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Full text: Bundesbericht Forschung und Innovation Issue 2016

Bundesbericht Forschung
und Innovation 2016
Forschungs- und innovationspolitische Ziele und Maßnahmen
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der Bundesregierung
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1

Inhaltsübersicht

HAUPTBAND
Bundesbericht Forschung und Innovation 2016
Teil I:	
	

Die forschungs- und innovationspolitischen Ziele
der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte

Teil II:	

Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem

Teil III:	

Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes

Teil IV:	

Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern

Teil V:	

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation

Teil VI:	

Die Forschungs- und Innovationspolitik der Länder

	

ERGÄNZUNGSBAND I:
DATEN UND FAKTEN ZUM DEUTSCHEN FORSCHUNGS- UND INNOVATIONSSYSTEM
ERGÄNZUNGSBAND II:
ORGANISATIONEN UND EINRICHTUNGEN IN FORSCHUNG UND WISSENSCHAFT
ERGÄNZUNGSBAND III:
FORSCHUNGS- UND INNOVATIONSPOLITIK DER LÄNDER

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2	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Inhalt
TEIL I	

DIE FORSCHUNGS- UND INNOVATIONSPOLITISCHEN ZIELE
DER BUNDESREGIERUNG UND IHRE SCHWERPUNKTE	

12

1	

Die Hightech-Strategie – ein klares Bekenntnis zu Forschung und Innovation............................................ 14

1.1	
	
	
	
	
	
	

Kräfte bündeln für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit............................................................................... 15
Digitale Wirtschaft und Gesellschaft fördern........................................................................................................... 15
Nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltige Energieversorgung realisieren .................................................... 17
Innovative Arbeitswelt begleiten ................................................................................................................................ 18
Gesundes Leben erhalten .............................................................................................................................................. 22
Intelligente Mobilität fördern ...................................................................................................................................... 23
Zivile Sicherheit gewährleisten .........................................................................................................................................

1.2	 Zusammenarbeit stärken und Umsetzung fördern ............................................................................................ 25
	
Vernetzungspotenziale aktivieren und neue Märkte erschließen ....................................................................... 25
	
Diffusion beschleunigen ................................................................................................................................................ 26
1.3	
	
	
	
	

Innovationskraft des Mittelstands stärken und Wertschöpfung steigern ..................................................... 27
Technologie- und branchenoffene FuE-Förderung ................................................................................................ 28
Potenziale der Schlüsseltechnologien für die Wirtschaft nutzen ....................................................................... 28
Unternehmergeist fördern ............................................................................................................................................ 29
Regionale Innovationspotenziale erschließen ......................................................................................................... 29

1.4	
	
	
	

Basis für Kreativität und Innovationskraft legen ................................................................................................ 30
Fachkräftepotenziale aktivieren .................................................................................................................................. 30
Wagniskapital erschließen ............................................................................................................................................ 31
Rechtsrahmen weiterentwickeln ................................................................................................................................. 31

1.5	 Neugier wecken, Zukunftsorientierung stärken ................................................................................................. 32
1.6	 Umsetzung weiter vorantreiben ............................................................................................................................. 33
2	
	
	
	

Für ein leistungsfähiges Wissenschaftssystem ................................................................................................... 35
Zehn Jahre Pakte: eine Erfolgsbilanz ......................................................................................................................... 36
Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses verlässlich gestalten ............................................................ 37
Ressortforschung stärken ............................................................................................................................................. 37

3	
	
	
	
	
	
	

Für Perspektiven durch Bildung und Integration ............................................................................................... 38
Bildung im gesamten Lebenslauf verankern ............................................................................................................ 39
Bildung und Digitalisierung .......................................................................................................................................... 40
Berufliche Bildung stärken ........................................................................................................................................... 40
BAföG bedarfsgerecht gestalten ................................................................................................................................. 41
Integration durch Bildung ............................................................................................................................................ 41
Internationalisierung in der Bildung .......................................................................................................................... 44

4	
	
	

Für Fortschritt und Wettbewerbsfähigkeit durch Internationalität ............................................................... 45
Potenziale internationaler Zusammenarbeit ............................................................................................................ 46
Internationalisierung priorisiert vorantreiben ......................................................................................................... 47

Inhalt	

TEIL II	
1	

3

DAS DEUTSCHE FORSCHUNGS- UND INNOVATIONSSYSTEM 	

48

Überblick über das deutsche Forschungs- und Innovationssystem ............................................................... 51

1.1	 Struktur und Akteure ................................................................................................................................................ 52
	
Bund und Länder als finanzierende Akteure ............................................................................................................ 52
	Wirtschaft ......................................................................................................................................................................... 52
	
Öffentliche Forschung ................................................................................................................................................... 53
	Intermediäre .................................................................................................................................................................... 54
	Industrieforschung ......................................................................................................................................................... 54
	
Europäische Kommission .............................................................................................................................................. 54
1.2	 Förderinstrumente des Staats ................................................................................................................................ 55
	
Institutionelle Förderung .............................................................................................................................................. 55
	Projektförderung ............................................................................................................................................................. 56
	Auftragsforschung .......................................................................................................................................................... 56
2	

Finanzierung und Durchführung von Wissenschaft, Forschung und Entwicklung ...................................... 58

2.1	
	
	
	
	

Finanzierung von Wissenschaft, Forschung und Entwicklung durch Bund und Länder ............................. 60
Ausgaben des Bundes für FuE ..................................................................................................................................... 60
Gemeinsame Forschungs- und Wissenschaftsförderung des Bundes und der Länder ................................. 61
Ausgaben der Länder für FuE ....................................................................................................................................... 62
Staatliche Förderung von FuE in der Wirtschaft ..................................................................................................... 63

2.2	Hochschulen .............................................................................................................................................................. 64
2.3	Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen ...................................................................................................... 67
	Max-Planck-Gesellschaft .............................................................................................................................................. 69
	Fraunhofer-Gesellschaft ............................................................................................................................................... 70
	Helmholtz-Gemeinschaft ............................................................................................................................................. 70
	Leibniz-Gemeinschaft .................................................................................................................................................... 71
	
Akademien der Wissenschaften .................................................................................................................................. 72
2.4	 Staatliche Forschungseinrichtungen ..................................................................................................................... 73
2.5	
	
	
	

Weitere FuE-fördernde Akteure ............................................................................................................................. 76
Deutsche Forschungsgemeinschaft ........................................................................................................................... 76
Stiftungen und Förderwerke ........................................................................................................................................ 76
Europäische Union .......................................................................................................................................................... 77

2.6	 Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft .................................................................................................... 78
3	

Die Leistungsfähigkeit des deutschen Forschungs- und Innovationssystems ............................................. 81

3.1	FuE-Ergebnisse .......................................................................................................................................................... 82
	
Wissenschaftliche Leistung: Publikationen .............................................................................................................. 82
	
Technologische Leistung: Patente .............................................................................................................................. 83

4	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

3.2	Innovationserfolge .................................................................................................................................................... 85
	
Handel mit forschungsintensiven Gütern ................................................................................................................. 85
	
Internationale Positionierung ...................................................................................................................................... 86

TEIL III 	 DIE FORSCHUNGS- UND INNOVATIONSPOLITIK DES BUNDES	

88

1	Forschungsschwerpunkte ....................................................................................................................................... 91
1.1	 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien ................................................................................................................. 93
	
Softwaresysteme, Wissenstechnologien ................................................................................................................... 95
	Kommunikationssysteme .............................................................................................................................................. 99
	
Entwicklung Digitaler Technologien ........................................................................................................................100
	
Digitale Medien in der Bildung ..................................................................................................................................101
	Modernitätsfonds .........................................................................................................................................................103
	
Elektronik und Elektroniksysteme ............................................................................................................................105
	
Neue Materialien und Werkstoffe .............................................................................................................................106
	
Nanorisikoforschung als Teil der Materialforschung ............................................................................................107
	Photonik ..........................................................................................................................................................................108
	Mensch-Technik-Interaktion .....................................................................................................................................109
1.2	 Nachhaltigkeit, Klima und Energie ......................................................................................................................110
	Bioökonomie ..................................................................................................................................................................111
	
Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung .................................................................................................................112
	
Klima, Klimaschutz .......................................................................................................................................................114
	Biodiversität ...................................................................................................................................................................116
	
Küsten-, Meeres- und Polarforschung, Geowissenschaften ..............................................................................118
	
Rohstoff- und Ressourceneffizienz ..........................................................................................................................119
	
Ökologie, Naturschutz, nachhaltige Nutzung ........................................................................................................121
	
Nachhaltige Agrarwirtschaft und ländliche Räume ..............................................................................................122
	
Raumordnung, Stadtentwicklung und Wohnen ....................................................................................................124
	Bauforschung .................................................................................................................................................................126
	
Energieforschung und Energietechnologien ..........................................................................................................129
	Energieeffizienz .............................................................................................................................................................130
	
Erneuerbare Energien ..................................................................................................................................................132
	
Kerntechnische Sicherheit und Entsorgung ...........................................................................................................132
	
Beseitigung kerntechnischer Anlagen ......................................................................................................................134
	Fusionsforschung ..........................................................................................................................................................135
1.3	Arbeit, Produktion und Dienstleistung ...............................................................................................................136
	
Forschung für die Zukunft der Arbeit ......................................................................................................................137
	
Initiative Neue Qualität der Arbeit/Dialog Arbeiten 4.0 .....................................................................................137
	
Forschung für die Produktion der Zukunft .............................................................................................................138
	
Forschung für die Dienstleistung der Zukunft .......................................................................................................140
1.4	Gesundheit und Ernährung ...................................................................................................................................141
	
Bekämpfung von Volkskrankheiten ..........................................................................................................................142
	
Individualisierte Medizin .............................................................................................................................................145

Inhalt	

5

	
Seltene Erkrankungen ..................................................................................................................................................147
	Prävention .......................................................................................................................................................................148
	
Innovationen in der Versorgungsforschung ...........................................................................................................150
	
Forschung für die Gesundheitswirtschaft und zur Verbesserung der Patientensicherheit .........................151
	
Lebenswissenschaftliche Grundlagenforschung und Bioethik .........................................................................152
	
Gesundheitsforschung in internationaler Kooperation .......................................................................................153
	Strahlenschutz ...............................................................................................................................................................155
	Ernährung .......................................................................................................................................................................156
	
Gesundheitlicher und wirtschaftlicher Verbraucherschutz ................................................................................157
1.5	Mobilität ....................................................................................................................................................................159
	
Intelligente und leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ......................................................................................160
	
Innovative Mobilitätskonzepte und Vernetzung ...................................................................................................161
	Straßenverkehrssicherheit ..........................................................................................................................................162
	Fahrzeugtechnologien .................................................................................................................................................163
	
Neue Antriebe, Elektromobilität ...............................................................................................................................165
	Luftfahrt ..........................................................................................................................................................................170
	
Maritime Technologien ................................................................................................................................................171
	Raumfahrt .......................................................................................................................................................................173
1.6	Sicherheit ..................................................................................................................................................................175
	
Forschung für die zivile Sicherheit ............................................................................................................................176
	IT-Sicherheit ..................................................................................................................................................................178
	
Wehrwissenschaftliche Forschung ...........................................................................................................................179
1.7	
	
	
	

Naturwissenschaftliche Grundlagenforschung .................................................................................................182
Forschungsbauten an Hochschulen einschließlich Großgeräten ......................................................................184
Nationaler Roadmap-Prozess für Forschungsinfrastrukturen ...........................................................................184
Forschung an Großgeräten .........................................................................................................................................186

1.8	Gesellschaft und Bildung .......................................................................................................................................188
	Bildungsmonitoring ......................................................................................................................................................189
	
Empirische Bildungsforschung ..................................................................................................................................190
	
Inklusive Bildung ...........................................................................................................................................................192
	
Kulturelle Bildung .........................................................................................................................................................193
	
Wissenschafts- und Hochschulforschung ..............................................................................................................194
	
Berufliche Handlungskompetenzen stärken .........................................................................................................197
	
Kommunales Bildungsmanagement ........................................................................................................................198
	
Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften ...........................................................................................................198
	
Wirtschaftswissenschaftliche Forschung ................................................................................................................201
	
Innovationen für den demografischen Wandel .....................................................................................................203
	
Chancengerechtigkeit von Frauen in Bildung und Forschung ...........................................................................204
	
Sportförderung und Sportforschung ........................................................................................................................206
2	Vernetzung und Transfer .......................................................................................................................................207
2.1	 Unterstützung von Kooperationen zwischen öffentlich geförderter Forschung,
	
Wirtschaft und Gesellschaft .................................................................................................................................208

6	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

	Spitzencluster-Wettbewerb .......................................................................................................................................208
	go-cluster ........................................................................................................................................................................209
	
Clusterplattform Deutschland ..................................................................................................................................209
	Forschungscampus .......................................................................................................................................................209
	
Forschung an Fachhochschulen ................................................................................................................................211
2.2	
	
	
	
	

Schließen von Verwertungslücken .......................................................................................................................212
Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials
wissenschaftlicher Forschung – VIP+ ......................................................................................................................213
Innovationsorientierung in der Forschung .............................................................................................................213
Patentierung und Normung .......................................................................................................................................214

2.3	Verstärkte Internationalisierung von Cluster und Netzwerken .....................................................................215
	
Internationalisierung von Spitzenclustern, Zukunftsprojekten und vergleichbaren Netzwerken ............215
3	

Innovationsdynamik in der Wirtschaft ...............................................................................................................217

3.1	 Innovativer Mittelstand .........................................................................................................................................218
	
Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand ........................................................................................................219
	KMU-innovativ ..............................................................................................................................................................220
	
ERP-Innovationsprogramm und KfW-Unternehmerkredit Plus ......................................................................221
	
Industrielle Gemeinschaftsforschung ......................................................................................................................222
	Mittelstand-Digital .......................................................................................................................................................222
	go-digital .........................................................................................................................................................................223
	
go-Inno ...........................................................................................................................................................................223
3.2	 Innovative Start-ups ...............................................................................................................................................224
	
EXIST - Existenzgründung aus der Wissenschaft ..................................................................................................225
	
Gründungsoffensive Biotechnologie GO-Bio ........................................................................................................226
	
Gründerwettbewerb IKT Innovativ ..........................................................................................................................226
	
INVEST - Zuschuss für Wagniskapital .....................................................................................................................227
	
High-Tech Gründerfonds ............................................................................................................................................228
	ERP-Startfonds/coparion ............................................................................................................................................228
	
ERP/EIF-Dachfonds, European Angels Fund, ERP/EIF-Wachstumsfonds ....................................................229
	
Ausgründungen aus außeruniversitären Forschungseinrichtungen .................................................................229
3.3	 Innovationspotenziale der Regionen ..................................................................................................................231
	
Innovationsinitiative für die Neuen Länder – Unternehmen Region ...............................................................231
	INNO-KOM-Ost ...........................................................................................................................................................232
	
Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur ....................................................233
4	
	
	
	
	
	
	
	

Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen .................................................................................................235
Stärkung des Wettbewerbs .........................................................................................................................................236
Sicherung des Fachkräftebedarfs ..............................................................................................................................236
Bessere Finanzierung von Innovationen .................................................................................................................237
Normung und Standardisierung vorantreiben .......................................................................................................238
Leistungsstarkes Messwesen .....................................................................................................................................238
Immaterialgüterrechte effektiv und modern ausgestalten ................................................................................239
Innovationsanreize durch öffentliche Beschaffung ..............................................................................................240

Inhalt	

7

5	Transparenz und Partizipation ..............................................................................................................................241
	
Innovations- und Technikanalyse .............................................................................................................................242
	
Strategische Vorausschau ...........................................................................................................................................242
	
Wissenschaftsjahre, Wissenschaftskommunikation .............................................................................................243
	
Strategischer Austausch und Bürgerdialoge ..........................................................................................................245
	
Transdisziplinäre Forschung ......................................................................................................................................246
	Agendaprozesse ............................................................................................................................................................246

TEIL IV	 DIE ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN BUND UND LÄNDERN	

248

	
Rechtliche Grundlagen ................................................................................................................................................251
	
Zusammenwirken von Bund und Ländern ..............................................................................................................251
	
Grundfinanzierung der Forschungseinrichtungen.................................................................................................252
	Exzellenzinitiative .........................................................................................................................................................255
	
Pakt für Forschung und Innovation .........................................................................................................................257
	
Hochschulpakt 2020 ....................................................................................................................................................258

TEIL V	

1	

DIE INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT IN FORSCHUNG
UND INNOVATION	

260

Ziele und Prioritäten der Internationalisierung von Forschung und Innovation .......................................263

1.1	 Strategische Ziele ....................................................................................................................................................264
1.2	 Instrumente der internationalen Zusammenarbeit .........................................................................................268
2	

Deutschlands Rolle in Europa ...............................................................................................................................270

2.1	
	
	
	

Der politische Rahmen ...........................................................................................................................................271
Europa 2020-Strategie..................................................................................................................................................271
Leitinitiative Innovationsunion ..................................................................................................................................273
Europäisches Semester ................................................................................................................................................273

2.2	 Deutschlands Beitrag zum Europäischen Forschungsraum ...........................................................................275
	
Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum ..............................................................276
2.3	 Deutschlands Beteiligung an Horizont 2020 .....................................................................................................279
	Programmstruktur ........................................................................................................................................................279
	
Programmsteuerung (Governance) ...........................................................................................................................282
	
Deutsche Beteiligung an Horizont 2020 .................................................................................................................284
2.4	Europäische Initiativen und Programme ............................................................................................................287
	
EUREKA – Die europäische Forschungsinitiative ..................................................................................................287
	Eurostars .........................................................................................................................................................................288
	
COST – Europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen
	
und technischen Forschung .......................................................................................................................................289
	
Jean Monnet ...................................................................................................................................................................291

8	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

2.5	 Der Beitrag der EU-Kohäsionspolitik zu Forschung und Innovation ...........................................................292
2.6	 Schwerpunkte der bi- und multilateralen Zusammenarbeit in Europa ........................................................295
	
Die Integration der mittelost- und südosteuropäischen Staaten in den
	
Europäischen Forschungsraum .................................................................................................................................296
	
Die EU-Donauraumstrategie als zentrale europäische Regionalstrategie ......................................................297
	
Bilaterale Zusammenarbeit mit Frankreich ............................................................................................................297
	
Bilaterale Zusammenarbeit mit der Tschechischen Republik ............................................................................299
	
Bilaterale Zusammenarbeit mit Griechenland .......................................................................................................299
	EU-Drittstaatenkooperation ......................................................................................................................................300
3	

Weltweite Zusammenarbeit ..................................................................................................................................302

3.1	
	
	
	

Zusammenarbeit mit Industriestaaten ...............................................................................................................303
Bilaterale Zusammenarbeit mit Israel ......................................................................................................................303
Zusammenarbeit mit Nordamerika ..........................................................................................................................304
Bilaterale Zusammenarbeit mit Australien .............................................................................................................305

3.2	 Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten ..........................................................................................................306
	Brasilien ...........................................................................................................................................................................306
	
Russische Föderation ...................................................................................................................................................307
	Indien ...............................................................................................................................................................................308
	China.................................................................................................................................................................................309
	Südafrika .........................................................................................................................................................................311
3.3	 Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern .........................................................................312
	
Regionale Schwerpunkte ............................................................................................................................................312
	
Deutsch-afrikanische regionale Wissenschaftsservicezentren zum Klimawandel (SASSCAL/WASCAL) ....314
	AIMS-Forschungslehrstühle ......................................................................................................................................316
	
DAAD Exzellenz- und Fachzentren in Afrika, Asien und Lateinamerika ..........................................................316
	
Gesundheitsnetzwerke in Subsahara-Afrika ..........................................................................................................316
	
Stärkung von Wissensgesellschaften in Nordafrika und dem Nahen Osten ..................................................317
	
Kooperation in Forschung und Innovation mit der Türkei ..................................................................................318
	
Unterstützung beim Ausbau des Innovationsystems in der Ukraine ...............................................................319
	
Stärkung der Forschungskooperation zur Unterstützung von Entwicklungsprozessen
	
in den Regionen Zentralasien und Südkaukasus ...................................................................................................319
	
Zusammenarbeit mit Vietnam im Bereich Wasser und Nachhaltigkeit ...........................................................320
3.4	
	
	
	

Deutsche Sichtbarkeit im Ausland .......................................................................................................................321
Deutsche Akteure in der Internationalisierung der Berufsbildung ...................................................................322
Deutsche Wissenschafts- und Innovationshäuser im Ausland ..........................................................................323
Deutsche Hochschulen im Ausland ..........................................................................................................................323

3.5	 Internationale Organisationen .............................................................................................................................325
	OECD ...............................................................................................................................................................................325
	UN .....................................................................................................................................................................................327
	G7/G20 ............................................................................................................................................................................327
3.6	 Internationale Forschungsorganisationen .........................................................................................................329

Inhalt	

TEIL VI

9

DIE FORSCHUNGS- UND INNOVATIONSPOLITIK DER LÄNDER	

332

Baden-Württemberg...............................................................................................................................................................335
Freistaat Bayern .......................................................................................................................................................................336
Berlin ..........................................................................................................................................................................................337
Brandenburg .............................................................................................................................................................................338
Freie und Hansestadt Bremen ..............................................................................................................................................339
Freie und Hansestadt Hamburg ...........................................................................................................................................340
Hessen ........................................................................................................................................................................................341
Mecklenburg-Vorpommern ..................................................................................................................................................342
Niedersachsen ..........................................................................................................................................................................343
Nordrhein-Westfalen .............................................................................................................................................................344
Rheinland-Pfalz .......................................................................................................................................................................345
Saarland .....................................................................................................................................................................................346
Freistaat Sachsen .....................................................................................................................................................................347
Sachsen-Anhalt ........................................................................................................................................................................348
Schleswig-Holstein .................................................................................................................................................................349
Freistaat Thüringen .................................................................................................................................................................350

Abbildungsverzeichnis	352

Verzeichnis der Infoboxen	

353

Impressum	357

10 	

	

11

I 	 Die forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte
1	
	

Die Hightech-Strategie – ein klares Bekenntnis
zu Forschung und Innovation........................................................... 14

1.1	 Kräfte bündeln für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit........ 15
1.2	 Zusammenarbeit stärken und Umsetzung fördern...................... 25
1.3	 Innovationskraft des Mittelstands stärken
	
und Wertschöpfung steigern............................................................. 27
1.4	 Basis für Kreativität und Innovationskraft legen......................... 30
1.5	 Neugier wecken, Zukunftsorientierung stärken........................... 32
1.6	 Umsetzung weiter vorantreiben....................................................... 33
2	

Für ein leistungsfähiges Wissenschaftssystem............................. 35

3	

Für Perspektiven durch Bildung und Integration......................... 38

4	
Für Fortschritt und Wettbewerbsfähigkeit durch
	Internationalität.................................................................................. 45

12 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Auf einen Blick
Die Forschungs- und Innovationspolitik der Bundesregierung dient der Gesellschaft, der Volkswirtschaft und den
einzelnen Menschen unseres Landes. Sie zielt auf Lösungen für globale Herausforderungen, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und die Sicherung zukunftsfähiger Arbeitsplätze. Dabei orientiert sich die Politik an einer nachhaltigen
Wirtschaftsweise bei sinkendem Ressourcenverbrauch.

Nie wurde in Deutschland mehr in Forschung und Entwicklung (FuE) investiert als in den vergangenen Jahren.
Die Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung stiegen im Zeitraum von 2005 bis 2016 von 9,0 Mrd.
Euro auf zuletzt 15,8 Mrd. Euro im Jahr 2016 (Soll). Dies
entspricht einem Zuwachs von über 75 %. Nach vorläufigen Berechnungen haben Staat und Wirtschaft 2014 fast
84 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Dies entspricht rund 2,9 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit ist das Ziel der Strategie Europa 2020,
jährlich 3 % des BIP für FuE auszugeben, nahezu erreicht.
Diese Investitionen haben Deutschlands gestiegene Innovationskraft in den vergangenen Jahren erst möglich
gemacht. Fortschritte in der Digitalisierung werden den
Innovationsstandort Deutschland stärken. Gleichzeitig
sind Veränderungen so zu gestalten, dass Beschäftigung
und soziale Teilhabe erhalten bleiben, der Wettbewerb
nicht beeinträchtigt und die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher gewahrt werden. Gerade im
Mittelstand können und müssen Potenziale für neue
Arbeitsplätze in der Industrie und in industriebezogenen
und stärker wissensbasierten Dienstleistungen erschlossen werden. Dazu trägt die Bundesregierung maßgeblich
bei (siehe auch die Infobox Das deutsche Innovationsmodell im Zeitalter der Digitalisierung). Innovationen
sind Triebkräfte unserer Volkswirtschaft. Sie beschleunigen Produkt- und Dienstleistungszyklen und haben
Abb. I-1:	 Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung
(2005–2014)
100.000

in Mio. Euro

anteilig am BIP

3,0
2,8

60.000

2,6

40.000

2,4

20.000

2,2
2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014*

Die dargestellten Maßnahmen liegen in der Verantwortung der jeweils zuständigen Ressorts und werden– vorbehaltlich verfügbarer Haushaltsmittel – im Rahmen
der geltenden Haushalts- und Finanzplanungsansätze
(einschließlich Stellen/Planstellen) finanziert.
Abb. I-2:	 Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung
in Mio. Euro (2005–2016)

80.000

0

einen direkten Einfluss auf die Wertschöpfungsprozesse
und die Wettbewerbsfähigkeit. Sie entstehen in einem
komplexen Prozess zwischen Grundlagenforschung
und angewandter Forschung. Für die Zukunft gilt es,
bislang ungenutzte Innovationspotenziale, vor allem im
Mittelstand und durch mehr Unternehmensgründungen
zu aktivieren und die Gesellschaft stärker miteinzubeziehen. Im Sinne eines breiten Innovationsverständnisses
fördert die Bundesregierung in der Hightech-Strategie
sowohl technologische als auch gesellschaftliche Innovationen, die darauf zielen, Transformationsprozesse
mitzugestalten. Die Innovationskraft hängt von vielen
Faktoren ab: Einer exzellenten und kreativen Forschung,
einer innovationsoffenen Gesellschaft, investitionsbereiten Unternehmerinnen und Unternehmern,
gut ausgebildeten, engagierten Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern, einer innovationsfördernden Politik und
einem dynamischen, attraktiven und chancengerechten
Wissenschafts- und Bildungssystem. Die Bundesregierung verfolgt mit ihrer Forschungs- und Innovationspolitik diesen integrierten Ansatz.

2,0

* Links: vorläufiger Wert für 2014; rechts: Soll-Werte für 2015 und 2016	

20.000

10.000

0
2006

2008

2010

2012

2014

2016*

Datenbasis: Datenportal des BMBF

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

13

Das deutsche Innovationsmodell
im Zeitalter der Digitalisierung 	
Wissensvorsprünge in den Schlüsselkompetenzen der
Digitalisierung werden ausschlaggebend dafür sein, dass
wir unsere Innovationskraft im internationalen Vergleich
weiter stärken und Beschäftigung und Wertschöpfung
in unserem Land sichern. Die Expertenkommission
Forschung und Innovation (EFI) spricht sich in ihrem
neunten Gutachten für eine Gesamtstrategie aus, die die
Gestaltungsmöglichkeiten der Digitalisierung aufgreift
und die digitale Transformation der Wirtschaft begleitet.
Die Bundesregierung setzt künftig auf vier Handlungsfelder, um die deutsche Volkswirtschaft zu dynamisieren.
Deutschland belegt bei der Innovationsfähigkeit im internationalen Vergleich regelmäßig vordere Plätze. Fünf der
zehn FuE-stärksten Unternehmen Europas kommen aus
Deutschland. Der Beitrag von Medium- und Hightech-Güter-Exporten zur Handelsbilanz ist mit 9,2 % in keinem anderen Land der Europäischen Union so groß wie in Deutschland. Die traditionelle Stärke der deutschen Volkswirtschaft
war und ist hierbei das verarbeitende Gewerbe. Mit einem
Anteil von gut einem Sechstel der Beschäftigten, die direkt
im verarbeitenden Gewerbe tätig sind, ist Deutschland
weltweit führend. Insbesondere im Mittelstand gehören
zahlreiche Hidden Champions zur Weltspitze.
Die gegenwärtige Stärke des deutschen Innovationsmodells kann langfristig nur dann aufrecht erhalten bleiben,
wenn es gelingt, mit den Technologiesprüngen infolge
der Digitalisierung und den Möglichkeiten für neue
Geschäftsmodelle Schritt zu halten. Durch ihre Transformationskraft in der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik
wird die Digitalisierung nicht nur evolutionär sondern
auch im hohen Maße disruptiv wirken. Märkte auf denen
deutsche Unternehmen heute erfolgreich sind, können
sich fundamental ändern. Dies birgt hohe Risiken für die
zukünftige Wettbewerbsfähigkeit, aber führt auch zu
neuen Gestaltungsmöglichkeiten. So liegt Deutschland
laut World Intellectual Property Organization auf den
drei Hightechfeldern der Zukunft beim 3-D-Druck auf
Platz drei sowie bei Nanotechnologie und Robotik auf
Platz fünf der weltweiten Innovationstreiber.
Vor diesem Hintergrund setzt die Bundesregierung auf
vier Handlungsfelder:

1.	 Die traditionellen Stärken der deutschen Volkswirtschaft – insbesondere in der industriellen Wertschöpfung mit ihrem großen Anteil an Hochtechnologien
– sollen weiter ausgebaut werden, um auf dieser Basis
neue intelligente und wissensbasierte Produktionsumgebungen zu gestalten. Dafür fördert die Bundesregierung z. B. Industrie 4.0 sowie auch die Entwicklung
autonomer Systeme, Smart Services und die Digitalisierung im Medizinbereich.
2.	 Die Digitalisierung schafft neue Wertschöpfungspotenziale und Handlungsräume, vor allem im Bereich
datenbasierter Dienstleistungen. Um mehr innovative
Geschäftsmodelle aus den Entwicklungen der sogenannten Plattformökonomien, bei Big Data und dem
Internet der Dinge entstehen zu lassen, sollen die Rahmenbedingungen innovations-, gründungs- und verbraucherfreundlicher gestaltet werden. Dazu braucht es
einen modernen Ordnungsrahmen zur Sicherstellung
von Selbstbestimmung, Freiheit, Transparenz, Datenschutz und Sicherheit. Grundlage dafür sind sichere
Informationsinfrastrukturen und die umfassende Wahrung des Verbraucher- und Datenschutzes.
3.	 Speziell ausgebildete, kreative und weltoffene Fachkräfte sowohl im akademischen Sektor als auch in der beruflichen Bildung sind entscheidend für die Gestaltung
des digitalen Wandels in der Wirtschaft. Künftig sollen
mehr junge Menschen profunde IT-Kompetenzen erwerben und ihr Wissen in die Unternehmen einbringen.
4.	 Schließlich muss auch die Basis für das hiesige Innovationsgeschehen erweitert werden. Für einen starken Mittelstand im digitalen Zeitalter muss die Innovationskraft
der kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) gestärkt und das Gründungsgeschehen intensiviert werden.
Auf diesen Handlungsfeldern wird die Bundesregierung
die Modernisierung der deutschen Volkswirtschaft weiter
vorantreiben. Übergeordnetes Ziel ist es, den forschungsund innovationspolitischen Rahmen so zu gestalten, dass
sich Kreativität im Umgang mit dem digitalen Wandel
noch besser entfalten und zu neuen intelligenten und
wissensbasierten Lösungen führen kann.

14 	

1	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Die Hightech-Strategie – ein klares
Bekenntnis zu Forschung und Innovation

Seit 2006 bündelt die Hightech-Strategie ressortübergreifend die Förderung von Forschung und Innovation. Sie vereint
die wichtigsten Akteure von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, um aus Wissen möglichst schnell und erfolgreich Innovationen zu gewinnen.

Mit der Hightech-Strategie hat die Bundesregierung
neue Prioritäten in Forschung und Innovation gesetzt
(siehe auch Infobox Zehn Jahre Hightech-Strategie).
Von 2014 bis 2016 (Soll) hat die Bundesregierung unter
dem Dach der Hightech-Strategie rund 34 Mrd. Euro
z. B. in die Entwicklung zukunftsfähiger Lösungen für
nachhaltiges Wirtschaften und umweltfreundliche
Energie, auch künftig leistungsfähige Gesundheitsversorgung, intelligente Mobilität, sichere Kommunikation, innovative Unternehmen und damit in den
Innovationsstandort Deutschland investiert.
Diese Orientierung an den großen gesellschaftlichen
Herausforderungen – unterstützt durch die Förderung

von Schlüsseltechnologien – ist ein Unterschied zur
Forschungs- und Innovationspolitik der Vergangenheit. Die Hightech-Strategie hat konkrete forschungspolitische Leitbilder und Ziele in insgesamt zehn
Zukunftsprojekten formuliert (siehe auch Infobox
Die Zukunftsprojekte der Hightech-Strategie). Jedes Zukunftsprojekt trägt dazu bei, systemische Lösungen zu
finden, die zu mehr Lebensqualität führen, unsere Lebensgrundlagen schützen und der Wirtschaft in wichtigen Leitmärkten Wettbewerbsvorsprünge sichern. Die
Zukunftsprojekte werden von Wirtschaft, Wissenschaft
und Politik gemeinsam umgesetzt.

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

15

1.1	 Kräfte bündeln für Wohlstand
und Wettbewerbsfähigkeit
Seit 2014 treibt die Bundesregierung den Aufbau von neuen Kompetenzen und zukunftsfähigen Lösungen in sechs
Feldern gezielt voran. Ausgangspunkt sind die Fragen nach den Quellen unseres zukünftigen Wohlstands und nach
unserer Lebensqualität. Die Bundesregierung investiert in innovative Lösungen, die durch eine hohe wissenschaftlichtechnische Dynamik oder durch hohes Innovationspotenzial geprägt sind und mit denen Deutschland international
Wettbewerbsvorsprünge realisieren kann.

Der übergreifende strategische Ansatz der HightechStrategie gilt national und international als Erfolgsbeispiel guten Regierens: Rahmenprogramme wie Horizont 2020 folgen einem ähnlichen Ansatz, und auch die
Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)
hat wiederholt bestätigt, dass die Hightech-Strategie
ein gutes Modell der Governance eines FuI-Systems
verkörpert.

Digitale Wirtschaft und Gesellschaft
fördern
Die Digitale Wirtschaft und das Internet beeinflussen
Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik in
nie gekanntem Ausmaß. Informations- und Kommunikationstechnologien sind wichtige Treiber
innovativer Wertschöpfungsketten und -netzwerke
sowie neuartiger Geschäftsmodelle in vielen Anwendungsbereichen. Exponentiell steigende Datenmengen ermöglichen eine Explosion des Wissens, bringen
aber auch neue Risiken und Herausforderungen, z. B.
in Bezug auf Verbraucherrechte und Datensicherheit,
mit sich. Für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit ist
die erfolgreiche Integration digitaler Technologien in
industriellen Wirtschaftszweigen und gesellschaftlichen Bedarfsfeldern entscheidend, weil wir hierbei
über starke Kompetenzen verfügen. Die Bundesregierung gestaltet den Digitalen Wandel aktiv, integrativ
und vorausschauend. Diese Zielsetzung verfolgt sie
im Rahmen der Digitalen Agenda 2014–2017. Die
bisherigen Fortschritts- und Umsetzungsberichte zur
Digitalen Agenda 2014–2017 zeigen, dass schon viele
der in der Digitalen Agenda adressierten Maßnahmen
realisiert wurden.

Mit der Plattform Industrie 4.0 arbeitet eine starke
Allianz aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und
Forschung daran, die ökonomischen Potenziale der
voranschreitenden Digitalisierung der Wertschöpfungsketten nutzbar zu machen und auf der Grundlage der erfolgreichen deutschen Industriestruktur
neue intelligente und wissensbasierte Produktionsumgebungen zu gestalten. Für kleine und mittlere
Unternehmen (KMU) und Handwerksbetriebe birgt
die digitale Transformation zudem enorme Potenziale hinsichtlich verbesserter Prozessabläufe oder
Herstellungsverfahren sowie durch das Erschließen
innovativer eBusiness-Lösungen. Die Bundesregierung unterstützt die Digitalisierung von Arbeits- und
Produktionsprozessen in KMU daher in besonderem
Maße. Die Forschungsinitiative Industrie 4.0 – Forschung auf den betrieblichen Hallenboden zeigt in
anwendungsbezogenen Forschungsprojekten, wie
Industrie-4.0-Lösungen in die Tat umgesetzt werden
können. Künftig werden KMU vor Einführung und
Umsetzung innovativer Prozess- und Systemlösungen
diese zunächst in praxisnahen „Testumgebungen“
erproben können.
Noch stärker als bisher wird die Bundesregierung
neue Förderinitiativen in Umsetzung der Fachprogramme für Schlüsseltechnologien wie der
Materialforschung und Photonik auf KMU ausrichten.
Bei der Anpassung an digitale Geschäftsprozesse
und Aufbau von Digitalkompetenz werden KMU
durch die Programme Mittelstand-Digital und seit
2015 mit den neuen Modellvorhaben der Initiative godigital in den Schwerpunkten „Internet-Marketing“,
„digitalisierte Geschäftsprozesse“ und „IT-Sicherheit“
unterstützt.

umfasst und beziehen die Gesellschaft als zentralen Akteur ein. Wir nehmen das
Ganze in den Blick und denken zusammen, was zusammengehört. Den Aufwärtstrend bei Investitionen in Forschung und Entwicklung setzen wir fort.
16 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Kernelemente der strategischen Neuorientierung

3.	Innovationsdynamik der Wirtschaft: Die HightechStrategie unterstützt gezielt Innovationsprozesse in

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5. Transparenz u

sf
und Tran er

2.	Vernetzung und Transfer: Die Hightech-Strategie
bündelt regionale, nationale und internationale
Kompetenzen von Unternehmen, Hochschulen,
Forschungseinrichtungen und weiteren Akteuren mit
neuen Instrumenten der Innovationsförderung.

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1.	Prioritäre Zukunftsaufgaben: Die Hightech-Strategie
setzt thematische Prioritäten für Forschung und Innovation, um neue Kompetenzen zu gewinnen.

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Die Umsetzung der neuen Hightech-Strategie orientiert
sich an ihren fünf Leitlinien:

HIGHTECHSTRATEGIE

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Die Hightech-Strategie umfasst somit den gesamten
Innovationsprozess – von der kreativen Idee bis zur Umsetzung in neue Produkte und Dienstleistungen. Unter
diesem Dach entwickeln alle Ressorts der Bundesregierung gemeinsame Ziele und Umsetzungsschritte. Damit
lenkt die Hightech-Strategie die Vielzahl der Kräfte in
eine gemeinsame Richtung. Im Mittelpunkt stehen dabei
Forschungsthemen, die von besonderer Relevanz für
Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität sind.

n

4.

Während die Hightech-Strategie anfangs den Blick
vor allem auf das Marktpotenzial konkreter Technologiefelder richtete, berücksichtigte sie ab dem
Jahr 2010 stärker den gesellschaftlichen Bedarf
an zukunftsfähigen Lösungen und deren Realisierung. Seit 2014 werden alle zentralen Aspekte einer
umfassenden Forschungs- und Innovationspolitik
im Zusammenhang betrachtet. Der Ansatz erschließt
Innovationspotenziale, mit denen die großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit bewältigt
werden und bringt die neuen Antworten konsequent in
die Anwendung.

täre Zukunftsaufgabe
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1
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2.

Die Hightech-Strategie hat in den vergangenen zehn
Jahren dazu beigetragen, die Position Deutschlands im
globalen Wettbewerb zu verbessern. Investitionen in
Forschung und Innovation wurden erfolgreich ausgebaut und gebündelt.

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Zehn Jahre Hightech-Strategie

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3. In
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der deutschen Wirtschaft, vor allem in kleinen und
mittleren Unternehmen.
4.	Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen: Die
Hightech-Strategie verknüpft Forschungsthemen von
Anfang an mit Querschnittsthemen und schafft die
richtigen Rahmenbedingungen für Forschung und
Innovation.
5.	 Partizipation und Transparenz: Die Hightech-Strategie bezieht die die Gesellschaft als zentralen Akteur in
die Forschungs- und Innovationsprozesse mit ein.
Seit zehn Jahren verbessert die Hightech-Strategie das
Umfeld für Ideen und ihre Umsetzung in marktfähige
Produkte und Dienstleistungen. Damit fördert sie mehr
Wertschöpfung und neue zukunftssichere Beschäftigungspotenziale in Deutschland.

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

Hinzu kommen die neuen Kompetenzzentren Mittelstand 4.0, die KMU für die technologischen und
wirtschaftlichen Potenziale der Digitalisierung
sensibilisieren und die digitale Transformation durch
konkrete Anschauungs- und Erprobungsmöglichkeiten unterstützen. Bis Ende 2016 werden insgesamt
zehn solcher Kompetenzzentren geschaffen. Hinzu
kommt ein spezielles auf den Bedarf des Handwerks
ausgerichtetes Zentrum.
Für das Zusammenspiel von Mensch und Technik spielen Informations- und Kommunikationstechnologien,
Elektronik, Robotik und Bionik eine wichtige Rolle. Das
Forschungsprogramm Technik zum Menschen bringen
fördert die Entwicklung innovativer Lösungen, die
Menschen in immer mehr Lebensbereichen unterstützen.
Der zunehmende Einsatz digitaler Technologien in
der Wirtschaft, aber auch in unserem persönlichen
Alltag wirft Fragen nach den Chancen und Risiken der
Digitalisierung auf, z. B. hinsichtlich des Grundrechts
auf informationelle Selbstbestimmung. Die Bundesregierung schafft hierzu die notwendigen Forschungskapazitäten. Im Deutschen Internet-Institut werden
künftig die ethischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und
partizipativen Aspekte von Internet und Digitalisierung
in einem interdisziplinären Ansatz erforscht und so
wichtiges Orientierungs- und Handlungswissen für die
Zukunft erarbeitet. Im September 2015 wurde durch
die Veröffentlichung einer Förderrichtlinie mit der
Einrichtung des Instituts begonnen.
Open Access kann zu einem besseren Informationsfluss in der Wissenschaft und zu besserer Sichtbarkeit
von Forschungsergebnissen beitragen. Publikationen
und Daten, die aus öffentlich geförderter Forschung
entstanden sind, sollen daher Open Access veröffentlicht werden. Die Bundesregierung arbeitet daher an
der Entwicklung einer Open-Access-Strategie.
Mit dem Nationalen Aktionsplan Open Data bekennt
sich die Bundesregierung zu einer breiten Veröffentlichung von Daten der Verwaltung. Diese Daten für
digitale Innovationen zu nutzen und damit digitalen
Gründergeist zu wecken, ist eines der zentralen Ziele
des Modernitätsfonds, aus dem seit 2016 datenbasierte
innovative Projekte gefördert werden.

17

Nachhaltiges Wirtschaften
und nachhaltige Energieversorgung
realisieren
Unsere Produktionsweisen und unser Konsumverhalten müssen ressourcenschonender, umweltfreundlicher, sozialverträglicher und damit nachhaltiger werden. Die Bundesregierung orientiert sich am Leitbild
einer nachhaltigen Entwicklung, die Innovationen
in Verantwortung für die heutigen und kommenden
Generationen generiert.
Die Transformation unserer Produktions- und Konsumweisen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei
der auch die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen Beachtung finden muss. Ziel ist, dass Deutschland seine Position als Technologieführer erhält und
dabei nachhaltig und klimaschonend handelt. Deshalb
stärkt die Bundesregierung Plattformen, in denen Vertreter und Vertreterinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft,
Bürgergesellschaft und Politik gemeinsam Impulse für
eine nachhaltige Wirtschaftsweise geben: die Innovationsplattform Zukunftsstadt, die Umsetzungsplattform
Green Economy, die Nationale Plattform Bildung für
nachhaltige Entwicklung, die Forschungsinitiative
Zukunft Bau, das Forschungsforum Energiewende, die
Energiewendeplattform Forschung und Innovation
sowie die Forschungsnetzwerke Energie.
Die Bundesregierung bündelt ihre Forschungsanstrengungen für eine umweltschonende, zuverlässige und

18 	

bezahlbare Energieversorgung und den Wandel zur
Nachhaltigkeit in der Rohstoffstrategie der Bundesregierung, dem FONA³-Rahmenprogramm sowie der Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 – unser
Weg zu einer biobasierten Wirtschaft. Das 6. Energieforschungsprogramm der Bundesregierung wird weiterhin
konsequent umgesetzt und bildet den Rahmen für die
Realisierung von ressortübergreifenden Förderinitiativen in Themenfeldern mit besonderer Relevanz für die
Energiewende: Netze, Speicher sowie seit 2016 solares
Bauen/energieeffiziente Stadt.
Mit dem 2015 gestarteten Rahmenprogramm Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA3) wird die
Forschung für Nachhaltigkeit noch wirksamer gefördert sowie stärker fächerübergreifend, bedarfs- und
anwendungsorientiert ausgerichtet. Die Bundesregierung fördert in FONA³ Nachhaltigkeitsforschung mit
dem Ziel, Optionen für eine nachhaltige Lebens- und
Wirtschaftsweise aufzuzeigen. Durch FONA³ wird die
Nachhaltigkeitsforschung enger in den gesellschaftlichen Diskurs eingebunden und dadurch relevanter für
die nachhaltige Entwicklung. Wichtige gesellschaftliche Aufgaben und politische Prioritäten werden mit
drei Leitinitiativen aufgegriffen:
∙∙ Green Economy: Übergang zu einer international
wettbewerbsfähigen, umwelt- und sozialverträglichen Wirtschaftsweise
∙∙ Zukunftsstadt: nachhaltige Entwicklung von
Städten und urbanen Räumen
∙∙ Energiewende: Transformation der Energieversorgung
Mit den neuen Kopernikus-Projekten bündelt die Bundesregierung die Kräfte der wichtigsten Akteure aus
Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft mit einer
langfristig auf zehn Jahre angelegten Perspektive. Ziel
ist es, nachhaltige Lösungen für den Umbau des Energiesystems zu entwickeln.

Innovative Arbeitswelt begleiten
Arbeitswelt und Wertschöpfungsprozesse unterliegen
einem fundamentalen Wandel. Unsere globalisierte
Wirtschaft ist geprägt von einer starken Dienstleistungsorientierung und interaktiven Wertschöpfungs-

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

prozessen. Die Digitalisierung ermöglicht neue Formen
der Arbeitsorganisation und beeinflusst Qualifikationsprofile und Berufsbilder nachhaltig. Gleichzeitig
entwickeln die Menschen andere Wertvorstellungen in
Bezug auf ihre berufliche Tätigkeit.
Im Dialogprozess Arbeiten 4.0 diskutiert die Bundesregierung zusammen mit Sozialpartnern, Verbänden
und Unternehmen die Gestaltungsbedarfe der Arbeitswelt der Zukunft. Betriebliche Lösungsansätze zu
den Herausforderungen der Digitalisierung stehen im
Mittelpunkt der Plattform Digitale Arbeitswelt. Die Dialoge werden von vielfältigen Forschungsvorhaben zur
Zukunft der Arbeit begleitet, z. B. zu den Wertewelten
von Beschäftigten und den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitsmarktentwicklung.
Innovativ zu sein, erfordert heute mehr denn je
komplexe Prozesse, die das Zusammenwirken von
technologischer Entwicklung, aber auch von Personal-,
Organisations- und Kompetenzentwicklung beinhalten. Mit dem Rahmenprogramm Innovationen für die
Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen wird
Forschung in den Bereichen Produktion, Dienstleistung und Arbeit daher erstmals gemeinsam betrachtet.
Mit dem Programm Zukunft der Arbeit fördert die
Bundesregierung die Entwicklung von Lösungsansätzen für Herausforderungen, die Unternehmen, und
dabei speziell KMU, durch den Strukturwandel in der
Arbeitswelt entstehen.
Eine hohe Qualifikation und gute Arbeitsbedingungen
leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass Menschen
innovativ sein können. Die Bundesregierung setzt sich
dafür ein, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kompetent, gesund, inklusiv, sicher und motiviert
an neuen Produkten und Dienstleistungen arbeiten
können. Konkrete Unterstützungs- und Beratungsangebote für die betriebliche Praxis, die von Sozialpartnern, Kammern und Politik gemeinsam getragen werden, bietet die vom Bundesministerium für Arbeit und
Soziales geförderte Initiative Neue Qualität der Arbeit
(INQA). Mit dem Präventionsgesetz vom 17. Juli 2015
wurden die Rahmenbedingungen für die Gesundheitsförderung und Prävention am Arbeitsplatz verbessert.

n gesellschaftliche und
gen aufgegriffen und
In der letzten Legislaturp
nnovationspolitische
zehn Zukunftsprojekte ge
hen bei der Umsetzung im Vordergrund:
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Ziel hin. Jedes ZukunftsproAls Energieträger und Ausgangsmarung
n gesellschaftliche
und
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lassen, bieten eine viel verIn
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sprechende Alternative zum Erdöl und anderen fossiünge sichern.
Intelligenter Umba
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2
Energieversorgung
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ein integraler Bestandteil der
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2030 der
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und
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Bundesregierung 2009 einen BioÖkonomie-Rat einbrauch in Deutschland konzentriert
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energieeffiziente
des Zukunftsprojekt
gerichtet. 2017 wird die Nationale Forschungsstrategie
sich überwiegend auf2die Städte.
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und
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LebensgrundAlternative zum Öl
erheblichen, stetig weiter steigenden Anpassungsbedarfs
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und auch aufgrund der vielfältigen Betroffenheit der
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und alle Politikfelder disziplinübergreifend
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und
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Alternative zum Öl
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Intelligenter Umba
mengeführt werden. Dafür hat die Bundesregierung die
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Lösungen
gePrävention und Ern
Plattform Zukunftsstadt (NPZ) gegründet. InEnergien sind äußerst ambitionierte
Energieversorgung
nerhalb der Plattform haben Expertinnen und Experten
Aufgaben,
für deren erfolgreiche
arum, dieeineverschiedenen
Strategische Forschungs- und Innovationsagenda
Lösung eine enge Zusammenarbeit
Intelligenter
Umbau
derWirtschaft, Wissenschaft und ZivilgeZukunftsstadt (FINA) erarbeitet
und 2015 der Öffentlichzwischen Politik,
ser Legislaturperiode
vorgelegt. Nun geht es im nächsten Schritt um ihre
sellschaft erforderlich Auch
ist. Vor allem die
chaft undkeit
Wirtschaft
imWissenschaft
Alterist ein se
Umsetzung. Mit der imEnergieversorgung
Februar 2016 durch die Bundesgefragt, zügig die notwendigen Fundamente zu legen
h thematische
AusrichKrankheiten besser
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sie gemeinsame
ForLeben führen
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die Energieversorgung Deutschlands nachhaltig sicher
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die
individualisierte
Initiativen von Ressorts,
Kommunen, Wissenschaft,
zu stellen. Mit ihrem 6.mit
Energieforschungsprogramm
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dasundgemeinZivilgesellschaft aufeinander abgestimmt,
hat die Bundesregierung im August 2011 den Fahrplan
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Zukunftsprojekt skizziert. Es ist das Ergebnis
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I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

2

19

unsere LebensgrundAlternative zum Öl
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29 % der Gesamtbevölkerung. Der deNachwachsende
Rohstoffe
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die es erlauben, Krankheitsrisiken
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den
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deren Verlauf zu kontrollieren.
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die
es
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nutzen
gilt.
Aus
diesem
Grund
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Öl
Deutschland
hin
Mehr Gesundheithatdurch
gezielte
dizinische Behandlungsansätze sind hier erfolgverspredie Bundesregierung die Forschungsagenda Das
Nachhaltige Mobilität
m, diechend.
verschiedenen
Maßgeschneiderte Präventions- und TherapieverAlter hat Zukunft erarbeitet und Ende 2011 beschlossen.
Prävention
und
Ernährung
fahren zu entwickeln, Nebenwirkungen
von Arzneien
zu
An deren sechs Forschungsfeldern orientieren sich die
minimieren
und
damit
einen
deutlich
besseren
TherapieHandlungslinien diesesAuch
Zukunftsprojektes.
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im Alter ein selbst
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Umbau
der
erfolg zu erreichen, stehen im Fokus einer individualisierten Medizin, wie sie die Bundesregierung innerhalb ihres
gemeinsame
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im Dezember 2010 verabschiedeten
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Energieversorgung
Internetbasierte Dienste
im Alter einNachhaltige
selbstbestimmtes
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erstmals als Forschungsfeld
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n aufgenannt
dashat. gemeinNeue Förderinitiativen wurden mit dem
2013 vorgestellten Aktionsplan
Individualisierte
Medizin
Mobilität
die unverzichtbare
füristdie
Wirtschaft
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Voraussetzung
persönlicher
FreiDeutschland hin
heit,
sozialen
Zusammenlebens
und
Krankheiten besser therapieren
Nachhaltige
Mobilität
wirtschaftlichen Wohlstands. Der
weltweit wachsende Verkehr vermit individualisierter Medizin
braucht jedoch immer mehr Flächen
Mehr Gesundheit durch gezielte Prävention
Industrie
Nachhaltige Mobilität
und Ressourcen. Er verursacht
Lärm, Staus und4.0
Luftverund Ernährung
schmutzung. Angesichts von Klimawandel, wachsender
Weltbevölkerung und begrenzten fossilen Rohstoffen
Ein gesundheitsbewusster LebensInternetbasierte Dienste
muss
die zukünftige
Mobilität auf eine neue, nachhaltige
stil Mehr
und ein gesundheitsförderliGesundheit
durch
gezielte
Grundlage gestellt werden. Die Bundesregierung verfolgt
ches Lebensumfeld können helfen,
fürSicherheitsniveau
die Wirtschaft
deshalb das Ziel, auf hohem
Modelle
chronische Krankheiten zu vermeiPrävention
und
Ernährung
einer nachhaltigen und vernetzten Mobilität zu entwidenInternetbasierte
oder zumindest ihren Beginn
Dienste
Sichere
Identitäten
ckeln, die gleichzeitig die
Emissionen mindern
und die
zu verzögern. Daher ist es Ziel der
Umwelt schonen sowie die Wettbewerbsfähigkeit der
Förderung der Präventions- und Ernährungsforschung,
für die Wirtschaftdeutschen Wirtschaft stärken. Beteiligte Akteure sind die
die wissenschaftlichen Grundlagen für eine wirksame,
Plattform Elektromobilität sowie die Gemeinalltagstaugliche und zielgruppengerechte Prävention
Auch im Alter einNationale
selbstbestimmtes
Industrie 4.0
same Geschäftsstelle Elektromobilität.
und Gesundheitsförderung zu schaffen. Darüber hinaus
sollen Strategien entwickelt werden, die das ErnährungsLeben
führen
verhalten der Bevölkerung
und das Ernährungsangebot
nachhaltig verbessern.Industrie
Die Bundesregierung hat
im Jahr
4.0
2013 einen Aktionsplan Präventions- und Ernährungsfor20 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

schung vorgelegt.

Nachhaltige Mobilität
Sichere Identitäten
Internetbasierte Dienste

Sichere Identitäten

I

Krankheiten
therapieren
Auch im Alterbesser
ein selbstbestimmtes
Internetbasierte Di
mit
individualisierter
Medizin
Leben
führen
für die Wirtschaft

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

21

Mehr Gesundheit durch gezielte
Nachhaltige
Mobilität
Prävention und
ErnährungIndustrie 4.0
Internetbasierte Dienste für die
Wirtschaft

Sichere Identitäten

Vertrauen ist ein kostbares Gut und
Auch
im
Alter
ein
selbstbestimmtes
Basis jeder belastbaren BezieInternetbasierte Dienste die
hung. Vertrauen lässt sich auch im
Sichere
Leben
Internet
verwirklichen,Identitäten
wenn sich
für die führen
Wirtschaft

Das Internet ist schnell über eine
weltweite Infrastruktur für den
Zugang zu Informationen hinausgewachsen. Es hat sich im Verlauf der
vergangenen Jahre zu einer immer
und überall verfügbaren Plattform für
Dienstleistungen entwickelt, wie der Erfolg von hunderttausenden verschiedenen Applikationen für alle Bereiche
des Lebens zeigt. Bisher sprechen diese Applikationen
vorwiegend Privatanwender an. Zunehmend werden
auch Business-Applikationen in die Geschäftsprozesse
vieler Unternehmen und Administrationen integriert.
Sowohl bei den IT-Anbietern als auch bei den IT-Anwendern eröffnen internetbasierte Dienstleistungen große
Wachstumspotenziale. Dem trägt die Bundesregierung
mit diesem Zukunftsprojekt Rechnung.

die Menschen dort ihrer eigenen
und jeder fremden Identität genauso
sicher sein können wie im wirklichen Leben. Zugleich
muss Raum für Anonymität und Pseudonymität erhalten bleiben, gerade weil das Internet Personenbezüge
erlaubt, die sich in ihrem Ausmaß, ihrer Intensität und
ihrer Transparenz deutlich von der realen (analogen) Welt
unterscheiden. Wege dorthin will die Bundesregierung
in diesem Zukunftsprojekt aufzeigen. Sichere Identitäten
sollen den Nutzern ermöglichen, ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung im weltweiten Netz auszuüben
und gleichzeitig eine solide Grundlage für Geschäfte im
virtuellen Raum bilden. Dies ermöglicht netzbasierten
Geschäftsmodellen ein nachhaltiges Wachstum. Problemen der Cyberkriminalität wie Identitätsdiebstahl
oder das Vortäuschen falscher Internetseiten kann so
begegnet werden. Dieses Zukunftsprojekt pflegt eine
enge Zusammenarbeit mit den Zukunftsprojekten Internetbasierte Dienste und Industrie 4.0. 2015 wurde mit
Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt ein neuer
Forschungsrahmen aufgespannt. Das Nationale Referenzprojekt zur IT-Sicherheit in der Industrie 4.0 und auch
drei Cyber-Kompetenzzentren forschen und entwickeln
Lösungen zum Schutz der Identitäten im Netz.

Nachhaltige
Industrie 4.0Mobilität

Internetbasierte Dienste
Sichere
Identitäten
für die Wirtschaft

Industrie 4.0
Die Wirtschaft steht an der Schwelle
zur vierten industriellen Revolution.
Durch das Internet getrieben wachsen reale und virtuelle Welt immer
weiter zu einem Internet der Dinge
zusammen. Die Kennzeichen der
künftigen Form der Industrieproduktion sind die starke
Individualisierung der Produkte unter den Bedingungen
einer hoch flexibilisierten (Großserien-)Produktion, die
weitgehende Integration von Kunden und Geschäftspartnern in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse
und die Verkopplung von Produktion und hochwertigen
Dienstleistungen, die in so genannten hybriden Produkten mündet. Die deutsche Industrie hat jetzt die Chance,
die vierte industrielle Revolution aktiv mitzugestalten.
Auf der Plattform Industrie 4.0 sind rund 250 Akteure
aus mehr als 100 Organisationen aktiv. Gemeinsam mit
Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft,
Wissenschaft, Verbänden und Zivilgesellschaft werden
Lösungsmöglichkeiten für die erfolgreiche Umsetzung
von Industrie 4.0 in Unternehmen aufgezeigt, konkrete
Handlungsempfehlungen erarbeitet und Industrie 4.0 für
den industriellen Mittelstand dargestellt.

Industrie 4.0

Sichere Identitäten

22 	

Gesundes Leben erhalten
Unsere Gesundheit ist ein wichtiger Bestandteil des
individuellen und gesellschaftlichen Wohlbefindens.
Unsere zunehmende Lebenserwartung und ein hohes
Wohlstandsniveau sind nicht automatisch gleichbedeutend mit steigender Lebensqualität. Die Bundesregierung setzt sich daher in besonderem Maße für die
Gesundheitsforschung ein. Vorrangiges Ziel ist dabei
stets, dass Forschungsergebnisse schnell bei den Menschen ankommen, um dort einen direkten Beitrag zur
Steigerung der Lebensqualität zu leisten. Die Bundesregierung definiert die strategische Ausrichtung der
Gesundheitsforschung im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung.
Ein Schwerpunkt hierbei ist die Bekämpfung von
Volkskrankheiten. Mit den sechs Deutschen Zentren der
Gesundheitsforschung und zwei großen Forschungsnetzen investiert die Bundesregierung in leistungsfähige Strukturen aus Grundlagenforschung und
patientenorientierter Forschung. Ziel dieser konzertierten Zusammenarbeit von Universitäten, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Ressortforschungseinrichtungen ist die Entwicklung von neuen
Präventions- und Behandlungsoptionen und deren
erfolgreiche Translation in die klinische Anwendung
sowie die Vorbereitung auf zukünftige gesellschaftlich
relevante Herausforderungen im Gesundheitsbereich.
Das neue Berliner Institut für Gesundheitsforschung
(BIG) verfolgt komplementär dazu einen übergreifenden systemmedizinischen Forschungsansatz. Das BIG
erforscht die komplexen krankheitsübergreifenden
Zusammenhänge in ihrer Gesamtheit und entwickelt
neue Therapieansätze. Diese Infrastrukturen bringen

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

zu zentralen Themen der Gesundheitsforschung die
besten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ihres
Fachs zusammen. Ergänzend zum Rahmenprogramm
sollen mit dem beim Gemeinsamen Bundesausschuss
angesiedelten Innovationsfonds neue Versorgungformen und die Versorgungsforschung weiter vorangebracht werden.
Die individualisierte Medizin birgt große Potenziale
für wirksame Therapien und eine Reduzierung von
Nebenwirkungen. Für eine wirksamere Krankheitsbekämpfung wird der Aktionsplan Individualisierte
Medizin umgesetzt. Im Rahmen der individualisierten
Medizin werden die Integration unterschiedlicher Datenformate und die Interpretation großer Datenmengen immer wichtiger. Die Bundesregierung widmet
sich dieser Aufgabe verstärkt, denn die Chancen, aber
auch Risiken und Herausforderungen der Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung sind enorm. Daher
hat die Bundesregierung mit einer neuen Strategie zur
Medizininformatik die richtigen Weichen gestellt und
fördert darin künftig den Aufbau von Datenintegrationszentren und die Entwicklung von innovativen
IT-Lösungen.
Ethische Aspekte sowohl der Digitalisierung als auch
des demografischen Wandels werden durch Ressortforschungsinitiativen beleuchtet. Die steigende Zahl
medizinisch relevanter Daten kann so künftig zum
Wohle von Patientinnen und Patienten für genauere
Diagnoseverfahren und bessere Therapiemöglichkeiten
nutzbar gemacht werden.
Ein gesonderter Schwerpunkt liegt auf der Erforschung
der Seltenen Erkrankungen. Durch den Nationalen
Aktionsplan für Menschen mit Seltenen Erkrankungen
soll die gesundheitliche Situation für diese Menschen
entscheidend verbessert werden.
Die Bundesregierung stärkt die Forschung für die
Gesunderhaltung des Menschen unabhängig von Alter,
Geschlecht und sozialem Status. Prävention, Früherkennung bzw. Vorsorge bilden wichtige Bausteine für
ein langes und gesundes Leben. Wohlstandsbedingte
chronische Krankheiten einschließlich der ihnen
zugrunde liegenden Risikofaktoren können dadurch
vorgebeugt oder im Verlauf abgemildert werden.
Mit dem Präventionsgesetz vom 17. Juli 2015 soll ein
Rahmen für die Verbesserung der Zusammenarbeit der

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

Akteure geschaffen und die Sicherstellung der Qualität
und Effizienz von Leistungen zur Gesundheitsförderung und Prävention gefördert werden. Hierzu können
die Sozialversicherungsträger einzeln oder mit Dritten
Modellvorhaben durchführen. Mit der Initiative IN
FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung
und mehr Bewegung fördert die Bundesregierung eine
gesunde und aktive Lebensweise. Um die spezifischen
Belange der Menschen in ihren verschiedenen Lebensphasen zu erfassen sowie darauf angepasste und damit
noch wirkungsvollere Konzepte zur Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung zu entwickeln, wurde
die Förderinitiative Gesund – ein Leben lang initiiert.
Zentraler Baustein für die Forschung auf dem Gebiet
der Prävention ist die langfristige Datenerhebung in
großen Bevölkerungsgruppen (Kohorten). Daher wird
die bisher größte Bevölkerungskohorte in Deutschland,
die Nationale Kohorte, aufgebaut.
Innovative Lösungen bringen nicht nur entscheidende Fortschritte für unser individuelles Wohlbefinden,
sondern haben das Potenzial weltweit Absatzmärkte
und Wertschöpfung zu generieren. Die Bundesregierung stärkt die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit
der deutschen Gesundheitswirtschaft mit einem neuen
Fachprogramm Medizintechnik. Um den Forschungsund Produktionsstandort Deutschland zu stärken und
die Versorgung mit wirksamen innovativen Arzneimitteln sicherzustellen, hat die Bundesregierung einen
ressortübergreifenden Pharmadialog mit Industrie,
Wissenschaft und der Industriegewerkschaft Bergbau,
Chemie, Energie geführt. Die besonderen Herausforderungen für mittelständische Unternehmen in diesem
Bereich adressiert die Bundesregierung durch zusätzliche Maßnahmen, wie zum Beispiel mit der neuen
Informationsplattform „Medizintechnologie.de“. Die
Informationsplattform ist ein Ergebnis des Nationalen
Strategieprozesses Innovationen in der Medizintechnik.
Mit dem Nationalen Strategieprozess verfolgt die Bundesregierung das Ziel, an den Schnittstellen zwischen
Forschungs-, Gesundheits- und Wirtschaftspolitik die
Grundlagen für eine kohärente Innovationspolitik im
Bereich der Medizintechnik zu schaffen.

23

Intelligente Mobilität fördern
Deutschland ist Innovationsführer für sichere und
nachhaltige Mobilitätslösungen. Zentrale Aufgabenstellungen für die Mobilität der Zukunft bestehen in
der Vernetzung der Verkehrsträger und Fahrzeuge, der
Entwicklung neuer Fahrzeuge und Antriebssysteme
sowie nachhaltiger Kraftstoffe für die verschiedenen
Verkehrsträger.

Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, auf hohem Sicherheitsniveau Modelle für eine nachhaltige Mobilität
zu entwickeln, die gleichzeitig Emissionen mindern
und die Umwelt schonen sowie die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stärken. Vor allem die
Elektromobilität ist ein entscheidender technologischer Beitrag zur klimafreundlichen Umgestaltung der
Mobilität. Die Bundesregierung stärkt mit der Nationalen Plattform Elektromobilität daher den strategischen
Dialog von Industrie, Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften und Verbänden. Bei der Entwicklung intelligenter Mobilitätssysteme kommt der Automatisierung
und Vernetzung von Fahrzeugen zentrale Bedeutung
zu. Diese adressiert die Bundesregierung mit der
Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren, dem
Programm Neue Fahrzeug- und Systemtechnologien
sowie weiteren Fachprogrammen. Um die Energieeffizienz und Reichweite von Elektrofahrzeugen weiter zu
steigern, setzt die Bundesregierung Förderschwerpunkte im Bereich der Batterieforschung, der Ladeinfrastruktur und Netzintegration sowie in der Entwicklung
energieeffizienter Gesamtfahrzeugkonzepte.

24 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

und Bürger vor Gefahren
zu schützen sowie ihre
Sicherheit und damit ihre
Lebensqualität zu erhöhen.

Darüber hinaus setzt sich die Bundesregierung für eine
Effizienzsteigerung durch Optimierung der Schnittstellen zwischen den einzelnen Verkehrsträgern ein,
z. B. durch die Förderung einer möglichst nahtlosen
Reisekette mit Fahrgastinformationen und Ticketing
von Tür zu Tür und durch die Förderung von zukunftsweisenden Projekten an der Schnittstelle ÖPNV/Carsharing/Fahrrad.

Zivile Sicherheit gewährleisten
Die Gewährleistung von Sicherheit und Freiheit ist für
unsere Gesellschaft von herausragender Bedeutung.
Neue Bedrohungen wie der internationale Terrorismus
oder die Cyber-Kriminalität stellen veränderte Anforderungen an die innere Sicherheit. Vorrangiges Ziel der
Bundesregierung ist es, zum Schutz unseres freiheitlichen Lebensstils beizutragen.
Unser Alltag beruht immer mehr auf dem Funktionieren, der technischen Sicherheit und dem reibungslosen
Ineinandergreifen komplexer Systeme und Infrastrukturen: für Energieversorgung, Kommunikation, Mobilität oder Logistik. Bereits geringe Störungen können
Versorgungsengpässe und hohe volkswirtschaftliche
Schäden hervorrufen. Die zivile Sicherheitsforschung
leistet einen wichtigen Beitrag dazu, Bürgerinnen

Mit dem Grad der Digitalisierung nehmen die Anforderungen an die Sicherheit, Vertrauenswürdigkeit
sowie an die Zuverlässigkeit digitaler Infrastrukturen und Dienstleistungen
zu. Exponentiell steigende
Datenmengen ermöglichen eine Explosion des
Wissens, schaffen aber
auch neue Risiken, gerade
für das Grundrecht auf
informationelle Selbstbestimmung. Die Bundesregierung bewertet IT-Sicherheit als ein zentrales
Element für Innovation und Wachstum in Deutschland. Davon zeugen das Forschungsrahmenprogramm
Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt 2015–
2020, ein ressortübergreifendes Maßnahmenpaket zur
Entwicklung sicherer und innovativer IT-Lösungen
sowie die Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland für
die Gewährleistung der zivilen Sicherheit. Für die sichere und selbstbestimmte Nutzung des Internets und
der digitalen Welt bedarf es wirksamer Instrumente.
Drei leistungsstarke Kompetenzzentren für IT-Sicherheit
an den Standorten Darmstadt, Karlsruhe und Saarbrücken fokussieren sich thematisch und organisatorisch
auf die wichtigsten Herausforderungen auf dem Gebiet
der IT-Sicherheit.

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

25

1.2	 Zusammenarbeit stärken und
Umsetzung fördern
Die Bundesregierung fördert die themen- und disziplinübergreifende Vernetzung und den Ideen-, Wissens- und Technologietransfer entlang der gesamten Innovationskette. Die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
in der Forschung und Entwicklung gehört zu einer der traditionellen Stärken des deutschen Innovationssystems.

Eine enge Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft
und Gesellschaft ist der Schlüssel zu einem gelungenen Transfer von Ideen zu kommerziell erfolgreichen
und gesellschaftlich bedeutenden Innovationen auf
der einen und zu einem größeren wissenschaftlichen
Erkenntnisgewinn auf der anderen Seite.
Mit Maßnahmen wie dem Spitzencluster-Wettbewerb
hat die Bundesregierung in den letzten Jahren deutliche Akzente für die Erschließung und Umsetzung
regionaler Innovationspotenziale gesetzt. Kompetenzen in Kooperationen, Partnerschaften und Innovationsallianzen wurden so zusammengeführt. Rund 100
Innovationscluster sind mittlerweile deutschlandweit
beim Programm go-cluster aktiv. Die Bundesregierung will die Kräfte von Wissenschaft, Wirtschaft,
Gesellschaft und Politik noch stärker bündeln und die

daraus erwachsenden Synergien für höhere Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltigen Wohlstand nutzen.

Vernetzungspotenziale aktivieren
und neue Märkte erschließen
Die Zugänge für den Mittelstand zu den Kompetenzen
der Wissenschaft sollen künftig noch weiter verbessert werden. Neben den technischen Universitäten
sind oft die Fachhochschulen ein bewährter Partner
kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Mit der
Maßnahme Starke Fachhochschulen – Impuls für die
Region werden Hochschulen als regionale Innovationspole gestärkt und damit neue Spielräume für die
Kooperation mit KMU geschaffen. Auch in den spezi-

26 	

ell auf KMU zugeschnittenen Maßnahmen wie dem
Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)
oder KMU-innovativ spielen Kooperationen mit
Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen eine wichtige Rolle. Um die Wissensbasis
in KMU durch Vernetzung und Kompetenzaufbau zu
stärken, werden die Möglichkeiten zu Seitenwechseln
zwischen Wirtschaft und Wissenschaft verbessert.
Darüber hinaus werden ab 2016 deutschlandweit
Innovationsforen etabliert, in denen KMU und Forschungseinrichtungen gemeinsam technologie- und
disziplinübergreifend neue Ideen entwickeln und
Umsetzungswege erarbeiten.
Die Bundesregierung stärkt KMU in regionalen
Netzwerken und fördert ihre Rolle als Impulsgeber
für Wertschöpfung und Garant für Ausbildungsplätze. Bereits jetzt bieten die Forschungscampi KMU die
Möglichkeit, längerfristig an einem Ort mit Partnern
aus der Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft
auf Augenhöhe an den Trends der Zukunft zusammenzuarbeiten. Um die regionale Innovationsbasis in
Deutschland weiter zu stärken, soll der Anteil von KMU
in strategischen Innovationsverbünden künftig steigen.
Hierzu kann auf die exzellenten Koordinierungs- und
Managementkompetenzen deutscher Cluster und
Netzwerke als Katalysatoren für KMU-Verbundvorhaben zurückgegriffen werden.
Angesichts zunehmend transnationaler Prozesse
der Wissensgenerierung und Wertschöpfung ist die
Zusammenarbeit von Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen mit internationalen Partnern weiter auszubauen. Schon heute stehen nationale
Förderprogramme für die Vernetzung mit internationalen Partnern zur Verfügung, um deutschen KMU ein
Sprungbrett für intensivere Auslandsaktivitäten zu bieten: Mit der Maßnahme zur
Internationalisierung von Spitzenclustern, Zukunftsprojekten und vergleichbaren Netzwerken wird vor allem
KMU die Möglichkeit geboten, in internationalen
Partnerverbünden mitzuwirken. Mit der Weiterentwicklung von ZIM wurden zusätzliche Anreize
für internationale Kooperationen deutscher KMU gesetzt. Unter dem Dach von KMU-international baut die
Bundesregierung künftig das Informations- und Beratungsangebot deutscher KMU zur europäischen und
internationalen Innovationskooperation weiter aus.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Diffusion beschleunigen
Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass aus
guten Ideen aus der Forschung noch schneller Innovationen werden. Dazu gehört es möglichst frühzeitig zu beurteilen, ob eine Idee tatsächlich zu einem
innovativen Produkt oder einer neuen Dienstleistung
werden kann. Mit der Fördermaßnahme Validierung
des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP+ schließt
die Bundesregierung die häufig bestehende Lücke
zwischen Ergebnissen aus der Grundlagenforschung
und einer möglichen Anwendung. Mit der neuen Maßnahme WIPANO – Wissens- und Technologietransfer
durch Patente und Normen fördert die Bundesregierung
öffentliche Forschung und Unternehmen bei der Patentierung und Verwertung ihrer Ideen und unterstützt
innovative Projekte für die Normung. Denn gute Ideen
müssen geschützt werden und können durch Normung
und Standardisierung rasch in Märkte diffundieren.

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

27

1.3	 Innovationskraft des Mittelstands stärken
und Wertschöpfung steigern
Der Mittelstand ist ein zentraler Bestandteil des deutschen Innovationssystems. Als Kern des deutschen Wirtschaftsmodells ist seine Erneuerungskraft dafür mitentscheidend, wie sich Deutschland künftig im globalen Wettbewerb
behaupten wird. Die Digitalisierung, veränderte Rollen in Wertschöpfungsketten und die Globalisierung stellen den
Mittelstand derzeit und in Zukunft vor neue und große Herausforderungen.

Die Ausgaben der Unternehmen in Deutschland für
Innovationen, also für Forschung und Entwicklung,
Marketing, Prototypen oder Produktionsaufbau, liegen
zwar mit 145 Mrd. Euro im Jahr 2014 auf einem stabilen
hohen Niveau, doch der Anteil der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) daran nimmt ab. Gleichzeitig ist der Anteil der Unternehmen, die erfolgreich
neue Produkte und Dienstleistungen in den Markt
eingeführt haben, die sogenannte Innovatorenquote,
zurückgegangen, allerdings inzwischen mit 37 % im
Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr stabil.
Seit vielen Jahren kommt die staatliche FuE-Förderung
überproportional den KMU zugute. Im Zeitraum 2007
bis 2015 stieg die Forschungs- und Entwicklungsförderung des Bundes zugunsten von KMU von 783
Mio. Euro auf 1.445 Mio. Euro an. Die Innovationsprogramme für den Mittelstand wurden neu strukturiert,
gebündelt und übersichtlicher gestaltet sowie um neue
passfähige Maßnahmen erweitert. Dieses verstärkte
Engagement wird von der Expertenkommission Forschung und Innovation in ihrem neunten Jahresgutachten ausdrücklich begrüßt.
Entlang des Innovationszyklus werden künftig vier
Programmfamilien Unternehmen Von der Idee zum
Markterfolg begleiten. Die Förderangebote zielen auf:
∙∙ Innovative Gründungen (Zuschüsse und Wagniskapital für Gründungen und junge Unternehmen,
wie EXIST, INVEST und Hightech Gründerfonds),
∙∙ Innovationskompetenz (Zuschüsse für Beratungsleistungen, wie z. B. go-inno und go-digital)
∙∙ Technologietransfer (Zuschüsse für Patentanmeldungen und vorwettbewerbliche Forschungsvorhaben, wie z. B. die Industrielle Gemeinschaftsforschung IGF)

∙∙ marktorientierte Technologieprojekte (Zuschüsse
für marktnahe Technologieprojekte, wie das Zentrale
Innovationsprogramm Mittelstand – ZIM)
Komplementär hierzu wurde ein Zehn-Punkte-Programm Vorfahrt für den Mittelstand entwickelt. Dieses
zielt in vier Handlungsfeldern auf:
∙∙ mehr Beteiligung von KMU an den thematischen
Fachprogrammen (z. B. mit KMU-innovativ in den
Schlüsselbereichen Digitale Wirtschaft, Gesundes
Leben, Nachhaltiges Wirtschaften)
∙∙ die Vernetzung mit großen Unternehmen und Forschungseinrichtungen (z. B. mit starken Fachhochschulen – FH-Impuls, in künftig deutschlandweiten
Innovationsforen sowie über Strategische Innovationsverbünde)
∙∙ die Sicherung der Fachkräfte und Qualifikationsbedarfe (z. B. mit einem MINT-Recruiting für den
Mittelstand, einem Sonderprogramm zur Digitalisierung in Überbetrieblichen Ausbildungsstätten und
befristeten Seitenwechseln zwischen Wirtschaft und
Wissenschaft)
∙∙ sowie die Verbesserung der Rahmenbedingungen
und Vereinfachung von Förderverfahren (z.B. durch
zweistufige Antragsverfahren und die Vorab-Finanzierung von Sondierungs- oder Machbarkeitsstudien).
Die Förderberatung Forschung und Innovation des Bundes informiert über die einzelnen Maßnahmen, nicht
nur der Bundesregierung, sondern auch der Länder
und der Europäischen Kommission.
Die Förderverfahren werden laufend weiter verbessert.
Bürokratische Hürden wurden abgebaut; z. B wurden
für kleine Unternehmen vereinfachte Antragsverfahren eingeführt, alle Verfahren werden sukzessive

28 	

auf rein elektronische und papierlose Informationsübermittlung umgestellt. Damit wird dem Kabinettbeschluss zur Entlastung der mittelständischen
Wirtschaft von Bürokratie vom 11. Dezember 2014
Rechnung getragen.

Technologie- und branchenoffene
FuE-Förderung
Für viele kleine und mittlere Unternehmen ist technologieoffene Förderung eine wichtige Unterstützung auf
ihrem Weg zur Innovation. Die Unternehmen bestimmen dabei selbst, in welche Technologien und Produkte sie investieren. Der Staat macht den Unternehmen
keine thematischen Vorgaben; die KMU können ihre
Forschung und Entwicklung auf ihre spezifischen
unternehmerischen Prioritäten ausrichten.
Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)
fördert marktorientierte Forschungs- und Entwicklungsprojekte von KMU. Unterstützt werden sowohl
Einzelprojekte als auch Kooperationsprojekte mit
anderen Unternehmen oder mit Forschungseinrichtungen. Zudem wird das Management und die Organisation von innovativen Unternehmensnetzwerken
gefördert. Das Programm wurde 2015 weiterentwickelt,
indem u. a. die förderfähigen Kosten erhöht,
die Antragsberechtigung auf größere mittelständische
Unternehmen erweitert und die Förderquote für
internationale Projekte um bis zu 10 % erhöht wurden.
Die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) adressiert
den vorwettbewerblichen Forschungsbedarf des Mittelstandes; die geförderten Forschungseinrichtungen sind
FuE-Dienstleister für KMU. Die Unternehmen wirken
bei der Ausgestaltung und Begleitung der Vorhaben mit.

Potenziale der Schlüsseltechnologien
für die Wirtschaft nutzen
Die Innovationskraft des Mittelstands soll in allen für
die Zukunftsfähigkeit Deutschlands zentralen Innovationsprozessen optimal zum Tragen kommen. Dazu
gehört die gezielte Förderung zukunftsweisender
Schlüsseltechnologien in den technologiespezifischen

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Fachprogrammen. Schlüsseltechnologien sind aufgrund
ihrer volkswirtschaftlichen Hebelwirkung von besonderer Bedeutung. Innovative Entwicklungen aus der
Informations- und Kommunikationstechnologie, der
Mikroelektronik, der Photonik, der Biotechnologie, den
Produktionstechnologien sowie den Werkstoff- und den
Nanowissenschaften bilden die Grundlage für neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in vielen industriellen und gesellschaftlichen Anwendungsbereichen.
Die Bundesregierung fördert Schlüsseltechnologien in
mehreren Fachprogrammen, um die Innovationsfähigkeit der Unternehmen zu stärken. Dabei unterstützt
sie in besonderem Maße KMU und mittelständische
„Hidden Champions“ in der breiten Nutzung von
Schlüsseltechnologien für neue Produkte und Dienstleistungen und ermöglicht ihnen den Einstieg in die
spezifische Fachförderung. Besonders bewährt hat sich
KMU-innovativ, das seit 2015 um Förderlinien in der
Material- und Werkstoffforschung sowie der Photonik
erweitert wurde und künftig im Schwerpunkt „Elektromobilität und Elektroniksysteme“ den KMU-Anteil
weiter erhöhen wird. Hochinnovative, leistungsstarke
KMU der Spitzenklasse sollen in ihren Vernetzungsaktivitäten und Internationalisierungsbestrebungen
künftig stärker unterstützt werden. Die Förderinitia-

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

tive KMU-innovativ wird zum Teil auf die Zielgruppe
größerer Mittelständler mit bis zu 1.000 Beschäftigten
ausgedehnt.
Um auch in Zukunft international zu reüssieren, muss
die Gesamtzahl kleiner und mittlerer Unternehmen,
die aktiv an Zukunftslösungen forschen, verbreitert
werden. Dabei setzt die Bundesregierung nicht allein
auf Mittelzuwächse für die Spitzenforschung, sondern
nimmt auch die bisher nicht innovationsaktiven KMU
mit bedarfsgerechten Förderangeboten in den Blick. So
wird KMU-innovativ um ein Einstiegsmodul, etwa zur
Finanzierung kurzer Machbarkeitsstudien, im Vorfeld
eines FuE-Projekts ergänzt. Daneben werden künftig
zweistufige Antragsverfahren bei für KMU zugänglichen Maßnahmen verlässliche Förderperspektiven
schon auf Basis einer ersten Antragsskizze ermöglichen. Dadurch wird die Komplexität im Antragsverfahren reduziert.

Unternehmergeist fördern
Die Bundesregierung wirkt auf die weitere Verbesserung des Gründungsklimas hin, damit Deutschland
auch im Segment der jungen innovativen Unternehmen seine Position als international bedeutender
Investitions- und Gründungsstandort
ausbaut. Dafür werden Beratungsleistungen, Zuschüsse und Venture
Capital bereitgestellt. Die Bundesregierung unterstützt das Gründungsgeschehen von den ersten Ideen,
die schon in den Hochschulen und
Forschungseinrichtungen entstehen,
über die Gründung bis zur ersten
Wachstumsphase.
Die Unterstützung für HightechGründungsvorhaben aus der Wissenschaft ist deutlich ausgeweitet
worden. Davon zeugen ein deutlicher
Mittelaufwuchs für Gründerinnen
und Gründer im Rahmen des EXISTProgramms sowie Gründungswettbewerbe wie IKT Innovativ oder die
Gründungsoffensive Biotechnologie

29

(GO-Bio). Der German Accelerator unterstützt deutsche
Hightech-Start-ups über einen drei- bis sechsmonatigen Aufenthalt im Ausland dabei, ihr Geschäftsmodell
zu validieren und gegebenenfalls auf die dortigen
Erfordernisse anzupassen, um einen Markteintritt
vorzubereiten. Der German Accelerator wurde über die
bisherigen Technologiebereiche IKT und Cleantech
auch auf die Lebenswissenschaften ausgeweitet.
Darüber hinaus fördert die Bundesregierung die
Erschließung neuer Zielgruppen innovativer Gründungen. Künftig wird das EXIST-Programm daher stärker
für ausländische Gründerteams geöffnet, die im Rahmen von EXIST in Deutschland gründen wollen. Mit
dem neu gestarteten bundesweiten Netzwerk FRAUEN
unternehmen aus knapp 180 Unternehmerinnen wirbt
die Bundesregierung für mehr Unternehmerinnengeist bei Mädchen und jungen Frauen. Die erfolgreiche
Unternehmensnachfolgebörse nexxt-change.org wird
künftig Studierende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Hochschulen ansprechen.

Regionale Innovationspotenziale
erschließen
Die Bundesregierung investiert in das Innovationspotenzial strukturschwacher Regionen. Das Programm
INNO-KOM-Ost unterstützt die innovative Leistungsfähigkeit gemeinnütziger externer Industrieforschungseinrichtungen durch die Bereitstellung von
Finanzierung für anspruchsvolle Forschungs- und
Entwicklungsprojekte. Mit den Maßnahmen von
Unternehmen Region – Die BMBF-Innovationsinitiative
für die Neuen Länder fördert die Bundesregierung den
Auf- und Ausbau besonderer technologischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Kompetenzen in
ostdeutschen Regionen. In den vergangenen 15 Jahren
hat die Förderung von Kooperation und Wissensaustausch zwischen öffentlicher Forschungsinfrastruktur
und Unternehmen zum Aufbau einer international
konkurrenzfähigen, von kleinen und mittleren Unternehmen geprägten Wirtschaftsstruktur in Ostdeutschland beigetragen. Ab 2016 wird Unternehmen
Region zu einem deutschlandweiten Innovationsförderkonzept zur Unterstützung von Regionen mit
besonderen Herausforderungen beim Strukturwandel
weiterentwickelt.

30 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

1.4	 Basis für Kreativität und Innovationskraft legen
Die Bundesregierung setzt sich für Rahmenbedingungen ein, die ein verlässliches und produktives Umfeld für Innovationstätigkeit und Wertschöpfung ermöglichen. Sie stellt sich dem internationalen Wettbewerb um die besten
Köpfe mit modernen und lebensphasengerechten Angeboten. Qualifizierte Frauen und Männer sind der Schlüssel zu
Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.

Die Sicherung der Fachkräftebasis gehört zu den zentralen Zukunftsaufgaben Deutschlands. Für das Entstehen kreativer Ideen und die Umsetzung in Innovationen sind zudem faire Wettbewerbsbedingungen, offene
Märkte, ausreichende Finanzierungsmöglichkeiten
und ein wirksamer Schutz von Immaterialgüterrechten
wesentliche Voraussetzungen.

Fachkräftepotenziale aktivieren
In einer älter werdenden Gesellschaft ist die Sicherung der Fachkräftebasis essenziell, um die Innovationsfähigkeit auch langfristig zu erhalten. Die duale
Berufsausbildung ist eine wichtige Grundlage, um den
Fachkräftebedarf vor allem in kleinen und mittleren
Unternehmen künftig zu sichern. Angesichts der
zunehmenden Ausdifferenzierung und Vielfalt der
Bildungslandschaft brauchen Jugendliche Unterstützung, z. B. durch Maßnahmen der Berufsorientierung
und Berufsvorbereitung, um sie für eine Ausbildung
zu gewinnen. Mit der Ende 2014 geschlossenen Allianz für Aus- und Weiterbildung 2015–2018 haben sich
die Bundesregierung, die Bundesagentur für Arbeit
(BA), Wirtschaft, Gewerkschaften und Länder gemeinsam zum Ziel gesetzt, die duale Berufsausbildung in
Deutschland zu stärken und für die Gleichwertigkeit
der betrieblichen und akademischen Ausbildung zu
werben. Sie flankieren damit konkrete Programme
und Unterstützungsmaßnahmen. Mit dem von der
Bundesregierung im Februar 2016 auf den Weg gebrachten Gesetzentwurf zur Stärkung der beruflichen
Weiterbildung und des Versicherungsschutzes in der
Arbeitslosenversicherung (AWStG) sollen insbesondere Geringqualifizierte, Langzeitarbeitslose und ältere
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verstärkt für
eine berufliche Weiterbildung gewonnen und damit
Fachkräfte- und Qualifizierungspotenziale aktiviert

werden (siehe auch I 3 Für Perspektiven durch Bildung
und Integration).
Über Aus- und Weiterbildung hinaus ist auch die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse ein effektives
Instrument der Fachkräftesicherung. Das Gesetz zur
Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im
Ausland erworbener Berufsqualifikationen (Anerkennungsgesetz) des Bundes hilft, Menschen mit ausländischen Abschlüssen besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren: In den ersten drei Jahren von 2012 bis 2014 sind
mehr als 44.000 Anträge auf Anerkennung gestellt und
die große Mehrheit der beruflichen Auslandsabschlüsse
als gleichwertig anerkannt worden. Passgenaue Information und Beratung tragen wesentlich zum Anerkennungserfolg bei. Gemeinsam mit den Partnern in der
Wirtschaft und den Ländern wird die Bundesregierung
diese Erfolgsgeschichte weiter vorantreiben.
Auch bei Ausschöpfung des gesamten inländischen
Fachkräftepotenzials werden verstärkt qualifizierte
Fachkräfte aus dem Ausland benötigt. Mit Informationsmaßnahmen wie dem Portal www.make-it-in-germany.com oder der neuen Hotline Arbeiten und Leben
in Deutschland informiert die Bundesregierung über
die Arbeitsbedingungen in Deutschland sowie über die
Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland. Auch
für die gegenwärtig nach Deutschland flüchtenden
Menschen hat die Bundesregierung rasch gezielte Maßnahmen ergriffen, um sie in ihrem Integrationswillen
zu unterstützen und für die Aufnahme von Beschäftigungsverhältnissen vorzubereiten.
Die Partnerschaft für Fachkräfte in Deutschland von
BMAS, BMWi, BMBF, BMFSFJ, BDA, DGB, IG Metall, IG
BCE, ver.di, DIHK, ZDH und BA bündelt bestehende
Angebote und verbessert die Verbreitung von „Best
Practices“ aus dem Unternehmensalltag. Inhaltliche
Schwerpunkte liegen bei den Potenzialgruppen der

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

Frauen, Älteren und Zugewanderten. Gemeinsam treten die Partner für Fachkräftesicherung und attraktive
Arbeitsbedingungen ein.
Das Innovationsbüro Fachkräfte für die Region identifiziert, kategorisiert und qualifiziert durch umfangreiche
Beratungs-, Informations- und Veranstaltungsangebote
regionale Netzwerke zur Fachkräftesicherung. In den
derzeit 580 aktiven Netzwerken haben sich arbeitsmarktnahe Akteure wie etwa Agenturen für Arbeit, Jobcenter, Kommunen, Industrie- und Handelskammern
und Verbände, aber auch Unternehmen erfolgreich
vernetzt und gemeinsam regionale Projekte und Initiativen zur regionalen Fachkräftesicherung angestoßen.

Wagniskapital erschließen
Der Zugang zu geeigneter Finanzierung ist eine
wesentliche Voraussetzung von Innovationstätigkeit,
hauptsächlich für junge, dynamische Start-ups. Die
Bundesregierung hat mit den Maßnahmen aus dem
Eckpunktepapier Wagniskapital die richtigen Weichen
gestellt, um jungen Gründerinnen und Gründern den
Zugang zum Wagniskapitalmarkt weiter zu erleichtern.
Mit INVEST werden gezielte Anreize für Business
Angels gesetzt, Unternehmen in einer frühen Phase nach ihrer Gründung Kapital bereitzustellen. In
2016 sollen der Kreis der Antragsteller ausgeweitet
und die Obergrenze für die Förderung erhöht werden. Der High-Tech Gründerfonds, der ERP-Startfonds
sowie dessen Nachfolger coparion investieren in
forschungsintensive Technologieunternehmen in
der Start-up- und Expansionsphase. Durch die neue
ERP/EIF-Wachstumsfazilität mit einem Volumen
von 500 Mio. Euro wird künftig der Kapitalbedarf
schnell wachsender, kapitalintensiver Unternehmen
in einer Größenordnung von bis zu 20 Mio. Euro
besser gedeckt. Darüber hinaus beteiligt sich der ERP/
EIF-Dachfonds an Wagniskapital-Fonds, die in junge
Technologieunternehmen vorwiegend in Deutschland
investieren. Mit dem European Angels Fonds werden
zudem Ko-Finanzierungen von Investitionen erfahrener Business Angels in innovative Unternehmen
ermöglicht.

31

Rechtsrahmen weiterentwickeln
Ein intensiver Wettbewerb ist die wichtigste Triebfeder
für Innovationen. Wettbewerbsbeschränkungen und
Marktzugangshindernisse erschweren es gerade jungen
Unternehmen, mit ihren neuen Produkten und Dienstleistungen Markterfolge zu erzielen. Daher schützt das
Bundeskartellamt und die Bundesnetzagentur den
Wettbewerb zwischen den Marktakteuren.
Dies gilt vor allem im Telekommunikationsbereich. In
diesem sich besonders dynamisch entwickelnden Sektor müssen die Regulierungen laufend an die technische Entwicklung angepasst werden, um Innovationen
zu stimulieren. So zielt z. B. die vom Bundeskabinett
im September 2015 verabschiedete Änderung des
Telemediengesetzes (TMG) auf mehr Rechtssicherheit
für WLAN-Betreiber in Haftungsfragen, um auf diesem
Weg eine größere WLAN-Abdeckung in Deutschland
sowie die schnelle Verbreitung innovativer Geschäftsmodelle zu erreichen. Das parlamentarische Verfahren
hierzu läuft derzeit noch. Zur Stärkung von Verbrauchern und Wettbewerb wird eine neue gesetzliche
Regelung die Routerfreiheit ermöglichen. Das Gesetz
tritt zum 1. August 2016 in Kraft.
Normung und Standardisierung sowie ein leistungsfähiges Messwesen sind integrale Bestandteile der
Wirtschafts- und Innovationspolitik. Der Abbau
nicht-tarifärer Handelshemmnisse sowie die internationale Harmonisierung von Standards und Normen
sind Gegenstand aktueller multi- und bilateraler
Verhandlungen. Das Messwesen wurde durch das
2015 veröffentlichte Mess- und Eichgesetz neu geordnet und konsequent an europäische Richtlinien
angepasst. Die öffentliche Beschaffung kann infolge
ihres hohen Volumens von mehr als 300 Mrd. Euro
pro Jahr wichtige Anreize für mehr Innovationen in
der Wirtschaft sorgen. Ein Kompetenzzentrum berät
öffentliche Beschaffer darin, mehr Innovationen am
Markt nachzufragen und so Innovationsanreize für
die Wirtschaft zu setzen.

32 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

1.5	 Neugier wecken, Zukunftsorientierung
stärken
Ergänzend zu den Aktivitäten von Wissenschaft und Wirtschaft als zentrale Innovationstreiber entstehen Innovationen
mehr und mehr aus der Mitte der Gesellschaft und unter Einbeziehung von Bürgerinnen und Bürgern. Wie die EFI in
ihrem neunten Gutachten bestätigt, hat die Bundesregierung schon frühzeitig die Relevanz sozialer Innovationen erkannt
und diese im Rahmen der Hightech-Strategie aufgenommen. Im Sinne eines lernenden Ansatzes werden die Förderinstrumente und der Erfahrungsschatz in diesem Bereich künftig weiter differenziert und erweitert werden müssen.

Die Bundesregierung fördert eine Gesellschaft, die
Neuem aufgeschlossen gegenübertritt und sich für
Zukunftstechnologien und Innovationen begeistert.
Sie bietet interessierten Bürgerinnen und Bürger mit
einer Reihe von neuen Initiativen die Möglichkeit,
sich bei der Gestaltung der Innovations- und Forschungspolitik aktiv einzubringen. Unter dem Titel
„Gut leben in Deutschland – was
uns wichtig ist“ diskutierten
bis Oktober 2015 in mehr als
180 Dialogveranstaltungen im
ganzen Land Bürgerinnen und
Bürger über Lebensqualität in
allen Dimensionen. In der neuen Bürgerdialogreihe ZukunftsForen steht die zukünftige Ausrichtung von Forschung und
Wissenschaft im Mittelpunkt.
Im derzeit entstehenden Haus
der Zukunft werden künftig in
Ausstellungen und Veranstaltungen mögliche Szenarien
für das Leben in der Zukunft
entwickelt und gezeigt, welche
Möglichkeiten Forschung und
Innovation bieten.
Agendaprozesse und Plattformen wie die Nationale Plattform Bildung für nachhaltige
Entwicklung oder das Forum
Digitale Gesellschaft stehen
beispielhaft für die Beteiligung
unterschiedlicher Akteure bei
der Identifizierung von Forschungsschwerpunkten. Durch

offene Innovationsprozesse können Bürgerinnen und
Bürger von Zuschauern zu Akteuren werden. Die Fördermaßnahme Open Photonik soll neue Formen der
Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft
mit Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen und
damit zusätzliche Innovationspfade und -potenziale
erschließen.

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

33

1.6	 Umsetzung weiter vorantreiben
Die Begleit- und Wirkungsforschung ist zentraler Teil der Hightech-Strategie. Auch insgesamt wird die Evaluierungspraxis seitens der Bundesregierung systematisch weiterentwickelt.

Die weitere Umsetzung der Hightech-Strategie erfolgt
wirksam, koordiniert und vorausschauend. Dabei bezieht die Bundesregierung auch die Expertise externer
Beratungsgremien ein (siehe auch Infobox Innovationsprozesse wirksam fördern und gemeinsam gestalten). Alle großen Fördermaßnahmen der HightechStrategie werden meist vorhergehend, begleitend zur
Maßnahme und nach Abschluss evaluiert.
Die Hightech-Strategie ist eng verzahnt mit anderen
Politikfeldern der Bundesregierung wie dem Fachkräftekonzept, der Demografiestrategie, der Digitalen

Agenda und der Nachhaltigkeitsstrategie. Damit
verbindet sie alle Aspekte und Akteure des Innovationsgeschehens und dient als zentrales Instrument
zur Abstimmung der nationalen Innovationspolitik.
Für eine vorausschauende Innovationspolitik unverzichtbar ist nicht zuletzt ein breiter und öffentlichkeitswirksamer Diskurs über positive Zukunftsideen.
Deshalb wird das Hightech-Forum zum Ende der
Legislaturperiode Empfehlungen zu übergreifenden
strategischen Leitlinien und prioritären Handlungsfeldern für den Forschungs- und Innovationsstandort
Deutschland vorlegen.

Weitere Informationen im Internet:

Expertenkommission Forschung und Innovation:
www.e-fi.de
Hightech-Forum: www.hightech-forum.de
Innovationsdialog zwischen Bundesregierung,
Wirtschaft und Wissenschaft:
www.Innovationsdialog.acatech.de

34 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Innovationsprozesse wirksam fördern
und gemeinsam gestalten

Arbeit der Kommission werden in den Jahresgutachten
zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands publiziert.

Angesichts der Dynamik des Fortschritts von Wissenschaft und Technik wächst der Bedarf an Orientierungswissen, Diskussion und Mitgestaltung. Dazu
müssen technologische Innovationspotenziale und
gesellschaftlicher Innovationsbedarf identifiziert,
analysiert und in ihrer Wechselwirkung untersucht
werden. Die Bundesregierung bezieht dafür die Expertise namhaft besetzter Expertengremien ein.
Die durch die Bundesregierung im Jahr 2006 eingerichtete Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) bündelt den interdisziplinären Diskurs mit
Bezug zur Innovationsforschung von Wirtschaftsund Sozialwissenschaften, Bildungsökonomie,
Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie der
Technikvorausschau. Die EFI-Kommission berät die
Bundesregierung durch die Darstellung und Analyse
des deutschen Forschungs- und Innovationssystems
im zeitlichen und internationalen Vergleich, durch
die Begutachtung von Schwerpunktfragen sowie
die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zur
Weiterentwicklung des deutschen Forschungs- und
Innovationssystems.Die zentralen Ergebnisse der

Seit Anfang 2015 begleitet das Hightech-Forum mit
aktuell acht Fachforen die Umsetzung und Weiterentwicklung der Neuen Hightech-Strategie – Innovationen
für Deutschland mit konkreten Handlungsempfehlungen. Das bedeutet zum einen die Beratung zur
strategischen Ausgestaltung der Hightech-Strategie
und zum anderen die Umsetzung neuer Themenschwerpunkte durch eigene Instrumente und Formate.
Es formuliert neue Forschungsaufgaben, gibt konkrete
Handlungsempfehlungen und entwickelt Zukunftsszenarien. Dafür haben die Experten acht thematische
Schwerpunkte identifiziert. Zu jedem Thema wurde ein
Fachforum gegründet – so beispielsweise zum Thema
„Autonome Systeme“, das sich insbesondere mit der
Entwicklung und dem Einsatz selbständig agierender
Programme und Roboter im Alltag beschäftigt, in dem
die aktuellen Fragestellungen inhaltlich diskutiert und
Lösungen formuliert werden. Der Abschlussbericht der
Arbeit des Hightech-Forums und eine Vorstellung der
Ergebnisse werden für das Frühjahr 2017 erwartet.
Im Innovationsdialog diskutieren hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und
Wirtschaft gemeinsam mit der Bundeskanzlerin, der
Bundesforschungsministerin und dem Bundeswirtschaftsminister über strategische Weichenstellungen
der Innovationspolitik. Seit Herbst 2010 haben neun
Innovationsdialoge stattgefunden unter anderem zu
Themen wie Innovationspotenziale für Wertschöpfung und Beschäftigung ermöglicht durch Digitalisierung, MINT-Bildung oder Innovationspotenziale der
Mensch-Maschine-Interaktion.

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

2	

35

Für ein leistungsfähiges Wissenschaftssystem

Mit dem Hochschulpakt, der Exzellenzinitiative, dem Pakt für Forschung und Innovation, dem Qualitätspakt Lehre und
der Qualitätsoffensive Lehrerbildung hat der Bund in Zusammenarbeit mit den Ländern Wissenschaft, Forschung und
Innovation in Deutschland weiter gestärkt. Diese Stärke gilt es zu halten und im internationalen Wettbewerb weiter
auszubauen. Dafür treibt die Bundesregierung die Profilbildung und Exzellenzorientierung des deutschen Wissenschaftssystems voran. Die Erweiterung der Kooperationsmöglichkeiten von Bund und Ländern durch die Neufassung
von Artikel 91b Grundgesetz (GG) bildet hier einen wichtigen Baustein.

Deutschland ist ein führender Standort für Wissenschaft, Forschung und Innovation mit großer Anziehungskraft für Studierende und Forschende aus dem
In- und Ausland:
∙∙ Deutschland weist mit 1.318 wissenschaftlichen Publikationen pro Mio. Einwohnerinnen und Einwohnern im Jahr 2014 eine höhere Publikationsintensität
als die USA oder Frankreich auf.
∙∙ Die Exzellenz-Rate der Publikationen ist in den letzten Jahren kontinuierlich auf zuletzt 16 % gestiegen.
Damit gehört rund jede sechste wissenschaftliche
Veröffentlichung aus Deutschland zu den international am häufigsten zitierten Arbeiten.
∙∙ Über 230.000 Personen waren im Jahr 2013 im
Hochschulsektor und in den außeruniversitären Forschungseinrichtungen (einschließlich der Ressort-

forschungseinrichtungen) beschäftigt. Im Vergleich
zu 2005 ist das ein Anstieg um 34 %. Der Frauenanteil
liegt mittlerweile bei rund 40 %.
∙∙ Immer mehr Studierende eines Jahrgangs schließen
ihr Hochschulstudium erfolgreich ab. Die sogenannte Absolventenquote ist von 19,9 % im Jahr 2005
auf 31,6 % im Jahr 2014 angestiegen. Dabei zeigt die
Entwicklung der Anzahl der Absolventinnen und
Absolventen nach Fächergruppen sowohl für die Ingenieurwissenschaften als auch für Mathematik und
Naturwissenschaften einen deutlichen Zuwachs.
∙∙ Studierende und etablierte Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler nehmen Deutschland als attraktives
Gastland wahr – die Beliebtheit stieg in den letzten
Jahren noch weiter an. Die Anzahl ausländischer Studierender in Deutschland ist zwischen 2008 und 2014
um 30 % gestiegen: von rund 233.600 auf 301.400.

36 	

Zehn Jahre Pakte: eine Erfolgsbilanz
Seit 2005 ist mit dem gemeinsam von Bund und Ländern getragenen „Paket der Pakte“ – der Exzellenzinitiative, dem Hochschulpakt und dem Pakt für Forschung
und Innovation – eine maßgebliche Weiterentwicklung
des Wissenschaftssystems gelungen. Die Bundesregierung setzt diese Entwicklung fort.
Mit der Fortführung des Paktes für Forschung und
Innovation für die Jahre 2016 bis 2020 sehen Bund und
Länder vor, den Wissenschaftsorganisationen finanzielle
Planungssicherheit zu gewähren. Sie streben – vorbehaltlich der Mittelbereitstellung durch die gesetzgebenden Körperschaften – an, den einzelnen Wissenschaftsorganisationen jährlich einen Aufwuchs der Zuwendung
um drei Prozent zu gewähren. Der Aufwuchs wird,
unbeschadet der in den Ausführungsvereinbarungen
dauerhaft festgelegten Bund-Länder-Finanzierungsschlüsseln in diesem Zeitraum vom Bund allein finanziert. Die in den Pakt einbezogenen außeruniversitären
Forschungs- und Wissenschaftsorganisationen haben
zukunftsweisende Themenfelder erschlossen, sich noch
stärker mit nationalen und internationalen Akteuren
vernetzt und haben den Wissens- und Technologietransfer als strategische Aufgabe verankert. Dabei hat sich
die Kombination aus forschungspolitischen Zielen und
finanzieller Planungssicherheit bewährt.
Die Exzellenzinitiative hat der deutschen Wissenschaft
neue Energie und Dynamik verliehen. Die Forschungsleistungen sind in vielen Bereichen exzellent, und
vielfach haben sich Hochschulen strategisch neu
aufgestellt. Die Bundesregierung ist überzeugt, dass die
Stärkung der Spitzenforschung an Universitäten im internationalen Wettbewerb ein richtiger und zukunftsweisender Weg ist.
Die von Bund und Ländern eingesetzte internationale
und unabhängige Expertenkommission zur Evaluation
der Exzellenzinitiative und ihrer Auswirkungen auf das
deutsche Wissenschaftssystem kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Kommission unter Vorsitz von Herrn
Prof. Dr. Dieter Imboden bewertet die Exzellenzinitiative
in ihrem am 29. Januar 2016 veröffentlichten Abschlussbericht als erfolgreiches Instrument zur Verbesserung
der Qualität und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Am 22. April 2016 hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK, inkl.
Finanzseite) dem Entwurf der Verwaltungsvereinbarung gemäß Artikel 91b Abs. 1 GG zur Förderung
von Spitzenforschung an Universitäten einstimmig
zugestimmt und beschlossen, ihn den Regierungschefinnen und Regierungschefs von Bund und Ländern
für ihr Treffen am 16. Juni 2016 zur Zustimmung und
Unterzeichnung vorzulegen. Die wesentlichen Kernelemente sind:
∙∙ Die Bund-Länder-Vereinbarung wird auf unbestimmte Zeit geschlossen. Das Gesamtprogramm
ist mit jährlich insgesamt 533 Mio. Euro dotiert. Die
Mittel für die Förderung werden vom Bund und dem
jeweiligen Sitzland der einzelnen Universitäten im
Verhältnis 75:25 getragen.
∙∙ Mit den Exzellenzclustern werden international
wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten bzw. Universitätsverbünden projektbezogen
gefördert. Für Exzellenzcluster werden Fördermittel
in Höhe von rund 385 Mio. Euro pro Jahr zur Verfügung gestellt. Es werden für 45 bis 50 Förderfälle
Mittel zwischen jeweils drei bis zehn Mio. Euro pro
Exzellenzcluster jährlich veranschlagt. Die Förderlaufzeit beträgt grundsätzlich zweimal sieben
Jahre; Neuanträge sind möglich. Universitäten mit
Exzellenzcluster können eine Universitätspauschale
als Strategiezuschlag zur Stärkung ihrer Governance und strategischen Ausrichtung beantragen.
Sie beträgt pro Exzellenzcluster jährlich eine Mio.
Euro. Hat eine Universität mehrere Exzellenzcluster, beträgt die Universitätspauschale beim zweiten
Exzellenzcluster 750.000 Euro und beim dritten
500.000 Euro.
∙∙ Die Förderlinie Exzellenzuniversität dient der dauerhaften Stärkung der Universitäten als Institution
bzw. einem Verbund von Universitäten und dem
Ausbau ihrer internationalen Spitzenstellung in der
Forschung auf Basis erfolgreicher Exzellenzcluster. Für die Förderung von Exzellenzuniversitäten
werden jährliche Mittel von rd. 148 Mio. Euro zur
Verfügung gestellt. In der Förderlinie können 8 bis
11 Förderfälle gefördert werden, die alle sieben Jahre
einer unabhängigen und externen Evaluation unterzogen werden.

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

∙∙ In beiden Förderlinien können auch Maßnahmen
im Bereich der forschungsorientierten Lehre, der
Forschungsinfrastrukturen oder des Ideen- und Wissenstransfers gefördert werden, wenn damit das Ziel
der Spitzenforschung unterstützt wird. Die Entscheidung über die Förderung von Exzellenzclustern und
Exzellenzuniversitäten wird in einem wissenschaftsgeleiteten Verfahren getroffen.
Bund und Länder haben im Wissenschaftsbereich ihre
nach dem Grundgesetz eröffneten Kooperationsmöglichkeiten erweitert. Durch die von der Bundesregierung initiierte Änderung des Art. 91b GG kann der
Bund künftig nicht nur außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, sondern auch Hochschulen langfristig
gemeinsam mit den Ländern fördern.

Förderung des wissenschaftlichen
Nachwuchses verlässlich gestalten
Deutschlands Wissenschaftssystem muss attraktiv
für kluge und kreative Köpfe sein. Daher setzt sich die
Bundesregierung für international wettbewerbsfähige
Arbeits- und Karrierebedingungen in der Wissenschaft
ein. Derzeit verhandeln Bund und Länder über eine
gemeinsame Initiative, die dazu beitragen soll, die
Karrierewege für den Wissenschaftlichen Nachwuchs
planbarer und transparenter zu gestalten.
Die von der Bundesregierung initiierte Reform des
Wissenschaftszeitvertragsgesetzes ist am 18. März 2016
in Kraft getreten. Die Reform zielt auf eine bessere
Handhabung der Befristungsregelungen im wissenschaftlichen Bereich und richtet sich insbesondere gegen unsachgemäße Kurzbefristungen. Künftig muss die
Befristungsdauer von Verträgen des wissenschaftlichen
Personals der angestrebten Qualifizierung angemessen
sein; bei einer Befristung wegen Drittmittelfinanzierung soll sie sich an dem bewilligten Projektzeitraum
orientieren. Die Gesetzesnovelle tritt damit Fehlentwicklungen in der Befristungspraxis entgegen, ohne
die in der Wissenschaft erforderliche Flexibilität und
Dynamik zu beeinträchtigen, und flankiert die Aktivitäten der Hochschulen und Forschungseinrichtungen
zur Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen des
wissenschaftlichen Nachwuchses.

37

Ressortforschung stärken
Die Ressortforschung des Bundes ist ein unverzichtbarer Bestandteil des deutschen Wissenschaftssystems an
der Schnittstelle von Wissenschaft, Gesellschaft, Politik
und Wirtschaft. Ressortforschung wird von 38 Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben sowie von sieben
außeruniversitären FuE-Einrichtungen in kontinuierlicher Zusammenarbeit betrieben. Durch ihre Schnittstellenfunktion tragen sie entscheidend zum Erfolg von
gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich relevanten
Innovationsprozessen bei. Der FuE-Bedarf der Ressorts
wird durch diese Einrichtungen selbst, in Kooperation
mit anderen Forschungseinrichtungen oder durch die
Vergabe von Forschungsaufträgen an externe Forschungsnehmerinnen und -nehmer gedeckt.
Die Ressortforschung deckt ein breites Aufgabenspektrum ab: Wissenschaftliche Bearbeitung gesetzlich
zugewiesener Aufgaben, wissenschaftlich-technische
Dienstleistungen wie Zulassungen, das Betreiben von
Datenbanken, Expertensystemen und Messnetzen, Mitwirkung bei der Weiterentwicklung von gesetzlichen
Regelwerken und Normen auf nationaler, europäischer
und internationaler Ebene, Wissens- und Technologietransfer, Forschung und Sozialberichterstattung oder
Studien zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fragestellungen.
Die Ressortforschungseinrichtungen halten auf hohem
Niveau kurzfristig abrufbare wissenschaftliche Expertise für das Regierungshandeln bereit und dienen als
Ratgeber zur Vorbereitung von politischen Entscheidungen. Dafür greifen sie aktuelle und fortlaufende
gesellschaftliche, wissenschaftliche und wirtschaftliche
Probleme auf und erarbeiten Handlungsoptionen
für staatliche Maßnahmen. Sie betreiben Forschung
zu relevanten Grundsatzfragen in dem Bereich ihrer
jeweiligen Zuständigkeit und langfristig angelegte
Vorlaufforschung zur Vorbereitung auf zukünftige
gesellschaftliche Herausforderungen.
Die Bundesregierung strebt daher, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, eine Stärkung der Ressortforschung
an. Die Ressortforschungseinrichtungen sollen von den
Vorteilen des Wissenschaftsfreiheitsgesetzes profitieren
können.

38 	

3	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Für Perspektiven durch Bildung
und Integration

Gute Bildung ist maßgeblich für gute Chancen, Teilhabe und die Innovationsfähigkeit unseres Landes. Sie ist der
Schlüssel zur Integration und zum Aufstieg durch Bildung. Notwendig ist ein durchlässiges und anschlussfähiges
Bildungssystem, das die Entfaltung von Talenten unabhängig von Herkunft und materiellen Ressourcen fördert. Die
Bildungsgerechtigkeit muss weiter gestärkt werden. Bund, Länder, Kommunen und Gesellschaft tragen dafür gemeinsam Verantwortung.

Auf dem Weg zur Bildungsrepublik ist Deutschland in
den letzten Jahren gut vorangekommen:
∙∙ Die Ergebnisse von PISA 2012 zeigen, dass sich die
Schülerinnen und Schüler in Deutschland seit den
ersten PISA-Erhebungen im Jahr 2000 kontinuierlich
verbessert haben und nunmehr in den getesteten
Kompetenzbereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen, signifikant über dem OECD-Mittel liegen. Dabei konnten Schülerinnen und Schüler
mit Zuwanderungshintergrund und aus sozioökonomisch schlechter gestellten Familien ihre Leistungen
deutlich verbessern. Kaum einem anderen OECD-

Land ist eine Leistungssteigerung und gleichzeitige
Milderung des Herkunftseffekts gelungen.
∙∙ Gleichzeitig konnte die Zahl der Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher weiter gesenkt werden.
Während im Jahr 2006 noch 75.900 Jugendliche ohne
Hauptschulabschluss von der Schule abgingen, sind
es im Jahr 2014 nur noch 47.000.
∙∙ Auch die Zahl der Jugendlichen im Übergangssystem zur Förderung der Ausbildungsreife reduzierte
sich. So sind die Neuzugänge zum Übergangssystem
von 417.649 im Jahr 2005 auf 257.626 im Jahr 2013
gesunken.

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

∙∙ Die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland bleibt mit
7,7 % (2014) die geringste in der Europäischen Union
(durchschnittlich 22,2 %).
Insgesamt erreichen die geplanten Bildungsausgaben
von Bund, Ländern und Kommunen 2015 rund 123,7
Mrd. Euro. Das ist ein Zuwachs von rund 37 Mrd. Euro
gegenüber 2005. Demnach wurde im Verhältnis der
öffentlichen Bildungsausgaben zum Gesamtetat der
öffentlichen Haushalte etwa jeder fünfte Euro in Bildung investiert. Der Bund hat sein Engagement in der
Bildung stetig erhöht: Allein zwischen 2014 und 2015
stiegen die Investitionen in Bildung um 11 %, verglichen mit 2005 sogar um fast 116 %.

Bildung im gesamten Lebenslauf
verankern
Gute Bildung eröffnet individuelle Zukunftschancen,
fördert Teilhabe und Integration in die Gesellschaft,
und ist die beste Vorsorge gegen den Fachkräftemangel.
Dabei ist der gesamte Lebenslauf – von der frühkindlichen Bildung bis zum lebensbegleitenden Lernen – zu
berücksichtigen. Zahlreiche Initiativen des Bundes
tragen hierzu bei:
∙∙ Mit der Initiative Haus der kleinen Forscher werden
Kinder in der frühkindlichen Bildung gezielt an
naturwissenschaftlich-mathematisch-technische
Themen herangeführt – und mit Start 2016 auch an
eine Bildung für nachhaltige Entwicklung.

39

∙∙ Mit der Initiative Bildungsketten und dem Berufsorientierungsprogramm werden Schülerinnen und
Schüler allgemeinbildender Schulen für die berufliche Bildung sensibilisiert und bei Bedarf auf ihrem
Weg in die Ausbildung individuell begleitet.
∙∙ Die Öffnung der Hochschulen für Berufstätige und
beruflich Qualifizierte wird im Rahmen des BundLänder-Wettbewerbs Aufstieg durch Bildung: offene
Hochschulen gesteigert, auch durch einen besseren
Zugang zu den Hochschulen.
∙∙ Aufstiegs- und Weiterbildungsstipendien unterstützen talentierte und leistungsbereite berufliche Fachkräfte, indem sie Zugang zu gezielten Fortbildungsmöglichkeiten und zu einem Studium eröffnen.
∙∙ Mit der Projektförderung im Rahmen der Dekade
für Alphabetisierung werden neue Lernwege und
Zugangsmöglichkeiten für funktionale Analphabetinnen und Analphabeten im Erwachsenenalter
gefördert.
∙∙ Das Bundesprogramm Bildungsprämie mobilisiert
seit 2008 Menschen mit geringem Einkommen für
die individuelle berufliche Weiterbildung. Die 13
vom Bund unterstützten Begabtenförderungswerke
und das Deutschlandstipendium fördern begabte
und engagierte Studierende und Promovierende.
Die jüngst vorgelegte Evaluation und die Begleitforschung zum Programm haben seine Wirksamkeit
nachdrücklich bestätigt. Das Deutschlandstipendium, das zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte von
privaten Förderern finanziert wird, leistet einen
entscheidenden Beitrag zur Etablierung einer neuen
Spendenkultur, zur Gewinnung hochqualifizierter
Fachkräfte und zur Vernetzung der Hochschulen mit
den Unternehmen vor Ort. Mittlerweile werden über
22.000 Studierende gefördert.

∙∙ Das selbstständige Experimentieren in den Schülerlaboren der außeruniversitären Forschungseinrichtungen hilft Schülerinnen und Schülern dabei, naturwissenschaftliche Theorien besser zu verstehen und
sie auch hinterfragen zu können. Sie ergänzen mit
ihrem Angebot das Schulsystem und schaffen eine
Schnittstelle zwischen schulischer und beruflicher
Ausbildung. Lehrkräfte können das breite Angebot
fachlicher Fortbildungen nutzen.

∙∙ Mit der Weiterentwicklung des Hochschulpaktes
werden die Hochschulen auf das weiter ansteigende
Studierinteresse von jungen Menschen vorbereitet.

∙∙ Mit dem Programm Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung unterstützt die Bundesregierung
außerschulische Angebote kultureller Bildung für
bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche und
stärkt bürgerschaftliches Engagement.

∙∙ Die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern hat
im Bildungssystem eine Schlüsselfunktion: Deshalb
unterstützen Bund und Länder mit einer Qualitätsoffensive Lehrerbildung innovative Konzepte für das
Lehramtsstudium.

40 	

∙∙ Das Programm Berufsbildung für nachhaltige
Entwicklung befördern. Über grüne Schlüsselkompetenzen zu klima- und ressourcenschonendem
Handeln im Beruf (BBNE) fördert im Rahmen des
Europäischen Sozialfonds (ESF) Projekte, die für neue
Produktionsprozesse, Arbeitsabläufe und Kompetenzen auf dem Weg zu einer klima- und ressourcenschonenden Wirtschaftsweise sensibilisieren.
∙∙ Die Nationale Plattform Bildung für nachhaltige
Entwicklung setzt sich dafür ein, dass zentrale Themen nachhaltiger Entwicklung zum Bestandteil des
allgemeinen Lehrens und Lernens werden.

Bildung und Digitalisierung
Die Nutzung digitaler Medien im Alltag ist weit fortgeschritten. Nun gilt es, deren Potenzial für Lehr- und
Lernprozesse noch stärker zu erschließen. Digitale
Medien bieten erhebliche Chancen für die Bewältigung
der großen Herausforderungen des Bildungssystems:
Der wachsenden Heterogenität der Bildungsteilnehmer kann durch individualisierte Angebote Rechnung
getragen werden. Leistungsstarke und Leistungsschwache können gezielter gefördert werden. Auf komplexe
und sich rasch fortentwickelnde Qualifikationsanforderungen kann rascher reagiert werden. Voraussetzung
dafür, dass dies gelingt und die digitale Spaltung der
Gesellschaft verhindert wird, ist die Medienkompetenz des pädagogischen Personals wie der Bildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer. Sie zu fördern ist
eine zentrale Aufgabe der kommenden Jahre. Mit der
Initiative Gutes Aufwachsen mit Medien unterstützt
die Bundesregierung die Medienerziehung in Familien
und stärkt die Voraussetzungen für die Entwicklung
von Medienkompetenz von Anfang an. Besonderes
Augenmerk muss zugleich auf die Qualitätssicherung
digitaler Bildungsmedien und dem Datenschutz liegen.

Berufliche Bildung stärken
Das Bildungssystem ist in den vergangenen Jahren
leistungsfähiger und gerechter geworden. Doch die
soziale Herkunft beeinflusst weiterhin stark den
Bildungserfolg. Deshalb bleibt die weitere Verbesse-

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

rung der Bildungsgerechtigkeit in Deutschland ein
wesentliches Ziel der Bundesregierung. Der dualen
Ausbildung kommt hier eine große Bedeutung zu.
Die Allianz für Aus- und Weiterbildung hat es sich zur
Aufgabe gemacht, die duale Ausbildung zu stärken und
noch mehr junge Menschen dafür zu gewinnen (siehe
auch I 1 Die Hightech-Strategie – ein klares Bekenntnis zu Forschung und Innovation). Entscheidender
Vorzug des dualen Ausbildungssystems ist die Nähe
zur Beschäftigung. Damit möglichst viele Jugendliche
davon profitieren, hat die Bundesregierung die Förderung der individuellen Beratung und Orientierung
sowie der Unterstützung Leistungsschwächerer vor
und während der Ausbildung kontinuierlich ausgebaut.
Sie entwickelt die Berufs- und Bildungsorientierung
und -begleitung für Schülerinnen und Schüler sowie
Auszubildende kontinuierlich weiter und verbessert die
Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung. Die Initiative Bildungsketten unterstützt
Jugendliche dabei, den Übergang von der Schule in die
berufliche Ausbildung zu meistern. Die Maßnahmen
der Bundesregierung im Hinblick auf Abschluss, Anschluss und Aufstieg wurden in der Initiative Chance
Beruf gebündelt. Mit dem Ausbildungsstrukturprogramm JOBSTARTER werden Initiativen ergriffen, um
die betriebliche Berufsausbildung zu stärken und dem
Fachkräftemangel zu begegnen. Die Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration fördert die Ausbildung
in Unternehmen mit Inhaberinnen und Inhabern mit
Migrationshintergrund und unterstützt die Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Mit dem Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg
durch Bildung – offene Hochschulen“ sollen weitere
attraktive Bildungsperspektiven für beruflich Qualifizierte ermöglicht werden.
Mit dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG),
dem sogenannten Meister- oder Aufstiegs-BAföG
werden Teilnehmer und Teilnehmerinnen an Maßnahmen der beruflichen Aufstiegsfortbildung finanziell
unterstützt. Sie erhalten einkommensunabhängig
einen Beitrag zu den Kosten der Fortbildung und bei
Vollzeitmaßnahmen zusätzlich einkommensabhängig einen Beitrag zum Lebensunterhalt. Durch die 3.
Novelle des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes
werden zum 1. August 2016 zahlreiche Leistungen des
AFBG verbessert, die Förderung für neue Zielgruppen
eröffnet, Strukturen optimiert, der Vollzug vereinfacht
und auf Trends aus der Ordnung der beruflichen Auf-

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

stiegsfortbildung reagiert. Der maximale Unterhaltsbeitrag im AFBG für Alleinstehende steigt von 697 Euro
auf 768 Euro. Der maximale Maßnahmebeitrag für
Lehrgangs- und Prüfungskosten steigt von 10.226 Euro
auf 15.000 Euro.

BAföG bedarfsgerecht gestalten
Mit dem 25. BAföG-Änderungsgesetz hat der Bund
ab dem Jahr 2015 die volle Finanzierung der Geldleistungen nach dem BAföG übernommen und damit
die Länder dauerhaft um rund 1,17 Mrd. Euro jährlich
entlastet, um ihnen einen zusätzlichen Spielraum für
die Bildungsfinanzierung, insbesondere für Hochschulen, zu eröffnen. Außerdem wurden die Leistungen
spürbar verbessert. Dazu gehört die Erhöhung der
Bedarfssätze und Einkommensfreibeträge mit Wirkung zum Beginn des Schuljahres 2016/2017 bzw. des
Wintersemesters 2016/2017 um jeweils 7 %. Der Kreis
der BAföG-Empfänger und -Empfängerinnen wird so
im ersten Vollwirkungsjahr 2017 im Jahresdurchschnitt
insgesamt um rund 110.000 anwachsen.
Durch Entbürokratisierung und Verfahrenserleichterung sowie durch den Ländern vorgegebenen Einstieg
in flächendeckende Ermöglichung von Online-Antragstellungen wird das BAföG noch nutzerfreundlicher.
Schülerinnen und Schüler sowie Studierende, die auf
BAföG angewiesen sind, können auf eine verlässliche
Ausbildungsfinanzierung vertrauen. Die BAföG-Änderungen sind ein entscheidender Schritt in Richtung
stärkere Bildungsbeteiligung und Chancengerechtigkeit.

Integration durch Bildung
In Deutschland leben 16,4 Millionen Menschen mit
Migrationshintergrund. Das entspricht etwa einem
Fünftel der Bevölkerung. Vor allem der sozioökonomische Status ist nach wie vor in hohem Maß dafür
verantwortlich, dass Kinder, Jugendliche und junge
Erwachsene mit Migrationshintergrund bei Bildungsbeteiligung und Bildungserfolgen im Durchschnitt
schlechter abschneiden als Gleichaltrige. Steigende
Investitionen und die Weiterentwicklung des Bildungs-

41

systems tragen jedoch dazu bei, dass junge Menschen
mit Migrationshintergrund aufholen. Unterstützende
Maßnahmen, die gezielt die Potenziale von Migrantinnen und Migranten fördern, tragen zusätzlich dazu
bei, Zugänge zu Bildung und Ausbildung zu öffnen. Ein
Beispiel ist die Koordinierungsstelle Ausbildung und
Migration (KAUSA), die mit dem Ziel gegründet wurde,
die duale Ausbildung in Betrieben von Migrantinnen
und Migranten zu fördern.
Bildung bleibt auch in Zukunft ein Schlüssel für die
Integration von Menschen mit Migrationshintergrund.
Dabei gilt es, erfolgreiche Ansätze fortzuführen und
auch für die Integration von Flüchtlingen zu nutzen.
Die Integration der gegenwärtig nach Deutschland
kommenden Menschen fördert die Bundesregierung
durch umfangreiche Maßnahmen, auch unterstützt
durch den Europäischen Sozialfonds (ESF), u. a. zum
Erwerb der deutschen Sprache, dem Erkennen von
Kompetenzen und Potenzialen sowie der Integration in
Ausbildung und Beruf (siehe auch Infobox Flüchtlinge
durch Bildung integrieren).

42 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Flüchtlinge durch Bildung integrieren

Deutschland hat allein im Jahr 2015 eine große Zahl an Flüchtlingen aufgenommen und steht
damit vor einer historischen Herausforderung. Die langfristige Aufgabe wird darin bestehen, eine
große Zahl – überwiegend junger – Menschen zu integrieren, sofern sie begründete Aussicht haben, langfristig in Deutschland zu bleiben. Der Schlüssel dafür ist die deutsche Sprache: Auf hinreichenden Sprachkenntnissen bauen sowohl die Fördermöglichkeiten in Kindertageseinrichtungen, Schule und Ausbildung, die Integration in den Arbeitsmarkt als auch die Eingliederung in die
Gesellschaft auf. Die Allianz für Aus- und Weiterbildung hat sich auf konkrete Maßnahmen zur
der Integration von geflüchteten Menschen in Ausbildung und Arbeit verständigt (z. B. Deutschkurse ausbauen und öffnen, Flüchtlinge fit machen für den Ausbildungs- und Arbeitsalltag sowie
einen sicheren Aufenthalt für Ausbildung und Berufseinstieg schaffen).

Sprachförderung
Die Bundesregierung hat die Integrationskurse ausgebaut und für Flüchtlinge und Asylsuchende mit guter
Bleibeperspektive geöffnet. In den Kursen wird den
Teilnehmern nicht nur die deutsche Sprache vermittelt,
sondern auch die Grundwerte unserer demokratischen
Gesellschaft. Hinzu kommen weitere Angebote, beispielweise zur berufsbezogenen Sprachförderung, die
ebenfalls weiterentwickelt werden. Flüchtlinge, die ein
Studium aufnehmen oder fortsetzen wollen, unterstützt
die Bundesregierung vor allem bei der sprachlichen
Vorbereitung und dem Nachweis der sprachlichen und
fachlichen Studienvoraussetzungen.

Integration in Bildung und Arbeit
Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien im
schulpflichtigen Alter müssen zügig in Kindertageseinrichtungen und Schulen integriert werden. Dies ist
die große Aufgabe der Länder. Ältere Jugendliche und
junge Erwachsene sollen ihren Voraussetzungen entsprechend an eine Berufsausbildung, ein Studium oder
eine Weiterbildung herangeführt werden. Hier ist es
wichtig, vorhandene Kompetenzen und Potenziale zu
erkennen und Berufsqualifikationen anzuerkennen, die
die Flüchtlinge bereits erworben haben. Das Anerkennungsgesetz hat sich zu einem wirkungsvollen Instrument der Fachkräftesicherung entwickelt. Es hilft,

Menschen mit ausländischen Abschlüssen
besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Instrumente zur Ausbildungsvorbereitung oder zur Unterstützung während
der Ausbildung stehen anerkannten
Flüchtlingen und Asylberechtigten offen.
Die Bundesregierung unterstützt die
Information von Unternehmen über alle
relevanten Fragen zur Integration von Flüchtlingen, z.
B. mit dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung.
Außerdem werden Unternehmen bei der Integration von
geeigneten Flüchtlingen für Praktika, Berufsausbildung
und Beschäftigung durch Willkommenslotsen bei den
Kammern unterstützt.
Darüber hinaus hat die Bundesregierung den Zugang zur
Ausbildungsförderung auch für Geduldete erleichtert,
beispielsweise durch die Öffnung von ausbildungsbegleitenden Hilfen und die Senkung der Voraufenthaltsdauer von vier Jahren auf 15 Monate bei Berufsausbildungsbeihilfe und Assistierter Ausbildung. Auch der
Zugang zur Einstiegsqualifizierung für Asylsuchende und
Geduldete wurde erleichtert, indem mindestlohnfreie
Praktika vom Zustimmungserfordernis der Bundesagentur für Arbeit ausgenommen wurden.

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

43

Wege in Ausbildung werden dann erfolgreich sein,
wenn die einzelnen Integrationsinstrumente, z. B. die
allgemeine und berufsbezogene Sprachförderung, die
Fördermaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit und die
vertiefte, betriebsnahe Berufsorientierung, sinnvoll aufeinander aufbauen und dadurch der Einstieg in eine duale
Ausbildung gezielt und systematisch vorbereitet wird.

Zielgruppe von Fördermaßnahmen und -projekten sind
aber nicht nur Geflüchtete und Asylbewerberinnen und
Asylbewerber, sondern auch die Aufnahmegesellschaft in
Deutschland selbst: So wäre z. B. ohne das Engagement
von zehntausenden Ehrenamtlichen in Deutschland die
Bewältigung des verstärkten Flüchtlingszuzugs nicht
möglich.

Gesellschaftliche Integration

Nur mit Angeboten in allen drei Bereichen – Sprachförderung, Integration in Bildung und Arbeit und gesellschaftliche Integration – kann das Ziel einer möglichst
schnellen und erfolgreichen Integration erreicht werden.
Die Angebote der drei Säulen Sprachförderung, Integration in Bildung und Arbeit und gesellschaftliche Integration baut die Bundesregierung zielgerichtet aufeinander
auf – so wie auch die Lebensbereiche miteinander interagieren, auf die die Maßnahmen vorbereiten sollen.

Zentraler Baustein der Eingliederungsbemühungen in
das wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Leben in Deutschland ist der Integrationskurs. Er wird von
Fördermaßnahmen flankiert, die sich explizit an Flüchtlinge richten, bereits bestehende Programme öffnen
oder ehrenamtliche und hauptamtliche Unterstützung
fördern und weiterentwickeln, um das Ankommen in
der Gesellschaft und die Integration zu unterstützen.

44 	

Internationalisierung in der Bildung
Die Bundesregierung kooperiert in der Berufsbildung
mit zahlreichen Partnerländern in der Europäischen
Union, der OECD und einer Reihe von weiteren Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern. Das Interesse zahlreicher Länder am deutschen dualen System
der Berufsausbildung ist in den vergangenen Jahren
ständig gestiegen, weil es sich für die bedarfsgerechte
Qualifizierung von Fachkräften sowie als Schlüsselfaktor für die Beschäftigungsfähigkeit und soziale Teilhabe
bewährt hat. Auch für die ausreichende und adäquate
Fachkräfteausstattung deutscher Unternehmen im
Ausland ist die duale Berufsausbildung von entscheidender Bedeutung. Die Bundesregierung hat deshalb
den internationalen Austausch dazu deutlich erhöht
und die entsprechenden Beratungskapazitäten beim
Bundesinstitut für berufliche Bildung ausgebaut.
In Europa bildet das duale System der Berufsausbildung in Kombination mit den Ausbildungsversprechen
der Sozialpartner in der Allianz für Aus- und Weiterbildung aufgrund seiner guten Übergänge in Ausbildung

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

und Beschäftigung ein Vorbild für Länder mit hoher
Jugendarbeitslosigkeit. Die Europäische Kommission
hat im Jahr 2013 die Europäische Ausbildungsallianz
(EAfA) mit dem Ziel initiiert, in den Mitgliedstaaten
durch eine praxisnahe Ausbildung und das arbeitsweltbezogene Lernen die Beschäftigungsfähigkeit der jungen Erwachsenen zu verbessern. Die EAfA fördert die
Beschäftigung von Jugendlichen und unterstützt die
Ziele der Jugendgarantie, gleichzeitig wird die Diskrepanz zwischen den beruflichen Fertigkeiten einerseits
und dem Arbeitsmarktbedarf andererseits reduziert.
Auch die EU-Kommission setzt dabei vor allem auf das
gemeinsame Engagement von Politik, Wirtschaft und
Sozialpartnern, die Bildungssysteme zu modernisieren.
Eine wesentliche Rolle spielen hier die Selbstverpflichtungen von Unternehmen, betriebliche Ausbildungsplätze anzubieten.
Um eine Bewertung und Fortentwicklung der Berufsbildungssysteme auch international zu unterstützen,
beteiligt sich die Bundesregierung an der Ausgestaltung
des Bildungsprogramms der OECD.

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

4	

45

Für Fortschritt und Wettbewerbsfähigkeit
durch Internationalität

Globale Herausforderungen können nur partnerschaftlich bewältigt werden. Als einer der weltweit führenden Innovationsstandorte besitzt Deutschland hierbei national wie international eine aktiv mitgestaltende Rolle. In diesem
Sinne hat sich die Bundesregierung auf dem G-7-Gipfel in Schloss Elmau für mehr Kooperation in Forschungs- und
Entwicklungsaktivitäten und zur Lösung drängender aktueller Krisen stark gemacht. Die internationale Vernetzung
aller deutschen Akteure aus Wissenschaft und Forschung und ihre Integration in transnationale Wissensflüsse leistet
einen entscheidenden Beitrag zur Vorbereitung auf und Lösung von solchen Herausforderungen. Sie ist ebenso Garant
für die Sicherung der Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit der deutschen Wissenschaft und Wirtschaft und wird von
der Bundesregierung konsequent gefördert. Europa bleibt dabei stets ein zentraler Pfeiler des internationalen Engagements Deutschlands.

Bildung, Forschung und Innovation befinden sich im
Zuge der Globalisierung und der wachsenden internationalen Verflechtung in einem ständigen Wandel. In
Anbetracht zunehmend transnationaler Prozesse der
Wissenserzeugung und -verwertung gilt es mehr als
je zuvor, sich als leistungsstarker Innovationsstandort
zu positionieren. Zahlreiche Indikatoren belegen, dass
sich Deutschland in der internationalen Spitzengruppe
befindet und von der Globalisierung profitiert:
∙∙ Im Handel mit forschungs- und entwicklungsintensiven Waren konnte Deutschland mit einem Welt-

marktanteil von rund 12 % seine hervorragende globale Wettbewerbsposition hinter China und vor den
USA halten. Medium- und Hightech-Güter-Exporte
machen rund 9 % der deutschen Handelsbilanz aus.
∙∙ Der Zuwachs an weltmarktrelevanten Patenten pro
eine Million Einwohnerinnen und Einwohner betrug
von 2003 bis 2013 rund 9 %. Die Zahl weltmarktrelevanter Patente pro Mio. Einwohner liegt damit in
Deutschland um mehr als 240 % über dem EU-27Durchschnitt.

46 	

∙∙ In Deutschland entstanden 2013 insgesamt 59 %
der Publikationen in Kooperation von Forschern
aus mehreren Forschungseinrichtungen. Besonders
hoch ist der Anteil internationaler Ko-Publikationen,
dieser betrug 54 % im Jahr 2013. Damit weist die Wissenschaft in Deutschland einen überdurchschnittlich
hohen Vernetzungsgrad auf.
∙∙ Laut „EU Industrial R&D Investment Scoreboard“
kommen mittlerweile fünf der zehn innovationsstärksten Unternehmen Europas aus Deutschland.
∙∙ Im „Innovation Union Scoreboard 2015“ der Europäischen Kommission befindet sich Deutschland an
vierter Stelle und ist damit einer der europäischen
Innovationsführer.
∙∙ Deutschland gilt als attraktiver Studien- und Forschungsstandort und belegt Platz drei unter den Zielländern internationaler Studierender der OECD-Länder
hinter den USA und dem Vereinigten Königsreich.

Potenziale internationaler
Zusammenarbeit
Die Bundesregierung will Potenziale und Chancen für
Deutschland, die in der internationalen Kooperation
liegen, auch künftig weiter ausschöpfen. Gleichzeitig
muss Deutschland sich auch seiner globalen Verantwortung stellen: wegweisende Antworten auf die globalen Herausforderungen unserer Gesellschaften und
Volkswirtschaften finden und Lösungen mitgestalten
– z. B. zu einer immer nachhaltigeren Wirtschaft und
der Energiewende oder den Fragen nach Fachkräften,
Migration und beruflicher Mobilität. Außerdem wird
durch internationale Kooperation die Rolle Deutschlands und die Präsenz der deutschen Wissenschaft und
Forschung in den zusammenwachsenden Wirtschafts-,
Wissenschafts- und Ballungsräumen gestärkt. Die Instrumente der Bundesregierung reichen von der Sondierung und Initiierung künftiger Zusammenarbeit über
die Durchführung konkreter Forschungs- und Innovations- und Bildungsprojekte, die Erarbeitung gemeinsamer Förderprogramme bis zum Betrieb gemeinsamer
Forschungsinfrastrukturen (siehe auch V Die Internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation).

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Die Einbettung in den europäischen Kontext wird von
der Bundesregierung besonders vorangetrieben, da Europa durch die Schaffung des Europäischen Forschungsraums (EFR; ERA – engl. European Research Area) zum
bestimmenden Faktor bei der Ausrichtung der internationalen Forschungspolitik wird. Das gemeinsame Vorgehen
wichtiger EU-Mitgliedstaaten verleiht Europa höhere
Sichtbarkeit und größeres Gewicht gegenüber den anderen großen Innovationsräumen der Welt. In Ergänzung
zu nationalen Forschungsprogrammen ist Horizont 2020
(Laufzeit 2014 bis 2020) mit einem Gesamtfördervolumen
von 77 Mrd. Euro das weltweit größte Programm.
Darüber hinaus stärkt Deutschland die bilaterale Zusammenarbeit mit wichtigen Partnerländern weltweit.
Dies gilt in erster Linie für Länder mit hoher Entwicklungsdynamik und bedeutenden Zukunftsmärkten
und ist im Hinblick auf attraktive Wissenschafts- und
Technologieressourcen von strategischer Bedeutung.
Die Ressortforschungseinrichtungen des Bundes
nehmen durch ihre internationalen Kontakte und ihre
spezifischen Aufgaben an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis eine entscheidende Rolle bei der
Entwicklung und internationalen Harmonisierung von
Methoden, Standards, Normen und Regelungen wahr.
Damit schaffen sie die Voraussetzungen für den Erfolg
von Innovationsprozessen und für die internationale
Zusammenarbeit bei der Bewältigung von globalen
gesellschaftlichen Herausforderungen wie beispielsweise der Ebola-Epidemie oder der Bekämpfung von
antimikrobiellen Resistenzen.
Auf langfristige Wirkung ist das Engagement Deutschlands in multilateralen Initiativen und Institutionen wie
der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD – engl. Organization for Economic
Cooperation and Development) und der Organisation
der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und
Kultur (UNESCO – engl. United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) angelegt. Diese bieten
zum einen den Rahmen, um auf globaler Ebene gemeinsame Forschungsstandards und Rahmenbedingungen
zu entwickeln. Zum anderen verbessern internationale
Organisationen durch gezielte Datenaufbereitung und
Analysen die Entscheidungsgrundlage nationaler und
internationaler Politik – ein Beispiel hierfür ist der
Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC
– engl. Intergovernmental Panel on Climate Change).

I

Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte	

Internationalisierung priorisiert
vorantreiben
Die internationale Zusammenarbeit in Bildung, Forschung und Innovation stärkt den Standort Deutschland. Kooperation und Wettbewerb liegen dabei oft eng
beieinander. Die Bundesregierung hat daher strategische Prioritäten definiert und Instrumente entwickelt,
um Deutschlands internationale Wettbewerbsfähigkeit
zu erhalten. Sie übernimmt globale Verantwortung für
eine nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft. Mit der
Strategie zur Internationalisierung von Wissenschaft und
Forschung 2008 wurde ein Rahmen für die vielfältigen
Aktivitäten der Bundesregierung in diesem Bereich
gesetzt. Mit der Umsetzung des Aktionsplans Internationale Kooperation wird das Profil von Deutschland als
erfolgreicher Wissenschafts-, Bildungs- und Innovationsstandort weiter geschärft.
Entlang des Wissensdreiecks Forschung, Innovation
und Bildung definiert die Bundesregierung drei prioritäre Ziele in der internationalen Zusammenarbeit. Zwei
weitere inhaltliche Prioritäten zielen auf Deutschlands
Verantwortung in der Welt:
∙∙ Wissenschaftliche Exzellenz durch internationale
Zusammenarbeit
∙∙ Innovationspotenziale international erschließen
∙∙ Stärkung der Zusammenarbeit mit Entwicklungsund Schwellenländern
∙∙ Internationale Verantwortung übernehmen und
einen Beitrag zur Bewältigung globaler Herausforderungen leisten
∙∙ Durch Ausbildung Perspektiven für Mensch und
Wirtschaft schaffen
Der Aktionsplan war ein wichtiger Schritt im aktuellen
Prozess der Weiterentwicklung der Internationalisierungsstrategie. Da die Internationalisierung das
gesamte Wissenschaftssystem – von den Forschungseinrichtungen über die Hochschulen und Mittlerorganisationen bis hin zu den forschenden Unternehmen
– inzwischen maßgeblich prägt und Deutschland
Antworten auf die damit verbundenen Herausforderungen finden muss, wird ein besonderer Schwerpunkt
sein, die Aktivitäten der Wissenschaftseinrichtungen
noch besser zu vernetzen.

47

Um diese Ziele zu erreichen, verfügt die Bundesregierung über ein umfangreiches Instrumentarium. Hierzu
zählt eine verstärkte Vernetzung der internationalen
Aktivitäten der deutschen Wissenschafts- und Forschungsorganisationen, die Bereitstellung exzellenter
Forschungsinfrastrukturen für die Forschungskooperationen im internationalen Kontext, die Förderung
ausländischer Studierender sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Auch die HightechStrategie fördert durch den Ausbau internationaler
Forschungskooperationen, die Internationalisierung
von Spitzenclustern und vergleichbaren Netzwerken
sowie die aktive Einbeziehung ausländischer Partner
die Intensivierung des internationalen Austausches
und die grenzüberschreitende Erschließung von Innovationspotenzialen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung
der internationalen Sichtbarkeit Deutschlands als
attraktivem Wissenschafts-, Forschungs-, und Innovationsstandort. Das Forschungsmarketing, die Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser und die
Stärkung der Willkommenskultur für ausländische
Forscherinnen und Forscher spielen hierfür eine ganz
wesentliche Rolle.
Die Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung wird aktuell weiterentwickelt. Dies erfolgt in
Umsetzung der Vorgaben aus dem Koalitionsvertrag.

48 	

	

49

II 	 Das deutsche Forschungsund Innovationssystem
1	
	

Überblick über das deutsche Forschungsund Innovationssystem....................................................................... 51

1.1	

Struktur und Akteure............................................................................ 52

1.2	

Förderinstrumente des Staats........................................................... 55

2

Finanzierung und Durchführung von
Wissenschaft, Forschung und Entwicklung.................................... 58

2.1 	 Finanzierung von Wissenschaft, Forschung und
	
Entwicklung durch Bund und Länder.............................................. 60
2.2	Hochschulen ......................................................................................... 64

2.3	 Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen................................. 67
2.4	

Staatliche Forschungseinrichtungen.................................................. 73

2.5	

Weitere FuE-fördernde Akteure........................................................ 76

2.6	

Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft................................. 78

3
	

Die Leistungsfähigkeit des deutschen Forschungsund Innovationssystems...................................................................... 81

3.1	FuE-Ergebnisse...................................................................................... 82
3.2	Innovationserfolge................................................................................ 85

50 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Auf einen Blick
Die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Prosperität Deutschlands hängen von einem leistungsstarken Forschungs- und Innovationssystem ab. Im Hinblick auf gesellschaftliche und globale Herausforderungen bedarf es einer
vielseitigen Forschungs- und Unternehmenslandschaft, die von verschiedenen Institutionen und Akteuren getragen
wird. Hierbei bilden die enge Verzahnung von Grundlagenforschung, angewandter Forschung und industrieller Entwicklung sowie das Zusammenwirken verschiedenster Disziplinen wesentliche Voraussetzungen für die Lösung der
globalen Herausforderungen.

Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem
(FuI-System) zeichnet sich im internationalen Vergleich
durch eine hohe Kontinuität und Arbeitsteilung aus.
Das vielschichtige Zusammenwirken seiner unterschiedlichen Akteure schafft die Rahmenbedingungen,
um in Unternehmen hochwertige Innovationen aus
Forschung und Entwicklung (FuE) in marktfähige
Produkte und Dienstleistungen überführen zu können.
Für die Bundesregierung sind Forschungs-, Innovations- und Bildungspolitik zentrale Handlungsfelder.
Ihre zielgerichteten Maßnahmen tragen nachhaltig zur
Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Forschungsund Innovationsstandortes Deutschlands bei.
Die gute Positionierung Deutschlands im internationalen Wettbewerb der Forschungs- und Innovationsstandorte lässt sich an einschlägigen Indizes ablesen: Im
Global Competitiveness Index des Weltwirtschaftsforums erreicht Deutschland durchgehend hohe Rangplätze. Im Leistungsanzeiger der Innovationsunion
(Innovation Scoreboard) 2015 der Europäischen Kommission zählt Deutschland mit den skandinavischen
Mitgliedstaaten zur Gruppe der sogenannten Innovationsführer.
In Teil II Kapitel 1 wird zunächst ein Überblick über das
deutsche FuI-System gegeben. Eine Darstellung derjenigen Akteure, die FuE durchführen bzw. fördern und
finanzieren, folgt in den darauffolgenden Kapiteln 2
und 3. Kapitel 4 widmet sich der Leistungsfähigkeit des

deutschen FuI-Systems im internationalen Vergleich.
Eine detaillierte Beschreibung der Daten und Fakten
zum deutschen FuI-System findet sich im Ergänzungsband I Daten und Fakten zum deutschen Forschungsund Innovationssystem (EB I). Die hier verwendeten
Daten sind im Wesentlichen entnommen aus dem
Datenportal des BMBF sowie dem Datenangebot des
Statistischen Bundesamtes und des Stifterverbandes.
Eine Liste und Kurzbeschreibung der FuE-durchführenden Organisationen und Einrichtungen außerhalb
der Wirtschaft mit Adressen und Angaben zu ihren
Forschungs- und Arbeitsschwerpunkten beinhaltet
Ergänzungsband II Organisationen und Einrichtungen
in Forschung und Wissenschaft (EB II).

Weitere Informationen im Internet:

Datenportal des BMBF:
www.datenportal.bmbf.de
Statistisches Bundesamt:
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/
GesellschaftStaat/BildungForschungKultur/
ForschungEntwicklung/ForschungEntwicklung.
html
Wissenschaftsstatistik GmbH im Stifterverbandfür die Deutsche Wissenschaft:
www.stifterverband.org/wissenschaftsstatistik
DFG-Förderatlas 2015:
www.dfg.de/sites/foerderatlas2015

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

1	

51

Überblick über das deutsche Forschungsund Innovationssystem

Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands wird auch in der Zukunft entscheidend von einem leistungsstarken Forschungsund Innovationssystem abhängen. Im Hinblick auf gesellschaftliche und globale Herausforderungen bedarf es einer
vielseitigen Forschungs- und Unternehmenslandschaft, die von verschiedenen Institutionen und Akteuren getragen wird.

Das deutsche FuI-System ist durch eine enge Verzahnung der Akteure, Kompetenzen und Finanzierungsstrukturen geprägt. Wesentliche Strukturmerkale sind
u. a. der im internationalen Vergleich hohe Anteil der
von der Wirtschaft durchgeführten und finanzierten
Forschung, das breite Spektrum der Forschungsgebiete
sowie die hohe Spezialisierung in Kernbereichen der
hochschulischen Forschung und die starke Arbeitsteilung der außeruniversitären Forschung.
Seit der Formulierung der Lissabon-Strategie im Jahr
2000 streben die Mitgliedstaaten der Europäischen Union an, 3 % ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) in FuE zu
investieren. Bund und Länder haben im Dezember 2015
die Steigerung der FuE-Ausgaben am BIP als Teilziel
der Strategie Europa 2020 bestätigt. Nach vorläufigen

Berechnungen lag dieser Wert für 2014 bei 2,88 % (siehe
auch EB I Daten und Fakten zum deutschen Forschungsund Innovationssystem). Deutschland erreicht damit
im internationalen Vergleich einen sehr guten Wert und
liegt im europäischen Vergleich hinter Finnland, Schweden und Dänemark auf dem vierten Platz.
Im Folgenden wird die Struktur des deutschen FuISystems anhand ihrer Akteure kurz vorgestellt. Im
Weiteren wird auf die staatliche Forschungs-, Technologie- und Innovationsförderung und deren Instrumente eingegangen. Für eine differenzierte Darstellung
der durchführenden und finanzierenden Akteure wird
auf das nachfolgende Kapitel verwiesen (siehe auch II 2
Finanzierung und Durchführung von Forschung und
Entwicklung).

52 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

1.1	 Struktur und Akteure
Das deutsche FuI-System ist vielfältig. Dies resultiert unter anderem aus der föderalen Struktur und der langen
Wissenschaftstradition. Es zeichnet sich durch ein breites Spektrum der Forschungsgebiete aus und ermöglicht eine
hohe Spezialisierung in Kernbereichen. Außerdem ist das deutsche FuI-System so leistungsfähig und erfolgreich, weil
die verschiedenen Akteure zur Zusammenarbeit bereit sind – z. B. durch Bildung von Forschungsverbünden zwischen
außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen. Grundsätzlich lässt sich zwischen FuEfinanzierenden und FuE-durchführenden Akteuren unterscheiden.

FuE werden in unterschiedlichen öffentlichen und
privaten Institutionen betrieben. Abbildung II-1 stellt
die Akteursgruppen des FuI-Systems dar und skizziert
ihre Beziehungen zueinander.

Bund und Länder als finanzierende
Akteure
Entsprechend der gemeinsamen Verantwortung für
die Forschung arbeiten Bund und Länder gemäß den
verfassungsrechtlichen Vorgaben bei der Forschungs-,
Technologie- und Innovationsförderung zusammen
und sind bedeutende Akteure der Finanzierung von
Forschung und Entwicklung. Nationale Rahmenbedingungen ergeben sich vor allem aus der Bundeshaushaltsordnung und dem Bundeshaushaltsgesetz. Ergänzt
werden diese durch entsprechende landesrechtliche
Bestimmungen. Sie bilden die rechtliche Grundlage für
die Förderinstrumente, die eine zielgerichtete Forschungsförderung ermöglichen: Die gemeinsam von
Bund und Ländern finanzierte mittel- und langfristig
angelegte institutionelle Förderung dient u. a. der
Sicherung der Grundlagenforschung, der Forschungsinfrastruktur und der strategischen Ausrichtung der
deutschen Forschungslandschaft. Die aus Bundesmitteln finanzierte Projektförderung gliedert sich in
Fach- und Förderprogramme und dient der Förderung
zeitlich befristeter Forschungs-, Technologie- und
Innovationsvorhaben. Die Projektförderung adressiert
vornehmlich die Förderung der anwendungsorientierten Forschung. Bund und Länder stellen rund ein
Drittel der Bruttoinlandsausgaben für Forschung und
Entwicklung zur Verfügung (siehe auch II 1.2 Förderinstrumente des Staats sowie IV Die Zusammenarbeit
zwischen Bund und Ländern).

Mit dem Wissenschaftsrat (WR), der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) und dem Bund-Länderausschuss „Forschung und Technologie“ stehen koordinierende und beratende Gremien zur Verfügung (siehe auch
IV Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern).
Beratende Funktionen haben außerdem die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), das
Hightech-Forum sowie der Innovationsdialog zwischen
Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft.

Wirtschaft
Die Privatwirtschaft stellt für die Durchführung von
FuE-Aktivitäten rund zwei Drittel der jährlich in
Deutschland investierten Forschungsmittel bereit. Diese Mittel werden sowohl für eigene FuE-Aktivitäten der
Unternehmen als auch für gemeinsame FuE-Projekte
mit Partnern aus der Wirtschaft und Wissenschaft aufgewandt (siehe auch II 2.6 Forschung und Entwicklung
in der Wirtschaft).
Die im Wirtschaftssektor stattfindende Forschung und
Entwicklung ist stark anwendungsorientiert. Sie hat
im Wesentlichen das Ziel, unmittelbar verwertbare
Ergebnisse zu erreichen. Die Grundlagenforschung
hat dagegen in der Privatwirtschaft einen geringeren
Stellenwert. Die FuE-Aktivitäten sind regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. Sie werden zum überwiegenden Teil von Großunternehmen bestimmt. Trotz des
niedrigeren Anteils tragen auch kleinere und mittlere
Unternehmen (KMU) sowie Start-up-Unternehmen
entscheidend zur Innovationsleistung des deutschen
Wirtschaftssektors bei, weil aus dieser Gruppe vielfach
wegbereitende Innovationsleistungen hervorgehen.
Ein weiteres Strukturmerkmal der Privatwirtschaft ist

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

53

Abb. II-1: 	 Akteure des deutschen Forschungs- und Innovationssystems
Europäische
Kommission
Bundesregierung
Wissenschaftsrat
Evaluation und
Beratung

16 Landesregierungen

Gemeinsame
Wissenschaftskonferenz
Koordinierung

Öffentliche Forschung
•
•
•
•

Hochschulen
Akademien
Ressortforschung
Forschungsorganisationen
(MPG, Fraunhofer, HGF, Leibniz-Gemeinschaft)

Industrieforschung
• AiF
• Zuse-Gemeinschaft

Beratung
• Expertenkommission
Forschung und Innovation
• Hightech-Forum
• Innovationsdialog

Intermediäre
•
•
•
•

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Stiftungen (öffentliche und private)
Stifterverband
Verbände und Kammern

Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft
• Große und multinationale Unternehmen
• Kleine und mittelständische Unternehmen

Quelle: BMBF

die im internationalen Vergleich hohe Konzentration
der FuE-Kapazitäten auf Branchen der hochwertigen
Technik.

Öffentliche Forschung
Wichtiger Forschungsakteur bei der Durchführung von
Forschung ist auf öffentlicher Seite ist der Hochschulbereich, das sind die Universitäten und Fachhochschulen (siehe auch II 2.2 Hochschulen). Neben der Forschung an Hochschulen existiert ein breites Spektrum
an außeruniversitärer Forschung, die größtenteils
an gemeinsam von Bund und Ländern geförderten
Einrichtungen durchgeführt wird (siehe auch II 2.3
Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen). Hierzu
zählen vor allem die Forschungseinrichtungen der
vier großen Forschungsorganisationen. Dies sind im
Einzelnen die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung
der Wissenschaften e. V. (MPG), die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V.

(Fraunhofer), die Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V. (HGF) und die
Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz
e. V. (Leibniz-Gemeinschaft). Zur Gruppe der Akteure
der außeruniversitären Forschung zählen des Weiteren
die acht Akademien der Wissenschaften der Länder, die
Deutsche Akademie für Technikwissenschaften (acatech) und die Deutsche Akademie der Naturforscher
Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften
sowie die Ressortforschung.
Die Ressortforschung des Bundes dient der Vorbereitung, Unterstützung und Umsetzung politischen
und administrativen Handelns. Sie ist mit der Wahrnehmung gesetzlicher und fachlicher Aufgaben des
Ressorts verbunden. Dieses anspruchsvolle breite
Aufgabenspektrum wird durch Bundeseinrichtungen
mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben durch
die Einrichtung selbst, in Kooperation mit anderen
Forschungseinrichtungen oder durch Vergabe von
Forschungsaufträgen an externe Forschungsnehmer
(extramurale Forschung) ausgeführt. Hinzu kommen

54 	

landes- und kommunale Forschungseinrichtungen,
die aus Landesmitteln und zum Teil aus Mitteln Dritter
finanziert werden (siehe auch II 2.4 Staatliche Forschungseinrichtungen sowie EB II Organisationen und
Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).

Intermediäre
Die Gruppe der Intermediäre des deutschen FuISystems umfasst im Wesentlichen die Akteure, die
FuE-Aktivitäten mit eigenen Förderprogrammen
unterstützen bzw. die Interessen der Akteure vertreten
(siehe auch II 2.5 Weitere FuE-fördernde Akteure). Zu
ihr zählen u. a. die Deutsche Forschungsgemeinschaft
e. V. (DFG) und der Stifterverband für die deutsche
Wissenschaft.

Industrieforschung
Eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen Wissenschaft und der mittelständisch geprägten Wirtschaft
in der vorwettbewerblichen Forschung haben auch die
gemeinnützigen externen Industrieforschungseinrichtungen inne. Sie sind überwiegend über die Verbände
Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e. V. (AIF) und Deutsche
Industrieforschungsgemeinschaft Konrad Zuse e. V.
(Zuse-Gemeinschaft) organisiert (siehe auch EB II
Organisationen und Einrichtungen in Forschung und
Wissenschaft).

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Europäische Kommission
Mit dem zum 1. Januar 2014 gestarteten EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont
2020 (2014–2020) wird ein wichtiger Beitrag zur
Entwicklung des Europäischen Forschungsraums
(EFR) geleistet und das weltweit sichtbare Profil der
europäischen Forschungslandschaft geschärft. Mit
einem Fördervolumen von insgesamt rund 77 Mrd.
Euro ist das vom Rat der Europäischen Union und dem
Europäischen Parlament beschlossene und von der
Europäischen Kommission verwaltete Forschungs- und
Innovationsprogramm das weltweit größte seiner Art.
Es bündelt die Forschungsförderprogramme auf europäischer Ebene und ist noch stärker als die bisherigen
Programme auf Kooperation zwischen Wissenschaft,
Forschung und Wirtschaft sowie Innovation ausgerichtet (siehe auch V 2.3 Deutschlands Beteiligung an
Horizont 2020).

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

55

1.2	 Förderinstrumente des Staats
Für eine funktionierende staatliche Forschungs- und Innovationsförderung bedarf es mehrerer Säulen, für die das
rechtliche Fundament im Grundgesetz festgelegt ist. Bei der staatlichen Forschungsförderung arbeiten Bund und
Länder im Rahmen ihrer grundgesetzlichen Zuständigkeiten zusammen. Dabei stehen ihnen mehrere Instrumente zur
Verfügung, die eine zielgerichtete Forschungsförderung bzw. -finanzierung ermöglichen: die Projektförderung, die
institutionelle Förderung, aber auch die Ressortforschung.

Die Förderung von FuE ist eine gemeinsame Aufgabe
von Staat und Gesellschaft. Eine international wettbewerbsfähige Forschung und der in Art. 5 Abs. 3 Grundgesetz (GG) verbürgte Freiraum von Wissenschaft und
Forschung bedürfen entsprechender finanzieller Rahmenbedingungen. Die Finanzierungskompetenzen von
Bund und Ländern ergeben sich aus dem Grundgesetz.
So hat der Bund u. a. Finanzierungskompetenzen für
Vorhaben der wissenschaftlichen Großforschung wie
z. B. Luftfahrt-, Weltraum-, Meeres-, Kernforschung
(siehe auch III 1.7 Naturwissenschaftliche Grundlagenforschung) und der internationalen Forschungseinrichtungen (siehe auch V 3 Weltweite Zusammenarbeit).
Bund und Länder arbeiten entsprechend den verfassungsrechtlichen Vorgaben bei der staatlichen
Forschungsförderung zusammen. Die Gemeinsame
Wissenschaftskonferenz (GWK) und der Bund-Länder-Ausschuss „Forschung und Technologie“ bieten
Foren des Austauschs und der Koordinierung der
Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik. Sie
dienen außerdem dem Zusammenwirken bei der Förderung der Forschungsorganisationen. Die GWK entscheidet in Fällen von überregionaler Bedeutung (z. B.
bei der Exzellenzinitiative und beim Hochschulpakt).
Der Wissenschaftsrat (WR) berät die Bundesregierung
und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen,
der Wissenschaft und der Forschung (siehe auch IV Die
Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern).
Eine entscheidende Rolle spielen dabei der Unionsrahmen für staatliche Beihilfen zur Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation sowie Abschnitt
4 der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung.
Die nationalen Rahmenbedingungen ergeben sich in
erster Linie aus der Bundeshaushaltsordnung und dem
Bundeshaushaltsgesetz.

Institutionelle Förderung
Die institutionelle Förderung bezieht sich auf den gesamten Betrieb und die Investitionen von Forschungsbzw. Wissenschaftseinrichtungen, die über einen
längeren Zeitraum vom Bund oder gemeinsam von
Bund und Ländern gefördert werden. Damit werden
die Forschungsinfrastruktur, Kompetenz und strategische Ausrichtung der deutschen Forschungslandschaft
gesichert. Die institutionelle Förderung ist mit hohen
Anforderungen und dementsprechender Rechenschaftslegung verbunden. Beispiele der institutionellen Förderung sind die Zuwendungen, die Bund und
Länder bei der gemeinsamen Forschungsförderung
nach Art. 91 b GG leisten, z. B. als Grundfinanzierung
der Forschungsorganisationen MPG, Fraunhofer, HGF
und Leibniz-Gemeinschaft (siehe auch II 2.3 Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen).
Mehr als ein Drittel aller staatlichen Fördermittel entfällt auf die institutionelle Förderung. Gefördert wird
neben den vier genannten Forschungsorganisationen
u. a. auch die DFG, deren Kernaufgabe Auswahl und
Finanzierung der besten Forschungsvorhaben von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist. Eine allein
durch den Bund getragene institutionelle Förderung
betrifft im Wesentlichen die Ressortforschungseinrichtungen (siehe auch II 2.4 Staatliche Forschungseinrichtungen sowie II 2.5 Weitere FuE-fördernde Akteure),
aber auch die Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland.

56 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Projektförderung

Auftragsforschung

Die Projektförderung durch die Ressorts erfolgt in
Förder- bzw. Fachprogrammen auf der Grundlage eines
Antrags für ein zeitlich befristetes Vorhaben. In der
Projektförderung werden neben Einzelprojekten auch
Verbundprojekte mit mehreren Partnern finanziert.
Die Projektfinanzierung des Bundes erfolgt unter den
rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen, die
auf europäischer und nationaler Ebene gesetzt werden.

Im Rahmen der Ressortforschung werden neben der
Eigenforschung der Bundeseinrichtungen mit FuEAufgaben Forschungsaufträge an Dritte vergeben. Die
Vergabe von FuE-Projekten erfolgt dabei durch die
Ressorts selbst oder durch Bundeseinrichtungen mit
FuE-Aufgaben in Form von Verträgen oder durch die
Bewilligung von Zuwendungen nach vergabe- bzw.
zuwendungsrechtlichen Vorschriften grundsätzlich im
Wettbewerb.

Zu unterscheiden sind direkte und indirekte Projektförderung: Die direkte Projektförderung bezieht sich
jeweils auf ein konkretes Forschungsfeld. Ziel ist es u. a.,
in ausgewählten Bereichen einen im internationalen
Maßstab hohen Leistungsstand von Forschung und
Entwicklung zu erreichen bzw. zu sichern. Das Ziel
der indirekten Projektförderung besteht darin, Forschungseinrichtungen und Unternehmen – vor allem
KMU – bei der FuE-Tätigkeit zu unterstützen. Sie zielt
zum Beispiel auf die Entwicklung und Stärkung von
Forschungsinfrastruktur, Forschungskooperationen,
Technologie- und Innovationsvorhaben, innovativen
Netzwerken und Personalaustausch zwischen Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft.
Die Projektfördertätigkeit der Ressorts wird vielfach
durch sogenannte Projektträger unterstützt. Hierbei
handelt es sich um Dienstleister, die sich in wettbewerblichen Verfahren qualifiziert haben. Projektträger sind größtenteils bei fachlich qualifizierten
Forschungseinrichtungen angesiedelte Organisationseinheiten oder private Unternehmen, die für
Bundesministerien wissenschaftlich-technische und
administrative Managementaufgaben in unterschiedlichen Aufgabenbereichen wahrnehmen. Hierzu zählen
vor allem die fachliche und administrative Beratung
der Antragsteller, Vorbereitung von Förderentscheidungen, Projektbegleitung und Erfolgskontrolle.
Darüber hinaus übernehmen die Projektträger weitere
Beratungs- und Unterstützungsleistungen. Die Zusammenarbeit kann auf der Basis von Verträgen und ggf.
über eine Beleihung erfolgen.

Auftragnehmer bzw. Zuwendungsempfänger können
alle wissenschaftsbasiert arbeitenden Personen und
Einrichtungen sein, darunter auch gemeinnützige und
industrielle Forschungsinstitute. Grundlage für die
Vergabe von FuE-Projekten sind Planungen, die flexibel
den aktuellen Bedarf an Ressortforschung abdecken
und gleichzeitig mehrjährige Forschungslinien ermöglichen. Die Forschungs- und Entwicklungsergebnisse
werden grundsätzlich veröffentlicht.

	

57

Informationen zu Fördermöglichkeiten des Bundes	

Einen wichtigen Beitrag zu mehr Transparenz der
Förderangebote des Bundes leistet die Förderberatung
Forschung und Innovation des Bundes. Mit ihr hat die
Bundesregierung im Rahmen der Hightech-Strategie
ein zentrales Beratungsangebot zur Forschungs- und
Innovationsförderung geschaffen, das die spezifische
Beratung durch die jeweiligen Programmverantwortlichen oder Projektträger ergänzt. Als Erstanlaufstelle
bietet sie Förderinteressenten Informationen aus einer
Hand. Sie informiert Unternehmen, Hochschulen und
Forschungseinrichtungen passgenau über Fördermöglichkeiten des Bundes, der Länder und der EU.
Die Förderberatung Forschung und Innovation des Bundes wendet sich besonders an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und jene, die keine oder wenig Erfahrung
mit den Förderangeboten zu FuE der öffentlichen Hand
haben. Sie sorgt damit für Übersichtlichkeit und Zeitgewinn – gerade für innovative Unternehmen.
Zum Leistungsspektrum der Förderberatung Forschung
und Innovation des Bundes gehören die beiden spezifischen Beratungsangebote
•	 Lotsendienst für Unternehmen
•	 Lotsenstelle Elektromobilität

•	 informiert über die Verfahrenswege zur Erlangung von
Fördermitteln,
•	 hilft bei der Zuordnung von Projektideen,
•	 vermittelt fachliche und regionale Ansprechpartner.
Neue Förderbekanntmachungen des Bundes, spezielle
Informationen für KMU und Förderinformationen der EU
werden 14-tägig über den elektronischen Newsletter der
Förderberatung bereitgestellt. Unter www.foerderinfo.
bund.de erhalten Interessierte wichtige Hinweise sowie
aktuelle Informationen zur Förderthematik. Die Beratungsangebote sind kostenfrei. Neben der Möglichkeit
einer individuellen Beratung können sich Interessenten
mit Projektideen telefonisch und per E-Mail an das Team
der Förderberatung wenden.
Kostenfreie Hotlines:
•	 0800 262-3008
(zu allen Themen
der Forschungs- und
Innovationsförderung
einschließlich Lotsenstelle Elektromobilität)
•	 0800 262-3009 (Lotsendienst für Unternehmen)
•	 E-Mail: beratung@foerderinfo.bund.de

Die Förderberatung Forschung und Innovation des Bundes
•	 identifiziert geeignete Förderprogramme und erläutert
die Konditionen,
•	 gibt Hinweise zur Forschungs- und Förderstruktur von
Bund, Ländern und EU,

→ Förderberatung des Bundes: www.foerderinfo.bund.de
→ Förderkatalog des Bundes: foerderportal.bund.de/
foekat/

58 	

2	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Finanzierung und Durchführung von
Wissenschaft, Forschung und Entwicklung

Die Wirtschaft und der Staat fördern, finanzieren und betreiben Forschung und Entwicklung in Deutschland. Der
überwiegende Teil der FuE-Tätigkeit wird in Deutschland mit gut zwei Dritteln durch die Wirtschaft, größtenteils von
Großunternehmen, erbracht. Ein knappes Drittel entfällt auf die Hochschulen und die außeruniversitären bzw. staatlichen Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen. Vergleichbare Größenverhältnisse der einzelnen Sektoren liegen
auch für die Verteilung des in Deutschland tätigen FuE-Personals vor. Die Bedeutung der Wirtschaft zeigt sich
zudem in der Betrachtung der Finanzierung von FuE. Die Wirtschaft finanzierte im Jahr 2013 mit 52,2 Mrd. Euro knapp
zwei Drittel der Bruttoinlandsausgaben für FuE.

Forschung und Entwicklung wird in verschiedensten
öffentlichen und privaten Institutionen betrieben.
Diese Differenziertheit des deutschen Forschungs- und
Innovationssystems spiegelt sich in dessen Finanzierung wider: FuE-Projekte in öffentlich finanzierten
Einrichtungen werden auch aus Drittmitteln, Forschung in Unternehmen wird wiederum zu einem Teil
auch öffentlich gefördert (siehe auch Infobox Ausgaben
für Forschung und Entwicklung).
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind
in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen. In
Deutschland wurden 2014, nach vorläufigen Berechnungen, 83,9 Mrd. Euro für die Durchführung von FuE
durch Staat und Wirtschaft ausgegeben. Dies entspricht

2,88 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP), womit das
Drei-Prozent-Ziel der Strategie Europa 2020 beinahe
erreicht wurde. Deutschland gehört damit zu einer
Spitzengruppe von Ländern mit einer sehr hohen FuEIntensität.
Der weit überwiegende Teil des staatlichen Budgets
zur Finanzierung von FuE kommt im Jahr 2013 den
Hochschulen (49,7 %) sowie außeruniversitären und
bundes-, landes- und gemeindeeigenen Forschungseinrichtungen (42,5 %) zugute. Die staatliche Finanzierung
und Förderung von FuE in der Wirtschaft richtet sich
überwiegend an kleine und mittlere Unternehmen. Sie
finanzieren mehr als ein Siebtel (16 %) ihrer internen
FuE-Ausgaben aus öffentlichen Fördermitteln.

	

59

Ausgaben für Forschung
und Entwicklung	

Forschungseinrichtungen sowie die privaten Institutionen
ohne Erwerbszweck weisen Ausgaben in Höhe von 11,86
Mrd. Euro für die Durchführung von FuE auf.

Die Struktur des deutschen FuI-Systems wird durch den
föderalen Staatsaufbau, die Größe und Ausrichtung der
Volkswirtschaft sowie durch seine Akteure bestimmt.
Ein auch für den internationalen Vergleich relevanter
Indikator für die FuE-Anstrengungen einzelner Staaten sind die Bruttoinlandsausgaben für Forschung und
Entwicklung (BAFE).

Die Ausgaben der FuE-durchführenden Akteure werden
von der inländischen Wirtschaft, dem Staat, privaten
Institutionen ohne Erwerbszeck und dem Ausland
finanziert. Die Wirtschaft finanzierte 2013 mit rund
52,18 Mrd. Euro rund zwei Drittel der BAFE. Dieser Wert
ist im internationalen Vergleich sehr hoch und gilt als ein
charakteristisches Kennzeichen des deutschen FuI-Systems. Rund 30 % der BAFE werden durch Bund, Länder
und private Institutionen ohne Erwerbszeck finanziert.
Die verbleibenden 5 % werden vom Ausland aufgebracht
(siehe auch Abb. II-2).

Insgesamt wurden 79,73 Mrd. Euro für FuE im Jahr
2013 aufgewendet. Die BAFE verteilen sich unterschiedlich
auf die einzelnen Sektoren, in denen FuE durchgeführt
wird: Mit 53,57 Mrd. Euro im Jahr 2013 werden rund
zwei Drittel der BAFE in der Wirtschaft verwendet. Auf
öffentlicher Seite verwenden die Hochschulen rund 14,30
Mrd. Euro. Die bundes-, landes- und gemeindeeigenen

Abb. II-2:	Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung (BAFE) der Bundesrepublik Deutschland
2013 (in Mrd. Euro)

Finanzierung

Durchführung

0,25 Private Institutionen
ohne Erwerbszweck

60

4,11 Ausland

0,11
2,70
1,80

50
40

23,20 Staat

48,96
30
20
0,14
0,64
9,86
1,22

10

52,18 Wirtschaft

0
Wirtschaft

	Wirtschaft

	Staat

	Ausland

Staat und private
Institutionen ohne
Erwerbszweck

0,77
11,35
2,00
Hochschulen

	 Private Institutionen ohne Erwerbszweck
Datenbasis: EB I Tabelle 1, Datenportal des BMBF Tabelle 1.1.1

60 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

2.1	 Finanzierung von Wissenschaft, Forschung
und Entwicklung durch Bund und Länder
Bund und Länder sind bedeutende Akteure der Finanzierung von Forschung und Entwicklung. Das föderale System der
Bundesrepublik Deutschland eröffnet sowohl dem Bund als auch den Ländern in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen die Möglichkeit der Forschungs- und Innovationsförderung. Zudem arbeiten Bund und Länder bei der Förderung
von Einrichtungen und Vorhaben der wissenschaftlichen Forschung in Fällen überregionaler Bedeutung zusammen.

Die öffentlich finanzierte Forschung hat in Deutschland einen hohen Stellenwert. Bund und Länder gaben
2013 gemeinsam rund 24,4 Mrd. Euro für FuE aus.
Ein Großteil der Ausgaben des Bundes für Forschung
und Entwicklung wird über das BMBF und das BMWi
bereitgestellt.
Die staatliche Finanzierung der Forschung adressiert
die Förderung der Grundlagenforschung, die aufgrund
der hohen externen Effekte im Wirtschaftssektor eine
untergeordnete Bedeutung hat, wie auch die anwendungsorientierte Forschung.

Ausgaben des Bundes für FuE
Die FuE-Ausgaben des Bundes sind in den vergangenen
Jahren deutlich dynamischer angestiegen als in den 1990er
und 2000er Jahren und konnten auf knapp 14,3 Mrd. Euro
im Jahr 2013 gesteigert werden. Bis 2016 sollen sich die
Bundesausgaben für FuE weiter auf 15,8 Mrd. Euro erhöhen. Rund 60 % der FuE-Ausgaben des Bundes entfallen
dabei auf das BMBF, rund 21 % auf das BMWi und rund
5 % auf das BMVg (siehe auch Abb. II-3).
Auch die Ausgaben des Bundes für FuE im Rahmen der
direkten Projektförderung und extramuralen Ressortforschung wurden in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert und summierten sich im Jahr 2014 auf

Abb. II-3: 	

Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung 2016 in Deutschland nach Ressorts
(Soll in Mio. Euro)
BMWi
3.373
803

2.159

285,6

BMBF

Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur

203,6

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit

184,0

Bundesministerium für Gesundheit

130,1
9.468

Allgemeine Finanzverwaltung

439,9
BMVg

15.802

Bundesministerium für Ernährung
und Landwirtschaft

652,2

79,0
54,1
130,0

Bundeskanzleramt (inkl. Beauftragte der Bundesregierung
für Kultur und Medien)
Auswärtiges Amt
Bundesministerium des Inneren
Summe der übrigen nicht einzeln ausgewiesenen Ressorts

Datenbasis: EB I Tabelle 4, Datenportal des BMBF Tabelle 1.1.4

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

61

Abb. II-4: 	 Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung im Rahmen der direkten Projektförderung
und Auftragsforschung nach Ressorts (Soll 2016 in Mio. Euro) sowie in Deutschland wirksame
FuE-Ausgaben der EU (in Mio. Euro)

3.500

3.500

3.582,3

3.000

3.000

2.500

2.500

2.000

2.000

1.500

1.500

1.000

627,5

500
0

1.206,9

1.035,8

BMWi

BMVg

1.000

1.118,1

500

BMBF

übrige Ressorts

0

EU

Einschließlich Ausgaben für Aufträge im Rahmen der Ressort- und Wehrforschung und -entwicklung und für die Weiterentwicklung von
Hochschulen und Wissenschaft sowie die Realisierung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre ab 2001.
Ohne Grundfinanzierung der bundeseigenen Forschungseinrichtungen mit Ressortforschungsaufgaben.
Da das Budget für das Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizon 2020 (Laufzeit 2014–2020) über die Jahre stark ansteigt,
wird statt eines Stichtags ein Mittelwert über die bisherige Laufzeit angegeben.
Datenbasis: EB I Tabelle 8, Datenportal des BMBF Tabelle 1.1.7, EU-Daten: H2020 ECORDA-Vertragsdatenbank; Stand: 26.02.2016

5,5 Mrd. Euro. Für 2016 sind entsprechende Bundesausgaben für FuE von rund 6,5 Mrd. Euro geplant. Auf
das BMBF, das BMWi sowie das BMVg entfallen davon
zusammengenommen 81,3 %, der Anteil des BMBF
entspricht rund 56 % (siehe auch Abb. II-4). Die Ausgaben des Bundes für FuE im Rahmen der indirekten
Projektförderung betrugen 0,8 Mrd. im Jahr 2013; für
2016 sind Ausgaben in Höhe von 0,9 Mrd. Euro geplant.
Den Ressortforschungseinrichtungen des Bundes standen im Jahr 2014 gut 993 Mio. Euro für FuE-Aktivitäten
zur Verfügung. Zudem vergibt der Bund zusätzlich Forschungsaufträge und -projekte zur Deckung des Forschungsbedarfs der Ressorts u. a. an Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen.
Hinzu kommen die aus dem Rahmenprogramm für
Forschung und Innovation Horizont 2020 für Deutsch-

land wirksamen FuE-Ausgaben der EU. Der jährliche
Durchschnittswert der bisherigen Laufzeit 2014 bis
2015 betrug rund 1,1 Mrd. Euro (siehe auch Abb. II-4 sowie V 2.3 Deutschlands Beteiligung an Horizont 2020).

Gemeinsame Forschungs- und
Wissenschaftsförderung des Bundes
und der Länder
Bund und Länder wirken bei der Förderung von
Einrichtungen und Vorhaben der wissenschaftlichen
Forschung in Fällen überregionaler Bedeutung zusammen. Die konkrete Ausgestaltung der gemeinsamen
Forschungsförderung von Bund und Ländern erfolgt
auf Grundlage von Bund-Länder-Vereinbarungen (siehe auch IV Die Zusammenarbeit zwischen Bund und
Ländern).

62 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Abb. II-5:	Gemeinsame Förderung des Bundes und der Länder nach Förderbereichen 2013 (in Mio. Euro)

MPG

Leibniz-Gemeinschaft

1.422

Fraunhofer

994
597

DFG

579 

2.117

480

HGF

Exzellenzinitiative

375

12.351

2.607

Forschungsbauten
und Großgeräte

3.181
Hochschulpakt
2020

207,5

Qualitätspakt Lehre

57,1

Akademien­programm

43,0

Fachhochschul-Programm

29,2

Professorinnen­programm

17,2

Programm Offene Hochschulen

9,9

Leopoldina

6,3

Wissenschaftskolleg

2,5

acatech

1,7

DZHW

1,1

Nationale Kohorte

Datenbasis: GWK (2015)

Die Gesamtmittel der gemeinsamen Förderung beliefen sich 2013 auf 12,35 Mrd. Euro. Diese wurden zu
zwei Dritteln vom Bund (66,7 %) und zu einem Drittel
von den Ländern (33,3 %) getragen. Bund und Länder
haben die bereitgestellten Mittel der gemeinsamen Förderung im Vergleich zu 2012 um rund 1,64 Mrd. Euro
bzw. 15,3 % erhöht. In der Aufschlüsselung der Gesamtmittel 2013 nach Förderbereichen nimmt der
Hochschulpakt 2020 mit rund 3,18 Mrd. Euro von Bund
und Ländern den größten Anteil ein. Die Förderung
der am Pakt für Forschung und Innovation beteiligten
Forschungs- und Wissenschaftsorganisationen (DFG,
HGF, MPG, Leibniz-Gemeinschaft und Fraunhofer)
summiert sich auf etwa 7,75 Mrd. Euro (siehe auch
Abb. II-5). Die institutionelle Forschungsförderung
durch Bund und Länder belief sich im Jahr 2015 auf
9,4 Mrd. Euro. Davon entfielen 6,6 Mrd. Euro auf den
Bund und 2,8 Mrd. Euro auf die Länder.
In der regionalen Verteilung der Gesamtmittel für
das Jahr 2013 dominieren die bevölkerungsreichen Flächenländer Nordrhein-Westfalen mit etwa
2,30 Mrd. Euro (18,6 %), Baden-Württemberg mit
etwa 1,94 Mrd. Euro (15,7 %) und Bayern mit etwa
1,67 Mrd. Euro (13,6 %). Rund 3,29 Mrd. Euro (26,6 %)
entfallen auf die übrigen westdeutschen Länder und
etwa 2,89 Mrd. Euro (23,3 %) auf die ostdeutschen Län-

der inklusive Berlin. Der verbleibende Betrag von rund
1
267 Mio. Euro (2,2 %) ist nicht regionalisierbar.

Ausgaben der Länder für FuE
Neben den Aktivitäten der Bundesregierung und den gemeinsamen Aktivitäten von Bund und Ländern führen
die Länder landesspezifische forschungs-, technologieund innovationspolitische Fördermaßnahmen durch.
Dabei werden spezifische Stärken der einzelnen Regionen sowie bestehende räumliche Strukturen und Besonderheiten aufgegriffen. Diese regionalen Unterschiede
tragen entscheidend dazu bei, das deutsche FuI-System
in seiner Gesamtheit zu stärken (siehe auch VI Die Forschungs- und Innovationspolitik der Länder sowie EB III
Forschungs- und Innovationspolitik der Länder).
Die Ausgaben der Länder für FuE (ohne Gemeinden) betrugen 2013 etwa 10,14 Mrd. Euro nach rund
10,15 Mrd. Euro im Vorjahr und sind somit leicht
rückläufig. Der Anteil der Länder an den Gesamtausgaben von Bund und Ländern für FuE liegt bei etwas über
41 %. Auch hier ist die Tendenz leicht rückläufig.
1	 GWK (2015): Gemeinsame Forschungsförderung des Bundes und
der Länder, Finanzströme im Jahr 2013, Heft 44.

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

63

Staatliche Förderung von FuE
in der Wirtschaft

Hightech-Strategie stehen Fragen zu Kommunikation,
Klima, Energie, Arbeit, Gesundheit, Ernährung, Mobilität
und Sicherheit. Hinzu kommen spezielle technologieoffene Förderprogramme, die sich insbesondere an KMU
richten bzw. ihnen zugutekommen (siehe auch III Die
Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes).

Der staatliche Anteil der Bruttoinlandsausgaben zur
Unterstützung von FuE-Projekten im Wirtschaftssektor betrug 2013 in Deutschland rund 1,8 Mrd. Euro. Mit
3,4 % liegt der staatliche Finanzierungsanteil der FuEAusgaben in der Wirtschaft unter dem Durchschnitt
der OECD-Länder von 6,6 %, jedoch noch vor anderen
innovationsstarken Ländern wie z. B. der Schweiz und
2
Finnland.

Auf große Unternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten entfällt in Deutschland deutlich weniger als die
Hälfte der gesamten staatlichen Finanzierung von FuE
im Wirtschaftssektor, während diese Unternehmen mit
85 % den Großteil der internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft tätigen. Staatliche Förderung insgesamt macht
in diesen Unternehmen weniger als 2 % ihrer internen
FuE-Ausgaben aus. KMU mit weniger als 250 Beschäftigten finanzieren hingegen 16 % ihrer internen FuEAusgaben aus staatlichen Fördermitteln. Die staatliche
FuE-Förderung in Deutschland kommt somit auch nach
diesen Zahlen der Wissenschaftsstatistik überproportional KMU zugute. Im Zeitraum 2007 bis 2015 stieg die
FuE-Förderung des Bundes an und zugunsten von KMU
von 783 Mio. Euro auf 1.445 Mio. Euro. Die technologieoffenen Programme des BMWi machten davon rund
897 Mio. Euro aus (siehe auch Abb. II-6).

Die staatliche Förderung von FuE in der Wirtschaft
bedient sich in Deutschland des Instruments der
Projektförderung und adressiert maßgeblich Projekte
der vorwettbewerblichen, anwendungsorientierten
Forschung. Mittels Fachprogrammen werden Basistechnologien gefördert, die Entwicklungen in zentralen
Anwendungsfeldern vorantreiben und so als Wachstumstreiber in vielen Branchen wirken. Im Mittelpunkt der
2	 Schasse, U. et al. (2016): Forschung und Entwicklung in Staat und
Wirtschaft, Studien zum deutschen Innovationssystem, Nr. 2-2016.

Abb. II-6:	Projektförderung des Bundes an und zugunsten von KMU gemäß nationaler Definition
(in Mio. Euro)

1.445

1.600

1.428

1.400

1.445

1.428

1.340
1.236

1.200

1.154

1.101

1.000

930
783

800
600
400

477
306

693

654

646
562

543

500

455
368

897

882

862

825

515

566

546

548

397

320

200
53
0
2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

	 technologiespezifische Programme aller Ressorts ohne BMVg (an KMU)
	 technologieoffene Programme des BMWi
	 Bund insgesamt (an und zugunsten KMU)
	Ergänzend: Vorübergehende zusätzliche Mittel im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand aus dem Konjunkturpaket II (an und zugunsten von KMU

Datenbasis: BMBF, BMWi

64 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

2.2	Hochschulen
Bei der Durchführung von Forschung und Entwicklung nehmen die Hochschulen eine bedeutende Rolle ein und tragen
entscheidend zur Sicherung von Fortschritt und Wohlstand in Deutschland bei. Als Stätten hochwertiger akademischer
Ausbildung und Forschung sind Hochschulen zentrale Impulsgeber für das regionale Innovationsgeschehen. Das
Spektrum der Forschung an Hochschulen reicht von der Grundlagenforschung über anwendungsorientierte Forschung
bis hin zu Entwicklungsarbeiten.

und Forscher) am gesamten FuE-Personal der Hochschulen (siehe auch Abb. II-7). Zum FuE-Personal insgesamt zählen neben dem wissenschaftlichen Personal
auch technisches sowie sonstiges Personal (siehe auch
EB I Daten und Fakten zum deutschen Forschungsund Innovationssystem).

Traditionell bilden die Hochschulen eine der tragenden Säulen des deutschen FuI-Systems. Sie führten
2013 FuE-Aktivitäten in Höhe von rund 14,3 Mrd. Euro
durch und trugen damit zu 17,9 % der gesamten FuE
bei. Ihre wichtige Stellung beruht auf dem thematisch,
disziplinär und methodisch stark diversifizierten Forschungsbetrieb sowie der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses vor allem an Universitäten. Dies
verdeutlichen auch der kontinuierliche Anstieg des im
Hochschulsektor eingesetzten FuE-Personals (gemessen in Vollzeitäquivalenten – VZÄ) sowie der steigende
Anteil des wissenschaftlichen Personals (Forscherinnen

Als Hochschulen werden in Deutschland alle staatlichen und staatlich anerkannten privaten und kirchlichen Universitäten und Fachhochschulen ausgewiesen.
Sie bilden die Schnittstelle zwischen Forschung, forschungsorientierter Qualifizierung der Studierenden

Abb. II-7:	Anzahl des FuE-Personals nach Personalgruppen im Hochschulsektor in Deutschland
(in Vollzeitäquivalenten)
140.000
120.981

120.000

100.000

94.522

99.123

97.199

93.811

90.398

130.079

127.900

124.308

80.000
65.363
60.000

40.000
19.258

20.000

19.188
11.395

9.902

19.807

19.111
11.386

10.895

19.919
11.036

0
2005

2010

2011

2012

2013

	insgesamt
	 davon Forscherinnen und Forscher
	 davon technisches Personal
	 davon sonstiges Personal

Datenbasis: EB I Tabelle 31, Datenportal des BMBF Tabelle 1.7.1

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

Abb. II-8: Anzahl der Hochschulen
auf Ebene der Bundesländer nach Art
der Einrichtung

65

Kiel
SchleswigHolstein
3

2

6

MecklenburgVorpommern

1

6

2

10

2

Schwerin

Hamburg

1

3

1

2

Bremen
2

1

4

1
Niedersachsen
11

2

14

Berlin

2

12
Potsdam

Hannover

Magdeburg

Brandenburg
4

SachsenAnhalt
NordrheinWestfalen
16

5

9

38

27

5

2

1

2

4

66

2

1

4
Sachsen
6

Düsseldorf
Erfurt

RheinlandPfalz

Wiesbaden

6

Mainz

2

8

3

6

3

11

2
Dresden

Thüringen

Hessen
7

6

14

3

4

1

5

1

Saarland
1

2

2

Bayern

1
12

Saarbrücken

2

8

25

1

Stuttgart
BadenWürttemberg
13

Hochschulen

6

8

	 Universitäten 
	 Pädagogische Hochschulen
	 Theologische Hochschulen

40

4

München

	Kunsthochschulen
	 Fachhochschulen (ohne Verwaltungsfachhochschulen)
	 Verwaltungsfachhochschulen

Hochschulen mit mehreren
Standorten werden nur einmal
im Land des Hauptsitzes gezählt.

Datenbasis: Statistisches Bundesamt, Fachserie 11 Reihe 4.1 Bildung und Kultur: Studierende an Hochschulen, Wintersemester 2014/2015, Stand: 09/2015. © EuroGeographics bezüglich der
Verwaltungsgrenzen. © BMBF, Kartographische Darstellung: RISO, DLR Projektträger 2016.

66 	

und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Sie tragen dadurch maßgeblich zum Erfolg des deutschen FuI-Systems bei. Es haben sich außerdem vielseitige Kooperationen entwickelt: innerhalb der Universitäten und Fachhochschulen, zwischen ihnen und
mit außerhochschulischen Forschungseinrichtungen.
Dies sind z. B. Verbundprojekte oder DFG-geförderte
Sonderforschungsbereiche. Darüber hinaus existieren
an Hochschulen sogenannte An-Institute. Dabei handelt es sich um rechtlich selbstständige Einrichtungen,
die zwar organisatorisch, personell und räumlich mit
Hochschulen verflochten, aber nicht deren integraler Bestandteil sind. Ihre Aufgabe ist die Erforschung
wirtschafts- und anwendungsnaher Bereiche im
Spannungsfeld zwischen angewandter Forschung und
marktrelevanter Produktentwicklung.
Die Fachhochschulen spielen inzwischen auch in der
anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung eine immer größere Rolle. Im Hinblick auf ihren
Praxisbezug und ihre regionale Einbindung sind sie
wichtige Bindeglieder zwischen Wissenschaft und
Wirtschaft sowie prädestinierte Partner vor allem der
kleinen und mittleren Unternehmen der Region, die
keine eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen aufweisen.
Deutschland verfügt laut Statistischem Bundesamt
derzeit über 427 Hochschulen, davon 107 Universitäten, 6 pädagogische Hochschulen, 16 theologische
Hochschulen, 52 Kunsthochschulen, 217 allgemeine
Fachhochschulen und 29 Verwaltungsfachhochschulen
(siehe auch Abb. II-8).

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

67

2.3	 Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen
In der außeruniversitären Forschungslandschaft haben die gemeinsam von Bund und Ländern geförderten Einrichtungen für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung eine herausragende Bedeutung bei der Durchführung von Forschung und Entwicklung. Hierzu zählen im Einzelnen die vier Forschungsorganisationen MPG, Fraunhofer, HGF und
Leibniz-Gemeinschaft sowie die Akademien der Wissenschaften, die größtenteils in der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften organisiert sind.

Bund und Länder haben in den vergangenen Jahren
einen erheblichen Beitrag zur Umsetzung des in der
Wachstumsstrategie Europa 2020 formulierten Ziels
der Steigerung der FuE-Ausgaben geleistet. So sind
beispielsweise die FuE-Ausgaben der gemeinsam von
Bund und Ländern geförderten Forschungseinrichtungen im Zeitraum von 2011 bis 2013 von 8,22 Mrd. auf
9,08 Mrd. Euro gestiegen, zurückzuführen u. a. auf den
Pakt für Forschung und Innovation. Dies entspricht
einem Anstieg von 10,4 %. Damit einher ging auch ein
kontinuierlicher Anstieg des FuE-Personals. Im Jahr
2013 waren insgesamt 71.206 Personen (VZÄ) in den

Aus öffentlichen Mitteln werden auch weitere Einrichtungen wie Stiftungen und Vereine finanziert. Genannt
sei hier die Max Weber Stiftung, die weltweit zehn
Forschungsinstitute unterhält (siehe auch Infobox Max
Weber Stiftung). Hinzu kommen das Wissenschaftskolleg zu Berlin, das Deutsche Zentrum für Hochschulund Wissenschaftsforschung ebenso wie die mit der
Max-Planck-Gesellschaft assoziierte Stiftung caesar, auf
die aber im Folgenden nicht näher eingegangen wird
(siehe auch II 2.4 Staatliche Forschungseinrichtungen
sowie EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).

Abb. II-9:	Anzahl des FuE-­Personals nach Personalgruppen an außeruniversitären Forschungseinrichtungen
in Deutschland (in Vollzeitäquivalenten)
80.000
70.000
63.789

71.206

68.602

66.004

60.000
52.010
50.000

30.000

27.152
19.564

20.000
10.000

42.296

40.827

39.364

37.809

40.000

9.335

9.353

18.614

18.127

17.288

16.645

9.647

10.296

5.293

0
2005

2010

2011

	insgesamt

	 davon technisches Personal

	 davon Forscherinnen und Forscher

	 davon sonstiges Personal

FuE-Personal an gemeinsam durch Bund und Länder geförderten Einrichtungen
für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung, ohne Akademien.

2012

2013

Datenbasis: Statistisches Bundesamt,
Fachserie 14 Reihe 3.6 Tabelle 6.1

68 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Abb. II-10: Standorte der zu den vier
Forschungsorganisationen (MPG, LeibnizGemeinschaft, Fraunhofer und HGF) zählenden
Einrichtungen (ohne Außenstellen) und der
Akademien nach Einrichtungszugehörigkeit

3 1
Schleswig- Kiel
1
Holstein
1

1 1

1

1 2

1
1

MecklenburgVorpommern

3 3 1 1 1

1

Schwerin

Hamburg

Bremerhaven

1

Rostock
1

1

Bremen

1 2 2
Bremen
Niedersachsen

5 12 5 2 1
SachsenAnhalt

3 1
2 2

Hannover

1

Magdeburg

1
1

2

1
3
1
Mülheim
1
2
1 2 1
Dortmund
Düsseldorf
4 1 1
Köln

1

1 3

Aachen
1

Bonn

3

5 1 1
Göttingen

2
1

Halle

St. Augustin

1

1
1

1

Brandenburg

3

3

2

1

1

3

Sachsen

3 3 1

Erfurt

Marburg

2

Berlin

Leipzig

Hessen

1 1

1

1

Thüringen

3

3 2 1

1

NordrheinWestfalen

1

4

Potsdam
1

1 1 1

Braunschweig

1

3

Jena

3
1

5

Dresden

2
Chemnitz

1

Wachtberg
1
Wiesbaden
RheinlandPfalz

2 2 1
Mainz

1
1
Saarland

1 1 2
Saarbrücken

6 3
Frankfurt
1

3 1

1

Darmstadt

1 2

3

1 2
Mannheim 4
Kaiserslautern
1
1
1
Heidelberg
1 3 1
Karlsruhe

Erlangen
1

Bayern

2 5
Stuttgart
3 1

1

2 1 5

1 1

Tübingen
BadenWürttemberg

Freiburg

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen
Anzahl der Standorte auf Ebene der Landkreise/kreisfreien Städte

Freising
11 3 3 1 2
München
1

	Max-Planck-Gesellschaft
	 Leibniz-Gemeinschaft
	 Fraunhofer-Gesellschaft
	 Helmholtz-Gemeinschaft
	 Wissenschaftliche Akademien

Dargestellt sind ausschließlich die Hauptstandorte der Einrichtungen, beschriftet sind Orte mit
mehr als einer Einrichtung.

Datenbasis: Bundesbericht Forschung und Innovation 2016, EB II, Eigenangaben der Einrichtungen. Geobasisdaten: © EuroGeographics bezüglich der Verwaltungsgrenzen. Standortkoordinaten: Geoinformationen © Vermessungsverwaltungen der Bundesländer und infas GEOdaten. © BMBF, Kartographische Darstellung: RISO, DLR Projektträger 2016.

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

hier näher betrachteten außeruniversitären Forschungseinrichtungen tätig – davon 59,4 % als Forscherinnen und Forscher (siehe auch Abb. II-9). Abbildung
II-10 zeigt die Verteilung der Standorte der zu den vier
Forschungsorganisationen (MPG, Leibniz-Gemeinschaft, Fraunhofer und HGF) zählenden Einrichtungen
und der Akademien nach Einrichtungszugehörigkeit.

Max-Planck-Gesellschaft
Die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. (MPG) ist Trägergesellschaft der 83 MaxPlanck-Institute, die vorwiegend natur-, sozial- und geisteswissenschaftliche Grundlagenforschung betreiben.
Im Mittelpunkt stehen vor allem Forschungsinhalte,
die durch eine hohe Interdisziplinarität gekennzeichnet
sind und einen speziellen finanziellen oder zeitlichen
Aufwand erfordern. Seit der Gründung der MPG 1948
hat es insgesamt 18 Nobelpreisträger in den Reihen ihrer
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gegeben. Die
MPG hat 17.284 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind 5.654 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie 3.378 betreute Promovierende. Der Anteil der
Frauen an den Gesamtbeschäftigten liegt bei 44,6 %, an
den Doktoranden bei 38,6 % und am wissenschaftlichen
Personal bei 29,4 % (Stichtag 1. Januar 2015).
Die Institute der MPG bieten sehr gute Forschungsbedingungen und sind dadurch einer der stärksten Anziehungspunkte in Deutschland für internationale Spitzenwissenschaftlerinnen und wissenschaftler. Insgesamt
kommen mittlerweile etwa ein Drittel der Institutsdirektorinnen und -direktoren (33 %), 39,6 % der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie mehr als die
Hälfte der Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen
und Gastwissenschaftler (55,5 %) aus dem Ausland. Der
Anteil der Postdoktorandinnen und -doktoranden mit
ausländischem Pass liegt sogar bei etwa 72,4 %.
Beispielhaft für die starke internationale Ausrichtung
der MPG sind der intensive Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, wissenschaftsgeleitete Kooperationen ihrer Institute sowie die International Max Planck Research Schools zur Förderung des
wissenschaftlichen Nachwuchses. In weltweit 118 Ländern finden sich mehr als 4.500 Kooperationsprojekte der Institute der MPG mit etwa 5.400 Partnern.

69

Max Weber Stiftung –
Deutsche Geisteswissenschaftliche
Institute im Ausland

Die bundesunmittelbare Max Weber Stiftung unterhält weltweit zehn Forschungsinstitute an den
Standorten Beirut, Istanbul, London, Moskau, Paris
(mit zwei Instituten), Rom, Tokio, Warschau und
Washington D. C. sowie weitere Forschungsgruppen in Hongkong, Kairo und Neu-Delhi. Als Foren
internationaler Wissenschaft nehmen die Institute
eine Brückenfunktion zwischen den Gastländern
und Deutschland ein, indem sie über Ländergrenzen, Kontinente und Disziplinen hinweg den Dialog
innerhalb der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften fördern. Sie steigern die Sichtbarkeit deutscher Spitzenforschung im Ausland und stärken den
Wissenschaftsstandort Deutschland. Die Max Weber Stiftung verfügt über ein Jahresbudget von rund
40 Mio. Euro und beschäftigt derzeit insgesamt
rund 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente), darunter 127 Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler. Über ihre Institute vergibt die
Stiftung darüber hinaus jährlich ca. 350 Stipendien
an Promovierende sowie Postdoktorandinnen und
Postdoktoranden. Als international auftretender Träger geistes- und sozialwissenschaftlicher
Forschung nimmt die Max Weber Stiftung in ihren
Gastländern aktiv an Initiativen zur Vernetzung der
Wissenschaftskulturen teil.

Besonders hervorzuheben sind die engen Kooperationsbeziehungen zu deutschen Universitäten. Etwa
80 % der für die MPG tätigen habilitierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind aktiv in der
universitären Lehre tätig. In nahezu einem Drittel der
Sonderforschungsbereiche der DFG sind Institute der
MPG vertreten.

Weitere Informationen im Internet:

Max-Planck-Gesellschaft: www.mpg.de

70 	

Fraunhofer-Gesellschaft
Die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. (Fraunhofer) ist die größte
Forschungsorganisation für anwendungsorientierte
Forschung in Europa. Ihre Forschungsfelder gliedern
sich in die Themenbereiche Gesundheit und Umwelt, Schutz und Sicherheit, Mobilität und Transport,
Energie und Rohstoffe, Produktion und Dienstleistung
sowie Kommunikation und Wissen.
Im gesamten Bundesgebiet betreibt Fraunhofer derzeit
insgesamt 67 Institute und Forschungseinrichtungen.
Hinzu kommen Tochtergesellschaften in Europa und
in Nord- und Südamerika sowie die Fraunhofer Representative Offices und Fraunhofer Senior Advisors. Sie
ermöglichen einen weltweiten Zugang zu den wichtigsten gegenwärtigen und künftigen Wissenschaftsund Wirtschaftsräumen.
Fraunhofer beschäftigt rund 24.000 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter, die 2015 ein Forschungsvolumen von
mehr als 2 Mrd. Euro erzielten. Rund 1,77 Mrd Euro
lassen sich der Vertragsforschung zuordnen, die zu
73 % mit Aufträgen aus der Industrie und öffentlich
finanzierten Forschungsprojekten erwirtschaftet
wurde. Die Wirkung der angewandten Forschung geht
über den direkten Nutzen für Kunden hinaus: Mit
ihrer FuE-Tätigkeit tragen die Fraunhofer-Institute
maßgeblich zur regionalen Wettbewerbsfähigkeit bei.
Sie fördern Innovationen, stärken die technologische
Leistungsfähigkeit, verbessern die Akzeptanz moderner
Technik und sorgen für eine praxisorientierte Ausund Weiterbildung des wissenschaftlich-technischen
Nachwuchses.
Eine weitere wichtige Aufgabe von Fraunhofer ist die
strategische Forschung. Im Rahmen der institutionellen Förderung des Bundes und der Länder werden
Forschungsprojekte durchgeführt, die zu Innovationen
in der Gesellschaft und in Schlüsseltechnologien beitragen. Dazu gehören die Forschungsgebiete Informations- und Kommunikationstechnik, Life Sciences,
Mikroelektronik, Light & Surfaces, Produktion, Werkstoffe und Bauteile sowie Verteidigungs- und Sicherheitsforschung.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Fraunhofer pflegt eine enge Zusammenarbeit mit den
Hochschulen. Sie ergänzt dadurch ihre Ressourcen in
der Grundlagenforschung und rekrutiert ihren wissenschaftlichen Nachwuchs. Die Hochschulen ziehen
durch eine praxisnahe Ausbildung und die gemeinsame Bearbeitung praxisrelevanter Forschungsthemen
ihrerseits Nutzen aus der Kooperation mit Fraunhofer. Kennzeichnend für diese Zusammenarbeit sind
gemeinsame Berufungen auf Lehrstühle und in die
Leitung von Fraunhofer-Instituten.

Weitere Informationen im Internet:

Fraunhofer-Gesellschaft: www.fraunhofer.de

Helmholtz-Gemeinschaft
Die Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren e. V. (HGF) hat die Aufgabe, langfristige Forschungsziele des Staates und der Gesellschaft
zu verfolgen und die Lebensgrundlagen des Menschen
zu erhalten und zu verbessern. Die strategisch-programmatisch ausgerichtete Spitzenforschung beschäftigt sich mit folgenden sechs Forschungsbereichen:
Energie; Erde und Umwelt; Luftfahrt, Raumfahrt und
Verkehr; Materie; Gesundheit sowie Schlüsseltechnologien. Die HGF erforscht Systeme hoher Komplexität
unter Einsatz von Großgeräten und Infrastrukturen gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern.
Sie verbindet Forschung und Technologieentwicklung
mit innovativen Anwendungs- und Vorsorgeperspektiven.
In der HGF haben sich 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren zusammengeschlossen. Mit einem Jahresbudget
seiner Forschungszentren von 4,24 Mrd. Euro (2015)
ist die HGF die größte deutsche Wissenschaftsorganisation. Davon werden gut zwei Drittel aus Mitteln
der öffentlichen Hand finanziert. Rund 30 % werben
die einzelnen Helmholtz-Zentren selbst als Drittmittel aus dem öffentlichen und privatwirtschaftlichen
Bereich ein. Die in der HGF zusammengeschlossenen

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

Forschungszentren beschäftigen 38.036 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (2014). Davon sind 14.734 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, 7.356 betreute
Promovierende und 1.657 Auszubildende. Für Spitzenforschung, die wettbewerbsfähig und deren Ergebnisse
von weltweiter Relevanz sind, ist die HGF auch international breit aufgestellt. Dazu zählen u. a. der strategische Aufbau internationaler Allianzen, Kooperationen
sowie die Vernetzung mit nationalen und internationalen Partnern aus der Wissenschaft, vor allem aus
den Hochschulen und der Wirtschaft. Ein spezieller
Programmpunkt der HGF ist die internationale Nachwuchsförderung. Jedes Jahr kommen mehrere Tausend
Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler
in die Helmholtz-Zentren, um an teilweise weltweit
einzigartigen Großgeräten zu arbeiten. Im Jahr 2014
nutzten 7.476 ausländische Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler die Infrastrukturen der Zentren der
HGF. Die HGF unterhält internationale Büros in Brüssel, Peking und Moskau. Hinzu kommen Auslandsbüros
der Forschungszentren. So verfügt z. B. das Deutsche
Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) über eigene
Büros in Brüssel, Paris, Tokio und Washington.

Weitere Informationen im Internet:

Helmholtz-Gemeinschaft: www.helmholtz.de

Leibniz-Gemeinschaft
Die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm
Leibniz e. V. (Leibniz-Gemeinschaft) bearbeitet gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante
Fragestellungen. Sie betreibt erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung, unterhält wissenschaftliche Infrastrukturen und Forschungsmuseen
und bietet forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die
Leibniz-Gemeinschaft setzt außerdem Schwerpunkte
im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft,
Wirtschaft und Öffentlichkeit.
Der Leibniz-Gemeinschaft gehören insgesamt 89 Forschungseinrichtungen an, die gemeinsam von Bund
und Ländern finanziert werden; eine weitere, nicht

71

gemeinsam finanzierte Einrichtung ist assoziiert. Das
Forschungsspektrum der Einrichtungen reicht von
den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften
über Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften
bis zu den Geisteswissenschaften. Die Einrichtungen
der Leibniz-Gemeinschaft verfügten 2014 über ein
Gesamtbudget von rund 1,64 Mrd. Euro. Mit nahezu
zwei Dritteln entfällt ein Großteil auf Mittel der institutionellen Förderung. Einen weiteren wesentlichen
Anteil nehmen die eingeworbenen Drittmittel aus dem
öffentlichen und privatwirtschaftlichen Bereich ein,
die sich 2014 auf insgesamt 363 Mio. Euro beliefen.
Die zur Leibniz-Gemeinschaft gehörenden Forschungseinrichtungen beschäftigten 2014 insgesamt
18.144 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon
9.217 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,
3.854 betreute Promovierende und 391 Auszubildende. Die Chancengleichheit von Männern und Frauen
ist ein zentrales Anliegen der Leibniz-Gemeinschaft.
Der Anteil der Frauen betrug bei den Promovierenden
46,3 %, beim wissenschaftlichen Personal 42,2 % und
bei den wissenschaftlichen Leitungspositionen 27,3 %.
Seit 2006 wurden insgesamt 29 Leibniz Graduate
Schools eingerichtet. Von strategischer Bedeutung sind
außerdem Hochschulkooperationen für die LeibnizGemeinschaft: Im Jahr 2014 gab es 331 gemeinsame
Berufungen von leitenden Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern aus Leibniz-Instituten an Hochschulen. Mit den im Jahr 2015 existierenden zwölf WissenschaftsCampi bietet die Leibniz-Gemeinschaft ein gut
funktionierendes Modell zur Kooperation von universitären und außeruniversitären Forschung. Voraussichtlich sieben weitere WissenschaftsCampi werden
im Jahr 2016 ihre Arbeit aufnehmen. Ein WissenschaftsCampus ermöglicht die thematisch fokussierte
Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und LeibnizEinrichtungen im Sinne einer gleichberechtigten,
komplementären, regionalen Partnerschaft.
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehört auch die überwiegende Anzahl der überregionalen Fachinformationseinrichtungen und der zentralen Fachbibliotheken
in Deutschland. Ihre Hauptaufgabe besteht u. a. im
Aufbau und der Bereitstellung von Literatur- und
Fachinformationsdatenbanken einschließlich der
dazugehörigen Fachinformationsrechenzentren zur
Onlinenutzung sowie Angebot und Vertrieb von

72 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Fachinformationsdiensten sowie die Bereitstellung von
Informationsdatenbanken für die Onlinenutzung über
Fachinformationsrechenzentren.

Weitere Informationen im Internet:

Leibniz-Gemeinschaft:
www.leibniz-gemeinschaft.de

Akademien der Wissenschaften
Wesentliche Aufgabe der Akademien ist es, langfristige
Vorhaben der Grundlagenforschung zu koordinieren
sowie einen interdisziplinären Dialog zu fördern. Zu
ihren weiteren Aufgaben gehört die Beratung der Gesellschaft. Mit Symposien und öffentlichen Veranstaltungen tragen sie zu einem intensiven Dialog zwischen
Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft bei. Der
Grundhaushalt der Landesakademien der Wissenschaften wird vom jeweiligen Sitzland finanziert.
Die Akademien der Wissenschaften in Berlin, Düsseldorf, Göttingen, Hamburg, Heidelberg, Leipzig, Mainz
und München haben sich in der Union der deutschen
Akademien der Wissenschaften zusammengeschlossen,
um ihre Grundlagenforschungen zu koordinieren und
sich gegenüber den Wissenschaftsorganisationen im
Inland wie im Ausland wirkungsvoller darzustellen.
Insgesamt sind in den Mitgliedsakademien mehr als
1.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen vereint, die zu den national
und international herausragenden Vertreterinnen
und Vertretern ihrer Disziplinen gehören. Die Union
koordiniert das Akademienprogramm, das derzeit
größte geisteswissenschaftliche Forschungsprogramm
der Bundesrepublik Deutschland. Es wird von Bund
und Ländern je zur Hälfte finanziert und umfasst ein
Gesamtvolumen von derzeit rund 63 Mio. Euro.
Zum Kreis der Akademien zählen darüber hinaus die
Deutsche Akademie für Technikwissenschaften (acatech) in München und die Akademie der Naturforscher
Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften

in Halle (Saale). acatech ist eine Arbeitsakademie mit
derzeit 443 ad personam berufenen Mitgliedern aus
Wissenschaft und Wirtschaft (Stand 2015). Sie fördert
zum einen den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft; zum anderen berät
und informiert die Akademie selbstbestimmt und
unabhängig zu Technikthemen, die für die Zukunft des
Standorts Deutschland von Bedeutung sind. Bund und
Länder beteiligen sich jeweils zur Hälfte an der staatlichen Grundfinanzierung. Darüber hinaus wird acatech
mit Mitteln der Wirtschaft gefördert.
Die zusätzlich mit der Aufgabe als Nationale Akademie
der Wissenschaften betraute Leopoldina wird vom
Bund (BMBF) und dem Land Sachsen-Anhalt im Verhältnis 80 zu 20 finanziert. Die derzeit rund 1.500 Mitglieder kommen überwiegend aus Deutschland, aber
auch aus Österreich, der Schweiz und weiteren Ländern. Als Nationalakademie hat sie die Aufgabe, die
deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
in internationalen Akademiegremien zu repräsentieren. Zudem übernimmt sie spezielle Aufgaben der
wissenschaftsbasierten Beratung von Politik und
Öffentlichkeit.
Hinzu kommt die 2001 gegründete Junge Akademie,
welche 2011 auf eine dauerhafte Grundlage gestellt
wurde. Sie verleiht speziell dem wissenschaftlichen
Nachwuchs Gehör und schafft Möglichkeiten zur
Mitgestaltung. Um darüber hinaus auch zur Stärkung
des internationalen wissenschaftlichen Nachwuchses
beizutragen, unterstützt der Bund die Global Young
Academy.

Weitere Informationen im Internet:

Union der deutschen Akademien der Wissenschaften: www.akademienunion.de
acatech: www.acatech.de
Leopoldina: www.leopoldina.org
Global Young Academy: globalyoungacademy.net

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

73

2.4	 Staatliche Forschungseinrichtungen
Neben den Hochschulen und den gemeinsam von Bund und Ländern geförderten Einrichtungen für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung führen auch staatliche Einrichtungen direkt Forschungs- und Entwicklungsaufgaben durch.
Sie erfüllen gesetzlich festgelegte Aufgaben wie z. B. Zulassung, Prüfung und Regelsetzung und unterstützen politische Entscheidungsprozesse durch wissenschaftlich fundierte Beratung. Hierzu zählen Bundeseinrichtungen sowie
Landeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben (Ressortforschungseinrichtungen des Bundes und der Länder).

Die staatlichen Forschungseinrichtungen sind ein unverzichtbarer Bestandteil des deutschen FuI-Systems.
Ihre Aufgabe ist es, die Politik wissenschaftlich zu beraten und kurzfristig Forschungsfragen aufzugreifen. Das
geschieht u. a. mit Erkenntnissen über Anwendung und
Wirkung moderner Technologien, über Gesundheit
und Ernährung, über Mobilität und Stadtentwicklung,
über Umwelt, Energie und Klimaschutz, über veränderte Arbeits- und Lebensbedingungen wie auch über die
Herausforderungen der globalisierten Ökonomie. Nur
so kann der Staat vorsorgen und Sicherheit gewährleis-

ten. Die Bundeseinrichtungen nehmen ihre Tätigkeit
im Kontext der Aufgaben des zuständigen Ressorts
wahr. Darüber hinaus fördern Bundeseinrichtungen
mit FuE-Aufgaben den wissenschaftlichen Nachwuchs.
In den vergangenen Jahren sind die bereitgestellten
Mittel für die Durchführung von FuE und das in den
Bundeseinrichtungen beschäftigte FuE-Personal gestiegen. So wuchsen die FuE-Ausgaben von 995 Mio. Euro
(2012) auf 1,06 Mrd. Euro (2014). Damit wurden 88,1 %
der FuE-Ausgaben des Bundes im Rahmen der institu-

Abb. II-11:	 Anzahl des FuE-­Personals nach Personalgruppen an Bundeseinrichtungen mit FuE-­Aufgaben
	
(in Vollzeitäquivalenten)
10.000

8.000

9.450

9.315

9.288

9.225

7.597

6.000

4.000

3.882
3.388

3.747

3.920

3.723

3.948

3.670

3.938

3.642

3.151

2.000

1.596

1.645

1.696

1.870

1.058

0
2005

2010

2011

2012

2013

	insgesamt
	 davon Forscherinnen und Forscher
	 davon technisches Personal
	 davon sonstiges Personal
Datenbasis: Statistisches Bundesamt, Fachserie 14 Reihe 3.6 Tabelle 6.1

74 	

tionellen Ressortforschung erbracht. Darüber hinaus
werben die Einrichtungen zum Teil Drittmittel ein.
Im gleichen Zeitraum erhöhte sich das FuE-Personal
von 9.288 auf 9.450 VZÄ. Der Anteil der Forscherinnen
und Forscher am gesamten FuE-Personal betrug 2013
41,7 % (siehe auch Abb. II-11).
Jedes Bundesministerium ist für die Ressortforschung
in seinem Geschäftsbereich selbst verantwortlich (Ressortprinzip). Ressortforschung wird entweder unmittelbar von den Bundesministerien selbst oder durch
die derzeit 38 Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben
betrieben bzw. beauftragt. Darüber hinaus arbeiten die
Ressorts im Rahmen der Ressortforschung kontinuierlich mit weiteren FuE-Einrichtungen zusammen. Die
Bandbreite dieser kontinuierlichen Zusammenarbeit
reicht von regelmäßigem Informationsaustausch bis zu
Kooperation und institutioneller Förderung nach den
Bestimmungen des Zuwendungsrechts.
Die Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben (siehe
auch EB II 2.1 Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben)
verfügen teilweise über herausragende Forschungsinfrastrukturen. Diese Infrastrukturen stehen in der
Regel auch externen Forschungsgruppen zur Verfügung. Dadurch tragen sie zur Vernetzung der Akteure
im deutschen FuI-System bei. Um die externe Nutzung
und die damit verbundenen wissenschaftspolitischen
Ziele zu erleichtern und zudem die Transparenz der
Möglichkeiten zu erhöhen, wurde u. a. damit begonnen, Informationen über die nutzbaren Infrastrukturen
der Ressortforschung in die bestehende EU-Plattform
MERIL (Mapping of the European Research Infrastructure Landscape) einzustellen.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

(2013) zurückgegangen. Das in den Einrichtungen
tätige FuE-Personal betrug 2.401 Personen (VZÄ) im
Jahr 2013.
In der nachfolgenden Abbildung sind die Forschungseinrichtungen der Länder berücksichtigt, die zu
mindestens 50 % vom jeweiligen Bundesland grundfinanziert sind (ohne Leibniz-Gemeinschaft) (siehe
auch Abb. II-12).3

Weitere Informationen im Internet:

Ressortforschungseinrichtungen des Bundes:
www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Forschung/ressort/_node.html
Ressortforschung:
www.bmbf.de/de/ressortforschung-540.html
MERIL: http://portal.meril.eu

Eine Reihe von Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben unterhält eigene Fachinformationseinrichtungen
und zentrale Fachbibliotheken, deren Dienstleistungen
für die Wahrnehmung der Ressortaufgaben erforderlich sind oder der interessierten Fachöffentlichkeit zur
Verfügung stehen (siehe auch EB II 3.5 Fachinformationseinrichtungen und -bibliotheken).
Die Landes- und kommunalen Einrichtungen mit FuEAufgaben werden institutionell aus Landesmitteln und
zum Teil aus Drittmitteln finanziert. Die FuE-Ausgaben
der Länder für kommunale und Landeseinrichtungen
mit FuE-Aufgaben (ohne Leibniz-Gemeinschaft) sind
von etwa 237 Mio. Euro (2011) auf etwa 203 Mio. Euro

3	 Grundsätzlich gehören zu diesen Einrichtungen auch die Akademien
der Wissenschaften. Aufgrund ihrer besonderen Ausrichtung und
der teilweisen Finanzierung aus dem sogenannten Akademienprogramm werden sie im Bericht und im Ergänzungsband II gesondert
unter den außeruniversitären Forschungseinrichtungen dargestellt.
Im Bericht und im Ergänzungsband II bleiben Archive, Bibliotheken,
Museen und vergleichbare Einrichtungen unberücksichtigt, soweit
sie nicht zur Leibniz-Gemeinschaft zählen.

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

1
3
Schleswig

Abb. II-12: Standorte der staatlichen
Forschungseinrichtungen sowie
FuE-Einrichtungen mit kontinuierlicher
Zusammenarbeit

1

Kiel

Bremen
1 3
Oldenburg
8
1 Bremen

1 5
Hannover

SachsenAnhalt
2 1
Braunschweig

1

1

1

3
Trier
Saarland
2
Saarbrücken

1

2
Wittenberg

1 2
Leipzig

1
Thüringen
Erfurt

2
Marburg

1
1

1

1

4
Dresden

Sachsen

1

Hessen

1

RheinlandPfalz

1

2
Göttingen
3
Kassel

1
1
2
Koblenz

Brandenburg
1

1

Köln
1 1
Bonn

1 2
Potsdam

4 2 7
Berlin

1
Magdeburg

1

NordrheinWestfalen

1 2
2
3 Essen Dortmund
Duisburg 1
1
Düsseldorf
2 1
5

Schwerin

1

1

3
Aachen

MecklenburgVorpommern

Niedersachsen

1

1

1

1 6
Hamburg

1

1

1

SchleswigHolstein
2

75

1 2
1
Wiesbaden 8
Frankfurt
3
1 1
Mainz
1

4
Kaiserslautern

1
1

1

1

1

Bayern
2
Regensburg

1

2 2
Karlsruhe

1
4
Stuttgart

1

1

1
1

2
Tübingen
6
Freiburg

2
Bayreuth

1
1

1

BadenWürttemberg

1

1
3 1 12
München

1

Bundes- und Landeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben
Anzahl der Standorte auf Ebene der Landkreise/kreisfreien Städte,

	 Bundeseinrichtungen
	 Einrichtungen mit kontinuierlicher Zusammenarbeit
	 Landeseinrichtungen

Dargestellt sind ausschließlich die
Hauptstandorte der Einrichtungen.
Beschriftet sind Orte mit mehr als
einer Einrichtung.

Datenbasis: Bundesbericht Forschung und Innovation 2016, EB II, Eigenangaben der Einrichtungen. Geobasisdaten: © EuroGeographics bezüglich der Verwaltungsgrenzen. Standortkoordinaten: Geoinformationen © Vermessungsverwaltungen der Bundesländer und infas GEOdaten. © BMBF, Kartographische Darstellung: RISO, DLR Projektträger 2016.

76 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

2.5	 Weitere FuE-fördernde Akteure
Neben den bereits vorgestellten Förder- und Finanzierungsmechanismen gibt es weitere FuE-fördernde Akteure. Die
Deutsche Forschungsgemeinschaft trägt als zentrale Förderorganisation für aus der Wissenschaft heraus entwickelte, erkenntnisgeleitete Forschungsvorhaben an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen entscheidend
dazu bei, die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Sichtbarkeit des Forschungsstandorts Deutschland zu stärken.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Stiftungen
bzw. weitere als Verein organisierte Förderwerke, die
einen wertvollen Beitrag zur Sicherung der Qualität
von Wissenschaft und Forschung leisten (siehe auch EB
II 3 FuE-unterstützende Organisationen und Einrichtungen).

Deutsche Forschungsgemeinschaft
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft e. V. (DFG) ist
die Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft
in Deutschland. Ihre Kernaufgabe besteht in der
wettbewerblichen Auswahl und Förderung der besten
Forschungsvorhaben von Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern an Hochschulen und Forschungsinstituten, wobei die Fördermittel zum überwiegenden
Teil Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an
Hochschulen zugutekommen. Zu den satzungsgemäßen Aufgaben der DFG gehören zudem die Förderung
der nationalen und internationalen Zusammenarbeit
zwischen Forscherinnen und Forschern, die Förderung

des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie die Beratung von Parlamenten und Behörden in wissenschaftlichen Fragen.
Die DFG ist ein eingetragener Verein. Das Mitgliedergremium setzt sich zusammen aus 69 Hochschulen, 16
außerhochschulischen Forschungseinrichtungen, acht
Akademien und drei Wissenschaftsverbänden. Bund
und Länder fördern seit dem Jahr 2002 die DFG mit einem einheitlichen Bund-Länder-Finanzierungsschlüssel
von 58 % zu 42 % (Rahmenvereinbarung Forschungsförderung in der Fassung vom 11. April 2001 und Ausführungsvereinbarung über die gemeinsame Förderung der
DFG). Der DFG standen im Jahr 2014 ca. 2,86 Mrd. Euro
und im Jahr 2015 knapp 3 Mrd. Euro zur Verfügung. Für
das Jahr 2016 sind rund 3,1 Mrd. Euro in Planung.

Weitere Informationen im Internet:

DFG-Forschungsförderung:
www.dfg.de/forschungsfoerderung
DFG-Jahresbericht: www.dfg.de/jahresbericht

DFG-Förderatlas 2015 –
Kennzahlen zur öffentlich finanzierten
Forschung in Deutschland

Der DFG-Förderatlas 2015 liefert Kennzahlen zur
öffentlich finanzierten Forschung in Deutschland.
Der Bericht informiert u. a. über die Beteiligungen
deutscher Wissenschaftseinrichtungen an den
Förderprogrammen der DFG wie auch weiterer
nationaler und internationaler Forschungsförderinstitutionen.

DFG-Förderatlas 2015:
www.dfg.de/sites/foerderatlas2015

Stiftungen und Förderwerke
In Deutschland leistet eine Vielzahl von gemeinnützigen Stiftungen einen wertvollen Beitrag zur Sicherung
der Qualität von Wissenschaft und Forschung. Die forschungsfördernden Stiftungen wirken ergänzend zur

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

staatlichen Forschungsförderung und sind Ausdruck
privaten finanziellen Engagements. Die Stifterinnen
und Stifter geben damit ein Beispiel für verantwortliches Handeln im demokratischen Staat. Bedeutende
forschungsfördernde Stiftungen in Deutschland sind
beispielsweise die VolkswagenStiftung, die Robert
Bosch Stiftung, die Klaus Tschira Stiftung und die Stiftung Mercator. Sie fördern Projekte bzw. Einrichtungen
aus den verschiedensten Bereichen der Wissenschaft.
Eine Gemeinschaftsinitiative der Wirtschaft zur Förderung der deutschen Wissenschaft und Forschung ist
der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft e. V.
Unter seinem Dach wurden 2014 mehr als 615 Stiftungen betreut und ein Gesamtvermögen von mehr als
2,6 Mrd. Euro verwaltet.
Davon zu unterscheiden sind die Stiftungen und
Vereine, bei denen der jährliche Förderetat zum überwiegenden Teil bzw. ausschließlich aus öffentlichen
Mitteln stammt bzw. an deren Gründungsfinanzierung
sich die Bundesregierung beteiligt hat. Hierzu zählen
neben der DFG die Alexander von Humboldt-Stiftung
(AvH), die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und
die Deutsche Stiftung Friedensforschung (DSF), die
mehrheitlich als Vereine organisierten Begabtenförderungswerke im Hochschulbereich und der Deutsche
Akademische Austauschdienst (DAAD).

Weitere Informationen im Internet:

Stifterverband für die deutsche Wissenschaft:
www.stifterverband.info
Alexander von Humboldt-Stiftung:
www.humboldt-foundation.de
Deutschen Bundesstiftung Umwelt: www.dbu.de
Deutsche Stiftung Friedensforschung:
www.bundesstiftung-friedensforschung.de
Stipendium Plus: www.stipendiumplus.de

77

Europäische Union
Auch die Europäische Union ist ein wichtiger finanzierender und fördernder Akteur im deutschen FuISystem (siehe auch V 2 Deutschlands Rolle in Europa).
Hauptinstrument ist das EU-Rahmenprogramm für
Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014–2020).
Das bewilligte Fördervolumen beläuft sich auf insgesamt rund 77 Mrd. Euro. Horizont 2020 ist damit das
weltweit größte in sich geschlossene Forschungs- und
Innovationsförderprogramm. Die Europäische Union
verfolgt damit das Ziel, nachhaltiges Wachstum und
zukunftsfähige Arbeitsplätze in Europa zu schaffen
und so die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken.
Zur Zielgruppe von Horizont 2020 zählen Hochschulen,
Forschungseinrichtungen, Unternehmen (vor allem
auch KMU) sowie weitere Akteure, die in die Entwicklung von Innovationen eingebunden sind. Durch die
Finanzierung von Projekten der Grundlagenforschung
bis hin zur Vorbereitung marktfähiger Produkte und
Dienstleistungen werden sämtliche Phasen des Forschungs- und Innovationsprozesses gefördert.
Mit COST (Europäische Zusammenarbeit auf dem
Gebiet der wissenschaftlichen und technischen
Forschung) und EUREKA (Initiative für verstärkte
technologische Zusammenarbeit in Europa) existieren
zwei weitere Initiativen, mit denen die EU bzw. die
europäischen Staaten Kooperationen von Forschungseinrichtungen und Unternehmen in Europa unterstützen. Diese Kooperationssysteme werden größtenteils
von den Interessen von Wissenschaft und Wirtschaft
angetrieben und stellen eine hervorragende Ergänzung
der europäischen Rahmenprogramme dar (siehe auch
V 2.4 Europäische Initiativen und Programme).
Die europäischen Förderprogramme spielen für
die Auslandsfinanzierung von FuE des deutschen
Wirtschaftssektors eine wichtige Rolle. Im Jahr 2013
stammten rund 518 Mio. Euro aus Förderprogrammen
der EU. Dies entspricht rund 16 % der aus dem Ausland
finanzierten FuE der Wirtschaft. Davon entfielen gut
4
86 % auf Branchen des verarbeitenden Gewerbes.

Deutscher Akademischer Austauschdienst:
www.daad.de
4	 SV Gesellschaft für Wissenschaftsstatistik mbH im Stifterverband
für die Deutsche Wissenschaft (2015): a:r n‘di: Zahlenwerk 2015 –
Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft 2013.

78 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

2.6	 Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft
Forschung und Entwicklung (FuE) in Unternehmen sind Treiber von Wohlstand und Beschäftigung. Der größte Teil
der Wertschöpfung in Deutschland beruht auf forschungsintensiven Produkten und Dienstleistungen. Mit ihren
Investitionen in Forschung und Entwicklung schaffen Unternehmen hohe Werte nicht nur für sich selbst, sondern für
die Volkswirtschaft und Gesellschaft. Neu gewonnene Erkenntnisse helfen anderen Forscherinnen und Forschern in
Unternehmen, Universitäten und staatlichen Forschungseinrichtungen dabei, ihrerseits neue Ergebnisse zu erzielen.
FuE werden in Deutschland zu gut zwei Dritteln in Unternehmen durchgeführt.

Die internen FuE-Ausgaben in der deutschen Wirtschaft summierten sich 2013 auf insgesamt 53,57 Mrd.
Euro. Diese entsprechen etwa zwei Dritteln aller
Bruttoinlandsausgaben für FuE bzw. einem Anteil von
etwa 1,91 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2014
wurden rund 57 Mrd. Euro für interne FuE aufgewendet. Für das Jahr 2015 waren Ausgaben in Höhe von
59 Mrd. Euro geplant.
Der weitaus überwiegende Teil (48,96 Mrd. Euro im Jahr
2013) wird vom Wirtschaftssektor selbst getragen, der
damit einen hohen Eigenfinanzierungsanteil von gut
91 % erzielt. Die deutsche Wirtschaft ist darüber hinaus
durch eine vergleichsweise hohe Finanzierungsbeteiligung an FuE-Aktivitäten des öffentlichen Sektors
gekennzeichnet. Im Jahr 2013 erreichte der Finanzierungsanteil der Wirtschaft an den FuE-Aktivitäten der
Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen
14 % bzw. 10 %. Der Durchschnitt der OECD-Länder
liegt bei 5,9 % bzw. 3,4 %.
Die intensive Kooperation mit Universitäten und Forschungseinrichtungen ist neben dem starken Engagement der Wirtschaft für FuE entscheidend für den Innovationserfolg der deutschen Unternehmen. Durch diese
Kooperationen erfolgt der Transfer der Forschungsergebnisse in innovative Produkte und Dienstleistungen.
Ein Indikator, an dem sich diese Einbindung in Forschungskooperationen gut ablesen lässt, ist das Verhältnis von interner zu externer FuE: Die internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft betrugen 53,57 Mrd. Euro im Jahr
2013. Etwa 14,96 Mrd. Euro wurden 2013 in externe FuE
investiert. Im Jahr 2014 steigerten die Unternehmen ihre
Ausgaben deutlich auf 57 Mrd. Euro bzw. 16 Mrd. Euro.
Unter den Ausgaben für externe FuE werden Ausgaben
für FuE-Aufträge verstanden, die Unternehmen nicht im
eigenen Haus durchführen.

Während die Ausgaben für interne FuE 2013 gegenüber
2012 leicht – um 0,4 % – zurückgingen, verzeichneten die
Ausgaben für externe FuE einen Anstieg um 16,7 %. Von
den externen FuE-Ausgaben ging mit rund 62,5 % ein
Großteil an andere inländische Unternehmen, hiervon
rund 39,7 % an verbundene Unternehmen der eigenen
Unternehmensgruppe. Im Umkehrschluss bedeutet
dies, dass der größte Teil der externen FuE-Ausgaben
auf Empfänger im inländischen Wirtschaftssektor an
fremde Unternehmen entfiel. Weitere 26,3 % entfielen
auf FuE-Aufträge im Ausland und 8 % auf Hochschulen
und Einrichtungen der außeruniversitären Forschung
sowie 3,3 % auf sonstige Inländer. Besonders der Anteil
der aus dem Ausland finanzierten FuE-Aufträge hat
sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt.
Der weitaus überwiegende Teil der externen FuE (rund
87,9 %) ging an Unternehmen der forschungsintensiven
Industrie. Der Automobilbau hat hier eine herausragende Stellung. Gut die Hälfte (rund 55,4 %) aller externen
FuE-Ausgaben der Wirtschaft flossen in den Automobilbau. Forschungsintensive Dienstleistungen stellen rund
7 % der externen FuE-Ausgaben.
FuE in der deutschen Wirtschaft wird im Wesentlichen
von großen Unternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten durchgeführt. Im Jahr 2013 hatten sie einen
Anteil von rund 85,4 % der internen FuE-Ausgaben und
beschäftigten nahezu drei Viertel (76,4 %) des FuE-Personals. Kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten können lediglich 9,7 % der
internen FuE-Ausgaben, allerdings nahezu ein Fünftel
des FuE-Personals (rund 17 %) auf sich vereinen. Die
internen Ausgaben der kleinen und mittleren Unternehmen (bis zu 250 Beschäftigte) für FuE beliefen sich
im Jahr 2013 auf 5.191 Mio. Euro. Gleichzeitig haben sie
849 Mio. Euro für externe FuE-Aufträge ausgegeben.
Der größte Teil der externen FuE-Ausgaben der KMU

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

79

verblieb im Wirtschaftssektor (rund 43 %). Im Vergleich
zu großen Unternehmen vergeben in Deutschland
KMU häufiger externe FuE-Aufträge an Hochschulen
und Einrichtungen der außeruniversitären Forschung
(27,3 %). Für die großen Unternehmen lag der entsprechende Anteil bei lediglich 6,7 %.

führt haben, im europäischen Vergleich auf einem sehr
hohen Niveau.
Kennzeichnend für die FuE-Struktur der deutschen
Wirtschaft ist die hohe Konzentration auf Branchen
der forschungsintensiven Industrie, die 2013 für drei
Viertel (rund 76 %) der betrieblichen FuE-Ausgaben
verantwortlich waren. Zur forschungsintensiven
Industrie zählen der Maschinen- und Fahrzeugbau,
die Chemie- und Pharmaindustrie sowie die Elektroindustrie. Innerhalb der forschungsintensiven Industrie
haben die Wirtschaftszweige einen besondere Bedeutung, die der hochwertigen Technik zugerechnet
werden. Sie stellen mehr als die Hälfte (rund 51 %) der
internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft. Der Automobilbau hat hier eine herausragende Stellung. Nahezu
ein Drittel (rund 32 %) aller internen FuE-Ausgaben
der Wirtschaft kommen dem Automobilbau zugute.
Die Branchen der Spitzentechnologie haben mit einem
Viertel (rund 25 %) der internen FuE-Ausgaben der
Wirtschaft im internationalen Vergleich eine geringere
Bedeutung in Deutschland. Davon entfallen rund 14 %

Das hohe Engagement der deutschen Wirtschaft in
FuE spiegelt sich u. a. in ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit wider: Das deutsche Exportvolumen
an forschungsintensiven Gütern lag im Jahr 2014 bei
rund 570 Mrd. Euro und macht damit über die Hälfte
(rund 54 %) aller deutschen Industriewarenausfuhren aus. Gut 12 % des globalen Handelsvolumens an
forschungsintensiven Erzeugnissen stammte 2014
aus Deutschland.5 Von den zehn forschungsstärksten
Unternehmen Europas kommen fünf aus Deutschland.
Mit 36,8 % liegt der Anteil der Unternehmen, die im
Jahr 2014 neue Produkte oder Dienstleistungen einge5	 Gehrke, B.; Schiersch, A. (2016): FuE-intensive Industrien und
wissensintensive Dienstleistungen im internationalen Vergleich,
Studien zum deutschen Innovationssystem, Nr.6-2016.

Abb. II-13:	Anzahl des FuE-­Personals nach Personalgruppen im Wirtschaftssektor in Deutschland
	
(in Vollzeitäquivalenten)
400.000
367.478

357.129

360.375

337.211

350.000
304.502
300.000
250.000
200.000
166.874
150.000

115.495
100.000

198.585

199.623

190.696

185.815

117.499

89.251

76.256
61.372

62.145

50.941

50.000

113.935
47.855

50.356

0
2005

2010

2011

2012

2013

	insgesamt
	 davon Forscherinnen und Forscher
	 davon technisches Personal
	 davon sonstiges Personal
Datenbasis: EB I Tabelle 31, Datenportal des BMBF Tabelle 1.7.1

80 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

auf Hersteller von DV-Geräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen, rund 8 % auf die Pharmaindustrie und rund 3 % auf die Luft- und Raumfahrt. Gleiches
gilt für die forschungsintensiven Dienstleistungen, die
zusammengenommen rund 10 % der internen FuEAusgaben der deutschen Wirtschaft ausmachen.
Der Wirtschaftssektor beschäftigt mit 360.000 VZÄ
(2013) den überwiegenden Teil (rund 61,2 %) des in
Deutschland tätigen FuE-Personals. Wie auch in den
Hochschulen und in der außeruniversitären Forschung
ist hier schon seit vielen Jahren ein signifikanter Zuwachs des FuE-Personals zu beobachten. Gleiches gilt
für die Zunahme des Anteils der Forscherinnen und
Forscher am gesamten FuE-Personal, der im Jahr 2013
55,1 % erreichte (siehe auch Abb. II-13). Die meisten
dieser Personen waren im Fahrzeugbau (104.422 VZÄ),

Weitere Informationen im Internet:

Wissenschaftsstatistik GmbH im Stifterverband
für die Deutsche Wissenschaft:
www.stifterverband.org/wissenschaftsstatistik

in der Elektroindustrie (76.205 VZÄ) und im Maschinenbau (41.941 VZÄ) beschäftigt.
Die FuE-Kapazitäten im Wirtschaftssektor sind in
Deutschland regional sehr unterschiedlich. Dies
hat folgende Gründe: eine ausgeprägte sektorale
Spezialisierung einzelner Regionen, entsprechende
Forschungsschwerpunkte sowie historisch bedingte
Entwicklungspfade. Eine regionale Analyse zentraler
bundeslandbezogener Innovationsindikatoren wie z. B.
die FuE-Intensität (gemessen am Anteil der FuE-Ausgaben am jeweiligen BIP) verdeutlicht die Unterschiede.
Die FuE-Intensität reicht (2013) von 3,87 % in BadenWürttemberg, 1,11 % in Sachsen, 0,75 % in SchleswigHolstein bis zu 0,42 % in Sachsen-Anhalt. Ein vergleichbares Bild ergibt die regionale Verteilung der
FuE-Personal-Intensität (als Anteil der Personalstellen
in Forschung und Entwicklung, gemessen in Vollzeitäquivalenten je 10 Tsd. Erwerbstätige). Im baden-württembergischen Wirtschaftssektor kommen auf
10 Tsd. Erwerbstätige 171 in der Wirtschaft tätige
FuE-Vollzeitstellen, in Sachsen 53 VZÄ, in SchleswigHolstein 39 VZÄ und in Sachsen-Anhalt 26 VZÄ. Die
Beispiele belegen, dass die regionalen Niveauunterschiede der FuE-Kapazitäten im Wirtschaftssektor
nicht allein auf West- und Ostdeutschland beschränkt
sind. Es besteht darüber hinaus ein signifikantes Gefälle
zwischen dem Süden und dem Norden Deutschlands.

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

3	

81

Die Leistungsfähigkeit des deutschen
Forschungs- und Innovationssystems

Die Leistungsfähigkeit von nationalen Forschungs- und Innovationssystemen (FuI-Systemen) gilt als zentraler Einflussfaktor für die langfristige Sicherung unternehmerischer Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung in wissensbasierten Volkwirtschaften. Für wesentliche Kenngrößen, die den Output aus Forschung und Innovation beschreiben,
konnte Deutschland seine Position im internationalen Vergleich behaupten bzw. sogar verbessern. Hierzu zählen u. a.
wissenschaftliche Veröffentlichungen, weltmarktrelevante Patente sowie der Weltmarktanteil forschungsintensiver
Waren. Dies zeigen auch die Ergebnisse einschlägiger Kompositindikatoren.

In den vergangenen Jahren hat sich die Publikationsleistung (gemessen an der Anzahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen je eine Million Einwohnerinnen und Einwohner) signifikant erhöht. Sie erreicht
mittlerweile ein Niveau, welches sich 2014 auf 104 %
des US-amerikanischen Werts belief. Die gute Positionierung Deutschlands gilt auch für die technologische
Leistungsfähigkeit (gemessen an der Anzahl der weltmarktrelevanten Patente). Hinsichtlich der Patentintensität bewegt sich Deutschland seit vielen Jahren
auf hohem Niveau. Im Vergleich zu den USA weist
Deutschland deutlich mehr transnationale Patente je
eine Million Einwohnerinnen und Einwohner auf.
Trotz des wachsenden Anteils der aufstrebenden
Schwellenländer hat Deutschland in den vergangenen Jahren seinen Anteil am weltweiten Handel mit
forschungsintensiven Waren mit rund 12 % behaupten
können. Im Gegensatz dazu war der entsprechende

Weltmarktanteil vieler anderer hochentwickelter Mitgliedsländer der Europäischen Union sowie der USA
und Japans größtenteils rückläufig.
Die Leistungsfähigkeit des deutschen FuI-Systems
im europäischen und internationalen Vergleich ist
als sehr hoch einzuschätzen. Eine selektive Betrachtung einzelner Indikatoren wird der Komplexität und
Vielschichtigkeit nicht gerecht, da sie lediglich Teilaspekte von FuI-Systemen messen. Dargestellt sind daher
auch ausgewählte Ergebnisse einschlägiger Indizes wie
z. B. der Leistungsanzeiger der Innovationsunion der
Europäischen Kommission und der innovationsbezogene Teil des Global Competiveness Index des Weltwirtschaftsforums. Sie erfassen die Leistungsfähigkeit
nationaler FuI-Systeme auf Basis von verschiedenen
themenspezifischen Indikatoren und verdichten diese
Informationen zu Teilindizes bzw. einem Gesamtindex.

82 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

3.1	FuE-Ergebnisse
Erfolgreiche FuE-Aktivitäten führen zu wissenschaftlichen Erkenntnissen bzw. Entdeckungen oder technischen
Erfindungen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse schlagen sich nieder in wissenschaftlichen Publikationen, die technischen Erfindungen in Patenten.

Bibliometrische Parameter wie die Anzahl der Publikationen bzw. der Zitationen werden oftmals als
Indikatoren der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit
eines Landes im engeren Sinne herangezogen; Patente
dienen demgegenüber als Messzahl der technologischen Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus lassen sich
wissenschaftliche Publikationen und Patente auch
als Output-Indikatoren des FuE-Prozesses bezeichnen. Bezogen auf den gesamten Innovationsprozess
entsprechen sie allerdings eher Zwischenergebnissen,
die ihrerseits wiederum Voraussetzung (Input) für die
Verwertung dieser Erkenntnisse und für Erfindungen
in Wirtschaft und Gesellschaft sind. Deshalb wird auch
bei wissenschaftlichen Publikationen und Patenten
von sogenannten Throughput-Indikatoren gesprochen.

Wissenschaftliche Leistung:
Publikationen
Angesichts der zunehmenden Bedeutung des Produktionsfaktors Wissen werden Publikationsaktivitäten
in innovationspolitischen Kontexten zunehmend
für internationale Vergleiche der wissenschaftlichen
Leistung verwendet. Zu berücksichtigen ist hier, dass
quantitätsbezogene Vergleiche von Publikationskennziffern eine umsichtige Erfassung und Interpretation
der Daten voraussetzen. So bestehen beispielsweise bei
der Publikationsneigung zwischen den Wissenschaftsdisziplinen erhebliche Unterschiede.6
Die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen ist
in den vergangenen Jahren weltweit kontinuierlich
gestiegen. Der Publikationsoutput in Deutschland folgt
diesem Trend. Der weltweite Anstieg wird zum Teil
durch die Entwicklungen bei in BRIC-Staaten, hier in
erster Linie von China bestimmt. Zwischen 2004 und
6	 GWK (2015): Pakt für Forschung und Innovation, MonitoringBericht 2015, Heft 42.

2014 hat China seinen Publikationsoutput um mehr
als das vierfache gesteigert. Die Anteile der USA und
die der EU-28-Länder verzeichnen hingegen einen
graduellen Rückgang. Die USA stellen jedoch weiterhin
weltweit den größten Teil der wissenschaftlichen Publikationen. Deutschlands Anteil ist im Zeitverlauf von
2004 bis 2014 von 6,1 % auf 4,8 % gesunken.7
Bei der Anzahl der Publikationen pro eine Million
Einwohnerinnen und Einwohner eines Landes verzeichnen die Schweiz und die skandinavischen Länder
besonders hohe Werte. Deutschland lag 2014 bei
1.318 Publikationen pro eine Million Einwohnerinnen
und Einwohner und damit über dem Wert der USA, der
EU-28 und Japans (siehe auch EB I Daten und Fakten
zum deutschen Forschungs- und Innovationssystem).
Der internationale Vergleich von Publikationsaktivitäten hat für sich betrachtet noch einen geringen Aussagegehalt über die Würdigung von wissenschaftlichen
Veröffentlichungen. Bibliometrische Kennzahlen, die
beispielsweise Rückschlüsse auf die Zitationshäufigkeit
des nationalen Publikationsoutputs oder den Vernetzungsgrad des Wissenschaftssystems ermöglichen, sind
z. B. die Exzellenzrate und der Anteil der Ko-Publikationen.
Die Exzellenzrate Deutschlands (Anteil der Publikationen, die zu den 10 % höchstzitierten Publikationen in
den jeweiligen Wissenschaftsdisziplinen gehören) ist in
den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Im
Jahr 2012 betrug die Exzellenzrate der wissenschaftlichen Publikationen Deutschlands 16 %. Damit liegt
Deutschland auf Rang 6 (2004 Rang 9) hinter Belgien, den USA, den Niederlanden, Dänemark und der
Schweiz (siehe auch Abb. II-14). Das bedeutet, dass in
Deutschland nicht nur mehr, sondern vermehrt auch
7	 Mund, C. et al. (2016): Performance and Structures of the German
Science System 2015, Studien zum deutschen Innovationssystem,
Nr. 7-2016.

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

Abb. II-14:	

83

Zeitverlauf (2004–2012) der Exzellenzrate (10 %): Deutschland im internationalen Vergleich

20 %

20 %

18 %

18 %

Vereinigte
Staaten

16 %

Deutschland

Deutschland
Vereinigtes
Königreich
Schweden

16 %

Frankreich

14 %

China

14 %

Österreich
12 %

12 %

10 %

10 %

Korea
Japan

8 %

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

8 %

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

Datenbasis: Web of Science, Berechnungen des Fraunhofer ISI, vgl. Michels/Neuhäusler/Frietsch (2016):
Performance and Structures of the German Science System 2015. Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 5-2016

in der Spitze der jeweiligen Disziplinen publiziert wird.
Auch die Exzellenzrate Chinas ist in den vergangenen
Jahren merklich gestiegen.8
Der Vernetzungsgrad der Wissenschaft hat in den vergangenen Jahren weltweit zugenommen. Dies lässt sich
u. a. an der Anzahl der wissenschaftlichen Ko-Publikationen ablesen, die in Kooperation von Autorinnen und
Autoren aus außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Hochschulen und der Wirtschaft entstanden
sind. Gleiches gilt für den Anteil der Publikationen, die
von Autorinnen und Autoren aus mehreren Ländern
erstellt wurden. Deutschland weist in diesem Zusammenhang einen überdurchschnittlich hohen internationalen Vernetzungsgrad auf. So waren 2013 etwa 54 %
der Publikationen internationale Ko-Publikationen.9

8	 Web of Science, Berechnungen des Fraunhofer ISI (2016).
9	 Mund, C. et al. (2014): 4. Indikatorenbericht Bibliometrische Indikatoren für den PFI Monitoring Bericht 2015 sowie GWK (2015): Pakt
für Forschung und Innovation, Monitoring-Bericht 2015, Heft 42.

Technologische Leistung: Patente
Patente werden häufig als Indikatoren der technologischen Leistungsfähigkeit verwendet. Auch wenn Daten
hierzu leicht verfügbar sind, ist ihre Interpretation im
Hinblick auf FuE-Ergebnisse in der Volkswirtschaft
nicht unproblematisch. So gibt es bestimmte Branchen,
in denen Erfindungen beispielsweise aus Geheimhaltungsgründen grundsätzlich nicht oder kaum patentiert werden.
Als weltmarktrelevante oder transnationale Patente
werden Erfindungen bezeichnet, die in Europa oder bei
der World Intellectual Property Organization (WIPO)
angemeldet wurden. Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft sind solche Patente von besonderer
Bedeutung, weil sie den Schutz der Erfindung auch
jenseits des Heimatmarktes betreffen. Hinsichtlich
dieses Indikators sind für Deutschland Zuwachsraten
auf hohem absolutem Niveau zu verzeichnen. Der
Zuwachs an Patenten pro eine Million Einwohnerinnen und Einwohner betrug von 2003 bis 2013 rund 9 %.
Deutschland liegt hierbei mit großem Abstand über

84 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Abb. II-15:	

Weltmarktrelevante Patente (2001–2013): Deutschland im internationalen Vergleich

500

500

450

450
Schweden

400

400

Japan
Deutschland

Deutschland
350

350

300

300

250

250

200

200

Frankreich
Vereinigtes
Königreich

150

Korea

Vereinigte
Staaten

150

100

100

50

50

0

0

China
2001

2003

2005

2007

2009

2011

2013

2001

2003

2005

2007

2009

2011

2013

Datenbasis: EB I Tabelle 41, Datenportal des BMBF Tabelle 1.8.4

dem EU-Durchschnitt (siehe auch Abb. II-15): bei mehr
als 240 % der jeweiligen europäischen Werte.
Im Vergleich zu den USA weist Deutschland fast doppelt so viele transnationale Patente pro eine Million
Einwohnerinnen und Einwohner auf. In Japan ist ein
Aufholprozess zu verzeichnen: Die Patentintensität
stieg in der Dekade 2003 bis 2013 um 52 % und liegt
mittlerweile leicht über dem deutschen Wert. Auch die
Patentintensität Koreas ist seit 2000 stark angewachsen
(plus 226 %). Die Patentintensität Chinas ist zwar in den
vergangenen Jahren gestiegen, spielt aber im internationalen Vergleich bislang eine eher untergeordnete
Rolle. In Europa weisen neben Deutschland vor allem
die Schweiz, Schweden und Finnland ebenfalls hohe
Patentintensitäten auf. Dieses Bild ist im Zeitverlauf
recht stabil.
Werden Patente nach Technologiebereichen unterschieden, zeigt sich im internationalen Vergleich folgendes Bild: In China, den USA und Kanada, Schweden,
Japan, Korea und Israel wird ein großer Teil der Patente
in den Spitzentechnologien angemeldet. Deutschland
hingegen weist ebenso wie die Schweiz, Dänemark
und Japan einen vergleichsweise niedrigeren Anteil in

den Spitzentechnologien (z. B. Computer, Elektronik
oder Pharma), dafür aber eine deutliche Stärke bei den
hochwertigen Technologien (z. B. Automobil, Maschinenbau) auf (siehe auch EB I Infobox Abgrenzung der
Spitzen- und Hochtechnologie).10

10	 Vgl. Neuhäusler, P. et al. (2014): Patent Applications – Structures,
Trends and Recent Developments 2013, Studien zum deutschen
Innovationssystem, Nr. 4-2014.

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

85

3.2	Innovationserfolge
Die Investitionen von Wissenschaft und Wirtschaft in FuE schlagen sich dann in volkswirtschaftlichen Erträgen nieder,
wenn die Ergebnisse von FuE von den Unternehmen aufgegriffen und in Produkte und Dienstleistungen umgesetzt
werden. Indikatoren hierfür sind die Innovatorenquote sowie die Innovationsintensität. Ein weiterer wichtiger Indikator ist der Handel mit forschungsintensiven Gütern, der die wirtschaftliche Verwertung von Forschung und Innovationen bemisst.

Um zu beurteilen, in welchem Umfang und mit
welchem Erfolg die Unternehmen Inventionen
(technisch-wissenschaftliche Erfindungen) in Innovationen umsetzen, haben sich in der empirischen
Innovationsforschung zwei Indikatoren etabliert. Die
Innovatorenquote misst den Anteil der Unternehmen,
die innerhalb eines Dreijahreszeitraums zumindest
eine Produkt- oder Prozessinnovation eingeführt
haben. Diese Innovation muss dabei nur aus Sicht des
Unternehmens selbst eine Neuerung darstellen. Die
Innovationsintensität misst den Anteil der Innovationsausgaben am Umsatz. Sie lag 2014 mit 2,84 % auf
dem Niveau des Vorjahres. Damit wurde der bisherige
Höchstwert aus dem Jahr 2006 (2,8 %) wieder erreicht.
Die Innovatorenquote lag 2014 bei 36,8 %. Im Vergleich
dazu betrug sie im Vorkrisenjahr 2008 noch 47 %.
Gleichzeitig erreichten bei gesunkener Innovatorenquote die Innovationsausgaben 2014 einen Spitzenwert
von 145,0 Mrd. Euro und lagen damit auf dem Niveau
des Vorjahres 2013.

Handel mit forschungsintensiven
Gütern
Ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Verwertung von Forschung und Innovationen ist der Handel
mit forschungsintensiven Gütern. In diesem Indikator
spiegelt sich die Wettbewerbsfähigkeit wissensbasierter
Volkswirtschaften auf den internationalen Märkten für
innovative Produkte und Dienstleistungen wider. Die
Betrachtung der vergangenen beiden Dekaden zeigt,
dass der weltweite Handel mit forschungsintensiven
Waren – mit Unterbrechung während der Finanz- und
Wirtschaftskrise – kontinuierlich gestiegen ist. Im Jahr
2014 erreichte der globale Handel mit forschungsintensiven Waren einen Gesamtwert von 6,1 Billionen

US-Dollar, davon entfielen knapp ein Drittel auf Spitzentechnologiegüter und gut zwei Drittel auf Hochtechnologiegüter.
Im Zeitraum 2000 bis 2008 verzeichnete der Handel
mit forschungsintensiven Erzeugnissen einen durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 9,1 %. In dem
durch die Wirtschaftskrise geprägten Folgezeitraum
bis 2014 fiel das Wachstum mit 3,2 % vergleichsweise
niedrig aus. So war zwischen 2008 und 2009 ein deutlicher Rückgang von knapp 20 % bei den hochwertigen
Technologien und den nicht forschungsintensiven Erzeugnissen zu verzeichnen, während die Spitzentechnologien mit einem Minus von 7,4 % weitaus weniger
vom vorrübergehenden Rückgang des Welthandels
betroffen war.
Aufgrund der stärkeren Einbindung einiger Schwellenländer in den Welthandel ist der Anteil des Handels
mit forschungsintensiven Erzeugnissen im Zeitablauf insgesamt leicht rückläufig. Im Jahr 2014 lag der
Welthandelsanteil der Technologiegüter bei rund 44 %
und damit rund fünf Prozentpunkte unterhalb des
Niveaus, das im Jahr 2000 erreicht wurde. Gegenüber
dem Vorjahr ist allerdings wieder ein leichter Anstieg
zu verzeichnen (2013: 43 %). Vor allem die Spitzentechnologien sind von der strukturellen Veränderung
betroffen (2000: 18,6 %; 2014: 14,8 %). Hochtechnologieerzeugnisse hingegen weisen einen vergleichsweise
stabilen Anteil am Welthandel aus, der 2014 bei rund
29,6 % lag.
Deutschland hat im Zeitraum 2000 bis 2014 seinen
Anteil am weltweiten Handel mit forschungsintensiven Waren relativ stabil halten können (2014: 12,4 %).
Gleiches gilt für die Schweiz, wenngleich auf deutlich
niedrigerem Niveau. Im Gegensatz dazu war der entsprechende Weltmarktanteil vieler anderer hochent-

86 	

wickelter europäischer Industrieländer sowie der USA
und Japans größtenteils rückläufig. Der Anteil Chinas
am weltweltweiten Handel mit FuE-intensiven Waren
ist im gleichen Zeitraum beträchtlich gestiegen.11

Internationale Positionierung

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Deutschland liegt im IUS 2015 an vierter Stelle aller
EU-28-Länder und gehört damit zur Gruppe der Innovationsführer. Das IUS 2015 betont insgesamt – zusätzlich zu den vorgestellten Indikatoren der vorherigen
Abschnitte – die hohe Leistungsfähigkeit des deutschen
Innovationssystems und die aktuelle Attraktivität des
Wissenschaftsstandorts. Deutschland zählt im IUS
regelmäßig zur Spitzengruppe.

Die Leistungsfähigkeit des deutschen FuI-Systems im
europäischen und internationalen Vergleich ist als sehr
hoch einzuschätzen. Die selektive Betrachtung einzelner Indikatoren wird der Komplexität und Vielschichtigkeit des FuI-Systems nicht gerecht, da diese lediglich
Teilaspekte messen. Im Folgenden wird diese Betrachtung durch sogenannte zusammengesetzte Indikatoren
(Kompositindikatoren) ergänzt. Dabei wird nicht nur
ein einziger Indikator, sondern meist eine größere
Anzahl von Indikatoren betrachtet, um die jeweilige
Leistungsfähigkeit des Forschungs- und Innovationssystems eines Landes zu charakterisieren. Beispiele sind
der Leistungsanzeiger der Innovationsunion (Innovation Union Scoreboard – IUS) der Europäischen Kommission und der innovationsbezogene Teil des Global
Competiveness Index des Weltwirtschaftsforums.

Die relativen Stärken des deutschen Innovationssystems liegen vor allem in den Output-Dimensionen
„Unternehmensinvestitionen“ sowie „Vernetzung und
unternehmerische Initiative“ (siehe auch Abb. II-16).
Die größten Leistungssteigerungen im Vergleich zum
Vorjahr waren bei den Einzeldimensionen „Lizenz- und
Patenteinnahmen aus dem Ausland“, „Nicht-FuErelevante Innovationsausgaben“ und „Internationale
wissenschaftliche Ko-Publikationen“ zu verzeichnen.
Stärken des deutschen Innovationssystems liegen
zudem im Wissenschaftsbereich „Anzahl von Universitätsabsolventen mit Doktortitel“. Relative Schwächen
des deutschen Innovationssystems sieht das IUS 2015
u. a. in der geringen Zahl von Nicht-EU-Doktorandinnen und Doktoranden sowie in schwachen Wagniskapitalinvestitionen.12

Das IUS ist ein institutionalisiertes Monitoringsystem
der Europäischen Kommission und dient zur Beobachtung der Umsetzung der Leitinitiative Innovationsunion der Strategie Europa 2020. Anhand vergleichender
Daten über die Innovationsentwicklung wird die Leistungsfähigkeit der Innovationssysteme der EU-Mitgliedstaaten und ausgewählter Drittstaaten dargestellt.
Grundlage sind eine Vielzahl von themenspezifischen
Indikatoren, die die äußeren Innovationsbedingungen,
das Maß der Innovationstätigkeit in den Unternehmen
selbst sowie den sich daraus für die gesamte Wirtschaft
ergebenden Nutzen erfassen.

Der Global Competitiveness Index (GCI) des Weltwirtschaftsforums bildet die Grundlage für den jährlich
erscheinenden Global Competitiveness Report. Im
Gegensatz zum IUS ist der GCI thematisch breiter
aufgestellt. Der Bericht bewertet die Wettbewerbsfähigkeit von derzeit 140 Volkswirtschaften hinsichtlich
ihrer Wachstumschancen anhand von 114 Einzelindikatoren, die zu zwölf Themenbereichen, drei Subindizes bzw. einem Gesamtindex statistisch verdichtet
und als Ranking veröffentlicht werden. Berücksichtigung finden eine Reihe von öffentlich zugänglichen
Datenquellen, u. a. vom IWF, der Weltbank und der
UN. Hinzu kommen qualitative Daten aus Unternehmensbefragungen. Der Subindex „Innovations- und
Vollkommenheitsfaktoren“ ist insbesondere für
innovationsgetriebene Volkswirtschaften von großer
Bedeutung. Er speist sich aus Einzelindikatoren, die die
Innovationsfähigkeit und den Entwicklungsgrad des
Wirtschaftssektors bestimmen.

Methodisch berücksichtigt das IUS insgesamt 25 Einzelindikatoren, untergliedert in die Bereiche Innovationstreiber (Enablers), Unternehmensaktivitäten
(Firm activities) sowie Innovationsergebnisse (Output).
11	 Schiersch, A.; Gehrke, B. (2014): Die Wissenswirtschaft im internationalen Vergleich: Strukturen, Produktivität, Außenhandel, Studien
zum deutschen Innovationssystem, Nr. 6-2014, und Schiersch, A.;
Gehrke, B. (2015): Globale Wertschöpfungsketten und ausgewählte
Standardindikatoren zur Wissenswirtschaft, Studien zum deutschen
Innovationssystem, Nr. 10-2015 sowie Gehrke, B.; Schiersch, A.
(2016): FuE-intensive Industrien und wissensintensive Dienstleistungen im internationalen Vergleich, Studien zum deutschen
Innovationssystem, Nr. 6-2016.

12	 Hollanders, H. et al. (2015): Innovation Union Scoreboard 2015.
European Commission, Directorate-General for Internal Market,
Industry, Entrepreneurship and SMEs.

II Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem	

87

Abb. II-16:	Innovationsdimensionen des Innovation Union Scoreboard 2015
Humanressourcen

Wirtschaftliche Auswirkungen

Innovatoren

0,9
0,8
0,7
0,6
0,5
0,4
0,3
0,2
0,1
0

Offene Forschungssysteme

Finanzierung und Förderung

Intellektuelles Kapital

Unternehmensinvestitionen

Vernetzung und
unternehmerische Initiative
Deutschland
EU 28

Deutschland zählt seit vielen Jahren zur Spitzengruppe
der im GCI bewerteten innovationsgetriebenen Volkswirtschaften. Im Gesamtindex 2015 bis 2016 belegt
Deutschland Rang 4. Eine vergleichbar hohe Rangplatzierung erreicht Deutschland auch im innovationsbezogenen Teil des GCI (Rang 6). Innerhalb des Themenbereichs „Innovation“ erzielt Deutschland besonders
hohe Werte für die Einzelindikatoren „Innovationska-

Datenbasis: Hollanders, H. et al. (2015): Innovation Union Scoreboard 2015

pazität“ (Rang 5), „Betriebliche FuE-Ausgaben“ (Rang 6),
„PCT13 Patente und Anmeldungen pro eine Million
Einwohner“ (Rang 6). Zweistellig sind die Rangplatzierungen lediglich bei den Einzelindikatoren „Kooperationen zwischen Wirtschaft und Hochschulen“ (Rang
10), „Öffentliche Beschaffung von hochentwickelten
Hightech-Produkten“ (Rang 10) und „Verfügbarkeit von
wissenschaftlichem Personal und Ingenieuren“ (Rang 15).

13	 Patent Cooperation Treaty (PCT).

88 	

	

89

III 	Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes
1.
1.1
1.2
1.3
1.4
1.5
1.6
1.7
1.8
2
2.1 	
	
2.2 	
2.3 	
3
3.1 	
3.2 	
3.3 	
4
5

Forschungsschwerpunkte..................................................................... 91
Digitalisierung, Schlüsseltechnologien.............................................. 93
Nachhaltigkeit, Klima und Energie................................................... 110
Arbeit, Produktion und Dienstleistungen........................................ 136
Gesundheit und Ernährung................................................................ 141
Mobilität............................................................................................... 159
Sicherheit.............................................................................................. 175
Naturwissenschaftliche Grundlagenforschung.............................. 182
Gesellschaft und Bildung................................................................... 188
Vernetzung und Transfer.................................................................... 207
Unterstützung von Kooperationen zwischen öffentlich
geförderter Forschung,Wirtschaft und Gesellschaft..................... 208
Schließen von Verwertungslücken.................................................... 212
Verstärkte Internationalisierung von Clustern und Netzwerken... 215
Innovationsdynamik........................................................................... 217
Innovativer Mittelstand..................................................................... 218
Innovative Start-ups........................................................................... 224
Innovationspotenziale der Regionen............................................... 231
Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen............................... 235
Transparenz und Partizipation.......................................................... 241

90 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Auf einen Blick
Die Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation in Deutschland erfolgt in erheblichem Maße durch die
Bundesregierung, die ihre Forschungs- und Innovationspolitik dabei mit den Ländern abstimmt. Vorrangiges Ziel ist es,
Forschung und Entwicklung in Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu stimulieren und gezielt zu unterstützen. Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes orientiert sich an den Leitlinien der Hightech-Strategie. Hier
bündelt die Bundesregierung seit 2006 ressortübergreifend ihre Forschungs- und Innovationsaktivitäten: Statt isoliert
einzelne Technologien oder Forschungsthemen zu fokussieren, nimmt die Hightech-Strategie die gesamte Wertschöpfungskette von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung in den Blick.

Die neue Hightech-Strategie – Innovationen für Deutschland betrachtet systematisch die ganze Innovationskette – von der kreativen Idee bis zur Umsetzung in neue
Produkte und Dienstleistungen – und verbindet damit
alle Aspekte und Akteure des Innovationsgeschehens.
Zentrales Ziel ist es, gute Ideen schneller in die Anwendung zu überführen und zukunftsfähige Lösungen für
gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln.
Daher basiert die Hightech-Strategie auf fünf Säulen:
Prioritäre Zukunftsaufgaben für Wertschöpfung und
Lebensqualität bauen die Wettbewerbsfähigkeit aus
und heben den Wohlstand. Vernetzung und Transfer
stärken die Zusammenarbeit und fördern die Umsetzung. Innovationsdynamik in der Wirtschaft stärkt
die Innovationskraft und steigert die Wertschöpfung.
Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen bilden
die Basis für Kreativität und Innovationskraft. Transparenz und Partizipation wecken die Neugier und stärken
die Zukunftsorientierung (siehe auch I Die forschungsund innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung
und ihre Schwerpunkte).
Teil III des Bundesberichts Forschung und Innovation
umreißt das gesamte Spektrum der Forschungs- und
Innovationsförderung der Bundesregierung und bildet
vor allem die Projektförderung ab. Die Gliederung korrespondiert mit den fünf Säulen der Hightech-Strategie,
ohne dabei den Anspruch zu erheben diese in Gänze zu
spiegeln. Sie folgt stattdessen – wie auch bereits in den
Berichten der Vergangenheit – in ihrer Logik insgesamt der FuE-Leistungsplansystematik des Bundes
(siehe auch EB I Daten und Fakten zum deutschen
Forschungs- und Innovationssystem). Diese Systematik
erlaubt es, die FuE-Ausgaben des Bundes unabhängig
vom finanzierenden Ressort unter forschungsthematischen Gesichtspunkten darzustellen. Die FuE-

Leitungsplansystematik bildet die Grundlage für die
Forschungskoordinierung innerhalb der Bundesregierung und sorgt für Transparenz der FuE-Aktivitäten
aller Ressorts.
Kapitel 1 bietet einen Überblick über die einzelnen Forschungsschwerpunkte des Bundes. Kapitel 2 beschäftigt
sich mit Vernetzung und Transfer. Kapitel 3 beschreibt
die Innovationsdynamik in der Wirtschaft, indem insbesondere die speziellen Forschungsförderungsmaßnahmen für kleine und mittelständische Unternehmen
in Deutschland dargestellt werden. Kapitel 4 behandelt
die Aktivitäten der Bundregierung zur Förderung
innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen und Kapitel 5 den Bereich Transparenz und Partizipation.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

91

1 	 Forschungsschwerpunkte
Forschung und Innovation stärken den Wirtschaftsstandort Deutschland und tragen entscheidend zum Wohl der Menschen bei. Mit exzellenter Forschung können Lösungen für globale Herausforderungen gefunden und Strategien für
nachhaltiges Wachstum entwickelt werden. Forschung ermöglicht es, neue Wege zu gehen, Unbekanntes zu entdecken
und Bekanntes zu verbessern. Die deutsche Forschungs- und Wissenschaftslandschaft genießt weltweit einen exzellenten Ruf.

Die Bundesregierung setzt mit der Hightech-Strategie
thematische Prioritäten bei Forschung und Innovation.
Ein Kernelement ist die Konzentration auf prioritäre
Zukunftsaufgaben, die von großer Innovationsdynamik geprägt sind und von denen auch künftig wichtige
Impulse für Wirtschaftswachstum und Wohlstand
ausgehen werden (siehe auch Infobox Prioritäre Zukunftsaufgaben für Wohlstand und Lebensqualität).
Ziel der Hightech-Strategie ist es, Deutschland in diesen
Feldern zum Vorreiter bei der Lösung der globalen
Herausforderungen zu machen und überzeugende
Antworten auf die drängenden Fragen des 21. Jahrhunderts zu geben. Damit werden die Innovationskraft und
die Wachstumspotenziale der Wirtschaft gestärkt und
qualifizierte, zukunftsfähige Arbeitsplätze gesichert.
Die Forschungs- und Innovationspolitik der Bundesregierung setzt dabei auch auf die Förderung von
Schlüsseltechnologien, der naturwissenschaftlichen
Grundlagenforschung sowie die Bearbeitung wichtiger

Querschnittsthemen aus den Bereichen Bildung und
Gesellschaft, wie demografischer Wandel und Integration durch Bildung. In den folgenden acht Unterkapiteln wird ein Bogen gespannt über die Themen Digitalisierung und Schlüsseltechnologien, Nachhaltigkeit,
Klima und Energie, Arbeit, Produktion und Dienstleistung, Gesundheit und Ernährung, Mobilität, Sicherheit,
Naturwissenschaftliche Grundlagenforschung sowie
Gesellschaft und Bildung.
Das Kapitel bietet einen Überblick über alle programmatischen Forschungsschwerpunkte des Bundes im
Berichtszeitraum. Die Untergliederung des Kapitels orientiert sich an den prioritären Zukunftsaufgaben aus
der Hightech-Strategie und ergänzt diese um weitere
Aktivitäten und Programme. Förderbereiche und Förderschwerpunkte werden beschrieben und Hinweise zu
Ergebnissen und Wirksamkeitsanalysen gegeben.

92 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Prioritäre Zukunftsaufgaben
für Wohlstand und Lebensqualität
Ausgangspunkt der Hightech-Strategie sind die Fragen
nach den Quellen unseres zukünftigen Wohlstands
(Womit wollen wir unsere wirtschaftliche Leistungskraft
sichern?) und nach unserer Lebensqualität (Wie wollen
wir morgen leben?). Die Bundesregierung adressiert damit innovative Lösungen, die durch eine hohe wissenschaftlich-technische Dynamik geprägt werden und
mit denen Deutschland im internationalen Wettbewerb
Innovationsvorsprünge realisieren kann.
In vielen Branchen haben sich die Produktzyklen spürbar
verkürzt, die Ansprüche an Systemlösungen sind gestiegen und der notwendige Entwicklungsaufwand ist im
Verhältnis zum möglichen Innovationsertrag gestiegen.

Gerade in Zeiten des globalen Wandels richtet sich daher
der Blick auf Wettbewerbsfähigkeit sowie Wertschöpfungs- und Beschäftigungspotenziale in Deutschland. Die
bloße Umsetzung technologischer Neuerungen in Produktionsprozessen reicht dafür nicht mehr aus. Innovativ
zu sein erfordert mehr: Immer stärker geht es um nachhaltige Konsumgewohnheiten und Verhaltensweisen und
um gesellschaftliche Veränderungsprozesse wie z. B. die
Gestaltung ressourcenoptimierter Produktionsformen
und Lebensweisen. Deshalb setzt die Bundesregierung
nicht nur auf technologische Neuerungen, sondern auch
auf neue organisatorische Lösungen sowie Dienstleistungs- und gesellschaftliche Innovationen.

Die Bundesregierung konzentriert ihre thematisch orientierte Forschungsund Innovationspolitik auf sechs prioritäre Zukunftsaufgaben:

1. Digitale Wirtschaft und Gesellschaft: Mit innovativen Lösungen
wird den Herausforderungen der
Digitalisierung begegnet und
Chancen für Wertschöpfung und
Wohlstand in Deutschland genutzt.

4. Gesundes Leben:
Die Forschung für ein gesundes, aktives und selbstbestimmtes Leben wird
gestärkt.

2. Nachhaltiges Wirtschaften
und Energie:
Die Art und Weise, wie produziert
und konsumiert wird, soll ressourcenschonender, umweltfreundlicher, sozialverträglicher und damit
nachhaltiger werden.

5. Intelligente Mobilität:
Forschung für eine integrierte Verkehrspolitik, die
sowohl die Effizienz und
Leistungsfähigkeit der einzelnen Verkehrsträger als auch
ihr Zusammenspiel optimiert.

3. Innovative Arbeitswelt:
Es wird der tiefgreifende Wandel
der modernen Arbeitswelt in den
Blick genommen, denn gute Arbeit
ist eine wichtige Basis für kreative
Ideen und wirtschaftliche Innovationen.

6. Zivile Sicherheit:
Komplexe Systeme und Infrastrukturen, z. B. für Energieversorgung, Kommunikation, Mobilität, Gesundheitsversorgung
oder Logistik müssen im Alltag
der Menschen funktionieren

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

93

1.1	 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien
Digitalisierung und Schlüsseltechnologien sind wichtige Treiber für Innovationen und sichern die starke und weltweit
wettbewerbsfähige industrielle Basis in Deutschland. Innovative Entwicklungen aus den Informations- und Kommunikationstechnologien, der Mikroelektronik, der Photonik, den Produktions- und Werkstofftechnologien oder auch
aus der Mensch-Technik-Interaktion bilden die Grundlage für neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in
vielen industriellen und gesellschaftlichen Anwendungsbereichen. Insbesondere die Informations- und Kommunikationstechnologien haben die Welt in vielfacher Weise verändert. Digitale Wertschöpfung und Vernetzung schaffen
Wachstum und sichern die Wettbewerbsfähigkeit.

Informations- und Kommunikationstechnologien
(IKT) prägen mittlerweile alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche. Sie treiben Innovationen, sorgen
für Produktivitätszuwachs und tragen dazu bei,
wirtschaftliches Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze in der Zukunft zu sichern. Für Deutschlands
Wettbewerbsfähigkeit ist die gelungene Entwicklung
und Integration digitaler Technologien in industriellen Anwenderbranchen entscheidend, denn IKT sind
wichtige Treiber innovativer Wertschöpfungsketten
und Produkte in vielen Wirtschaftszweigen. Eine zentrale Gestaltungsaufgabe für Wirtschaft, Wissenschaft
und Politik ist es, den Wandel zu einer Industrie 4.0
und zu einer Arbeit 4.0 zu begleiten. Zudem kommt
der Medienkompetenz für einen sicheren, ressourcenschonenden und verantwortungsbewussten Umgang
mit IKT sowie der Ausgestaltung des sozialen Mitein-

anders in einer digitalisierten Welt eine wachsende
Bedeutung zu.
Die Bundesregierung trägt mit einer umfassenden
Forschungs- und Innovationspolitik zu nachhaltigen
Erfolgen in diesem Bereich bei. Diese steht im Einklang mit der Hightech-Strategie und der Digitalen
Agenda 2014 – 2017. Die ökonomischen Potenziale
der voranschreitenden Digitalisierung von Wirtschaft
und Gesellschaft sind frühzeitig nutzbar zu machen.
Vorrangige Ziele sind die Unterstützung von Wirtschaft
und Wissenschaft bei der Umsetzung von Industrie
4.0 und bei der Entwicklung innovativer Dienste und
Dienstleistungen z. B. durch Big-Data-Technologien.
Schlüsseltechnologien sind aufgrund ihrer volkswirtschaftlichen Hebelwirkung von besonderer Bedeutung.

94 	

Digitalisierung vorantreiben
und erforschen
Die Digitalisierung bietet große Potenziale und ermöglicht Synergien für Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft in Deutschland. Die Digitale Agenda 2014–2017
der Bundesregierung adressiert die Chancen, die Herausforderungen und die Rahmenbedingungen des digitalen
Strukturwandels mit sieben Handlungsfeldern.
Die Bundesregierung veröffentlichte im August 2014
die Digitale Agenda 2014–2017, in der sie die programmatischen Ziele und Leitlinien der Digitalpolitik darlegt.
Den Mensch in den Mittelpunkt aller Entwicklungen
stellend, ist die Digitalpolitik der Bundesregierung in
den kommenden Jahren an drei strategischen Kernzielen
ausgerichtet:
•	 Digitale Wertschöpfung und Vernetzung schaffen
Wachstum und geben Impulse für gutes Arbeiten in
der digitalen Welt.
•	 Ein leistungsstarkes und offenes Internet öffnet flächendeckend den Zugang zur digitalen Welt. Medien- und Technologiekompetenz schaffen die Voraussetzung für den selbstbestimmten Umgang mit den
digitalen Technologien.
•	 IT ist einfach, transparent und sicher zu nutzen.
Die Digitale Agenda 2014–2017 stellt einen wichtigen
strategischen Prozess der derzeitigen Legislaturperiode
dar. Die Umsetzungsmaßnahmen der Digitalen Agenda
sind auf sieben zentrale Handlungsfelder verteilt: digitale
Infrastrukturen; digitale Wirtschaft und digitales Arbeiten; innovativer Staat; digitale Lebenswelten in der Ge-

sellschaft gestalten; Bildung, Forschung, Wissenschaft,
Kultur und Medien; Sicherheit, Schutz und Vertrauen für
Gesellschaft und Wirtschaft; Europäische und internationale Dimension der Digitalen Agenda.
Im September 2015 wurde im Fortschrittsbericht zur
Umsetzung der Digitalen Agenda 2014–2017 eine erste
positive Bilanz gezogen. Verwiesen wurde beispielsweise
auf die Versteigerung der DVB-T-Frequenzen für den
Breitbandausbau im ländlichen Raum, den Neustart der
Plattform Industrie 4.0 und das neue IT-Sicherheitsgesetz. Der Bericht machte deutlich, dass die Umsetzung
der Digitalen Agenda ein offener, nicht abschließender
Prozess ist.
Ein nächstes wichtiges Vorhaben in Umsetzung der
Digitalen Agenda ist die Etablierung eines Deutschen
Internet-Instituts – eines öffentlich finanzierten Forschungsinstituts, das in einem interdisziplinären Ansatz
die ethischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und partizipativen Aspekte von Internet und Digitalisierung erforschen wird. Das BMBF hatte Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen aufgefordert, bis Ende
Februar 2016 Projektskizzen einzureichen. Nach dem
Wettbewerb um die besten Konzepte und der Auswahl
wird das Deutsche Internet-Institut aufgebaut und kann
seine Arbeit aufnehmen.
→ www.digitale-agenda.de

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

für die deutsche Wirtschaft. Die konsequente Nutzung
der wirtschaftlichen Potenziale von Schlüsseltechnologien sichert die starke Position des Produktionsstandorts Deutschland im globalen Wettbewerb. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen
profitieren von einer breiten Nutzung der Schlüsseltechnologien für die Entwicklung international wettbewerbsfähiger Produkte und Dienstleistungen. Daher
ist es ein wichtiges strategisches Ziel der Förderung,
Brücken zwischen Technologien und Anwendungsfeldern zu bauen, um Forschungsergebnisse rasch in
wirtschaftliche Erfolge umzuwandeln.

Softwaresysteme,
Wissenstechnologien	
Intelligente Softwaresysteme sind ein wichtiger Teilbereich der Informations- und Kommunikationstechnologien und Innovationstreiber in allen wesentlichen
Wirtschaftszweigen. Orientiert an den Handlungsfeldern der Digitalen Agenda 2014–2017 fördert das
BMBF die Weiterentwicklung von IT-Systemen auf
Basis des Förderprogramms IKT 2020 – Forschung für
Innovationen. Daraus abgeleitete Fördermaßnahmen
priorisieren anwendungsorientierte strategische Kooperationen von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.
Dazu soll nicht nur die gesamte Wertschöpfungskette
mit einbezogen werden, sondern erwartet wird auch
ein erheblicher finanzieller Eigenanteil der Wirtschaft.
Mit der Fördermaßnahme KMU-innovativ: Informations- und Kommunikationstechnologien wird darüber
hinaus die Beteiligung von kleinen und mittleren Unternehmen an der Fachförderung sichergestellt (siehe
auch III 3.1 Innovativer Mittelstand).
Industrie 4.0, Big Data und das Höchstleistungsrechnen
bilden die derzeitigen Schwerpunkte der Forschungsförderung zu Softwaresystemen und Wissenstechnologien:
Industrie 4.0 steht für die intelligente, digitale Vernetzung von Produktentwicklung, Produktion, Logistik
und Kunden, welche durch den umfassenden Einsatz
von Informations- und Kommunikationstechnologien
in Produktionsabläufen unter Einbeziehung der notwendigen IT-Sicherheitsanforderungen hervorgerufen
wird. Kennzeichen dieser Form der Industrieproduk-

95

tion sind die starke Individualisierung der Produkte
unter den Bedingungen einer hochflexibilisierten Produktion (auch in großer Serie), die weitgehende Integration von Kundinnen und Kunden sowie Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartnern in Geschäfts- und
Wertschöpfungsprozesse und die Verkopplung von
Produktion und hochwertigen Dienstleistungen, die in
sogenannten hybriden Produkten mündet.
Industrie 4.0 ist eines von zehn Zukunftsprojekten der
Hightech-Strategie der Bundesregierung und wird u. a.
durch die von BMWi, BMBF, Wirtschaft, Gewerkschaften und Wissenschaften neu gestartete Plattform Industrie 4.0 umgesetzt (siehe Infobox Nationaler IT-Gipfel
2015).
Zur Realisierung von Industrie 4.0 veröffentlichte das
BMBF seit 2012 sieben Förderbekanntmachungen, die
mit einem Fördervolumen von insgesamt 120 Mio.
Euro hinterlegt sind. Die geförderten Projekte sind in
der 2015 erschienenen Dokumentation Industrie 4.0 –
Innovationen für die Produktion von morgen dargestellt.
Auf Basis dieser Projektergebnisse lassen sich künftige
Forschungsbedarfe für die Förderung von Industrie 4.0
ableiten:
∙∙ Mittelstand: Industrie 4.0 ist ein Forschungsthema
mit Chancen und Potenzialen für eine vernetzte
Fabrik. So können aufgrund von fehlenden technischen Standards derzeit noch keine zuverlässigen Annahmen getroffen werden, welche Technik
sich als zukunftsfähig erweist. Im Rahmen der
BMBF-Fördermaßnahme Intelligente Vernetzung
in der Produktion – Ein Beitrag zum Zukunftsprojekt
Industrie 4.0 werden hierzu Lösungen insbesondere für den Mittelstand erarbeitet (siehe auch III 1.3
Arbeit, Produktion und Dienstleistungen). Mit dem
Förderschwerpunkt Mittelstand-Digital unterstützt
das BMWi insbesondere KMU mit praxisrelevantem
Wissen zur Anwendung und zum wirtschaftlichen
Nutzen von digitalen Technologien und Industrie 4.0
(siehe auch III 3.1 Innovativer Mittelstand).
∙∙ Standards und IT-Architekturen: Um einen klaren
Informationsfluss gewährleisten zu können, müssen
technische Standards in einer Referenzarchitektur
definiert werden. Die von BMWi und BMBF gemeinsam geförderte Plattform Industrie 4.0 hat dazu das
Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0 (RAMI 4.0)

96 	

erarbeitet. Dieses wird einen wichtigen Ansatz für die
Umsetzung von Industrie 4.0 in der Praxis darstellen.
Das BMBF fördert deshalb weiterführende Lösungsansätze, die auf RAMI 4.0 aufbauen.
∙∙ IT-Sicherheit: Durch die zunehmende Vernetzung
der industriellen Produktion steigen die Sicherheitsanforderungen, da mit der Vernetzung auch die
Furcht vor unbefugtem Zugriff und Missbrauch von
sorgfältig gehütetem Wissen wächst. Das BMBF hat
2015 das neue Forschungsprogramm IT-Sicherheit.
Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt
und gemeinsam mit der Wirtschaft ein Nationales
Referenzprojekt zur IT-Sicherheit in der Industrie 4.0
gestartet (siehe auch III 1.6 Sicherheit).
∙∙ Qualifikation: Industrie 4.0 hat neben technologischen und ökonomischen Potenzialen auch Auswirkungen auf die Gestaltung künftiger Arbeitsprozesse.
Zugleich sollten neue Chancen für die Beschäftigten
genutzt werden. Dazu bedarf es neuer Ideen für
Arbeitsgestaltung, Kompetenzentwicklung und
Präventionskonzepte. Diese Forschung ist Teil des
Förderprogramms Innovationen für die Produktion,
Dienstleistung und Arbeit von morgen (siehe auch
III 1.3 Arbeit, Produktion und Dienstleistungen).
Die Menge der in Wissenschaft und Wirtschaft produzierten Daten wächst exponentiell. Die Gründe für den
rapiden Datenzuwachs sind neben der Digitalisierung
von Inhalten und dem Austausch von Daten vor allem
die Integration digitaler Mess-, Steuer- und Regelsysteme in Alltagsgegenstände sowie die Kommunikation
dieser Systeme mit „intelligenten Umgebungen“. Die
Verarbeitung der so erzeugten großen, heterogenen
Datenmengen stößt mittlerweile an ihre Grenzen,
weshalb innovative Big-Data-Technologien benötigt
werden. Im gleichen Maße, wie sich die verfügbaren
Datenmengen in vielen Branchen und Anwendungsfeldern vergrößern, können an diesen Stellen durch den
Einsatz intelligenter Technologien neue Möglichkeiten
für Wirtschaft und Wissenschaft erschlossen werden.
Die Thematik Big Data hat damit eine Breitenwirkung,
die über die reine IKT-Wirtschaft weit hinaus geht und
der gesamten Gesellschaft einen hohen Mehrwert verspricht, gleichzeitig aber auch eines besonders verantwortungsvollen Umgangs mit ihr bedarf.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Das BMBF unterstützt die Forschung zum Umgang mit
großen Datenmengen in Deutschland mit folgenden
Aktivitäten:
∙∙ Big-Data-Forschungsvorhaben: Forschungsbedarfe
bestehen hinsichtlich der Extraktion nützlicher und
verlässlicher Informationen aus riesigen Datenmengen, die in für Menschen verwertbare Daten transformiert und visualisiert werden. Das BMBF fördert
zehn Projekte in den Anwendungsbereichen der
Produktion, das heißt vor allem Industrie 4.0, aber
auch den Lebenswissenschaften und den Geowissenschaften.
∙∙ Big-Data-Kompetenzzentren: Das BMBF fördert zwei
Kompetenzzentren, welche herausragende Kompetenzprofile auf dem Gebiet des Umgangs mit großen
Datenmengen bieten. Das Berlin Big Data Center
entwickelt automatisch skalierbare Technologien, die
riesige Datenmengen organisieren und aus diesen
fundierte Entscheidungen ableiten. Das Competence
Center for Scalable Data Services and Solutions in
Dresden und Leipzig verfolgt eine eher serviceorientierte Ausrichtung und wird in einem iterativen
Prozess ein umfassendes Konzept für Big Data-Services entwickeln sowie diese als anwendungsbezogene
Lösungen zur Verfügung stellen. Zusätzlich wird
das Smart Data Innovation Lab in Karlsruhe, das auf
Betreiben der Wirtschaft im Rahmen des IT-GipfelProzesses gemeinsam von Forschungsinstituten und
Unternehmen gegründet wurde, eine umfangreiche
Wissensbasis im Bereich Smart Data aufbauen und
reale Daten aus Industrieunternehmen zu Forschungszwecken bereitstellen.
∙∙ Förderkonzept Medizininformatik: Das BMBF fördert
den Aufbau von Datenintegrationszentren und die
Entwicklung von innovativen IT-Lösungen, um die
großen Mengen medizinisch relevanter Daten zum
Wohle von Patientinnen und Patienten zu nutzen
(siehe auch III 1.4 Gesundheit und Ernährung).
∙∙ Big-Data-Begleitforschung: Das BMBF evaluiert die
Potenziale und Herausforderungen von Big Data mit
einer Begleitforschung (siehe auch Infobox ABIDA –
assessing big data).

	

97

Nationaler IT-Gipfel 2015:
Plattform Industrie 4.0 und Plattform Digitaler
Wandel in Bildung und Wissenschaft
Der Nationale IT-Gipfel ist das zentrale Forum für die Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft
sowie Zivilgesellschaft zum Digitalen Wandel. Er fand im
November 2015 zum neunten Mal statt und versammelte
mehr als 1.000 hochrangige Vertreterinnen und Verteter
aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft
und von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen.
Neben Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel nahmen auch
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Arbeitsministerin
Andrea Nahles, Bildungs- und Forschungsministerin Prof.
Dr. Johanna Wanka, Innenminister Dr. Thomas de Maizière, Verkehrsminister Alexander Dobrindt, die Staatsministerin für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters
sowie der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael
Müller am Spitzentreffen unter dem Motto „Digitale
Zukunft gestalten – innovativ_sicher_leistungsstark“ teil.
Seit dem IT-Gipfel im Jahr 2014 orientiert sich die Veranstaltung thematisch an den Handlungsfeldern der Digitalen Agenda der Bundesregierung. Der deutlich erweiterte
Kreis der Beteiligten hat mit zahlreichen Veranstaltungen
einen breiten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen
Dialogprozess begonnen. Die Arbeit zum IT-Gipfel findet
kontinuierlich in neun Plattformen und zwei Foren statt.
Die Plattform Industrie 4.0 zählt zu den größten Plattformen des IT-Gipfels. Inzwischen sind rund 250 Akteure
aus über 100 Organisationen in der Plattform aktiv.
Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik,
Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Zivilgesellschaft sollen Lösungsmöglichkeiten für die erfolgreiche
Umsetzung von Industrie 4.0 in Unternehmen aufgezeigt,
konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet und Indus-

trie 4.0 insgesamt dargestellt werden, insbesondere für
den industriellen Mittelstand. Dass die deutsche Wirtschaft bei der Verzahnung der Produktion mit moderner
IKT international führend ist, zeigt die neue OnlineLandkarte der Plattform Industrie 4.0. In der virtuellen
Deutschlandkarte sind über 200 Anwendungsbeispiele
zu Industrie 4.0 in der Praxis zu finden sowie Kompetenzzentren und Testumgebungen. Die Online-Landkarte
wurde auf dem Nationalen IT-Gipfel in Berlin von der
Bundesforschungsministerin und vom Bundeswirtschaftsminister, beide Leitungsmitglieder der Plattform
Industrie 4.0, vorgestellt.
Da Bildung, Wissenschaft und Forschung in besonderem
Maße von der digitalen Transformation beeinflusst sind,
widmet sich die neue IT-Gipfel-Plattform Digitalisierung
in Bildung und Wissenschaft den zentralen Herausforderungen in diesem Bereich. Die Themen der Plattform
reichen von Veränderungen im Aus- und Weiterbildungssystem bis hin zu offenen Fragen im Umgang mit stark
wachsenden Forschungsdaten. In der mit hochrangigen
Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft,
Wissenschaft, Forschung, Bildung sowie von Seiten der
Sozialpartner besetzten Plattform, werden die zentralen
Herausforderungen des Digitalen Wandels in Bildung,
Wissenschaft und Forschung in fünf Arbeitsgruppen
thematisiert. Am Rande des IT-Gipfels 2015 in Berlin,
wurden auf der zweiten Plattformsitzung die ersten
Arbeitsergebnisse vorgestellt und weitere Umsetzungsschritte im Hinblick auf den IT-Gipfel 2016 festgelegt.
Beim Gipfel 2016, der am 16./17. November 2016 in
Saarbrücken stattfinden wird, wird das Thema digitale
Bildung ein Schwerpunkt sein.

98 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

ABIDA – assessing big data
wirtschaftlichen Folgen beim
Umgang mit großen Datenmengen
interdisziplinär analysiert. Dadurch
wird ein verantwortungsvoller
Umgang mit Big Data ermöglicht
und die Ergebnisse werden in den
gesellschaftlichen Diskurs eingebracht.

Alle Anwendungen von Big Data bergen gleichzeitig
Potenziale und Herausforderungen juristischer und
gesellschaftlicher Art. Die ständig wachsende Menge
verfügbarer Daten wirft Fragen von großer gesellschaftlicher Relevanz auf: etwa Fragen des Schutzes
der Privatsphäre, von kommerziellen oder staatlichen
Geschäftsprozessen, Fragen der Intransparenz oder des
Schutzes vor kriminellen Datenmanipulationen sowie
bei automatisierten Entscheidungen.
Deshalb wurde vom BMBF eine begleitende Forschung
aufgesetzt, welche die gesamtgesellschaftlichen und

Das Höchstleistungsrechnen hat die Art des Forschens
und die Entwicklung von marktfähigen Innovationen
revolutioniert. Die Simulation hat sich neben der Theoriebildung und dem Experiment als dritte Säule der
Wissenschaft etabliert. Das Höchstleistungsrechnen ist
mitentscheidend für den Erfolg unserer Wissenschaftslandschaft und vieler Bereiche unserer Industrie.
Die drei leistungsfähigsten Supercomputer Deutschlands sind unter dem Dach des Gauss Centre for
Supercomputing (GCS) vereint, das 2007 gegründet
wurde. Ihm gehören das Höchstleistungsrechenzen-

Von 2015–2019 fördert das BMBF
das Projekt ABIDA mit insgesamt
6,4 Mio. Euro. Um gesellschaftliche
Veränderungen durch Big Data zu
ermitteln und zu beurteilen, werden
nach Basisanalysen interdisziplinäre Vertiefungsstudien erarbeitet,
die von Expertenworkshops und
Fokusgruppen begleitet werden.
Weiterhin sind drei „Bürgerkonferenzen“ und eine repräsentative Bevölkerungsumfrage geplant, um die Einschätzungen und Erwartungen von Bürgern zu eruieren.
Darüber hinaus sollen Handlungsoptionen für Politik,
Forschung und Entwicklung erarbeitet werden.
Im Juli 2016 veröffentlichen Forschende von ABIDA ein
Sonderheft der International Review of Information
Ethics (IRIE). Die Ausgabe wird den Titel „Ethics of Big
Data“ tragen und setzt sich inhaltlich mit den politischen, sozialen und ethischen Dimensionen von Big
Data auseinander.

trum Stuttgart (HLRS), das Leibnitz Rechenzentrum der
Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Garching
bei München (LRZ) und das Jülich Supercomputing
Centre (JSC) mit ihren Supercomputern an (siehe auch
EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung
und Wissenschaft). Grundlage für diese Allianz ist
eine Initiative des BMBF zusammen mit den Wissenschaftsministerinnen und -ministern von BadenWürttemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen zu
einem Zusammenschluss der drei Standorte zu einem
Verbund. Der Bund auf der einen und die drei Länder
auf der anderen Seite finanzieren jeweils zur Hälfte

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

den schrittweisen Ausbau der deutschen Höchstleistungsrechenkapazität in diesem Verbund bis 2017 mit
insgesamt bis zu 400 Mio. Euro.

Weitere Informationen im Internet:

Informationsgesellschaft – Weichen für die
Zukunft stellen: www.bmbf.de/de/398.php
Plattform Industrie 4.0: www.plattform-i40.de
Landkarte Industrie 4.0:
www.plattform-i40.de/I40/Navigation/DE/Inder-Praxis/Karte/karte.html
ABIDA – assessing big data: www.abida.de
GAUSS Centre for Supercomputing:
www.gauss-centre.eu

Kommunikationssysteme
Zuverlässige, zugängliche und sichere Kommunikationssysteme und hochleistungsfähige Netzinfrastrukturen schaffen die Voraussetzung für Mobilität,
Datenaustausch sowie Kapital-, Waren- und Dienstleistungstransfer. Hier geht es längst nicht mehr um einfaches Telefonieren. Kommunikationssysteme lassen
uns via Kurznachrichtendienste und soziale Netzwerke
miteinander in Verbindung treten. Sie sorgen aber
auch für die Vernetzung von medizinischen Geräten
in einem Operationsaal und sie sind Voraussetzung für
das Internet der Dinge und das Internet der Dienste sowie für die Energiewende oder den Betrieb vernetzter
Produktionsanlagen und Lieferketten.
Ziel der Forschungsförderung des BMBF im Bereich
Kommunikationssysteme ist es, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in den Kommunikationstechnologien, insbesondere in Anwendungsfeldern wie Industrie
4.0, Mobilität und Medizin weiter zu stärken. Das
Erforschen neuer leistungsfähiger, sicherer, barrierefreier und energieeffizienter Kommunikationssysteme

99

soll dazu beitragen, eine weltweite Spitzenposition der
deutschen Wissenschaft und Wirtschaft, insbesondere
auch im Bereich KMU und Mittelstand, zu sichern.
Die frühzeitige Entwicklung neuer Technologien
kann die Grundlage für künftige Kommunikationsstandards und neue Anwendungen bilden. So können
zum Beispiel in Industrieanlagen komplex vernetzte
Regelungsanlagen durch drahtlose Kommunikation
wesentlich flexibler gestaltet werden, um die Individualisierung der Produkte zu ermöglichen und die
Ausfallsicherheit der Produktion zu erhöhen. Aktuell
gilt es vor allem, Technologien und Schnittstellen für
die Nutzung des neuen Mobilfunkstandards 5G zu
entwickeln.
Das BMBF hat dazu im Bereich Industrielle Kommunikation der Zukunft drei Forschungsschwerpunkte
gestartet:
∙∙ Zuverlässige drahtlose Kommunikation in der Industrie: Es werden acht Forschungsprojekte gefördert, in
denen echtzeitfähige und hochverfügbare drahtlose
Kommunikationslösungen insbesondere im Kontext Industrie 4.0 erforscht werden. Darüber hinaus
adressiert ein Begleitforschungsprojekt wichtige
Querschnittsthemen wie z. B. die Sicherheit, die Standardisierung und den Transfer der Projektergebnisse
∙∙ 5G: Industrielles Internet, Forschung zu flexiblen,
virtualisierten und anwenderfreundlichen Kommunikationsnetzen für die Industrie (Projektstart 2016)
∙∙ 5G: Taktiles Internet, Erforschung von konvergenten,
sicheren Netzwerkkonzepten auf Basis der neuen 5G-Technologien für neue Anwendungen und
Geschäftsmodelle in Bereichen wie Industrie 4.0,
Medizin und Mobilität (Projektstart 2017)
Die sichere technische Kommunikation ist für die digitale Vernetzung von Menschen, Organisationen und
„Dingen“ eine der wesentlichen technischen Voraussetzungen. Sichere Hardwareplattformen, auf Fehler
und Sicherheit getestete Softwarebibliotheken und
Anwendungen, die Resistenz bieten gegen Angriffe und
Manipulationen sind weitere Anknüpfungspunkte für
Forschungsbedarf (siehe auch III 1.6 Sicherheit).

100 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Weitere Informationen im Internet:

Kommunikationssysteme:
www.bmbf.de/de/17845.php
Zuverlässige drahtlose Kommunikation in der
Industrie: industrialradio.de

Entwicklung Digitaler Technologien
Digitale Inhalte und Dienste gewinnen in nahezu allen
Wirtschaftsbereichen an Bedeutung. Aus der fortschreitenden Entwicklung und Konvergenz von bislang
getrennten Technologien und Systemen ergeben sich
dabei neue Möglichkeiten für innovative netzbasierte
Produkte, Dienste und Anwendungen. Auch bietet die
zunehmende Digitalisierung die Chance, neue Nutzerkreise bzw. Kundinnen und Kunden zu gewinnen.
Das BMWi greift in dem Aufgabenbereich Entwicklung
digitaler Technologien die beiden Entwicklungstrends
Internet der Dinge und Internet der Dienste auf. Adressiert werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte
im vorwettbewerblichen Bereich, um digitale Zukunftsthemen frühzeitig aufzugreifen und den Transfer
von wissenschaftlichen Ergebnissen hin zu marktorientierten Spitzentechnologien mit hohem Anwendungspotenzial zu beschleunigen. Die Ergebnisse sollen
Ausgangspunkt für die Schaffung von neuen marktfähigen Produkten, Lösungen und Geschäftsmodellen –
insbesondere für die mittelständische Wirtschaft – sein.
Das 2015 gestartete Förderprogramm Digitale Technologien für die Wirtschaft, das mit 50 Mio. Euro ausgestattet ist, unterstützt Unternehmen dabei, kreative
Ideen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse
umzusetzen, beispielsweise mit Blick auf industrielle
3D-Anwendungen, Service-Robotik und echtzeitfähige
Kommunikation. Ziel ist es, innovative digitale Technologien besser und schneller in die Anwendung zu
überführen. Weitere thematische Förderschwerpunkte

wurden im Berichtszeitraum in folgenden Bereichen
gesetzt:
∙∙ Autonomik für Industrie 4.0, Förderung von 15
Projekten, in denen zukunftsweisende Ansätze für
intelligente Produktionstechnologien und intelligente Produkte aufgezeigt werden sollen. Darüber
hinaus adressiert ein Begleitforschungsprojekt wichtige Querschnittsthemen wie z. B. rechtliche Aspekte
und unterstützt die Verwertung und den Transfer der
Projektergebnisse (seit 2012)
∙∙ Smart2Home, Förderung von vier Vorhaben zur
Entwicklung integrierter Systeme der Haus- und
Gebäudetechnik und neuer innovativer Dienste (seit
2014)
∙∙ Smart Service Welt, Förderung von 16 Projekten
zur Verknüpfung digitaler Anwendungsbereiche
durch eine zielgerichtete, sichere Kombination von
cyberphysischen Systemen, Datenmanagementtechnologien und offenen Diensteplattformen (seit 2015)
(siehe auch III 1.3 Arbeit, Produktion und Dienstleistungen)
∙∙ IKT für Elektromobilität II, Förderung von 18 Projekten zu den Themenbereichen Smart Car – Smart
Grid – Smart Traffic (2011–2015, siehe auch III 1.5
Mobilität)
∙∙ IKT für Elektromobilität III mit den Themenbereichen Logistik-, Mobilitäts- und Energieinfrastrukturen (2015–2018, siehe auch III 1.5 Mobilität)
Ergänzend werden durch strategische Technologieprojekte punktuell neue und herausragende Technologien
und Lösungen vorangetrieben, von denen sich das
BMWi langfristige und strategische Wirkungen im
IKT-Sektor erwartet (siehe auch Infobox Die mobile
Scanstraße CultLab3D).

Weitere Informationen im Internet:

Digitale Technologien:
www.digitale-technologien.de

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

101

Die mobile Scanstraße CultLab3D

Um dem wachsenden Bedarf nach
einem optimierten Scanverfahren
in 3D zu entsprechen, entwickelt
das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD)
derzeit im Rahmen von CultLab3D
den weltweit ersten Ansatz zur 3DMassendigitalisierung von Artefakten. Durch Automatisierung des
gesamten Prozessablaufs soll die
bisher zeitintensive Datenakquise
beschleunigt werden, um große
Mengen an dreidimensionalen
Objekten schnell und günstig in
3D erfassen zu können. GleichDie Digitalisierstraße CultLab3D in der Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main.
zeitig wird eine originalgetreue
an Objekten in 3D gescannt werden. Der Einsatz vor
Objektwiedergabe in hoher Qualität angestrebt, indem
Ort hat gezeigt, dass die Erfassung in hoher Qualität
neben der Erfassung von Geometrie und Textur auch
innerhalb des angestrebten Zeitraums unter realen
optische Materialeigenschaften berücksichtigt werden.
Museumsbedingungen umgesetzt werden kann.
Dies erfolgt unter Verwendung von neuesten Generationen autonomer und nachgiebiger Roboter sowie
CultLab3D wird vom BMWi und der Fraunhofer-Geselloptischen Scantechnologien, die unter Berücksichtischaft gefördert. Es wurde 2013 auf der Digital Herigung der Umgebungsbeleuchtung eingesetzt werden.
tage Konferenz, der bisher größten Veranstaltung zum
Weiteres Ziel des Verbundprojektes ist die Verknüpfung
Thema Digitales Kulturgut unter der Schirmherrschaft
von 3D-Modellen mit multimedialen Informationen
der UNESCO, mit dem „Digital Heritage International
und Metadaten. Gegenwärtig befindet sich CultLab3D
Congress and V-MUST.NET“-Preis für das technisch
noch in der Entwicklungsphase. Im Rahmen von ersten
beste Exponat ausgezeichnet.
Praxistests mit Museumspartnern konnte eine Auswahl

Digitale Medien in der Bildung
Neben den technologischen und ökonomischen Konsequenzen bewirkt die Digitalisierung auch einen tiefgreifenden Transformationsprozess zu einer digitalen
Informations- und Wissensgesellschaft. Die Bundesregierung adressiert daher in der Digitalen Agenda auch
das Thema der Stärkung der digitalen Medienkompetenz in vielfältigen Facetten. Im Privat- oder Berufsleben sind digitale Medien bereits allgegenwärtig. Diese
Entwicklung erfordert zum einen die fortlaufende Weiterentwicklung des Bildungssystems und sollte zum

anderen neben den Potenzialen digitaler Medien, beispielsweise in der Bildung, auch auf die durch digitale
Medienumgebungen entstehenden Herausforderungen
für Kinder und junge Menschen abstellen. Hieraus
ergeben sich neue Forschungsfragen. Bildungsangebote
mit digitalen Medien stellen den lernenden Menschen
mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt. Sie schaffen Voraussetzungen, um mit schnell wechselnden
Lerninhalten Schritt zu halten. Digitale Medien bieten
somit hohe Flexibilität für eine schnellere Anpassung
an neue Entwicklungen und einen veränderten Bedarf.
Sie bieten auch neue methodische Zugänge zum Lernen und zur Kompetenzentwicklung für spezifische

102 	

Zielgruppen. Insbesondere für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in Schule und Beruf leisten
digitale Medien einen wesentlichen Beitrag.
Das BMBF fördert derzeit im Rahmen des Förderprogramms Digitale Medien in der beruflichen Bildung
(DIMEBB) und mit dem Einsatz von Mitteln aus dem
Europäischen Sozialfonds in mehreren Initiativen die
Entwicklung, Erprobung und den Einsatz neuer Bildungsangebote mit digitalen Medien in der beruflichen
Aus- und Weiterbildung. Gefördert werden aktuell
knapp 200 Einzelvorhaben mit einem Fördervolumen
von jährlich ca. 13 Mio. Euro. Mittels der Förderung
werden qualifizierte Angebote zur beruflichen Qualifizierung und Weiterbildung geschaffen. Es werden
Lernortkooperationen und die Vernetzung der Akteure
auf dem Bildungssektor unterstützt, die somit zu einer
stärkeren Durchlässigkeit innerhalb des nationalen
Bildungssystems beitragen. Ein Schwerpunkt der Förderung liegt auf Projekten zur Stärkung der Medienbildung. Die regelmäßig stattfindende Programmtagung
eQualification bietet den geförderten Projekten in
zahlreichen Workshops und Diskussionsforen die Möglichkeit des fachlichen Austauschs und der Vernetzung.
Regelmäßig werden Broschüren und Flyer zu einschlägigen Themen im Bereich des Förderprogrammes
veröffentlicht.
Kinder und Jugendliche haben Digitale Medien ganz
selbstverständlich in ihren Alltag integriert. Im Umgang damit erwerben sie wichtige Schlüsselkompetenzen zur Teilhabe in unserer medial geprägten Gesellschaft. Mit der zunehmenden Bedeutung von digitalen
Medien im Alltag der Kinder und Jugendlichen steigen
auch die Anforderungen an ihre digitale Medienkompetenz. Diesen Aspekt hat das BMFSFJ in zwei Forschungsvorhaben näher untersucht: Im Monitoring
Jugendmedienschutz und Medienerziehung in digitalen
Medienumgebungen: Empirische Evidenz und politische
Herausforderungen des Hans-Bredow-Instituts sowie
im Projekt Digitale Medien: Beratungs-, Handlungs- und
Regulierungsbedarf aus Elternperspektive des Deutschen
Jugendinstituts (DJI).
Das Monitoring Jugendmedienschutz und Medienerziehung in digitalen Medienumgebungen: Empirische
Evidenz und politische Herausforderungen umfasst ein
halbjährlich erscheinende Publikation über aktuelle
nationale und internationale Forschungsergebnisse

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

und Regulierungsansätze zur familiären Medienerziehung und liefert qualitative Daten zum Alltag der
Medienerziehung in Familien. Das Projekt lieferte
mit Laufzeitende im Jahr 2015 empirisch fundierte
Aussagen und Handlungsoptionen für das politische
Aktionsfeld der Weiterentwicklung des Kinder- und
Jungendmedienschutzes.
Im Forschungsprojekt Digitale Medien: Beratungs-,
Handlungs- und Regulierungsbedarf aus Elternperspektive untersucht das DJI den medienerzieherischen
Beratungsbedarf aus Elternperspektive anhand der
gegenwärtigen Erziehungspraxis in Familien. Es basiert
auf einer Zusatzbefragung des DJI-Survey „Aufwachsen
in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A). Befragt wurden
Elternpaare (Mütter und Väter) mit Kindern im Alter
zwischen einem und 15 Jahren, insgesamt 350 Elternpaare pro Altersjahrgang.

Weitere Informationen im Internet:

Digitale Medien in der Bildung:
www.bmbf.de/de/16684.php
Qualifizierung digital:
www.qualifizierungdigital.de
Jugendmedienschutz und Medienerziehung:
www.hans-bredow-institut.de/de/forschung/
jugendmedienschutz-medienerziehung-digitalenmedienumgebungen
AID:A: www.dji.de/index.php?id=1313

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

103

Modernitätsfonds
Der Modernitätsfonds ist das
datenbasierte Forschungsförderprogramm des BMVI mit einem
Volumen von rund 100 Mio. Euro,
er investiert in die digitale Mobilität und Vernetzung in Deutschland.
Er ist Element des Handlungsfelds „Mobilität fördern und neue
Dienste unterstützen“ der Digitalen
Agenda im Bereich „Digitale Infrastrukturen“.
Das BMVI ist das Ressort mit den
meisten datenhaltenden Behörden
und dem größten Datenvolumen
innerhalb der Bundesverwaltung.
Die Datenvielfalt reicht dabei von
Informationen über Verkehrsinfrastrukturen, Wetter, Meeresumwelt
bis zu Satellitendaten aus dem
europäischen Copernicus-Programm. Die vielfältigen
Nutzungspotenziale dieser Daten in der Verwertung
für Innovation und Vernetzung sind derzeit noch nicht
ausreichend erschlossen.
Ziel des Programms ist daher die Öffnung des Datenbestands des BMVI im Sinne eines Open-Data-Ansatzes
für alle interessierten Akteure. Der Modernitätsfonds
fördert FuE-Vorhaben, die auf Basis der Daten des Geschäftsbereichs systematisch neue Nutzungs- und Vernetzungsmöglichkeiten entwickeln und zielgerichtet
den Datenbedarf der Zukunft identifizieren. Schwerpunkte der Förderung sind die Themen Datenzugang,
Datenbasierte Anwendungen und Daten-Governance.
Auf diese Weise sollen z. B. Effizienzsteigerungen in der
Alltagsmobilität, datenbasierte Geschäftsmodelle in der
digitalen Wirtschaft und eine bessere Datengrundlage
für die Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben realisiert
werden. Der Modernitätsfonds leistet damit nicht nur
einen wesentlichen Beitrag zur Digitalen Agenda der
Bundesregierung, sondern auch zur nationalen Umsetzung der Open-Data-Charta der G8.
Der Modernitätsfonds steht einem breiten Fördernehmerkreis aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft
und Behörden mit FuE-Aufgaben offen. Um Netzwerk-

effekte zu erzielen und die Akteure der Community zusammenzubringen, werden Verbundprojekte zwischen
den unterschiedlichen Fördernehmern ermöglicht. Die
geförderten Projekte können von der Ideenentwicklung bis zur angewandten Forschung und der Erprobung von Prototypen reichen. Die Wettbewerbsformate
Hackathon und Ideenwettbewerb ergänzen die FuEProjektförderung und werden kontinuierlich während
der Förderperiode durchgeführt.

Weitere Informationen im Internet:

BMVI – Modernitätsfonds:
www.bmvi.de/DE/DigitalesUndRaumentwicklung/DigitaleAgenda/Modernitaetsfonds/modernitaetsfonds_node.html
1st BMVI Data-Run:
www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/DG/1stbmvi-data-run.html?nn=134554

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Schlüsseltechnologien
Schlüsseltechnologien sind wichtige Treiber für
Innovationen und sichern die starke und weltweit
wettbewerbsfähige industrielle Basis in Deutschland.
Innovative Entwicklungen aus der Informations- und
Kommunikationstechnologie, der Mikroelektronik, der
Photonik, der Biotechnologie, den Produktionstechnologien sowie den Werkstoff- und den Nanowissenschaften bilden die Grundlage für neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in vielen industriellen und
gesellschaftlichen Anwendungsbereichen. Das Potenzial
technologischer Entwicklungen ist daher zügig für die
Wirtschaft zu erschließen.

Die Bundesregierung fördert die Erforschung und Entwicklung zukunftsträchtiger neuer Technologien, um die
Grundlagen für die Zukunft unseres Landes zu schaffen.
Schlüsseltechnologien leisten einen essenziellen Beitrag
zur Lösung der globalen gesellschaftlichen Herausforderungen, insbesondere in den Schwerpunkten Klima- und
Ressourcenschutz, Medizin, Mobilität und Sicherheit.
Ohne schlüsseltechnologiegetriebene Innovationen
wären weder moderne medizinische Diagnostikverfahren
noch eine Verringerung des CO2-Ausstoßes im Straßenverkehr denkbar. Die Bundesregierung fördert Schlüsseltechnologien daher gezielt zur Umsetzung der fünf
prioritären Zukunftsaufgaben der Hightech-Strategie.
Schlüsseltechnologien sind auch aufgrund ihrer
volkswirtschaftlichen Hebelwirkung von besonderer
Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Die konsequente Nutzung der wirtschaftlichen Potenziale von
Schlüsseltechnologien sichert die starke Position des
Produktionsstandorts Deutschland im globalen Wettbewerb. Insbesondere auch kleine und mittelständische
Unternehmen profitieren von einer breiten Nutzung der
Schlüsseltechnologien für die Entwicklung international

wettbewerbsfähiger Produkte und Dienstleistungen. Daher ist es ein wichtiges strategisches Ziel der Förderung
Brücken zwischen Technologien und Anwendungsfeldern
zu bauen, um Forschungsergebnisse rasch in wirtschaftliche Erfolge umzuwandeln.
Produktionstechnologien sind ähnlich wie IKT von
zentraler Bedeutung, da sie eine Querschnittfunktion
einnehmen. Sie integrieren andere Schlüsseltechnologien und geben diesen ihrerseits wieder Impulse zurück.
Erfolgreich wird zukünftig das Unternehmen sein,
dem es gelingt, die vielfältigsten Wissensdisziplinen in
Produktionsnetzwerken zu beherrschen und bedarfsgerechte Produkte zu entwickeln. Produktionstechnologien
nutzen und integrieren innovative Erkenntnisse anderer
Schlüsseltechnologien wie insbesondere aus der Nanotechnologie, Mikrosystemtechnik, Biotechnologie sowie
aus den optischen und Werkstofftechnologien und IKT.
Je nachhaltiger es gelingt, Kompetenzen in Produktionstechnologien und Produktionssystemen zu stärken, desto
besser wird die Wettbewerbsposition der Unternehmen
im globalen Umfeld und desto größer ist der Effekt auf
Wohlstand und Beschäftigung in Deutschland (siehe
auch III 1.3 Arbeit, Produktion und Dienstleistung).
Der innovations- und industriepolitischen Bedeutung der
Schlüsseltechnologien (engl. Key enabling technologies,
KET) wird insbesondere auch auf europäischer Ebene
Rechnung getragen. So sind Förderung und Ausbau der
Schlüsseltechnologien zentraler Bestandteil der Strategie Europa2020, der Innovationsunion und der Digitalen
Agenda für Europa. Ihre Bedeutung für die industrielle
Zukunft Europas wird darüber hinaus in den Veröffentlichungen For a European Industrial Renaissance (2014)
und A Stronger European Industry for Growth and Economic Recovery (2012) deutlich.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Elektronik und Elektroniksysteme
Elektronische Systeme gehören zu den wichtigsten Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Die
Elektronik hat alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche
unserer Gesellschaft erobert. Elektronische Bauteile in
Computern und in Mobiltelefonen, in der Haushalts-,
Unterhaltungs- oder Automobiltechnik erleichtern
den Alltag und sind unverzichtbar für Innovationen
in allen modernen Technologiebereichen. Auch in
Zukunft werden Elektroniksysteme einen wichtigen
Beitrag leisten, insbesondere für die Steigerung der
Energieeffizienz, im Feld der Elektromobilität und
in der Digitalisierung der Industrie. Trotz des starken
internationalen Wettbewerbs ist die deutsche Elektronikindustrie strategisch gut positioniert und setzt
sowohl auf grundlagen- als auch anwendungsbezogene
Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (siehe auch
Infobox Mikrosystemtechnik).
Die Förderung von Elektronik und Elektroniksystemen erfolgt bisher maßgeblich unter dem Dach der
Programmgruppe IKT 2020, dem BMBF-Forschungsprogramm im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien. Anfang 2016 erschien ein
neues Rahmenprogramm der Bundesregierung zur
Förderung der Mikroelektronik in Deutschland. Bis
2020 beabsichtigt das BMBF damit bis zu 400 Mio. Euro
für Innovationen in der Mikroelektronikindustrie und
ihren Anwenderbranchen bereitzustellen.
Im Fokus der Förderung stehen neue Anwendungen
im Bereich der energieeffizienten Leistungselektronik durch Forschungen zu innovativen Materialien,
Bauelementen, Schaltungen sowie neuen Aufbau-,
Verbindungs- und Prozesstechniken. Mit moderner
Leistungselektronik lassen sich die Verluste, die bei der
Umformung und der Verteilung elektrischer Energie
entstehen, auf ein Minimum reduzieren. Auch die
Elektromobilität ist ein bedeutendes Anwendungsfeld
für innovative Forschung an elektronischen Systemen.
Die Forschungsförderung auf dem Gebiet der elektronischen Komponenten und Systeme ermöglicht
zukunftsweisende Innovationen für das Auto von
morgen (siehe auch III 1.5 Mobilität). Ein weiteres Fördergebiet im Berichtszeitraum ist die Weiterentwicklung der elektronischen Sensortechnik. Der Einsatz
moderner sensorgestützter Verfahren und Bauteile, wie

105

z. B. RFID-Transponder (radio-frequency identification), ermöglicht die Optimierung, Flexibilisierung und
Beschleunigung von Produktionsprozessen.
Thematische Förderschwerpunkte wurden im Berichtszeitraum in folgenden Bereichen gesetzt:
∙∙ Kompakte und robuste Leistungselektronik der
nächsten Generation (KomroL) zur Erschließung
von Energie-Einsparpotenzialen beispielsweise im
Bereich der nachhaltigen Mobilität
∙∙ Elektroniksysteme für das vollautomatisierte Fahren
(ELEVATE) zur Erarbeitung technologischer Grundlagen für das automatisierte Fahren in urbanen
Umgebungen und die Nutzung von Synergien von
elektrischem und automatisiertem Fahren
∙∙ Sensorbasierte Elektroniksysteme für Anwendungen
für Industrie 4.0 (SElekt 4.0) zur Vernetzung der Produktion durch elektronische Sensoren
Das BMBF unterstützt die regionale Vernetzung und
enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie
zur Sicherung der schnellen wirtschaftlichen Nutzung
von Innovationen im Bereich der Mikroelektronik:
∙∙ Die Spitzencluster-Förderung hat mit CoolSilicon in
Sachsen und mit MicroTec Südwest in Baden-Württemberg komplexe Netzwerke aus Produzenten von
Halbleiterbauelementen, Material- und Technologiezulieferern, Serviceeinrichtungen sowie FuE-Strukturen wachsen lassen. Durch die BMBF-Förderung
von Kompetenzzentren sollen in Zukunft weitere
Technologiecluster und regionale Vernetzungsaktivitäten für Elektronikbauelemente und Geräte für die
Elektronikfertigung angestoßen werden.
∙∙ Mit der European Strategy for Micro- and Nanoelectronic Components and Systems aus dem Jahr 2013 hat
die Europäische Kommission einen Vorschlag zur zukünftigen Gestaltung der Förderung von Forschung
und Innovation auf europäischer Ebene vorgelegt.
Die Bundesregierung übernimmt eine aktive Rolle
bei der Ausgestaltung und Umsetzung der europäischen Förderstrategie.
∙∙ Der Bund und das Land Sachsen stärken die deutsche
Beteiligung an dem europäischen Forschungsprogramm ECSEL (Electronic Components and Systems
for European Leadership) und stellen dafür gemein-

106 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

sam bis zu 400 Mio. Euro bereit. Ziel des bis 2024
laufenden Programms ist es, den Weltmarktanteil der
europäischen Mikroelektronik erheblich zu steigern.
∙∙ Im Berichtszeitraum haben Vertreter der beteiligten
Länder und des europäischen Industrieverbandes
Aeneas den Startschuss für den EUREKA-Cluster

Pan European partnership in micro and Nano-Technologies and Applications (PENTA) gegeben. PENTA
ermöglicht von 2016 bis 2020 Forschungsprojekte
zur Mikroelektronik im Umfang von mindestens 500
Mio. Euro, an denen sich der Bund mit einer Förderung von insgesamt 50 Mio. Euro beteiligen will.

Neue Materialien und Werkstoffe
Mikrosystemtechnik
Mikrosysteme sind kleinste technische Strukturen, die Signale aus ihrer Umwelt aufnehmen und
selbstständig in zielgerichtete Aktionen umsetzen.
In der Mikrosystemtechnik werden mikromechanische, -optische oder -fluidische Bauelemente zu
immer leistungsfähigeren mikroelektronischen Systemen verbunden. Das breite Einsatzspektrum der
Mikrosystemtechnik reicht von der Kfz-Sicherheit
über Medizin und altersgerechte Assistenzsysteme
bis zur Produktionstechnik. Die BMBF-Förderung
der Mikrosystemtechnik und deren interdisziplinäres Zusammenwirken mit anderen Schlüsseltechnologien tragen dazu bei, wegweisende technologische Lösungen für „Systeme für den Menschen“ zur
Verfügung zu stellen, um gesellschaftliche Herausforderungen wie den demografischen Wandel zu
bewältigen.

Weitere Informationen im Internet:

BMBF-Informationen zur Mikroelektronik:
www.bmbf.de/de/14708.phpwww.bmbf.de/
de/6247.php
BMBF-Programm IKT 2020 - Forschung für
Innovation: www.bmbf.de/de/9069.php
ECSEL Joint Undertaking: www.ecsel-ju.eu/web/
index.php
EUREKA-Cluster PENTA: penta-eureka.eu

Innovationen aus der Materialforschung sind ein
Schlüssel bei der Lösung unserer Zukunftsaufgaben.
Neue Werkstoffe helfen, die Material- und Energieeffizienz zu steigern, die Lebensqualität zu verbessern und
die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu erhöhen. Die
Anwendungsfelder für neue Materialien und Werkstoffe sind vielfältig. Sie reichen von der Energietechnik,
der Ressourcenschonung, der Mobilität, Gesundheit
und Lebensqualität bis zu Anwendungen im Bausektor.
Im Jahr 2015 hat das BMBF mit Vom Material zur Innovation ein neues Rahmenprogramm zur Förderung der
Materialforschung veröffentlicht. Das Förderprogramm
baut auf dem erfolgreichen Vorgängerprogramm
Werkstoffinnovationen für Industrie und Gesellschaft
– WING auf, welchem der 2015 veröffentlichte Evaluierungsbericht eine zielführende Förderstrategie
attestierte.
Die Förderung richtet sich an Kooperationsprojekte
zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, wobei insbesondere KMU
stärker in den Innovationsprozess eingebunden sowie
wissenschaftliche Nachwuchskräfte qualifiziert werden
sollen. Das neue Förderprogramm ist bis zum Jahr
2025 angelegt und mit rund 100 Mio. Euro jährlich
ausgestattet. Schwerpunkte der Förderung sind beispielsweise der Ausbau von Werkstoffplattformen, die
Entwicklung industriell breiter Prozess- und Produktinnovationen und die Unterstützung anwendungsorientierter Projekte zu Werkstoffinnovationen.
Werkstoffplattformen sind übergreifende Cluster
unterschiedlicher Projekte zu einer Werkstofftechnologie oder Materialgruppe. Eine erfolgreiche Werkstoffplattform entwickelt Werkstoffe bis zu einem
technologischen Reifegrad, der es erlaubt, verschiedene
anwendungsorientierte Entwicklungen aufzugreifen.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Themen für mögliche Werkstoffplattformen sind adaptive und intelligente Materialien, Hybridwerkstoffe,
Carbon-Werkstoffe, katalytische Materialien, MagnetMaterialien sowie Biomaterialien.
Hinsichtlich der Prozess- und Fertigungstechnik werden Innovationen in der wirtschaftlichen Herstellung
und Verarbeitung, wie zum Beispiel durch Flexibilisierung, Hochautomatisierung und Digitalisierung, durch
künftige Förderaktivitäten mit adressiert.
Parallel zu den spezifischen Themen der Materialforschung fördert das BMBF Querschnittsaktivitäten. Thematische Förderschwerpunkte wurden im Berichtszeitraum in folgenden Bereichen gesetzt:
∙∙ KMU–innovativ: Materialforschung unterstützt seit
2015 gezielt kleine und mittlere Unternehmen bei
Forschungsvorhaben im Bereich der Materialentwicklung und der Nanotechnologie.
∙∙ Der Nachwuchswettbewerb NanoMatFutur 2015
wendet sich in seiner nunmehr dritten Wettbewerbsrunde an exzellente Nachwuchsforscherinnen und
Nachwuchsforscher aus den Bereichen der Materialund Nanowissenschaften. Er ermöglicht herausragenden Postdoktorandinnen und Postdoktoranden
den Aufbau einer eigenen Nachwuchsgruppe und
fördert die Qualifikation für zukünftige Leitungsaufgaben in Wissenschaft und Industrie.
∙∙ NanoMatTextil fördert die Anwendung von
Erkenntnissen der Werkstoff- und Nanotechnologie
in der Textilindustrie.
∙∙ In der Förderung der Materialforschung im Anwendungsfeld Gesundheit und Lebensqualität werden
beispielsweise innovative Therapie- und Diagnoseverfahren erforscht, um beispielsweise durch den
Einsatz von Nanomaterialien einen effizienteren
Wirkstofftransport im Körper zu ermöglichen (BioTransporter).
∙∙ Innovationsallianzen von Industrie und Wissenschaft fördert das BMBF in den Themenfeldern
Kohlenstoff-Nanoröhren (Inno.CNT) und LithiumIonenbatterien (LIB 2015).

107

Nanorisikoforschung als Teil
der Materialforschung
Als ein Teilbereich der Werkstoffforschung haben
nanotechnologische Anwendungen bereits in eine Vielzahl von Produkten und Prozessen Einzug gehalten.
Dabei werden gezielt neue funktionelle Eigenschaften
ausgenutzt, die Objekte und Materialstrukturen mit
Dimensionen im Nanometerbereich aufweisen. Die
Erschließung des wirtschaftlichen Potenzials der Nanotechnologie setzt einen verantwortungsvollen Umgang
mit ihr voraus. Der Nutzen nanotechnologiebasierter Produkte muss gegenüber potenziellen Risiken
und Gefahren von Nanomaterialien für Mensch und
Umwelt sorgfältig abgewogen werden. Aus diesem
Grund stellt die Nanorisikoforschung einen wichtigen
Schwerpunkt in der Förderung durch den Bund dar. Im
Rahmen des Aktionsplans Nanotechnologie 2020 bündelt die Bundesregierung ihre Aktivitäten zur Nanorisikoforschung und unterstützt – beispielsweise durch
Aktivitäten der Ressortforschungseinrichtungen – die
Gestaltung innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen inklusive KMU.
Das BMBF fördert nationale Vorhaben mit Bezug zur
Nanorisikoforschung im Rahmen der Fördermaßnahme NanoCare, auf europäischer Ebene beispielsweise
durch Beteiligung an Koordinierungsmaßnahmen wie
ERA-Net SIINN und durch Aktivitäten des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation (Horizont
2020).

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – Material und Werkstoffforschung:
www.werkstofftechnologien.de sowie
www.bmbf.de/de/neue-werkstoffe-und-materialien-536.html
BMBF – Kompetenzkarte Werkstofftechnologie:
www.werkstofftechnologien.de
Wissensbasis Nanomaterialien: Nanopartikel.info

108 	

Photonik
Licht wird nicht nur für die Beleuchtung benutzt,
sondern ist heute ein sehr flexibles und wirksames
Werkzeug in der Forschung, in der Produktion, der
Kommunikation und der Medizin. Die photonische
Industrie erforscht und produziert Technologien für
die Erzeugung, Steuerung und Messung von Licht.
Auf diesem Gebiet sind deutsche Unternehmen und
Institute international führend. Ihre Forschungsergebnisse und Produkte beeinflussen unter anderem
die Produktionstechnik, Bildverarbeitung und Messtechnik, Medizintechnik und Lebenswissenschaften,
Beleuchtungstechnik, Energietechnik sowie optische
Komponenten und Systeme etwa für die Computerund Kommunikationstechnik.
Das BMBF-Forschungsprogramm Photonik Forschung
Deutschland – Licht mit Zukunft ist in einem offenen
Dialog mit der Fachwelt entstanden und stellt die
gemeinsame Strategie von Bundesregierung, Instituten
und Unternehmen für die Photonikforschung 2012 bis
2021 dar. Das Innovationssystem der Photonik wird so
weiterentwickelt, dass die Chancen der Schlüsseltechnologie optimal genutzt werden können. Bis 2021 stellt
die Bundesregierung dafür jährlich rund 100 Mio. Euro
zur Verfügung.
Thematische Förderschwerpunkte wurden im Berichtszeitraum in folgenden Bereichen gesetzt:
∙∙ Seit 2015 fördert das BMBF im Förderschwerpunkt
Effiziente Hochleistungs-Laserstrahlquellen (EffiLAS)
innovative Laserstrahlquellen, um deren Markteintritt zu beschleunigen und Einsatzgebiete zu erweitern.
∙∙ In der Maßnahme Open Photonik werden moderne
Open-Innovation- und Open-Source-Ansätze für
den Innovationsprozess gefördert, um Innovationsprozesse vielfältiger und offener zu machen und damit auch unerwartete Innovationen zu ermöglichen
(siehe auch III 5 Transparenz und Partizipation).
∙∙ Die Initiative Make Light unterstützt die MakerBewegung bei der Nutzung des Lichts, u. a. mit einem
jährlichen Online-Wettbewerb und Maker-Treffen.
Zum Festival of Lights in Berlin fand im Oktober
2015 das Make-Light-Labor für Schülerinnen und
Schüler sowie Familien statt.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

∙∙ Photonik Plus – Neue optische Basistechnologien
unterstützt seit 2015 komplexe und risikoreiche
Projekte der optischen Grundlagenforschung mit
großem Marktpotenzial.
∙∙ Die Maßnahme Digitale Optik berücksichtigt die
enge Verzahnung optischer und elektronischer
Funktionsebenen und fördert die interdisziplinäre
Erforschung von integrierten Systemen, Technologien und Funktionalitäten.
∙∙ Die Maßnahme Photonische Systemlösungen für
Medizin und Biotechnologie zielt auf die Erforschung
von Geräten für den Einsatz im praktischen Kontext, z. B. für die patientennahe Diagnostik, für die
medizinische Therapie in Klinik und Praxis oder zur
Überwachung des aktuellen Gesundheitszustands
durch Körpersensoren.
∙∙ Gezielte Unterstützung von Forschung und Entwicklung im Bereich der Optischen Technologien erfahren kleine und mittelständische Unternehmen in der
2015 veröffentlichten Maßnahme KMU-innovativ:
Photonik (siehe auch III 3 Innovationsdynamik in der
Wirtschaft).

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – Photonik: www.bmbf.de/de/3591.php
Überblick zur deutschen Photonikbranche:
www.photonikforschung.de

Mensch-Technik-Interaktion
Interaktive Technologien bedeuten einen grundlegenden Wandel in der Technologieentwicklung. Basierend
auf Schlüsseltechnologien wie den Informations- und
Kommunikationstechnologien und der Elektronik optimieren sie das Zusammenspiel von Mensch und Technik. Auf diese Weise entstehen innovative Lösungen,
die Menschen in immer mehr Lebensbereichen unterstützen – von der mitdenkenden Wohnung über die
intelligente Mobilität und die Gesunderhaltung bis hin
zur assistierten Pflege. Moderne Technologien optimal
den Bedürfnissen des Menschen anzupassen, ist eine

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

große Herausforderung für die Gesellschaft. Das BMBF
fördert die Entwicklung interaktiver Technologien im
Rahmen des Förderschwerpunktes Mensch-TechnikInteraktion (MTI). In dem Förderschwerpunkt wurden
unter anderen folgende Fördermaßnahmen aufgelegt:
∙∙ In den beiden Innovationsclustern BeMobil und KogniHome werden unterstützende technische Systeme
für den Alltag entwickelt; im Fokus stehen das selbstbestimmte Wohnen und die Bewegungsmobilität im
Alter (seit 2014).
∙∙ Mit den drei Förderschwerpunkten Pflegeinnovationen für Menschen mit Demenz (seit 2014), Pflegeinnovationen zur Unterstützung informell und professionell Pflegender (seit 2014) und Innovationen für die
Intensiv-und Palliativpflege (seit 2015) werden Innovationen der MTI gefördert, die dazu beitragen, die
Selbstbestimmung und Lebensqualität von Pflegebedürftigen zu verbessern und professionell Pflegende
ebenso wie pflegende Angehörige zu entlasten.
∙∙ Innovationen für Kommunen und Regionen im demografischen Wandel (InnovaKomm) fördert Innovationen der MTI, welche konkrete Probleme von
Kommunen und Regionen aufgreifen (seit 2014).
∙∙ Vom technischen Werkzeug zum interaktiven Begleiter
(InterEmotio) fördert Projekte der MTI, die durch die
Integration sozialer und emotionaler Aspekte die
Funktionalität und Effizienz interaktiver Systeme
erhöhen (seit 2013).
∙∙ Interdisziplinärer Kompetenzaufbau zur MenschTechnik-Interaktion für den demografischen Wandel
fördert technologische Innovationen und Konzepte
der MTI für mehr Selbstbestimmung und Lebensqualität älterer Menschen (seit 2013).
Im Dezember 2015 wurde das neue Forschungsprogramm zur Mensch-Technik-Interaktion Technik
zum Menschen bringen gestartet. Mit ihm werden die
bisherigen Fördermaßnahmen des BMBF im Bereich
der MTI weiterentwickelt und intensiviert. Die Themenfelder des Forschungsprogramms orientieren sich
an den gesellschaftlichen Herausforderungen, die die
Bundesregierung in ihrer neuen Hightech-Strategie
als prioritäre Zukunftsaufgaben identifiziert hat. Im
Zentrum stehen die Themen Intelligente Mobilität,
Digitale Gesellschaft und Gesundes Leben. Zeitgleich
mit dem Start des Programms wurde bereits der neue
Förderschwerpunkt Interaktive körpernahe Medizintechnik ins Leben gerufen. Für die weitere Umsetzung

109

des Forschungsprogramms stellt das BMBF bis Ende
2020 jährlich bis zu 70 Mio. Euro zur Verfügung.
Kennzeichnend für die Fördermaßnahmen des BMBF
im Bereich der MTI ist ein integrierter Forschungsansatz: Neben den technischen Aspekten der MenschTechnik-Interaktion betrachtet das Forschungsprogramm auch die nichttechnischen Dimensionen, die
mit einer verantwortungsvollen Gestaltung der Forschung und Entwicklung verbunden sind. Dazu zählt
die Auseinandersetzung mit den ethischen, rechtlichen
und sozialen Fragen der MTI ebenso wie die Nutzerintegration und die internationale Perspektive. Diese
Aspekte werden im Rahmen dieses Forschungsprogramms systematisch zusammengeführt und wechselseitig aufeinander bezogen.
Ein wesentliches Ziel des Forschungsprogramms ist
darüber hinaus eine signifikante Beteiligung von KMU,
um das vorhandene Innovationspotenzial des deutschen Mittelstands zu erhalten, zu nutzen und auszubauen. KMU werden daher in den Fördermaßnahmen
zur MTI besonders berücksichtigt. Sie haben überdies
Zugang zur BMBF-Förderlinie KMU-innovativ. Im Rahmen dieser Förderlinie ist ein eigener Technologie- und
Anwendungsbereich zur MTI eingerichtet worden.

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – Forschungsprogramm zur MenschTechnik-Interaktion:
www.mtidw.de/forschungsprogramm
BMBF – Aktuelle Fördermaßnahmen zur MenschTechnik-Interaktion:
www.mtidw.de/ueberblick-bekanntmachungen
BMBF – KMU-innovativ Technologiebereich zur
Mensch-Technik-Interaktion: www.mtidw.de/
ueberblick-bekanntmachungen/kmu-innovativ

110 	

1.2 	Nachhaltigkeit, Klima und Energie
Unsere Produktionsweisen und unser Konsumverhalten sollen ressourcenschonender, umweltfreundlicher, sozialverträglicher und damit nachhaltiger werden. Die Bundesregierung hat sich in der Hightech-Strategie dem Leitbild des
nachhaltigen Wirtschaftens verpflichtet. Forschung für nachhaltige Entwicklung und eine umwelt- und gesellschaftsverträgliche Energieversorgung ermöglicht innovative Lösungen und liefert Entscheidungsgrundlagen für zukunftsorientiertes Handeln gemäß unserer Verantwortung für die heutigen und kommenden Generationen.

Die Bundesregierung bündelt ihre Forschungsanstrengungen für eine umweltschonende, zuverlässige und
bezahlbare Energieversorgung und den Wandel zur
Nachhaltigkeit in der Rohstoffstrategie der Bundesregierung, dem FONA-Rahmenprogramm (FONA –
Forschung für Nachhaltige Entwicklung), der Nationalen
Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 – unser Weg zu
einer biobasierten Wirtschaft sowie im 6. Energieforschungsprogramm.
Mit dem 2015 gestarteten dritten BMBF-Rahmenprogramm Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA3)
wird die Forschung für Nachhaltigkeit noch wirksamer
gefördert und stärker fächerübergreifend, bedarfs- und
anwendungsorientiert ausgerichtet. Die Nachhaltigkeitsforschung in FONA³ hat zum Ziel, Optionen
für eine nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise
aufzuzeigen. Durch FONA³ wird die Nachhaltigkeitsforschung enger in den gesellschaftlichen Diskurs
eingebunden und dadurch relevanter für die nachhaltige Entwicklung.

In Anbetracht von Zielkonflikten zwischen Flächennutzung, Schutz der biologischen Vielfalt und Ernährungssicherung auf der einen und der Nutzung biogener
und erneuerbarer Ressourcen für industrielle Anwendungen und Energieträger auf der anderen Seite sind
ganzheitliche Forschungsansätze notwendig. Mit der
Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 hat
die Bundesregierung unter Federführung des BMBF
konkrete Weichen für den Wandel zu einer biobasierten, nachhaltigen und an natürlichen Stoffkreisläufen
orientierten Industrie und Gesellschaft gestellt. Auch die
Forschungsagenda Green Economy verbindet Ökonomie,
Ökologie und Gesellschaft mit dem Ziel, ein nachhaltiges
Wirtschaftssystem zu etablieren, das natürliche Ressourcen schont, negative Umweltauswirkungen minimiert
und so ein qualitatives Wachstum ermöglicht.
Urbanisierung führt weltweit dazu, dass sich der Energie- und Ressourcenverbrauch überwiegend auf die
Städte und ihr Umland konzentriert. Alle gesellschaftlichen Akteure sind gefragt und alle Politikfelder betrof-

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

fen, deshalb müssen sie konzeptionell und praktisch
zusammengeführt werden. Dies geschieht in der Innovationsplattform Zukunftsstadt der Bundesregierung.
Auf ihr werden forschungs- und innovationspolitische
Initiativen von Ressorts, Kommunen, Wissenschaft,
Wirtschaft und Zivilgesellschaft abgestimmt, vernetzt
und der bessere Transfer von Wissen und Technologien
in die kommunale Praxis ermöglicht.
Die Bundesregierung hat die Ziele der Energieforschungspolitik im 6. Energieforschungsprogramm
Forschung für eine umweltschonende, zuverlässige und
bezahlbare Energieversorgung festgelegt. Das Programm
unter der Federführung des BMWi definiert Rahmen und Struktur der Energieforschung des Bundes,
benennt Leitlinien der Förderung von Forschung und
Entwicklung und informiert über vorrangige Förderbereiche. Die Energieforschung ist ein wichtiges Element
der Energiepolitik. Mit der thematischen Schwerpunktsetzung auf die Bereiche erneuerbare Energien und
Energieeffizienz ist das Programm an den Zielvorgaben
der Energiewende ausgerichtet. In das 6. Energieforschungsprogramm sind auch das BMBF und das BMEL
mit umfangreichen Förderaktivitäten eingebunden.

Bioökonomie
Bioökonomie ist die nachhaltige Erzeugung und Nutzung biogener Ressourcen, um Produkte, Verfahren
und Dienstleistungen in allen wirtschaftlichen Sektoren
bereitzustellen. Deutschland setzt zur Lösung globaler
Herausforderungen, wie etwa der Energie- und Rohstoffsicherung unter Berücksichtigung von Klimaschutz,
Ressourcenschonung und wachsender Weltbevölkerung,
auf einen Strukturwandel stärker hin zur wissensbasierten Bioökonomie. Wesentliche Grundlage hierfür sind die
Nationale Politikstrategie Bioökonomie der Bundesregierung aus dem Jahr 2013 und die 2014 mit dem Aktionsplan Wegweiser Bioökonomie konkretisierte Nationale
Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 aus dem Jahr 2010.
Eine stärker biobasierte und nachhaltige Wirtschaft
verlangt aufgrund der Vielfalt an Rohstoffen, Verfahren,
Produkten, Techniken und Anwendungen ein Bündel
an Maßnahmen, die auf unterschiedliche Kompetenzen
und Wissenschaftsgebiete zurückgreifen. Im Mittelpunkt stehen in den kommenden Jahren die Stärkung

111

des Systemansatzes in der Bioökonomie, die Intensivierung eines partizipativen Diskurses mit der Gesellschaft,
die Weiterentwicklung von Innovationsbündnissen
zwischen Forschung und Industrie sowie die Effizienzverbesserung bei der Nutzung biologischer Ressourcen.
Ergänzend dazu hat die Bundesregierung mit der
Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 fünf
prioritäre Handlungsfelder für die Forschung festgelegt: Weltweite Ernährungssicherheit, Nachhaltige
Agrarproduktion, Gesunde und sichere Lebensmittel,
Industrielle Nutzung nachwachsender Rohstoffe und
Energieträger auf Biomassebasis.
Ganzheitliche Ansätze der Bioökonomie können
insbesondere dann entwickelt werden, wenn sich alle
relevanten Akteure der Innovationskette in Plattformen
und Netzwerken zusammenfinden, Kompetenzen und
Wissen geteilt sowie im nationalen und internationalen
Kontext genutzt werden. Damit innovative Produkte
und Systemlösungen mit hohem Wertschöpfungspotenzial schnell und effizient in die Märkte gelangen, müssen
kritische Stellen im Innovationsprozess frühzeitig
identifiziert und gezielt angegangen werden. Erfolgreiche Beispiele dafür sind die BMBF-Fördermaßnahmen
Neue Produkte für die Bioökonomie und der Gründerwettbewerb Go-Bio. Beide forcieren die Verwertung
von wissenschaftlichen Erkenntnissen für innovative
Produkte und Dienstleistungen im Bereich der Bioökonomie (siehe auch III 3.2 Innovative Start-ups).
Der Umsetzungsprozess der strategischen Ansätze und
operationellen Maßnahmen soll durch den Fortschrittsbericht zur Nationalen Politikstrategie Bioökonomie dokumentiert werden.
Das BMEL fördert Vorhaben im Bereich der Bioökonomie insbesondere über das Förderprogramm
Nachwachsende Rohstoffe, das Programm zur Innovationsförderung und das Bundesprogramm Ökologischer
Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft. Darüber hinaus vertreten BMEL und BMBF
auf europäischer Ebene die deutschen Interessen im
Standing Committee for Agricultural Research (SCAR)
sowie in der Joint Programming Initiative Agriculture,
Food Security and Climate Change (FACCE-JPI).
BMEL und BMBF fördern darüber hinaus seit 2015 in
gemeinsamer Abstimmung innovative Vorhaben der

112 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

industriellen Pflanzenforschung sowie anwendungsorientierte interdisziplinäre Verbundprojekte der
Grundlagenforschung.
Die Transformation zur nachhaltigen biobasierten
Wirtschaft hängt aber nicht nur von technologischen
Innovationen, sondern auch von sozialen Prozessen
und Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Technik,
Wirtschaft und Ökologie ab. Deshalb hat das BMBF im
Jahr 2014 unter dem Titel Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel ein eigenes Konzept zur Förderung geistes-,
sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Forschung
aufgelegt. Auch das BMEL räumt diesen Aspekten einen
breiten Raum ein: Im Förderprogramm Nachwachsende
Rohstoffe des BMEL ist auch der gesellschaftliche Dialog
zur Bioökonomie ein aktueller Schwerpunkt.

Weitere Informationen im Internet:

Informationsplattform Bioökonomie:
www.biooekonomie.de
BMEL – Bioenergie:
www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Nachwachsende-Rohstoffe/Bioenergie/Bioenergie_node.html

Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung
Forschung für nachhaltige Entwicklung erarbeitet innovative Lösungen für die globalen Herausforderungen
Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Bodendegradation
und Rohstoffmangel und liefert Entscheidungsgrundlagen für zukunftsorientiertes Handeln. Das Spektrum
reicht dabei von der Grundlagenforschung bis zur
Entwicklung von einsatzbereiten Anwendungen. Im
Zeitraum von 2010 bis 2014 wurden mit dem zweiten
Rahmenprogramm Forschung für Nachhaltige Entwicklungen (FONA 2) knapp 2 Mrd. Euro Fördermittel für
die Nachhaltigkeitsforschung bereitgestellt. Mit dem
weiterentwickelten Rahmenprogramm FONA³ werden
bis 2020 rund 1,5 Mrd. Euro für Projektförderung und
ca. 0,5 Mrd. Euro für leistungsfähige Forschungsinfrastrukturen zur Verfügung gestellt.

Mit FONA3 wird die Forschung für Nachhaltigkeit noch
wirksamer gefördert. Dazu werden Forschungsvorhaben stärker fächerübergreifend und anwendungsorientiert ausgerichtet. Akteurs- und Nutzergruppen werden
frühzeitig in die Themenfindung und -bearbeitung
eingebunden. Entsprechende Weichenstellungen
nimmt FONA3 vor, indem wichtige gesellschaftliche
Aufgaben und politische Prioritäten mit drei Leitinitiativen gebündelt aufgegriffen werden:
∙∙ Green Economy: Übergang zu einer international
wettbewerbsfähigen, umwelt- und sozialverträglichen Wirtschaftsweise (siehe auch Infobox Umsetzungsplattform Green Economy)
∙∙ Zukunftsstadt: Nachhaltige Entwicklung von Städten
und urbanen Räumen (siehe auch Infobox Innovationsplattform Zukunftsstadt)
∙∙ Energiewende: Transformation der Energieversorgung (siehe auch Infobox Transformation der Energieversorgung)
Zur Realisierung der Leitinitiativen wurden gemeinsam
mit Vertretern aus Ressorts, Wissenschaft, Wirtschaft,
Kommunen, Politik und Zivilgesellschaft in Agendaprozessen Forschungsfragen entwickelt und neue Forschungsschwerpunkte erarbeitet. Dazu wurden 2014
und 2015 im Ergebnis Forschungsagenden zur Green
Economy und Zukunftsstadt veröffentlicht. (siehe auch
III 5 Transparenz und Partizipation).
Über die drei Leitinitiativen hinaus unterstützt das
BMBF im Rahmen von FONA³ Forschung zur Vorsorge.
Diese findet zu drei Feldern statt:
∙∙ Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit erhalten
und verbessern
∙∙ Ressourcen intelligent und schonend nutzen
∙∙ Gemeinschaftsgüter Klima, biologische Vielfalt und
Meere schützen
In diesen Feldern können die Herausforderungen langfristig nur bewältigt werden, wenn auch jenseits von
bereits anwendungsfähigen Lösungen der Erkenntnisfortschritt befördert wird.

	

Die Realisierung der Green Economy
erfordert veränderte, nachhaltige und die
Megatrends berücksichtigende Produktions- und Konsumweisen, damit auch
weltweit und für kommende Generationen Wohlstand
und eine hohe Lebensqualität gesichert werden können. Eine große Rolle spielen dabei die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Akteursgruppen,
etwa zwischen Produzenten und Konsumenten oder
Finanz- und Realwirtschaft. Dies setzt interdisziplinäre
Forschungsansätze voraus und bedingt in vielen Fällen
eine Betrachtung über einzelne Wirtschaftssektoren und
Landesgrenzen hinaus.
Das BMBF hat dazu 2012 gemeinsam mit dem BMUB
den Agendaprozess Green Economy gestartet. Stakeholder und Akteure aus Wirtschaft, Forschung, Politik und
Zivilgesellschaft haben in einem zweijährigen Prozess
gemeinsam die Forschungsagenda Green Economy
erarbeitet. 2014 wurde diese Agenda der Öffentlichkeit
vorgestellt und der Anstoß zu ihrer Umsetzung gegeben.
Die Agenda betrachtet alle Felder wirtschaftlichen Handelns in Deutschland und im internationalen Kontext und
hat sich auf sechs Handlungsfelder festgelegt, die durch
anwendungsnahe Forschung unterstützt werden sollen:
∙∙
∙∙
∙∙
∙∙

Produktion und Ressourcen
Nachhaltigkeit und Finanzdienstleistungen
Nachhaltiger Konsum
Nachhaltige Energieversorgung und -nutzung in der
Wirtschaft
∙∙ Nachhaltige Mobilitätssysteme
∙∙ Infrastrukturen und intelligente Versorgungssysteme
für die Zukunftsstadt
Als Fortsetzung des partizipativen Agendaprozesses wird
durch Begleitung der Umsetzung und Weiterentwicklung

113

Umsetzungsplattform
Green Economy
der Forschungsagenda eine Umsetzungsplattform Green
Economy eingerichtet, die auf der bisherigen Zusammenarbeit mit verschiedenen Ressorts und externen
Partnerorganisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und
Zivilgesellschaft aufbaut. Die Plattform soll den Impuls
der Forschungsagenda dazu nutzen, einen andauernden Prozess der Anregung, Erfindung, Entwicklung und
Einführung von Innovationen für eine Wirtschaftsweise einzuleiten, die sozial, ökologisch und ökonomisch
nachhaltig ist.
In einem ersten Schritt wurde dazu im Rahmen der
Hightech-Strategie der Bundesregierung das Fachforum
Nachhaltiges Wirtschaften (Green Economy) gegründet.
In diesem werden gemeinsam mit 15 Expertinnen und
Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Themenfelder vertieft und konkretisiert, Bedarfe
für Forschung aus Sicht der Anwender ausgelotet und
konkrete Anwendungsschritte erarbeitet. Erste Ergebnisse werden dazu Mitte 2016 vorliegen.
Darüber hinaus wurden erste Förderaktivitäten im Rahmen der Green Economy bereits auf den Weg gebracht.
So z. B. die Fördermaßnahme Nachhaltiges Wirtschaften
der Sozial-ökologischen Forschung (SÖF). Sie stellt das
Potenzial neuer Wirtschaftsformen und Geschäftsmodelle für eine nachhaltige Ökonomie in den Vordergrund;
dies betrifft Formen des geteilten Konsums (share
economy) genauso wie Formen des kollaborativen Produzierens. Zudem zielt die Maßnahme auf ein besseres
Verständnis des Verbraucherverhaltens, auf politische
Instrumente und Rahmensetzungen sowie neue Messund Bewertungsmöglichkeiten zur Unterstützung der
Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise.

114 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Da die Vermittlung von neuen Erkenntnissen und die
Unterstützung von Engagement wichtig sind, wurden
in FONA³ Forschung und Bildung zur nachhaltigen
Entwicklung erstmals systematisch zusammengeführt.
Mit FONA3 wird die Nachhaltigkeitsforschung enger
in den gesellschaftlichen Diskurs eingebunden. Ein
Schwerpunkt innerhalb der gesellschaftsbezogenen
Nachhaltigkeitsforschung ist die Sozial-ökologische
Forschung (SÖF). In einem inter- und transdisziplinären
Forschungsansatz entwickelt sie Orientierungs- und
Handlungswissen zur Umsetzung der deutschen
Nachhaltigkeitsstrategie. Die SÖF greift Themen auf,
die gesellschaftliche Aushandlungsprozesse und Wertediskussionen zum Gegenstand haben, um auf diese
Weise realistische Lösungsoptionen für den Übergang
zu einer nachhaltigen Gesellschaft finden zu können.
Die Projektförderung zu den drei Leitinitiativen bezieht sich auf die Transformation des Energiesystems,
die nachhaltige Entwicklung urbaner Räume und die
Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise. Als wesentliche Merkmale werden bei den Fördermaßnahmen neue Formen der Governance und der
Bürgerbeteiligung zur Unterstützung der Transformationsprozesse erforscht. Darüber hinaus werden auch
inter- und transdisziplinär arbeitende Nachwuchsforschergruppen gefördert.
Das BMUB untersucht im Rahmen seiner Ressortforschung u. a. Möglichkeiten, wie der gesellschaftliche
Wandel in Richtung Nachhaltigkeit unterstützt werden
kann. Dabei werden Transformationsbedingungen und
systemische Ansätze für die deutsche Umweltpolitik
herausgearbeitet, unter denen dieser Wandel erfolgreich gestaltet werden kann. Ziel ist die Entwicklung

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – Rahmenprogramm Forschung für Nachhaltige Entwicklung: www.fona.de
Sozial-ökologische Forschung:
www.fona.de/de/9883
BMUB – Ressortforschung: www.bmub.bund.de/
themen/forschung-foerderung/forschung

eines integrierten Umweltprogramms, das langfristig,
konsistent, international verantwortlich und politikfeldübergreifend angelegt ist. Wie in FONA spielen die
Erforschung und Weiterentwicklung von Methoden und
Formaten der Bürgerbeteiligung sowie neuer Ansätze
einer transformativen Umweltpolitik eine wichtige Rolle. Zudem werden regelmäßig repräsentative Umfragen
zu Umwelt- und Naturbewusstsein durchgeführt und
vertiefende Studien zu speziellen Fragestellungen gesellschaftlichen Handelns in Auftrag gegeben.

Klima, Klimaschutz
Mit dem neuen Klimaschutzabkommen, das auf der
Weltklimakonferenz 2015 in Paris verabschiedet wurde,
haben nun fast alle Staaten, das heißt neben Industriestaaten auch Schwellen- und Entwicklungsländer,
nationale Klimaschutzziele definiert und sind nach
Ratifizierung völkerrechtlich verpflichtet, Maßnahmen
zur Erreichung dieser nationalen Ziele zu ergreifen. Der
hohe Anspruch des Übereinkommens von Paris kommt
darin zum Ausdruck, dass die globale Erwärmung auf
unter 2 Grad Celsius begrenzt werden soll, wobei die
Unterzeichner bestrebt sind, die Erwärmung auf 1,5
Grad zu beschränken.
Maßgebliche Entscheidungsgrundlage waren die vom
Weltklimarat IPCC bereitgestellten Sachstandsberichte, in denen der aktuelle wissenschaftliche Stand zum
Klimawandel zusammentragen wurde. Die IPCCBerichte gaben politischen Entscheidungsträgern eine
klare Orientierung bei ihren Beschlüssen. Klima- und
Klimafolgenforschung stellen somit Grundlagen für
weitreichende klimapolitische Entscheidungen bereit
und tragen maßgeblich dazu bei, das gesellschaftliche
und politische Bewusstsein für die Herausforderungen des Klimawandels zu prägen. Für das nun noch
ambitioniertere Ziel im neuen Klimaschutzabkommen,
die globale Erderwärmung sogar auf nicht mehr als 1,5
Grad Celsius zu beschränken, hat der IPCC den Auftrag
zu einer wissenschaftlichen Analyse der Szenarien zur
Emissionsbegrenzung bekommen.
Die erarbeiteten Befunde und Wissensgrundlagen aus
der Forschung zum Klimawandel unterstützen die umsetzungsorientierten Maßnahmen der Bundesregierung
zum Klimawandel; dargelegt im Fortschrittsbericht 2015

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

der Bundesregierung zur Deutschen Anpassungsstrategie
an den Klimawandel (DAS), im Aktionsplan Anpassung II
(APA II) , im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 sowie
auch in dem voraussichtlich Mitte 2016 erscheinenden
Klimaschutzplan 2050. Mit Blick auf die Verstetigung
des DAS-Prozesses und die Erreichung strategischer
Ziele bei der Anpassung an den Klimawandel richtet der
Bund ein Gesamtangebot für Klimadienste und Dienste
zur Unterstützung der Klimaanpassung ein. In nationaler Umsetzung des globalen Rahmenwerks für Klimadienste (GFCS) wurde dazu im Herbst 2015 der Deutsche
Klimadienst (DKD) mit einer Geschäftsstelle beim Deutschen Wetterdienst (DWD) eingerichtet. Die Forschungsförderung im Bereich Klima und Klimaschutz erfolgt
schwerpunktmäßig durch das BMBF, ergänzt durch die
Ressortforschung des BMUB sowie durch das BMVI
(siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in
Forschung und Wissenschaft).
Zur Forschung hinsichtlich wirkungsvoller Maßnahmen, um unter den Temperaturobergrenzen zu
bleiben und zur Anpassung an den Klimawandel trägt
die BMBF-Vorsorgeforschung im Bereich Klima mit
einem Fördervolumen von rund 69 Mio. Euro pro
Jahr bei (innerhalb des BMBF-Rahmenprogramms
FONA³). Schwerpunkte der Förderung sind die Weiterentwicklung von Klimamodellen und Forschungsinfrastrukturen mit dem Ziel, Klimatrends und -folgen
verlässlich abzuschätzen und auf entscheidungsrelevanten zeitlichen und räumlichen Skalen vorhersagen
zu können. Zur Regionalisierung von Klimawissen
wird die Entwicklung leistungsstarker regionaler und
lokaler Klimaprojektionen vorangetrieben, um eine
verbesserte Vorhersage von Extremereignissen sowie
die Integration von Klimainformationen in Planungs-,
Investitions- und Politikprozesse zu ermöglichen.
Sozio-ökonomische Forschungsperspektiven werden
gezielt eingebunden, um das Wissen zum Klimawandel und seiner Bewertung in Steuerungsinstrumente
und Managementansätze oder in innovative Produkte,
Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu übersetzen.
In Anbetracht der globalen Tragweite des Klimawandels und des dazugehörigen multilateralen Politikprozesses werden auch internationale Partnerschaften
weiterentwickelt und ausgebaut (siehe auch V 3 Weltweite Zusammenarbeit). Europas Spitzenstellung in
der Klimaforschung soll unter maßgeblicher deutscher
Beteiligung langfristig abgesichert werden: Mit dem

115

BMVI und dem BMEL baut das BMBF gemeinsam mit
europäischen Partnern die Forschungsinfrastruktur
Integrated Carbon Observing System (ICOS) zur europaweiten Messung von Treibhausgasen aus. Durch den
vom BMVI finanzierten Betrieb des ICOS-Atmosphärenmessnetzes und der zentrale Labore wird langfristig
die Entwicklung von Klimagasquellen untersucht und
die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Emissionsminderung bewertet. Unter federführender Beteiligung
Deutschlands verbessert JPI Climate, die Initiative der
Europäischen Kommission zur gemeinsamen Programmplanung (Joint Programming Initiative) zum
Thema Klimawandel, die Koordination und europaweite Zusammenarbeit in der Klimaforschung – etwa im
Hinblick auf ein europäisches Klimavorhersagesystem
auf der dekadischen Zeitskala – sowie der Entwicklung
und Verbesserung von Klimadienstleistungen.
Mit der von BMBF und BMUB gemeinsam betriebenen
Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle werden deut-

Auswirkungen des Klimawandels auf
Wasserstraßen und Schifffahrt –
Entwicklung von Anpassungsoptionen
(KLIWAS)
Um die Auswirkungen des Klimawandels auf
Schifffahrt und Wasserstraßen in Deutschland
zu untersuchen, initiierte das BMVI im Jahr 2009
das Forschungsprogramm KLIWAS, Auswirkungen
des Klimawandels auf Wasserstraßen und Schifffahrt – Entwicklung von Anpassungsoptionen. Dazu
arbeiteten, vernetzt mit zahlreichen anderen wissenschaftlichen Einrichtungen, mehrere Behörden
der Ressortforschung in einem Verbund von 30 Einzelprojekten zusammen (Deutscher Wetterdienst,
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie,
Bundesanstalt für Gewässerkunde, Bundesanstalt für Wasserbau). Nach fünfjähriger Forschung
und einer Auswertungsphase wurde im Frühjahr
2015 der Abschlussbericht vorgelegt. Ein zentraler
Befund darin lautet, dass die für die nahe Zukunft
projizierten klimabedingten Veränderungen unmittelbar keine größeren Investitionsentscheidungen
auslösen, die weitere Entwicklung aber aufmerksam
verfolgt werden muss.

116 	

sche Beiträge zur Erstellung der IPCC-Berichte entwickelt und kommuniziert sowie deutsche Wissenschaftler, die an der Erstellung der Klimasachstandsberichte
beteiligt sind, unmittelbar unterstützt.
Die Forschungsaktivitäten des BMUB werden im jährlichen Forschungsrahmen und Ressortforschungsplan
– aktuell 2016 (vormals UFOPLAN – Umweltforschungsplan) adressiert. Das BMUB vergibt die Forschungsvorhaben zur Unterstützung der Klimaschutzpolitik, zum
Klimaschutzrecht und zu den Klimaschutzinstrumenten. Forschungsbedarfe bestehen laut Forschungsrahmen vorrangig in der Analyse und Weiterentwicklung
rechtlicher, fiskalischer und ökonomischer Instrumente und Emissionsminderungsmaßnahmen auf
nationaler und europäischer Ebene. Schwerpunkte
der Forschung sind das europäische Emissionshandelssystem, ein potenzieller internationaler Kohlenstoffmarkt sowie Analysen zu deren Verknüpfung.
Auch die Vulnerabilität (Verwundbarkeit) gegenüber
dem Klimawandel sowie die ökonomische Bewertung
möglicher umweltpolitischer Anpassungsmaßnahmen
werden im Rahmen von Projekten adressiert. Für den
Fortschrittsbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie
an den Klimawandel (DAS) hat das Netzwerk Vulnerabilität 2015 ein deutschlandweites und sektorenübergreifendes Vulnerabilitäts-Gesamtbild als Grundlage
für eine Priorisierung von Klimarisiken erstellt. Mittels
der Vulnerabilitätsanalyse wurden deutschlandweit
die Regionen und Themen identifiziert, die zukünftig
besonders durch den Klimawandel gefährdet, d. h.
vulnerabel, sind. Am Netzwerk Vulnerabilität waren
16 Bundesoberbehörden und -institutionen aus neun
Ressorts beteiligt.
Im Zuge der institutionellen Weiterentwicklung des
internationalen Klimaregimes finanziert das BMUB
begleitende Forschung zur Ausgestaltung rechtlichinstitutioneller Aspekte, zur Lastenverteilung sowie
zur Berichterstattung und Überprüfung sich daraus
ergebender Verpflichtungen.
Das Umweltbundesamt als wissenschaftliche Behörde
und Ressortforschungseinrichtung des BMUB schreibt
die entsprechenden Vorhaben öffentlich aus, verfolgt
aber mit dem Forschungsprogramm des Umweltbundesamtes 2015–2017 auch eigene Forschungsziele
(siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in
Forschung und Wissenschaft).

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Weitere Informationen im Internet:

BMBF-Forschung zu Klimaschutz und Klimawirkungen: www.bmbf.de/de/8493.php
BMBF-Fördermaßnahmen zum Klimawandel:
www.fona.de/de/foerdermassnahmen/tag/995
BMBF-Forschungsinfrastrukturen: www.fona.de/
de/forschungsinfrastrukturen/tag/995
BMUB – Forschungsrahmen und Ressortforschungsplan: www.bmub.bund.de/themen/
forschung-foerderung/forschung/forschungsrahmen
BMVI – Forschungsprogramm KLIWAS:
www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/WS/wasbedeutet-der-klimawandel-fuer-die-wasserstrassen-das-forschungsprogramm-kliwas.html

Biodiversität
Biodiversität umfasst die Vielfalt der Arten, die Vielfalt
der Ökosysteme und die genetische Vielfalt. Um den
massiven Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen, hat die Bundesregierung dezidierte Maßnahmen
und Ziele in der Nationalen Strategie zur biologischen
Vielfalt (NBS) festgelegt. Der von BMBF und BMUB
getragene Förderschwerpunkt Forschung zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt
hat das Ziel, durch innovative Lösungen den Verlust
an biologischer Vielfalt in Deutschland zu mindern.
Die Projekte mit Forschungs-und Praxispartnern
entwickeln beispielhafte Ansätze zum Management
von artenreichen Landschaften und Arten sowie zur
Umweltbildung.
Biologische Vielfalt stellt den Menschen neben Nahrungsmitteln, Rohstoffen, Medizin und sauberem
Wasser weitere sogenannte Ökosystemleistungen
bereit, wie z. B. die Klimaregulation oder den Hochwasserschutz. Wie Biodiversität und Ökosystemleistungen
besser in private und öffentliche Entscheidungsprozes-

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

se einbezogen werden könnten, ist u. a. Gegenstand des
BMUB-geförderten Projekts Naturkapital Deutschland
– TEEB-DE (2011–2017). Als Teil der globalen TEEBInitiative The Economics of Ecosystems and Biodiversity
entstehen verschiedene Berichte zur Sammlung und
Auswertung des vorhandenen Wissens zur Bedeutung
von Ökosystemleistungen. Das BMUB und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) haben mit der Dialog- und
Aktionsplattform Unternehmen Biologische Vielfalt
2020 außerdem eine Schnittstelle für Verbände aus
Wirtschaft und Naturschutz geschaffen, um Perspektiven zusammenzuführen sowie beispielhafte Aktivitäten zur Integration von Biodiversitätsschutz in die
Wirtschaft anzuregen und sichtbar zu machen.
Die Forschungsförderung des BMBF setzt den Rahmen
für ein besseres Verständnis der Wechselwirkungen
zwischen menschlichen Gesellschaften, Ökosystemen
und globalem Wandel und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung. FONA³ widmet sich
wichtigen Fragestellungen der Biodiversitätsforschung:
Beispielsweise erforscht die Maßnahme BioTip Prozesse
und Dynamiken, die zu ökologischen Kipppunkten
(Tipping Points) führen. Neue Erkenntnisse der komplexen Wechselwirkungen von gesellschaftlichen und
ökologischen Systemen können dazu dienen, Strategien und Handlungsoptionen zur Vermeidung von
abrupten, nur schwer umkehrbaren Zustandswechseln
(Kippeffekten) zu entwickeln.
Darüber beteiligt sich das BMBF an folgenden internationalen Großprojekten:
∙∙ Auf europäischer Ebene beteiligen sich BMBF und
DFG seit 2005 im ERA-Net BiodivERsA. Das Netzwerk
von inzwischen 32 Forschungsförderorganisationen
aus 19 europäischen Ländern fördert die lösungsorientierte Bearbeitung von Themen zur Biodiversität
und zu Ökosystemleistungen in Verbindung mit
gesellschaftlichen Problemstellungen.
∙∙ Seit 2001 fördert das BMBF die Global Biodiversity
Information Facility (GBIF); diese internationale
Initiative hat das Ziel, wissenschaftliche Daten aus
naturkundlichen Forschungssammlungen sowie Beobachtungsdaten zur Biodiversität über das Internet
weltweit dauerhaft frei verfügbar zu machen.

117

∙∙ Seit 2011 fördert das BMBF das Projekt German
Barcode of Life (GBOL); hier geht es, im Rahmen eines
internationalen Konsortiums, um den Aufbau einer
genetischen Bibliothek des Lebens.
Auf Ebene der internationalen Biodiversitätspolitik unterstützt Deutschland den Weltbiodiversitätsrat IPBES
(Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services). Dieses zwischenstaatliche Gremium stellt politischen Entscheidungsträgern
zuverlässig unabhängige wissenschaftliche Informationen über den Zustand und die Entwicklung der
Biodiversität zur Verfügung. 2014 wurde eine deutsche
IPBES-Koordinierungsstelle eingerichtet. Die nationale
IPBES-Koordinierungsstelle fördert die Integration
nationaler Fachexpertise in die IPBES-Arbeitsprozesse
und unterstützt nationale Beratungs- und Entscheidungsprozesse.
Forschung zur biologischen Vielfalt für Ernährung,
Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei wird
über die entsprechende Strategie des BMEL koordiniert. Das BMEL unterstützt seit 2006 u. a. Projekte zur
Entwicklung und Umsetzung innovativer Konzepte
mit Vorbildcharakter durch seine Modell- und Demonstrationsvorhaben mit über 11 Mio. Euro. Darüber
hinaus wurden bundesweite Bestandsaufnahmen,
Erhebungen und nichtwissenschaftliche Untersuchungen mit ca. 8 Mio. Euro in Auftrag gegeben. Ziele sind
die Erfassung, Inventarisierung und Dokumentation
sowie das Monitoring genetischer Ressourcen und
die Erstellung sonstiger Informationsgrundlagen in
diesem Bereich. Mit dem stetigen Ausbau der Ex-situSammlungen genetischer Ressourcen in Deutschland werden wichtige Ressourcen für die Forschung
bereitgestellt. Auch International engagiert sich BMEL,
z. B. im Ausbau des globalen Informationssystems für
pflanzengenetische Ressourcen.
Bundeswasserstraßen sind nicht nur Verkehrswege,
sondern über weite Strecken ökologisch bedeutsame
Lebensräume. Im Geschäftsbereich des BMVI führt die
Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) fortlaufend
Forschungsprojekte durch, um Erhalt und Förderung
der biologischen Vielfalt bei Maßnahmen an den Bundeswasserstraßen stärker zu berücksichtigen und das
Wissen über Arten und Biotope als wertvolle Elemente
der Biodiversität zu erweitern.

118 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Weitere Informationen im Internet:

Forschung zur Umsetzung der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt:
www.nbs-forschung-umsetzung.de/
TEEB-DE: www.naturkapital-teeb.de
Global Biodiversity Information Facility:
www.fona.de/de/10101; www.gbif.de
German Barcode of Life (GBOL): www.fona.de/
de/19615 sowie www.bolgermany.de
BiodivERsA: www.biodiversa.org
Nationale IPBES-Koordinierungsstelle:
www.de-ipbes.de
Informationssystem genetische Ressourcen:
www.genres.de
Forschungsvorhaben Biologische Vielfalt an
Bundeswasserstraßen: www.bafg.de/DE/08_Ref/
U3/08_forschung_uferveg/ forschung_uferveg_
node.html

Küsten-, Meeres- und Polarforschung, Geowissenschaften
Die das Erdsystem bestimmenden Prozesse sind sehr
komplex miteinander gekoppelt und bilden verzweigte
Ursache-Wirkungs-Ketten in den Subsystemen Atmosphäre, Geosphäre, Hydrosphäre und Biosphäre. Die
Geoforschung sowie die Küsten-, Meeres- und Polarforschung untersucht die Wechselwirkungen der Subsysteme und entwickelt Simulationsmodelle zum Gesamtsystem. Ziel der Forschung sind Prognoseinstrumente
für Klima und Umwelt sowie Planungsinstrumente
für einen verbesserten Umwelt- und Naturschutz wie
auch für eine nachhaltige Ressourcennutzung. Die
Vorsorgeforschung für die Nachhaltigkeit ist Bestandteil des BMBF-Rahmenprogrammes FONA3, das für die
Erdsystemforschung durch die spezifischen Fachpro-

gramme zur Küsten-, Meeres- und Polarforschung
(MARE:N) sowie zur geowissenschaftlichen Forschung
(GEO:N) untersetzt wird. Ein Teil der Forschungsförderung erfolgt zudem in wissenschaftlich-technischer
Zusammenarbeit mit Russland, China, Indonesien,
Israel sowie mit der Region südliches Afrika (siehe auch
V 3 Weltweite Zusammenarbeit).
MARE:N zielt auf die klimabezogene Küsten-, Meeres- und Polarforschung sowie die Forschung zum
Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der Küsten-,
Meeres- und Polargebiete. Diese Vorsorgeforschung
unter MARE:N soll zur Erreichung eines guten Umweltzustandes der Ozeane und Meere und der polaren Regionen beitragen und gleichzeitig Wege für den Schutz
und bzw. oder eine langfristige, nachhaltige Nutzung
natürlicher Ressourcen und Ökosystemdienstleistungen aufzeigen. Dazu sind sowohl interdisziplinäre
als auch transdisziplinäre Forschungsansätze unter
Einbeziehung gesellschaftlicher Aspekte geplant. Das
Fachprogramm MARE:N, das als ressortübergreifendes
Programm zur Meeresforschung angelegt werden soll,
wird voraussichtlich 2016 publiziert.
Als Beitrag zur internationalen Klimaforschung
fördert das BMBF Projekte über ozeanische
Oberflächenprozesse und deren Auswirkungen auf
Ökosysteme sowie die Freisetzung klimarelevanter
Gase in die Atmosphäre. Für Explorationen der Tiefsee steht seit 2014 mit dem neuen Forschungsschiff
„Sonne“ ein hochmodernes schwimmendes Labor
zur Verfügung (siehe auch III 1.7 Naturwissenschaftliche Grundlagenforschung). In der Meeresforschung
werden darüber hinaus automatisierte Detektions- und
Monitoringsysteme für verschiedene Anwendungsgebiete entwickelt. Im Rahmen von FONA3 fördert das
BMBF künftig verstärkt transdisziplinäre Projekte für
den Erhalt der Küstenökosysteme und die nachhaltige
Bewirtschaftung der Küstenbereiche im Nord- und
Ostseeraum. Dazu erfolgte 2015 eine Förderbekanntmachung.
In der gemeinsamen Erforschung zum Schutz der Meere übernimmt das BMBF mit europäischen Partnern
unter dem Dach der Joint Programming Initiative on
Healthy and Productive Seas and Oceans (JPI Oceans)
eine Vorreiterrolle. Um die Bedeutung der zunehmenden Belastung der marinen Umwelt mit Plastik sowie
die Risiken des Tiefseebergbaus verlässlich einzuschät-

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

zen, werden in zwei Pilotaktionen ab 2016 insgesamt
ca. 8 Mio. Euro bereitgestellt.
Themenschwerpunkte der Polarforschung sind die Untersuchung der Wechselwirkungen von Kryo-, Hydround Atmosphäre; im Vordergrund stehen Klima- und
Ökosystemforschung sowie Fragen nach dem Erhalt
und Schutz der sensiblen Ökosysteme. Klimawandel
und geopolitische Entwicklungen rücken die Polargebiete, insbesondere die Arktis, zunehmend in den Fokus
von wissenschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher
Aufmerksamkeit. Für die Fortführung der langjährigen
erfolgreichen Zusammenarbeit wird im Rahmen der
Fachvereinbarung über die Zusammenarbeit auf dem
Gebiet der Polar- und Meeresforschung zwischen dem
BMBF und dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation eine gemeinsame
deutsch-russische Ausschreibung vorbereitet.
Im Rahmen der Polarforschung der Bundesanstalt für
Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) wurden insgesamt 20 marine geophysikalische Expeditionen und 48
geowissenschaftliche Landexpeditionen in die Polargebiete organisiert und durchgeführt. Ein aktueller
Forschungsschwerpunkt widmet sich mit dem Projekt
PANORAMA der Erforschung der Rohstoffpotenziale
im europäischen Nordmeer sowie der angrenzenden
Randmeere der Arktis.
Ziel der Geowissenschaften ist es, Prozesse und Wechselwirkungen im Innern und an der Oberfläche der
Erde zu verstehen und menschliche Einflüsse auf natürliche Kreisläufe abzuschätzen. Nach erfolgreichem
Abschluss des Sonderprogramms Geotechnologien wird
durch das BMBF das Fachprogramm GEO:N Geoforschung für Nachhaltigkeit als Teil von FONA³ initiiert.
Mit diesem neuen geowissenschaftlichen Programm
werden u. a. Themen zur Nutzung des unterirdischen
Raumes vor dem Hintergrund der Umsetzung der
Energiewende, die Früherkennung von Naturgefahren
bis hin zur Erdbeobachtung aus dem All adressiert. Die
BGR betreibt die zur Beratung der Ressorts notwendige
Zweck- und Vorlaufforschung. Diese Forschung bildet
die Grundlage für die fachgerechte Aufgabenerfüllung
(Beratung) durch die BGR und umfasst methodische
und instrumentelle geowissenschaftliche Entwicklungsarbeiten sowie deren Umsetzung in die Praxis
(siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in
Forschung und Wissenschaft).

119

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – System Erde: https://www.bmbf.de/de/
kuesten-meeres-und-polarforschung-339.html
BMBF – Meeres- und Polarforschung:
www.fona.de/de/9946
JPI Oceans: www.jpi-oceans.eu
BMBF – Planet Erde: www.planeterde.de/forschung/projekte/bmbf-projekte

Rohstoff- und Ressourceneffizienz
Der Schutz und die effiziente Nutzung natürlicher
Ressourcen sind für nachhaltige Entwicklung von
entscheidender Bedeutung. Der weltweit wachsende
Bedarf an Rohstoffen und die zunehmende Rohstoffknappheit verursachen nicht nur höhere Kosten,
sondern auch Umweltprobleme bei Gewinnung, Verarbeitung und Transport. Die Notwendigkeit einer zuverlässigen Rohstoffversorgung der Wirtschaft erfordert
Maßnahmen zur Abmilderung der Auswirkungen von
Preisvolatilitäten, Preissteigerungen und Versorgungsengpässen. Die Rohstoffproduktivität in Deutschland
soll daher erhöht und das Wirtschaftswachstum vom
Ressourcenverbrauch entkoppelt werden. Diese Ziele
werden in der Rohstoffstrategie der Bundesregierung
und in den Programmen FONA3, und ProgRess (Deutsches Ressourceneffizienzprogramm) konkretisiert und
durch die Forschungsförderung unterstützt. Auch auf
internationaler Ebene setzt sich die Bundesregierung
für die Verbesserung der Ressourceneffizienz ein (siehe
auch Infobox G7-Allianz für Ressourceneffizienz
gegründet)
Im Rahmen von FONA3 wurde die Forschungsförderung der Ressourceneffizienz in der Leitinitiative Green
Economy und in der Vorsorgeforschung Ressourcen
intelligent und schonend nutzen verankert. Die Umsetzung dieses Programms erfolgt über sieben forschungsstrategische Ansätze der BMBF-Projektförderung: 1.
Rohstoffproduktivität steigern, 2. Rohstoffbasis sichern,

120 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

G7-Allianz für Ressourceneffizienz
gegründet

In der Abschlusserklärung der Regierungschefinnen
und -chefs des G7-Gipfels am 7./8. Juni 2015 heißt es
im Kapitel Klimawandel, Energie und Umwelt unter
Ressourceneffizienz: „Wir streben eine Verbesserung der
Ressourceneffizienz an, die wir für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, für Wirtschaftswachstum und
Beschäftigung sowie für den Schutz der Umwelt, des

3. Rohstoffbasis verbreitern, 4. KMU fördern, 5. International kooperieren, 6. Umsetzung beschleunigen und 7.
Nachwuchs fördern. Im 2013 aufgelegten Forschungsprogramm Wirtschaftsstrategische Rohstoffe für den
Hightech-Standort Deutschland werden Forschung
und Entwicklung entlang der Wertschöpfungskette
nichtenergetischer mineralischer Rohstoffe mit bis zu
200 Mio. Euro gefördert.
Das BMBF setzt mit dem Förderschwerpunkt CO2Plus
– Stoffliche Nutzung von CO2 zur Verbreiterung der
Rohstoffbasis (2015–2019) die erfolgreiche Forschungsförderung (Erfolgsbeispiele „Sunfire“ und „Dream
Production“) fort. Mit der Fördermaßnahme r+Impus –
Innovative Technologien für Ressourceneffizienz – Impuls
für industrielle Ressourceneffizienz sollen bestehende
Hemmnisse bei der Entwicklung und Verbreitung von
industriellen Effizienztechnologien überwunden wer-

Klimas und des Planeten für entscheidend halten. Aufbauend auf dem
3R-Aktionsplan von Kobe und anderen
bestehenden Initiativen werden wir
weiterhin ehrgeizige Maßnahmen
ergreifen, um die Ressourceneffizienz
im Rahmen von breiter angelegten
Strategien zur Förderung einer nachhaltigen Materialwirtschaft und von
Kreislaufgesellschaften zu verbessern.
Wir gründen die G7-Allianz für Ressourceneffizienz als freiwilliges Forum
für den Wissensaustausch und für die
Bildung von Informationsnetzwerken.“
Ziel der Allianz ist der Austausch von
Best Practices zur sparsamen und umweltfreundlichen Nutzung von Rohstoffen und Materialien. Dies soll dazu beitragen, Arbeitsplätze zu sichern
sowie neue zu schaffen und das quantitative und qualitative Wachstum der Wirtschaft und den Umweltschutz
zu stärken. Schließlich soll durch eine Vorreiterrolle der
G7 im Bereich Ressourceneffizienz ein Signal an andere
Länder gegeben werden.

den und ein Beitrag zu einer Green Economy geleistet
werden. Die wirtschaftsorientierte Forschungs- und
Entwicklungszusammenarbeit mit ausgewählten
Schwellen- und Entwicklungsländern wird ausgebaut
(CLIENT II – Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen).
Mit dem Förderschwerpunkt Nachhaltiges Wassermanagement (NaWaM) unterstützt das BMBF die Entwicklung innovativer Technologien, Verfahren und Systemlösungen für eine nachhaltige Bewirtschaftung der
Ressource Wasser. NaWaM wird in mehreren Förderbekanntmachungen umgesetzt und trägt der Veränderung der Wasserverfügbarkeit durch das Wachstum
von Wirtschaft und Wohlstand sowie demografische
Veränderungen, dem Klimawandel, aber auch der
Notwendigkeit, zu zukunftsfähigen Konzepten für die
Städte von morgen zu kommen, Rechnung.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

In dem Förderschwerpunkt Nachhaltiges Landmanagement stehen die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Landmanagement, Klimawandel und
Ökosystemdienstleistungen sowie die Entwicklung
innovativer Systemlösungen für ein nachhaltiges Landmanagement im Vordergrund (2010–2016). Transdisziplinäre Innovationsgruppen für ein nachhaltiges Landmanagement entwickeln darauf aufbauend weitere
Systemlösungen für das nachhaltige Landmanagement
(2012–2019).
Das BMWi setzt die Rohstoffstrategie der Bundesregierung um und stellt ein Bündel von Fördermaßnahmen
im Bereich Rohstoffverfügbarkeit und Rohstoffeffizienz zur Verfügung. So können beispielsweise bilaterale
Rohstoffpartnerschaften neue Bezugsquellen für die
Industrie eröffnen. Innovationen durch Forschungsprogramme in der Rohstoff- und Materialeffizienz und
im Recycling verringern die Importabhängigkeit.
Das BMUB finanziert auf Basis des Ressortforschungsplans Forschungsvorhaben u. a. zur Ressourceneffizienz
bzw. zum Ressourcenschutz, zu Umweltwirkungen der
Rohstoffgewinnung im Bereich ökologische Produktpolitik/ökologisches Flächenmanagement sowie in der

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – Ressourcen und Nachhaltigkeit:
www.fona.de/de/foerdermassnahmen/tag/1007
BMBF – Nachhaltiges Wassermanagement:
www.fona.de/de/19767
BMBF – Nachhaltiges Landmanagement:
www.fona.de/de/16975
BMWi – Rohstoffe und Ressourcen:
www.bmwi.de/DE/Themen/Industrie/rohstoffeund-ressourcen.html
BMUB: www.bmub.bund.de/themen/forschungfoerderung/forschung/forschungsrahmen/
Umweltbundesamt: www.umweltbundesamt.de

121

Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Kooperationspartnern und zu übergreifenden Fragen der Umweltpolitik.

Ökologie, Naturschutz, nachhaltige
Nutzung
Das Verständnis ökologischer und gesellschaftlicher
Zusammenhänge ist die Voraussetzung für eine Wirtschaftsweise und ein Konsumverhalten innerhalb der
ökologischen Grenzen. Forschung kann mit neuen
Erkenntnissen und Erklärungsmustern dazu beitragen,
Wege zu einer gesamtgesellschaftlichen Verhaltensänderung in Richtung eines nachhaltigen Lebensstils
und damit eines nachhaltigen Konsums aufzuzeigen.
Mit der FONA3-Leitinitiative Green Economy werden
Forschungsprojekte zu nachhaltigen Konsum- und Lebensstilen gefördert. Dabei spielen Forschungsthemen
wie Rebound-Effekte, regionale Konsummuster und
Warenströme, soziale Innovationen, konsumbedingte
Emissionen (wie z. B. CO2- und CH4-Emissionen oder
Mikroplastik im Meer) und die Wirkung verschiedener
Informationsinstrumente eine wichtige Rolle.
Viele relevante Entscheidungen für die nachhaltige
Entwicklung Deutschlands werden auf kommunaler
Ebene getroffen. Die Förderinitiative Kommunen innovativ stärkt die Rolle der Kommunen als Initiatoren,
Partner und Adressaten von Forschung, Entwicklung
und Innovation für eine nachhaltige, demografiefeste
Entwicklung der Regionen in Deutschland.
Die SPACES-Initiative des BMBF – Science Partnerships
for the Assessment of Complex Earth System Processes
– zielt auf die Durchführung von wissenschaftlichen
Kooperationsprojekten in der Region Südliches Afrika,
die zur Formulierung wissenschaftsbasierter Empfehlungen für das Erdsystem-Management an die Politik
beitragen und die nachhaltige Nutzung sowie den
Erhalt der verschiedenen Ökosystemleistungen der
Region sichern. Die Initiative wird mit ca. 12 Mio. Euro
von 2012–2016 gefördert (siehe auch V 3 Weltweite
Zusammenarbeit).
Forschung kann dazu beitragen, Lösungen zu entwickeln, um angesichts zunehmender Nutzungskonkurrenzen verantwortungsvoll mit bedrohten

122 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Lebensräumen und knappen Ressourcen umzugehen.
Die Naturschutzforschung widmet sich der Entwicklung von wirksamen Instrumenten für den Schutz
von Lebensräumen. Wichtig ist dabei zum Beispiel das
effiziente Management der verschiedenen Schutzgebietstypen. Auf dem Gebiet der Ökologie und des Naturschutzes vergibt das BMUB auf Basis des jährlichen
Ressortforschungsplans gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz und dem Umweltbundesamt
umfangreiche Forschungsvorhaben.

Nachhaltige Agrarwirtschaft und
ländliche Räume
Eine zunehmende Belastung der Böden, Wassermangel
und zunehmende Witterungsextreme stehen einer
kontinuierlich steigenden Nachfrage nach hochwertigen Nahrungs- und Futtermitteln zur weltweiten
Ernährungssicherung sowie der Versorgung mit
erneuerbarer Energie und nachwachsenden Rohstoffen
gegenüber. Moderne ressourcenschonende Produktionstechniken und Verfahrensketten bieten wichtige
Ansatzpunkte für eine umweltfreundliche und nachhaltige Agrarproduktion. Das Programm zur Innovati-

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – Kampf der Vermüllung der Meere:
www.bmbf.de/de/die-deutsche-g7-praesidentschaft-273.html
Kommunen innovativ:
www.bmbf.de/foerderungen/24613.php
SPACES: www.fona.de/de/14444
BMUB-Ressortforschung:
www.bmub.bund.de/themen/forschung-foerderung/foerderprogramme
BMUB: www.bmub.bund.de/themen/forschungfoerderung/forschung/forschungsrahmen/
Umweltbundesamt: www.umweltbundesamt.de

onsförderung unterstützt die Entwicklung innovativer
Produkte und Verfahren zur klimaeffizienten und ressourcenschonenden Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, zur nachhaltigen Anwendung von
Pflanzenschutzmitteln, zur Züchtung klimaangepasster
Kulturpflanzen und zur tier- und umweltgerechten
Nutztierhaltung. Im Bundesprogramm Ökologischer
Landbau und andere Formen der nachhaltigen Landwirtschaft (BÖLN) werden Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie Maßnahmen zum Technologieund Wissenstransfer für eine nachhaltige Erzeugung,
Verarbeitung und Vermarktung hochwertiger Agrarprodukte insbesondere im ökologischen Landbau
adressiert. Das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung fördert Modell- und Demonstrationsvorhaben,
Wettbewerbe, Forschungsaktivitäten und Kommunikationsmaßnahmen in ländlichen Regionen.
Mit der administrativen Umsetzung und Begleitung
der Forschungsvorhaben hat das BMEL die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und die
Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR) als
Projektträger beauftragt. Weitere Themen innerhalb
des Schwerpunktes nachhaltige Agrarproduktion und
ländliche Räume werden von Ressortforschungsinstituten des BMEL bearbeitet (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).
Die Deutsche Agrarforschungsallianz (DAFA) bündelt
die Kompetenzen der deutschen Agrar- und Ernährungsforschung. Das Netzwerk verfolgt das Ziel, die
Leistungsfähigkeit, die Transparenz und die internationale Sichtbarkeit der deutschen Agrarforschung zu
verbessern.

Weitere Informationen im Internet:

Forschung des BMEL: www.bmel-forschung.de
BLE: www.ble.de
FNR: www.fnr.de
DAFA: www.dafa.de

	

123

Innovationsplattform
Zukunftsstadt
In welcher Stadt wollen wir in Zukunft leben? Welcher
Lösungen bedarf es für unsere Städte und Kommunen
angesichts gesellschaftlicher Herausforderungen wie
Energiewende, Klimaanpassung und Ressourcenschonung? Wie kann ein besserer Transfer von Wissen und
Technologien in kommunale Praxis gelingen? Um die
gemeinsam entwickelte Forschungs- und Innovationsagenda Zukunftsstadt in die Umsetzung zu bringen,
starteten BMBF und BMUB – dem Beschlusses des
Staatssekretärsausschusses für Nachhaltige Entwicklung vom 30. März 2015 entsprechend – im Februar 2016
die Innovationsplattform Zukunftsstadt.
Die Städte müssen sich den großen gesellschaftlichen
Herausforderungen – allen voran dem Klimawandel und
der Sicherung der Energieversorgung – stellen. Technologische Entwicklungen machen neue Lösungen möglich.
Die Bewältigung dieser Aufgaben wirft aber gleichzeitig
grundsätzliche Fragen zu den Handlungsoptionen von
Politik und Verwaltung in den Kommunen auf. Es geht in
der Zukunftsstadt um stadt- und gesellschaftsverträgliche Lösungen. Der gesellschaftlichen Akzeptanz sowie
der ökonomischen, ökologischen und sozialen Tragfähigkeit kommt eine Schlüsselstellung zu.
Um die nachhaltige Entwicklung von Stadt und Land
sicherzustellen, ist Forschung unerlässlich. Nur in
Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Kommunen
und Akteuren aus der Gesellschaft können Lösungen
für nachhaltige Entwicklungen gefunden werden.
Gleichzeitig muss jedoch auch sichergestellt werden,
dass Wissen und Technologien aus der Forschung in die

kommunale Praxis übertragen werden. Expertinnen und
Experten aus Kommunen, Wissenschaft, Wirtschaft und
Zivilgesellschaft haben seit Anfang 2013 in der Nationalen Plattform Zukunftsstadt (NPZ) eine übergreifende
Strategische Forschungs- und Innovationsagenda (FINA)
entwickelt. Die mehr als 100 Expertinnen und Experten
der NPZ haben zum Auftakt des Wissenschaftsjahres
2015 – Zukunftsstadt am 19. Februar 2015 in Berlin ihre
Empfehlungen vorgestellt.
Nun geht es im nächsten Schritt um die Umsetzung der
FINA. Dafür wurde im März 2015 vom Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung beschlossen,
die Nationale Plattform Zukunftsstadt im Rahmen des
Interministeriellen Arbeitskreises „Nachhaltige Stadtentwicklung in nationaler und internationaler Perspektive“
(IMA Stadt) zur Innovationsplattform Zukunftsstadt (IPZ)
weiterzuentwickeln. Es geht darum, forschungs- und innovationspolitische Initiativen von Ressorts, Kommunen,
Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aufeinander abzustimmen, zu vernetzen und den besseren
Transfer von Wissen und Technologie in die kommunale
Praxis ermöglichen.
Im Februar 2016 wurde die Innovationsplattform
Zukunftsstadt im Rahmen der Konferenz „Wege in die
Zukunftsstadt“ durch BMBF und BMUB gestartet.

124 	

Raumordnung, Stadtentwicklung
und Wohnen
Stadt und Land stehen in Deutschland unter einem
enormen Veränderungsdruck. Nicht nur demografische
und ökonomische Prozesse, vor allem der Klimawandel
erzeugt Handlungsdruck. Es gilt, soziale Spaltungen zu

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

mindern, sozioökonomische und räumlich-städtebauliche Strukturen zu stabilisieren sowie zugleich umweltund gesellschaftsverträgliche neue technische Systeme
in Infrastrukturen, gewerblichen Unternehmen und
privaten Haushalten zu etablieren. Städte und ländliche
Räume stehen hierbei gleichermaßen vor einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Dabei kristallisieren
sich als Leitidee die Nachhaltigkeit und das Bild einer

Urbanisierung International

Bis zum Jahr 2050 werden mehr als 70 % der Weltbevölkerung in Städten leben (mehr als sieben Milliarden); der Trend zur Urbanisierung ist vor allem in
Entwicklungs- und Schwellenländern ungebrochen.
Städte verbrauchen 70 bis 80 % der weltweit erzeugten
Energie, erwirtschaften 80 % des globalen Bruttoinlandsprodukts und sind für bis zu 70 % des Treibhausgasausstoßes der Menschheit verantwortlich. Wie das
High-Level-Panel für die 2030-Agenda für Nachhaltige
Entwicklung der Vereinten Nationen konstatiert: „Es
sind die Städte, wo der Kampf um eine nachhaltige
Entwicklung gewonnen oder verloren wird.“
Stadtentwicklungsprozesse müssen auch global in den
Blick genommen werden. Der Weltklimarat IPCC stellt
in seinem 5. Sachstandsbericht 2014 fest, dass Anstrengungen zur Minderung von Treibhausgasemissionen in
städtischen Gebieten einen entscheidenden Hebel der
internationalen Klima- und Energiepolitik darstellen.
Der Trend zum raschen Wachstum urbaner Regionen ist
insbesondere in den Entwicklungs- und Schwellenländern
Afrikas und Asiens ungebrochen. Es gilt, die Urbanisierung
so zu bewältigen, dass wirtschaftliche Innovationen und
ökonomischer Aufschwung nicht auf Kosten ökologischer Tragfähigkeit und sozialer Teilhabe erzielt werden.
Internationale Forschungsverbünde unter Beteiligung der
Städte in rasch expandierenden urbanen Regionen sollen
Innovationen mit breitem Wirkungsradius und hohen
Chancen für „grünes“ Wachstum vorbereiten.
Aufbauend auf den Erfahrungen der BMBF-Maßnahme
Future Megacities trägt seit 2014 das BMBF-geförderte

Vorhaben Rapid Planning wissenschaftlich fundierte
Praxislösungen zum Themenbereich Urbanisierung/
international bei. In vier ausgewählten globalen und urbanen Zentren laufen Bestandsaufnahmen, Analysen und
Verbesserungen urbaner Systeme. Das Forschungsvorhaben fußt auf Kooperationen zwischen deutschen und
ausländischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie auf der Zusammenarbeit und dem Austausch
mit der Zivilgesellschaft vor Ort.
Grundsätzlich sollen geplante zukünftige Aktivitäten im
Bereich Urbanisierung/international vor allem Realisierungsmöglichkeiten einer integrierten nachhaltigen
Stadtplanung für Schwellen- und Entwicklungsländer
aufzeigen. Dabei soll die Resilienz von Städten und
Stadtregionen ebenso im Mittelpunkt stehen wie die
Verbesserung ökologischer Faktoren (Senkung der Treibhausgasemissionen, verbesserte Energie- und Ressourceneffizienz etc.).

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

kompakten, urbanen, durchgrünten und lebenswerten Stadt heraus, die innovative Lösungen im Umgang
mit der Dichotomie von Wachstum und Schrumpfung
gefunden hat.
Damit dies gelingt, hat die Bundesregierung die Initiative Nationale Plattform Zukunftsstadt ins Leben gerufen. Kommunen, Bundesressorts, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft haben in der Plattform mittels
eines innovativen Ansatzes anwendungsorientiert, ressortübergreifend und transdisziplinär nach Lösungsansätzen für die Forschung für die Zukunftsstadt gesucht.
Im Ergebnis wurde die strategische Forschungs- und
Innovationsagenda Zukunftsstadt (FINA) im Februar
2015 der Öffentlichkeit vorgestellt (siehe auch Infobox
Innovationsplattform Zukunftsstadt). Diese zeigt Wege
für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Entwicklung der Städte und Stadtregionen im Sinne der nationalen Stadtentwicklungspolitik auf. Die FINA fasst die
prioritären Problemstellungen und Herausforderungen
zusammen, zu denen die Forschung Lösungsmöglichkeiten entwickeln soll, die dann – orientiert an den
Erfordernissen des Innovationsprozesses – unter frühzeitiger sowie breiter Beteiligung aller Akteure aufgegriffen werden sollen. (siehe auch III 5 Transparenz und
Partizipation). Erste konkrete, thematisch anknüpfende
BMBF-Fördermaßnahmen wurden bereits gestartet:
∙∙ Nachhaltige Transformation urbaner Räume, aus dem
Bereich der SÖF, adressiert die Themen Lebensqualität und demografischer Wandel, Infrastrukturentwicklung, Wirtschaft im Wandel und Partizipation in
der Stadt (BMBF, seit 2015).
∙∙ Mit Stadtklima im Wandel entwickeln Wissenschaftler gemeinsam mit Stadtplanern ein praxistaugliches
Stadtklimamodell, das u. a. die Wirkung konkreter
Planungsmaßnahmen auf das Mikroklima in der
Stadt abbilden kann (BMBF, seit 2015).
∙∙ Im Wettbewerb Zukunftsstadt wurden Städte, Gemeinden und Landkreise dazu aufgerufen gemeinsam mit ihren Bürgerinnen und Bürgern, der Wissenschaft sowie Verwaltung, lokalen Verbänden und
Unternehmen eine nachhaltige und ganzheitliche
Vision für ihre Stadt, ihren Stadtteil, ihre Gemeinde
oder ihren Landkreis zu entwickeln. In einer ersten

125

Phase im Mai 2015 wurden 51 Kommunen ausgewählt (BMBF, seit 2015).
Vor allem die Ressortforschung des BMUB und dessen
Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung
(BBSR) und Umweltbundesamts steht in einem wechselseitigen Verhältnis zur FINA. Bereits seit Jahren ist etwa
das Monitoring der Flächeninanspruchnahme für die
Siedlungsentwicklung ein zentrales Thema, um die weitere Inanspruchnahme natürlicher Flächenressourcen
zu reduzieren und die vorhandenen, aber brachliegenden Siedlungsflächen effizienter zu nutzen. Der demografische Wandel, allem voran Bevölkerungsverluste
auf der einen Seite und Bevölkerungswachstum auf der
anderen Seite, fordert darüber hinaus eine permanente
Neujustierung der Infrastruktur für die Daseinsvorsorge, ein neues Austarieren des Verhältnisses zwischen
öffentlicher Gewährleistung und privatem Engagement.
Beim BBSR angesiedelt ist ferner das seit 1987 etablierte
Forschungsprogramm Experimenteller Wohnungs- und
Städtebau (ExWoSt), das Forschungsfelder, Studien, Initiativen und Modellvorhaben zu innovativen wohnungs- und städtebaulichen Entwicklungen fördert.
Ergänzt wird dieses Portfolio durch modellhafte Projekte im Bereich des altersgerechten, gemeinschaftlichen
und generationenverbindenden Wohnens, initiiert und
gefördert durch Programme des BMFSFJ. Quartiersentwicklung, Sanierung und Energieeffizienz stehen auch
im Zentrum der Förderprogramme der Kreditanstalt
für Wiederaufbau (KfW), die meist mit einer wissenschaftlichen Begleitforschung unterstützt werden. Diese
Ziele verfolgen auch Modellvorhaben der Raumordnung
(MORO) als Ressortforschungsprogramm des BMVI.
Ende 2014 ist beim BBSR im Auftrag des BMVI ein
Forschungsfeld zur digitalen Infrastruktur als regionaler
Entwicklungsfaktor (MOROdigital) gestartet worden.
Vor dem Hintergrund sich ändernder Produktionsbedingungen und des demografischen Wandels hat der
Zugang zu Informationen eine wesentliche Bedeutung
gerade für Menschen im ländlichen Raum. Ein weiteres
neues Modellvorhaben des BBSR, Lebendige Regionen,
beschäftigt sich mit regionalen Entwicklungsstrategien.
Zur Identifizierung von Klimaanpassungsmaßnahmen
für Klein- und Mittelstädte wurde das Informationsportal Klimaanpassung in Städten (INKAS) des DWD
geschaffen (2015). Das Portal ermöglicht die Analyse
und den Vergleich verschiedener städtebaulicher Maß-

126 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

nahmen zur Minderung der städtischen Wärmeinseln
bei sommerlichem Hitzestress.
Das Handlungsfeld Raumordnung ist international vernetzt, etwa mittels Beteiligung am Forschungsnetzwerk
zur europäischen Raumbeobachtung (EPSON). Stadtentwicklungsprozesse werden auch global in den Blick

Weitere Informationen im Internet:

Nationale Plattform Zukunftsstadt:
www.nationale-plattform-zukunftsstadt.de
Strategische Forschungsagenda Zukunftsstadt:
www.fona.de/de/19690
Future Megacities: future-megacities.org/
Rapid Planning: www.fona.de/de/19980
Allgemeine Ressortforschung in den Bereichen
Raumordnung, Stadtentwicklung, Wohnen, Bauwesen: www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/FP/ReFo/
allgemeineresortforschung_node.html
Experimenteller Wohnungs- und Städtebau
(ExWoSt) und MORO – Modellvorhaben der
Raumordnung: www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/FP/
forschungsprogramme_node.html
Ressortforschung im Umweltbundesamt:
www.umweltbundesamt.de
Modellprogramm „Gemeinschaftlich wohnen,
selbstbestimmt leben“ des BMFSFJ:
www.wohnprogramm.fgw-ev.de
Praxisbeispiele des Lebens und Wohnens im
demografischen Wandel:
https://www.serviceportal-zuhause-im-alter.de/
KfW-Förderprogramme: www.bbsr.bund.de/
BBSR/DE/FP/Weitere/KfW/KfW_node.html
European Observation Network for Territorial Development and Cohesion (ESPON): www.espon.eu

genommen. Da die Bevölkerung international in vielen
urbanen Regionen deutlich schneller wächst als die
Infrastruktur, stehen die Städte vor großen logistischen
und finanziellen Herausforderungen. Sie müssen für
Millionen von Menschen durch nachhaltige Maßnahmen und Investitionen möglichst gute Lebensbedingungen schaffen. Hier setzen die BMBF-Förderschwerpunkte Future Megacities und Rapid Planning an (siehe
auch Infobox Urbanisierung International).
Energierelevante Forschungsthemen werden mit der
ressortübergreifenden Forschungsinitiative Solares
Bauen/Energieeffiziente Stadt adressiert. Sie ist ein Beitrag der Energieforschung zur Zukunftsstadt.

Bauforschung
Im Bau-, Wohnungs- und Stadtentwicklungsbereich
stehen Forschung, Entwicklung und Innovationen für
die Energiewende und den Klimaschutz an erster Stelle.
Seit 2006 basiert die Bauforschung des Bundesbauministeriums auf der Forschungsinitiative Zukunft Bau. Das
Forschungsprogramm fördert den Erkenntniszuwachs
und den Wissenstransfer im Bereich der technischen,
baukulturellen und organisatorischen Innovationen. Es
gliedert sich seit November 2015 in vier Teile:
∙∙ Antragsforschung: Für Forschungsthemen der angewandten Gebäudeforschung von besonderem öffentlichem Interesse kann eine Förderung beantragt
werden. Die Forschungsschwerpunkte der Antragsforschung werden in jährlichen Bekanntmachungen
spezifiziert.
∙∙ Auftragsforschung: Forschungsthemen werden unter
Festlegung der inhaltlichen Eckpunkte und Ziele
vom BMUB formuliert und über eine öffentliche
Ausschreibung an geeignete Forschungsnehmer
übertragen. Es handelt sich ausschließlich um solche
Themen, für die ein konkreter Forschungsbedarf und
ein besonderes Bundesinteresse bestehen.
∙∙ Effizienzhaus Plus: unterstützt Bauherren, deren
errichtete Gebäude deutlich mehr Energie produzieren, als für deren Betrieb notwendig ist. Diese Energie
soll vor allem für die Elektromobilität zur Verfügung
stehen. Die Modellprojekte werden im Rahmen eines

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

wissenschaftlichen Begleitprogramms ausgewertet. Ziel der Förderung ist es, durch Forschung und
Entwicklung Grundlagen für die Markteinführung
des Effizienzhauses-Plus-Standards am Beispiel von
Bildungsbauten zu schaffen. Die Ergebnisse der geförderten Modellprojekte sollen über Innovationen
informieren und zum Nachahmen anregen.
∙∙ Modellvorhaben zum nachhaltigen und bezahlbaren
Bau von Variowohnungen: Im Zeitraum 2016 bis
2018 werden flexible, bezahlbare und barrierefreie
Modellvorhaben für die Errichtung und Erforschung
bezahlbaren Wohnraums für Studierende und ältere
Menschen gefördert.
Thematischer Schwerpunkt der 2015 veröffentlichten und aktuell gültigen Förderbekanntmachung
für die Antragsforschung war energieeffizientes und
nachhaltiges Bauen im Gebäude- und Quartiersbereich.
Außerdem standen die Modernisierung des Gebäudebestands und neue Materialien und Techniken im
Fokus. Auch die Verbesserung der Bau- und Planungsprozesse sowie das kostenbewusste Planen und Bauen
mit Innovationen für eine gesteigerte Wohnqualität
waren Bestandteil der Ausschreibung. Die Veröffentlichung der Förderrichtlinie für die Antragsrunde
2016 soll im April 2016 erfolgen. Projektträger und
Bewilligungsbehörde ist das Bundesinstitut für Bau-,
Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für
Bauwesen und Raumordnung (BBR) (siehe auch EB II
Organisationen und Einrichtungen in Forschung und
Wissenschaft).

Weitere Informationen im Internet:

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz,
Bauen und Reaktorsicherheit:
www.bmub.bund.de/themen/bauen/
Forschungsinitiative Zukunft Bau:
www.forschungsinitiative.de
Stufenplan Digitales Planen und Bauen:
www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Publikationen/
DG/stufenplan-digitales-bauen.html

127

Die Digitalisierung des Planens, Bauens
und Betreibens von Bauwerken

Die Entwicklung von digitalen Bauwerksmodellen
führt durch die damit mögliche enge Kooperation
aller Planer unter Nutzung konsistenter Informationen für die gesamte Wertschöpfungskette in der
Planungs-, Bau und Nutzungsphase zu einer ganzen
Reihe von Vorteilen, z. B:
•	 bessere Bedarfsanalysen durch Visualisierungen und Prüfung von Alternativen – und damit
weniger teure Nachträge infolge von Planungsänderungen,
•	 identische Informationen und Transparenz für
alle Projektbeteiligten über das ganze Projekt,
•	 frühe Kooperation aller Beteiligten (Planer und
Bauausführenden), die ihre Teilplanungen regelmäßig abstimmen,
•	 Kollisionsprüfungen der einzelnen Fachplanungen, sodass Planungsfehler und Planungslücken
vermieden werden,
•	 Simulationen von Bauabläufen, um z. B. Schnittstellenprobleme zu vermeiden und einen reibungslosen Bauablauf zu ermöglichen,
•	 erleichterte Lebenszyklusbetrachtung, z. B.
bezüglich Energie- oder CO2-Bilanz, vereinfachter
Nachhaltigkeitsbewertungen und der Kosten.
Im Dezember 2015 hat das BMVI vor diesem
Hintergrund den Stufenplan Digitales Planen und
Bauen vorgestellt. Er gilt damit in erster Linie für
den Infrastrukturbau, kann aber als Modell auch für
den Hochbau genutzt werden. Für Forschungsmaßnahmen und Pilotprojekte im Zuge der Einführung
stellt das BMVI entsprechende Mittel zur Verfügung.

128 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Transformation der Energieversorgung
Der Ausstieg aus der Kernenergie, der Eintritt in das
Zeitalter der erneuerbaren Energien und die deutliche
Verbesserung der Energieeffizienz sind ambitionierte
Aufgaben, für deren Lösung Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft eng zusammenarbeiten müssen.
Forschung und Entwicklung sind die Voraussetzung für
den Weg in eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energiezukunft. Um die Energiewende in
Deutschland erfolgreich umzusetzen, bedarf es Forschung und Entwicklung, die das wissenschaftliche
Fundament innovativer Technologien legen. Dabei
werden Fragen der Bürgerbeteiligung und geeigneter
Governance von Anfang berücksichtigt.

Das 6. Energieforschungsprogramm bildet die Grundlage
der Energieforschungsmaßnahmen der Bundesregierung. Es benennt die Leitlinien für die Förderung von
Forschung und Entwicklung des Bundes im Energiebereich sowie die vorrangigen Förderbereiche. Neben den
forschungspolitischen Zielsetzungen adressiert das Programm auch energie- und industriepolitische Fragestellungen und setzt dabei in vielen Feldern neue Akzente.
Im Mittelpunkt steht die Umsetzung der Energiewende,
dementsprechend wird die Förderung von Forschung
und Entwicklung in den Bereichen „Energieeffizienz“ und
„Erneuerbare Energien“ priorisiert und die ressortübergreifende Zusammenarbeit auf strategisch wichtigen
Feldern verstärkt.
Mit dieser Schwerpunktsetzung leistet die Energieforschungspolitik einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung der
energiewirtschaftlichen und klimapolitischen Vorgaben der Bundesregierung: Forschung und Entwicklung
tragen dazu bei, die Energieeffizienz in dem angestrebten
Umfang zu verbessern und den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben. Ferner wird die führende
Position deutscher Unternehmen bei modernen Energietechnologien auf dem Weltmarkt ausgebaut und so
Beschäftigung und Wohlstand im Inland gesichert. Ein
weiteres Ziel ist die Sicherung technologischer Optionen
als Grundlage einer flexiblen, zukunftsoffenen Energiepolitik und gesamtwirtschaftlichen Risikovorsorge.

Die Bundesregierung fördert
die Energieforschung in den
Jahren 2013 bis 2016 mit rund
3,5 Mrd. Euro. Fast drei Viertel der Forschungsmittel
flossen 2014 in den Ausbau der erneuerbaren Energien
und die Steigerung der Energieeffizienz. Der Bundesbericht Energieforschung 2015 verschafft einen detaillierten Überblick über die Energieforschungsaktivitäten der
Bundesregierung, der Länder und auf EU-Ebene.
Das BMBF versammelt im Forschungsforum Energiewende hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus
Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Fachpolitik aus Bund und Ländern. Im Dialog aller Beteiligten
wurde eine strategische Forschungsagenda entwickelt.
Darin werden Forschungsthemen zusammengeführt, die
bereits heute mit hoher Priorität angegangen werden
müssen und in ihrer Umsetzung mittel- bis langfristig für
die Energiewende von entscheidender Bedeutung sind.
In erster Konsequenz wurden 2015 die Kopernikus-Projekte für die Energiewende ausgeschrieben. Diese Projekte
besitzen eine bis zu zehnjährige Laufzeit und schlagen
die Brücke von der Grundlagenforschung zur wirtschaftlichen Anwendung. Die strategische Forschungsagenda
ist ein Beitrag zur Weiterentwicklung des Energieforschungsprogramms der Bundesregierung.
Mit Blick auf eine zügige Markteinführung neuer Energietechnologien und innovativer Verfahren soll identifiziert werden, wie die vielfältigen Forschungsaktivitäten
in Deutschland stärker vernetzt und noch effektiver
genutzt werden können. Die Energiewende-Plattform
Forschung und Innovation des BMWi ist Bestandteil
der Zehn-Punkte-Energie-Agenda, die die zentralen
Vorhaben der Energiewende in dieser Legislaturperiode
benennt. Die Plattform Forschung und Innovation dient
als beratendes Gremium, in dem ein Dialog über zentrale
Fragen der Energieforschung mit den wichtigen Akteuren
aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft
geführt wird. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, sind
in die Plattform themenspezifische Forschungsnetzwerke eingebunden. Diese Netzwerke in ausgewählten
Bereichen der Energieforschung bilden eine Schnittstelle
zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik mit dem
Ziel, den Ergebnistransfer zu beschleunigen und Impulse aus der Praxis frühzeitig in die Förderstrategien zu
integrieren.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

129

Energieforschung und
Energietechnologien
Die Bundesregierung richtet seit Ende der
1970er Jahre die Grundzüge der Energieforschungspolitik in Energieforschungsprogrammen strategisch aus. Das aktuelle
6. Energieforschungsprogramm legt als
strategisches Element der Energiepolitik
die Grundlinien und Schwerpunkte der
Förderpolitik der Bundesregierung im
Bereich innovativer Energietechnologien
fest und schafft die Voraussetzungen dafür,
dass der Umbau der Energieversorgung in
Deutschland umweltschonend, sicher und
kostengünstig gestaltet werden kann (siehe
auch Infobox Transformation der Energieversorgung).
Die Bundesregierung legt bei der Energieforschungsförderung ihren Schwerpunkt auf die Bereiche erneuerbare Energien und Energieeffizienz und setzt
verstärkt auf einen systemorientierten Ansatz. Dieser
ist zentrales Element des Energieforschungsprogramms,
welches die Grundlage für die Forschungsförderung
insgesamt aber auch für ressortübergreifende Forschungsinitiativen ist. Hierzu zählen die Förderinitiative Energiespeicher (Start 2011) und die Förderinitiative
Zukunftsfähige Stromnetze (seit 2012). Diese laufenden
Maßnahmen werden durch die neue Initiative Solares
Bauen/Energieeffiziente Stadt ergänzt. Wesentlicher
Bestandteil des Energieforschungsprogramms sind
aber nach wie vor Entwicklungsmaßnahmen von
Einzeltechnologien, die für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende von zentraler Bedeutung sind.
Hierzu gehören unter anderem die Energieeffizienz in
der Industrie, die Entwicklung und der Einsatz neuer
Materialien, anwendungsorientierte und Grundlagenforschung zu Windenergie, Photovoltaik, Biomasse und
Solarthermie, energieoptimierte Gebäude und Städte,
die Integration erneuerbarer Energien in Deutschlands
zukünftiges Energiesystem und die gesellschaftsverträgliche Transformation des Energiesystems.
Die Bundesregierung initiiert zentrale Initiativen, um
die Ausgestaltung der Energiewende im Forschungsbereich und unter Einbindung gesellschaftlicher Gruppen
erfolgreich voranzubringen. Das Energieforschungspro-

gramm wird unter Einbeziehung der EnergiewendePlattform Forschung und Innovation sowie des Forschungsforums Energiewende weiterentwickelt. Dieser
Prozess erfolgt anhand von vier Strategielinien:
•	 Stärkung thematisch übergreifender und systemorientierter Forschungsansätze in Bereichen mit
besonderer Relevanz für die Energiewende
•	 Ausbau der europäischen Vernetzung bei Themen mit klarer europäischer Dimension durch
Forschungskooperationen sowie Verstärkung der
internationalen Zusammenarbeit
•	 Verstärkung der Abstimmung und Kooperation mit
den Ländern
•	 Implementierung eines modernen Informationssystems (EnArgus), um die vielfältigen Energieforschungsaktivitäten auch über das Energieforschungsprogramm hinaus zu erfassen und
transparent darzustellen
In ausgewählten Themenfeldern der Energieforschung, mit besonderer Relevanz für die Energiewende,
werden Forschungsnetzwerke ins Leben gerufen. Sie
sollen dazu beitragen, die Effizienz und Transparenz
der Forschungsförderung zu erhöhen. Dazu wird die
strategische Vernetzung von Vertretern aus Wirtschaft,

130 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Wissenschaft sowie wichtiger Multiplikatoren in den
Mittelpunkt gestellt und die operative Zusammenarbeit in gemeinsamen Projekten angestoßen. Mit großer
Resonanz wurden bisher Forschungsnetzwerke in
den Bereichen Energie in Gebäuden und Quartieren,
Stromnetze und Systemanalyse umgesetzt. Weitere
werden zurzeit vorbereitet.
Ziel der Energieforschungsförderung ist, die erheblichen wirtschaftlichen und technologischen Risiken bei
der Entwicklung neuer Energie- und Effizienztechnologien zu reduzieren und Systemoptimierung durch
Innovationen zu ermöglichen. Damit wird ein neuer
Ansatz in der Ausgestaltung der Energieforschungs-

Weitere Informationen im Internet:

Energieforschung und Innovationen:
www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/energieforschung-und-innovationen.html
Forschungsforum Energiewende: www.bmbf.de/
de/forschungsforum-energiewende-573.html
Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA):
www.bmbf.de/de/umwelt-und-klima-145.html
Informationsportal Erneuerbare Energien:
www.erneuerbare-energien.de/EE/Navigation/
DE/Home/home.html
Projektförderung entlang der gesamten Energiekette:
www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/energieforschung-und-innovationen,did=677540.html
Kopernikus-Projekte für die Energiewende:
www.fona.de/de/20420
Bundesbericht Energieforschung 2015:
www.bmwi.de/DE/Mediathek/
publikationen,did=703854.html
Forschungsnetzwerke Energie:
www.forschungsnetzwerke-energie.de

politik verfolgt, in dessen Kern die Initiierung von
Innovationen für die Energiewende steht:
Im Januar 2015 erfolgte zu diesem Zweck eine Förderbekanntmachung zum Thema Forschung für eine
umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung, die erstmals auf die gesamte Energiekette
abstellt: Von der Energiebereitstellung und -umwandlung über den Transport und die Verteilung einschließlich der Energiespeicherung bis hin zum Energieeinsatz
in verschiedenen Sektoren, wie etwa in der Industrie
oder im Gebäudebereich, werden Forschungs- und
Entwicklungsprojekte gefördert.
In den Kopernikus-Projekten für die Energiewende des
BMBF werden technologieorientierte Forschungsprojekte mit systemischem und transdisziplinärem
Ansatz gefördert. Der Fokus liegt dabei auf einer engen
Verflechtung von Wissenschaft und Wirtschaft, einer
themen- und disziplinübergreifenden Zusammenarbeit
der verschiedenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie einer aktiven Einbindung der Zivilgesellschaft (siehe auch Infobox Kopernikus-Projekte).

Energieeffizienz
Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien beruht
der Erfolg der Energiewende ganz wesentlich auf einer
Steigerung der Energieeffizienz entlang der gesamten
Energiekette – vom Kraftwerk über die Energieumwandlung, -verteilung und -speicherung bis zur Nutzung in verschiedenen Sektoren. Effiziente Energieumwandlung und rationelle Energienutzung z. B. im
Gebäudesektor ermöglichen einen deutlich geringeren
Primärenergieverbrauch ohne spürbare Nachteile für
den Verbraucher. Energieeffizienz ist daher eine der
zwei Säulen der Energiewende. Mit dem Nationalen
Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) hat die Bundesregierung einen umfassenden Maßnahmenplan beschlossen, um den Primärenergieverbrauch signifikant
zu reduzieren.
Aufgrund der substanziellen Bedeutung der Energieeffizienz bei der Energiewende ist die Förderung der
Forschung und Entwicklung von Energieeffizienztechnologien breit angelegt. Schwerpunkte bilden dabei:

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

∙∙ Energieoptimierte Gebäude und Quartiere – dezentrale und solare Energieversorgung
∙∙ Energieeffizienz in Industrie und Gewerbe, Handel
und Dienstleistungen
∙∙ Energiespeicher
∙∙ Stromnetze
∙∙ Brennstoffzellen und Wasserstofftechnologien
∙∙ Kraftwerkstechnik und CCS-Technologien (Carbon
Capture Storage)
∙∙ energiewirtschaftliche Schlüsselelemente der Elektromobilität
∙∙ Systemanalyse
Energieeffizienz wird im Zusammenhang mit der
Energiewende systembezogen verstanden: Sie beinhaltet nicht nur die möglichst umfassende Nutzung
aufgewandter Energie, sondern beginnt bereits mit
der bedarfsgerechten Verteilung und Speicherung von
Strom, Wärme, Kälte, etc. zwischen den verschiedenen
Netzakteuren.
BMWi und BMBF fördern deswegen in der Initiative
Zukunftsfähige Stromnetze seit 2013 die Forschung zum
Ausbau der Stromnetzinfrastruktur und zur dezentralen Einspeisung hoher Anteile erneuerbarer Energien in die Übertragungs- und Verteilnetze. Im Fokus
stehen intelligente Netze, Netzregelungsverfahren und
Systemdienstleistungen. Mit der Initiative werden die
notwendigen technologischen Voraussetzungen und
Innovationen für eine langfristig gesicherte, bezahlbare
und umweltverträgliche Stromversorgung geschaffen.
Insgesamt stehen bis zu 150 Mio. Euro für die Projektförderung zur Verfügung. Seit dem Förderbeginn 2014
sind 312 Vorhaben mit einem Gesamtfördervolumen
von 140 Mio. Euro in die Förderung aufgenommen
worden. Im Jahr 2015 wurden 122 dieser Vorhaben
neubewilligt. Ferner widmet sich der Forschungscampus FEN – Elektrische Netze der Zukunft in Aachen der
Erforschung von Gleichspannungsnetzen aller Spannungsebenen zur Stromübertragung und -verteilung
(siehe auch III 2 Vernetzung und Transfer).
BMWi und BMBF betreiben des Weiteren seit 2011 die
gemeinsame Forschungsinitiative Energiespeicher –
Forschung für die Energiewende. Speichertechnologien
für Strom, Wärme und andere Energieträger sollen
weiterentwickelt und insbesondere die Kostensenkung
konsequent vorangetrieben werden. Im Rahmen der
Initiative werden ca. 280 Projekte mit einem Gesamt-

131

Weitere Informationen im Internet:

BMWi – Energieeffizienz: bmwi.de/DE/Themen/
Energie/energieeffizienz.html
Forschungsinitiative Zukunftsfähige Netze – Projekteübersicht: forschung-stromnetze.info
Forschungsinitiative Energiespeicher – Projekteübersicht: forschung-energiespeicher.info
Fördermaßnahmen des BMBF:
www.fona.de/de/foerdermassnahmen/tag/1000
BMUB Fördermaßnahmen Energieeffizienz:
www.bmub.bund.de/themen/klima-energie/
energieeffizienz
BMBF-Fördermaßnahmen Materialforschung für
die Energiewende: www.fona.de/de/16532

volumen von 189 Mio. Euro gefördert. Im Jahr 2015
wurden Fördermittel in Höhe von rund 45 Mio. Euro
ausgezahlt. Um die Vorhaben thematisch zu bündeln,
entstanden die beiden Leuchttürme Wind-WasserstoffKopplung und Batterien in Verteilnetzen.
Das BMBF fördert darüber hinaus Grundlagenforschung zur Energieeffizienz, speziell auf den Gebieten
der Entwicklung neuer Materialien für energieeffiziente Gebäude, Wasserstofferzeugung und -speicherung,
Brennstoffzellen, elektrochemische und thermische
Speicher sowie und hochflexible Kraftwerkstechnologien. Diese Grundlagenforschung bildet das wissenschaftliche Fundament für innovative Produkte und
das Energiesystem von Übermorgen. Die enge Verzahnung mit der angewandten Energieforschung stellt
sicher, dass Forschungsergebnisse möglichst schnell in
die Praxis zu überführt werden.

132 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Erneuerbare Energien

Kraftwerke, Wasserkraft und Meeresenergie sowie der
Systemintegration erneuerbarer Energien.

Die Endlichkeit fossiler Energieträger sowie deren Relevanz für das globale Klima erfordern die schrittweise
Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare
Energien. Das Energiesystem muss gleichzeitig umweltschonend, zuverlässig und bezahlbar sein. Forschung und Entwicklung helfen, diese Anforderungen
zu erfüllen und die gesamtgesellschaftlichen Kosten
möglichst gering zu halten. Vor diesem Hintergrund
fördern BMWi und BMBF gezielt die technologische
Fortentwicklung des Energiesystems in der grundlagenorientierten und anwendungsnahen Forschung
sowie durch Demonstrationsvorhaben.

Das BMVI ergänzt die umfassende Förderung von
BMWi und BMBF durch Maßnahmen im Bereich der
Minderung potenzieller Störeffekte, die Windenergieanlagen auf die Messungen der Wetterradargeräte
ausüben.

Basis ist die institutionelle Forschungsförderung, die
im Wesentlichen vom BMBF übernommen wird. Hinzu
kommt die Projektförderung, die im Bereich erneuerbarer Energien sowohl durch das BMWi als auch das
BMBF erfolgt. Während das BMBF die Grundlagenforschung und damit den wissenschaftlichen Ausgangspunkt innovativer Ideen fördert, treibt das BMWi die
industrienahe Weiterentwicklung von Energietechnologien voran: Gefördert werden anwendungsorientierte
Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu erneuerbaren Energien auf den Themenfeldern Windenergie, Photovoltaik, tiefe Geothermie, solarthermische

Weitere Informationen im Internet:

BMWi Informationsportal Erneuerbare Energien:
www.erneuerbare-energien.de
Fördermaßnahmen des BMBF:
www.fona.de/de/foerdermassnahmen/tag/1000
Sozial-ökologische Forschung - Umwelt- und
gesellschaftsverträgliche Transformation des
Energiesystems: www.fona.de/de/15980
BMWi-Projekt zur Netzintegration wetterabhängiger Energieträger:
www.projekt-eweline.de

Neben den technologischen Herausforderungen sind
mit der Energiewende neue gesellschaftliche Fragestellungen verbunden: Der Energieverbrauch muss in Zukunft stärker die volatile und dezentrale Verfügbarkeit
Erneuerbarer Energien berücksichtigen, die wiederum
raumwirksame Anpassungen der Energieinfrastruktur
erfordern. Damit wird unmittelbar in das Lebensumfeld der Menschen eingegriffen; Partizipation und
Akzeptanz der Bürger sind deshalb für die erfolgreiche
Energiewende wesentlich. Das BMBF fördert aus diesen
Gründen nicht nur die technologische Seite der Energiewende, sondern im Rahmen der SÖF auch zahlreiche Vorhaben, die sich mit einer umwelt- und gesellschaftsverträglichen Gestaltung der Energiewende und
deren Akzeptanz in der Bevölkerung befassen.

Kerntechnische Sicherheit und
Entsorgung
Die Reaktorsicherheits- und Entsorgungsforschung
unterstützt die weltweiten Bemühungen zur Fortentwicklung des Stands von Wissenschaft und Technik.
Die Finanzierung aus Mitteln des Bundes stellt sicher, dass die Forschung unabhängig von Interessen
Einzelner erfolgt. Mit der 2013 erfolgten Änderung der
gesetzlichen Rahmenbedingungen durch das Standortauswahlgesetz und dem damit verbundenen Neustart
der Endlagersuche ergibt sich weiterer Forschungsbedarf.
Ziele der Forschungsförderung des BMWi sind die weitere Erhöhung der Sicherheit kerntechnischer Anlagen
und die Weiterentwicklung des Stands von Wissenschaft und Technik. Diese Arbeiten dienen auch dem
Erhalt der weiter nötigen Kompetenz für den Umgang
mit Nukleartechnik und Strahlenschutz in Medizin,
Industrie und Forschung. Die nukleare Sicherheitsforschung erfolgt verstärkt in internationaler Zusam-

	

133

Kopernikus-Projekte
Die deutsche Energiewende ist eine große Chance für
Deutschland und kann beispielgebend für andere Nationen sein. Ziel ist es zu zeigen, dass eine sichere, bezahlbare und saubere Energieversorgung machbar ist, ohne
auf Wohlstand, Lebensqualität und Arbeitsplätze zu verzichten. Der Umbau des Energiesystems ist eine Aufgabe
von gewaltiger Dimension. Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft
haben daher die sogenannten Kopernikus-Projekte mit
einer Laufzeit bis zu zehn Jahren vorgeschlagen. Dabei
handelt es sich um ein neues Förderformat, bei dem die
enge Verflechtung von Wissenschaft und Wirtschaft, die
themen- und disziplinübergreifende Zusammenarbeit
der verschiedenen Wissenschaftler und die aktive Einbindung der Zivilgesellschaft von zentraler Bedeutung
sind. Das BMBF fördert in diesem neuartigen Ansatz die
Energieforschung über die nächsten zehn Jahre mit bis
zu 400 Mio. Euro.

Für die Umsetzung der Energiewende sollen relevante
Technologien in einem systemischen und gesamtheitlichen Ansatz identifiziert und bis zur großskaligen Anwendung entwickelt werden. Durch die enge Verzahnung
von Grundlagenforschung und Anwendung sollen Innovationen dabei schneller aus den Forschungsprojekten
zur Marktreife gelangen. Die Kopernikus-Projekte legen
zudem einen besonderen Schwerpunkt auf die frühzeitige Beteiligung der Zivilgesellschaft, da eine erfolgreiche
Energiewende nur gemeinsam mit den Bürgerinnen und
Bürgern gelingen kann.

Inhaltlich stehen bei den Kopernikus-Projekten vier große
Themenfelder mit folgenden Fragestellungen im Fokus:
•	 Wie können wir überschüssigen Strom speichern?
•	 Wie kann ein Stromnetz flexibel und dezentral funktionieren und an eine unregelmäßige Stromversorgung
angepasst werden?
•	 Welche Technologien müssen wir entwickeln, um
die Industrieprozesse an die neue Energieversorgung
anzupassen?
•	 Wie müssen Strom, Gas und Wärme zusammenspielen,
damit Haushalte und Industrie immer versorgt sind?
Die Kopernikus-Projekte stehen wie ihr Namensgeber –
der große Mathematiker und Astronom Nikolaus Kopernikus – für wissenschaftliche Exzellenz, Mut zu Neuem,
aber auch für einen gesellschaftlichen Wandel hin zu
einem neuen Weltbild. Die Bekanntgabe der zur Förderung ausgewählten Projekte im April 2016 setzt den
Startschuss für eine erste Förderphase von drei Jahren.

134 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

menarbeit, z. B. im Rahmen der EU (Euratom) und der
OECD – Nuclear Energy Agency. Das Förderkonzept
Forschung zur Entsorgung radioaktiver Abfälle (2015–
2018) berücksichtigt den Neustart der Endlagersuche
und integriert neue Aspekte, wie etwa die Erarbeitung
der wissenschaftlichen Grundlagen der Standortauswahl, die Untersuchung von Auswirkungen verlängerter Zwischenlagerzeiten auf Abfälle und Behälter sowie
soziotechnische Fragestellungen.
Das BMBF fördert komplementär zu und in Abstimmung mit dem federführenden Ressort BMWi
Forschung in den Bereichen nukleare Sicherheit und
Entsorgung sowie Strahlenschutz (siehe auch III 1.4
Gesundheit und Ernährung) im Rahmen der Förderinitiative Grundlegende FuE-Arbeiten in der nuklearen
Sicherheits- und Entsorgungsforschung zur Förderung
des wissenschaftlichen Nachwuchses und zum Kompetenzerhalt auf Basis des 6. Energieforschungsprogramms.
Die institutionell geförderte nukleare Sicherheits- und
Entsorgungsforschung des BMBF erfolgt in den Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF). Das BMBF flankiert
die Reaktorsicherheits- und Entsorgungsforschung des
BMWi mit gezielten Projekten in diesen Bereichen zur

Weitere Informationen im Internet:

Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) - Forschungsprogramm 2013 bis 2017:
www.bfs.de/SharedDocs/Downloads/BfS/DE/
fachinfo/BfS-Forschungsprogramm-Strahlenschutz-2013-2017.pdf?__blob=publicationFile&v=1
Projektträger Wassertechnologie und Entsorgung
(PTKA-WTE): www.ptka.kit.edu/downloads/ptkawte-e/Foerderkonzept_2015-2018.pdf
Arbeiten der BGR auf dem Gebiet der Endlagerung: www.bgr.de
Arbeiten der BAM zur Sicherheit von Transportbehältern und zur Sicherheit von Lagerbehältern:
www.bam.de

Ausbildung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Kompetenzerhalt.
Im Rahmen des Ressortforschungsplans 2015 des BMUB
und des Forschungsprogramms zum Strahlenschutz für
den Zeitraum 2013–2017 des nachgeordneten Bundesamtes für Strahlenschutz werden Untersuchungen zur
Reaktorsicherheit durchgeführt, die sich mit Fragen der
Sicherheit und der Sicherung kerntechnischer Einrichtungen auch bei der Stilllegung sowie der nuklearen
Ver- und Entsorgung befassen.

Beseitigung kerntechnischer Anlagen
In den nächsten Jahren kommt der Stilllegung kerntechnischer Anlagen zunehmende Bedeutung zu. Die
deutschen Kernkraftwerke sollen bis 2022 endgültig
abgeschaltet und anschließend durch die Energieversorgungsunternehmen rückgebaut werden. Aus dieser
Herausforderung leitet sich erhöhter Forschungs- und
Entwicklungsbedarf ab.
Im Vorgriff auf die zu erwartenden Stilllegungsverfahren ist es erforderlich, frühzeitig das Risikoprofil der
Anlagen in Abhängigkeit vom jeweiligen Abbaustand
zu ermitteln. Das BMUB adressiert daher in seinem
Ressortforschungsplan Forschungsbedarfe hinsichtlich
des Einflusses des Kernbrennstoffs auf Stilllegung
und Abbau unter Berücksichtigung des in der Anlage
vorhandenen gesamten radioaktiven Inventars. Für
den Übergang der kerntechnischen Anlagen aus dem
Betrieb bis in die Stilllegung insbesondere bis zur
Phase der Brennelementfreiheit sind der Umfang der
zu betrachtenden Störfälle und Ereignisse, organisatorische Änderungen und sicherheitstechnische Fragestellungen zu untersuchen. Auch im internationalen
Bereich sind die sicherheitstechnischen Anforderungen
an Stilllegung und Abbau kerntechnischer Anlagen
fortzuentwickeln und Grundsatzfragen der Freigabe
von Materialien mit geringfügiger Radioaktivität zu
bearbeiten.
Die Bundesregierung hat darüber hinaus im Rahmen
abgeschlossener Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur friedlichen Nutzung der Kernenergie in
früheren Jahren eine Reihe von Forschungsreaktoren,
Pilot- und Versuchsanlagen sowie nuklearen Testan-

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

lagen errichtet und betrieben. Das BMBF ist für eine
umweltverträgliche Stilllegung und Entsorgung mehrerer Anlagen verantwortlich. Daher fördert das BMBF
im Schwerpunkt Stilllegung/Rückbau kerntechnischer
Anlagen innovative Verfahren und Techniken, die die
aufwendigen Analyse-, Zerlege- und Dekontaminationsarbeiten ermöglichen, vereinfachen und möglichst
kostengünstiger realisieren lassen. Ziel ist es darüber
hinaus, die Strahlenbelastung für das betroffene Personal sowie die Menge des zu entsorgenden radioaktiven
Abfalls zu verringern.

Weitere Informationen im Internet:

BMBF-geförderte Forschung und Entwicklung:
www.ptka.kit.edu/downloads/ptka-wte-e/PTE_SFB30.pdf

135

sind das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP),
das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und das
Forschungszentrum Jülich (FZJ) beteiligt. Ihre Arbeiten sind eingebunden in das europäische Fusionsforschungsprogramm von Euratom. Das IPP koordiniert
das von 29 nationalen Fusionszentren aus 26 Ländern
der EU sowie der Schweiz gegründete Konsortium
EUROfusion, das die neue zentrale Struktur der europäischen Fusionsforschung darstellt. Das IPP selbst
zählt weltweit zu den führenden Instituten.
Die Arbeitsgebiete der deutschen Fusionszentren
reichen von anspruchsvoller Grundlagenforschung im
Bereich der Plasmaphysik bis hin zur Lösung komplexer technologischer Fragestellungen mittels Großgeräten (siehe auch III 1.7 Naturwissenschaftliche Grundlagenforschung).

Weitere Informationen im Internet:

Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit:
www.grs.de/sites/default/files/pdf/GRS-S-50.pdf
HGF: Nuclear Fusion:
www.helmholtz.de/forschung/energie/nuclear_
fusion

Fusionsforschung
Angesichts der in den kommenden Jahrzehnten
global rasant ansteigenden Energienachfrage und der
Notwendigkeit, CO2-Emissionen zu reduzieren, sind
alle infrage kommenden Konzepte für eine künftige
Energieversorgung zu untersuchen und der Gesellschaft möglichst viele Optionen offenzuhalten. Die
Bundesregierung unterstützt deshalb weiterhin den
Bau des International Thermonuclear Experimental Reactor ITER in Cadarache (Südfrankreich). Er soll zeigen,
ob mit dem gewählten Verfahren und den eingesetzten
Technologien ein Fusionskraftwerk grundsätzlich realisiert werden kann. Als einer der sieben Partner (Europa,
Japan, USA, Russland, China, Südkorea und Indien)
vertritt Euratom die EU im ITER-Rat. Die Finanzierung
von ITER erfolgt nicht über das BMBF sondern über
Euratom.
Die Förderung der Fusionsforschung in Deutschland
erfolgt primär im Rahmen der programmorientierten
Förderung der HGF. An dem Programm Kernfusion

136 	

1.3	 Arbeit, Produktion und Dienstleistung
Der grundlegende Wandel von Wirtschaft und Arbeitswelt lässt kaum einen Sektor unberührt; er betrifft Produkte und
Dienstleistungen ebenso wie Produktions- und Arbeitsprozesse. Betriebsstrukturen, aber auch die Arbeitsverhältnisse
verändern sich. Hinzu kommen neue Anforderungen an Kompetenzen oder neue Wertvorstellungen der Menschen
auch in Bezug auf ihre berufliche Tätigkeit. Die Globalisierung und Digitalisierung von Produktions- und Kommunikationsprozessen spiegelt sich in neuen Wertschöpfungsstrukturen wider.

Die Bundesregierung nimmt mit der Hightech-Strategie
die Herausforderungen des technologischen Wandels
für die Arbeitswelt in den Blick. Das Rahmenprogramm Innovationen für die Produktion, Dienstleistung
und Arbeit von morgen betrachtet Forschungsthemen
aus den Bereichen Produktion, Dienstleistung und
Arbeit erstmals gemeinsam. Das Rahmenprogramm
widmet sich gezielt den technologischen, prozessualen und organisatorischen Herausforderungen
und ermöglicht so künftige Innovationssprünge. Es
hat eine Laufzeit von sieben Jahren (2014–2020); das
Förderbudget beläuft sich auf ca. 1 Mrd. Euro. Die Programmlinie Zukunft der Arbeit bringt gleichermaßen
technologische und soziale Innovationen voran. So
sollen neben den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit
im gleichen Maße die Bedürfnisse der Menschen im
Arbeitsprozess berücksichtigt werden. Das Fachforum
Innovative Arbeitswelt der Hightech-Strategie, das Dia-

logformat Arbeiten 4.0 und die Initiative Neue Qualität
der Arbeit (INQA) stellen Arbeitgebern und Beschäftigten Wissen und konkrete Unterstützungsangebote für
die Gestaltung einer modernen, attraktiven Arbeitswelt bereit.
Mit der Förderung der Forschung für die Zukunft der
Arbeit in einer digitalisierten Welt trägt die Bundesregierung dazu bei, geeignete Maßnahmen und passfähige Rahmenbedingungen für die Arbeitsgestaltung
zu entwickeln. Ziel ist es zum einen, den technischen
Fortschritt zu unterstützen, und zum anderen, Faktoren wie die Rechte von Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmern, Kompetenzentwicklung, Arbeits- und
Prozessinnovationen und die Gesunderhaltung am
Arbeitsplatz umfassend zu berücksichtigen. So steht
weiterhin der Mensch und nicht die Technik im Mittelpunkt.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

137

Forschung für die Zukunft der Arbeit

Thematische Förderschwerpunkte wurden im Berichtszeitraum in folgenden Bereichen gesetzt:

In der Arbeitswelt der Zukunft müssen die Arbeitssysteme und Kompetenzen an die neuen technologischen
Erfordernisse und die Bedürfnisse der sich in Zeiten des
demografischen Wandels verändernden Belegschaft
angepasst werden. Die vernetzte Tätigkeit mit digitalen
Arbeitsmitteln und Arbeitsinhalten macht schon heute
den überwiegenden Teil der Arbeit aus. Der Qualifizierung von Beschäftigten für die sich dynamisch verändernden Anforderungen kommt eine immer größere
Bedeutung zu. Ganzheitliche Konzepte der Arbeits- und
Organisationsgestaltung sowie fortschrittliche Konzepte
der Personal- und Kompetenzentwicklung sind zu entwickeln und in der betrieblichen Praxis zu erproben.

∙∙ Arbeit in der digitalisierten Welt
∙∙ Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde
Arbeit von morgen
∙∙ Betriebliches Kompetenzmanagement im demografischen Wandel
∙∙ Innovationsfähigkeit im demografischen Wandel

Um den Herausforderungen des kontinuierlichen Wandels in der Arbeitswelt Rechnung zu tragen und frühzeitig die Weichen für optimal aufeinander abgestimmte und gute Arbeitsbedingungen zu stellen, fördert das
BMBF seit 2016 mit dem Programm Zukunft der Arbeit
innovative Konzepte der Personal-, Kompetenz- und
Organisationsentwicklung. Das Programm wird aus
Mitteln des Europäischen Sozialfonds für Deutschland
(ESF) mitfinanziert. Es folgt dem vorherigen Programm
Arbeiten – Lernen – Kompetenzen entwickeln. Innovationsfähigkeit in einer modernen Arbeitswelt und ist Teil
des 2014 veröffentlichten Rahmenprogramms Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit
von morgen.

Initiative Neue Qualität der Arbeit/
Dialog Arbeiten 4.0

Das Programm Zukunft der Arbeit sieht in der Innovationsfähigkeit von Menschen, Unternehmen und
Netzwerken einen Schlüsselfaktor zur langfristigen
Sicherung des Forschungs- und Wirtschaftsstandorts,
der insbesondere durch den demografischen Wandel
in Deutschland sowie die zunehmende Digitalisierung vor besondere Herausforderungen gestellt ist.
Ziel ist es daher, die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, basierend auf einem ganzheitlichen
Verständnis, als zentralen Ansatzpunkt für Wachstum
und Beschäftigung zu stärken. Wichtige Faktoren der
Innovationsfähigkeit von Menschen und Unternehmen sind in diesem Kontext beispielsweise ein abgestimmtes Zusammenspiel von Mensch und Technik am
Arbeitsplatz, kontinuierliches Lernen und die Entwicklung von Kompetenzen sowie gesundheitsförderliche
Arbeitsplätze.

Das Programm Zukunft der Arbeit trägt mit seiner Ausrichtung maßgeblich zur Umsetzung der Forschungsagenda des BMBF Das Alter hat Zukunft innerhalb der
Demografiestrategie der Bundesregierung Jedes Alter
zählt bei (siehe auch III 1.8 Gesellschaft und Bildung).

In der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA)
des BMAS engagieren sich Bund, Länder, Arbeitgeberverbände und Kammern, Gewerkschaften, die
Bundesagentur für Arbeit, Unternehmen, Sozialversicherungsträger und Stiftungen gemeinsam für eine
moderne Arbeitskultur und Personalpolitik. Ziel der
Initiative ist die Verbesserung der Qualität der Arbeit,
von der Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen
profitieren. INQA bietet Sensibilisierung und konkrete
Angebote für Unternehmen und Verwaltungen in vier
personalpolitischen Handlungsfeldern: Personalführung, Chancengleichheit und Diversity, Gesundheit
sowie Wissen und Kompetenz.
Im April 2015 startete das BMAS den Dialogprozess
Arbeiten 4.0 und schuf damit einen Rahmen für einen
teils öffentlichen, teils fachlichen Dialog über die
Zukunft der Arbeitsgesellschaft. Arbeiten 4.0 geht über
die heutige Normalität in den Betrieben hinaus und
soll neue Perspektiven und Gestaltungschancen für die
Zukunft der Arbeit im Zeichen von Digitalisierung und
Technisierung aufzeigen. Im bereits veröffentlichten
Grünbuch zum Dialogprozess wurden bisherige Analysen und offene Fragen zu wichtigen Entwicklungen
und Handlungsfeldern in der Arbeitsgesellschaft von
morgen zusammengestellt. Mit dem Grünbuch wurde
eine breite Diskussion darüber in Gang gesetzt, wie wir
arbeiten wollen und welche Gestaltungschancen es für

138 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Unternehmen, Beschäftigte, Sozialpartner und Politik
gibt. Der Dialogprozess soll Ende 2016 mit einem Weißbuch Arbeiten 4.0 seinen Abschluss finden.

Forschung für die Produktion
der Zukunft

Im Rahmen seiner Ressortforschung hat das BMAS im
Berichtszeitraum verschiedene wissenschaftliche Kurzexpertisen und Forschungsaufträge zur Fachkräftesicherung und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen
(Arbeitsqualität) vergeben. Die Ressortforschung der
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
(BAuA) zielt, im Rahmen der fachlichen Unterstützung
und Beratung des BMAS, auf die Verbesserung von
Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit und ihre
menschengerechte Gestaltung ab. Darüber hinaus leistet auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) umfangreiche und vielfältige Spezialforschung zur Arbeit in der
digitalisierten Welt (siehe auch EB II Organisationen
und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).

Produktion umfasst die gesamte Wertschöpfungskette der Produktentstehung von der strategischen
Produktplanung und Ideenfindung über die konkrete
Produktentwicklung und die Entwicklung des passenden Produktionssystems bis zur Produktionsdurchführung. Hinzu kommen die für den nachhaltigen
Geschäftserfolg immer wichtiger werdenden produktbegleitenden Dienstleistungen, effiziente Logistiksysteme, das Recycling im Sinne einer Kreislaufwirtschaft sowie begleitende Initiativen im Bereich der
Standardisierung und Normung. Produktionstechnologie nutzt und integriert innovative Erkenntnisse
anderer Schlüsseltechnologien wie Nanotechnologie,
Mikrosystemtechnik, Biotechnologie, optische und
Werkstofftechnologien sowie Informations- und
Kommunikationstechnologie.

Weitere Informationen im Internet:

Förderprogramm Zukunft der Arbeit:
www.produktion-dienstleistung-arbeit.de/de/
arbeit.php
Initiative Neue Qualität der Arbeit: www.INQA.de
Dialog Arbeiten 4.0: www.arbeitenviernull.de
Grünbuch Arbeiten 4.0 – Arbeit weiter denken:
www.arbeitenviernull.de/gruenbuch.html
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): www.baua.de
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
(IAB): www.iab.de

Produktion und Dienstleistung bilden die zentrale
Basis für eine leistungs- und wettbewerbsstarke
Volkswirtschaft. Beide Bereiche stehen für hochwertige
Beschäftigung und Innovation und haben vielfältige
Auswirkungen auf die Arbeit von morgen. Im Jahr 2014
veröffentlichte das BMBF das Rahmenprogramm Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit
von morgen. Die zusammengeführten Programme für
Produktion, Dienstleistung und Arbeit sind als lernende Programme mit eigenen Steuerungsinstrumentarien angelegt. Über spezifische Bekanntmachungen
bzw. Förderschwerpunkte werden Verbundvorhaben
gefördert, die wissenschaftliche Erkenntnissuche mit
der direkten betriebspraktischen Erprobung verbinden
und so eine unmittelbare Umsetzung der Forschungsergebnisse gewährleisten. Das Rahmenprogramm
Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und
Arbeit von morgen trägt mit seiner Ausrichtung zur
Umsetzung der Digitalen Agenda 2014–2017 der Bundesregierung bei. So werden Arbeitsgestaltungs- und
Produktionsforschungsansätze innerhalb des Zukunftsprojekts Industrie 4.0 gefördert (siehe auch
III 1.1 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien).
Das Rahmenprogramm unterstützt anwendbare
Lösungen, um Wertschöpfung und Arbeitsplätze in
Deutschland zu erhalten und auszubauen, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen (insbesondere von

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

KMU) zu stärken, Arbeit wirtschaftlich und sozialverträglich zu gestalten sowie die Produktions- und
Dienstleistungsprozesse effizient und umweltgerecht
weiterzuentwickeln. Erstmals wurde hier von Beginn
an die Forschung für Produktion, Dienstleistung und
Arbeit programmatisch verzahnt.
Mit der Entwicklung effizienter und nachhaltiger
Produktionstechnologien und -systeme werden die
Voraussetzungen für den technischen Vorsprung zu
mehr Kundenindividualität, Ressourcenschonung
und Zuverlässigkeit und damit für die Zukunft der
Produktion in Deutschland geschaffen. Thematische
Schwerpunkte sind u. a. Industrie 4.0, Ressourcen- und
Energieeffizienz in der Produktion sowie produktbegleitende Dienstleistungs- und Logistikinnovationen.
Gefördert werden interdisziplinäre Verbünde und die
möglichst enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und
Wirtschaft. Die Produktionsforschung schafft damit
Voraussetzungen für die notwendigen Effizienz- und
Innovationssprünge, die auch in Zukunft den Wohlstand Deutschlands sichern.
Thematische Förderschwerpunkte wurden im Berichtszeitraum in folgenden Bereichen gesetzt:

139

•	 Serienflexible Technologien für elektrische Antriebe
von Fahrzeugen 2 (E-Antriebe2)
•	 Kompetenz Montage – kollaborativ und wandlungsfähig
•	 Additive Fertigung – Individualisierte Produkte,
komplexe Massenprodukte, innovative Materialien
•	 Industrie 4.0 – Forschung auf den betrieblichen Hallenboden
•	 Produktionsanlagen für Wachstumsmärkte – intelligent einfach und effizient
•	 Hochleistungsfertigungsverfahren für die Produkte
von morgen – Technologieinnovationen auf dem
Weg zur intelligenten Fertigung
•	 Intelligente Vernetzung in der Produktion – Ein
Beitrag zum Zukunftsprojekt Industrie 4.0
•	 Serienflexible Technologien für elektrische Antriebe
von Fahrzeugen
Insbesondere die Unterstützung von jungen, kleinen
und mittelständischen Unternehmen wird als Garant
für Veränderungen im verarbeitenden Gewerbe sowie
für die Sicherung vorhandener und den Aufbau neuer
Arbeitsplätze gesehen. Kleine und mittlere Unternehmen mit Innovationspotenzial erhalten in der

140 	

Maßnahme KMU-innovativ: Produktionsforschung
des BMBF daher gezielte Unterstützung.
Das Portal „produktionsforschung.de“ stellt umfassende Informationen zur Umsetzung der Förderlinien
zur Verfügung. Hier stehen auch viele Dokumente aus
geförderten Vorhaben zum Herunterladen bereit.

Forschung für die Dienstleistung
der Zukunft
Mehr und mehr verschwindet die Trennlinie zwischen
Angeboten von Sachgütern und Dienstleistungen.
Viele Sachgüter des Alltags oder des Maschinen- und
Anlagenbaus können nur über technikgestützte und
produktbezogene Dienstleistungen effizient eingesetzt
werden und so ihren vollen Nutzen für Kunden entfalten. Dienstleistung garantiert den kontinuierlichen
Nutzen der Leistung für den Kunden in der Nutzungsphase. Die Produkte als Gesamtangebot werden komplexer, da Produkt- und Dienstleistungskomponenten
zu einem hybriden Leistungsbündel verschmelzen und
aus einer Hand angeboten werden können.
Im Jahr 2014 veröffentlichte das BMBF das Rahmenprogramm Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen. Das Programm berücksichtigt die wachsende Bedeutung der Dienstleistungen
für den Innovationsprozess und die Gestaltung der
gesellschaftlichen Herausforderungen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Mobilität, Produktivität und
demografischer Wandel. Besonderer Wert wird auf
die Beteiligung von Unternehmen gelegt. Sie sollen
mit ihren Lösungen die Grundlagen für wirtschaftlich
tragfähige Geschäftsmodelle, neuartige Vorgehensweisen und Lösungen legen. Unterstrichen wird die
Bedeutung der Dienstleistungsforschung durch den
Aktionsplan DL 2020. Zukunft gestalten mit Dienstleistungen. Der Aktionsplan thematisiert die Verknüpfung
von Technologie und Dienstleistungen. Er gibt Impulse
für die ressortübergreifende Zusammenarbeit mit
anderen Fachprogrammen. Eine schon langjährige
Zusammenarbeit gibt es mit der Energieforschung des
BMBF im Rahmen des Wettbewerbs Energieeffiziente
Stadt. Zusammen mit der Gesundheitsforschung des
BMBF wird der Wettbewerb Gesundheits- und Dienstleistungsregionen von morgen umgesetzt.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Das Spektrum der Dienstleistungsforschung reicht von
personenbezogenen Dienstleistungen über komplexe
technik- und produktbezogene und wissensintensive
Dienstleistungen bis hin zu IT-Diensten sowie Dienstleistungssystemen für Infrastrukturleistungen wie
Sicherheits-, Verkehrs- und Energiesysteme. Dienstleistungssysteme bündeln Anbieter, Unternehmen und
Organisationen über Branchen hinweg und beziehen
Kunden und Nutzer meist mittels Informations- und
Kommunikationstechnologien als Koproduzenten
aktiv in den Leistungserstellungsprozess ein.
Thematische Förderschwerpunkte wurden im Berichtszeitraum in folgenden Bereichen gesetzt:
•	 Technikbasierte Dienstleistungen
•	 Smart Service Stadt: Dienstleistungsinnovationen
für die Stadt von morgen
•	 Dienstleistungsinnovation durch Digitalisierung
•	 Dienstleistungsinnovation für Elektromobilität
•	 Gesundheits-und Dienstleistungsregionen von
morgen
•	 Produktivität von Dienstleistungen

Weitere Informationen im Internet:

Rahmenprogramm Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen:
www.produktion-dienstleistung-arbeit.de/
Produktionsforschung:
www.produktionsforschung.de
BMBF-Informationen zum Zukunftsprojekt
Industrie 4.0: www.bmbf.de/de/zukunftsprojektindustrie-4-0-848.html

	

141

1.4	 Gesundheit und Ernährung
Die Gesundheit beeinflusst das individuelle und gesellschaftliche Wohlbefinden ebenso nachhaltig, wie Leistungsfähigkeit, Produktivität und Wachstum. Die Zunahme von Volkskrankheiten und Mehrfacherkrankungen in der Bevölkerung, die in vielen Industriestaaten mit dem demografischen Wandel einhergehen, stellt unsere Gesellschaft und
Wirtschaft vor große Herausforderungen. Gleichzeitig bietet der steigende Bedarf an Gesundheitsleistungen vielfältige Chancen für die deutsche Gesundheitswirtschaft, auch auf den internationalen Märkten.

Die Gesundheitsforschung nimmt eine herausgehobene Stellung in den Förderanstrengungen der
Bundesregierung ein. In kaum einem anderen Forschungsbereich profitieren Bürgerinnen und Bürger
so unmittelbar von neuen Erkenntnissen und Innovationen wie in der Gesundheitsforschung. Forschungsergebnisse sollen daher schnell bei den Menschen ankommen. Das Rahmenprogramm Gesundheitsforschung
(2010–2017) benennt sechs Aktionsfelder, die die
maßgebliche Grundlage für die Förderung der Gesundheitsforschung bilden. Hierzu zählen die gebündelte
Erforschung von Volkskrankheiten, die Weiterentwicklung der individualisierten Medizin, Fortschritte
in der Präventions- und Ernährungsforschung sowie
der Versorgungsforschung, die Förderung der Gesundheitswirtschaft und die Stärkung der internationalen
Zusammenarbeit. Das Programm wird gemeinsam
von BMBF und BMG getragen. Ergänzend zur Projektförderung und institutionellen Förderung des BMBF

spielt die Ressortforschung des BMG in Verbindung mit
seinen Instituten eine wichtige Rolle. Der G7-Gipfel auf
Schloss Elmau setzte weitere entscheidende Impulse
für die künftige Forschungsagenda. So wird der Kampf
gegen Antibiotikaresistenzen und gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten intensiviert und es werden
multilaterale Maßnahmen ergriffen, um auf Epidemien
mit neu auftretenden Erregern, wie die Ebola-Krise,
künftig besser vorbereitet zu sein.
Ein wichtiges Element eines gesunden Lebens ist eine
gesunde Ernährung. Hier geht es, neben einer auf den
Energiebedarf abgestimmten Ernährung auch um
eine hinreichende Lebensmittelversorgung sowie um
die Qualität und Sicherheit der Lebensmittel. Sichere
Lebensmittel und gesunde Ernährungsweisen sind
auch ein wesentliches Thema des Verbraucherschutzes,
der aber weit über Ernährungsfragen hinausreicht und
immer wichtiger wird. Transparenz und bessere Infor-

142 	

mationen zu Produkteigenschaften und Dienstleistungsangeboten stärken den Verbraucher, Qualitätsmanagementsysteme sichern hochwertige Produkte und
helfen, Risiken für jede und jeden zu minimieren.
Bei Produktion und Konsum sind zugleich Nachhaltigkeitsaspekte im Blick zu behalten. Zudem kann
Forschung einen entscheidenden Beitrag dazu leisten,
Lösungswege für die Sicherung der Welternährung zu
entwickeln.

Bekämpfung von Volkskrankheiten
Die Zahl der Menschen, die an Volkskrankheiten
leiden bzw. erkranken, nimmt weltweit weiter zu. Zu
Volkskrankheiten zählen Krankheiten wie Krebs, HerzKreislauf-, Stoffwechsel-, Lungen- oder neurodegenerative Erkrankungen. Aber auch Infektionskrankheiten,
neu auftretende Krankheitserreger sowie Antibiotikaresistenzen stellen die Gesundheitsforschung und
Gesundheitsversorgung vor neue Herausforderungen.
Wichtiges Ziel ist es daher, die genannten Krankheiten einzudämmen, zu verhindern oder zu verzögern.
Gleichermaßen gilt es, den bereits betroffenen Personen das Leben mit ihrer Erkrankung zu erleichtern.
Hierfür müssen Früherkennung, Diagnostik, Therapie,
Rehabilitation, Nachsorge und Pflege weiter verbessert
werden.
Die Bundesregierung fördert daher innovative, überregionale Forschungsstrukturen und -netzwerke, die sich
dem Leitgedanken der Translation, also dem Transfer
von Forschungsergebnissen aus dem Labor in die breite
medizinische Versorgung, verschrieben haben. Eine
zentrale Rolle nehmen dabei die Deutschen Zentren
der Gesundheitsforschung (DZG) ein (siehe auch EB II
Organisationen und Einrichtungen in Forschung und
Wissenschaft). Inzwischen arbeiten ca. 41 Standorte
mit mehr als 100 beteiligten Hochschulen, Universitätskliniken und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in den Zentren zusammen. Thematisch
ausgerichtete DZG existieren derzeit zu Diabetes, HerzKreislauf-Erkrankungen, Infektionskrankheiten, Krebs,
Lungenkrankheiten und neurodegenerativen Erkrankungen (siehe auch Infobox Diabetes mellitus). Wertvolle Partner sind dabei Ressortforschungseinrichtungen des BMG, das Robert Koch-Institut (RKI), das

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und das Bundesinstitut für
Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) (siehe auch
EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung
und Wissenschaft). Das BMBF hat bis 2015 mehr als 700
Mio. Euro für die sechs indikationsbezogenen Zentren
zur Verfügung gestellt. Nach Abschluss der Aufbauphase werden nunmehr jährlich über 220 Mio. Euro durch
den Bund zur Verfügung gestellt. Die Länder beteiligen
sich mit rund 22 Mio. Euro jährlich.
Das neue Berliner Institut für Gesundheitsforschung
(BIG) verfolgt komplementär dazu einen übergreifenden systemmedizinischen Forschungsansatz. Das BIG
erforscht die komplexen, krankheitsübergreifenden
Zusammenhänge in ihrer Gesamtheit und entwickelt
neue Therapieansätze. Es erlangte 2015 seine Rechtsfähigkeit als selbstständige Körperschaft des öffentlichen
Rechts des Landes Berlin. Im BIG wird die Zusammenarbeit des Max-Delbrück-Centrums (MDC) und der
Charité – Universitätsmedizin Berlin durch die Schaffung eines gemeinsamen Forschungsraums institutionalisiert. Es ist geplant, den Aufbau bis 2019 durch den
Bund mit rund 355 Mio. Euro (plus rund 34,5 Mio. Euro
vom Land Berlin) zu finanzieren.
Mit dem Ziel, eine neue Organisationsstruktur mit Modellcharakter für die Hochschulmedizin aufzubauen
und zu erproben, fördert das BMBF seit 2008 insgesamt
acht Integrierte Forschungs- und Behandlungszentren
(IFB). Forschung und Patientenversorgung werden miteinander vereint, damit Ergebnisse aus der Forschung
schneller in der Klinik angewandt werden können.
Hierbei soll insbesondere die klinische Spitzenforschung gefördert werden, um Deutschland in diesem
Bereich sichtbar und wettbewerbsfähig zu machen. Mit
Karriereförderprogrammen für den klinisch-wissenschaftlichen Nachwuchs leisten die IFB einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung dieser Ziele.
Der Kampf gegen Infektionen ist eine zentrale Aufgabe der Medizin. Kernthemen der Infektionsforschung
des BMG bilden sich in der gemeinsam mit BMBF und
BMEL getragenen Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART 2020) sowie der Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C sowie anderer sexuell
übertragbarer Infektionen ab. Im europäischen Rahmen
beteiligt sich das BMBF an der Joint Programming
Initiative zu antimikrobiellen Resistenzen (JPI AMR). Das
BMBF fördert den Aufbau klinisch-infektiologischer

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Forschungsgruppen als selbstständige Einheiten an
deutschen Hochschulkliniken und unterstützt Forschungen zur Bedeutung der körpereigenen, natürlichen Resistenz gegenüber Infektionskrankheiten. Die
Erforschung, Prävention und Bekämpfung von durch
Tieren auf Menschen übertragbaren Infektionskrankheiten (Zoonosen) fördern BMBF, BMG und BMEL
gemeinsam über die Nationale Forschungsplattform
für Zoonosen. An der Plattform sind vonseiten der
Ressortforschungseinrichtungen das RKI, das PEI und
das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) beteiligt. Anfang
2016 haben das BMBF, das BMG und das BMEL die

143

Forschungsvereinbarung zu Zoonosen erneuert. Als
neuer Partner ist das BMVg hinzugekommen. Als eine
zentrale Initiative fördert das BMBF ein Nationales
Forschungsnetz zoonotische Infektionskrankheiten.
Der Krebsbekämpfung wird seit vielen Jahren ein
hoher Stellenwert eingeräumt. Der Nationale Krebsplan
dient als Koordinierungs- und Kooperationsprogramm
zur Weiterentwicklung und Verbesserung sowohl der
Früherkennung von Krebs als auch der Versorgung von
krebskranken Menschen (siehe auch Infobox Ausbau
und Erweiterung des Nationalen Centrums für Tumo-

Diabetes mellitus
Diabetes mellitus, umgangssprachlich
auch als Zuckerkrankheit bezeichnet,
ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. Die beiden wichtigsten Formen
sind der Typ-1- und der Typ-2-Diabetes.
Etwa 95 % der Menschen mit Diabetes
leiden an Typ-2-Diabetes. Der Diabetes mellitus Typ 2 wurde früher auch
als Altersdiabetes bezeichnet, weil vor
allem Menschen in höherem Lebensalter
daran erkranken. Beim Typ-1-Diabetes
handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Sie kann schon im frühen Kindes- und
Jugendalter auftreten. Bei dieser Form des Diabetes
richtet sich das körpereigene Immunsystem gegen
die eigenen Körperzellen, nämlich gegen die Insulin
produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse.
Die Immunreaktion zerstört dabei die Betazellen. In
der Folge kommt die körpereigene Insulinproduktion
zum Erliegen und der Blutzuckerspiegel steigt an. Dies
kann langfristig die Blutgefäße, Nerven und andere
Organe schädigen. Betroffene müssen mehrmals am
Tag Insulin spritzen. Nur so können sie akute Stoffwechselstörungen und Folgeerkrankungen, beispielsweise des Herz-Kreislaufsystems, verhindern.
Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD)
beteiligt sich an einer Studie, um die Erkrankungsrate für Typ-1-Diabetes bei Kindern mit sehr hohem

Erkrankungsrisiko zu senken. Mehrere Länder führen
diese sogenannte Pre-POINT-Studie durch. PrePOINT überprüft eine Art Impfung gegen die Autoimmunreaktion bei Typ-1-Diabetes. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten zeigen, dass eine
orale Insulingabe einen schützenden Effekt bewirkt.
Unerwünschte Nebenwirkungen, wie z. B. Unterzuckerung, wurden nicht beobachtet. Die jetzt geplante
POINT-Studie validiert die orale Insulinimpfung an
einer größeren Anzahl von Kindern.
Zwei von fünf Partnern im Verbund des DZD sind das
Deutsche Diabetes-Zentrum in Düsseldorf und das
Deutsche Institut für Ernährungsforschung PotsdamRehbrücke (DIfE), die als Leibniz-Institute vom Bund
geförderten werden (siehe auch EB II Organisationen
und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).

144 	

rerkrankungen). Zum Thema Krebs wurde auch der
Förderschwerpunkt Forschung im Nationalen Krebsplan
vom BMG aufgelegt.
Auch psychische Erkrankungen sowie Erkrankungen
oder Verletzungen des Haltungs- und Bewegungsapparates haben eine zunehmende gesundheitspolitische Bedeutung. Für die Versorgung sind diese
Erkrankungen sehr relevant, da sie häufig auftreten,
die Betroffenen und Angehörigen enorm belasten
und hohe Versorgungs- und Pflegekosten verursachen
können. Das BMBF fördert daher von 2015 bis 2019
zwei Forschungsnetze zu muskuloskelettalen Erkrankungen und zu psychischen Erkrankungen. Das BMG
unterstützt außerdem einen Forschungsschwerpunkt
zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit
psychischen Störungen. Darüber hinaus hat das BMBF
aufgrund der Empfehlungen des Runden Tisches Sexueller Missbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im
familiären Bereich im Jahr 2011 eine Initiative gestartet,
um eine Wissenschafts- und Forschungslandschaft im
Bereich sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen aufzubauen. Im diesbezüglichen Förderschwerpunkt im Bereich der Gesundheitsforschung werden
elf Forschungsverbünde von 2012 bis 2016 mit insgesamt 23 Mio. Euro gefördert. Die Forschung entwickelt
und erprobt evidenz-basierte Konzepte zur Prävention,
Erkennung und Therapie, um Kinder und Jugendliche
vor sexualisierter Gewalt besser zu schützen und die
seelische und die körperliche Gesundheit von Betroffenen bestmöglich wieder herzustellen.
Auf europäischer Ebene koordiniert das BMBF die beiden ERA-Netze (European Research Area Networks) für
neurologische und psychiatrische Erkrankungen (NEURON) sowie für kardiovaskuläre Erkrankungen (ERACVD). Außerdem ist das BMBF Partner in einem ERANET zur translationalen Krebsforschung (TRANSCAN)
und beteiligt sich an den JPIs (Joint Programming
Initiatives) zu neurodegenerativen Erkrankungen
(JPND) und zur antimikrobiellen Resistenz (JPIAMR).
Das BMG beteiligt sich zudem an den im Rahmen des
EU-Programms Health geförderten Joint Action Alkohol
(RARHA) und Joint Action on Chronic Deseases sowie
an ERANID (European Research Area Network on Illicit
Drugs), das im Rahmen des 7. EU-Forschungsprogramms
gefördert wird. Das BMG plant die Einführung eines
elektronischen Meldeverfahrens für Infektionskrank-

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – Forschung für die Gesundheit:
www.gesundheitsforschung-bmbf.de
BMG – Ressortforschung: www.bmg.bund.de/
ministerium/ressortforschung.html
BMBF – Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung: www.bmbf.de/de/gesundheitszentren.
php
BMBF – Integrierte Forschungs- und Behandlungszentren: www.gesundheitsforschung-bmbf.
de/de/2067.php
BMEL – Forschung für die Gesundheit von Mensch
und Tier: www.bmel.de/DE/Tier/Tiergesundheit/
tiergesundheit_node.html
BMEL – Ressortforschung:
www.bmel-forschung.de
Nationale Forschungsplattform für Zoonosen:
www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/4627.php
Nationales Forschungsnetz zoonotische Infektionskrankheiten: www.gesundheitsforschungbmbf.de/de/5738.php

heiten. Mit der Umsetzung des Projekts (Deutsches
Elektronisches Meldesystem für den Infektionsschutz
– DEMIS) wurde das RKI beauftragt. Die bundesweite
Einführung eines elektronischen Meldeverfahrens
stärkt den öffentlichen Gesundheitsdienst, da eine verbesserte medienbruchfreie Kommunikation zwischen
den Akteuren des Meldewesens (Ärzte, Krankenhäuser,
Labore, öffentlicher Gesundheitsdienst) sowie eine
flexiblere und bessere Datenerhebung zur epidemiologischen Situation in Deutschland ermöglicht wird.
Damit ist insbesondere auch eine bessere und schnellere Bewältigung von Ausbruchsgeschehen verbunden.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Individualisierte Medizin
Entstehung, Ausprägung und Verlauf einer Krankheit
hängen von vielen individuellen Faktoren ab. Hierzu
zählen beispielsweise die genetische Veranlagung, das
Geschlecht und das Alter des Menschen. Aber auch der
persönliche Lebensstil und äußere Umwelteinflüsse
beeinflussen unsere Gesundheit entscheidend. Die individualisierte Medizin erfasst diese Faktoren und ihre
gegenseitigen Wechselwirkungen. Sie eröffnet so die
Möglichkeit, maßgeschneiderte Präventions- und Therapieverfahren zu entwickeln. Mögliche Nebenwirkungen der Behandlung sollen minimiert und der Behandlungserfolg verbessert werden. Gleichzeitig bietet die

145

individualisierte Medizin der deutschen Gesundheitswirtschaft neue Chancen für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Zusammen mit der zunehmenden Digitalisierung
ist sie der wichtigste Treiber der modernen Medizin.
Die Bundesregierung fördert die individualisierte Medizin seit 2013 in einem Aktionsplan Individualisierte
Medizin, der Teil des Rahmenprogramms Gesundheitsforschung ist. Bis zum Jahr 2016 stellt die Bundesregierung 360 Mio. Euro für die projektbezogene Forschungsförderung zur Verfügung. Durch die Förderung
sollen zwei Hauptziele erreicht werden. Zum einen
sollen neue Ansätze für maßgeschneiderte Prävention, Diagnostik und Therapie entwickelt werden. Zum
anderen soll ein gesellschaftlich akzeptierter Rahmen

Ausbau und Erweiterung des Nationalen
Centrums für Tumorerkrankungen
Das BMBF stärkt die Krebsforschung
in Deutschland und fördert die Entwicklung individualisierter Therapien
von Krebspatientinnen und -patienten.
Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg wird
ausgebaut und es wird eine NCTAußenstelle in Dresden errichtet. Dies
gab die Bundesministerin für Bildung
und Forschung Prof. Dr. Johanna Wanka anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) bekannt.
Das 2004 gegründete NCT ist eine
Kooperation des DKFZ, der Universitätsmedizin Heidelberg und der Deutschen Krebshilfe.
Als Onkologisches Spitzenzentrum (Comprehensive
Cancer Centre) vereint das NCT klinische Forschung
sowie Patientinnen- und Patientenversorgung unter
einem Dach. Gemäß einer modernen Präzisionsonkologie werden über die Grenzen der traditionellen
Fachrichtungen und akademischen Abteilungen hinweg
entsprechend den spezifischen Bedürfnissen individualisierte Therapien entwickelt.

Das NCT entwickelt sich durch den Ausbau und den
neuen Standort in Dresden zu einem der führenden
Zentren in der individualisierten Krebsforschung in
Europa und weltweit. Das BMBF plant einen sukzessive
ansteigenden Finanzbetrag. Das Land Baden-Württemberg und der Freistaat Sachsen werden die bauliche
Erweiterung des NCT in Heidelberg bzw. den Forschungsneubau am Standort Dresden finanzieren und
sich mit 10 % an den laufenden Kosten beteiligen.

146 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

dividualisierten Medizin.
Geförderte Projekte und
Forschungsverbünde belegen den Nutzen und die
Anwendbarkeit systemorientierter, lebenswissenschaftlicher Forschungsansätze und entwickeln
IT-basierte Methoden und
Verfahren für optimierte
Therapieentscheidungen.

für den Umgang mit der individualisierten Medizin
geschaffen werden. Dem dienen auch die parallel laufenden Forschungsvorhaben zu ethischen, rechtlichen
und sozialen Auswirkungen dieses Prozesses. Das BMG
wird eine Förderbekanntmachung veröffentlichen, um
anwendungsbezogene Forschung zu den ethischen
Aspekten der Digitalisierung im Gesundheitswesen zu
ermöglichen.
Um die Forschungsergebnisse möglichst rasch in die
klinische Praxis und in die wirtschaftliche Verwertung zu bringen, ist eine enge Kooperation zwischen
akademischen, klinischen und industriellen Partnern
notwendig.
Der Aktionsplan Individualisierte Medizin – ein neuer
Weg in Forschung und Gesundheitsversorgung deckt
den Bereich der Innovationskette von der biomedizinischen Grundlagenforschung über die Translation
hin zur wirtschaftlichen Verwertung ab. Mit mehreren
Förderinitiativen (e.Med – Maßnahmen zur Etablierung
der Systemmedizin) werden die systemorientierte
Erforschung von Krankheiten vorangetrieben und
Lebens- und Informationswissenschaften miteinander
verbunden. Die Systemmedizin ist eine Grundlage für
die Umsetzung, Gestaltung und Realisierung einer in-

Im Rahmen der individualisierten Medizin werden
die Integration unterschiedlicher Datenformate
und die Interpretation
großer Datenmengen
immer wichtiger. Die Bundesregierung widmet sich
dieser Aufgabe verstärkt,
etwa mit der Fördermaßnahme Medizininformatik:
Daten vernetzen – Gesundheitsversorgung verbessern.
Das Ziel der modularen und langfristig angelegten Fördermaßnahme ist die Verbesserung von Forschungsmöglichkeiten und der Versorgung der Patientinnen
und Patienten in Deutschland durch innovative
IT-Lösungen. Die Fördermaßnahme Medizininformatik
wird dabei von den Ergebnissen existierender Fördermaßnahmen wie der Integrativen Datensemantik in
der Systemmedizin und des Deutschen Netzwerks für
Bioinformatik-Infrastruktur profitieren.
Verschiedene Förderaktivitäten des BMBF zielen
darauf ab, Forschungsergebnisse möglichst rasch in
die klinische Praxis und in die wirtschaftliche Verwertung zu bringen. Die Innovationen für die individualisierte Medizin entwickeln neue Biomarker und
zielgerichtete Therapieansätze und validieren diese
für den Einsatz in der klinischen Praxis. Die Methoden und Werkzeuge für die individualisierte Medizin
entwickeln spezifische Techniken und unterstützen
so die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich.
Die Fördermaßnahme Innovative Stammzelltechnologien für die individualisierte Medizin adressiert
interdisziplinäre Forschungsverbünde im Bereich der
Stammzelltechnologien, die neuartige Reprogrammierungstechnologien und induzierte pluripotente

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

147

Stammzellen für die Anwendung erschließen, um die
Behandlungsmöglichkeiten für degenerative Erkrankungen zu verbessern.

Ende 2015 Fördermittel in Höhe von rund 5 Mio. Euro
zur Verfügung. Ab dem Jahr 2016 sind weitere Projekte
aus dem Themenbereich Seltene Erkrankungen geplant.

Viele Aspekte der individualisierten Medizin können
auf nationaler Ebene nur bedingt umgesetzt werden. So
werden beispielsweise länderübergreifende Standards
benötigt, um die Daten von Patientinnen und Patienten zu analysieren und zu speichern. Des Weiteren
werden Therapien oder Diagnoseverfahren für immer
kleinere Patientinnen- und Patientengruppen entwickelt. Ohne eine länderübergreifende Zusammenarbeit
könnten nur schwer ausreichend Probandinnen und
Probanden für klinische Studien rekrutiert werden.
Diese Zusammenarbeit wird maßgeblich von Aktivitäten zur Erstellung von Roadmaps und Strategic
Research Agendas wie der der CSA CASyM und der im
Herbst 2015 ausgelaufenen CSA PerMed getrieben, an
der sich BMBF und BMG/BfArM aktiv beteiligt haben.
Ferner fördert das BMBF auf europäischer Ebene die
Validierung von Biomarkern in der individualisierten
Krebsmedizin (ERA-Net TRANSCAN 2011). Aktuell beteiligt sich das BMBF am ERA-Net Co-Fund für Systemmedizin ERACoSysMed. Die Förderung erster transnationaler Forschungsprojekte des ERA-Netzes ist zu Beginn
des Jahres 2016 gestartet.

Das BMBF engagiert sich seit 2003 mit spezifischen
Fördermaßnahmen im Bereich der Seltenen Erkrankungen. Im Rahmen der jüngsten Fördermaßnahme zu
translationsorientierten Verbundvorhaben im Bereich
der Seltenen Erkrankungen, unterstützt das BMBF
beispielsweise zehn große nationale Forschungsverbünde von 2015 bis 2019 mit insgesamt ca. 20 Mio.
Euro. Weitere 19 Mio. Euro hat das BMBF seit 2008 im
Rahmen der europäischen Förderinitiative E-Rare in
die Forschung zu Seltenen Erkrankungen investiert.
Zusätzlich werden auch in weiteren Förderschwerpunkten, z. B. im Förderschwerpunkt zu klinischen
Studien, Projekte zu Seltenen Erkrankungen gefördert.

Forschungsprojekte zu ethischen, rechtlichen und
sozialen Aspekten der individualisierten Medizin unterstützen den notwendigen Diskurs zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik.

Weitere Informationen im Internet:

BMG: www.bmg.bund.de
BMG – Seltenen Erkrankungen: www.bmg.bund.
de/glossarbegriffe/n-o/nationales-aktionsbuendnis-fuer-menschen-mit-seltenen-erkrankungennamse.html
Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen:
www.achse-online.de

Seltene Erkrankungen

Aktionsplan Individualisierte Medizin:
www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/4950.php

Das vom BMG gemeinsam mit dem BMBF und der
Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE e. V.)
gegründete Nationale Aktionsbündnis für Menschen mit
Seltenen Erkrankungen hat es sich zur Aufgabe gemacht,
die gesundheitliche Situation für Menschen mit Seltenen Erkrankungen zu verbessern und dazu den Nationalen Aktionsplan für Menschen mit Seltenen Erkrankungen
veröffentlicht. Der Aktionsplan enthält 52 Maßnahmenvorschläge zum Informationsmanagement, zur Verkürzung von Diagnosewegen, von Versorgungsstrukturen
und zur Forschung im Bereich der Seltenen Erkrankungen, die von den verantwortlichen 28 Bündnispartnern
umgesetzt werden sollen. Das BMG stellte hierfür bis

Nationales Centrum für Tumorerkrankungen:
www.nct-heidelberg.de
CSA PerMed: www.permed2020.eu
BMBF – Seltene Erkrankungen: www.bmbf.de/de/
seltene-erkrankungen-379.html

148 	

Prävention
Immer mehr Menschen erreichen ein hohes Alter bei
guter körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit.
Dies ermöglichen medizinische Fortschritte, verbesserte Lebensbedingungen und ein reichhaltiges Angebot
hochwertiger Lebensmittel. Gleichzeitig steigt jedoch
auch die Zahl derer, die an chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder
Krebs leiden, deutlich an. Dies stellt die Betroffenen,
das Gesundheitssystem wie auch die Gesellschaft vor
neue Herausforderungen. Eine große Chance liegt
darin, chronischen Krankheiten vorzubeugen, sie
frühzeitig zu erkennen bzw. ihren Verlauf abzumildern.
Präventionsmaßnahmen, insbesondere ausreichende
Bewegung und eine gesundheitsförderliche Ernährung, können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten.
Zudem kann davon ausgegangen werden, dass durch
erfolgreiche Prävention mittelfristig Einsparpotenziale
im Gesundheitssystem realisiert werden können.
Präventionsmaßnahmen werden in der Präventionsforschung in enger Kooperation aller beteiligten Disziplinen entwickelt. Diese können nur erfolgreich sein,
wenn ihre Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen
ist und sie auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten
sind. Inter- und transdisziplinäre Forschungsverbünde zur Primärprävention und Gesundheitsförderung
dienen der strukturellen und nachhaltigen Stärkung
der Forschungskapazitäten der Präventionsforschung
und dem Transfer bzw. der Umsetzung von Primärprävention und Gesundheitsförderung im Alltag.
Evaluationsstudien zu langfristigen Wirkungen von
Primärprävention und Gesundheitsförderung leisten
einen Beitrag zur Verbesserung der Evidenzbasierung
von Präventionsstrategien und bewerten den gesellschaftlichen Nutzen einer bestimmten Maßnahme im
Verhältnis zu deren Kosten.
Erfolgreiche verhaltensbezogene Präventionsmaßnahmen, wie Angebote zur Bewegungsförderung, Stressreduktion und gesunden Ernährung, erfordern eine
hohe Eigenverantwortung der Menschen. Gleichzeitig
muss das Lebensumfeld gesundheitsfördernd gestaltet
werden (Verhältnisprävention). Mit dem Präventionsgesetz vom 17. Juli 2015 werden die Krankenkassen
daher zusammen mit den übrigen Sozialversicherungsträgern verpflichtet, eine gemeinsame nationale

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Präventionsstrategie zu entwickeln. Dazu vereinbaren
sie trägerübergreifende Rahmenempfehlungen, die als
Grundlage für Vereinbarungen auf Landesebene über
Maßnahmen in den Lebenswelten dienen. Für eine bessere Zusammenarbeit und zur Erhöhung der Qualität
und Effizienz der Maßnahmen in den Lebenswelten
können die Sozialversicherungsträger einzeln oder mit
Dritten Modellvorhaben durchführen. Daneben leistet
die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
(BZgA) im Geschäftsbereich des BMG einen wichtigen
Beitrag (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).
Um Prävention und Gesundheitsförderung als vierte
Säule des Gesundheitssystems neben Heilung, Pflege
und Rehabilitation fortzuentwickeln, braucht es darü-

European Joint
Programming
Initiative: A healthy
diet for a healthy life
Die gemeinsame europäische Programmplanungsinitiative Eine gesunde Ernährung für ein
gesundes Leben setzt sich mit ernährungsbedingten Erkrankungen und ihren gesundheitlichen,
sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen für
die Gesellschaft auseinander. In ihr arbeiten 25
europäische Partnerländer und assoziierte Staaten zusammen, um ihre Forschungsaktivitäten im
Bereich Ernährung und Gesundheit zu bündeln
und zu koordinieren. Geleitet werden alle Partner
von einer gemeinsamen Vision: „2030 werden alle
Bürgerinnen und Bürger den Wunsch, die Fähigkeit und die Möglichkeit haben, sich gesund und abwechslungsreich zu ernähren und sich ausreichend zu bewegen. Die Häufigkeit ernährungsabhängiger Erkrankungen wird signifikant
zurückgegangen sein.“ Eine gemeinsame Forschungsagenda
wurde 2012 veröffentlicht. Drei zentrale Bereiche beschreiben
die inhaltlichen Prioritäten der Initiative und definieren Strategien, um die Forschungsaufgaben umzusetzen: Determinanten
des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens, Ernährung und

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

ber hinaus verlässliche wissenschaftliche Grundlagen.
Die Bundesregierung hat deshalb im Jahr 2013 einen
Aktionsplan Präventions- und Ernährungsforschung
vorgelegt. Er umfasst alle für die Entwicklung erfolgreicher Präventionsmaßnahmen relevanten Forschungsansätze und verknüpft diese miteinander. Im Zeitraum
von 2013 bis 2016 stellt die Bundesregierung bis zu 125
Mio. Euro für Forschungs- und Entwicklungsprojekte
zur Verfügung.
Ein zentraler Baustein für die Forschung auf dem
Gebiet Prävention ist die langfristige Datenerhebung in
großen Bevölkerungsgruppen, sogenannten Kohorten.
Seit 2013 wird daher die bisher größte Bevölkerungskohorte in Deutschland, die NAKO-Gesundheitsstudie,
aufgebaut. Das BMBF, die Länder und die HGF finan-

149

zieren diese Gesundheitsstudie gemeinsam. Es sollen
insgesamt 200.000 Frauen und Männer innerhalb der
nächsten zehn Jahre mehrfach untersucht und befragt
werden. Durch die erhobenen Daten sollen Schutz- und
Risikofaktoren für Krankheiten identifiziert werden.
Schon seit 2008 liefert das kontinuierliche Gesundheitsmonitoring am RKI repräsentative Gesundheitsinformationen über alle Altersgruppen hinweg, sowohl
in Querschnitt- als auch in Längsschnittanalysen. Es
schafft damit eine wesentliche Erkenntnisgrundlage
für die zielgerichtete Ausgestaltung von gesundheitlicher Prävention und auch deren Evaluation. Das
Gesundheitsmonitoring besteht aus drei sich ergänzenden Untersuchungskomponenten, und zwar
regelmäßigen Befragungserhebungen (GEDA) und
abwechselnden, über drei Jahre laufenden, Untersuchungssurveys zu Kindern und Jugendlichen (KiGGS)
bzw. zu Erwachsenen (DEGS). Es erlaubt Aussagen nicht
nur über die Entwicklung der gesundheitlichen Lage in
Deutschland, sondern auch zu Ursachen und Bedingungen gesundheitlicher Veränderungen.
Um die Bedürfnisse der Menschen in ihren verschiedenen Lebensphasen besser zu verstehen und Prävention
und Therapien noch passgenauer auszurichten, wurde
die neue Förderinitiative Gesund – ein Leben lang initiiert. Im Mittelpunkt steht die konsequente Ausrichtung
der Forschung auf die spezifischen Belange von vier
Bevölkerungsgruppen: Kinder und Jugendliche, arbeitende Menschen, Männer und Frauen sowie betagte
Menschen.

Lebensmittelproduktion sowie ernährungsassoziierte chronische Erkrankungen. Eine Reihe länderübergreifende Fördermaßnahmen wurde in den letzten zwei Jahren umgesetzt. Beispielsweise wurde ein europäisches Netzwerk gegründet, das
die in den einzelnen Ländern vorhandenen Daten zum Einfluss
biologischer, psychologischer und sozioökonomischer Faktoren
auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten zusammenträgt
und auswertet.

Die moderne Ernährungsforschung ist zunehmend
interdisziplinär und anwendungsnah ausgerichtet.
Sie hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr
darauf konzentriert, die molekularen Grundlagen des
Wechselspiels von Lebensmitteln mit dem menschlichen Organismus besser zu verstehen. Wissenschaftliche Erkenntnisse im Ernährungsbereich tragen zur
Entwicklung innovativer, konsumentenfreundlicher
und gesundheitsfördernder Produkte und Dienstleistungen bei. Der Wettbewerb Innovationen und neue
Ideen für den Ernährungssektor prämierte Ideen und
Lösungen für eine Ernährungsforschung der Zukunft.
Im Rahmen des Nachwuchswettbewerbs Molekulare
Grundlagen der humanen Ernährung wurden selbstständige Nachwuchsgruppen zur molekularen Ernährungsforschung gefördert.

150 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

In vier themenzentrierten und regional angelegten
Kompetenzclustern der Ernährungsforschung arbeiten insgesamt 140 Hochschulen, außeruniversitäre
Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen der
Lebensmittel- und Dienstleistungsbranche zusammen
(BMBF, seit 2015). Aufbauend auf den Kompetenzclustern werden in einer künftigen Fördermaßnahme dem
wissenschaftlichen Nachwuchs neue Perspektiven
eröffnet.
Die nationale Förderung der Präventions- und Ernährungsforschung ist eingebettet in die gemeinsame
europäische Programmplanungsinitiative Eine gesunde Ernährung für ein gesundes Leben (siehe Infobox
European Joint Programming Initiative: A healthy diet
for a healthy life). Ziel des Engagements von BMBF und
BMEL ist es, die nationale Förderung an einer gemeinsamen strategischen Forschungsagenda auszurichten
und die internationale Zusammenarbeit auszubauen.
Die nationale Förderung auf dem Gebiet der Ernährungsforschung wird dafür zukünftig noch stärker im
Kontext der JPI HDHL erfolgen.

Weitere Informationen im Internet:

Ressortforschung des BMG: www.bmg.bund.de/
ministerium/ressortforschung.html
Prävention im BMG: www.bmg.bund.de/themen/
praevention.html
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
(BZgA): www.bzga.de/forschung
Aktionsplan Präventions- und Ernährungsforschung: www.gesundheitsforschung-bmbf.de/
de/4999.php
NAKO Gesundheitsstudie: www.nationale-kohorte.de
JPI HDHL: www.healthydietforhealthylife.eu

Innovationen in der Versorgungsforschung
Der demografische Wandel und gesellschaftliche
Veränderungen stellen das Gesundheitssystem vor
neue Herausforderungen. Ein wichtiges Ziel ist es, die
Qualität der Versorgung zu verbessern und gleichzeitig
das System finanzierbar zu halten. Hierfür erbringt die
Versorgungsforschung wissenschaftliche Erkenntnisse
über den Nutzen von Leistungen, Diagnosen, Therapien sowie rehabilitative und pflegerische Maßnahmen.
Sie beschreibt und analysiert Versorgungsrealitäten
und entwickelt Ansätze, um diese zu verbessern. Ergebnisse der Versorgungsforschung können Grundlage
politischer Entscheidungsprozesse sein und die Versorgungsstrukturen in Deutschland beeinflussen.
Im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung ist die Versorgungsforschung mit einem
eigenen Aktionsfeld vertreten. Im Dezember 2014 wurde dieses durch den Aktionsplan Versorgungsforschung
konkretisiert. Er stärkt die Versorgungsforschung
strukturell, bündelt forschungsbezogene Ressourcen
und greift Themenbereiche bedarfsorientiert auf. Die
Bundesregierung investiert von 2015 bis 2018 rund 50
Mio. Euro in die Versorgungsforschung. Mit dem Ziel
einer anwendungsnahen Versorgungsforschung wird
hier neben Studien auch der Strukturaufbau in der Versorgungsforschung durch die Förderung von Kooperationsnetzen und Nachwuchsgruppen gefördert.
Mehrere Zentren der gesundheitsökonomischen Forschung dienen der Stärkung der Gesundheitsökonomik
an ausgewählten Standorten und der Förderung von
Karriereoptionen für Nachwuchskräfte. Bereits vier
Standorte – in Berlin, Duisburg-Essen, Hamburg und
Hannover werden mit rund 17 Mio. Euro für acht Jahre
durch das BMBF gefördert; eine neue Förderrunde ist
in Vorbereitung. Die geplante Anschubfinanzierung
von Professuren und Einrichtung von Nachwuchsgruppen in der Geriatrie und Gerontologie soll zur
Verbesserung der Forschungsstrukturen im Bereich der
Altersforschung beitragen. Klinische und sozialwissenschaftliche Disziplinen werden dadurch künftig stärker
in die geriatrische und gerontologische Forschung
einbezogen.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Über die Ressortforschung des BMG werden ergänzende Maßnahmen initiiert. Diese Maßnahmen verbessern
die Arzneimittelversorgung, sichern die Qualität der
medizinischen Versorgung, überprüfen Therapieempfehlungen evidenzbasiert und passen diese an und
verbessern die Situation der Pflegebedürftigen sowie
die Versorgung und Rehabilitation von Personen mit
psychischen Erkrankungen. Auch im Bereich der Suchterkrankungen, die eine große Anzahl von Menschen
in Deutschland betreffen, fördert das BMG zahlreiche
Projekte und Studien zur Verbesserung der Versorgung
in den Handlungsfeldern Prävention, Beratung und
Behandlung sowie Rehabilitation.
Potenziale und Anwendungsfelder von Big Data im
Gesundheitswesen werden im Rahmen eines vom BMG
vergebenen Gutachtens aufgearbeitet. Im Rahmen des
Projekts erfolgt eine differenzierte Auseinandersetzung
zur Nutzung und Auswertung großer Datenmengen für
eine bessere Diagnose und individualisierte Therapien
(Big Data). Die entwickelten Handlungsszenarien sollen
gezielt in weiteren Maßnahmen umgesetzt werden, um
die Vorteile des technologischen Fortschritts auch in
der Gesundheitsversorgung zukünftig gezielt nutzen
zu können, die Möglichkeiten einer noch besseren
Verbindung zwischen Forschung und Versorgung aber
auch die Wettbewerbsfähigkeit im europäischen und
internationalen Vergleich zu stärken.
Im Juli 2015 hat der Bundesgesetzgeber das Gesetz zur
Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung verabschiedet. Es stellt eine gut erreichbare, flächendeckende Versorgung der Patientinnen und

Weitere Informationen im Internet:

Aktionsplan Versorgungsforschung:
www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/5526.php
Ressortforschung des BMG: www.bmg.bund.de/
ministerium/ressortforschung.html
GKV-Versorgungsstärkungsgesetz:
www.bmg.bund.de/themen/krankenversicherung/gkv-versorgungsstaerkungsgesetz.html

151

Patienten in allen Regionen Deutschlands auf hohem
Niveau sicher. Gleichzeitig stärkt es die Rechte von
Patientinnen und Patienten. Der Gemeinsame Bundesausschuss wird beauftragt, einen Innovationsfonds mit
einem Volumen von 300 Mio. Euro jährlich, zunächst
in den Jahren 2016 bis 2019, einzurichten. Mit diesem
neuen Instrument sollen neue Versorgungsformen mit
225 Mio. Euro und die Versorgungsforschung mit 75
Mio. Euro gefördert werden.

Forschung für die Gesundheitswirtschaft und zur Verbesserung der
Patientensicherheit
Die Gesundheitswirtschaft umfasst alle Güter und
Dienstleistungen, die dazu beitragen, die menschliche Gesundheit zu erhalten oder zu verbessern. Die
Förderaktivitäten richten sich maßgeblich an Pharma-,
Medizintechnik- und Biotechnologieunternehmen,
von denen in Deutschland die größte Dynamik in
der Branche ausgeht. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen können die oftmals hohen
Anfangsinvestitionen innovativer gesundheitswirtschaftlicher Forschung durch flankierende Förderprogramme besser stemmen und werden so in der
Entwicklung neuer Wirkstoffe, Verfahren, Techniken
und Anwendungen unterstützt.
Zur Stärkung von international wettbewerbsfähigen
Forschungsstandorten hat das BMBF seit 2008 vier
Spitzencluster rund um die Themen Medizintechnik,
regenerative Medizin und Biopharma gefördert. Zwei
dieser Cluster werden nun im Rahmen der Fördermaßnahme Internationalisierung von Spitzenclustern,
Zukunftsprojekten und vergleichbaren Netzwerken ihre
internationale Vernetzung ausbauen (siehe auch III 2
Vernetzung und Transfer).
Arzneimittelentwicklung ist eine zentrale Aufgabe der
Pharma- und Biotechnologieunternehmen. Um den
Forschungs- und Produktionsstandort Deutschland
zu stärken und die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen und innovativen
Medikamenten sicherzustellen, hat die Bundesregierung von September 2014 bis April 2016 einen ressortübergreifenden Dialog mit Industrie, Wissenschaft und

152 	

der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie
geführt (Pharmadialog). Das BMBF fördert Forschung
zur Wirkstoffsuche, Arzneimittelentwicklung und zu
innovativen Diagnose- und Produktionsverfahren. Auf
Basis der Initiative BioPharma – Strategiewettbewerb für
die Medizin der Zukunft werden zwei große Konsortien
zur Entwicklung von Therapien und Diagnostika gegen
neurodegenerative Erkrankungen noch bis 2018 durch
das BMBF unterstützt.
Zur Förderung der Pharmazeutischen Forschung
engagiert sich das BMBF gemeinsam mit weiteren europäischen Partnern für die Umsetzung der geplanten
Forschungsinfrastruktur EU-OPENSCREEN. Ziel dieser
Infrastruktur wird sein, biologisch aktive Substanzen
unter hohen Qualitätsstandards zu charakterisieren
und für die Entwicklung innovativer Arzneistoffe nutzbar zu machen. Im Sinne optimaler Gesundheitsleistungen ist es unerlässlich, dass Qualität, Wirksamkeit
und Unbedenklichkeit von Arzneimitteln gewährleistet
sind. Hierzu tragen das BMG, das PEI und das BfArM
gezielt bei (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).
Darüber hinaus hat das BMG gemeinsam mit der Ärzteund Apothekerschaft sowie weiteren Beteiligten den
Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit ins Leben gerufen. In diesem Rahmen werden
und wurden zahlreiche Forschungsprojekte initiiert,
die dazu dienen, die Sicherheit der Arzneimitteltherapie zu verbessern.
Im Bereich der Medizintechnik führt das BMBF seit
2011 gemeinsam mit dem BMWi und dem BMG den
Nationalen Strategieprozess Innovationen in der
Medizintechnik durch, zu dem 2014 eine erste positive
Bilanz auf der Nationalen Strategiekonferenz Medizintechnik gezogen wurde. Daraus wurden u. a. folgende
Fördermaßnahmen im Bereich Medizintechnik abgeleitet:
∙∙ Mit der Maßnahme KMU-innovativ: Medizintechnik
fördert das BMBF seit 2011 mittelständische Medizintechnikunternehmen, das Fördervolumen wurde
im Zuge des Strategieprozesses verdoppelt (siehe auch
III 3 Innovationsdynamik der Wirtschaft).
∙∙ Mit der Maßnahme Aufbau von Industrie-in-KlinikPlattformen zur Entwicklung innovativer Medizinprodukte werden seit 2014 in einem mehrstufigen

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Verfahren versorgungsorientierte Forschungsinfrastrukturen der Medizintechnik gefördert.
∙∙ Die neue Nationale Informationsplattform Medizintechnik wurde als zentrales Portal der Branche im
Internet etabliert. Kernstück ist der Innovationslotse,
der KMU bei Innovationsprozessen unterstützt.
∙∙ Mit der Fördermaßnahme Medizintechnische Lösungen für die digitale Gesundheitsversorgung wurde
eine erste Maßnahme zur Förderung der digitalen
Gesundheitswirtschaft veröffentlicht.
∙∙ Das BMG hat den Aufbau und die Weiterentwicklung des Endoprothesenregisters Deutschland (EPRD)
gefördert, um Erfahrungen für den Aufbau eines
Nationalen Implantateregisters zu sammeln und die
Versorgungsqualität und die Sicherheit von Patientinnen und Patienten bei Implantaten zu verbessern.

Weitere Informationen im Internet:

Nationale Informationsplattform Medizintechnik:
www.medizintechnologie.de

Lebenswissenschaftliche
Grundlagenforschung und Bioethik
Die lebenswissenschaftliche Grundlagenforschung
dient der Entwicklung hochinnovativer neuer Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten. Sie ist interdisziplinär und verknüpft Biologie, Medizin, Mathematik
und Informationstechnik. Forschungskooperationen
und -projekte werden in den Bereichen Stammzellforschung, Systembiologie (z. B. Fördermaßnahme e.BIO)
und Systemmedizin (Fördermaßnahme e.Med) in enger
Verzahnung mit dem Aktionsfeld Individualisierte
Medizin des Rahmenprogramms Gesundheitsforschung
gefördert.
Aufgrund ihrer Komplexität und der erforderlichen Infrastruktur entwickelt sich die lebenswissenschaftliche
Grundlagenforschung zunehmend zu einer international organisierten, transnationalen Großforschung: Am
Internationalen Krebsgenomkonsortium (International
Cancer Genome Consortium) werden unter deutscher

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Beteiligung die Genome von 50 Krebsarten entschlüsselt. Die Initiative Multilaterale Zusammenarbeit in
Computational Neuroscience: Deutschland – USA – Israel
– Frankreich dient dem Aufbau transnationaler Forschungsgruppen und intensiviert die Zusammenarbeit
zwischen Forschenden aus den beteiligten Staaten.
Die Lebenswissenschaften sind Schlüsseldisziplinen
zur Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Gleichzeitig sind auch ethische, rechtliche
und soziale Aspekte zu berücksichtigen. Das BMBF
unterstützt daher seit 1997 einen eigenständigen För-

Weitere Informationen im Internet:

Bioethik: www.bmbf.de/de/bioethik-gesellschaftliche-herausforderungen-durch-die-modernenlebenswissenschaften-137.html
ELSA – Ethische, rechtliche und soziale Aspekte der modernen Lebenswissenschaften: www.
gesundheitsforschung-bmbf.de/de/5062.php

153

derschwerpunkt zu ethischen, rechtlichen und sozialen
Aspekten der modernen Lebenswissenschaften (Ethical
Legal and Social Aspects, ELSA) für den jährlich rund 4,5
Mio. Euro vorgesehen sind. Neben Forschungsvorhaben und Projekten der Nachwuchsförderung werden
auch Diskursprozesse gefördert.

Gesundheitsforschung
in internationaler Kooperation
Internationale Zusammenarbeit ermöglicht es, Synergien für den medizinischen Fortschritt freizusetzen.
Forschungsinfrastrukturen können in internationaler
Arbeitsteilung gemeinsam aufgebaut und genutzt werden. Gleichzeitig steht die Gesundheitsforschung auch
in der Verantwortung für die weltweite Gesundheitsversorgung. Die Bundesregierung stärkt die Internationalisierung der Gesundheitsforschung durch den
gemeinsamen Aufbau von Forschungsinfrastrukturen,
verbindet Forschende und Institutionen über Grenzen
hinweg und treibt die internationale Koordinierung

154 	

von Forschungsprogrammen voran (siehe auch V 3
Weltweite Zusammenarbeit).
Ein besonderer Fokus liegt auf der Erforschung vernachlässigter und armutsbedingter Krankheiten. Im
Mittelpunkt stehen, nicht zuletzt seit dem verheerenden Ebola-Ausbruch 2014/2015, solche Krankheiten,
die vor allem Menschen in Entwicklungsländern
betreffen (siehe auch Infobox G7 intensivieren den
Kampf gegen armutsbedingte und vernachlässigte
Tropenkrankheiten). Das BMBF verfolgt mit dem
Förderkonzept Vernachlässigte und armutsassoziierte
Krankheiten bereits seit 2011 eine Förderstrategie mit

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

diesem Fokus. Im Oktober 2015 hat das BMBF eine
aktualisierte Forschungsstrategie für die Jahre 2015 bis
2020 vorgelegt. In Forschung für die globale Gesundheit
werden folgende Handlungsschwerpunkte gesetzt:
∙∙ Ausbau der Produktentwicklungspartnerschaften in
neuer fünfjähriger Förderrunde ab 2016
∙∙ Implementierung der Forschungsnetze für Gesundheitsinnovationen und Umsetzung der ressortübergreifenden Forschungsvereinbarung zu Zoonosen
∙∙ Ausbau des deutschen Engagements in der European
and Developing Countries Clinical Trials Partnership
(EDCTP)

G7 intensivieren den Kampf gegen armutsbedingte
und vernachlässigte Tropenkrankheiten
Gemeinsam wollen die G7 vernachlässigte Tropenkrankheiten bekämpfen. Auf Schloss Elmau hatten
die G7-Regierungschefinnen und Regierungschefs
vereinbart, Forschung zu intensivieren, um dringend
benötigte Diagnostika, Impfstoffe und Medikamente
zu entwickeln. Mehr als 1,4 Milliarden Menschen sind
weltweit an armutsbedingten Krankheiten erkrankt, viele Millionen Menschen sterben jährlich an deren Folgen.

Auf der Tagesordnung stand die Verbesserung der Gesundheitssituation in den Entwicklungsländern. In der
Folge beschlossen die G7 Wissenschaftsministerinnen
und -minister, die Forschung der G7 auf den gesamten
Kreis der vernachlässigten armutsbedingten Infektionskrankheiten auszuweiten. Dazu gehören Malaria, HIV
und Tuberkulose, aber auch Durchfallerkrankungen, die
Afrikanische Schlafkrankheit oder das Dengue-Fieber.
Vor allem die Ebola-Epidemie hat
gezeigt: Nur mit einem funktionierenden Gesundheitswesen können
Gesundheitskrisen schnell erkannt
und bekämpft werden. Deshalb
muss das Gesundheitswesen vor
Ort gestärkt werden. Die G7 hat
dabei ihre Unterstützung zugesagt.
Deutschland wird helfen, Personal
in anderen Ländern auszubilden,
um Gesundheitskrisen managen
zu können. Zudem wird ein schnell
einsetzbares Team aus Epidemiologinnen und Epidemiologen sowie
Laborexpertinnen und -experten
aufgebaut, um schon bei ersten Anzeichen eines Krankheitsausbruchs
vor Ort bei der Diagnostik und Bekämpfung unterstützen zu können.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

∙∙ Weiterentwicklung der internationalen Forschungskoordination zu vernachlässigten Tropenkrankheiten
∙∙ Fortsetzung der nationalen Forschungsförderung
zu vernachlässigten und armutsassoziierten Krankheiten
Der Aufbau gezielter Produktentwicklungspartnerschaften (PDPs) beschreitet neue Wege in der Forschungsförderung zu übertragbaren Krankheiten. PDPs
sind Non-Profit-Organisationen, die Medikamente,
Impfstoffe und Diagnostika für vernachlässigte Erkrankungen entwickeln. Sie werden durch öffentliche und
private wohltätige Geldgeber finanziert. Gegenwärtig
fördert das Ministerium vier PDPs. Die Förderung konzentriert sich vor allem darauf, Produkte zu entwickeln,
die die Kindersterblichkeit senken und die Gesundheit
der Mütter verbessern.
Das BMBF arbeitet eng mit international agierenden,
privaten gemeinnützigen Stiftungen und Organisationen zusammen. So wird die Entwicklung neuer
Impfstoffe und Arzneimittel unterstützt, um HIV/
AIDS, Malaria und Tuberkulose sowie weitere tropische Infektionskrankheiten zu behandeln oder diesen
Krankheiten vorzubeugen. Im Rahmen der European
and Developing Countries Clinical Trials Partnership
werden klinische Studien in afrikanischen Ländern
finanziert. Zusätzlich bilden deutsch-afrikanische Gesundheitsforschungsnetze, die an den Bedürfnissen der
afrikanischen Partner ausgerichtet sind, ein Bindeglied
zwischen Forschung, Lehre und Versorgung.
Ein zweiter Fokus der internationalen Kooperation
im Bereich der Gesundheitsforschung liegt in der
wirksamen Bekämpfung von weltweit zunehmenden
Antibiotikaresistenzen. Ein weiteres Ergebnis des G7Gipfels ist es, nationale Aktionspläne gegen Antibiotikaresistenzen zu erstellen und umzusetzen. Mit der
Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART2020)
haben BMG, BMBF und BMEL einen überarbeiteten nationalen Aktionsplan mit Maßnahmen zur
Eindämmung von Antibiotikaresistenzen vorgelegt.
Schwerpunkte der DART2020 sind der sogenannte
One-Health-Ansatz und die stärkere Sensibilisierung
der Bevölkerung.

155

Weitere Informationen im Internet:

Armutsassoziierte Krankheiten: www.bmbf.de/
de/armutsassoziierte-krankheiten-275.html
Antibiotikaresistenzen: www.bmbf.de/de/antibiotikaresistenzen-274.html sowie www.bmg.bund.
de/themen/praevention/krankenhausinfektionen/antibiotika-resistenzstrategie.html
Ergebnisse des G7-Treffens: www.g7germany.
de/Content/DE/Artikel/2015/10/2015-10-09-g7gesundheitsministertreffen.html

Strahlenschutz
Um einen zeitgemäßen und den Erkenntnissen aus
Wissenschaft und Technik angepassten Strahlenschutz
zu gewährleisten, sind Untersuchungen zu den biologischen Wirkungen ionisierender und nichtionisierender
Strahlung erforderlich. Auf deren Grundlage können
Grenzwerte und Vorgaben zur Verringerung der Strahlenexposition abgeleitet werden.
Der Ressortforschungsplan des BMUB sichert die fachlichen Grundlagen der Ressortaufgabe Strahlenschutz.
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vergibt und
betreut die Themen in einzelnen Projekten. Der aktuelle Ressortforschungsplan 2016 sieht Forschungsbedarf
in folgenden Feldern: Natürliche Strahlenexposition,
Strahlenschutztechnik, Strahlenbiologie, Medizinische
Strahlenexposition, Radioökologie, Notfallschutz und
Nichtionisierende Strahlung. Die erzielten Forschungsergebnisse sind Grundlage für rechtliche Regelungen
und Fachaufgaben des BMUB im Bereich Strahlenschutz.
Das BMBF fördert im Rahmen der Förderinitiative
Grundlegende FuE-Arbeiten in der nuklearen Sicherheits- und Entsorgungsforschung zur Förderung des
wissenschaftlichen Nachwuchses und zum Kompetenzerhalt auf Basis des 6. Energieforschungsprogrammes
den medizinischen Strahlenschutz, die Strahlenbiolo-

156 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

gie und die Radioökologie. Außerdem wird die Strahlenforschung institutionell an Zentren der HGF und
der Leibniz-Gemeinschaft gefördert. BMBF-geförderte
Vorhaben ergänzen die Forschung in den Zentren
innerhalb dieser Schwerpunkte. Die Projektförderung
erfolgt dabei in der Regel in Form von Verbundvorhaben als Kooperation zwischen Großforschungseinrichtungen, Hochschulen und weiteren Partnern,
u. a. der Industrie. Die Förderaktivitäten erfolgen hier
unter Beratung durch den Kompetenzverbund Strahlenforschung (KVSF), ein Expertengremium mit Vertretern aus Forschungseinrichtungen und Universitäten,
die in diesem Bereich tätig sind. Die Förderung erfolgt
in Abstimmung mit dem BMUB.

Weitere Informationen im Internet:

BMUB – Informationen zum Strahlenschutz:
www.bmub.bund.de/themen/atomenergie-strahlenschutz/strahlenschutz

Ernährung
Die Bundesregierung fördert eine ausgewogene,
gesunde Ernährung mit sicheren Lebensmitteln. Die
Forschungsförderung dient der Beforschung des
Ernährungsverhaltens, liefert eine bessere Ernährungsinformation und verbessert die Produkt- und Prozessqualität bei Lebensmitteln. Das BMEL unterhält dafür
mehrere Ressortforschungseinrichtungen und weitere
forschungsbezogene Einrichtungen (siehe auch EB II
Organisationen und Einrichtungen in Forschung und
Wissenschaft), die Projekte durchführen (siehe auch
Infobox KiESEL-Studie).
Der Forschungsplan des BMEL konkretisiert den Forschungsbedarf für die nächsten Jahre. Das Innovationsprogramm adressiert die Sicherheit und Qualität von
Lebensmitteln in einem eigenen Förderschwerpunkt.
Der Nationale Aktionsplan IN FORM – Deutschlands
Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung

verfolgt das Ziel, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten in Deutschland bis zum Jahr 2020 nachhaltig
zu verbessern. Nach einer ersten Förderphase haben
BMEL und BMG in einem gemeinsamen Workshop
2014 neue inhaltliche Themenschwerpunkte und Forschungsbedarfe bis 2020 identifiziert. Mit der Initiative
Zu gut für die Tonne setzt sich das BMEL mit einer
Informationskampagne gegen das Wegwerfen von
Lebensmitteln ein und forderte 2015 erstmals in einem
Bundeswettbewerb zur Einsendung innovativer Ideen
gegen die Nahrungsverschwendung auf.
Das BMBF führt komplementäre Forschungsförderung
im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung und dem
nationalen Aktionsplan Ernährung und Prävention
durch. Es generiert damit Basiswissen für den Ausbau
und die Optimierung von wissenschaftlich fundierten
Präventionsstrategien gegen ernährungsassoziierte
Erkrankungen. Darüber hinaus fördert das BMBF mit
dem Schwerpunkt Gesunde und sichere Lebensmittel
produzieren eine Vielzahl von Projekten zur Entwicklung verbraucherorientierter Produkt- und Prozessinnovationen für gesunde, qualitativ hochwertige,
preiswerte und sichere Lebensmittel.
Weltweit müssen extreme Armut, Hunger, Mangelund Fehlernährung von Menschen bekämpft werden.
Die internationale Gemeinschaft zählt dies zu ihren

Weitere Informationen im Internet:

BMEL Aktivitäten zur gesunden Ernährung: www.
bmel.de/DE/Ernaehrung/ernaehrung_node.html
Nationaler Aktionsplan IN FORM:
www.in-form.de
BMBF Aktivitäten zur Ernährungssicherung:
www.bmbf.de/de/18716.php
Nahrung für Milliarden:
www.bmbf.de/pub/Nahrung_fuer_Milliarden.pdf
KiESEL-Studie:
www.bfr.bund.de/de/kiesel-studie.html

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

wichtigsten Aufgaben. Die globale Ernährungssicherung ist ein zentrales Handlungsfeld der Bioökonomie. Im Rahmen der Nationalen Forschungsstrategie
Bioökonomie 2030 besitzt die weltweite Ernährungssicherung daher höchste Priorität. Zudem stehen
auch die gesunde und sichere Ernährung im Fokus,
flankiert von einer nachhaltigen Landwirtschaft und
der Stärkung des Umwelt- und Tierschutzes (siehe
auch III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima, Energie). Die 2015
vorgelegte Publikation Nahrung für Milliarden stellt
die Forschungsaktivitäten der Bundesregierung zur
globalen Ernährungssicherung dar und zeigt auf,
wie Forschungsinitiativen Lösungsansätze auf vielen
verschiedenen Feldern entwickeln.

157

Gesundheitlicher und wirtschaftlicher Verbraucherschutz
Ziele der Forschung im Bereich gesundheitlicher Verbraucherschutz sind die Verbesserung der Lebensmittel- und Produktsicherheit, insbesondere Bekämpfung
von Zoonosen und Vermeidung von Rückständen,
Sicherung und Verbesserung der Produkt- und Prozessqualität bei Lebens- und Futtermitteln. Forschung im
Bereich des wirtschaftlichen Verbraucherschutzes dient
u. a. der Verbesserung der Informationsmöglichkeiten
und Herstellung von Transparenz für Konsumentinnen
und Konsumenten.

KiESEL-Studie zum Ernährungsverhalten
von Kindern

Im Jahr 2015 wurde die KinderErnährungsstudie zur Erfassung des
Lebensmittelverzehrs (KiESEL-Studie)
durch die BMEL-Ressortforschungseinrichtung Bundesinstitut für
Risikobewertung (BfR) in Kooperation
mit dem Robert Koch-Institut (RKI)
durchgeführt. Dazu besuchten Interviewer und Interviewerinnen des BfR
in einem KiESEL-Mobil 1.000 Kinder
aus ganz Deutschland, um die Eltern
zum Lebensmittelverzehr ihrer Kinder
zu befragen, die Kinder zu wiegen und
zu messen.
Damit wurden erstmals seit zwölf Jahren wieder
deutschlandweite Daten zum Ernährungsverhalten
von Kindern im Alter von sechs Monaten bis einschließlich fünf Jahren erhoben. Die KiESEL-Studie
wird als Modul der Studie zur Gesundheit von Kindern
und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2) des
RKI durchgeführt. Mit der repräsentativen KiESELStudie soll die Sicherheit von Lebensmitteln verbessert
werden. Dafür werden aktuelle Informationen dazu

benötigt, was und wieviel gegessen wird. Die Studienergebnisse fließen in die BfR-Risikobewertungen zu
Zusatzstoffen, Pflanzenschutzmittelrückständen oder
unerwünschten Stoffen in Lebensmitteln ein. So kann
realistischer geschätzt werden, ob beispielsweise die
zugelassenen Mengen an Zusatzstoffen in Süßigkeiten
oder Rückständen von Pflanzenschutzmitteln auf Obst
oder Gemüse sicher sind oder weiter begrenzt werden
sollten. Erste Ergebnisse sollen 2018 vorliegen.

158 	

Das seit 2012 aufgelegte Programm zur Innovationsförderung des BMEL adressiert Forschungsbedarfe in der
Verbesserung der Qualitätsmanagementsysteme in der
Vieh- und Fleischwirtschaft und in der Verringerung
von Allergierisiken durch Lebensmittel, Kosmetik
und Pflegemittel. Das BMEL arbeitet hierfür eng mit
Forschungseinrichtungen wie dem Friedrich-LoefflerInstitut, dem Bundesinstitut für Risikobewertung oder
dem Max-Rubner-Institut zusammen (siehe auch EB II
Organisationen und Einrichtungen in Forschung und
Wissenschaft).
Einen besseren Verbraucherschutz in der Informationsgesellschaft liefern die verbesserten Regelungen
zur Lebensmittelkennzeichnung. Seit Dezember 2014
gelten europaweit einheitliche Regeln für die allgemeine Lebensmittelkennzeichnung. Zur Bekanntmachung
des neuen Kennzeichnungsrechts hat das BMEL 2015
eine Informationskampagne lanciert.
Das BMJV adressiert darüber hinaus weitergehende
Fragestellungen des wirtschaftlichen Verbraucherschutzes, u. a. in den Themenfeldern digitale Welt und
Finanzmarkt (siehe auch III 4 Innovationsfreundliche
Rahmenbedingungen). Das BMJV fördert den Verbraucherschutz, die Verbraucherbildung und die Verbraucherforschung mit der Geschäftsstelle des Sachverständigenrates für Verbraucherfragen und der Geschäftsstelle
des Netzwerks Verbraucherforschung. Das BMI ist mit
Fragen des digitalen Verbraucherschutzes und der ITSicherheit befasst (siehe auch III 1.6 Sicherheit).

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Weitere Informationen im Internet:

BMEL: www.bmel.de/DE/Ernaehrung/ernaehrung_node.html
Verbraucherschutz im Geschäftsbereich des
BMJV: www.bmjv.de/DE/Ministerium/Abteilungen/Verbraucherpolitik/_node.html
Digitaler Verbraucherschutz im Geschäftsbereich
des BMI: http://www.bmi.bund.de/DE/Themen/
IT-Netzpolitik/IT-Cybersicherheit/it-cybersicherheit_node.html

	

159

1.5	Mobilität
Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, eine intelligente, effiziente, nachhaltige, und damit zukunftsfeste Mobilität auf hohem Sicherheitsniveau zu ermöglichen, bei der Ressourcenverbrauch und Emissionen reduziert werden,
die gleichzeitig aber auch den Bedürfnissen der Menschen gerecht wird und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen
Wirtschaft stärkt. Dabei müssen Fahrzeug-, Flugzeug- sowie maritime Technologien und Kraftstoffe ebenso in den
Blick genommen werden wie die Gesamtheit des Verkehrssystems und der Wandel des gesellschaftlichen Mobilitätsverhaltens.

Die Forschung auf dem Gebiet des Verkehrssystems
Straße trägt dazu bei, sichere, effiziente und umweltverträgliche Mobilität auf hohem Qualitätsniveau unter
sich rasch verändernden globalen Rahmenbedingungen zu sichern. Die Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie
(MKS) soll als ein wichtiges Umsetzungsinstrument
für die Energiewende im Verkehr im Sinne der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie fortgesetzt werden. Sie
gibt bislang einen Überblick über Technologien sowie
Energie- und Kraftstoffoptionen der verschiedenen Verkehrsträger. Vor allem die Elektromobilität ist ein entscheidender technologischer Beitrag zur klimafreundlichen Umgestaltung der Mobilität. Die Bundesregierung
fördert mit der Nationalen Plattform Elektromobilität
daher den strategischen Dialog von Industrie, Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften und Verbänden. Bei der
Entwicklung intelligenter Mobilitätssysteme kommt der
Automatisierung und Vernetzung von Fahrzeugen und

Diensten eine zentrale Bedeutung zu. Diese wird mit der
Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren sowie
der Initiative Digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr der Bundesregierung sowie mit einzelnen
Fachprogrammen gezielt vorangetrieben.
Die Bundesregierung unterstützt die deutsche zivile
Luftfahrtindustrie seit 1995 mit dem Luftfahrtforschungsprogramm, um die Wettbewerbsfähigkeit der
in Deutschland ansässigen Luftfahrtunternehmen zu
sichern und zur Verringerung der Klimawirkung des
Luftverkehrs beizutragen.
Die maritime Wirtschaft ist eine Hochtechnologiebranche, die sich heute einem harten Verdrängungswettbewerb stellen muss. Gleichzeitig erfährt die Meerestechnik eine rasant wachsende Bedeutung für Klimaschutz
sowie Energie- und Ressourcengewinnung.

160 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Die Raumfahrt ist Vorreiter für die Entwicklung und
Erprobung neuer Technologien und wirkt über den
Technologietransfer als Innovationstreiber in andere
Wirtschaftsbereiche. Die Bundesregierung fördert mit
der Raumfahrtstrategie innovative Anwendungen in
der Raumfahrtforschung und stärkt die internationale
Vernetzung.

∙∙ Bewertung der Sicherheit und Zuverlässigkeit bestehender Infrastrukturen zum Weiterbetrieb ohne
Sicherheits- und Verfügbarkeitseinbußen
∙∙ Resiliente Straßeninfrastruktur (z. B. Projekt: SKRIBT)
∙∙ Intelligente Brücke
∙∙ Echtzeitsicherheitsmanagement von Straßentunneln
(ESIMAS, BMWi)
∙∙ Entwicklung innovativer Bauweisen unter besonderer Berücksichtigung der Lebenszykluskosten

Intelligente und leistungsfähige
Verkehrsinfrastruktur

Die Ressortforschungseinrichtungen und nachgeordneten Behörden des BMVI sind auf einzelne Verkehrsträger ausgerichtet. Im Hinblick auf die Ziele der
Resilienz und der Umweltgerechtigkeit haben sich die
Ressortforschungseinrichtungen und nachgeordneten
Behörden unter der Federführung des BMVI ab 1. Januar 2016 zu einem Expertennetzwerk Wissen – Können
– Handeln und damit zu einer inter- und transdisziplinären Zusammenarbeit zusammengeschlossen. In dem
Expertennetzwerk sollen die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten der Ressortforschungseinrichtungen und nachgeordneten Behörden stärker gebündelt
und vernetzt werden.

Eine zuverlässige, leistungsfähige und sichere Verkehrsinfrastruktur ist das Rückgrat hoch entwickelter
Industriestaaten. Der Wandel der Bevölkerungsstruktur, ein verändertes Mobilitätsverhalten sowie die
zunehmende Urbanisierung führen zu neuen Anforderungen, aber auch neuen Möglichkeiten für den individuellen und öffentlichen Verkehr. Deshalb fördert die
Bundesregierung Forschung zur Entwicklung innovativer Lösungen für eine leistungsfähige, nachhaltige,
umweltverträgliche, klima- und wetterrobuste sichere
Verkehrsinfrastruktur.
Nachhaltige Mobilität erfordert den Ausbau von
Informations-, Kommunikations- und Verkehrsleitsystemen zur Verbesserung der Verkehrsinfrastrukturen.
Durch die Ressortforschungseinrichtungen des BMVI
(siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in
Forschung und Wissenschaft) wird zu den folgenden
Schwerpunkten geforscht:
∙∙ Erhaltungsmanagementsysteme und Bewertungssysteme für bestehende Infrastrukturen
∙∙ Verkehrsträgerübergreifende Methoden zu Erhaltung
und Betrieb vorhandener Infrastrukturen
∙∙ Entwicklung neuer Mess- und Sensortechniken
∙∙ Zustands- bzw. Schadensentwicklung von Infrastrukturbauwerken in der Zukunft zur lokalen und
überregionalen Priorisierung
∙∙ Steigerung der Verkehrssicherheit durch Weiterentwicklung der Werkzeuge des Entwurfs und der Ausstattung vor allem auf bestehenden Infrastrukturen
∙∙ Bewertung von Infrastrukturen hinsichtlich möglicher Beeinträchtigungen durch extreme Wetter- und
Klimaereignisse

Weitere Informationen im Internet:

Forschungsprogramm des Bundesministeriums
für Verkehr und digitale Infrastruktur:
www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/gesamtforschungsprogramm-des-bundesministeriumsfuer-verkehr-und-digitale-infrastruktur-bmvi.
html?nn=36540
BMVI Forschung im Bereich Verkehr:
www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/forschungsprojekte-im-bereich-verkehr.html
Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung: www.bmvi.de/DE/VerkehrUndMobilitaet/DigitalUndMobil/MKStrategie/mobilitaetsund-kraftstoffstrategie_node.html
BMVI-Expertennetzwerk Wissen – Können –
Handeln: www.expertennetzwerk-bmvi.de/

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Innovative Mobilitätskonzepte und
Vernetzung
Neue Mobilitätskonzepte erfordern eine Vernetzung
von Fahrzeugen mit der Verkehrsinfrastruktur. Die
Standardisierung von Schnittstellen und die Modularisierung der IKT-Komponenten vorhandener einzelner Mobilitätssysteme ermöglichen eine Vielzahl
von Anwendungen, wie etwa personalisierte Mobilitätskonzepte, effiziente Logistiknetze und intelligente
Verkehrssysteme (siehe auch III 1.1 Digitalisierung,
Schlüsseltechnologien).
Eine zukunftsfähige und nachhaltige Mobilität erfordert integrierte Verkehrskonzepte, durch die sowohl
die Leistungsfähigkeit der einzelnen Verkehrsmittel
und ihr Zusammenspiel optimiert als auch der Fußgänger-, Rad- und öffentliche Personenverkehr attraktiver
gestaltet und damit gestärkt werden. Mit dem Nationalen Radverkehrsplan 2020 und der Nationalen Klimaschutzinitiative unterstützt die Bundesregierung den
Radverkehr als Teil eines modernen Verkehrssystems in
Städten und ländlichen Räumen.
Innovative Entwicklungen wie das Car- oder Bikesharing zeigen, dass immer mehr Menschen ihre Mobilitätsbedürfnisse mit einem wachsenden Maß an
Ressourcen- und Umweltschonung realisieren. Die
Bundesregierung fördert sowohl zukunftsweisende
Projekte an der Schnittstelle ÖPNV/Carsharing/Fahrrad als auch innovative Entwicklungen im ÖPNV, wie
die durchgängige elektronische Fahrplaninformation
(DELFI) und die Einführung eines flächendeckenden
interoperablen elektronischen Fahrgeldmanagements
(eTicket). Ziel ist der Einsatz von personalisierten
elektronischen Informationsdiensten für eine flexible
und den aktuellen Verkehrsbedingungen angepasste
Orientierung bei der persönlichen Mobilität.
Intelligente Fahrzeug- und Straßensysteme tragen
durch Kooperation miteinander wesentlich dazu
bei, dass der Straßenverkehr sicherer, effizienter und
umweltfreundlicher wird. Durch den vereinfachten
Datenaustausch mit Dritten sowie den Zugang für
private Dienstleistungsanbieter eröffnen sich neue
Möglichkeiten im Bereich des Verkehrsmanagements
und der Serviceangebote. Der Mobilitäts Daten Marktplatz (MDM) der Bundesanstalt für Straßenwesen

161

(BASt) ist ein zentrales Online-Portal, das den Zugang
zu Verkehrsmetadaten bereitstellt.
Auch Logistiknetzwerke erfordern angesichts steigender Datenmengen ganzheitliche Prozessoptimierungen, die die neuen Möglichkeiten der flexiblen Produktion in die Verbesserung der Transportströme bis zum
Endkunden einbeziehen. Mittels cyberphysikalischer
Systeme lässt sich nicht nur die Distributions-, sondern
auch die Servicestruktur effizienter managen (siehe
auch III 1.1 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien). Ziel
ist es, die Effizienz und Robustheit des Gesamtsystems
zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit durch verbesserte Nutzung der Ressourcen zu erhöhen. Hierzu
bedarf es IKT-gestützter Tools zur einfachen Gestaltung
von multimodalen Transportketten und unternehmensübergreifenden Konsolidierung von Transportströmen.
Zuverlässige Positions- und Navigationsdaten sind für
die effiziente Mobilität in einem weltweit integrierten
Gesamtverkehrssystem unverzichtbar. Mit dem zivilen
Satellitennavigationssystem Galileo entwickelt Europa
einen eigenständigen Zugang zu dieser Schlüsseltechnologie. In Deutschland ist der Aufbau verschiedener
GATEs (Galileo Test- und Entwicklungsumgebungen)
vorangetrieben worden. Hier können Entwickler
ihre Anwendungen unter realen Einsatz- und Umgebungsbedingungen bis zur Verfügbarkeit von Galileo
zur Marktreife führen. Das innovative Potenzial der
GATEs wird im Forum Satellitennavigation (SatNavForum) zusammengeführt und unterstützt damit den
deutschen Mittelstand bei der Erschließung neuer
Märkte für Navigationsanwendungen. Für 2016 sind
erste Dienste geplant, die es erstmals erlauben werden,
„echte“ Galileo-Signale zu nutzen.

Weitere Informationen im Internet:

Mobilitäts Daten Marktplatz (MDM):
www.mdm-portal.de
Satellitensystem Galileo : www.bmvi.de/DE/DigitalesUndRaumentwicklung/DigitalUndMobil/
Satellitennavigation/satellitennavigation_node.
html

162 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

tes oder verkehrsunsicheres Verhalten sind wesentliche
Unfallursachen. Daher gilt es, wissenschaftliche Grundlagen für die Förderung verkehrssicheren Verhaltens
von motorisierten und nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmenden zu schaffen. Darüber hinaus muss
die Verkehrssicherheitsforschung der Sicherheit von
Fußgängern, Radfahrern und physisch schwächeren
Verkehrsteilnehmenden in besonderem Maße Rechnung tragen. Diesem Sachverhalt wird derzeit u. a. mit
konstruktiven fahrzeugseitigen Maßnahmen, hauptsächlich zum Schutz von Fußgängern in Kollisionen
mit Personenkraftwagen, begegnet.

Straßenverkehrssicherheit
Die Einheit von Planung, Bau und Betrieb ist eine
Grundvoraussetzung für eine sicher befahrbare und
funktionsgerechte Straßeninfrastruktur. Dabei steht
die Verbesserung der Verkehrssicherheit auf Landstraßen besonders im Vordergrund. Beispielsweise sollen
Verkehrsunsicherheiten auf Bestandsstrecken durch
geeignete Auditverfahren frühzeitig erkannt und wirksam behoben werden. Dafür notwendige Werkzeuge
des Sicherheitsmanagements sind weiter zu entwickeln. Der Verbesserung der Fahrzeugsicherheit kommt
für die Aufrechterhaltung und Steigerung der Verkehrssicherheit nach wie vor große Bedeutung zu. Hierunter fallen sowohl die aktive Fahrzeugsicherheit mit
der Bewertung präventiver Maßnahmen als auch die
passive Fahrzeugsicherheit mit der Bewertung unfallfolgenmindernder Maßnahmen. Ziele sind die Vermeidung von Unfällen, die Reduzierung der Unfallschwere
und die Minderung der Unfallfolgen durch Einführung
und Verbreitung von wirkungsvollen Fahrzeugsicherheitssystemen in der Fahrzeugflotte.
Eine nachhaltige und sichere Mobilität erfordert
Maßnahmen, die den gesellschaftlichen Wandel und
das Verhalten im Verkehr berücksichtigen und vorausschauend auf diese reagieren. Hierbei sind sowohl
demografische, technologische als auch siedlungsstrukturelle Veränderungen in ihrem Einfluss auf die
Verkehrssicherheit und das Mobilitätsverhalten zu
untersuchen. Einen wichtigen Ansatzpunkt für die
Verkehrssicherheitsforschung sind ferner die Verhaltensänderungen von Verkehrsteilnehmern. Fehlerhaf-

Weitere Informationen im Internet:

Umsetzung der Verkehrssicherheitsprogramms
2011: www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Publikationen/LA/halbzeitbilanz-verkehrssicherheitsprogramm.html
Straßenverkehrssicherheitsforschung: www.bast.
de/DE/Home/home_node.html

Fahrzeugtechnologien
Die Übertragung von Technologien aus anderen
Zweigen der Industrie kann ergänzende Beiträge zur
Entwicklung einer modernen Mobilität leisten. Der
Nutzer kann beispielsweise durch IKT-Lösungen für
ein vorausschauendes, energieoptimales Fahren ebenso
wie durch optimierte logistische Konzepte unterstützt
werden. Auch Innovationen aus der Werkstoff- und
Materialforschung bieten Anknüpfungspunkte. Automatisiertes Fahren gilt neben der Elektromobilität und
der Vernetzung der Fahrzeuge als ein weiterer wesentlicher Treiber für technische Innovationen, Wertschöpfung und Beschäftigung. Das automatisierte und
vernetzte Fahren bildet einen Themenschwerpunkt der
Forschungsförderung des BMWi und des BMBF.
Gemeinsam mit dem Runden Tisch Automatisiertes
Fahren entwickelte die Bundesregierung ein einheitliches Verständnis über die verschiedenen Stufen der

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Automatisierung und die damit verbundenen Herausforderungen. Die Beteiligten erarbeiteten fachübergreifend eine deutsche Position zu einer Vielzahl rechtlicher, technischer und wissenschaftlicher Fragen und
überführten diese in strategische Eckpunkte, die im
Juni 2015 beschlossen wurden. Die Eckpunkte richten
den Fokus auf die Einführung des hochautomatisierten Fahrens bis 2020. Als Einsatzszenarien werden das
Verkehrsumfeld Autobahn sowie das Verkehrsumfeld
Parkhaus im Fokus stehen.
Die Bundesregierung hat unter anderem auf der
Grundlage der vom Runden Tisch Automatisiertes

163

Fahren beschlossenen Eckpunkte im September 2015
die Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren Leitanbieter bleiben, Leitmarkt werden, Regelbetrieb
einleiten beschlossen, die sie unter Federführung des
BMVI umsetzt. Ziel der Bundesregierung ist es, optimale
Rahmenbedingungen und alle erforderlichen Voraussetzungen für die Einführung (einschließlich Erforschung,
Entwicklung, Erprobung und Produktion) von Systemen
des automatisierten und vernetzten Fahrens zu schaffen.
Gegenstand der Umsetzung sind die in der Strategie
identifizierten Aktivitäten in den Handlungsfeldern Infrastruktur, Recht, Innovation, Vernetzung, IT-Sicherheit
und Datenschutz sowie gesellschaftlicher Dialog.

UR:BAN: Urbaner Raum: Benutzergerechte
Assistenzsysteme und Netzmanagement
In dem Großverbundvorhaben erarbeiteten
insgesamt 31 Projektpartner aus der deutschen Fahrzeug- und Informationsindustrie,
aus Forschungseinrichtungen und aus Städteplanungsämtern gemeinsam grundlegende
Konzepte für neue Fahrerassistenz- und Verkehrsmanagementsysteme für die Stadt. Ziel
ist es, den Verkehr der Zukunft sicherer und
effizienter zu gestalten. Das BMWi beteiligte
sich mit rund 40 Mio. Euro zu dem mit insgesamt 80 Mio. Euro ausgestatteten Projekt.
Forschungsprojekte wurden in drei
Themenbereichen bearbeitet:
•	 Kognitive Assistenz: Sicherheit in der
Stadt
•	 Vernetztes Verkehrssystem: Wirtschaftlich und energieeffizient fahren
•	 Mensch im Verkehr: Vorausschauendes und stressfreies Fahren
Die im Projekt UR:BAN erarbeiteten, innovativen
Lösungsansätzen sind eine hervorragende Basis für
weitere Entwicklungen im Bereich des automatisierten und kooperativen Fahrens. Sie tragen dazu bei, die
Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Fahrzeugindustrie

zu stärken und leisten einen bedeutenden Beitrag zur
Sicherung hochwertiger Arbeitsplätze in Deutschland.
Im Oktober 2015 wurden die Projektergebnisse nach
vierjähriger Laufzeit in einer öffentlichen Abschlusspräsentation auf dem Messegelände in Düsseldorf vorgestellt. Auf dem Messegelände wurden neben Vorträgen
und Ausstellungen insbesondere auch umfangreiche
Fahrdemonstrationen zur Präsentation der neuen
Technologien gezeigt. Experten aus den drei UR:BANArbeitsbereichen präsentierten zahlreiche Exponate
sowie ca. 50 Demonstrationsfahrzeuge.

164 	

Im Großprojekt UR:BAN wurden zahlreiche Anwendungsfelder von Fahrerassistenzsystemen und deren
Zusammenwirken untersucht (siehe auch Infobox
UR:BAN).
Im Jahr 2015 wurde das BMWi-Fachprogramm
Neue Fahrzeug- und Systemtechnologien veröffentlicht. Gegenstand des Programms ist die Förderung
anwendungsnaher technologischer Innovationen in
den zwei Programmsäulen in den zwei Programmsäulen Automatisiertes Fahren und Innovative Fahrzeuge.
Die Programmsäule Automatisiertes Fahren umfasst die technologische Entwicklung von den bisher
verfügbaren assistierenden und teilautomatisierten
Systemen hin zu höheren Automatisierungsgraden in
unterschiedlichen Anwendungsbereichen des Straßenverkehrs.
Unabhängig vom Anwendungsfall sind auf dem Weg
zu höheren Automatisierungsgraden zahlreiche, zum
Teil komplexe Forschungs- und Entwicklungsfragen zu
beantworten. Die nachfolgenden Themen wurden als
besonders forschungsintensiv identifiziert:
∙∙ Innovative Sensorik und Aktoriksysteme
∙∙ Hochgenaue Lokalisation

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

∙∙ Schnelle, sichere und zuverlässige Kooperation durch
Kommunikation
∙∙ Neuartige Verfahren zur Datenfusion und -verarbeitung
∙∙ Mensch-Maschine-Interaktion
∙∙ Angepasste Testverfahren und Validierung
Im Jahr 2015 konnten zwei große Forschungsprojekte gestartet werden: zum einen das Projekt KoHAF
– Kooperatives, hochautomatisiertes Fahren, welches
die Entwicklung von kooperativem, hochautomatisiertem Fahren für höhere Geschwindigkeitsbereiche (bis
130 km/h) auf gut ausgebauter Verkehrsinfrastruktur
zum Ziel hat und zum anderen das Projekt PEGASUS.
Zudem wurde Ende 2015 eine Förderbekanntmachung
zum Thema Hoch- und vollautomatisiertes Fahren
für anspruchsvolle Fahrsituationen zur Umsetzung
der Programmsäule veröffentlicht. Gegenstand der
Förderprojektesollen insbesondere integrierte Anwendungen für das hoch- und vollautomatisierte Fahren in
komplexen Fahrsituationen sein, die über bestehende
Ansätze hinausgehen.
Die Programmsäule Innovative Fahrzeuge umfasst
Themen aus den Bereichen Fahrzeugkonzepte und
-technologien sowie aus der Antriebstechnik.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Im Einzelnen sollen neue Fahrzeugkonzepte und
-technologien dazu beitragen, einen wirtschaftlichen,
energieeffizienten, schadstoffarmen und leisen Verkehr
zu befördern. Schwerpunkte bilden dabei die Themengebiete:
∙∙ Effizienzsteigerung durch Leichtbau
∙∙ Optimierte aerodynamische Eigenschaften
∙∙ Reduzierte Reibungswiderstände im kompletten
Antriebsstrang
∙∙ Optimierung der Antriebstechnik mit Antriebsstränge
in ihrer Gesamtheit oder deren Einzelkomponenten
Als eine der ersten Maßnahmen in dieser Säule wurden
2015 im Rahmen der Förderbekanntmachung Effizienzsteigerung Fahrzeugantriebe 16 Verbundprojekte
gestartet. Gegenstand der Förderung ist die Forschung
und Entwicklung für hocheffiziente und gleichzeitig
umweltverträglichere konventionelle Antriebe für
Fahrzeuge des Straßen- und Schienenverkehrs.
Eine weitere Förderbekanntmachung ist Ende 2015
zum Thema Leichtbaukonzepte für Straßen und Schienenfahrzeuge veröffentlicht worden. Gegenstand der
Förderung sind die Forschung und Entwicklung von
masseoptimierten Komponenten, Baugruppen und
Strukturen für Fahrzeuge des Personen- und Güterverkehrs auf Straße und Schiene.

165

sind Übertragungstechnologien, die dem neuesten
Stand der Technik entsprechen, verfügbar, um so eine
noch nie dagewesene Vernetzung zwischen Fahrzeugen
und zwischen Fahrzeugen und der Infrastruktur zu
ermöglichen. Neben der Erprobung des automatisierten und vernetzten Fahrens werden auf dem Digitalen
Testfeld Autobahn auch Maßnahmen zur intelligenten
Infrastruktur erprobt und weiterentwickelt. Erste Maßnahmen und Projekte starteten im Jahr 2015, u. a. ein
System, das vor Falschfahrern warnen soll.

Weitere Informationen im Internet:

BMWi Fachprogramm Neue Fahrzeug- und Systemtechnologien:
www.bmwi.de/DE/Themen/Technologie/Schluesseltechnologien/verkehrstechnologien.html
Studie zu den industriepolitischen Schlussfolgerungen des automatisierten Fahrens:
www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/Studien/hochautomatisiertes-fahren-autobahnen-industriepolitische-schlussfolgerungen.
pdf
UR:BAN: www.urban-online.org

Weitere Förderbekanntmachungen des BMBF erfolgten
u. a. zu den Themen:
∙∙ Elektroniksysteme für das vollautomatisierte Fahren
∙∙ Mensch-Technik-Interaktion für eine intelligente
Mobilität
Das BMVI hat gemeinsam mit dem Freistaat Bayern,
dem Verband der Automobilindustrie und dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien das Digitale Testfeld Autobahn
auf der Bundesautobahn A9 zur Erprobung automatisierter und vernetzter Fahrfunktionen eingerichtet.
Das Digitale Testfeld Autobahn unterscheidet sich von
herkömmlichen Autobahnen in seiner außergewöhnlichen infrastrukturseitigen Ausstattung: So werden
straßenbauliche Besonderheiten, wie z. B. Markierungen zur Positionsbestimmungen, bereitgestellt, die
insbesondere eine Erprobung der Interaktion zwischen
Fahrzeug und Infrastruktur erlauben. Darüber hinaus

Neue Antriebe, Elektromobilität
Elektromobilität ist der Schlüssel zur klimafreundlichen Umgestaltung der Mobilität. Bei der Förderung
der Elektromobilität setzt die Bundesregierung auf
einen intelligenten Maßnahmenmix aus Forschungsförderung für Wirtschaft und Wissenschaft, Anpassung
der rechtlichen Rahmenbedingungen an aktuelle
Entwicklungen sowie Kooperation mit Partnern aus
Drittländern. Ein Schwerpunkt der Arbeit der Bundesregierung liegt in der FuE-Förderung, damit Deutschland im internationalen Wettbewerb weiterhin gut
aufgestellt bleibt und sich als Leitmarkt und Leitanbieter der Elektromobilität etablieren kann. Dafür hat
die Bundesregierung 1,5 Mrd. Euro bis Ende 2014 zur
Verfügung gestellt. Zukünftig ist über den Energie- und

166 	

Klimafonds jährlich eine Förderung von 210 Mio. Euro
geplant. Daneben werden zusätzliche Haushaltsmittel
der beteiligten Ressorts (z. B. für die Förderung der
Brennstoffzellen-Forschung) eingesetzt.
Das Regierungsprogramm Elektromobilität aus dem
Jahr 2011 schreibt den 2009 erschienenen Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität fort. Bei seiner
Umsetzung und Weiterentwicklung wird die Bundesregierung durch die Nationale Plattform Elektromo-

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

bilität (siehe auch Infobox 4. Bericht der Nationalen
Plattform Elektromobilität) sowie die Gemeinsame
Geschäftsstelle Elektromobilität (GGEMO) unterstützt.
Diese dient als einheitliche Anlaufstelle und Sekretariat
der Bundesregierung für die Aufgaben im Bereich der
Elektromobilität sowie als Dienstleister und Sekretariat
der Nationalen Plattform Elektromobilität.
Thematische Schwerpunkte der Förderung sind u. a.
Batterieforschung, energieeffiziente Gesamtfahrzeug-

4. Bericht der Nationalen Plattform
Elektromobilität (NPE)

sechs Arbeitsgruppen mit insgesamt ca. 140 hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern werden die
Schwerpunktthemen der Elektromobilität behandelt
und Empfehlungen zur Umsetzung des Regierungsprogramms Elektromobilität erarbeitet.Die NPE berichtet
regelmäßig der Bundesregierung.

Die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) ist
ein Beratungsgremium der Bundesregierung. Die NPE
wurde im Mai 2010 gegründet und bringt die wesentlichen Akteure aus Industrie, Wissenschaft, Politik,
Gewerkschaften und Verbänden zum strategischen
Dialog zusammen. Sie beobachtet und analysiert die
Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität. In

Die 4. Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität
hat im Dezember 2014 ihren vierten Bericht vorgelegt,
in dem der Zwischenstand auf dem Weg zum Leitanbieter und Leitmarkt bewertet wird. Aufgrund der
Entscheidung, die Bundesmittel vorrangig für die Förderung von FuE einzusetzen, konnte sich Deutschland
bereits jetzt zusammen mit den USA als Leitanbieter
etablieren. Bei der Marktentwicklung liegt Deutschland
bisher mit 42.000 Zulassungen (Stand: Ende Oktober
2015) nur im Mittelfeld, weist aber mit 90 % Wachstum
bei den Zulassungszahlen (von 2014 auf 2015) einen
überdurchschnittlich guten Marktzuwachs auf. Um
sich in der Markthochlaufphase auch als Leitmarkt zu
etablieren und die Position als Leitanbieter weiter auszubauen, empfahl die NPE Forschung und Entwicklung
künftig verstärkt auf die Steigerung der Attraktivität der
Elektrofahrzeuge und die Verbesserung der Ladeinfrastruktur zu fokussieren. Innerhalb der Arbeitsgruppen
werden die Empfehlungen der NPE kontinuierlich
weiterentwickelt.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

konzepte inklusive der Komponenten, Ladeinfrastruktur und Netzintegration (mit Schwerpunkt auf dem
Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien) sowie
Auswirkungen auf das Gesamtsystem der Mobilität. Die
Förderung erfolgt themenorientiert durch verschiedene Ressorts:
∙∙ Die im August 2014 veröffentlichte BMBF-Maßnahme Batterie 2020 adressiert Batteriematerialien entsprechend ihrem Reifegrad zwischen grundlegender
Forschung und Industrialisierung in drei Förderlinien
(ausgerichtet entlang der Wertschöpfungskette). Im
Fokus stehen Material- und Prozesstechnik sowie die
Batteriezellproduktion für Lithium-Ionen-Systeme, die
in näherer Zukunft zur Anwendung gelangen werden
und höhere Reichweiten für Elektrofahrzeuge bei größerer Sicherheit und geringeren Kosten ermöglichen.
∙∙ Den Förderschwerpunkt Energiewirtschaftliche
Schlüsselelemente der Elektromobilität hat das BMWi
im Rahmen des Energieforschungsprogramms verankert. Unterstützt wird die Forschung zur Batteriezelle und zu deren großmaßstäblicher Fertigung bis hin
zur Integration der Systeme ins Fahrzeug. Untersucht
werden auch Hybridkonzepte für die Energieversorgung von Sonderfahrzeugen und die übergreifende
Frage der Integration des elektrischen Fahrzeugs ins
Energiesystem.
∙∙ Das BMBF unterstützt mit der 2014 veröffentlichten
Förderrichtlinie e-MOBILIZE Elektroniksysteme und
auf Elektroniksystemen basierende Innovationen,
die dazu beitragen, den Energieverbrauch von Elektrofahrzeugen zu senken und die Reichweiten unter
Praxisbedingungen zu erhöhen. Ein weiterer Fokus
der Maßnahme sind automatische Funktionen für
das effiziente elektrische Fahren.
∙∙ Mit der Förderrichtlinie Elektroniksysteme für das
vollautomatisierte Fahren (ELEVATE) unterstützt das
BMBF Forschung zur Erarbeitung technologischer
Grundlagen für das automatisierte Fahren in urbanen Umgebungen und die Nutzung von Synergien
von elektrischem und automatisiertem Fahren (siehe
auch III 1.1 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien)
∙∙ Mit KomroL – Kompakte und robuste Leistungselektronik der nächsten Generation setzt das BMBF einen
thematischen Förderschwerpunkt zur Erschließung

167

von Energie-Einsparpotenzialen beispielsweise im
Bereich der nachhaltigen Mobilität (siehe auch III 1.1
Digitalisierung, Schlüsseltechnologien)
∙∙ Mit ATEM – Antriebstechnologien für die Elektromobilität fördert das BMWi seit 2015 die Technologienentwicklung von Antriebssystemen von Elektround Hybridfahrzeugen der nächsten Generation, um
zu einer beschleunigten Verbreitung von Fahrzeugen
mit elektrifizierten Antriebssträngen beizutragen.
∙∙ 2014 wurde aufbauend IKT für Elektromobilität III
zur Einbindung von gewerblichen Elektrofahrzeugen
in Logistik-, Energie- und Mobilitätsinfrastrukturen
ausgeschrieben. Im Technologieprogramm IKT für
Elektromobilität II: Smart Car – Smart Grid – Smart
Traffic förderte das BMWi von 2011 bis 2014 neue
Konzepte und Technologien für das Zusammenspiel
von intelligenter Fahrzeugtechnik im Elektroauto mit einer intelligenten Energieversorgung und
intelligenten Mobilitätskonzepten (siehe auch III 1.2
Nachhaltigkeit, Klima, Energie)
∙∙ Mit Elektromobilität – Positionierung der Wertschöpfungskette (ELEKTRO POWER II) fördert das BMWi
seit 2015 Forschung zum Ausbau der elektromobilen
Wertschöpfungskette und der Überführung in industrielle Anwendung.
∙∙ Mit der Förderrichtlinie Elektromobilität unterstützt
das BMVI seit 2015 die Beschaffung von Elektrofahrzeugen mit dem Ziel der Erhöhung der Fahrzeugzahlen, insbesondere in kommunalen Flotten.
Gefördert werden ebenso die hierfür benötigte
Ladeinfrastruktur und die Verknüpfung der Fahrzeuge
mit dem Stromnetz in Kombination mit dem Ausbau
erneuerbarer Energien für den Verkehrssektor auf der
kommunalen Ebene.
∙∙ Mit dem Förderprogramm Erneuerbar mobil unterstützt das BMUB die Entwicklung marktfähiger
Lösungen für eine klimafreundliche Elektromobilität.
Nachdem seit 2009 über 60 Projekte erfolgreich im
Rahmen des Förderprogramms Erneuerbar mobil des
BMUB umgesetzt wurden, forderte das Ministerium
2015 erneut zur Einreichung von Skizzen für Vorhaben im Bereich der Elektromobilität auf. Im Fokus der
Förderung stehen weiterhin Projekte, die die energieund klimapolitischen Potenziale der Elektromobilität

168 	

erschließen helfen und gleichzeitig zur Stärkung der
Wettbewerbsposition deutscher Industriebranchen
beitragen.
∙∙ Neben der batteriebetriebenen Elektromobilität
fördert das BMVI im Rahmen des noch bis 2016
laufenden Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) auch
die Weiterentwicklung alternativer Antriebe. So
wird sichergestellt, dass die Entscheidung über die
jeweils optimale Antriebsform am Markt fällt und
dass sich die Technologien gegenseitig ergänzen
können.
Um die Förderaktivitäten auf dem Gebiet der Elektromobilität für Unternehmen und Forschungseinrichtungen transparent und kundenfreundlich zu
gestalten, hat die Bundesregierung im Rahmen ihres
Regierungsprogramms Elektromobilität bei der Förderberatung Forschung und Innovation des Bundes die
Lotsenstelle Elektromobilität eingerichtet.
Die Bundesregierung hat darüber hinaus im April 2012
vier deutsche Regionen (Baden-Württemberg, Bayern/
Sachsen, Niedersachen und Berlin/Brandenburg) als
Schaufenster Elektromobilität ausgewählt; dort wird
Elektromobilität an der Schnittstelle von Energiesystem,
Fahrzeug und Verkehrssystem erprobt. In den Schaufenstern werden 90 Projekte mit insgesamt 33 Einzelvorhaben bis Ende 2015 gefördert. Um die Erkenntnisse und
Erfahrungen aus den Schaufensterprojekten übergreifend verfügbar zu machen, hat die Bundesregierung eine
schaufensterübergreifende Begleit- und Wirkungsforschung beauftragt. Die Summe der Zuwendungen des
Bundes beträgt etwa 157 Mio. Euro.
2012 hat die Bundesregierung zudem markante Förderbeispiele als Leuchtturmprojekte ausgewählt. Die
Auswahl eines Projekts als Leuchtturm ist ein Gütesiegel für besonders wichtige Innovationen, die einen
bedeutenden Beitrag zum technologischen Fortschritt
oder zur Kostensenkung in der Elektromobilität leisten.
Im Juni 2015 wurden sieben weitere herausragende
technologische Projekte als Leuchttürme der Elektromobilität nominiert.
Gut ausgebildete Fachkräfte sind für den Erfolg der
Elektromobilität besonders wichtig. Das Ziel ist, alle
relevanten Lernorte der beruflichen und akademischen

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Aus- und Weiterbildung auf die neuen Anforderungen
aus der Elektromobilität auszurichten. Mit dem Netzwerk Qualifizierung Elektromobilität hat die Bundesregierung ein begleitendes Instrument eingerichtet,
mit dem die elektromobilitätsbezogene Ausbildung
und Qualifizierung sowohl im akademischen wie im
berufsbilden den Bereich analysiert wird, bestehende
Qualifizierungsangebote identifiziert und bewertet
werden und den Bildungsakteuren eine internetgestützte Plattform zur branchenübergreifenden Vernetzung und zum Austausch von Best-Practice-Beispielen
bereitgestellt wird.
Auf internationaler Ebene steht die Bundesregierung
in engem Kontakt mit den Regierungen Japans, Chinas und der USA, um sich mit diesen in Fragen von

Weitere Informationen im Internet:

Nationale Plattform Elektromobilität:
nationale-plattform-elektromobilitaet.de
Lotsenstelle Elektromobilität:
www.foerderinfo.bund.de/elektromobilitaet
Schaufenster Elektromobilität:
schaufenster-elektromobilitaet.org
Ressortforschung Elektromobilität:
www.bmwi.de/DE/Themen/Industrie/Industrieund-Umwelt/elektromobilitaet,did=575166.html
sowie www.erneuerbar-mobil.de
Batterieforschung für Elektroautos:
https://www.bmbf.de/de/elektromobilitaet-dasauto-neu-denken-567batterieforschung-fuerelektroautos-662.html
Forschung im Rahmen der Internationalen Energieagentur (IEA): www.ieahev.org
Deutsches Mobilitätspanel: www.bmvi.de/
SharedDocs/DE/Publikationen/K/faltblatt-deutsches-mobilitaetspanel.html?linkToOverview=js
Mobilität in Deutschland: www.bmvi.de/mid

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

169

Forschungsprojekte zur Erfassung
der Alltagsmobilität

Die Verkehrspolitik und -planung
benötigt als Grundlage für zielgenaue Entscheidungen und Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur
belastbare Daten zur Alltagsmobilität
der Bevölkerung. Das BMVI beauftragt im Rahmen des Forschungsprogramms zwei Bausteine zur
Erforschung der Alltagsmobilität.
Mit dem Deutschen Mobilitätspanel
werden jedes Jahr die Mitglieder von
rund 1.500 Haushalten gebeten, ihre
Mobilität eine Woche lang in einem
Tagebuch sowie das Tankverhalten aufzuzeichnen.
Mit diesem Ansatz ist die Identifizierung von bundesweiten Trends und individuellen Verhaltensänderungen im Mobilitätsgeschehen möglich.
Die im Abstand von mehreren Jahren durchgeführte große Querschnittserhebung Mobilität in
Deutschland (MiD) ermöglicht darüber hinaus auch
die Identifizierung sozioökonomischer, regionaler
oder raumtypischer Mobilitätsmuster. Im Jahr 2016
werden im Auftrag des Bundes rund 30.000 Haushalte befragt. Länder sowie regionale und kommunale
Auftraggeber beteiligen sich mit Vertiefungsstichproben. Mit insgesamt 130.000 befragten Haus-

Normung, Standards und Ladeinfrastruktur kontinuierlich auszutauschen (siehe auch III 4 Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen). Entsprechend gibt
es mittlerweile eine große Anzahl unterschiedlicher,
länderübergreifender Kooperationsvorhaben. Besonders herausragend ist das 2014 gestartete und von der
deutschen und chinesischen Regierung geförderte
Sino-German EV Charging Project. Es wird von der
Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusam-

halten wird die MiD 2016 nicht nur eine der größten
Haushaltsbefragungen Deutschlands, sondern sie
beschreitet auch innovative Wege in der empirischen
Sozialforschung. So wird erstmals in einer großen Erhebung eine Einwohnermeldeamtsstichprobe mit einer
Telefonstichprobe nach dem Dual-frame-Ansatz zu einem Triple-frame-Auswahlrahmen kombiniert. Erstmals
werden auch die Mobilitätsdaten kleinräumig geografischen Gitterzellen zugeordnet, um dann die wichtigsten
Mobilitätskennwerte mithilfe moderner statistischer
Verfahren, der sogenannten Small-area-Schätzung, für
andere statistisch vergleichbare Räume zu modellieren.
Erste Ergebnisse sollen zum Jahreswechsel 2017/2018
vorliegen.

menarbeit (GIZ) koordiniert und entwickelt effektive
Lösungen für privates und öffentliches Laden von
Elektrofahrzeugen. Das BMBF förderte im Sino-German Network on Electromobility (TU9/CN) die universitäre Forschung an Antrieben, Energiespeichern,
Elektroniksystemen und Ausbildungskonzepten für
die Elektromobilität.

170 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Entwicklung innovativer Technologien
für Luftfahrzeuge und Triebwerke sowie
deren effiziente Nutzung im gesamten
Lebenszyklus. Außerdem soll die Sicherheit, Zuverlässigkeit und Vernetzung
des Luftverkehrs weiter verbessert werden. Kernelemente der Luftfahrtstrategie
sind die Förderung von Grundlagenforschung durch das Deutsche Zentrum
für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), die
finanzielle Forschungsförderung durch
das nationale Luftfahrtforschungsprogramm (LuFo) und durch die EU im
Rahmen von Horizont 2020 sowie das
Darlehensprogramm für die Finanzierung von Entwicklungskosten der
Industrie.

Luftfahrt
Die forschungsintensive und innovationsstarke
Luftfahrtindustrie verbindet Hochtechnologien wie
Elektronik, Robotik, Mess-, Steuer-, Werkstoff- und
Regeltechnik miteinander und ist damit auch ein Innovationstreiber der Industrie 4.0. Mit der 2014 durch
das BMWi veröffentlichten Luftfahrtstrategie will die
Bundesregierung Deutschland zu einem weltweiten
technologischen Vorreiter für ein umweltfreundliches,
sicheres, leistungsfähiges, wettbewerbsfähiges und
passagierfreundliches Luftverkehrssystem machen.
Sie fördert daher unter anderem die Erforschung und

Weitere Informationen im Internet:

Luftfahrtstrategie der Bundesregierung:
www.bmwi.de/DE/Mediathek/
publikationen,did=546058.html
Luftfahrtforschungsprogramm des BMWi:
www.bmwi.de/DE/Themen/Technologie/schlues
seltechnologien,did=232982.html
Flight Path 2050: ec.europa.eu/research/transport/publications/items/vision2050_en.htm

Mit dem 5. zivilen Luftfahrtforschungsprogramm (LuFo
V) unterstützt das BMWi Forschungs- und Technologievorhaben der zivilen Luftfahrt. Inhaltlich orientiert sich das LuFo an den beiden Zielfeldern des
europäischen Strategiedokuments Flightpath 2050: (1)
die Ausrichtung der Luftfahrt an gesellschaftlichen
Bedürfnissen und Anforderungen und (2) industrielle
Führerschaft der europäischen Luftfahrtindustrie.
Technologisch orientiert sie sich an der strategischen
Forschungsagenda (SRIA) von ACARE (Advisory Council
for Aeronautics Research in Europe).
Im Mittelpunkt des BMWi-Forschungsprogramms
stehen die Erforschung und Entwicklung innovativer
Produkte, Verfahren und technischer Dienstleistungen in der zivilen Luftfahrt. Bislang erschienen zwei
Programmaufrufe. Für den ersten Programmaufruf
stellte das BMWi mit dem Bundeshaushalt jährlich
Mittel in Höhe von rund 150 Mio. Euro bereit. Beim
dritten Programmaufruf LuFo V-3 (2017-2021) sind vier
Förderlinien vorgesehen:
∙∙ Ökoeffizientes Fliegen: Für Initiativen und Vorhaben
der Hochschulen und Universitäten zur Erforschung
von Technologien für den Anwendungszeitraum
2030 bis 2050. Das Förderspektrum umfasst alle Themen und Disziplinen des Luftverkehrssystems und
der zivilen Luftfahrzeuge.
∙∙ KMU: förderfähig sind alle luftfahrtrelevanten Technologien. Eingereichte Ideen stehen jedoch nicht mit

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

solchen der Programmlinie Technologie im Wettbewerb. Damit soll interessierten KMU Gelegenheit gegeben werden, in für sie attraktiven Produktnischen
aktiv zu werden.
∙∙ Technologie: unterstützt werden Vorhaben der industriellen Forschung in den Themenfeldern passagierfreundliche und ökoeffiziente Kabine, leistungsfähige,
sichere und sparsame Systeme, leise und effiziente
Antriebe, innovative Strukturen für Luftfahrzeuge,
Flugphysik, luftfahrspezifische Eigenschaften der
Industrie 4.0 in Entwicklung, Produktion und Instandhaltung sowie sichere, effiziente und umweltverträgliche Luftfahrtprozesse und Flugführung.
∙∙ Demonstration: unterstützt werden Vorhaben, die
die Lücke zwischen Technologie- und Produktentwicklung schließen. Dazu gehören die Integration
von Einzeltechnologien zu einem System oder einem
relevanten Subsystem sowie die Stärkung und der
Aufbau von Kompetenzen und Fähigkeiten auf Gesamtsystemebene.
Im Rahmen des LuFo können Technologien gefördert
werden, die sich für eine Anwendung im zivilen, kommerziellen Markt eignen und eine hohe und andau-

171

ernde Wertschöpfung in Deutschland versprechen.
Im LuFo wird auch zukünftig eine starke Ausrichtung
auf die Zulieferindustrie, inklusive innovativer und
forschungsintensiver KMU, beibehalten werden. Insbesondere soll dabei durch entsprechende Anreizstrukturen die Vernetzung von Industrieunternehmen, KMU,
Hochschulen und Forschungsinstituten vorangetrieben
werden.
Die Projektförderung im Bereich niedriger Technologiereifegrade speist sich aus Forschungsprogrammen
verschiedener Ressorts auf Ebene der Länder und
des Bundes. Hinzu kommen Fördermittel aus Querschnittsprogrammen und Fachprogrammen, wie die
Materialforschung, die einen erhöhten Bezug zur Luftfahrt haben (siehe auch III 1.1. Digitalisierung, Schlüsseltechnologien).

Maritime Technologien
Die Bundesregierung unterstützt die Erweiterung des
Wissens- und Erfahrungspotenzials der deutschen
meerestechnischen Industrie und Wissenschaft. Im
Fokus steht der Ausbau Deutschlands zu einem schiffs-

172 	

und meerestechnischen Hightech-Standort. Dazu
gehören Lösungsbeiträge der maritimen Branche zu
den drängenden internationalen Herausforderungen
in den Bereichen Rohstoff- und Energieversorgung,
Klima- und Umweltschutz, Sicherheit und Erfüllung
der Transportaufgaben.
Damit die deutschen Häfen ihren Funktionen als
Drehscheiben des nationalen und internationalen
Warenaustauschs und als Güterverteilzentren weiterhin gerecht werden können, sollen sie bei der
Erforschung und Entwicklung innovativer Hafentechnologien sowie bei den Umschlagverfahren und
dem Weitertransport unterstützt werden. Nach den
Förderprogrammen ISETEC I und ISETEC II wird die
Bundesregierung 2016 ein neues Förderprogramm
für innovative Hafentechnologien auflegen. Übergeordnetes Ziel des Förderprogramms ist es u. a., den
Güterumschlag in den Häfen zu beschleunigen und die
Zu- und Ablaufverkehre zu optimieren. Die Bundesregierung fördert Forschungs- und Entwicklungsvorhaben in den Bereichen Schiffbau, Schifffahrt und
Meerestechnik mit dem Programm Maritime Technologien der nächsten Generation. Es unterstützt deutsche
Unternehmen bei Entwicklung und Einsatz maritimer
Hightech-Produkte, um deren Wettbewerbsfähigkeit
auf dem Weltmarkt zu verbessern und Arbeitsplätze zu
sichern. Das Forschungsprogramm besteht aus den vier
Technologiesäulen Schiffstechnik, Produktion maritimer Systeme, Schifffahrt und Meerestechnik. Ferner
fördert die Bundesregierung marktnahe Innovationen

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Weitere Informationen im Internet:

Maritime Technologien der nächsten Generation:
www.foerderinfo.bund.de/de/390.php
Innovativer Schiffbau sichert wettbewerbsfähige
Arbeitsplätze: www.bafa.de/bafa/de/wirtschaftsfoerderung/innovativer_schiffbau
Deutsch-französische Absichtserklärungen zum
Tiefseebergbau: www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/J-L/joint-declaration-of-intent-betweenfrance-and-germany.pdf

im Schiffbau über das Programm Innovativer Schiffbau
sichert wettbewerbsfähige Arbeitsplätze.
Die meerestechnische Industrie steht in den nächsten
Jahren vor neuen Herausforderungen. Die Erschließung von Energieressourcen auf und im Meer wie Öl,
Gas und Offshore-Windenergie, Wellenenergienutzung, die Gezeitennutzung oder Osmose sowie die Verfügbarmachung mariner mineralischer Rohstoffe wie
Manganknollen und Massivsulfide werden zunehmend
an Bedeutung gewinnen. Auch in der Forschungsförderung der erneuerbaren Energien werden anwendungsnahe Themen und Schwerpunkte der maritimen
Technologien, wie für die Offshore-Windenergie und
die Meeresenergien, berücksichtigt (siehe auch III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima,
Energie).
Im Bereich des Tiefseebergbaus werden
Deutschland und Frankreich künftig
eng zusammenarbeiten. So unterzeichneten Vertreter der deutschen
und französischen Regierung sowie
der Wirtschaft zwei „Declarations of
Intent“. Vereinbart wurde eine stärkere
Kooperation zwischen den Ländern;
zugleich verpflichteten sich beide Seiten zu höchsten Umweltstandards und
größter Transparenz.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Raumfahrt
Die Raumfahrt besitzt eine hohe strategische Bedeutung für den Wissenschafts- und Technologiestandort
Deutschland. Die Raumfahrtstrategie der Bundesregierung aus dem Jahr 2010 bildet die Grundlage
für die deutschen Aktivitäten in der Raumfahrt. Die
Raumfahrtstrategie setzt die Leitlinien, sich klar nach

173

Nutzen und Bedarf auszurichten, sich am Prinzip der
Nachhaltigkeit zu orientieren und dabei eine intensive
europäische und internationale Zusammenarbeit anzustreben. Die deutschen Raumfahrtaktivitäten sollen
den gesellschaftlichen Nutzen der Raumfahrt mehren,
die Effizienz in der Raumfahrt weiter steigern sowie die
Kommerzialisierung der Raumfahrt und der Raumfahrttechnologie ausbauen.

ALL.TÄGLICH!
Mit der Ausstellung INNOspaceEXPO „ALL.TÄGLICH!“
präsentiert das DLR Raumfahrtmanagement im Auftrag
des BMWi den Beitrag der
Raumfahrt für Wirtschaft,
Gesellschaft und Umwelt.
Vielen Menschen ist nicht oder
noch zu wenig bewusst, dass
Technologien, die sie annähernd jeden Tag wie selbstverständlich nutzen und die ihnen
helfen, besser zu lernen, zu
arbeiten oder mobil zu sein, aus
der Raumfahrt stammen. Dass
also Raumfahrt ein unverzichtbarer technischer und gesellschaftlicher Innovationsmotor
ist, der einen beträchtlichen
Anteil an der weltweit steigenden Lebensqualität hat. Die
mobile Ausstellung präsentiert
über 40 exemplarische Innovationen, Technologien
und Anwendungen aus den Themenfeldern Wohnen
und Arbeiten, Gesundheit und Ernährung, Reisen und
Freizeit, Mobilität und Kommunikation sowie Wissen
und Bildung. Raumfahrtforschung trifft den Nerv
der Zeit, denn jedes einzelne Exponat zeigt, wie sehr
Entwicklungen aus der Raumfahrt Lösungen für die
sogenannten Megatrends ermöglichen. Der Öffentlichkeit und speziell auch dem jungen Publikum wird
deutlich, dass Forschung für die Raumfahrt und Forschung im Weltraum auch unmittelbar für das Leben
auf der Erde vielfältige neue Perspektiven eröffnen

und unser Leben beeinflussen. Nach der feierlichen
Eröffnung durch das BMWi im August 2015 war die Ausstellung „ALL.TÄGLICH!” im Deutschen Technikmuseum
in Berlin zu sehen. Weitere Stationen sind u. a. Stuttgart,
Bremen und München. Insgesamt ist eine Dauer der
Wanderausstellung von drei Jahren vorgesehen.

174 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Das BMWi fördert die deutschen Raumfahrtaktivitäten
auf nationaler und europäischer Ebene. Die Raumfahrtstrategie wird durch das Nationale Programm für
Weltraum und Innovation, durch die deutsche Beteiligung an der Europäischen Weltraumorganisation ESA
und durch die Raumfahrtforschung und -technologie
des DLR umgesetzt. Das DLR verantwortet mit seinem
Geschäftsbereich DLR-Raumfahrtmanagement aufgrund der Aufträge der mit Raumfahrt befassten Ressorts unter der Federführung des BMWi die Erstellung
der von der Bundesregierung zu verabschiedenden
integrierten deutschen Raumfahrtplanung sowie die
Durchführung der deutschen Raumfahrtprogramme
und -aktivitäten.
Andere Bundesministerien, z. B. das BMVI mit dem
europäischen Satellitennavigationssystem Galileo, dem
europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus
und mit EUMETSAT, der Europäischen Organisation
zur Nutzung von meteorologischen Satelliten und das
BMVg sind federführend an anwendungsbezogenen
Weltraumprojekten beteiligt. Die Raumfahrtaktivitäten des BMVI zielen u. a. auf die Verbesserung des
Umwelt-, Arten-, Klima- und Katastrophenschutzes
und die Förderung des nachhaltigen Ressourcenmanagements und genauere Wettervorhersagen ab. Die
Ergebnisse unterstützen auch andere Bundesministerien bei der Aufgabenwahrnehmung, beispielsweise die
Geschäftsbereiche des BMUB, des BMEL und des BMI.
Entwicklungen werden mit diesen Geschäftsbereichen
abgestimmt.

Weitere Informationen im Internet:

BMWi – Raumfahrt: www.bmwi.de Themen
>Technologie >Schlüsseltechnologien >Raumfahrt
DLR Raumfahrtmanagement: www.dlr.de/rd
Informationen zur Initiative INNOspace:
www.dlr-innospace.de/startseite
INNOspaceEXPO „ALL.TÄGLICH!“: www.dlr-innospace.de/startseite/innospace/innospaceexpo/

In der Maßnahme Erdbeobachtungsbasierte Methoden
zur Unterstützung internationaler Initiativen und Konventionen fördert das BMWi seit 2015 die Entwicklung
und Erprobung neuartiger Materialien und Technologien im Forschungsfeld der Satellitenkommunikation,
die für die optische Kommunikation zwischen Satelliten Verwendung finden können.
Um die großen Potenziale der Raumfahrttechnologien zu erschließen, existiert seit 2013 die Initiative
INNOspace zur Förderung von Innovationen, Transfers
und neuen Märkten. Die Initiative des DLR umfasst
verschiedene Maßnahmen und Instrumente. So
fördern branchenübergreifende Fachtagungen Kooperationen und gemeinsame Entwicklungen zwischen
Raumfahrt und anderen Wirtschaftszweigen. Expertenund Anwender-Workshops dienen der Erschließung
neuer Märkte. In der mobilen Ausstellung INNOspaceEXPO wird das Innovations- und Transferpotenzial von
Raumfahrt und Weltraumforschung in den Fokus der
öffentlichen Wahrnehmung gerückt (siehe auch Infobox ALL.TÄGLICH). Darüber hinaus werden Innovations- und Transferprojekte aus Mitteln des Nationalen
Programms für Weltraum und Innovation gefördert. Die
Aktivitäten der Initiative INNOspace erfolgen in enger
Abstimmung mit dem BMWi sowie mit verschiedenen
Bundesländern.

	

175

1.6	Sicherheit
In den letzten Jahrzehnten haben sich die globale Sicherheitsarchitektur und die Sicherheitsrisiken in der Gesellschaft
grundlegend geändert. Direkte und indirekte Bedrohungen wie zum Beispiel Terrorismus, organisiertes Verbrechen
oder Cyber-Kriminalität sowie Rohstoff- und Energieverknappung, Klimawandel und damit einhergehende Naturkatastrophen stellen neue Anforderungen an die innere Sicherheit und Verteidigung. Ziel der Bundesregierung ist es, zum
Schutz eines freiheitlichen Lebensstils beizutragen.

Die zivile Sicherheitsforschung erkundet innovative
Lösungen für den Schutz kritischer Infrastrukturen,
für ein modernes Einsatz- und Krisenmanagement und
für den Schutz vor Kriminalität und Terrorismus. Ihr
grundlegendes Ziel ist es, die Bürgerinnen und Bürger
vor Gefahren zu schützen, ihre Sicherheit und damit
ihre Lebensqualität zu erhöhen. Dabei sind ethische,
rechtliche und psychologische Fragen von Anfang an
mit auszuloten. Die Bundesregierung fördert mit dem
Rahmenprogramm Forschung für die zivile Sicherheit
(2012–2017) die Entwicklung umfassender Sicherheitslösungen anhand von konkreten Szenarien, die
Erforschung von aktuellen Querschnittsthemen und
die Entwicklung transnationaler Lösungsansätze in
internationalen Kooperationen.
Besonders Sicherheitsfragen im Zusammenhang mit
der digitalen Welt haben stark an Relevanz gewonnen.

Sie werden von der Bundesregierung im Rahmen der
Digitalen Agenda 2014–2017 thematisiert und durch
das Forschungsrahmenprogramm Selbstbestimmt und
sicher in der digitalen Welt 2015–2020 konkretisiert.
Der Schutz Deutschlands erfordert auch künftig von
deutschen Streitkräften neben den klassischen Aufgaben zur Landesverteidigung vorrangig die Fähigkeit
zum Einsatz im multinationalen Verbund jenseits der
Bündnisgrenzen zur Konfliktverhütung und Krisenbewältigung – einschließlich des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus. Die wehrwissenschaftliche
Forschung liefert die wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen für die Erfüllung des Auftrags des
Verteidigungsressorts.

176 	

Forschung für die zivile Sicherheit
Zur wirksamen Sicherung der individuellen Freiheit,
der Unversehrtheit aller Bürgerinnen und Bürger sowie
von lebenswichtigen staatlichen und wirtschaftlichen Infrastrukturen kann Forschung neue Wege und
Lösungen aufzeigen, Herausforderungen dieser Art zu
begegnen. Das aktuelle Rahmenprogramm Forschung
für die zivile Sicherheit 2012–2017 der Bundesregierung aus dem Jahr 2012 baut auf der im Jahr 2007

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

gestarteten ersten Programmphase auf. Als lernendes
Programm bildet es den Rahmen für eine längerfristig ausgerichtete flexible Förderpolitik, die auf Basis
der Erfahrungen bei der Durchführung und der sich
ändernden Herausforderungen weiterentwickelt wird.
Seit 2007 hat das BMBF über 450 Mio. Euro Fördermittel zur Verfügung gestellt. Zusätzlich hat die Industrie
über 100 Mio. Euro an Eigenmitteln investiert.
Das Rahmenprogramm Forschung für die zivile Sicherheit richtet seine Forschungsförderung auf die globalen

SiKomFan: Mehr Sicherheit im Fußball –
Verbesserung der Kommunikationsstrukturen
und Optimierung des Fandialogs
füreinander zu erhöhen. Dazu untersuchen die Projektpartner nicht nur die
Situation innerhalb und außerhalb des
Stadions, sondern auch die An- und Abreisewege. Weitere Schwerpunkte liegen
auf der Untersuchung der Kommunikation der Sicherheitskräfte untereinander
und der unterschiedlichen Ausprägungen
der Fankulturen sowie deren Außen- und
Eigenwahrnehmung.

In der Saison 2014/2015 haben mehr als 21 Mio.
Zuschauer die Spiele der beiden Bundesligen und der
3. Liga besucht. Auch wenn die Stimmung meistens
gut und friedlich ist, bergen Menschenansammlungen
Risiken. Es kann zu gefährlichem Gedränge kommen
oder zu Ausschreitungen einiger gewaltbereiter Gruppen. Spieltage sind eine Herausforderung für Polizei,
Rettungskräfte und private Sicherheitsdienste.
Ziel des Projekts SiKomFan ist es, die Kommunikation
zwischen Fans, Sicherheitskräften, Vereinen sowie der
Bevölkerung zu verbessern und damit das Verständnis

Koordiniert wird das mit insgesamt 3,5
Mio. Euro geförderte Vorhaben (Laufzeit:
2013–2016) von der Deutschen Hochschule der Polizei, die mit Partnern aus
Forschung und Industrie an Lösungsvorschlägen zur
Vermeidung von Konflikten arbeitet. Durch die Kooperation mit Fanvereinen und beispielsweise dem
Deutschen Fußball-Bund fließt die Fanperspektive in
die Erarbeitung von Maßnahmen zur Erhöhung der
Sicherheit ein.
Die Forschungsergebnisse werden die Strategien des
Sicherheitspersonals zum richtigen Umgang mit Fans
verbessern und dazu beizutragen besonders konfliktträchtige Situationen an der Schnittstelle zwischen Fans
und Sicherheitsakteuren zu vermeiden.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Herausforderungen der zivilen Sicherheit. Die Themen
des Rahmenprogramms lassen sich in fünf Säulen
unterteilen:
∙∙
∙∙
∙∙
∙∙
∙∙

Schutz und Rettung von Menschen
Schutz kritischer Infrastrukturen
Schutz vor Kriminalität und Terrorismus
Gesellschaft und Wirtschaft
Sonstige Querschnittsthemen und -aktivitäten

Das Rahmenprogramm verfolgt einen szenarienorientierten Ansatz. Das heißt, Anforderungen von
Anwendern, wie Polizei, Rettungskräften und Infrastrukturbetreibern, werden frühzeitig in die Forschung einbezogen. Realitätsnahe Szenarien bilden die
Grundlage dafür, dass Technik-, Natur-, Geistes- und
Sozialwissenschaften gemeinsam mit Behörden und
Unternehmen an praxisorientierten Lösungen arbeiten und dabei gesellschaftliche Aspekte der Sicherheit
berücksichtigen.
Im Fokus der Programmlinie Internationale Kooperation stehen Sicherheitslösungen, die gemeinsame
Herausforderungen von Staaten adressieren. Ziel der
Zusammenarbeit ist es, auf Basis gemeinsamer Stärken
in Forschung und Technologie, innovative und auch
auf künftige Standards zielende Lösungen für die zivile
Sicherheit weltweit zu entwickeln. Bisher bestehen bilaterale Regierungsabkommen mit Frankreich, Indien,
Israel, Österreich sowie den USA.
Kleine und mittlere Unternehmen erhalten über die
Fördermaßnahme KMU-innovativ: Zivile Sicherheitsforschung gezielten Zugang zur fachspezifischen Förderung des Forschungsrahmenprogramms (siehe auch
III 3.1 Innovativer Mittelstand).
Forschung für die zivile Sicherheit ist kein reines Technologieprogramm. Es setzt vielmehr auch auf innovative organisatorische Konzepte und Handlungsstrategien
zur Prävention von Schadensereignissen und zur Krisenbewältigung (siehe auch Infobox SiKomFan). Dazu
werden alle Akteure der Innovationskette, wie etwa
Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie Betreiber von Infrastrukturen einbezogen.
Das BMBF unterstützt die Vernetzung der Akteure in
der zivilen Sicherheitsforschung in Deutschland unter
anderem durch die interaktive Forschungslandkarte
SecurityResearchMap.

177

Zur Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzes
betreibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und
Katastrophenhilfe (BBK) für das BMI Ressortforschung.
Die wissenschaftlichen und technischen Fragestellungen ergeben sich aus der täglichen Arbeit der Behörden
sowie der operativ tätigen Organisationen und sind
somit immer anwendungs- und lösungsorientiert.
Dabei findet eine enge Abstimmung mit den Ländern
statt und eine Verzahnung mit dem Rahmenprogramm
Forschung für die zivile Sicherheit ist durch die Ressortabstimmung gewährleistet.
Derzeit werden Forschungsvorhaben in folgenden
Schwerpunkten gefördert:
∙∙ Schutz vor chemischen, biologischen, radioaktiven
und nuklearen Gefahren (CBRN)
∙∙ Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS)
∙∙ Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV)
∙∙ Gesundheitlicher Bevölkerungsschutz und
∙∙ Kulturgutschutz
Daneben werden Projekte gefördert, die sich mit Fragen der Weiterentwicklung des Krisen- und Risikomanagements, der Krisen- und Risikokommunikation,
der Ausbildung im Bevölkerungsschutz sowie der
Selbsthilfe und des Selbstschutzes beschäftigen. Für die
Zivilschutzforschung stehen jährlich etwa 2 Mio. Euro
zur Verfügung.

Weitere Informationen im Internet:

Mehr Sicherheit im Fußball – Verbesserung der
Kommunikationsstrukturen und Optimierung des
Fandialogs: www.sikomfan.de
Sicherheitsforschung – Forschung für die zivile
Sicherheit: www.sifo.de
SecurityResearchMap:
www.securityresearchmap.de
BBK: www.bbk.bund.de/DE/AufgabenundAusstattung/ForschungundEntwicklung/forschungundentwicklung_node.html

178 	

IT-Sicherheit
Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sind
ebenso wie Wirtschaft und staatliche Einrichtungen
als Teil einer zunehmend vernetzten Welt auf das
verlässliche Funktionieren der Informations- und
Kommunikationstechnik angewiesen. Mit dem Grad
der Digitalisierung nehmen jedoch auch die Anforderungen an die Sicherheit, Vertrauenswürdigkeit sowie
Zuverlässigkeit digitaler Infrastrukturen und Dienstleistungen zu. IT-Sicherheit ist mittlerweile zu einem
zentralen Element für Innovation und Wachstum
in Deutschland geworden. Daher hat das BMBF den
weiteren Ausbau der Kompetenzen in Forschung und
Entwicklung für zukunftssichere vertrauenswürdiger
IT-Sicherheitslösungen zu einem Schwerpunkt der
Förderung gemacht.
Das Forschungsrahmenprogramm der Bundesregierung für IT-Sicherheit Selbstbestimmt und sicher in der
digitalen Welt 2015–2020 bündelt erstmals ressortübergreifend die Aktivitäten zur IT-Sicherheitsforschung. Der Schutz der Bürgerinnen und Bürger ist
dabei von besonderem Interesse – und dazu gehört
auch der Schutz von kritischen Infrastrukturen wie
Wasser- und Energieversorgung. Das Programm
wurde im März 2015 vom BMBF mit einem Gesamtfördervolumen von rund 180 Mio. Euro und einer
Laufzeit bis 2020 vorgelegt. Mit den Forschungsthemen werden wesentliche Querschnittsthemen der
Digitalen Agenda 2014–2017 aufgegriffen (siehe auch
III 1.1 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien). Es
konzentriert sich auf die Schwerpunkte Neue Technologien, Sichere und vertrauenswürdige Informationsund Kommunikationssysteme, Anwendungsfelder der
IT-Sicherheit sowie Privatheit und Schutz von Daten
und stärkt dabei auch internationale Kooperationen
(siehe auch Infobox SASER).
Die drei BMBF-geförderten Kompetenzzentren für
IT-Sicherheit fokussieren sich thematisch und organisatorisch auf die wichtigsten Herausforderungen auf
dem Gebiet der IT-Sicherheit. Sie sind als regionale
Schwerpunkte angelegt, die vor Ort die Kompetenzen
zu Fragen der IT-Sicherheitsforschung bündeln und
dabei interdisziplinär arbeiten. Die seit 2011 bestehenden Kompetenzzentren an den Hochschulstandorten Darmstadt, Karlsruhe und Saarbrücken befassen

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

sich u. a. mit Methoden wie Secrutity by Design,
Modellierung und Nachweis von Systemsicherheit,
sichere Hardwarekomponenten und Sicherheit der
Privatsphäre. Sie erarbeiten wichtige Grundlagen für
spätere Anwendungen und greifen aktuelle Forschungsthemen flexibel auf. In Darmstadt besteht seit
2015 das größte europäische Kompetenzzentrum für
IT-Sicherheitsforschung in Europa – das Center for
Research in Security and Privacy (CRISP). Die Bundesregierung und das Land Hessen haben hierfür die zwei
bisherigen Darmstädter Zentren zusammengeführt.
Das CRISP wird seinen Forschungsschwerpunkt auf
„Security at Large“ legen und somit neue Methoden
und Lösungsansätze für die IT-Sicherheit und den
Schutz der Privatsphäre in großen komplexen und

SASER – Safe and
Secure European
Routing
Jeden Tag werden weltweit riesige Datenmengen
über elektrische und optische Leitungen übertragen. Dabei verlagert sich die Kommunikation
zunehmend in das Internet. Selbst normale
Telefongespräche werden schon zu 30 % mittels
„Voice over IP – VoIP“ über das Internet geführt.
Die aktuellen Nachrichten über umfassende
Internetspionage haben gezeigt, dass diese
Gespräche umfassend abgehört werden. Das 2014
initiierte europäische EUREKA-Forschungsprojekt
Safe and Secure European Routing (SASER) soll
technologische Souveränität zurückgewinnen
und es trägt dazu bei, europäische Netze gegen
unbefugten Zugriff, Spionage und Angriffe zu sichern. Um den
Datenverkehr im Internet sicherer zu machen, soll das Routing
nicht wie bisher elektrisch, sondern weitestgehend mit optischen Technologien realisiert werden und so die sicherheitsanfällige und kostenintensive Umwandlung und Verarbeitung
der elektrischen Signale unnötig machen. Zusätzlich wird das
Abhören durch die reine Verwendung optischer Übertragungsmedien wie Glasfasern erschwert. Ziel des Projekts SASER ist
es, bis 2020 die unsicheren elektronischen IP-Router durch

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

vernetzten Systemen entwickeln. Das BMBF fördert
CRISP in den kommenden vier Jahren mit rund 17
Mio. Euro, das Land Hessen wird bis 2018 zusätzlich
knapp 9 Mio. Euro investieren. Ebenfalls für vier Jahre
werden die Kompetenzzentren CISPA in Saarbrücken
mit rund 16 Mio. Euro und KASTEL in Karlsruhe mit
rund 8 Mio. Euro gefördert.
Um vernetzte Industrieanlagen effektiver vor Cyberangriffen und Spionage zu schützen, wurde 2015 gemeinsam mit der Wirtschaft ein Nationales Referenzprojekt
zur IT-Sicherheit in der Industrie 4.0 ins Leben gerufen.
Sieben Forschungseinrichtungen und Universitäten
forschen gemeinsam mit 14 Unternehmen der deutschen Industrie daran, Angriffspunkte für Hacker und

179

Spione zu minimieren. Dies geschieht konkret anhand
von Anwendungsschwerpunkten und Demonstratoren.
Ziel sind neue Methoden, mit denen sichere Prozesse,
sichere Daten und sichere Dienste bei sicherer Vernetzung realisiert werden können (siehe auch III 1.1
Digitalisierung, Schlüsseltechnologien).

Weitere Informationen im Internet:

Forschungsrahmenprogramm Selbstbestimmt
und sicher in der digitalen Welt:
www.bmbf.de /de/73.php
Kompetenz- und Forschungszentren für IT-Sicherheit: www.kompetenz-it-sicherheit.de
EUREKA Projekt SASER:
www.celticplus.eu/project-saser

Wehrwissenschaftliche Forschung

neue integrierte opto-elektronische Knoten zu ersetzen. Für
das Projekt haben sich 34 Partner in Deutschland und weitere 29 Projektpartner in Frankreich, Finnland, Dänemark
und Großbritannien zusammengetan. Führende europäische
Systemhersteller, Netzbetreiber, KMU sowie Universitäten und
Forschungseinrichtungen forschen gemeinsam für ein sicheres,
robustes und zuverlässiges Netz. Das Projektvolumen beträgt
80 Mio. Euro europaweit, davon 59 Mio. Euro in Deutschland,
mit maßgeblicher Unterstützung durch das BMBF.

Die deutschen Streitkräfte sind ein integraler Bestandteil der Außen- und Sicherheitspolitik Deutschlands.
Die Bundeswehr muss über ein breites und flexibles militärisches Fähigkeitsspektrum verfügen. Das
geforderte, breite Fähigkeitsspektrum der Bundeswehr
verlangt von der wehrwissenschaftlichen Forschung
in ihrer Gesamtheit vor allem den Erhalt einer umfassenden Analyse- und Bewertungsfähigkeit über alle
wehrwissenschaftlich relevanten Forschungsbereiche
sowie das frühzeitige Erkennen und Aufgreifen neuer
wehrwissenschaftlicher Entwicklungen und Trends in
Forschungsvorhaben zur Vorbereitung ministerieller
Entscheidungen.
Die wehrwissenschaftliche Forschung schafft bereits
zu einem frühen Zeitpunkt die erforderlichen Grundlagen, um den Bedarf der Bundeswehr an militärischen Fähigkeiten zu decken. Wehrwissenschaftliche
Forschung sichert auch die internationale Kooperationsfähigkeit Deutschlands im Verteidigungsbereich
durch einen geeigneten Ausbau bi- und multilateraler

180 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

(ab 2016) sollen die
entsprechenden Fähigkeiten gebündelt und
die wissenschaftliche
Leistungsfähigkeit
verbessert werden. Der
psychologische Dienst
der Bundeswehr fördert
die Entwicklung neuer
Analyse- und Interventionsmethoden insbesondere der Prävention und
führt die Evaluation der
angewandten psychologischen Methoden und
Verfahren durch.

Forschungskooperationen, insbesondere im europäischen Rahmen der European Defence Agency (EDA)
und im transatlantischen Kontext der North Atlantic
Treaty Organization (NATO).
Der 2015 veröffentlichte Ressortforschungsplan des
BMVg gibt die inhaltliche Ausrichtung der Forschung
des BMVg für 2015 und die Folgejahre in den Forschungsbereichen Wehrmedizin und Wehrpsychologie,
Wehrtechnik, Sozialwissenschaften und Militärgeschichte sowie Geowissenschaften vor (siehe auch EB
II Organisationen und Einrichtungen in Forschung
und Wissenschaft). Im Jahresbericht des Bundesministeriums der Verteidigung zur wehrwissenschaftlichen
Forschung werden ausgewählte Forschungsvorhaben
der fünf Forschungsbereiche des Ressorts der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Wehrmedizinische und wehrpsychologische Forschung: Die in eigenen Einrichtungen durchgeführte
oder durch das BMVg gesondert finanzierte Wehrmedizinische Forschung und Entwicklung ist ein
anwendungsbezogener, fortdauernder Prozess zum
Erkennen und Schließen von Fähigkeitslücken in der
sanitätsdienstlichen Versorgung der Bundeswehr. Mit
der begonnenen Neustrukturierung der präventivmedizinisch orientierten Forschung und Beratung in
einem Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr

Wehrtechnische Forschung: Die wehrtechnische Forschung und
Technologie (FuT) wird
durch ressorteigene Forschung in drei wehrtechnischen Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben und
durch auftragsfinanzierte Forschung durch Dritte geleistet. Durch eine intensive Beobachtung und Erschließung aller für wehrtechnische Anwendungen relevanten natur- und ingenieurwissenschaftlichen Felder
durch die Wehrtechnische FuT wird die Bundeswehr
in die Lage versetzt, technologische Entwicklungen
hinsichtlich ihrer zukünftigen militärischen Verwendbarkeit bzw. ihres Bedrohungspotenzials zu beurteilen.
Die Ergebnisse der wehrtechnischen FuT-Aktivitäten
sollen die für Ausrüstungsentscheidungen erforderliche Analyse- und Bewertungsfähigkeit sichern, neue
innovative Technologien für die Weiterentwicklung
der Fähigkeiten der Bundeswehr identifizieren, dafür
neue Lösungen anbieten und Zukunftstechnologien
zeitgerecht bis zur Produktnähe vorantreiben. Mit der
Einrichtung eines Dezernats Militärpsychologische
Forschung am Streitkräfteamt und seinem weiteren
Ausbau sollen die wehrpsychologischen Forschungsaktivitäten verstärkt und deren Qualität gesichert werden.
Sozialwissenschaftliche Forschung: Ihr Schwerpunkt
liegt auf problemorientierter sozialwissenschaftlicher
Auftragsforschung mit überwiegend empirischer Ausrichtung und zugehöriger Grundlagenforschung. Die
sozialwissenschaftliche Forschung im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundes-

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

wehr (ZMSBw) stellt dem Ressort und der Bundeswehr
wissenschaftliche Erkenntnisse über den Funktionswandel von Streitkräften im nationalen und multinationalen Kontext, zur inneren Lage der Streitkräfte, zum
Verhältnis von Streitkräften und Gesellschaft sowie
zu relevanten soziokulturellen Entwicklungen in der
Gesellschaft zur Verfügung. Sie unterstützt damit den
Transformationsprozess der Bundeswehr und trägt zur
Verbesserung ihrer Einsatzfähigkeit bei.
Militärgeschichtliche Forschung: Kernauftrag ist es,
die deutsche Militärgeschichte mit ihren internationalen Bezügen zu erforschen und die Ergebnisse für
die historische Bildung in der Bundeswehr und den
Diskurs in Wissenschaft und interessierter Öffentlichkeit nutzbar zu machen. Das ZMSBw erforscht die
Militärgeschichte als integralen Bestandteil der allgemeinen Geschichtswissenschaft nach deren Methoden
und Standards. Dabei werden Wechselbeziehungen
zwischen Militär, Staat, Politik, Gesellschaft, Kultur,
Wirtschaft, Wissenschaft und Technik im globalen
Kontext berücksichtigt. Dies erfolgt in Kooperation mit
der Professur für Militärgeschichte an der Universität
Potsdam und der Beteiligung des ZMSBw am Masterstudiengang Military Studies.
Geowissenschaftliche Forschung: Der Ressortforschungsbereich bearbeitet die Themen und Fragestellungen, die für die aktuelle, mittelfristige und langfristige Sicherstellung der Geoinformationsunterstützung
als militärischer Kernfähigkeit erforderlich sind. Es gilt,
relevante Geofaktoren und Umwelteinflüsse immer
und überall erkennen zu können, deren Auswirkungen auf Operationsführung und Taktik zu beurteilen,
aktuelle und qualitätsgesicherte gering- und hochdynamische Geoinformationen für Übung, Einsatzvorbereitung und Einsatz weltweit und flächendeckend
bereitzustellen und Einsatzkräfte geowissenschaftlich
zu beraten. Die geowissenschaftliche Fachexpertise für
die Streitkräfte und für das BMVg wird im Zentrum
für Geoinformationswesen der Bundeswehr (ZGeoBw)
vorgehalten.

181

Weitere Informationen im Internet:

Ressortforschungsplan des BMVg für 2016 und
die Folgejahre sowie Jahresbericht des Bundesministeriums der Verteidigung zur wehrwissenschaftlichen Forschung:
www.bmvg.de > Ministerium > Aufbau und Funktion > Die Abteilungen > Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung

182 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

1.7	 Naturwissenschaftliche Grundlagenforschung
Aufgabe der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung ist es, Erkenntnisse über die Struktur der Materie und
die Zusammenhänge in der Natur zu gewinnen. Die Grundlagenforschung hat somit einen großen Einfluss darauf, wie
sich unsere Gesellschaft entwickelt. Mit den Großprojekten von heute bereiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Fundament für die Innovationen von morgen.

Naturwissenschaftliche Grundlagenforschung besitzt
damit einen hohen gesellschaftlichen Wert. Durch Experimentieren und Erforschen lassen sich die Grenzen
der menschlichen Erkenntnis in unbekannte Gebiete
erweitern. Doch Grundlagenforschung dient weit mehr
als nur dem reinen Erkenntnisgewinn. Rund um ihre
Großgeräte entstehen regelmäßig technische Innovationen.
Exzellente Forschungsinfrastrukturen und Großgeräte
sind von herausragender Bedeutung für eine weltweit
führende Forschungslandschaft. Die Bundesregierung
unterstützt die naturwissenschaftliche Grundlagenforschung und deren Forschungsinfrastrukturen strategisch und langfristig orientiert durch den Nationalen
Roadmap-Prozess für Forschungsinfrastrukturen und
die Verbundforschung.

Angesichts langjähriger Planungs- und Aufbauphasen
sowie erheblicher Investitions- und Betriebskosten
werden im Roadmap-Prozess Konzepte für Forschungsinfrastrukturen in einem transparenten Verfahren
bewertet, und es wird eine forschungspolitische Priorisierung vorgenommen
Durch die Verbundforschung gestalten exzellente Forscherinnen und Forscher aus deutschen Universitäten
die wissenschaftliche Beteiligung an den weltweit
führenden Großgeräten, wie z. B. dem Large Hadron
Collider (LHC) am CERN in der Schweiz und dem
neuen Röntgenlaser European XFEL in der Nähe von
Hamburg, der 2017 den Betrieb aufnehmen wird. Die
gezielte Projektförderung erlaubt es insbesondere
jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern,
innovative Experimente und Apparaturen für die
Großgeräte zu entwickeln.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Deutschlands Wirtschaftsleistung basiert
wesentlich auf Wissen, Technologien
und Innovationen. Diese Fähigkeiten von
Generation zu Generation zu erweitern
ist ein Ziel der Grundlagenforschung.
Jede neue Wissenschaftlergeneration
baut auf den Erkenntnissen der Vorjahre
und vorherigen Jahrzehnte auf. Mit dem Erlangen neuer
Erkenntnisse verschieben sich die Grenzen des technisch
Machbaren und bildet sich ein Nährboden für technologische Neuerungen.
Zum einen sind dies technische Innovationen, die
durch den Bedarf für Bau und Betrieb wissenschaftlicher Großgeräte getrieben werden. Dies können so
verschiedene Dinge sein wie hydraulische Dämpfungen
für den Transport hochempfindlicher Teleskope oder
adaptive Optiken, die zunächst an Sternwarten zum
Einsatz kamen und nun auch in Mikroskopen für eine
bessere Auflösung sorgen. Zum anderen werden bei
der wissenschaftlichen Arbeit an den Großforschungseinrichtungen neue Verfahren und Geräte entwickelt,
die sich inzwischen auch in vielen anderen Bereichen
bewähren. So lässt sich beispielsweise eine Reihe
von Innovationen in der Medizin finden. Doch auch
andere Gebiete profitieren von den Ergebnissen der
Grundlagenforschung, etwa wenn alte Gemälde oder
Handschriften mit Synchrotronstrahlen durchleuchtet

183

Innovationsmotor
Grundlagenforschung
werden oder Stromrichter durch Neutronenbestrahlung
an die Anforderungen der modernen Energieversorgung
durch regenerative Quellen angepasst werden.
Zwar sind die einzelnen Innovationen nicht im Detail
planbar. Dass es sie jedoch gibt, ist eine durch die
Grundlagenforschung getriebene Leistung, die unseren
Alltag modernisiert und erleichtert. Die Grundlagenforschung ist langfristig und sogar generationenübergreifend ausgelegt: Die Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler von heute bereiten mit den Ideen und
Plänen für neue Großprojekte das Fundament für die
Arbeitsplätze der nächsten Generation hoch motivierter,
talentierter Forscherinnen und Forscher sowie Ingenieurinnen und Ingenieure. Durch die internationale
Zusammenarbeit leistet die Grundlagenforschung darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung. Investitionen in die Grundlagenforschung sind
daher auch immer Investitionen in die Innovationen
von morgen – selbst wenn sich diese heute noch nicht
einmal erahnen lassen.

184 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Forschungsbauten an Hochschulen
einschließlich Großgeräten
Für eine international wettbewerbsfähige Forschung
sind oftmals enorme Investitionen in geeignete Forschungsinfrastrukturen notwendig, die an Hochschulen
nicht aus der institutionellen Grundfinanzierung heraus
geleistet werden können. Bund und Länder fördern
daher seit Mai 2007 als Gemeinschaftsaufgabe nach Art.
91b Abs. 1 GG die Realisierung von großen Forschungsinvestitionsvorhaben an Hochschulen, die sich durch
herausragende wissenschaftliche Qualität und nationale
Bedeutung auszeichnen. Dadurch sollen die investiven
Voraussetzungen der deutschen Hochschulen für eine
erfolgreiche Teilnahme am nationalen und internationalen Wettbewerb in der Forschung verbessert werden.
Die Anträge für Forschungsbauten werden durch den
Wissenschaftsrat auf ihre Qualität überprüft. Auf Grundlage seiner Empfehlungen entscheidet die Gemeinsame
Wissenschaftskonferenz (GWK) über die Förderung.
Alle beantragten Großgeräte werden nach den Qualitätskriterien der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) von ihr begutachtet; über Großgeräte bis 5 Mio.
Euro entscheidet die DFG abschließend. Der Bund und
das Land, das einen Forschungsbau oder ein Großgerät
plant und durchführt, beteiligen sich je zur Hälfte an
der Finanzierung (siehe auch IV Die Zusammenarbeit
zwischen Bund und Ländern).
Der Bund stellt für die Förderung von Forschungsbauten und Großgeräten an Hochschulen jährlich
298 Mio. Euro bereit. Davon entfallen auf Forschungsbauten an Hochschulen 213 Mio. Euro und auf Großgeräte an Hochschulen 85 Mio. Euro. Seit Beginn der
Förderung haben Bund und Länder gemeinsam

Weitere Informationen im Internet:

Deutsche Forschungsgemeinschaft: www.dfg.de
Wissenschaftsrat: www.wissenschaftsrat.de
Gemeinsame Wissenschaftskonferenz:
www.gwk-bonn.de

122 Forschungsbauten mit einem Gesamtvolumen
von rund 3,5 Mrd. Euro (Bundesanteil 1,75 Mrd. Euro)
in die Förderung aufgenommen. Im gleichen Zeitraum wurde die Beschaffung von Großgeräten an
Hochschulen über die DFG mit Bundesmitteln von
rund 652 Mio. Euro gefördert.

Nationaler Roadmap-Prozess
für Forschungsinfrastrukturen
Zu den Forschungsinfrastrukturen zählen umfangreiche
Instrumente, Ressourcen und Serviceeinrichtungen für
die Forschung in allen Wissenschaftsgebieten, die sich
durch eine mindestens nationale Bedeutung für das
jeweilige Wissenschaftsgebiet auszeichnen. Sie können
ortsgebunden, verteilt oder virtuell sein, und ihre Lebensdauer ist auf mindestens zehn Jahre ausgelegt. Forschungsinfrastrukturen schließen somit sowohl Großgeräte wie Teilchenbeschleuniger, Satelliten, Teleskope
und Forschungsschiffe als auch Dateninfrastrukturen,
Sammlungen, Archive und andere Wissensressourcen
ein.
Im Jahr 2015 wurde ein Nationaler Roadmap-Prozess
für Forschungsinfrastrukturen als strategisches Instrument zur Vorbereitung forschungspolitischer Entscheidungen über künftige Forschungsinfrastrukturen
etabliert. Im Rahmen des Roadmap-Prozesses wird der
deutschen Wissenschaftsgemeinschaft Gelegenheit
gegeben, sich mit ihren Ideen zu neuen komplexen
Forschungsinfrastrukturen mit Investitionskosten von
mindestens 50 Mio. Euro (bzw. 20 Mio. Euro in den
Geistes- und Sozialwissenschaften) an dem Verfahren
zu beteiligen. Die bis Mitte Januar 2016 eingereichten
Konzepte durchlaufen einen anspruchsvollen und
transparenten Begutachtungsprozess mit den Kernelementen einer wissenschaftsgeleiteten und einer
wirtschaftlichen Bewertung.
Als Ergebnis wird bis 2018 mit der Aufnahme ausgewählter Projekte eine aktuelle Nationale Roadmap
Forschungsinfrastrukturen entstehen. Sie wird zu
einer noch besseren strategischen Ausrichtung von
Forschung und Forschungsförderung beitragen und
darüber hinaus weitere Vereinbarungen und Vernetzungen mit nationalen und internationalen Partnern
ermöglichen.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

185

Teilchenbeschleunigung mit
Rekordenergie

Peter Higgs, Begründer des Higgs-Mechanismus, vor dem Teilchenbeschleuniger im CERN

Nach dreijähriger Wartungsphase hat der weltgrößte
Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) am
Europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf
im Mai 2015 eine neue Testphase begonnen. Mit einer
Rekordenergie von 13 Teraelektronenvolt werden Protonen – positiv geladene Teilchen von Atomkernen – in
einem 27 Kilometer langen Ringtunnel auf Kollisionskurs
gebracht. Bei diesem Zusammenstoß entstehen aus den
Protonen zahlreiche subatomare Bausteine, die mit dreidimensionalen Digitalkameras zur Messung von Elementarteilchen genau vermessen werden. Aus den Spuren der
Kollisionsprodukte können die Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler Aussagen über den innersten Aufbau der
Materie treffen.
Mit der neuen Rekordenergie wird physikalisches
Neuland betreten. Mit solch hoher Energie sind noch in
keinem Beschleunigerlabor Protonen kollidiert. Damit

Hierzu zählt insbesondere das Europäische Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen (European Strategy
Forum on Research Infrastructures, ESFRI), in dem
seit 2002 europaweite Aktivitäten auf dem Gebiet der
Forschungsinfrastrukturen und Großgeräte koordiniert
und in einer ESFRI Roadmap gebündelt werden. In ei-

beginnt die Suche nach der neuen Physik, also nach
physikalischen Erkenntnissen, die über das bekannte
Standardmodell der Elementarteilchen hinausgehen.
Mit dem LHC wurden in der ersten Betriebsphase bis
2013 alle Bausteine des Standardmodells der Teilchenphysik bestätigt und das lange gesuchte Higgs-Teilchen
entdeckt. Peter Higgs und François Englert erhielten
für diese Entdeckung im Jahr 2013 den Nobelpreis für
Physik.
Das BMBF finanziert rund 20 % des Gesamthaushalts
des CERN – 182 Mio. Euro pro Jahr. Zusätzlich fördert
das BMBF über die Verbundforschung den Bau und die
Entwicklung der Detektorkomponenten der Experimente
am LHC. In der laufenden Förderperiode werden dafür
pro Jahr rund 20 Mio. Euro für Universitätsgruppen zur
Verfügung gestellt.

nem 2015 europaweit durchgeführten Verfahren wurde
mit der Aktualisierung der ESFRI Roadmap 2016 der
künftige Bedarf an paneuropäischen Forschungsinfrastrukturen eruiert, und es wurden Wege zur Implementierung binnen zehn Jahren aufgezeigt.

186 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Weitere Informationen im Internet:

Nationaler Roadmap-Prozess für Forschungsinfrastrukturen: www.bmbf.de/de/22519.php
Naturwissenschaften: Grundwissen für Technik,
Innovation und Forschung: www.bmbf.de/de/
naturwissenschaften-grundwissen-fuer-technikinnovation-und-forschung-151.html

Zu den vom BMBF geförderten Großgeräten der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung gehören:
•	 Großteleskope und Teilchendetektoren für den Blick
ins Weltall,
•	 Teilchenbeschleuniger mit Kollisionsexperimenten
für die Suche nach den kleinsten Bausteinen (siehe
auch Infobox Teilchenbeschleunigung mit Rekordenergie)

ESFRI: ec.europa.eu/research/infrastructures/
index_en.cfm?pg=esfri
CERN: home.web.cern.ch

Forschung an Großgeräten
Großgeräte der naturwissenschaftlichen Forschung
sind komplex, kostenintensiv, von überregionaler,
meist internationaler Bedeutung und häufig weltweit
einzigartig. Die Förderung ist langfristig angelegt, da
Planungszeiträume für den Bau häufig in Jahrzehnten
gemessen werden. Dabei werden die Entscheidungen
für Bau, Betrieb und Rückbau von Großgeräten der
Grundlagenforschung gemeinsam mit internationalen
– besonders europäischen – Partnern getroffen (siehe
auch V 2 Deutschlands Rolle in Europa und V 3 Weltweite Zusammenarbeit).
Das BMBF unterstützt den Bau und Betrieb leistungsfähiger naturwissenschaftlicher Forschungsinfrastrukturen in Deutschland und Europa durch die institutionelle Förderung der Helmholtz-Zentren DESY, KIT, FZJ,
HZG, HZDR und HZB und der gemeinsamen internationalen Forschungseinrichtungen CERN bei Genf,
ESO in Garching sowie ESRF und ILL in Grenoble. In
Deutschland werden die internationalen Großprojekte FAIR (Darmstadt) und European XFEL (Hamburg/
Schleswig-Holstein) realisiert (siehe auch V 3 Weltweite
Zusammenarbeit). In internationaler Zusammenarbeit
wird im südschwedischen Lund die europäische Spallationsquelle ESS entstehen. Mit der Cherenkov Teleskop
Anlage (CTA) entsteht eine weitere internationale Forschungsinfrastruktur mit deutscher Beteiligung.

2017 wird der European XFEL in der Metropolregion Hamburg in
Betrieb genommen. Er ermöglicht bislang unbekannte Einblicke in
die Struktur der Materie durch den Einsatz kurzwelligen Röntgenlichts mit sehr hoher Energie. Dadurch können Moleküle abgebildet
werden, die bisher für bildgebende Verfahren zu klein waren oder
sich nicht fixieren ließen. Außerdem können Moleküle in chemischen Reaktionen gefilmt werden.
Im European XFEL werden Elektronen auf sehr hohe Energien
beschleunigt und zur Aussendung von Röntgenlicht mit besonderen
Eigenschaften angeregt. Die Wellenlänge dieses Röntgenlichts ist
so klein, dass selbst atomare Details erkennbar werden. Sie kann
zwischen sechs und einem Zehntel Nanometer variiert werden.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

•	 Licht- und Teilchenquellen (Neutronen, Ionen) als
Nutzerplattform für die Materialforschung, Lebenswissenschaften und Energieforschung (siehe auch
Infobox European XFEL [X-ray free-electron laser] –
der europäische Röntgenlaser),
•	 Forschungsflotte für die Meeres- und Polarforschung (siehe auch III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima,
Energie).

European XFEL
(X-ray free-electron laser) –
der europäische Röntgenlaser

187

Deutschland verfügt speziell im Bereich Kernfusion
im internationalen Vergleich über ein herausragendes
wissenschaftliches Know-how. Mit Großgeräten wie
dem Tokamak ASDEX Upgrade und dem seit Mai 2014
in der Betriebsvorbereitung stehenden Stellarator Wendelstein 7-X (beide am IPP) sowie dem HochtemperaturHelium-Kreislauf (HELOKA) und der Testeinrichtung
für supraleitende Komponenten (TOSKA) (beide am KIT)
steht eine einmalige Infrastruktur für die Erforschung
der Kernfusion zur Verfügung (siehe auch III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima, Energie).
Das BMBF unterstützt die Gestaltung der Großgeräte
durch deutsche Hochschulen mit der Verbundforschung. Deren Ziel ist es, zum einen die überregionale
Zusammenarbeit von Hochschulgruppen im Verbund
mit den Großgeräten zu stärken und die qualifizierte
Nutzung der Großgeräte auch zukünftig durch die
Gewinnung wissenschaftlichen Nachwuchses sicherzustellen. Zum anderen sollen Innovationsprozesse
durch den Transfer von wissenschaftlich-technischen
Grundlagenergebnissen in die praktische Anwendung
forciert werden. Schließlich ermöglicht die Förderung
innovativer Ansätze und Fragestellungen, das Potenzial
neuer Großgeräte zu erkunden.
Verbundforschung erfolgte im Berichtszeitraum kontinuierlich für die Themen Elementarteilchenphysik,
Hadronen- und Kernphysik, Erdgebundene Astrophysik und Astroteilchenphysik und zur Erforschung
kondensierter Materie mit Photonen, Neutronen und
Ionen.

Damit werden die technologischen Grenzen enorm ausgeweitet
und neue Anwendungen und Erkenntnisse ermöglicht.
European XFEL ist ein im internationalen Verbund von 22 Nationen realisiertes Großprojekt. Die Baukosten für die erste Ausbaustufe der Anlage einschließlich sechs Messstationen belaufen sich
auf maximal 1,08 Mrd. Euro. Davon trägt Deutschland knapp
600 Mio. und Russland als größter ausländischer Partner 250 Mio.
Euro. Die übrigen Partnerländer steuern jeweils zwischen 4 und
40 Mio. Euro bei. Auch die beiden beteiligten deutschen Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein liefern mit 65 und
25 Mio. Euro und der Bereitstellung der benötigten Grundstücke
signifikante Beiträge.

Weitere Informationen im Internet:

Großgeräte: Labore für Deutschland, Europa
und die Welt:
www.bmbf.de/de/grossgeraete-labore-fuerdeutschland-europa-und-die-welt-906.html
European XFEL: www.xfel.eu

188 	

1.8	 Gesellschaft und Bildung
Kommende gesellschaftliche Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen erhöhen den Bedarf an Wissen über kulturelle, soziale und wirtschaftliche Strukturen und Entwicklungen. Zu diesem Zweck investiert die Bundesregierung in
Forschungsprojekte in den Bereichen Bildung, Geistes-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, zum demografischen
Wandel und zur Stärkung der Gleichstellungsstrukturen und fördert die Integration durch Bildung.

Bildung entscheidet maßgeblich über die Chancen
der Menschen, ihre individuellen Fähigkeiten zu
entfalten, ihre beruflichen Ziele zu verwirklichen
und an der Gesellschaft teilzuhaben. Im Sinne einer
zukunftsorientierten Bildungspolitik fördert die
Bundesregierung internationale Bildungsstudien und
die empirische Bildungsforschung. Außerdem unterstützt die Bundesregierung die kulturelle Bildung,
die Forschung an Museen und den Auf- und Ausbau
von Infrastrukturen im Bildungs- und Forschungsbereich und die Umsetzung von Inklusion im Sinne der
UN-Behindertenrechtskonvention. In der weiterführenden Bildung stehen Aktivitäten zum Übergang in
das Ausbildungssystem und deren Begleitforschung
im Mittelpunkt. Auch im Hochschulbereich engagiert
sich die Bundesregierung mit einer breiten Projektförderung, zum Beispiel mit der 2014 gestarteten
Qualitätsoffensive Lehrerbildung.

Mit Blick auf die demografischen Herausforderungen kann Forschung Beiträge zur Verbesserung der
Lebensqualität und gesellschaftlichen Teilhabe älterer
Menschen leisten. In der Forschungsagenda der Bundesregierung für den demografischen Wandel „Das Alter hat
Zukunft“ werden die Forschungsprogramme der Bundesressorts gebündelt und verstärkt auf die Herausforderungen des demografischen Wandels ausgerichtet.
An die Agenda schließt sich im Jahr 2015 das Forschungsprogramm Technik zum Menschen bringen an.
Mit diesem werden Innovationen der Mensch-TechnikInteraktion gefördert, die die weiteren gesellschaftlichen Herausforderungen adressieren (siehe auch III 1.1
Digitalisierung, Schlüsseltechnologien).
Die Bundesregierung fördert die Chancengerechtigkeit, um das Potenzial von Frauen in der Wissenschaft
besser auszuschöpfen, ihre Beteiligung an der EUForschung zu erhöhen sowie ihren Anteil in Spitzen-

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

189

funktionen des Wissenschaftsbereichs zu steigern. Das
Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder
trägt mit insgesamt 300 Mio. Euro zu einer Erhöhung
der Professorinnenanteile bei.

∙∙ ICILS – International Computer and Information
Literacy Study (IEA)
∙∙ PIAAC – Programme for the International Assessment
of Adult Competencies (OECD)

Sport ist als Spitzen-, Breiten- oder Freizeitsport für die
Gesellschaft von großer Bedeutung und wird gemeinsam von Bund und Ländern gefördert, wobei der Bund
grundsätzlich für die Förderung des Spitzensports zuständig ist. Für die gesellschaftliche Integration leisten
der Sport und die sportwissenschaftliche Forschung
einen wichtigen Beitrag.

Die internationalen Bildungsvergleichsstudien erfassen
die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern sowie von Erwachsenen in den Bereichen Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften sowie bei der Nutzung von
Computern. IGLU, TIMSS und PISA werden gemeinsam
vom BMBF und der Kultusministerkonferenz finanziert, ICILS und PIAAC alleinig vom Bund. Alle Studien
ermöglichen eine Standortbestimmung des deutschen
Bildungswesens und identifizieren seine Stärken und
Schwächen im internationalen Vergleich. Im Rahmen
des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) unterstützen Bund und Länder insbesondere auch Forschung und Nachwuchsförderung im
Bereich Educational Measurement. Das BMBF fördert
darüber hinaus weitere Forschungsprojekte, die an die
Bildungsberichtserstattung und die internationalen
Assessments anschließen. Hierzu gehört die Studie
PIAAC-L, die im Anschluss an PIAAC mit anderen
Datenerhebungen in Deutschland, nämlich dem
Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) und dem Nationalen
Bildungspanel (NEPS), verknüpft ist. Hierzu gehören

Bildungsmonitoring
Ziel des Bildungsmonitorings ist die Sicherung und
Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Bildungswesens
durch die Bereitstellung von evidenzbasiertem Wissen
für bildungsrelevante Entscheidungen und Maßnahmen
in allen Bereichen und auf allen Ebenen des Bildungssystems. Bund und Länder arbeiten hier im Rahmen der
Gemeinschaftsaufgabe nach Art. 91b Abs. 2 GG zusammen. Zu den wesentlichen Instrumenten des Bildungsmonitorings gehören der nationale Bildungsbericht und
internationale Bildungsvergleichsstudien.
Der von BMBF und Ländern gemeinsam geförderte Bildungsbericht wird von einer Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter Federführung des
Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische
Forschung (DIPF) erstellt (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft). Inhalte sind eine indikatorengestützte Analyse
und problemorientierte Darstellung der aktuellen Situation sowie zeitlicher Entwicklungen über alle Bereiche
des Bildungswesens hinweg. Der Bildungsbericht 2016
widmet sich im Schwerpunkt dem Thema Bildung und
Migration.

Weitere Informationen im Internet:

Bildungsbericht: www.bildungsbericht.de
TIMSS: www.ifs.tu-dortmund.de/cms/de/Forschung/AG-Bos/Laufende-Projekte/TIMSS-2015.
html
IGLU: www.ifs.tu-dortmund.de/cms/de/
Forschung/AG-Bos/Laufende-Projekte/IGLUPIRLS-2016.html

Zu den internationalen Vergleichsstudien gehören:

PISA: zib.education/pisa.html

∙∙ IGLU – Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung
(IEA)
∙∙ TIMSS – Trends in International Mathematics and
Science Study (IEA)
∙∙ PISA – Programme for International Student Assessment (OECD)

PIAAC: www.gesis.org/piaac
ICILS: kw1.uni-paderborn.de/institute-einrichtungen/institut-fuer-erziehungswissenschaft/
arbeitsbereiche/prof-dr-birgit-eickelmann/forschung/projekt-icils-2013/

190 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

neues Rahmenprogramm Bildungsforschung ist in
Vorbereitung. Das BMBF hat den Verbund Forschungsdaten Bildung installiert, welcher Daten der empirischen Bildungsforschung sichert und diese für weitere
Untersuchungen zur Verfügung stellt. Die Forschungsergebnisse werden der interessierten Öffentlichkeit in
der Tagungsreihe Bildungsforschung 2020 präsentiert
und mit Akteuren aus der Wissenschaft, Administration, Bildungspraxis und den Medien im Hinblick auf
ihre Praxisrelevanz diskutiert.

Forschungsprojekte, die Indikatoren identifizieren,
mit deren Hilfe nicht-monetäre Erträge von Bildung
ermittelt werden können. Diese sollen mittelfristig den
nationalen Bildungsbericht ergänzen, der seit 2006 alle
zwei Jahre erscheint.

Empirische Bildungsforschung
Bildung entscheidet maßgeblich
über die Chancen der Menschen,
ihre individuellen Fähigkeiten zu
entfalten, ihre beruflichen Ziele zu
verwirklichen und an der Gesellschaft teilzuhaben. Um diesen
Anforderungen gerecht zu werden,
müssen die Stärken und Schwächen
des Bildungssystems sichtbar gemacht werden, Entwicklungen sind
zu hinterfragen und auf der Grundlage dieser Erkenntnisse Weichen
zu stellen. Eine zentrale Rolle dabei
spielt die Bildungsforschung.
Das Rahmenprogramm zur Förderung der empirischen Bildungsforschung zielt darauf ab, Wissen
für Reformen des Bildungswesens
bereitzustellen und die empirische
Bildungsforschung strukturell zu
stärken. Die Forschungsförderung
fokussiert zum einen Themen, bei
denen ein besonderer gesellschaftlicher und politischer Bedarf an
wissenschaftlichen Erkenntnissen
besteht, wie zum Beispiel Sprachliche Bildung und Mehrsprachigkeit
(2012–2017). Zum anderen werden die inhaltliche Profilbildung
der Bildungsforschung sowie der
akademische Nachwuchs über
strukturelle Maßnahmen gestärkt.
Seit Beginn des Programms wurden insgesamt 360 Forschungsprojekte mit einem Volumen von
ca. 182 Mio. Euro gefördert. Ein

DÄneMARK
Abb iii-1: standorte der Biss-Verbünde
nach Bildungsetappen

Ostsee

kiel
SchleSWigholSTein

Nordsee
Jever

haMBurg

Bremershaven
BreMen

MecklenBurgVorpoMMern
Schwerin

oldenburg
Bremen
niederSachSen

nieDeRlAnDe

celle
osnabrück

SachSenanhalT

hannover

Bielefeld
Münster
gütersloh
Bottrop Bergkamen nordrheinWeSTFalen
duisburg
dortmund
essen
Wuppertal
düsseldorf
köln
heSSen

Polen
eberswalde

hildesheim

Berlin
potsdam
BrandenBurg

Magdeburg

Thüringen

halle
(Saale) leipzig

Schloßvippach
erfurt Bad Berka
arnstadt

dresden
SachSen

BelGien
rheinlandpFalZ

Wiesbaden
lichtenfels
Mainz

Wunsiedel

Tschechien

celle
Saarbrücken

Mannheim
Speyer

FRAnKReich

ludwigsburg

nürnberg
Bayern

Waiblingen
Schwäbisch gmünd
rastatt
Stuttgart
heidenheim
pilsting
Badenulm
neu-ulm
WürTTeMBerg
augsburg 6
Biberbach altenstadt
München
Waldkirch
Wasserburg
Memmingen
Weingarten

ÖsTeRReich

schWeiZ
Datenbasis: BiSS - Bildung durch Sprache und Schrift. Geobasisdaten © EuroGeographics bezüglich der Verwaltungsgrenzen.

Geoinformationen
© Vermessungsverwaltungen
Bundesländer und infas GEOdaten. © BMBF, Kartographische Darstellung: RISO, DLR Projektträger 2015
Abb.: III-1Standortkoordinaten:
BiSS – Bildung
durch
Sprache undderSchrift

Biss-Verbünde
nach Bildungsetappen

elementarbereich
primarstufe
Sekundarstufe i

n aggregierte darstellung von vier und
mehr BiSS-Verbünden

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Das bisher größte Projekt
des Rahmenprogramms
zur Förderung der
empirischen Bildungsforschung ist das Nationale
Bildungspanel (NEPS
– engl. National Educational Panel Study). Nach
einer Projektförderung
mit rund 80 Mio. Euro
im Zeitraum September 2009 bis Dezember
2013 wurde das NEPS
zum 1. Januar 2014 auf
Beschluss der GWK
zum Leibniz-Institut für
Bildungsverläufe e. V.
(LIfBi) ausgebaut. Seine
zentrale Zielsetzung
besteht darin, mehr
darüber zu erfahren,
wie sich die Aneignung
von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten
im Lebenslauf vollzieht und unterstützt werden
kann.
Seit 2013 gibt es die Bund-Länder-Initiative Bildung
durch Sprache und Schrift (BiSS) zur Verbesserung der
Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung. Diese schließt an Ergebnisse aus Forschungsschwerpunkten des Rahmenprogramms an und wird
vom BMBF, dem BMFSFJ, der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) getragen. Ziel der Initiative ist es,
die vielfältigen Maßnahmen zur sprachlichen Bildung
vom Beginn institutioneller Betreuung bis zum Ende
der Sekundarstufe I zu evaluieren und weiterzuentwickeln. Hierzu haben sich Kindertagesstätten und
Schulen deutschlandweit zu rund 100 Verbünden zusammengeschlossen (siehe auch Abb. BiSS – Bildung
durch Sprache und Schrift).
Seit 2005 fördert das BMBF, ab 2016 in der III. Phase die Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen
(StEG), mit der Datenmaterial zur Entwicklung und
Angebotsqualität sowie zu den Wirkungen von
Ganztagsschulen erhoben wird. Im Jahr 2015 wurde
die zweite repräsentative bundesweite Schulleitungsbefragung zum Stand der Ganztagsschulentwicklung

191

abgeschlossen. Zentrale Erkenntnisse der Studie aus
der zweiten Förderphase sollen im Frühjahr 2016 mit
einer Ergebnisbroschüre vorgestellt werden.
Das BMBF unterstützt die Bildung in der frühen
Kindheit durch die Förderung von Bildungsforschungs- und Reformprojekten zur Optimierung der
frühpädagogischen Ausbildungsstrukturen. In der
Weiterbildungsinitiative Frühpädagogischer Fachkräfte (WIFF) fördern das BMBF und die Robert Bosch
Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen
Jugendinstitut e. V. derzeit in der dritten Förderphase
einen bundesweiten und trägerübergreifenden Qualitätsentwicklungsprozess. Neben der Vernetzung der
Akteure im frühpädagogischen Arbeitsfeld, stehen
Formate der Qualitätssicherung, die Anerkennung und
Anschlussfähigkeit von Aus-, Fort- und Weiterbildung
sowie ein transparentes Aus- und Weiterbildungssystem im Fokus. Die Forschungsförderrichtlinie fokussiert auf die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Im Schwerpunkt „Teilhabe“ sollen vor allem die
pädagogischen Handlungsmöglichkeiten erforscht und
beschrieben werden. WIFF ist am dreijährigen Inclusivepre-primary-education-Projekt der European Agency
for Special Needs and Inclusive Education beteiligt.
Europaweit soll es die Erfolgsfaktoren und Herausforderungen der Frühen Bildung in inklusiven Settings

192 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

identifizieren. Je zwei Expertinnen und Experten aus
den EU-Staaten, Schweden, Norwegen und der Schweiz
erarbeiten Länderreports, sichten die Forschungsliteratur und beschreiben Beispiele für eine gelungene
Umsetzung von Inklusion im Vorschulbereich in ihren
Ländern. Darüber hinaus fördert das BMBF Projekte,
in denen empirische Erkenntnisse über institutionelle
und personelle Voraussetzungen der frühen Bildung
gewonnen werden sollen. Der Themenschwerpunkt
besteht seit 2011 und wird 2016 mit einer neuen Förderbekanntmachung zur Qualität in der frühen Bildung
erweitert.

Weitere Informationen im Internet:

Rahmenprogramm zur Förderung der empirischen
Bildungsforschung:
www.empirische-bildungsforschung-bmbf.de
Nationales Bildungspanel: www.neps-data.de
Bildung durch Sprache und Schrift:
www.biss-sprachbildung.de
Projekt StEG: www.projekt.steg.de
Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische
Fachkräfte: www.weiterbildungsinitiative.de

Inklusive Bildung
Mit dem 2011 vom Bundeskabinett beschlossenen
Nationalen Aktionsplan (NAP) zur Umsetzung der UNBehindertenrechtskonvention (UN-BRK) wurde erstmals
eine behindertenpolitische Gesamtstrategie verabschiedet, die politikfeldübergreifend die Ziele und rund
250 Maßnahmen zur Umsetzung der Konvention auf
Bundesebene zusammenführt.
Aufbauend auf den Erkenntnissen der vom BMAS in
Auftrag gegebenen Evaluation des NAP aus dem Jahr
2014 und unter Berücksichtigung der Empfehlungen
des UN-Fachausschusses aus der 2015 abgeschlossenen

ersten Staatenprüfung Deutschlands zur UN-BRK wird
der NAP zur Zeit zum NAP 2.0 weiterentwickelt. Voraussichtlich 2016 soll der NAP 2.0 vom Bundeskabinett
beschlossen werden.
Die Impulse bzw. Handlungsaufträge aus der Evaluation des Aktionsplans und der Staatenprüfung spiegeln
sich auch in den im NAP 2.0 geplanten Maßnahmen
des Handlungsfelds Bildung wider. Das Handlungsfeld
Bildung, das sich insbesondere auf Art. 24 UN-BRK
bezieht, beinhaltet Maßnahmen im Bereich Schule,
Hochschule und Bildungsforschung. Schulen, Hochschulen und Einrichtungen der Weiterbildung sollen
alle Menschen von Anfang an in ihrer Einzigartigkeit
und mit ihren individuellen Bedürfnissen in den Blick
nehmen und fördern. In Bezug auf schulische Bildung
ist es das Ziel der Bundesregierung, das erforderliche
Wissen zur Verfügung zu stellen. Basierend auf der
Bund-Länder-Vereinbarung 2013 in der Gemeinsamen
Wissenschaftskonferenz (GWK) wollen Bund und Länder gemeinsam eine strukturelle und inhaltliche Verbesserung des gesamten Prozesses der Lehrerbildung,
insbesondere der inklusiven Lehrerbildung, bis in die
berufliche Einstiegsphase und Weiterbildung erreichen.
Förderziel ist insbesondere die Fortentwicklung der
Lehrerbildung in Bezug auf die Anforderungen der
Heterogenität und Inklusion sowie die Durchlässigkeit
und Offenheit aller Bildungswege, die Gestaltung pädagogischer Ganztagsangebote und der Einsatz neuer
Medien. Zugleich soll die Mobilität von Studierenden
und Lehrkräften verbindlich gewährleistet werden.
Des Weiteren wird die Bundesregierung mit verschiedenen Programmen die Teilhabeforschung in Deutschland stärker implementieren und die Verbesserung
der Datenlage zum Thema Studium mit Behinderung
unterstützen, damit die Akteure (insbesondere die Länder, Hochschulen und Studentenwerke) im Themenfeld
„Studium und Behinderung“ Handlungsfelder besser
identifizieren und Maßnahmen zielgerichtet realisieren
können.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Kulturelle Bildung
Kulturelle Bildung trägt neben der Vermittlung
künstlerisch-kreativer Kompetenzen wesentlich zur
Persönlichkeitsentwicklung bei. Kulturelle Bildungsprozesse, als wichtiger Teil des lebenslangen Lernens,
finden gleichermaßen in formalen, informellen und
non-formalen Bildungskontexten statt.
Kulturelle Jugendbildung hat das Ziel, positive Lebensbedingungen für Kinder und Jugendliche und
eine „Kultur des Aufwachsens“ mitzugestalten und zu
sichern. Mit dem Programm Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung werden außerschulische Maßnahmen
der kulturellen Bildung unterstützt, die von lokalen
Bündnissen für Bildung getragen werden und sich an
bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche richten.
Bisher wurden über 10.000 Maßnahmen durch rund
4.300 lokale Bündnisse für Bildung angeboten. Für das
Programm stellt das BMBF von 2013 bis 2017 insgesamt bis zu 230 Mio. Euro zur Verfügung.
Viele Fragen zur kulturellen Bildung sind bisher kaum
oder gar nicht erforscht. Zur Verbesserung der empirischen Datenlage und der Förderung des fachlichen
Diskurses auf diesem Gebiet erfolgte Ende 2015 eine
Förderbekanntmachung Forschung zur kulturellen
Bildung. Gefördert werden Forschungsvorhaben, die
Beiträge zur theoretischen Auseinandersetzung und
Methodenentwicklung leisten und insbesondere auch
informelle und non-formale Formen der kulturellen
Bildung und Kooperationsmodelle mit formalen Bildungsträgern in den Blick nehmen.
Seit 2014 fördert das BMBF außerdem 14 Modellvorhaben zur Entwicklung und Erprobung von Weiterbildungskonzepten für Kunst- und Kulturschaffende, die
Angebote der kulturellen Bildung mit Kindern und Jugendlichen umsetzen. Die Zusammenarbeit von Praxis
und Wissenschaft im Verbund sichert die pädagogische
Qualität und den Transfer der Konzepte in die Praxis.
Zehn durch das BMBF geförderte kulturelle Bundeswettbewerbe, u. a. in Tanz, Theater, Musik, Film und
bildender Kunst, bieten zudem jungen Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern Ansporn, ihre Talente zu
entwickeln.

193

Mit einer Initiative zur Stärkung der Vermittlungsarbeit
in Museen will die Kulturstiftung des Bundes in den
Jahren 2016 bis 2020 einen weiteren Akzent im Bereich
der kulturellen Bildung setzen. Dabei geht es darum,
Veränderungsprozesse in den Museen anzustoßen, die
geeignet sind, junge Menschen anzusprechen. Zunächst
wird im Bode-Museum der Staatlichen Museen zu
Berlin modellhaft und in Zusammenarbeit mit Berliner
Schulen ein Vermittlungslabor eingerichtet. Außerdem
werden 18 wissenschaftliche Volontariate im Bereich
Vermittlung geschaffen. Die Kulturstiftung des Bundes
fördert die Initiative im Rahmen der Zuständigkeit des
Bundes und der BKM von 2016 bis 2020 mit insgesamt
5,6 Mio. Euro.
Das BMFSFJ unterstützt die Weiterentwicklung eines
vielfältigen kulturellen Bildungsangebotes und sichert
eine plurale Trägerinfrastruktur. Gefördert werden
neben den zentralen Fachorganisationen und drei
institutionellen Einrichtungen insbesondere auch bedeutende bundesweite Wettbewerbe und Preise – wie
z. B. die Bundeswettbewerbe Jugend musiziert, Deutscher Jugendliteraturpreis und Deutscher Kinder- und
Jugendtheaterpreis. Darüber hinaus fördert das BMFSFJ
mit dem Deutschen Jugendinstitut e. V. (DJI) das größte
außeruniversitäre sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut zum Thema Kinder, Jugendliche und Familien.
Es wirkt als Einrichtung mit Ressortforschungsaufgaben des BMFSFJ u. a. bei den Jugend- und Familienberichten der Bundesregierung mit (siehe auch EB II
Organisationen und Einrichtungen in Forschung und
Wissenschaft).

Weitere Informationen im Internet:

Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung:
www.buendnisse-fuer-bildung.de
Initiative zur Stärkung der Vermittlungsarbeit in
Museen: www.bundesregierung.de > Bundesregierung > Staatsministerin für Kultur und Medien
> Kulturelle Bildung
Deutsches Jugendinstitut: www.dji.de

194 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Wissenschafts- und Hochschulforschung
Die Wissenschafts- und Hochschulforschung ist ein
interdisziplinäres Forschungsfeld, in dem die Rahmenbedingungen, die Leistungsprozesse selbst sowie die
Wirkungen des Wissenschaftssystems einschließlich
der tertiären Bildung untersucht werden. So können
systematische Impulse für qualitäts- und effizienzerhöhende Innovationen für das Wissenschaftssystem
generiert und Politik und Praxis mit Handlungswissen sowie belastbaren Daten als Entscheidungshilfe
versorgt werden. Zur Aufgabe der Wissenschafts- und
Hochschulforschung gehört gleichermaßen die kritische Reflexion aktueller Entwicklungen in Forschung
und Lehre.
Schwerpunktmäßig unterstützt das BMBF die Wissenschafts- und Hochschulforschung im Rahmen
seiner institutionellen Förderung des Deutschen
Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) (siehe auch EB II Organisationen
und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft)
sowie insbesondere durch ein entsprechendes Projektförderprogramm.

Weitere Informationen im Internet:

Aktuelle Informationen zum Förderschwerpunkt
Hochschulforschung :
www.hochschulforschung-bmbf.de
Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs:
www.buwin.de
Kompetenzzentrum Bibliometrie:
www.bibliometrie.info
Forschungsdatenzentrum am DZHW:
www.dzhw.eu
Datenerhebung beeinträchtigt studieren:
www.studentenwerke.de/de/content/
beeintr%C3%A4chtigt-studieren-0

Aktuell werden Projekte zu den Themen Leistungsbewertung in der Wissenschaft, Kompetenzmodellierung und Instrumente der Kompetenzerfassung im
Hochschulsektor – Validierungen und methodische
Innovationen (als Folgemaßnahme der Förderrichtlinie Kompetenzmodellierung und Kompetenzerfassung
im Hochschulsektor und inhaltlich entsprechend den
Empfehlungen aus der Evaluation ausgerichtet) sowie
Begleitforschung zum Qualitätspakt Lehre unterstützt.
Das Fördervolumen für die derzeit 70 FuE-Vorhaben
beläuft sich auf insgesamt 30 Mio. Euro. Im Laufe des
Jahres 2016 werden zusätzlich Projekte zum Thema
Studienerfolg und Studienabbruch in die Förderung
aufgenommen. In Vorbereitung ist ferner ein eigenes
Förderkonzept zum Thema Digitale Hochschullehre.
Zu jeder der laufenden Förderlinien wurden Koordinierungsstellen eingerichtet, die sich um eine stärkere
Vernetzung der Projekte untereinander – insbesondere
im Bereich des wissenschaftlichen Nachwuchses –
sowie um den wissenschaftlichen Transfer und um die
Dissemination in die Praxis kümmern.
Um die Informationslage über die Situation des
Wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland
zu verbessern, fördert das BMBF die Erstellung des
Bundesberichts Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWiN).
Der BuWiN ist ein unabhängiger wissenschaftlicher
Bericht, der alle vier Jahre erscheint und systematisch
aktuelle Daten und Entwicklungen zum Wissenschaftlichen Nachwuchs dokumentiert. Außerdem fördert
das BMBF im Rahmen der Förderbekanntmachung
Forschung zu den Karrierebedingungen und Karriereentwicklungen des Wissenschaftlichen Nachwuchses derzeit
bundesweit neun Forschungsprojekte, in denen zu verschiedenen Fragen der Karriereentwicklung des Wissenschaftlichen Nachwuchses geforscht wird. Darüber
hinaus fördert die Bundesregierung die erneute bundesweite Befragung behinderter und chronisch kranker
Studierender an deutschen Hochschulen – Datenerhebung beeinträchtigt studieren (best 2) – insbesondere zu
den Themenfeldern Hochschulzugang, Barrieren im
Studium und Nachteilsausgleiche im Studium und bei
Prüfungen.
Die institutionelle Förderung des DZHW stellt eine
zentrale strukturbildende Maßnahme zur Stärkung
der Wissenschafts- und Hochschulforschung dar.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Unterstützt durch die Verschmelzung des DZHW mit
dem Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) wird ab 2016 das Hochschul- und
Wissenschaftssystem mit einer integrierten Forschungsperspektive untersucht. Die Förderung des
BMBF hierfür beträgt 4,66 Mio. Euro im Jahr 2016. Als
begleitende Infrastrukturmaßnahme wird zum einen
der Aufbau eines Forschungsdatenzentrums (FDZ)
am DZHW finanziell unterstützt, der im Mai 2017
abgeschlossen werden soll. Das FDZ soll zukünftig
einen Datenbestand zur Verfügung stellen, der für

195

Sekundäranalysen zu Gegenwarts- und Zukunftsfragen der Wissenschaftspolitik und Hochschulplanung genutzt werden kann. Zum anderen wurde ein
Kompetenzzentrum Bibliometrie für den Betrieb und
die Weiterentwicklung einer nationalen InhouseBibliometriedatenbank eingerichtet.

	

Qualitätsoffensive Lehrerbildung
Bund und Länder wollen
mit der Qualitätsoffensive
Lehrerbildung Reformen
in der Lehrerbildung in
Hochschulen anstoßen
und unterstützen. Hierzu
gehören die Verzahnung
der Phasen der Lehrerbildung, die qualitative
Verbesserung des Praxisbezugs sowie die Gewinnung neuer Zielgruppen
für das Lehramtsstudium.
Auch die Herausforderung einer heterogenen
Schülerschaft muss in
der Lehrerbildung stärker
berücksichtigt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt
ist deshalb u. a. die Umsetzung von Inklusion. Ein
wichtiges Ziel besteht außerdem darin, die Mobilität
in Studium und Beruf zu steigern. Voraussetzung für
die Teilnahme am Förderprogramm ist deshalb, dass
Hochschulen und ihre Sitzländer die gegenseitige
Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen
sicherstellen und einen gleichberechtigten Zugang
zum Vorbereitungs- und Schuldienst gewährleisten
(siehe § 7 der Bund-Länder-Vereinbarung vom 12. April
2013). Neben der Strukturentwicklung in der Lehrerbildung sind auch die Forschung und die Ausbildung

des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie Prozesse
der Qualitätssicherung wichtige Aspekte der ProjektInfobox:
förderung. Im Rahmen der 1. Förderphase wurden
2015 in den beidenLehrerbildung
Bewilligungsrunden insgesamt 49
Qualitätsoffensive
Projekte zur Förderung ausgewählt. Bei der Auswahl
der Projekte
wurde
ein besonderes
Augenmerk auf die
Bund
und Länder
wollen
mit der Qualitätsoffensive
Wissenschaftsbasierung,
Lehrerbildung
Reformen in ein
derwissenschaftlich
Lehrerbildung ingeleitetes
HochQualitätssicherungsmanagement
diegehören
Nachhaltigschulen
anstoßen und unterstützen.sowie
Hierzu
die
keit gelegt.der
DasPhasen
Fördervolumen
der bis 2023
Verzahnung
der Lehrerbildung,
dielaufenden
qualitatiinsgesamt
bis
veQualitätsoffensive
Verbesserung desLehrerbildung
Praxisbezugs beträgt
sowie die
Gewinnung
zu 500
Mio. Euro.für das Lehramtsstudium. Auch die
neuer
Zielgruppen
Herausforderung einer heterogenen Schülerschaft muss

196 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Abschluss und weiterführende Umsetzung
der UN Dekaden Bildung für nachhaltige
Entwicklung und Alphabetisierung
nachhaltige Entwicklung ins Leben, um konkrete Maßnahmen
zur strukturellen Verankerung
der BNE in allen Bildungsbereichen zu entwickeln und bis
2017 einen Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige
Entwicklung zu erarbeiten.

Nach Abschluss der UN-Dekaden Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005–2014) und Alphabetisierung
(2003–2012) wurden weiterführende Maßnahmen und
Transferprojekte in Deutschland angestoßen:
Im Rahmen der UN-Dekade Bildung für Nachhaltige
Entwicklung (BNE) wurden in der Zeit von 2005 bis 2014
insgesamt 1.900 Projekte, 49 Maßnahmen und
21 Kommunen zur Förderung der lokalen Verankerung
von nachhaltiger Entwicklung in Bildungseinrichtungen
ausgezeichnet. Deutschlandweit ist ein großes BNENetz entstanden. Im März 2015 wurde im Bundestag
die weitergehende Umsetzung des Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung als Folgeprogramm der UN-Dekade Bildung für nachhaltige
Entwicklung in Deutschland beschlossen. Ein fraktionsübergreifender Antrag im Bundestag verwies auf die
Instrumente, die im Rahmen der nationalen Umsetzung
der UN-Dekade in Deutschland erprobt worden sind
und forderte diese weiterzuentwickeln. Im September
2015 rief das BMBF die Nationale Plattform Bildung für

In den vergangenen Jahren hat
das BMBF mehr als 150 Projekte gefördert, die die Alphabetisierungsarbeit in Deutschland verbesserten. Das BMBF
wird die Ergebnisse und Erkenntnisse der geförderten Projekte nachhaltig und langfristig
nutzbar machen, indem seit
Ende 2015 einzelne Initiativen und Maßnahmen guter
Praxis zur Alphabetisierung und Grundbildung aus dem
Förderschwerpunkt Arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener (2012–2015)
fortgeführt werden. Das Thema Alphabetisierung und
Grundbildung wird auch in den kommenden Jahren
auf der bildungspolitischen Agenda stehen. Dazu hat
das BMBF im September 2015 gemeinsam mit der
Kultusministerkonferenz angekündigt, in den nächsten
zehn Jahren bis zu 180 Mio. Euro bereitzustellen, um
Alphabetisierungsprojekte zu fördern sowie Kurskonzepte und Selbstlernmöglichkeiten zu schaffen. Damit
wird die Nationale Strategie für Alphabetisierung und
Grundbildung in eine Alphabetisierungsdekade überführt
und die Förderung dafür deutschlandweit ausgebaut.
Die Maßnahmen werden insbesondere arbeitsmarktnahen Themen und Zielgruppen gelten, aber auch Flüchtlingskinder in Erstaufnahmeeinrichtungen erhalten im
Rahmen von Lesestart kindgerechte Unterstützung zum
Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Berufliche Handlungskompetenzen
stärken
Durch die betriebliche Praxis bietet die duale Ausbildung Jugendlichen gute Voraussetzungen für den Start
ins Arbeitsleben sowie vielfältige Karrierechancen. Zur
Stärkung der beruflichen Bildung hat die Bundesregierung im Dezember 2014 mit Vertretern der Wirtschaft,
der Gewerkschaften und der Länder sowie der Bundesagentur für Arbeit gemeinsam die Allianz für Aus- und
Weiterbildung besiegelt (siehe auch III 4. Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen).

197

Forschungsinitiative
ASCOT

In der gemeinsam von BMBF, BMAS und der Bundesagentur für Arbeit und den Ländern getragenen Initiative Bildungsketten werden Jugendliche beim Übergang
von der Schule in die Berufsausbildung unterstützt. Die
Initiative integriert die Aktivitäten aller Akteure in eine
ganzheitliche Förderphilosophie, mit dem Ziel alle ausbildungsreifen und ausbildungswilligen Jugendlichen
möglichst bis zum Ausbildungsabschluss zu führen.
Innovationen im deutschen Berufsbildungssystem und
konkrete Handlungsoptionen zur strukturellen Verbesserung der beruflichen Bildung werden durch die Berufsbildungsforschung erarbeitet. Erster Ansprechpartner zur Durchführung der Berufsbildungsforschung ist
das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB, siehe auch
EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung
und Wissenschaft). Das BIBB führt seine Forschung auf
der Grundlage eines jährlichen Forschungsprogramms
durch; es bietet aufbereitete Daten der Berufsbildungsforschung in seinem Forschungsdatenzentrum an.
Zur Bearbeitung von eher kurzfristig zu lösenden
Fragestellungen beauftragt bzw. fördert das BMBF
darüber hinaus eigeninitiativ weitere Aktivitäten zur
Berufsbildungsforschung im Rahmen der Berufsbildungsforschungsinitiative (BBFI). Deren Ziel ist es, den
hohen Bedarf an wissenschaftlicher Expertise zur
Konkretisierung des berufsbildungspolitischen Handelns zu decken. Parallel zur Förderinitiative werden
die Ergebnisse in der Reihe Berufsbildungsforschung des
BMBF veröffentlicht. Um die Methodenentwicklung
zur Feststellung beruflicher Kompetenzen voranzutreiben, förderte das BMBF bis 2015 eine Forschungsinitiative (siehe auch Infobox Forschungsinitiative ASCOT).

Die Forschungsinitiative ASCOT (Technology-based
Assessment of Skills and Competencies in VET) zur
beruflichen Kompetenzmessung hat das Ziel innovative Verfahren zur Messung beruflicher Handlungskompetenzen zu entwickeln, zu erproben und in die
breite Praxis zu transferieren. So griff beispielsweise
das Verbundvorhaben CoBALIT zur Erfassung der
Kompetenzbereiche in kaufmännischen Berufen auf
Unternehmensmodelle zurück und setzte eine daraus
entwickelte Testumgebung in 51 Schulen aus sieben
Bundesländern ein.
Im Förderzeitraum (2011-2015) wurden über 800
Testaufgaben – hiervon 560 IT-basierte – neu entwickelt und getestet. An den Erhebungsphasen
waren über 12.000 Berufsschülerinnen und -schüler
aus 13 Bundesländern und rund 300 Schulen beteiligt. Im September 2015 wurden die Ergebnisse
präsentiert. Nach der wissenschaftlichen Grundlagen- und Pionierarbeit in ASCOT soll nun der Transfer
in weitere Anwendungsfelder und Berufsdomänen
forciert werden.

198 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Weitere Informationen im Internet:

Berufsbildungsforschung des BIBB einschließlich
Forschungsdatenzentrum:
www.bibb.de/de/43.php
BMBF Bildungsketten: www.bildungsketten.de
BMBF Berufsbildungsforschungsinitiative:
www.bmbf.de/de/die-berufsbildungsforschungsinitiative-bbfi-des-bmbf-1227.html
BMBF Forschungsinitiative ASCOT:
www.ascot-vet.net

agierendes Beratungsnetzwerk eingerichtet. Sie beraten
und begleiten die Städte und Landkreise beim Transfer
bewährter Strukturlösungen und Modelle. Das Förderprogramm Bildung integriert flankiert die Transferinitiative und gibt finanzielle Unterstützung. Es richtet
sich an Kommunen im gesamten Bundesgebiet, und
soll den Aufbau eines datenbasierten Bildungsmanagements in Städten und Landkreisen in enger Zusammenarbeit mit den Transferagenturen befördern.
Auch im Rahmen des 2015 verabschiedeten Maßnahmenpakets zur Integration von Flüchtlingen kommt
der kommunalen Ebene und den lokalen Bildungsbündnissen eine verantwortungsvolle Rolle zu.

Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften
Kommunales Bildungsmanagement
Aufbauend auf den vielversprechenden Ergebnissen
des Programms Lernen vor Ort (2009–2014) wurde 2013
die Initiative Transferagenturen Kommunales Bildungsmanagement gestartet. Mit der Initiative soll die
Verbreitung und Implementierung bewährter Konzepte für ein datenbasiertes, kommunales Bildungsmanagement unterstützt werden. Hierzu wurden 2014
neun Transferagenturen als umfassendes, bundesweit

Weitere Informationen im Internet:

Transferagenturen Kommunales Bildungsmanagement: www.transferagenturen.de
Bildung integriert: www.bildung-integriert.de
Unterstützung von Kommunen und lokalen Netzwerken bei der Integration von Flüchtlingen:
www.bmbf.de/de/alle-massnahmen-im-ueberblick-fluechtlinge-durch-bildung-integrieren-1817.html

Die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften befassen sich mit unserem kulturellen Gedächtnis und
Erbe, mit der Analyse politischer Entwicklungen und
gesellschaftlicher Strukturen sowie mit Deutungsmustern der Gegenwart. Sie leisten damit wichtige Beiträge
zur Selbstverständigung unserer Gesellschaft über
ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Kriterien
und Maßstäbe zur Bewertung von Modernisierungsprozessen oder zum grenzüberschreitenden Verflechtungs- und Verständigungspotenzial von Gesellschaften sind für die Gestaltung unserer Zukunft wichtig,
denn gerade Zeiten des Übergangs und des schnellen
Wandels erfordern vermehrt Reflexions- und Orientierungswissen.
Die Förderung in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften basiert u. a. auf dem 2012 gestarteten
BMBF-Rahmenprogramm Geistes-, Kultur-und Sozialwissenschaften (2012–2017). Die Kernziele des Rahmenprogramms lauten: Internationalisierung der Geistes-,
Kultur- und Sozialwissenschaften, Strukturbildung
sowie Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Es trägt durch längerfristig angelegte Forschungsförderung zum strukturellen Ausbau der Geistes-,
Kultur- und Sozialwissenschaften in Deutschland bei.
Weiterhin dient es dazu, die Rolle der Geistes-, Kulturund Sozialwissenschaften als Vermittler und Übersetzer zwischen Traditionen, Kulturen und Religionen

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

zu stärken. Dadurch steigt die Bedeutung sozial- und
geisteswissenschaftlicher Forschung für den gesellschaftlichen Dialog in einer globalisierten Welt.
Ein Kernelement der Förderung sind zehn interdisziplinäre Käte Hamburger Kollegs. Diese sind an Universitäten angegliederte, aber wissenschaftlich eigenständige geisteswissenschaftliche Einrichtungen der
international vernetzten Spitzenforschung. Das BMBF
und die Sitzländer fördern seit 2008 zudem die Zentren

199

für Literatur- und Kulturforschung, für Allgemeine
Sprachwissenschaft und für den Modernen Orient in
Berlin sowie das Geisteswissenschaftliche Zentrum
Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas in Leipzig. Mit
dem neuen Förderformat Maria Sibylla Merian International Centres erweitert das BMBF das erfolgreiche
Kolleg-Programm um eine internationale Dimension
(siehe auch Infobox Maria Sibylla Merian International
Centres for Advanced Studies in the Humanities and
Social Sciences).

Maria Sibylla Merian International Centres
for Advanced Studies in the Humanities
and Social Sciences
Bestimmte geistes- und sozialwissenschaftliche Fragestellungen
können am besten im Ausland
erforscht werden. Dazu bedarf
es eines vertieften Austauschs
mit Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern vor Ort, der
Zusammenarbeit mit den ausländischen Hochschulen und
außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie längerer Auslandsaufenthalte. Wenn zusätzlich
die Fragestellung unterschiedliche
fachliche Zugänge erfordert, ist
eine enge Zusammenarbeit in
einer interdisziplinär zusammengesetzten Gruppe notwendig. Das
BMBF eröffnet deshalb mit dem neuen Förderformat
eines Maria Sibylla Merian International Centres for
Advanced Studies in the Humanities and Social Sciences
die Möglichkeit, Fragestellungen in einer intensiv zusammenarbeitenden Gruppe und aus unterschiedlichen
fachlichen Perspektiven an einem Standort im außereuropäischen Ausland zu erforschen.
Ein Konsortium deutscher und indischer Universitäten
und Forschungseinrichtungen hat 2014 den Zuschlag
des BMBF erhalten, um in Neu Delhi das erste M.S.

Merian Internationale Kolleg für Geistes- und Sozialwissenschaften zu gründen. Die Ausschreibung für
ein Kolleg in Lateinamerika wurde im Oktober 2016
veröffentlicht. Bis Ende März 2016 können sich Verbünde um eine Förderung bewerben. Weitere Kollegs in
anderen außereuropäischen Regionen sollen in den
nächsten Jahren folgen. Die Zentren sind auf bis zu
zwölf Jahre angelegt, die sich in eine zweijährige Vorbereitungsphase, eine sechsjährige Hauptphase und eine
vierjährige Abschlussphase gliedern.

200 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Das vielfältige kulturelle Erbe in den Museen, Archiven,
wissenschaftlichen Sammlungen und Bibliotheken soll
durch Forschung besser erschlossen und stärker ins
öffentliche Bewusstsein gerückt werden, z. B. im Rahmen der 2012 erstmals erschienenen Förderbekanntmachung Die Sprache der Objekte. Materielle Kultur im
Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen bzw. in der
2015 veröffentlichten Förderrichtlinie Vernetzen – Erschließen – Forschen. Allianz für universitäre Sammlungen. Das BMBF wirkt darüber hinaus strukturbildend,
indem es die Regionalstudien stärkt und weiterentwickelt und die Zentren für Islamische Theologie in
Tübingen, Münster/Osnabrück, Erlangen-Nürnberg
und Frankfurt am Main/Gießen sowie das Zentrum für
Jüdische Studien Berlin-Brandenburg fördert.
Das europäische Netzwerk HERA (Humanities in the
European Research Area) stärkt die europäische und
internationale Zusammenarbeit in den Geisteswissenschaften. Die Projekte befassen sich mit Fragestellungen zu Kulturkontakt, Transfer zwischen Kulturen und
wechselseitiger Beeinflussung von Kulturen sowie mit
dem Einfluss unseres Verständnisses der Vergangenheit
auf die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft.
Mit dem Rahmenprogramm Geistes-, Kultur- und
Sozialwissenschaften fördert das BMBF im Themenschwerpunkt Kulturelle Vielfalt und Zivilgesellschaft
Forschungsinstitutionen und -projekte, die maßgeblich
dazu beitragen, Grundlagen- und Anwendungswissen
für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu schaffen.
2013 wurde die Bekanntmachung Finanzsystem und
Gesellschaft: Bedeutungs- und Funktionswandel des
Finanzsystems sowie Implikationen für die Entstehung,
Überwindung und Vermeidung von Finanzkrisen veröffentlicht. Der dritte Bericht zur sozioökonomischen
Entwicklung in Deutschland entwickelt Beobachtungskonzepte und Indikatoren für eine integrierte,
wissenschaftsgestützte Sozialberichterstattung, die
sich am Konzept der Wohlfahrtsproduktion orientiert.
Zudem fördert das BMBF in einer deutsch-griechischen Kooperation drei bilaterale Forschungsprojekte,
die sich mit den sozioökonomischen Auswirkungen
der Finanz- und Wirtschaftskrise in beiden Ländern
beschäftigen. Im Jahr 2014 initiierte das BMBF den
breit angelegten Agenda-Prozess Zukunft sichern und
gestalten, um künftige Forschungsbeiträge der Geistesund Sozialwissenschaften zu diskutieren (siehe auch
III 5 Transparenz und Partizipation).

Mit dem Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD)
fördert das BMBF ein Gremium, das mit Forschenden
verschiedener Disziplinen und Vertreterinnen und Vertretern von Datenproduzenten besetzt ist. Es setzt sich
für weitere Verbesserungen der Dateninfrastruktur ein.
Wichtige Infrastrukturelemente bilden weiterhin die
Forschungsdatenzentren (FDZ) der statistischen Ämter
von Bund und Ländern, der Bundesagentur für Arbeit
und der Deutschen Rentenversicherung Bund, die ebenfalls mit Förderung des BMBF aufgebaut wurden. Nach
ihrem Vorbild wurden FDZ in weiteren Sachgebieten
eingerichtet. Durch Methodenprojekte wird zudem die
Forschung in den statistischen Methoden unterstützt.
Mit dem Verbundprojekt TextGrid: Vernetzte Forschungsumgebung in den eHumanities, also in den „digitalen Geisteswissenschaften“, förderte das BMBF einen
Forschungsverbund, der sich zum Ziel gesetzt hat, eine
virtuelle Forschungsumgebung für Geistes- und Kulturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu schaffen. Darüber hinaus förderte das BMBF 24 Projekte in
den eHumanities, die ein breites fachwissenschaftliches
Themenspektrum abdecken. Mittlerweile werden sechs
Nachwuchs- und sechs Zentrenprojekte gefördert, die
den Bereich der eHumanities nachhaltig weiter entwickeln und strukturieren.
Das BMBF beteiligt sich am European Strategy Forum
on Research Infrastructures (ESFRI) und unterstützt die

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

deutschen Partnerinnen und Partner in fünf geistesund sozialwissenschaftlichen Projekten, die europäische Forschungsinfrastrukturen schaffen. Dazu zählen
u. a. die geisteswissenschaftlichen Projekte DARIAH
(Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities) und CLARIN (Common Language Resources and
Technology) sowie die sozialwissenschaftlichen Projekte
CESSDA (Consortium of European Social Science Data
Archives), ESS (European Social Survey) und SHARE
(Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe)
mit jeweils starken deutschen Partnern, die durch die
nationale Förderung des BMBF wichtige Säulen der
europäischen Infrastrukturprojekte bilden.

Weitere Informationen im Internet:

Geistes- und Sozialwissenschaften – Orte und
Freiräume für Forschung:
www.bmbf.de/de/21517.php

201

In den vergangenen Jahren förderte das BMBF mit
den Fördermaßnahmen Wirtschaftswissenschaften
für Nachhaltigkeit I und II Forschungsvorhaben zur
Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsökonomik und
den Aufbau der dafür notwendigen Kapazitäten. Die
Förderschwerpunkte Ökonomie des Klimawandels und
Sozial-ökologische Forschung fortgesetzt im neuen Rahmenprogramm Forschung für Nachhaltigkeit (FONA3),
fördern die Einbeziehung ökonomischer Konzepte und
Perspektiven zum Verständnis drängender gesellschaftlicher Fragen (siehe auch III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima,
Energie). Auch auf dem Feld der Versorgungsforschung
und Gesundheitsökonomik leistet die wirtschaftswissenschaftliche Forschung anwendungsrelevante Beiträge und wird durch das BMBF gezielt, z. B. durch die
Einrichtung von Zentren der gesundheitsökonomischen
Forschung, gefördert (siehe auch III 1.4 Gesundheit und
Ernährung).

Wirtschaftswissenschaftliche
Forschung

Gute Wirtschafts- und Sozialpolitik basiert auf fundierter, flexibler und am aktuellen Bedarf orientierter
wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Forschung.
Verschiedene Bundesressorts – insbesondere das
BMWi, das BMF und das BMAS – vergeben zur Vorbereitung wirtschafts-, technologie-, finanz- und sozialpolitischer Entscheidungen im Rahmen wettbewerblicher Verfahren entsprechende Forschungsaufträge an
wirtschaftswissenschaftliche Forschungsinstitute. Im
Interesse der Exzellenz, der Unabhängigkeit und der
Wertfreiheit der Forschung bedarf es eines intensiven
Wettbewerbs zwischen mehreren unabhängigen Instituten. Bund und Länder fördern daher institutionell
sieben Einrichtungen der Leibniz- Gemeinschaft, die
wirtschafts- und finanzwissenschaftliche Forschung
oder wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen
(siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in
Forschung und Wissenschaft).

Moderne und praxisorientierte empirische wirtschaftsund finanzwissenschaftliche Forschung trägt dazu
bei, frühzeitig volkswirtschaftliche Entwicklungen
aufzuzeigen und zu bewerten und die Wirkungen
wirtschafts- und finanzpolitischer Entscheidungen
quantitativ abzuschätzen. Wirtschaftswissenschaftliche
Forschung kann darüber hinaus auch wichtige Beiträge
für die Lösung globaler gesellschaftlicher Herausforderungen wie dem Klimawandel oder der nachhaltigen
Transformation der Städte leisten.

Das BMAS nutzt Ressortforschung, um künftige sozialpolitische Entscheidungen frühzeitig vorzubereiten
und umzusetzen. Daneben dient die Ressortforschung
des BMAS der Evaluierung geltender rechtlicher
Regelungen sowie der Erfüllung gesetzlicher Berichtspflichten. Ressortforschungsaufträge werden zu allen
zentralen Fragen und Aspekten der Sozialpolitik,
insbesondere der sozialen Sicherung, der Arbeitsmarktpolitik und des Arbeitsschutzes, der Rehabilitation, der
Behindertenpolitik und der Sozialhilfe, vergeben (siehe
auch III 1.3 Arbeit, Produktion und Dienstleistung).

Rahmenprogramm Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften: www.bmbf.de/de/4630.php
Informationsinfrastrukturen:
www.bmbf.de/de/21568.php
EFSRI: ec.europa.eu/research/infrastructures/
index_en.cfm?pg=esfri

202 	

Jedes Alter zählt – für mehr
Wohlstand und Lebensqualität
aller Generationen
Der demografische Wandel wird das Zusammenleben
und die Voraussetzungen für die Entwicklung von
Wohlstand und Lebensqualität in den nächsten Jahrzehnten deutlich verändern. Die Demografiepolitik der
Bundesregierung hat das Ziel, Rahmenbedingungen zu
schaffen, die den Wohlstand für alle Generationen in
unserem Land erhöhen und die Lebensqualität weiter
verbessern.

Vertretern aller staatlichen Ebenen, der Wirtschaft, der
Sozialpartner, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft
weiterentwickelt. Sie schärft damit die Ziele ihres Handelns und zeigt auf, was bereits erreicht worden ist und
wo weitere Anstrengungen unternommen werden. Die
künftigen Maßnahmen und Ziele der Demografiepolitik
orientieren sich an vier Handlungsfeldern:

Im September 2015 hat das Bundeskabinett die weiterentwickelte Demografiestrategie Jedes Alter zählt – Für
mehr Wohlstand und Lebensqualität aller Generationen
beschlossen. Die Demografiestrategie der Bundesregierung bildet die Grundlage für den von der Bundesregierung eingeleiteten ebenenübergreifenden Dialogprozess
zur Gestaltung des demografischen Wandels. Sie knüpft
an die erstmals im Jahr 2012 vorgelegte Demografiestrategie Jedes Alter zählt an und wurde federführend vom
BMI auf Basis der Ergebnisse mehrerer Arbeitsgruppen
und des zweiten Demografiegipfels 2013 entwickelt.

•	 Förderung des sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalts

Übergeordnetes Ziel der Demografiestrategie ist die
Sicherung des Wohlstands und der Lebensqualität für
alle Generationen. Mit dieser Zielsetzung wurde die
Demografiestrategie unter Einbeziehung der Ergebnisse
des Arbeitsgruppenprozesses mit Vertreterinnen und

•	 Stärkung des wirtschaftlichen Wachstumspotenzials

•	 Förderung der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse
in den Regionen
•	 Gewährleistung solider Finanzen für die Handlungsfähigkeit des Staates und verlässliche soziale Sicherungssysteme
Im September 2015 wurde die weiterentwickelte Demografiestrategie auf dem Strategiekongress Demografie
vorgestellt. Im Frühjahr 2017 wird der nächste Demografiegipfel der Bundesregierung stattfinden, um die
gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse und Ziele der weiteren Zusammenarbeit zu diskutieren und einer breiten
Öffentlichkeit vorzustellen.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Innovationen für den
demografischen Wandel
Angesichts des demografischen Wandels besteht Innovationsbedarf, um die mit einer alternden Gesellschaft
verbundenen Herausforderungen zu bewältigen und
Chancen zu nutzen sowie die Lebensqualität älterer
Menschen zu verbessern. Erforderlich ist die Entwicklung neuer Versorgungskonzepte, Techniken und
Dienstleistungen für die Erhaltung und Förderung von
Gesundheit im Alter, für die Ermöglichung altersgerechter, barrierefreier Mobilität, für die Entwicklung
seniorengerechter Kommunikations- und Informationsinstrumente, für die Gestaltung von Wohn- und
Lebensräumen sowie für die Sicherung der Autonomie
und Würde im Fall der Pflegebedürftigkeit. Darüber
hinaus gilt es, die Kompetenzen und Erfahrungen älterer Menschen für Wirtschaft und Gesellschaft stärker
zu nutzen und generell ein neues Altersbild in unserer
Gesellschaft zu verankern.
Forschung aus allen Wissenschaftsdisziplinen kann
dazu beitragen, die Auswirkungen des demografischen
Wandels frühzeitig zu erkennen und zu gestalten. Die
Forschungsagenda der Bundesregierung für den demografischen Wandel Das Alter hat Zukunft (2011–2016)
ist daher ein zentrales Element der 2015 weiterentwickelten Demografiestrategie der Bundesregierung Jedes
Alter zählt (siehe auch Infobox Jedes Alter zählt – Für
mehr Wohlstand und Lebensqualität aller Generationen). Sie ist das erste ressortübergreifende Forschungskonzept zum demografischen Wandel, das von einer
deutschen Bundesregierung erarbeitet wurde.
In der Forschungsagenda Das Alter hat Zukunft werden
die Forschungsprogramme der Bundesressorts gebündelt und anhand von sechs Forschungsfeldern verstärkt
auf die Herausforderungen des demografischen Wandels ausgerichtet:
1.	Grundsatzfragen einer Gesellschaft des längeren
Lebens: Der geistes- und sozialwissenschaftlichen
Forschung kommt bei dem Verständigungsprozess
über die Gesellschaft der Zukunft eine tragende
Rolle zu. Zu den Schwerpunkten des Forschungsfeldes zählt neben der Erforschung der Ursachen und
Konsequenzen des demografischen Wandels nicht

203

zuletzt auch die Entwicklung und Etablierung eines
realistischen Altersbildes.
2.	 Kompetenzen und Erfahrungen älterer Menschen
für Wirtschaft und Gesellschaft nutzen: Das Forschungsfeld adressiert z. B. die Entwicklung von
Konzepten für ein demografieorientiertes Personalmanagement und das betriebliche Kompetenzmanagement im demografischen Wandel (siehe auch
III 1.3 Arbeit, Produktion und Dienstleistung). Einen
weiteren Schwerpunkt bilden innovative Lösungen
der Mensch-Technik-Interaktion zur Unterstützung
alternder Belegschaften.
3.	 Älter werden bei guter Gesundheit: Mit dem
Anstieg der Lebenserwartung erhöht sich auch
die Zahl der Menschen, die an im Alter vermehrt
auftretenden Krankheiten leiden. Im Rahmen des
Forschungsfeldes werden die altersassoziierten
Erkrankungen (Diagnose, Therapie und Prävention)
erforscht, Erkenntnisse zur medizinischen Versorgung älterer Menschen gewonnen sowie der Aufbau
von modellhaften Gesundheits- und Dienstleistungsregionen für morgen vorangetrieben (siehe
auch III 1.4 Gesundheit und Ernährung).
4.	Gesellschaftliche Teilhabe - Mobil und in Verbindung bleiben: In diesem Forschungsfeld werden
Fragestellungen des gesamten Mobilitätsspektrums
angesprochen. Wichtig ist dabei, Mobilitätsbarrieren in Wohnkomplexen und -quartieren zu
beseitigen, und öffentliche Verkehrsmittel, private
Fahrdienste und systemübergreifende technischen
Hilfsmittel in ganzheitliche Mobilitätskonzepte zu
integrieren (siehe auch III 1.5 Mobilität).
5.	Sicher und unabhängig wohnen: In dem Forschungsfeld wird der Frage nachgegangen, wie die
eigenen vier Wände auch im letzten Lebensabschnitt so gestaltet werden können, dass sich die
Bewohnerinnen und Bewohner möglichst lange
in ihrem Zuhause wohlfühlen. Dabei ist auch das
unmittelbare Wohnumfeld von Bedeutung. Technologische Innovationen, die in Verbindung mit sozialen Innovationen das Wohnen im angestammten
Umfeld unterstützen, spielen eine wichtige Rolle.
6.	 Mit guter Pflege zu mehr Lebensqualität: In
diesem Schwerpunkt werden Fragestellungen zur

204 	

menschenwürdigen Pflege in einer Gesellschaft
des längeren Lebens in den Fokus genommen.
Die Förderung bezieht sich auf Entwicklungen,
die Patienten, Angehörige und Pflegekräfte technisch unterstützen und vernetzen, und innovative,
praxisnahe Konzepte, die z. B. in die Qualifizierung
des Personals in den sozialen Diensten eingebracht
werden (siehe auch III 1.4 Gesundheit und Ernährung).
Die Forschungsagenda ist mit technologischen
Querschnittsfragen, der Nutzerintegration und dem
Wissens- und Praxistransfer verknüpft. Ebenso finden
die Untersuchung relevanter ethischer, rechtlicher
und sozialer Fragen und die internationale Vernetzung
Berücksichtigung. Im Rahmen der Agenda wurden
Forschungsprojekte im Bereich der Mensch-TechnikInteraktion (siehe auch III 1.1 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien) wie auch im Bereich Medizintechnik,
Pflege und Prävention gefördert (siehe auch III 1.4
Gesundheit und Ernährung).
Auch die Altenberichterstattung der Bundesregierung
leistet einen wichtigen Beitrag: Stand schon beim
6. Altenbericht die Sensibilisierung für die „Altersbilder
in der Gesellschaft“ im Mittelpunkt, greift der 7. Altenbericht die zuvor genannten Forschungsthemen auf.
Unter der Überschrift „Sorge und Mitverantwortung
in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften“ nimmt er die kommunale
Perspektive in den Blick.
Das Maßnahmenprogramm des BMG zur Verbesserung
der Versorgung Pflegebedürftiger enthält Modellprojekte, die sich mit der Fortentwicklung der pflegerischen Versorgungsstrukturen angesichts des demografischen Wandels befassen.
Der demografische Wandel ist auch in vielen anderen
Industriestaaten schon heute Realität. Die nationalen
Förderschwerpunkte werden daher durch internationale Kooperationen ergänzt. Deutschland beteiligt sich
aktiv an der Entwicklung des Europäischen Rahmenprogramms für Forschung und Innovation Horizont
2020. Darüber hinaus bringt sich Deutschland maßgeblich in die europäischen Programmplanungsinitiativen zu den Themen Demografischer Wandel und
Neurodegenerative Erkrankungen ein. Deutschland
hat bereits parallel zur Vorbereitung der nationalen

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Forschungsagenda die Joint Programming Initiative
More Years, Better Lives: The Potential and Challenges of
Demographic Change (JPI-MYBL) initiiert.

Weitere Informationen im Internet:

Das Alter hat Zukunft: Forschungsagenda der
Bundesregierung für den demografischen Wandel:
www.das-alter-hat-zukunft.de
Demografiestrategie Jedes Alter zählt – für mehr
Wohlstand und Lebensqualität aller Generationen: www.demografie-portal.de
Zukunftsprojekt Auch im Alter ein selbstbestimmtes Leben führen:
www.hightech-strategie.de/de/Auch-im-Alterein-selbstbestimmtes-Leben-fuehren-55.php

Chancengerechtigkeit für Frauen
in Bildung und Forschung
Die Verwirklichung von Chancengerechtigkeit für
Frauen ist unerlässlich, will Deutschland sich erfolgreich als attraktiver Bildungs-, Wissenschafts-, Forschungs- und Wirtschaftsstandort im globalen Wettbewerb behaupten. Die Integration von Gender in die
Forschung ist ein wichtiges Anliegen des Europäischen
Forschungsraums, welches auch von der Bundesregierung verfolgt wird. Exzellente Forschung ist nur möglich, wenn Geschlecht konsequent, dort wo notwendig,
berücksichtigt wird.
Bund und Länder fördern seit 2008 mit insgesamt 300
Mio. Euro in zwei Förderphasen das Professorinnenprogramm. Das Programm erhöht die Anzahl der Professorinnen an deutschen Hochschulen und stärkt durch
spezifische Maßnahmen die Gleichstellungsstrukturen
an Hochschulen. In den beiden Programmphasen
haben insgesamt 169 deutsche Hochschulen erfolgreich teilgenommen. Ende 2015 wurden bereits fast 500
Professuren gefördert. Die wissenschaftliche Evalua-

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

tion der zweiten Programmphase (PP II 2013 – 2017)
ist 2015 an eine unabhängige Institution vergeben
worden.
Die Förderlinie Frauen an die Spitze wurde in Kofinanzierung mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF)
aufgelegt. Sie zielt auf strukturelle Veränderungen ab,
um die Beteiligung von Frauen – insbesondere in den
höheren Qualifikationsstufen – im Wissenschaftssystem und in der Wirtschaft zu steigern. Rund 120 Projekte haben seit 2007 u. a. Ursachen für die weibliche
Unterrepräsentanz in Führungspositionen erforscht
und Handlungsansätze für mehr Chancengerechtigkeit
und mehr Frauen in Führungspositionen entwickelt.
Mit der Förderung von Maßnahmen zum Ausbau von
innovativen Forschungskooperationen und zur Stärkung
der Netzwerktätigkeit werden seit 2012 neue Impulse
für die Erforschung genderbezogener Fragestellungen
gesetzt sowie der Erfahrungsaustausch über die Grenzen von Fachdisziplinen hinweg gestärkt.
Im Jahr 2008 haben sich Unternehmen und Institutionen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, und
Medien im Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen
– Komm, mach MINT. zusammengeschlossen. Ziel des
Paktes ist, das Potenzial von Frauen für die naturwissenschaftlich-technischen Fächer besser als bisher auszuschöpfen. Junge Frauen sollen für innovations- und
zukunftsträchtige MINT-Studiengänge und -Berufe
begeistert und der Frauenanteil an Führungspositionen
in der Wirtschaft erhöht werden. Inzwischen sind mehr
als 200 Partner dem Pakt beigetreten und über 1.000
MINT-Projekte deutschlandweit gestartet. Mit der 2015
lancierten Initiative Erfolg mit MINT – Neue Chancen
für Frauen werden die Ziele des Nationalen Paktes für
Frauen in MINT-Berufen nachhaltig umgesetzt. Die für
die Förderung ausgewählten Projekte sollen als Forschungsprojekte, Umsetzungsmaßnahmen oder fachliche Veranstaltungen wesentlich zur Einbindung von
Frauen in den digitalen Wandel beitragen und bilden so
einen Baustein der Digitalen Agenda 2014–2017 (siehe
auch III 1.1 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien).
Um belastbare Daten für das langfristige Ziel eines
höheren Anteils von Medizinerinnen in leitenden
Positionen im akademischen und klinischen Bereich
der medizinischen Fakultäten zu erlangen, wird mit
der wissenschaftlichen Untersuchung zum Thema
„Medical Women on Board Index“ der Status quo der

205

Beschäftigung von Medizinerinnen im akademischen
und klinischen Bereich der Fakultäten erhoben.
Der jährliche Girls‘Day – Mädchen-Zukunftstag, den
BMBF und BMFSFJ ergänzt durch Mittel des ESF
fördern, setzt bereits früher an und bricht geschlechterstereotype Berufswahlprozesse von Mädchen im
MINT-Bereich auf. Am zeitgleich stattfindenden
Boys‘Day – Jungen-Zukunftstag können Jungen Berufe
kennenlernen, in denen bislang nur wenige Männer
arbeiten, zum Beispiel aus dem sozialen, erzieherischen
und pflegerischen Bereich.
Die nationale Kontaktstelle Frauen in die EU-Forschung
(FiF) wurde 2007 vom BMBF mit dem Ziel gegründet,
den Frauenanteil in Forschung und Entwicklung in
Europa zu erhöhen.

Weitere Informationen im Internet:

Frauen in Bildung und Forschung: www.bmbf.de/
de/frauen-in-bildung-und-forschung-204.html
Nationaler Pakt für Frauen in MINT-Berufen –
„Komm, mach MINT.“:
www.komm-mach-mint.de
Girls‘Day – Mädchen-Zukunftstag:
www.girls-day.de
Boys‘Day – Jungs-Zukunftstag:
www.boys-day.de
Frauen in die EU-Forschung:
www.eubuero.de/fif.htm

206 	

Sportförderung und Sportforschung
Den verfassungsrechtlichen Vorgaben entsprechend
konzentriert sich die Sportförderung des Bundes auf
den Spitzensport sowie solche herausragenden Aktivitäten, an denen ein gesamtstaatliches Interesse besteht.
Mit einer effektiven und effizienten wissenschaftlichen
Unterstützung soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Spitzensportlerinnen und Spitzensportler gesichert bzw. mittelfristig ausgebaut werden.
Die Förderung der Sportwissenschaft zielt auf eine
athletennahe, sportartspezifische, interdisziplinäre und
komplexe Trainings- und Wettkampfforschung sowie
Technologieentwicklung ab. Zudem werden gesellschaftliche und politische Gegenstandsbereiche sowie
Themen der baulichen und technologischen Sportinfrastruktur bearbeitet. Das Spektrum der Anwendungsforschung ist dabei breit angelegt und reicht von der
grundlagenorientierten Forschung über praxisnahe
Begleitforschung bis hin zu gerätetechnischer Entwicklungsforschung.
Diese Zielsetzungen werden im Wissenschaftlichen
Verbundsystem für den Leistungssport (WVL) realisiert.
Im obersten Steuerungsgremium des WVL, dem Strategieausschuss, übt das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) im Wechsel mit dem Deutschen Olympischen Sport Bund (DOSB) den Vorsitz aus.
Zwei Programme dienen als inhaltlicher Orientierungsrahmen der sportwissenschaftlichen Forschungsförderung: das BISp-Programm zur Schwerpunktsetzung sportwissenschaftlicher Forschung und das
Langfristige strategische Forschungsprogramm für das
Wissenschaftliche Verbundsystem im Leistungssport
(WVL) des Strategieausschusses. Mit beiden Programmen wird die Forschung konsequent auf die Zielgrößen
der Wettkampfleistung im Spitzensport, ihre Einflussgrößen und die Möglichkeiten zur Beeinflussung
unter der Prämisse eines humanen Leistungssports
und unter den Bedingungen der offenen Gesellschaft
ausgerichtet. Dabei nehmen der olympische und paralympische Spitzensport vordringliche Rollen ein. In
beiden Programmen kommt der Dopingbekämpfung
eine herausgehobene Bedeutung zu.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Die sportwissenschaftliche Forschung wird maßgeblich
über das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp)
organisiert (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft). Das BMI
förderte die sportwissenschaftliche Projektförderung
des BISp im Jahr 2015 mit 4,799 Mio. Euro.
Um die Zukunftsfähigkeit der Strukturen der Spitzensportförderung – einschließlich der wissenschaftlichen
Unterstützung des Spitzensports – zu sichern, wird derzeit ein Reformkonzept erarbeitet. Dieses Konzept soll
zeitnah nach den Olympischen und Paralympischen
Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro abgeschlossen
sein.

Weitere Informationen im Internet:

Sportförderung des BMI: www.bmi.bund.de/DE/
Themen/Sport/sport_node.html
Wissenschaftliches Verbundsystem für den
Leistungssport: www.bisp.de/DE/ForschungFoerdern/BISp_im_WVL/BISp_im_WVL_node.html
Bundesinstitut für Sportwissenschaft:
www.bisp.de
Deutscher Olympischer Sportbund: www.dosb.de

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

2	

207

Vernetzung und Transfer

Zielgerichtete Initiativen zur Bündelung komplementärer Kompetenzen und Ressourcen in Kooperationen, Clustern
und Netzwerken ermöglichen die effiziente und umfassende Überführung von Forschungsergebnissen in die Anwendung. Sie stärken den wechselseitigen Ideen, Wissens- und Technologietransfer zwischen Unternehmen, Hochschulen,
außeruniversitären Forschungseinrichtungen und weiteren Akteuren aus der Gesellschaft und damit den Innovationsstandort Deutschland.

Die Bundesregierung stärkt die Hochschulen in der
Erprobung neuartiger Strategien der Zusammenarbeit
in der Region und unterstützt sie im Auf- und Ausbau
innovativer Kooperationsformate. Damit wird die
Profilierung der deutschen Hochschulen als attraktive
Innovationspartner für Wirtschaft und Gesellschaft
vorangetrieben. Die Kooperation von Hochschulen
und Forschungseinrichtungen mit Wirtschaft und
Gesellschaft wird durch gezielte Maßnahmen auf der
Basis strategischer Programme und Leitlinien gestärkt
und ausgebaut. Gemeinsam mit den Ländern konnte
mit der Fortschreibung des Paktes für Forschung und
Innovation bis 2020 eine Intensivierung der Vernetzungs- und Transferaktivitäten der Wissenschafts- und
Forschungsorganisationen vereinbart werden. Der
Spitzencluster-Wettbewerb, das Projekt go-cluster und
die Initiative Forschungscampus fördern die themenund ergebnisorientierte strategische Kooperation zwischen Wissenschaft, Unternehmen und Gesellschaft.
Um die Innovationspotenziale von Fachhochschulen
noch besser nutzbar zu machen, unterstützt das BMBF
mit dem Programm Forschung an Fachhochschulen
FuE-Kooperationen zwischen Fachhochschulen und
Unternehmen sowie die Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Die Wege von der Forschung in den Markt oder in die
gesellschaftliche Anwendung sollen künftig noch kürzer
und schneller werden. Dabei gilt es in erster Linie, die
Innovationslücke zwischen ersten Ergebnissen aus der
Grundlagenforschung und einer möglichen Anwendung
zu schließen. Die BMBF-Fördermaßnahme Validierung
des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP+ unterstützt
Forscherinnen und Forscher dabei, das Innovationspotenzial ihrer Forschungsergebnisse frühzeitig zu validieren, um relevante wirtschaftliche oder gesellschaftliche
Anwendungsbereiche zu erschließen. Um Verwertung
und Technologietransfer weiter zu intensivieren, wurden
die Patentierungs- und Normungsaktivitäten des BMWi
Anfang 2016 in der Maßnahme Wissens- und Technologietransfer durch Patente und Normen (WIPANO) gebündelt.
Die Integration aller am Innovationsprozess beteiligten deutschen Akteure in internationale Wissensflüsse
und Netzwerke trägt entscheidend zur deutschen
Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit bei. Neben der
Internationalisierung regionaler Innovationscluster
mit der Initiative go-cluster werden seit 2015 mit der
Maßnahme Internationalisierung von Spitzenclustern,
Zukunftsprojekten und vergleichbaren Netzwerken internationale Vernetzungsaktivitäten gefördert.

208 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

2.1	 Unterstützung von Kooperationen
zwischen öffentlich geförderter Forschung,
Wirtschaft und Gesellschaft
Entsprechend der Vielfalt der deutschen Forschungs- und Innovationslandschaft setzt die Bundesregierung zur
Förderung der Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft unterschiedliche Schwerpunkte. Ziel ist die
Förderung einer Innovationskultur, in der Transferaktivitäten und -erfolge eine angemessene Wertschätzung erfahren sowie produktive Netzwerke und strategische Kooperationen auf der Basis gegenseitigen Vertrauens angestoßen
werden. Innovative Ideen werden so schneller erkannt und gemeinsam kreativ umgesetzt.

Mit der Fortschreibung des Paktes für Forschung und
Innovation bis zum Jahr 2020 wurde mit den Wissenschafts- und Forschungsorganisationen eine Intensivierung der Vernetzungs- und Transferaktivitäten vereinbart. Die Vernetzung im Wissenschaftssystem soll
zu einer nachhaltigen Etablierung von Partnerschaften
zwischen Wirtschaft und Wissenschaft führen und die
internationale Zusammenarbeit soll ausgebaut werden.
Bund und Länder streben – vorbehaltlich der jährlichen Haushaltsverhandlungen mit den Einrichtungen
und vorbehaltlich der Mittelbereitstellung durch die
gesetzgebenden Körperschaften – an, den einzelnen
Wissenschaftsorganisationen jährlich einen Aufwuchs
der Zuwendung um 3 % zu gewähren (siehe auch IV Die
Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern).

Spitzencluster-Wettbewerb
Der Spitzencluster-Wettbewerb unterstützt die leistungsfähigsten Cluster aus Wissenschaft und Wirtschaft
dabei, ihre Anziehungskraft zu vergrößern und sich im
internationalen Wettbewerb in der Spitzengruppe zu etablieren. Seit 2007 wurde in drei Wettbewerbsrunden 15
Spitzencluster von einer unabhängigen Jury ausgewählt.
Dabei wurden die Cluster mit den besten Strategien für
Zukunftsmärkte in ihren jeweiligen Technologiefeldern
ausgesucht. Jeder Spitzencluster wird über fünf Jahre mit
bis zu 40 Mio. Euro gefördert. Fast 30 % der Fördermittel
gehen an kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Bis
zum Ende der Förderperiode im Jahr 2017 werden so zusammen mit den Eigenbeiträgen der Wirtschaft bis zu 1,2
Mrd. Euro für Projekte zur Umsetzung der Clusterstrate-

gien eingesetzt. Dazu kommen eine Vielzahl von im Rahmen der Spitzenclusteraktivitäten initiierten Investitionen in Forschungs- und Bildungsinfrastrukturen und die
erfolgreiche Beteiligung beispielsweise an europäischen
Programmen wie den Wissens- und Innovationszentren
des Europäischen Instituts für Technologie (KIC-EIT).
Bereits der 2014 erschienene Abschlussbericht der
begleitenden Evaluierung zeigte auf: Der SpitzenclusterWettbewerb ist ein besonders erfolgreiches Instrument der Forschungs- und Innovationsförderung. Ein
wesentlicher Erfolgsfaktor ist die enge Vernetzung der
regionalen Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft,
die durch die Förderung stark zugenommen hat. Ein
Indiz für die Nachhaltigkeit der Förderung ist, dass
alle zehn Spitzencluster der ersten beiden der drei
Wettbewerbsrunden, deren Förderung zum Teil bereits
seit mehr als zwei Jahren ausgelaufen ist, mit nahezu

Weitere Informationen im Internet:

Spitzencluster-Wettbewerb:
www.bmbf.de/de/20741.php
Überblick über die geförderten Spitzencluster:
www.bmbf.de/pub/Deutschlands_Spitzencluster.
pdf
Evaluierungsbericht:
www.rwi-essen.de/spitzencluster.pdf

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

konstanten Kapazitäten in den Clustermanagements
und weiterhin hohem Engagement der Clusterakteure
in den Gremien weiterarbeiten. So sind die Spitzencluster weiterhin Katalysatoren für gemeinsame Bildungsund Forschungsaktivitäten, ein gutes Pflaster für
Start-ups und sie stärken die Reputation des Innovationsstandorts Deutschland. Dies zeigte sich auch auf der
3. BMBF-Clusterkonferenz 2015 in Berlin, an der 600
Clusterakteure sowie Expertinnen und Experten aus
dem In- und Ausland teilnahmen.

go-cluster
Das Programm go-cluster des BMWi steht für eine
zukunftsorientierte Clusterpolitik mit dem Ziel, leistungsfähige Innovationscluster hin zu international
exzellenten Clustern weiterzuentwickeln. go-cluster
bietet bedarfsorientierte Serviceleistungen für die
Clusterakteure oder Vertreterinnen und Vertreter aus
Politik, Wissenschaft und Wirtschaft an. Die regelmäßige Analyse von Trends der internationalen Clusterpolitik gibt Empfehlungen für die Ausrichtung der
deutschen Perspektive. go-cluster fördert außerdem
die Entwicklung und Umsetzung neuartiger Konzepte
wie z. B. innovative Clusterservices oder CrossClusterKooperationen, die von den beteiligten Clustermanagements nachhaltig implementiert werden.
Nationale Innovationscluster können sich um eine
Aufnahme in go-cluster bewerben. go-cluster vereint
derzeit 100 Innovationscluster aus allen Regionen
Deutschlands und vernetzt somit fast 13.000 Clusterakteure, darunter über 7.000 KMU aus 16 Technologiefeldern. Über Best-Practice-Beispiele informiert
regelmäßig die Reihe ClusterERFOLGE. Diese umfassen
beispielsweise neue internationale Kooperationen,
gemeinsam entwickelte innovative Produkte oder
Dienstleistungen, neue Maßnahmen zur Fachkräftesicherung sowie Gründungsunterstützung.

Weitere Informationen im Internet:

go-cluster: go-cluster.de

209

Clusterplattform Deutschland
Mit der Clusterplattform Deutschland stellen BMWi
und BMBF mit Unterstützung der Länder die zentrale
Informationsplattform für Clusterakteure in Deutschland und im Ausland über die Clusterlandschaft und
-politik zur Verfügung. Die Website, in Deutsch und
Englisch verfügbar, informiert nicht nur über laufende
Ausschreibungen und Programme auf den verschiedenen Ebenen von den Ländern über den Bund bis
zur EU, sondern gibt auch interessante Einblicke in
die deutsche Clusterlandschaft. Mittels einer Suchfunktion mit verschiedenen Auswahlkriterien wie z. B.
Exzellenzmaßnahme, technologischer Fokus sowie
Bundesland kann gezielt nach Clustern – differenziert
nach Technologiefeldern und Standorten recherchiert
werden.

Weitere Informationen im Internet:

Clusterplattform Deutschland: clusterplattform.de

Forschungscampus
Komplexe und vielschichtige Forschungsfelder mit hohem Forschungsrisiko, aber auch hohem Potenzial für
Sprunginnovationen, erfordern langfristig angelegte
Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.
Im Jahr 2011 hat das BMBF die Förderinitiative Forschungscampus als neuartiges Kooperationsinstrument
zur Stärkung langfristiger strategischer Partnerschaften gestartet. In einem Forschungscampus bündeln
die Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft ihre
Kompetenzen gemeinsam unter einem Dach; sie arbeiten an einem langfristig angelegten Forschungsthema
und begründen dazu eine verbindliche öffentlichprivate Partnerschaft. Für einen Zeitraum von bis zu
15 Jahren erhält jeder Forschungscampus eine Anreizfinanzierung von bis zu 2 Mio. Euro pro Jahr. Die Partner
in den neun Forschungscampi planen für die bis zu
fünfjährige erste Hauptphase, über ihre Eigenanteile
in den geförderten Projekten hinaus, Eigenbeiträge in

210 	

Höhe von ca. 244 Mio. Euro. Verbindliche Vereinbarungen regeln die Zusammenarbeit und vor allem den
Umgang mit geistigem Eigentum. Sie sind das Fundament, auf dem die vertrauensvolle und langfristige
Zusammenarbeit der Partner in den Forschungscampi
aufgebaut ist.
Der erste Forschungscampus ist bereits 2012 auf Empfehlung der unabhängigen Jury direkt in die zunächst
bis zu fünfjährige erste Hauptphase gestartet. Weitere
acht Forschungscampi hat die Jury nach einer bis zu
zweijährigen Vorphase, die jeweils erfolgreich zur
Ausarbeitung eines langfristig tragfähigen Forschungsprogramms genutzt wurde, für eine Förderung in der
Hauptphase empfohlen. Damit befinden sich die folgenden neun Forschungscampi in der Hauptphase der
Förderinitiative und setzen ihr Forschungsprogramm
um:
∙∙ ARENA2036 – Active Research Environment for the
Next Generation of Automobiles in Stuttgart verfolgt
das Ziel, mit intelligentem Leichtbau und einer optimierten flexiblen Produktion die wandlungsfähige
Automobilfabrik der Zukunft zu entwickeln.
∙∙ DPP – Digital Photonic Production in Aachen zielt
auf den ressourcen- und energieeffizienten Einsatz
von Lasern als Werkzeug in der Produktion und
Bauteilfertigung ab.
∙∙ FEN – Elektrische Netze der Zukunft in Aachen
widmet sich der Erforschung von Gleichspannungsnetzen aller Spannungsebenen zur Stromübertragung und -verteilung für die zukünftige Energieversorgung in Deutschland vor dem Hintergrund der
Energiewende.
∙∙ InfectoGnostics in Jena entwickelt neue Methoden
für den hocheffizienten, schnellen und mobilen
Nachweis von Infektionserregern und mikrobiellen
Kontaminationen.
∙∙ Mobility2Grid in Berlin erforscht die Verbindung der
Nutzung regenerativer Energien mit der Zukunft der
urbanen Mobilität in einem Stadtquartier.
∙∙ MODAL – Mathematical Optimization and Data
Analysis Laboratory in Berlin entwickelt Methoden

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

zur Simulation und Optimierung hochkomplexer
datenintensiver Prozesse.
∙∙ M2OLIE – Mannheim Molecular Intervention Environment entwickelt einen neuartigen Ansatz diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen, der auf
molekularer Ebene die Untersuchung und Therapie
von Krebserkrankungen ermöglicht.
∙∙ Open Hybrid LabFactory – Materialentwicklung und
Produktionstechnik für den wirtschaftlichen und multifunktionalen Leichtbau in Wolfsburg adressiert mit
der Entwicklung von großserientauglichen Leichtbaukomponenten den Automobilbau der Zukunft.
∙∙ STIMULATE – Solution Centre for Image Guided Local
Therapies in Magdeburg entwickelt und optimiert
bildgeführte minimalinvasive Methoden für die Diagnose und Behandlung von Krebs-, Neurologie- und
Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Das 2012 gestartete Begleitvorhaben Forschungscampus
pro aktiv erweitert die Wissensbasis der Innovationsforschung und -politik zu öffentlich-privaten Kooperationsformen für die Forschung und unterstützt den
kontinuierlichen Austausch zwischen allen Beteiligten
der Förderinitiative Forschungscampus. Das generierte
Erfahrungswissen wird einem breiten Kreis von Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Poli-

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

tik nutzbar gemacht und in die künftige Ausgestaltung
öffentlich-privater Partnerschaften für die Forschung
einfließen.

Weitere Informationen im Internet:

Forschungscampus:
www.forschungscampus-deutschland.de
Darstellung aller Forschungscampi: www.bmbf.
de/pub/Forschungscampus_2014_bf.pdf
Begleitforschung: https://www.vdivde-it.de/forschungscampus/public

Forschung an Fachhochschulen
Fachhochschulen forschen anwendungs- und lösungsorientiert. Sie arbeiten vielfach bereits eng mit
regionalen Unternehmen zusammen und leisten einen
wichtigen Beitrag zur Qualifizierung von Fachkräften.
Bereits seit 1992 unterstützt das BMBF den Wissensund Technologietransfer zwischen Fachhochschulen
und Unternehmen. Das Programm Forschung an Fachhochschulen ist das zentrale Instrument zur Förderung
der anwendungsorientierten Forschung an Fachhochschulen in den Ingenieur-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften, in der sozialen Arbeit sowie in den Pflegeund Gesundheitswissenschaften.

211

fizierung von forschungsstarkem Nachwuchs im
Rahmen von kooperativen Promotionen .
∙∙ Soziale Innovationen für Lebensqualität im Alter
(SILQUA-FH) ermöglicht praxisorientierte Forschungsprojekte im Bereich soziale Arbeit sowie in
den Pflege- und Gesundheitswissenschaften.
∙∙ Förderung von strategischen Investitionen an Fachhochschulen (FHInvest) ermöglichte 2013 und 2014
die Förderung von Investitionsprojekten zur Bereitstellung und Anwendung innovativer technischer
Forschungsgeräte. Seit 2015 werden Forschungsgroßgeräte zu vergleichbaren Bedingungen im Rahmen
der Förderlinie FHprofUnt gefördert.
∙∙ 2015 initiierte das BMBF die themenoffene Maßnahme Starke Fachhochschulen – Impuls für die Region
(FH-Impuls). FH-Impuls richtet sich an forschungsstarke Fachhochschulen, die einen bereits vorhandenen Forschungsschwerpunkt mit hohem Transfer- und Umsetzungspotenzial ausbauen und ihr
Forschungsprofil nachhaltig schärfen wollen.
Das Fördervolumen des Programms Forschung an
Fachhochschulen hat sich seit 2005 von 10,5 Mio. auf
45,9 Mio. Euro im Jahr 2015 mehr als vervierfacht. Von
2006 bis 2014 wurden an bundesweit rund 125 Fachhochschulen etwa 1.400 Forschungsvorhaben durchgeführt und insgesamt 286 Mio. Euro Fördermittel
bereitgestellt.

Weitere Informationen im Internet:

Die Förderlinien des Programms eröffnen themenoffene und themenspezifische Fördermöglichkeiten:

Forschung an Fachhochschulen:
www.bmbf.de/de/864.php

∙∙ Forschung an Fachhochschulen mit Unternehmen (FHprofUnt) fördert FuE-Kooperationen vor allem mit
KMU, um durch Wissens- und Technologietransfer
zu innovativen Lösungen für die betriebliche Praxis
zu gelangen.

FH-Impuls:
www.ptj.de/fachhochschulen_fh-impuls

∙∙ IngenieurNachwuchs unterstützt die forschungs- und
anwendungsnahe Qualifizierung von Ingenieurinnen
und Ingenieuren und hier insbesondere die Quali-

212 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

2.2	 Schließen von Verwertungslücken
Zur Umsetzung innovativer Produkt- oder Prozesslösungen muss die Brücke zwischen der Forschung und der Verwertung, also der Anwendung von Forschungsergebnissen, weiter gestärkt werden. Im Prozess des Ideen-, Wissens- und
Technologietransfers sind die Validierung und der Schutz geistigen Eigentums sowie die Erarbeitung von Normen und
Standards entscheidend für die kommerzielle Verwertung.

Mit der neuen Maßnahme Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP+ soll die Innovationslücke zwischen der akademischen Forschung und der
wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Anwendung
geschlossen werden. Der Weiterentwicklung der Validierungsförderung wird ein breiter Innovationsbegriff
zugrunde gelegt, der technologische und gesellschaftliche Innovationen gleichermaßen adressiert.
Neben der Verwertung von Ideen kommt auch der
Sicherung von Ideen und Erkenntnissen eine heraus-

ragende Bedeutung für den Wissens- und Technologietransfer zu. Patentierung und Markteintritt bergen
Herausforderungen vor allem für Unternehmen sowie
Hochschulen, Universitäten und außeruniversitäre
Forschungseinrichtungen. Das BMWi setzte mit den
Maßnahmen SIGNO sowie TNS und INS programmatische Schwerpunkte in der Förderung des Technologietransfers durch gewerbliche Schutzrechte sowie durch
Normung und Standardisierung. Seit Anfang 2016
bündelt das BMWi seine Aktivitäten in diesem Bereich
mit der neuen Förderrichtlinie Wissens- und Technologietransfer durch Patente und Normen (WIPANO).

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Validierung des technologischen
und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher
Forschung – VIP+
Die 2015 gestartete BMBF-Fördermaßnahme Validierung des technologischen und gesellschaftlichen
Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung
– VIP+ schließt die Innovationslücke zwischen ersten
Ergebnissen aus der Grundlagenforschung und ihrer
wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Anwendung.
VIP+ unterstützt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei, das Innovationspotenzial ihrer Forschungsergebnisse in einer noch frühen, risikoreichen
Entwicklungsphase zu prüfen und nachzuweisen sowie
mögliche Anwendungsbereiche zu erschließen. Zudem
soll die Akzeptanz des Marktes und der Gesellschaft für
neue Anwendungen unter Berücksichtigung rechtlicher und ethischer Rahmenbedingungen untersucht
werden. So schafft VIP+ die Voraussetzungen für die
Weiterentwicklung von relevanten Forschungsergebnissen zu innovativen Produkten, Prozessen oder
Dienstleistungen und reduziert das Investitionsrisiko
für Dritte.
Im Sinne der Hightech-Strategie wird VIP+ ein erweiterter Innovationsbegriff zugrunde gelegt, der technologische und gesellschaftliche Innovationen gleichermaßen umfasst. Forschende aus Natur-, Lebens- und
Ingenieurwissenschaften sowie aus Geistes-, Sozialund Kulturwissenschaften können mithilfe der Förderung ihre Forschungsergebnisse weiterentwickeln und
Innovationspotenziale für Wirtschaft und Gesellschaft
erschließen. Mit VIP+ werden diese Validierungsarbeiten in Vorhaben von bis zu drei Jahren mit bis zu 1,5
Mio. Euro gefördert. Jedes Vorhaben wird von einem
Innovationsmentor oder einer Innovationsmentorin
begleitet. Dies stellt sicher, dass die Forscherinnen und
Forscher im Innovationsprozess strategische Unterstützung von anwendungs- und verwertungserfahrenen Expertinnen und Experten erhalten.
Die Fördermaßnahme VIP+ baut auf der erfolgreichen
Pilotmaßnahme Validierung des Innovationspotenzials
wissenschaftlicher Forschung – VIP auf. Im Rahmen von
VIP wurden knapp 140 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 150 Mio. Euro bewilligt, die zum Teil

213

noch bis 2017 laufen. Die Ergebnisse der Evaluierung
der Pilotmaßnahme bestätigten, dass VIP als Instrument der Innovationsförderung den Bedarf der Zielgruppe trifft. VIP trägt wesentlich dazu bei, die häufig
bestehende Förderlücke in der Validierungsphase, die
eine nachfolgende erfolgreiche Verwertung vorbereitet,
zu schließen.

Weitere Informationen im Internet:

Validierung des Innovationspotenzials wissenschaft-licher Forschung – VIP+:
www.validierungsfoerderung.de
Evaluierungsbericht VIP: www.isi.fraunhofer.
de/isi-wAssets/docs/p/de/publikationen/201407-15-VIP-Bericht-Gesamtdokument.pdf

Innovationsorientierung
in der Forschung
Die BMBF-Förderlinie Innovationsorientierung in der
Forschung unterstützt außeruniversitäre Forschungseinrichtungen bei Verwertungsprozessen. Ziel ist es,
dass Transferaspekte möglichst frühzeitig und parallel
zur Forschung sowie kontinuierlich und wechselseitig
Berücksichtigung finden. In engem Kontakt mit den
Transferbeauftragten der Institute werden Konzepte
und Instrumente entwickelt, welche eine nachhaltige
Nutzung der Forschungsergebnisse ermöglichen. Die

Weitere Informationen im Internet:

Innovationsorientierung in der Forschung:
www.dlr.de/pt/desktopdefault.aspx/tabid-7952/13533_read-34379/
Life Science Inkubator:
www.life-science-inkubator.de

214 	

Förderlinie ist in vier Schwerpunkte aufgeteilt: Stärkung der Verwertungskultur, Verwertungsstrukturen,
Exemplarische Verwertung sowie Ausgründungen und
Inkubatoren (siehe auch III 3.2 Innovative Start-ups).

Patentierung und Normung
Mit dem Programm SIGNO – Schutz von Ideen für die
gewerbliche Nutzung förderte das BMWi von 2008 bis
2015 den Technologietransfer durch die effiziente
Nutzung geistigen Eigentums. In drei verschiedenen
Förderaktivitäten wurden Hochschulen, Unternehmen
(vor allem KMU) sowie Erfinderinnen und Erfinder
bei der rechtlichen Sicherung und wirtschaftlichen
Verwertung ihrer innovativen Ideen unterstützt. Das
Programm wurde 2014 positiv evaluiert.
Im Rahmen der Förderrichtlinie Transfer von FuEErgebnissen durch Normung und Standardisierung
(TNS) unterstützte das BMWi Maßnahmen zur beschleunigten Umsetzung innovativer Technologien
und Verfahren mittels Normung und Standardisierung.
Die 2010 gestartete und bis Ende 2015 abgeschlossene Fördermaßnahme richtete sich in erster Linie an
Unternehmen (vor allem KMU) sowie an universitäre
und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Die
geförderten Vorhaben waren besonders auf Transferaktivitäten und normungsrelevante Ergebnisse fokussiert.
Darüber hinaus wurde die Richtlinie einer Erfolgskontrolle unterzogen, in der die teilnehmenden Unternehmen und Institutionen eine positive Gesamteinschätzung abgegeben haben.
Bei INS – Innovationen mit Normen und Standards
handelte es sich um einen Förderansatz des BMWi, der
2015 ausgelaufen ist. INS zielte auf die Markteinführung
innovativer Produkte, bei denen – im Gegensatz zu TNS
– regelmäßig keine Forschungs- und Entwicklungsarbeit in größerem Umfang erforderlich war. Die INSVorhaben waren damit in der Regel marktnäher als die
TNS-Vorhaben.
Anfang 2016 trat die Richtlinie WIPANO – Wissens- und
Technologietransfer durch Patente und Normen zur Förderung des Technologie- und Wissenstransfers durch
Patente, Normung und Standardisierung zur wirtschaftlichen Verwertung innovativer Ideen von Hoch-

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

schulen und Unternehmen in Kraft. WIPANO löst die
bisherigen Förderungen SIGNO, INS und TNS ab. Dies
dient der Konsolidierung der Innovationsförderung
des BMWi. Die Förderung des Wissens- und Technologietransfers durch Patente und Normen wird durch die
Zusammenfassung deutlich gestrafft. Die Förderung
wurde klarer und übersichtlicher ausgestaltet. Gleichzeitig wurde der Wettbewerbsgedanke bei der Auftragsvergabe im Rahmen der Förderung gestärkt.
Für 2016 stehen 23 Mio. Euro zur Verfügung. WIPANO richtet sich an Unternehmen sowie Hochschulen,
Universitäten und außeruniversitäre öffentliche Forschungseinrichtungen.

Weitere Informationen im Internet:

Allgemeine Informationen des BMWi zum Thema
Normen und Standardisierung:
www.bmwi.de/DE/Themen/Technologie/Rahmenbedingungen/normen-und-standards.html
SIGNO-Ergebnisbericht (Fraunhofer ISI):
www.signo-deutschland.de/e5072/e13035/ SIGNO_Erfolgskontrolle_Endbericht_FraunhoferISI.
pdf
INS-Ergebnisbericht 2014: www.din.de/de/forschung-und-innovation/foerdervorhaben
Förderrichtlinie WIPANO: www.wipano.de

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

215

2.3	 Verstärkte Internationalisierung von Clustern
und Netzwerken
Die Leistungsfähigkeit innovativer Standorte wird künftig nicht mehr nur von der engen Einbindung in regionale
und nationale Netzwerke abhängen. Leistungsstarke Netzwerke können ihre Stärken durch internationale Allianzen
gemeinsam ausbauen. Die Integration in internationale Kooperationen und Wissensflüsse ist dafür entscheidend.

Globale Herausforderungen und weltweite Innovationschancen übersteigen oft die Möglichkeiten
produktiver regionaler Innovations- und Wertschöpfungsketten. Sie müssen deshalb immer öfter
arbeitsteilig mit internationalen Partnern angegangen
werden. Dies fördert die neue Maßnahme Internationalisierung von Spitzenclustern, Zukunftsprojekten und
vergleichbaren Netzwerken. Mit bedarfsorientierten
Serviceleistungen unterstützt die Initiative go-cluster
leistungsfähige Innovationscluster bei ihrer Entwicklung zu international exzellenten Clustern. Die
Bundesregierung stärkt darüber hinaus die Zusammenarbeit im Europäischen Forschungsraum durch
eine enge Verzahnung nationaler und europäischer
Forschungs- und Innovationsförderung (siehe auch V
2 Deutschlands Rolle in Europa).

Internationalisierung von Spitzenclustern, Zukunftsprojekten und
vergleichbaren Netzwerken
Ende 2014 startete das BMBF eine neue Fördermaßnahme, um Spitzencluster, Zukunftsprojekte und vergleichbare Netzwerke in ihren Internationalisierungsbestrebungen zu unterstützen. Ausgewählte Netzwerke
und Cluster intensivieren in einer Konzeptions- und
einer Umsetzungsphase bestehende Kontakte zu
internationalen Innovationsregionen mit dem Ziel, im
Rahmen international ausgerichteter Forschungsprojekte Innovationssprünge zu realisieren. Die Förderung
erstreckt sich über bis zu fünf Jahre und beläuft sich auf
jeweils bis zu 4 Mio. Euro.
Als Ergebnis der ersten von insgesamt drei vorgesehenen Wettbewerbsrunden – die zweite ist im Dezember
2015 gestartet – werden in elf Projekten zunächst

Konzeptionsphasen über zwei Jahre seit Anfang 2016
gefördert, an die sich die Förderung von internationalen Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsprojekten zur Umsetzung der Strategien über bis zu drei
Jahre anschließt:
∙∙ Der Biotechnologie-Spitzencluster BioRN aus der Metropolregion Rhein-Necker zielt auf die „Erweiterung
der Health Axis Europe um weitere Spitzenstandorte der Biomedizin in Europa und Entwicklung
einer Kooperationsplattform für KMU (HAE4SME)“ ab.
∙∙ Der Cluster Industrielle Biotechnologie e. V. CLIB2021
aus Düsseldorf kooperiert im Rahmen des Projekts
BioInnovation Growth Mega Cluster (BIG-C) eng mit
Partnern in den Niederlanden sowie Belgien und
forscht an innovativen Verfahren und Anwendungen
in der Bioökonomie.
∙∙ Der fränkische Cluster Leistungselektronik im ECPE
e. V. erforscht im Projekt Die nächste Generation der
Leistungselektronik – Leistungshalbleiter-Bauelemente mit hohem Bandabstand und deren Systemintegration (CLINT-WPE) u. a. Elektronikbauteile zur
effizienteren Umwandlung von Energie.
∙∙ Der Spitzencluster Hamburg Aviation entwickelt
unter Transatlantische Spitzenkompetenz für Neues
Fliegen (HAvWings) u. a. im Verbund mit kanadischen
Partnern innovative Lösungen zur nachhaltigen
Schonung von Klima und Ressourcen.
∙∙ Das Institut für Kunststoffverarbeitung (IKV) Aachen
forscht an alternativen Werkstoffen auf Kunststoffbasis und initiierte das Projekt IKV Global Cluster
Network for Innovative Plastics Materials and Processes.

216 	

∙∙ Das Kunststoff-Institut Lüdenscheid beschäftigt sich
im Rahmen der Entwicklung eines Internationalisierungskonzepts für das KIMW-Cluster-Netzwerk (CAP)
mit innovativen Materialien für die kunststoffverarbeitende Industrie.
∙∙ Der Spitzencluster Medical Valley EMN aus Erlangen
plant den Aufbau eines internationalen Innovationssystems der Medizintechnik und Gesundheitswirtschaft.
∙∙ In Chemnitz wird die Internationalisierung des
Clusters MERGE im Rahmen des Vorhabens „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen
(MERGEurope)“ gefördert.
∙∙ In Thüringen widmet sich der Cluster OptoNet dem
Thema Global Power: Photonische Lösungen für
Zukunftsfragen (gloWIN).
∙∙ Organic Electronics Saxony (OES) arbeitet an einem
innovativen Ansatz zur Internationalisierung des
Netzwerks Organic Electronics Saxony.
∙∙ Im Rahmen des Software-Spitzenclusters wird rund
um die Entwicklungszentren Darmstadt, Karlsruhe,
Kaiserslautern, Saarbrücken und Walldorf an der
Software-Cluster-Internationalisierungsstrategie zur
Komplettierung von Kernkompetenzen für Zukunftsthemen der Unternehmenssoftwarebranche (SCIKE)
gearbeitet.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Mit einem Monat Vorlauf startete im Dezember 2015
die Begleitforschung InterSpiN, die gemeinsam von
der Universität Bremen und dem Institut für Weltwirtschaft Kiel unter Beteiligung der Technopolis Group
durchgeführt wird. Ziel ist es, das Wissen zu Fragen der
internationalen Zusammenarbeit von Clustern und
Netzwerken auszubauen, die Ergebnisse an die Akteure zurückzuspielen und den Erfahrungsaustausch zu
organisieren.

Weitere Informationen im Internet:

Internationalisierung von Spitzenclustern, Zukunftsprojekten und vergleichbaren Netzwerken:
www.cluster-networks-international.de

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

3	

217

Innovationsdynamik in der Wirtschaft

Die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft wird durch leistungsfähige und kreative Unternehmen gestärkt. Mit
Blick auf die FuE-starken Großunternehmen sind Innovationspotenziale vor allem im Mittelstand und im Handwerk,
bei technologieorientierten Ausgründungen sowie regionenorientiert zu heben. Die staatliche Forschungs- und Innovationsförderung ist daher besonders darauf gerichtet, den Kreis innovativer, wachstumsstarker kleiner und mittlerer
Unternehmen durch geeignete Maßnahmen zu erhöhen.

Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU), werden in Deutschland durch ein abgestimmtes und effektives System der Forschungs- und
Innovationsförderung unterstützt. Technologieoffene
Programme, wie das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand, und die technologiespezifischen Maßnahmen
von KMU-innovativ fördern KMU in ihrer Forschungsund Entwicklungstätigkeit. Darüber hinaus werden KMU
in weiteren Fachprogrammen gezielt angesprochen.
Die Innovationsdynamik einer Volkswirtschaft wird
maßgeblich durch das Gründungsgeschehen beeinflusst. Gründungen aus forschungs- und wissensintensiven Sektoren tragen überdurchschnittlich zu Wachstum und Beschäftigung bei, sind aber zu Beginn häufig
unterfinanziert. Die Programme EXIST, INVEST, GOBio, IKT Innovativ sowie der High-Tech-Gründerfonds,
der ERP-Startfonds und dessen Nachfolger coparion
fördern die Entfaltung einer neuen Gründungsdy-

namik vor allem in den Frühphasen neuer technologischer Entwicklungen und stärken Deutschland als
wettbewerbsfähigen Standort für Wagniskapital.
In strukturschwachen Regionen sind Innovationspotenziale zu erschließen, um Innovationskraft, Wirtschaftswachstum und Beschäftigung zu stärken. In den
ostdeutschen Ländern wird der Ausbau von technologischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen
Kompetenzen und deren Vernetzung fortgeführt. Die
Innovationsinitiative für die Neuen Länder – Unternehmen Region fördert die Herausbildung international
wettbewerbsfähiger Kompetenzstandorte und Cluster
mit hoher Innovationsdynamik in mehreren erfolgreichen Programmformaten. Die Regionalförderung der
Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur hilft strukturschwachen Regionen in
Ost und West, technologie- und investitionspolitische
Ziele zu erreichen.

218 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

3.1 	 Innovativer Mittelstand
Kleine und mittlere Unternehmen haben häufig das Problem, eigene Forschungsvorhaben zu finanzieren und werden
dadurch in ihrem Engagement für die Entwicklung neuer Produkte und effizienterer Prozesse gebremst. Durch die Zusammenarbeit in Netzwerken und im Verbund mit Forschungseinrichtungen wird angestrebt, gemeinsame Kapazitäten
für Forschung und Entwicklung zu schaffen.

Der Mittelstand ist die Triebfeder einer dynamischen Wirtschaftsentwicklung in Deutschland. Die
Steigerung der Innovationskraft der mittelständischen Wirtschaft ist daher ein wesentliches Ziel der
Bundesregierung. Die Innovationsförderung für den
Mittelstand setzt sowohl auf technologiespezifische
als auch auf technologieoffene Förderangebote. Die
technologieoffene Förderung bietet transparent, leicht
zugänglich und unkompliziert die Chance, neue Ideen
oder unkonventionelle Lösungen rasch in marktfähige
Produkte oder Dienstleistungen umzusetzen. Durch
ein breites Spektrum an Maßnahmen werden KMU
sowohl in der Entwicklung tragfähiger Finanzierungsund Kooperationskonzepte als auch mit themenspezifischen sowie allgemeinen, Orientierung gebenden
Beratungs- und Informationsangeboten unterstützt.
Auch auf europäischer Ebene werden KMU durch
gezielte Förderangebote angesprochen. Horizont 2020
unterstützt in seinem zweiten Teil – Führende Rolle
der Industrie – mit dem Förderprogramm Innovation
in KMU ausschließlich KMU bei Projekten und ihrer
Entwicklung zur Marktreife. Das KMU-Forschungsförderprogramm EUROSTARS fördert grenzüberschreitende Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, die von
forschungstreibenden KMU koordiniert werden. EUROSTARS ergänzt den KMU-Schwerpunkt in Horizont
2020 und setzt dabei sehr viel früher im Innovationszyklus an (siehe auch V 2 Deutschlands Rolle in Europa).

Zentrales Innovationsprogramm
Mittelstand
Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)
des BMWi wendet sich als technologie- und branchenoffenes Förderprogramm an mittelständische
Unternehmen und kooperierende Forschungseinrich-

tungen. Ziel des seit 2008 bestehenden Programms ist
die nachhaltige Förderung der Innovationskraft und
Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen einschließlich des Handwerks und der unternehmerisch tätigen freien Berufe. Über ZIM werden
Forschungs- und Entwicklungsprojekte bezuschusst,
die einen hohen Innovationsgehalt und gute Marktverwertungschancen aufweisen. In jedem Jahr werden Erfolgsbeispiele mit der ZIM-Auszeichnung für herausragende wirtschaftliche Ergebnisse hervorgehoben (siehe
auch Infobox Kostengünstiges mobiles Sandstrahlsystem – ZIM-Einzelprojekt des Jahres 2015).
Seit Bestehen des ZIM haben rund 13.900 Unternehmen und 1.700 Forschungseinrichtungen von der
Förderung profitiert. Insgesamt wurden 8,7 Mrd. Euro
– davon 4,4 Mrd. Euro an Fördermitteln – zusätzlich in
marktorientierte Forschungs- und Entwicklungsprojekte investiert. Von den geförderten Unternehmen
waren 75 % kleine Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten. Aufgrund der positiven Evaluierungsergebnisse
von ZIM in den letzten Jahren und eines ausgeschöpften Fördervolumens erhöhte das BMWi das Förderbudget im Jahr 2015 um 30 Mio. auf 543 Mio. Euro.
ZIM bietet verschiedene Optionen für eine passgenaue
Förderung:
∙∙ Forschung und Entwicklung können entweder im
Betrieb mit eigenem Personal durchgeführt werden
(ZIM-Einzelprojekte) oder
∙∙ in Kooperation mit anderen KMU oder Forschungseinrichtungen wie z. B. Universitäten oder Fraunhofer-Instituten (ZIM-Kooperationsprojekte).
∙∙ Darüber hinaus werden die Entwicklung und das
Management von innovativen Netzwerken gefördert
(ZIM-Kooperationsnetzwerke).

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

∙∙ In jeder der drei Förderlinien können, begleitend
zum bewilligten Projekt, auch Zuschüsse für Innovationsberatungsdienste und innovationsunterstützende Dienstleistungen beantragt werden, die die
Markteinführung der Projektergebnisse unterstützten können.
ZIM-Kooperationsprojekte können auch mit ausländischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen
durchgeführt werden. Um die Zusammenarbeit mit internationalen Kooperationspartnern zu erleichtern, hat
das BMWi mit verschiedenen Ländern Vereinbarungen
zur gegenseitigen Öffnung der Förderprogramme
getroffen. Die Projektpartner werden nach den Förderrichtlinien des jeweiligen Landes unterstützt – vielfach

219

in enger Zusammenarbeit mit den entsprechenden
ausländischen Behörden. Die beteiligten deutschen
Unternehmen werden nach ZIM-Richtlinie gefördert,
sie können aber einen um bis zu 10 % erhöhten Fördersatz erhalten. Länderspezifische Ausschreibungen
erfolgten 2015 u. a. für bilaterale Kooperationen mit
Israel, Frankreich, Finnland und Brasilien.
Mit der 2015 überarbeiteten Förderrichtlinie wurde
ZIM weiter optimiert und bis 2019 verlängert. Zu den
zentralen Neuerungen gehört die Erhöhung der förderfähigen Kosten auf bis zu 380.000 Euro für Unternehmen und 190.000 Euro für Forschungseinrichtungen.
Darüber hinaus sind der Kreis der Antragsberechtigten
ausgeweitet und die Förderkonditionen für For-

Kostengünstiges mobiles Sandstrahlsystem –
ZIM-Einzelprojekt des Jahres 2015

Sandstrahltechnik zur Oberflächenvor- und -endbehandlung vielfältigster
Materialien wird sowohl stationär
als auch mobil eingesetzt. Stationäre
Strahlhallen sind fest installiert und
investitionsintensiv. Die Alternative,
der Einsatz mobiler Druckstrahlgeräte, war bisher mit technischen und
betriebswirtschaftlichen Nachteilen
verbunden, da sie ohne Strahlmittelrückgewinnung und -aufbereitung
arbeiten.
Ziel des ZIM-Einzelprojekts war die
KLEFLER Strahltechnik | Drucklufttechnik, Gera
Entwicklung eines mobilen SandKfz- und Karosseriewerkstätten, Lackierer, Unternehstrahlsystems, das die Vorteile stationärer Strahlhallen
men der Medizintechnik, Maschinenbauunternehmen,
und mobiler Strahlanlagen in einer Anlage zusamLohnstrahler und Hersteller von Betonfertigteilen.
menführt. Dem Elf-Personen-Unternehmen KLEFLER
Strahltechnik aus Gera ist es gelungen, mit seinem
Am 11. Juni 2015 wurden auf dem Innovationstag
innovativen System den Strahlmittelverbrauch und die
Mittelstand des BMWi die Erfolge der mobilen StrahlInvestitionskosten zu senken sowie die Einhaltung des
kabine als „ZIM-Einzelprojekt des Jahres“ mit einer
Grenzwerts für den Reststaubgehalt in der Abluft siUrkunde gewürdigt.
cherzustellen. Zielkunden für die mobile Sandstrahlkabine sind vor allem Zulieferer der Automobilindustrie,

220 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Ticketautomaten schützen Klima
Traffic GmbH Ticketautomaten
mit erheblich reduziertem Stromverbrauch. Durch ein innovatives
Energiemanagement werden alle
Prozesse im Automaten überwacht und reguliert. Die ICA-Ticketautomaten haben damit einen
um 50 % geringeren Energieverbrauch gegenüber vergleichbaren
Geräten, ohne Einschränkungen
bei Leistung und Servicefreundlichkeit. Dadurch spart der
Automat nicht nur Energiekosten
über seine gesamte Lebenszeit,
FG-ELEKTRONIK GmbH | ICA Traffic GmbH | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
sondern trägt gleichzeitig dazu
bei, den umweltschädlichen
CO2-Ausstoß zu verringern. Hierbei können bis zu 1,9
Im Jahr 2008 waren allein in Deutschland etwa zwei
Millionen Dienstleistungsautomaten installiert. Der
Tonnen CO2 pro Automat/Jahr eingespart werden. Seit
Energieverbrauch dieser Automaten betrug zu diese
2011 konnte die Praxistauglichkeit im Feld erfolgreich
Zeitpunkt ca. 1,6 GWh pro Jahr, was einem CO2-Ausnachgewiesen werden. Heute kommen ICA-Ticketautomaten bereits in ganz Deutschland an Bahnhöfen
stoß von ca. 1 Mio. Tonnen und Energiekosten von
und Haltepunkten zum Einsatz.
etwa 160 Mio. Euro entspricht. Im Rahmen der Förderinitiative KMU-innovativ des BMBF entwickelte die ICA

schungseinrichtungen verbessert worden. Neben der
Vereinfachung von Antrags- und Genehmigungsverfahren wurden zudem die Förderquoten für mittlere
Unternehmen zwischen West- und Ostdeutschland
angeglichen. Die Verdopplung des Bonus für grenzüberschreitende FuE-Projekte setzt höhere Anreize zur
internationalen Zusammenarbeit und Vernetzung. Eine
Evaluierung der neuen Förderphase ist geplant.

KMU-innovativ
Die BMBF-Förderinitiative KMU-innovativ ermöglicht kleinen und mittleren Unternehmen seit 2007
den Einstieg in die anspruchsvolle Forschungsförderung der Fachprogramme und binden sie damit in

die jeweilige Spitzenforschungsgemeinschaft ein. Die
durch KMU-innovativ geförderten Unternehmen sind
sehr forschungsstark, überdurchschnittlich jung und
dynamisch. Gleichzeitig erreicht die Maßnahme wei-

Weitere Informationen im Internet:

Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand:
www.zim-bmwi.de
BMWi – Technologieoffene Projektförderung:
www.bmwi.de >Themen >Technologie > Innovationsförderung im Mittelstand >Technologieoffene
Projektförderung

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

terhin in hohem Maße Förderneulinge. Auch bei den
jüngsten Bewertungsterminen hatten fast die Hälfte
der skizzeneinreichenden KMU bisher noch keine
BMBF-Förderung erhalten. Gefördert werden besonders risikoreiche Vorhaben der Spitzenforschung in
wichtigen Zukunftsfeldern. Ein zentraler Lotsendienst
unterstützt die KMU in allen Antragsfragen und kurze
Bearbeitungsfristen geben Planungssicherheit.
Die Initiative schließt damit die Lücke zwischen stark
anwendungsnahen, breitenwirksamen Maßnahmen
und der Beteiligung an den sehr anspruchsvollen
Verbundvorhaben der Fachprogramme. Die Förderung
erfolgt themenoffen innerhalb der folgenden Technologiefelder:
∙∙
∙∙
∙∙
∙∙
∙∙
∙∙
∙∙
∙∙

Biotechnologie
Medizintechnik
Informations- und Kommunikationstechnologien
Elektroniksysteme und Elektromobilität
Materialforschung
Photonik
Produktionstechnologie
Technologien für Ressourceneffizienz und Klimaschutz
∙∙ Ressourceneffizienz und Klimaschutz
∙∙ Forschung für die zivile Sicherheit
Die bisher bewilligte Fördersumme beträgt über 800
Mio. Euro für mehr als 1.250 Einzel- und Verbundvorhaben unter Beteiligung von etwa 2.000 kleinen
und mittelständischen Unternehmen. Damit steht die
Förderinitiative KMU-innovativ für etwa ein Viertel der
jährlichen KMU-Förderung des BMBF.
Die Programmevaluierung hat gezeigt, dass das Instrument breit über Deutschland verteilt genutzt wird
und auf einen spezifischen Bedarf bei jenen KMU
trifft, die technologisch anspruchsvolle und risiko-

Weitere Informationen im Internet:

KMU-innovativ: www.bmbf.de/de/20635.php
Evaluierungsbericht (ZEW):
www.zew.de/de/publikationen/6594

221

trächtige Spitzenforschung betreiben wollen. Die
Förderung durch KMU-innovativ führte zu einer signifikanten Steigerung der Forschungs- und Entwicklungsausgaben der geförderten Unternehmen. Je Euro
an Fördermitteln wurden zusätzliche FuE-Ausgaben
der KMU von 1,50 Euro ausgelöst. Zudem befasst sich
der Großteil der in KMU-innovativ geförderten Unternehmen durch das geförderte Projekt mit Technologien bzw. technologischen Fragestellungen, die für sie
neu sind. Damit unterstützt KMU-innovativ effektiv
den Einstieg in neue Technologie- und Anwendungsbereiche.

ERP-Innovationsprogramm und
KfW-Unternehmerkredit Plus
Das technologieoffene ERP-Innovationsprogramm
ermöglicht die langfristige Finanzierung marktnaher
Forschung zur Entwicklung innovativer Produkte,
Produktionsverfahren und Dienstleistungen. Aus diesem Programm können mittelständische Unternehmen, Freiberuflerinnen und Freiberufler zinsgünstige
und langfristige Kredite der KfW in Höhe von bis
zu 5 Mio. Euro pro Vorhaben erhalten. Eine nicht
zu besichernde Nachrangkomponente mit sieben
tilgungsfreien Anlaufjahren stärkt die Kapitalstruktur
der Unternehmen.
Markteinführungen von Innovationen, die bis Ende
2013 ebenfalls im Rahmen des ERP-Innovationsprogramms förderfähig waren, werden mittlerweile im
Rahmen des KfW-Unternehmerkredits Plus gefördert.
Das Programm wendet sich an nachweislich innovative KMU, die bis zu 100 % der Investitionskosten und
Betriebsmittel zinsgünstig finanzieren können.

Weitere Informationen im Internet:

ERP-Innovationsprogramm:
https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Unternehmen/Innovation/Finanzierungsangebote/
ERP-Innovationsprogramm-(180-185-190-195)/

222 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Industrielle Gemeinschaftsforschung

Mittelstand-Digital

Die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) schlägt
die Brücke zwischen Grundlagenforschung und
wirtschaftlicher Anwendung. Als Förderinstrument
des BMWi unterstützt die IGF vorwettbewerbliche
Forschungsprojekte, um den Unternehmen, vor allem
KMU, den direkten Zugang zu Forschungsergebnissen
zu erleichtern und deren Innovationspotenzial zu
steigern. Die Forschungsvereinigungen schlagen in
Abstimmung mit Unternehmen branchenrelevante,
branchenübergreifende oder technologiefeldrelevante
Forschungsvorhaben vor. Eine unabhängige Begutachtung sucht die besten Vorhaben aus, die durch das
BMWi gefördert und durch Hochschulen oder gemeinnützige Forschungseinrichtungen bearbeitet werden.
Die Resultate der Vorhaben stehen allen Unternehmen
ohne Einschränkung zu jeweils gleichen Bedingungen
zur Verfügung. Wichtige Forschungsergebnisse können
somit direkt in Verfahrens- und Produktverbesserungen umgesetzt werden.

Im Rahmen des Förderschwerpunkts Mittelstand-Digital unterstützt das BMWi seit 2012 die Digitalisierung
von Mittelstand und Handwerk. Ziel des Förderschwerpunkts ist es, die Potenziale von IKT-Anwendungen
und eBusiness-Lösungen für KMU zu erschließen und
branchenübergreifend die Wettbewerbsfähigkeit von
Anbietern und Anwendern zu stärken. Aus MittelstandDigital gingen bereits mehrere Fördermaßnahmen
hervor, die spezifische Aspekte der Digitalisierung
durch Forschungsprojekte adressieren und ein breites
Informationsangebot für KMU ermöglichen:

Branchenübergreifende Vorhaben erhalten einen Förderbonus. Mit CORNET (Collective Research Network)
werden transnationale Projekte der Gemeinschaftsforschung gefördert, da in vielen Bereichen ein über
nationale Grenzen hinausgehender Forschungsbedarf
besteht.
Durch die IGF entstehen Netzwerke zwischen der
mittelständischen Wirtschaft und Forschungseinrichtungen. Diese Netzwerke bestehen häufig über die
Projektdauer hinaus und nehmen weitere, auch eigenfinanzierte Forschungsvorhaben in Angriff.

Weitere Informationen im Internet:

Innovationsmanagement mit IGF:
www.aif.de > Innovationsförderung > Industrielle
Gemeinschaftsforschung

∙∙ Mittelstand 4.0 Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse sensibilisiert und mobilisiert kleine und
mittlere Unternehmen für das Thema Industrie 4.0.
Das BMWi fördert die Einrichtung von bundesweit
elf Kompetenzzentren für den Mittelstand und das
Handwerk. Ende 2015 starteten die ersten beiden
Informations- und Demontrationszentren in Hannover und Dortmund. Begleitend stellen vier Mittelstand 4.0-Agenturen Digitalisierungswissen zu den
Querschnittsthemen Cloud, Prozesse, Handel und
Kommunikation zur Verfügung.
∙∙ eStandards: Geschäftsprozesse standardisieren, Erfolg
sichern unterstützt KMU und Verwaltungsorganisationen bei der Nutzung von eStandards in Geschäftsprozessen. Insgesamt 20 Forschungsvorhaben widmen
sich der beschleunigten Entwicklung, Erprobung und
Verbreitung von eBusiness-Standards in KMU.
∙∙ Einfach intuitiv – Usability für den Mittelstand
adressiert die Qualität und Nutzerfreundlichkeit der
in KMU eingesetzten betrieblichen Software. Die
17 Verbundprojekte entwickeln und erproben geeignete Hilfestellungen für kleine und mittlere Softwareanbieter und -anwender.
∙∙ Bis Herbst 2015 haben 38 regionale Anlaufstellen
(„eBusiness-Lotsen“) im eKompetenz-Netzwerk für
Unternehmen anbieterneutrale und praxisnahe
eBusiness-Informationen für KMU und das Handwerk bereitgestellt. Nach Beendigung der Förderung
wird die Lotsentätigkeit überwiegend von Kammern
und Verbänden weitergeführt. Basiswissen und
gute Praxisbeispiele wurden in einem Wegweiser

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

„Zukunftschance Digitalisierung – Gute Geschäfte,
zufriedene Kunden, erfolgreicher Mittelstand“ zusammengefasst und veröffentlicht.
Ein Begleitforschungsprojekt sichert eine möglichst
effiziente Umsetzung des Förderschwerpunkts. Es vernetzt die einzelnen Förderprojekte untereinander und
gewährleistet einen breiten Transfer valider Ergebnisse
in den Markt. Darüber hinaus stellt ein interaktiver
Wissenspool Publikationen über den effizienten Einsatz von IKT bereit.
Insgesamt wurden bisher rund 3.500 Veranstaltungen
zur Unterstützung von Betrieben beim Einsatz passender IKT-Lösungen organisiert und mehr als 10.000 Informationsgespräche geführt. Über die Webseite wurden
knapp drei Millionen Onlinekontakte pro Jahr verzeichnet und durchschnittlich mehr als 110.000 Broschüren,
Checklisten und Leitfäden heruntergeladen.

223

zung konkreter Maßnahmen. Die Beratungsleistung
der vom BMWi autorisierten externen Beraterinnen
und Berater wird hierbei mit bis zu 75 % der Kosten
gefördert.
Bereits nach kurzer Zeit lässt sich feststellen, dass
das Modellvorhaben go-digital eine äußerst positive
Resonanz verzeichnet. Allein von Mai bis Oktober 2015
wurde in den zwei Modellregionen 178 Anträge auf
Autorisierung als Beratungsunternehmen und 307
Anträge auf Durchführung einer Erstberatung gestellt.
Dies verdeutlicht eindrucksvoll den hohen Bedarf an
Beratungen und Maßnahmen im Bereich der Digitalisierung bei den vorwiegend kleinen Unternehmen.

Weitere Informationen im Internet:

go-digital: www.bmwi-go-digital.de

Weitere Informationen im Internet:

Mittelstand-Digital: www.mittelstand-digital.de
Wissenspool: www.mittelstand-digital.de/DE/
wissenspool.html

go-digital
Die zunehmende Digitalisierung des Geschäftsalltags
stellt derzeit eine der wichtigsten Herausforderungen
für Unternehmen dar. Insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie Handwerksbetrieben erscheint die digitale Transformation in all ihren
Facetten oftmals als beträchtliche Herausforderung.
Hier setzt das Modellvorhaben go-digital des BMWi
an. Im März 2015 in den Modellregionen Ruhrgebiet
und Sachsen (inklusive Raum Halle) gestartet, unterstützt das Programm mit seinen drei Modulen Internet-Marketing, Digitalisierte Geschäftsprozesse und
IT-Sicherheit insbesondere kleine Unternehmen bei
dem notwendigen Anpassungsprozess. Die Förderung
erstreckt sich von der Erstberatung bis hin zur Umset-

go-Inno
Mit den Innovationsgutscheinen der BMWi-Maßnahme go-Inno werden KMU durch qualifizierte externe
Beratungsangebote unterstützt. Die Innovationsgutscheine können für eine Innovationsberatung zur
Professionalisierung des betrieblichen Innovationsmanagements (go-innovativ) genutzt werden. Bis 2015
konnten auch Beratungen zur Steigerung der Rohstoffund Materialeffizienz (go-effizient) über Gutscheine
gefördert werden (go-effizient wurde am 16. Dezember
2015 eingestellt). Die Förderung deckt 50 % der Ausgaben für die externen Beratungsleistungen der vom
BMWi autorisierten Beratungsunternehmen. Mehr als
80 % der Innovationsgutscheine des Moduls go-innovativ führen zu mittelständischen FuE-Projekten.

Weitere Informationen im Internet:

go-Inno: www.bmwi-innovationsgutscheine.de

224 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

3.2 	 Innovative Start-ups
Gründungen aus forschungs- und wissensintensiven Sektoren verfügen über ein hohes Innovations- und Marktpotenzial. Gerade für solche Gründungen steht nicht immer eine ausreichende private Finanzierung, zum Beispiel über
Wagniskapital, bereit. Junge und innovative Start-ups sind in der Gründungs- und Wachstumsphase aber in besonderem Maße auf eine hinreichende Finanzierung und Beratung angewiesen.

EXIST unterstützt Gründungsteams in der risikoreichen Vorgründungsphase (Seed-Phase) finanziell und
beratend, um den Sprung von der Invention zur Geschäftsidee zu fördern. Die Initiativen Gründerwettbewerb – IKT Innovativ und Gründungsoffensive Biotechnologie GO-Bio fördern Gründungen in ausgewählten
Technologiefeldern. Frauen unternehmen fördert die
Vernetzung und Beratung von angehenden Gründerinnen (siehe auch Infobox Frauen unternehmen).

Um die strukturellen Nachteile – das Fehlen von
Sicherheiten, hohe Risiken bei Management, Märkten
und Technologien – bei der Kapitalaufnahme für innovative Vorhaben auszugleichen, existiert ein breites Instrumentarium an Unterstützungsmaßnahmen (siehe
auch Abb. xx Instrumente der Gründungsförderung
und -beratung). Ziel ist es, die Zahl der innovativen
Start-ups in Deutschland zu erhöhen, indem die vorhandenen Instrumente verbessert und Start-ups mit
den globalen Wachstums- und Wertschöpfungszentren
vernetzt werden. Die Finanzierungsinstrumente bieten
passgenaue Unterstützung zu den wichtigsten Entwicklungsstadien junger Unternehmen.

Nach der Unternehmensgründung setzt INVEST
gezielte Anreize für Business Angels, jungen Start-ups
in einer frühen Unternehmensphase Kapital bereitzu-

Abb. III-2: Instrumente der Gründungsförderung und -beratung

Frühphasen-Wagniskapitalfonds /
Business Angels

Wagniskapitalfonds / Förder­
banken / Geschäftsbanken

Finanzierung über öffentliche
und private Kapitalmärkte

technologieoffene Finanzierungsförderung und -beratung
High-Tech Gründerfonds
ERP-Startfonds/coparion
INVEST – Zuschuss für Wagniskapital
EXIST
technologiespezifische Finanzierungsförderung und -beratung
Gründungsoffensive Biotechnologie GO-Bio
Gründerwttbewerb IKT innovativ
rein konsultativ
Frauen unternehmen

Seed-Phase

Vor-Gründung, Validierung

German Accelerator

Start-up-Phase

Gründung, Markteintritt

Expansionsphase

Marktentwicklung, Gewinnschwelle

Konsolidierungsphase
Börsengang, Buy-Out

Quelle: DLR Projektträger

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

stellen. Im Jahr 2016 sollen der Kreis der Antragsteller
insbesondere auf Investoren in Venture-Capital-Fonds
ausgeweitet werden, zudem ist geplant, die Obergrenze
für die Förderung auf 500.000 Euro zu erhöhen. Der
High-Tech Gründerfonds, der ERP-Startfonds sowie
künftig dessen Nachfolger coparion investieren in
forschungsintensive Technologieunternehmen in
der Start-up- und Expansionsphase. Darüber hinaus
beteiligt sich der ERP/EIF-Dachfonds an WagniskapitalFonds, die in junge Technologieunternehmen vorwiegend in Deutschland investieren. Mit dem European
Angels Fund (EAF) werden zudem Kofinanzierungen
von Investitionen erfahrener Business Angels in innovative Unternehmen ermöglicht. Hinzu kommt künftig
der ERP/EIF-Wachstumsfonds, der als Ko-Investmentfonds in innovative deutsche Wachstumsunternehmen
investieren soll. Mit German Accelerator unterstützt
das BMWi junge Start-ups beim Eintritt in den USamerikanischen Markt (siehe auch Infobox German
Accelerator).

EXIST – Existenzgründungen
aus der Wissenschaft
Mit dem seit 1998 bestehenden technologieoffenen
Förderprogramm EXIST – Existenzgründungen aus der
Wissenschaft fördert das BMWi technologieorientierte
Gründerteams in den Hochschulen. EXIST unterstützt
die Ausbildung einer Kultur unternehmerischer Selbstständigkeit an Hochschulen und außeruniversitären
Forschungseinrichtungen. Das Förderprogramm besteht aus drei Maßnahmen und wird vom Europäischen
Sozialfonds (ESF) kofinanziert:
∙∙ Der 2010 gestartete Wettbewerb EXIST-Gründungskultur – Die Gründerhochschule unterstützt 22
Hochschulen dabei, eine hochschulweite Strategie zu
Gründungskultur und Unternehmergeist herauszubilden. Im Herbst 2015 fand die Zwischenevaluierung
der zwölf Strategiekonzepte der zweiten Wettbewerbsrunde statt.
∙∙ Das EXIST-Gründerstipendium unterstützt Gründerinnen und Gründer an Hochschulen und Forschungseinrichtungen während der Vorgründungsphase, damit diese einen Geschäftsplan erstellen und
ihre innovativen Produkt- oder Dienstleistungsideen

225

entwickeln können. Die Gründerinnen und Gründer
erhalten als Team ein einjähriges Stipendium sowie
Sach- und Coachingmittel.
∙∙ Der EXIST-Forschungstransfer erleichtert technisch
besonders anspruchsvollen Gründungsvorhaben
den oft nur schwer finanzierbaren Weg vom Labor
zum Markt. Pro Jahr werden bundesweit 25 bis 30
forschungsbasierte Ausgründungsvorhaben aus
Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in zwei 18-monatigen Förderphasen
unterstützt.
Durch die EXIST-Förderung sind in den vergangenen
Jahren mehr als 1.800 erfolgreiche Hightech-Gründungsvorhaben gefördert worden. Im Jahr 2014 erarbeitete das BMWi neue Richtlinien für das Förderprogramm, welche die Förderung von innovativen Start-ups
weiter ausdehnt und so zusätzliche Anreize für Ausgründungen setzt: So wurde das EXIST-Gründerstipendium
um 25 % angehoben, wodurch sich die Investitionsmittel
von 17.000 auf 30.000 Euro erhöhten. Entsprechend
ihrem wissenschaftlichen Ausbildungsstand erhalten
Gründerinnen und Gründer monatliche Stipendien
zwischen 1.000 Euro (Studierende, die mindestens die
Hälfte ihres Studiums absolviert haben) und 3.000 Euro
(promovierte Gründerinnen und Gründer).
In der ersten Förderphase von EXIST-Forschungstransfer stehen seit 2014 bis zu 250.000 Euro an Sachmitteln
für die Vorbereitung der Gründung zur Verfügung
(vormals 70.000 Euro). In der zweiten Förderphase,
kurz nach der Unternehmensgründung, wird ein
Gründungszuschuss von bis zu 180.000 Euro gewährt.
Die deutliche Erhöhung der Mittel trägt in erster Linie
forschungsintensiven und risikoreichen Gründungsvorhaben im Hochtechnologiebereich Rechnung und
unterstützt damit vor allem Gründungsteams aus den
Sparten Cleantech, Energie oder dem Life-ScienceSektor.

Weitere Informationen im Internet:

EXIST – Existenzgründungen aus der Wissenschaft: www.exist.de

226 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Gründungsoffensive Biotechnologie
GO-Bio
Seit 2005 fördert das BMBF mit der Gründungsoffensive
Biotechnologie GO-Bio gründungsbereite Forscherteams in den Lebenswissenschaften, um technisch
anspruchsvolle Ideen zu einer tragfähigen Unternehmensgründung reifen zu lassen. GO-Bio ermöglicht
innovativen Gründungsteams den späteren Zugang
zum Wagniskapitalmarkt. Die Förderung umfasst die
Vorgründungsphase (zweieinhalb bis vier Jahre) und
die anschließende Gründungsphase von maximal drei
weiteren Jahren.
Seit dem Start der Förderinitiative wurden insgesamt
sechs Auswahlrunden durchgeführt. Aus knapp 580
Projektvorschlägen wurden 45 Vorhaben für eine
Förderung ausgewählt. In bisher 22 Fällen führte die
GO-Bio-Förderung zu einer Firmengründung bzw. zur
Aufnahme der operativen Geschäftstätigkeit. Weitere
Gründungen sind in Vorbereitung. Die gegründeten
Firmen konnten bereits mehr als 60 Mio. Euro Privatkapital akquirieren. Die GO-Bio-Gründungsunternehmen iThera Medical GmbH (2014) und Dynamic
Biosensors GmbH (2015) wurden mit dem Deutschen
Innovationspreis in der Kategorie „Start-up“ ausgezeichnet. Eine siebte Auswahlrunde findet aktuell statt.

German Accelerator Life Sciences in
Boston/USA gestartet

Im Oktober 2015 startete der neue German Accelerator Life Sciences (GALS) in Boston/USA. Ziel ist
es, deutsche Start-ups und Jungunternehmen in der
Life-Sciences-Branche mit Fokus auf Digital Health,
Diagnostik, Forschungsreagenzien, Medizintechnik, Plattformtechnologien und Therapeutika zu
unterstützen. Mit dem Programm German Accelerator unterstützt das BMWi deutsche Start-ups drei
bis sechs Monate mit einer intensiven Betreuung
beim Eintritt in den US-Markt. Das Programm ermöglicht es, sich vor Ort mit den besonderen
Marktbedingungen, Kommunikationsstilen,
potenziellen Kunden und Investoren in den USA
auseinanderzusetzen. Erfahrene Coaches begleiten
den Aufenthalt und geben den Gründerinnen und
Gründern praktisches Feedback und Hilfestellung.
Mit GALS erweitert das BMWi das bereits bestehende Angebot des German Accelerator für junge
deutsche Technologie-Start-ups im Silicon Valley,
San Francisco und New York.

Gründerwettbewerb IKT Innovativ
Weitere Informationen im Internet:

GO-Bio: www.biooekonomie.de/BIOOEKO/
Navigation/DE/Foerderung/foerderbeispiele,
did=171760.html sowie www.bmbf.de/de/gruendungsfoerderung-816.html
German Accelerator:
germanaccelerator.com sowie www.exist.de/DE/
Netzwerk/German-Accelerator/inhalt.html

Start-ups im Geschäftsfeld der Informations- und
Kommunikationstechnologien haben trotz hoher
Innovationspotenziale häufig Schwierigkeiten, sich
langfristig am Markt zu positionieren. Ursächlich
sind meist Defizite im Geschäftsmodell und fehlende
Beratung. Das BMWi unterstützt mit dem Gründerwettbewerb – IKT Innovativ Unternehmensgründungen,
bei denen innovative Informations- und Kommunikationstechnologien zentraler Bestandteil des Produkts
oder der Dienstleistung sind. Aufgerufen sind auch
Gründerinnen und Gründer aus der Kultur- und Kreativwirtschaft, die IKT für ihr Geschäftsmodell nutzen.
Der Wettbewerb findet seit 2010 halbjährlich statt. In
jeder Runde werden bis zu sechs Gründungsideen mit
einem Preisgeld von jeweils 30.000 Euro ausgezeichnet,
welches als Startkapital dient; 15 weitere Preisträger
erhalten je 6.000 Euro. Die Gewinner des Gründerwettbewerb – IKT Innovativ erhalten zudem ein Business-

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Model-Assessment, Unterstützung aus dem bundesweiten Expertenpool sowie spezielle Seminare. Alle
weiteren Wettbewerbsteilnehmerinnen und -teilnehmer erhalten ein qualifiziertes Feedback zu den Stärken
und Schwächen ihres Gründungskonzepts.
Seit der ersten Runde 2010 wurden bereits 179 Gründungsvorhaben unterstützt. Fast alle (97 %) der Neugründungen sind auch nach den ersten Geschäftsjahren
weiter am Markt aktiv. Ab 2016 firmiert der Wettbewerb
als Gründerwettbewerb Digitale Technologien (siehe auch
III 1.1 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien).

Weitere Informationen im Internet:

Allgemeine Informationen:
www.existenzgruender.de
Gründerwettbewerb IKT Innovativ:
www.gruenderwettbewerb.de
Initiative FRAUEN unternehmen:
www.existenzgruenderinnnen.de

FRAUEN unternehmen –
Gründerinnen und Unternehmerinnen
in Deutschland stärken

Ziel der gemeinsamen Initiative FRAUEN unternehmen von BMWi und BMFSFJ ist die Initiierung
eines bundesweiten Netzwerks von Unternehmerinnen, um Mädchen und junge Frauen in Schule,
Ausbildung und Hochschule für den Schritt in die
Selbstständigkeit zu sensibilisieren und zu motivieren, aber auch die Sichtbarkeit von Unternehmerinnen insgesamt in Wirtschaft und Gesellschaft zu
erhöhen. 180 Unternehmerinnen wurden im Herbst
2014 als Vorbildunternehmerinnen ausgezeichnet, die in dieser Funktion beispielsweise Schulen,
Hochschulen oder Veranstaltungen der Wirtschaftsförderung besuchen, um über ihre Erfahrungen als
Unternehmerinnen zu berichten.

227

INVEST – Zuschuss für Wagniskapital
INVEST – Zuschuss für Wagniskapital wendet sich an
private Investorinnen und Investoren, vor allem Business Angels. Ziel ist es, mehr unternehmerisch interessierte Menschen für Investitionen in Wagniskapital zu
gewinnen, um so die Kapitalausstattung junger, kleiner
und innovativer Unternehmen zu verbessern. Im Rahmen der Antragstellung wird den jungen Unternehmen
ihre grundsätzliche Förderfähigkeit bescheinigt – damit
können sie bei potenziellen Beteiligungsgebern um
zusätzliches Eigenkapital werben.
Ein Business Angel erhält 20 % der Investition vom Staat
steuerfrei erstattet, wenn die Beteiligung mindestens
drei Jahre aufrechterhalten wird und es sich um voll
risikotragende Gesellschaftsanteile handelt. Business
Angels müssen dem Unternehmen mindestens 10.000
Euro zur Verfügung stellen. Jede Investorin und jeder Investor kann pro Jahr Zuschüsse für Anteilskäufe in Höhe
von bis zu 250.000 Euro beantragen. Pro Unternehmen
können Anteile im Wert von bis zu 1 Mio. Euro pro
Kalenderjahr bezuschusst werden. Die Maßnahme läuft
seit Mai 2013. Seitdem wurden mehr als 1.300 Zuschüsse
in einer Gesamthöhe von fast 20 Mio. Euro bewilligt; außerdem konnten mehr als 100 Mio. Euro Wagniskapital
von Business Angels mobilisiert werden.
Das INVEST-Zuschussprogramm wird 2016 massiv
ausgebaut werden: Die Obergrenze pro Investor oder
Investorin soll auf 500.000 Euro im Jahr verdoppelt
werden. Zusätzlich sollen eine Erstattung der Steuer
auf Veräußerungsgewinne auf INVEST-Finanzierungen
und ein anteiliger Förderzuschuss für den Ausgleich von
Verlusten gewährt werden. Schließlich soll der Kreis der
Antragsteller ausgeweitet werden. Dies zielt darauf ab,
den Wagniskapitalstandort Deutschland weiter zu stärken und die Finanzierungssituation vor allem von jungen
innovativen Wachstumsunternehmen zu verbessern.

Weitere Informationen im Internet:

Investitionszuschuss Wagniskapital:
www.bafa.de >Wirtschaftsförderung >Investitionszuschuss Wagniskapital

228 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

High-Tech Gründerfonds

ERP-Startfonds/coparion

Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) investiert Risikokapital in neu gegründete, chancenreiche Technologieunternehmen. Er schließt damit eine für dieses
Gründersegment bestehende Finanzierungslücke. Der
HTGF stellt den Technologiegründern eine Erstfinanzierung von bis zu 600.000 Euro zur Verfügung.
Er verfügt über ein deutschlandweites Netzwerk an
akkreditierten Coaches, die die Gründerinnen und
Gründer in strategischen und operativen Unternehmensfragen sowie beim Knüpfen relevanter Kontakte
unterstützen. Mit seiner exzellenten Vernetzung mit
der in- und ausländischen Venture-Capital-Szene sowie
zu tatkräftigen privaten Investoren mobilisiert der
HTGF jährlich erhebliche Mittel zur Anschlussfinanzierung und ermöglicht das künftige Wachstum seiner
Unternehmen. Die geförderten Firmen verteilen sich
über fast alle Bundesländer und Innovationsfelder.
Stark vertreten sind vor allem Unternehmen in den
Technologiefeldern Internet und Web-2.0-Software,
Medizintechnik, Applikationssoftware, Pharmazie und
Elektrotechnik.

Der ERP-Startfonds der KfW-Bankengruppe fördert
seit 2005 die Bereitstellung von Beteiligungskapital
in der Expansionsphase von kleinen Technologieunternehmen. Dadurch können diese Unternehmen
in Forschung und Entwicklung investieren und ihre
innovativen Produkte, Verfahren und Dienstleistungen
zur Marktreife bringen. Beteiligungsvoraussetzung ist,
dass sich ein weiterer Beteiligungsgeber (Leadinvestor) zu wirtschaftlich gleichen Bedingungen an dem
Unternehmen beteiligt (pari passu). Der ERP-Startfonds
ist technologieoffen; er beteiligt sich mit maximal 5
Mio. Euro an einem Technologieunternehmen, verteilt
auf mehrere Finanzierungsrunden. Der Höchstbetrag
bei erstmaliger Finanzierung beträgt 2,5 Mio. Euro. In
der Nachfolge zu diesem Instrument wurde eine eigene
Gesellschaft coparion außerhalb der KfW gegründet,
um beweglich im Markt agieren zu können und so
den deutschen Venture-Capital-Markt zu stärken. Der
Fonds coparion hat ein Volumen von 225 Mio. Euro
und richtet sich an Unternehmen der Start-up- und
frühen Wachstumsphase. Der ERP-Startfonds wird
künftig weiterhin Folgeinvestments in seine Portfoliounternehmen tätigen.

Der HTGF wurde 2005 durch das BMWi gemeinsam
mit der KfW-Bankengruppe und Industriepartnern
als öffentlich-private Partnerschaft ins Leben gerufen.
Nach Ende der Investitionsphase des ersten Fonds legte
das BMWi im Herbst 2011 gemeinsam mit der KfW
und mittlerweile 18 Industrieinvestoren einen zweiten
High-Tech Gründerfonds auf. Der neue Fonds hat ein
Volumen von 304 Mio. Euro. Hauptinvestor bleibt der
Bund mit 220 Mio. Euro, gefolgt von der KfW mit 40
Mio. Euro. In Kürze ist die Auflage eines dritten Fonds
vorgesehen. Dieser soll wiederum als öffentlich-private
Partnerschaft zusammen mit Wirtschaftsunternehmen, insbesondere Mittelständlern, erfolgen.

Weitere Informationen im Internet:

High-Tech Gründerfonds:
www.high-tech-gruenderfonds.de

Weitere Informationen im Internet:

ERP-Startfonds: www.kfw.de (Unternehmen >
Innovation > zu den Förderprodukten)
coparion: coparion.de

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

ERP/EIF-Dachfonds, European
Angels Fund, ERP/EIF-Wachstumsfonds
Der gemeinsam vom Europäischen Investitionsfonds
(EIF) und dem ERP-Sondervermögen finanzierte
Dachfonds beteiligt sich mit einem Volumen von 1,7
Mrd. Euro an Wagniskapital-Fonds, die maßgeblich in
Deutschland investieren. Die Kapitalausstattung wird
hälftig vom EIF und dem ERP-Sondervermögen aufgebracht und vom EIF verwaltet. Ein Teil der Mittel aus
dem ERP/EIF-Dachfonds in Höhe von 270 Mio. Euro
wird für den 2012 neu aufgelegten European Angels
Fund (EAF) eingesetzt. Dieser kofinanziert die Investitionen ausgewählter und erfahrener Business Angels
sowie anderer nichtinstitutioneller Investoren, die
sich an innovativen Unternehmen beteiligen. Durch
die bereitgestellten Kofinanzierungsmittel erhöht der
Fonds die Finanzkraft der Investoren und unterstützt
damit die Finanzierung innovativer Unternehmen in
ihrer Gründungs-, Früh- und Wachstumsphase. Darüber hinaus hat das ERP-Sondervermögen gemeinsam
mit dem EIF den ERP/EIF-Wachstumsfonds mit einem
Volumen von 500 Mio. Euro aufgelegt. Dieser investiert
als Ko-Investmentfonds gemeinsam mit erfolgreichen
Venture-Capital-Managern/Fonds in innovative deutsche Wachstumsunternehmen und soll so die Lücke bei
größeren Wachstumsfinanzierungen verkleinern.

Weitere Informationen im Internet:

ERP/EIF-Dachfonds, European Angels Fund:
www.bmwi.de/DE/Themen/Mittelstand/Mittelstandsfinanzierung/innovationsfinanzierung.
html
European Recovery Programme (ERP):
www.eif.org/what_we_do/resources/erp/
Europäischer Investitionsfonds: www.eif.org

229

Ausgründungen aus außeruniversitären Forschungseinrichtungen
Die vier größten außeruniversitären Forschungsorganisationen Fraunhofer, HGF, Leibniz-Gemeinschaft
und die MPG leisten im komplexen deutschen Wissenschaftssystem einen erheblichen Beitrag zur
Innovationsdynamik in der Wirtschaft (siehe auch

Life Science Inkubator
Mit dem Life Science Inkubator (LSI) in Bonn finden
innovative Gründerinnen und Gründer ein modernes und gut ausgestattetes Forschungsinstitut vor,
in dem sie ihre Unternehmensideen weiter auszuarbeiten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden von dem Managementteam des LSI
professionell begleitet, um die notwendige Marktorientierung in die Forschung einzubringen. Sie
erhalten Coaching und Schulungen für ihre zukünftige unternehmerische Tätigkeit und werden bei der
Entwicklung einer tragfähigen Intellectual-property-Strategie sowie der nachhaltigen Anschlussfinanzierung durch den LSI untersützt. Entstanden ist der
LSI 2008 als Public-private-Partnership des BMBF,
des Wissenschaftsministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen, der MPG, der GF, der Fraunhofer,
des Forschungszentrums caesar, der NRW.Bank, der
Stadtsparkasse Bonn und privater Investoren. Im
Rahmen der Förderlinie Innovationsorientierung in
der Forschung wurde begleitend eine Methodenentwicklung für ein professionelles Management nach
Industriestandards finanziert (siehe auch III 2.2
Schließen von Verwertungslücken). Seitdem gab es
drei Ausgründungen, weitere sind in Vorbereitung.
Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen EY bescheinigte dem LSI in seiner Evaluierung eine „höhere
Erfolgswahrscheinlichkeit frühphasiger Projekte“
und empfahl, das Konzept in weitere Regionen und
auf andere Technologien zu übertragen. Seit 2013
fördert der Life Science Inkubator Sachsen innovative Gründer am Standort Dresden, 2014 nahm der
Photonik Inkubator in Göttingen die Arbeit auf.

230 	

II 2.3 Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen).
Ihre Kompetenz im Wissens- und Technologietransfer
nutzen sie auch für die Unterstützung von innovativen
Start-ups.
Vornehmlich im Hightech-Bereich treiben sie Ausgründungen und damit die Entstehung neuer KMU,
voran. Beispielsweise leisten Max-Planck-Innovation
bzw. Fraunhofer Venture umfassende Beratung und
Betreuung bei Unternehmensgründungen. Gründer
werden zudem durch Institutionen (wie z. B. Fraunhofer-Zukunftsstiftung und Life Science Inkubator am
Forschungszentrum caesar) sowie interne Programme
(u. a. Helmholtz Enterprise, FFM – Fraunhofer fördert
Management) unterstützt. Durch den Zugang zu Technologien, Infrastruktur und Know-how der „Muttergesellschaften“ erhalten diese jungen Unternehmen die
Möglichkeit, sich auf dem Markt schneller und besser
zu etablieren. In den Jahren 2006 bis 2014 wurden 337
Ausgründungen realisiert, 42 davon alleine im Jahr
2014.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Weitere Informationen im Internet:

Max-Planck-Innovation: www.mpg.de/maxplanck-innovation
Fraunhofer Venture: www.fraunhoferventure.de

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

231

3.3	 Innovationspotenziale der Regionen
Ideen entstehen sowohl in Hochschulen und Forschungseinrichtungen als auch in den Unternehmen selbst. Enge
Austauschbeziehungen ermöglichen Synergien, die nicht nur zu innovativen Produkten und Anwendungen führen,
sondern auch den regionalen Arbeitsmarkt und die regionale Wertschöpfung nachhaltig beflügeln können. Innovative
regionale Cluster entstehen aus starken Partnerschaften aller am Innovationsprozess beteiligten Akteure, den Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Forschungsinstituten. Sie bündeln Kompetenzen einer Region und
bieten somit ein hervorragendes Umfeld für Forschung und Entwicklung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Regionen unterscheiden sich in ihrer wirtschaftlichen
Struktur und ihren Rahmenbedingungen für Wachstum. Seit der Wiedervereinigung haben die ostdeutschen Länder auf ihrem Weg zu einer wettbewerbsfähigen, innovativen Wirtschaft große Fortschritte
gemacht. Die ostdeutsche Innovationsdynamik wird
im Bottom-up-Prinzip mit den Akteuren vor Ort und
unter Nutzung der vorhandenen regionalen Stärken
effektiv gesteigert. Auch in den westdeutschen Ländern gibt es Regionen, deren Innovationskraft durch
zielgerichtete Maßnahmen gefördert wird. Die gezielte Regionalförderung strukturschwacher Regionen
ist dabei stets eine gesamtstaatliche Aufgabe und
dient unmittelbar der Herstellung gleichwertiger
Lebensverhältnisse. Für die Sicherung der Daseinsvorsorge rückt das soziale Innovationspotenzial in
peripheren ländlichen Regionen zunehmend in den
Vordergrund.

(IFE) die Innovationskraft der ostdeutschen Wirtschaft
nachhaltig zu stärken.

Die regionale Innovationsförderung des Bundes
unterscheidet zwischen Programmen, die speziell auf
Ostdeutschland ausgerichtet sind, und bundesweiten
Angeboten für strukturschwache Regionen. Die BMBFInnovationsinitiative Unternehmen Region unterstützt
seit 1999 regionale Initiativen in den ostdeutschen
Ländern dabei, vorhandene Kompetenzen und Innovationspotenziale zu erkennen und unternehmerisch zu
nutzen. Ziel der technologieoffenen Förderinitiativen
ist es, den Aufbau regionaler Wirtschaftscluster zu
unterstützen und damit die Wettbewerbsfähigkeit der
ostdeutschen Regionen auszubauen bzw. einen Beitrag
zur Fachkräftesicherung zu leisten. Hier setzt auch die
FuE-Förderung gemeinnütziger externer Industrieforschungseinrichtungen über die Fördermaßnahme
INNO-KOM-Ost an. Dieses Förderprogramm hat das
Ziel, durch Unterstützung der innovativen Leistungsfähigkeit ostdeutscher Industrieforschungseinrichtungen

Innovationsinitiative für die Neuen
Länder – Unternehmen Region

Zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur
fördern Bund und Länder gewerbliche Investitionen
sowie kommunale wirtschaftsnahe Infrastrukturmaßnahmen auf Basis einer gesamtdeutschen Fördergebietskarte (Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung
der regionalen Wirtschaftsstruktur). Mit einer weiterentwickelten Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der
Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) könnten
soziale Innovationen für die Lösung gesellschaftlicher
Herausforderungen, wie der demografische Wandel,
stärker berücksichtigt werden (siehe auch Infobox
Modellvorhaben LandZukunft – Freiräume für kluge
Köpfe).

Unter der Dachmarke Unternehmen Region hat das
BMBF seit 1999 ein eng verzahntes Förderinstrumentarium entwickelt, dessen Einzelprogramme an unterschiedlichen Stellen im Innovationsprozess ansetzen
und zugleich die Besonderheiten der ostdeutschen
Innovationsstrukturen berücksichtigen. Bisher wurden
mehr als 3.000 Vorhaben bei rund 500 regionalen Innovationsbündnissen aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen gefördert. Fünf dieser
Programme laufen über das Jahr 2016 hinaus:
Mit Innovationsforen wird der Aufbau bzw. die Neuausrichtung regionaler Innovationsnetzwerke gefördert.
Zielgruppe sind innovative Allianzen, die noch ganz am

232 	

Anfang ihrer Entwicklung stehen und Innovationsverbünde, die ihren Austausch in einem neuen Innovationsfeld intensivieren möchten. Seit 2001 wurden mehr
als 170 Innovationsforen mit jeweils bis zu 85.000 Euro
gefördert.
Ziel der Förderinitiative Innovative regionale Wachstumskerne ist es, marktorientierte regionale Bündnisse
zu stärken, die über eine gemeinsame Technologie- oder Problemlösungsplattform verfügen und
wesentliche Alleinstellungsmerkmale aufweisen. Seit
2001 wurden mehr als 50 Wachstumskerne gefördert
(Bewilligungssumme zum 31. Dezember 2015: rund
350 Mio. Euro). Ergänzt wird das Programm seit 2007
durch Wachstumskerne Potenzial (WK Potenzial) zum
gezielten Aufbau regionaler Kernkompetenzen. Bislang
wurden hierbei rund 40 Verbundvorhaben mit zusammen mehr als 60 Mio. Euro gefördert.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

In den Jahren 2014 und 2015 wurden Evaluierungen
der Programme ForMaT (2013 ausgelaufen), Innovative
regionale Wachstumskerne, WK Potenzial und Zentren
für Innovationskompetenz mit durchgängig positiven
Ergebnissen abgeschlossen. Demnach hat die Förderung von Kooperation und Wissensaustausch zwischen
öffentlicher Forschungsinfrastruktur und Unternehmen ursächlich zum Aufbau einer international konkurrenzfähigen, von kleinen und mittleren Unternehmen geprägten Wirtschaftsstruktur in Ostdeutschland
beigetragen.
Ab 2016 wird Unternehmen Region zu einem deutschlandweiten Innovationsförderkonzept zur Unterstützung von Regionen mit besonderen Herausforderungen beim Strukturwandel weiterentwickelt.

Weitere Informationen im Internet:
Die Förderinitiative Zentren für Innovationskompetenz.
Exzellenz schaffen – Talente sichern zielt seit 2002 darauf
ab, an Hochschulen und Forschungseinrichtungen
international sichtbare Zentren der Spitzenforschung
mit innovativen Ansätzen zur Nachwuchsförderung zu
etablieren. Mittlerweile ziehen 14 solcher Zentren talentierte Forscherinnen und Forscher aus dem In- und
Ausland an (Etat bis 2021: mindestens 335 Mio. Euro).
Mit InnoProfile-Transfer wird der Technologietransfer
durch eine Förderung der Kooperation von Nachwuchsforscherinnen und -forschern mit regionalen
Unternehmen gestärkt. Das BMBF stellt im Rahmen
von InnoProfile-Transfer bis 2019 insgesamt 123 Mio.
Euro zur Förderung von 23 marktorientierten Verbundprojekten, sieben Nachwuchsforschungsgruppen
und 21 Forschungsgruppen, die von unternehmensfinanzierten Stiftungsprofessuren geleitet werden, bereit.
Seit 2012 werden mit Zwanzig20 – Partnerschaft für
Innovation die in den Neuen Ländern aufgebauten
wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kompetenzen
durch über Ostdeutschland hinausreichende interdisziplinäre Kooperationen ausgebaut, gefestigt und so
die Entstehung neu vernetzter Innovationsstrukturen
unterstützt. Das BMBF stellt den zehn ausgewählten
Konsortien jeweils bis zu 45 Mio. Euro zur Umsetzung ihrer Strategien zur Lösung gesellschaftlich und
volkswirtschaftlich relevanter Problemstellungen zur
Verfügung.

Unternehmen Region – Die BMBF-Innovationsinitiative für die Neuen Länder:
www.unternehmen-region.de

INNO-KOM-Ost
Das BMWi-Programm Innovationskompetenz Ost
(INNO-KOM-Ost) stärkt die Innovationskraft und
Wettbewerbsfähigkeit der ostdeutschen Wirtschaft
durch die Unterstützung von Forschung und Entwicklung in gemeinnützigen externen Industrieforschungseinrichtungen. Das Programm INNO-KOMOst ist technologieoffen. Gefördert werden Vorhaben
der Vorlaufforschung, marktorientierte FuE-Vorhaben
sowie investive Vorhaben zur Verbesserung der

Weitere Informationen im Internet:

Überblick geförderter Einrichtungen und
Unternehmen: www.innovationskatalog.net

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

233

Gemeinschaftsaufgabe
Verbesserung der regionalen
Wirtschaftsstruktur

wissenschaftlich-technischen Infrastruktur, die für
Forschung und Entwicklung einen international
angemessenen Leistungsstandard ermöglichen. Das
Programm existiert seit 2009.
DÄneMARK
Abb. iii-3: Anzahl der initiativen von Unternehmen Region 2014–2015

Ostsee

SchleSWigholSTein

rostock

greifswald

dummerstorf
MecklenBurgVorpoMMern
Schwerin

haMBurg

parchim

polen
BrandenBurg
niederSachSen

hennigsdorf
SachSenanhalT

Berlin
5 5

potsdam Teltow

Frankfurt
(oder)

4

Magdeburg
Bernburg
cottbus
köthen
Senftenberg

nordhausen

halle (Saale)
leuna leipzig

heSSen

SachSen

elxleben

Mittweida

erfurt Weimar
Thüringen

4

6

Jena

5
4 4

dresden

Freiberg

chemnitz

4

Zwickau

Zella- ilmenau
Mehlis
plauen
Bayern

Die Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW)
fördert gewerbliche Investitionen
sowie wirtschaftsnahe kommunale Infrastrukturmaßnahmen
in strukturschwachen Gebieten.
Die Förderung erfolgt auf Basis
des zwischen Bund und Ländern
vereinbarten Koordinierungsrahmens, der die grundsätzlichen
Leitlinien, die Instrumente und
das Fördergebiet festschreibt. Seit
Juli 2014 gilt eine neue gesamtdeutsche Fördergebietskarte,
die die GRW-Fördergebiete im
Einklang mit dem EU-Beihilferecht bis zum 31. Dezember 2020
verbindlich festlegt.

geyer

TSchechien

Datenbasis: profi 02/2016.
Geobasisdaten © EuroGeographics bezüglich der Verwaltungsgrenzen.
Standortkoordinaten: Geoinformationen © Vermessungsverwaltungen der Bundesländer
und infas GEOdaten. © BMBF, Kartographische Darstellung: RISO, DLR Projektträger 2016.

1 innovative regionale
orte mit Teilvorhaben
Unternehmen Region Unternehmen
innovative
regionale Wachstumskerne1
Region
	Innovationsforen
Wachstums kerne
innerhalb
von
Verbundanzahl der initiativen
Zentren
für
innovationskompetenz
	Innovative
regionale
Anzahl der Initiativen 2014–2015
inklusive Wk potential.
	InnoProfile
vorhaben2
2014–2015
Wachstumskerne
innovationsforen
2 Mehrere Teilvorhaben
	ForMaT
Zentren für
innoprofile Transfer
nach einzelmaßnahmen
an einem ort möglich.
	
	 Zwanzig20
Innovationskompetenz
Zwanzig20 / projektkonsortien
Zwanzig20 / Foren

n aggregierte darstellung von vier und
mehr initiativen

Die gewerbliche Investitionsförderung der GRW trägt zur
Implementierung von Prozessoder Produktinnovationen in
Unternehmen bei. Auch investive Maßnahmen in forschungsund technologieorientierten
Betrieben wie der Ausbau und
die Modernisierung von Forschungs- und Laboreinrichtungen können bezuschusst werden.
KMU können bei angewandter
Forschung, Entwicklung und
Markteinführung neuer Produkte, Produktionsverfahren,
Prozessinnovationen oder
Dienstleistungen unterstützt
werden. Mit der Förderung
von Beratungen und Schulungen von Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmern wird die
Personalstruktur von KMU
qualitativ verbessert. Durch die
Infrastrukturförderung, z. B. von

234 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Gewerbe- und Technologiezentren, werden die Gründung innovativer Unternehmen, die Entstehung und
Anwendung von neuem technischen Wissen sowie die
Entwicklung und Herstellung neuer Produkte gefördert. Hauptzielgruppe der Förderung sind gewerbliche
Unternehmen, Kommunen oder Kommunalverbände,
öffentliche Einrichtungen und Unternehmen. GRWMaßnahmen zur Vernetzung und Kooperation, wie

z. B. durch Aufbau von Kooperationsnetzwerken und
Innovationsclustern, unterstützen die regionale und
überregionale Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft,
Wissenschaft und lokalen Strukturen. Ziel ist es, vorhandene Potenziale besser auszuschöpfen und so die
Wettbewerbsfähigkeit strukturschwacher Regionen
langfristig zu stärken.

Weitere Informationen im Internet:
Modellvorhaben LandZukunft –
Freiräume für kluge Köpfe

Mit LandZukunft hat das BMEL Freiräume für
Innovationen in peripheren ländlichen Räumen
geschaffen. Ziel des Modellvorhabens war es, eine
Verschärfung von Ungleichheiten zwischen Stadt
und Land, aber auch zwischen den strukturstarken
ländlichen Räumen und den peripheren Regionen
mit wirtschaftlichen Problemen und Bevölkerungsrückgang zu vermeiden. Dazu wurden in vier Regionen innovative Konzepte und Projekte entwickelt
und umgesetzt, um die regionale Wertschöpfung zu
steigern, Arbeitsplätze zu sichern und dem demografischen Wandel zu begegnen. Hierfür wurden
langfristige strategische und konkrete operative
Ziele erarbeitet, gezielt Menschen mit Unternehmergeist mobilisiert und Freiräume für soziale
Innovationen geschaffen. Die vier ausgewählten
Modellregionen Birkenfeld, Dithmarschen, Holzminden und Uckermark wurden von April 2012 bis
Dezember 2014 mit jeweils 1,8 Mio. Euro gefördert.
Der 2014 erschienene Evaluationsbericht zieht eine
positive Bilanz. Das Ziel einer Steuerung über Ziele
und die Einbindung unternehmerisch denkender
Menschen konnte erfolgreich umgesetzt werden.
Damit konnte passgenau an bestehende Entwicklungsprozesse in den Regionen angeknüpft und eine
gute Basis für die weitere Arbeit in den Regionen
gelegt werden. Das Modellvorhaben ist wegweisend
für die geplante Weiterentwicklung der bewährten
Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK), die auch das
Potenzial sozialer Innovationen für die nachhaltige
ländliche Entwicklung stärker betonen könnte.

Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW): www.bmwi.de >Themen >Wirtschaft
>Regionalpolitik >Verbesserung der regionalen
Wirtschaftsstruktur (GRW)

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

4	

235

Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen

Intensiver Wettbewerb ist die zentrale Triebfeder für Innovationen. Daher schützt das Bundeskartellamt und die Bundesnetzagentur den Wettbewerb zwischen den Marktakteuren. Die Bundesregierung setzt sich zudem für innovationsfreundliche Rahmenbedingungen ein. Dazu zählen vor allem die Sicherung der Fachkräftebasis, die Gewährleistung
ausreichender Finanzierungsmöglichkeiten sowie faire Wettbewerbsbedingungen und eine innovationsfreundliche
Regulierung. Durch innovationsfreundliche Rahmenbedingungen können sich gute Ideen entwickeln und zu wirtschaftlichen Erfolgen werden.

Die Sicherung der Fachkräftebasis gehört zu den zentralen Zukunftsaufgaben Deutschlands. Gefragt sind
Unternehmen und Sozialpartner, aber auch Politik und
Gesellschaft. Die Bundesregierung verfolgt im Rahmen des Fachkräftekonzepts mit unterschiedlichen,
ressortübergreifenden Initiativen einen umfassenden
und systematischen Ansatz zur Sicherung der Fachkräftebasis.
Deutschland soll als Investitionsstandort für Wagniskapital international wettbewerbsfähig sein. Mit verschiedenen Maßnahmen, dargestellt im Eckpunktepapier
Wagniskapital – Deutschland braucht eine neue Gründerzeit, hat die Bundesregierung weitere Anreize für
Investitionen in innovative Unternehmen und Ideen
geschaffen.

Normung und Standardisierung sowie ein leistungsfähiges Messwesen sind integrale Bestandteile der
Wirtschafts- und Innovationspolitik. Der Abbau
nichttarifärer Handelshemmnisse sowie die internationale Harmonisierung von Standards und Normen
sind Gegenstand aktueller multi- und bilateraler
Verhandlungen. Das Messwesen wurde durch das 2015
veröffentlichte Mess- und Eichgesetz neu geordnet und
konsequent an europäische Richtlinien angepasst.
Die öffentliche Beschaffung kann infolge ihres hohen
Volumens von mehr als 300 Mrd. Euro pro Jahr wichtige Anreize für mehr Innovationen in der Wirtschaft
sorgen. Ein vom BMWi finanziertes Kompetenzzentrum berät öffentliche Beschaffer darin, mehr Innovationen am Markt nachzufragen und so Innovationsanreize für die Wirtschaft zu setzen.

236 	

Die Verbreitung von Wissen ist die Triebfeder von
Forschung und Innovation. Mit der Digitalen Agenda
2014–2017 hat sich die Bundesregierung die Förderung eines ungehinderten Informationsflusses in der
Wissenschaft und damit die Verbreitung von Wissen
innerhalb der Wissenschaft sowie den Wissenstransfer
in die Wirtschaft zur Aufgabe gemacht. Dabei bieten
moderne Open-Access- und Open-Innovation-Ansätze
insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen Raum für wissensbasierte Lösungsansätze und
neue Marktchancen (siehe auch III 1.1 Digitalisierung,
Schlüsseltechnologien).

Stärkung des Wettbewerbs
Ein intensiver Wettbewerb ist der Motor für Innovationen. Wettbewerbsbeschränkungen und Marktzugangshindernisse erschweren es gerade jungen Unternehmen, mit ihren neuen Produkten und Dienstleistungen
Markterfolge zu erzielen. Daher schützen das Bundeskartellamt und die Bundesnetzagentur den Wettbewerb zwischen den Marktakteuren. Dies gilt vor allem
im Telekommunikationsbereich. In diesem sich besonders dynamisch entwickelnden Sektor müssen die
Regulierungen laufend an die technische Entwicklung
angepasst werden, um Innovationen zu stimulieren. So
zielt beispielsweise die vom Bundeskabinett im September 2015 verabschiedete Änderung des Telemediengesetzes (TMG) auf mehr Rechtssicherheit für WLANBetreiber in Haftungsfragen, um auf diesem Weg eine
größere WLAN-Abdeckung in Deutschland sowie die
schnelle Verbreitung innovativer Geschäftsmodelle zu
erreichen. Das parlamentarische Verfahren hierzu läuft
derzeit noch. Zur Stärkung von Verbraucherinnen und
Verbrauchern und des Wettbewerbs brachte das BMWi
zudem eine gesetzliche Regelung ein, um Routerfreiheit zu ermöglichen. Die Vorgabe einiger Netzbetreiber,
ausschließlich eigene Router zuzulassen, verhindert
nicht nur eine freie Produktauswahl für die Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern beschränkt auch
den Wettbewerb, da die Hersteller von Routern und
Modems in hoher Abhängigkeit einiger weniger Netzbetreiber stehen. Im November 2015 haben Bundesrat
und Bundestag den Gesetzentwurf beschlossen. Das
Gesetz tritt zum 1. August 2016 in Kraft.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Sicherung des Fachkräftebedarfs
Fachkräfte sichern Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit und tragen maßgeblich dazu bei, gesellschaftlichen
Wohlstand in Deutschland zu erhalten. Kreativität
und Schaffenskraft qualifizierter Fachkräfte sind der
Schlüssel für die Lösung aktueller und zukünftiger
Herausforderungen wie z. B. demografischer Wandel. Durch die Arbeit an Innovationsprojekten und
die Dynamik der technologischen Entwicklung sind
viele neue Disziplinen mit modernen Berufsbildern
entstanden: Bionik, Mechatronik etc. Dies kann auch
in Zukunft nur gelingen, sofern ein ausreichendes Angebot an Fachkräften besteht. Besonderes Interesse gilt
hierbei z. B. den MINT-Fächern in der beruflichen und
akademischen Bildung.
Die Bundesregierung verfolgt mit der Partnerschaft für
Fachkräfte die Intention, insbesondere Betriebe bei der
Fachkräftesicherung zu unterstützen. Sie zielt dabei
u. a. auf die inländischen Potenziale von Frauen, älteren
Erwerbstätigen, Geringqualifizierten und Menschen
mit Migrationshintergrund ab. Die von der Bundesregierung 2014 mit Vertreterinnen und Vertretern
der Wirtschaft, der Gewerkschaften und der Länder
besiegelte Allianz für Aus- und Weiterbildung soll u. a.
die duale Berufsausbildung in Deutschland stärken,
die Passungsprobleme zwischen Bewerberinnen und
Bewerbern und Unternehmen regional und fachlich
verringern und für die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung werben. Durch das
im Jahr 2015 eingeführte Instrument der Assistierten
Ausbildung im Recht der Arbeitsförderung sollen mehr
benachteiligte junge Menschen zu einem erfolgreichen Abschluss einer betrieblichen Berufsausbildung
geführt werden. Die Fachkräftesicherung ist zudem
Schwerpunktthema innerhalb der Demografiestrategie.
Der aktuelle Fortschrittsbericht zum Fachkräftekonzept
der Bundesregierung zieht insgesamt eine positive
Bilanz und konstatiert, dass sich die positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre bei der Sicherung der
Fachkräftebasis fortgesetzt haben in den fünf Sicherungspfaden des Fachkräftekonzepts: (1) Aktivierung
und Beschäftigungssicherung, (2) Bessere Vereinbarkeit
von Familie und Beruf, (3) Bildungschancen für alle von
Anfang an, (4) Aus- und Weiterbildung und (5) Integration und qualifizierte Zuwanderung. Die Fachkräfte-

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Offensive begleitet und ergänzt das Fachkräftekonzept
der Bundesregierung mit einem Maßnahmen- und
Informationsangebot.
Das Konzept Chance Beruf leistet einen Beitrag, die
Integrationskraft, Attraktivität und Durchlässigkeit
der beruflichen Bildung zu stärken. Zentrale Elemente dabei sind die Initiative Abschluss und Anschluss
– Bildungsketten bis zum Ausbildungabschluss, der
Ausbau der beruflichen Aufstiegsfortbilung und die
Stärkung der Weiterbildungsbeteiligung (z. B. durch
die Bildungsprämie). Das Programm JOBSTARTER plus
zielt auf die Verbesserung des Übergangsmanagements
von der Schule in die betriebliche Ausbildung, auf die
Erschließung weiterer Fachkräftepotenziale, auf die
Unterstützung von KMU bei der Gewinnung von Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern als Auszubildende sowie auf die Entwicklung interregionaler
Kooperationen zum Ausgleich von Disparitäten auf
den Ausbildungsmärkten in Deutschland.
Fachkräftesicherung in Form von Qualifizierung
erfolgt auch durch den Ausbau von Studienplätzen im
Rahmen des Hochschulpakts 2020 und die Qualitätsoffensive Lehrerbildung. Darüber hinaus sollen zahlreiche
Vorhaben zur Förderung der MINT-Bildung entlang
der gesamten Bildungskette wie z. B. der Nationale Pakt
für Frauen in MINT-Berufen und die Initiative Haus
der kleinen Forscher die Attraktivität der MINT-Fächer
stärken.
Das Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und
Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen (Anerkennungsgesetz) und die Werbung um
ausländische Fachkräfte in den Portalen Make it in Germany und Research in Germany tragen zur Schließung
von Fachkräftelücken bei und steigern die Innovationsdynamik. Mit verschiedenen Maßnahmen für den
Erwerb der deutschen Sprache und das Erkennen von
Kompetenzen und Potenzialen fördert die Bundesregierung die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung
und Beruf (siehe auch I Die forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre
Schwerpunkte).

237

Weitere Informationen im Internet:

Fortschrittsbericht zum Fachkräftekonzept der
Bundesregierung: www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/a758-14-fortschrittsberichtfachkraeftekonzept.html
MINT-Maßnahmen:
www.bmbf.de/pub/perspektive_mint.pdf
Demografiestrategie der Bundesregierung:
www.demografie-portal.de
Informationsportal der Bundesregierung zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen:
www.anerkennung-in-deutschland.de
Informationsportal des Europäischen Sozialfonds
(ESF) in Deutschland: www.esf.de
Allianz für Aus- und Weiterbildung:
www.aus-und-weiterbildungsallianz.de

Bessere Finanzierung von
Innovationen
Deutschland soll als Investitionsstandort für Wagniskapital international attraktiver werden, um jungen
innovativen Unternehmen bessere Finanzierungs- und
Expansionsmöglichkeiten bieten zu können. Dieses Ziel
wurde im September 2015 mit dem Eckpunktepapier
Wagniskapital bekräftigt. Die Bundesregierung hat seit
2013 bereits eine Vielzahl von Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen auf den Weg gebracht.
Dazu gehören unter anderem die Rückkehr der KfW
als Ankerinvestor in den Wagniskapitalmarkt und die
Aufstockung des ERP/EIF-Venture-Capital-Dachfonds
auf 1,7 Mrd. Euro. Das Eckpunktepapier enthält weitere
Maßnahmen, die die Rahmenbedingungen des Wagniskapitalmarkts verbessern werden.
Der INVEST – Zuschuss für Wagniskapital setzt Anreize
für die finanzielle Beteiligung an jungen, kleinen und
innovativen Unternehmen und wurde von den Ertragsteuern befreit und ausgebaut. Mit dem Europäischen

238 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Investitionsfonds erfolgte die Auflage einer 500-Mio.Euro-Wachstumsfazilität, die Wachstumsfinanzierungen in einer Größenordnung von bis zu 20 Mio. Euro
pro Unternehmen ermöglichen soll. Der ERP-Startfonds wurde in coparion, einer eigenen Gesellschaft
außerhalb der KfW, überführt, um beweglicher im
Markt agieren zu können (siehe auch III 3.2 Innovative
Start-ups).
Zudem sollen mehr Börsengänge von Wachstumsunternehmen realisiert werden, um mehr jungen innovativen Unternehmen auf diesem Weg die Finanzierung
ihres weiteren Wachstums zu ermöglichen. Im Jahr
2015 wurde von der Deutschen Börse AG das Deutsche
Börse Venture Network gegründet, welches den Austausch zwischen Investoren und Unternehmen fördert.
Neue Finanzierungsformen wie Crowdfunding und
Crowdinvesting werden für junge Unternehmen
immer relevanter, da immer mehr Bürgerinnen und
Bürger auf diese Weise innovative Projekte finanzieren
und begleiten. Im Kleinanlegerschutzgesetz wurde dem
durch eine Regelung, die der Branche hinreichende
Entfaltungsmöglichkeiten lässt und gleichzeitig den
Anlegerschutz wahrt, Rechnung getragen. Die dynamische Entwicklung im Bereich der schwarm- und
peer-to-peer-basierten Finanzierungen in den letzten
Jahren – nicht nur in Deutschland – macht deutlich,
dass sie eine Alternative und Ergänzung zu klassischen
Finanzierungen sein können.

Weitere Informationen im Internet:

Eckpunktepapier zur Förderung von Wagniskapital: www.bundesfinanzministerium.de/Content/
DE/Downloads/Abt_7/2015-EckpunktepapierWagniskapital.pdf?__blob=publicationFile&v=1
Mittelstandsfinanzierung:
www.bmwi.de/DE/Themen/Mittelstand/mittelstandsfinanzierung.html
Crowdfinanzierungen:
www.existenzgruender.de/DE/Weg-in-die-Selbstaendigkeit/Finanzierung/Finanzierungswissen/
Crowdfinanzierung/inhalt.html

Normung und Standardisierung
vorantreiben
Normen und Standards gewährleisten Einheitlichkeit
und Übertragbarkeit von Anforderungen an Produkte
und Prozesse und beschleunigen so ganz wesentlich die
Verbreitung von Innovationen, beispielsweise im Rahmen von Industrie 4.0. Die Bundesregierung formuliert
ihre normungspolitischen Ziele im Normungspolitischen Konzept. Die Normungsarbeit ist grundsätzlich
eine Selbstverwaltungsaufgabe der Wirtschaft. Das
BMWi gestaltet die rechtlichen Rahmenbedingungen
und unterstützt den Transfer von Forschungs- und
Entwicklungsergebnissen durch Normung und
Standardisierung im Zuge ihrer Förderaktivitäten zur
Verwertung und zum Technologietransfer (siehe auch
III 2.2 Schließen von Verwertungslücken).
Wenn ein Produkt, eine Dienstleistung, ein Prozess,
ein System, eine Person oder eine Stelle Anforderungen erfüllt, die gesetzlich, vertraglich oder anderweitig
festgelegt sind, so bezeichnet man diese Übereinstimmung als Konformität. Konformitätsbestätigungen wie
Prüfberichte und Zertifikate oder Konformitätserklärungen von Herstellern können als Voraussetzung für
einen Vertragsabschluss oder das Inverkehrbringen
eines Produkts verlangt werden. Konformitätsbewertung erfolgt durch private oder staatliche Stellen,
wie die im Geschäftsbereich des BMWi angesiedelten
Einrichtungen Physikalisch-technische Bundesanstalt
(PTB) oder Bundesanstalt für Materialforschung und
-prüfung (BAM).

Leistungsstarkes Messwesen
Als Wissenschaft vom Messen wird die Metrologie als
Querschnittstechnologie besonders gefördert. Die Metrologie gewährleistet die Vergleichbarkeit von wissenschaftlichen Messungen und stellt sicher, dass industrielle Prozesse und der globale Waren- und Güterverkehr
auf einheitliche sowie vergleichbare physikalische Größen aufsetzen können. Die Möglichkeiten präziser und
vertrauenswürdiger Messungen müssen kontinuierlich
angepasst und erarbeitet werden, um den ständig steigenden Genauigkeitsanforderungen der Wissenschaft
und der Spitzentechnologien zu entsprechen.

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Europäische Vernetzung der
Metrologieforschung

Im Europäischen Forschungsraum vernetzen sich
Metrologieinstitute, Forscher und Firmen mit
Unterstützung der EU, um ihre Ressourcen zu
bündeln und zukunftsfähige Messtechnik bereitzustellen. Die EU hat dazu – zunächst im Rahmen
des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms und dann
nachfolgend, als eine Förderung unter Art. 185 –
koordinierte europäische Metrologieforschungsprogramme ins Leben gerufen. 2014 wurde das jüngste
EU-weite Forschungsprogramm European Metrology Programme for Innovation and Research (EMPIR)
gestartet, welches auf dem Vorgänger European
Metrology Research Programme (EMRP) aufbaut.
Im EMPIR haben sich 27 europäische Partnerländer
zusammengeschlossen. Mit einem Volumen von 600
Mio. Euro ist es das bisher größte europäische Forschungsprogramm im Bereich der Metrologie. Die
eine Hälfte wird von den teilnehmenden Ländern
selbst aufgebracht, während die andere Hälfte von
der EU beigesteuert wird. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) engagiert sich maßgeblich
bei der europäischen Koordinierung der Metrologieforschung im Rahmen der Europäischen Vereinigung nationaler Metrologieinstitute (EURAMET).

Weitere Informationen im Internet:

Standardisierung von Schnellladestandards:
bmwi.de/DE/Themen/Energie/speicher.html
European Association of National Metrology Institutes: www.euramet.org
European Metrology Research Programme
(EMRP): www.emrponline.eu
European Metrology Programme for Innovation
and Research (EMPIR): www.empironline.eu

239

In 2015 trat ein neues Mess- und Eichgesetz in Kraft.
Darin wurde das gesetzliche Messwesen in Deutschland
völlig neu geordnet und konsequent an europäische
Richtlinien angepasst. Um dessen Umsetzung und
damit einhergehende Umstellungen beispielsweise in
der Industrie zu gewährleisten, bietet die PTB Informationsveranstaltungen und weitere Hilfestellungen, wie
z. B. Konformitätsbewertungen, an und engagiert sich
maßgeblich in den europäischen Metrologieforschungsprogrammen (siehe auch Infobox Europäische Vernetzung der Metrologieforschung).

Immaterialgüterrechte effektiv
und modern ausgestalten
Die Digitalisierung bringt neue Chancen für die grenzüberschreitende, günstige und einfache Nutzung von
Wissen. Um diese Chancen zu nutzen, bedarf es des
ungehinderten Wissensflusses innerhalb der Wissenschaft, des Wissenstransfers in die Wirtschaft und
Gesellschaft sowie eines effektiven und ausgewogenen
Systems zum Schutz von Immaterialgüterrechten. Ein
bildungs- und forschungsfreundliches Urheberrecht
fördert dabei Forschung und Innovation. Das BMBF
trägt zu einem ungehinderten Informationsfluss
innerhalb der Wissenschaft, aber auch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft und zu einem
bildungs- und wissenschaftsfreundlichen Rechtsrahmen bei. Dies umfasst die Förderung des erleichterten
Zugangs zu wissenschaftlichen Informationen (vor
allem Publikationen und Forschungsdaten). Das BMBF
entwickelt eine umfassende Open-Access-Strategie, in
der die Aktivitäten des BMBF in diesem Bereich gebündelt und öffentlichkeitswirksam sichtbar gemacht werden. Mit der Einführung eines unabdingbaren Zweitverwertungsrechts, das es Autoren von mindestens zur
Hälfte mit öffentlichen Mitteln geförderter Forschung
erlaubt, ihre Zeitschriftenpublikationen zwölf Monate
nach der Erstveröffentlichung der Allgemeinheit zu
nichtgewerblichen Zwecken zugänglich zu machen,
wurde bereits ein wichtiger Schritt für die Stärkung des
„Grünen Weg“ des Open Access getan.
Mit dem Abschluss des Rechtssetzungsverfahrens zum
EU-Patent auf europäischer Ebene erfolgte eine wesentliche Weichenstellung zum Schutz von Immaterialgüterrechten, von der viele Unternehmen in Zukunft

240 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

profitieren können. Anstatt in jedem EU-Mitgliedstaat
einen Patentschutz zu erwirken, können Unternehmen ihre Erfindungen in Zukunft über das Patent
mit einheitlicher Wirkung EU-weit und kostengünstig
schützen.
Neue, offene Formen der Zusammenarbeit entwickeln
hohe Innovationsdynamik speziell für kleine und
mittelständische Unternehmen. Mit der Initiative Intelligente Vernetzung fördert das BMWi die Nutzung der
vielfältigen Potenziale von Open Innovation, gemeinsam mit einem Netzwerk von Unternehmen, Forschungsinstitutionen und Verbänden aus dem Bereich
der Informations- und Kommunikationstechnologien
(IKT) sowie aus den Anwendungssektoren Bildung,
Energie, Gesundheit, Verkehr und Verwaltung. Eine
Open-Innovation-Plattform fördert die systematische
Vernetzung unter den verschiedenen Akteuren und
den Austausch über Ideen und Projekte.

Weitere Informationen im Internet:

Europäisches Patentamt: www.epo.org
Open Innovation Plattform:
www.oip.netze-neu-nutzen.de
Open-Access-Strategie des BMBF:
www.bmbf.de/de/open-access-das-urheberrechtmuss-der-wissenschaft-dienen-846.html

werden gezielte Anreize für Produkt-, Prozess- und
Dienstleistungsinnovationen gesetzt. Mit dem Gesetz
zur Modernisierung des Vergaberechts werden die
Möglichkeiten für öffentliche Auftraggeber, innovative
Aspekte als strategische Ziele im Rahmen von Vergabeverfahren vorzugeben, erweitert.
Das vom BMWi initiierte Kompetenzzentrum innovative Beschaffung (KOINNO) stärkt die Innovationsorientierung der öffentlichen Beschaffung in Deutschland,
indem Beschaffungsstellen beim Erwerb von neuen
Produkten, Dienstleistungen und Systemlösungen
beraten werden. Gemeinsam mit dem Bundesverband
Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME)
vergibt das BMWi den Preis Innovation schafft Vorsprung und zeichnet damit beispielhafte Leistungen
öffentlicher Auftraggeber bei der Beschaffung von
Innovationen und der Gestaltung innovativer Beschaffungsprozesse aus. Um den Preis können sich Bundes-,
Landes- und Kommunalverwaltungen sowie öffentliche Unternehmen und Institutionen bewerben. Im Jahr
2015 wurde der Preis zum zehnten Mal verliehen. Im
Fokus standen Vorhaben, die Nachhaltigkeitsaspekte,
z. B. Energieeffizienz, beinhalteten.
Zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und
Raumfahrt (DLR) wurde ein vorkommerzielles Beschaffungsvorhaben (pre commercial procurement)
durchgeführt. Zwei potenzielle Lieferanten haben im
Wettbewerb zueinander ein neues Produkt entwickelt
um das DLR als beschaffende Institution in die Lage
zu versetzen, das wirtschaftlichste und technologisch
interessanteste Produkt auszuwählen.

Weitere Informationen im Internet:

Innovationsanreize durch
öffentliche Beschaffung
Das Beschaffungsvolumen der öffentlichen Hand
liegt nach Schätzungen bei mindestens 300 Mrd. Euro
im Jahr. Das Nachfrageverhalten des Staates nach
Produkten und Dienstleistungen entfaltet daher eine
erhebliche Hebelwirkung auf die Innovationsleistung
von Wissenschaft und Wirtschaft. Durch die verstärkte Berücksichtigung der Themen Nachhaltigkeit und
Innovationsgehalt im öffentlichen Beschaffungswesen

Kompetenzzentrum innovative Beschaffung:
de.koinno-bmwi.de
Reform des Vergaberechts: www.bmwi.de/DE/
Themen/Wirtschaft/Oeffentliche-Auftraege-undVergabe/reform-des-vergaberechts.html
Wettbewerb Innovation schafft Vorsprung: bmwi.
de/DE/Service/wettbewerbe,did=190648.html

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

5	

241

Transparenz und Partizipation

Neue Entwicklungen und Technologien werden in Deutschland offen und aufgeschlossen diskutiert. Ihre Chancen und
Risiken werden unvoreingenommen abgewogen. So wird eine Gesellschaft gefördert, die sich für soziale und technologische Neuerungen interessiert, eigene Ideen einbringt und sich aktiv am Innovationsprozess beteiligt. Die Bundesregierung setzt sich in der Hightech-Strategie für eine stärkere Beteiligung aller Akteure – von der Wissenschaft über die
Wirtschaft bis zu den Bürgerinnen und Bürgern – bei der Mitgestaltung von Innovationsprozessen ein. Dafür stärkt sie
wichtige Elemente wie Technologieoffenheit, Bürgerpartizipation und soziale Innovationen. Des Weiteren wird sie mit
Programmen die Teilhabeforschung in Deutschland stärker implementieren und den partizipativen Austausch in der
Forschung und mit den Bürgerinnen und Bürgern fördern.

Die fundierte Aufbereitung von Informationen ist eine
Voraussetzung für die Mitgestaltung und den frühzeitigen sowie offenen Dialog über neue Technologien und
Entwicklungen. Die Innovations- und Technikanalyse
(ITA) richtet den Blick auf die kommenden fünf Jahre
und erläutert Chancen und Herausforderungen neuer
Technologien neutral, transparent und umfassend. Wie
sich die Gesellschaft längerfristig verändern könnte,
veranschaulichen die Ergebnisse der Strategischen
Vorausschau (Foresight).

senschaftsjahre. Im Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt wurden durch bundesweite Beteiligungs- und
Mobilisierungsformate interessierte Bürgerinnen und
Bürger aktiv in die Gestaltung der Stadt von morgen
einbezogen, die zentrale Rolle von Wissenschaft und
Forschung für die zukünftige Stadtentwicklung wurde
alltagsnah vermittelt. Das Wissenschaftsjahr 2016*2017
– Meere und Ozeane verdeutlicht den Beitrag von
Wissenschaft und Forschung für den Erhalt und die
nachhaltige Nutzung der Meere und Ozeane.

Es ist Aufgabe der Wissenschaftskommunikation, Forschungsergebnisse und Innovationsprozesse verständlich darzustellen. Dialogformate spielen hierbei eine
wichtige Rolle und prägen zunehmend auch die Wis-

Die Bundesregierung fördert die Verankerung von
Innovationen in der Mitte der Gesellschaft durch
Bürgerdialoge und Transdisziplinarität in der Forschung. Die ZukunftsForen zur künftigen Ausrichtung

242 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

von Forschung und Wissenschaft tragen dazu bei,
das Erfahrungswissen von Bürgerinnen und Bürgern
unmittelbarer in die Politikgestaltung einfließen zu
lassen. Der Einsatz von Agendaprozessen gewährleistet,
dass Innovations- und Forschungsprogramme bedarfsorientiert gestaltet sind. Indem Wissenschaftler und
Wissenschaftlerinnen an der Themenfindung mitwirken, werden Akzeptanz und Bekanntheit der Förderprogramme, aber auch Innovationskräfte gesteigert.

Innovations- und Technikanalyse
Die Innovations- und Technikanalyse (ITA) des BMBF
analysiert und bewertet fachübergreifende Zukunftsthemen von gesellschaftlicher Relevanz hinsichtlich ihrer
Chancen und Risiken. Die sachlich fundiert aufbereiteten Informationen tragen zu einem transparenten
Dialogprozess bei. Die Diskussion von Themen im
Spannungsfeld technologischer Möglichkeiten, gesellschaftlicher Wertvorstellungen und wirtschaftlicher
Anforderungen fördert eine für Mensch und Umwelt
verträgliche Technikgestaltung. Im Fokus stehen bevorstehende bzw. zu erwartende Entwicklungen mit einem
mittelfristigen Zeithorizont von bis zu fünf Jahren.
Die ITA wird im Rahmen von inter- und transdisziplinären Forschungsprojekten erarbeitet. Über partizipative Verfahren werden nicht nur Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler, sondern auch Bürgerinnen und
Bürger in die Technikfolgenabschätzung einbezogen.
Im August 2014 rief das BMBF zur Einsendung von
Forschungsskizzen zu Einzel- und Verbundvorhaben
in den fünf neuen Themenfeldern Partizipation in
Forschung und Innovation, Chancen und Risiken der
Digitalisierung, Einstellungsforschung, neue globale
Innovationspfade sowie flexible Konsum- und Eigentumsmodelle auf. In die Konzeptionierung der The-

Weitere Informationen im Internet:

Innovations- und Technikanalyse (ITA):
www.bmbf.de/de/1324.php

menfelder flossen die Ergebnisse des BMBF-ForesightProzesses ein, mit dem die ITA inhaltlich verknüpft
ist. Zudem gab es ein themenoffenes Themenfeld. In
einem mehrstufigen wissenschaftlichen Begutachtungsprozess wurden 25 Einzel- und Verbundvorhaben
für die zweijährige Forschung ausgewählt. Auf dem
ITAFORUM im November 2015 wurden diese neuen
Forschungsvorhaben der ITA vorgestellt und von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen diskutiert.

Strategische Vorausschau
BMBF-Foresight ist ein strategisches Instrument zur
langfristigen Vorausschau relevanter Themen in Bildung und Forschung. Es blickt mit einer Perspektive
von bis zu 15 Jahren in die Zukunft und identifiziert
gesellschaftlich wichtige Handlungsfelder, um eine
rechtzeitige Reaktion der deutschen Forschungs- und
Innovationspolitik zu ermöglichen. Zukunftsthemen
liegen oft jenseits bisheriger Fach- und Programmlogiken. Foresight verknüpft systematisch künftig
mögliche gesellschaftliche Entwicklungen und Herausforderungen mit neuen Trends in Forschung und
Technologie, um daraus prioritäre Themen künftiger
Forschungs- und Innovationspolitik abzuleiten.
Die strategische Vorausschau ist zyklisch angelegt. In
der aktuell abgeschlossenen zweijährigen Suchphase
von 2012 bis 2014 (Zyklus II) des Foresight-Prozesses lag
der Schwerpunkt darauf, künftige gesellschaftliche Herausforderungen zu erkennen, die bis ins Jahr 2030 reichen können. Dies geschah im Rahmen eines partizipativen Prozesses. In verschiedenen Workshops wurden
mit Expertinnen und Experten aus allen gesellschaftlichen Teilbereichen Trends identifiziert, Wünsche an die
Zukunft formuliert und kreativ nach Verknüpfungen
von Technologie und Gesellschaft gesucht.
Aus den identifizierten Gesellschaftstrends wurden
spezifische gesellschaftliche Herausforderungen abgeleitet, die durch Forschung und Innovation adressiert
werden können. Verknüpft mit Forschungs- und Technologieperspektiven wurde das Potenzial für entstehende Innovationsfelder bewertet. In neun anschaulichen „Geschichten aus der Zukunft“ wird ein Ausblick
auf den möglichen Alltag im Jahr 2030 gegeben und die

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

Arbeitskollege Computer

Computer und autonome Roboter werden 2030 in
der Lage sein, immer mehr menschliche Tätigkeiten
zu unterstützen bzw. zu übernehmen. Sie führen
dann nicht nur komplizierte Produktionsschritte
vollständig autonom durch, sondern übernehmen auch Denktätigkeiten sowie Beratungs- oder
Serviceleistungen von Wissensarbeiterinnen und
Wissensarbeitern bzw. Dienstleistern. Auf der einen
Seite ergeben sich daraus neue wirtschaftliche
Chancen für Deutschland. Darüber hinaus können
Entwicklungen in der Automatisierung sowohl ein
Ansatz gegen den Fachkräftemangel sein als auch
Entlastungen für Bürgerinnen und Bürger mit sich
bringen. Auf der anderen Seite sind bei typischen
Angestelltentätigkeiten Veränderungen denkbar, die
mit dem Wandel von Tätigkeiten in der gewerblichen Produktion im Zuge der industriellen Revolution vergleichbar sind.

Herausforderungen für die Forschungs- und Innovationspolitik von heute dargestellt (siehe auch Infobox
Arbeitskollege Computer).
In der sich anschließenden Transferphase der Strategischen Vorausschau fließen die Ergebnisse der Suchphase unter anderem in die Förderprogrammatik ein,
werden als Grundlage für Diskussionen mit Akteuren
aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft genutzt
und finden schließlich Berücksichtigung bei der Formulierung neuer Strategien.

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – Der Foresight-Prozess: www.bmbf.de/de/
mit-foresight-in-die-zukunft-schauen-930.html
Geschichten aus der Zukunft:
www.bmbf.de/de/24531.php

243

Das BMUB untersucht im Rahmen seiner Ressortforschungsvorhaben derzeit, wie neue Trends systematisch erkannt werden können. Dazu gehört das Projekt
Horizon Scanning und Trendmonitoring als Instrumente
der Umweltpolitik zur strategischen Früherkennung und
effizienten Politikberatung. Mit diesem Vorhaben wurde
erstmals die systematische Vorausschau im Rahmen
eines breit angelegten Scannings in Angriff genommen.
Zudem wird im Projekt Analyse und Bewertung der
Wirkungen von gesellschafts- und umweltpolitischen
Themen auf die Umweltpolitik mit Hilfe der Methode der
Trendanalyse die Trendanalyse als wichtiges Instrument in der strategischen Zukunftsforschung erforscht.
Ziel ist die Nutzung der Trendanalyse zur Erfassung
möglicher Auswirkungen künftiger Entwicklungen.

Wissenschaftsjahre, Wissenschaftskommunikation
Die Wissenschaftsjahre sind die zentrale Initiative des
BMBF auf dem Gebiet der Wissenschaftskommunikation. Das BMBF richtet die Wissenschaftsjahre
gemeinsam mit der Initiative Wissenschaft im Dialog
(WiD) aus. Ziel der Wissenschaftsjahre ist es, die Öffentlichkeit stärker für die Wissenschaft zu interessieren
und den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern zu
fördern. Junge Menschen sollen für Forschungsthemen
begeistert werden und für Ihre Berufswahl Anregungen erhalten. Indem Forschungsergebnisse in eine
verständliche Sprache übersetzt werden, wird Wissenschaft für Bürgerinnen und Bürger transparenter und
zugänglicher. Ziel ist es zudem, kontroverse Debatten
anzuregen und voranzutreiben. Die Wissenschaftsjahre
verstehen sich als Treiber für eine Weiterentwicklung der Wissenschaftskommunikation. So werden
besonders solche Projekte gefördert, die die Wissenschaftskommunikation auch in ihrer Methodenvielfalt
voranbringen.
Das Wissenschaftsjahr 2016*2017 beschäftigt sich mit
dem Thema Meere und Ozeane. Das Wissenschaftsjahr
zeigt, was wir tun können und müssen, um die Lebensgrundlagen für uns und für künftige Generationen zu
erhalten. Und es macht deutlich, warum Wissenschaft
und Forschung die Methoden und Instrumente bereithalten, um diese Ziele zu erreichen. Das Wissenschaftsjahr 2016*2017 veranschaulicht, wie die Menschen die

244 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt
Städten zu entwickeln und das
Verständnis für die Lösungskompetenz von Wissenschaft
und Forschung in der Gesellschaft zu verankern (siehe auch
III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima,
Energie).

Im Mittelpunkt des Wissenschaftsjahres standen die
Beiträge von Forschung und Wissenschaft für die
nachhaltige Entwicklung der Städte. Dabei ging es um
neue Mobilitätskonzepte, den Erhalt von städtischen
Ökosystemen, klimaangepasstes Bauen, den Ausbau
urbaner Landwirtschaft ebenso wie um die Gestaltung des sozialen Zusammenlebens in Städten, den
Erhalt der Vielfalt von Innenstädten und die aktive
Einbeziehung von Bürgerinnen und Bürgern in anstehende Stadtplanungsprozesse.

Im Wettbewerb Zukunftsstadt
rief das BMBF Städte, Gemeinden und Landkreise dazu auf,
gemeinsam mit ihren Bürgerinnen und Bürgern, der Wissenschaft sowie Verwaltung, lokalen
Verbänden und Unternehmen
eine nachhaltige und ganzheitliche Vision für ihre Stadt, ihren
Stadtteil, ihre Gemeinde oder
ihren Landkreis zu entwickeln. In einer ersten Phase im Mai 2015 wurden 51 Kommunen ausgewählt.
Das BMBF unterstützt die Umsetzung der Ideen mit
jeweils bis zu 35.000 Euro. Insgesamt stehen für die
ausgewählten Projekte bis zu 1,75 Mio. Euro bereit.

Ein wichtiges Ziel war, durch innovative Formate interessierte Bürgerinnen und Bürger als gleichberechtigte Partner in die Transformation der Stadt und ihrer
Infrastruktur einzubeziehen. Durch Wettbewerbe und
großangelegte Mobilisierungsaktionen für unterschiedliche Zielgruppen wurden im Wissenschaftsjahr
2015 zukunftsweisende Dialogprozesse initiiert mit
dem Ziel, gemeinsame Ideen für das Leben in den

Über die Onlineplattform Forschungsbörse konnten
Schulen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,
die die Zukunft der Städte erforschen, in den Unterricht einladen und so den unmittelbaren Kontakt
zwischen den Forschenden und den Schülerinnen und
Schülern herstellen. Durch die seit 2011 bestehende
Forschungsbörse bekamen bereits 20.000 Schülerinnen und Schüler Besuch aus der Forschung. Im
Wettbewerb Heimatkunde – Eure Stadt, eure Ideen
entwickelten Jugendliche kreative Vorschläge zur
Gestaltung und Nutzung von Freiflächen in ihren
Heimatorten. Prämiert wurden die besten Kurzfilme
und Fotodokumentationen.

Meere und Ozeane entdecken, nutzen und schützen
können. Hierbei spielen zahlreiche spannende und
herausfordernde Themen eine Rolle: Dazu gehören
die große Artenvielfalt in der Tiefsee, die faszinierende

Technik auf den Forschungsschiffen, die Bedeutung
der Ozeane für den Klimaschutz, das gewaltige Potenzial zur Ressourcennutzung und der Schutz der Meere
und Ozeane vor Vermüllung. Das Wissenschaftsjahr

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

2016*2017 widmet sich damit in besonderer Weise der
Frage, wie wir gemeinsam die Zukunft unseres Planeten gestalten können.
Voraussichtlich im Jahr 2017 wird das Haus der
Zukunft in Berlin eröffnet. Im Juni 2015 erfolgte die
Grundsteinlegung des neuen, innovativen Projekts
zur Wissenschaftskommunikation. Das Haus soll in
Ausstellungen und Veranstaltungen mögliche Szenarien für das Leben in der Zukunft entwickeln und zeigen,
welche – auch inklusive – Möglichkeiten Forschung
und Innovation bieten. Als Ort der Partizipation werden im Haus der Zukunft Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und die Bürgergesellschaft zusammenkommen,
Ideen austauschen und über die Zukunft diskutieren.
Getragen wird das Haus der Zukunft von einer gemeinnützigen GmbH, an der Bund, Wissenschaft und
Wirtschaft beteiligt sind.

Weitere Informationen im Internet:

245

Regierungsstrategie Gut leben in
Deutschland – was uns wichtig ist

Die Bundeskanzlerin und alle Bundesministerinnen
und Bundesminister haben von April bis Oktober
2015 mit den Menschen in Deutschland einen
Dialog über ihr Verständnis von Lebensqualität
geführt. Die Antworten der Bürgerinnen und Bürger
werden nun von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ausgewertet. Ziel ist es, aufbauend auf
den Themen, die den Menschen am Herzen liegen,
einen Regierungsbericht über den Stand und die
Entwicklung von Lebensqualität in Deutschland
zu verfassen. Die Bundesregierung macht es sich
zur gemeinsamen Aufgabe, an der Verbesserung
der Lebensqualität zu arbeiten. Dabei will sie sich
an Maßeinheiten für Lebensqualität, sogenannten
Indikatoren, orientieren. Ihre konkreten politischen
Maßnahmen fasst die Bundesregierung in einem
Aktionsplan zusammen.

Wissenschaftsjahr: www.wissenschaftsjahr.de
Haus der Zukunft:
www.hausderzukunft-deutschland.de

Strategischer Austausch und
Bürgerdialoge
Die politische Kultur in Deutschland ist vielseitiger
geworden. Hierzu gehört, dass sie vor allem auch partizipativer geworden ist. Die Möglichkeiten der Beteiligung sind durch die Digitalisierung erheblich gewachsen. Durch diesen Trend öffnen sich große Chancen
für neue Impulse in der Forschungs- und Innovationspolitik. Das BMBF führt die Anwendung partizipativer
Formate in der Forschungs- und Innovationspolitik
fort und baut sie mit neuen Formaten konsequent aus
(siehe auch Infobox Regierungsstrategie Gut leben in
Deutschland – was uns wichtig ist).

Bürgerdialoge sind wichtige Austauschformate, um Anregungen für die Politikgestaltung zu bekommen, die
Zielgenauigkeit und Wirksamkeit politischer Vorhaben
zu erhöhen sowie Vertrauen für neue Themen zu schaffen und Neugier zu wecken. Im Jahr 2015 startete die
neue Bürgerdialogreihe ZukunftsForen, welche die zukünftige Ausrichtung von Forschung und Wissenschaft
in den Mittelpunkt stellt. Bis 2017 wird in mehreren
ZukunftsForen ein breites Spektrum an Themen debattiert. Im Auftaktforum stand das Thema „Gesundheit
neu denken – Wohlergehen durch Hightech-Medizin
und Selbstoptimierung?“ im Mittelpunkt. Die Zukunfts-

Weitere Informationen im Internet:

Regierungsstrategie Gut Leben in Deutschland:
www.gut-leben-in-deutschland.de
Bürgerdialog ZukunftsForen:
www.zukunft-verstehen.de

246 	

Foren beteiligen Bürgerinnen und Bürger in mehrfacher Hinsicht. Zu verschiedenen Zukunftsthemen sind
jeweils eine repräsentative Befragung (der ZukunftsMonitor), ein moderierter Workshop mit Bürgerinnen
und Bürgern (der ZukunftsTag) sowie ein Bürgerdialog
mit der Bundesministerin für Bildung und Forschung
geplant (die ZukunftsNacht). Die ZukunftsForen werden
von Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen
Disziplinen wissenschaftlich begleitet. Sie sind in die
Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern
eingebunden und geben Auskunft in Fachfragen.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Hightech auch zum Selbst- und Mitmachen ist (siehe
auch III 1.1 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien).

Weitere Informationen im Internet:

Online-Plattform Citizen Science:
www.buergerschaffenwissen.de
Makelight: www.photonikforschung.de/innovationsunterstuetzung/make-light-initiative

Transdisziplinäre Forschung
In Deutschland unterstützen immer mehr Menschen
in ihrer Freizeit die Arbeit von Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftlern. Das BMBF fördert partizipativ
angelegte Forschungsprojekte mit dem Ziel, Bürgerinnen und Bürger in der Forschung oder in Innovationsprozessen zum Mitmachen einzuladen.
Citizen Science bindet Menschen, die an Wissenschaft
interessiert sind, in die Forschung ein. Gemeinsam
mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft fördert das BMBF mit einer Onlineplattform
die zentrale Anlaufstelle für Citizen-Science-Projekte
in Deutschland. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen können dort ihre Projekte einstellen, über ihre
Vorhaben informieren sowie Bürgerinnen und Bürger
zum Mitmachen einladen. Darüber hinaus fördert das
BMBF eine Dialogreihe. Dabei geht es darum, über die
stärkere Vernetzung und einen intensiveren Austausch
zu einem gemeinsamen Verständnis von Citizen Science zu gelangen sowie einen Leitfaden zu entwickeln.
Im Rahmen des Programms Photonik Forschung
Deutschland unterstützt das BMBF mit der Initiative
Make Light seit 2012 die Maker-Szene beim Einsatz der
Photonik. Dazu gehören der Make-Light-Wettbewerb,
Kurse zum Selbermachen (Make Light Lab) und Werkstätten zu bestimmten Photonik-Themen wie OLED,
3D-Druck oder Videomapping. Die Fördermaßnahme
Open Photonik fördert mit elf Projekten die Entwicklung neuer Photonik-Technologien für das „Selbermachen“. Beim Förderaufruf Light Cares geht es um
Projekte von Makern für Menschen mit Behinderung.
Mit der Make-Light-Initiative zeigt das BMBF, dass

Agendaprozesse
In einem Agendaprozess werden die Inhalte und
Schwerpunkte künftiger Förder- und Innovationsprogramme gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft und
Gesellschaft entwickelt. So wird gewährleistet, dass das
Wissen und die Forschungsbedarfe der potenziellen
Adressaten in die Programmgestaltung miteinfließen.
Agendaprozesse werden verstärkt zur Weiterentwicklung der Forschungsprogramme eingesetzt:
∙∙ Das 2015 erschienene 3. Rahmenprogramm Forschung
für Nachhaltige Entwicklung (FONA³) mit den Leitinitiativen zu den Themen Green Economy, Zukunftsstadt
und Energiewende wurde gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft,
Politik und der Zivilgesellschaft entwickelt.

Weitere Informationen im Internet:

FONA: www.fona.de
FINA: www.bmbf.de/publikationen/?P=1826
Agendaprozess:
www.Agenda-Zukunft-gestalten.de
Plattform BNE: www.bmbf.de/de/bildung-fuernachhaltige-entwicklung-535.html

III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes	

∙∙ Die 2015 erschiene Strategische Forschungs- und
Innovationsagenda (FINA) wurde von der Nationalen
Plattform Zukunftsstadt in einem Agendaprozess
erarbeitet (siehe auch III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima,
Energie).
∙∙ Die 2015 gegründete Nationale Plattform Bildung
für nachhaltige Entwicklung (BNE) fördert nachhaltiges Denken und Handeln in allen Bereichen des
Bildungssystems und versammelt unter Vorsitz des
BMBF 37 Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft
und Zivilgesellschaft (siehe auch III 1.8 Bildung und
Gesellschaft).
∙∙ Der 2015 abgeschlossene BMBF-Agendaprozess
Zukunft sichern und gestalten – Forschung zu den
großen gesellschaftlichen Herausforderungen wandte
sich speziell an die Geistes- und Sozialwissenschaften (siehe auch Infobox Auf den Spuren der großen
gesellschaftlichen Herausforderungen). Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie zivilgesellschaftliche Akteure wurden dazu eingeladen darzulegen, welche Forschungsbeiträge sie zur Lösung und
Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen
leisten wollen und könnten.

247

Auf den Spuren der großen gesellschaftlichen Herausforderungen

Mit über 280 eingereichten Ideenvorschlägen ist der
BMBF-Agendaprozess Zukunft sichern und gestalten – Forschung zu den großen gesellschaftlichen
Herausforderungen auf große Resonanz gestoßen.
Adressaten des Prozesses waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Akteure aus
der Praxis. In einer überregionalen Wochenzeitung
waren sie aufgerufen, kurze Papiere mit übergeordneten sozial- und geisteswissenschaftlichen
Fragestellungen zu den großen gesellschaftlichen
Herausforderungen zu benennen. Ziel des Agendaprozesses ist die Identifizierung von zukunftsrelevanten Themen, die von hoher gesellschaftlicher
und gesellschaftspolitischer Bedeutsamkeit sind.
Ein besonderes Anliegen des Agendaprozesses ist
vor allem, die gewonnenen Ergebnisse in der Praxis
zu implementieren. Die identifizierten Themen
sollen innerhalb des Rahmenprogramms Geistes-,
Kultur- und Sozialwissenschaften des BMBF bearbeitet werden. Förderangebote zu einzelnen Themenbereichen sollen 2016 erscheinen.

248 	

	

IV 	Die Zusammenarbeit zwischen
Bund und Ländern

249

250 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Auf einen Blick
Die Förderung von Wissenschaft und Forschung ist nicht nur eine gemeinsame Aufgabe von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, vielmehr wirken auch Bund und Länder bei diesem Thema zusammen. Die Kooperationsmöglichkeiten von
Bund und Ländern sind durch die Grundgesetzänderung vom 23. Dezember 2014 weiter verbessert worden. Hierdurch
wurden Weichen für die künftige Ausgestaltung des deutschen Wissenschaftssystems gestellt.

Im föderalen System der Bundesrepublik ist die Zuständigkeit für die Förderung von Wissenschaft und
Forschung als Aufgabenbereich nur in wenigen Fällen
dem Bund alleine zugeordnet. So verfügt der Bund
beispielsweise über Gesetzgebungskompetenzen über
die Ausbildungsbeihilfen und die Forschungsförderung
(Art. 74 Abs. 1 Nr. 13 GG); der Hochschulbereich ist hingegen ganz überwiegend Sache der Länder (Art. 70 GG).
Bund und Länder dürfen aber im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe nach Art. 91b Abs. 1 GG in Fällen überregionaler Bedeutung und auf Grund von Vereinbarungen bei der Förderung von Wissenschaft, Forschung
und Lehre kooperieren.

Ziel der Bund-Länder-Vereinbarungen ist es, gemeinsame Schwerpunktsetzungen und Profilbildungen zu
unterstützen, mit denen die Leistungsfähigkeit der
deutschen Wissenschaftslandschaft weiter verbessert
werden kann. Vor diesem Hintergrund wurden Mitte
des letzten Jahrzehnts gemeinsam von Bund und Ländern die Wissenschaftspakte Exzellenzinitiative, Pakt für
Forschung und Innovation und Hochschulpakt initiiert.
Die Wissenschaftspakte haben eine große Dynamik
erzeugt und die Leistungsfähigkeit des deutschen
Wissenschaftssystems spürbar verstärkt. Im Dezember
2014 einigten sich die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und -chefs der Länder daher auf deren
Fortführung.

IV Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern	

Rechtliche Grundlagen
Das rechtliche Fundament der staatlichen Forschungsund Innovationsförderung bilden in Deutschland
das Grundgesetz sowie auf der Ebene der einzelnen
Länder die Landesverfassungen. Die zentrale verfassungsrechtliche Bestimmung für die Zusammenarbeit
von Bund und Länder auf diesem Gebiet ist die in Art.
91b Abs. 1 GG geregelte Gemeinschaftsaufgabe.
Auf ihrer Grundlage konnten Bund und Länder bis
zum Jahr 2014 ausschließlich die außeruniversitäre
Forschung gemeinsam institutionell fördern, während
Hochschulen in Form von thematisch und zeitlich
begrenzten Projekten durch den Bund unterstützt werden konnten. Ende 2014 haben der Deutsche Bundestag und der Bundesrat beschlossen, Art. 91b Abs. 1 GG
neu zu fassen. Die Änderung ist am 1. Januar 2015 in
Kraft getreten.
Seitdem kann der Bund in Fällen überregionaler
Bedeutung einzelne Hochschulen, Hochschulinstitute
oder Institutsverbünde aufgrund entsprechender Vereinbarungen auch langfristig fördern. Ebenso können
Verbindungen von Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen jetzt einfacher gemeinsam durch
Bund und Länder unterstützt werden. Die „überregionale Bedeutung“ setzt voraus, dass der Fördergegenstand „Ausstrahlungskraft über das einzelne Land
hinaus hat und bedeutend ist im nationalen oder
internationalen Kontext“.1
Bereits vor der Neufassung konnten Bund und Länder
bei der Finanzierung von Forschungsbauten an Hochschulen sowie bei Vorhaben der wissenschaftlichen
Großforschung (zum Beispiel Weltraum-, Meeres- oder
Kernforschung) auf der Grundlage von Art. 91b GG zusammenwirken (siehe auch III 1.7 Naturwissenschaftliche Grundlagenforschung).
Darüber hinaus finanziert der Bund internationale
Forschungseinrichtungen (siehe auch V 2 Deutschlands
Rolle in Europa und V 3 Weltweite Zusammenarbeit).
Bund und Länder haben zudem die Kompetenz, Einrichtungen zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben sowie
zur Beratung bei politischen und administrativen Ent1	 Deutscher Bundestag (2014): Gesetzentwurf der Bundesregierung,
Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Grundgesetzes (Art. 91b),
Drucksache 18/2710

251

scheidungen zu finanzieren (siehe auch II 2.4 Staatliche
Forschungseinrichtungen sowie EB II Organisationen
und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).

Weitere Informationen im Internet:

Gesetzentwurf der Bundesregierung, Entwurf
eines Gesetzes zur Änderung des Grundgesetzes
(Art. 91b), Drucksache 18/2710: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/027/1802710.pdf

Zusammenwirken von Bund und
Ländern
Bund und Länder wirken entsprechend den verfassungsrechtlichen Vorgaben bei der staatlichen
Forschungs- und Innovationsförderung zusammen.
Sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene sind
hierbei nicht nur die Forschungs- und Wissenschaftsministerien, sondern auch andere Ressorts wie vor
allem die Wirtschaftsministerien aktiv (siehe auch III
Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes,
VI Die Forschungs- und Innovationspolitik der Länder
sowie EB III Forschungs- und Innovationspolitik der
Länder). Zentrale Gremien für die Koordinierung der
gemeinsamen Wissenschafts- und Forschungsförderung von Bund und Ländern sind die Gemeinsame
Wissenschaftskonferenz (GWK), der Wissenschaftsrat
(WR) und der Bund-Länder-Ausschuss „Forschung und
Technologie“.
Die GWK bietet ein Forum für den Austausch und die
Koordinierung der Wissenschafts- und Forschungspolitik. Sie ist das Gremium, in dem Bund und Länder ihre
Maßnahmen abstimmen. Hier wird über gemeinsame
Fördermaßnahmen auf Grundlage von Art. 91b GG
beschlossen, so zum Beispiel über Vorhaben wie die
Exzellenzinitiative oder den Hochschulpakt. In der GWK
führen die Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung sechzehn Stimmen, die einheitlich abgegeben
werden, die Vertreterinnen und Vertreter jeder Landesregierung eine Stimme. Die Mitglieder der GWK

252 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

streben unter Wahrung ihrer jeweiligen Kompetenzen
eine enge Koordination auf dem Gebiet der nationalen,
europäischen und internationalen Wissenschafts- und
Forschungspolitik mit dem Ziel an, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu steigern. Sie wirken in Fällen
überregionaler Bedeutung bei der Förderung von
Wissenschaft, Forschung und Lehre zusammen und
unterrichten sich gegenseitig über wesentliche eigene
Planungen und Entscheidungen, die nicht Gegenstand
gemeinsamer Förderung sind.
Der WR berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft
und der Forschung. Er setzt sich aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie Vertreterinnen und Vertretern
von Bund und Ländern zusammen. Er wurde von den
Regierungen des Bundes und der Länder 1957 gegründet und wird gemeinsam durch sie getragen. Aufgabe
des WR ist es, im Rahmen von Arbeitsprogrammen
übergreifende Empfehlungen zur inhaltlichen und
strukturellen Entwicklung der Wissenschaft, der Forschung und des Hochschulbereichs zu erarbeiten sowie
zur Sicherung der internationalen Konkurrenzfähigkeit
der Wissenschaft in Deutschland im nationalen und
europäischen Wissenschaftssystem beizutragen. Das
Arbeitsprogramm des WR wird jeweils im Januar und
Juli aktualisiert und durch die Vollversammlung verabschiedet. Das letzte abgeschlossene Arbeitsprogramm
(Juli 2015 bis Januar 2016) umfasste die Themenbereiche Tertiäre Bildung, Forschung, Evaluation, Hochschulinvestitionen und Institutionelle Akkreditierung
und Medizin. Zuletzt erschien im Frühjahr 2015 der
ausführliche Jahresbericht des WR für das Jahr 2014.
Der Bund-Länder Ausschuss „Forschung und Technologie“ ist ein Forum der Wirtschafts- und Forschungs-

Weitere Informationen im Internet:

Gemeinsame Wissenschaftskonferenz:
www.gwk-bonn.de
Wissenschaftsrat: www.wissenschaftsrat.de

ministerien des Bundes und der Länder, in dem die
Maßnahmen des Bundes und der Länder vor allem der
anwendungsorientierten Forschung und der Innovationsförderung dargestellt und diskutiert werden, um die
Komplementarität der Maßnahmen des Bundes und
der Länder sicherzustellen. Dabei sind die Länder frei
in ihrer Entscheidungskompetenz; de facto berücksichtigen die Länder die Maßnahmen des Bundes bei ihren
politischen Entscheidungen, so dass erhebliche Einsparpotenziale generiert werden, z. B. dadurch, dass die
Länder Programme dann zurückfahren können, wenn
der Bund mit einem großen Programm bereitsteht.

Grundfinanzierung der Forschungseinrichtungen
Die Bundesregierung fördert Forschungseinrichtungen
und Förderorganisationen teilweise allein, gemeinsam
mit den Ländern oder in Kooperation mit weiteren
Partnern. Mit Blick auf die weiter zunehmende Bedeutung von Forschung und Innovation sind in den letzten
Jahren die gemeinsamen Förderaktivitäten von Bund
und Ländern erheblich ausgeweitet worden (siehe auch
II 2.1 Finanzierung von Wissenschaft, Forschung und
Entwicklung durch Bund und Länder, EB I Daten und
Fakten zum deutschen Forschungs- und Innovationssystem, EB II Organisationen und Einrichtungen in
Forschung und Wissenschaft sowie EB III Forschungsund Innovationspolitik der Länder). Gemeinsam
fördern Bund und Länder die folgenden Forschungseinrichtungen:
∙∙ die Mitgliedseinrichtungen der Hermann von
Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V. (HGF),
∙∙ die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. (MPG),
∙∙ die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. (Fraunhofer),
∙∙ die Mitgliedseinrichtungen der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V. (LeibnizGemeinschaft),
∙∙ die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften,
∙∙ das Wissenschaftskolleg zu Berlin,
∙∙ die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
(acatech) sowie

IV Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern	

∙∙ das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW).
Daneben fördern Bund und Länder gemeinsam als
Fördereinrichtungen für Forschungsvorhaben
∙∙ die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und
∙∙ das Akademienprogramm der sieben deutschen
Akademien der Wissenschaften.
Zudem wollen Bund und Länder mit der gezielten
Förderung von Forschungsbauten an Hochschulen einschließlich Großgeräten die wissenschaftliche Konkurrenzfähigkeit der Forschung an Hochschulen stärken
(siehe auch III 1.7 Naturwissenschaftliche Grundlagenforschung). Darüber hinaus findet eine intensive
Zusammenarbeit in der Gesundheitsforschung statt.
Der Bund und 13 Länder finanzieren insgesamt sechs
Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung, und auch
das neue Berliner Institut für Gesundheitsforschung
wird gemeinsam durch den Bund und das Land Berlin
gefördert (siehe auch III 1.4 Gesundheit und Ernährung). Schließlich fördern Bund und Länder gemeinsam als Forschungseinrichtung die Stiftung caesar
(center of advanced european studies and research).
Die Grundfinanzierung der großen Wissenschafts- und
Forschungsorganisation DFG, HGF, MPG, Fraunhofer und Leibniz-Gemeinschaft wie auch der weiteren
genannten Einrichtungen erfolgt auf der Grundlage
des Abkommens zwischen Bund und Ländern über die
Einrichtung der GWK von 2007 und den dazu gehörenden Ausführungsvereinbarungen. In diesen sind
die Bund-Länder-Schlüssel der Finanzierung sowie die
Aufteilung auf das Sitzland und die anderen Länder
festgelegt. Der auf alle Länder entfallende Teil des Zuwendungsbetrags errechnet sich nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel, der das Verhältnis der Steuereinnahmen (zwei Drittel) und der Bevölkerungszahl
der Länder (ein Drittel) berücksichtigt. Die Berechnung
wird jährlich vom Büro der GWK durchgeführt und der
ermittelte Schlüssel im Bundesanzeiger veröffentlicht.
Bei der Aufteilung der öffentlichen Grundfinanzierung
zwischen Bund und Ländern gelten die folgenden
Regelungen (siehe auch Abb. IV-1):
∙∙ DFG: Der Bundesanteil bei der Finanzierung der
DFG beträgt 58 %, der Länderanteil 42 %, dieser wird

253

nach dem Königsteiner Schlüssel erbracht. Durch
den Hochschulpakt 2020 wurde neben der Förderung
der direkten Projektkosten die Finanzierung einer
Pauschale von 20 % für die indirekten Projektkosten eingeführt, die bis Ende 2015 alleine vom Bund
getragen wird. Seit Januar 2016 wird eine Programmpauschale von 22 % gewährt, von der der Bund 20 %,
die Länder 2 % finanzieren.
∙∙ HGF: Der Bund-Länder Schlüssel bei der HGF beträgt
90:10, wobei der Länderanteil in der Regel durch das
Sitzland erbracht wird.
∙∙ MPG: Der Bundesanteil bei der Finanzierung der
MPG beträgt 50 %, der Länderanteil ebenfalls 50 %,
letzterer wird zur Hälfte vom Sitzland und zur Hälfte
nach dem Königsteiner Schlüssel erbracht.
∙∙ Fraunhofer: Der Bundesanteil beträgt hier 90 %, der
Länderanteil von 10 % wird zu einem Drittel nach
dem Königsteiner Schlüssel erbracht, zu zwei Dritteln nach dem Verhältnis des Zuwendungsbedarfs
der Einrichtungen von Fraunhofer, die in einem
Land ihren Sitz haben.
∙∙ Leibniz-Gemeinschaft: Die Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft werden von Bund und Ländern
in der Regel zu jeweils 50 % finanziert. Für sieben
Institute wurde ein davon abweichender Bund-

Weitere Informationen im Internet:

Gemeinsame Förderung von Wissenschaft und
Forschung durch Bund und Länder. Finanzströme
im Jahr 2013: www.gwk-bonn.de/fileadmin/Papers/GWK-Heft-44-Finanzstroeme2013.pdf
DFG Forschungsförderung: www.dfg.de
Helmholtz-Gemeinschaft: www.helmholtz.de
Max-Planck-Gesellschaft: www.mpg.de
Fraunhofer-Gesellschaft: www.fraunhofer.de
Leibniz-Gemeinschaft: www.wgl.de

254 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Abb. IV-1:	Gemeinsame Förderung von Wissenschaft und Forschung durch Bund und Länder im Überblick
Gesamtmittel in Tsd. Euro

Finanzierungdanteile von
Bund und Ländern (in Prozent)

Einrichtungen und Vorhaben der wissenschaft­lichen
Forschung außerhalb von Hochschulen

Bund
2.606.724

Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren
Deutsche Forschungsgemeinschaft

2.117.056

Max-Planck-Gesellschaft

1.422.137
993.805

Leibniz-Gesellschaft
Fraunhofer-Gesellschaft
Akademienprogramm

Länder
10

90
58

42

50

50

50

50

596.529

90

57.075

50

10
50

Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina

9.863

Wissenschaftskolleg zu Berlin

6.252

50

50

acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

2.500

50

50

Deutsches Zentrum für Hochschul-und Wissenschaftsforschung

1.720

80

20

70

30

Vorhaben der Wissenschaft und Forschung an Hochschulen
Hochschulpakt 2020
Forschungsbauten und Großgeräte
Exzellenzinitiative
Qualitätspakt Lehre

3.189.685
578.769

50

50

50

480.188

50
75

207.500

Programm Forschung und Entwicklung an Fachhochschulen

42.999

Professorinnenprogramm

29.234

Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“

17.231

25
100
10

90
50

50
100

Übergreifende Vorhaben
Nationale Kohorte

1.076

75

25

Datenbasis: Angaben der GWK von 2015. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2013

Länder-Schlüssel vereinbart. Der Länderanteil wird
meist zu 75 % vom Sitzland und zu 25 % durch alle
Länder nach dem Königsteiner Schlüssel erbracht.
Für Einrichtungen, die in erheblichem Umfang wissenschaftliche Infrastrukturaufgaben wahrnehmen,
werden 75 % des Länderanteils nach dem Königsteiner Schlüssel erbracht.
Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina
und das Wissenschaftskolleg zu Berlin werden vom
Bund und dem jeweiligen Sitzland finanziert (BundLänder-Anteil: 80:20 bzw. 50:50). Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) wird je zur
Hälfte vom Bund und allen Ländern nach Maßgabe des
Königsteiner Schlüssels finanziert. Im Falle des DZHW

beträgt der Finanzierungsanteil des Bundes 70 %, der
auf die Länder entfallende Anteil in Höhe von 30 % wird
ebenfalls nach dem Königsteiner Schlüssel umgelegt.

IV Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern	

Exzellenzinitiative
Ziel der Exzellenzinitiative ist es, innovative Spitzenforschung an den Hochschulen zu fördern, um sie als
Forschungsstätten international sichtbarer und wettbewerbsfähiger zu machen. Mit der Exzellenzinitiative
fördert die Politik daher gezielt herausragende Forschungsprojekte und -einrichtungen an den deutschen

255

Hochschulen. Die erste Bund-Länder-Vereinbarung zur
Exzellenzinitiative vom Sommer 2005 umfasste zwei
Auswahlrunden. Die so ausgewählten Projekte wurden in dieser ersten Förderperiode mit insgesamt 1,9
Mrd. Euro gefördert (davon 75 % vom Bund, 25 % vom
Sitzland).
Die Exzellenzinitiative umfasst drei Förderlinien (siehe
auch Infobox Die Exzellenzinitiative):

Die Exzellenzinitiative
Die Exzellenzinitiative mit ihrem bisherigen Fördervolumen von insgesamt
4,6 Mrd. Euro für die beiden Förderperioden hat nicht nur in den geförderten
Hochschulen profilbildende Wirkung
erzeugt. Ihr wissenschaftsgeleitetes
und wettbewerbliches Verfahren hat
auch international große Anerkennung
erfahren.
•	 In den Graduiertenschulen wird
der wissenschaftliche Nachwuchs
gefördert und vielfach fakultäts- und
fächerübergreifend zusammengearbeitet.
•	 In Exzellenzclustern findet Forschung auf internationalem Spitzenniveau statt. Sie integrieren in der Regel mindestens
zwei Fachgebiete.

schaftlicher Nachwuchs bzw. 25 % aus dem Ausland)
rekrutiert werden.

•	 Der Ausbau der internationalen Vernetzung als
Querschnitts- und Leitungsaufgabe spielt in allen
Konzepten eine wichtige Rolle.

•	 In allen drei Förderlinien zählte die Gleichstellung zu
den Begutachtungskriterien. Die Maßnahmen in den
geförderten Projekten reichen von Frauenquoten über
Mentoren- und Stipendienprogramme bis zu DualCareer-Programmen oder dem Ausbau der Kindebetreuungsangebote. Dabei zeichnet sich ein Fokus auf
die Karriereförderung junger Wissenschaft-lerinnen in
der Promotions- und Postdoc-Phase ab.

•	 In allen drei Förderlinien kooperieren die Universitäten mit regionalen, nationalen und internationalen Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft.
Bisher konnten rund 5.750 Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler (davon mehr als 80 % wissen-

Die Evaluation wurde anhand eines datengestützten Berichts von DFG und WR durch eine Kommission internationaler Experten durchgeführt, die im Januar 2016 ihre
Ergebnisse vorgelegt hat.

•	 Insgesamt elf Universitäten setzen derzeit erfolgreiche Zukunftskonzepte um, mit denen sie sich als
Institution in der internationalen Spitzengruppe
etablieren wollen.

256 	

∙∙ Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses,
∙∙ Exzellenzcluster zur Förderung der Spitzenforschung
und
∙∙ Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau
der universitären Spitzenforschung.
In den drei Linien wurden insgesamt 85 Projekte
gefördert.
Aufgrund des großen Erfolgs der ersten Förderperiode haben die Regierungschefinnen und -chefs der
Länder und die Bundeskanzlerin am 4. Juni 2009 die
Fortsetzung der Exzellenzinitiative bis 2017 mit insgesamt 2,7 Mrd. Euro an Fördergeldern unterzeichnet. Neben dem Finanzierungsschlüssel wurde
ebenfalls das bisherige Auswahlverfahren als wettbewerblicher und wissenschaftsgeleiteter Prozess mit
den bereits bestehenden Förderkriterien sowie die
Struktur mit den drei Förderlinien beibehalten. Um
auch kleineren Hochschulen bzw. Fachbereichen
eine Chance zu geben, wurden neue Finanzierungsbandbreiten definiert (für Graduiertenschulen jährlich bis zu 2,5 Mio. Euro und für Exzellenzcluster
3–8 Mio. Euro pro Jahr). Das wissenschaftsgeleitete
Auswahl- und Begutachtungsverfahren wird gemeinsam von der DFG und dem WR durchgeführt. Allein
für die Zukunftskonzepte zum projektbezogenen
Ausbau der universitären Spitzenforschung (dritte
Förderlinie) stehen damit insgesamt rund 142 Mio.
Euro jährlich zur Verfügung.
Am 15. Juni 2012 fiel die Entscheidung im zweiten
Auswahlprozess: 45 Graduiertenschulen (33 Fortsetzungsanträge und 12 Neuaufnahmen), 43 Exzellenzcluster (31 Fortsetzungsanträge und 12 Neuanträge)
und elf Zukunftskonzepte waren in der zweiten
Phase erfolgreich. Bei der Auswahl der Vorhaben wurden Aspekte insbesondere der forschungsbezogenen
Lehre einbezogen. In der dritten Förderlinie der Zukunftskonzepte konnten die Rheinisch-Westfälische
Technische Hochschule Aachen, die Freie Universität
Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin sowie die
Universitäten Bremen, Dresden, Heidelberg, Köln
und Konstanz, die Ludwig-Maximilians-Universität
München, die Technische Universität München und
die Universität Tübingen mit ihren Konzepten überzeugen.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Am 11. Dezember 2014 haben die Bundeskanzlerin
und die Regierungschefinnen und -chefs der Länder
einen Grundsatzbeschluss über eine neue BundLänder-Initiative (Nachfolge der Exzellenzinitiative)
nach 2017 gefasst mit der übergreifenden Zielsetzung,
den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig
zu stärken, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und die erfolgreiche Entwicklung
fortzuführen, die die Ausbildung von Leistungsspitzen
in der Forschung und die Anhebung der Qualität des
Hochschul- und Wissenschaftsstandorts Deutschland
in der Breite zum Ziel hat. Bund und Länder streben
an, dass die bisher gemeinsam für die Exzellenzinitiative bereitgestellten Mittel mindestens im selben
Umfang auch künftig für die Förderung exzellenter
Spitzenforschung an Hochschulen zur Verfügung
stehen.
Am 29. Juni 2015 haben die DFG und die Geschäftsstelle des WR gemäß der Verwaltungsvereinbarung
zwischen Bund und Ländern (§ 8 ExV II) den datengestützten Bericht der Gemeinsamen Kommission
über den Verlauf der Exzellenzinitiative der GWK
vorgelegt.
Seit September 2014 führte eine von der GWK berufene
internationale Expertenkommission eine unabhängige
Evaluation der Exzellenzinitiative und ihrer Auswirkungen auf das deutsche Wissenschaftssystem durch.
Den Vorsitz hatte Prof. Dr. Dieter Imboden, der ehemalige Präsident des Forschungsrates der Schweiz und
heutige Vorsitzende des Aufsichtsrates des Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF. Das Gremium präsentierte seine Evaluationsergebnisse Bund und Ländern
im Januar 2016. Nach Meinung der Kommission sei die
Wirkung der Exzellenzinitiative überaus positiv:
∙∙ Die Exzellenzinitiative habe eine neue Dynamik in
das deutsche Universitätssystem gebracht. Sie sei zu
einem Symbol geworden für den Willen, die deutschen Universitäten international besser zu qualifizieren, und habe einigen der leistungsfähigsten Universitäten zusätzliche Mittel an die Hand gegeben,
um ihre Forschung zu stärken und ihre Strukturen zu
optimieren.
∙∙ Die Exzellenzinitiative habe aufgezeigt, dass es im
deutschen Universitätssystem markante Unterschiede bezüglich der Forschungsleistung gäbe. Bibliomet-

IV Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern	

rische Untersuchungen zeigten eine beeindruckende
qualitative Leistung der im Rahmen von Exzellenzclustern entstandenen Publikationen: 25,9 % der
Exzellenzcluster-Publikationen 2008 bis 2011 zählen
zu den 10 % weltweit hochzitierten Veröffentlichungen, was sogar noch den entsprechenden Anteil der
Publikationen der MPG (22,6 %) übertreffe.
∙∙ Die Exzellenzinitiative habe die universitäre Governance in der Antragstellung gefordert und bei vielen
beteiligten Hochschulen zu einem erhöhten Kollektivverständnis beigetragen. Die Exzellenzinitiative
habe das Potenzial, positiv auf die Landeshochschulgesetze zu wirken und dadurch die institutionellen
Rahmenbedingungen des gesamten deutschen
Universitätssystems zu verbessern.
Das zentrale Ziel, die Stärkung der Spitzenforschung in
Deutschland und die Verbesserung der internationalen
Wettbewerbsfähigkeit der Universitäten als zentrale
Träger des Forschungssystems, solle auch künftig verfolgt werden.

Weitere Informationen im Internet:

Allgemeine Informationen zur Exzellenzinitiative
für Spitzenforschung:
www.bmbf.de/de/die-exzellenzinitiative-staerktdie-universitaere-spitzenforschung-1638.html
sowie www.gwk-bonn.de/themen/wissenschaftspakte/exzellenzinitiative
Grundsatzbeschluss für eine neue Bund-LänderInitiative: www.gwk-bonn.de/fileadmin/Papers/
ExIni-Nachfolge-Grundsatzbeschluss-12-2014.pdf
Endbericht der Internationalen Expertenkommission zur Evaluation der Exzellenzinitiative:
www.bmbf.de/files/Endbericht_Internationale_Expertenkommission_Exzellenzinitiative.pdf
DFG, WR: Bericht der Gemeinsamen Kommission
zur Exzellenzinitiative an die Gemeinsame
Wissenschaftskonferenz: https://www.bmbf.de/
files/1_Bericht_an_die_GWK_2015.pdf

257

Die GWK hat am 22. April 2016 die neue Bund-Länder-Initiative zur Förderung von Spitzenforschung
an Universitäten verabschiedet. Die von der GWK getroffene Vereinbarung wird den Regierungschefinnen
und -chefs von Bund und Ländern zur abschließenden Entscheidung im Juni 2016 vorgelegt (siehe auch
I Die forschungs- und innovationspolitischen Ziele
der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte).

Pakt für Forschung und Innovation
Der Pakt für Forschung und Innovation ist eine zentrale
Vereinbarung von Bund und Ländern zur Stärkung der
gemeinsam geförderten großen Wissenschaftsorganisationen. Mit einer Kombination aus gemeinsamen
forschungspolitischen Zielen, finanzieller Planungssicherheit und verbesserten Rahmenbedingungen
stärkt der Pakt den Wissenschaftsstandort Deutschland
nachhaltig und verbessert seine internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Mit dem Pakt für Forschung und Innovation erhalten
Fraunhofer, HGF, MPG und Leibniz-Gemeinschaft
sowie die DFG als Förderorganisation finanzielle Planungssicherheit. Dies wird durch vereinbarte regelmäßige Steigerungen der Grundfinanzierung gewährleistet. Im Gegenzug verpflichten sich die geförderten
Organisationen auf forschungspolitische Ziele. Die
Planungssicherheit gibt ihnen den Spielraum, dazu
strategische Maßnahmen zu ergreifen und weiterzuentwickeln, vorhandene Instrumente auszubauen und
neue zu entwickeln.
Der Pakt für Forschung und Innovation verfolgt die
folgenden forschungspolitischen Ziele:
∙∙ die dynamische Entwicklung des Wissenschaftssystems,
∙∙ die Förderung der Vernetzung im Wissenschaftssystem,
∙∙ die Vertiefung der internationalen und europäischen
Zusammenarbeit,
∙∙ die Stärkung des Austauschs der Wissenschaft mit
Wirtschaft und Gesellschaft,
∙∙ die Gewinnung der besten Köpfe für die deutsche
Wissenschaft,

258 	

∙∙ die Gewährleistung chancengerechter und familienfreundlicher Strukturen und Prozesse.
Der Pakt für Forschung und Innovation wurde von den
Regierungschefinnen und -chefs von Bund und Ländern zunächst für 2005 bis 2010 beschlossen und in den
Folgejahren fortgesetzt. Am 11. Dezember 2014 wurde
die Fortführung des Pakts für die Jahre 2016 bis 2020
beschlossen. Bund und Länder streben – vorbehaltlich der jährlichen Haushaltsverhandlungen mit den
Einrichtungen und vorbehaltlich der Mittelbereitstellung durch die gesetzgebenden Körperschaften – an,
den einzelnen Wissenschaftsorganisationen jährlich
einen Aufwuchs der Zuwendung um 3 % zu gewähren.
Diesen Aufwuchs trägt der Bund allein.
Aufgrund entsprechender Berichterstattung durch
die Wissenschaftsorganisationen überprüft die GWK
in einem jährlichen Monitoring-Bericht die erzielten
Fortschritte und bewertet sie. Der Monitoring-Bericht
2015 zeigt die vielfältigen Wirkungen des Paktes für
Forschung und Innovation:
∙∙ Die Forschungseinrichtungen stellen ihre Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis, ihre Drittmitteleinnahmen sind schneller angestiegen als die Grundfinanzierung.
∙∙ Fraunhofer, MPG, HGF und Leibniz-Gemeinschaft
publizieren ca. 17 % der in Datenbanken erfassten
Zeitschriftenartikel aus Deutschland. Damit sind sie
überdurchschnittlich produktiv. Bemerkenswert ist
vor allem, dass die Zunahme an Quantität einhergeht
mit einer Steigerung der Reichweite der Publikationen.
∙∙ Alle Forschungseinrichtungen unterhalten bereits
heute intensive Kooperationen mit Hochschulen,
z. B. im Rahmen der Exzellenzinitiative, in koordinierten Förderprogrammen der DFG und anderen (auch
internationalen) Fördermaßnahmen sowie durch
eigene Instrumente der einzelnen Forschungsorganisationen.
∙∙ Die jährlichen Patentanmeldungen der außeruniversitären Forschungseinrichtungen nehmen seit
Jahren im Vergleich zu denen der Hochschulen
überproportional zu. Um den Transfer-Prozess
effektiv zu gestalten und zu beschleunigen, ergrei-

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

fen die Wissenschaftsorganisationen ein ganzes
Bündel ineinandergreifender Maßnahmen. Dabei
führen verschiedene gleichberechtigte Wege in die
Anwendung: Lizensierungen, Kooperationen mit der
Wirtschaft, Transfer durch Personalaustausch sowie
direkte unternehmerische Aktivitäten wie Ausgründungen und Beteiligungen.
∙∙ Die Internationalität der außeruniversitären
Forschungseinrichtungen hat ein hohes Niveau
erreicht. Die fortgeschrittene Internationalisierung zeigt sich z. B. an einem hohen und weiter
zunehmenden Anteil von in Deutschland arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern
anderer Staatsangehörigkeit sowie an umfangreichen wissenschaftlichen Kooperationen, die sich
in gemeinsamen Publikationen von Ergebnissen
niederschlagen.

Weitere Informationen im Internet:

Allgemeine Informationen: www.pakt-fuerforschung.de und www.bmbf.de/de/pakt-fuerforschung-und-innovation-546.html
Pakt für Forschung und Innovation – Fortschreibung 2016 – 2020: www.gwk-bonn.de/fileadmin/
Papers/PFI-III-2016-2020.pdf
Pakt für Forschung und Innovation – MonitoringBericht 2015:
www.gwk-bonn.de/fileadmin/Papers/GWK-Heft42-PFI-Monitoring-Bericht-2015.pdf

Hochschulpakt 2020
Mit dem im Sommer 2007 beschlossenen Hochschulpakt 2020 und seiner Fortsetzung mit Beschluss der
Regierungschefinnen und -chefs am 11. Dezember
2014 schaffen Bund und Länder die Voraussetzungen
für ein ausreichendes und bedarfsgerechtes Studienangebot. Der Hochschulpakt leistet gemeinsam mit
anderen Aktivitäten von Bund und Ländern vor allem

IV Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern	

für die langfristige Fachkräfteentwicklung in Deutschland einen wesentlichen Beitrag.

259

Weitere Informationen im Internet:

Der Hochschulpakt 2020 stützt sich auf drei Säulen:
∙∙ das Programm zur Aufnahme zusätzlicher Studienanfänger,
∙∙ den Qualitätspakt Lehre,
∙∙ die DFG-Programmpauschale.
Während sich die erste und zweite Säule des Hochschulpakts somit auf Studium und Lehre beziehen, dient die
dritte Säule der Stärkung der Forschung an Hochschulen. Seit 2007 wurde im Rahmen dieser Säule für die
indirekten, zusätzlichen und variablen Projektausgaben
in DFG-Forschungsvorhaben eine Programmpauschale
in Höhe von 20 % der Projektmittel bereitgestellt. Bis
zum Jahr 2015 stellt die Bundesregierung ein Gesamtvolumen von etwa 2,3 Mrd. Euro als Sonderfinanzierung an die DFG alleine zur Verfügung.
Für alle ab dem 1. Januar 2016 neu bewilligten Projekte beträgt die Programmpauschale 22 % der von der
DFG bewilligten und verausgabten direkten Projektmittel. Der daraus entstehende Mehrbedarf wird von
den Ländern nach dem Königsteiner Schlüssel getragen. Vorbehaltlich der Mittelbereitstellung durch die
gesetzgebenden Körperschaften werden von Bund und
Ländern in den Jahren 2016 bis 2020 bis zu 2.173,7 Mio.
Euro bereitgestellt, davon bis zu 2.049,1 Mio. Euro vom
Bund und bis zu 124,6 Mio. Euro von den Ländern.

Allgemeine Informationen zur DFG-Programmpauschale im Hochschulpakt 2020: www.bmbf.de/
de/dfg-programmpauschale-513.html und www.
gwk-bonn.de/themen/wissenschaftspakte/hochschulpakt-2020
Bericht der DFG über die Erfahrungen mit der Gewährung der Programmpauschale in der zweiten
Programmphase: www.gwk-bonn.de/fileadmin/
Papers/DFG-Bericht-2013.pdf
Wissenschaftliche Untersuchung und Analyse der
Auswirkungen der Einführung von Projektpauschalen in die BMBF-Forschungsförderung auf die
Hochschulen in Deutschland: www.bmbf.de/files/
BMBF-Projektpauschale_Abschlussbericht.pdf
Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund
und Ländern über den Hochschulpakt 2020
(Hochschulpakt III): www.bmbf.de/files/Verwaltungsvereinbarung_Hochschulpakt_III_
vom_11.12.2014.pdf
Beschluss der Regierungschefinnen und Regierungschefs von Bund und Ländern vom 11.
Dezember 2014 über die Weiterentwicklung des
Hochschulpakts 2020: www.gwk-bonn.de/fileadmin/Papers/Beschluss-RegChefs-HSPA-III.pdf

260 	

	

261

V 	 Die internationale Zusammenarbeit
in Forschung und Innovation
1

Ziele und Prioritäten der Internationalisierung von Forschung und Innovation...... 263

1.1

Strategische Ziele............................................................................................................... 264

1.2

Instrumente der internationalen Zusammenarbeit...................................................... 268

2

Deutschlands Rolle in Europa.......................................................................................... 270

2.1

Der politische Rahmen...................................................................................................... 271

2.2

Deutschlands Beitrag zum Europäischen Forschungsraum........................................ 275

2.3

Deutschlands Beteiligung an Horizont 2020................................................................. 279

2.4

Europäische Initiativen und Programme ....................................................................... 287

2.5

Der Beitrag der EU-Kohäsionspolitik zu Forschung und Innovation......................... 292

2.6

Schwerpunkte der bi- und multinationalen Zusammenarbeit in Europa.................. 295

3

Weltweite Zusammenarbeit............................................................................................. 302

3.1

Zusammenarbeit mit Industriestaaten........................................................................... 303

3.2

Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten...................................................................... 306

3.3

Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern...................................... 312

3.4

Deutsche Sichtbarkeit im Ausland...................................................................................321

3.5

Internationale Organisationen.........................................................................................325

3.6

Internationale Forschungsorganisationen...................................................................... 329

262 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Auf einen Blick
Ein erfolgreiches Forschungs- und Innovationssystem muss international ausgerichtet sein, um von weltweiten Wissensbeständen profitieren zu können. Dies gilt auch für Deutschland. Die dynamisch fortschreitende Internationalisierung von Innovationsprozessen ist zu einer zentralen politischen Gestaltungsaufgabe geworden. Für den Erfolg des
deutschen Forschungs- und Innovationssystems kommt es auf die Fähigkeit an, die Rahmenbedingungen für internationales Handeln wissenschafts- und innovationsfreundlich zu gestalten und die weltweiten Wissensressourcen zu
erschließen. Internationalisierung stellt eine unabdingbare Voraussetzung für exzellente Forschung und Innovationskraft in Deutschland dar.

Mit der Strategie zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung von 2008 und ihrer Bilanzierung
2014 mit dem Aktionsplan Internationale Kooperation hat die Bundesregierung auf die internationalen
Herausforderungen reagiert. Zusammen mit der neuen
Hightech-Strategie, dem Pakt für Forschung und Innovation und der Exzellenzinitiative bildet die Internationalisierungsstrategie ein Kernelement der deutschen
Forschungspolitik.
Die Einbettung in den europäischen Kontext wird von
der Bundesregierung dabei besonders vorangetrieben,
da die Schaffung des Europäischen Forschungsraums
(EFR; ERA – engl. European Research Area) einen maßgeblichen Rahmen für die Ausrichtung der internationalen Forschungspolitik setzt. Das gemeinsame Vorgehen wichtiger EU-Mitgliedstaaten verleiht Europa
höhere Sichtbarkeit und größeres Gewicht gegenüber
den anderen großen Innovationsräumen der Welt. In
Ergänzung zu nationalen Forschungsprogrammen ist
das Europäische Rahmenprogramm für Forschung und
Innovation Horizont 2020 mit einem Gesamtfördervolumen von 77 Mrd. Euro das weltweit größte Förderprogramm.
Auf europäischer Ebene ist weiterhin das von 2014
bis 2020 laufende Mobilitäts-Programm Erasmus+ zu
nennen, das mit einem Budget von 14,8 Mrd. Euro
ausgestattet ist. In Deutschland wird das Programm,
das primär auf die Förderung der Mobilität zu Lernzwecken abzielt, zielgruppenspezifisch durch vier
Nationale Agenturen (NA) umgesetzt. Im Rahmen der
Europäischen Kohäsionspolitik nutzt Deutschland auf
Bundes- und Länderebene die Europäischen Strukturund Investitionsfonds (ESI-Fonds), wobei unter Arbeits-

markt- und Qualifizierungsaspekten hier der Europäische Sozialfonds (ESF) zu nennen ist.
Deutschland stärkt die bilaterale Zusammenarbeit mit
wichtigen Partnerländern weltweit. Dies gilt insbesondere für Länder mit hoher Entwicklungsdynamik und
bedeutenden Zukunftsmärkten und ist im Hinblick
auf die Erschließung attraktiver Partner, Standorte
und Wissensquellen von strategischer Bedeutung. Auf
langfristige Wirkung ist das Engagement Deutschlands
in multilateralen Initiativen und Institutionen sowie
informellen Foren angelegt. Beispielhaft sind hier
die Mitarbeit in der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der
Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung,
Wissenschaft und Kultur (UNESCO) sowie die Mitarbeit
in der G7 und G20 zu nennen.

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

1	

263

Ziele und Prioritäten der Internationalisierung
von Forschung und Innovation

Globale Herausforderungen – wie etwa der Klimawandel – können nur partnerschaftlich bewältigt werden. Gleichzeitig stärkt internationale Zusammenarbeit in Bildung, Forschung und Innovation den Standort Deutschland. Kooperation und Wettbewerb liegen dabei oft eng beieinander. Die Bundesregierung hat daher strategische Prioritäten definiert
und Instrumente entwickelt, um Deutschlands internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Sie übernimmt damit
auch globale Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft.

Deutschlands Rolle in der globalen Wissensgesellschaft stärken – dieses Ziel setzte sich die Bundesregierung mit ihrer Strategie zur Internationalisierung
von Wissenschaft und Forschung. Damit schuf sie einen
Orientierungsrahmen, um die zunehmende grenzüberschreitende Vernetzung von Forschung und Innovation
bestmöglich für Deutschland zu gestalten. In vier Feldern definierte die Strategie Ziele: Forschungsexzellenz,
Innovation, Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und
Schwellenländern sowie globale Herausforderungen.
Im Jahr 2014 zog das BMBF Bilanz: Mit dem Aktionsplan Internationale Kooperation erfasste es die Positionierung Deutschlands im weltweiten Wettbewerb und
prüfte, welche Weiterentwicklungen durch Verände-

rung im globalen Umfeld notwendig geworden waren.
Die verschärfte Konkurrenz aus den schnell wachsenden Schwellenländern, die weitreichenden Entwicklungen in der Digitalisierung, die Dynamik neuer
wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Herausforderungen – all das erforderte zeitgemäße Antworten.
Um die definierten Ziele zu erreichen, verfügt die Bundesregierung über eine breite Palette von Instrumenten. Diese reichen von der zielgerichteten Beobachtung
und Analyse über das grenzüberschreitende Zusammenbringen der Menschen bis hin zur Etablierung
konkreter Projekte, Partnerschaften und gemeinsamer
Forschungsinfrastrukturen.

264 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

1.1	 Strategische Ziele
Die Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung setzt seit 2008 den Rahmen für die grenzüberschreitende
Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung. Im Herbst 2014 zog das BMBF im Aktionsplan Internationale Kooperation eine Bilanz der bisherigen Internationalisierungserfolge und leitete wichtige Anpassungen für die weitere
Umsetzung der Strategie ab. Der Aktionsplan war ein wichtiger Schritt im aktuellen Prozess der Weiterentwicklung
der Internationalisierungsstrategie unter Federführung des BMBF.

Mit der Strategie zur Internationalisierung von
Wissenschaft und Forschung wurde ein Rahmen für
die vielfältigen Aktivitäten der Bundesregierung in
diesem Bereich gesetzt. Die Strategie wirkte weit in
die deutsche Wissenschaftslandschaft hinein: Die
Forschungs- und Mittlerorganisationen entwickelten
unter Bezug auf die Strategie der Bundesregierung
eigene Internationalisierungsstrategien. So haben
die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2012,
die Fraunhofer-Gesellschaft (Fraunhofer) 2013, die
Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) 2010 und 2012, die Max-Planck-Gesellschaft
(MPG) 2012 und die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V. (Leibniz-Gemeinschaft)
2013 organisationsspezifische Internationalisierungsstrategien und Maßnahmen zu deren Umsetzung
verabschiedet. Im April 2013 wurde die Strategie
der Wissenschaftsministerinnen und -minister von
Bund und Ländern für die Internationalisierung der
Hochschulen in Deutschland beschlossen und 2014
veröffentlichte die Hochschulrektorenkonferenz
(HRK) unter Bezug hierauf Beispiele guter Internationalisierungspraxis an deutschen Hochschulen.
Der 2014 vom BMBF veröffentlichte Aktionsplan Internationale Kooperation stellt vor diesem Hintergrund
das bisher Erreichte auf den Prüfstand. Die Bestandsaufnahme belegt den hohen Grad der internationalen
Vernetzung des deutschen Bildungs-, Forschungs- und
Innovationssystems: Deutschland spielt eine starke
Rolle als Motor und Ideengeber im internationalen
Kontext. Auch in den einzelnen Zielfeldern der Strategie (Forschungsexzellenz, Innovation, Zusammenarbeit
mit Entwicklungs- und Schwellenländern, Globale
Herausforderungen) hat Deutschland in den vergangenen Jahren viel erreicht (siehe auch II 3 Die Leistungsfähigkeit des deutschen Forschungs- und Innovationssystems).

Deutschland soll auch weiterhin als Wissenschafts-,
Bildungs- und Innovationsstandort erfolgreich sein.
Mit der Umsetzung von fünf Schlussfolgerungen des
Aktionsplans soll eine neue Qualität der internationalen Zusammenarbeit in Wissenschaft, Innovation und
Bildung erreicht werden:
∙∙ Mobiler: Deutschland muss die Mobilität von Auszubildenden, Studierenden und Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftlern sowohl nach Deutschland als
auch aus Deutschland heraus weiter stärken, um u. a.
den künftigen Fachkräftebedarf decken zu können.
∙∙ Effektiver: Kooperationen und Förderverfahren sind
so einfach wie möglich zu gestalten, Hindernisse in
der bilateralen und multilateralen Zusammenarbeit
müssen abgebaut werden.
∙∙ Effizienter: Deutschland muss sich noch besser und
auf allen Ebenen sowie zwischen allen Akteuren national und international vernetzen.
∙∙ Fokussierter: Deutschland muss noch konsequenter
weltweit auf Qualität und Exzellenz in der internationalen Zusammenarbeit zum wechselseitigen
Nutzen setzen.
∙∙ Standortbewusster: Deutschland muss seine Interessen klar definieren. Internationale Kooperationen
sollten auf den Punkt hin überprüft werden, inwiefern sie die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen
Wirtschaft und Wissenschaft stärken.
Entlang des Wissensdreiecks Forschung, Innovation
und Bildung definiert der Aktionsplan Internationale
Kooperation drei prioritäre Ziele in der internationalen Zusammenarbeit. Zwei weitere inhaltliche
Prioritäten zielen auf Deutschlands Verantwortung in
der Welt ab:

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

1.	Wissenschaftliche Exzellenz durch internationale
Zusammenarbeit
Die Förderung und Entwicklung von Exzellenz ist ein
zentraler Pfeiler in der internationalen Kooperation
in Bildung und Forschung. Dabei steht die Kooperation mit anderen Industriestaaten im Mittelpunkt,
zunehmend rücken aber auch die BRICS-Staaten und
andere Schwellenländer ins Blickfeld (siehe auch
V 3.3 Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten).
Exzellenz wird dabei auf mehreren Ebenen gefördert.
Über die Förderung von Mobilität sollen exzellente
Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Karrierestufen für den Standort
Deutschland gewonnen werden. Neue Wissensquellen können für deutsche Akteure erschlossen werden.
Darüber hinaus ist internationale Zusammenarbeit
nötig, weil einzelne wissenschaftliche Fragestellungen zunehmend grenzüberschreitend bearbeitet
werden müssen, etwa auch bei der Errichtung und
Weiterentwicklung von Forschungsinfrastrukturen.
2.	Innovationspotenziale international erschließen
Im Wettbewerb um marktrelevantes Wissen, innovative Produkte und Dienstleistungen kommt
dem Grad und der Qualität der internationalen
Vernetzung zunehmende Bedeutung zu. Das Ziel,
spezifisches Wissen zu erschließen und qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen, gehört neben der
Markterschließung zu den stärksten Treibern bei
der Internationalisierung von FuE-Aktivitäten. Die
Entwicklung der internationalen Innovationspotenziale, der Aufbau neuer Hightech-Standorte und die
Etablierung von Partnerschaften mit den stärksten
und kreativsten Innovationsstandorten der Welt sind
dabei in besonderem Maße vom Spannungsverhältnis
zwischen Wettbewerb und Kooperation der Länder
geprägt. Die internationale Vernetzung wird durch
den Trend zur Herausbildung globaler Wertschöpfungsketten zusätzlich befördert. Diese bringen die
verschiedenen Akteure je nach Markt und Produkt
zunehmend in unterschiedlichen Rollen und Funktionen zusammen. Die Maßnahmen des BMBF zielen
darauf ab, diese Entwicklung mit positiven Akzenten
zu begleiten und die deutschen Akteure mittelbar und
unmittelbar zu unterstützen, sich auf den globalen
Märkten zu behaupten. Die Instrumente der Hightech-Strategie werden dabei zunehmend internationalisiert. Dabei geht es zum einen um die Entwicklung
von internationalen Komponenten der Instrumente

265

selbst, zum anderen aber auch um eine Verknüpfung
dieser Instrumente mit bestehenden europäischen
Initiativen, zum Beispiel mit den Initiativen der Gemeinsamen Programmplanung oder KICs. Dadurch
soll die Verzahnung von Innovationsprozessen auf
nationaler, europäischer und internationaler Ebene
verstärkt werden. So wird die Internationalisierung
deutscher Spitzencluster über eine eigene Maßnahme
des BMBF gefördert. Die Stärkung der internationalen Dimension der Hightech-Strategie wird durch ein
eigenes Fachforum „Internationalisierung“ innerhalb
des Hightech-Forums unterstützt.
3.	Stärkung der Zusammenarbeit mit Entwicklungsund Schwellenländern
Für Entwicklungs- und Schwellenländer ist Deutschland aufgrund seiner Wissenschafts-, Technologieund Innovationsstärke sowie seines anerkannten
Bildungssystems ein gefragter Partner. Deutschland
verfügt über Schlüsselkompetenzen beispielsweise bei
der Bekämpfung von Ressourcenknappheit, der Ausbreitung von Epidemien sowie bei der Zusammenarbeit von Staat und Privatsektor in der Berufsbildung,
die gleichzeitig Voraussetzung für eine nachhaltige
wirtschaftliche Entwicklung und gute Regierungsführung in diesen Ländern sind. Gleichzeitig werden
viele Schwellen- und Entwicklungsländer durch die
Weiterentwicklung ihrer nationalen Forschungsund Innovationssysteme zu neuen Partnern. Die
Zusammenarbeit in Bildung und Forschung ermöglicht allen beteiligten Ländern den Zugang zu neuen
Wissensquellen. Studierende und Forschende können
für den Standort Deutschland gewonnen werden. Gemeinsame wissenschaftliche Praktiken und Standards
sollen entwickelt werden, um Forschungskooperationen auf gleichem Qualitätsniveau zu ermöglichen.
Diese Länder sind Akteure im globalen Wettbewerb
und eröffnen Chancen auf die Erschließung neuer Märkte. Zudem können in der Kooperation mit
Schwellen- und Entwicklungsländern neue Ansätze
zur Lösung globaler Herausforderungen entwickelt werden (siehe auch V 3.3 Zusammenarbeit mit
Schwellen- und Entwicklungsländern).
4.	Internationale Verantwortung übernehmen und
einen Beitrag zur Bewältigung globaler Herausforderungen leisten
Globale Herausforderungen, wie u. a. Klimawandel und Ernährungssicherheit, machen nicht an

266 	

Ländergrenzen halt. Sie können nur im Rahmen
gemeinsamer, länderübergreifender Anstrengungen
auf europäischer und internationaler Ebene bewältigt werden. Bildung und Forschung schaffen das
notwendige Wissen und eröffnen konkrete Lösungen für globale Herausforderungen. Darüber hinaus
stellt die Wissenschaft das notwendige Wissen
bereit, um eine „informierte“ Politik zu ermöglichen. Die internationale Kooperation bei globalen
Herausforderungen hat viele Vorteile, angefangen
vom Teilen von Forschungsrisiken über die Bündelung von Ressourcen (Budget und Personal) bis hin
zur Ausbildung eines weltweiten Verständnisses für
spezifische globale Herausforderungen. Die Bundesregierung unternimmt große Anstrengungen, um
eine wirksame und effiziente Forschung zu globalen Herausforderungen zu unterstützen. Mit der
Hightech-Strategie, den aktuellen Rahmenprogrammen des BMBF Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA3) und Forschung für die zivile Sicherheit
2012–2017 sowie der nationalen Forschungsstrategie
BioÖkonomie 2030 liegt bereits ein starker Schwerpunkt auf Forschung zu globalen Herausforderungen.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

5.	Durch Ausbildung Perspektiven für Mensch und
Wirtschaft schaffen
Zunehmende Bedeutung kommt in der internationalen Kooperation der beruflichen Bildung zu. Ihr Beitrag
zur wirtschaftlichen Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit sowie zur Beschäftigungsfähigkeit junger
Menschen ist gerade seit den wirtschaftlichen Krisen
nach 2008 allgemein anerkannt. Die europäischen
Institutionen haben die Berufsbildung (Vocational
Education & Training – VET) zu einem Schwerpunkt
der Förderung in Bildung, Kultur und Jugend bis zum
Jahr 2020 gemacht. Die OECD-Länderberichte und
-Studien Learning for Jobs und Skills beyond School
belegen das wachsende internationale Interesse am
deutschen System der dualen Ausbildung. Das Strategiepapier der Bundesregierung zur internationalen
Berufsbildungszusammenarbeit aus einer Hand (2013)
rückt dieses Handlungsfeld in den Fokus. In internationalen Berufsbildungskooperationen mit mehreren
Ländern wird es konkret ausgestaltet. Aktuell unterhält
das BMBF fünf europäische und zwölf außereuropäische Berufsbildungskooperationen; die 2013 im
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) eingerichtete
„Zentralstelle für internationale Berufsbildungskooperationen“ steht als erster Ansprechpartner für berufs-

Bereich der Gesundheit von Mensch
und Tier bei der Bewältigung globaler
Infektionskrankheiten. Auf Basis
der im Rahmen der Ebola-Epidemie
gemachten Erfahrungen arbeiten die
Einrichtungen mit dem Deutschen
Zentrum für Infektionsforschung, der
Weltgesundheitsorganisation, der Europäischen Arzneimittelagentur, der US-amerikanischen Food and Drug
Administration und anderen internationalen Behörden
zusammen, um schnell geeignete Notfallmaßnahmen
und -behandlungen zu entwickeln, wissenschaftlich
begründete Kriterien für deren Einsatz zu generieren, die Internationalen Gesundheitsvorschriften zur
Bewältigung solcher Epidemien umzusetzen und beim
Aufbau entsprechender Strukturen in Drittweltländern
zu helfen. Durch diese auf eigener Forschung basierende Schlüsselstellung tragen die Ressortforschungseinrichtungen des Bundes wesentlich zum Erhalt und zur
Weiterentwicklung einer leistungsfähigen Innovationsinfrastruktur in Deutschland, Europa und der Welt bei.

Ressortforschungseinrichtungen
des Bundes und internationale
Zusammenarbeit
Die Translation von Forschungsergebnissen in die Praxis
hängt heute insbesondere von der Schaffung geeigneter
internationaler Rahmenbedingungen ab. Hier nehmen die
Ressortforschungseinrichtungen des Bundes mit ihren
internationalen Kontakten und ihren spezifischen Aufgaben an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik
eine entscheidende Rolle ein. Durch ihr wissenschaftliches
Engagement im Bereich der Entwicklung und internationalen Harmonisierung von Methoden, Standards, Normen
und Regelungen schaffen sie die Voraussetzungen für den
Erfolg von Innovationsprozessen und für die internationale Zusammenarbeit bei der Bewältigung von globalen gesellschaftlichen Herausforderungen. Ein Beispiel dafür ist
das Engagement der Ressortforschungseinrichtungen im

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

267

Berufsbildung
Die Berufsbildung gewinnt im Rahmen der
Internationalisierungsstrategie zunehmend
an Bedeutung. Innovationsfähigkeit ist in
hohem Grade auch vom Qualifizierungsniveau
der nichtakademischen Fachkräfte abhängig.
Deutschland gilt weltweit mit seinem dualen
System der Berufsbildung als Vorbild. Viele
Staaten sind an Berufsbildungszusammenarbeit interessiert, um zu lernen, wie duale
Mechanismen – z. B. das institutionalisierte
Zusammenwirken von Staat und Privatsektor, die Kopplung der Lernorte Unternehmen
und Berufsschule – funktionieren und wie die
Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der
jeweiligen Volkswirtschaft durch die vorwiegend betriebliche berufliche Qualifizierung
von Fachkräften unterstützt werden können. Zudem
sind adäquat ausgebildete Fachkräfte eine Erfolgsbedingung für das Engagement deutscher Unternehmen in den Zielländern: Deutsche Dienstleistungen
und Produkte können den Zugang zu Auslandsmärkten nur dann meistern oder verbessern, wenn auf den
dortigen Arbeitsmärkten die beruflichen Fähigkeiten
für Produktion, Vertrieb, Beratung und Wartung auf
entsprechendem Niveau vorhanden sind.

bildungsrelevante Anfragen aus dem In- und Ausland
bereit und unterstützt die ressortübergreifende Zusammenarbeit in Deutschland. Mit der Förderinitiative
zum Berufsbildungsexport und der Initiative iMOVE
unterstützt das BMBF deutsche Bildungsanbieter beim
erfolgreichen Zugang zu ausländischen Berufsbildungsmärkten.Mit dem Strategieprojekt VETnet beim
Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK)
und neun deutschen Auslandshandelskammern (AHK)
werden unternehmensnahe Modellösungen für duale
Berufsbildung in den Partnerländern geschaffen. Die
Förderung der grenzüberschreitenden berufliche
Mobilität von Auszubildenden, beispielsweise im Programm Erasmus+, wie auch von Ausbildungspersonal
bietet eine Antwort auf die zunehmende Internationalisierung der Arbeitswelt. Damit gewinnen deutsche
Auszubildende im Ausland wichtige interkulturelle
Kompetenzen hinzu, während internationale Nachwuchskräfte in Ausbildungsinstitutionen hierzulande
die hohe Qualität der dualen Berufsbildung schätzen
lernen. So kann auch der zunehmende Fachkräftebedarf in Deutschland adressiert werden.

Die ökonomischen Krisen seit 2008 haben in einigen
europäischen Ländern u. a. zu erheblichen Verwerfungen auf den Arbeitsmärkten sowie teilweise zu enormer
Jugendarbeitslosigkeit geführt; die Berufsbildungskooperationen des BMBF mit europäischen Partnerländern
zielen daher auf die Stärkung der Jugendbeschäftigung
und die Modernisierung der Berufsbildungssysteme, um
die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit des europäischen Standorts zu sichern und zu stärken.

Weitere Informationen im Internet:

Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung:
www.bmbf.de/de/internationalisierungsstrategie-269.html
Aktionsplan: www.bmbf.de/pub/Aktionsplan_Internationale_Kooperation.pdf
BMBF-Projekt VETnet beim DIHK und neun
AHKs: www.dihk.de/themenfelder/aus-undweiterbildung/bildung-international/berufsbildungsexport/vetnet
Erasmus+: www.erasmusplus.de
Europäischer Sozialfonds (ESF): www.esf.de

268 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

1.2	 Instrumente der internationalen
Zusammenarbeit
Deutschland muss die Chancen internationaler Vernetzung konsequent und systematisch nutzen. Gleichzeitig muss
es als eines der forschungs-, innovations- und wettbewerbsstärksten Länder der Welt Verantwortung bei der gemeinsamen Suche nach Antworten auf aktuelle und künftige Herausforderungen übernehmen. Hierfür bedarf es
maßgeschneiderter Instrumente, die sowohl die unterschiedlichen Bedarfe als auch die Potenziale der verschiedenen
Partnerländer berücksichtigen. Die teils sehr dynamische Entwicklung der Partnerländer erfordert die kontinuierliche
Neubewertung und Anpassung dieser Instrumente.

Das deutsche Wissenschaftssystem zeichnet sich
durch eine große Bandbreite an Internationalisierungsinstrumenten aus: international ausgerichtete
Beratungsaktivitäten, diverse strategische Instrumente, institutionelle Internationalisierung und
international bedeutsame Forschungsinfrastrukturen,
vielfältige Projektförderung sowie zielgruppenspezifische Mobilitätsmaßnahmen. Ebenso kommen diese
vielfältigen Internationalisierungsinstrumente bei
grenzüberschreitenden Initiativen im Bildungssystem
zum Einsatz.
Die Entwicklung und Vertiefung der internationalen
Zusammenarbeit lässt sich modellhaft verschiedenen
Stufen zuordnen:
1.		 Beobachtung: Analyse der Exzellenz mithilfe von
Indikatoren wie FuE-Ausgaben, Bibliometrie, Patenten etc.
2.		 Sondierung/Exploration: Förderung deutscher
Einrichtungen bei Besuchen deutscher und ausländischer Expertinnen und Experten mit dem Ziel,
geeignete Partnerinstitutionen zu ermitteln (fact
finding)
3.		 Mobilität: individuelle Mobilitätsmaßnahmen (incoming und outgoing) über Mittlerorganisationen
wie den Deutschen Akademischen Austauschdienst
(DAAD), die Nationale Agentur im Bundesinstitut
für Berufsbildung (NA im BIBB) und die Alexander
von Humboldt-Stiftung (AvH)
4.		 Vernetzung: zielgerichtete Vorbereitung neuer Kooperationsprojekte und Vorprojekte für bilaterale
Leuchtturmvorhaben; internationale Innovationsund Forschungsforen

5.		 Institutionelle Partnerschaften: z. B. Institutspartnerschaften, Clusterpartnerschaften, bilaterale
Hochschulen/Studiengänge
6.		 Strategische Partnerschaften: bilaterale Programmentwicklung und gemeinsame Forschungsinfrastrukturen
Die Kooperationen können je nach Themengebiet
mit dem gleichen Partnerland auf unterschiedlichen
Stufen erfolgen. Die Kooperationsstufen lösen sich

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

nicht zwangsläufig ab, sondern ergänzen sich in der
Regel.
∙∙
Die Instrumente der internationalen Zusammenarbeit
dienen der zielgerichteten Intensivierung der Kooperation entlang der Kooperationsstufen. Sie reichen von
der Sondierung und Initiierung künftiger Zusammenarbeit über die Durchführung konkreter Forschungs-,
Innovations- und Bildungsprojekte, Erarbeitung
von gemeinsamen Förderprogrammen bis hin zum
gemeinsamen Bau und Betrieb großer Forschungsinfrastrukturen. Beispielhafte Maßnahmen und Instrumente sind:
∙∙ Sondierung potenzieller Partnerschaften sowie der
Auf- und Ausbau von FuE-Netzen, die gemeinsame
internationale oder europäische Forschungsprojekte
umsetzen
∙∙ Projektbezogene Mobilitätsförderung mit dem Ziel
der Vernetzung von Forschungsvorhaben und der
Entwicklung gemeinsamer Förderstrukturen
∙∙ Unterstützung beim Aufbau institutioneller Netzwerke deutscher Einrichtungen, beispielsweise
von Institutspartnerschaften, Clusterpartnerschaf-

∙∙

∙∙

∙∙

269

ten sowie bilateralen Hochschulen und Studiengängen
Strategische Projektförderung über bilaterale Förderbekanntmachungen zur dauerhaften und systematischen Förderung von bilateralen Forschungsprojekten in Feldern gemeinsamen Interesses
Multilateral koordinierte Projektförderung insbesondere im Europäischen Forschungsraum mit
Instrumenten wie Gemeinsame Programmplanung,
ERA- und INCO-Netze, darüber hinaus im Bildungsbereich bei den Bildungs- und Innovationsprojekten
im Rahmen des Programms Erasmus+
Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen mit
internationaler Ausrichtung wie Sommerschulen,
Aufbaustudiengänge und Lehrstühle im Ausland
mit einem regionalen Fokus auf Entwicklungs- und
teilweise auch Schwellenländern
Bau und Betrieb der vom Europäischen Strategieforum ESFRI empfohlenen großen Forschungsinfrastrukturen in internationaler Gemeinschaft

Neben Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sprechen diese Maßnahmen
verstärkt kleine und mittlere Unternehmen an. Es ist
erklärtes Ziel der Bundesregierung, möglichst entlang
der gesamten Wertschöpfungskette zu fördern und
neben Forschung und Entwicklung in zunehmendem
Maße Innovationsaspekte abzudecken.
Weitere Maßnahmen und Instrumente betreffen
beispielsweise die Systemberatung zur Flankierung
der Reformanstrengungen von Partnerstaaten beim
Aufbau effizienter Forschungs-, Innovations- und
Berufsbildungssysteme, die Förderung internationaler
Workshops und Konferenzen sowie den Aufbau und
die Unterstützung von Sekretariaten und Instituten für
internationale Aufgaben.
Darüber hinaus haben die deutschen Forschungs- und
Mittlerorganisationen, mit denen die Bundesregierung
eng zusammenarbeitet, in den letzten Jahren sowohl
ihr Portfolio zur Nutzung und Stärkung der Internationalisierung ausgebaut als auch ihre Internationalisierungsstrategien konkretisiert.

270 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

2	 Deutschlands Rolle in Europa
Wissenschaftliche Exzellenz, wirtschaftlicher Erfolg und internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen
Forschung basieren auf der Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten, ihrer Forschungseinrichtungen und Unternehmen.
Der europäische Forschungsraum als politischer Prozess schafft einen gemeinsamen Raum für Wissen und Forschende.
Zusammen mit den EU-Forschungsrahmenprogrammen als Steuerungs- und Finanzierungsinstrumenten bildet er die
Grundlage für die Zusammenarbeit. Mit dem Ziel der Steigerung von Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung treiben die
EU-Mitgliedstaaten die Verwirklichung des Europäischen Forschungsraums aktiv voran. Es gilt, den Austausch von Forschenden und wissenschaftlichen Erkenntnissen optimal zu fördern. Eine gute Bildungspolitik ist wesentlich, um Herausforderungen wie z. B. der Globalisierung zu begegnen. So arbeiten Mitgliedstaaten auf freiwilliger Basis seit vielen Jahren
zusammen, um u. a. die Mobilität von Lernenden zu fördern oder junge Menschen fit für den Arbeitsmarkt zu machen.

Die Entwicklung Europas zu einer politischen, wirtschaftlichen und sozialen Union unter Bewahrung
ihrer kulturellen Vielfalt ist geprägt von großen Erfolgen und Herausforderungen. Bildung, Wissenschaft,
Forschung und Innovation sind wesentliche Voraussetzungen für neue Ideen zur Lösung der großen
gesellschaftlichen Herausforderungen sowie für neue
Produkte, Dienstleistungen und Prozesse, die ihren
Weg in die Weltmärkte finden. Innovative Lösungen
sichern den Wohlstand und schaffen Arbeitsplätze und
Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger Europas.
Mit dem Vertrag von Lissabon ist die Verwirklichung
des Europäischen Forschungsraums seit Dezember
2009 ein primärrechtlich verankertes Ziel, das heißt
Bestandteil des ranghöchsten Rechts der EU. Im
Europäischen Forschungsraum soll – analog zu den
Grundfreiheiten des Binnenmarkts – Freizügigkeit für
Forschende gelten und ein freier Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse und Technologien gewähr-

leistet sein. Der Europäische Forschungsraum ist mehr
als die Summe der Aktivitäten der Mitgliedstaaten. In
einem partnerschaftlichen Ansatz arbeiten die Mitgliedstaaten, die EU-Organe und die Forschungsorganisationen an verbesserten Rahmenbedingungen für eine
grenzüberschreitend funktionierende Forschungslandschaft in Europa. Hierzu wurde im Juli 2014 eine eigene
nationale Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum (EFR) verabschiedet.
Die Bildungsministerinnen und Bildungsminister
verabschiedeten 2009 den strategischen Rahmen für
dieZusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen
und beruflichen Bildung für die Zeit bis 2020 (ET
2020), der 2015 überprüft und aktualisiert wurde. Ziele
der Zusammenarbeit sind u. a. die Verbesserung der
Qualität einzelner Bildungsbereiche sowie die Förderung von Kreativität und Mobilität. Mobilität wird
zudem durch das EU-Programm Erasmus+ gefördert
(2014–2020).

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

271

2.1	 Der politische Rahmen
Die europäischen Verträge stellen die Weichen für die Zusammenarbeit zwischen Europäischer Union und Mitgliedstaaten in Forschung und Innovation. Sie bilden die Basis für die politische Ausgestaltung dieser Bereiche in der auf
zehn Jahre angelegten Wachstums- und Beschäftigungsstrategie der Europäischen Union aus dem Jahr 2010 Europa
2020. Sie sind damit Gegenstand des jährlichen gemeinsamen politischen Planungszyklus von EU und Mitgliedstaaten,
des Europäischen Semesters.

Mit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon im Dezember 2009 wurden die Grundlagen der Europäischen
Forschungspolitik neu ausgerichtet, indem erstmalig
eine geteilte Zuständigkeit zwischen Union und Mitgliedstaaten vereinbart wurde. Damit hat insbesondere
die Neujustierung zwischen der nationalen und der
europäischen Gestaltungsebene durch den Vertrag
über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV)
als Teil des Vertrags von Lissabon erhebliche Auswirkungen auf die Integration der Forschungspolitik auf
regionaler, nationaler und europäischer Ebene. Primärrechtlich verankert hat die Europäische Union auch
das Ziel, ihre wissenschaftlichen und technologischen
Grundlagen dadurch zu stärken, dass ein europäischer
Raum der Forschung geschaffen wird, in dem Freizügigkeit für Forscherinnen und Forscher herrscht und
wissenschaftliche Erkenntnisse und Technologien
frei ausgetauscht werden. Insbesondere durch die
Schaffung dieses Europäischen Forschungsraums wird
Europa zu einem zentralen bestimmenden Faktor bei
der Ausrichtung der internationalen Forschungspolitik
der Bundesregierung.

Weitere Informationen im Internet:

EU-Vertrag von Lissabon: eur-lex.europa.eu/legalcontent/DE/ALL/?uri=OJ:C:2007:306:TOC
Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen
Union: dejure.org/gesetze/AEUV/179.html

Europa 2020-Strategie
Die Europa 2020-Strategie setzt mit ihren drei Prioritäten – intelligentes, nachhaltiges und integratives
Wachstum – den strategischen Rahmen für die europäische Politik. Neben der Ressourcenschonung und der
sozialen Gerechtigkeit sind Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zentrale Elemente dieser Strategie. Die
sieben Leitinitiativen der Europa 2020-Strategie sind
für die EU und für die Mitgliedstaaten politische Vorgaben für Prioritäten und Ziele bis 2020 (siehe auch
Abb. V-1).
Die Europa 2020-Strategie definiert fünf Kernziele
und unterlegt diese mit Indikatoren. Dadurch wird in
allen Leitinitiativen ein nachweisbasierter Überblick
über die Fortschritte bei der Umsetzung geschaffen.
Europäisches Kernziel im Forschungsbereich ist, 3 %
des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Forschung und
Entwicklung aufzuwenden. Das Drei-Prozent-Ziel ist
Teil des nationalen Drei-Prozent-Ziels für Bildung und
Forschung (bis 2015), auf das sich Bund und Länder
verständigt haben. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) erstattet jährlich Bericht über den Stand
der Entwicklung und die Einführung und Umsetzung
der unterstützenden Maßnahmen in Bund und Ländern. Mit einem Anteil der Ausgaben für Forschung
und Entwicklung von 2,88 % am BIP im Jahr 2014 liegt
Deutschland beim Drei-Prozent-Ziel im europäischen
Vergleich weiterhin in der Spitzengruppe (siehe auch
II 2 Finanzierung und Durchführung von Wissenschaft,
Forschung und Entwicklung).
Bildung ist eines der fünf Kernziele von Europa 2020
und beinhaltet zwei Zielmarken: die Verringerung der
Quote vorzeitiger Schulabgängerinnen und Schulabgänger auf unter 10 % und die Steigerung des Anteils

272 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Abb. V-1: 	Prioritäten, Leitinitiativen und Kernziele der Europa 2020-Strategie

Europa 2020-Strategie

Prioritäten

Leitinitiativen

Intelligentes
Wachstum

Nachhaltiges
Wachstum

Integratives
Wachstum

Innovationsunion

Industriepolitik im
Zeitalter der Globalisierung

Neue Kompetenzen und
Beschäftigungsmöglichkeiten

Ressourcenschonendes
Europa

Europäische Plattform
zur Armutsbekämpfung

Digitale Agenda
Jugend in Bewegung

Kernziele

Beschäftigungs­
quote von 75 %
der Bevölkerung
zwischen 20
und 64 Jahren

Aufwendung
von 3 % des BIP
der EU für
Forschung und
Entwicklung

Erreichung der
20-20-20
Klimaschutzziele

Unter 10 %
Schul­abbrecher;
mindestens 40 %
der 30–34jährigen
mit Hochschul­
abschluss

Senkung der
Zahl der
armutsgefährdeten Personen
um
20 Millionen

Datenbasis: EU-Büro des BMBF

der 30–34jährigen mit abgeschlossener Hochschulbildung auf mindestens 40 %.
In sogenannten Zyklen werden prioritäre Bereiche für
jedes der fünf Ziele bestimmt bzw. überprüft. Zur Beobachtung der Fortschritte bei der Erreichung der fünf
Ziele haben sich die Mitgliedstaaten auf gemeinsame
Benchmarks geeinigt, die sich mit den Themen Beteiligung Erwachsener am lebenslangen Lernen, Schülerinnen und Schüler mit schlechten Leistungen in den
Grundkompetenzen, Erwerb von Hochschulabschlüssen, frühzeitige Schul- und Ausbildungsabgängerinnen
und -abgänger und Vorschulbildung befassen.
Vier Jahre nach der Einführung der Europa 2020-Strategie hat die Europäische Kommission mit einer
Überprüfung der Strategie begonnen. In der Bestandsaufnahme der Strategie Europa 2020 für intelligentes,
nachhaltiges und integratives Wachstum von März 2014
zieht sie vorläufige Schlüsse aus den ersten Jahren der
Umsetzung. Die Bestandsaufnahme zeigt, dass die EU
mit den Zielvorgaben und Leitinitiativen der Europa

Weitere Informationen im Internet:

Europäische Kommission – Europa 2020-Strategie: ec.europa.eu/europe2020/index_de.htm
BMBF – Europa 2020-Strategie:
eubuero.de/eu2020.htm
Position der Bundesregierung zum Review der
Europa 2020-Strategie: ec.europa.eu/europe2020/
pdf/contributions/c680_de.pdf
GWK – Das Drei-Prozent-Ziel für Forschung und
Entwicklung:
www.gwk-bonn.de/themen/uebergreifendewissenschafts-und-forschungspolitische-themen/
das-3-ziel-fuer-forschung-und-entwicklung
Umsetzungsfortschritte der Europa 2020-Strategie:
ec.europa.eu/eurostat/web/europe-2020-indicators

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

2020-Strategie gemischte Erfahrungen gesammelt hat.
Die EU liegt auf Kurs bei den Bildungs-, Klima- und
Energiezielen. Zu den Energiezielen wurde im Rahmen
des Europäischen Strategieplans für Energietechnologie
(SET-Plan) eine integrierte Roadmap ausgearbeitet. Der
nächste Schritt ist die Vorbereitung von Aktionsplänen
in prioritären Maßnahmen bei Forschung und Innovation zu neuen Energietechnologien. Die Beschäftigungs-, Forschungs- und Entwicklungs- sowie Armutsziele bleiben dagegen hinter den Erwartungswerten
zurück.
Die Europäische Kommission hat zudem im Jahr 2014
mit einer öffentlichen Konsultation erörtert, was
aus den ersten Jahren der Europa 2020-Strategie zu
lernen sei und bei ihrer Weiterentwicklung zu einer
Nachkrisen-Wachstumsstrategie berücksichtigt werden
sollte. Auch die Bundesregierung hat ihre Position zur
Strategie eingebracht.

Leitinitiative Innovationsunion
Eine der Leitinitiativen der Europa 2020-Strategie, die
Innovationsunion, hat das verbesserte Zusammenspiel
von Wissenschaft und Wirtschaft bzw. Unternehmen
zur Stärkung der Innovationskraft Europas zum Ziel.
Sie setzt wichtige Impulse für innovationsfreundlichere strukturelle Rahmenbedingungen, so z. B. durch
verbesserte Regelungen zum Schutz des geistigen
Eigentums, das europäische Patent, die Entwicklung
von Leitmärkten zur beschleunigten Aufnahme von
neuen Technologien und eine vorausschauende Standardisierungspolitik. Ziel der Innovationsunion ist die
Neuausrichtung der Forschungs- und Innovationspolitik auf große gesellschaftliche Herausforderungen
unter Abdeckung der gesamten Innovationskette – von
der Grundlagenforschung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Fortschritte bei der Umsetzung der Europa
2020-Leitinitiative Innovationsunion werden jährlich im
Leistungsanzeiger für Forschung und Innovation (Research & Innovation Union Scoreboard, IUS) dokumentiert (siehe auch II 3 Leistungsfähigkeit des deutschen
Forschungs- und Innovationssystems).

273

Weitere Informationen im Internet:

Europäische Kommission – Leitinitiative Innovationsunion: ec.europa.eu/research/innovationunion/index_en.cfm

Europäisches Semester
Der Stand der Umsetzung der Kernziele der Europa
2020-Strategie wird – ebenso wie die Maßnahmen zum
Europäischen Forschungsraum – von den europäischen
Institutionen gemeinsam jährlich innerhalb des Europäischen Semesters überprüft.
Das Europäische Semester wurde im Rahmen der Europa 2020-Strategie als wichtiger Beitrag zur Stabilität
und Integration der Europäischen Union eingeführt.
Deutschland bewertet es als großen Erfolg, dass Forschung und Innovation Kernelemente dieses Prozesses
sind.
Beim Europäischen Semester handelt es sich um einen
mit der Veröffentlichung des Jahreswachstumsberichts
der EU-Kommission beginnenden Sechsmonatszyklus, in dem die Koordinierungsprozesse im Rahmen
des Stabilitäts- und Wachstumspaktes und der Europa
2020-Strategie aufeinander abgestimmt werden und die
Mitgliedstaaten im Vorfeld ihrer nationalen Haushaltsverfahren politische Leitlinien und Empfehlungen
erhalten. Damit bekommt die Koordinierung und
Überwachung der Wirtschafts-, Finanz- und Beschäftigungspolitik in der EU eine stärkere Ex-ante-Dimension. Die EU kann auf diese Weise auf Entwicklungen in
den Mitgliedstaaten reagieren und die Mitgliedstaaten
ihrerseits können bei ihrer Politik im folgenden Jahr
die europäischen Perspektiven und Orientierungen mit
einbeziehen. Das Europäische Semester, 2011 erstmals
umgesetzt, umfasst drei Hauptelemente, die zusammen
einen makroökonomischen Monitoring- und Koordinierungszyklus ergeben:
1.		 Eine verstärkte makroökonomische Überwachung,
mit der die EU die Entwicklung der ökonomischen

274 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Ungleichgewichte unter den Mitgliedstaaten und
der nationalen Wettbewerbsfähigkeit beobachtet.
2.		 Das Monitoring der wachstumsfördernden nationalen Politiken und Maßnahmen, bei dem die
Fortschritte der Mitgliedstaaten mithilfe der fünf
Kernziele verfolgt werden sollen. Hierunter fällt
u. a. das Drei-Prozent-Ziel für Forschung und Entwicklung.
3.		 Die Überprüfung der Vorgaben des reformierten
und verschärften Stabilitäts- und Wachstumspakts
und der nationalen Konvergenzberichte, in denen
untersucht wird, ob die Mitgliedstaaten die notwendigen Bedingungen für die Übernahme des
Euro weiterhin erfüllen.

Weitere Informationen im Internet:

Europäische Kommission – Länderspezifische
Empfehlungen im Europäischen Semester:
ec.europa.eu/europe2020/making-it-happen/
country-specific-recommendations/index_de.htm
Europäische Kommission – Schritte zur Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion:
ec.europa.eu/priorities/economic-monetary-union/docs/single-market-strategy/communicationemu-steps_de.pdf

Ergebnis des Europäischen Semesters sind spezifische
Empfehlungen an jeden Mitgliedstaat in den Bereichen, die für die nächsten 12–18 Monate als prioritär
angesehen werden.

Abb. V-2:

Aufgabenverteilung im Europäischen Semester für die Koordinierung der Wirtschaftspolitik

Januar

Europäische
Komission

Ministerrat

Europäisches
Parlament

Europäischer Rat

Mitgliedstaaten

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

KOM legt Entwürfe für
länderspezifische Empfehlungen
des Rates vor

Jahreswachstumsbericht

Debatte und Orientierungen

Rat verabschiedet
länder­spezifische Empfehlungen

Debatte und Orientierungen
Jährlicher Wirtschafts- und Sozial­gipfel:
Leitlinien für die Politik

Billigung der
länderspezifischen
Empfehlungen

Verabschiedung der nationalen
Reformprogramme (NRPs) u. Stabilitätsund Konvergenzprogramme (SKPs)

Datenbasis: EU-Büro des BMBF

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

275

2.2	 Deutschlands Beitrag zum Europäischen
Forschungsraum
Mit dem Europäischen Forschungsraum soll ein echter Binnenraum für Forschung und Innovation entstehen, in dem
die Freizügigkeit der Forscherinnen und Forscher garantiert und der freie Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse
und Technologien ermöglicht wird. Deutschland ist Motor und Impulsgeber für die Entwicklung eines exzellenzbasierten und international ausstrahlenden Europäischen Forschungsraums.

Damit Europa langfristig wettbewerbsfähig bleibt,
wirtschaftlich wächst und die großen gesellschaftlichen Herausforderungen bewältigt, arbeiten die
EU-Mitgliedstaaten eng in Forschung und Innovation
zusammen. Zur Verwirklichung des Europäischen
Forschungsraums werden Initiativen und Programme
in sechs Themenfeldern erarbeitet und umgesetzt
(EFR-Prioritäten).
1.		 Effektivere nationale Forschungssysteme: stärker
wettbewerblich gestützte Vergabe der Forschungsfördermittel, Anwendung der Kernprinzipien des
internationalen Peer-Review, Umkehrung des
Brain-Drain, Angleichung der unterschiedlichen
Forschungs- und Innovationsleistungen der Mitgliedstaaten und Regionen, intelligente Spezialisierung
2.		 Länderübergreifende Zusammenarbeit: gemeinsame Programmplanung, Festlegung und Durchführung gemeinsamer Forschungspläne zu den großen
Herausforderungen, Verbesserung der Qualität
durch europaweiten offenen Wettbewerb, Aufbau
und effektiver Betrieb zentraler Forschungsinfrastrukturen auf paneuropäischer Grundlage
3.		 Offener Arbeitsmarkt für Forscherinnen und
Forscher: Beseitigung bestehender Hindernisse für
einen attraktiveren Arbeitsmarkt für Forscherinnen und Forscher, Verbesserung der Mobilität der
Forschenden zwischen Ländern und Forschungseinrichtungen sowie zwischen Wirtschaft und
akademischer Forschung
4.		 Gleichstellung der Geschlechter und Berücksichtigung des Gleichstellungsaspekts: stärkere Einbeziehung der Geschlechterdimension in die Gestaltung,
Bewertung und Durchführung der Forschung,
ausgewogene Beteiligung von Männern und Frauen
in Entscheidungsgremien und Forschungsvorhaben

5.		 Optimaler Austausch von, Zugang zu und Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen: Umwandlung von wissenschaftlicher Forschung
in Innovationen, Strategien für den Zugang zu
wissenschaftlichen Informationen, Strategien für
den Wissenstransfer zwischen öffentlichem und
privatem Sektor, Zugangs- und Nutzungsstrategien
für öffentliche e-Infrastrukturen
6.		 Internationale Zusammenarbeit in Forschung
und Entwicklung: Bilanz zum aktuellen Stand der
internationalen Zusammenarbeit in Forschung und
Innovation, Entwicklung eines neuen strategischen
Ansatzes, Umsetzung der internationalen Zusammenarbeit in Horizont 2020
Die Fortschritte bei der Umsetzung dieser Prioritäten
werden in zweijährigen Fortschrittsberichten abgebildet. Der zweite EFR-Fortschrittsbericht der Kommission brachte 2014 eine wichtige Zäsur. Er bestätigte,
dass die Mitgliedstaaten sowie die europäischen
Institutionen den Europäischen Forschungsraum auf
eine solide Grundlage gestellt haben. Viele wichtige
Ziele innerhalb der EFR-Prioritäten wurden erreicht.
Um die verbliebenen Lücken zu adressieren haben die
Mitgliedstaaten im März 2015 einen Fahrplan beschlossen (ERA-Roadmap), der die Schwerpunkte für künftige
Maßnahmen enthält. Darüber hinaus prägen neue
Entwicklungen, insbesondere die Digitalisierung und
die Zusammenarbeit in sozialen Netzwerken („Open
Science“), den Europäischen Forschungsraum.

276 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – Der Europäische Forschungsraum:
www.bmbf.de/de/956.php
Europäische Kommission – European Research
Area:
ec.europa.eu/research/era/index_en.htm
(nur auf Englisch verfügbar)
Europäische Kommission – Eine verstärkte Partnerschaft im Europäischen Forschungsraum im
Zeichen von Exzellenz und Wachstum:
ec.europa.eu/research/era/pdf/era-communication/era-communication_de.pdf
Europäische Kommission – Verbesserung und Fokussierung der internationalen Zusammenarbeit
der EU in Forschung und Innovation: ein strategischer Ansatz:
ec.europa.eu/research/iscp/pdf/policy/
com_2012_497_communication_from_commission_to_inst_de.pdf
ERA-Roadmap 2015: data.consilium.europa.eu/
doc/document/ST-1208-2015-INIT/en/pdf

Strategie der Bundesregierung zum
Europäischen Forschungsraum
Am 16. Juli 2014 verabschiedete das Kabinett die Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum. Damit legte Deutschland als erster Mitgliedstaat
eine eigene, nationale EFR-Strategie vor. Die Strategie
umfasst politische Leitlinien und einen Maßnahmenkatalog mit mehr als 40 Schwerpunkten des deutschen
Engagements zur weiteren Umsetzung des Europäischen Forschungsraums. Diese umfassen sowohl Maßnahmen der Bundesregierung als auch Beiträge der
deutschen Forschungs- und Forschungsförderorganisationen. Thematisch orientieren sich die Maßnahmen
an den sechs EFR-Prioritäten, sie decken auch wichtige
Bereiche der Digitalisierung („Open Science“) ab. Die
Bundesregierung wird 2017 über die Umsetzung der
Strategie berichten.

Weitere Informationen im Internet:

Strategie der Bundesregierung zum Europäischen
Forschungsraum: www.bmbf.de/de/26722.php

Ein wichtiges rechtliches Instrument bei der formalen
Umsetzung der internationalen Forschungszusammenarbeit sind die bilateralen wissenschaftlich-technologischen Abkommen der EU mit prioritären Drittstaaten. Diese Abkommen (derzeit etwa 20) schaffen
die Rahmenbedingungen, um gemeinsame Interessen,
Prioritäten und Instrumente zu identifizieren. Die Union ist der einzige Vertragspartner, die Einbindung der
EU-Mitgliedstaaten erfolgt in den Ratsarbeitsgruppen.
Deutschland ist über das BMBF vertreten.

Weitere Informationen im Internet:

EU-S&T-Agreements: ec.europa.eu/research/iscp/
index.cfm?lg=en&pg=countries

	

277

Strategie der Bundesregierung zum
Europäischen Forschungsraum
(Maßnahmen exemplarisch)

EFR-Priorität 1:
Effektivere nationale Forschungssysteme
∙∙
∙∙ Erweiterung der Kooperationsmöglichkeiten zwischen
Bund und Ländern durch Änderung des Art. 91b des
Grundgesetzes (GG) zur nachhaltigen Stärkung der
Leistungsfähigkeit der Hochschulen
∙∙ Weiterentwicklung der Hightech-Strategie zu einer
umfassenden ressortübergreifenden Innovationsstrategie
∙∙ Fortführung/Weiterentwicklung des Pakts für Forschung und Innovation
∙∙ Stärkung der Leistungsfähigkeit des EFR insgesamt
mit Fokus auf die neuen EU-Mitgliedstaaten (EU 13)

∙∙

∙∙

∙∙

EFR-Priorität 2:
Optimale länderübergreifende Zusammenarbeit
und entsprechender Wettbewerb (Gemeinsame
Programmplanung, Forschungsinfrastrukturen)
∙∙ Stärkung der strukturbildenden Wirkung der mitgliedstaatengetriebenen Initiativen der Gemeinsamen
Programmplanung (Joint Programming Initiatives
– JPIs) mit ihrem Fokus auf große gesellschaftliche
Herausforderungen
∙∙ Fortführung, stärkere Nutzung und Ausbau von
weiteren Instrumenten, Initiativen und Plattformen
der grenzüberschreitenden Kooperation im EFR wie
ERA-Netze, Maßnahmen nach Art. 185 des Vertrags
über die Arbeitsweise der EU/AEUV (z. B. das erfolgreiche KMU-Förderprogramm Eurostars), Maßnahmen

nach Art. 187 AEUV (z. B. die Initiative zu biobasierten
Industriezweigen), EUREKA und COST
Fortführung, Ausbau und Unterstützung der länderübergreifenden Zusammenarbeit durch die Wissenschaftsorganisationen
Aktive Mitwirkung an der Umsetzung, Weiterentwicklung und Aktualisierung der Roadmap des Europäischen Strategieforums für Forschungsinfrastrukturen
(ESFRI)
Fortsetzung des BMBF-Roadmap-Prozesses zu Forschungsinfrastrukturen als wichtiges Instrument der
forschungspolitischen Priorisierung bei gleichzeitiger
Verzahnung mit dem ESFRI-Roadmap-Prozess auf
europäischer Ebene
Weiterführung des starken Engagements der deutschen Wissenschaftsorganisationen bei Planung, Errichtung, Betrieb von und Beteiligung an Forschungsinfrastrukturen

EFR-Priorität 3:
Offener Arbeitsmarkt für Forscherinnen und
Forscher
∙∙ Weitere Verbesserung der Mobilitätsbedingungen für
die Wissenschaft
∙∙ Verbesserung der Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Hochschulen und Forschungseinrichtungen
∙∙ Stärkung der Personalentwicklung im Wissenschaftsbereich an den Hochschulen, u. a. mittels Umsetzung
des „Orientierungsrahmens zur Förderung des wissen-

278 	

schaftlichen Nachwuchses nach der Promotion und
akademischer Karrierewege neben der Professur“ der
Hochschulrektorenkonferenz (HRK)
∙∙ Fortführung und Weiterentwicklung innovativer Ansätze der Nachwuchsförderung in den Wissenschaftsorganisationen, u. a. im Rahmen von Programmen für
eine strukturierte Doktorandenausbildung wie Graduiertenkollegs, International Max Planck Research
Schools und International Leibniz Graduate Schools

EFR-Priorität 4:
Gleichstellung der Geschlechter und Berücksichtigung des Gleichstellungsaspekts
∙∙ Gewährleistung chancengerechter Organisationsstrukturen und Prozesse
∙∙ Fortführung des Professorinnen-Programms des Bundes und der Länder
∙∙ Stärkere Verankerung der Genderdimension in nationalen und europäischen Forschungsprogrammen
∙∙ Fortführung und Ausbau der vielfältigen Programme
und Initiativen der Wissenschaftsorganisationen zur
Förderung der Gleichstellung

EFR-Priorität 5:
Optimaler Austausch von, Zugang zu und
Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen
∙∙ Intensivierung der Vernetzung und Verbesserung des
Austauschs zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und
Gesellschaft
∙∙ Erarbeitung einer Strategie für den Digitalen Wandel
in der Wissenschaft
∙∙ Entwicklung einer umfassenden Open-Access-Strategie, die die Rahmenbedingungen für einen effektiven
und dauerhaften Zugang zu öffentlich finanzierten
Publikationen und zu Daten (Open Data) verbessern
soll
∙∙ Verbesserung des wissenschaftsfreundlichen Urheberrechts
∙∙ Weiterführung bzw. Ausbau der Aktivitäten und Initiativen der Wissenschaftsorganisationen im Bereich des
Wissens- und Technologietransfers und der Förderung
von Open Access

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

EFR-Priorität 6:
Internationale Dimension des Europäischen
Forschungsraums
∙∙ Stärkung der Rolle des Strategieforums für internationale Zusammenarbeit in Forschung und Technologie
(SFIC), in dem EU-Mitgliedstaaten und Europäische
Kommission partnerschaftlich gemeinsame Prioritäten
für die Zusammenarbeit mit Drittstaaten identifizieren, kohärente Internationalisierungsansätze erarbeiten und so die nationalen Aktivitäten und Instrumente
insgesamt besser aufeinander abstimmen
∙∙ Förderung multilateraler Ansätze in variabler Geometrie im Bereich der wissenschaftlich-technologischen
Zusammenarbeit (WTZ)
∙∙ Ausbau der Internationalisierung von Initiativen der
Gemeinsamen Programmplanung (Joint Programming
Initiatives – JPIs)
∙∙ Weiterführung von Aktivitäten und Initiativen der
deutschen Wissenschaftsorganisationen zur Stärkung
der internationalen Dimension des EFR (z. B. Helmholtz International Research Groups, MPG-Partnergruppen im Ausland sowie Postdoctoral Fellowship
von Leibniz-Gemeinschaft und DAAD)

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

279

2.3	 Deutschlands Beteiligung an Horizont 2020
Horizont 2020 – das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation ist mit einem Gesamtbudget von ca. 77 Mrd. Euro
für die Laufzeit von 2014 bis 2020 das weltweit größte Programm der Forschungs- und Innovationsförderung. Es ist das
zentrale Finanzierungsinstrument der EU zur Umsetzung der europäischen Flaggschiff-Initiative der Innovationsunion.

Horizont 2020 ist mehr als ein 8. Forschungsrahmenprogramm: Es führt bislang getrennte Förderelemente
wie z. B. das Europäische Innovations- und Technologieinstitut (EIT), die innovationsrelevanten Teile des Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation
(CIP, 2007–2013) und das Forschungsrahmenprogramm
selbst in einen gemeinsamen strategischen Rahmen für
Forschung und Innovation zusammen.

Programmstruktur
Die Schwerpunkte von Horizont 2020 sind gleichermaßen auf Nutzeffekte für Wissenschaft, Industrie,
Gesellschaft und Politik zugeschnitten. Diesem Ansatz
entsprechend gliedert sich Horizont 2020 wie folgt:
∙∙ Im ersten Teil Wissenschaftsexzellenz fördert Horizont
2020 sowohl Einzel- als auch Verbundvorhaben in
der Grundlagenforschung und frühen Technologieentwicklung. Dies sind z. B. die Vergabe individueller Projektmittel durch den Europäischen Forschungsrat (ERC – engl. European Research Council),
die Förderung der Ausbildung und Mobilität von
Nachwuchskräften in Wissenschaft und Industrie
(Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen, MSC), die
Förderung von Verbundprojekten zu künftigen und
neu entstehenden Technologien (FET – engl. Future
and Emerging Technologies) sowie von Forschungsinfrastrukturen.
∙∙ Im zweiten Teil Führende Rolle der Industrie unterstützt Horizont 2020 gezielt die Entwicklung
und Validierung grundlegender und industrieller
Technologien (u. a. die sogenannten Schlüsseltechnologien), den Zugang zu Risikofinanzierung und KMUspezifische Maßnahmen (in der Regel als Einzelmaßnahmen). Die sechs Schlüsseltechnologien (Mikro-/
Nanoelektronik, Nanotechnologie, Photonik,

Materialwissenschaften, industrielle Biotechnologie
und fortschrittliche Fertigungstechniken) aus der
europäischen KET-Definition (KET – engl. Key Enabling Technologies) von 2009 bilden dabei die zentralen Förderlinien in Horizont 2020. Wissensbasierte
Innovationen werden durch spezielle Instrumente
wie vorkommerzielle Beschaffung, Demonstrationsvorhaben und Pilotanlagen oder öffentlich-private
Partnerschaften gefördert.
∙∙ Der dritte Teil Gesellschaftliche Herausforderungen
befasst sich mit sieben drängenden zukunftsorientierten Themenkomplexen, denen ein einzelner
Staat nur schwer begegnen kann. Erforscht werden
Themen wie alternde Gesellschaften, umweltverträglicher, sicherer und vernetzter Transport, effizientere
Nutzung von Ressourcen und Rohstoffen, Energie, Klimawandel und Klimaanpassung, kulturelle
Vielfalt und europäische Identität sowie die Rolle
Europas als globaler Akteur. Dabei steht – durch den
an den großen globalen Herausforderungen ausgerichteten Anspruch – die Entwicklung innovativer
Lösungsansätze für die Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit stärker im Vordergrund als in
den Vorläuferprogrammen. Die beteiligten Einrichtungen bekommen mehr Raum bei der Entwicklung
von Forschungskonzepten und Lösungsansätzen und
die Umsetzung der Projektergebnisse wird stärker in
den Vordergrund gestellt.
Komplementär zu den drei oben genannten Säulen
beinhaltet das Programm weitere Maßnahmen zur
Unterstützung der Innovationsunion: die Verbreitung
von Exzellenz und Ausweitung der Beteiligung zur
besseren Integration der neuen EU-Mitgliedstaaten
zur besseren Integration in den Europäischen Forschungsraum, den Bereich Wissenschaft mit und für
die Gesellschaft, das Europäische Innovations- und
Technologieinstitut (EIT) sowie die Gemeinsame Forschungsstelle (JRC – engl. Joint Research Centre).

280 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Im Zuge dieser Neuorientierung auf Innovationen und
integrierte Themen bietet Horizont 2020 verbesserte
Anknüpfungspunkte zu den europäischen Strukturund Investitionsfonds. Die von den Mitgliedstaaten
und Regionen zu entwickelnden Innovationsstrategien
für intelligente Spezialisierung sollen als Rahmen für
die effektive Umsetzung der Forschungs- und Innovationspolitiken dienen und zu Synergieeffekten zwischen Maßnahmen auf europäischer, nationaler und
regionaler Ebene führen.

Horizont 2020 zeigt eine hohe Passfähigkeit zu nationalen Maßnahmen, insbesondere zur Hightech-Strategie,
zur Exzellenzinitiative und den nationalen Instrumenten der KMU- und Clusterförderung. Dies ist ein
Beispiel dafür, wie sich im Europäischen Forschungsraum nationale und europäische Maßnahmen synergetisch ergänzen. Es werden sowohl in Horizont 2020
als auch in der Hightech-Strategie wichtige strategische
und strukturelle Weichen zur Stärkung der Innovationskraft in gesellschaftlich relevanten Bedarfsfeldern
gestellt und der Weg von der Grundlagenforschung hin
zu neuen Produkten, Dienstleistungen und Verfahren
beschleunigt. Nationale und europäische Strategien sowie deren Umsetzungsinstrumente stellen somit zwei
Seiten einer Medaille dar, denn exzellente Forschung
und Entwicklung auf nationaler Ebene sind Voraussetzung für eine starke europäische Forschungslandschaft.
Eine starke europäische Ebene ist im Gegenzug wichtig,
um für deutsche Forschende und für das nationale
Forschungssystem insgesamt Kooperations- und Mitgestaltungsmöglichkeiten zu schaffen.

Abb. V-3:

Eine deutliche Vereinfachung der Verfahren gegenüber dem 7. Forschungsrahmenprogramm manifestiert
sich in Horizont 2020 unter anderem in einheitlichen
Förderquoten für die Antragsteller (100 % der tatsächlichen Kosten, bei marktnahen Aktivitäten von Unternehmen 70 % und eine einheitliche Pauschale von 25 %
für indirekte Kosten).

Struktur des EU-Forschungsrahmenprogramms Horizont 2020

Wissenschaftsexzellenz

I

II
Führende Rolle
der Industrie

III
Gesellschaftliche
Herausforderungen

European Research Council –
Europäischer Forschungsrat

Grundlegende und industrielle
Technologien

Gesundheit, demografischer
Wandel und Wohlergehen
Bioökonomie

Future and Emerging Technologies –
Zukünftige Technologien

Risikofinanzierung

Marie Sklodowska Curie Actions

Energie
Verkehr
Klima – Umwelt – Ressourcen
Gesellschaften

KMU

Forschungsinfrastrukturen

Sicherheit

Erweiterung der Teilnahme
Wissenschaft mit der und für die Gesellschaft
Joint Research Centre

Europäisches Institut für Innovation und Technologie

Datenbasis: EU-Büro des BMBF

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

Förderung von Forschungsverbünden

281

Förderinstrumente

Mit den Forschungs- und Innovationsmaßnahmen (RIA – engl. Research and Innovation
Actions) bzw. den Innovationsmaßnahmen (IA – engl. Innovation Actions) unter Horizont 2020 werden „klassische“
EU-Verbundprojekte, die von grenzüberschreitenden
Konsortien gemeinsam bearbeitet werden, unterstützt.

European Research Council (ERC)
Der ERC fördert exzellente grundlagenorientierte Projektideen der Pionierforschung einzelner Forscherinnen
und Forscher. Das Modell des ERC und insbesondere
sein nach höchsten internationalen wissenschaftlichen
Standards operierendes Peer-Review-Auswahlverfahren
haben inzwischen weltweite Reputation. Grundlegend
für diese Anerkennung des ERC ist die ihm gewährte
wissenschaftliche Autonomie. Der Wissenschaftliche Rat
(engl. Scientific Council) des ERC, in dem renommierte
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten,
entscheidet über die Gestaltung der Förderlinien und des
Auswahlverfahrens; er wird dabei von der Europäischen
Kommission mit einer Exekutivagentur (ERCEA) unterstützt.

turen werden Integrierende Aktivitäten (Vernetzung,
transnationaler Zugang, gemeinsame Forschung) mit
themengebundenen Aufrufen kombiniert. Ferner werden
zielgerichtete Maßnahmen zur allgemeinen Politikunterstützung bzw. für die Förderung der internationalen
Kooperation ausgeschrieben.

KMU- Instrument
Marie-Skłodowska-Curie-Mobilitätsmaßnahmen
Die Förderung von grenzüberschreitender Mobilität von
Forschenden ist seit vielen Jahren ein wichtiger Bestandteil der Forschungsrahmenprogramme. Ohne thematische Vorgaben werden sowohl Nachwuchsforschende
(mit weniger als vier Jahren Forschungserfahrung und
ohne Promotion) als auch erfahrene Forschende, verstärkt auch Techniker und Managementpersonal gefördert. Grundsätzlich werden zwei Typen von Maßnahmen
unterschieden: Individualmaßnahmen (Antrag durch eine
Wissenschaftlerin bzw. einen Wissenschaftler zusammen
mit einer Gasteinrichtung) sowie institutionelle Maßnahmen (Antrag durch ein Konsortium von Institutionen).

Förderung von Forschungsinfrastrukturen
Für den Aufbau, Ausbau und die Unterstützung von europäischen Forschungsinfrastrukturen werden folgende
Maßnahmen ausgeschrieben: Themenoffene Designstudien, Maßnahmen für neue oder den Ausbau bestehender Forschungsinfrastrukturen, die weitestgehend auf
Basis einer wissenschaftlichen Evaluierung vom Europäischen Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen
(ESFRI – engl. European Strategic Forum for Research
Infrastructures) priorisiert werden. Mit gleichbleibendem
Fokus auf die Vernetzung von Forschungsinfrastruk-

Auf EU-Ebene wurde ein neues KMU-Instrument eingeführt, um konkrete Ideen zur Marktreife zu entwickeln.
Es bietet ein breites Spektrum an Themen in einem
Drei-Phasen-Ansatz, wobei die Förderung von einzelnen
KMU möglich ist. Das Verfahren wurde gegenüber dem
7. Forschungsrahmenprogramm merklich beschleunigt.

Fast Track to Innovation
Fast Track to Innovation (FTI) ist ein themenoffenes Förderinstrument, mit dem marktnahe Innovationen gefördert werden. Ziel ist es, eine schnellere Vermarktung von
Ergebnissen zu ermöglichen. Als Querschnittsmaßnahme
von Horizont 2020 soll FTI das Antragsverfahren von der
Einreichung bis zur Vertragsunterzeichnung auf maximal sechs Monate verkürzen. Anträge können jederzeit
eingereicht werden.

Risikofinanzierungsinstrumente
Viele gute Ideen werden nicht verwertet, weil das notwendige Kapital fehlt. Gerade Managerinnen und Manager von hochriskanten Projekten haben oft Schwierigkeiten, die erforderlichen Gelder zu tragbaren Konditionen
aufzutreiben. Diesem Finanzierungshemmnis des Mittelstands wird im Einzelziel „Zugang zur Risikofinanzierung“
mit geeigneten Darlehen und Garantien begegnet.

282 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – Horizont2020: www.horizont2020.de
EU-Büro des BMBF: www.eubuero.de
Europäische Kommission – Horizon 2020:
ec.europa.eu/programmes/horizon2020/en/
(nur auf Englisch verfügbar)

Programmsteuerung (Governance)
Die Umsetzung von Horizont 2020 wird durch den
Prozess der sogenannten Strategischen Programmplanung unterstützt. Er erlaubt eine mittel- und längerfristige Orientierung u. a. an bestimmten thematischen
Schwerpunkten (engl. Focus Areas). Dies ermöglicht
eine bessere Schwerpunktsetzung und mehr Synergien
zwischen einzelnen Förderbereichen.
Die Ausschreibungen zu den einzelnen Förderlinien
von Horizont 2020 finden im jährlichen Turnus statt,
wobei in der Regel die Ausschreibungsinhalte selbst
jeweils in zweijährigen Arbeitsprogrammen definiert
werden. Die Beteiligung der Mitgliedstaaten an den
Ausschreibungen von Horizont 2020 erfolgt durch 14
Konfigurationen des Programmausschusses. Diese
Gremien legen die Themensetzung der Förderung und
die Projektauswahl fest.
Die Generaldirektion Forschung und Innovation
der Europäischen Kommission ist für Horizont 2020
federführend. Abhängig von den jeweiligen Themen
sind weitere Generaldirektionen in die Umsetzung des
Programms involviert. Für die konkrete Umsetzung
von Horizont 2020, insbesondere für die Projektadministration, greift die Europäische Kommission verstärkt
auf Exekutivagenturen zurück.
Besondere Elemente in Horizont 2020 sind die Beteiligung der Union an Förderprogrammen mehrerer
Mitgliedstaaten (Art. 185 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU/AEUV) sowie die Schaffung von
öffentlich-privaten Partnerschaften nach Art. 187, die

Fördermittel in gemeinsamen Technologieinitiativen
ausschreiben. Diese Maßnahmen zielen auf eine Stimulation von Investitionen (Hebelwirkung) in Bereiche ab,
die eine Schlüsselfunktion für die europäische Wirtschaft haben.
ERA-Netze sind spezifische Netzwerke, in denen nationale Förderorganisationen (Ministerien etc.) ihre nationalen und bzw. oder regionalen Förderprogramme
in ausgewählten Feldern untereinander koordinieren.
Diese Maßnahmen zielen verstärkt auf die Durchführung gemeinsamer Förderprogramme, z. B. multilateraler Förderbekanntmachungen.
Das Europäische Innovations- und Technologieinstitut (EIT) trägt als integraler Bestandteil von Horizont
2020 zu einer besseren Verbindung der Akteure des
Wissensdreiecks aus Hochschulbildung, Forschung
und Innovation bei. Das Ziel des EIT ist es, lokal in den
Mitgliedstaaten vorhandene Clusterstrukturen (CLC –
engl. Colocation Center) europaweit zu Wissens- und
Innovationsgemeinschaften (KIC – engl. Knowledge
and Innovation Communities) zu vernetzen. Diese
Konzeption als Clusterinstrument ermöglicht zahlreiche Anknüpfungspunkte an die vom BMBF geförderten
Spitzencluster (siehe auch III 2 Vernetzung und Transfer), welche z. T. bereits in der ersten Auswahlrunde
geeignete Kondensationskerne für die deutsche Beteiligung ausgemacht haben. Nach den ersten zwei Auswahlrunden gibt es fünf KICs zu den Themenfeldern
Nachhaltige Energie, Klimawandel und -folgen, IKT,
Rohstoffe und Gesundheit. An allen KICs sind deutsche
Einrichtungen als Knotenpunkte eingebunden, drei der
KICs werden von Deutschland aus koordiniert.
Über die Anknüpfungspunkte zu anderen Instrumenten der EU-Forschungsförderung – wie den europäischen Struktur- und Investitionsfonds – hinaus enthält
Horizont 2020 dezidierte Maßnahmen zur Verbreitung
von Exzellenz und Ausweitung der Beteiligung. Diese
Maßnahmen sollen helfen, die in Europa sichtbare – und durch die Wirtschafts- und Finanzkrise sich
verstärkende – Innovationslücke zwischen führenden
und zurückliegenden Mitgliedstaaten und Regionen
zu schließen, indem das verfügbare Wissen und die
Exzellenz in Europa weiter verbreitet und genutzt werden. Unter anderem sollen sogenannte Lehrstühle des
Europäischen Forschungsraums (engl. ERA Chairs) herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

283

Öffentlich-öffentliche und
öffentlich-private Partnerschaften
Die öffentlich-öffentlichen Partnerschaften/Maßnahmen (P2P) nach Art. 185 AEUV betreffen:
•	 Hilfssysteme für aktives Altern (Ambient Assistet
Living, AAL)
•	 Messen und Prüfen/Metrologie (European Metrology
Programme for Innovation and Research, EMPIR),
(siehe auch III 4 Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen)
•	 Förderung innovativer KMU (Eurostars)
•	 Armutsbedingte Krankheiten (EDCTP)
•	 Ostseeraum (Bonus)
Öffentlich-private Partnerschaften (PPP) unterscheiden sich in Maßnahmen nach Art. 187 AEUV sowie PPP
auf Vertragsbasis (cPPP – engl. Contractual PPP). Letztere werden als integrale Bestandteile der Arbeitsprogramme auf Basis der Beteiligungsregeln für Horizont
2020 umgesetzt, sodass für diese – im Gegensatz zu
Maßnahmen nach Art. 187 – keine separaten Rechtsakte erforderlich sind.
Die aktuellen Themengebiete für cPPP sind:
•	
•	
•	
•	

Fabriken der Zukunft
Energieeffiziente Gebäude
Umweltfreundliche Kraftfahrzeuge
Internet der Zukunft

an aufstrebende Forschungseinrichtungen binden und
diese im internationalen Wettbewerb der exzellenten
Forschung etablieren. Die Unterstützung von mittelbis langfristig angelegten Partnerschaften zwischen exzellenten und aufstrebenden Forschungseinrichtungen
(engl. Twinning) sowie zwischen weniger forschungsintensiven Mitgliedstaaten und Regionen und exzellenten Forschungseinrichtungen (engl. Teaming) zielen auf
den Auf- und Ausbau von Forschungskapazitäten ab.
Die unterstützten Konzepte sollen in die Strategien der
intelligenten Spezialisierung des betreffenden Mitgliedstaats bzw. der Region eingebettet sein.

•	
•	
•	
•	
•	

Nachhaltige Prozessindustrien
Robotik
Photonik
Hochleistungsrechnen
Netzwerksysteme für das Internet der Zukunft

Die Maßnahmen nach Art. 187 betreffen:
•	
•	
•	
•	
•	
•	
•	

Biobasierte Industrien
Arzneimittelentwicklung
Luftfahrt und -transport
Flugverkehrsmanagement
Brennstoffzellen und Wasserstoff
Elektronische Komponenten und Systeme
Schienenverkehr

Weitere Informationen im Internet:

European Institute of Innovation and Technology:
www.eit.europa.eu (nur auf Englisch verfügbar)
Europäische Kommission – Horizon2020 – Spreading Excellence and Widening Participation:
ec.europa.eu/programmes/horizon2020/en/
h2020-section/spreading-excellence-and-widening-participation (nur auf Englisch verfügbar)

284 	

Deutsche Beteiligung an
Horizont 2020
Nach zwei Jahren Laufzeit Horizont 2020 (Stand: Februar 2016) lag der Anteil der deutschen Beteiligungen bei
rund 14,3 %, der deutsche Zuwendungsanteil an den im
Wettbewerb an die EU-28-Staaten vergebenen Fördermittel betrug 19,3 %. Der Anteil der Koordinationen aus
Deutschland lag über alle Programmbereiche hinweg
durchschnittlich bei 12,5 % (siehe auch Abb. V-5).

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

liegt mit 2 % bislang unter dem Niveau des Vorläuferprogramms 7. Forschungsrahmenprogramm (4 %).
Hier ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Einrichtungen führender Schwellenländer (die sogenannten
BRICS-Staaten und Mexiko) nicht mehr grundsätzlich
gefördert werden und die Schweiz nur noch teilassoziiert ist.

Das Forschungsrahmenprogramm hat sich seit vielen
Jahren als wesentlicher Bestandteil der Projektförderung deutscher Forschungseinrichtungen etabliert.
In den ersten zwei Jahren von
Horizont 2020 erhielten deutsche
Abb. V-4: Horizont 2020: Beteiligungs- und Zuwendungsanteile nach
Einrichtungen ca. 2,24 Mrd. Euro
Einrichtungstypen in Deutschland
(rund 0,74 Mrd. Euro Jahr 2014
Einrichtungstyp
DE-Beteiligungsanteil
DE-Zuwendungsanteil
und rund 1,5 Mrd. Euro Jahr 2015)
Forschungseinrichtungen
28,5 %
33,6 %
an europäischen Zuwendungen.
Bedingt durch die AusschreiHochschulen
30,5 %
33,3 %
bungspraxis und vor allem durch
Öffentliche Einrichtungen
3,2 %
2,0 %
die progressive Entwicklung der
verfügbaren Haushaltsmittel ist zu
Unternehmen
34,6 %
29,6 %
erwarten, dass sich dieser Anteil in
Andere
3,2 %
1,6 %
Zukunft noch erhöhen wird. Die
Vergleichswerte des 7. ForschungsDE-Gesamt
100,0 %
100,0 %
rahmenprogramms (2007–2013)
Datenbasis: H2020-ECORDA-Vertragsdatenbank, Stand 26. Februar 2016
stiegen von 300 Mio. im Jahr 2007
auf 1,75 Mrd. Euro im Jahr 2013.
Die europäische Forschungsförderung trägt somit signifikant zu den DrittmitteleinnahDie Beteiligung deutscher Unternehmen war in vermen der deutschen Einrichtungen bei.
gleichbarer Größenordnung wie im 7. Forschungsrahmenprogramm und damit weitgehend stabil. Gut ein
Die Erfolgsquote deutscher Antragsteller in Horizont
Drittel (34,8 %) der deutschen Beteiligungen in allen
2020 lag durchschnittlich bei 15,2 % und damit in
Fördertypen entfiel auf die Privatwirtschaft (einähnlichen Dimensionen wie bei einigen nationalen
schließlich KMU). Damit lag Deutschland im Vergleich
Förderprogrammen (z. B. der DFG). Insgesamt zeichnet
der größeren Mitgliedstaaten an dritter Position nach
sich jedoch ab, dass die Mittelüberzeichnung in HoriItalien (39,2 %) und Spanien (38,2 %) und vor Frankzont 2020 im Vergleich zum Vorläuferprogramm von
reich (34,0 %) und dem Vereinigten Königreich (26,6 %).
5:1 auf 8:1 angestiegen ist, das heißt, die Erfolgschancen
Auf Unternehmen aus Deutschland entfielen insgesind insgesamt zurückgegangen. Besonders niedrige
samt 29,6 % der Zuwendungen an deutsche Akteure,
Erfolgsquoten finden sich bei themenoffenen Proder Anteil der Hochschulen lag bei 33,3 %, derjenige
grammbereichen wie beispielsweise FET Open (2,3 %)
der außeruniversitären Forschungseinrichtungen bei
und dem KMU-Instrument (6,6 %).
33,6 % (siehe auch Abb. V-4).
Horizont 2020 erlaubt die Kooperation mit Einrichtungen außerhalb Europas, falls die Mindestvoraussetzungen für die jeweiligen Konsortien erfüllt sind.
Einrichtungen aus Deutschland kooperieren bislang in
Horizont 2020 mit Institutionen aus 99 Ländern. Der
Anteil der Drittstaatenbeteiligungen in Horizont 2020

An Horizont 2020 waren mit Stand Februar 2016 insgesamt 1.437 deutsche Einrichtungen, darunter 83 öffentlich geförderte Institutionen beteiligt. Insgesamt haben
sich teilnehmende Einrichtungen aus Deutschland an
2.101 Projekten des Forschungsrahmenprogramms
beteiligt. Auf diese Weise unterstützt die europäische

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

Forschungs- und Innovationsförderung die deutsche Wissenschaft
und Wirtschaft in einer sehr
ausgeprägten Breite. Nahezu alle
öffentlichen Einrichtungen, für
die das EU-Rahmenprogramm
eine Beteiligungsmöglichkeit
bietet, nutzen diese inzwischen.
Die besten zehn teilnehmenden
Einrichtungen aus Deutschland
sind zusammen an 401 Projekten
beteiligt und haben bisher 0,29
Mrd. Euro aus Horizont 2020
erwirtschaftet. Die deutschen
Forschungsgemeinschaften
(HGF, Fraunhofer, MPG und
Leibniz-Gemeinschaft) konnten
gemeinsam rund 785 Mio. Euro
EU-Zuwendungen einwerben.
Während Deutschland unter
den Mitgliedstaaten die höchste
Beteiligung in absoluten Zahlen
aufweist (Deutschland: 2,23 Mrd.
Euro; Vereinigtes Königreich: 1,87
Mrd. Euro; Frankreich: 1,30 Mrd.
Euro), ist die relative Beteiligung
bezogen auf die Forscherzahl
mit 2.597,61 Euro je Forschenden (Angaben EUROSTAT) eher
durchschnittlich (Maximum:
Zypern 13.742,42 Euro; Minimum: Litauen 564,56 Euro; EU28-Durchschnitt: 2.795,89 Euro).
Daher bedarf es weiterer Anstrengungen, um eine angemessene Beteiligung der deutschen
Forschungsakteure und so eine
nachhaltige Integration in den
Europäischen Forschungsraum
zu erreichen.
Die langjährigen Erfahrungen
mit den Forschungsrahmenprogrammen zeigen, dass deutsche
Einrichtungen in den Programmbereichen der EU besonders
erfolgreich sind, für die es entsprechende Förderprioritäten auf

285

Abb. V-5: Horizont 2020: Beteiligungs-, Koordinierungs- und Zuwendungsanteile
im EU-28-Vergleich
EU-28

Beteiligungen

Koordinierungen*

Zuwendungen

Deutschland

14,3 %

12,5 %

19,3 %

Vereinigtes Königreich

14,2 %

11,9 %

16,1 %

Spanien

11,1 %

16,4 %

9,2 %

Italien

10,1 %

12,2 %

8,5 %

Frankreich

9,8 %

8,3 %

11,2 %

Niederlande

7,1 %

6,0 %

8,5 %

Belgien

4,7 %

3,5 %

4,7 %

Griechenland

3,2 %

3,2 %

2,3 %

Schweden

3,2 %

3,0 %

3,5 %

Österreich

3,1 %

3,0 %

2,9 %

Dänemark

2,6 %

2,5 %

2,7 %

Portugal

2,4 %

2,5 %

1,9 %

Finnland

2,2 %

2,7 %

2,1 %

Irland

1,9 %

2,5 %

1,9 %

Polen

1,8 %

1,5 %

1,0 %

Tschechische Republik

1,2 %

0,6 %

0,7 %

Ungarn

1,1 %

1,4 %

0,6 %

Rumänien

1,0 %

0,6 %

0,4 %

Slowenien

1,0 %

1,3 %

0,6 %

Estland

0,6 %

1,3 %

0,4 %

Bulgarien

0,6 %

0,3 %

0,2 %

Zypern

0,6 %

0,6 %

0,4 %

Kroatien

0,5 %

0,4 %

0,2 %

Slowakei

0,5 %

0,5 %

0,2 %

Luxemburg

0,4 %

0,4 %

0,3 %

Lettland

0,4 %

0,5 %

0,2 %

Litauen

0,4 %

0,3 %

0,1 %

Malta

0,2 %

0,2 %

0,0 %

EU-28

100,0 %

100,0 %

100,0 %

* Die beiden Programmbereiche ERC und Marie-Sklodowska-Curie wurden nicht in die Koordinierungen eingerechnet. Bei diesen Förderbereichen handelt es sich um Einzelförderungen und daher
nicht um die klassische Koordinierung von Verbundforschungsprojekten
Datenbasis: H2020-ECORDA-Vertragsdatenbank, Stand 26. Februar 2016

286 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Abb. V-6: 	 Horizont 2020: DE-Erfolgsquoten und DE-Rückholquoten nach Themenbereichen
Horizont 2020 Programmbereich

DE-Erfolgsquote1)

DE-Rückholquote2)

Excellent Science

14,1 %

16,2 %

Industrial Leadership

16,0 %

18,7 %

Societal Challenges

15,7 %

15,3 %

Science with and for Society

9,8 %

11,3 %

Spreading excellence and widening participation

12,9 %

6,6 %

Euratom

39,4 %

61,6 %

EC-Cross theme

10,4 %

4,9 %

Gesamt

15,2 %

18,1 %

1) DE-Beteiligungen in gültigen Anträgen (1-stufige Verfahren und 2. Stufe 2-stufige Verfahren) / DE-Beteiligungen in bewilligten Anträgen
2) Anteil DE-Zuwendungen an Zuwendungen gesamt	
Datenbasis: H2020-ECORDA-Vertragsdatenbank, Stand 26. Februar 2016 	

nationaler Ebene gibt. Die aus den nationalen Schwerpunkten der Forschungsförderung resultierenden
Kapazitäten, Kompetenzen und Synergien bilden die
Grundlage für eine erfolgreiche Teilnahme an entspre-

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – Deutsches Portal zum Horizont 2020:
www.horizont2020.de
EU-Büro des BMBF: www.eubuero.de
CORDIS (engl. Community Research & Development Information Service): cordis.europa.eu/
home_en.html (nur auf Englisch verfügbar)
EU Research & Innovation Participant Portal:
ec.europa.eu/research/participants/portal/page/
home (nur auf Englisch verfügbar)
BMBF – Hightech-Strategie der Bundesregierung:
www.bmbf.de/de/die-neue-hightech-strategie-86.
html
BMBF – Monitoring zum 7. Forschungsrahmenprogramm:
www.eubuero.de/frp7-monitoring.htm

chenden Themen der Forschungsrahmenprogramme.
Nationale und EU-Programmatiken sind zwei sich
verstärkende und keine konkurrierenden Prozesse.
Den Schwerpunkt des deutschen Themenportfolios in
Horizont 2020 bildet der Programmbereich European
Research Council (ERC), auf den 17,6 % der eingeworbenen Zuwendungen entfallen, mit Abstand gefolgt von
den Themenbereichen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) mit 16,0 % und Sichere,
saubere und effiziente Energie mit 10,1%. Insgesamt
konnten deutsche Einrichtungen gut 18 % aller im
Wettbewerb vergebenen EU-Mittel einwerben und
knüpfen somit erfolgreich an das Niveau des Vorläuferprogramms an (siehe auch Abb. V-6).

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

287

2.4	 Europäische Initiativen und Programme
Ergänzend zu Horizont 2020 existieren weitere Initiativen und Programme zur Förderung von Forschung und Innovation im Europäischen Forschungsraum. Neben den Bereichen grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Vernetzung
stehen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen im Fokus der Förderung.

EUREKA und COST sind lang etablierte technologieoffene Initiativen zur Förderung von grenzüberschreitenden Forschungsverbünden. Der Fokus von COST
liegt auf der Förderung der grenzüberschreitenden
Zusammenarbeit von Forschenden und beinhaltet
auch Mobilitätshilfen und Konzertierungskosten. Eurostars unterstützt KMU dabei, Kooperationsprojekte
mit europäischen Partnern durchzuführen und daraus
entstehende innovative Produkt- oder Prozessideen
schnellstmöglich zu kommerzialisieren. Im Rahmen
des Programms Erasmus+ sollen durch Jean-MonnetAktivitäten weltweit Spitzenleistungen in akademischer
Lehre und Forschung im Zusammenhang mit EU-Studien gefördert werden.

EUREKA – Die europäische
Forschungsinitiative
Ein weiteres wichtiges Instrument im Europäischen
Forschungsraum ist die europäische Forschungsinitiative EUREKA. Derzeit sind 40 Staaten und die
Europäische Kommission Vollmitglieder. Neben allen
Mitgliedsländern der Europäischen Union sind dies die
Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien, Island,
Israel, Monaco, Montenegro, Norwegen, Russland, San
Marino, die Schweiz, Serbien, die Ukraine und die Türkei. Die Republik Korea, Kanada und Südafrika haben
den assoziierten Status. Anders als das Forschungsrahmenprogramm ist EUREKA kein vorab inhaltlich definiertes und im Konsens der beteiligten Regierungen

288 	

beschlossenes Programm, sondern ein offener Rahmen
für grenzüberschreitende Forschungsvorhaben von
europäischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. EUREKA deckt dabei insbesondere die anwendungsorientierte Forschung ab. Eines der wesentlichen Ziele ist dabei die Umsetzung von Forschung in
Innovation.
Eine Besonderheit von EUREKA ist der themenoffene, so genannte Bottom-up-Ansatz. Das heißt, dass
Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer jederzeit
die Möglichkeit haben, Projektanträge zu beliebigen
Themen einzureichen und mit den Projekten zeitnah
beginnen können. Diese Flexibilität schätzen insbesondere Unternehmen, die schnell und unbürokratisch
Kooperationsprojekte im europäischen Rahmen starten wollen. Auch die schlanke und dezentral ausgerichtete Administration der Initiative kommt Unternehmen entgegen. Die Projektfinanzierung liegt zunächst
in eigener Verantwortung der Projektteilnehmerinnen
und -teilnehmer; sie können dann auf nationaler
Ebene staatliche Förderung beantragen oder andere
Finanzierungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen.
EUREKA blickte im Juli 2015 auf 30 Jahre seines
Bestehens zurück. Die Regierungen der EUREKAMitgliedstaaten und die Europäische Kommission
stimmen darin überein, dass die Initiative auch in
Zukunft als komplementäres Instrument neben dem
Forschungsrahmenprogramm fortgesetzt und weiterentwickelt werden soll. Mit den klassischen sogenannten Netzwerk-Projekten, den Strategischen Initiativen
(EUREKA Cluster und EUREKA Umbrellas) und dem
Förderprogramm Eurostars, das sich insbesondere an
forschungstreibende kleine und mittlere Unternehmen
(KMU) richtet, bietet EUREKA dazu eine gute Basis.
In diesem Kontext wurde 2014 in EUREKA eine Strategische Roadmap erarbeitet, in der u. a. festgelegt
wird, wie man die Initiative besser im Europäischen
Forschungsraum verankern und die Komplementarität
mit anderen Programmen verbessern kann. Die hierbei
verfolgten Hauptziele wurden unter Berücksichtigung der EFR-Prioritäten definiert. Bis zum Ende der
Laufzeit der strategischen Roadmap im Jahre 2020 wird
es darum gehen, konkrete Maßnahmen dieser Strategie
umzusetzen.

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Die EUREKA-Mitgliedsländer stellen gleichzeitig
Überlegungen an, wie sie die Initiative stärker bei der
Zusammenarbeit mit außereuropäischen Ländern
nutzen können. Mit dem neuen Instrument Global
Stars soll die globalere Ausrichtung von EUREKA
zur internationalen Zusammenarbeit von KMU mit
Partnern aus Drittstaaten vorangetrieben werden. Als
zusätzliches Leistungsangebot wurde das EUREKA High
Tech Investment Programme (HTIP) ins Leben gerufen.
Im Rahmen dieses Programms werden interessierte
erfolgreiche Projektteilnehmer an private Kapitalgeber
(z. B. Risikokapital-Investoren) vermittelt. Damit soll
den Projektteilnehmern bei der Markteinführung ihrer
Projektergebnisse geholfen werden.
Ein besonderes Merkmal von EUREKA ist die dezentrale Struktur der Administration. Kontaktbüros in
allen Mitgliedsländern bilden gemeinsam ein flexibles
administratives Netzwerk mit wenig Bürokratie, das
die Antragsteller und Projektteilnehmer eingehend
beraten und unterstützen kann.
Seit seiner Gründung im Jahr 1985 sind über 5.900
Kooperationsprojekte gelaufen, davon etwa 1.500 mit
deutscher Beteiligung. Die Zahl der laufenden EUREKA-Projekte (Größenordnung 900) ist dabei in den
letzten Jahren in etwa gleich geblieben. Etwa zwei Drittel der Projektbeteiligten sind Unternehmen, davon
wiederum zwei Drittel KMU. Dies zeigt, dass EUREKA
seine Zielgruppe – die Unternehmen – erreicht.

Eurostars
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellen einen
Großteil der Arbeitsplätze und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftskraft Europas. Mit Fortführung des Förderprogramms Eurostars unter Horizont
2020 (Laufzeit 2014–2020) sollen KMU weiterhin dabei
unterstützt werden, in grenzüberschreitenden Kooperationsprojekten gemeinsam mit europäischen Partnern
zu forschen und ihre Innovationen schnellstmöglich in
den Markt zu bringen. Das große Interesse an Eurostars
zeigt, dass mit der Programmgestaltung der richtige Weg
gewählt worden ist: Themenoffene Ausschreibungen,
synchronisierte Förderverfahren und eine schlanke Administration machen das Programm für KMU attraktiv.
Eurostars hat sich als wichtiges Förderinstrument für die

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

Projektbeispiel Eurostars:
CardioXpress

Zahlreiche neue und auch etablierte Medikamente mussten in den vergangenen Jahren aufgrund
ihrer Nebenwirkungen auf das Herz vom Markt
genommen werden. Heute gelten für die Zulassung
strengere Richtlinien. Die Mehrzahl der Pharmaunternehmen ist bestrebt, die vorgeschriebenen
Sicherheitstests in einer frühen Entwicklungsphase durchzuführen. Hier setzt das EurostarsVerbundprojekt CardioXpress an. Es bündelt die
Kompetenzen von drei KMU aus Frankreich, den
Niederlanden und Deutschland in den Bereichen
Stammzellforschung, Softwareentwicklung und
komplexe Messtechnik. Durch die Verwendung von
humanen, induziert pluripotenten Stammzellen
werden Tierversuche vermieden und es kann bereits
früh in der Wirkstoffentwicklung an menschlichen
Zellen gemessen werden. Hierfür werden zunächst
die aus Hautzellen gewonnenen Zellen zu Herzmuskelzellen umgewandelt und kultiviert. Durch
elektrophysiologische Messungen und entsprechende Analysen lassen sich Aussagen über die Wirkung
bzw. die Nebenwirkungen neuer Substanzen auf das
menschliche Herz treffen.
Der deutsche Partner Multi Channel Systems MCS
GmbH erhielt rund 420.000 Euro Fördermittel des
BMBF. Die Innovation findet weit über Europa
hinaus großen Anklang. Nicht nur Pharmaunternehmen, sondern auch nationale Zulassungsbehörden
in Europa, Amerika und Asien validieren derzeit das
CardioXpress-Testsystem.

Unterstützung von KMU in europäischen Forschungsund Entwicklungsprojekten fest etabliert. Gleichzeitig ist
Eurostars als ein gemeinsames europäisches Programm
von Mitgliedstaaten und Kommission (Joint Programme) ein wichtiger Baustein zur Realisierung des Europäischen Forschungsraums.
Eurostars ist ein gemeinsames Förderprogramm von
34 Ländern – darunter die 28 EU-Mitgliedstaaten – und
der Europäischen Kommission nach Art. 185 des Ver-

289

trages über die Arbeitsweise der Europäischen Union.
Die Förderung der Projektteilnehmer erfolgt jeweils
aus nationalen Mitteln, die Europäische Kommission
vergibt an die teilnehmenden Staaten in Abhängigkeit von deren Beteiligung zusätzliche Fördermittel
(Top-up). Das Programm verzeichnet hohe Antragszahlen mit steigender Tendenz. Jährlich gehen an den
zwei Stichtagen im Frühjahr und Herbst zusammen
etwa 700 Anträge ein, wobei die Beteiligung deutscher
Partner an durchschnittlich einem Drittel aller Anträge
hoch ist.

Weitere Informationen im Internet:

EUREKA/COST-Büro: eureka.dlr.de
Eurostars: eurostars.dlr.de

COST – Europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen und technischen Forschung
Die seit 1971 bestehende Initiative für Europäische
Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik (COST
– engl. European Cooperation in Science and Technology) hat das Ziel, den Wissensaustausch und die
Zusammenarbeit zwischen exzellenten Forschenden in
Europa und darüber hinaus zu fördern. Dazu unterstützt COST den Aufbau von europäischen Netzwerken
im Rahmen der sogenannten COST-Aktionen. Dabei
handelt es sich um Bottom-up-Initiativen, deren Inhalte die Forschenden selber vorschlagen. Im Fokus stehen
Themen, die große gesellschaftliche Herausforderungen darstellen und deren Bewältigung gemeinsamer
europäischer oder globaler Anstrengungen bedarf. In
den Netzwerken werden beispielsweise Themen wie
alternde Gesellschaften, zukünftige Mobilität oder die
effizientere Nutzung von Ressourcen und Rohstoffen
oder Fragen zu Klimawandel und Klimaanpassung,
kultureller und biologischer Vielfalt behandelt. Oftmals
münden die dort erarbeiteten Konzepte in große europäische oder internationale Forschungsprojekte, die
über Horizont 2020 gefördert werden. Somit ist COST

290 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Projektbeispiel COST:
EuNetAir

Ein Beispiel für eine COST-Aktion ist EuNetAir.
EuNetAir wurde 2012 gegründet. Es koordiniert die
Arbeit von Forschenden aus 25 KMU, Spin-Offs
und öffentlichen Forschungseinrichtungen. Mehr
als 120 Institutionen aus 38 Ländern (davon 31 aus
Europa) sind an diesem global agierenden Netzwerk
beteiligt.
EuNetAir hat das Ziel, günstige und energieeffiziente Sensoren zu entwickeln, die innerhalb und
außerhalb von Gebäuden die Luftqualität messen.
Diese bezahlbaren Sensoren sollen es einer breiten
Öffentlichkeit ermöglichen, Informationen über die
Luftverschmutzung ihrer Umgebung zu erhalten.
Davon profitieren zum Beispiel Asthmatiker, die Informationen über die Belastung der Luft mit ihrem
Allergen erhalten. Von einer weiten Verbreitung der
Sensoren profitiert auch die Wissenschaft: Bisher
haben die Forschenden nur Daten über wenige
offizielle Messstationen erhalten. Jetzt sollen die
Sensoren Informationen über GPS und GPRS (General Packet Radio Service) an die Wissenschaft zurückübermitteln. Dadurch erhalten die Forschenden
detailliertere Daten als bisher. So hoffen sie beispielsweise Erkenntnisse darüber zu erhalten, wieso
die Luftverschmutzung regional stark variiert. Auch
wollen sie durch Interpretation der Daten Verfahren
entwickeln, mit denen die Luftverschmutzung insgesamt reduziert werden kann. So sollen dauerhaft
toxische Immissionen genauso wie Treibhausgase in
der Luft verringert und die individuelle Lebensqualität in Europa erhöht werden.
Die Sensoren wurden in Großbritannien und Portugal bereits erfolgreich getestet. Derzeit arbeiten
verschiedene Firmen an der Marktreife der Geräte.
Auch sind weiterführende Anträge für die wissenschaftlichen Arbeiten in Vorbereitung, die in
Horizont 2020 eingereicht werden sollen.

ein initialer Baustein für die Förderung von Verbundprojekten zu künftigen und neu entstehenden Technologien oder Innovationen auf europäischer Ebene.
Die thematische Offenheit und Flexibilität der COSTAktionen erleichtert den Zugang von Forschenden
aus jenen EU-Mitgliedstaaten, die nach 2004 beigetreten sind, zu europäischen Netzerwerken. Damit
leistet COST einen wichtigen Beitrag zur Vertiefung
des Europäischen Forschungsraums und zur Innovationsunion. Auch fördert COST die Mobilität von
Nachwuchskräften in Wissenschaft und Technik.
Hierdurch werden Grundlagen gelegt, um exzellente
europäische Forschungsinfrastrukturen aufzubauen und die Wissenschaft in Europa zu qualifizieren.
Darüber hinaus erlaubt COST auch die Kooperation
mit Einrichtungen aus nahezu allen anderen Staaten
weltweit, sofern bestimmte Mindestvoraussetzungen
erfüllt sind.
Deutsche Einrichtungen und Forschende sind an
nahezu allen COST-Aktionen beteiligt; sie sind insbesondere in den Bereichen nationaler Förderprioritäten besonders erfolgreich. Das heißt, dass dort, wo
nationale Schwerpunkte in der Forschungsförderung
gesetzt werden, die daraus resultierenden Kapazitäten, Kompetenzen und Synergien eine erfolgreiche
Teilnahme an entsprechenden Themen bei COST
erleichtern.
COST wird aus Horizont 2020 mit 300 Mio. Euro für den
Zeitraum 2014 bis 2020 gefördert. COST hat seit seinem
Bestehen rund 1.200 COST-Aktionen gefördert. Derzeit
laufen 318 COST-Aktionen. Pro Jahr kommen ca. 60
neue COST-Aktionen hinzu.
Deutschland gehört seit jeher zu den stärksten Nutzern
von COST. An rund 1.100 Aktionen haben sich deutsche
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit dem

Weitere Informationen im Internet:

EUREKA/COST-Büro: www.cost.dlr.de
COST: www.cost.eu (nur auf Englisch verfügbar)

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

Bestehen von COST beteiligt. Derzeit sind deutsche
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in 316 der
318 Aktionen aktiv. Rund 15 % der COST-Aktionen
werden von Deutschland aus koordiniert.

Jean Monnet
Die Jean-Monnet-Aktivitäten sind Teil von Erasmus+
und fördern weltweit Spitzenleistungen in der akademischen Lehre und Forschung im Bereich der EUStudien. Thematischer Mittelpunkt der EU-Studien
ist die Gesamtsituation Europas im Hinblick auf den
Prozess der europäischen Integration, die Rolle der EU
in einer globalisierten Welt, eine aktive europäische
Bürgerschaft und einen europäischen Dialog zwischen
Völkern und Kulturen.

Projektbeispiel Jean Monnet –
Frühe Europabildung: Bausteine für
den Unterricht in der Grundschule

Das Projekt „Frühe Europabildung: Bausteine für
den Unterricht in der Grundschule“ strebt nach
einem altersgerechten Lehrkonzept, das nachhaltig Eingang in den Sachkundeunterricht finden
kann. Das Konzept soll konkrete Bausteine für den
Europaunterricht in der Primarstufe benennen und
damit ein neues und innovatives methodisches
Werkzeug schaffen. Die pädagogische Zielsetzung
lehnt sich an das europäische Motto von der Einheit
in der Vielfalt an.
Die Aktivitäten des Projektes umfassen Lehrveranstaltungen an der Hochschule, Seminare für
Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter
sowie Lehrerinnen und Lehrer, öffentliche Vorträge,
akademische Tagungen und eine Evaluationsstudie
an Grundschulen. Die erwarteten Resultate sind
eine höhere Europakompetenz bei den Zielgruppen
und eine stärkere wissenschaftliche Beachtung des
Themas frühe Europabildung.

291

Neben der Lehre und Forschung zielen die JeanMonnet-Aktivitäten auch auf die politische Debatte
zwischen der akademischen Welt und politischen
Entscheidungsträgern ab sowie auf die Förderung von
Einrichtungen und Vereinen, die sich mit Fragen der
europäischen Integration befassen. Zentrale Aktivitäten von Jean Monnet sind Lehrveranstaltungen, Forschungsarbeiten, Konferenzen, Vernetzungsaktivitäten
und Veröffentlichungen.

Weitere Informationen im Internet:

Nationale Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im DAAD:
https://eu.daad.de/jean-monnet/de/

292 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

2.5	 Der Beitrag der EU-Kohäsionspolitik
zu Forschung und Innovation
Regionen sind wichtige Motoren für die wirtschaftliche Entwicklung. Ein Großteil aller Investitionen wird auf lokaler
und regionaler Ebene getätigt. Gleichzeitig werden Forschung und Innovation immer wichtiger für eine zukunftsfähige,
das heißt eine wissensbasierte, nachhaltige und alle Gesellschaftsgruppen berücksichtigende regionale Entwicklung.
Damit wächst die Bedeutung der Region als Handlungsebene auch in der EU-Forschungs- und -Innovationspolitik.

Um im europäischen und globalen Wettbewerb zu
bestehen, ist im Lissabon-Vertrag das Ziel verankert,
wirtschaftliche, soziale und territoriale Entwicklungsunterschiede in der EU zu verringern. Deshalb ist die
Kohäsionspolitik 2014–2020 (auch Regional- oder
Strukturpolitik genannt) verstärkt auf die Europa
2020-Strategie ausgerichtet und soll zu intelligentem,
nachhaltigem und integrativem Wachstum beitragen.
Die Förderung von Forschung, technologischer Entwicklung und Innovation sowie einer wissensbasierten
Wirtschaft spielt dabei eine herausragende Rolle. So
stellen die Programme der EU-Kohäsionspolitik neben
Horizont 2020 die wichtigste Investitionsquelle der
EU in Forschungs- und Innovationsmaßnahmen dar.
Forschung, technologische Entwicklung und Innovati-

on ist eines von elf thematischen Zielen und eines der
prioritären Themen, auf die die Fördermittel konzentriert werden sollen. In Deutschland werden 80 % der
Mittel auf die Förderung von Forschung und Innovation, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU
und die Unterstützung einer CO2-armen Wirtschaft
konzentriert.
Die Europa 2020-Strategie fordert von politischen Entscheidungsträgern, die Zusammenhänge zwischen den
verschiedenen Aspekten von intelligentem, nachhaltigem und integrativem Wachstum zu berücksichtigen.
Die Europäische Kommission hat dazu Partnerschaftsvereinbarungen mit jenen Mitgliedstaaten abgeschlossen, in denen die nationalen Gesamtstrategien für die

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

Verwendung der Europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESIF) für den Zeitraum 2014–2020 und
deren Umsetzung in den operationellen Programmen
dargestellt ist.
Integrative Strategien für intelligente Spezialisierung
(RIS3 – engl. Research and Innovation Strategies for
Smart Specialisation) sind die Antwort der EU auf
komplexe Entwicklungsherausforderungen. Die Entwicklung solcher Strategien auf mitgliedstaatlicher und
bzw. oder regionaler Ebene ist in der Programmperiode
2014–2020 zu einer verbindlichen Vorbedingung für
die Zuweisung der Mittel der ESIF der EU-Kohäsionspolitik gemacht worden.
Die ESIF umfassen in Deutschland den Europäischen
Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), den Europäischen Sozialfonds (ESF), den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums
(ELER) und den Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF).
Intelligente Spezialisierung steht für die Ermittlung
der Alleinstellungsmerkmale eines Landes oder einer
Region, das Herausstellen der Wettbewerbsvorteile der
einzelnen Regionen und die Mobilisierung von regionalen Akteuren und Ressourcen für eine exzellenzorientierte Vision für die Zukunft. In Deutschland ist die
Hightech-Strategie der Bundesregierung die RIS3 auf
Bundesebene. Die Hightech-Strategie erfüllt demnach
die sogenannte Ex-ante-Konditionalität für das FuEZiel auf Bundesebene.
Die stärkere strategische Abstimmung der Programme
für Forschung und Innovation soll zu einer engeren
Verknüpfung der Maßnahmen in und zwischen einzelnen Projekten führen, sei es durch vorgeschaltete
Maßnahmen der ESIF mit dem Ziel einer besseren
Beteiligung an Horizont 2020 (z. B. durch Ausbau der
Forschungs- und Innovationskapazitäten – sogenannte
Upstream-Maßnahmen), sei es durch Maßnahmen der
ESIF auf Grundlage neuen Wissens oder zur Anwendung von Technologien in einer Region (sogenannte Downstream-Maßnahmen). So können sich die
Investitionen in Forschung und Innovation ergänzen
und gegenseitig verstärken, auch über regionale und
nationale Grenzen hinweg.

293

Der besseren Koordinierung der verfügbaren Instrumente der EU-Forschungs- und -Innovationspolitik
kommt künftig eine zentrale Rolle zu. In Deutschland
startete deshalb 2014 der Bund-Länder-Dialog zur
Stärkung von Synergien zwischen Horizont 2020 und
den ESIF. Mit der regelmäßig tagenden Arbeitsgruppe
wird der in der Partnerschaftsvereinbarung zwischen

Projektbeispiel: Ausschreibung des
Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW:
„Brückenbildung zwischen Horizont
2020 und den Strukturfonds“

Ziel der Dienstleistung zur „Brückenbildung“ ist es,
Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen systematisch und noch nachhaltiger entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu
verzahnen und zu unterstützen. Dabei sollen Synergiepotenziale regional wie europäisch identifiziert
werden, um geeignete Maßnahmen zur Erreichung
der in der RIS3 des Landes geforderten Ziele zu entwickeln und zu etablieren.
Als konkrete Schritte zur Brückenbildung zwischen
Horizont 2020 und den Strukturfonds sollen sowohl
Maßnahmen zum Aufbau von Forschungs- und
Innovationskapazitäten (upstream) als auch zur
Verbesserung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verwertung von Forschungsergebnissen
(downstream) aus Horizont 2020 durchgeführt
werden.
Das dreijährige Vorhaben wurde durch den vom
BMBF vorgeschlagenen und in der Partnerschaftsvereinbarung zwischen Deutschland und der
Europäischen Kommission festgelegten BundLänder-Dialog zur Stärkung von Synergien zwischen
Horizont 2020 und den ESIF angeregt. Die Ausschreibung ist die bundesweit erste Maßnahme dieser Art auf Landesebene. Sie kann auch europaweit
beispielgebend sein für die operative Umsetzung
der geforderten Synergien zwischen den beiden
Programmbereichen.

294 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Weitere Informationen im Internet:

Partnerschaftsvereinbarung zwischen Deutschland und der Europäischen Kommission:
www.bmwi.de/DE/Themen/Europa/Strukturfonds/foerderperiode-2014-2020.html
Europäische Kommission – Regional Dimension
of Innovation: ec.europa.eu/research/regions/
index_en.cfm?pg=home&lg=en
(nur auf Englisch verfügbar)
Europäische Kommission – Leitfaden Synergien
für Programmplaner: ec.europa.eu/regional_policy/sources/docgener/guides/synergy/synergies_en.pdf
Europäische Kommission – Leitfaden Synergien
für Antragstellende: ec.europa.eu/regional_policy/sources/docgener/guides/synergy/synergies_
beneficiaries_de.pdf
Europäische Kommission – Smart Specialisation
Platform: s3platform.jrc.ec.europa.eu
(nur auf Englisch verfügbar)
BMBF – Bund-Länder-Dialog zur Stärkung von
Synergien zwischen Horizont 2020 und den ESIF:
www.eubuero.de/regionen-dialog-eu-synergien.
htm
Portal des EU-Büros des BMBF zu den EU-Synergien: www.EU-Synergien.de
Handlungskonzept der Landesregierung in
NRW zu Horizont 2020 im Kontext der Europa
2020-Strategie und der Leitinitiative Innovationsunion: www.wissenschaft.nrw.de/fileadmin/Medien/Dokumente/Forschung/F%C3%B6rderung/
EU_Forschungs-_und_Innovationsfoerderung/
Handlungskonzept_NRW.pdf
Innovationsstrategie NRW: www.wissenschaft.
nrw.de/eu-strukturfonds/regionale-innovationsstrategie

Deutschland und der Europäischen Kommission für
die ESIF verabredete „nationale Koordinierungsmechanismus für Kooperation und Dialog zwischen den
beteiligten Akteuren“ umgesetzt. Die Bund-LänderArbeitsgruppe besteht aus Vertretern von BMBF und
BMWi auf Bundesebene; auf Länderebene sind die für
die ESIF und Horizont 2020 zuständigen Ministerien
vertreten. Partner im Dialog sind zudem wichtige
Multiplikatoren und Beratungseinrichtungen wie
die Nationalen Kontaktstellen für Horizont 2020. Der
Prozess hat zum Ziel, die strategische und kohärente
Ausgestaltung der Programme zu unterstützen und für
mehr Transparenz bezüglich der Antragsmöglichkeiten
in den Bereichen Forschung und Innovation zu sorgen.

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

295

2.6	 Schwerpunkte der bi- und multilateralen
Zusammenarbeit in Europa
Die bi- und multilaterale Zusammenarbeit in Wissenschaft, Forschung und Innovation mit europäischen Staaten ist für
Deutschland weiterhin von zentraler Bedeutung. Ziele sind sowohl die Intensivierung und Verstetigung der bilateralen
Kooperation als auch die Stärkung des gemeinsamen Engagements im und für den Europäischen Forschungsraum.

Wie hoch der Stellenwert für die deutsche Wissenschaftsgemeinde ist, verdeutlicht beispielsweise die
BMBF-Initiative zur Internationalisierung von Spitzenclustern, Zukunftsprojekten und vergleichbaren Netzwerken: Von den elf prämierten Bewerbungsskizzen der
ersten Wettbewerbsrunde 2015 adressieren allein sechs
Forschungsansätze Kooperationen mit europäischen
Partnern (siehe auch III 2 Vernetzung und Transfer).
Mit seinem Engagement setzt das BMBF die entsprechenden Ziele der nationalen EFR-Strategie und des
BMBF-Aktionsplans Internationale Kooperation um
und trägt maßgeblich zur Umsetzung des Koalitionsvertrages sowie zu den makroregionalen Strategien
der EU für den Donau- und Ostseeraum bei. Gemeinsame Initiativen und die Identifikation von Themen
gemeinsamen Interesses – insbesondere bei der neuen
Hightech-Strategie und dem EU-Rahmenprogramm
für Forschung und Innovation Horizont 2020 – stärken
darüber hinaus die europäische Strategieentwicklung
und fördern die Gestaltung des Europäischen Forschungsraums.
Die bilaterale Zusammenarbeit unterstützt den Aufund Ausbau partnerschaftlicher Beziehungen zwischen
den Forschungs- und Innovationsakteuren, ermöglicht
Abstimmungsprozesse und stärkt die Entstehung von
Synergien zwischen unterschiedlichen Programmen
sowie in Projekten und zwischen Partnerinnen und
Partnern. Die Länder West- und Nordeuropas zählen zu
den innovations- und forschungsstarken Staaten. Sie
sind zum einen im direkten Dialog und Erfahrungsaustausch, zum anderen im Rahmen der makroregionalen
Strategien der EU besonders wichtige Partner.
Vereinbarungen im Rahmen von Regierungskonsultationen (z. B. Polen, Israel, Niederlande) bzw.
Ministerräten (Frankreich) dienen der spezifischen
Maßnahmenplanung in der bilateralen Forschungs-,

Innovations- und Berufsbildungszusammenarbeit. Mit
der Tschechischen Republik weist der 2015 vereinbarte
Strategische Dialog den Weg für die bilaterale Zusammenarbeit in den nächsten Jahren. In der Zusammenarbeit mit Griechenland ist das Deutsch-Griechische
FuE-Programm die wichtigste Säule.
Zur Stärkung der Kooperation mit europäischen
Partnerländern fördert das BMBF die Netzwerkbildung
und Forschungszusammenarbeit, richtet gemeinsame
Forschungs- und Innovationsforen (z. B. Frankreich
2014) sowie vergleichbare Veranstaltungsformate (z. B.
Tschechische Republik 2015) aus und ist auf internationalen Leitmessen (z. B. Polen, Tschechische Republik)
vertreten.
Als förderpolitische Instrumente nutzt das BMBF
primär regional (vor allem auf Mittelost- und Südosteuropa) ausgerichtete Bekanntmachungen, die in
zunehmendem Maße auch für die Beteiligung der
Partnerländer geöffnet werden. Diese Bekanntmachungen fokussieren sowohl den Auf- und Ausbau
von Netzwerken im Rahmen makroregionaler EUStrategien (Donauraum/Ostseeraum) als auch die
Vorbereitung von Projektanträgen in weiterführenden europäischen Programmen, vor allem Horizont
2020. Seit 2015 ergänzt ein Fokus auf die strukturelle
Kooperation von FuE-Einrichtungen dieses Portfolio.
Die Förderbekanntmachungen verfügen über einen
spezifisch europäischen Bezug: Sie sind anschlussfähig
in europäischen Programmen, berücksichtigen im
Bedarfsfall die Forschungs- und Innovationsstrategien
der intelligenten Spezialisierung (RIS3) und ermöglichen damit auch verstärkt die Nutzung der Mittel der
Europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESIF)
der EU-Kohäsionspolitik (siehe auch V 2.5 Der Beitrag
der EU-Kohäsionspolitik zu Forschung und Innovation).

296 	

Große Bedeutung hat auch das Engagement des BMBF
in europäischen regionalen Netzwerkprojekten, die
der Koordinierung von Forschungspolitiken mit den
Ländern des Donauraums und des westlichen Balkans
dienen.

Die Integration der mittelost- und
südosteuropäischen Staaten in den
Europäischen Forschungsraum
Die Zusammenarbeit mit den mittelost- und südosteuropäischen Staaten steht im Zeichen des Ausbaus des
EFR, der Innovationsunion sowie der Erweiterung und
des Zusammenwachsens der EU. Mit seinen Instrumenten der Zusammenarbeit trägt das BMBF dazu
bei, die Internationalisierung und Europaorientierung
deutscher Einrichtungen zu stärken und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Deutschland leistet
damit, wie im Koalitionsvertrag für die 18. Legislaturperiode formuliert, über gemeinsame Forschungs- und
Entwicklungsprojekte einen wesentlichen Beitrag zur
weiteren europäischen Integration dieser Staaten. Es
trägt damit zur Stärkung der Leistungsfähigkeit des
EFR als Motor für Europas Zukunftsfähigkeit insgesamt
bei.
Wie in der nationalen EFR-Strategie vorgesehen,
zielen die Maßnahmen des BMBF auf die intelligente
Verzahnung nationaler, bilateraler und europäischer
Forschungspolitiken. Mit den Kooperationsansätzen
werden die entsprechenden Ziele der nationalen EFRStrategie (vor allem Priorität 2.1 „Optimale länderübergreifende Zusammenarbeit und entsprechender
Wettbewerb“ und Priorität 1 „Effektivere nationale
Forschungssysteme“) und des BMBF-Aktionsplans
Internationale Kooperation (Zielfelder 1 und 2) umgesetzt. Darüber hinaus leistet das BMBF einen maßgeblichen Beitrag zur Umsetzung der makroregionalen
Strategien der EU im Donau- und Ostseeraum sowie
der Initiativen der EU in der Forschungs- und Innovationspolitik (Spreading Excellence and Widening
Participation/Komplementarität zu Teaming/Twinning
auf EU-Ebene).
Mit der Fördermaßnahme Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittel-, Ostund Südosteuropa wurde von 2004 bis 2013 in über

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

130 bi- und multilateralen Projekten gemeinsam an
innovativen Lösungen gesellschaftlicher Herausforderungen (z. B. auf den Feldern Klima, Nachhaltigkeit
und Umwelt, Gesundheitsforschung und Medizintechnik, Informations- und Kommunikationstechnologien, Nanotechnologien und Materialforschung)
geforscht. An die geänderten Rahmenbedingungen
angepasst, setzt das BMBF mit der bis Ende 2017
laufenden Bekanntmachung Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittelostund Südosteuropa sein Engagement für die Region
nachdrücklich fort.
Mit der Ende 2014 veröffentlichten Fördermaßnahme Auf- und Ausbau gemeinsamer Forschungsstrukturen in Europa fokussiert das BMBF die strukturelle
Komponente der Kooperation. 15 Projekte wurden
aus 117 eingereichten Projektskizzen ausgewählt.
Thematische Schwerpunkte liegen in den Bereichen
Klima, Nachhaltigkeit und Umwelt sowie Gesundheitsforschung und Medizintechnik. Als Zielländer
sind besonders die Tschechische Republik mit fünf
und Polen mit drei Projektbeteiligungen zu erwähnen.

Austausch unter Projektleitern
BMBF-geförderter Projekte
mit mittelost- und südosteuropäischen
Ländern

Die Evaluierung von Fördermaßnahmen ist für das
BMBF von großer Bedeutung: Der Erfahrungsaustausch zwischen und mit geförderten Projekten ist
unabdingbar, um weitere Fördermaßnahmen gezielt
aufsetzen zu können. In diesem Kontext fand am
21. und 22. Oktober 2015 in Bonn auf Einladung
des BMBF eine Veranstaltung mit über 60 Koordinatorinnen und Koordinatoren von Kooperationsprojekten (gefördert zwischen 2005 und 2014) mit
mittelost- und südosteuropäischen Staaten statt.
Die Veranstaltung bestätigte die Notwendigkeit und
den Nutzen des BMBF-Engagements und lieferte
wichtige Impulse für die weitere Zusammenarbeit
mit der Region.

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Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

Als größtes mittelosteuropäisches Land ist Polen
das häufigste Partner-/Zielland in diesen Fördermaßnahmen. Thematisch liegt der Schwerpunkt der Projekte
mit polnischer Beteiligung in den Themenbereichen
Energieforschung, Umweltforschung und -technologien,
Gesundheitsforschung, Biotechnologie sowie Informations- und Kommunikationstechnologien.
Unter dem Eindruck der aktuellen gesellschaftlichen
und politischen Herausforderungen der Westbalkanstaaten entwickelt das BMBF seinen Kooperationsansatz mit dieser Region weiter. Ziel ist es, die Region
zu stabilisieren und in den EFR zu integrieren. Dabei
adressiert das BMBF insbesondere die spezifischen regionalen Herausforderungen. Deutsche Einrichtungen
und Unternehmen sollen außerdem die Möglichkeit
erhalten, neue Kooperationspotenziale in und mit der
Region zu erschließen. Hierzu richtete das BMBF im
Oktober 2015 einen Runden Tisch „Kooperation mit
den Westbalkanstaaten (WBC)“ für Stakeholder aus
Politik und Wissenschaft ein und erarbeitet derzeit ein
Kooperationskonzept für die Region.

Die EU-Donauraumstrategie
als zentrale europäische Regionalstrategie
Der Donauraum1 verbindet Länder mit sehr unterschiedlicher Wirtschafts- und Innovationskraft. Gerade
im Wissensdreieck von Innovation, Forschung und Bildung wird das Gefälle zwischen West-Ost bzw. den Ländern am Donauober- und Donauunterlauf besonders
deutlich. Die EU-Donauraumraumstrategie (EUSDR)
bietet den makroregionalen Rahmen für die Initiativen
des BMBF. Forschung, Innovation und Bildung nehmen
darin einen zentralen Platz ein: Prioritätsachse 7 befasst
sich mit der „Entwicklung der Wissensgesellschaft durch
Forschung, Bildung und Informationstechnologien“.
Das BMBF hat seine Aktivitäten im Donauraum im Kontext der Verabschiedung der EUSDR im Jahr 2011 intensiviert. Im Juli 2012 lud die damalige Bundesministerin
1	 Von den 14 Donauanrainerstaaten gehören neun zur EU (Deutschland, Österreich, Slowakei, Slowenien, Ungarn, Tschechische Republik, Bulgarien, Rumänien und Kroatien). Neben den drei offiziellen
EU-Beitrittskandidaten Bosnien und Herzegowina, Montenegro
sowie Republik Serbien sind die Republik Moldau und die Ukraine
beteiligt.

297

Annette Schavan die Bildungs- und Forschungsminister
der weiteren Donauländer nach Ulm zu einer Konferenz zur Abstimmung gemeinsamer Initiativen für den
Donauraum ein. 2012 und 2014 fanden mehrere Treffen
einer Ulm-Nachfolgegruppe auf Arbeitsebene statt.
Neben Bestandsaufnahmen über regionale Projektaktivitäten und nationale Förderinstrumente führte die so
intensivierte Diskussion zur Klärung von gemeinsamen
Forschungsförderangeboten. Vorläufiger Höhepunkt
dieser Abstimmungen ist die Kofinanzierung der 2.
BMBF-Donauraumbekanntmachung 2015 durch die drei
Donauländer Ungarn, Moldau und Serbien.
Dem EU-Ziel der Integration von FuE zwischen Donauoberlauf- und -unterlaufländern war bereits die erste
Donauraumbekanntmachung des BMBF 2013 gewidmet. Gerade Länder wie Rumänien und Serbien am
Unterlauf gehören zu den gefragtesten Partnerländern
in den FuE-Netzwerkprojekten deutscher Koordinatoren. Unterstützt werden vor allem Vorhaben in den
Bereichen Klima/Umwelt, Gesundheitsforschung und
Produktionstechnologien. Mehr als die Hälfte der 2014
gestarteten Projekte gehen in eine zweite Förderphase,
um gemeinsame Anschlussanträge mit den Donaupartnern insbesondere für Horizont 2020-Projekte stellen
zu können.
Das BMBF-Engagement bei der Umsetzung der EU-Donauraumstrategie zeigt sich darüber hinaus auch durch
Beteiligung an einer von Österreich geleiteten Arbeitsgruppe zur Diskussion über Netzwerk-Fördermöglichkeiten. Ebenso beteiligt sich das BMBF an den Treffen
der Steering Group der Prioritätsachse 7 (Entwicklung
der Wissensgesellschaft) der EU-Donauraumstrategie.
Im Januar 2014 startete ferner das Danube-INCO.NET,
ein europäisches Netzwerkprojekt zur Koordinierung
von FuE-Politiken im Donauraum.

Bilaterale Zusammenarbeit
mit Frankreich
Frankreich ist unter den EU-Staaten der wichtigste
Partner Deutschlands. Die bilaterale Kooperation
hat dabei einen besonderen Stellenwert. Intensive
Beziehungen werden auf vielfältigen Gebieten und
auf unterschiedlichen Ebenen, zwischen Ministerien
sowie Forschungs- und Wissenschaftsorganisatio-

298 	

nen und in der konkreten Projektzusammenarbeit
gepflegt. Die Koordinierung der Zusammenarbeit
auf Regierungsebene erfolgt in den Deutsch-Französischen Ministerräten.
Im Rahmen des 16. Deutsch-Französischen Ministerrats im Februar 2014 in Paris haben sich Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und ihre
französische Amtskollegin Najat Vallaud-Belkacem
darüber verständigt, die deutsch-französische Zusammenarbeit weiter zu vertiefen. Die dort verabschiedete
deutsch-französische Erklärung enthält Maßnahmen
in den Bereichen Energie, Bildung, Hochschulbildung, Berufsbildung und Forschung (insbesondere
Gesundheit und Geisteswissenschaften mit besonderem Augenmerk auf inter- und transdisziplinärer
Forschung sowie Transfer der Forschungsergebnisse
in die Industrie).
Im März 2015 fand in Berlin der 17. Deutsch-Französische Ministerrat statt, bei dem die weitere Festigung
der Zusammenarbeit in Bildung, Forschung, Berufsbildung und Innovation bekräftigt wurde. Anlässlich
dieses Treffens unterzeichneten die Ministerinnen
beider Länder die Vereinssatzung für das Centre
Marc Bloch (CMB). Dieses interdisziplinäre deutschfranzösische sozialwissenschaftliche Zentrum dient
der gemeinsamen Forschung und der Ausbildung von
Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern. Das CMB erhielt eine eigene Rechtspersönlichkeit
als eingetragener Verein und soll sich zu einer binationalen Forschungseinrichtung mit gemeinsamer
Organisationsstruktur entwickeln. In diesem Rahmen
wurde auch das Deutsch-Französische-Abkommen
über die Anerkennung von Abschlüssen, Graden und
Studienzeiten im Hochschulbereich unterzeichnet,
was die Mobilität von Wissenschaftlern und Forschern
erleichtert.
Von herausragender Bedeutung in der bilateralen
Kooperation sind die seit 2002 stattfindenden Foren
zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation.
Aufgabe der Foren ist es, auf hochrangiger Ebene eine
Abstimmung über forschungs- und innovationspolitische Strategien und Prioritäten Deutschlands und
Frankreichs zu erreichen. So fand im Dezember 2014
in Paris das fünfte gemeinsame Forschungsforum statt
(siehe auch Infobox 5. Forum zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation).

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

5. Forum zur Deutsch-Französischen
Forschungskooperation

Nach vier vorangegangenen Forschungsforen in
Paris (2002, 2008), Potsdam (2005) und Berlin
(2011) fand im Dezember 2014 das fünfte Forum
in Paris statt. Bei diesem Anlass unterzeichneten
die Bundesforschungsministerin Johanna Wanka
und ihre französischen Amtskollegin Najat VallaudBelkacem ein gemeinsames Kommuniqué. Es hält
die Themenschwerpunkte der bilateralen Kooperation für die nächsten Jahre fest: Energieforschung,
IT-Sicherheitsforschung sowie die Geistes- und
Sozialwissenschaften.
Rund 150 Expertinnen und Experten zahlreicher Forschungs- und Förderorganisationen aus
Deutschland und Frankreich nahmen am Forschungsforum teil. Zunächst wurden erfolgreiche
Ergebnisse ausgewählter gemeinsamer Aktionen
und Perspektiven vorgestellt, darunter das Projekt
„Saisir l‘Europe“ (Herausforderung Europa), die
Untersuchung von Patientenkohorten, die Kooperation Carnot – Fraunhofer sowie Grüne und Weiße
Biotechnologien. Im Rahmen eines Runden Tisches
wurden im Anschluss daran neue Prioritäten der
deutsch-französischen Forschungskooperation
unter den Expertinnen und Experten und mit
dem Publikum diskutiert. Dies betraf die Bereiche
Energieforschung, IKT-Sicherheit und Sozial- und
Geisteswissenschaften.
Weitere Themen waren die Vorbereitungen der
Weltklimakonferenz COP21, die Ende 2015 in Paris
stattfand, sowie laufende Initiativen der deutschfranzösischen Arbeitsgruppe „Klima und Umwelt“.
Auch die intensive Zusammenarbeit auf europäischer Ebene wurde thematisiert, insbesondere mit
Blick auf die gemeinsame Führungsrolle beider
Länder bei der strategischen Ausgestaltung des
Europäischen Forschungsraums.

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

Ein weiteres wichtiges Element der Kooperation ist der
gemeinsame Maßnahmenplan, der von einer deutschfranzösischen Expertengruppe in Vorbereitung auf den
Deutsch-Französischen Ministerrat 2012 erarbeitet
wurde. Er umfasst die Bereiche Forschung, institutionelle Kooperation, Berufsbildung und Jugendzusammenarbeit. Aktuell werden drei Themen vorrangig
behandelt: Energieforschung, IT-Sicherheitsforschung
sowie geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung.
Im Übrigen geht er auf die existierenden Kooperationen in den Bereichen Gesundheit, Grüne und
Weiße Biotechnologien/Bioökonomie, Umwelt- und
Klimaforschung, nichtenergetische Rohstoffe, Batterieforschung, Informationstechnik, Zivile Sicherheitsforschung sowie auf die trilaterale Kooperation
mit Afrika und den Bereich Großgeräte ein. Das
Deutsch-Französische Sekretariat für den Austausch
in der beruflichen Bildung (DFS) ist eine binationale
Einrichtung, die im Rahmen des deutsch-französischen
Austauschprogramms die Mobilität von jungen Menschen und Erwachsenen in der beruflichen Aus- und
Weiterbildung in das jeweilige Partnerland unterstützt.
Das Austauschprogramm wird seit 1980 durchgeführt
und vom BMBF gemeinsam mit dem französischen
Bildungs- und dem Arbeitsministerium finanziert.

Weitere Informationen im Internet:

Deutsch-Französisches Sekretariat:
www.dfs-sfa.org

299

Die Außenministerien beider Länder vereinbarten
im Juli 2015 einen Strategischen Dialog, in dem die
weitere Zusammenarbeit bis 2017 in Themenfeldern
wie Außen- und Europapolitik, Bildung, Forschung und
Entwicklung, Energie, Klima- und Umweltschutz abgestimmt wurde. Als vorrangige Ansatzpunkte im Bereich
Forschung und Entwicklung sind Erfahrungsaustausch
auf Ministeriumsebene, Zusammenführung von wechselseitigen Finanzierungsmöglichkeiten und Austausch
von FuE-Expertinnen und -Experten vereinbart.
Sichtbarstes Ergebnis der verstärkten FuE-Zusammenarbeit beider Länder war die erste bilaterale Konferenz
zu Forschungsinfrastrukturen am 19. und 20. Februar
2015 in Prag. Über 100 Expertinnen und Experten aus
beiden Ländern tauschten sich in den drei Themenfeldern Materialphysik, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Umweltforschung aus und
verabredeten weitere Kooperationen. Beide Ministerien
vereinbarten Folgeveranstaltungen ab 2016 in Deutschland und der Tschechischen Republik zu Themen wie
Gesundheitsforschung und Materialwissenschaften.
Das BMBF ist bereits seit 2011 gemeinsam mit deutschen Forschungsakteuren in der Zusammenarbeit mit
der Tschechischen Republik engagiert. 2014 gab es, wie
schon in den vorangegangenen Jahren, einen Gemeinschaftsstand auf der Internationalen Maschinenbaumesse Brünn. Die 13 Unterausteller präsentierten
Forschung und Innovation in den Bereichen Maschinenbau, Schlüsseltechnologien für Bergbau, Umweltschutz, Medizin und Gebäudetechnik.

Bilaterale Zusammenarbeit
mit Griechenland
Bilaterale Zusammenarbeit
mit der Tschechischen Republik
Zu einer engen nachbarschaftlichen Kooperation haben sich die Beziehungen zur Tschechischen Republik
entwickelt. Arbeitstreffen 2013 und 2014 bereiteten
den Boden für intensivierte Beziehungen zwischen
den Bildungs- und Forschungsministerien. Weitere
hochrangige Treffen 2015 in Prag und Bonn vertieften
den Dialog.

Seit dem Jahr 2010 hat sich die Zusammenarbeit
zwischen Deutschland und Griechenland deutlich
intensiviert. Basierend auf der Deutsch-Griechischen
Partnerschaftsinitiative vom 5. März 2010 kam es zu
einer Reihe von Aktivitäten, die die Zusammenarbeit in
Forschung und Bildung ausbauten und weiter stärkten.
Von herausgehobener Bedeutung sind die 2014 im
Rahmen des Deutsch-Griechischen FuE-Programms
gestarteten bilateralen Projekte (siehe auch Infobox
Greek-German Days on Research, Innovation & Young

300 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Greek-German Days on Research,
Innovation & Young Scientists (09./10.
Dezember 2015 in Athen)

Scientists). Gefördert wurden insgesamt 23 Kooperationen in den Fachbereichen Energie, Nanotechnologie,
Digitalisierung von personennahen Dienstleistungen
und IKT-Anwendungsdienstleistungen, Geistes- und
Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Finanz- und
Wirtschaftskrise, Gesundheitsforschung, Bioökonomie
und Photonik.
Ergänzend zu diesen Maßnahmen im Bereich der Forschung hat das BMBF auch in der beruflichen Bildung
die Kooperation mit Griechenland vorangetrieben.
Im April 2013 haben die beiden Länder im Rahmen
der bilateralen deutsch-griechischen Kooperationsvereinbarung zur Berufsbildung eine Arbeitsgruppe
eingerichtet, die aus Vertreterinnen und Vertretern der
jeweiligen Ministerien, von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie Kammern und Berufsbildungsexpertinnen und-experten besteht. Darüber hinaus fördert
das BMBF mit dem Projekt Mentoring Dual International seit dem 1. September 2013 die Implementierung
einer betriebsorientierten Ausbildung innerhalb des
griechischen Tourismussektors in drei verschiedenen
Berufen.

Der Parlamentarische Staatssekretär im BMBF, Thomas Rachel, und der griechische Stellvertretende
Minister für Forschung, Prof. Costas Fotakis, eröffneten am 09. Dezember 2015 in Athen die Griechisch-Deutschen Forschungs- und Innovationstage. Während der zweitägigen Veranstaltung mit
rund 190 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden
sowohl eine Bilanz des ersten Deutsch-Griechischen
Forschungs- und Innovationsprogramms gezogen
und es wurden die Perspektiven eines Nachfolgeprogramms besprochen. Beide Staaten einigten sich
darauf, das Programm mit einer Neuauflage fortzusetzen. Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung
war die Posterpräsentation der 23 Projekte durch
den beteiligten wissenschaftlichen Nachwuchs sowie die Prämierung der drei besten Präsentationen
durch den Parlamentarischen Staatssekretär Rachel
und Vizeminister Fotakis, die Vorstellung von
Fördermöglichkeiten für Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler durch deutsche und griechische
Mittlerorganisationen und Best-practice-Beispiele
im Bereich von Wissens- und Innovationstransfer.

Im Rahmen des Deutsch-Griechischen-Zukunftsfonds
werden seit 2014 verstärkt Forschungsprojekte zur Darstellung und Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte in beiden Ländern gefördert.

EU-Drittstaatenkooperation
In dem sich rasch wandelnden Umfeld der globalen
Wissenschaftslandschaft ist es von enormer Bedeutung, dass die EU, Deutschland und die anderen
Mitgliedstaaten ihre Zusammenarbeit mit Drittstaaten
untereinander abstimmen. Die internationale Dimension ist ein elementarer Baustein bei der Umsetzung des
Europäischen Forschungsraums.
Die Bundesregierung nutzt konsequent die Chancen
der internationalen Zusammenarbeit. Dabei spielt
der europäische Rahmen eine stetig wachsende Rolle.
Deutschland gestaltet europäische Drittstaatenkooperation aktiv mit, bringt Präferenzen ein und nutzt dabei
die Steuerungsmechanismen der EU auf drei verschiedenen Wegen:

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

1.		 Beteiligung an forschungspolitischen Koordinierungsinstrumenten der EU
	 Die forschungs- und innovationspolitischen Koordinierungsinstrumente des 7. Forschungsrahmenprogramms haben das Ziel, die Zusammenarbeit
der Mitgliedstaaten und assoziierten Staaten mit
ausgewählten Staaten und Regionen sowie die Abstimmung von Aktivitäten zwischen den Mitgliedstaaten zu stärken. Um nationale Interessen bei der
Ausgestaltung der externen Dimension des Europäischen Forschungsraums einzubringen, beteiligt
sich das BMBF seit 2012 an etwa 40 horizontalen
Projektkonsortien mit internationalem Fokus, so
z. B. auch bei allen horizontalen ERA-NET-Maßnahmen. Die Beteiligung des BMBF bei Projekten zur
EU-Drittstaatenkooperation wird in Horizont 2020
fortgeführt.
2.		 Strategieforum für internationale FuE-Zusammenarbeit
	 Das Strategieforum zur internationalen FuEZusammenarbeit (SFIC) wurde 2008 als Empfehlungsgremium für den Rat und die EU-Kommission
eingerichtet. SFIC-Mitglieder sind auf gleichrangiger
Ebene die Mitgliedstaaten und die EU-Kommission.
Die assoziierten Länder sind als Beobachter beteiligt.
Aufgaben des SFIC sind der verbesserte Informationsaustausch zur internationalen Zusammenarbeit
in Europa sowie die Initiierung gemeinsamer Initiativen der EU und der EU-Mitgliedstaaten gegenüber
Drittstaaten. Dabei bringt sich SFIC mehr und mehr
in die politischen Dialogprozesse und WTZ-Verhandlungen der EU ein.
3.		 Beteiligung der Mitgliedstaaten an internationalen
Vereinbarungen der EU
	 Die Beteiligung der Mitgliedstaaten an internationalen Vereinbarungen der EU zu Forschung und
Innovation erfolgt zum einen durch Treffen von hohen Beamten (SOMs – engl. Senior Official Meetings)
und zum anderen bei der Planung und Umsetzung
von WTZ-Abkommen der EU. Bei den SOMs handelt
es sich um politische Dialoge, bei denen Vertreterinnen und Vertreter der EU und Mitgliedstaaten mit
Drittstaaten oder Weltregionen gemeinsame Maßnahmen diskutieren und beschließen sowie deren
Umsetzung begleiten.

301

Auf EU-Ebene werden politische Dialoge mit folgenden
Regionen geführt: Lateinamerika und Karibik, ASEANStaaten (engl. Association of South East Asian Nations),
Staaten der Afrikanischen Union, Indien, Staaten des
Westlichen Balkans, Staaten der Euro-Mediterranen
Partnerschaft sowie Staaten der Östlichen Partnerschaft.
Als Beispiel eines erfolgreichen SOMs gilt der Prozess
zur Umsetzung der Gemeinsamen Initiative für Forschung und Innovation (JIRI – engl. Joint Initiative for
Research and Innovation) – beschlossen durch den
EU-Lateinamerika-Karibik-Gipfel im Mai 2010. Der
JIRI-Prozess gliedert sich in fünf Arbeitsgruppen und
wird durch eine Reihe von EU geförderten forschungspolitischen Koordinierungsmaßnahmen unterstützt.

302 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

3	 Weltweite Zusammenarbeit
Die deutsche Forschungslandschaft und ihre Akteure sind traditionell weltweit sehr gut vernetzt. Deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren und sind mobil und Forscher aus anderen Staaten sind regelmäßig zu Gast
in Deutschland. Dieser internationale Austausch nimmt in Breite und Tiefe rasch zu. Durch vielfältige Kooperationen
weltweit spielt Deutschland eine Schlüsselrolle in einer globalisierten Welt.

Deutschland hat mit zahlreichen Partnern weltweit
verlässliche Rahmenbedingungen für Kooperationen
geschaffen. Die Zusammenarbeit findet auf Ebene der
Regierungen, Verwaltungen und Mittlerorganisationen
ebenso statt wie auf Ebene der Forschungsorganisationen und Hochschulen. Dabei ist es in jedem Einzelfall
wichtig, sowohl die Besonderheiten der Partnerländer
als auch den jeweiligen deutschen Bedarf zu berücksichtigen. Dementsprechend variabel sind die Kooperationsinstrumente, die Deutschland in der Zusammenarbeit einsetzt und kontinuierlich weiterentwickelt.
Die deutsche Forschungs- und Innovationspolitik verfolgt das Ziel, in Ländern mit strategisch bedeutsamen
Wissenschafts- und Technologieressourcen besonders
präsent zu sein und mit diesen enge Kooperationsbeziehungen aufzubauen. Das betrifft zum einen die
Industriestaaten und zum anderen die Schwellenländer. Zunehmend relevant wird die Kooperation mit
ausgewählten Ländern, die rasch und dynamisch ihren
Entwicklungsstatus verbessern.
Die wichtigste Basis für bilaterale Kooperationen bilden Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen
Zusammenarbeit (WTZ) bzw. zur Zusammenarbeit in

der Berufsbildung. Mit einigen Schwerpunktländern
der internationalen Zusammenarbeit finden regelmäßige Regierungskonsultationen statt, bei denen Bildung
und Forschung eine zentrale Rolle spielen.
In der forschungs- und bildungspolitischen Zusammenarbeit mit Regionen in der Welt (ASEAN, MENA, African
Union, MERCOSUR) setzt Deutschland verstärkt auf
regionale Ansätze und speziell zugeschnittene Maßnahmen. Darüber hinaus nimmt Deutschland seine globale
Mitverantwortung wahr, indem es sein Know-how in
internationale Organisationen und Foren (z. B. OECD,
G7, WHO, UN), Programme und Initiativen einbringt.
Im Bereich Energieforschung ist eine intensive Zusammenarbeit im Rahmen eines Technologienetzwerks
der Internationalen Energie Agentur (IEA) etabliert,
in das rund 6.000 Expertinnen und Experten weltweit
eingebunden sind. Darüberhinaus ist während der 21.
UN-Klimakonferenz von 20 Staats- und Regierungschefs
eine weltweite Initiative Mission Innovation gestartet
worden, mit der die beteiligten Staaten die Ausweitung
der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und der
Kooperation im Thema „Saubere Energietechnologien“
betreiben wollen. Im Fokus steht dabei auch die Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft.

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

303

3.1	 Zusammenarbeit mit Industriestaaten
Die Zusammenarbeit mit Industriestaaten wird überwiegend durch das breite Engagement der Akteure aus Wissenschaft und Forschung getragen, die mit ihren Partnern in diesen Staaten besonders eng vernetzt sind. Attraktive Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit mit Industriestaaten bestehen durch die exzellente wissenschaftliche Basis
auf beiden Seiten, eine gemeinsam gepflegte Kultur der Mobilität und Offenheit sowie den Zugang zu starken Märkten.

Die Rolle der Politik besteht nicht in erster Linie in
der finanziellen Förderung, sondern vielmehr darin,
die Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit an
die jeweiligen Anforderungen anzupassen. Dies wird
z. B. über die Verabschiedung entsprechender Gesetze
erreicht oder durch die Unterzeichnung bilateraler
Absichtserklärungen, die eine gemeinsame strategische
Ausrichtung der Forschungspolitik vorsehen. Im Dialog
mit Partnern aus den Industriestaaten werden außerdem Grundfragen zur Weiterentwicklung des globalen
Wissenschaftssystems thematisiert, etwa zu Fragen des
Zugangs zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und zum
Umgang mit geistigem Eigentum.

Bilaterale Zusammenarbeit mit Israel
Der Zusammenarbeit mit Israel kommt aufgrund der
Geschichte ein besonderer politischer Stellenwert in
den internationalen Wissenschaftsbeziehungen zu. In
mehr als fünfzig Jahren hat sich eine vielfältige Kooperationsarchitektur in Forschung und Innovation
entwickelt (siehe auch Infobox Wissenschaft als Wegbereiter der diplomatischen Beziehungen). Herausragende
Themenfelder in der Zusammenarbeit mit dem israelischen Forschungsministerium sind Wassertechnologie,
Krebsforschung, Biotechnologie, Meeresforschung
und Zivile Sicherheitsforschung. Das BMBF und das
israelische Wirtschaftsministerium finanzieren zudem
gemeinsam das Deutsch-Israelische Programm zur
Zusammenarbeit in der Berufsbildung, das vor allem auf
Wissensaustausch und die Erhöhung der Mobilität von
Auszubildenden zielt. Das Programm wird auf deutscher
Seite von der Nationalen Agentur Bildung für Europa
beim BIBB umgesetzt. Das BMWi fördert im Rahmen
des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM)
mit dem israelischen Wirtschaftsministerium branchenund technologieoffene Forschung und Entwicklung von

KMU. Die deutsch-israelischen Kooperationsprojekte
führen zu neuen innovativen Produkten und effizienteren Verfahren, die die Wettbewerbsfähigkeit der
Unternehmen erhöhen. Neben der bilateralen Zusammenarbeit mit den israelischen Partnerministerien
tragen die Minerva-Stiftung, die Deutsch-Israelische
Stiftung für wissenschaftliche Forschung und Ent-

Wissenschaft als Wegbereiter
der diplomatischen Beziehungen

2015 feierten Deutschland und Israel den 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen.
Schon in den 1950er Jahren bauten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Max-PlanckGesellschaft Brücken des Vertrauens zwischen
beiden Ländern. So wurde die Wissenschaft zum
Wegbereiter für die zwischenstaatliche Annäherung. Ein Meilenstein für die Intensivierung der
Wissenschaftsbeziehungen war 2008 das bilaterale
Jahr der Wissenschaft und Technologie unter dem
Motto „Wissenschaft als Diplomatie des Vertrauens“. Heute zeigen nicht nur die jährlichen Regierungskonsultationen, dass beide Staaten auf allen
politischen Handlungsebenen enge partnerschaftliche Beziehungen pflegen. Forschung und Bildung
gehören nach wie vor zu den umfangreichsten und
produktivsten Kooperationsfeldern. Dem Jubiläumsjahr widmeten die Minerva-Stiftung, die DFG,
die Deutsch-Israelische Stiftung für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung, der Stiftungsfonds
Martin Buber-Gesellschaft, die Hochschulrektorenkonferenz, die VolkswagenStiftung und mehrere
Universitäten eigene Veranstaltungen.

304 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

wicklung, die Deutsch-Israelische Projektpartnerschaft
und der Stiftungsfonds Martin Buber-Gesellschaft der
Forschungsstipendiaten in den Geistes-, Kultur- und
Sozialwissenschaften zur Förderung gemeinsamer
deutsch-israelischer Forschung bei. Auch auf Ebene der
europäischen Rahmenprogramme für Forschung und
Innovation arbeiten deutsche und israelische Partner eng
zusammen: Deutschland war mit über 5.000 Ko-Publikationen im Zeitraum von 2010 bis 2014 und 679 gemeinsamen Projektbeteiligungen im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU Israels wichtigster Partner in Europa.

Weitere Informationen im Internet:

Deutsch-Israelische Zusammenarbeit in Bildung
und Forschung: www.cogeril.de
BMBF – Deutsch-Israelische Zusammenarbeit:
www.bmbf.de/de/1531.php

Zusammenarbeit mit Nordamerika
Die Wissenschaftskooperation mit den Vereinigten
Staaten und mit Kanada deckt das gesamte thematische Spektrum ab und wird vom breiten Engagement
der Universitäten, Forschungs- und Mittlerorganisationen und forschenden Unternehmen getragen. Im Jahr
2015 trugen einige neue Bausteine zu einer weiteren
Intensivierung der Zusammenarbeit mit diesen beiden
Industrieländern bei. Hervorzuheben ist das Max
Planck-University of Ottawa Centre for Extreme and
Quantum Photonics, das die Max-Planck-Gesellschaft
und die Universität Ottawa im Mai 2015 in Ottawa
eingerichtet haben. Um die Zusammenarbeit zwischen innovativen Netzwerken aus Deutschland und
Nordamerika zu verstärken, unterstützt das BMBF im
Rahmen des Programms zur Internationalisierung von
Spitzenclustern deutsche Cluster bei der Vernetzung
mit Partnern aus den USA und aus Kanada. Derzeit
kooperieren deutsche Cluster mit drei Partnern in den
USA und zwei Partnern in Kanada (siehe auch III 2 Vernetzung und Transfer). Die WTZ zwischen Deutschland
und den Vereinigten Staaten widmet sich zentralen Zu-

kunftsthemen, wie etwa der Frage, wie wir in der Stadtentwicklung auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit reagieren wollen. Neben dem
Thema Smart Cities standen bei der WTZ-Kommissionssitzung im Mai 2015 auch Themen wie Intelligente
Produktionsverfahren (Industrie 4.0), Elektromobilität,
Hochenergiephysik und Antibiotika-Multiresistenzen
im Fokus. Außerdem wurden sondierende Maßnahmen zur Intensivierung der Zusammenarbeit in den
Themengebieten Batterieforschung und Nanosicherheit durchgeführt. Deutsche Forschungseinrichtungen sind Einrichtungen in den USA zudem schon seit
Langem durch die intensive gemeinsame Nutzung von
Forschungsinfrastrukturen verbunden – insbesondere
in der physikalischen Grundlagenforschung. Die erste
transatlantische Vereinbarung im Bereich der beruflichen Bildung wurde im Juni 2015 zwischen dem BMBF,
dem BMAS und dem BMWi sowie den US Departments
of Labor, Commerce and Education unterzeichnet.
Innovation, Meeres- und Arktisforschung, Bioökonomie und Quanteninformationsforschung sind
Schwerpunktthemen der Zusammenarbeit mit Kanada. Außerdem ist Kanada ein strategischer Partner
Deutschlands bei der Entwicklung von Brennstoffzellen und zukunftsweisender Wasserstofftechnologie. In
den Neurowissenschaften kooperieren deutsche und
kanadische Wissenschaftler im Rahmen von multilateralen Fördermaßnahmen und Netzwerken. Auch bei
der Helmholtz-Alberta-Initiative spielt das Thema der
Neurodegenerativen Erkrankungen eine zunehmend
bedeutende Rolle. Weitere sichtbare Komponenten
der Kooperation sind zwei Fraunhofer-Projektzentren
zu den Themen Neue Werkshoffe und Regenerative
Medizin sowie die beiden Max-Planck-Zentren (neben
dem neuen Photonik-Zentrum in Ottawa das Center
for Quantum Materials, UBC Vancouver). Bei der WTZKommissionssitzung im Dezember 2015 standen die
Themen Neurowissenschaften und Industrie 4.0 sowie
die Kooperation der Spitzencluster und die Rolle der
KMU in der Forschung im Mittelpunkt.
Im Juni 2015 haben die Bildungs-, Wirtschafts- und
Arbeitsministerien Deutschlands und der USA eine
gemeinsame Absichtserklärung über eine vertiefte
Kooperation in der Berufsbildung unterzeichnet. Die
derzeitig in Entwicklung befindliche Arbeitsplanung
sieht unter anderem die Entwicklung und Erprobung
von betrieblichen Ausbildungsmodellen in Koopera-

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – Zusammenarbeit mit den Vereinigten
Staaten und Kanada: www.bmbf.de/de/1560.php

305

kolleg mit dem Thema Molekulare Pathogenese männlicher Reproduktionsstörungen zwischen der Universität
Gießen und der Monash University in Melbourne. In
diesem Programm forschen Doktoranden auch über
einen längeren Zeitraum beim ausländischen Partner.
Weitere Vorhaben dieser Art sind in Vorbereitung.

Internationales Büro – Vereinigte Staaten:
www.internationales-buero.de/de/usa.php
Internationales Büro – Kanada:
www.internationales-buero.de/de/kanada.php

tion mit Colleges sowie eine Kampagne zur Verbesserung des Images des Handwerks vor.

Bilaterale Zusammenarbeit
mit Australien
Australien bietet neben einer teilweise hervorragenden Wissenschaftslandschaft (3 % der weltweiten
Veröffentlichungen bei 0,3 ‰ der Weltbevölkerung;
Physik-Nobelpreis an Brian Schmidt 2012), Zugang
zu interessanten Forschungsobjekten. Ein wichtiger
Baustein der deutsch-australischen Zusammenarbeit ist
die Hochschulkooperation. Laut Hochschulkompass der
Hochschulrektorenkonferenz (HRK) existieren zurzeit
575 Kooperationsabkommen (Stand März 2016) zwischen
deutschen und australischen Universitäten. Im asiatischpazifischen Raum unterhalten deutsche Universitäten
nur mit China und Japan mehr Kooperationsabkommen.
Wichtigstes Instrument der Zusammenarbeit ist der
Austausch von Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftlern, dessen finanzielle Förderung in
erster Linie durch den DAAD erfolgt. Der DAAD konnte
das 2008 gestartete Austauschprogramm durch eine 2014
unterzeichnete Vereinbarung mit Universities Australia,
der Dachorganisation der australischen Universitäten,
mittlerweile auf mehr als 30 der insgesamt 39 australischen Universitäten ausdehnen. Australische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zählen, gemessen
an der Zahl der Bewerbungen, zu den erfolgreichsten
Antragstellerinnen und Antragstellern für die Programme der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH). Die
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert seit
Ende 2012 das erste deutsch-australische Graduierten-

Joint German-Australian Research
Group (JGARG) – Forschungsinfrastruktur in Australien

Im Rahmen der BMBF-Förderung zur Etablierung
von Forschungspräsenzen deutscher Hochschulen
im asiatisch-pazifischen Raum haben die Technische Universität Braunschweig und die University
of New South Wales in Sydney eine gemeinsame
Forschungsgruppe im Bereich der nachhaltigen Produktion aufgebaut. Durch die Präsenz in Australien
werden nachhaltige Partnerschaften – auch mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen (z. B. CSIRO – Commonwealth Scientific
and Industrial Research Organisation) ermöglicht.
Diese gehen weit über den Austausch von Forschenden und Studierenden und Projektarbeit hinaus.
Zukünftige ingenieurwissenschaftliche Lösungen
müssen globalen Herausforderungen Rechnung tragen, indem sie ökonomisch, ökologisch und sozial
verträgliche Produkte und Dienstleistungen bereitstellen. Zusätzlich sind regionale Gegebenheiten zu
berücksichtigen, um eine nachhaltige Entwicklung
zu ermöglichen. Vor diesem Hintergrund arbeitet
die Joint German-Australian Research Group an
Methoden und Werkzeugen sowie konkreten Lösungen für Nachhaltigkeit in der Produktion und ein
ganzheitliches Life Cycle Engineering (LCE).
Nach Auslaufen der Anschubfinanzierung durch das
BMBF trägt sich die Arbeitsgruppe durch die Einwerbung von Drittmitteln in Australien und Deutschland. Zu den bisherigen Erfolgen zählt neben dem
Austausch von Studierenden und Forschenden,
zahlreichen Projekten und Veröffentlichungen eine
gemeinsame Buchreihe „Sustainable Production, Life
Cycle Engineering and Management“.

306 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

3.2	 Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten
Die BRICS sind eine Assoziation der stark wachsenden Volkswirtschaften Brasiliens, Russlands, Indiens, Chinas und Südafrikas. Als bevölkerungsreiche sogenannte Emerging Economies verfolgen die Länder gemeinsame Interessen im globalen Kontext, vor allem in den Bereichen Wirtschaft und Finanzwesen. Wissenschaft, Technologie und Innovation sind in
ihrer gemeinsamen strategischen Ausrichtung prioritäre Kooperationsbereiche für Entwicklung und Wachstum. Die
Bundesregierung kooperiert erfolgreich mit jedem dieser wichtigen und sehr verschiedenen Staaten auf bilateraler Ebene.

Die nachfolgend aufgeführten Beispiele der bilateralen
Kooperation zeigen die Spezifika und die Bedeutung
der internationalen Aktivitäten des BMBF bei der Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten.

Brasilien
Brasilien ist für die Zusammenarbeit in Bildung und
Forschung das wichtigste Partnerland Deutschlands
in Lateinamerika. Die Schwerpunkte der bilateralen
Forschungszusammenarbeit liegen in den Bereichen
Umwelt, Nachhaltigkeit, Landnutzung, Wasser sowie
den Biowissenschaften. Bildung und Forschung
standen im Fokus der ersten Deutsch-Brasilianischen
Regierungskonsultationen im August 2015 in Brasília. Das BMBF unterzeichnete fünf gemeinsame
Erklärungen mit den brasilianischen Partnerressorts.
Neben der Intensivierung der bestehenden Kooperationsgebiete wurden darin die verstärkte Zusammenarbeit im Bereich Bioökonomie, Klimaforschung sowie
der Ausbau der Kooperation in der Meeresforschung
und in der Forschung zu wirtschaftsstrategischen
Rohstoffen vereinbart. Brasilien gehört in der neuen
BMBF-Initiative Internationale Partnerschaften für
nachhaltige Innovationen (CLIENT II) zu den prioritären Zielländern im Themenbereich Wirtschaftsstrategische Rohstoffe.
Brasilien verfügt über langjährige Erfahrung in der
Herstellung und Nutzung von Biotreibstoffen; das
Land bietet zudem großes Potenzial für die nachhaltige
Erzeugung von Biorohstoffen. Im Forschungsprogramm Bioökonomie International werden gemeinsam
mit brasilianischen Förderorganisationen Forschungsverbünde zu biogenen Rohstoffen und Energieträgern
gefördert.

Im brasilianischen Amazonasgebiet wurde 2015 das
deutsch-brasilianische Gemeinschaftsprojekt Atmosphärenmessturm ATTO (Amazonian Tall Tower Observation Facility) – ein 325 Meter hoher Turm aus Stahl –
eingeweiht. Mit hochempfindlichen Messgeräten wollen
Deutsche und Brasilianer den Zusammenhang zwischen
Klima, Atmosphärenchemie und dem Regenwald
beobachten. Die Messergebnisse sollen es ermöglichen,
Klimaentwicklungen künftig besser vorherzusagen.

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – Brasilien: www.bmbf.de/de/5316.php
CLIENT II – Internationale Partnerschaften für
nachhaltige Innovationen:
www.fona.de/client_II
Internationales Büro – Brasilien:
www.internationales-buero.de/de/brasilien.php
DAAD – Portal Ciência sem Fronteiras Alemanha:
www.csf-alemanha.de/de
Max-Planck-Institut für Chemie – ATTO: www.
mpic.de/forschung/kooperationen/atto.html
Universität Münster:
www.uni-muenster.de/Brasilienzentrum
Universität Tübingen:
www.uni-tuebingen.de/einrichtungen/zentraleeinrichtungen/brasilien-zentrum.html
Freie Universität Berlin:
www.lai.fu-berlin.de/brasil

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

An mehreren deutschen Hochschulen gibt es explizite
Brasilien-Kompetenz. So im Brasilien-Zentrum der
Universität Münster, das über 30 Kooperationen in den
Bereichen Biologie, Rechtswissenschaften, Informatik
sowie Pharmazie koordiniert. Das Brasilien-Zentrum
der Universität Tübingen berät Hochschulen in ganz
Baden-Württemberg bei der bilateralen Zusammenarbeit. Einen wissenschaftlichen Ansatz hat das
Forschungszentrum Brasilien der Freien Universität
Berlin. Es analysiert „Brasilien im Weltkontext“.

Russische Föderation
Auch unter schwierigen politischen Rahmenbedingungen wird die 2005 vereinbarte „Strategische Partnerschaft in Bildung, Forschung und Innovation“ zwischen
Deutschland und Russland intensiv fortgeführt. Neben
der gemeinsamen Forschung von Hochschulen und
Forschungseinrichtungen spielen auch die innovationsorientierte Kooperation von Unternehmen und die
berufliche Bildung eine wichtige Rolle in der Zusammenarbeit beider Länder. Gemeinsame thematische
Interessen bestehen auf den Gebieten Nanotechnologie, Umwelttechnologie/Energieeffizienz, Nachhaltige
Landnutzung, Gesundheit, Biotechnologie, Meeresund Polarforschung sowie Optische Technologien.
Russland ist neben Deutschland der größte Partner
beim Bau der FAIR-Anlage in Darmstadt sowie beim
European XFEL in Hamburg. Von den 230 Mio. Euro des
russischen Beitrags zu FAIR werden zum großen Teil
Sachleistungen für den Beschleuniger und für Experimente beigestellt. Der russische Beitrag zum Bau des
European XFEL beträgt 327 Mio. Euro (Preisbasis 2005)
und wird vorwiegend als Geldleistung bereitgestellt.
Deutschland und Russland sind in der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung an Forschungsinfrastrukturen traditionell enge Partner. Das Ioffe-RöntgenInstitut (IRI), dessen Aufbau durch das DESY in Hamburg
und auf russischer Seite durch das National Research
Center „Kurchatov Institute“ in Moskau vorangetrieben
wird, bündelt die Kooperationsaktivitäten im Bereich
der beschleunigerbasierten Photonenquellen.
In der Berichtsperiode fanden mehrere hochrangige
Begegnungen statt, z. B. anlässlich des zehnjährigen
Jubiläums des Moskauer Büros der Helmholtz-Ge-

307

meinschaft, des 20-jährigen Jubiläums der Kooperation
der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit
der Russischen Stiftung für die Grundlagenforschung
(RFFI) und des zehnjährigen Bestehens des Deutschen
Historischen Instituts (DHI) Moskau. Neue Förderprogramme zum weiteren Ausbau der Zusammenarbeit
wurden z. B. zwischen dem BMBF und dem Russischen
Ministerium für Bildung und Wissenschaft im Bereich
Bioökonomie sowie zwischen der DFG und dem Russischen Wissenschaftsfond im Bereich Mathematik und
Physik erarbeitet. Außerdem führt das BMBF seit 2008
mit dem russischen Fonds für die Unterstützung kleiner innovativer Unternehmen (FASIE) jährliche Förderwettbewerbe für anwendungsorientierte deutschrussische FuE-Projekte durch. Bislang gaben beide
Fördereinrichtungen ca. 10 Mio. Euro zur Stärkung der
deutsch-russischen Zusammenarbeit aus.
Im Sinne von „Science as Diplomacy of Trust“ nutzt das
BMBF außerdem seine Beteiligung an Vorhaben mit
Russland im Rahmen der EU-Drittstaatenkooperation.
Das ERA.NET Plus mit Russland (ERA.Net RUS Plus,
2013–2018) ist mit Abstand das größte und erfolgreichste ERA-NET mit einem Drittstaat. Die überwältigende
Anzahl von 300 eingereichten Anträgen in den beiden
Förderlinien Innovation und Science & Technology (mit
den Schwerpunkten Nanotechnologie, Umwelt/Klimawandel, Gesundheit, Geistes- und Sozialwissenschaften)
belegt den Erfolg dieses Förderinstruments. Gefördert
werden insgesamt 63 Projekte mit einem Fördervolumen von 20 Mio. Euro – davon 3,25 Mio. Euro BMBFFörderung. Am Konsortium sind 30 Partner aus 16 Ländern beteiligt. Deutschland koordiniert das Vorhaben.
Ein weiteres ERA-NET mit russischer Beteiligung ist
EuroTransBio (ETB). Dieses ist eine internationale Initiative von zwölf europäischen Ländern und Regionen
mit dem Ziel, nationale und regionale Förderprogramme im Bereich Biotechnologie durch gemeinsame
Ausschreibungen für transnationale FuE-Projekte
zugänglich zu machen.
In der bilateralen Zusammenarbeit fördert das BMBF
im Rahmen der Fördermaßnahme Nachhaltiges Landmanagement die Projekte KULUNDA und SASCHA
zur Entwicklung von Strategien für eine nachhaltige
Landnutzung vor dem Hintergrund aktueller und
zukünftiger Landschafts- und Klimaänderungen in
Westsibirien.

308 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

Seit 2012 besteht eine enge und sehr vitale Berufsbildungszusammenarbeit mit dem russischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft. Die deutschrussischen Kooperationsaktivitäten – beispielsweise
die Entwicklung von Rahmencurricula, die Ausbildung
von Ausbildern und die Entwicklung und Erprobung
von dualen Ausbildungsmodellen im BMBF-Projekt
VETnet – sind eingebettet in ein zukunftsweisendes
und nachhaltiges Reformprogramm der Föderation zur
Einführung einer dualen Fachkräfteausbildung.

Weitere Informationen im Internet:

Projekte KULUNDA und SASCHA: modul-a.
nachhaltiges-landmanagement.de/de/projekte/

Indien
Seit 2008 haben sich die Investitionen des BMBF in
Indien versechsfacht (von 1,4 Mio. auf knapp 9 Mio.
Euro). Dazu tragen herausragende Initiativen wie das
Indo-German Science and Technology Centre (IGSTC)
als gemeinsame Fördereinrichtung für anwendungsorientierte Forschung bei. Indien belegt mittlerweile mit
9.372 Studierenden in Deutschland den dritten Rang
nach China und Russland.
Thematische Schwerpunkte der Zusammenarbeit
sind derzeit Biotechnologie, Gesundheitsforschung,
Nachhaltigkeitsforschung, Produktionstechnologie,
Zivile Sicherheitsforschung sowie der gegenseitige Austausch in der Berufsbildung. Forschungskooperationen
werden über die 2+2-Projekte im Rahmen des IGSTC,
projektbezogene Mobilität mit verschiedenen Partnereinrichtungen, das indisch-europäische Netzwerk
INNO INDIGO und Maßnahmen der Fachabteilungen
des BMBF gefördert.
Durch die Initiative Indo-German Partnerships in
Higher Education sollen die bereits guten Partnerschaften zwischen indischen und deutschen Hochschulen
weiter ausgebaut und das große Potenzial besser erschlossen werden. Das BMBF und das indische Ministry of Human Resource Development haben in einer

gemeinsamen Absichtserklärung eine Förderung von
3,5 Mio. Euro (2016–2020) pro Land vereinbart.
Das Indo-German Centre for Sustainability (IGCS) am
IIT Madras in Chennai, das im Rahmen der „A New
Passage to India“-Initiative gefördert wird, stellt einen
weiteren Leuchtturm der Zusammenarbeit dar. Deutsche und indische Forschende arbeiten gemeinsam in
Projekten der Themenfelder Energie, Landnutzung,
Abwasser- und Abfallmanagement.
Neben dem IGCS fördert das BMBF weitere Kooperationen mit den Indian Institutes of Technology (IITs), die
zu den Spitzeninstitutionen Indiens zählen. Es existiert
ein Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zwischen den neun führenden Technischen
Universitäten in Deutschland (TU9) und IIT Mandi.
Das BMBF engagiert sich außerdem maßgeblich in
der Bündelung der europäischen Zusammenarbeit
mit Indien, um die Außendimension des Europäischen Forschungsraums zu stärken. Neben der aktiven
Gestaltung des politischen Dialogs ist vor allem die
Förderung indisch-europäischer Forschungsprojekte
im Rahmen des Netzwerkes INNO INDIGO zu nennen.
Indien ist drittgrößter Gesellschafter der FAIR GmbH
in Darmstadt und ein verlässlicher Partner im Rahmen
des FAIR Projektes. In Indien wird FAIR als größtes
Projekt der Dekade in der wissenschaftlichen Grundlagenforschung gesehen. Die ca. 36 Mio. Euro indischer
Beitrag zu FAIR werden zum großen Teil als Sachleistungen für den Beschleuniger und Experimente
bereitgestellt.
Die seit 2011 bestehende Berufsbildungszusammenarbeit mit Indien wurde 2015 mit dem im Jahr zuvor
eingerichteten Ministry of Skill Development & Entrepreneurship neu aufgelegt und mit einem neuen

Weitere Informationen im Internet:

BMBF – Indien – Partner in Bildung und Forschung: www.bmbf.de/de/1524.php
INNO INDIGO: www. indigoprojects.eu

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

Memorandum of Understanding unterlegt. Wichtige
Aktionsfelder sind die Weiterentwicklung und Implementierung innovativer Curricula, die Ausbildung der
Ausbilder und die Entwicklung und Erprobung betrieblicher Berufsausbildungsmodelle im Projekt VETnet.

China
China ist die dynamischste Forschungs- und Entwicklungsregion weltweit und plant die Innovationskapazität weiter zu erhöhen, um bis 2050 ein globaler Innovationsführer zu werden: Die FuE-Ausgaben sind in den
letzten Jahren kontinuierlich gewachsen (2014 lagen sie
bei 2,09 % des BIP, 2015 werden Ausgaben in Höhe von
ca. 2,2 % erwartet und bis 2020 sollen sie auf mindestens 2,5 % gesteigert werden). Zudem wird gegenwärtig
das Forschungsfördersystem reformiert, um dessen
Leistungsfähigkeit und Transparenz zu steigern.
Die Grundlage für die Forschungskooperation
zwischen Deutschland und China bildet das WTZRegierungsabkommen von 1978. Seit 1980 finden in
regelmäßigen Abständen Sitzungen der Gemeinsamen
WTZ-Kommission mit dem chinesischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MoST) statt, in
deren Rahmen gemeinsame Projekte und Maßnahmen
beschlossen und Rahmenbedingungen der Kooperation diskutiert werden. Aktuelle Schwerpunktthemen
der Kooperation mit China sind Innovation, Urbanisierung, Umwelttechnologien und Meeresforschung
sowie die Hochschul- und Berufsbildung.
Innovation: Bereits Mitte 2011 wurde mit einem
eigenen Organisationsbüro die Deutsch-Chinesische
Plattform Innovation eingerichtet, an der sich führende
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Institutionen und Unternehmen beider Länder beteiligen. Nach
drei erfolgreichen Deutsch-Chinesischen Innovationskonferenzen und einem beständigen Austausch haben
beide Seiten bekräftigt, die Kooperation im Bereich der
Nationalen Innovationssysteme weiterentwickeln zu
wollen. 2016 fand in Berlin die 4. Innovationskonferenz mit rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern
in erweitertem Format statt. Thematisch standen die
Analyse der Nationalen Innovationssysteme und der
regulatorischen Rahmenbedingungen sowie Innovationen im Bereich der nachhaltigen Urbanisierung im

309

Fokus. Außerdem wurden zukünftige Themen und
Herausforderungen der deutsch-chinesischen FuEKooperation erörtert. Wie hoch das Thema Innovation
im Kurs steht, zeigte sich auch während der 3. Regierungskonsultationen im Oktober 2014, bei denen der
ressortübergreifende Aktionsplan Innovation gemeinsam gestalten beschlossen wurde.
Urbanisierung: Im Wissenschaftsjahr 2015 zum Thema
Zukunftsstadt ist mit China erstmals ein internationaler
Partner an einem nationalen Wissenschaftsjahr beteiligt.
Auftakt für die Kooperation im Rahmen des Wissenschaftsjahres war eine deutsch-chinesische Konferenz
zur nachhaltigen Urbanisierung in Shanghai im Mai
2015 (siehe auch III 5 Transparenz und Partizipation).
Umwelttechnologien: Schwerpunkt im Bereich Umwelt sind Verbundvorhaben für die Umsetzung von
Forschungsergebnissen in den Umwelttechnologien,
insbesondere im Bereich Wasser/Abwasser. Im Rahmen
des Forschungs- und Innovationsprogramms Sauberes
Wasser wurde ein Projektbüro an der Tongji-Universität eingerichtet. Ein Meilenstein bei der Umsetzung
der Forschungsergebnisse war die Eröffnung der ersten
SEMIZENTRAL-Ver- und Entsorgungsanlage im April
2014 in Qingdao. Die vollständige Inbetriebnahme zur
Abwasserbehandlung, Energie- und Wasserrückgewinnung ist Anfang 2016 erfolgt.
Im Mai 2015 wurde eine gemeinsame Erklärung über
die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit
im chinesischen nationalen Major Water Programme
unterzeichnet. Deutschland ist als einziges Partnerland
am Tai-, Dian- und Chaosee sowie am Liaofluss beteiligt und nimmt damit eine herausragende Stellung als
Partner in diesem wichtigen Innovationsfeld ein.
Meeresforschung: Dem Ziel einer verbesserten Kooperationsbasis dient die erste gemeinsame Förderlinie
mit der State Oceanic Administration zu den Themen
Tiefseeforschung, Maritime Umweltveränderungen
und Polarforschung. Erstmals werden mit einem Volumen von ca. 3 Mio. Euro Forschungsprojekte bilateral
ausgewählt und gefördert. Eine zweite gemeinsame
Ausschreibung ist angedacht.
Hochschul- und Bildungskooperation: Ein ambitioniertes Projekt der Hochschulzusammenarbeit zwischen Deutschland und China ist die Chinesisch-Deut-

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Chinastrategie 2015–2020 des BMBF
Die China-Strategie des BMBF bietet einen kohärenten
Rahmen für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit
im Bereich Bildung, Forschung und Innovation für den
Zeitraum von 2015 bis 2020. Sie ist ein wichtiger Schritt
zur Realisierung der umfassenden strategischen Partnerschaft zwischen Deutschland und China, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Xi Jinping
Ende März 2014 vereinbarten.

Die China-Strategie basiert auf Analysen und Handlungsempfehlungen thematischer Sachverständigenkreise mit
mehr als 70 Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Ergebnisse ihrer
Expertisen wurden mit der neuen Hightech-Strategie der
Bundesregierung von 2014, der Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung von 2008, dem BMBFAktionsplan Internationale Kooperation von 2014 und der
Länderstrategie China des Auswärtigen Amtes abgeglichen. Ausgehend von dieser Analyse identifizierte das
BMBF wesentliche Ziele und Leitlinien und formulierte
Aktionsfelder mit konkreten Maßnahmen. Die ChinaStrategie wurde am 28. Oktober 2015 während eines
China-Tages im BMBF präsentiert und der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht.
Die Maßnahmen der China-Strategie werden die Akteure
aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft bei ihren
Kooperationsaktivitäten mit China unterstützen. Die
Zugangsmöglichkeiten deutscher Studierender sowie
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu exzellenten
chinesischen Hochschul- und Forschungseinrichtungen
werden verbessert. Außerdem wird die Internationalisierung von Forschung und Lehre an deutschen Hochschulen durch strukturierte Zusammenarbeit mit chinesischen
Hochschulen vorangetrieben. Insgesamt soll mehr
„China-Kompetenz“ in Deutschland geschaffen werden.

Beide Seiten streben die Vertretung der eigenen Interessen unter Berücksichtigung des beiderseitigen Mehrwerts an. Erfolgreiche Kooperationen müssen zudem
von Kontinuität, Verlässlichkeit und der Einbeziehung
aller relevanten Akteure auf beiden Seiten geprägt
sein. Auf deutscher Seite spielen hierbei die Nationalen
Plattformen z. B. zur Elektromobilität (siehe auch III 1.5
Mobilität) oder zu Industrie 4.0 (siehe auch III 1.1 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien) eine wichtige Rolle. Auf
chinesischer Seite können neben dem Wissenschaftsund Bildungsministerium weitere Akteure auf nationaler,
Provinz- und lokaler Ebene einbezogen werden. Aktivitäten auf nationaler und auf EU-Ebene müssen sich
gegenseitig sinnvoll ergänzen.
Die Aktionsfelder der China-Strategie dienen dazu, durch
nationale Aktivitäten bestmögliche Voraussetzungen für
erfolgreiche Kooperationen mit China zu schaffen: die
Stärkung der China-Kompetenz in Deutschland und die
Vernetzung der deutschen Akteure sowie die Gestaltung von politischen Dialogen. Weitere Aktionsfelder
betreffen die direkte Kooperation mit China: Zusammen
mit den chinesischen Partnern soll eine Optimierung
der Rahmenbedingungen für das China-Engagement
der deutschen Wissenschaft und Forschung vorangetrieben werden. Mit Bezug auf die Art der Kooperation steht der Aufbau von nachhaltigen Strukturen der
Zusammenarbeit im Fokus. Thematisch ist die Stärkung
der Kooperation in folgenden Bereichen vorgesehen:
Schüsseltechnologien, Lebenswissenschaften, Geistesund Sozialwissenschaften. Außerdem sind Themen zur
Bewältigung globaler ökologischer Herausforderungen
ein wichtiges Feld der zukünftigen Zusammenarbeit. Die
Stärkung der Berufsbildungskooperation dient themenübergreifend der Ausbildung von Fachkräften für die
deutsche Wissenschaft und Industrie in China.

V

Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation	

sche Hochschule an der Tongji-Universität in Shanghai
(siehe auch V 3.4 Deutsche Sichtbarkeit im Ausland). Bei
der Berufsbildungskooperation bildet die Einbindung
von Unternehmen in die Ausbildungsstrukturen einen
Schwerpunkt. So wird im VETnet-Projekt in China
ebenso wie in neun weiteren Ländern die Zusammenarbeit der AHK mit deutschen Unternehmen vor Ort
und lokalen Ausbildungsinstitutionen gefördert und
damit die nationale Weiterentwicklung des Berufsbildungssystems hin zu verstärkt betrieblichen Ausbildungselementen unterstützt.
Die große Bedeutung, die der FuE-Kooperation mit China beigemessen wird, spiegelt sich in der im Herbst 2015
veröffentlichten China-Strategie des BMBF wider (siehe
auch Infobox Chinastrategie 2015-2020 des BMBF).

Weitere Informationen im Internet:

BMBF China – intensive Forschungszusammenarbeit mit neuen Themen:
www.bmbf.de/de/818.php
Internationales Büro – China:
www.internationales-buero.de/de/1279.php
Deutsch-Chinesische Plattform Innovation:
www.plattform-innovation.de
Deutsch-Chinesisches Forschungs- und Innovationsprogramm Sauberes Wasser:
www.fona.de/de/16839

Südafrika
Südafrika ist für die Bundesregierung ein verlässlicher
Partner in Forschung und Wissenschaft. Seit 1996
besteht ein WTZ-Abkommen (Wissenschaftlich-Technische-Zusammenarbeit). Südafrika ist mit seiner weit
entwickelten Hochschullandschaft und seiner Schlüsselstellung für den Kontinent mit Abstand das beliebteste Zielland deutscher Studierender in Afrika. Das
Land steht jedoch weiterhin vor Herausforderungen,
insbesondere hinsichtlich der Qualität und Quantität

311

des wissenschaftlichen Nachwuchses. Deutschland
ist für Südafrika neben den USA und Großbritannien der wichtigste Partner im Bereich Bildung und
Forschung und hat daher eine besondere strategische
Bedeutung. Dies hat sich auch bei der Umsetzung des
gemeinsamen Wissenschaftsjahres 2012–2013 gezeigt.
Die bilaterale Zusammenarbeit umfasst heute u. a.
Projekte in den so unterschiedlichen Bereichen wie
Gesundheitsforschung, Ressourcen- und Nachhaltigkeitsforschung sowie Meeresforschung. Ergänzt
wird das Portfolio durch die Zusammenarbeit in der
beruflichen Bildung.
Hinzu kommen zahlreiche größere Verbundprojekte
mit Partnern aus Südafrika. Das Land am Kap der Guten
Hoffnung ist ein zentraler Partner der neuen BMBF-Initiative Forschungsnetze für Gesundheitsinnovationen in
Subsahara-Afrika. Südafrika ist zudem gemeinsam mit
den Ländern Angola, Sambia, Namibia und Botswana in
dem vom BMBF finanzierten regionalen Kompetenzzentrum für Klimawandel und angepasstes Landmanagement SASSCAL aktiv (siehe auch V 3.3 Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern).
Im Rahmen der im Jahr 2013 begründeten Berufsbildungskooperation mit Südafrika finden regelmäßige
Arbeitsgruppentreffen und Expertenberatungen statt.
Südafrika plant den Aufbau eines nationalen Berufsbildungsinstituts und beabsichtigt, bei der Konzeptentwicklung mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung
(BIBB) zu kooperieren.
Die ausgeprägten Forschungsbeziehungen zur EU
haben ihre Wurzeln im Abkommen über die wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit
aus dem Jahr 1997 und wurden durch die seit 2010
bestehende südafrikanisch-europäische strategische
Partnerschaft weiter intensiviert. Südafrika wurde 2014
assoziiertes Mitglied bei EUREKA (Initiative für anwendungsnahe Forschung in Europa).

Weitere Informationen im Internet:

Internationales Büro des BMBF – Südafrika:
www.internationales-buero.de/de/1932.php

312 	

Bundesbericht Forschung und Innovation 2016

3.3	 Zusammenarbeit mit Schwellen- und
Entwicklungsländern
Die Kooperation mit Schwellen- und Entwicklungsländern in Bildung und Forschung unterstützt die Entwicklung
von Wissensgesellschaften in den Partnerländern. Der Aufbau institutioneller und personeller Kapazitäten schafft
zugleich starke und interessierte Partner für die Zusammenarbeit mit Deutschland in Forschung und Innovation.

Wissen ist eine fundamentale Ressource für zukunftsfähige Gesellschaften. Forschung und Bildung – von
Berufsbildung über wissenschaftliche Ausbildung auf
allen Stufen bis hin zum lebenslangen Lernen – sind
die treibenden Kräfte systemischer Entwicklung. Die
am 25. September 2015 von der UN-Vollversammlung
verabschiedete Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung versteht Forschung und Innovation nicht nur
als Instrumente zur Lösung drängender Probleme in
entwicklungsrelevanten Bereichen wie z. B. Ernährung,
Gesundheit und Energie, sondern darüber hinaus als
Movens und integralen Bestandteil wirtschaftlicher
und humaner Entwicklung insgesamt. Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation
verbessert die Anschlussmöglichkeiten der Partnerländer an die globale Produktion und Aneignung von
Wissen, eröffnet Beschäftigungsmöglichkeiten und
Zukunftschancen und trägt zu Wohlstand sowie sozialer Kohäsion bei. Deutschland gewinnt dabei Zugang
zu Akteuren der Wissensproduktion, bringt Standards
guter wissenschaftlicher Praxis international zur Geltung und schafft Voraussetzungen für das Engagement
deutscher wie lokaler Unternehmen vor Ort. Gemeinsam tragen deutsche und ausländische Partner in den
Schwellen- und Entwicklungsländern, zu denen mehr
als 140 Länder der Erde gezählt werden , zur Bewältigung globaler und regionaler Herausforderungen
wie Klimawandel, Ernährungssicherheit, Wasser- und
Bodenmanagement, Ressourceneffizienz, Gesundheit,
Georisiken, Migration und Urbanisierung bei.
Im bildungs-, forschungs- und innovationspolitischen
Dialog tritt Deutschland sowohl auf bilateraler Ebene
als auch in europäischen und internationalen Foren
wie der G7 dafür ein, Leitziele im Sinne nachhaltiger
Entwicklung zu vereinbaren und umzusetzen. Mit
Politiksystemberatung zu Forschung und Innovation,
unter anderem durch die Entsendung von Expertinnen
und Experten, trägt Deutschland weltweit dazu bei,

Wissenschaftssysteme partnerschaftlich und bedarfsgerecht mitzugestalten. Wachsende Bedeutung in der
Forschungsförderung hat der Transfer von Wissen in
die bedarfsorientierte Verwertung. Kritische Massen
in der Fach- und Führungskräfteentwicklung werden durch deutsche Hochschulangebote im Ausland
erreicht. Gezielt unterstützt werden diese Maßnahmen
durch Projekte zur Entwicklung der Qualitätsinfrastruktur und Metrologie, welche die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (BMZ) in Schwellen und Entwicklungsländern insbesondere im Bereich der Metrologie
durchführt. Wesentliche Beiträge leisten auch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM),
mit der Beratung in den Bereichen Konformitätsbewertung, Akkreditierung und Managementsysteme,
sowie die Bundesanstalt für Geowissenschaften und
Rohstoffe (BGR) mit BMZ-Projekten in den Bereichen
Energie, Geowissenschaften und Rohstoffe.

Regionale Schwerpunkte
Einen besonders wichtigen regionalen Bezugsrahmen
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