Publication:
2004
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-opus-71950
Path:
Bildung für Berlin
GEWALTSIGNALE AN BERLINER SCHULEN - HINSEHEN UND HANDELN - WAFFEN GEFÄHRDEN DICH SELBST - HILFE HOLEN - BEISTAND LEISTEN - OPFER SIND NICHT SELBST SCHULD - KONFLIKTLOTSEN - MUTIG KLUG UND HANDLUNGSSTARK - SEELISCHE MUSKELN DURCH GEGENSEITIGE HILFE - DIE TAT IST ZU ÄCHTEN - DER TÄTER HAT EIN RECHT AUF ANLEITUNG UND HILFE - SCHULLEITER ERSTHELFER BEI GEWALTVORFÄLLEN - WAS HÄNSCHEN NICHT LERNT - PETZEN PLAGEN PRÜGELN - OPFER DÜRFEN NICHT ALLEIN BLEIBEN - HILFE IM NOTFALL - SCHULPSYCHOLOGEN - ZIVILCOURAGE UND ZUSAMMENARBEIT - MEDIATOREN - STANDPUNKTPÄDAGOGEN - SCHÜLERNETZWERK MUT - OHNE ELTERN GEHT ES NICHT - HELFEN IST NICHT PETZEN - VERSCHWIEGENHEIT ZUR PERSON - OFFEN UND OFFENSIV IN DER SACHE - GEWALT GEDEIHT IN DER ANONYMITÄT - KOOPERATION BRAUCHT PARTNER - WER ENTWURZELT IST ENTWURZELT - ERFURT UND DIE FOLGEN - WER VERWURZELT IST ENTWURZELT NICHT - RECHT AUF UNVERSEHRTHEIT - DIE VERWURZELUNG IST DAS WICHTIGSTE BEDÜRFNIS DER MENSCHLICHEN SEELE - VERSTEHEN UND HANDELN - LEBEN LERNEN

Gewaltsignale an Berliner Schulen 2003/2004

Verstehen und Handeln VI

Impressum
Herausgeber Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Beuthstraße 6 - 8, 10117 Berlin-Mitte www.senbjs.berlin.de Redaktion Fachbereich Schulübergreifende Angelegenheiten Gewaltprävention Bettina Schubert Bernardica Dološ Paula Pinto Ansprechpartnerin Bettina Schubert Telefon 9026 6513 eMail bettina.schubert@senbjs.verwalt-berlin.de Druck Eigendruck SenBJS November 2004 V. i. S. d. P. Kenneth Frisse

Eine auszugsweise Wiedergabe ist nur mit Angabe der Quelle zulässig. Bitten um Übernahme einzelner Teile richten Sie bitte an die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, z. Hd. Bettina Schubert, I E 5, Beuthstraße 6 - 8, 10117 Berlin 10117 Berlin

Vorwort des Senators der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, Klaus Böger, zum Bericht über Gewaltentwicklungen 2003/04

Gewaltsignale an Berliner Schulen 2003/2004
Ich danke allen, die als verantwortungsbewusste und engagierte Helfer in- und außerhalb der Berliner Schulen im letzten Jahr dazu beigetragen haben, Schulen zu sicheren und verlässlichen Ort zu gestalten. Die Gewaltmeldungen der Schulen verdeutlichen die täglichen Belastungen und den Einsatz der Schulen für eine angemessene Aufarbeitung. Mein besonderer Dank gilt den Schulpsychologen für Gewaltprävention und Krisenintervention, die Schulen einerseits bei akuten Notfällen zu unterstützen, und andererseits dazu beitragen, deren gewaltpräventive Kompetenz zu erhöhen. Trotz dieses vielfältigen Engagements können wir uns nicht zurücklehnen: Erstmalig haben wir in diesem Jahr versucht, eine möglichst genaue Beziehung zu den bei der Polizei erhobenen Zahlen herzustellen. Wir haben festgestellt, dass noch immer etwa ein Drittel der Straftaten an Schulen, die durch mehrere Täter verübt werden, den Schulen entweder nicht bekannt oder von ihnen nicht beachtet werden. Offenkundig werden nicht alle gewaltbedingten Vorfälle von den Schulen gemeldet. Ich appelliere deswegen an die Schulen, jeder Äußerung von Gewalt Einhalt zu gebieten. Mit jeder Meldung, verringert die Schule das Risiko, dass Schülerinnen und Schüler, sowie Lehrerinnen und Lehrer Opfer psychischer oder physischer Gewalt werden. Es geht auch weiterhin darum, frühe Formen der Gewalt wahrzunehmen und diesen rasch und zielgerecht entgegen zu wirken. Beistand und Hilfe für Opfer gehören dazu! Gewalt muss aber auch aufgedeckt werden: Bereits seit 1992 besteht in Berlin die Pflicht, Gewaltvorfälle zu melden. Der auf den Meldungen der Schulen basierende Bericht „Gewaltsignale an Berliner Schulen - Hinsehen und Handeln VI” enthält eine detaillierte Auswertung der uns bekannt gewordenen 560 Fälle. Das ermöglicht uns eine genaue Bestandsaufnahme der Fakten, und eine Evaluation der Stärken und Schwächen unserer Aktivitäten. Die Analyse ist die unerlässliche Voraussetzung wirksamer Gegenmaßnahmen. Bei der Bewertung der Vorfälle an Berliner Schulen ist zu berücksichtigen, dass im vergangenen Schuljahr etwa 470 000 Schüler die damals 1 000 Schulen der Stadt besuchten. Ich hoffe, dass die Angaben zum Gewaltgeschehen in Schulen und in deren Umfeld und die Auswertung dazu beitragen, den Umgang mit Gewalt an Schulen weiterhin zu verbessern. Mutig, klug und handlungsstark wünschen sich viele Eltern ihre Kinder. Dieses Ziel können unsere Schülerinnen und Schüler nur im offenen Miteinander von Schule und Elternhaus erreichen. „Lernen fürs Leben” ist dort am besten möglich, wo es gelingt, die Schule und Schulgemeinschaft zum sicheren Ort zu machen, an dem jede Form der Gewalt verpönt ist. Ich brauche auch Ihre Unterstützung für dieses gemeinsame Ziel.

Klaus Böger

Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis ....................................................................................................2 DAS WICHTIGSTE AUF EINEN BLICK ........................................................................3 Neue Darstellungsweise..........................................................................................4 DELIKTE UND GESCHÄDIGTE NACH SCHULJAHREN ................................................6 Schulinterne Gewaltvorfälle ...................................................................................6 Schüler als Opfer gefährlicher Körperverletzung.................................................8 Lehrer als Opfer ......................................................................................................9 Bewaffnung - Vorfälle mit Waffen und waffenartigen Gegenständen ...........13 (Rechts-)Extremistisch motivierte Vorfälle..........................................................15 SCHWERPUNKTE DER GEWALT ..............................................................................23 Gewaltvorfälle pro Bezirk.....................................................................................23 Gewalt nach Bezirken ...........................................................................................24 Gewaltvorfälle nach Schulstufen und Schularten ..............................................25 Delikte nach Schularten........................................................................................26 Gewaltvorfälle nach Ort des Geschehens ...........................................................28 Opfer- und Tätergeschlecht bei Gewaltvorfällen ...............................................29 Gewaltvorfälle nach kultureller Herkunft ...........................................................30 Einzel- und Gruppentaten in Schulen und auf Schulwegen .............................35 HANDELN NACH GEWALTVORFÄLLEN - AUS SCHADEN KLUG WERDEN ..............36 GEWALTPRÄVENTION UND KRISENINTERVENTION................................................39 AUSBLICK................................................................................................................48 Stichwortverzeichnis .............................................................................................50

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Das Wichtigste auf einen Blick
560 gemeldete Vorfälle aus ca. 1 000 Berliner Schulen mit 470 000 Schülern im Schuljahr 2003/04 stehen den 422 Meldungen im Vorjahr gegenüber. War im Schuljahr 2002/03, dem Schuljahr nach Erfurt, bei den Gewaltmeldungen ein Plus von 66 % zu verzeichnen, so betrug dies im vergangenen Jahr erneut +32,7 %. Damit gibt es weiterhin eine deutliche Zunahme der Meldungen von Gewaltvorfällen aus Schulen über Vorfälle in den Schulen und auf dem Schulweg. Es ist anzunehmen, dass die Zunahme der Meldungen eine Langzeitwirkung des Schocks nach Erfurt ist, Schulen melden früher belastende Situationen. Auffällig ist, dass es zu dieser Entwicklung jedoch keine prozentual entsprechende Zunahme von Vorfällen an Schulen gibt, die der Berliner Polizei bekannt werden. Aus den Meldungen der Schulen 2003/04 werden folgende Trends deutlich, die sich jeweils auf Einzel- wie auf Gruppentäter beziehen: • Zunahme der Körperverletzungen (KV)1: Im vergangenen Schuljahr gibt es 182 gemeldeten Fällen von gefährlicher KV (84 im Schuljahr 2002/03). Auch im Bereich der (einfachen) KV ist ein Zuwachs zu verzeichnen: 183 Fälle stehen 147 im Vorjahr gegenüber. Im Bereich der (rechts-)extremistisch motivierten Vorfälle wurden insgesamt 39 Vorfälle gemeldet, das sind 13 mehr als im vorhergehenden Schuljahr. Die Einzelanalyse ergibt, dass es sich mehrheitlich um Propagandadelikte handelt. Einen leichten Rückgang gibt es bei der Zahl der Bedrohungen, 96 gemeldete Fälle stehen den 122 Fällen des Vorjahrs gegenüber. Der Rückgang ist vermutlich auf eine partielle Schwächung des Erfurt-Effekts zurück zu führen. Im Jahr nach Erfurt meldeten Schulleiter und Schulleiterinnen Bedrohungen insbesondere dann, wenn sie es für möglich hielten, dass über die Drohung hinaus weitere Straftaten zu erwarten waren. Weiterhin werden Bedrohungen gemeldet, insbesondere solche, die sich gegen Lehrerinnen und Lehrer richten. Da diese im letzten Jahr weiterhin zunahmen, wurden von den Schulleitungen offenbar Bedrohungen, innerhalb der Gruppe der Schülerinnen und Schüler seltener bekannt. Vielleicht wurden solche Bedrohungen als weniger gravierend eingeschätzt und daher seltener gemeldet. Beunruhigend ist die Zunahme schwerer Angriffe gegen Lehrerinnen und Lehrer: Kam es im letzten Schuljahr bei ca. 20 % der gemeldeten Angriffe auf Pädagogen zu Körperverletzungen, so gab es im vergangenen Schuljahr bei 50 % der Vorfälle eine Verletzung. Die Zunahme der Verletzungen findet ihre Parallele im allgemeinen Ansteigen der gemeldeten Fälle von Körperverletzungen (KV) und gefährlicher KV.

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1

Definition: entweder mehrere Angreifer oder ein Einzelner greift mit einer Waffe oder einem Gegenstand an.

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Neue Darstellungsweise
Neu gegenüber der bisherigen Berichterstattung in einem fortlaufenden Text ist die Form der Darstellung nach vier Themenfeldern: I. II. III. IV. Delikte und Geschädigte nach Schuljahren Schwerpunkte der Gewalt Handeln nach Gewaltvorfällen Gewaltprävention und Krisenintervention in der Berliner Schule

Alle Informationen zum Gewaltgeschehen sind auch unter Stichworten aufzufinden. So soll ein rascher Überblick zu den Einzelthemen möglich werden. Sie finden das von Ihnen gesuchte Stichwort auf der letzten Seite der gesamten Darstellung.

Bericht über Gewaltprävention im Anhang Im Anschluss an die Auswertung der Daten des Schuljahres 2003/04 finden Sie eine exemplarische Darstellung gewaltpräventiver Ansätze und Hilfen, soweit diese sich auf die im Bericht mitgeteilten Sachverhalte im engeren Sinn beziehen und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport bekannt sind. Drei Gruppen profund ausgebildeter und erfahrener Fachleute für Prävention und die Bearbeitung von Konflikten, Gewaltvorfällen und Extremismusfällen, die Arbeitsgruppe Pax an, die Standpunktpädagogen (Berater gegen Extremismus) - beide gehören zum Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) - und die Schulpsychologen für Gewaltprävention und Krisenintervention (G/K) unterstützen die Berliner Schulen in ihrer Arbeit. Sie kooperieren miteinander und unterstützen die Zusammenarbeit der im Feld Gewaltprävention tätigen Personen und Institutionen in ihrer jeweiligen Region. Das Wirken der Schulpsychologen für Gewaltprävention und Krisenintervention wird im Anschluss an die Erkenntnisse über die Gewaltvorkommnisse exemplarisch vorgestellt. Diese Psychologinnen und Psychologen gehören jeweils zu den regionalen Schulpsychologischen Beratungszentren eines Bezirks und sind dort die Ansprechpartner für alle allgemeinbildenden Schulen. Ein weiterer Schulpsychologe ist bezirksübergreifend der Ansprechpartner für die berufsbildenden Schulen. Dank der Tatsache, dass jede Gewaltmeldung innerhalb von 24 Stunden in einem Parallelfaxverfahren an SenBJS, an die Schulaufsicht vor Ort sowie an die G/K Psychologen zu senden ist, sind diese über die aktuellen Belastungen der Schulen gut informiert. Dies ermöglicht ihnen - ergänzend zu ihrem Einsatz für Gewaltprävention und Vernetzung - ein rasches Hilfsangebot an die Schulen bei allen schweren Problemlagen. Kooperation braucht Partner: Im letzten Schuljahr wurde - auch mit Unterstützung der Landeskommission Berlin gegen Gewalt - intensiv an der Vernetzung aller gewaltpräventiven Kräfte, der Schulpsychologen, der Standpunktpädagogen und der Mediatoren gemeinsam mit den Präventionsbeauftragten der Polizei gearbeitet.

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Die nun folgenden Übersichten zu einzelnen Themenfeldern ermöglichen einen Vergleich der Daten über die letzten fünf Jahre. Soweit dies erforderlich erscheint, werden die Ergebnisse ergänzend zu dem Text „Das Wichtigste auf einen Blick“ kommentiert.

Zur Klassifikation der Delikte und zum „Täter“ Begriff Die Klassifikation der Delikte wurde von juristischen Laien vorgenommen, so wird als „Bedrohung“ eine erlebte Drohung eingestuft, unabhängig davon, ob die Tat durch einen Richter als Drohung mit einem entsprechender Strafmaß eingeschätzt werden würde. „Körperverletzung“ wurde dann eingetragen, wenn eine Person eine andere körperlich schädigte. Von einer „gefährlichen Körperverletzung“ wird dann gesprochen, wenn ein Einzelner mit einer Waffe angreift oder mit einer ihn unterstützenden Gruppe droht und in all den Fällen, in denen eine Gruppe (ab 2 Personen) mit oder ohne Waffe angreift. Wenn von „Tätern“ die Rede ist, so geschieht dies nicht auf der Grundlage einer vorhergegangenen Rechtssprechung, sondern auf der Grundlage des Augenscheins. Eine Person war schädigend tätig gegen eine andere. In der Mehrheit der gemeldeten Fälle handelt es sich um eine Straftat. Die Terminologie „Täter“ soll jeder Bagatellisierung einer Straftat entgegenwirken. Eine Stigmatisierung der Person, bei der dem Täter nicht die Hilfe und Unterstützung zuteil wird, die ihm zu steht, würde der Untertitel dieses Berichtes „Verstehen und Handeln“ frühe Hilfe einzuleiten, im Kern entgegenlaufen. Wenn von „Opfern“ die Rede ist, so sind grundsätzlich die Geschädigten gemeint. Diese bedürfen in jedem Falle des Beistandes und gelegentlich auch weiterer Unterstützung. Dies gilt auch in all den Fällen, in denen sie aktiv zur Entwicklung des später für sie schmerzlichen Geschehens beigetragen haben. Was immer einer selbst getan hat, rechtfertigt niemals einen aktiven Angriff, d.h. Selbstjustiz. Zu melden ist die Gewalt gegen Menschen und die Missachtung der Menschenwürde. Die Meldung von Gewalt gegen Sachen (Sachbeschädigungen) ist in dem für alle Schulen verbindlichen Meldformular für Gewaltvorfälle nicht vorgesehen.

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Delikte und Geschädigte nach Schuljahren
a) Anzahl der Meldungen absolut Delikt Bedrohung Beleidigung Erpressung Körperverletzung gefährliche Körperverletzung Raub (Rechts-)Extremismus Sachbeschädigung Sonstige insgesamt 1999/2000 79 x 10 78 58 2 18 2 5 251 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 65 x 2 88 59 1 50 4 1 270 72 x 3 88 46 3 36 2 5 255 122 x 16 147 84 14 26 6 7 422 96 10 4 183 182 24 39 11 11 560

b) Prozentualer Anteil der Delikte an der Gesamtzahl der Delikte im Schuljahr Delikt Bedrohung Beleidigung Erpressung Körperverletzung gefährliche Körperverletzung Raub (Rechts-)Extremismus Sachbeschädigung Sonstige 1999/2000 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 31,5 x 4,0 31,1 23,1 0,8 7,2 0,8 2,0 24,1 x 0,7 32,6 21,9 0,4 18,5 1,5 0,4 28,2 x 1,2 34,5 18,0 1,2 14,1 0,8 2,0 28,9 x 3,8 34,8 19,9 3,3 6,2 1,4 1,7 17,1 1,8 0,7 32,7 32,5 4,3 7,0 2,0 2,0

x: Kategorie „Beleidigung“ wurde erstmalig im Schuljahr 2003/04 erfasst

Schulinterne Gewaltvorfälle
Schüler und GewaltSchüler als Opfer Lehrer als Opfer Lehrer Schuljahr vorfälle als Opfer insgesamt absolut in % absolut in % absolut in % 1999/ 252 120 47,6 34 13,5 12 4,8 2000 2000/01 270 121 44,8 30 11,1 12 4,4 2001/02 255 112 43,9 28 11,0 13 5,1 2002/03 422 203 48,0 55 13,0 19 4,5 2003/04 560 269 48,1 69 12,3 40 7,2 Schulinterne Gewaltvorfälle zusammen absolut in % 166 163 153 277 378 65,9 60,4 60,0 65,5 67,6

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Zur Statistik schulinterner Gewaltvorfälle In dieser Übersicht werden ausschließlich bekannte schulinterne Beteiligte erfasst. Die folgende Übersicht erfasst darüber hinaus auch unbekannte, schulfremde und gänzlich anonyme Täter. Wenn hier 50 Fälle weitere Fälle geschädigter Lehrer als in der Übersicht „Schulinterne Gewaltvorfälle“ genannt werden, liegt es daran, dass in dieser (S. 8 unten) weder schulfremde noch anonyme Täter mitgezählt wurden. Wer sind die Geschädigten? In der Auswertung der Meldungen wird zwischen nunmehr fünf Kategorien unterschieden: Schülern (d.h. Kindern und Jugendlichen, die Schüler einer Schule sind), Lehrern (in max. 5 % der Fälle fallen auch andere Erwachsene, die in der Schule tätig sind, darunter: Sekretärinnen, Hausmeister, Sozialarbeiterinnen und Erzieherinnen), von Lehrern und Schülern ist dann die Rede, wenn beide Personengruppen bei einer Gewalttat zu Schaden kamen. Als geschädigte „Sache“ gelten ethische Werte wie die Menschenwürde. Diese ist verletzt, wenn jemand volksverhetzende oder fremdenfeindliche Bemerkungen macht oder diese an die Schulwand schreibt. Bei der Meldeverpflichtung geht es primär um Gewalt gegen Menschen und nicht um die ebenfalls durch nichts zu rechtfertigende Gewalt gegen Sachen (hier erfolgt bei erheblichen Schäden eine Anzeige an den Kostenträger im Bezirk). Fälle von Sachbeschädigung werden daher kaum gemeldet, da diese gegenüber der Senatsverwaltung nicht zu melden sind. Geschädigte nach Schuljahren a) absolute Angaben Schuljahr 1999/2000 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 b) prozentual Schuljahr 1999/2000 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 Schüler 64,7 63,7 55,3 66,6 67,0 Lehrer 18,3 15,2 18,4 17,5 17,3 Schüler und Lehrer 7,1 7,0 6,7 6,9 10,5 Sache 9,9 14,1 19,6 9,0 2,7 Sachbeschädigung 2,5 insgesamt Schüler 163 172 141 281 375 Lehrer 46 41 47 74 97 Schüler und Lehrer 18 19 17 29 59 Sache 25 38 50 38 15 Sachbeschädigung* 14 insgesamt 252 270 255 422 560

100 100 100 100 100

*: Mit Schuljahr 2003/04 wird zwischen Sache (Schädigung ideeller Güter, z. B. Menschenrecht) und Sachbeschädigung (Schädigung materieller Güter, z. B. Mobiliar) differenziert
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Schüler als Opfer gefährlicher Körperverletzung
Beispiele von „gefährlicher Körperverletzung“ Das Delikt „gefährliche Körperverletzung“ hatte im letzten Jahr die höchste Zuwachsrate zu verzeichnen. Zur Verdeutlichung sollen hier einige Beispiele zum Delikt vorgestellt werden. • September 2003, Realschule Tempelhof-Schöneberg Gehänselter Schüler wird festgehalten und bekommt Kopfnuss, er wehrt sich, es kommt zur Rangelei, Opfer wird Täter und bricht dem Festhaltenden den Unterarm. (ID 1792) • Oktober 2003, Grundschule Mitte Schüler steht vor Toilettenhäuschen und bedroht sein Opfer mit den Worten: „Ich will dich töten, ich habe ein Messer dabei.“ Opfer wird gegen die Wand gedrängt. (ID 1866) • November 2003, Gymnasium Sek I Marzahn-Hellersdorf Körperliche Auseinandersetzung zwischen zwei Schülern, dabei Verwendung eines Schlagringersatzes. Schüler hat eine Prellung im Gesicht. (ID 1899) • Dezember 2003, Sonderschule Sek I Steglitz- Zehlendorf Schüler entwendet Pralinen und Bastelwerkzeug. Die Pralinen werden in seinem Fach entdeckt. Er wirft mit Messern und schreit: „Scheiß Heim, ich bring mich um.“ (ID 1967) • Dezember 2003, Grundschule Lichtenberg Nach einem kleinen Handgemenge liegt ein Schüler am Boden, ein Mitschüler und eine Mitschülerin versetzen dem Opfer mehrere Fußtritte. (ID 2012) • Februar 2004, Grundschule Neukölln Auf dem Heimweg werden zwei Schüler von vier Jungen geschlagen, getreten und bedroht. (ID 2129) • Mai 2004, Realschule Charlottenburg-Wilmersdorf Schüler wird von vier Schüler (drei davon ndH) mit „Geburtstagsschlägen“ anlässlich seines Geburtstags bedacht. (ID 2274) • Juni 2004, Grundschule Charlottenburg-Wilmersdorf Drei schulfremde Mädchen von einer Oberschule (eine davon ndH) greifen vier Schülerinnen aus der Grundschule an. Drei Schülerinnen der Grundschule beschimpfen, schlagen und drängen eines der Oberschulmädchen an den Zaun und reißen ihr ein Ohrring heraus. (ID 2310) • Juni 2004, Hauptschule Neukölln Schüler wird von zwei Schülern wegen eines Euro bedroht, geschlagen, bespuckt, in die Hoden getreten und mit Zigarette verbrannt. Der Täter quält und demütigt den Schüler schon seit dem Vorjahr. (ID 2335)

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Lehrer als Opfer
Im vergangenen Schuljahr wurden neben der Hauptgruppe der Schüler und Schülerinnen in 122 Fällen (Vorjahr 96) auch Lehrerinnen und Lehrer bedroht oder verletzt. Die folgende Übersicht soll einen Einblick geben, wie sich diese Fälle über die Schularten und die Bezirke verteilen. Es wird zudem zwischen leichten, mittleren und schweren Vorfällen unterschieden, deren jeweiliger Anteil wird genannt und mit Beispielen verdeutlicht. Bedrohte Lehrer/innen oder Lehrer/Schüler nach Schularten und Bezirken

Grundschule Hauptschule Realschule Haupt-/Realschule Gesamtschule Gymnasium Sek I Gymnasium Sek II Sonderschule G Sonderschule Sek Berufsbildende Sek II

23 21 5 3 15 3 5 6 11 8

% % % % % % % % % %

Mitte Friedrichshain-Kreuzberg Pankow Charlottenburg-Wilmersdorf Spandau Steglitz-Zehlendorf Tempelhof-Schöneberg Neukölln Treptow-Köpenick Marzahn-Hellersdorf Lichtenberg Reinickendorf

13 14 5 8 1 13 9 15 7 3 9 3

% % % % % % % % % % % %

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Wie hoch ist der Anteil leichter, mittlerer und schwerer Fälle? Die Meldungen kann man in den Kategorien: „Leicht“, „Mittel“ und „Schwerwiegend“ einteilen (Beispiele zu jeder Klassifizierung folgen auf der nächste Seite). Als „Mittel“ und „Schwerwiegend“ wurden alle die Meldungen kategorisiert, in denen die Polizei oder ein Arzt einbezogen wurde. Leicht 26 % Mittel 45 % Schwerwiegend 29 % Nicht nur Schüler, auch Eltern und andere Angehörige bedrohen Lehrer/innen und greifen sie an. In 10 Meldungen werden erwachsene Personen erwähnt, die bedrohen, manchmal ist es ein Elternteil oder ein Lebenspartner des Elternteils, der den/die Lehrer/in bedroht. In der Hälfte der Fälle kommt es zu einer Körperverletzung. Die Bedrohungen an Lehrer/innen sind im Schuljahr 2003/04 in 48 % der gemeldeten Fälle mit Körperverletzungen verbunden: Bedrohung 39 % Körperverletzung und gefährliche Körperverletzung 48 % Extremismus 13 % Die Gegenstände, die in der Schule zum Bedrohen benutzt wurden, sind zum größten Teil Schülerutensilien, wie z. B. Zirkelspitzen, Scheren, Taschen, Stifte, Zeigestöcke oder andere Gegenstände, die sich in der Schule befinden, wie z. B.: Besen, Toilettenbürsten, Tisch und Stuhlteile. Reine Bedrohungen erfolgen entweder schriftlich (Briefe, Internet, Beschreiben von Wänden und Türen) oder verbal. In beiden Arten von Bedrohungen werden starke Schimpfwörter, extremistische Beleidigungen oder Morddrohungen geäußert. Beispiele: „Du Schlampe, heute Abend lebst du nicht mehr.“ (ID 2023) „Halt die Schnauze“ „Morgen bringe ich ein Messer mit, um Sie und weitere Lehrer zu töten.“ (ID 2074) „Wenn ich eine Sechs bekomme, dann bringe ich Sie um.“ (ID 2167) Gab es bei den Lehrerbedrohungen schwere Vorfälle, bei denen Waffen zu Einsatz kamen? In 8 Fällen wurden Messer in den Meldungen erwähnt, in 2 Fällen Pistolen und in 2 weiteren Fällen Gassprays. Die genannten Waffen wurden in 5 Fällen zum Bedrohen benutzt. In 7 Fällen wurden der/die Lehrer/in allein oder zusammen mit Schülern (als Opfer) mit den in der Meldung erwähnten Waffen nicht „nur“ bedroht, sondern auch verletzt.

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Beispiele für die Klassifikation der Fälle in „leicht“, „mittel“ und „schwerwiegend“ Leichte Fälle: September 2003, Lichtenberg, Sonderschule Sek I (Klasse 7-10) Lehrerin nimmt während des Unterrichts Schülerin einen Zettel ab, Mitschülerin behauptet, dass er ihr gehöre und will ihn sich unerlaubt nehmen, es folgen Beleidigungen und Bedrohungen gegenüber der Lehrerin. (ID 1835) April 2004, Charlottenburg-Wilmersdorf, Berufsbildende Sek II Schülerin und Schüler wollen unerlaubt während des Unterrichts den Klassenraum verlassen. Lehrerin ermahnt beide. Lehrer steht vor der Tür. Schüler droht mit Worten: Ich lass mich von niemanden einsperren, sonst gibt es was. (ID 2186) April 2004, Steglitz-Zehlendorf, Gymnasium Sek II (Klasse 11 - 13) Vom Schulhof wirft Schüler durch ein Fenster einen Stift. Er trifft der Lehrerin an Kopf, Stirn und rechts über dem Auge. Anlass, so die Schule: „Täter habe sich gelangweilt und sei auf diese dumme Idee gekommen.“ (ID 2297) Mittlere Fälle: Man kann beobachten, dass bei den meisten „mittleren“ Fälle schulfremde Jugendliche an der Drohung gegenüber dem/der Lehrer/in beteiligt sind. September 2003, Friedrichshain-Kreuzberg, Hauptschule 3 schulfremde Jugendliche greifen nach der Aufforderung zu gehen eine Aufsichtsführende Lehrerin verbal und einen Lehrer körperlich an. (ID 1822) Februar 2004, Friedrichshain-Kreuzberg, Gymnasium Sek II Lehrer fordert 2 schulfremde Jugendliche und ein Mädchen auf die Schule zu verlassen. Einer der Jugendliche droht ihm mit Prügel. Der Hausmeister kommt hinzu, ermahnt die beiden ebenfalls. Ein schulfremder Jugendlicher sagt: „Kriegst was auf die Fresse.“ (ID 2096) Schwerwiegende Fälle: Oktober 2003, Marzahn-Hellersdorf, Sonderschule Sek I Wutanfall eines Schülers, boxt Lehrerin und bedroht sie mit einem Holztischteil und Messer, bedroht Mitschüler. Auslöser: Lehrerin wollte Eltern wegen unerledigter Aufgabe informieren. (ID 1877) Februar 2004, Neukölln, Grundschule Schüler ärgert im Unterricht Mitschüler. Lehrerin ermahnt ihn. Er beleidigt die Lehrerin und sagt: „Halt die Schnauze“ und haut mit dem Turnbeutel der Lehrerin ins Kreuz. Schüler droht Lehrerin und sagt: „Morgen bringe ich ein Messer mit, um Sie und weitere Lehrer zu töten. (ID 2074) Oktober 2003, Marzahn-Hellersdorf, Gesamtschule Lehrerin fährt mit dem Auto zur Schule, es fällt ein Schuss. Die Frontscheibe hat ein Loch. Der Täter ist und bleibt unbekannt. (ID 1869) Februar 2004, Spandau, Hauptschule Schülerin führt Gespräch mit Lehrerin. Der Lebensgefährte ihrer Mutter taucht auf. Er versucht Schülerin einzuschüchtern. Er schlägt ihr mit der Faust ins Gesicht. Er schlägt Lehrerin mit der Faust und trifft sie am Kehlkopf. Täter schlägt Opfer auch zu Hause. (ID 2102)
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Die Schule als sicheren Ort wahren Wo beginnt der Verantwortungsbereich der Schulen? Damit Schulen nicht für jedes Kinder- und Jugenddelikt der Stadt verantwortlich gemacht werden, wurde anhand der Meldungen der Schulen untersucht, welche Fälle eindeutig in den Rahmen der schulischen Zuständigkeit fallen. Bezogen auf die Zusammenstellung S. 6 unten entfallen damit alle Vorfälle, die von Schulfremden ausgingen. Es entfallen auch alle die Vorfälle, die von anonymen Personen ausgingen, z. B. die Zusendung von volksverhetzenden Materialien, aber auch anonyme Bedrohungen von Lehrern. Es ist anzunehmen, dass eine geringe Teilmenge der anonymen Täter Schülerinnen oder Schüler der meldenden Schule sind, die lieber im Schutz der Anonymität als offen handeln. Sie möchten für ihr Handeln nicht gerade stehen. Im vergangenen Schuljahr wurden Lehrerinnen oder Lehrer (teilweise gemeinsam mit Schülern) in 104 Fällen Opfer schulinterner Täter, die Zahl ergibt sich daraus, dass nur in diesen Vorfällen nachgewiesen werden konnte, von wem die Bedrohung oder der Angriff ausging. In den weiteren 50 Fällen (siehe S. 9) war dies nicht möglich. Im letzten Jahr war es also in 35 % der Fälle nicht möglich, Gewalthandlungen gegen Schüler, Lehrer oder solche, die sich gleichzeitig gegen Schüler und Lehrer richteten, angemessen aufzuarbeiten, weil die Täter schulfremd oder völlig anonym waren. Es versteht sich von selbst, dass Schulen nur die Fälle sorgfältig aufarbeiten können, die sich in ihrem Verantwortungsbereich ereignen. Sie können durch schulinterne Absprachen Standards für den Umgang mit Gewaltvorfällen setzen. Erfahrungsgemäß spricht sich das in der Schule und häufig auch in ihrem Umfeld herum: Diese Schule kümmert sich um die Sicherheit und das Wohlergehen der Schüler, wer andere schädigt, kriegt Ärger, die Schule lässt das nicht auf sich beruhen, sondern fordert Wiedergutmachung.

Frustration schafft Aggression? – auch 2004 eine aktuelle Frage... An der Universität Potsdam wurden zu Beginn des Wintersemesters 004/05 Studierende des Lehramtes nach eigenen Gewalterfahrungen während ihrer eigenen Schulzeit befragt. Eine Studentin berichtete, sie habe erlebt, dass vom Lehrer mit einem Schlüsselbund geworfen worden sei. In der großen Seminargruppe stellte sich heraus, dass nur zwei Studierende solches Werfen mit einem Schlüsselbund nicht erlebt hatten. Lehrerinnen und Lehrer zu Beginn des ersten Jahrzehnts erleben ihre Schüler wiederholt als in ihrer Sprache und im Verhalten im Unterricht (z. B. als „Arbeitsverweigerung“) als sehr aggressiv. Eigene Aggressionen – vom Augenverdrehen, über zynische Äußerungen bis hin zum Werfen von Gegenständen (häufig mit dem Ziel die Aufmerksamkeit wieder herzustellen) werden als reaktiv wahrgenommen. Ein friedliches Miteinander kann nur bei wechselseitigem Respekt gelingen. Diese Achtung ist die Basis einer guten Schulgemeinschaft und die Voraussetzung für ein tragfähiges Miteinander, in dem jeder lernen und arbeiten kann, weil er oder sie sich der Wertschätzung und Unterstützung der anderen sicher weiß.

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Bewaffnung - Vorfälle mit Waffen und waffenartigen Gegenständen
Waffe Schuljahr 1999/2000 Schulart Grundschule Sonderschule G Sonderschule Sek I Hauptschule Realschule Gesamtschule Gymnasium Sek I Berufsbildende Sek 1999/2000 Grundschule Sonderschule G Sonderschule Sek I Hauptschule Realschule Gesamtschule Gymnasium Sek I Berufsbildende Sek 2000/2001 Grundschule Sonderschule Sek I Hauptschule Haupt- /Realschule Realschule Gesamtschule Gymnasium Sek I Berufsbildende Sek 2001/2002 Grundschule Sonderschule G Sonderschule Sek I Hauptschule Haupt- /Realschule Realschule Gesamtschule Gymnasium Sek II Berufsbildende Sek 2002/2003 Grundschule Sonderschule G Sonderschule Sek I Hauptschule Realschule Gesamtschule Gymnasium Sek I Gymnasium Sek II Berufsbildende Sek 2003/2004 Messer 5 1 4 2 3 2 1 18 5 2 4 1 1 3 16 1 3 1 4 5 1 15 10 1 1 2 4 9 5 3 35 9 3 5 10 6 1 2 2 38 Pistole 1 1 2 2 1 1 8 1 1 1 3 1 1 1 3 3 2 1 2 3 1 1 13 1 1 1 1 2 1 1 8 waffenartiger Gegenstand 5 1 1 3 1 1 1 13 2 1 1 1 4 2 11 2 2 2 2 1 9 1 4 1 1 7 5 1 4 1 1 2 3 17 Summe 11 2 5 5 8 4 2 2 39 8 2 2 2 5 5 1 5 30 2 2 6 1 4 8 2 2 27 14 1 1 8 5 12 8 2 4 55 15 4 10 12 2 10 5 2 3 63

II

Ergebnis 2000/01

II

Ergebnis 2001/02

II

Ergebnis 2002/03

II

Ergebnis 2003/04

II

Ergebnis

13

Fälle von Bedrohung und Körperverletzung mit Waffen nach Schuljahren Schuljahr 1999/2000 Delikt Messer Pistole 9 2 7 18 9 7 16 5 2 8 15 17 3 15 35 14 24 38 4 4 8 2 1 3 2 1 3 10 3 13 2 6 8 waffenartiger Gegenstand 6 7 13 5 6 11 3 1 5 9 1 2 4 7 4 2 11 17 Summe 19 2 18 39 16 14 30 10 4 13 27 28 5 22 55 20 2 41 63

Bedrohung Körperverletzung gefährliche Körperverletzung Ergebnis1999/2000 2000/01 Bedrohung gefährliche Körperverletzung Ergebnis 2000/2001 2001/02 Bedrohung Körperverletzung gefährliche Körperverletzung Ergebnis 2001/2002 2002/03 Bedrohung Körperverletzung gefährliche Körperverletzung Ergebnis 2002/2003 2003/04 Bedrohung Körperverletzung gefährliche Körperverletzung Ergebnis 2003/2004

Die Schulmeldungen erwähnen etwa so viele Pistolen und Messer wie im Vorjahr Im Schuljahr 2003/04 liegen insgesamt 51 Meldungen vor, in denen Waffen Erwähnung finden, während es im Schuljahr 2002/03 noch 55 Meldungen gab, in denen Waffen erwähnt wurden. Von den 51 Waffenerwähnungen, erkennt man bei den Messern eine leichte Zunahme, da im Schuljahr 2002/03 36 Messer registriert wurden und es im Schuljahr 2003/04 insgesamt 42mal die Erwähnung von einem Messer gibt. An zweiter Stelle befinden sich die Pistolen mit 9 Meldungen, hier ist ein leichter Rückgang festzustellen, da es im Schuljahr davor 13 Erwähnungen von mitgebrachten Pistolen in den Gewaltmeldungen gab. Es ist unwesentlich, ob es sich um unechte Waffen oder Waffen nach dem Waffengesetz handelt. Auch das Opfer einer Geiselnahme muss nicht entscheiden, womit es bedroht wurde, um so zur Angst „berechtigt“ zu sein. Eine Bedrohung ist ein Offizialdelikt. Waffen bei Schülern oder Schulfremden? In 70,5 % dieser Fälle waren die Täter „schulintern“ (Täter sind Angehörige der Schule), in 20,5 % der Fälle waren Schulfremde die Akteure, in 9 % der Fälle blieben die Täter oder der Täter anonym.

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Schulintern Schulfremde Anonym Gesamt:

70,5 % 20,5 % 9 % 100 %

„Bewaffnete Ausländer?“ Von den registrierten 51 Fälle, in denen Waffen zur Bedrohung oder Körperverletzung benutzt wurden, werden 10 Fälle Schülern nicht deutscher Herkunft (ndH) zugeordnet, das heißt in einem Fünftel der Fälle (20 %). Dies widerlegt die allgemeine Ansicht, dass Schüler nicht deutscher Herkunft diejenigen sind, welche am meisten mit Waffen umgehen. Beispiele • • November 2003, Pankow, Grundschule Schüler bedroht Mitschüler mit einem Taschenmesser und fordert die Herausgabe der Pausenbrote. (ID 1909) Dezember 2003, Neukölln, Gesamtschule Schüler wird von 3 unbekannten Jugendlichen nichtdeutscher Herkunft überfallen, mit Messer bedroht, Schlag auf den Kopf mit dem Messergriff. Täter rauben Opfer das Handy. (ID1966) September 2003, Friedrichshain-Kreuzberg, Gymnasium Sek I Zwei Schüler werden von drei ndH Schüler erpresst Geld und Zigaretten zu geben, nach verbaler Auseinandersetzung wird einer der Opfer von ein ndH Schüler mit einer Holzlatte auf den Kopf geschlagen. (ID: 1795) Februar 2004, Steglitz-Zehlendorf, Realschule Am Vortag äußert Schüler gegenüber zwei Schülern, er wird mit Pistole (vom Stiefvater) fünf Mitschüler (namentlich erwähnt), den Schulleiter und sich selbst töten. Diese Drohung wiederholt er telefonisch gegenüber einer Mitschülerin. (ID 2112) März 2004, Charlottenburg-Wilmersdorf, Grundschule Ehemaliger Schüler holt Grundschüler ab. Er hält auf Heimweg eine Schreckschusspistole an Kopf einer Schülerin und drückt ab. Täter, Grundschüler und sechs weitere Schüler hantieren mit der „Waffe“ auf und vor dem Schulgelände. (ID 2191) Januar 2004, Steglitz-Zehlendorf, Sonderschule, Grundschule Schüler bedroht auf Schulweg Mitschüler mit einem Messer, Opfer ruft Polizei per Handy und sucht Schutz in der Schule. Das Problem, das zum Auslöser wurde, entstand auf einer Geburtstagsparty am Wochenende. (ID 1924)

•

•

•

•

(Rechts-)Extremistisch motivierte Vorfälle
Im Schuljahr 2003/04 gingen 39 Meldungen über (rechts-)extremistisch motivierte Vorfälle an Schulen ein, im Vorjahr waren es 26, dies bedeutet eine Zunahme um ein Drittel. Diese Zunahme wird im folgenden Text von Jana Kerbitz I E 52 in Einzelheiten beleuchtet. Informationen zur Meldepflicht und zur Aussagekraft der Meldungen: Seit 1989 sind die Schulen zur Meldung von verfassungsfeindlichen Aktivitäten verpflichtet. Dazu gehören antisemitische, fremdenfeindliche, rechtsextreme oder islamistische Äußerungen in mündlicher oder schriftlicher Form. Die Meldepflicht gilt für Vorfälle in der Schule, auf dem Schulge15

lände und auf Klassenfahrten gleichermaßen. Sie gilt auch für die Zusendung verfassungsfeindlicher Materialien. Erfahrungsgemäß melden Schulen, wozu sie sich verpflichtet fühlen, was sie belastet und wobei sie sich Unterstützung erhoffen. Es sind die für die Menschenwürde engagierten Schulen, die die Vorfälle in ihrem Verantwortungsbereich wahrnehmen, sie nicht übergehen oder gar bagatellisieren. Bewertung von Entwicklungen allgemein: Die Anzahl der Meldungen sagt etwas über die Signifikanz solcher Vorfälle an Schulen aus. Sie ermöglicht jedoch keine Aussagen zum Verbreitungsgrad extremistischer Orientierungen in jugendlichen Subkulturen und in Schulen allgemein. Die Tatsache, dass im vergangenen Schuljahr solche Fälle häufiger gemeldet wird, spricht für eine erhöhte Aufmerksamkeit der Schulen gegenüber verfassungsfeindlichen Äußerungen. Auf wiederholt gestellte Fragen und typische Vorannahmen zum Extremismus an Schulen soll zunächst antwortend eingegangen werden: Über die zu berichtenden Trends, Strukturen und die Verteilung der Vorfälle nach Schularten und Regionen werden nach diesen Antworten Grafiken vorgestellt, die die zentralen Aussagen verdeutlichen und mit Beispielen aus den Meldungen belegen. 1. Gibt es derzeit mehr Fälle von Antisemitismus und Rechtsextremismus in der Schule? Der Antisemitismus, so vermuten Beobachter, sei unter den Schülern stark angestiegen. Diese These wurde auch anlässlich der Antisemitismus-Tagung im Juni 2004 in Berlin und auch nach der angekündigten Verteilung der Rechtsextremistischen CD an Berliner Schulhöfen im August 2004 wiederholt vertreten. Es gibt einen geringen prozentualen Anstieg von +0,6 % der Meldungen über (rechts-) extrem motivierte Vorfälle, die die Zunahme der absoluten Zahlen um ein Drittel relativiert: Von 6,4 % im Vorjahr (26 Extremismusmeldungen von insgesamt 422 Gewaltmeldungen) auf 7 % in diesem Schuljahr (39 Extremismusmeldungen von insgesamt 560 Gewaltmeldungen). Zu verzeichnen ist damit zwar eine Zunahme in absoluten Zahlen, die vor dem Hintergrund und im Kontext der allgemeine Zunahme aller Meldungen jedoch vornehmlich als Erhellung des Dunkelfeldes zu verstehen ist. Eine prozentuale Zunahme des Antisemitismus ist anhand der Meldungen der Schulen nicht zu belegen, dies ergibt eine nähere Analyse der Daten. 11 der 39 Meldungen über (rechts-) extrem motivierte Vorfälle, sind antisemitisch motivierte Vorfälle. Das ist ein Anteil von 2 % aller 560 Schulgewaltmeldungen. Die restlichen 28 Meldungen sind rechtsextrem (neonazistisch: 23 Fälle), fremdenfeindlich (3 Nennungen) und islamistisch motiviert (2 Meldungen: 0,35 % der Schulgewaltmeldungen). 2. Kommt der schlechte Einfluss von Außen? Die Handlungsträger sind neben Schüler/innen (20 Nennungen zu „internen“ Tätern, dies bedeutet einen Anteil von 51,3 % der von Schulen gemeldeten Fälle) zu hohem Anteil anonyme Täter (15 Nennungen, 38 %). So singt zum Beispiel ein Schüler nichtdeutscher Herkunft während des Unterrichts ein Lied antisemitischen Inhalts, in einem weiteren Fall wird in einer Realschule von Unbekannten ein Plakat mit rechtsextremen Inhalten angebracht. Es ist anzunehmen, dass auch diese Unbekannten in einer irgendwie gearteten Beziehung zu der meldenden Schule stehen.
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Externe Täter, also z. B. ehemalige Schüler/innen, Schüler/innen anderer Schulen oder Eltern von Schülern, sind in einem geringen Anteil von 8 % der Extremismusvorfälle tätig. Zum Beispiel bedrohten sechs nicht der Schule angehörige Jugendliche drei Schüler einer Sonderschule Sek I mit rechtsextremistischen Äußerungen, einem Messer und den Worten „Wir werden euch die Kehlen aufschlitzen“. 3. Deliktstruktur: „Immer mehr extremistisch motivierte Gewalt an Schulen?“ Tatsächlich gibt es einen Rückgang der extremistisch motivierten Vorfälle mit Gewaltanwendung. Körperverletzungen und Bedrohungen machen einen Anteil von 18 % der Extremismusmeldungen aus (7 Fälle), ein geringerer Anteil als im Vorjahr (40 % aller Extremismusmeldungen). In 82 % handelt es sich um Propagandadelikte (32 Meldungen), das ist ein ernstzunehmender Anstieg um 23 % gegenüber dem Vorjahr. 4. „Die meiste Propaganda kommt von Außen“ Der überwiegende Anteil der Meldungen über Propagandadelikte nennt Schülern als die, von denen diese Propaganda ausging (56 % der Propagandadelikte). Solche Propaganda äußert sich in „Heil-Hitler-Rufen“ auf dem Schulhof und im schuleigenen Netz verbreiteten Dateien mit nationalsozialistischen Inhalten oder im Vorlesen rechtsextremistischer Gedichte während des Unterrichts. Die restlichen Propagandameldungen stammen von unbekannten Personen, die Schulen mit (rechts-) extremen Parolen besprühen oder Briefe (rechts-) extremen Inhalts mit anonymen Absender verteilen. 5. „Das sind wie immer die Rechtsextremen aus den Ost-Bezirken!“ ... könnte meinen, wer nach den gängigen Vorannahmen und Vorurteilen geht. Aber die Ost-West Anteile sind fast gleich: 44 % aller Meldungen von (Rechts-) Extremismus entfallen auf westliche, 41 % auf östliche Bezirke und 15 % sind wegen der Zusammenlegung der Bezirke Tiergarten, Mitte, Kreuzberg und Friedrichshain zu zwei Ost-West Bezirken nicht mehr eindeutig zuzuordnen. 6. „Unsere Grundschüler betrifft das nicht!“ Alle Schularten sind betroffen, keine ist ausgenommen. An erster Stelle steht die Gesamtschule (12 Extremismusmeldungen), an zweiter Stelle die Grundschule (mit 11 Meldungen). Während der Anteil an allen Gewaltmeldungen der Grundschulen (29,3 %) dem Anteil der Extremismusmeldungen (28,2 %) entspricht, ist der Anteil der Gesamtschulen an Extremismusmeldungen (30,8 %) gegenüber ihrem Anteil an allen Meldungen (16,3 %) merklich höher. 7. „Immer mehr Waffen im Zusammenhang mit Extremismus?“ In nur einem Fall wurde die Verwendung einer Waffe im Kontext deutlich extremistischer Orientierungen bekannt: Sechs Schüler bedrohten drei andere mit einem Messer.

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Überblick über Tendenzen innerhalb der Extremismusmeldungen Extremistische Vorfälle, der Tendenz nach ... motiviert (in absoluten Zahlen) antisemitisch fremdenfeindlich rechtsextremistisch antisemitisch fremdenfeindlich rechtsextremistisch islamistisch 5 3 23 6 2

Extremistische Vorfälle

rechtsextrem. 59%

antisem./fremd. rechtsextrem. 15%

islamistisch antisemitisch fremdenfeindl. 13% 8%

5%

Beispiele: Rechtsextremistisch motivierte Vorfälle • In einer Gesamtschule zeichnen zwei Schüler einem Mitschüler ein Hakenkreuz auf seinen Anorak. (ID 1946) • Am Eingangsbereich einer Grundschule werden Hakenkreuzschmierereien eines unbekannten Täters vorgefunden. (ID 1968) Fremdenfeindlich motivierte Vorfälle • Ein Schüler einer Gesamtschule nichtdeutscher Herkunft gibt einem Mitschüler einen Text mit extrem rassistischem, sexistischem und sadomasochistischem Inhalt. (ID 1889) Antisemitisch motivierte Vorfälle • In der Herrentoilette einer Berufsschule werden Graffiti antisemitischen Inhalts vorgefunden. (ID 1940) Vorfälle mit antisemitisch/fremdenfeindlich/rechtsextremen Hintergrund • Im Jüdischen Museum schreibt ein Gesamtschüler nichtdeutscher Herkunft antisemitische, nationalsozialistische Äußerungen und seinen Namen ins Gästebuch. (ID 2282) • Vor dem Haupteingang einer Sonderschule G werden die Busstation und im Schulhof die Fassade des Nebengebäudes mit Hakenkreuzen, SS-Runen, antisemitischen und fremdenfeindlichen Sprüchen verunziert aufgefunden. (ID 1870)

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Islamistisch motivierte Vorfälle • Ein Vater nichtdeutscher Herkunft wird zusammen mit seinem Sohn, einem Grundschüler, nach einem Vorfall zur Schulleiterin bestellt. Der Vater beleidigt sowohl die Schule als auch die Schulleiterin als „unfähig und unmoralisch“. Sie könne seinen Sohn nicht beurteilen, da sie „die Hisbollah beleidigt habe, die sein Land von den Juden befreien wolle“. (ID 2208)

Gebiete in Berlin (in absoluten Zahlen) Ost West Frh./Mitte/Krb. 16 17 6

Frh. / M / Krb. itte 15% Os t 41% Wes t 44%

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Schulart Häufigkeiten (abs.) Grundschule 11 Sonder-Grundschule 2 Hauptschule 1 Realschule 4 Gesamtschule 12 Sonderschule - Sek I 5 Gymnasium Sek II 1 Berufsschule 3

Schulart

Gymnasium Sek II 3% Sonder-Sek I 13% Berufssch. 8% Grundsch. 28%

Gesamtsch. 30%

Realsch. 10% SonderGrundschule 5% Hauptsch. 3%

20

intern 20

Täterstatus (in absoluten Zahlen) extern intern/extern 3 1

anonym 15

Täterstatus

anonym 38%

intern 51%

intern/extern 3%

extern 8%

Beispiele Interner Täter • An einer Hauptschule singt ein Schüler nichtdeutscher Herkunft ein Lied mit antisemitischen Inhalten in der Unterrichtsstunde. In der Klasse erfolgt Gelächter. (ID 2105) • Ein Realschüler wirbt um Mitgliedschaft in einer von ihm frei erfundenen nationalsozialistischen Organisation. Er beschimpft Mitschüler „Dreckiger Kommunist/Jude!“ und legt Akten über sie an. (ID 2210) Anonymer Täter • Im Gebäude einer Realschule wird von Unbekannten ein Plakat mit rechtsextremen Inhalten angebracht. (ID 1805) Externer Täter • Drei Schüler einer Sonderschule Sek I werden von 6 nicht zur Schule gehörigen Jugendlichen verbal mit „Kehle aufschlitzen“, rechtextremen Äußerungen und einem Messer bedroht. (ID 1850)
21

•

Vor einer Gesamtschule wird ein offener Brief antisemitischen und rechtsextremistischen Inhalts verteilt. Zusätzlich wird dem Schulleiter ein Strafverfahren wegen „Landesverrat“ angedroht. (ID 2211)

Delikte (nach Schulmeldungen) in absoluten Zahlen Propaganda externPropaganda intern Körperverletzung Bedrohung demonstrativ nicht offensiv 14 11 7 3 4

Beispiele: Propaganda extern • Unbekannte Personen betreten das Schulgrundstück einer Grundschule und besprühen Schulfassade und Fenster mit Hakenkreuzen. (ID 2154) • Im Treppenaufgang einer Grundschule werden ein in die Wand geritztes Hakenkreuz und die Worte „Heil Hitler“ vorgefunden. Der Täter ist unbekannt. (ID 1949) Propaganda intern/demonstrativ • Geschichtsunterricht: ein Gesamtschulschüler unterbricht die zitierte Rede M. Luther Kings: „ ...Schwarze und Weiße, Christen und Juden ... .“ mehrmals mit: „Scheißjuden!“ (ID 2264) • In einer Berufsschule verbreitet ein Schüler im schuleigenen Computernetz eine Datei mit den Nationalsozialismus verherrlichenden Inhalten. (ID 2134) Propaganda intern/nicht offensiv: • Ein Schüler einer Grundschule beschäftigt sich während des Unterrichts mit rechtsextremen Gedichten. (ID 1905) • In einer Gesamtschule nimmt ein Lehrer einer Schülerin einen mit Haken kreuzen und den Worten „Heil Hitler“ verunstalteten Ordner ab. (ID 1993) Köperverletzung • Eine Grundschulschülerin nichtdeutscher Herkunft wird von sechs deutschen Schülern getreten und beleidigt. Ein rechtsextremer Hintergrund ist bei einem der Schüler bekannt. (ID 1810) Bedrohung • In einer Sonderschule Sek I bedroht ein Schüler, bekleidet mit verbotener rechtsextremer Kleidung, einen Mitschüler mit den Worten: „Es wird Tote geben und du bist der Erste“. (ID 1945)

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Schwerpunkte der Gewalt
Gewaltvorfälle pro Bezirk
Bezirk Mitte Friedrichshain-Kreuzberg Pankow Charlottenburg-Wilmersdorf Spandau Steglitz-Zehlendorf Tempelhof-Schöneberg Neukölln Treptow-Köpenick Marzahn-Hellersdorf Lichtenberg Reinickendorf insgesamt 1999/2000 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 27 9 24 45 70 29 19 19 30 52 36 14 18 18 27 14 32 23 25 38 9 20 13 17 17 9 16 11 20 50 11 21 15 27 29 10 29 31 118 106 30 31 30 36 44 19 19 23 20 25 47 42 38 44 84 11 18 10 22 18 252 270 255 422 560

Zur Rangfolge der regionalen Belastungen und deren Hintergründen Entsprechend den Meldungen der Schulen ergibt sich für die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport folgende Rangfolge der regionalen Belastungen an Schulen und in deren unmittelbarem Umfeld: 106 Meldungen aus Neukölln, 84 Meldungen aus Lichtenberg, 70 Meldungen aus Mitte. Als am wenigsten belastet erscheinen entsprechend den SenBJS vorliegenden Meldungen die Schulen der Bezirke Spandau (17 Meldungen), Reinickendorf (18) und Marzahn-Hellersdorf (25). Kenner der regionalen Gegebenheiten überraschen einige dieser Daten. In manchen Regionen verzeichnet die Polizei zwar eine deutliche Belastung mit Kinder- und Jugenddelinquenz, aus den Schulen der gleichen Region gehen jedoch nur wenige Meldungen ein. Dies kann mit dem eingangs erwähnten unterschiedlichen Rechtsverständnis der dem Legalitätsprinzip verpflichteten Polizei und dem Rechtsverständnis der Schulen zusammenhängen. Die Differenz einschlägiger Erkenntnisse bedarf weiterhin der Aufklärung. Im letzten Jahresbericht wurde erwähnt, dass eine entscheidende Ursache der Spitzenstellung von Neukölln neben der bekannten Belastung des Bezirks die Tatsache ist, dass die Schulaufsicht des Bezirks seit dem Schuljahr 2002/2003 auf ein konsequentes Meldeverhalten der Schulen achtet. Es ist erfreulich, dass die Schulaufsicht einiger Bezirke, wie z. B. des Bezirks Mitte, die Aufklärung der Gewaltvorfälle zur Chefsache erklärt hat. Dies führt erfahrungsgemäß im ersten Schritt zu einem scheinbaren Mehr an Vorfällen, das sich aus der Erhellung des Dunkelfeldes erklärt. In der Folge jedoch spricht sich herum, dass Gewalt sanktioniert wird und sich daher nicht lohnt. Dies reduziert langfristig die Gewaltbelastung an Schulen – der offensive Umgang mit Gewalt macht Schule und mindert diese!

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Gewalt nach Bezirken
Delikte nach Bezirken – Vergleich der Schuljahre 2002/2003 und 2003/2004 a) Schuljahr 2002/2003
Bezirk CharlottenburgWilmersdorf FriedrichshainKreuzberg Lichtenberg MarzahnHellersdorf Mitte Neukölln Pankow Reinickendorf Spandau Steglitz-Zehlendorf TempelhofSchöneberg Treptow-Köpenick Berlin insgesamt Beleidig.Bedroh. Erpress. gefährl. Körperverletzung 4 9 4 1 9 33 3 6 1 4 7 3 84 KörperRaub verletzung 10 8 20 6 17 35 6 9 8 8 6 14 147 1 (Rechts) SachExtreSonst.Summe besch. mismus 1 1 1 25 30 44 20 45 118 18 22 17 20 27 36 422

x x x x x x x x x x x x x

8 11 13 7 15 28 4 4 4 6 9 13 122

1 1 1 3 1 6 1

1

4 3 2 7 2 3

3 3 1 2 1 2 14

1 3 1 1

3

2

1 3 26 6

1 1 7

16

x: Kategorie „Beleidigung“ wurde erstmals im Schuljahr 2003/2004 erfasst b) Schuljahr 2003/2004
Bezirk CharlottenburgWilmersdorf FriedrichshainKreuzberg Lichtenberg MarzahnHellersdorf Mitte Neukölln Pankow Reinickendorf Spandau Steglitz-Zehlendorf TempelhofSchöneberg Treptow-Köpenick Berlin insgesamt Beleidig. Bedroh.Erpress. gefährl. Körperverletzung 13 20 19 10 23 39 10 7 9 14 5 13 4 182 KörperRaub verletzung 15 9 34 7 24 39 12 5 4 11 6 17 183 6 2 2 2 10 (Rechts) SachExtreSonst.Summe besch. mismus 2 3 7 1 3 4 1 2 3 3 3 7 39 1 1 1 3 2 38 52 84 25 70 106 27 18 17 50 29 44 560

7 1 6 9 10 5 13 12 4 3 16 13 4 10 96 1

3

1 2

2

2

1 3 1 1 11 1 2 1

2 24

11

24

Gewaltvorfälle nach Schulstufen und Schularten
In welchem Umfang melden Schulstufen und die einzelnen Schularten? Meldungen nach Schulstufen Schuljahr 2003/2004

Sek II 11%

Grundstufe 29%

Sek I 60%

a) absolut
SonderRealGe- Gym- SonderGym- BerufsGrund- schule Grund- samt- nasium schule Haupt- Haupt- schu- Sek nasium bildende stufe schule Sek I I Sek II Schuljahr schule G Sek I /Realschule schule le Sek II 1999/2000 75 89 31 27 29 4 18 33 142 5 16 14 2000/01 83 36 24 10 4 37 39 150 3 34 63 20 2001/02 74 32 28 26 12 26 29 153 7 21 68 6 2002/03 113 70 27 21 18 76 58 270 11 28 94 19 2003/04 139 164 91 24 58 16 92 56 337 19 40 25

Sek II 21 37 28 39 59

insges. 252 270 255 422 560

b) prozentual
SonRealderGe- Gymna- SonderGymna- BerufsGrund- schule Grund- samt- sium schule Haupt- Haupt- schu- Sek sium bildende Sek insSchuljahr schule G stufe schule Sek I I II ges. Sek I /Realschule schule le Sek II Sek II 1999/2000 29,8 5,6 35,3 12,3 10,7 8,3 100 11,5 1,6 7,1 13,1 56,3 2,0 6,3 2000/01 23,3 7,4 30,7 13,3 8,9 3,7 1,5 13,7 14,4 55,6 1,1 12,6 13,7 100 2001/02 26,7 2,4 29,0 12,5 11,0 11,0 100 10,2 4,7 10,2 11,4 60,0 2,7 8,2 2002/03 22,3 4,5 26,8 16,6 9,2 100 6,4 5,0 4,3 18,0 13,7 64,0 2,6 6,6 2003/04 24,8 4,5 29,3 16,3 10,5 100 4,3 10,4 2,9 16,4 10,0 60,2 3,4 7,1

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Delikte nach Schularten
Vergleich der Schuljahre a) Durchschnitt der Schuljahre 1999/2000 bis 2002/03
Schulstufe Grundschule Sonderschule G Sonderschule Sek I Hauptschule Haupt-/Realschule Realschule Gesamtschule Gymnasium Sek I Gymnasium Sek II Berufsbildende Sek II Gesamtergebnis Beleidig.Bedroh.Erpress. x x x x x x x x x x x 21,3 4,0 5,5 9,5 3,8 7,0 11,5 11,0 2,5 8,5 84,5 1,8 0,5 0,8 1,0 2,5 1,0 0,3 7,8 gefährl. (Rechts-) KV* Raub Sachbesch.Sonst. Summe KV* Extremismus 9,8 32,0 2,5 6,3 3,5 9,5 10,3 14,0 1,3 4,3 14,0 12,3 11,5 9,3 3,3 1,0 4,8 4,0 1,5 7,3 0,3 0,3 1,0 1,5 0,3 0,5 1,0 0,3 5,0 7,3 0,5 1,0 2,5 4,8 6,5 5,3 0,8 4,0 32,5 1,3 0,8 0,5 0,3 0,3 0,3 0,3 3,5 1,5 0,5 0,5 0,3 0,3 0,3 0,3 0,8 0,3 4,5 75,0 14,8 21,5 39,3 9,5 39,8 42,3 26,5 6,5 24,8 299,8

61,8100,3

x: Kategorie „Beleidigung“ wurde erstmals im Schuljahr 2003/2004 erfasst

b) Schuljahr 2003/2004
Schulstufe Grundschule Sonderschule G Sonderschule Sek I Hauptschule Haupt-/Realschule Realschule Gesamtschule Gymnasium Sek I Gymnasium Sek II Berufsbildende Sek II Gesamtergebnis Beleidig.Bedroh. Erpress. 7 1 2 10 21 7 8 16 5 10 11 5 5 8 96 2 1 1 4 gefährl. (Rechts-) KV*Raub Sachbesch.Sonst. Summe KV* Extremismus 43 44 5 10 18 35 1 18 29 12 7 24 31 8 19 25 4 4 6 1 1 1 1 9 3 2 24 11 2 5 1 4 12 1 3 39 2 1 2 1 4 1 11 3 1 4 2 1 11 139 25 58 92 16 56 91 24 19 40 560

14 14 182183

*: Körperverletzung

26

Monat August September Oktober November Dezember Januar Februar März April Mai Juni Juli Insgesamt

1999/2000 1 21 16 38 23 24 29 46 12 12 15 15 252

2000/2001 20 21 42 38 33 12 39 13 22 16 14 270

2001/2002 5 25 31 23 14 22 14 19 29 38 33 2 255

2002/2003 10 31 28 43 40 43 46 57 35 46 43 422

2003/2004 6 72 40 62 59 58 54 60 46 69 34 560

Warum die Erfassung nach Monaten? Welche Hinweise geben die Gewaltvorfälle nach Kalendermonaten? Die Erfassung nach Kalendermonaten ermöglicht bei der Auswertung der Gewaltmeldungen bei SenBJS frühe Hinweise auf Trends verglichen mit dem Vorjahr. Sie ermöglicht es insbesondere frühzeitig, die Auswirkungen einschneidender gesellschaftlicher Ereignisse (z. B. des 11. September) abzulesen und je nach Situation auch Hilfsangebote für die in den Schulen Verantwortlichen zu machen. So war die unmittelbar erkennbare Zunahme der Lehrerbedrohungen nach dem Mord an der Lehrerin in Meißen am 9.11.99. Anlass zu einem Fortbildungsangebot für Schulleiterinnen und Schulleiter. Diese erste Fortbildung zum Thema Lehrerbedrohung (nach Erfurt folgten weitere) informierte über die Zunahme und klärte auf zu Rechtsfragen. Der Schwerpunkt der Information und des Trainings der Anwesenden lag bei der Frage: Wie können die Opfer von Bedrohungen unterstützt werden? Wie kann sich Schule gegen Bedrohungen schützen?Zu einem deutlichen Rückgang der Meldungen führte der 11. September. Im Schuljahr 2003/04 überrascht die Tatsache, dass der langjährige Trend zu mehr Vorkommnissen in den Wintermonaten außer Kraft gesetzt zu sein scheint. Die langjährige erkennbare erhöhte Belastung mit Gewaltvorfällen im Winter erschien allen Kennern des schulischen Alltags plausibel: Wer im Dunklen in die Schule geht und nachmittags nur eine kurze Zeit draußen spielen kann, lebt einen Teil seiner überschüssigen Energie in der Schule aus. Neue Entwicklungen und Trends begünstigen Fragen und damit oft auch neue Erkenntnisse. Warum gibt es im September 2003 auf einmal 72 Meldungen? Es scheint wahrscheinlich, dass die Bemühung der Schulpsychologen für Gewaltprävention und Krisenintervention, die Schulen für einen offeneres Meldeverhalten und einen offensiven schulinternen Umgang mit Gewalt zu gewinnen, erst später zu Auswirkungen auf das Meldeverhalten geführt haben.

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Gewaltvorfälle nach Ort des Geschehens
a) absolut Tatort Klassenraum Flur Sonstige in der Schule Sport zusammen Hof außerunterrichtliche Veranstaltung Exkursion zusammen Weg insgesamt Schuljahr 1999/2000 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 58 62 65 89 129 31 22 25 30 53 40 60 49 91 110 18 14 15 15 21 147 158 154 225 313 62 56 62 104 142 5 7 12 31 252 15 1 16 40 270 28 244 22 4 26 67 422 13 6 19 86 560

b) prozentual Tatort Klassenraum Flur Sonstige in der Schule Sport zusammen Hof außerunterrichtliche Veranstaltung Exkursion zusammen Weg insgesamt Schuljahr 1999/2000 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 23,0 23,0 26,6 21,1 23,0 12,3 8,1 10,2 7,1 9,5 15,9 22,2 20,1 21,6 19,6 7,1 5,2 6,1 3,6 3,8 58,3 58,5 63,1 53,3 55,9 24,6 20,7 25,4 24,6 25,4 2,0 2,8 4,8 12,3 100 5,6 0,4 5,9 14,8 100 11,5 100 5,2 0,9 6,2 15,9 100 2,3 1,1 3,4 15,4 100

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Opfer- und Tätergeschlecht bei Gewaltvorfällen
a) Opfergeschlecht – absolute Angaben Schuljahr männlichweiblich 1999/2000 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 138 137 114 238 314 männlich ohne Angabe*insgesamt und weiblich 70 17 27 252 70 24 39 270 68 21 52 255 107 41 36 422 138 68 40 560

b) Opfergeschlecht – prozentual Schuljahr männlichweiblich 1999/2000 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 54,8 50,7 44,7 56,4 56,1 männlich ohne Angabe*insgesamt und weiblich 27,8 6,7 10,7 100 25,9 8,9 14,4 100 26,7 8,2 20,4 100 25,4 9,7 8,5 100 24,6 12,1 7,1 100

a) Tätergeschlecht – absolute Zahlen Schuljahr männlichweiblich 1999/2000 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 218 212 189 345 448 männlich ohne Angabe*insgesamt und weiblich 17 8 9 252 33 10 15 270 30 5 31 255 44 13 20 422 60 13 39 560

b) Tätergeschlecht – prozentual Schuljahr männlichweiblich 1999/2000 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 * meist anonyme Täter 86,5 78,5 74,1 81,8 80,0 männlich ohne Angabe*insgesamt und weiblich 6,7 3,2 3,6 100 12,2 3,7 5,6 100 11,8 2,0 12,2 100 10,4 3,1 4,7 100 10,7 2,3 7,0 100

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Gewaltvorfälle nach kultureller Herkunft
Kinder und Jugendliche nichtdeutscher Herkunft Die folgende Analyse von Jana Kerbitz (I E 52) setzt sich mit gängigen Sichtweisen zur Gewalt von Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Herkunft ausgehend von den Erkenntnissen der Gewaltmeldungen der Schulen bezogen auf den Schulbereich auseinander. Auf den Seiten, die diesem Bericht über die 7 gängigen Vorannahmen folgen, finden Sie eine Zusammenstellung der Daten, auf denen die Analyse basiert. Sieben gängige Vorannahmen und Vorurteile über Schüler nichtdeutscher Herkunft in Verbindung mit Gewalt 1. „Werden Berliner Schulen mit Gewalt von Schülern nichtdeutscher Herkunft überschwemmt?“ 37,7 % aller von den Schulen gemeldeten Gewaltvorfälle (211 von insgesamt 560 Meldungen) fanden unter Beteiligung von Personen nichtdeutscher Herkunft statt. Das bedeutet, dass Schüler, Jugendliche und Eltern nichtdeutscher Herkunft auf der Opferseite und auch auf der Täterseite zu finden sind. Bezogen auf das Vorjahr mit einem Anteil der Gewaltmeldungen von 18,9 % Gewalt unter Beteilung von Personen nichtdeutscher Herkunft ist das eine deutliche Steigerung um 18,8 %. Jedoch muss dazu in Augenschein genommen werden, welchen Prozentsatz die interne Beteiligung (Schüler/innen als Verursacher der gemeldeten Vorfälle) einnimmt. Von den 211 Meldungen fanden 68,72 % unter interner Beteiligung statt (145 Fälle). Ein Vergleich zu den internen Gewaltvorfällen insgesamt: 67,6 %, ergibt keine große Diskrepanz. An 48 Fällen (22,7 % der Gewaltmeldungen mit nichtdeutscher Beteiligung) waren schulfremde Personen als Täter beteiligt (ehemalige Schüler/innen, Eltern, schulfremde Schüler/innen oder Jugendliche), 5,7 % (12 Vorfälle) wurden durch sowohl interne als auch externe Personen nichtdeutscher Herkunft und nur 6 Vorfälle (2,8 %) wurden von anonymen (der Schule unbekannt gebliebene) Personen verursacht. Beteiligung intern/extern schulfremd 48 22,75 intern 145 68,72 extern/intern 12 5,69 anonym 6 2,84

absolut prozentual

Bei einem Anteil von 21,44 % Schülern nichtdeutscher Herkunft sind 25,89 % Beteiligungsrate an Gewaltvorfällen auf Täterseite keine beunruhigende Größe. Bezogen auf den öffentlichen Raum außerhalb von Schule gibt es einen höheren Anteil im ndH Bereich.

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ndH-Beteiligung in 211 Fällen Schüler/Lehrer/S+L als Opfer Opferhäufigkeit Schüler: 167 (79,15 %) Opferhäufigkeit Lehrer: 29 (13,74 %) Opferhäufigkeit Lehrer & Schüler: 13 (6,16 %) Gesamtvergleich 375 (67 %) Anteil von 44,53 % 97 (17,3 %) ″ ″ 29,89 % 59 (10,5 %) ″ ″ 22,03 %

2. „Täter und Opfer stammen immer aus der gleichen ethnischen Gruppe!“ Die Angaben der Schulen erlauben keine Rückschlüsse auf die Zugehörigkeit der betroffenen Personen nichtdeutscher Herkunft aus einer speziellen Ethnie, z. B. türkisch. So kann nur eine Aussage darüber getroffen werden, wie groß die Opfer- und Täterhäufigkeit innerhalb der Gruppen: Personen deutscher und nichtdeutscher Herkunft ist. Die Klassifikation als deutsch oder nichtdeutscher Herkunft ist nicht völlig eindeutig, denn sie erfolgt ausschließlich unter Gesichtspunkten der Wahrscheinlichkeit anhand des Namens oder ausgehend von ergänzenden Hinweisen der Schulen zur ethnischen Zugehörigkeit der Beteiligten. 3. „Schüler nicht deutscher Herkunft werden bevorzugt Opfer von Gewalt“ Bei der Bewertung ist zu berücksichtigen, dass sich alle Aussagen zum Verhalten Beteiligter ndH ausschließlich auf eine Teilmenge von 38 % an allen Gewaltvorfällen beziehen. Innerhalb dieser Teilmenge gibt es folgende Auffälligkeiten: In den Gewaltmeldungen der Berliner Schulen, in denen sich Angaben zur Beteiligung von Personen ndH befinden, werden diese selten als Opfer von deutschen Schülerinnen und Schüler oder Schulfremder genannt. Dagegen kommt es deutlich häufiger vor, dass deutsche Schüler, selten Schülerinnen, Opfer von Tätern nichtdeutscher Herkunft werden. Anteil Anteil Anteil Anteil Täter ndH insgesamt: Opfer ndH insgesamt: Täter deutsch insgesamt: Opfer deutsch insgesamt: 202 68 24 131

Allgemein: Täter & Opfer ndH: Opfer deutsch (Täter ndH): Täter deutsch (Opfer ndH):

48 127 18

22,7 % 60,2 % 8,5 % 19,9 % 30,9 % der 42 Gruppen

Gruppe ndH 42 Davon mit deutscher Beteiligung: 13

18 Fälle sind nicht eindeutig obigen Kategorien zuordenbar. 4. „Schüler nichtdeutscher Herkunft akzeptieren keine Autoritäten mehr!“ Die Opferhäufigkeit von Schul- und Lehrpersonal beträgt unter Beteiligung von Tätern nichtdeutscher Herkunft 13,7 %. Das ist im Vergleich zur Gesamthäufigkeit mit der Schul- und Lehrpersonal zu Opfern von Gewalt werden (17,3 %) kein auffälliger Wert.
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Ähnlich fällt der Vergleich der Gesamthäufigkeit und der Häufigkeit auf ndH – Seite aus, mit der Schüler und Lehrer zu Gewaltopfern werden. Innerhalb aller Schulen traf dies in 10,5 % der Schulgewaltmeldungen zu und unter Beteiligung von Personen nichtdeutscher Herkunft in 6,16 % aller Fälle. Ein Vergleich zum Vorjahr: Aufsichtspersonen (Lehrer, Lehrer und Schüler) waren zu 16,25 % als Opfer unter der Beteiligung von nichtdeutschen Personen betroffen. In diesem Schuljahr sind es 19,86 %. Bedenkenswert ist der Anteil von Schülern, die zu Opfern wurden: 79,2 % Opferhäufigkeit stehen einem Anteil von 67,0 % der Gesamtgewaltmeldungen gegenüber. 5. „Nichtdeutsche Jugendliche treten immer in Gruppen auf...“ Die Gruppengewalt, die unter Beteiligung nichtdeutscher Schüler/innen und Jugendlichen von den Schulen gemeldet wurde, nimmt einen Anteil von 9,5 % der Meldungen mit ndH-Beteiligung ein. Im Vergleich mit dem Anteil an Gruppengewalt aller Schulgewaltmeldungen (30,8 %) ist dies ein geringer Wert. Auch im Vergleich mit den Zahlen vom Vorjahr (38,75 %) ist dies ein Rückgang um 29,3 %. Die Größe der Gruppen liegt im Bereich zwischen 3, 5 oder auch bis zu 10 Personen. In einem Fall handelt es um eine Massenschlägerei, an der bis zu 80 Jugendliche beteiligt waren. Die häufig geäußerte Vermutung, das Jugendliche nichtdeutscher Herkunft oft in Gruppen gewalttätig werden, kann widerlegt werden, da die Häufigkeit der Gruppendelikte mit nichtdeutscher Beteiligung (9,5 %) den Gesamtwert der Schulgewaltmeldungen (30,8 % Gruppentäter) um gut 20 % unterbietet. „... und haben häufig Waffen mit“! Unter nichtdeutscher Beteiligung wurden 16 mal Messer, eine Pistole und 8 waffenartige Gegenstände (Schlagringe, Baseballkeulen, Scheren usw.) registriert. Im Verhältnis zur Gesamtzahl an aufgefundenen oder verwendeten Waffen (63 Stück, darunter 38 Messer, 8 Pistolen und 17 waffenartige Gegenstände) ist das ein Anteil von 39,7 %. Der dem Anteil Schüler nichtdeutscher Herkunft gegenüber geringfügig höhere Prozentsatz erklärt sich durch den hohen Prozentsatz Messer (42 % aller Aufgefundenen). Verwendung von Waffen Messer Pistole Feuerzeug Waffenartiger Gegenstand Gegenstand absolut 16 1 4 8 14 prozentual 7,6 % 0,47 % 1,89 % 3,79 % 6,63 Waffe

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6. „Man muss sich vorsehen: Islamisten verbünden sich mit den Rechtsextremen schon in der Schule!” Von den 39 (rechts-) extremistisch motivierten Fällen, die von Schulen gemeldet wurden, haben 6 Fälle unter Beteiligung von Personen nichtdeutscher Herkunft stattgefunden. Das bedeutet in 4 Fällen waren Personen (Schüler/Eltern/Erwachsene/Jugendliche) als Täter (ein Anteil von 15,4 % der extremistischen Vorfälle), und in 2 Fällen als Opfer beteiligt. Die Gewalttaten waren fremdenfeindlich, islamistisch und/oder antisemitisch motiviert. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um 10 % (1 Fall) von insgesamt 20 (rechts)- extremistischen Vorfällen, 1 Täter mit nichtdeutscher Herkunft). Von einer Verbündung „der“ Rechtsextremen mit „den“ Islamisten kann deswegen nicht die Rede sein. Zudem kann aufgrund der Angaben der Schulen weder auf das Herkunftsland noch auf die Religion geschlossen werden. Innerhalb Berlins existieren viele Religionen christlicher, islamischer, jüdischer, buddhistischer und sonstiger Ausrichtungen. Ein friedliches Zusammenleben der verschiedenen Gruppen gehört – abgesehen von wenigen Ausnahmen - zum selbstverständlichen Alltag in Berlin. Beteiligung von Personen ndH an Deliktarten Anzahl der Delikte mit ndH in % Gesamtanteil in % Delikte ndH-Beteiligung von 560 Fällen Körperverletzung 84 39,8 32,7 gefährl. Körperverletzung 74 35,1 32,5 Bedrohung 30 14,2 17,1 Raub 11 5,2 4,3 Extremismus 6 2,8 6,9 Erpressung 1 0,5 0,7 Sachbeschädigung 1 0,5 2,0 Beleidigung 2 0,95 1,8 Sonst 2 0,95 2,0 Gesamt 211 100 100 Die Analyse verdeutlich, dass Personen ndH, interne und vor allem externe Täter im Deliktbereich Raub und Körperverletzung etwas überrepräsentiert sind. Ihr Anteil an Extremismusfällen ist geringer als der Durchschnitt. 7. „Natürlich treten solche Fälle nur in Bezirken mit hohem Ausländeranteil auf!” Der von allen gemeldeten Vorfällen mit Beteiligung von Personen nichtdeutscher Herkunft am höchsten betroffene Bezirk ist Neukölln (64 Nennungen, Anteil von 30,3 %). Darauf folgen Mitte (44 Nennungen, 20,8 %) und Friedrichshain-Kreuzberg (24 Meldungen und einem Anteil von 11,4 %). Diese Rangfolge entspricht im Wesentlichen der Bezirksrangfolge aller Schulgewaltmeldungen, jedoch ist der Anteil Meldungen mit nichtdeutscher Beteiligung in Neukölln (30,3 %) und Mitte (20,8 %) wesentlich höher als der Anteil aller Gewaltmeldungen in den jeweiligen Bezirken (Neukölln 18,9 %) und (Mitte 12,5 %).
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Das unterstützt auf den ersten Blick die oben genannte These. Aber Tatsache ist, die Bezirke mit dem höchsten Anteil an Bevölkerung nichtdeutscher Herkunft sind Neukölln, Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg und die am eifrigsten meldenden und am energischsten innerhalb der Gewaltverfolgung tätigen Bezirke sind Neukölln und Mitte. Darum wundert der hohe Anteil an Meldungen und auch der hohe Prozentsatz an Beteiligten nichtdeutscher Herkunft nicht. Verteilung Vorfälle mit ndH – Beteiligung in den Berliner Bezirken Bezirk Mitte Friedrichshain-Kreuzberg Pankow Charlottenburg-Wilmersdorf Spandau Zehlendorf-Steglitz Tempelhof-Schöneberg Neukölln Treptow-Köpenick Marzahn-Hellersdorf Hohenschönhausen-Lichtenberg Reinickendorf Gesamt absolut 44 24 7 17 6 8 12 64 5 2 18 4 211 prozentual 20,8 11,4 3,3 8,1 2,8 3,8 5,7 30,3 2,4 0,9 8,6 1,9 100 Vgl. zu Gesamtanteil 12,5 9,3 4,8 6,8 3 8,9 5,2 18,9 7,8 4,6 15 3,2 100 (von ∑ 560)

Verteilung Vorfälle mit Personen ndH an Berliner Schularten Schulart Grundschule Sondergrundschule Hauptschule Realschule Haupt-/Realschule Gesamtschule Sonderschule Sek I Gymnasium Berufsschule Gesamt absolut 52 5 42 22 9 43 8 14 16 211 prozentual 24,6 2,4 19,9 10,4 4,2 20,5 3,8 6,6 7,6 100 Vgl. zu Gesamtanteil 24,8 4,5 16,4 10 2,8 16,3 10,4 7,7 7,1 100 (von ∑ 560)

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Einzel- und Gruppentaten in Schulen und auf Schulwegen
Schuljahr 2003/2004 Delikte in Schu- Delikte auf SchulInsgesamt len wegen* absolut in % absolut in % absolut in % 323 57,7 50 8,9 373 66,6 132 23,6 55 9,8 187 33,4 455 81,3 105 18,8 560 100

Anzahl der Täter Einzeltäter Gruppentäter Zusammen

*: einschließlich Vorfälle auf Exkursionen/Klassenfahrten (6 Vorfälle) Anteil von Einzel- und Gruppentaten in Schulen und auf Schulwegen bezogen auf die Gesamtzahl der Gewaltvorfälle a) Schuljahr 2002/2003 Delikte in Schu- Delikte auf SchulInsgesamt len wegen* absolut in % absolut in % absolut in % 253 60,0 39 9,2 292 69,2 76 18,0 54 12,8 130 30,8 329 78,0 93 22,0 422 100

Anzahl der Täter Einzeltäter Gruppentäter Zusammen

b) Schuljahr 2003/2004 Delikte in Schu- Delikte auf SchulInsgesamt len wegen* absolut in % absolut in % absolut in % 323 57,7 50 8,9 373 66,6 132 23,6 55 9,8 187 33,4 455 81,3 105 18,8 560 100

Anzahl der Täter Einzeltäter Gruppentäter Zusammen

*: einschließlich Vorfälle auf Exkursionen/Klassenfahrten (2002/03: 4 Fälle; 2003/04: 6 Fälle)

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Handeln nach Gewaltvorfällen - aus Schaden klug werden
Das Rundschreiben „Hinsehen und Handeln“ (SenBJS Nr. I 41/2003) enthält unter Punkt 5.1 5.3 präzise Hinweise zum verbindlich festgelegten Verhalten nach einem Gewaltvorfall sowie zu den Schritten, die bei der weiteren Aufarbeitung einzuhalten sind. Über die unmittelbare Situation hinaus nennt es in den Punkten 7 und 8, was SenBJS zu melden ist, in welchen Fällen Anzeige durch die Schule zu erstatten ist und in welchen die Stellung eines Strafantrages durch den Dienststellenleiter in der Region anzeigt ist. Diese Festlegungen sollen in der Schrecksituation des unmittelbaren Geschehens eine Orientierung ermöglichen, was zu beachten ist. Sie sollen auch sicherstellen, dass Opfer Beistand und Hilfe erfahren. Daher enthält das Meldeformular auch die Nachfrage nach der erfolgten bzw. beabsichtigten Hilfe für die Opfer von Gewaltvorfällen. Die folgenden Zusammenstellung ermöglichen einen Einblick in das Handeln der Schulen in verschiedenen Bereichen. Die Dokumentation ermöglicht auch einen Einblick in Einzelbereiche, die zukünftig besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Zunächst die Angaben der Schulen bezogen auf die Kooperation in Folge der unmittelbaren Gewaltsituation (entsprechend den Meldungen): Kooperation in der unmittelbaren Gewaltsituation (Mehrfachnennungen möglich)

Darunter Kooperation mit Fälle Schuljahr Polizei Arzt Klinik Arzt/Klinik zus. Eltern insgesamt absolut in % absolutin %absolutin %absolut in % absolutin % 1999/2000 252 160 63,5 92 36,5 38 15,1 130 51,6 149 59,1 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 270 255 422 560 152 56,3 162 63,5 294 69,7 358 63,9 91 33,7 95 37,3 137 32,5 168 30,0 28 10,4 39 15,3 48 11,4 53 9,5 119 44,1 134 52,5 185 43,8 221 39,5 101 37,4 116 45,5 205 48,6 352 62,9

Die Übersicht zeigt, dass es über die Jahre eine selbstverständliche Zusammenarbeit mit der Polizei gibt. Sie wird zur Hilfe geholt, wenn Schulen Vorfälle nicht allein pädagogisch regeln können. Die Angabe „Arzt/Klinik“ ermöglicht einen Einblick in die Schwere der Fälle, im vergangenen Schuljahr gab es absolut, jedoch nicht prozentual mehr Vorfälle als im Vorjahr, in denen die Geschädigten ärztliche Hilfe in Anspruch nahmen. Die Tatsache, dass die Eltern „nur“ im gleichen prozentualen Anteil von den Schulen in die Aufarbeitung einbezogen wurden, erklärt sich aus der Tatsache, dass die Eltern anonymer Täter notwendig auch anonym sind und dass im Fall von Volljährigkeit in der Regel kein Kontakt zu den Eltern aufgenommen wird.

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Kooperation in der Folge von Gewaltvorfällen an Schulen (Mehrfachnennungen möglich) a) absolut Schuljahr 1999/2000 2000/2001 2001/2002 2002/2003 2003/2004 b) prozentual Schuljahr 1999/2000 2000/2001 2001/2002 2002/2003 2003/2004 Schulgremien 42,7 39,7 34,6 44,6 49,4 Experten intern 26,7 34,5 43,5 38,4 19,0 Experten extern 22,2 14,0 14,3 6,1 18,7 ohne 8,4 11,8 7,6 10,9 12,8 Nennungen insgesamt 100 100 100 100 100 Schulgremien 152 145 123 271 359 Experten intern 95 126 155 233 138 Experten extern 79 51 51 37 136 ohne 30 43 27 66 93 Nennungen insgesamt 356 365 356 607 726

Bei der „Kooperation in der Folge mittel- und langfristige Aufarbeitung dass die Beteiligten aus dem Schaden unmittelbar Beteiligten, sondern auch Handlungskompetenz erwerben kann.

von Gewaltvorfällen an Schulen“ geht es um die von Gewaltvorfällen. Sie allein kann dazu beitragen, klug werden, daraus lernen. Dies gilt nicht nur für die für die Schule, die bei diesen Klärungsprozessen neue

Die Auswertung „Kooperation in der Folge von Gewaltvorfällen an Schulen“ erfasst die Nacharbeit der Schulen zu Gewaltvorfällen. Unterschieden werden die Punkte „Schulgremien“ (vornehmlich werden Sanktionen nach § 63 Schulgesetz erfasst). „Experten intern“ (Hilfen durch Vertrauenslehrer, Klassengespräche, Mediatoren, Konfliktlotsen und Sozialarbeiter) und Experten extern (Jugend- und Präventionsbeauftragte der Polizei, Jugendamt, Schulpsychologen). Mehrfachnennungen sind möglich und verweisen insbesondere bei schweren Fällen auf die Kompetenz der Schulen, Hilfen gezielt einzusetzen. In 49,4 % der Fälle (absolut 359) erfolgten auf eine Gewalttat oder einen extremistisch motivierten Vorfall Sanktionen über die Schulgremien, in 19 % (absolut 138) wurde ein Vorfall intern sorgfältig aufgearbeitet. Externe Experten wurden in 18,7 % der Fälle (absolut 136), so die Angaben der Schulen zum Zeitpunkt des Ausfüllens, einbezogen. Dies ist in 99 Fällen mehr als im Vorjahr. Trotz dieser Zunahme waren die Schulpsychologen für Gewaltprävention und Krisenintervention von diesen seltenen Hinweisen auf ihr Handeln durch die meldenden Schulleitungen verständlicherweise überrascht, da sie nach eigenen Angaben den Schulen entsprechend ihrem Selbstverständnis in jedem gemeldeten Fall ihre Hilfe anboten und diese in der Folge häufig intensiv bei der Aufarbeitung unterstützten.

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Abfrage Maßnahmen nach Schuljahren Schuljahr Opfer Täter Täter und Opfer TOA 1999/2000 29 193 - 26 2000/01 29 179 - 44 2001/02 23 168 - 50 2002/03 48 218 - 110 2003/04 76 240 104 78 Ziel der Abfrage: Die Abfrage „Maßnahmen nach Schuljahren“ soll vor in erster Linie erfassen, in welchem Grad Opfer von Gewaltvorfällen in den Schulen Hilfe und Beistand erfahren. In zweiter Linie dient sie dem Ziel zu erfahren, welchen Resonanz der im Schulgesetz verankerte Grundsatz einer anzustrebenden Wiedergutmachung nach einem Gewaltvorfall findet. Mit dem Schuljahr 2003/04 gibt es erstmalig vier Kategorien, die das Handeln der Schule erfassen, in der Auswertungsmatrix wurde jeweils eine der folgenden Angaben eingetragen: • „Opfer“ wird bei der statistischen Erfassung eingegeben, wenn allein dem Opfer Unterstützung gewährt wurde. • „Täter“ wird bei der Auswertung dann eingegeben, wenn die Aufmerksamkeit bei der nachträglichen Aufarbeitung des Gewaltvorfalls allein dem, der von der Schule als Täter benannt wurde, galt. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich hierbei um Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen, die verdeutlichen sollen, dass die Schule den Vorfall ernst nimmt und langfristig bei wiederholtem Fehlverhalten den Fall der Schulaufsicht vorstellen wird, um gemeinsam zu entscheiden, wie verfahren werden soll. • Die in dieser Auswertung erstmals aufgenommene Kategorie „Täter und Opfer“ wird dann in die Auswertung eingegeben, wenn den beiden (oder mehreren) auf Opfer und Täterseite Beteiligten an einem Gewaltvorfall eine angemessene Aufmerksamkeit galt, sie jedoch als einzelne Personen diesen Aufarbeitungsprozess erfuhren. (In den Vorjahren wurden auch diese Fälle unter Täter-Opfer-Ausgleich, TOA, subsumiert, diese Zuordnung legte jedoch den Schluss nahe, dass die Beteiligten an einem Tisch miteinander zum Ausgleich fanden. Dies war jedoch nur teilweise der Fall.) • TOA – Täter Opfer Ausgleich wurde immer dann in die Auswertungsmatrix eingegeben, wenn es gelungen ist, beide Seiten an einen Tisch zu bringen und miteinander zu einem Ausgleich zu kommen. Die Ergebnisse der Auswertung zeigen, dass die Zielvorgabe eines angemessenen Umgangs mit Opfern und Tätern in der Praxis der Schulen zunehmend mehr Beachtung findet. Galt in dem vergangenen Schuljahr mit 51 % aller Nennungen noch dem Täter eine einseitige, meist nur Sanktionen aussprechende Aufmerksamkeit, so beträgt der Anteil mit 240 Nennungen nur noch 43 %. Erfreulich ist zu gewachsene Beachtung des Opfers. Bei 76 von 560 gemeldeten Vorfällen (14 %) erfährt das Opfer Beistand. In 104 Fällen, das entspricht einem Anteil von 19 %, gelingt es den Schulen, Opfern und Tätern gleichermaßen gerecht zu werden. Zu einem Täter-Opfer Ausgleich, dem wohl langfristig wirksamsten Vorgehen, das eine wirkliche Wiedergutmachung einleiten kann, kam es im vergangenen Schuljahr in 78 Fällen (14 %). In 10 % der Fälle werden keine Maßnahmen genannt, die auf eine Aufarbeitung des Geschehens verweisen. Dies können Fälle sein, in denen es keinen persönlichen Geschädigten gibt. Gelegentlich kommt es auch noch vor, dass sich ein Vorfall an einer Schule ereignet, der keine weitere Aufmerksamkeit erfährt oder erfahren kann.
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Gewaltprävention und Krisenintervention
Die Schulpsychologen für Gewaltprävention und Krisenintervention gibt es in Berlin seit Februar 2003. Sie sind aktive Helfer in akuten Notfällen und unterstützen gewaltpräventive Ansätze in Schulen, damit es in Zukunft weniger Gewaltvorfälle zu melden gibt. Sie leisten viel Positives und damit dies bewusst wird, folgt zum Schluss eine aktuelle exemplarische Darstellung zu den gewaltpräventiven, intervenierenden und vernetzenden Arbeiten von Schulpsychologen in diesem Feld. Was heißt Gewaltprävention? Allgemein Das systemische Einbringen schulpsychologischer Kompetenz in das allgemein bestehende psychosoziale Netzwerk durch: 1. Bestandsaufnahme zur Intensität und Präsens der realen Netzwerkstrukturen innerhalb und außerhalb des Stadtbezirks 2. Kontaktaufnahme zu geeigneten Ansprechpartnern des Netzwerkes 3. Intensivierung der Arbeitskontakte zu geeigneten Einrichtungen des Netzwerkes 4. Einbindung schulpsychologisch relevanter Aspekte in die bestehenden Netzwerkstrukturen Konkret 1. Teilnahme an verschiedenen Elternabenden zur Thematik der Gewalt in Schulen 2. Turnusmäßige Arbeitsbesprechungen mit den Vertretern der regionalen Schulaufsicht 3. Teilnahme an Schulleitersitzungen aller Schulformen mit dem Schwerpunkt „Zur Arbeit mit dem Rundschreiben – Hinsehen und Handeln (41/2002)“ 4. Teilnahme an Gesamtkonferenzen verschiedener Schulformen zur Problematik der Gewalt 5. Vorträge zu verschiedenen Themen vor unterschiedlichen psychosozialen Versorgungseinrichtungen des Stadtbezirks bzw. freien Trägern der Jugendarbeit 6. Erstellen von Arbeitsmaterialien für interne und externe Fortbildungsarbeit der Schulpsychologen für Gewaltprävention: Mobbing, Medien, Entspannung, Rechtsextremismus, Elternarbeit, Notfallpläne didaktisch – methodisch Aufarbeiten von Präventionsmaterialien für differenzierte schulpsychologische Arbeit Vorbereitung und Durchführung von sozialem Kompetenztraining in der Sekundarstufe I 7. organisatorische Abstimmung mit den Präventionsbeauftragten der Abschnitte zur Durchführung des „Antigewalttrainings“ 8. Begleitung der Evaluationsbemühungen der Berliner Polizei Perspektiven 1. Implementierung des Curriculums „Faustlos“ im Grundschulbereich als ein Modul der gewaltpräventiven Arbeit durch: Vorstellen des Projektes auf Schulleitersitzungen Nutzen von Multiplikatoren für den konkreten Einsatz in einzelnen Grundschulen des Stadtbezirkes
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2.

3. 4.

5.

schulpsychologische Begleitung und Auswertung des Projektes Kontaktaufnahme und Ausloten von Arbeitsschwerpunkten mit Vertretern interner schulischer Stützsysteme, wie Vertrauenslehrer (Sek I/Sek II) Sozialpädagogen (O/OG) Lehrkräfte für Lebenskunde (G) Vernetzung der bestehenden Strukturen der Konfliktlotsen in allen Schulformen Initiierung eines Modellvorhabens zur Zusammenarbeit mit einer Jugendherberge in Mecklenburg-Vorpommern: Antigewalttrainings als modularer Bestandteil von Klassenfahrten methodisch – didaktische Unterstützung der konzeptionellen Arbeit Erstellen einer Materialsammlung zum Themenkreis „Medien und Gewalt“ zum Einsatz in der präventiven Elternarbeit

Gewaltprävention bei Rechtsextremismus Ein Schüler einer 10.Klasse einer Realschule ist seit der 8.Klasse, ursprünglich wegen NullBock und Versetzungsgefährdung, in schulpsychologischer Betreuung. Es gelingt gemeinsam mit den Eltern des Schülers eine positive Entwicklung zu fördern. Sorgen bereitete den Eltern damals schon sein rechtsextremistisches Gedankengut und die Zugehörigkeit zur rechtsextremen Szene. Es liegen mehrere Anzeigen vor, meist Auseinandersetzungen mit der linken Antifa-Szene. Es besteht ein Jugendfreizeitzentrum. Die Eltern wechseln den Wohnort. An ihrer Hauswand steht: „Hier wohnt ein Nazi-Schwein“. Nach längerer Pause melden sich die Eltern erneut. Sie teilen mit, dass ihr Sohn in Untersuchungshaft sitzt, wegen einer mit rechtsextremistischen Hintergrund begangenen Tat. Er wird aus der Untersuchungshaft entlassen, um seine 10. Klasse zu beenden. Dieses gelingt mit Erfolg, er erhält die Empfehlung zum Besuch einer gymnasialen Oberstufe. Die Eltern bitten um die Möglichkeit einer erneuten Konsultation. Inzwischen nahm der Schulpsychologe Kontakt zur Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus auf. Man will fallorientiert zusammen arbeiten. Die Eltern erhalten die Telefonnummer von EXIT. Der Schulpsychologe besucht zur eigenen Kompetenzerweiterung eine Weiterbildungsveranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung mit Prof. Osborg „Subversive Verunsicherungspädagogik mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen“ und nimmt an einem Studientag „Antisemitismus - eine bildungspolitische Herausforderung“ von der Friedrich-Ebert-Stiftung in einer Gesamtschule teil. Am „Runden Tisch im Bezirk“, geleitet vom Bürgermeister, nimmt der Schulpsychologe mit dem Ziel teil, die Maßnahmen und die entstehenden Vernetzungen im Kiez kennenzulernen. Der Schüler hat die von seinen Eltern empfohlene Vorstellung in der Schulpsychologie angenommen, präsentierte stolz sein Abschlusszeugnis, ließ sich aber auf keine Äußerungen zum Thema rechtsradikales Gedankengut ein. Er war sehr vorsichtig und abwägend in seinen Worten. Seine Handlung verurteilte er, so etwas würde nie wieder vorkommen. Es gab keinen Grund für einen erneuten Beratungstermin. Die Eltern haben hingegen für sich um einen weiteren Beratungstermin nach den Ferien gebeten.

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Aufbau einer bezirklichen Arbeitsgruppe Schulmediation November 2003 Gespräch mit Lehrern der Lernbehinderten Schule Köpenick; die Lehrerin für Lebenskunde verfügt über eine Ausbildung im Bereich Mediation und hat bereits begonnen diese Erfahrungen in den Schulalltag einzubringen (Konfliktlotsenausbildung) Fachtagung im LISUM zum Thema Konfliktlotsenausbildung. Es zeigte sich, dass es bisher in Köpenick/ Treptow nur wenige Mediatoren für Konfliktlotsen gibt Wo gibt es Mediatoren in Treptow/Köpenick? Insgesamt an 10 Schulen, davon 2 Grundschulen, 2 Hauptschulen, 1 Realschulen, 3 Gesamtschulen, 1 Gymnasium, 1 Sonderschule für Lernen Wie kann dem Mangel an Mediatoren an Köpenicker Schulen abgeholfen werden? Idee: Gründung einer Arbeitsgruppe Schulmediation Gründung der AG Schulmediation mit 6 Pädagogen Treffen der AG Schulmediation Erarbeitung von Zielstellungen der AG Vorbereitung einer Informationsveranstaltung zum Thema Mediation mit dem Ziel, weitere Lehrer und Lehrerinnen für einen Mediationsausbildung beim LISUM zu gewinnen. Informationsveranstaltung zum Thema Mediation gestaltet von Mitgliedern der AG Schulmediation Von insgesamt 22 interessierten Teilnehmern meldeten sich 13 für eine Basisausbildung des LISUM ab September 2004 an. Durch Vermittlung der Schulpsychologin für Gewaltprävention findet die Ausbildung im Schulpsychologischen Beratungszentrum des Bezirkes statt. Treffen AG Schulmediation zur Auswertung der Infoveranstaltung. Ergebnisse: Um die Arbeit der ausgebildeten bzw. auszubildenden Mediatoren zu unterstützen soll im nächsten Schulhalbjahr im Rahmen von Schulleitersitzungen das Thema Mediation angesprochen werden. Der Aufbau eines Mediationsteams für Lehrer und Erzieher im Stadtbezirk, wohin sich Interessierte wenden können, wurde angedacht

Dezember 2003

Januar 2004

Februar 2004 März/April 2004

Juni 2004

Juni 2004

Für die Mediatorenausbildung ab August 2004 haben sich im Schulpsychologischen Beratungszentrum insgesamt 24 Interessenten angemeldet.

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Lehrerfortbildungen „Zum Umgang mit gewaltbereiten Schülern“ Im Rahmen der Kooperation zwischen der Jugendendstrafanstalt- Untersuchungshaftbereich Kieferngrund (Teilanstaltsleiter) und dem Schulpsychologischen Beratungszentrum Mitte (Schulpsychologin für Gewaltprävention und Krisenintervention) wurden mit Unterstützung des Dienststellenleiters der Außenstelle Mitte SenBJS im März und April 2004 zwei dreitägige praxisbezogene Fortbildungen für Lehrkräfte zum Training effektiver Strategien im Umgang mit schwierigen und gewaltbereiten Schülern in der Jugendstrafanstalt UHB Kieferngrund durchgeführt. Da bis zu 60 % der jugendlichen Untersuchungs-Haftgefangenen im Alter von 14-18 Jahren aus dem Bezirk Mitte kommen und die Schulpflichtigen unter ihnen in die Schulen in Mitte zu reintegrieren sind, war jeweils eine Anstaltsbesichtigung, inklusive Gesprächsmöglichkeit mit den jugendlichen Inhaftierten, integraler Bestandteil der Fortbildungen. Zielgruppe waren Lehrkräfte aus der Sek I und den Sonderschulen in Mitte, die nach Zeitpunkt der Anmeldung ausgewählt wurden. Die Trainingsinhalte umfassten- auf der Basis von Rollenspielen und praktischen Beispielen aus dem Schulalltag: Kommunikationsmodelle (Wahrnehmung, nonverbale Kommunikation, Auswirkungen von Einstellungen), lösungsorientierte Gesprächssteuerung in Konfliktsituationen (aktives Zuhören, Strukturierungsmöglichkeiten von Gesprächen, Formulierungsvorschläge), Gesprächstechniken (klare Kommunikation, Fragetechniken, Ich-Aussagen), Umgang mit Widerstand (Vermeidung von Widerstand provozierenden Formulierungen und Verhaltensweisen), Deeskalationsstrategien (Situationsanalyse, Vermeidung persönlicher Betroffenheit versus flexible Handlungsfähigkeit), Stressbewältigungsstrategien.

Die mit Hilfe eines Feedbackbogens erfolgten Abfragen der jeweils 16 Teilnehmer/innen ergab, dass im ersten Durchgang 84 % und im zweiten 64 % ihre Erwartungen erfüllt sahen. 92 % im erster Durchgang und 63 % im zweiter Durchgang meinten neue Erkenntnisse erworben zu haben. 100 % im ersten Durchgang und 63 % im zweiten Durchgang schätzten die vermittelten Erkenntnisse als für sie in der Praxis umsetzbar ein. Weil nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden konnten, werden die Fortbildungsveranstaltungen im Dezember fortgesetzt und die Grundschulen und Gymnasien zusätzlich einbezogen. Weitere bedarfsorientierte Angebote „zum Umgang mit gewaltbereiten Schülern, insbesondere aus dem islamischen Kulturkreis“ sind für Anfang 2005 geplant.

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Was heißt Krisenintervention? Opferhilfe Nach Eingang einer Gewaltmeldung nach Rundschreiben I Nr.41/2003 oder nach DirektInanspruchnahme durch eine Schule oder Dritte, i.R. ein Anruf mit dem Angebot der Hilfe, erfolgt der Schule gegenüber die Anzeige der Bereitschaft persönlicher Gespräche mit allen an dem Gewaltvorfall Beteiligten zu führen. Im Vorfeld muss jeder Bagatellisierung einer Straftat sowohl von Seiten der Schule und der Schulbehörden als auch von Opfer- oder Täterseite aus entgegengewirkt werden. Die Möglichkeiten der Kontaktaufnahme mit den beteiligten Personen werden erkundet: Sollen die Gespräche im Schulpsychologischen Beratungszentrum beim Gewaltpräventionspsychologen, an der Schule oder gegebenenfalls an anderen Orten stattfinden ? Eventuelle Kontaktaufnahme mit Polizei bei strafrelevanten Tatbeständen. Beim Zusammentreffen mit den Opfern wird auf die besondere Vertraulichkeit des Gesprächs (Schweigepflicht) hingewiesen. Hauptaugenmerk gilt hierbei dem Schutz des Opfers auch nach der Tat. Die Unrechtmäßigkeit der Tat wird gegenüber dem Opfer zum Ausdruck gebracht. Orientiert an der Befindlichkeit des Opfers wird versucht eine möglichst genaue Rekonstruktion des Tatherganges, der inneren und äußeren Wahrnehmung und der Gefühlslage des Opfers in den einzelnen Situationen herauszuarbeiten. Dies dient u.a. zur Stärkung des Opfers, dem Ziel seiner Wahrnehmung zu vertrauen, um künftige bedrohliche Situationen besser einschätzen und bewältigen zu können. Welchen körperlichen Schaden hat das Opfer erlitten? Wie sieht die seelische Verletzung aus? Kann das Opfer diese benennen, ausdrücken? Gestärkt werden Handlungsweisen, die dem Eigenschutz des Opfers zuträglich sind und diesem bereits zur Verfügung stehen. Welche Beziehung hatte das Opfer vor der Tat zu dem Täter? Wie sieht die Beziehung seit der Tat aus? Welche künftige Umgehensweise miteinander wünscht sich das Opfer? Welche hält es für realistisch? Die Möglichkeit eines Ausgleichs zwischen Täter und Opfer wird erkundet. Hierbei gilt das Augenmerk unbedingt dem Wohl des Opfers. Kann sich das Opfer schon wieder mit dem Täter auseinandersetzen? Bedarf das Opfer hierbei Unterstützung durch Dritte? Traumatherapie etc. Was käme als Ausgleich für das Opfer in Frage? Welche Unterstützung benötigt das Opfer über die Beratungssituation hinaus? Sind andere Betroffene zu berücksichtigen? Eltern, Geschwister, Freunde etc. Es werden die Möglichkeiten geprüft, die Tat mit dem Kollegium, der Klasse, der Kerngruppe oder den Peers durchzuarbeiten werden geprüft, um das Umfeld gegenüber den Aggressoren zu stärken – so wird es möglich aus der Tat zu lernen.

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Praxisbeispiel mit gefährlicher Körperverletzung In einer Realschule in Charlottenburg-Wilmersdorf ereignete sich folgender Vorfall: Ein Schüler einer 10. Klasse wurde nach dem Unterricht vor dem Schultor von 4 - 6 schulfremden Jugendlichen erwartet und nach einem kurzen Wortwechsel und einem Fluchtversuch des Jungen zurück in die Schule, auf dem Schulhof mit einer Keule und einem Baseballschläger brutal zusammengeschlagen. Bereits blutend am Boden liegend wurde er mit weiteren Fußtritten traktiert. Eine zu Hilfe kommende Mitschülerin wurde ebenfalls geschlagen. Eine weitere Mitschülerin brachte den stark blutenden Jungen ins Sekretariat, von wo aus er mit der Feuerwehr ins Krankenhaus transportiert wurde. Eine sofortige Notoperation war erforderlich. Die Schädeldecke war zertrümmert, es musste eine Metallplatte zur Stabilisierung eingesetzt werden; kein Koma. Der Vorfall ereignete sich in so rasanter Geschwindigkeit, dass die zu Hilfe gerufenen und herbei eilenden Lehrer nichts mehr verhindern konnten. Seitens der Schulleitung wurde sofort Anzeige erstattet und die Eltern des Jungen informiert. Eine weitere Opferbetreuung war wegen der OP zunächst nicht möglich. Am nächsten Morgen wurde die zuständige Schulpsychologin von der Schulleitung telefonisch von dem Vorfall unterrichtet und begab sich sofort in die Schule, wo sich auch die Kripo zu Vernehmungen aufhielt. Nach einem kurzen Austausch mit Schulleitung, Klassenlehrer und Konrektorin führte sie unterstützt von zwei Kollegen ein 1 1/2-stündiges Gespräch mit der Klasse des Opfers. Die Schüler/innen waren sehr betroffen und schockiert und verurteilten die Tat einhellig. Mit den besonders beteiligten Mädchen, die dem Jungen konkret zu Hilfe geeilt waren, führte die Schulpsychologin im Anschluss noch weitere Einzelgespräche, da sich - besonders in einem Fall - deutliche Schocksymptome zeigten (Weinkrampf am Morgen in der Schule). Ein weiteres Klassengespräch nach Ablauf einer Woche wurde vereinbart und von der Schulpsychologin geleitet. Dabei kamen vor allem präventive Aspekte zu solchen Vorfällen zur Sprache. Weiterhin nahm die Schulpsychologin in der darauffolgenden Woche an der fast 2-stündigen Klassenkonferenz teil, in der der Schulausschluss jener Schülerin diskutiert und beschlossen wurde, die die Täter (Freunde von ihr) wegen eines Streits mit dem Opfer zu Hilfe gerufen und damit gewissermaßen zu der Tat angestiftet hatte. Sie zeigte sich zwar betroffen, aber wenig einsichtsvoll und nahm auf Anraten ihres Rechtsanwalts gar nicht an der Konferenz teil und vergab sich damit die Chance auf teilweise Rehabilitation. Ihr wurde inzwischen von der Schulaufsicht eine andere Realschule zugewiesen. Das Opfer erholte sich erstaunlich schnell von seinen schweren Verletzungen und war bereits 3 Wochen später wieder in der Schule, um seinen Realschulabschluss nicht zu gefährden. Die Schulpsychologin begab sich sofort in die Schule, führte ein ausführliches Gespräch mit ihm und bot weitere an. Eine anhaltende Traumatisierung war nicht festzustellen. Es folgten mehrere Gespräche mit Lehrern und Schulleitung. Die Schulpsychologin nahm diesen Vorfall zum Anlass, gemeinsam mit der Präventionsbeauftragten des Polizei-Abschnitts, der Schulleitung und drei interessierten Lehrern einen runden Tisch einzuberufen, an dem über Präventionsmaßnahmen der Schule beraten wurde. Ergebnis war die Planung eines Studientags und die sofortigen Teilnahme von zwei Lehrern an der Mediationsausbildung des LISUM.

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Aufgebaute Netzwerke und Kooperationen Im Bezirk Mitte gibt es seit der Einrichtung der Schulpsychologenstellen für Gewaltprävention und Krisenintervention und der zeitgleichen Festlegung einer Zuständigkeit für die Gewaltprävention bei der Schulaufsicht eine enge Kooperation zwischen der Schulpsychologin für Gewaltprävention und Krisenintervention und dem Dienststellenleiter der Außenstelle Mitte SenBJS mit der Generalie Gewaltprävention. Die Schulpsychologin für Gewaltprävention und Krisenintervention nimmt regelmäßig an den Schulleitersitzungen der Grund- und Oberschulen teil und der Dienststellenleiter setzte die Gewaltprävention bisher immer als Punkt auf die Tagesordnungen. Die Zusammenarbeit zwischen Dienststellenleiter und Schulpsychologin in allen Fragen der Gewaltprävention und der bezirklichen Krisenintervention umfasst auch die Netzwerkarbeit. Die folgenden Netzwerke und Kooperationen wurden gemeinsam aufgebaut: • Präventionsnetzwerk Schulaufsicht- Schulpsychologie-Polizei: Bei Gewaltvorfällen, in denen Ordnungsmaßnahmen nach § 63 SchulG angedroht werden (Rdsch. I Nr.41/2003 „Hinsehen und Handeln“), finden im Schulamt der Außenstelle Mitte SenBJS sog. „Runde Tische“ statt. Konfrontierende, normverdeutlichende und Hilfe vermittelnde Gespräche mit gewalttätigen Schülerinnen und Schülern werden im Beisein der Erziehungsberechtigten von dem zuständigen Schulrat oder der zuständigen Schulrätin in Kooperation mit der Schulpsychologin durchgeführt. In schwerwiegenden Fällen und wenn Anzeigen erstattet wurden, beteiligt sich der Jugendbeauftragte der Polizeidirektion 3 (Mitte) an dem Gespräch oder ggf., wenn er verhindert ist, der/die Präventionsbeauftragte des zuständigen Polizeiabschnitts. Direkt anschließend vermittelt die Schulpsychologin in Einzelgesprächen mit den Täterinnen und Tätern z. B. ein Anti-Gewalt-Training o.a. Hilfemaßnahmen. Mit Opfern und deren Erziehungsberechtigten werden bei Bedarf und insbesondere bei Gruppengewaltdelikten in der Schule oder im schulischen Umfeld ebenfalls Gespräche in der o.g. Konstellation geführt. Den Opfern wird dann u.a. vermittelt, dass sie sich auf gemeinsame Hilfen und Unterstützung verlassen können und bei evtl. erneuten Vorfällen vereint handelnde Ansprechpartner haben an die sie sich umgehend wenden können. Bei Gewaltvorfällen mit rechtsextremistischem Hintergrund nimmt außerdem die Standpunktpädagogin aus Mitte an den Gesprächen teil. • Präventionsnetzwerk Schule-Polizei-Schulaufsicht-Schulpsychologie: In Absprache mit dem Direktor beim Polizeipräsidenten der Direktion 3 - anlässlich eines Vortrags der Schulpsychologin über „Gewaltvorkommen und Gewaltentwicklung an den Schulen in Mitte“ in der Polizeidirektion 3 im Dezember 2003 - organisierten der Dienststellenleiter und die Schulpsychologin „Runde Tische“, die sie dank der Kooperationsbereitschaft der Polizei in allen sechs Polizeiabschnitten der Direktion 3 im Zeitraum Januar bis März 2004 durchführen konnten. An den „Runden Tischen“ saßen neben den Präventionsbeauftragten, den Leitern der Polizeiabschnitte und dem Jugendbeauftragten der Direktion 3, die Schulleitungen der zum jeweiligen Polizeiabschnitt gehörenden Schulen und die zuständigen Schulaufsichten. Neben dem Ziel sich und die Tätigkeitsfelder mit ihren Problemen wechselseitig kennen zu lernen, sollten insbesondere bilaterale Kooperationen zwischen den Schulen und ihren Präventionsbeauftragten angeschoben werden.
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Ein zweiter Durchlauf zum weiteren Erfahrungsaustausch und zur Verfestigung der Strukturen wird von Januar bis März 2005 stattfinden. Präventionsnetzwerk Schulaufsicht-Jugendgerichtshilfe-Jugendrichter-Polizei-Schulpsychologie in Mitte: Auf Initiative der Schulpsychologin und des Dienststellenleiters wurde ein „Runder Tisch“ im Amtsgericht Tiergarten durchgeführt an dem die Schulaufsichten, Jugendrichter, Jugendgerichtshelfer und -helferinnen und der Jugendbeauftragte teilnahmen. Erste Kooperationsabsprachen zwischen allen Beteiligten in Bezug auf Schülerinnen und Schüler, die im schulischen und außerschulischen Raum als gewalttätig aufgefallen und aktenkundig geworden sind, konnten getroffen werden. Die Kooperationen in diesem Bereich sind noch ausbaufähig. • „AG Gewaltprävention in Mitte“ : Eine von dem Dienststellenleiter gemeinsam mit der Schulpsychologin gegründete Arbeitsgruppe „Gewaltprävention in Mitte“ tagt seit September 2003 ca. alle 6-8 Wochen. In der multiprofessionell, mit innerschulischen und außerschulischen Funktionsträgern/innen besetzten Gruppe arbeiten Lehrkräfte, Sozialpädagoginnen aus Schulstationen, Konfliktlotsenausbilderinnen, Mediatorinnen, Standpunktpädagogin, Schulleiter, Dienststellenleiter, Schulpsychologin, Jugendbeauftragter, Vertreterinnen des Jugendamtes, der Jugendgerichtshilfe und der Erziehungsberatung, Anti-Gewalttrainer, Vertreter/innen von freien Trägern, Verbänden und Vereinen, themen- und fallbezogen zusammen. „Runde Tische“ und Schulhilfekonferenzen in den Schulen: Geplant und mit der Leitung der Abt. Jug im Bezirk Mitte und dem Leiter des Jugendamtes besprochen, ist die feste Einbindung des Jugendamtes in die „Runde Tische“, bzw. in die bereits in Einzelfällen etablierten Schulhilfekonferenzen an den Grund- und Oberschulen in Mitte (siehe dazu das Rdschr. Jug Nr.3/2004 Punkt 3.3.). Kooperation mit dem Präventionsrat Mitte : Die Teilnahme des Dienststellenleiters und der Schulpsychologin an den Sitzungen des Präventionsrates Mitte wurde vereinbart. Erste Kooperationsabsprachen im Hinblick auf einen von der Schulpsychologin und dem Dienststellenleiter geplanten Präventionstag in Mitte (in der 2. Hälfte des Schuljahres 2004/05) wurden getroffen. Als gemeinsam anzugehende Problemfelder wurden die Unterstützung von „Streitschlichterprojekte an den Schulen in Mitte“ und die Frage „zur häuslichen Gewalt und dem Umgang in den Schulen damit“ festgelegt. Zu diesen Themenkomplexen soll die Zusammenarbeit intensiviert werden. Kooperation mit der Jugendstrafanstalt Berlin: Da bis zu 60 % der 14-18 jährigen Untersuchungs-Haftgefangenen in der Jugendstrafanstalt-UHB Kieferngrund aus dem Bezirk Mitte, d.h. vornehmlich aus Wedding und Moabit kommen und die Schulpflichtigen unter ihnen in die Schulen in Mitte reintegriert werden müssen, sahen der Dienststellenleiter und die Schulpsychologin einen Handlungs- und Kooperationsbedarf.
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Neben einem initiierten Kontakt zwischen der gesamten Schulaufsicht in Mitte und der Jugendhaftanstalt wurden im März und April 2004 im Rahmen der Kooperation zwischen dem Teilanstaltsleiter und der Schulpsychologin zwei dreitägige praxisbezogene Fortbildungen für Lehrkräfte zum Umgang mit schwierigen und gewaltbereiten Schülern in der Jugendhaftanstalt durchgeführt. Weitere Fortbildungen werden stattfinden. • Kooperation mit der Justizvollzugsanstalt Moabit : Die Schulpsychologin, der Anstaltspsychologe und die Leiterin der Sozialpädagogischen Abteilung der JVA Moabit entwickelten mit Unterstützung des Dienststellenleiters und des Leiters der JVA Moabit ein täterorientiertes Projekt (AIDA- Projekt), das präventiv und interventionsgeleitet auf die besonders schwer zu erreichende Klientel gewaltbereiter Jugendlicher an den Oberschulen in Mitte ausgerichtet ist. In das kognitionspsychologische, konfrontative, Lerngelegenheiten bietende Konzept sind ein Polizeiabschnitt, ein Jugendgericht und Anti-Gewalt-Trainings-Projekte integriert. Die Zusagen zur Mitarbeit sind vorhanden. Ein schriftliches Konzept der Schulpsychologin und des Anstaltspsychologen der JVA Moabit liegt vor. Die Umsetzung des Projekts befindet sich derzeit noch im Entscheidungsprozess.

Kooperation mit Freien Trägern und Vereinen, die gemäß den bereits getroffenen Vereinbarungen an den Schulen in Mitte tätig werden, wenn die Finanzierung geklärt ist : - PAM (Anti-Gewalt-Trainings für Schüler/innen, Trainings für deren Eltern und Fortbildungen dazu für die Lehrkräfte), - Al-Dar (Kurse und Projekte nachmittags an Ganztagsschulen für arabische Schüler/innen und deren Eltern) , - Down Town Connection, (gewaltpräventive Projekte für Schüler/innen) Im Oktober 2003 nahm die Schulpsychologin als geladene Expertin an einem von der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Berlin e.V. erfolgreich durchgeführten Open Space mit 200 Oberschülern/innen aus Mitte teil. Die gemeinsamen Vernetzungsaktivitäten des Dienststellenleiters und der Schulpsychologin umfassen außerdem die Teilnahme an bestehenden Arbeitskreisen in Mitte (Arbeitskreis „Konfliktlotsen und Gewaltprävention in Mitte und regionale Vernetzung Schulmediatoren/innen“ ; Arbeitskreis „Jugendhilfe/Schule/Polizei/Justiz in Mitte“, gegründet von der Clearingstelle des SPI). Noch entwicklungsbedürftig ist die erst in wenigen Ansätzen vorhandene gewaltpräventive Zusammenarbeit mit dem Bezirkslehrer- und Elternausschuss und mit Elternvertretern des Bezirks Mitte.

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Ausblick
Im ärztlichen Aufgabenfeld ist bei jeder Art von Erkrankung eine sorgfältige Diagnose die Voraussetzung einer wirksamen Therapie. Auch für ein wirksames Vorgehen im Bereich von Gewaltgefährdungen bedarf es zunächst neben der sorgfältigen Diagnose im Einzelfall auch der vergleichenden Analyse bezogen auf die Erscheinungsformen der Gewalt. Diese Analyse wird hiermit vorgelegt, sie ersetzt keine Handlungsstrategie, sondern ist eine ihrer Voraussetzungen. Auch ihre Veröffentlichung allein reicht nicht, sondern sie bedarf der Kenntnisnahme und Auseinandersetzung über die Frage, in welchem Bereich sind weitere Bemühungen erforderlich? Die Gewaltmeldungen der Berliner Schulen sind dabei als frühe Signale und Hinweise auf Gefährdungen von Schülerinnen und Schülern und auf solche im sozialen Umfeld pädagogischen Handelns zu verstehen. Eine notwendige Konsequenz aus der Erkenntnis, dass es noch immer ein beachtliches Dunkelfeld im Bereich von Straftaten an Schulen gibt, sollte die Frage sein: Wie gelingt es zukünftig Schulen und den Schule helfenden Personen das Vertrauen von Schülern und Eltern verstärkt zu gewinnen, so dass dies in der Folge zu einer weiteren Aufhellung des Dunkelfelds führen kann? Gewalt gedeiht in der Anonymität. Hier liegt der Ansatzpunkt. Gelingt es über eine verstärkte Vertrauensbildung die Anonymität zu mindern, werden Opfer weniger Angst haben und sich rascher anvertrauen und Hilfe suchen. So bleiben sie mit ihrem Leid nicht allein und haben zudem ein geringeres Risiko erneut Opfer einer Straftat zu werden. Hier bleibt noch viel Arbeit zu leisten. Die weitere Dunkelfelderhellung wird auch dadurch gefördert werden, dass von der Berliner Polizei künftig nicht nur die Straftaten von Gruppen, sondern ab Januar 2005 auch die Straftaten von Einzeltätern am Tatort Schule statistisch erfasst werden. Dies betrifft vornehmlich die „große Gewalt“, die Erfassung von Straftaten und wird neue Erkenntnisse über Gefährdungen im Schulbereich ermöglichen. Die große Gewalt an Berlins Schulen ist jedoch das kleine Problem, die „kleine Gewalt“, das Hänseln, Schikanieren und Plagen zwischen Schülern, angriffslustigen und seelisch weniger robusten Kindern und Jugendlichen, ist als frühes Warnsignal im pädagogischen Feld und als d a s große und ernst zu nehmende Problem, einzuschätzen. Die verheerende Wirkung von „Mobbing“, so lautet der Fachbegriff für systematische Quälerei (1-2 mal in der Woche und über Monate), wurde im Frühjahr 2004 bei einem besonders krassen Fall deutlich: Bundesweit wurde bekannt, dass ein Hildesheimer Schüler über Wochen von seinen Mitschülern angegriffen und gedemütigt worden war. Viele wussten davon und schwiegen. Mobbing, auch in weniger schweren Fällen, ist ein Warnsignal, auf das es früh zu reagieren gilt, weil es auf ein ernst zu nehmendes Risiko für eine spätere delinquente Karriere hinweist. In Berlin wurde daher das Mobbingproblem seit 1994 wiederholt thematisiert: Alle Schulen erhielten damals die Erstauflage des Buches des international renommierten Mobbingexperten Dan Olweus „Gewalt in der Schule – Was Lehrer und Eltern wissen sollen und tun können“ (1994), eine Serie von Fortbildungen zum Thema Mobbing und weitere Hilfen für die Opfer folgten. Im Rundschreiben „Hinsehen und Handeln“, Nr. I 41/2003 wurde verbindlich festgelegt: „Schule hat eine Verpflichtung dafür zu sorgen, dass kein Schüler während

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seiner Schulzeit physisch oder psychisch zu Schaden kommt.“ Die Praxis verdeutlichte vielerorts, dass hier dennoch weiterhin ein ernstes Problem besteht. Mit Beginn des Schuljahres 2004/05 gibt es in diesem Feld verantwortet durch Walter Taglieber neue und langfristige Vorhaben, die geeignet sind, zu einem Qualitätssprung im Bereich der Anti-Mobbing-Arbeit beizutragen. Die Gruppe >pax an!< im LISUM bietet im Rahmen ihrer regulären Fortbildungsangebote „Schulmediation“ regelmäßig Kurse an, die Maßnahmen gegen Mobbing zum Thema haben: Es gibt eine Sitzung Klassenrat, in welcher verschiedene Formen von ritualisierten Klassenversammlungen zur Vorbeugung vermittelt werden. In zwei weiteren Veranstaltungen werden die Farsta-Methode sowie der No Blame Approach dargestellt, beides effektive Methoden in der Schulklasse, wenn man Mobbing entdeckt hat. Die Sitzungen dauern jeweils drei Zeitstunden. In Rollenspielen lernen die Lehrerinnen und Lehrer unmittelbar, wie das, was sie sagen, von den Betroffenen aufgenommen wird und können somit Haltung und Sprache direkt in ihrer Wirkung erleben. Die Kurse der Gruppe >pax an!< sind bekannt für ihren hohen Praxisbezug. Am 28. September und am 8. Dezember fanden/finden im Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung die BERLINER ANTIMOBBING-TAGE statt. Zwei Tage mit einem Vortrag - am 08.12.2004 „Mobbing in Schulen heute – werden Dominanzverhalten und kollektive Aggression die Demokratie von morgen bestimmen?“ - und einem umfangreichen Arbeitsgruppenangebot zum Thema Mobbing. Am 8. Dezember erscheint zudem von Walter Taglieber, dem Leiter der Gruppe >pax an!<, die „BERLINER ANTI-MOBBING-FIBEL – eine Handreichung für eilige Lehrkräfte.“ Diese Fibel ist in ihrer Art einzigartig, weil sie den durch das Tagesgeschäft sehr belasteten Lehrkräften in aller Kürze alle notwendigen Grundinformationen über Mobbing vermittelt (kein Kapitel geht über mehr als eine Seite). Außerdem stellt sie ganz konkrete Möglichkeiten dar, die geeignet sind, mit Kompetenz und Sicherheit einzugreifen. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es,“ schrieb Erich Kästner. Im Rahmen der Berliner Schulen geschieht vieles, das geeignet ist, Probleme im Vorfeld zu verhüten, entstandenes Leid zu mindern und den Beteiligten Anleitung zur Wiedergutmachung und zur Aufarbeitung des Geschehens zu geben. Eine Hilfe für die Schulen bieten auch die Notfallpläne, die von den Schulpsychologen für Gewaltprävention und Krisenintervention entwickelt wurden und im Jahr 2005 den Schulen vorgestellt und übergeben werden. Die Arbeit gegen Gewalt wird weitere Früchte tragen, wenn es trotz der vielfältigen Belastungen, unter denen Schulen heute zu arbeiten haben. gemeinsam gelingt, die Schule zu dem Ort zu machen, an den Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer gern gehen.

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Stichwortverzeichnis
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Antisemitismus 16, 18 Aggression 12 Anonyme Täter 48 Ausländer (s. kulturelle Herkunft, Migranten, ndH) 30 ff Autorität 31 f Bedrohung 5 Bezirke 24 ff Delikte nach Schuljahren 6 Delikte nach Schularten 26 Deliktentwicklung 6, 24 Deliktstruktur 6 Eltern 36 Erfurt-Effekt 3 Erpressung 6 Fremdenfeindlichkeit 18 Frustration 12 Experten 37 Extremismus 15 ff Geschlecht (s. Täter/Opfergeschlecht) 29 Gewalt nach Bezirken 24 Gewaltprävention 39 ff Gruppen 35 Islamistische Tendenzen 19, 33 Jungen 29 Kästner, Erich 49 Konfliktlotsen (s. Mediation) Körperverletzung 6, 8, 44 Kooperation 36, 45 ff Krisenintervention 43 Kulturelle Herkunft (s. ndH, Migranten, Ausländer) 30 ff Lehrer als Opfer 9 ff Lehrerbedrohung 10 ff Lehrerfortbildung 42, 49 Mädchen 29 Männlichkeit (s. Täter/Opfergeschlecht) 29 Maßnahmen 38 Meldeverhalten 37 Mediation 41, 49 Messer 13ff Migranten (s. kulturelle Herkunft, Ausländer, ndH) 30 ff

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Monatsübersicht 27 Mobbing 48f ndH - nichtdeutsche Herkunft (s. Migranten, kulturelle Herkunft, Ausländer) 30 ff Netzwerk 45 ff Notfallpläne 49 Opfer 8, 38 Opferhilfe 43 Opfergeschlecht 29 Ort (s. Tatort) 28 Ost - West 17, 19 Pistolen 13ff Polizei 36 Propagandadelikte 17, 22 Raub 6 Rassismus 15ff, 40 Rechtsextremismus 15 ff, 40 Religionen 33 Sachbeschädigung 6 Schularten 25 Schulaufsicht 23, 34 Schulleitung 5, 12 Schüler als Kooperationspartner 12 Schüler als Opfer 8 Schulfremde 15 ff Schulinterne Gewaltvorfälle 6 Schulstufen und Gewalt 25 Schulpsychologen 4, 36 ff, 39 ff Standpunktpädagogen 4 „Täter“ - zur Terminologie 5, 38 Tätergeschlecht 29 Täter-Opfer-Ausgleich 38 Tatorte 28 Verantwortung der Schule 12 Waffen 13ff Waffenartige Gegenstände 13 Winterfrust (s. Monatsübersicht) 27 Zusammenarbeit (s. Kooperation)

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