katalog der ZDB angezeigt, so dass sich jeder Bibliotheksbenutzer orientieren kann, welche Zeitschriften in seinem Fachgebiet als deutschlandweite Nationallizenz zur Verfügung stehen. Seit August 2006 arbeiten die ZDB, ihr technischer Partner Deutsche Nationalbibliothek und die Elektronische Zeitschriftenbibliothek Regensburg (EZB) daran, durch die Entwicklung und

Implementierung gemeinsamer endnutzerorientierter Dienstleistungen die beiden Systeme ZDB und EZB funktional zu integrieren. Auch dieses Projekt wird von der DFG gefördert. Zum einen soll eine gemeinsame Verfügbarkeitsrecherche für ZDB und EZB entwickelt werden, welche auf der Basis einer integrierten Bestands- und Lizenzanzeige den Nutzern von fachbezogenen und fachübergreifenden Portalen umfassende Informationen zu Zeitschriftenbeständen und Lizenzen liefert, dies zugleich in den Zugangssystemen von ZDB und EZB durch Nutzung von Daten aus dem jeweils anderen System ermöglicht. Zum anderen soll ein integrierter Datenlieferdienst von ZDB und EZB auf der Grundlage eines gemeinsamen Datenmodells entwickelt werden. Regionale und lokale Bibliothekssysteme können damit ihren Nutzern vollständige Verfügbarkeitsinformationen im Bereich Zeitschriften anbieten. Die Arbeitsgemeinschaft der Verbundsysteme kam im April zu ihrer 50. Sitzung in der SBB-PK zusammen. Derzeit beschäftigt sich die Arbeitsgemeinschaft der sechs deutschen Katalogisierungsverbünde u. a. mit einer zukünftig kooperativ zu gestaltenden Katalogisierung neu erscheinender Werke. Die Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek unterzeichnete einen Kooperationsvertrag mit den Philosophischen Fakultäten der Humboldt-

Jahresbericht 2006

| 27

Gründungsurkunde der „Aufbau-Verlag GmbH“ vom 17. 8. 1945

Beispiel für eine handschriftliche Titelkarte …

Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin, Ziel ist die kontinuierliche Erschließung unbearbeiteter Nachlässe. Die Zusammenarbeit erleichtert die mittel- und langfristige Planung der Erschließungsvorhaben, die Festlegung von Prioritäten sowie die Vereinheitlichung und Institutionalisierung der Nachlasserschließung. Durch die Zusammenarbeit zwischen bestandshaltenden Institutionen wie der SBB-PK und universitärem Lehrangebot werden eine zusätzliche Qualifizierung der Nachwuchswissenschaftler und eine Erweiterung des universitären Bildungsangebots erreicht. Die Kooperation ist für weitere Institutionen und Universitäten offen. Im April startete das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Pilotprojekt zur dezentralen Retrokonversion von Nachlassnachweisen. Die SBB-PK koordiniert das Vorhaben, an dem sich auch die Akademie der Künste Berlin, das Deutsche Literaturarchiv Marbach, die Sächsische Landesbibliothek / Staats- u. Universitätsbibliothek Dresden und das Hauptstaatsarchiv Stuttgart beteiligen. Erwartet werden Erkenntnisse über die Organisation einer breit angelegten dezentralen Retrokonversion in weiteren Bibliotheken und Archiven. Archivalien, die für das historische Erbe Deutschlands besonders bedeutsam sind, werden vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastro-

phenhilfe auf Mikroformen kopiert im Zentralen Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland aufbewahrt. Zu diesen Schätzen gehört jetzt auch das historisch und wissenschaftlich bedeutsame Archiv des Aufbau-Verlags für die Jahre 1945 bis 1990, welches als Depositum in der Handschriftenabteilung aufbewahrt wird. Der Verlag, gegründet 1945, war der bedeutendste Verlag für Literatur in der DDR, er gehört heute zur Aufbau Verlagsgruppe GmbH. Für die Jahre 1945 bis 1990 umfasst das Archiv 1,2 Millionen Blätter Geschäftsdokumente, Korrespondenzen mit inund ausländischen Autoren, Manuskripte, Gutachten und anderes Quellenmaterial zur Geschichte des Verlags. Um dieses Quellenmaterial hier für die Forschung zugänglich zu machen und zugleich die oft fragilen Originale zu schützen, ließ die SBB-PK in den letzten beiden Jahren das komplette Archiv verfilmen und digitalisieren, finanziert wurde diese Sicherungsmaßnahme vom Bund. Im Zuge dieser Erschließungs- und Sicherungsarbeiten konnte die Handschriftenabteilung die elektronische Datenbank Aufbau Digital einrichten, zu benutzen in der Bibliothek. Das im Sommer 2005 gestartete Projekt zur Konversion von Titelkarten in elektronische Titeldaten in der Kartenabteilung wurde erfolgreich beendet: 75.500 Titelkarten kartographischer Materialien mit Erscheinungsjahr ab 1940 wurden gescannt, 26.200 Titel neu aufgenommen.

28 |

Jahresbericht 2006

… und ihre elektronische Entsprechung nach der Konversion

Fördermittel ermöglichten die Tintenanalyse an der im Jahr 1343 vollendeten Bibel „Erfurt 1“.

Die Nachweissituation der Kartenabteilung der Staatsbibliothek hat sich dadurch deutlich verbessert, dies ist vor allem auch mit Blick auf weitere retrospektive Katalogisierungen von Karten und Atlanten im Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) von Bedeutung. Mit finanzieller Unterstützung der an der Universität Kiel und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen angesiedelten Forschungsstelle zur Bearbeitung der Kritischen Gesamtausgabe der Werke Schleiermachers wurde das SchleiermacherArchiv in der Handschriftenabteilung der wissenschaftlichen Edition entsprechend neu geordnet und verzeichnet. Der Theologe und Philosoph Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768– 1834) gilt als „protestantischer Kirchenvater“ des 19. Jahrhunderts. Mit finanzieller Unterstützung durch die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn wird das von der Handschriftenabteilung betreute Archiv des bedeutenden Wissenschaftsverlags de Gruyter derzeit einer Revision unterzogen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft verlängerte Mitte Juli die Projektförderung zum Aufbau der geschichtswissenschaftlichen Fachportale Clio-online und Zeitgeschichte-online für weitere zwölf bzw. zwanzig Monate. Beide Portale gehören seit ihrer Gründung zu den am intensivsten

nachgefragten deutschsprachigen Informationsangeboten für die Geschichtswissenschaften im Internet. An ihrem Aufbau sind eine Reihe wichtiger wissenschaftlicher Einrichtungen (darunter die Humboldt-Universität zu Berlin und das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) sowie mehrere Forschungsbibliotheken, das Bundesarchiv und die Jahresberichte für Deutsche Geschichte beteiligt. Der Nachlass des Schriftstellers und Nobelpreisträgers Gerhart Hauptmann (1862–1946) ist jetzt vollständig katalogisiert und im StabiKat nachgewiesen. Während der größte Teil des Hauptmann-Nachlasses in der Staatsbibliothek aufbewahrt und im Handschriften-Lesesaal zu benutzen ist, findet sich im StabiKat jetzt auch der Standortnachweis für die rund 800 Bücher umfassende Dauerleihgabe an das GerhartHauptmann-Museum in Erkner südlich von Berlin. Auf Antrag der SBB-PK bewilligte die FritzThyssen-Stiftung Fördermittel für die Durchführung von Mikro-Röntgenfluoreszenz-Analysen der Eisengallus-Tinten an der Bibel „Erfurt 1“. Diese im Jahr 1343 vollendete Bibel ist die größte bekannte hebräische Bibelhandschrift auf Pergament. Die Analysen sollen Auskunft über die genauere Zusammensetzung der verwendeten Tinten und damit Erkenntnisse über die Entste-

Jahresbericht 2006

| 29

Digitalisiert: Amtspresse Preußens

Datenbank zu Berlin-Ansichten

hungsgeschichte der Bibel erbringen. Die Tintenuntersuchungen – die ersten solchen Untersuchungen an mittelalterlichen hebräischen Handschriften überhaupt – wurden im Herbst 2006 durchgeführt. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Die Leitungskommission der Katalogisierung der Orientalischen Handschriften in Deutschland tagte in der Staatsbibliothek. Dieses Projekt der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen wird seit seiner Gründung vom jeweiligen Leiter der Orientabteilung der SBB-PK geleitet. Im Jahr 2006 erschienen drei weitere Katalogbände und zwei Supplementbände, so dass die Gesamtzahl der in Stuttgart beim Verlag Steiner publizierten Bände des Verzeichnisses der Orientalischen Handschriften in Deutschland nunmehr 122 Katalog- und 451 Supplementbände beträgt.

sche Presse des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts, bekannt als Amtspresse Preußens, wurde im damaligen Berlin in enger Kooperation mit dem preußischen Staatsministerium und dem Innenministerium herausgegeben. Die Zeitungsabteilung der SBB-PK hat mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Amtspresse Preußens digitalisieren und die neue Datenbank für die Nutzung via Internet aufbereiten lassen. Für die historisch-politische, kommunikationshistorische ebenso wie für die politologische und soziologische Forschung ist damit eine zentrale Quelle der regierungsoffiziellen Kommunikation der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts übers Internet umfangreich erschlossen. In der Kartenabteilung der SBB-PK befinden sich ca. 155.000 geographisch-topographische Ansichten. Fast ein Zehntel bezieht sich auf das Territorium von Berlin aus der Zeit des Wandels von einer Residenzstadt zu einer der größten europäischen Metropolen. Dieses Segment gezeichneter, gedruckter und fotografischer Berlin-Ansichten ist in einer speziellen Datenbank bibliographisch erschlossen worden, die schrittweise über das Internet zugänglich gemacht wird. Esperanto, Jagdkunde, Novemberrevolution, … – die Abteilung Historische Drucke stellt auf ihren Homepage-Seiten nicht nur die von der Abteilung verwalteten Sondersammlungen vor, son-

Sammlungen via Internet, besondere Präsentationen eigener Bestände
Wohl kein in Preußen erscheinendes Presseerzeugnis unterstützte so offen und erfolgreich die propagandistischen Ziele der Regierung wie die von 1863 bis 1884 wöchentlich publizierte Provinzial-Correspondenz bzw. deren Nachfolger Neueste Mittheilungen, erschienen 1882 bis 1894. Diese auflagenstärkste und einflussreichste politi-

30 |

Jahresbericht 2006

A. v. Humboldt und A. Bonpland in der Urwaldhütte am Orinoco

Cacajoa-Äffchen, gezeichnet von A. v. Humboldt

dern präsentiert seit kurzem auch ausführliche Beschreibungen ausgewählter Bestandssegmente des allgemeinen historischen Druckschriftenbestandes. Forscher und andere interessierte Nutzer finden unter anderem Informationen über Inhalt, Struktur, Umfang und Provenienz der Literatur sowie Angaben über eventuelle Verluste durch den Zweiten Weltkrieg. Die Handschriftenabteilung hat aus den hier verwahrten Nachlässen und Autographensammlungen im Jahr 2006 drei Internet-Präsentationen arrangiert, die den Zugang zu ausgewählten Dokumenten für alle Interessenten ermöglichten: Aus Anlass des 100. Geburtstags Dietrich Bonhoeffers Anfang Februar führt eine achtminütige Foto-Ton-Dokumentation online durch Leben und Werk Bonhoeffers. Zum Internationalen Frauentag wurden aus dem Bestand Briefe berühmter Frauen – Politikerinnen, Regentinnen, Künstlerinnen und andere – digitalisiert und teilweise transkribiert, sodann um Portraits ergänzt und sind online einsehbar. Alexander von Humboldt, der berühmte Berliner Naturforscher, kommt den Internet-Nutzern mit Portraits, Briefen und Zeichnungen nah.

Zarin Katharina II. schreibt 1788 an Elisa von der Recke

Dietrich Bonhoeffer mit Weddinger Konfirmanden im Harz, 1932

Jahresbericht 2006

| 31

Benutzung der Bibliothek, ihrer Bestände und Dienstleistungen

Die Zahl der Bestellungen aus den Magazinen Unter den Linden und Potsdamer Straße sowie aus dem für die Zeit der Bauarbeiten eingerichteten Interimsmagazin im Westhafen blieb im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant und bewegt sich nun schon im dritten Jahr auf einem sehr hohen Niveau. Im Vergleich zum Jahr 2003 waren im Jahr 2006 rund ein Viertel bis ein Drittel mehr Bestellungen zu bearbeiten. Dieses Mehr an Dienstleistung innerhalb kurzer Zeit wird von einer gleich bleibenden Anzahl an Mitarbeiter erbracht. Die hohe Nachfrage nach den Dienstleistungen der Bibliothek ist vor dem Hintergrund der wachsenden Belastungen von Benutzern und Beschäftigten durch die Bauvorhaben in den bei-

den großen Häusern besonders bemerkenswert: Die Bestände werden offenbar sehr gebraucht. Die logistischen und organisatorischen Herausforderungen werden durch die Planungsbüros sowie durch die ausführenden Fremdfirmen und Bibliotheksmitarbeiter gut gemeistert. Leicht rückläufig war die Zahl der Bibliotheksbesuche, was jedoch auch einen erfreulichen Hintergrund hat: Die Berliner Universitäten investierten in den letzten Jahren mehr als je zuvor in den Ausbau ihrer Bibliotheken und nahmen mehrere neue Lesesäle in Betrieb. Die in den Jahren zuvor häufig überfüllten Lesesäle der SBBPK wurden so endlich entlastet, im Jahr 2006 musste an keinem Tag mehr der weitere Zutritt zu den Lesesälen eingeschränkt werden.

32 |

Jahresbericht 2006

Allgemeine Statistik
2006 1.521.228 1.158.135 1.806.791 640.751 109.217 241.147 4.400.305 2005 1.721.314 1.186.448 1.865.056 731.662 157.348 257.301 4.476.954

Bibliotheksbenutzungen an allen Standorten Bestellungen Benutzte physische Einheiten vor Ort mit Verlängerungen7 Benutzte physische Einheiten außer Haus Vormerkungen Erinnerungen, Mahnungen von Benutzern erstellte Fotokopien

Nutzung elektronischer Dienstleistungen
2006 13.017.368 75.827 108.340 1.050.919 3.329.155 2005 11.264.323 52.128 83.357 891.974 2.940.513

Zugriffe auf den lokalen Online-Katalog www.stabikat.de Zugriffe auf elektronische Zeitschriftentitel im Fernzugriff Zugriffe auf Datenbanken Zugriffe auf Bibliotheks-Website (visits) Zugriffe auf Bibliotheks-Website (pages)

Fernleihe und Dokumentenlieferung
2006 aktiv/gebend passiv/nehmend 76.817 5.950 5.659 297 7.616 63.134 4.760 3.935 175 5.398 13.721 1.183 1.171 58 246 5.152 6.493 2005 aktiv/gebend passiv/nehmend 85.612 5.533 6.330 285 13.148 71.890 4.462 4.556 136 10.543 19.450 1.112 1.529 83 450

bearbeitete Bestellungen darunter internationaler Leihverkehr Direktlieferdienste positiv erledigte Bestellungen darunter internationaler Leihverkehr Direktlieferdienste durch Kopien erledigte Bestellungen darunter internationaler Leihverkehr Direktlieferdienste durch elektronische Übermittlung erledigte Bestellungen

7 Ungezählt ist, wie oft die in den Lesesälen frei zugängliche Literatur konsultiert wird.

Jahresbericht 2006

| 33

Verbesserung des Benutzungskomforts
Die Verbesserungen im Benutzungskomfort im Jahr 2006 basierten auf Virtualität, welche den Benutzern, die die neuen Möglichkeiten nutzten, zusätzliche Wege in die Bibliothek ersparten: Nach und nach können immer mehr Datenbanken im Fernzugriff erreicht werden, beispielsweise wurden die Zugriffe auf Online-Ausgaben von Zeitungsdatenbanken auch auf Infotrac customs newspapers mit ca. 140 englischsprachigen Zeitungen und auf American historical newspapers mit derzeit acht Titeln ausgedehnt. Seit längerem schon ist der Fernzugriff auf The Times Digital Archive und The Times Literary Supplement möglich. – Die Ausleihe von Büchern kann inzwischen per SMS verlängert werden. – Das Arrangement eines ersten Bibliotheksbesuchs ist nun via Internet möglich, so dass der künftige Bibliotheksbenutzer schon bei seiner ersten Ankunft in Berlin bereits bestellte Literatur ohne Wartezeiten in Empfang nehmen kann.

Benutzerschulungen
Das inzwischen fest etablierte Programm der Benutzerschulungen wurde auch im Berichtsjahr umfassend angenommen: Datenbankschulungen 97 Schulungen zu 85 verschiedenen Datenbanken mit 596 Teilnehmern Fachführungen durch Fachreferenten 63 Führungen mit 419 Teilnehmern Einführung in die Benutzung allgemein und in die Altbestandsrecherche 320 Schulungen mit einem zeitlichen Volumen von 484 Stunden Nicht erfasst sind die vielen Führungen und Präsentationen für kleine Gruppen in den Sonderabteilungen.

34 |

Jahresbericht 2006

Pflege und Erhaltung der Bestände

Allein für die restauratorische und buchbinderische Pflege und Erhaltung der Bestände konnten über 1,1 Millionen Euro ausgegeben werden. Die Hälfte dieser Mittel stammte aus den Gebühren, die Benutzer beim Kauf eines Monats- oder Jahresausweises entrichten. Säurefraß, Materialalterung und andere chemischen Prozesse setzen den verschiedenartigen Materialien im Lauf der Jahre zu, doch auch die physische Beanspruchung der Bestände durch deren Benutzung führt zu diversen Schäden, welche fortlaufend repariert werden müssen. Im europäischen Kontext waren die Restauratoren der Abteilung für Bestandspflege und Reprographie, die über ausgezeichnete Expertisen ver-

fügen, gefragte Partner für die Konzeption und Organisation des Ersten Europäischen Kongresses großer Bibliotheken und Archive „Schriftliches Kulturerbe erhalten – eine nationale Aufgabe im europäischen Rahmen“. Vom 13. bis 15. März 2006 kamen 99 Wissenschaftler, Bibliothekare und Archivare aus 15 Ländern nach Leipzig, um erstmalig mit europäischer Perspektive die drängenden Fragen zur Sicherung und zum dauerhaften Erhalt schriftlicher Kulturgüter zu erörtern. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer kamen aus der Schweiz, Großbritannien, den USA und den Niederlanden sowie aus Polen, Litauen, der Tschechischen Republik, Lettland, Estland, Slowenien, der Slowakei, Ungarn, Irland und Spanien.

Jahresbericht 2006

| 37

Mitgliedschaften und Mitarbeit in Gremien

Die Staatsbibliothek zu Berlin ist institutionelles Mitglied

auf nationaler Ebene bei
Arbeitsgemeinschaft der Bibliotheken und Dokumentationsstellen der Ost-, Ostmittel- und Südosteuropaforschung e. V. – ABDOS Berliner Bibliophilen Abend Centrale für Coorganisation GmbH – CCG Deutsche Gesellschaft für Dokumentation / Berliner Arbeitskreis (BAK) Deutsche Gesellschaft für Freunde der Bibliotheca Alexandrina Deutsche Gesellschaft für Recht und Informatik e. V. Deutsche Morgenländische Gesellschaft Deutscher Bibliotheksverband – DBV Deutsches Forschungsnetz Deutsche Initiative für Netzwerkinformation – DINI DigiZeitschriften e.V. Forum Zeitschriften / German Speaking Serials Interest Group – GeSIG Freunde mainfränkischer Kunst und Geschichte Friedrich-Althoff-Konsortium Gutenberg Gesellschaft Humboldt-Universitäts-Gesellschaft Informationsdienst Wissenschaft (idw) Internationale Arbeitsgemeinschaft Archiv-, Bibliotheks- und Graphikrestauratoren (IADA) Vascoda – Internetportal für wissenschaftliche Information Verein zur Förderung der Gerhart-HauptmannHäuser Wissenschaftliche Buchgesellschaft

auf internationaler Ebene bei
American Library Association Committee on East Asian Libraries / CEAL Consortium of European Research Libraries European Bureau of Library, Information and Documentation Associations – EBLIDA European Commission on Presentation and Access Trippenhuis International Federation of Library Associations and Institutions – IFLA International Association of Law Libraries Ligue des Bibliothèques Européennes de Recherche – LIBER Internationale Arbeitsgemeinschaft der Papierhistoriker

38 |

Jahresbericht 2006

In zahlreichen Vereinen, Verbänden und Gremien vertreten Mitarbeiter der Staatsbibliothek zu Berlin die Interessen der Institution:
Academic Linkshare über ViFa Recht Christine Bruchmann-Luther allegroHANS (Handschriften, Autographen, Nachlässe, Sonderbestände) / Anwendergemeinschaft Hans-Jörg Lieder Allianz zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts Barbara Schneider-Kempf (Sprecherin), Andreas Mälck Arbeitsgemeinschaft der Bibliotheken und Dokumentationsstellen der Ost-, Ostmittel- und Südosteuropaforschung e.V. – ABDOS Vaclav Zeman Arbeitsgemeinschaft der Verbundsysteme Ulrike Junger Arbeitsgemeinschaft der Verbundsysteme / AG Kooperative Neukatalogisierung Barbara Sigrist Arbeitsgemeinschaft der Verbundsysteme / AG Leihverkehr Andreas M. Heise Arbeitsgemeinschaft Deutsche Handschriftenzentren Prof. Dr. Eef Overgaauw, Dr. Robert Giel Arbeitsgemeinschaft zu europäischen Angelegenheiten für Bibliotheken, Archive, Museen und Denkmalpflege – EUBAM / Sekretariat Hans-Jörg Lieder (Leiter) Arbeitskreis der Ausbildungsleiter des Bundes für die Ausbildung von Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FaMI) Dr. Christian Oesterheld, Ursula Jäcker Arbeitskreis für die Erfassung, Erschließung und Erhaltung historischer Bucheinbände – AEB Ninon Suckow (Vorstandsmitglied), Andreas Wittenberg (Sprecher des AK), Thomas Klaus Jacob Arbeitskreis für Jugendliteratur e. V. Carola Pohlmann Arbeitskreis Nachlasserschließung und Edition Dr. Jutta Weber

Association Internationale des Bibliothèques, Archives et Centres de Documentation Musicaux – AIBM Roland Schmidt-Hensel Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaft / Kommission Jahresberichte für Deutsche Geschichte Robert Zepf Berlin-Brandenburgischer Leihverkehr / AG BBL Renate Banz Berliner Arbeitskreis Information – BAK Heinz-Jürgen Bove (Vorstandsmitglied), Birgit Stumm Bibliotheksverbund Bayern – Kommission für Aus- und Fortbildung (KAF) Ursula Jäcker (Ständiger Gast), Dr. Christian Oesterheld (Ständiger Gast) Bibliothèque Universitaire des Langues et Civilisations / BULAC – Conseil Scientifique (Wissenschaftlicher Beirat) Petra Figeac Clio-online e. V. – Vorstand Robert Zepf Comité international de paléographie latine Prof. Dr. Eef Overgaauw (Vorstandsmitglied) Consortium of European Research Libraries – CERL Gerd-Josef Bötte Datenbank-Infosystem – DBIS Viola Neumann Datenbank-Infosystem – DBIS, AG Profil Andrea Stei (ZDB-Vertretung) Deutsche Digitale Bibliothek – DDB / BundLänder-Fachgruppe Hans-Jörg Lieder (Koordinator) Deutsche Forschungsgemeinschaft – DFG / AG Nationallizenzen Ulrike Junger (ZDB-Vertretung) Deutsche Forschungsgemeinschaft – DFG / AG regionale Sondersammelgebiete Matthias Kaun Deutsche Gesellschaft für Geschichte und Theorie der Biologie – DGGTB Dr. Katrin Böhme

Jahresbericht 2006

| 39

Deutsche Gesellschaft für Kartographie – DGfK Wolfgang Crom (Vorstandsratmitglied), Dr. Markus Heinz (Vorstandsmitglied) Deutsche Gesellschaft für Kartographie – DGfK / Kommission Geschichte der Kartographie Dr. Markus Heinz (Leiter d. Kommission) Deutsche Gesellschaft für Kartographie – DGfK / Kommission Kartenkuratoren Wolfgang Crom (Leiter d. Kommission) Deutsche Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenchaft – DGPuK Dr. Joachim Zeller Deutsche Morgenländische Gesellschaft – DMG Dr. Hartmut-Ortwin Feistel Deutsche Nationalbibliothek / Beirat – DNBBeirat Barbara Schneider-Kempf Deutscher Bibliotheksverband – DBV / AG Handschriften und Alte Drucke Annette Wehmeyer Deutscher Bibliotheksverband – DBV / AG Handschriften und Alte Drucke, UAG Provenienzerforschung und Provenienzerschließung Michaela Scheibe (Vorsitzende) Deutscher Bibliotheksverband – DBV / Kommission Bibliothekstantieme Peter Gruber Deutscher Bibliotheksverband – DBV / Landesverband Berlin Dr. Daniela Lülfing (Vorstandsmitglied) Deutscher Bibliotheksverband – DBV / Rechtskommission Armin Talke Deutscher Bibliotheksverband / Sektion Universalbibliotheken – DBV / Sektion 4 / AG Bestandserhaltung Andreas Mälck Deutscher Bibliotheksverband / Sektion Universalbibliotheken – DBV / Sektion 4 / AG Sondersammelgebietsbibliotheken Barbara Schneider-Kempf (Stellvertretende Vorsitzende), Dr. Gerhard Kanthak Deutsches Komponistenarchiv Dr. Joachim Jaenecke (Mitglied d. Beirats)

Deutsches Musikinformationszentrum beim Deutschen Musikrat Dr. Joachim Jaenecke (Mitglied d. Beirats) Digi Zeitschriften e. V. Dr. Joachim Jaenecke DIN Deutsches Institut für Normung / Expertengruppe Bau und Nutzungsplanung für wissenschaftliche Bibliotheken Dr. Daniela Lülfing DIN Deutsches Institut für Normung / Normungsausschuss Bibliotheks- und Dokumentationswesen 7 Dr. Karl Werner Finger DIN Deutsches Institut für Normung / Normungsausschuss Bibliotheks- und Dokumentationswesen 8 (Nummerungssysteme): Unterarbeitsgruppe ISMN Dr. Joachim Jaenecke (Obmann) Elektronische ZeitschriftenBibliothek – EZB / Anwendertreffen Andrea Stei (ZDB-Vertretung) English Short Title Catalogue (1473–1800) – ESTC Gerd-Josef Bötte Europäische Musikbörse beim Deutschen Musikrat Dr. Joachim Jaenecke (Mitglied d. Beirats) European Association for Chinese Studies – EACS – Jahrestreffen Matthias Kaun European Association of Sinological Librarians – EASL Matthias Kaun European Register of Microform and digital Masters – EROMM Dr. Joachim Jaenecke (Mitglied d. Beirats) Forum Zeitschriften GeSIG (German Speaking Serials Interest Group) / AG Zeitungen Dr. Joachim Zeller (Vorstandsmitglied) Freundeskreis für Cartographica in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Wolfgang Crom (Vorstandsmitglied, Geschäftsstelle) Friedrich-Althoff-Konsortium – FAK Dr. Ursula Stanek

40 |

Jahresbericht 2006

Gemeinsamer Bibliotheksverbund – GBV / AG Alte Drucke Gerd-Josef Bötte, Michaela Scheibe Gemeinsamer Bibliotheksverbund – GBV / AG ERM der FAG Lokale Geschäftsgänge Dr. Silke Trojahn Gemeinsamer Bibliotheksverbund – GBV / AG Karten Sybille Lüker (Sprecherin) Gemeinsamer Bibliotheksverbund – GBV / AK Elektronische Ressourcen (begrenzt) Christa Große Gemeinsamer Bibliotheksverbund – GBV / AK Elektronische Ressourcen (fortlaufend) Annett Arnold Gemeinsamer Bibliotheksverbund – GBV / Fachbeirat Günter Hädrich, Ulrike Junger Gemeinsamer Bibliotheksverbund – GBV / FAG Erschließung Ulrike Junger (Sprecherin) Gemeinsamer Bibliotheksverbund – GBV / FAG Fernleihe und Endnutzerdienste Uwe Schwersky Gemeinsamer Bibliotheksverbund – GBV / FAG Lokale Geschäftsgänge Renate Müller Gemeinsamer Bibliotheksverbund – GBV / UAG Monographienbearbeitung Beate Hultschig Gemeinsamer Bibliotheksverbund – GBV / UAG Zeitschriftenbearbeitung Wolfgang Lubitz Gemeinsamer Bibliotheksverbund – GBV / Verbundleitung Dr. Karl Werner Finger Gerhart-Hauptmann-Museum Prof. Dr. Eef Overgaauw (Mitglied d. Beirats) Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung Carola Pohlmann Goethe-Institut / Beirat für Information und Bibliothek des Präsidiums Barbara Schneider-Kempf

Inkunabel-Katalog deutscher Bibliotheken – INKA Ninon Suckow International Association of Law Libraries – IALL Ivo Vogel International Association of Music Libraries – IAML Dr. Joachim Jaenecke (Member of Council) International Association of Music Libraries – IAML / Research Libraries Branch Dr. Joachim Jaenecke (Chair) International Cartographic Association – ICA Wolfgang Crom International Conference on the History of Cartography – ICHC Wolfgang Crom International Federation of Library Associations and Institutions – IFLA / Deutsches Nationalkomitee Barbara Schneider-Kempf International Federation of Library Associations and Institutions – IFLA / Standing Comitee Cataloguing Section Ulrike Junger International Federation of Library Associations and Institutions – IFLA / Section Geography and Map Libraries Wolfgang Crom International Federation of Library Associations and Institutions – IFLA / Standing Committee Government Information and Official Publications Dr. Ursula Stanek International Federation of Library Associations and Institutions – IFLA / Standing Committee Management and Marketing Barbara Schneider-Kempf International Federation of Library Associations and Institutions – IFLA / Standing Committee Newspapers Dr. Joachim Zeller International Society of Curators of Early Maps – ISCEM Dr. Markus Heinz

Jahresbericht 2006

| 41

International Standard Music Number – ISMN e. V. Dr. Joachim Jaenecke (Stellvertretender Vorsitzender) Internationale Coronelli-Gesellschaft für Globenkunde Dr. Markus Heinz Kompetenznetzwerk für Bibliotheken – KNB / EU-Beratungsstelle Birgit Stumm (Leiterin) Kooperativer Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg – KOBV / Kuratorium Dr. Karl Werner Finger (Ständiger Gast) Ligue des Bibliothèques Européennes de Recherche – LIBER Dr. Daniela Lülfing Ligue des Bibliothèques Européennes de Recherche – LIBER / Groupe des Cartothécaires/ Working Group Eastern Europe Steffi Mittenzwei (Sprecherin) Ligue des Bibliothèques Européennes de Recherche – LIBER / Groupe des Cartothécaires/Working Group Education Wolfgang Crom Ligue des Bibliothèques Européennes de Recherche – LIBER / Manuscripts Librarians Group Dr. Jutta Weber Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. – MFA Dr. Joachim Zeller Netzwerk Internetressourcen Geschichte Doina Oehlmann Postgraduales Fernstudium Bibliotheks- und Informationswissenschaft – Wissenschaftlicher Beirat Ursula Jäcker, Dr. Christian Oesterheld Prüfungsausschuss Berlin für die Ausbildung zu Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste – BVwA Robert Zepf Prüfungsausschuss II (Berlin) beim Bundesverwaltungsamt für die Abnahme von Zwischenund Abschlussprüfungen in dem anerkannten Ausbildungsberuf Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste Astrid Meyer

Regeln zur Erschließung von Nachlässen und Autographen – RNA Dr. Jutta Weber (Federführung) Sammlung Deutscher Drucke – SDD Barbara Schneider-Kempf, Gerd-Josef Bötte, Thomas Klaus Jacob Standardisierungsausschuss bei der Deutschen Nationalbibliothek – STA bei DNB Dr. Karl Werner Finger Standardisierungsausschuss bei der Deutschen Nationalbibliothek – STA bei DNB / EG Datenformate Barbara Sigrist Standardisierungsausschuss bei der Deutschen Nationalbibliothek – STA bei DNB / EG Dewey Dezimalklassifikation (DDC) Robert Zepf Standardisierungsausschuss bei der Deutschen Nationalbibliothek – STA bei DNB / EG Formalerschließung Astrid Meyer, Karin Patzer Standardisierungsausschuss bei der Deutschen Nationalbibliothek – STA bei DNB / EG Gemeinsame Körperschaftsdatei Ulrike Junger, Elisabeth Pitz Standardisierungsausschuss bei der Deutschen Nationalbibliothek – STA bei DNB / EG Online Ressourcen Andrea Stei Standardisierungsausschuss bei der Deutschen Nationalbibliothek – STA bei DNB / EG Normdaten / Formalerschließung / gemeinsame Arbeitsgruppe Musik Roland Schmidt-Hensel Standardisierungsausschuss bei der Deutschen Nationalbibliothek – STA bei DNB / EG Regeln Schlagwortkatalog, Schlagwortnormdatei (RSWK/SWD) Norbert Nahrmann Ständiger Ausschuss für geographische Namen – StAGN Wolfgang Crom Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel / Stiftungskomitee Dr. Jutta Weber

42 |

Jahresbericht 2006

Subito e. V. Dr. Karl Werner Finger Troisdorfer Kolloquium zur historischen Kinderbuchforschung Carola Pohlmann Vascoda – Internetportal für wissenschaftliche Information Barbara Schneider-Kempf (Stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes) Vascoda – Internetportal für wissenschaftliche Information / AG Content Matthias Kaun Vascoda – Internetportal für wissenschaftliche Information / AG Nationallizenzen Matthias Kaun Vascoda – Internetportal für wissenschaftliche Information / Facharbeitsgruppe Geisteswissenschaften Doina Oehlmann

Vascoda – Internetportal für wissenschaftliche Information / Facharbeitsgruppe Sozialwissenschaften Ivo Vogel Verein deutscher Archivare – VdA / Fachgruppe 7 Dr. Joachim Zeller Verein Deutscher Bibliothekare – VDB Dr. Daniela Lülfing (Vorsitzende des Vereins) Verein Deutscher Bibliothekare – VDB Olaf Hamann (Schriftführer) Verein Deutscher Bibliothekare – VDB / Kommission für berufliche Qualifikation Dr. Christian Oesterheld Verzeichnis der im deutschsprachigen Raum erschienen Drucke des 17. Jahrhunderts – VD 17 / AG Partnerbibliotheken Annette Wehmeyer Zentrales Verzeichnis digitalisierter Drucke – zvdd Thomas Klaus Jacob

Jahresbericht 2006

| 43

Vorträge, Führungen, Seminare im In- und Ausland – Wissenstransfer zu bibliotheksfachlichen Themen

I. Quartal 2006
Im Rahmen eines Seminars des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft zum Quellenhintergrund des Philosophen Michel Foucault stellte die Abteilung Historische Drucke im Haus Unter den Linden zahlreiche Bände aus dem historischen Druckschriftenbestand zur Verfügung. Die Arbeit mit den Quellen wurde ergänzt durch eine Einführung in die Systematik des Alten Realkatalogs, wobei die erweiterten Recherche-Möglichkeiten in der im Aufbau befindlichen OnlineSystematik im Mittelpunkt standen. Die Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung, Carola Pohlmann, hielt im Begleitprogramm zur Ausstellung Auf zum Olymp. Antike in Kinderbüchern aus sechs Jahrhunderten im Winkelmannmuseum Stendal einen Vortrag mit dem Titel Auf dem Flügelpferde durch die Zeiten: Antike im Kinder- und Jugendbuch. An drei Tagen im Februar fand in Berlin die Tagung .hist 2006: Geschichte im Netz – Praxis, Chancen, Visionen statt, veranstaltet vom Kooperationsverbund Clio-online, unterstützt von der Staatsbibliothek zu Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Mehr als 400 Teilnehmer aus Wissenschaft, Archiven, Museen und Bibliotheken verschafften sich in

über 80 Vorträgen und Werkstattberichten einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und Projekte. Besondere Aufmerksamkeit fanden die neuen Möglichkeiten digitaler Zusammenarbeit in ‚virtuellen Forschungsumgebungen‘. Die Leiterin des Referats Nachlässe und Autographen in der Handschriftenabteilung, Dr. Jutta Weber, leitete in der Bayerischen Bibliotheksschule in München im Rahmen eines zweiteiligen Blockseminars einen Vertiefungskurs zum Thema Nachlasserschließung. Dr. Kathrin Böhme, Abteilung Historische Drucke, hielt im Institut für Biologie der Freien Universität Berlin vor der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin e. V. einen Vortrag zum Thema Gemeinschaftsunternehmen Naturforschung. In der französischen Botschaft am Pariser Platz stellte der Leiter der Französischen Nationalbibliothek, Jean-Noël Jeanneney, die deutsche Übersetzung seines Buches Googles Herausforderung vor, in dem er wiederholt eine europäische Gegenoffensive fordert. Die Generaldirektorin der Staatsbibliothek, Barbara Schneider-Kempf, führte die Teilnehmer der Veranstaltung umfassend in die Thematik ein.

44 |

Jahresbericht 2006

Beim fünftägigen 95. Deutschen Bibliothekartag in Dresden war die SBB-PK mit acht Vorträgen ihrer Wissenschaftler vertreten. Außerdem nahmen zahlreiche Vertreter der Staatsbibliothek an Gremientreffen und Ausschusssitzungen teil. Auf der Fortbildungsveranstaltung Recherchieren online – Fachrecherche Rechtswissenschaft des Referats Weiterbildung der Freien Universität Berlin präsentierte Nina Imhoff die Virtuelle Fachbibliothek Recht. Auf der Frühjahrssitzung der Arbeitsgemeinschaft Alte Drucke beim Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV), die in der SBB-PK stattfand, informierte der Stellvertretende Leiter der Abteilung Historische Drucke, Gerd-Josef Bötte, über aktuelle internationale Entwicklungen der Regelwerke für die Katalogisierung Alter Drucke.

Barbara Martin, Osteuropa-Abteilung, nahm in Sarajevo an der 2. Internationalen Konferenz slavistischer Bibliothekare teil und hielt in der Landessprache einen Vortrag zum Thema Das Slavistik-Portal in der Virtuellen Fachbibliothek Osteuropa (ViFaOst): Wie kann es ein attraktiver Zugang zu slavistikbezogenen Informationen im Internet werden? 24 Mitglieder des Ständigen Ausschusses für Geographische Namen (StAGN) trafen für zwei Tage zu einer Arbeitssitzung in der Staatsbibliothek zusammen. Der StAGN ist das für die Standardisierung geographischer Namen zuständige Gremium im deutschen Sprachraum – ein selbständiges wissenschaftliches Gremium ohne hoheitliche Funktionen, dem Wissenschaftler und Praktiker aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und aus anderen deutschsprachigen Gebieten angehören. Die Leiterin des Referats Nachlässe und Autographen in der Handschriftenabteilung, Dr. Jutta Weber, hielt auf dem von der Archivschule Marburg ausgerichteten 11. Archivwissenschaftlichen Kolloquium ein Referat über das von ihr federführend mitentwickelte Regelwerk zur Erschließung von Nachlässen und Autographen (RNA). Den 150 Teilnehmern wurden unterschiedliche Facetten archivischer Erschließungsarbeit vorgestellt. Dr. Ralf Breslau, Handschriftenabteilung, nahm an der KOOP-LITERA-Tagung 2006, der 12. Arbeitstagung der österreichischen Literaturarchive, in Salzburg teil und hielt einen Vortrag zum Thema Unwichtig – weg damit? Ein Erfahrungsbericht zum Problem der Kassation bei der Nachlasserschließung. Der Koordinator der Virtuellen Fachbibliothek Slavistik, Vladimir Neumann, hielt bei der Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Bibliotheken und Dokumentationsstellen der Ost-, Ostmittelund Südosteuropaforschung (ABDOS) in Bautzen einen Vortrag zum Stand der Arbeiten am Slavistik-Portal.

II. Quartal 2006
43 Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus Slowenien besuchten im Rahmen einer Deutschlandreise beide Häuser der Staatsbibliothek und informierten sich über ihre Aufgaben und Strukturen. Sie besuchten die Abteilung Historische Drucke sowie die Osteuropa-Abteilung. 20 Studenten der Abteilung für Kirchengeschichte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München besuchten die Handschriftenabteilung und lernten aus dem Nachlass Dietrich Bonhoeffer Briefe, Manuskripte und Lebensdokumente kennen. An drei Vormittagen im April besuchte ein Bibliothekar der Bibliothek der Rikkyo Universität Tokio im Rahmen seines dreimonatigen Studienaufenthaltes in Deutschland beide Häuser der SBB-PK und hospitierte in der Generaldirektion, der Ostasienabteilung, der Abteilung Überregionale Bibliographische Dienste.

Jahresbericht 2006

| 45

Das zweitägige Treffen der Mitarbeiter der nationalen Redaktionen der Europäischen Bibliographie zur Osteuropaforschung fand zum ersten Mal in der SBB-PK statt. Neben der deutschen waren auch die britische, französische, niederländische, österreichische und schweizerische Redaktion vertreten. Im Mai besuchten zwei Wissenschaftler von der Nationalbibliothek der Ukraine in Kiew das Haus Potsdamer Straße und informierten sich vor allem über Fragen des Bestandsaufbaus, der Benutzung und der Informationsdienstleistungen. Die SBB-PK veranstaltete unter Beteiligung Der Deutschen Bibliothek einen Open Archive Initiative-Workshop der Zeitschriftendatenbank (ZDB) für die Arbeitsgemeinschaft der Verbundsysteme. Teilnehmer waren, neben Vertretern der ZDB, Kollegen aus allen deutschen Verbundregionen sowie aus Österreich. Im Juni besuchte eine Gruppe von Studierenden des Studiengangs Information and Library Services der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg die Bibliothek, um sich im Rahmen einer empirischen Berufsfeldanalyse über die Zukunft des bibliothekarischen Berufsbildes aus Sicht der Staatsbibliothek als der größten deutschen wissenschaftlichen Universalbibliothek zu informieren. Der Leiter der Buchbinderei, Friedrich-Roman Prenzlau, hielt für die Auszubildenden zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FAMI) der Berliner Bibliotheken des Bundes und der SBB-PK zwei Seminare über Buchkunde ab. Auf der 2006 Annual Conference der American Library Association präsentierte die Leiterin der Zeitschriftendatenbank, Ulrike Junger, in New Orleans ein Poster mit dem Titel Networking Library Services around Journals: Zeitschriftendatenbank – the German Union Catalogue of Serials.

Auf der Jahresversammlung und der angeschlossenen Tagung des Mikrofilmarchivs der deutschsprachigen Presse e. V. in Greifswald hielt der Leiter der Zeitungsabteilung, Dr. Joachim Zeller, einen Vortrag zur kooperativen Erwerbung und Farbdigitalisierung des Holzmindischen Wochenblatts. Der Regionalverband Berlin-Brandenburg des Vereins Deutscher Bibliothekare veranstaltete in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin einen Workshop zum Thema Raubgut im Bestand? In der NS-Zeit geraubte und enteignete Bücher in Berliner Bibliotheken von heute – Bibliothekare auf Spurensuche. Dr. Martin Hollender, Referent in der Generaldirektion, berichtete über zwei Restitutionen von Teilen der Privatbibliotheken Leo Baecks und Arthur Rubinsteins an die jeweiligen Erben. Olaf Hamann, Abteilung Historische Drucke, erläuterte die Vorbereitungen für das Projekt zur Erforschung der Akten der mit der Preußischen Staatsbibliothek verbundenen Reichstauschstelle. Zwei Tage lang besuchten zwei Bibliothekare der Quaid-e-Azam-Library im pakistanischen Lahore beide Häuser der SBB-PK und informierten sich u. a. über die bibliothekarische Ausbildung, die elektronischen Kataloge der Staatsbibliothek und die IT-Ausstattung. Der Kommissarische Leiter der Ostasienabteilung, Matthias Kaun, hielt sich zu einem Arbeitsbesuch in der Volksrepublik China auf. Er besuchte eine Tagung zu e-books und traf für den Bestandsaufbau der Ostasienabteilung relevante Buchhändler und Datenbankanbieter zu Gesprächen. Mit der chinesischen Nationalbibliothek und dem chinesischen Universitätsverbund CALIS verhandelte er über die Nachnutzung chinesischer Katalogdaten. 20 Studenten der Germanistik von der spanischen Universidade de Santiago de Compostela besuchten die Handschriftenabteilung, wo sie mit Nachlässen – u. a. Hegels, den Brüdern Grimm, Eichendorff, den Brüdern Humboldt und Bonhoeffer – vertraut gemacht wurden.

46 |

Jahresbericht 2006

III. Quartal 2006
Eine Vertreterin der Allrussischen Staatlichen Rudomino-Bibliothek für Ausländische Literatur in Moskau besuchte beide Häuser der Staatsbibliothek, ihr besonderes Interesse galt Fragen der Benutzung und Auskunft. Die Leiterin der Restaurierungswerkstatt der Sächsischen Landesbibliothek/Staats- und Universitätsbibliothek Dresden besuchte mit zwei Kollegen die Restaurierungswerkstatt der SBBPK. Vor dem Hintergrund massiver Schäden an zwei Pergamenthandschriften aus dem Dresdner Bestand informierten sie sich eingehend über die Berliner Restaurierungsmethoden und die Ergebnisse bei der Pergamentglättung und -anfaserung. Die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, Julia Bispinck-Roßbacher, stellte die erfolgreiche Arbeit an der Bibel Erfurt 1 vor, bei der die Fehlstellen im Pergament mit dem Verfahren der Pergamentanfaserung ergänzt wurden. Die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, Julia Bispinck-Roßbacher, führte acht Studenten des Instituts für Deutsche und Niederländische Philologie der Freien Universität durch die Restaurierungswerkstatt. Im Rahmen einer vom Goethe-Institut organisierten Studienreise besuchten zehn Vertreter russischer Bibliotheken deutsche Lesesäle oder Abteilungen für fremdsprachige Literatur, in Berlin im Haus Potsdamer Straße. Der Fachreferent für Zentralasien, Dr. Michael Balk, besuchte die Städte Ulaanbaatar in der Mongolei und Ulan-Ude, die Hauptstadt der Republik Burjatien im südlichen Sibirien. In Ulaanbaatar nahm er am Neunten Internationalen Mongolistenkongress teil und stellte die Sammlung mongolischer Literatur in der SBB-PK vor. Die mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft ermöglichte Reise diente zugleich der Beschaffung von mongolischer Literatur im Rahmen des Sondersammelgebiets Ost- und Südostasien.

Die Ausbildungsleitung der Staatsbibliothek führte zum zweiten Mal ein Praktikum für Studierende der École nationale des chartes, der französischen Grande École für die Ausbildung im wissenschaftlichen Bibliotheks-, Archiv- und Museumswesen an der Pariser Sorbonne, durch. Einen Monat lang war eine junge Wissenschaftlerin zu Gast, die eine biographisch-wissenschaftsgeschichtlich kommentierte Edition zu dem elsässischen Theologen Eduard Reuss (1804–1891) vorbereitet. Die Leiterin der ZeitschriftenDatenBank, Ulrike Junger, hielt auf dem bibliothekarischen Weltkongress World Library and Information Congress: 72nd IFLA General Conference and Council – „Libraries: Dynamic Engines for the Knowledge and Information Society“ in Seoul einen Vortrag zum Thema Processing metadata for electronic journals: the example of the German Union Catalogue of Serials. Ende August besuchten zwei finnische Abiturientinnen die SBB-PK. Beide gewannen den diesjährigen Fenno-Germania-Abiturpreis im Rahmen des finnischen Zentralabiturs für Bestleistungen in deutscher Sprache, der von der Deutschen Botschaft in Helsinki ausgelobt wird. Damit verbunden war eine einwöchige Reise nach Stuttgart und Berlin. Die Leiterin des Referats Nachlässe und Autographen in der Handschriftenabteilung, Dr. Jutta Weber, führte am Institut für Deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin während des Wintersemesters 2005/06 sowie des Wintersemesters 2006/2007 jeweils ein Seminar zum Nachlass des Lexikographen Franz Brümmer (1836–1923) durch. Während der Konferenz der LIBER-GdC (Ligue de Bibliothèques Européennes de Recherche – Groupe des Cartothécaires) in Paris berichtete Steffi Mittenzwei, Kartenabteilung, über das in diesem Jahr abgeschlossene Projekt zur Konversion von Titelkarten in elektronische Titeldateien. Auf derselben Konferenz trug der Leiter der Kartenabtei-

Jahresbericht 2006

| 47

lung, Wolfgang Crom, den National Report über die Aktivitäten der vergangenen zwei Jahre aus den Kartensammlungen in Deutschland vor und leitete eine der Sitzungen. Der Koordinator der Virtuellen Fachbibliothek Slavistik (Slavistik-Portal), Vladimir Neumann, nahm am Internationalen Seminar Cooperation in Acquisitions East and West an der State Public Historical Library of Russia in Moskau teil und hielt in russischer Sprache einen Vortag zum Thema Naucˇnyj portal po slavistike (Slavistik-Portal). Auf dem 46. Deutschen Historikertag in Konstanz präsentierte sich die Staatsbibliothek zusammen mit anderen Informationsanbietern unter dem gemeinsamen Dach von Clio-online. Der Stellvertretende Leiter der Kartenabteilung, Dr. Markus Heinz, organisierte in seiner Funktion als Leiter der Kommission Geschichte der Kartographie der Deutschen Gesellschaft für Kartographie (DGfK) das 13. Kartographiehistorische Colloquium in Dresden mit über 110 Teilnehmern. Der Leiter der Kartenabteilung, Wolfgang Crom, hielt einen Vortrag über Katastervermessung und Katasterkarten im Alten Ägypten. Im Deutschen Historischen Museum fand der von der Initiative Fortbildung für Wissenschaftliche Spezialbibliotheken und verwandte Einrichtungen e. V. initiierte Workshop Moving Special Collections into the Center. A workshop for special collections curators and administrators statt. Die Leiterin des Referats Nachlässe und Autographen in der Handschriftenabteilung, Dr. Jutta Weber, leitete die Session Promoting Visibility and Use. Auf der 10. Verbundkonferenz des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV) in Göttingen präsentierte Heike Krems, Abteilung Historische Drucke, das Projekt ARK online. Der Alte Realkatalog (ARK) – ein Sachkatalog in über 2.000 gebundenen Bänden – erschließt nach inhaltlich-sachlichen Kriterien insgesamt rund drei Millionen Titel, die zwischen 1501 und 1955 erschienen sind.

Der Leiter der Ostasienabteilung, Matthias Kaun, und sein Mitarbeiter Fung-On Lui nahmen in Moskau an der 26. Tagung der European Association of Sinological Librarians teil. Schwerpunkte des Treffens waren die Katalogisierung von chinesischer Literatur und die Aktivitäten im Bereich elektronischer Ressourcen. In diesem Zusammenhang wurden die Arbeiten an der Virtuellen Fachbibliothek Ost- und Südostasien (CrossAsia) vorgestellt und europäische Lizenzierungsbemühungen abgesprochen. Der ehemalige Rektor der Universität Athen und derzeitige Präsident der Griechischen Kulturstiftung Athen, Prof. Giorgos Babiniotis, besuchte die Osteuropa-Abteilung, wo er sich besonders für die griechische und zyprische Sektion im Osteuropa-Lesesaal interessierte. Der Koordinator der Virtuellen Fachbibliothek Slavistik (Slavistik-Portal), Vladimir Neumann, hielt während der Second International Conference „Perspectives on Slavistics“ an der Universität Regensburg einen Vortrag über das Slavistik-Portal. Der kommissarische Leiter der Wissenschaftlichen Dienste der Staatsbibliothek, Robert Zepf, besuchte zehn Tage lang im Rahmen eines von Bibliothek und Information International geförderten Fachaufenthaltes mehrere Bibliotheken in Kanada. Er führte Gespräche u. a. in der Robarts Library in Toronto, in der Nationalbibliothek und der Parlamentsbibliothek von Kanada in Ottawa sowie in der Nationalbibliothek und im Nationalarchiv von Québec in Montréal. Themen waren zentrale Zukunftsaufgaben des Bibliotheks- und Archivwesens, insbesondere die Weiterentwicklung der Benutzerdienstleistungen, die Entwicklung von kooperativen Strategien zur Digitalisierung von Beständen und die Bestandserhaltung. Anne Barckow, Ostasienabteilung, nahm an der 17. Jahreskonferenz der European Association of Japanese Resource Specialists (EAJRS) in Venedig teil und hielt den Vortrag East Asian Databases at Berlin

48 |

Jahresbericht 2006

State Library: Acquisition Policy and Access Management. Der Leiter der Orientabteilung, Dr. HartmutOrtwin Feistel, empfing Teilnehmer aus England, Holland, Russland und Deutschland zum Jahrestreffen 2006 der South-East Asia Library Group in Berlin. Neben anderem wurde über die Katalogisierung der Orientalischen Handschriften in Deutschland, die Online-Katalogisierung von südostasiatischen Materialien in der Russischen Staatsbibliothek und die neuesten Entwicklungen bei den Südostasienstudien in England berichtet.

direktorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, an einer Podiumsdiskussion. Im Rahmen des Kooperationsabkommens der SBB-PK mit der Russischen Staatsbibliothek in Moskau kamen zwei Wissenschaftlerinnen nach Berlin. Ihr besonderes Interesse galt den Amtsdruckschriften und Parlamentaria sowie den Informationsdienstleistungen und den elektronischen Katalogen. Auf der Fortbildungsveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft für juristisches Bibliotheks- und Dokumentationswesen (AjBD) in Tübingen hielten der Leiter der Virtuellen Fachbibliothek Recht und die Projektkoordinatorin, Ivo Vogel und Angela Pohl, einen Vortrag über Neue Entwicklungen der Virtuellen Fachbibliothek Recht. Der Leiter der Kartenabteilung, Wolfgang Crom, besuchte die Tagung der von ihm geleiteten Kommission Kartenkuratoren der Deutschen Gesellschaft für Kartographie in Göttingen. 20 Kolleginnen und Kollegen von Kartensammlungen aus Archiven, Bibliotheken und Instituten nahmen teil und diskutierten insbesondere über die Möglichkeiten einer gemeinsamen thematischen Verschlagwortung von Kartenmaterial. Im Rahmen eines vom Deutschen Bibliotheksverband organisierten, einwöchigen Studienaufenthalts in Berlin besuchten sieben isländische Bibliothekarinnen aus Reykjavik das Haus Potsdamer Straße. Sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SBB-PK informierten die Gäste umfassend über Struktur und Aufgaben der Staatsbibliothek sowie in vertiefter Weise über Amtsdruckschriften, elektronische Publikationen, Benutzerschulungen und Informationsdienstleistungen. Die jährliche Konferenz der am DFG-Projekt Einbanddatenbank beteiligten Bibliotheken – Staatsbibliothek zu Berlin (Federführung), Bayerische Staatsbibliothek München, Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Herzogin Anna

IV. Quartal 2006
Dr. Max Vögler, Vertreter der Gruppe Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme (LIS) bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), stellte im Rahmen des Berliner Referendarskolloquium die Arbeit der Geschäftsstelle der Gruppe LIS vor und erläutete das im Juni 2006 veröffentlichte Positionspapier der DFG Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme. Schwerpunkte der Förderung bis 2015. Die Ausbildungsleitung der Staatsbibliothek, Ursula Jäcker und Dr. Christian Oesterheld, veranstaltet regelmäßig das Berliner Referendarskolloquium und fördert so den fachlichen Austausch zwischen den in Berlin zur Ausbildung für den höheren Bibliotheksdienst angestellten Referendaren. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Internetportal VASCODA sowie GASCO (German, Austrian and Swiss Consortia Organisation/ Arbeitsgemeinschaft Deutscher, Österreichischer und Schweizer Konsortien) richteten auf der Frankfurter Buchmesse unter dem Titel Rohstoff digitale Information – Was dient dem Forschungsstandort Deutschland? Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bibliotheken und Verlage diskutieren Herausforderungen und Lösungen eine Veranstaltung zum Thema Nationallizenzen aus. Als Stellvertretende Vorsitzende von VASCODA beteiligte sich die General-

Jahresbericht 2006

| 49

Amalia Bibliothek Wolfenbüttel – fand in München statt. Zentrale Aspekte waren die Migration der Internet-Datenbank sowie die Erweiterung des Projekts um ausländische Teilnehmer. Der Arbeitskreis für die Erfassung, Erschließung und Erhaltung historischer Bucheinbände tagte zwei Tage in München. In der Bayerischen Staatsbibliothek hatten sich zum Eröffnungsvortrag von Anthony R. A. Hobson (London) mehr als 90 Teilnehmer aus Deutschland, mehreren europäischen Ländern und den USA eingefunden. Sylvia Jacobi, Mitarbeiterin im Benutzerservice der Zeitschriftendatenbank, und der Fachreferent für Geschichte, Robert Zepf, nahmen im Berliner Haus der Wannseekonferenz als Referenten am jährlichen Seminar der Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken teil. Die Vorträge beleuchteten die Teilnahmemöglichkeiten von Spezialbibliotheken an der Zeitschriftendatenbank und die damit verbundenen Vorteile. Als konkrete Dienstleistung für zeithistorisch ausgerichtete Spezialbibliotheken stellten Mitarbeiter des DFG-geförderten Projekts Zeitgeschichte-online die im Rahmen des Projekts gemeinsam mit der GBV-Verbundzentrale erstellte und ausgebaute Aufsatzdatenbank SSG-Online-Contents Zeitgeschichte vor. In Tübingen fand am Heinrich-Fabri-Institut der Eberhard-Karls-Universität Tübingen das 7. Tübinger Symposium Handschriften, Alte Drucke statt. Gerhard Müller, Handschriftenabteilung, berichtete über den aktuellen Stand und die Perspektiven der bei der Staatsbibliothek angesiedelten nationalen Autographen-Datenbank Kalliope. Heike Krems, Abteilung Historische Drucke erläuterte die Sachliche Erschließung alter Drucke: Online-Recherche im Alten Realkatalog (1501–1955) der Staatsbibliothek zu Berlin; Dr. Christiane Caemmerer, Handschriftenabteilung, hielt ein Referat über die Einblattmaterialien der Staatsbibliothek zu Berlin und ihre Erschließung in der Datenbank der Einblattmaterialien DEM.

Drei Tage lang besuchte der Leiter der Abteilung Modern Books and Manuscripts der Beinecke Rare Book and Manuscript Library in Yale die Staatsbibliothek. In Gesprächen mit Kollegen aus verschiedenen Abteilungen wurden u. a. Ideen für eine künftige enge Zusammenarbeit zwischen beiden Bibliotheken entwickelt. Anlässlich der kürzlich erfolgten weltweiten Freischaltung des English Short Title Catalogue (ESTC) fand in der Londoner British Library eine internationale Konferenz statt, auf der der Stellvertretende Leiter der Abteilung Historische Drucke, Gerd-Josef Bötte, die Staatsbibliothek vertrat. Die SBB-PK ist seit mehreren Jahren aktiver ESTC-Partner und bringt nach der Staatsund Universitätsbibliothek Göttingen als zweite deutsche Bibliothek ihre wertvollen anglo-amerikanischen Bestände in diese auf weltweite Kooperation angelegte retrospektive Nationalbibliographie für den Zeitraum 1473–1800 ein. Der Leiter der Ostasienabteilung, Matthias Kaun, besuchte die Bodleian Library in Oxford und erörterte dort die Katalogisierung von chinesischer, japanischer und koreanischer Literatur unter Verwendung von Originalschrift. Er nahm am Treffen der UK China Library Group an der British Library in London teil und berichtete von der Beschaffung und Anbindung elektronischer Ressourcen im Rahmen von Nationallizenzen und alternativen Lizenzierungsbestrebungen in Zusammenhang mit der Virtuellen Fachbibliothek Ost und Südostasien CrossAsia. Die Leiterin des Referats Nachlässe und Autographen in der Handschriftenabteilung, Dr. Jutta Weber, trug in der Fachhochschule Potsdam zum Thema Praxis der Nachlasserschließung vor. Sie behandelte Fragen der Erwerbung, Erschließung und Präsentation der Nachlässe der Staatsbibliothek und weckte das Interesse der Studierenden für die komplexen Arbeitsschritte in der Handschriftenabteilung.

50 |

Jahresbericht 2006

Auf Einladung des Deutschen Bibliotheksverbands (DBV) kamen in Berlin Vertreter von 20 betroffenen deutschen Bibliotheken zum Workshop Bibliotheken und kriegsbedingt verlagertes Kulturgut zusammen. Olaf Hamann, Abteilung Historische Drucke, berichtete über die umfangreichen Verluste im Bestand der Preußischen Staatsbibliothek und bekundete das außerordentliche Interesse der SBB-PK, Initiativen des DBV hinsichtlich eines verbesserten Informationszugangs zum Verbleib der kriegsbedingt verlagerten Bibliotheksbestände in den Staaten Osteuropas zu unterstützen. In Berlin trafen sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Datenbankteilnehmer (AGDBT) der Zeitschriftendatenbank (ZDB) zu ihrer 34. Sitzung. Schwerpunkte waren die bevorstehende Teilnahme der Deutschen Nationalbibliothek an der ZDB und die Verzeichnung von Nationallizenzen.

Ruth Weiß, Abteilung Historische Drucke, hielt an der Fachhochschule Potsdam im Fachbereich Archiv-Bibliothek-Dokumentation einen Vortrag zum Thema Erschließung und bibliographische Beschreibung Alter Drucke. Anhand zahlreicher Beispiele wurden Ansetzungsfragen, das Problem der Ausgabe- und Druckvarianten sowie buchkundliche Themen erörtert. Auf einer öffentlichen Veranstaltung des Regionalverbandes Berlin/Brandenburg des Vereins Deutscher Bibliothekare (VDB), die im Rahmen der jährlichen Mitgliederversammlung in der Staatsbibliothek stattfand, hielt der Leiter der Abteilung für Bestandspflege und Reprographie, Andreas Mälck, einen Vortrag zur Fragestellung Digitalisierung als Mittel der Bestandserhaltung?

Jahresbericht 2006

| 51

Das wissenschaftliche und kulturelle Programm der Staatsbibliothek zu Berlin

Tagungen
Zu den Tagungen, teils international besetzt, welche die Staatsbibliothek zu Berlin veranstaltete bzw. maßgeblich mit konzipierte und organisierte, gehörten ■ 13.–15. März 2006, Leipzig: Erster europäischer Kongress Schriftliches Kulturerbe erhalten – eine nationale Aufgabe im europäischen Rahmen ■ 23.–25. März 2006, Berlin, Staatsbibliothek: Flugblätter vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. In Kooperation mit dem Masterstudiengang Editionswissenschaften am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der Freien Universität Berlin ■ 28. November 2006, Berlin, Staatsbibliothek: Aufbau Digital. Zum Abschluss der Verfilmung und Digitalisierung des Archivs des Aufbau-Verlags 1945–1990

Ausstellungen und Veranstaltungen
Mit ihren reichen Beständen richtete die Bibliothek eigene Ausstellungen ein: ■ Juni 2005–Dez. 2006: Fanny Hensel zum 200. Geburtstag am 14. November 2005 ■ 4. Nov. 2005–7. Jan. 2006: Religiöses Schrifttum in Bulgarien. In Kooperation mit der DeutschBulgarischen Gesellschaft e. V.

■ 9. Dez. 2005–1. Feb. 2006: Oswin Volkamer – Ein Meister des Kupferstichs ■ 7. Apr.–10. Juni 2006: Exotische Typen. Orient und Buchdruck – Buchdruck und Orient ■ 22. Mai–22. Juni 2006: Fußball im Kinderbuch ■ 7. Juli–26. Aug. 2006 : Willy Moegle. Die Sachfotografie. (in Kooperation mit dem Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz und dem Institut für angewandte Kunst- und Bildwissenschaft der Bergischen Universität Wuppertal) ■ 24. Aug.–7. Okt. 2006, im Berliner Rathaus: Alexander von Humboldt – Im Kosmos des Weltbürgers ■ 8. Sept.–6. Okt. 2006, in der Kunstbibliothek am Kulturforum: Kartographie und Kunst als bunte Klimazeugen. Eine Zusammenarbeit der Kartenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin und der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin ■ 26. Okt.–9. Dez. 2006: „… gewaltig viel Noten, lieber Mozart!“ Die Mozart-Autographe der Staatsbibliothek zu Berlin. ■ seit Okt. 2006 im Musikinstrumentenmuseum der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Hörinseln mit digitalisierten Ansichten der MozartOpern und Interpretationen durch große Orchester und Dirigenten ■ 11. Nov. 2006–7. Jan. 2007, im Berliner Dom: „Von dem weyt erschollen Namen Luther“. Drucke der Reformationszeit aus der Gräflich zu Lynarschen Sammlung

52 |

Jahresbericht 2006

Exotische Type: Arabischer Prachtkoran, 1889

Ein Berliner Bläseroktett spielt Mozart

Die im Jahr 2005 etablierte Ausstellungsreihe „Literatur im Foyer“, in welcher zu konkreten Anlässen bzw. Jubiläen mit kleinen, zeitlich eng begrenzten Vitrinenpräsentationen eigene Bestände vorgestellt werden, fand im Jahr 2006 im Foyer des Hauses Potsdamer Straße ihre Fortsetzung: ■ 3./4. Feb. 2006: 100. Geburtstag Dietrich Bonhoeffer. Autographe aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin ■ 7. Apr. 2006: 230. Geburtstag E. T. A. Hoffmann. „… daher will ich meiner Schreibelust auch künftig ganz rücksichtslos nachgehen.“ In der Veranstaltungsreihe „Ein Abend für…“ war der Verleger Klaus G. Saur ■ am 23. März 2006 mit dem Leipziger Verleger Elmar Faber und ■ am 14. Sept. 2006 mit Prof. Dr. h.c. mult. Wolfgang Frühwald im persönlichen Gespräch, während jeweils rund 150 Besucher die Ausführungen der Gäste verfolgten.

Weitere Veranstaltungen: ■ 24. Feb. 2006: Im Rahmen der Lesenacht des Berliner Zentrums für Kinder- und Jugendliteratur „LesArt“ Lesung des Romans Tintenherz von Cornelia Funke mit 20 Kindern ■ 25. Apr. 2006: Vortrag von Senator e.h. Prof. Dr. h.c. mult. Klaus G. Saur, Vorsitzender der Geschäftsführung des Berliner Wissenschaftsverlags de Gruyter unter dem Titel Kokoschka, Beckmann, Corinth, Liebermann, Slevogt – ein Fest der Künste. Der Kunsthändler Paul Cassirer als Verleger. Anschließend Besuch der gleichnamigen Ausstellung im Max-Liebermann-Haus am Brandenburger Tor ■ 21. Nov. 2006, im Rahmen der Mozart-Ausstellung: Michael Sowa stellt sein Bilderbuch Prinz Tamino vor

Jahresbericht 2006

| 53

Apothekerflaschen, Willy Moegle

Berliner Faksimile Nr. 1: „Wer bin ich?“ von D. Bonhoeffer

Veröffentlichungen
Im Frühjahr 2006 erschien zum ersten Mal das Periodikum Bibliotheksmagazin. Mitteilungen aus der Staatsbibliothek zu Berlin, welches außerordentlich positiv aufgenommen wird. Mit bislang drei Ausgaben konnte eine breite, an der Staatsbibliothek interessierte Öffentlichkeit über die Entwicklung der Institution, ihre besonderen Projekte und die einzigartigen Bestände informiert werden. Ab der ersten Ausgabe im Jahr 2007 wird die Zeitschrift im Rahmen der Kooperationsvereinbarung mit der Bayerischen Staatsbibliothek gemeinsam mit dieser herausgegeben. Ebenfalls neu etabliert wurde die Reihe Berliner Faksimiles. Als erste Ausgabe erschien anlässlich des 100. Geburtstags Dietrich Bonhoeffers am 4. Februar 2006 das Gedicht „Wer bin ich?“. Die originalgetreue Nachbildung des Gedichts ist ausführlich kommentiert. Die 8-seitige Broschüre „Bauen für Forschung und Kultur. Zur Grundsteinlegung für den Neubau des Lesesaals der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Unter den Linden“ fasst alle Daten und Fakten rund um das Bauvorhaben für den Standort Unter den Linden sowie die Konzeption der Einen Bibliothek in zwei Häusern zusammen.

Weitere Publikationen (Monographien): ■ Hans Conon von der Gabelentz (1807–1874). Jin Ping Mei. Chinesischer Roman, erstmals vollständig ins Deutsche übersetzt. Hg. und bearb. von Martin Gimm. Teil II: Kapitel 11– 20. – Berlin 2006 (Neuerwerbungen der Ostasienabteilung, Sonderheft 13) ■ Hans Praesent. Deutsche Japan-Bibliographie 1938–1945. Hg. von Hartmut Walravens. – Berlin 2006 (Neuerwerbungen der Ostasienabteilung, Sonderheft 15) ■ Hebengge: Nachschriften von Nachtgesprächen. Auswahl, Übersetzung aus dem Chinesischen, Einleitung, Anmerkungen und Register von Rainer Schwarz. – Berlin 2006 (Neuerwerbungen der Ostasienabteilung, Sonderheft 11) ■ Pehlivanian, Meliné: Exotische Typen. Buchdruck im Orient – Orient im Buchdruck. Berlin 2006 (Ausstellungskataloge N.F. 50) ■ Petzel, Jörg: E. T. A. Hoffmann. „… daher will ich meiner Schreibelust auch künftig ganz rücksichtslos nachgehen“. Autographe aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin. – Berlin 2006 (Beiträge aus der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Bd. 22) ■ Schën Tji-fëng: Die Scherzglocke. Einleitung, Auswahl, Übersetzung aus dem Chinesischen, Anmerkungen und Register von Rainer Schwarz. – Berlin 2006 (Neuerwerbungen der Ostasienabteilung, Sonderheft 14)

54 |

Jahresbericht 2006

■ Schwarz, Ingo: Ehrenbürger Berlins: Alexander von Humboldt. – Berlin 2006 (Beiträge aus der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Bd. 23) ■ Schmidt-Hensel, Roland: „… gewaltig viel Noten, lieber Mozart!“ Die Mozart-Autographe der Staatsbibliothek zu Berlin. – Berlin 2006 (Beiträge aus der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Bd. 24) ■ Görner, Franz: Dienstleister Bibliothek – Partner für Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Sammelband der ABDOS-Tagung in Bern, 2006. (Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung, Bd. 24) ■ Berg, Rainer und Bagłajewska-Miglus, Ewa: Polnisch. Wörterbuch für Bibliotheken: deutsch-polisch, polnisch-deutsch – Harrassowitz 2006

Besichtigungsführungen
Das Interesse der allgemeinen Öffentlichkeit an „ihrer“ größten wissenschaftlichen Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum ist erneut gestiegen: 1.642 Personen aus dem In- und Ausland, das sind gut 40 % mehr Personen als im Jahr 2005, nahmen an 105 teils fremdsprachigen Besichtigungsführungen teil. Außerdem besuchten erneut zahlreiche Gruppen von Architekten und Architekturstudenten beide unter Denkmalschutz stehende Häuser der Staatsbibliothek am Boulevard Unter den Linden und am Kulturforum an der Potsdamer Straße.

Jahresbericht 2006

| 55

Zusammenarbeit mit anderen wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen

Vor den Mitgliedern der bibliophilen Pirckheimer-Gesellschaft hielt die Leiterin der Kinderund Jugendbuchabteilung, Carola Pohlmann, im April einen Vortrag über Kulinarisches im Kinderbuch vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ebenfalls im April fand in der Kinder- und Jugendbuchabteilung ein Treffen des Freundeskreises Eva-Johanna Rubin statt. Thema der Veranstaltung war die fruchtbare künstlerische Beziehung der bekannten Kinderbuchillustratorin zu James Krüss, mit dem sie mehrere Bilderbücher gemeinsam veröffentlichte. Die Kinder- und Jugendabteilung verwahrt den Nachlass von Eva Johanna Rubin. Auf der Jahresarbeitstagung 2006 der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Sortiments- und Fachbuchhandlungen (AWS) hielten der Leiter der Abteilung Bestandsaufbau der Staatsbibliothek zu Berlin, Dr. Gerhard Kanthak, und seine Stellvertreterin, Dr. Jelka Weber, im Mai in Potsdam-Sanssouci einen Vortrag mit dem Titel Entwicklungsperspektiven des deutschen Bibliotheksgeschäfts – Anforderungen und Erwartungen der Bibliotheken. Im Rahmen des Leipziger Medientreffpunkts Mitteldeutschland nahm der Leiter der Zeitungsabteilung, Dr. Joachim Zeller, im Mai an einem Podiumsgespräch über Fragen der Digitalisierung von Zeitungen als nationalem Kulturgut teil.

Im September nahm die Generaldirektorin der Staatsbibliothek, Barbara Schneider-Kempf, im Rahmen des 6. Internationalen Literaturfestivals Berlin an einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Die Digitalisierung der Archive statt. Der Leiter der Zeitungsabteilung, Dr. Joachim Zeller, nahm Anfang November aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Germanistischen Lehrstuhls an der Internationalen Konferenz Deutschsprachige Öffentlichkeit und Presse in Südosteuropa von 1848 bis 1948 an der Universität Jassy in Rumänien und Mitte November am 8. Internationalen Symposium How do we rescue Baltic Heritage in Digital Europe? der Bibliotheca Baltica an der Litauischen Nationalbibliothek in Vilnius teil. Auf beiden Konferenzen präsentierte er in Vorträgen und Debatten die einschlägigen Digitalisierungsbestrebungen und -angebote der SBB-PK. Dr. Christiane Caemmerer, Handschriftenabteilung, sprach im November auf einer von der Humboldt Universität zu Berlin und dem Gießener Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften veranstalteten Tagung Im Pausenraum des „Dritten Reichs“. Zur Populärkultur im nationalsozialistischen Deutschland über das Thema Gentlemen prefer blondes – Blondinen bevorzugt. Amerikanische Trivialmythen in der deutschen Kriegsflugblattpropaganda von 1944. Grundlage des Vortrags bildete die Sammlung der Kriegsflugblätter der SBB-PK.

56 |

Jahresbericht 2006

Vor- und Rückseite eines Feindflugblatts der SS-Standarte Kurt Eggers (Südstern) an die Westalliierten in Italien, Februar 1945

Der Leiter der Kartenabteilung, Wolfgang Crom, besuchte Ende November auf Einladung der Fakultät für Geographie und Geologie die AdamMickiewicz-Universität in Posen (Poznan) und ´ hielt dort zwei Vorträge über die Aufgaben und Funktion der Kartenabteilung der SBB-PK sowie über Onlineangebote zur Geographie und Kartographie deutscher Einrichtungen.

treter des Botschafters von Japan in Deutschland, die Vereinigung Berliner Bibliophilen Abend, der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller, der Berliner Buchhändler-Club, die Gleichstellungsbeauftragten in Bundesbehörden, Mitglieder des Berufsverbandes Information Bibliothek (BIB), Mitglieder der Freunde und Förderer der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek e. V., Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft sowie deren zahlreiche Gäste.

Besucher aus dem In- und Ausland
Neben zahlreichen Fachbesuchern aus Bibliotheken und Wissenschaftseinrichtungen empfingen die Generaldirektorin sowie die Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter viele Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und machten diese mit der Bibliothek, ihren Aufgaben und besonderen Sammlungsobjekten bekannt. Unter diesen Gästen waren der Gesandte des Staates Israel in Deutschland, Armgard Gräfin zu Lynar, hochrangige Mitarbeiter beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, eine Gruppe von Rabbiner-Schülern der Ronald S. Lauder Foundation, eine Gruppe von Architekten der Universität Utrecht, Mitglieder des Pfarrkonvents des Evangelischen Kirchenkreises Berlin-Lichtenberg, Seine Exzellenz der Botschafter der Mongolischen Republik, eine Gruppe amerikanischer Bonhoeffer-Interessenten, der Stellver-

Besondere Kooperationen
Ca. 800 Bände aus der Bibliothek des Schriftstellers und Nobelpreisträgers Gerhart Hauptmann (1862–1946), 1968 von der SPK erworben, werden als Dauerleihgabe im Gerhart-HauptmannMuseum im südöstlich Berlins gelegenen Erkner aufbewahrt. Prinz Heinrich von Preußen (1726–1802), der Bruder Friedrichs II., hatte seine Privatbibliothek wie auch verschiedene Kunstgegenstände dem mit ihm befreundeten Grafen la Roche-Aymon vermacht, der sie der Krone erfolgreich zum Kauf anbot. Die Königliche Bibliothek kam so im Jahr 1803 in den Besitz von drei Gipsbüsten und 16 gleichartig gerahmten Kopien von Bildnissen berühmter Männer, die vormals das Bibliothekszimmer des Fürsten Heinrich im Schloss Rheins-

Jahresbericht 2006

| 57

Berliner Manuskript der Tosefta

berg geschmückt hatten. 14 dieser 16 Gelehrtenund Dichterporträts sind noch heute Eigentum der SBB-PK und schmückten zuletzt verschiedene Räume im Haus Unter den Linden. Im Rahmen der Kooperation der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) unterstützte die Staatsbibliothek die Bestrebungen, die Authentizität des Schlosses Rheinsberg als des Musenhofs des Prinzen Heinrichs wiederherzustellen und stellte der SPSG Bilder und Büsten für zunächst zehn Jahre als Leihgabe zur Verfügung. Seit Dezember 2006 präsentiert die Jewish National and University Library (Jerusalem) in Zusammenarbeit mit dem David and Fela Shapell Family Digitization Project und dem Department of Talmud der Hebrew University im Internet eine vollständige Digitalisierung des Berliner Manuskripts der Tosefta (Ms. or. fol. 1220): Online Treasury of Talmud Manuscripts. Es handelt sich bei dem Berliner Exemplar um die älteste und vollständigste der drei bekannten Handschriften. Sie wurde um 1100 in Süditalien geschrieben und überstand wohl mit den anderen „Erfurter“ Handschriften der Staatsbibliothek die Pogrome von 1349 in Thüringen. Diese Handschriften wurden 1880 aus der Bibliothek des Evangelischen Ministeriums im ehemaligen Augustiner-Kloster in Erfurt an die Königliche Bibliothek nach Berlin überwiesen.

Leihgaben (Auswahl)
■ Dortmund, ab Juni 2005: Die Kleine Nationalgalerie. Ausstellung der Alten Nationalgalerie. ■ Potsdam, Sept. 2005–Jan. 2006: Gott in Brandenburg. Zeugnisse christlicher Kulturprägung. Ausstellung des Museums Europäischer Kulturen ■ Paris, Okt. 2005–Jan. 2006: Melancholie. Genie und Wahnsinn in der Kunst. Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin in Zusammenarbeit mit der Réunion des Musées Nationaux, Paris ■ Hofheim am Taunus, Okt. 2005–Jan. 2006: Im Rausch des Elementaren. Utopie und Realität in Werken des Spätexpressionismus 1915–1925 aus der Sammlung der Nationalgalerie Berlin. Ausstellung der Nationalgalerie Berlin ■ Ragusa (Italien), Nov. 2005–Jan. 2006: Silberschatz aus Paterno am Ätna. Ausstellung der Antikensammlung ■ Dresden, Nov. 2005–Feb. 2006: Menzel in Dresden. Ausstellung des Kupferstichkabinetts in Kooperation mit dem Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ■ Rendsburg, Dez. 2005–Jan. 2006: „Vom Himmel hoch da komm ich her …“. Adventskalender aus 100 Jahren. Ausstellung des Museums Europäischer Kulturen ■ Offenbach am Main, Jan. 2006: Europäische Mozart-Wege. Haus der Stadtgeschichte

58 |

Jahresbericht 2006

Auf zum Olymp!

Blatt aus der Oper „Entführung aus dem Serail“ von W. A. Mozart, 1782

■ Salzburg, Jan. 2006: Viva! MOZART. Carolino Augusteum ■ Berlin, Jan. 2006: „… ich bin so begierig ihre Piano forte zu sehen“ – Mozart auf der Suche nach dem neuen Klang. Staatlichen Instituts für Musikforschung ■ Stendal, Jan. 2006: Auf zum Olymp. Antike in Kinderbüchern aus sechs Jahrhunderten. Winckelmannmuseum Stendal ■ Oldenburg, Jan. 2006: Mit dem Boot über die Rocky Mountains. Unter Wölfen, Büffeln, Bären und Indianern. Landesmuseum Oldenburg ■ Konstanz, Jan.–März 2006: Kirche im Dorf – Die Bedeutung von Pfarrer und Kirche für die kulturelle Entwicklung der ländlichen Gemeinden im Preußenland im 13.–18. Jahrhundert. Ausstellung des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz ■ München, Feb. 2006: 100 Jahre Brücke – Expressionismus aus Berlin. Kunsthalle der Münchner Hypo-Kulturstiftung ■ Breslau / Wroclaw, Feb.–April 2006: Bernhard Heisig – Die Wut der Bilder. Ausstellung der Nationalgalerie in Kooperation mit dem Museum der bildenden Künste Leipzig und der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Düsseldorf ■ Tokio, Feb.–Mai 2006: Berlin – Tokyo / Tokyo – Berlin. Die Kunst zweier Städte. Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin und des Mori Art Museum, Tokio

■ Wien, März–Sept. 2006: Mozart. Experiment Aufklärung. Albertina [die Werkautographe wurden in drei verschiedenen Phasen gezeigt, März/Apr, Mai–Juni, Juli–Sept. 2006] ■ Oldenburg, März–Juli 2006: Saladin und die Kreuzfahrer. Landesmuseum für Natur und Mensch ■ Berlin, März 2006: Die Aufarbeitung des Kommunismus in Tschechien und der Slowakei. Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin ■ Erfurt, März 2006: Neue Lebenswelten! – Gartenstädte in Deutschland. Gartenbau-Museum ■ Berlin, März 2006: Bestiarium – Das Tier in der mittelalterlichen Buchmalerei. Ausstellung des Luzerner Faksimile-Verlags im Deutschen Historischen Museum ■ Berlin, März 2006: Polenbegeisterung. Deutsche und Polen nach dem Novemberaufstand 1830. Museum der Europäischen Kulturen ■ Berlin, März 2006: Ein europäischer Freiheitskämpfer – Ludwik Mieroslawski 1814–1878. Alte Nationalgalerie ■ Budapest, März–Okt. 2006: Sigismundus Rex et Imperator. Kunst und Kultur zur Zeit Sigismunds von Luxemburg (1387–1437), Museum der Bildenden Künste ■ Melk an der Donau, März–Nov. 2006: Dschingis Khan und seine Erben – Das Weltreich der Mongolen. Schloss Schallaburg

Jahresbericht 2006

| 59

Andreas Cellarius: Die Entstehung der Mondphasen. 1708

■ Berlin, Apr. 2006–Jan. 2007: Lustgärten und Gartengräber. Museum für Indische Kunst ■ Schloss Corvey, Apr.–Juni 2006: „… in äußerst bizarrer Manier“. Rembrandt als Radierer. Ausstellung des Kupferstichkabinetts ■ Pritzwalk, Mai–Okt. 2006: Der Pritzwalker Silberfund. Spätmittelalterlicher Schmuck von europäischem Rang. Ausstellung des Kunstgewerbemuseums ■ Gut Altenkamp, Papenburg-Aschendorf, Mai– Okt. 2006; Schloss Ludwigshöhe, Edenkoben, Aug.–Nov. 2006; Neu-Ulm, Dez. 2006–März 2007: Berliner Impressionismus. Werke der Berliner Secession aus der Nationalgalerie Berlin ■ Palmanova, Udine, Mai–Okt. 2006: I Turchi i Europa – Civiltà a confronto. Caserma Montesanto ■ Bischofsresidenz Burg Ziesar, ab Mai 2006: Wege in die Himmelsstadt. Bischof – Glaube – Herrschaft 800–1550. Ausstellung der Skulpturensammlung und des Museums für Byzantinische Kunst ■ Berlin, Mai–Aug. 2006: Vermessen – Kartographie der Tropen. Ethnologisches Museum ■ Berlin, Mai–Juni 2006: Das Spiel des Schach – Ein Spiel aus dem Osten. Museum für Islamische Kunst ■ Berlin, Mai–Juni 2006: In Persern Büchern steht’s geschrieben. Museum für Islamische Kunst ■ Berlin, Juni–Aug. 2006: Der Ball ist Rund – Kreis, Kugel, Kosmos. Pergamamon-Museum

■ Passau, Juli–Okt. 2006: Von Max Liebermann bis Werner Heldt. Ausstellung der Nationalgalerie ■ Magdeburg, Aug.–Dez. 2006: Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation, 962–1806: Von Otto dem Großen bis zum Ausgang des Mittelalters. Kulturhistorisches Museum ■ São Paulo, Aug.–Nov. 2006; Niterói bei Rio de Janeiro, 17.12. 2006–25. 3. 2007: Deuses Gregos. Coleção do Museu Pergamon. Griechische Götter aus dem Pergamonmuseum zu Berlin. Ausstellung der Antikensammlung ■ Berlin, Aug.–Nov. 2006: Rembrandt. Genie auf der Suche. Ausstellung der Gemäldegalerie in Kooperation mit dem Museum Het Rembrandthuis, Amsterdam ■ Weimar, Aug.–Nov. 2006: Die Nacht und ihre Kinder. Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin und der Staatsbibliothek zu Berlin in Zusammenarbeit mit der Klassik Stiftung Weimar und „pèlerinages“ Kunstfest Weimar ■ Bonn, Sept.–Okt. 2006; Kiel, Okt.–Dez. 2006: L’antica maniera. Zeichnungen und Gemmen des Giovanni Calandrelli. Ausstellung der Antikensammlung ■ Wedel, Sept.–Okt. 2006: Wie Nils Holgerssohn Harry Potter traf. Stadtbücherei ■ Mannheim, Sept. 2006: Abenteuer Raumfahrt. Aufbruch ins All. Landesmuseum für Technik und Raumfahrt ■ Frankfurt a. M., Sept. 2006: I Like America. Schirn Kunsthalle

60 |

Jahresbericht 2006

Korankommentar in der Ausstellung „Die Dschazira“

■ Berlin, Okt. 2006–Juli 2007: Die Dschazira – Kulturlandschaft zwischen Euphrat und Tigris. Museum für Islamische Kunst ■ Berlin, Okt. 2006: Zwei Berliner begeistern London. Felix Mendelssohn Bartholdy und Wilhelm Hensel in England. Musikinstrumentenmuseum ■ Zwickau, Okt. 2006: Zwischen Poesie und Musik. Robert Schumann – früh und spät. Robert-Schumann-Haus ■ Berlin, Okt. 2006: Napoleons neue Kleider. Pariser und Londoner Karrikaturen im klassischen Weimar. Kunstbibliothek ■ im Rahmen der Föderalen Programme der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Kiel, Okt. 2006: L’antica maniera. Zeichnungen und Gemmen des Giovanni Calandrelli. Kunsthalle zu Kiel ■ Dresden, Okt. 2006: Wahr-Zeichen Fotografie und Wissenschaft

■ Dresden, Okt. 2006: Tödliche Medizin: Rassenwahn im Nationalsozialismus. Deutsches Hygiene-Museum ■ Stuttgart, Nov. 2006: Piktogramme – Die Einsamkeit der Zeichen. Kunstmuseum ■ Berlin, Nov. 2006: Das Zeichen am Hut im Mittelalter. Kunstgewerbemuseum ■ Berlin, Nov. 2006: Spiel mit Technik. Deutsches Technikmuseum ■ Berlin, Nov. 2006–Aug. 2007: Aus dem Land der Blauen Hortensie. Botanischer Gartten und Botanisches Museum ■ Kairo, Nov. 2006–Feb. 2007: Lepsius – die deutsche Expedition an den Nil. Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin ■ Düsseldorf, März–Juni. 2006: Das letzte Wort der Kunst. 150. Todesjahr Robert Schumann und Heinrich Heine, Düsseldorfer Kunsthalle

Jahresbericht 2006

| 61

Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz als bedeutender Marktteilnehmer

Das Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz (bpk), welches im Vorjahr mit seiner neuen InternetBilddatenbank am Markt für den Vertrieb von Verwertungsrechten für Fotos auftrat, hat seine besondere Position als Vertreter der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) gestärkt: Nach der weiteren Digitalisierung umfangreicher Bildbestände aus allen Einrichtungen der SPK stehen jetzt über 90.000 Bildmotive in hochwertiger Druckqualität zum Online-Abruf über das Internet zur Verfügung. Gegenwärtig ist eine zentrale Internet-Plattform in Vorbereitung, über die das bpk Bildbestände der großen Kunstmuseen in Deutschland als Dienstleister für die Medien, die Wirtschaft und die Wissenschaft vertreiben wird.

Anknüpfend an die Erfolge des Jahres 2005, in dem mit der italienischen Fotoagentur SCALA ein Kooperationsvertrag über den Vertrieb von Fotos aus den Staatlichen Museen zu Berlin in Italien und Spanien vereinbart wurde, konnten im letzten Jahr solche Vertriebskooperationen auch mit Partnern in England, Japan, Korea und Polen vereinbart werden. Im eigenen Archiv verwaltet das Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz weit über 12 Millionen Aufnahmen aus den Bereichen Kunst, Kultur und Geschichte.

www.bpk-images.de

62 |

Jahresbericht 2006

ISSN: 0340-2274
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.