fullscreen : Dienstblatt des Magistrats von Berlin (Public Domain) Ausgabe 1923 (Public Domain)

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Anderson,  Baugeschichte  des  Hafens  von  Stolpmünde.

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daher  in  den  Jahren  1883  bis'  1885  ein  ‘Verstärkungsbau
ausgeführt,  der  aus  einer  hafenseitigen,  von  dem  Molenkopf
nach  der  Mole  führenden  17  m  langen  Mauer  aus  Betonblöcken ­
  von  etwa  6  obm  Inhalt  und  einer  den  Zwischenraum
zwischen  dieser  Mauer  und  dem  Molenkörper  ausfülienden  Steiupackung
  besteht  (Abb.  39  Bl.  13  u.  Äbb.  13  Bl.  12).  Um  die
Mauer  in  der  sicheren  Tiefe  von  6  m  unter  M.  W.  zu  gründen,
mußte  die  Baugrube  ausgebaggert  werden  und,  da  ein  sehr
starker  Sandzuflufs  von  der  etwa  2  m  höheren  Sohle  des
Vorhafens  stattfand,  noch  durch  Taucher  stets  die  Stelle,  auf
die  gerade  ein  Betonblock  der  untersten  Lage  mittels  eines
schwimmenden  Krahns  versetzt  werden  sollte,  nachgeräumt
und  geebnet  werden.  Die  Lücken  in  den  Anschlüssen  der
Mauer  an  die  Mole  und  den  Molenkopf  wurden  mit  Betonsäcken ­
  gedichtet.  Zum  Schutze  der  Schiffe  vor  Beschädigungen ­
  an  der  Mauer  wurde  vor  dieser  eine  Gordungswand
errichtet.
In  der  Absicht,  den  neuen  Vorhafen  binnenwärts  zu
vergrößern  und  auch  hier  für  den  Schiffsverkehr  nutzbar
zu  machen,  wurde  die  alte,  innerhalb  des  Vorhafens  liegende
Weatmole  in  den  Jahren  1865  bis  1879  unter  großen,  durch
die  Forträumung  der  unteren  Steinkistenreste  bedingten
Schwierigkeiten  beseitigt.  Hierbei  kam  der  untere  gröfsere
Theil  der  früheren  schmalen  Einfahrtstrafse  in  Wegfall  Ihre
obere  etwa  55  m  lange  Strecke  blieb  jedoch  in  ihrer  bisherigen ­
  Breite  von  17  m  erhalten,  um  den  inneren  Hafen
nicht  allzusehr  gegen  die  einlaufenden  Wellen  zu  öffnen,  und
erhielt  im  Jahre  1867  und  1868  in  der  Linie  der  früheren
Gordungswand  der  beseitigten  Mole  eine  Einfassung  durch
ein  hohes  verankertes  Bohlwerk  (Abb.  30  BI.  13).  Gleichzeitig ­
  wurde  der  landseitige  Abschluß  des  Vorhafens  in  einer
geraden,  gegen  die  verkürzte  Einfahrtstrafse  zum  inneren
Hafen  etwas  schrägen  Richtung  mit  einem  ähnlichen  Bohlwerke ­
  bewirkt,  das  sich  in  scharfer  Krümmung  an  das  neue
westliche  Bohlwerk  der  Einfahrt  anschloß  (Abb.  10  Bl.  12).
Bereits  im  Jahre  1866  begann  unter  Verwendung  der
beiden  Pferdebagger  der  Hafenbauverwaltung  und  unter  zeitweiser
  Benutzung  noch  eines  dritten  gemietheten  Pferdebaggers
die  Aufbaggerung  des  sich  während  des  Baues  sehr  verflachenden ­
  neuen  Vorhafens  auf  4  m,  eine  Tiefe,  die  in  den  nächsten
Jahren  auch  im  allgemeinen  erreicht  und  behauptet  wurde.
Da  man  glaubte,  daß  die  alte  Ostmole  für  diese  auch  in
der  Einfahrt  zum  inneren  Hafen  in  Aussicht  genommene
größere  Tiefe  nicht  sicher  gegründet  sei,  so  wurde  sie,  nach
Beseitigung  der  bis  zu  grofser  Tiefe  reichenden  Steinkistenreste ­
  der  alten  Mole,  in  den  Jahren  1871  bis  1873  an  der
Hafenseite  auf  eine  Länge  von  158  m  durch  eine  verankerte
dichtere  Pfahlwand  an  Stelle  der  bisherigen,  mit  einzelnen
Balkenlagen  hintersetzten  Gordungswand  abgeschlossen  (Abb.  31
Bl.  13).  Statt  des  unteren  Theiles  der  früher  bis  unter
Wasser  hinabreichenden  flachen  Molenböschung  wurde  eine
annähernd  wagereohte  Barme  0,71  m  über  K.  W.  gebildet,
die  sich  an  die  Schutzberme  um  die  Aufmauerung  des
alten  Ostmolenkopfea  anschloß.  Die  zum  Theil  versackten
Steine  der  Krone  der  alten  Mole  wurden  gehoben  und  auf
einer  bis  0,3  m  starken  MischmörteL  Ünterbettung  vermauert.
Hierdurch  hat  die  Krone  der  alten  Mole,  mit  Ausschluß  der
sich  allmählich  bis  zur  ursprünglichen  Höhe  von  1,8  m
Über  M.  W,  senkenden  Anfaagstrecke,  ein©  Höhe  von  2,10  m
Zeitschrift  f.  Bawresen.  Jahrg.  XJ/V1I,

über  M.W.  und  eine  Breite  neben  der  Brustmauer  von  3,1  m
erhalten.  Gleichzeitig  mit  diesem  Bau  wurde  der  von  dem
alten  Ostmolenkopf  und  der  neuen  Ostmole  gebildete  Winkel,
in  welchem  die  hei  westlichen  Winden  einlaufenden  Schiffe
häufig  festkamen  und  Schaden  litten,  durch  eine  21  m  lange,
mit  einer  Schiffzieherbrücke  verbundene  Gordungswand  abgeschlossen. ­

Der  Hafen  in  Stolpmünde  leidet  unter  zwei  großen
Hebeln,  dem  allmählichen  Verrücken  des  westlichen  Strandes
und  der  hiermit  verbundenen  zunehmenden  Verflachung  vor
und  in  der  Hafenmündung,  sowie  unter  einer  wenn  auch  in
neuerer  Zeit  schon  wesentlich  verminderten  öaiung  im  inneren ­
  Hafen,
Die  Versandungen  sind  besonders  die  Folge  der  ungünstigen ­
  örtlichen  Einwirkungen.  Der  Hafen  liegt  ungeschützt ­
  an  einer  ganz  offenen,  sandigen  Küste,  deren
Dünen,  abgesehen  von  der  aus  Staatsmitteln  erfolgten  Befestigung ­
  in  unmittelbarer  Nähe,  meilenweit  zu  beiden  Seiten,
des  Hafens  ungenügend  gedeckt  sind;  ja  sogar  nur  etwa
10  km  westlich  befinden  sich  noch  die  weit  ausgedehnten
hohen  Vietzker  und  Krolower  Wanderdünen.  Von  diesen
ungeschützten  Meeresufern  werden  beständig  große  Sandmassen
durch  die  Winde  auf  dem  Strand  fortgetrieben  oder  den
Wellen  und  der  Einwirkung  des  Küstenstroms  zugeführt.  In
welchem  Umfang  schon  das  Eintreiben  des  flüchtigen  Sandes
in  den  Hafen  stattfindet,  ist  daraus  zu  entnehmen,  daß  der
sehr  geringe  Theil  der  Sandeinwehungen,  der  nicht  in  die
Wasserfläche  des  Vorhafens  selbst,  sondern  auf  sein  südliches
Ufer  und  das  landseitige  Ende  der  Westmole  fällt  oder  sich
unmittelbar  neben  diesem  ablagert  und  durch  Abfuhr  beseitigt ­
  wird,  in  letzter  Zeit  jährlich  etwa  3000  obm,betragen
hat,  während  in  gleicher  Weise  etwa  700  cbm  neben  der
Ostmole  entfernt  sind.
Noch  weit  bedeutender  aber  sind  die  Verflachungen  des
Hafens  durch  die  von  Wellen  und  Küstenstrom  herbeigeführten.
Sand-  und  Kiesmassen.  Diese  werden  theils  vor  den  entgegenstehenden
  Molen,  theils  bei  geringer  oder  aufgehobener
Hafenausströmung  in  oder  vor  der  Hafenmündung  abgelagert,
bei  stärkerem  Seegange  und  eingehendem  Strome  aber  in  den
Hafen  geworfen.  Die  Peilungspläne,  Abb.  4  bis  10  und  13
bis  16  Bl.  12,  geben  ein  Bild  der  Untiefen,  die  je  nach  der
Richtung  der  vorhergegangenen  Stürme  oder  länger  anhaltenden ­
  Winde  von  Westen  oder  Osten  her  sich  vor  die  Hafenmündung ­
  schieben.
Die  Stolpe,  deren  Zuflufsgebiet  nur  1650  qkm  beträgt,
besitzt  nicht  die  genügende  Spölkraft  zur  vollständigen  Beseitigung ­
  der  Verflachungen;  vielmehr  sind  hierzu  fast  unausgesetzt ­
  Baggerungen  nothwendig,  und  zwar  sind  in  den
letzten  zehn  Jahren  bis  Endo  1804  xm  Durchschnitt  jährlich
vor  dem  Hafen  und  in  der  Hofeumündung  rd.  14  000  cbm
und  im  Vorhafen  II000  cbm  Sand  und  Kies  gebaggert
worden.  Trotz  dieser  regen  Baggerthäfigkeit  können  jedoch
theilweise  Sperrungen  der  Hafenmündung  nicht  verhindert
werden.  So  wurden  beispielsweise  nach  Einstellung  der
Baggerungen  im  Jahre  1890,  durch  welch©  in  und  vor  der
Hafenmündung  17  600  cbm  und  im  Vorhafen  16  900  chm
Boden  gehoben  waren,  in  einem  Zeitraum  von  nur  acht  Tagen
infolge  von  zuerst  westlichen,  dann  östlichen  Stürmen  die
im  Peilungsplan  Abb.  13  51.  12  dargesteliteni  Verflachungen
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