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Periodical volume

Full text: Jahresbericht Issue 2002

LANDESRECHNUNGSHOF MECKLENBURG-VORPOMMERN

JAHRESBERICHT 2002

über die Prüfung
der Haushalts- und Wirtschaftsführung
und
der Haushaltsrechnung 2000

Neubrandenburg, den 16.5.2002

2
Inhaltsverzeichnis
Tzn.
Band 1

I.

Einleitung

1.

Vorbemerkungen

1

-

7

2.

Haushaltslage des Landes

8

-

13

3.

Wiedereinrichtung des Studienganges Zahnmedizin an der Universität Rostock

14

-

17

II.

Haushaltsrechnung und Vermögensübersicht für das Haushaltsjahr 2000

18

-

76

77

-

97

98

- 121

III.

Prüfungsfeststellungen
Einzelplan 01 – Geschäftsbereich des Landtages

4.

Zuwendungen an Kommunalpolitische Vereinigungen
Einzelplan 02 – Geschäftsbereich der Staatskanzlei

5.

Zuwendungen zur Förderung der politischen Bildung

3
Band 2

Einzelplan 05 – Geschäftsbereich des Finanzministeriums
6.

Lohnsteuer-Außenprüfung

122

- 128

Einzelplan 06 – Geschäftsbereich des Wirtschaftsministeriums
7.

Prüfung der Eichämter

129

- 144

8.

Beteiligung des Landes Mecklenburg-Vorpommern an einer Gesellschaft zur
Akquisition ausländischer Investoren

145

- 162

Förderung der Erlebnistherme Güstrow

163

- 173

10.

Prüfung der Personalausgaben des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr

174

- 194

11.

Zuwendungen zu Erweiterung, Umbau und Modernisierung der beruflichen
Schule des Landkreises Parchim

195

- 213

Zuwendungen für den Bau öffentlicher Infrastruktureinrichtungen des Fremdenverkehrs (Zoologische Gärten)

214

- 221

Deckenerneuerung auf Landesstraßen

222

- 231

9.

12.
13.

Einzelplan 07 – Geschäftsbereich des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur
14.

Zuschüsse zu Exkursionen

232

- 240

15.

Liquiditätsbeschaffung der Universitätskliniken

241

- 257

16.

Anrechnungsstunden an allgemein bildenden Schulen in öffentlicher Trägerschaft

258

- 265

266

- 269

270

- 292

293

- 319

320

- 333

Vertrag über den Einsatz von vier Mitarbeitern der DVZ M-V GmbH im Umweltministerium

334

- 341

Werkverträge für die Unterhaltung Gewässer 1. Ordnung

342

- 350

Einzelplan 08 – Geschäftsbereich des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei
17.

Institutionelle Förderung der Landwirtschaftsberatung Mecklenburg-Vorpommern/Schleswig-Holstein GmbH
Einzelplan 09 – Geschäftsbereich des Justizministeriums

18.

Prüfung der Entschädigungen, Gebühren und Auslagen der Gerichtsvollzieher
Einzelplan 10 – Geschäftsbereich des Sozialministeriums

19.

Bekämpfung von Drogen, Sucht und Aids
Einzelplan 12 – Hochbaumaßnahmen des Landes

20.

Prüfung ausgewählter Hochbaumaßnahmen des Landes im Bereich des Innenministeriums
Einzelplan 13 – Geschäftsbereich des Umweltministeriums

21.
22.

4
23.

Prüfung der Ausgaben für die Beräumung devastierter Flächen

351

- 361

24.

Prüfung der Ausgaben für Maßnahmen im Rahmen der Freistellung von der
Altlastenhaftung

362

- 377

Informationssystem für die Arbeitsmarktpolitik / ISAP-Verfahren / Software
(ISAP I)

378

- 401

Beschaffung von Informations- und Kommunikationstechnik für den Bereich
Arbeitsmarktpolitik / Hardware (ISAP II)

402

- 428

Einzelplan 15 – Geschäftsbereich des Ministeriums für Arbeit und Bau
25.
26.

Überörtliche Kommunalprüfung
27.

Prüfung der Tätigkeit und Wirksamkeit der unteren Rechtsaufsichtsbehörden

429

- 445

28.

Kalkulation und Erhebung von Abfallgebühren im Landkreis Ostvorpommern

446

- 463

29.

Kommunales Beschaffungswesen

464

- 474

30.

Prüfung der Beteiligungsverwaltung der Stadt Neubrandenburg

475

- 483

IV.

Bemerkungen zu kommunalen Wirtschaftsbetrieben, Abschnitt III KPG

31.

Beteiligung der Eurawasser Aufbereitungs- und Entsorgungs GmbH bei den
Stadtwerken Schwerin

484

- 502

Vier-Tore-Therme Neubrandenburg – Veräußerung eines städtischen Grundstücks und Vergabe eines Darlehens an die Investorin

503

- 518

33.

Abwasserzweckverband Darß

519

- 528

34.

Zweckverband „Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung“ Grevesmühlen

529

- 535

35.

Landeshauptstadt Schwerin – Eigenbetrieb Abwasserentsorgung –

536

- 561

36.

Stadt Barth – Abwasserentsorgungsbetrieb –

562

- 568

37.

Stadt Malchow – Seniorenpflegeheim Dr. Hans Heydemann –

569

- 575

38.

Stadt Brüel – Eigenbetrieb Stadtwerke Brüel –

576

- 581

32.

5
Abkürzungsverzeichnis
Abs.
AbfALG M-V
AbwAG
AmtsBl. M-V
ANBest-I
ANBest-K
ANBestP a.F.
AO
AQMV
Art.
Az.
BAnz.
BAT-O
BBSD
BGB
BGBl.
BrmRL
Buchst.
BVB
BvS
bzw.
ca.
DGO
d. h.
DM
Drs.
DVZ M-V GmbH
EBKV
EDV
EigVO
EKV
Energycon
EStG
EU
Eurawasser
FAG
FES
FIG
FöRi-AW
GAJ
GBl.
GemHVO
GfW
ggf.
GmbH
GVOBl. M-V
GWB
HBS
HKR
HOAI

Absatz
Abfallwirtschafts- und Altlastengesetz für Mecklenburg-Vorpommern
Gesetz über Abgaben für das Einleiten von Abwasser und Gewässer (Abwasserabgabengesetz)
Amtsblatt Mecklenburg-Vorpommern
Allgemeine Nebenbestimmungen für Zuwendungen zur institutionellen Förderung
Allgemeine Nebenbestimmungen für Zuwendungen zur Projektförderung an
kommunale Körperschaften
Allgemeine Nebenbestimmungen für Zuwendungen zur Projektförderung alte
Fassung
Abgabenordnung
Arbeit und Qualifizierung für Mecklenburg-Vorpommern
Artikel
Aktenzeichen
Bundesanzeiger
Bundesangestelltentarifvertrag-Ost
Beratungs- und Behandlungsstellen für Sucht- und Drogenkranke und -gefährdete
Bundesgesetzbuch
Bundesgesetzblatt
Richtlinie für die Gewährung von Zuwendungen des Landes zur Beräumung
devastierter Flächen der ehemaligen Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft
Buchstabe
Besondere Vertragsbedingungen
Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben
beziehungsweise
circa
Deponiegesellschaft Ostvorpommern
das heißt
Deutsche Mark
Landtags-Drucksache
Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern GmbH
Eich- und Beglaubigungskostenverordnung
Elektronische Datenverarbeitung
Eigenbetriebsverordnung
Eichkostenverordnung
energycon GmbH
Einkommensteuergesetz
Europäische Union
Eurawasser Aufbereitungs- und Entsorgungs- GmbH
Finanzausgleichsgesetz
Friedrich-Ebert-Stiftung
Freizeit- und Immobiliengesellschaft Güstrow mbH
Richtlinien des Ministeriums für Bau, Landesentwicklung und Umwelt und des
Innenministeriums zur Unterstützung der abwasserbeseitigungspflichtigen Körperschaften in Mecklenburg-Vorpommern
Grün-Alternative Jugend Mecklenburg-Vorpommern
Gesetzblatt
Landesverordnung über die Aufstellung und Ausführung des Haushaltsplanes der
Gemeinden des Landes Mecklenburg-Vorpommern (Gemeindehaushaltsverordnung)
Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Mecklenburg-Vorpommern
gegebenenfalls
Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gesetz- und Verordnungsblatt für Mecklenburg-Vorpommern
Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen
Heinrich Böll Stiftung
Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen
Honorarordnung für Architekten und Ingenieure

6

HVA-StB
i. d. F.
i. H. v.
IDW S 1
IIC
ISAP
i. S. v.
i. V. m.
IT
JU
Julis
Jusos
KAG
KAS
KBW e.V.
KfW
kpf e. V.
KPG
KPV
KrW-/AbfG
KV M-V
LDO M-V
LHO
LMS
LpB
lt.
LUFA
LWaG
MG
Mio.
MPGebLVO
Mrd.
MTArb-O
MwSt
Nr.
NRW
NSW
NZ Bau
o. ä.
OFD
OVG
PC
Pkt.
PKW
rd.
RL Bau
RpJ
SAE
SchulG M-V
SchulstatVO M-V
SGK
sog.
StAUN
StÄUN
StGB

Handbuch für die Vergabe und Ausführung von Bauleistungen im Straßen- und
Brückenbau
in der Fassung
in Höhe von
Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen
IIC The New German Länder Industrial Investment Council GmbH
Informationssystem für die Arbeitsmarktpolitik
im Sinne von
in Verbindung mit
Informationstechnik
Junge Union Mecklenburg-Vorpommern
Junge Liberale Mecklenburg-Vorpommern
Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD Mecklenburg-Vorpommern
Kommunalabgabengesetz
Konrad-Adenauer-Stiftung
Kommunales Bildungswerk in Mecklenburg-Vorpommern e. V.
Kreditanstalt für Wiederaufbau
kommunalpolitisches forum Mecklenburg-VorpommernV e. V.
Kommunalprüfungsgesetz
Kommunalpolitische Vereinigungen
Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz
Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern
Landesdisziplinarordnung Mecklenburg-Vorpommern
Landeshaushaltsordnung Mecklenburg-Vorpommern
Landwirtschaftsberatung Mecklenburg-Vorpommern/Schleswig-Holstein GmbH
Landeszentrale für politische Bildung
laut
Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt
Wassergesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Maßnahmegruppe
Millionen
Landesverordnung für Gebühren für Amtshandlungen nach dem Medizinproduktegesetz und der auf Grund des Medizinproduktegesetzes erlassenen Verordnungen (Medizinproduktegebührenlandesverordnung)
Milliarde
Manteltarifvertrag für Arbeiter Ost
Mehrwertsteuer
Nummer
Nordrhein-Westfalen
Neubrandenburger Stadtwerke GmbH
Neue Zeitschrift für Baurecht und Vergaberecht
oder ähnlich
Oberfinanzdirektion
Oberverwaltungsgericht
Personalcomputer
Punkt
Personenkraftwagen
rund
Vorläufige Richtlinien für die Durchführung von Bauvorhaben des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Ring politischer Jugend
Schweriner Abwasserentsorgung
Schulgesetz für das Land Mecklenburg-Vorpommern
Verordnung über die Durchführung von Statistiken an allgemeinbildenden und
beruflichen Schulen des Landes Mecklenburg-Vorpommern (Schulstatistikverordnung)
Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik in M-V e. V.
sogenannt
Staatliches Amt für Umwelt und Natur
Staatliche Ämter für Umwelt und Natur
Strafgesetzbuch

7
SWG
SWS
TG
Tz./Tzn.
u. a.
u. U.
Verf. M-V
vgl.
VgV
VOB/A und VOB/B
VOL/A
VV
VVEigVO
VwVfG M-V
WAG
WHG
z. B.
z. T.
ZVG
zzgl.
zzt.

Stadtwerke Güstrow GmbH
Stadtwerke Schwerin GmbH
Titelgruppe
Textzahl/Textzahlen
unter anderem
unter Umständen
Verfassung des Landes Mecklenburg-Vorpommern
vergleiche
Vergabeverordnung
Verdingungsordnung für Bauleistungen Teil A und B
Verdingungsordnung für Leistungen – ausgenommen Bauleistungen –
Verwaltungsvorschrift
Verwaltungsvorschrift zur Eigenbetriebsverordnung
Verwaltungsverfahrens-, Zustellungs- und Vollstreckungsgesetz des Landes
Mecklenburg-Vorpommern
Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft Schwerin mbH
Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushaltes
zum Beispiel
zum Teil
Gesetz über die Zwangsversteigerung und Zwangsverwaltung
zuzüglich
zurzeit

8

I. Einleitung

Vorbemerkungen
(1)

Der Landesrechnungshof ist eine unabhängige, nur dem Gesetz unterworfene oberste
Landesbehörde. Er überwacht nach Art. 68 Abs. 3 Verf. M-V die gesamte Haushaltsund Wirtschaftsführung des Landes. Darüber hinaus obliegt ihm auch die Prüfung
der kommunalen Körperschaften und der übrigen juristischen Personen des öffentlichen Rechts, die der Aufsicht des Landes unterstehen (Art. 68 Abs. 4 Verf. M-V).
Gemäß Art. 67 Abs. 2 Verf. M-V i. V. m. § 97 Abs. 1 und § 114 Abs. 1 LHO legt der
Landesrechnungshof seinen Jahresbericht dem Landtag vor und unterrichtet gleichzeitig die Landesregierung. Die Haushaltsrechnung und die Berichte des Landesrechnungshofes sind nach Art. 67 Abs. 3 Verf. M-V Grundlage für die Entscheidung
des Parlaments über die Entlastung der Landesregierung.

(2)

Im vorliegenden Jahresbericht werden daher Ergebnisse der Prüfungstätigkeit dargestellt, soweit diese für die Entlastung von Bedeutung sein können. Die nach §§ 97
Abs. 2 und 114 Abs. 1 LHO vorgesehene Stellungnahme des Landesrechnungshofes
zur Haushaltsrechnung bezieht sich auf das Jahr 2000. Die weiteren Bemerkungen
sind jedoch nicht auf dieses Haushaltsjahr beschränkt (§ 97 Abs. 3 LHO). Ihnen liegen aktuelle Prüfungsergebnisse zu Grunde, um sowohl der Verwaltung als auch
dem Parlament frühzeitig Gelegenheit zu geben, Konsequenzen aus den Beanstandungen zu ziehen. Gelegentlich ist es auch notwendig Prüfungsergebnisse aus früheren Jahren darzustellen.

(3)

Der Landesrechnungshof muss auf Grund des Umfanges des Prüfungsstoffes von
seiner gesetzlichen Ermächtigung Gebrauch machen, Prüfungen nach seinem Ermessen einzugrenzen und Rechnungen ungeprüft zu lassen (§ 89 Abs. 2 LHO). Über die
Auswahl der Prüfungsthemen und über die Darstellung von Prüfungsergebnissen im
Jahresbericht entscheidet im Rahmen der verfassungsmäßig garantierten Unabhängigkeit der Senat des Landesrechnungshofes.
Zu den im Jahresbericht dargestellten Prüfungsergebnissen wurde der Verwaltung
und sonstigen betroffenen Stellen die Möglichkeit gegeben, nach der Erörterung im
Rahmen des Prüfungsverfahrens erneut Stellung zu nehmen. Die Äußerungen wur-

9
den in die Beratungen des Senats zum Jahresbericht einbezogen. Soweit notwendig,
wird der wesentliche Inhalt der Stellungnahmen im Jahresbericht wiedergegeben.
(4)

Der Jahresbericht lässt – wie in jedem Jahr – nur einen Teil der Tätigkeit des Landesrechnungshofes sichtbar werden. Neben der Prüfungstätigkeit nimmt der Landesrechnungshof eine Reihe weiterer Aufgaben wahr. Der Landesrechnungshof wird
auch immer wieder beratend tätig. Der Landesrechnungshof hat z. B. wiederholt
– zuletzt mit einem Rundschreiben vom 20.2.2002 – allgemeine Hinweise zur Wertung von Angeboten in Ausschreibungsverfahren nach der VOB/A bzw. VOL/A gegeben. Grundsätzliche Erkenntnisse aus der Prüfung der Beteiligungsverwaltung einer kreisfreien Stadt werden in verallgemeinerter Form den Landkreisen und kreisfreien Städten mitgeteilt.

(5)

Im Jahresbericht 2002 sind neben den Ergebnissen der Prüfungen in der Landesverwaltung auch die Ergebnisse der überörtlichen Kommunalprüfung und der kommunalen Unternehmen dargestellt. Der Landesrechnungshof misst diesen Beiträgen bei
der Erörterung des Jahresberichtes – auch wenn sie nicht unmittelbar zum Entlastungsverfahren gehören – eine besondere Bedeutung zu, da die kommunalen Haushalte in vielfältiger Weise mit dem Landeshaushalt verknüpft sind (z. B. kommunaler
Finanzausgleich, Zuwendungen an Kommunen). Fehlentwicklungen in den Gemeinden – insbesondere auch Risiken der kommunalen Unternehmen –, die in den Folgejahren zu erheblichen finanziellen Belastungen der kommunalen Haushalte führen
werden, werden sich voraussichtlich auch auf den Landeshaushalt auswirken.

Kommunale Wirtschaftsbetriebe
(6)

Bei den kommunalen Wirtschaftsbetrieben haben sich in den letzten Jahren verstärkt
Risiken und Probleme für die öffentliche Finanzwirtschaft entwickelt. Diese Entwicklung hat insbesondere folgende Ursachen:
− Kommunale Unternehmen sind häufig auf Märkten tätig, auf denen die geschäftlichen Risiken steigen, wie z. B. in der Energie- und Wohnungswirtschaft.
− Die Unternehmen sollen Aufgaben übernehmen, die im öffentlichen Interesse liegen mögen, aber die Rentabilität des Unternehmens gefährden oder sogar zerstören.
− Die kommunalen Unternehmen sollen zur Haushaltskonsolidierung beitragen.

10
(7)

Dieser Jahresbericht befasst sich in einer Reihe von Beiträgen mit diesen Problemen
und ihrer Beherrschung:
− Die Beteiligungsverwaltungen der Kommunen müssen finanzielle Risiken in den
kommunalen Unternehmen rechtzeitig erkennen und Maßnahmen vorschlagen,
wie ihnen zu begegnen ist (Tzn. 475 - 483).
− Kommunale Unternehmen müssen auf Veranlassung ihrer Gesellschafter unrentierliche Projekte betreiben. Diese sind mit Risiken verbunden, die für das kommunale Unternehmen weit über den Verlust des eingesetzten Eigenkapitals hinaus
gehen können und auch die Haushalte der betreffenden Kommunen in zusätzliche
erhebliche Schieflage bringen können (Tzn. 163 - 173 und 503 - 518).
− Kommunale Unternehmen werden im verstärkten Maße insgesamt oder in Teilen
zur Veräußerung angeboten. Die solchen Veräußerungsverfahren immanenten
Zielkonflikte – Erzielung eines möglichst hohen Kaufpreises, Erhaltung von Arbeitsplätzen und möglichst günstige Preise oder Gebühren für die Leistung des
Unternehmens – werden nur unzureichend erkannt und bewältigt. Die Veräußerungsverfahren sind nicht transparent. Sachliche, allein am Interesse der Kommunen und ihrer Bürger orientierte Entscheidungen sind nicht oder nicht ausreichend
gewährleistet (Tzn. 484 - 502).
− Zuwendungen des Landes an kommunale Unternehmen sollen fast ausnahmslos
dem Interesse der Kunden und Gebührenzahler dienen. Mittelbare Beiträge zur
Sanierung des Verwaltungshaushaltes der Kommunen sind rechtlich nicht zulässig
(Tzn. 519 - 575).
− Kommunale Unternehmen, die nach dem Kostendeckungsprinzip arbeiten, sollen
ihren Anteilseignern bei angemessener Eigenkapitalausstattung eine adäquate
Verzinsung des eingesetzten Kapitals gewährleisten. Die Aufgabe solcher Unternehmen besteht aber nicht darin, die Sanierung des Verwaltungshaushaltes der
Kommunen darüber hinaus zu befördern (Tzn. 519 - 528, 536 - 561).

11

Haushaltslage des Landes
(8)

Die finanzielle Lage des Landes wird gegenwärtig insbesondere durch die Auswirkungen der Steuerreform 2000 und die konjunkturell bedingten Steuermindereinnahmen geprägt. Auf der Ausgabenseite sind teilweise Mehrbedarfe bei gesetzlichen
Leistungen abzudecken.
Bereits bei der Erarbeitung des Haushaltsplanentwurfes für 2002/03 waren auf Grund
von Gesetzesänderungen Mehrbedarfe bei gesetzlichen Leistungen (u. a. die Auswirkungen der BAföG-Änderung, steigende Ausgaben für die überörtliche Sozialhilfe
und Mehrbedarfe auf Grund des Kindertagesstättengesetzes) zu berücksichtigen. Das
und die geringeren Steuereinnahmen und z. B. der Wegfall der IfG-Einnahmen führten zunächst zur Erhöhung des Handlungsbedarfes für 2002 von 141,6 Mio. € laut
Mittelfristiger Finanzplanung 2000 – 2004 auf einen fortgeschriebenen Handlungsbedarf von 257,2 Mio. € (2003 von 139,3 Mio. € auf 261,3 Mio. €). Nach Ausschöpfung der Möglichkeiten – u. a. die Nutzung zwischenzeitlicher Verbesserungen gegenüber der ursprünglichen Planung (z. B. geringere Veranschlagung von Personalund Zinsausgaben) und die Veranschlagung von übergreifenden Finanzierungsmöglichkeiten (z. B. Grundstockentnahme und Verzicht auf eine Zuführung zur Bürgschaftssicherungsrücklage) – verblieb für 2002 noch ein Handlungsbedarf von
79,8 Mio. € (2003 112,2 Mio. €).
Während der Haushaltsberatungen ergaben sich zusätzlich aus der regionalisierten
November-Steuerschätzung für Mecklenburg-Vorpommern für 2002 Steuermindereinnahmen in Höhe von 130 Mio. €. Daraufhin wurde die Absenkung der Neuverschuldung für 2002 ausgesetzt. Im Doppelhaushalt 2002/2003 wurde die Nettokreditaufnahme für das Haushaltsjahr 2002 mit 332,3 Mio. € auf dem Niveau von 2001
veranschlagt und liegt damit ebenso wie die für 2003 mit 255,7 Mio. € veranschlagte
Nettokreditaufnahme mit jeweils rd. 100 Mio. € über der in der Mittelfristigen Finanzplanung 2000 – 2004 angestrebten Nettokreditaufnahme (Tab. 1, Z. 11). Der
Konsolidierungskurs soll jedoch fortgesetzt werden, für 2007/2008 soll der Haushalt
ohne Nettokreditaufnahme ausgeglichen werden.
Das Aussetzen der Absenkung der Nettokreditaufnahme wurde damit begründet,
dass Mindereinnahmen in dieser Größenordnung nicht mehr nur durch Einsparungen
auszugleichen seien. Erhebliche Einsparungen wären nur im Bereich der Investitio-

12
nen zu erzielen, wodurch auf Mittel des Bundes und der EU hätte verzichtet werden
müssen.
Neben der – gegenüber der laut Finanzplanung 2000 – 2004 vorgesehenen – höheren
Kreditaufnahme wurden auch wiederum für beide Haushaltsjahre Entnahmen aus den
Rücklagen veranschlagt, die jeweils höher sind als die geplanten Zuführungen (2002
Saldo 13,8 Mio. €; 2003 Saldo 30,5 Mio. €). Auf der Ausgabenseite wurde für beide
Haushaltsjahre die globale Minderausgabe (2002 in Höhe von - 73,7 Mio. €, rd. 1 %
des Haushaltsvolumens und 2003 in Höhe von - 61,0 Mio. €, rd. 0,9 % des Haushaltsvolumens) im Vergleich zur Mittelfristigen Finanzplanung 2000 – 2004 und
zum Haushaltsplan 2001 jeweils deutlich höher veranschlagt. Auch wenn eine globale Minderausgabe in Höhe von 1 bis 2 % des Haushaltsvolumens inzwischen in der
Haushaltspraxis von Bund und Ländern als nicht verfassungswidrig angesehen wird,
ist sie dennoch nicht völlig unproblematisch. Die globalen Minderausgaben sind Verfügungsbeschränkungen im Haushalt, bei denen es der Verwaltung überlassen bleibt,
bei welchen konkreten Titeln eingespart wird, um die Minderausgabe innerhalb des
Gesamtetats zu erwirtschaften. Sie weisen aber auch darauf hin, dass es im Rahmen
der Haushaltsverhandlungen nicht gelungen ist, die durch die zusätzlich zu erwartenden Steuermindereinnahmen notwendigen Einsparungen konkret auf Titel umzusetzen. Vielmehr wurden die globalen Minderausgaben gegenüber dem Ansatz der Vorjahre und auch gegenüber dem Haushaltsentwurf in etwa verdoppelt – trotz der dargestellten höheren Veranschlagung von Krediteinnahmen.
Mit Beschluss des Haushaltes forderte der Landtag die Landesregierung auf
(Drs. 3/2500), „den Finanzausschuss bis zum 30. April 2002 über die Umsetzung der
einzelplanbezogenen Minderausgaben in Höhe 30 Mio. € mit der Maßgabe, diese auf
ein Mindestmaß im investiven Bereich zu beschränken, zu unterrichten.“ Das Finanzministerium legte am 30.04.2002 die Umsetzung der einzelplanbezogenen globalen Minderausgaben im Haushaltsplan 2002/2003 mit ADrs. 3/1160 vor. Zur Untersetzung der globalen Minderausgaben wurden die Ausgaben um rd. 37 Mio. €
(laufende Ausgaben rd. 16 Mio. €, Investitionen rd. 21 Mio. €) und die Einnahmen
um rd. 7 Mio. € abgesenkt.

13
2001
Haushaltsplan

1
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19

20
21
22
23
24
25
26

Steuern, LFA, BEZ
dav.: M-V verbleibende Steuern
Einnahmen aus LFA
BEZ
Übrige laufende Einnahmen
dar.: Globale Mehreinnahmen
Summe der bereinigten laufenden Einnahmen
Spezielle Investitionseinnahmen
Bereinigte Gesamteinnahmen
Haushaltstechnische Verrechnungen
Entnahmen aus Rücklagen
Krediteinnahmen
Gesamteinnahmen
Personalausgaben
Zinsen
Mietkauf- / Leasingraten
Sach- u. Fachausgaben
dar.: Kommunaler Finanzausgleich
Globale Mehr-/Minderausgabe
Summe der bereinigten laufenden Ausgaben
Investitionsausgaben
dar.: Baumaßnahmen
Kommunale Investitionsmittel/SBZW
Bereinigte Gesamtausgaben
Haushaltstechnische Verrechnungen
Zuführungen an Rücklagen
Gesamtausgaben
vor Erfüllung Handlungsbedarf
Handlungsbedarf
Gesamtausgaben
Finanzierungssaldo
dav.: laufender Haushalt
Investitionshaushalt

2002
Vorläufiges
Ist

Finanzplan
-alt-

2003

Haushaltsplan

Finanzplan
-alt-

2004

Haushaltsplan

Finanzplan
-alt-

2005
Finanzplan
-neu-

Finanzplan
-neu-

Mio. €
2
4.729,4
3.192,0
503,1
1.034,3
991,3
25,6
5.720,7
1.024,8
6.745,6
8,8
71,6
332,3
7.158,3
1.957,8
460,8
17,7
3.163,9
1.220,6
-38,3
5.561,8
1.581,0
257,8
59,4
7.142,9
8,8
6,6
7.158,3

Mio. €
3
4.699,2
3.179,2
498,5
1.022,0
1.038,5
0,0
5.737,7
935,7
6.673,4
19,0
75,5
331,6
7.099,4
1.924,0
455,3
14,2
3.165,4
1.220,9
0,0
5.558,9
1.498,9
236,1
56,7
7.057,8
19,0
22,8
7.099,4

Mio. €
4
4.888,5
3.346,9
503,1
1.038,4
971,3
25,6
5.859,7
971,8
6.831,5
7,5
0,0
230,1
7.069,1
2.025,8
491,9
19,1
3.141,7
1.220,4
-38,3
5.640,1
1.538,0
2.80,1
59,4
7.178,1
7,5
25,1
7.210,9

Mio. €
5
5.048,9
3.187,0
481,9
1.380,0
1.026,6
25,0
6.075,6
711,2
6.786,7
8,4
20,6
332,3
7.148,0
1.934,4
482,9
17,4
3.227,2
1.218,9
-73,7
5.588,3
1.544,5
265,0
136,1
7.132,8
8,4
6,8
7.148,0

Mio. €
6
5.006,6
3.436,4
522,5
1.047,6
952,5
15,3
5.959,1
960,4
6.919,5
5,8
0,0
153,4
7.078,6
2.077,3
513,7
19,3
3.122,8
1.220,5
-25,6
5.707,6
1.495,3
283,3
59,4
7.202,9
5,8
9,3
7.218,0

Mio. €
7
5.160,4
3.280,0
495,0
1.385,4
998,7
15,0
6.159,2
689,3
6.848,5
5,7
34,7
255,7
7.144,6
1.946,6
497,3
17,7
3.257,0
1.223,1
-61,0
5.657,6
1.477,1
259,6
136,1
7.134,7
5,7
4,2
7.144,6

Mio. €
8
5.149,2
3.544,3
546,1
1.058,9
947,4
0,0
6.096,6
944,9
7.041,5
4,2
0,0
102,3
7.148,0
2.103,6
530,4
19,4
3.156,8
1.220,5
-10,2
5.800,0
1.433,9
279,8
59,4
7.233,9
4,2
24,1
7.262,4

Mio. €
9
5.082,3
3.509,0
527,7
1.045,6
960,0
0,0
6.042,3
964,7
7.007,0
7,1
0,0
125,0
7.139,1
1.967,4
513,6
18,5
3.250,6
1.251,6
- 10,0
5.740,1
1.413,3
272,9
59,4
7.153,4
7,1
3,9
7.164,4

Mio. €
10
5.157,4
3.576,0
531,7
1.049,7
956,4
0,0
6.113,8
905,3
7.019,1
12,1
0,0
100,0
7.131,3
1.981,8
519,3
18,7
3.292,5
1.269,1
- 10,0
5.802,3
1.336,8
280,6
59,4
7.139,1
12,1
3,4
7.154,6

0,0
7.158,3
-397,3
158,9
-556,2

0,0
7.099,4
-384,3
178,8
-563,2

-141,6
7.069,1
- 346,6
219,6
- 566,2

0,0
7.148,0
-346,1
487,3
-833,4

- 139,3
7.078,6
- 283,5
251,6
- 535,0

0,0
7.144,6
-286,2
501,5
-787,7

-114,3
7.148,0
- 192,5
296,6
- 489,1

- 25,3
7.139,1
- 146,4
302,2
- 448,6

- 23,3
7.131,3
- 119,9
311,5
- 431,5

Tab. 1: Vergleich der Mittelfristigen Finanzplanungen 2000 – 2004 (-alt-) und 2001 – 2005 (-neu-) unter Berücksichtigung aktueller Haushaltszahlen
(alle Beträge in € umgerechnet, es kann zu Rundungsdifferenzen kommen)

14
(9)

Beim Vergleich der Mittelfristigen Finanzplanung 2000 – 2004 mit dem Haushaltsplan 2002/2003 zeigt sich auch, dass das Haushaltsvolumen für beide Haushaltsjahre
gegenüber der Mittelfristigen Finanzplanung erhöht wurde (für 2002 um rd.
79 Mio. € und für 2003 um rd. 66 Mio. €). Damit liegen beide Jahre jeweils rd.
10 Mio. € unter dem veranschlagten Haushaltsvolumen für 2001. Der Vergleich des
Haushaltes 2001 mit dem anhand des Durchschnitts der westlichen Flächenländer
umgerechnet auf die Einwohnerzahl für Mecklenburg-Vorpommern errechneten Modellhaushalt zeigt, dass künftig eine deutliche Absenkung des Haushaltsvolumens erforderlich sein wird, da der Haushalt um rd. 2 Mrd. € überhöht ist. Die höheren Ausgaben können derzeit noch auf Grund der zeitlich begrenzten höheren Einnahmen
des Landes vom Bund und der EU geleistet werden.
Der Vergleich des Haushaltsplanes 2001 mit dem Modellhaushalt zeigt, dass:
− die Nettokreditaufnahme mit rd. 332 Mio. € um mehr als 90 Mio. € über der des
Modellhaushaltes lag,
− die Zinsen in Höhe von rd. 461 Mio. € den entsprechenden Ansatz des
Modellhaushaltes um rd. 77 Mio. € überstiegen,
− die Personalausgaben mit 1.957,8 Mio. € fast den entsprechenden Ansatz des Modellhaushaltes (Differenz rd. 33 Mio. €) erreicht haben, obwohl die vollständige
Ost-West-Tarifangleichung noch nicht erreicht ist und die Versorgungslasten bisher vergleichsweise sehr gering sind.

(10)

Durch das Ergebnis der Verhandlungen zur Neuordnung des Länderfinanzausgleichs
und des Solidarpaktes II kann Mecklenburg-Vorpommern langfristig auf einer verlässlichen Grundlage planen. Der Länderfinanzausgleich berücksichtigt künftig die
zusätzlichen Lasten eines dünn besiedelten Landes und bezieht die kommunale Finanzkraft stärker ein.
Beides ist für Mecklenburg-Vorpommern besonders wichtig. Mit 77 Einwohnern je
km² hat Mecklenburg-Vorpommern die geringste Bevölkerungsdichte Deutschlands
und die Finanzkraft der Gemeinden ist unterdurchschnittlich (Tab. 2).

15

Gemeinden und Gemeindeverbände
Einwohner
(31.12.1999)

Bevölkerungsdichte
(Einw. je km²)

Steuereinnahmen
(€ je Einw.)

Schulden
(31.12.2000)
(€ je Einw.)

Baden-Württemberg

10.475.900

293

807

675

Bayern

12.155.000

172

767

1.019

Brandenburg

2.601.200

88

327

705

Hessen

6.052.000

287

950

1.301

MecklenburgVorpommern

1.789.300

77

292

1.150

Niedersachsen

7.898.800

166

631

1.032

17.999.800

528

798

1.394

Rheinland-Pfalz

4.030.800

203

637

1.047

Saarland

1.071.500

417

531

986

Sachsen

4.459.700

242

322

1.242

Sachsen-Anhalt

2.648.700

130

290

1.218

Schleswig-Holstein

2.777.300

176

603

815

Thüringen

2.449.100

151

261

1.208

155

555

1.061

Nordrhein-Westfalen

Durchschnitt

Tab. 2: Vergleich Bevölkerung und Finanzkraft der Gemeinden und Gemeindeverbände der Flächenländer

Im Rahmen des Solidarpaktes II erhalten die neuen Länder zur Deckung von teilungsbedingten Sonderlasten aus dem bestehenden starken infrastrukturellen Nachholbedarf und zum Ausgleich unterproportionaler kommunaler Finanzkraft für einen
Zeitraum von 15 Jahren Sonderbedarfs-Bundesergänzungszuweisungen in einer Gesamthöhe von rd. 105 Mrd. €. Die Mittel werden in jährlich abnehmender Höhe an
die neuen Länder gezahlt von rd. 10,5 Mrd. € im Jahr 2005 und rd. 2 Mrd. € im Jahr
2019. Mecklenburg-Vorpommern erhält jeweils einen Anteil von rd. 10,5 % (siehe
Abb. 1).
Die neuen Länder berichten dem Finanzplanungsrat jährlich im Rahmen von Fortschrittsberichten „Aufbau Ost“ über ihre jeweiligen Fortschritte bei der Schließung
der Infrastrukturlücke, die Verwendung der erhaltenen Mittel zum Abbau teilungsbedingter Sonderlasten und die finanzwirtschaftliche Entwicklung der Länder- und
Kommunalhaushalte einschließlich der Begrenzung der Nettoneuverschuldung.

16

in T€

Abb. 1: Sonderbedarfs-Bundesergänzungszuweisungen zur
Deckung teilungsbedingter Sonderlasten
für Mecklenburg-Vorpommern
1.200.000
1.000.000
800.000
600.000
400.000
200.000
0

19
20

17
20

15
20

13
20

11
20

09
20

07
20

05
20

Haushaltsjahr

Darüber hinaus hat sich der Bund im Rahmen des Solidarpaktes II bereit erklärt,
auch weiterhin überproportionale Leistungen für den Aufbau Ost zu erbringen, indem er über die gesamte Laufzeit insgesamt rd. 51 Mrd. € aus den Gemeinschaftsaufgaben und als Finanzhilfen zur Verfügung stellt. Nach 2019 soll es keinen Solidarpakt mehr geben.
(11)

Andere Einnahmen des Landes lassen sich noch nicht derart langfristig sicher planen.
Wie und in welcher Höhe die neuen Länder nach Ablauf der Förderperiode 2000 bis
2006 in die Förderung durch die EU einbezogen werden, ist noch nicht endgültig abzusehen. Von einem Einnahmerückgang werden die neuen Länder jedoch ausgehen
müssen. Fraglich ist z. B. auch, in welcher Höhe die Sonderbedarfs-Bundesergänzungszuweisungen wegen überdurchschnittlich hoher Kosten politischer Führung ab
dem Jahr 2010 gezahlt werden. Für diese Zuweisungen – für Mecklenburg-Vorpommern jährlich rd. 61,4 Mio. € – werden erstmals im Jahr 2008 Bund und Länder gemeinsam die Voraussetzungen im Hinblick auf die Vergabe der Mittel im Jahr 2010
prüfen.

(12)

Auf die Notwendigkeit der Reduzierung der Neuverschuldung auf Null im Zusammenhang mit dem europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt hat der Landesrechnungshof bereits in mehreren Jahresberichten hingewiesen. Auf der 95. Sitzung des
Finanzplanungsrates am 21.3.2002 wurden vor dem Hintergrund der im Rahmen des
europäischen Stabilitäts- und Wachstumspaktes am 12.2.2002 gegenüber dem Ecofin-Rat von Deutschland zugesagten Stabilitätsziele die Umsetzung auf die unterschiedlichen nationalen Ebenen erörtert und ein einvernehmlicher Beschluss gefasst.
Die wichtigsten Vereinbarungen sind:

17
− Der Finanzplanungsrat befürwortet einen nationalen Stabilitätspakt.
− Die mit Artikel 7 des Solidarpaktfortführungsgesetzes beschlossene Änderung des
Haushaltsgrundsätzegesetzes (§ 51a Einhaltung der Haushaltsdisziplin im Rahmen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion) soll unverzüglich in
Kraft gesetzt werden und nicht erst zum 1.1.2005 in Kraft treten.
− Bei der Gestaltung der Haushalte 2003 und 2004 wird der Bund seine Ausgaben
im Vergleich zu 2002 durchschnittlich um ein halbes Prozent pro Jahr senken und
die Länder ihr jährliches Ausgabenwachstum auf jeweils 1 % im Jahresdurchschnitt begrenzen.
− Das für 2004 zulässige Defizit wird in einem Verhältnis von 55 zu 45 zwischen
der Gesamtheit der Länder und Kommunen auf der einen und des Bundes und der
Sozialversicherungen auf der anderen Seite aufgeteilt (diese Aufteilung soll auch
für die Jahre 2005 und 2006 gelten).
− Der Bund bleibt bei seiner Planung 2006 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen.
− Bund und Länder beschließen als Sofortmaßnahme, ihre Finanzierungsdefizite/Nettokreditaufnahme ab dem Jahr 2003 jährlich gegenüber dem Vorjahr mit
dem Ziel ausgeglichener Haushalte zu reduzieren.
− Bund, Länder und Gemeinden verpflichten sich, die sich aus bestehenden und
neuen Leistungen ergebenen dynamischen Belastungen zu begrenzen.
− Aufgabenverlagerungen zwischen den staatlichen Ebenen müssen finanziell ausgeglichen werden.
− Bund, Länder und Gemeinden streben eine Modernisierung der bundesstaatlichen
Ordnung an mit dem Ziel einer höheren Effizienz staatlicher Aufgabenerfüllung
und der Sicherung der finanziellen Handlungsfähigkeit der staatlichen Ebenen.
(13)

Mecklenburg-Vorpommern bleibt keine andere Möglichkeit, als den Konsolidierungskurs konsequent fortzusetzen, d. h. so schnell wie möglich einen ausgeglichenen Haushalt ohne Kreditaufnahme anzustreben und tatsächlich vorhandene Schulden abzubauen, um die Zinslast in bedeutendem Umfang zu reduzieren. Das Land
muss sich langfristig auf die sinkenden Einnahmen insbesondere aus dem Solidarpakt einstellen, das Haushaltsvolumen reduzieren und vor allem die Personalausga-

18
ben durch weiteren konsequenten Stellenabbau auf einem mit den anderen Flächenländern vergleichbaren Niveau halten.

Wiedereinrichtung des Studienganges Zahnmedizin
an der Universität Rostock
(14)

Angesichts der eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten des Landes hält es der
Landesrechnungshof für verfehlt, die Wiedereinrichtung des Studienganges Zahnmedizin an der Universität Rostock zu betreiben. Die Fakten sind bekannt:
Die Landesregierung hatte den Studiengang an der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock zum Wintersemester 1997/98 aufgehoben. Sie war damit der nachdrücklichen Forderung des Wissenschaftsrates, einen zahnmedizinischen Ausbildungsstandort im Land zu schließen, gefolgt.
Der Landtag hat 1999 dem Anliegen einer Volksinitiative mit dem Beschluss Rechnung getragen, die Wiedereinrichtung des Studienganges und der Erhalt der Klinik
und Poliklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität Rostock sei
durch eine Erweiterung der Hochschulautonomie mit der Novellierung des Landeshochschulgesetzes im ersten Quartal 2001 und der Fortschreibung des Hochschulgesamtplanes zu klären. Nachdem dies bis dahin nicht geschehen war, hat der Landtag
die Landesregierung am 21.9.2001 aufgefordert, mit der Universität Rostock einen
Vertrag zur Wiedereinrichtung des Studienganges Zahnmedizin abzuschließen, der
Kostenneutralität für das Land Mecklenburg-Vorpommern garantiert, und über dessen Text dem Landtag zu berichten.

(15)

Mit Drs. 3/2489 vom 10.12.2001 hatte die Landesregierung den Landtag über den
Stand der noch nicht abgeschlossenen Vertragsverhandlungen unterrichtet und ihn
auch über ein Schreiben des Wissenschaftsrates vom 31.8.2001 an das Ministerium
für Bildung, Wissenschaft und Kultur informiert, in dem es heißt:
„... darf ich Sie darauf aufmerksam machen, dass der Wissenschaftsrat nach wie vor
den konzentrierten Ausbau der universitären Zahnmedizin in Mecklenburg-Vorpommern an nur einem Standort für die richtige und der begrenzten finanziellen Leistungsfähigkeit des Landes angemessene Lösung hält. Der Wissenschaftsrat und sein
Medizinausschuß werden auch in Zukunft daran festhalten, keine Vorhaben zur
Zahnmedizin in Rostock zur Aufnahme in den Rahmenplan zu empfehlen. Es ist daher zu erwarten, daß die für den Erhalt der Zahnmedizin in Rostock benötigten Ei-

19
genmittel des Landes nicht für andere dringend notwendige Projekte zur Verfügung
stehen werden und Mecklenburg-Vorpommern auf diese Weise wichtige Bundesmittel
entgehen. Denn die Wiedereinrichtung bzw. Fortsetzung des Studienganges Zahnmedizin wird nicht kostenneutral realisiert werden können. Beispielsweise werden vorhandene Räumlichkeiten der Universität, die von der Zahnmedizin genutzt werden,
nicht für andere universitäre Zwecke zur Verfügung stehen. Unter Wahrung von
Mindeststandards ist, um einen zweiten Aspekt zu nennen, die inhaltliche und
konzeptionelle Abgrenzung der zahnmedizinischen Studiengänge an den beiden
Universitäten des Landes nicht ohne Mehrkosten durchführbar. Auch Gründe
außerhalb der Finanzierungsproblematik sprechen nach wie vor gegen zwei
Standorte. Ebenfalls beispielhaft spreche ich die studentische Nachfrage und die
Arbeitsmarktlage der Zahnmediziner in Deutschland an.“
(16)

Betrachtet man den mit Drs. 3/2489 vorgelegten Vertragsentwurf, so bestätigt sich
das Bedenken des Wissenschaftsrates, dass die Wiedereinrichtung des Studienganges
für das Land nicht wirklich kostenneutral realisiert werden kann:
Der Vertragsentwurf der Landesregierung, die die Aufforderung des Landtages zum
kostenneutralen Vertragsschluss umzusetzen hatte, relativiert den Begriff, indem er
„Kostenneutralität“ durch einzelne Anforderungen beschreibt. Er stellt im Wesentlichen darauf ab, dass
− Kostenneutralität im Betriebshaushalt gewährleistet ist, wenn die Landeszuschüsse an die Medizinische Fakultät für Forschung und Lehre festgelegte Beträge einhalten,
− die Ausgaben der Zahnmedizinischen Polikliniken durch ihre Einnahmen gedeckt
werden,
− die für Forschung und Lehre benötigten definierten Stellen aus dem Stellenplan
der Universität, vorzugsweise aus dem Stellenplan der Medizinischen Fakultät,
zur Verfügung gestellt werden,
− notwendige Mittel für Investitionen in Geräte, für kleine und große Baumaßnahmen sowie für Bauunterhaltungsmaßnahmen aus den Finanzierungsmitteln aufgebracht werden, die für die Universität, vorzugsweise für die Medizinische Fakultät, haushaltswirksam veranschlagt sind,

20
− Flächenbedarfe und damit verbundene Investitionen in Baumaßnahmen durch
Verzicht auf Vorhaben der Universität, vorzugsweise der Medizinischen Fakultät,
an anderer Stelle im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung finanziert werden;
dabei sind entgangene Mittel aus der gemeinsamen Hochschulbauförderung von
Bund und Ländern auszugleichen (Bruttoveranschlagung),
− das Land der Universität schon bisher von der Zahnmedizin genutzte Flächen zur
Nutzung durch den Studiengang Zahnmedizin überlässt.
Aus diesen Bestimmungen wird für den Landesrechnungshof sehr deutlich, dass der
Studiengang Zahnmedizin nicht „zum Nulltarif“ zu haben ist. Wird der Studiengang
wieder eingerichtet, wird das Land angesichts des deutlichen Votums des Wissenschaftsrates auf unabsehbare Zeit die dafür erforderlichen Mittel, die bei einem Verzicht auf die Wiedereinführung nicht notwendig wären, allein aufbringen müssen.
Dieser Mitteleinsatz für die Zahnmedizin geht angesichts der Regelungen im Vertragsentwurf notwendig zu Lasten anderer Studiengänge an der Universität, u. U. sogar überproportional, wenn der Fortfall von Bundesmitteln kompensiert werden
muss.
(17)

Die Landesregierung betrachtet die Wiedereinrichtung des Studienganges als hochschulautonome Maßnahme und will sie im Vorgriff auf ein neues Landeshochschulgesetz zur Kenntnis nehmen.
Insofern besteht Anlass, darauf hinzuweisen, dass sich vergleichbare Konstellationen
zukünftig auch in anderen Fällen ergeben könnten. Der Gesetzentwurf der Landesregierung in Drs. 3/2311 zum Landeshochschulgesetz sieht nämlich vor, dass die
Hochschulen selbst u. a. Studiengänge einrichten und ändern können. Dies sollen sie
dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur anzuzeigen und dabei darzulegen haben, dass Einrichtung und Änderung im Rahmen der zur Verfügung stehenden Stellen und Mittel gesichert sind. Das Ministerium wird, wenn das Landeshochschulgesetz wie beabsichtigt neu gefasst wird, im Interesse einer geordneten Entwicklung der Hochschullandschaft in Mecklenburg-Vorpommern im Zusammenwirken mit den Hochschulen sicherzustellen haben, dass durch deren hochschulautonome Entscheidungen nicht die nach dem Gesetzentwurf zu erarbeitenden Eckwerte der
Hochschulentwicklung und die abzuschließenden Zielvereinbarungen konterkariert
werden und im Landesinteresse liegende andere Studiengänge vernachlässigt oder
zukunftsträchtige Profilierungen nicht verfolgt werden. Auch die gemeinsame Rah-

21
menplanung von Bund und Ländern nach dem Gesetz über die Gemeinschaftsaufgabe „Ausbau und Neubau von Hochschulen“ – Hochschulbauförderungsgesetz – darf
wegen der damit verbundenen finanziellen Folgen nicht aus dem Blick geraten,
selbst wenn der Gesetzentwurf zum Landeshochschulgesetz in der Vorschrift zur
Hochschulplanung im Gegensatz zum noch geltenden § 108 Satz 3 Landeshochschulgesetz eine entsprechende Verknüpfung nicht mehr vorsieht.

22

II. Haushaltsrechnung und Vermögensübersicht
für das Haushaltsjahr 2000

Bestätigung nach § 97 LHO durch den
Landesrechnungshof

Der Landesrechnungshof hat bei der stichprobenweisen Prüfung der Haushaltsrechnung und
der Vermögensübersicht für das Haushaltsjahr
2000 keine Abweichungen zwischen den in der
Haushaltsrechnung und der Vermögensübersicht
und in den Büchern aufgeführten Beträgen festgestellt, die für die Entlastung der Landesregierung von Bedeutung sein könnten.
Auch die Einnahmen und Ausgaben waren – bis
auf wenige Ausnahmen – ordnungsgemäß belegt.

Rechnungslegung
(18)

Auf Grund von Art. 67 Abs. 1 Verf. M-V i. V. m. § 114 Abs. 1 LHO hat das Finanzministerium dem Landtag über alle Einnahmen und Ausgaben sowie über die
Inanspruchnahme von Verpflichtungsermächtigungen jährlich Rechnung zu legen.
Ebenso ist über das Vermögen und die Schulden des Landes Rechnung zu legen.

(19)

Das Finanzministerium hat dem Landtag die Haushaltsrechnung und die Vermögensübersicht für das Haushaltsjahr 2000 fristgemäß vor Ende des Folgejahres mit
der Drs. 3/2570 vom 18. Dezember 2001 vorgelegt.

23

Feststellungen gemäß § 97 Abs. 2 LHO
(20)

Bei der dem Landesrechnungshof durch Art. 67 Abs. 2 Verf. M-V und § 97 Abs. 2
Nr. 1 LHO aufgegebenen Prüfung wurde zu den Angaben in der Haushaltsrechnung
und Vermögensübersicht für das Haushaltsjahr 2000 insbesondere festgestellt:

Vorschüsse und Verwahrungen
(21)

Gemäß § 60 LHO haben die Landeskassen bestimmte Einzahlungen als Verwahrungen sowie bestimmte Ausgaben als Vorschüsse zu buchen. Beide Arten der Zahlungen werden außerhalb des Haushalts vollzogen und erscheinen somit nicht in der
Haushaltsrechnung. Als Verwahrung gebuchte Beträge sind gemäß VV Nr. 42.5 zu
§ 70 LHO als Einnahme zu buchen, wenn sie nicht innerhalb von sechs Monaten aufgeklärt werden können.

(22)

Die nicht abgewickelten Vorschüsse und Verwahrungen des Haushaltsjahres 2000
wurden am 2.1.2001 in die Bücher des Haushaltsjahres 2001 übernommen. In den
Einzelnachweisungen der nicht abgewickelten Verwahrungen der Kassen und Zahlstellen des Haushaltsjahres 2000 werden 23 Buchungen ausgewiesen, deren Buchungstag mehr als sechs Monate vor dem Abschlusstag 31.12.2000 liegt. Diese
nicht rechtzeitig abgewickelten Verwahrungen belaufen sich auf einen Betrag von
insgesamt 7.955,91 DM. Bei diesen Verwahrungen handelt es sich größtenteils um
von den Geldinstituten abgewiesene Überweisungen an Gläubiger des Landes, die
auf Grund von Fehlern in der Kontoverbindung nicht zugeordnet werden konnten. In
den teilweise vorhandenen Erläuterungen zu den Einzelbuchungen ist vermerkt, dass
die jeweils zuständige Dienststelle über die Verwahrung informiert wurde, aber entweder die Aufklärung nicht herbeigeführt (Ermittlung einer korrekten Bankverbindung) oder die zur Buchung im Haushalt notwendige Kassenanordnung nicht gefertigt hat.

(23)

Der Landesrechnungshof fordert das Finanzministerium auf, die haushaltsrechtlichen
Bestimmungen zu den Vorschüssen und Verwahrungen einzuhalten, indem die Verwahrungen im Zeitraum von sechs Monaten durch die Landeszentralkasse aufklärt
bzw. dem Landeshaushalt zugeführt und die erforderlichen Kassenanordnungen von
den Dienststellen umgehend gefertigt werden.

24
Die zeitnahe Aufklärung der Verwahrfälle ist auch deshalb notwendig, weil dem
Land als Schuldner aus öffentlich-rechtlichen oder privatrechtlichen Verhältnissen
bei diesen Zahlungen entsprechende Sorgfalts- und Leistungspflichten obliegen.
(24)

Der Landesrechnungshof hatte bereits in seinem Jahresbericht 2001 (Tz. 64) ähnliche
Feststellungen getroffen. Der Finanzausschuss hat in seiner Sitzung am 28.2.2002
von diesen Beanstandungen Kenntnis genommen und ist den Empfehlungen des
Landesrechnungshofes beigetreten.

(25)

Das Finanzministerium hat mitgeteilt, dass die Landeszentralkasse ständig und mit
hoher Intensität die Aufklärung von Verwahrfällen betreibe. So sind von den im
Haushaltsjahr 2000 angefallenen 135.000 Verwahrungen am Ende lediglich noch
23 Fälle, die hauptsächlich im Zusammenhang mit der Tätigkeit der Landeszentralkasse als Justiz- und gerichtliche Hinterlegungskasse und Auslandszahlungen stehen,
nicht aufgelöst worden. Diese äußerst geringe Anzahl nicht endgültig bearbeiteter
Verwahrfälle könne aus Sicht des Finanzministerium hingenommen werden, da insbesondere im Tätigkeitsfeld als Justiz- und gerichtliche Hinterlegungskasse die Landeszentralkasse angehalten sei, möglichst keine Zweifel an der Richtigkeit der endgültigen Behandlung von Einzahlungen aufkommen zu lassen. Ferner sei bei den
Auslandszahlungen die Aufklärung besonders aufwendig. Weiter teilte das Finanzministerium mit, dass mit der Bildung der Landeszentralkasse im Jahre 2001 auch
bedeutsame Veränderungen in der Verwahrbearbeitung vorgenommen worden seien.
Zum einen sei die gesamte Verwahrbearbeitung in einem Sachgebiet der Landeszentralkasse konzentriert worden. Dadurch werde künftig eine noch zielstrebigere Verwahrbearbeitung ermöglicht. Zum anderen sei die automatisierte Buchung von Einzahlungen erweitert worden. Dies hätte einerseits zum Wegfall manueller Buchungen
geführt, zwangsläufig jedoch auch zu zusätzlichen Verwahrfällen für nicht automatisch zu zuordnende Zahlungen.

Haushaltsüberschreitung
(26)

Im Beitrag zur Haushaltsrechnung wird beim Titel 1101 653.01 „An Gemeinden
abzuführender Anteil an der Spielbankabgabe auf Grund des § 4 der Verordnung
über Spielbanken“ in der Spalte 10 „Mehr-/Minderbetrag“ ein Mehrbetrag von
538.680,96 DM ausgewiesen. Der Haushaltsvermerk zu diesem Titel lautet: „Ausga-

25
ben dürfen bis zur Höhe von 15 % der Einnahmen bei 1101 093.01 „Abgabe von
Spielbanken“ geleistet werden“.
Laut Beitrag zur Haushaltsrechnung übersteigt
beim Titel 1101 093.01 das Gesamt-Soll (Spalte 9) i. H. v.
(einschließlich Rest-Vorjahr)
das Gesamt-Ist (Spalte 6) i. H. v.
um einen Betrag (Spalte 10) i. H. v.
(27)

1.228.240,04 DM
1.766.921,00 DM
538.680,96 DM.

In der Anlage V „Übersicht über die Deckung der Mehrausgaben in Spalte 10 der
Zentralrechnung 2000“ wird die Deckung dieses Mehrbetrages durch Mehreinnahmen beim Titel 1101 093.01 in Höhe von 3.469.819,64 DM nachgewiesen. Obwohl
diese Mehreinnahmen bei diesem Titel ausgewiesen werden, sind sie nicht in voller
Höhe für den korrespondierenden Ausgabetitel einsetzbar. Es ist nicht beachtet worden, dass die prozentuale Einnahme-Ausgabe-Verknüpfung des Haushaltsvermerkes
zu einem vom Ansatz im Haushaltsplan abweichenden Plansoll führt.

(28)

Bei Titeln mit Haushaltsvermerken des Typs „Ausgaben dürfen nur in Höhe der
Einnahmen bei ... geleistet werden“ ist das Plansoll unabhängig vom Ansatz im
Haushaltsplan stets 0,00 DM (vgl. Erlass des Finanzministeriums vom 16.1.2002
„Reste-Erlass 2001“). Das Gesamt-Soll wird neben vorhandenen Resten und zusätzlichen Ermächtigungen nach §§ 17 und 18 Haushaltsgesetz vom Ist des korrespondierenden Einnahmetitels bestimmt. Das Gesamt-Soll des Titels 1101 653.01 ermittelt sich daher wie folgt:
Ist – Titel 1101 093.01

11.469.819,64 DM

zulässige Ausgabe – 15 % der Einnahmen
zzgl. Rest aus dem Vorjahr

1.720.472,94 DM
+ 28.240,04 DM
1.748.712,98 DM

Ist – Titel 1101 653.01

1.766.921,00 DM

Überschreitung

18.208,02 DM

Da kein Einnahmerest gebildet wurde, kann die Ausgabeüberschreitung nicht ausgeglichen werden. Somit liegt eine nicht genehmigte Haushaltsüberschreitung vor, die
in der Haushaltsrechnung 2000 nicht ausgewiesen wird.
(29)

Das Finanzministerium hat mitgeteilt, dass die ausgewiesene Mehrausgabe aus heutiger Sicht in der Anlage 1 des Beitrages zur Haushaltsrechnung (vgl. auch Haushaltsrechnung Teil F I.) als sonstige Haushaltsüberschreitung hätte aufgeführt wer-

26
den müssen. Die Ursache der Überschreitung sei in einer zu niedrigen Restebildung
des Jahres 1998 begründet, die in den Folgejahren fortwirkte. Dieser Fehler werde
jedoch mit der Restebildung 2001 bereinigt. Das Finanzministerium versicherte, dass
es keine Mehrzahlungen an die betroffenen Gemeinden über den in § 4 der Verordnung (VO) über die Spielbanken vom 7.5.1996 geregelten Anteil hinaus gegeben habe.

Inanspruchnahme von Deckungsfähigkeiten
(30)

Der Landesrechnungshof hat bei der Prüfung der Haushaltsrechnung 2000 im Zusammenhang mit der Inanspruchnahme von Deckungsfähigkeiten eine Reihe von
Feststellungen getroffen. Bereits in seinem Jahresbericht 2000 (Tzn. 65 bis 66) hat
der Landesrechnungshof auf Probleme im Zusammenhang mit Deckungsfähigkeiten
hingewiesen. Den Beanstandungen des Landesrechnungshofes ist der Landtag beigetreten.
An den nachfolgenden vier Beispielen macht der Landesrechnungshof die Problematik im Umgang mit Deckungsfähigkeiten nochmals deutlich.

Überschneidung von Deckungsfähigkeiten
(31)

Der Haushaltsplan des Landes 2000 enthält einen Haushaltsvermerk für den Einzelplan 10 – Geschäftsbereich des Sozialministeriums –, wonach die dort aufgeführten
Titel des Einzelplans 10 gegenseitig im Deckungskreis 1 deckungsfähig sind. Der
Deckungskreis 1 ist – wie in auch in den Haushaltsjahren 1998 und 1999 – kapitelübergreifend. Er umfasst insgesamt 32 Titel aus fünf Kapiteln des Einzelplans 10 und
besteht aus 28 Titeln der Hauptgruppe 6 „Ausgaben für Zuweisungen und Zuschüsse
mit Ausnahme für Investitionen“ und aus vier Titeln der Hauptgruppe 8 „Sonstige
Ausgaben für Investitionen und Investitionsförderungsmaßnahmen“. Alle Titel sind
für gesetzliche Leistungen des Landes veranschlagt. Vier dieser Titel (Hauptgruppe 6) gehören außerdem zur Titelgruppe 65 „Überörtliche Sozialhilfe“ (Kapitel 1005
„Sozialwesen, überörtliche Träger der Sozialhilfe und Sozialversicherung“) und ein
Titel (1011 671.01 „Einstellungs- und Nachuntersuchungen auf Grund des Jugendarbeitsschutzgesetzes einschließlich entsprechender Aufklärung der Betroffenen“) zum
„budgetierten“ Kapitel 1011 „Ämter für Arbeitsschutz und technische Sicherheit –
Gewerbeaufsicht“. Innerhalb der genannten Titelgruppe und innerhalb des „budge-

27
tierten“ Kapitels 1011 wie auch innerhalb des Deckungskreises 1 ist weitreichende
Deckungsfähigkeit aller Titel festgelegt.
(32)

Damit ist die Kontrolle, ob der Wille des Parlaments bei der Ausführung des Haushaltsplanes genügend Beachtung gefunden hat, nur mit großem Aufwand möglich
(vgl. Jahresbericht 2000 Tz. 66 – Verletzung des haushaltsrechtlichen Grundsatzes
der Haushaltsklarheit und Haushaltswahrheit).

(33)

Die Inanspruchnahme der vom Haushaltsgesetzgeber beschlossenen – weit gefassten – Deckungsfähigkeiten mag formal betrachtet haushaltsrechtlich nicht zu beanstanden sein, erschwert aber Akzentsetzungen des Parlaments, den Haushaltsvollzug
und die Rechnungsprüfung. Außerdem ist auf Grund der gegenseitigen Deckungsfähigkeit von Titeln der Hauptgruppe 6 und 8 nicht ausgeschlossen, dass Ausgaben für
konsumtive Zwecke mit Krediten finanziert werden (Gefahr des Verstoßes gegen
Art. 65 Abs. 2 Verf. M-V). Hierauf hatte der Landesrechnungshof bereits in seinem
Jahresbericht 2000 (Tz. 66) hingewiesen.

(34)

Das Finanzministerium hat mitgeteilt, dass der angeführte Deckungsvermerk im Einzelplan 10 erstmals 1998 eingeführt worden sei, um den Verwaltungsaufwand bei
den häufig auftretenden Mehrausgaben bei einzelnen Titeln zu vermeiden. Der Wille
des Parlaments werde jedoch in der Durchführung des Haushaltes berücksichtigt, da
die vom Parlament beschlossenen Sozialleistungen gewährt werden und der
Haushaltsvermerk vom Parlament in Kenntnis der Sachlage beschlossen worden sei.
Das Finanzministerium führte dazu weiter aus:
„Bei der Einbeziehung von Titeln der HG 8 hat das Finanzministerium im konkreten
Fall einerseits abgewogen zwischen der Möglichkeit, dass durch die Deckungsfähigkeit konsumtive Zwecke durch Kredite finanziert werden, und andererseits den o. g.
Vorteilen der Einbeziehung in den Deckungskreis. Eine Beeinträchtigung der Kreditobergrenze war angesichts der Größenordnung der Ansätze bei den vier Titeln der
HG 8 (28,6 T€ in 2000) praktisch ausgeschlossen. Den von der Landesregierung
vorgelegten umfassenden Haushaltsvermerk hat das Parlament in unveränderter
Ausgestaltung beschlossen.“
Weiter teilte das Finanzministerium mit, dass grundsätzlich die Überschneidung von
Deckungsfähigkeiten nicht erfolgen soll. Seit dem Haushaltsjahre 2001 sei auch die
Überschneidung mit dem Titel 1011 671.01 nicht mehr gegeben. Die Überschnei-

28
dung mit TG 65 beträfe noch den Titel 526.65 „Sachverständigengutachten, Landesärzte – Sozialhilfe“. Die Einbeziehung dieses Titels in den Deckungskreis 1 werde
im Rahmen der Haushaltsaufstellung 2004, ggf. schon bei der Aufstellung eines
Nachtragshaushaltes 2003, kritisch geprüft.

Einbeziehung eines Titels aus einem „budgetierten“ Kapitel in den Deckungskreis
(35)

Im Einzelplan des Sozialministeriums ist in den Deckungskreis 1 auch der Titel
1011 671.01 „Einstellungs- und Nachuntersuchungen auf Grund des Jugendarbeitsschutzgesetzes einschließlich entsprechender Aufklärung der Betroffenen“ aufgenommen worden. Dieser Titel gehört zum „budgetierten“ Kapitel 1011 „Ämter für
Arbeitschutz und technische Sicherheit – Gewerbeaufsicht“, für das weitreichende
Deckungsfähigkeit der Ausgaben innerhalb des Kapitels 1011 zugelassen ist.

(36)

Somit überschneiden sich nicht nur der Deckungskreis 1 mit der Titelgruppe 65
„Überörtliche Sozialhilfe“ des Kapitels 1005 „Sozialwesen, überörtliche Träger der
Sozialhilfe und Sozialversicherung“, sondern auch mit dem „budgetierten“ Kapitel.

(37)

Wie bereits erwähnt, ist innerhalb der genannten Titelgruppe und innerhalb des
„budgetierten“ Kapitels – wie auch innerhalb des Deckungskreises 1 – eine weitreichende gegenseitige Deckungsfähigkeit der von ihnen umfassten Titel festgelegt.
Dadurch besteht die Möglichkeit, durch aufeinanderfolgende Inanspruchnahme der
drei sich überschneidenden Deckungsfähigkeiten z. B. das Haushaltsvolumen der Titelgruppe 65 (Kapitel 1005) über Sollveränderungen zu Lasten des „budgetierten“
Kapitels (über Titel 1011 671.01) und zu Gunsten des Deckungskreises 1 und weitere
Sollveränderungen zu Lasten des Deckungskreises 1 und zu Gunsten der TG 65 zu
erhöhen.

(38)

Dies ist bei Ausführung des Haushaltsplanes 2000 auch geschehen. Und zwar sind
rd. 15 % des Ansatzes – das sind 133.000 DM – des Titels 1011 671.01 auf die Titel
1005 642.65 TG 65 „Erstattungen an andere Länder - Sozialhilfe“ und 1005 643.65
TG 65 „Erstattungen an Gemeinden und Gemeindeverbände - Sozialhilfe“ gebucht
worden. Durch die Einbeziehung des Titels 1011 671.01 in den Deckungskreis 1 ist
das Soll der Titelgruppe 65 des Kapitels 1005 zu Lasten des Kapitels 1011 erhöht
worden. Das Soll des Haushaltsplanes von Kapitel 1011 betrug insgesamt

29
17.951.600 DM. Es ist um 133.000 DM zu Gunsten der Titelgruppe 65 des Kapitels
1005 gemindert worden und betrug nunmehr 17.818.600 DM.
(39)

Die Einbeziehung des Titels 1011 671.01 und auch der TG 65 in den Deckungskreis 1 widerspricht dem Grundsatz der Haushaltswahrheit und -klarheit. Außerdem
fehlt der Anreiz für die Gewerbeaufsichtsämter, deren Ausgaben im Kapitel 1011
veranschlagt sind, im Rahmen des Budgets wirtschaftlich und sparsam zu verfahren,
wenn Haushaltsmittel des geplanten Budgets anderweitig, hier im Rahmen des Deckungskreises 1, verwendet werden.

(40)

Das Finanzministerium hat mitgeteilt, dass die Veranschlagung des Titels
1011 671.01 in zwei sich überschneidenden Deckungsfähigkeiten auch vom Finanzministerium als problematisch angesehen werde. Dieses sei vom Finanzministerium
bereits erkannt und mit dem Haushaltsplan 2001 berichtigt worden. Da es sich um
eine gesetzliche Leistung handelt, sei der vorgenannte Titel nur noch Bestandteil des
Deckungskreises 1 und nicht mehr im Deckungskreis für das budgetierte Kapitel
1011 enthalten.
Inanspruchnahme von Deckungsfähigkeiten ohne entsprechenden Haushaltsvermerk

(41)

Im Geschäftsbereich des Ministeriums für Arbeit und Bau (Arbeitsministerium) ist
der Maßnahmegruppe (MG) 05 – Europäischer Sozialfonds (ESF) 2000 bis 2006 –
des Kapitels 1503 „Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen“ folgender Haushaltsvermerk vorangestellt: „Mehrausgaben dürfen bis zur Höhe der Einnahmen bei 119.11
sowie in Höhe der Mehreinnahmen bei 287.03 geleistet werden“. Eine gegenseitige
Deckungsfähigkeit der Ausgaben innerhalb der MG ist nicht zugelassen (außer Titel
531.05 und 535.05). Dennoch hat das Ministerium innerhalb der MG 05 bei sieben
Titeln mehrfach Solländerungen vorgenommen und in Spalte 12 des Beitrages zur
Haushaltsrechnung den Vermerk „DF“ (Deckungsfähigkeit) angeführt. Außerdem
hat das Arbeitsministerium Mehrausgaben bei drei Titeln dieser MG in Höhe von
15.916.072,49 DM durch Minderausgaben bei fünf Titeln dieser MG gedeckt. Darüber hinausgehende Mehrausgaben hat das Arbeitsministerium aus Mehreinnahmen
bei dem Titel 1503 287.03 „Zuweisungen aus dem ESF 2000 bis 2006“ gedeckt, was
aufgrund des Haushaltsvermerkes zugelassen ist. Bei dem Titel 1503 119.11 „Rückzahlungen von Zuwendungen ESF 2000 bis 2006“ sind keine Einnahmen gebucht.

30
(42)

Diese Praxis, die davon ausgeht, dass es zur gegenseitigen Deckungsfähigkeit von
Titeln einer Maßnahmegruppe, deren Mehrausgaben aus zweckgebundenen Einnahmen gedeckt werden, keines Haushaltsvermerkes bedarf und die darauf abstellt, dass
es insbesondere bei EU-Mitteln darum gehe, dass der Haushaltsansatz einer Maßnahmegruppe nicht überschritten werde, hält der Landesrechnungshof für nicht mit
dem Haushaltsrecht vereinbar.
Eine Rechtsgrundlage findet sich weder in der LHO noch im Haushaltsgesetz. Auch
im Haushaltsplan ist die Deckungsfähigkeit innerhalb der MG (außer Titel 531.05
und 535.05) gerade nicht zugelassen; ungeschriebene Deckungsfähigkeiten kennt das
Haushaltsrecht nicht.

(43)

Das Finanzministerium hat mitgeteilt, dass es sich im konkreten Fall der Mittel aus
dem ESF 2000 – 2006 bei Kapitel 1503 MG 05 um zweckgebundene Einnahmen
handelt. Im Rahmen der parlamentarischen Beratungen sei der ausgebrachte Haushaltsvermerk geändert worden. Allerdings bringe der im Haushaltsplan ausgebrachte
Vermerk die Deckung durch zweckgebundene Einnahmen nicht vollständig zum
Ausdruck, daher hätte zur Klarstellung der Vermerk „Deckungsfähig innerhalb der
MG“ zusätzlich ausgebracht werden sollen.

Unzulässige Buchungen mittels des HKR-Verfahrens ProFiskal
(44)

Der Landesrechnungshof hatte in seinem Jahresbericht 2000 (Tz. 65) an einem Beispiel deutlich gemacht, dass beim HKR-Verfahren ProFiskal in seiner gegenwärtig
vorliegenden Version nicht ausgeschlossen werden kann, dass das Soll eines Titels
durch den Beauftragten für den Haushalt ohne haushaltsrechtliche Ermächtigung
über den Ansatz hinaus zu Lasten eines anderen Titels erhöht werden kann, da das
Verfahren gegenwärtig nicht prüft, ob die Inanspruchnahme der Deckungsfähigkeit
in jedem Fall zulässig ist. Der Landtag ist den Beanstandungen und Empfehlungen
des Landesrechnungshofes beigetreten.

(45)

Der Landesrechnungshof hat aber bei der Prüfung der Haushaltsrechnung 2000 festgestellt, dass solche Buchungen mit dem Verfahren ProFiskal immer noch möglich
sind. Das soll an den folgenden Beispielen deutlich gemacht werden.

(46)

Zu Lasten der Titel 1503 684.05 MG 05 „Zuschüsse für laufende Zwecke an soziale
oder ähnliche Einrichtungen“ und 1503 683.05 MG 05 „Zuschüsse für laufende

31
Zwecke an private Unternehmen“ sind Solländerungen zu Gunsten der Titel
1503 684.03 MG 04 „Zuschüsse für laufende Zwecke an soziale oder ähnliche Einrichtungen - reformierter ESF“ und 1503 683.03 MG 04 „Zuschüsse für laufende
Zwecke an private Unternehmen - reformierter ESF“ in Höhe von 13 Mio. DM vorgenommen worden. Die Ausgaben der Maßnahmegruppen 04 und 05 „Zusätzliche
arbeitsmarktpolitische Maßnahmen aus dem reformierten Europäischen Sozialfonds
(reformierter ESF)“ und „ESF 2000 bis 2006“ sind nicht gegenseitig deckungsfähig.
Diese Solländerungen sind jedoch in gleicher Höhe wieder rückgängig gemacht worden, sodass im Ergebnis kein Haushaltsverstoß vorliegt.
(47)

In ähnlicher Weise ist beim Titel 1003 681.10 „Versorgungsleistungen nach dem
Bundesversorgungsgesetz (BVG) auf der Grundlage des 2. SED-Unrechtsbereinigungsgesetzes“ eine unzulässige Buchung durchgeführt worden, indem das Soll des
Titels 1003 681.04 „Versorgungsleistungen nach dem BVG auf der Grundlage des
1. SED-Unrechtsbereinigungsgesetzes“ um das gesamte Soll des Titels 1003 681.10
in Höhe von 10.000 DM über den Ansatz des Titels 1003 681.04 hinaus erhöht wurde. Diese Buchung ist im Ergebnis nicht rückgängig gemacht worden. Im Beitrag zur
Haushaltsrechnung heißt es daher in einem handschriftlichen Zusatz „Die Buchung
hätte nicht durchgeführt werden dürfen.“

(48)

Durch den Vorgang wird offenbar, dass mittels ProFiskal das Soll eines Titels ohne
haushaltsrechtliche Ermächtigung erhöht werden kann. Dies ermöglicht es dann, über
die Höhe des Haushaltsansatzes hinaus Ausgaben zu leisten. Damit wären Haushaltsüberschreitungen und Verstöße gegen den Grundsatz der sachlichen Bindung
möglich.

(49)

Das Finanzministerium hat mitgeteilt, dass es bereits in der Grundspezifikation zum
System DAV (Modul Haushaltsplanung) an die damit beauftragte Firma die Anforderungen zur Eingabe von Deckungsfähigkeiten im Modul DAV und zur Übergabe
und Verarbeitung im Modul DHB (Modul Mittelbewirtschaftung) mit dem Ziel der
weitgehenden automatischen Kontrolle der Deckungsfähigkeiten im Haushaltsvollzug spezifiert habe. Es sei allerdings haushaltsrechtlich nicht zwingend, dass das
Haushaltsbewirtschaftungsverfahren diese Funktionalität ausführen muss. Der Zeitpunkt der Umsetzung dieser komplexen Problemstellung von der damit beauftragten
Firma sei aus heutiger Sicht noch nicht abzuschätzen.

32
Umbuchungen zwischen Sondervermögen und Haushalt
(50)

Sondervermögen sind rechtlich unselbständige abgesonderte Teile des Landesvermögens, die zur Erfüllung besonderer Aufgaben des Landes bestimmt sind. Sie sind
deshalb von dem übrigen Vermögen, entsprechend also auch vom Haushalt, getrennt
zu halten.

(51)

Bei Prüfung der Übersicht zum Sondervermögen „Krankenhausfinanzierung aus Mitteln der Krankenhausbenutzer“ (Anlage II 2. Teil F zur Haushaltsrechnung - Kurzfassung) ist festgestellt worden, dass das Sozialministerium wiederum eine unzulässige Umbuchung am 5.12.2000 vom Sondervermögen (Buchungsstelle 7207 892.01)
zum Haushalt (Buchungsstelle 1009 892.01) in Höhe von 1.244.096,79 DM vorgenommen hat. Mit dieser haushaltsrechtlich nicht zulässigen Bewirtschaftung des
Sondervermögens ist eine Trennung vom Haushalt de facto aufgehoben. Das Sondervermögen wurde inzwischen aufgelöst.

(52)

Der Landesrechnungshof hatte bereits in seiner Mitteilung über die Prüfung des Sondervermögens „Krankenhausfinanzierung aus Mitteln der Krankenhausbenutzer“
vom 7.2.2000 (vgl. auch Jahresbericht 2001 Tz. 301) das Sozialministerium und
nachrichtlich auch das Finanzministerium über unzulässige Buchungen zwischen
dem Haushalt und dem Sondervermögen in Kenntnis gesetzt.

33

Haushaltsrechnung
Gestaltung
(53)

Die Haushaltsrechnung ist den Vorschriften entsprechend gestaltet. Sie enthält alle in
§ 81 Abs. 1 und 2 LHO vorgeschriebenen Angaben für den Nachweis der bestimmungsgemäßen Ausführung des Haushaltplanes des Landes. Die finanziellen Gesamtergebnisse der Haushaltsführung sind in
− einem kassenmäßigen Abschluss gemäß § 82 LHO (Ist-Ergebnisse ohne Haushaltsreste),
− einem Haushaltsabschluss gemäß § 83 LHO (Ist-Ergebnisse zuzüglich Haushaltsreste) und
− in der Gesamtrechnung (Einzelplanabschlüsse, Zusammenstellung nach Gruppen
und Einzelplänen, Gesamtabschluss) dargestellt.
Der kassenmäßige Abschluss und der Haushaltsabschluss sind gemäß § 84 LHO in
einem Abschlussbericht auf den Seiten 38 bis 76 der Haushaltsrechnung erläutert.
Die in § 85 Abs. 1 LHO genannten Übersichten sind der Haushaltsrechnung beigefügt (S. 324 bis 410). Weitere Erläuterungen über den Haushaltsvollzug geben die in
der Haushaltsrechnung beigefügten besonderen Übersichten auf den Seiten 414 bis
488.

Jahresabschluss
(54)

Der Landesrechnungshof hat den kassenmäßigen Abschluss und den Haushaltsabschluss nach §§ 82 und 83 LHO stichprobenweise geprüft und keine wesentlichen
Beanstandungen festgestellt.

Kassenmäßiger Abschluss
(55)

Der kassenmäßige Abschluss gemäß § 82 LHO weist folgende Ergebnisse aus:
Summe der Ist-Einnahmen
Summe der Ist-Ausgaben
kassenmäßiges Jahresergebnis
haushaltsmäßig noch nicht abgewickelte
kassenmäßige Jahresergebnisse früherer Jahre
kassenmäßiges Gesamtergebnis

14.010.906.302,89 DM
14.010.906.302,89 DM
0,00 DM
-0,00 DM

34
Haushaltsabschluss
(56)

Der Haushaltsabschluss gemäß § 83 LHO stellt sich in verkürzter Form wie folgt dar:
Einnahmen
– in DM –

Ausgaben
– in DM –

– Rechnungsergebnis –
– Nach der Haushaltsrechnung des Landes M-V
für das Haushaltsjahr 2000 betragen die
– Dazu kommen die am Schluss des Haushaltsjahres 2000 auf das Haushaltsjahr 2001 übertragenen Haushaltsreste (netto) gemäß § 45
LHO
– Gesamt-Ist
– Unterschied zwischen dem Gesamt-Ist
zugleich rechnungsmäßiges Gesamtergebnis
gemäß § 83 Nr. 2 lit. e LHO

14.010.906.302,89 14.010.906.302,89

+365.667.044,64

+768.440.478,65

14.376.573.347,53 14.779.346,781,54

402.773.434,01

– Haushaltsplan –
– Durch das Haushaltsgesetz (HG) vom 21. Dezember 1999 ist der Haushaltsplan des Landes
für das Haushaltsjahr 2000 wie folgt festgestellt worden:
– Das Haushaltsvolumen erhöhte sich
gemäß § 17 Abs. 1 HG 2000 um
– Das Haushaltsvolumen verminderte sich
gemäß § 17 Abs. 1 lit. a HG 2000 um
und gemäß § 18 Abs. 1 HG 2000 um
– Das Haushalts-Soll belief sich für das Haushaltsjahr 2000 auf
– Dazu kommen die aus dem Haushaltsjahr 1999
übertragenen Haushaltsreste gemäß § 45 LHO
abzüglich der Vorgriffe auf Ausgaben des
Haushaltsjahres 2000 gemäß § 37 LHO
– Gesamt-Soll
– Unterschied zwischen dem Gesamt-Soll
zugleich rechnungsmäßiges Jahresergebnis
2000 gemäß § 83 Nr. 2 lit. d LHO

14.084.199.500,00 14.084.199.500,00
+2.718.000,00

+2.718.000,00

-3.282.000,00
-814.800,00

-3.282.000,00
-814.800,00

14.082.820.700,00 14.082.820.700,00
+337.568.902,99

+811.856.929,61

-55.203.457,34
14.420.389.602,99 14.839.474.172,27

16.311.135,27

Rechnungsergebnisse im Jahresvergleich
(57)

Die nachfolgende Übersicht gibt einen auf die Haushaltsjahre 1997 bis 2000 bezogenen Überblick über die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben gemäß Gruppierungsplan.

35
Einnahmen/Ausgaben

1997
Ist

1

1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28

Steuern, LFA, BEZ
dav.:
M-V verbleibende Steuern
Einnahmen aus LFA
BEZ
übrige lauf. Einnahmen
Summe der bereinigten lauf. Einnahmen
spezielle Investitionseinnahmen
bereinigte Gesamteinnahmen
Entnahmen aus Rücklagen/haushaltstechnische Verrechnungen
Netto-Kreditaufnahme
Gesamteinnahmen
Personalausgaben
Zinsen
Mietkauf/Leasing
Sach- u. Fachausgaben
dar.:
Kommunaler Finanzausgleich
globale Minderausgabe
Summe der bereinigten lauf. Ausgaben
Investitionsausgaben
dav.:
Baumaßnahmen
sonstige Investitionen (HGr. 8 ohne Z. 22)
Kommunale Investitionsmittel
bereinigte Gesamtausgaben
besondere Finanzierungsausgaben
Gesamtausgaben
Finanzierungssaldo
dav.:
lauf. Haushalt
Investitionshaushalt

29
30
31
32
33
34
35
36

Strukturdaten (%)
Steuerdeckungsquote
Kreditfinanzierungsquote
Finanzierungsdefizitquote
Investitionsquote
Personalausgabenquote
Zins-Ausgaben-Quote
Zins-Steuer-Quote

Tab. 3: Finanzwirtschaftliche Entwicklung der Jahre 1997 bis 2000

1998

Mio. DM
2
8.748,5
5.898,9
875,6
1.974,0
1.969,2
10.717,7
2.141,7
12.859,3
65,5

Ist 97
z. Ist 96
%
3
+1,6
+1,3
+8,7
-0,3
+5,0
+2,3
-4,5
+1,1
-72,8

Mio. DM
4
8.863,6
6.020,5
856,3
1.986,7
2.080,0
10.943,6
2.078,7
13.022,3
84,4

1.485,3
14.410,2
3.566,1
652,2
-6.224,1
2.545,4
0,0
10.442,4
3.850,3
453,0
3.246,5
150,8
14.292,7
117,5
14.410,2
-1.433,4
275,3
-1.708,6

-27,4
-4,0
+2,1
+22,4
--6,9
+2,1
0,0
-2,5
-7,6
-1,2
-8,5
-4,1
-3,9
-11,4
-4,0
–
–
–

1.290,9
14.397,7
3.620,6
745,4
19,7
6.351,4
2.392,7
0,0
10.737,1
3.599,1
477,6
2.977,0
144,6
14.336,1
61,5
14.397,7
-1.313,8
206,6
-1.520,3

Ist 97
+47,4
+10,4
-10,0
+26,9
+25,0
+4,6
+9,6

Ist

Ist 98
+48,0
+9,0
-9,2
+25,1
+25,3
+5,2
+10,8

1999
Ist 98
z. Ist 97
%
5
+1,3
+2,1
-2,2
+0,6
+5,6
+2,1
-2,9
+1,3
+28,9
-13,1
-0,1
+1,5
+14,3
-+2,05
-6,0
0,0
+2,8
-6,5
+5,4
-8,3
-4,2
+0,3
-47,7
-0,1

Ist

2000

Mio. DM
7
9.215,3
6.267,8
936,5
2.011,0
2.046,3
11.261,6
1.909,1
13.170,7
135,8

Ist 99
z. Ist 98
%
8
+4,0
+4,1
+9,4
+1,2
-1,6
+2,9
-8,2
+1,1
60,9

920,6
14.227,1
3.686,9
813,0
20,9
6.110,9
2.356,9
0,0
10.631,7
3.522,2
494,7
2.875,6
152,0
14.154,0
73,1
14.227,1
-983,3
629,8
-1.613,1

-28,7
-1,2
+1,8
+9,1
+6,3
-3,8
-1,5
0,0
-1,0
-2,1
+3,6
-3,4
+5,2
-1,3
+18,9
-1,2
–
–
–

Ist 99
+50,9
+6,5
-6,9
+24,9
+26,1
+5,8
+11,3

Ist
Mio. DM
9
9.413,5
6.435,4
959,3
2.018,8
2.030,9
11.444,4
1.795,6
13.240,0

Ist 2000
z. Ist 99
%
10
+2,2
+2,7
+2,4
+0,4
-0,7
+1,6
-5,9
+0,5

715,2
14.010,9
3.713,7
852,6
21,3
6.171,8
2.416,9
0,0
10.759,4
3.162,2
521,1
2.510,2
131,0
13.921,6
89,3
14.010,9
-681,6
685,0
-1.366,6
Ist 2000
+ 53,1
+ 5,1
+ 4,9
+ 22,7
+ 26,7
+ 6,1
+ 11,5

-22,3
-1,5
+0,7
+4,9
+1,8
+1,0
+2,5
-+1,2
-10,2
+5,3
-12,7
-13,8
-1,6
+22,1
-1,5

36
(58)

Die Gesamt-Ist-Ausgaben (Ist-Ausgaben unter Berücksichtigung der Haushaltsreste)
nach Einzelplänen entwickelten sich in den Haushaltsjahren von 1997 bis 2000 wie
folgt:
Einzelplan

01
02
03
04
05
06
07

Landtag
Landesrechnungshof
Ministerpräsident, Staatskanzlei
Innenministerium
Finanzministerium
Wirtschaftsministerium
Ministerium f. Bildung, Wissenschaft und
Kultur
08 Ministerium f. Ernährung, Landwirtschaft,
Forsten und Fischerei
09 Justizministerium
10 Sozialministerium
11 Allgemeine Finanzverwaltung
12 Hochbaumaßnahmen des Landes
13 Umweltministerium
15 Ministerium für Arbeit und Bau*
Gesamt
davon Haushaltsreste

1997
40,2
9,0
20,2
916,7
380,3
2.430,8
2.940,4

Gesamt-Ist-Ausgaben
Mio. DM
1998
1999
41,2
41,5
8,8
9,0
20,3
22,9
1.195,8
919,3
384,6
382,6
2.559,2 2.325,3
2.942,3 2.693,5

873,6

863,6

994,4

2000
41,2
9,1
24,1
926,3
383,1
2.090,6
2.660,1
908,4

359,0
373,0
385,6
412,3
1.370,5 1.303,3 1.189,2 1.184,1
3.994,6 3.788,6 3.950,6 4.117,2
444,0
475,6
486,2
484,0
1.336,7 1.193,0
468,3
471,7
--- 1.115,4 1.067,1
15.116,0 15.149,3 14.983,8 14.779,3
705,9
751,6
756,7
768,4

* Der Geschäftsbereich des Ministeriums für Arbeit und Bau wurde im Zuge der Regierungsbildung 1998 neu
festgelegt (Organisationserlass des Ministerpräsidenten vom 17.11.1998)
Tab. 4: Entwicklung der Gesamt-Ist-Ausgaben nach Einzelplänen von 1997 bis 2000

Über- und außerplanmäßige Ausgaben
(59)

Die über- und außerplanmäßigen Ausgaben einschließlich Vorgriffe gemäß § 37
Abs. 1 und 7 LHO, die sonstigen Überschreitungen und die Überschreitungen ohne
Einwilligung der Finanzministerin sind im Abschlussbericht der Haushaltsrechnung
(S. 44 und 45) mit einem Betrag in Höhe von insgesamt 46.261.781,19 DM ausgewiesen. Hinzu kommen die Mehrausgaben, die gemäß § 8 i. V. m. § 37 Abs. 2 bzw.
§ 35 LHO gebucht worden sind. Die über- und außerplanmäßigen Ausgaben bzw.
Haushaltsüberschreitungen verteilen sich wie folgt:
– Einwilligungen nach § 37 Abs. 1 LHO
– Überschreitungen ohne Einwilligung der Finanzministerin
– sonstige Überschreitungen

42.067.014,70 DM
467,13 DM
4.194.299,36 DM.

37
Von diesen insgesamt ausgewiesenen Überschreitungen der Haushaltsansätze entfielen auf
überplanmäßige Ausgaben

44.363.554,45 DM

außerplanmäßige Ausgaben

1.898.226,74 DM

Vorgriffe

0,00 DM

zusammen

46.261.781,19 DM.

Bezogen auf das Gesamt-Soll (Soll zzgl. der Ausgabereste aus Vorjahren gleich Gesamt-Soll) betrugen die Haushaltsüberschreitungen 0,3 % gegenüber 0,5 % im Vorjahr.
(60)

Die über- und außerplanmäßigen Ausgaben bedürfen nach § 37 Abs. 1 LHO der
Einwilligung des Finanzministers. Sie darf nur im Falle eines unvorhergesehenen
und unabweisbaren Bedürfnisses erteilt werden.
Die Finanzministerin hat den Landtag mit den Drucksachen 3/1456 und 3/1902 gemäß Art. 63 Abs. 2 der Verf. M-V über über- und außerplanmäßige Ausgaben und
Verpflichtungen unterrichtet. Der Finanzausschuss hat hiervon jeweils Kenntnis genommen.
In der Haushaltsrechnung sind drei von 26 über- und außerplanmäßigen Ausgaben
mit einem Betrag von 467,13 DM nachgewiesen, bei denen es an der Einwilligung
der Finanzministerin fehlt. Im Vorjahr waren acht von 25 Fällen nicht genehmigte
Haushaltsüberschreitungen mit einem Gesamtbetrag von 14.990,04 DM. Die Einzelfälle der festgestellten über- und außerplanmäßigen Ausgaben sind als Übersicht gemäß § 85 Abs. 1 Nr. 1 LHO in der Anlage I, Teil F (S. 324 bis 343) der Haushaltsrechnung 2000 nachgewiesen und begründet.

Globale Minderausgaben

(61)

Für das Haushaltsjahr 2000 waren vier „Globale Minderausgaben“ in Höhe von insgesamt 107.000.000,00 DM veranschlagt. Sie verteilen sich wie folgt:
im Einzelplan 11 – Allgemeine Finanzverwaltung
beim Titel 1108 972.01 in Höhe von
beim Titel 1111 549.01in Höhe von
beim Titel 1111 972.01 in Höhe von
im Einzelplan 12 – Hochbaumaßnahmen des Landes
beim Titel 1211 972.01 in Höhe von

-3.000.000,00 DM
-23.000.000,00 DM
-75.000.000,00 DM
-6.000.000,00 DM

38
Über die Einsparungen haben die Ressorts Nachweise erbracht. Die Darstellung dazu
ist den Seiten 46 und 47 (Anlage 1 und 2) der Haushaltsrechnung zu entnehmen.

Haushaltsreste
(62)

Beim Abschluss der Haushaltsrechnung für das Haushaltsjahr 2000 sind folgende
Reste in das Haushaltsjahr 2001 übertragen worden:
Einnahmereste
Ausgabereste

365.667.044,64 DM
768.440.478,65 DM

Somit ergibt sich ein Überschuss der
Ausgabereste in Höhe von

402.773.434,01 DM.

Auf die Seiten 43 und 44 der Haushaltsrechnung 2000 über die Zusammensetzung
der Haushaltsreste wird hingewiesen.
Das Finanzministerium hat dem Finanzausschuss des Landtages die in das Haushaltsjahr 2001 übertragenen Haushaltsreste mitgeteilt (ADrs. 3/849). Der Finanzausschuss hat hiervon Kenntnis genommen.
(63)

Die nachfolgende Übersicht zeigt, wie sich die Haushaltsreste in den letzten zehn
Jahren entwickelt haben:
Haushaltsjahr

Ausgabereste
Mio. DM

1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000

688,3
824,6
1.131,9
1.317,3
1.188,6
692,6
705,9
751,6
756,7
768,4

Einnahmereste

%
des Haushaltsvolumens
6,6
7,4
9,0
9,8
8,5
4,6
4,9
5,2
5,3
5,5

Mio. DM
688,3
824,6
1.131,9
1.203,8
1.162,5
687,9
558,9
328,8
337,6
365,7

Tab. 5: Entwicklung der Haushaltsreste

Der Landesrechnungshof weist erneut darauf hin, dass der Haushaltsvollzug in den
nachfolgenden Jahren auf Grund der gebildeten Ausgabereste nur durch höhere Kre-

39
ditaufnahmen finanziert werden kann, wenn keine anderen Einnahmequellen zur
Verfügung stehen.
(64)

Die Ausgabereste veränderten sich gegliedert nach Hauptgruppen gemäß Gruppierungsplan gegenüber dem Vorjahr wie folgt:
Hauptgruppe

Ausgabearten

4

Personalausgaben

5

Sächliche
Verwaltungsausgaben

6

Ausgaben für Zuweisungen und Zuschüsse mit
Ausnahme für Investitionen

7

Baumaßnahmen

8

Sonstige Ausgaben für
Investitionen und Investitionsförderungsmaßnahmen

9

Besondere Finanzierungsausgaben
Insgesamt

Haushaltsjahr
1999
Anteil
Reste
an den
in
Resten
%
Mio.
DM

Haushaltsjahr 2000 Veränderungen
Anteil
Reste
2000
an den zu 1999
in
Resten
%
Mio. DM
Mio.
DM

2,5

0,3

6,0

0,8

3,5

31,7

4,2

35,6

4,6

3,9

159,2

21,0

79,6

10,4

-79,6

54,2

7,2

51,4

6,7

-2,8

509,0

67,3

593,3

77,2

84,3

0,0

0,0

2,5

0,3

2,5

756,6

100,0

768,4

100,0

11,8

Tab. 6: Entwicklung der Ausgabereste nach Hauptgruppen

Von den Ausgaberesten des Haushaltsjahres 2000 in Höhe von rd. 768,4 Mio. DM
entfielen rd. 647,2 Mio. DM (84,2 %) auf investive und rd. 121,2 Mio. DM (15,8 %)
auf konsumtive Ausgaben.

40

Vermögensübersicht
Gestaltung
(65)

Die Vermögensübersicht ist den Vorschriften entsprechend gestaltet. Sie enthält alle
nach § 86 Abs. 1 LHO vorgeschriebenen Angaben.

Vermögen und Schulden im Jahresvergleich
(66)

Die nachfolgende Übersicht gibt einen auf die Haushaltsjahre 1999 und 2000 bezogenen Überblick über die Entwicklung des Vermögens, der Schulden, der Sicherheitsleistungen und Gewährleistungen (Eventualverbindlichkeiten).
Stand: Ende 1999
1

A.
I.

Entwicklung

2

3

4

5

2.245.210.770
17.422.192
2.262.632.962

in m²
+142.384.365
+1.004.829
+143.389.194

2.387.595.135
18.427.021
2.406.022.156

in %
6,4
5,8
6,3

3.403.419.187,24
83.538.594,71
655.349.173,30
129.083.672,44
235.114.694,30
6.070.052,60
148.196.809,60

in DM
+196.914.743,36
-27.893.500,30
+82.361.253,24
+59.196.972,80
+26.082.123,73
+770.195,62
-5.088.062,79

3.600.333.930,60
55.645.094,41
737.710.426,54
188.280.645,24
261.196.818,03
6.840.248,22
143.108.746,81

in %
5,8
-33,4
12,6
45,9
11,1
12,7
-3,4

Kapitalvermögen

Darlehensforderungen
Rücklagen
Sondervermögen, darunter:
– Grundstock
– Kommunaler Aufbaufonds
– Krankenhausfinanzierung
– Landwirtschaftssondervermögen
Reinvermögen der Landesbetriebe
Beteiligungen (unmittelbare)
Summe II.

B.

8.666.592,30

-755.995,97

7.910.596,33

-8,7

205.648.925,00
4.356.622.472,55

+250.626.500,33

205.648.925,00
4.607.248.972,88

0,0
5,8

in DM
+756.454.659,17 14.655.561.200,00
-41.292.550,00
642.991.259,02
-134.354.300,00
32.929.509,02
+93.061.750,00
610.061.750,00
+715.162.109,17 15.298.552.459,02

in %
5,5
-6,0
-80,3
18,1
4,9

Schulden

Fundierte Schulden
Sonstige Schulden, davon:
- innere Schulden
- Kassenkredite
Summe Schulden

C.

Stand: Ende 2000

Vermögen
Liegenschaftsvermögen

Verwaltungsvermögen
Allg. Grundvermögen
Summe I.

II.

saldierte Zu- und
Abgänge

13.899.106.540,83
684.283.809,02
167.283.809,02
517.000.000,00
14.583.390.349,85

Sicherheitsleistungen und Gewährleistungen

Bürgschaften

2.829.926.506,61

Tab. 7: Vermögen und Schulden des Landes

in DM
-460.983.012,41

in %
2.368.943.494,20

16,3

41

Verschuldung
Schuldenentwicklung
(67)

Der Schuldenstand (fundierte und sonstige Schulden) des Landes ist seit 1991 beträchtlich angestiegen. Er erhöhte sich von rd. 978 Mio. DM auf rd. 15.299 Mio. DM
im Jahr 2000. Für die Folgejahre ist eine weitere Zunahme der Verschuldung geplant.

Abb. 2: Entwicklung der Landesschulden
18.000
14.583,4

15.000

13.662,8
12.371,9

12.000
Mio. DM

15.298,6

10.886,6
8.841,8

9.000
6.697,3

6.000
3.988,7

3.000

1.883,7
977,9

0
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000
Haushaltsjahr

Pro-Kopf-Verschuldung
(68)

Die Verschuldung des Landes am Kreditmarkt (ohne kreditähnliche Rechtsgeschäfte,
innere Schulden und ohne Kassenverstärkungskredite) erhöhte sich im Vergleich
zum Vorjahr von 13.899,1 Mio. DM auf 14.655,6 Mio. DM. Die Pro-KopfVerschuldung betrug danach 8.253 DM (Vorjahr 7.768 DM) und ist damit gegenüber
dem Vorjahreszeitraum um 6,3 % gestiegen.
Die Entwicklung der Pro-Kopf-Verschuldung in Mecklenburg-Vorpommern von
1991 bis 2000 veranschaulicht folgendes Diagramm:

42
Abb. 3: Entwicklung der Pro-Kopf-Verschuldung in
Mecklenburg-Vorpommern
10.000
7.768

8.000

DM

6.440
6.000

2.000

5.397

4.284

4.000
2.147
517

0

8.253

7.263

3.215
Pro-Kopf-Verschuldung

1.010

1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000
Haushaltsjahr

(69)

Den Vergleich der Verschuldung des Landes Mecklenburg-Vorpommern aus Kreditmarktmitteln mit den übrigen Flächenländern1 zum Ende des Haushaltsjahres 2000
zeigt folgende Tabelle:
Bundes- (Flächen-)länder

Schulden aus Kreditmarktmitteln*
Mio. DM

DM/Einw.

Bayern

35.135

2.873

Sachsen

19.698

4.451

Baden-Württemberg

57.709

5.484

Hessen

42.198

6.955

Mecklenburg-Vorpommern

14.656

8.253

149.954

8.327

Niedersachsen

66.647

8.409

Thüringen

21.295

8.760

Rheinland-Pfalz

35.881

8.893

Brandenburg

25.032

9.621

Sachsen-Anhalt

26.554

10.155

Schleswig-Holstein

30.295

10.859

Saarland

11.989

11.216

Nordrhein-Westfalen

* ohne kreditähnliche Rechtsgeschäfte, innere Schulden und ohne Kassenkredite
Tab. 8: Verschuldung der Bundes- (Flächen-)länder

1

Statistisches Bundesamt 2002 – www.destatis.de und – VII B – 173 – (Bevölkerung nach Bundesländern am
31.12.2000)

43
Danach liegt das Land Mecklenburg-Vorpommern ausgehend von der niedrigsten
Pro-Kopf-Verschuldung auf dem fünften Platz aller Flächenländer und auf dem
zweitbesten Platz der fünf neuen Flächenländer. In allen Flächenländern belief sich
die Pro-Kopf-Verschuldung aus Kreditmarktmitteln durchschnittlich auf
rd. 8.020 DM. In den neuen Flächenländern lag sie bei 8.248 DM.
Netto-Kreditaufnahme und Zinsen
(70)

Im Haushaltsjahr 2000 war die Netto-Kreditaufnahme mit 650 Mio. DM um
270,6 Mio. DM gegenüber dem Vorjahresergebnis niedriger veranschlagt worden.
Am Ende des Haushaltsjahres 2000 belief sich die Netto-Kreditaufnahme auf
715,2 Mio. DM. Somit ist die Zielstellung des Haushaltsplanes nicht eingehalten
worden. Das Finanzministerium musste im Umfang von rund 65 Mio. DM auf die
Kreditermächtigungen aus Vorjahren zurückgreifen.

(71)

Die Kreditfinanzierungsquote verdeutlicht den Anteil der Fremdfinanzierung. Sie
weist das Verhältnis der Netto-Kreditaufnahme am Kreditmarkt zu den bereinigten
Gesamtausgaben aus. Sie belief sich im Haushaltsjahr 2000 auf 5,1 % und hat sich
somit gegenüber dem Vorjahr (6,5 %) um 1,4 Prozentpunkte reduziert.

44
Entwicklung der Netto-Kreditaufnahme und der Zinsen
(72)

Die Entwicklung der jährlichen Netto-Kreditaufnahme und der Ausgaben für Zinsen
in den letzten zehn Jahren zeigt die folgende Übersicht:

Abb. 4: Entwicklung der Netto-Kreditaufnahme und der Zinsen
3.000
2.708,6
2.500
2.105,0

2.144,5 2.044,8

Mio. DM

2.000
1.485,3

1.500
1.000

1.290,9
977,9

920,6

905,8
395,0

500
0

3,4

47,7

1991

1992

134,0
1993

532,9

652,2

745,4

852,6

813,0
715,2

238,3
1994

1995

Haushaltsjahr

1996

1997

1998

1999

2000

Zinsausgaben
Netto-Kreditaufnahme

Die Zinsausgaben für die Kreditmarktschulden sind im Haushaltsjahr 2000 bedingt
durch die Netto-Neuverschuldung im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 % gestiegen.
(73)

Der Anteil der Zinsausgaben an den bereinigten Gesamtausgaben (Zinsausgabenquote) ist von 0,03 % im Haushaltsjahr 1991 auf 6,1 % im Haushaltsjahr 2000 (Vorjahr:
5,8 %) gestiegen.

(74)

Das Verhältnis der Zinsausgaben zu den bereinigten Gesamteinnahmen (Zinslastquote) ist seit 1991 von 0,04 % auf 6,4 % im Haushaltsjahr 2000 (Vorjahr: 6,2 %) gestiegen.

(75)

Das Verhältnis der Zinsausgaben zu den Einnahmen aus Steuern und Länderfinanzausgleich (Zinssteuerquote) betrug 1991 0,2 % und ist auf 11,5 % im Haushaltsjahr
2000 gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr ist sie um 0,2 % gestiegen.

45
Die folgende Übersicht zeigt die Entwicklung der Zinsausgabenquote, der Zinslastquote und der Zinssteuerquote:

Abb. 5: Zinssteuer-, Zinsausgaben- und Zinslastquote
14,0
11,2

12,0
8,0

8,0

6,4

5,7

6,0

4,2

4,0
2,0
0,0
1991

11,3
11,5

10,0
%

(76)

2,2

1,6

5,2

6,2

6,4

5,8

6,1

3,6

1,8
1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

Haushaltsjahr
Zinssteuerquote
Zinslastquote

Zinsausgabenquote

1999

2000

46

Zuwendungen an Kommunalpolitische Vereinigungen

Die Landtagsverwaltung hat bei der Bewilligung
und Verwendungsnachweisprüfung gegen das
Zuwendungsrecht verstoßen.
Die Verwendung der Zuwendungen durch die
Kommunalpolitischen Vereinigungen weist eine
Vielzahl von Mängeln auf. Zudem sind verfassungsrechtliche Vorgaben nicht immer ausreichend beachtet worden.

(77)

Das Land Mecklenburg-Vorpommern gewährt seit 1992 jährlich Zuwendungen an
Kommunalpolitische Vereinigungen (KPV) zur Förderung der Aus- und Weiterbildung von Bürgern für die Tätigkeit in der kommunalen Selbstverwaltung.
Seit dem Haushaltsjahr 1995 werden dafür Haushaltsmittel in Höhe von 650.000 DM
(rd. 332.300 €) im Einzelplan des Landtages beim Titel 0101 685.01 „Zuwendungen
an Kommunalpolitische Vereinigungen“ bereitgestellt.
Der Präsident des Landtages hat für die Gewährung von Zuwendungen an die KPV
Richtlinien erlassen. Nach den geltenden Zuwendungsrichtlinien vom 16. Januar
1997 (AmtsBl. M-V S. 790; zuletzt geändert am 20. November 1998 AmtsBl. M-V
S. 1501) können KPV Zuwendungen gewährt werden, die einer Partei nahe stehen
und diese Partei nach dem endgültigen Ergebnis der letzten Landtagswahl mindestens 4 % der in Mecklenburg-Vorpommern abgegebenen Stimmen erreicht hat. Des
Weiteren erhalten die KPV nur unter der Bedingung die Zuwendungen, dass sie die
vom Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 14.7.1986 aufgestellten Grundsätze beachten. Das heißt, die KPV müssen von den Parteien rechtlich und tatsächlich unabhängige juristische Personen sein, die sich selbständig und eigenverantwortlich ihrer Aufgabe annehmen. Sie müssen auf Initiative oder mit Billigung der Landesorganisation der nahe stehenden Partei gegründet worden sein und bei der Durchführung ihrer Arbeit die gebotene Distanz zu der jeweiligen Partei wahren (BVerfGE
73, 1 S. 1 ff.).

47
Die Zuwendungen werden im Rahmen der institutionellen Förderung als Anteilfinanzierung mit bis zu 97 % der zuwendungsfähigen Ausgaben gewährt. Zuwendungsfähig sind Ausgaben für die Mitarbeiter in der Verwaltung und in der Fachberatung, für Mieten, Literatur, allgemeine Verwaltung, für Druck, Porto und Telefon.
Die Höhe der Zuwendungen (Höchstbetrag) bemisst sich aus einem Sockelbetrag
und einem Anteil an den verbleibenden Haushaltsmitteln nach dem Verhältnis der
bei der letzten Landtagswahl für die nahe stehende Partei abgegebenen gültigen
Stimmen zu der Gesamtzahl der abgegebenen gültigen Stimmen für die Parteien. Für
die einzelnen geförderten KPV stellt sich das wie folgt dar:
Kommunalpolitische Vereinigung

Sozialdemokratische Gemeinschaft für
Kommunalpolitik in M-V e. V.

nahe stehende Partei
SPD

maximaler Zuwendungsbetrag
(Höchstbetrag)
1997
1998
214.054,14 DM 251.235,31 DM
(109.444,14 €)

(128.454,58 €)

261.572,18 DM

221.560,10 DM

(133.739,73 €)

(113.281,89 €)

174.373,68 DM

177.202,59 DM

(89.155,85 €)

(90.602,25 €)

(SGK e. V.)
Kommunales Bildungswerk in M-V e. V.

CDU

(KBW e. V.)
kommunalpolitisches forum M-V e. V.

PDS

(kpf e. V.)

Tab. 9: Höchstbeträge der Zuwendungen an KPV für die Jahre 1997 und 1998

Prüfungsgegenstand
(78)

Der Landesrechnungshof hat die Zuwendungsgewährung des Präsidenten des Landtages an die KPV für die Jahre 1997 und 1998 stichprobenweise geprüft und örtliche
Erhebungen bei den KPV angestellt. Er musste sich dabei auf ausgewählte Aspekte
beschränken, da die zum 30.6.1999 durch die KPV vorzulegenden Verwendungsnachweise für das Haushaltsjahr 1998 zum Zeitpunkt der Prüfung noch nicht bzw.
noch nicht abschließend durch die Landtagsverwaltung geprüft waren. Insbesondere
hat der Landesrechnungshof aber auch das in den Zuwendungsrichtlinien angeführte
Bundesverfassungsgerichtsurteil vom 14.7.1986 in seine Betrachtungen einbezogen.
Nach dieser Rechtsprechung ist es unzulässig, „... den Parteien Zuschüsse aus Haushaltsmitteln ... für die gesamte Tätigkeit im Bereich der politischen Meinungs- und
Willensbildung zu gewähren.“ Dies gilt auch für Zwecke der politischen Bildungsarbeit; denn auch Mittel für die politische Bildungsarbeit kommen der gesamten politischen Tätigkeit der Parteien zugute; eine Grenze zwischen allgemeiner Parteiarbeit

48
und politischer Bildungsarbeit der Parteien lässt sich nicht ziehen (BVerfGE 20, 56
S. 111 f.; und BVerfGE 73, 1 S. 33 f.).

Antrags- und Bewilligungsverfahren
Unzureichende Antragsprüfung
(79)

Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass die Landtagsverwaltung keine regelgerechten Vermerke zur Antragsprüfung erstellt hat. Infolgedessen sind die wesentlichen Fakten, Gesichtspunkte und Überlegungen, die zu Entscheidungen über die
Zuwendungsanträge geführt haben, nicht nachzuvollziehen.
Der Landesrechnungshof hat Zweifel geäußert, ob die Antragsprüfung entsprechend
den Vorschriften vorgenommen worden ist, da die für verbindlich erklärten Haushaltspläne der Zuwendungsempfänger und auch die Zuwendungsbescheide erhebliche Mängel aufweisen.

(80)

Die Landtagsverwaltung hat mitgeteilt, dass sie die Kritik als unbegründet zurückweist, da es sich hier ausschließlich um einen formalen Fehler handelt. Zwar sei es
richtig, dass das Ergebnis der Antragsprüfung nicht in einem besonderen Vermerk
aktenkundig gemacht worden ist. Das Verfahren der Antragsprüfung sei aber durch
die Korrespondenz zwischen der Landtagsverwaltung und dem Finanzministerium
dokumentiert worden.

(81)

Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Feststellung. Die Antragsprüfung ist von
zentraler Bedeutung für das gesamte Zuwendungsverfahren. Um die Förderentscheidung transparent zu machen, sind die wesentlichen Gründe der Entscheidung aktenmäßig nachvollziehbar zu machen. Daher ist ein Vermerk über das Ergebnis der Antragsprüfung ausdrücklich vorgeschrieben (VV Nr. 3.4 zu § 44 Abs. 1 LHO). Auch
für Zwecke einer späteren Prüfung durch den Landesrechnungshof muss eine ausgabenwirksame Zuwendungsentscheidung so transparent sein, dass sie im Nachhinein
noch beurteilt werden kann. Demzufolge kann die Korrespondenz mit dem Finanzministerium nicht den Prüfvermerk ersetzen.

49
Ungesicherte Gesamtfinanzierung
(82)

Die Landtagsverwaltung hat die Haushaltspläne der KPV der Haushaltsjahre 1997
und 1998 für verbindlich erklärt und Zuwendungen bewilligt, obwohl die als zuwendungsfähig anerkannten Ausgaben nicht in voller Höhe durch Eigenmittel, durch
Zuwendungen des Landes und durch Mittel Dritter gedeckt waren. Die Finanzierungslücken der KPV betrugen im Jahr 1997 rd. 86.000 DM (rd. 44.000 €) und im
Jahr 1998 rd. 35.000 DM (rd. 17.900 €).
Die Zuwendungsbescheide hätten bei dieser ungesicherten Finanzierung nicht erlassen werden dürfen.

(83)

Die Landtagsverwaltung hat dazu mitgeteilt, dass die Finanzierungslücken nicht erkannt worden seien, da sie die Höhe der Zuwendungen nach einer anderen Methode
berechnet habe, als dies der Landesrechnungshof unter Zugrundelegung der Bestimmungen der Zuwendungsrichtlinien für richtig hält.

Fehlerhafte Bewilligungsbescheide
(84)

Der Landesrechnungshof hat die erlassenen Bewilligungsbescheide der Haushaltsjahre 1997 und 1998 geprüft und festgestellt, dass sie den Mindestanforderungen nach
VV Nr. 4.2 zu § 44 Abs. 1 LHO nicht genügen, das heißt u. a.
− der Zuwendungsempfänger ist nicht immer eindeutig bezeichnet,
− die Höhe der bewilligten Zuwendungen ist nicht eindeutig zu entnehmen,
− der Umfang der zuwendungsfähigen Ausgaben ist mindestens in einem Fall zu
hoch ausgewiesen,
− die Zweckbindungsfrist für Gegenstände ist nicht bestimmt,
− die Forderungen an die Zuwendungsempfänger, wie z. B. die Erhebung von Teilnehmerbeiträgen und die Regelungen zu den Honorarzahlungen, sind nicht Bestandteil der Bescheide,
− Regelungen, inwieweit haushaltsrechtliche Bestimmungen des Landes – wie z. B.
die Kfz-Richtlinie – sinngemäß anzuwenden sind, sind nicht enthalten.
Darüber hinaus litten die Zuwendungsbescheide u. a. an inneren Widersprüchen, offenbaren Unrichtigkeiten und Unklarheiten.

50
(85)

Die Landtagsverwaltung hat mitgeteilt, dass sie den Beanstandungen des Landesrechnungshofes beitrete und künftig die Verwaltungsvorschriften zum Erlass von
Zuwendungsbescheiden beachten werde.

Überzahlung der Zuwendungsbeträge
(86)

Die Landtagsverwaltung hat an die Zuwendungsempfänger durch Belassung von
nicht verbrauchten Mitteln bzw. durch fehlerhafte Berechnung der Zuwendung mehr
Mittel ausgezahlt, als ihnen nach den geltenden Richtlinien zugestanden hätte. Dadurch kam es in diesen Fällen nicht nur zu Überzahlungen der Zuwendungsbeträge,
sondern überdies zu Überzahlungen der Höchstbeträge der Zuwendung mit einer Gesamtsumme von 53.392,29 DM (27.299,04 €).
Die Zuwendungen sind gemäß VV Nr. 8.2.1 zu § 44 Abs. 1 LHO in Höhe der überzahlten Beträge, auch wenn sie bereits verwendet worden sind, unverzüglich zurückzufordern.

(87)

Die Landtagsverwaltung hat mitgeteilt, dass sich auch hier die falsche Berechnungsmethode ausgewirkt habe. Künftig werde diese Berechnungsmethode nicht mehr angewandt. Hinsichtlich der zurückzuzahlenden Beträge sei die Prüfung dahingehend
noch nicht abgeschlossen, „... ob der Rückforderung ein Wegfall der Bereicherung
bei den Kommunalpolitischen Vereinigungen oder ein dort geschaffener Vertrauenstatbestand entgegen steht ...“.

Prüfung der Verwendungsnachweise
(88)

Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass die Landtagsverwaltung den Eingang
der Verwendungsnachweise und die Verwendung der Zuwendungen nach den zuwendungsrechtlichen Vorschriften nicht ordnungsgemäß überwacht hat. Zudem hat
sie in zwei Fällen den Umfang und die Ergebnisse der Prüfung der Verwendungsnachweise des Haushaltsjahres 1997 nicht in gesonderten Vermerken niedergelegt.
Der Landesrechnungshof hat Zweifel, ob die Prüfung der Verwendungsnachweise
nach VV Nr. 11 zu § 44 Abs. 1 LHO vorgenommen wurde, da er bei der Einhaltung
der für die KPV verbindlichen Nebenbestimmungen (ANBest-I) erhebliche Mängel
festgestellt hat.

51
(89)

Die Landtagsverwaltung hat erklärt, dass „... sowohl die Verwendungsnachweise
aufgrund des Fehlens von Sachberichten als auch die Prüfung der Verwendungsnachweise selbst aufgrund von Formfehlern nicht den Anforderungen des Zuwendungsrechtes entsprechen.“ Allerdings sei vorgesehen, diese Prüfung im Rahmen der
bestehenden Möglichkeiten nachzuholen.

Verwendung der Zuwendungen durch die KPV
Vorlage der Verwendungsnachweise
(90)

Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass die KPV die Verwendungsnachweise
nicht rechtzeitig und vollständig vorgelegt haben. Nach Nr. 7 ANBest-I ist die Verwendung der Zuwendung innerhalb von sechs Monaten nach Ablauf des Haushaltsjahres nachzuweisen. Der Verwendungsnachweis muss aus einem Sachbericht und
einem zahlenmäßigen Nachweis bestehen. So hat z. B. eine Vereinigung den Verwendungsnachweis für das Jahr 1997 erst sieben Monate und den Verwendungsnachweis für das Jahr 1998 erst fünf Monate später vorgelegt. Zudem fehlte für beide
Haushaltsjahre der Sachbericht.
Der Präsident des Landtages wurde gebeten zu prüfen, ob gemäß VV Nr. 8.2.4 zu
§ 44 Abs. 1 LHO die Zuwendungsbescheide mit Wirkung auch für die Vergangenheit ganz oder teilweise zu widerrufen und die Zuwendungen, auch wenn sie bereits
verwendet worden sind, zurückzufordern sind.

(91)

Nach Darstellung der Landtagsverwaltung habe sie bisher auf die Abgabe eines
Sachberichtes verzichtet. Nunmehr werde sie darauf hinwirken, dass die Frist für die
Vorlage der Verwendungsnachweise eingehalten und neben dem zahlenmäßigen
Nachweis auch ein Sachbericht vorgelegt wird. Sie weist zudem darauf hin, dass
nunmehr mit der Bereitstellung der notwendigen personellen Kapazitäten die Voraussetzung gegeben sei, den Komplex der fehlenden bzw. unzureichenden Verwendungsnachweise aufzuarbeiten. Hinsichtlich der Rückforderung der Zuwendungen
sei vorgesehen, juristisch abschließend zu prüfen, ob nicht inzwischen Verjährung
gemäß VV Nr. 8.4 zu § 44 Abs. 1 LHO eingetreten ist.

52
Verwendung der Zuwendungen
(92)

Der Zuwendungszweck ist nach den Richtlinien die Förderung der Aus- und Weiterbildung von Bürgern in der kommunalen Selbstverwaltung. Dabei ist die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, insbesondere das Urteil vom 14.7.1986 zu beachten. Nur dann dürfen ihnen staatliche Zuwendungen gewährt werden:
− Die KPV muss auf Initiative oder mit Billigung der Landesorganisation der nahe
stehenden Partei gegründet worden sein.
− Die KPV muss von der nahe stehenden Partei rechtlich und tatsächlich (also personell und organisatorisch) unabhängig sein.
− Die KPV hat darauf zu achten, dass Führungspositionen in der Vereinigung und in
der ihr nahe stehenden Partei nicht in einer Hand vereinigt werden und dass die
Mitglieder der leitenden Organe der KPV nicht vornehmlich aus in hervorgehobener Stellung aktiv tätigen Parteimitgliedern bestehen.
− Die KPV muss sich selbständig, eigenverantwortlich und in geistiger Offenheit
der Aus- und Weiterbildung von Bürgern in der kommunalen Selbstverwaltung
annehmen.
− Die KPV darf nicht in den Wettstreit der politischen Parteien eingreifen, d. h. dass
sie in der Praxis die gebotene Distanz zu der ihr nahe stehenden Partei zu wahren
hat. Die Bildungsarbeit darf also nicht dazu dienen, „... Mitglieder zu informieren,
neue Anhänger zu gewinnen sowie Funktionsträger heranzubilden und ... sich
mehr oder minder in den Wettstreit der Parteien um die Billigung und aktive Unterstützung der von ihnen verfolgten politischen Ziele durch die Bürger ...“ einzufügen (BVerfGE 73, 1 ff., 32, 43).
Der Landesrechnungshof hat vor dem Hintergrund der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur Parteienfinanzierung und zur Förderung der Bildungsarbeit
parteinaher Vereinigungen festgestellt, dass
− die nahe stehende Partei oder auch die jeweilige Fraktion der Partei als Veranstalter von Bildungsmaßnahmen auf Einladungen und Rechnungsbelegen erscheint
oder auch die durchgeführte Veranstaltung einen eindeutigen Bezug zu der ihr nahe stehenden Partei aufweist. So führte eine Vereinigung mehrere Veranstaltungen durch, zu denen entweder nur hauptamtliche Fraktionsgeschäftsführer, Frakti-

53
onsvorsitzende, hauptamtliche Bürgermeister kreisangehöriger Städte in M-V
oder nur Oberbürgermeister eingeladen wurden, die der nahe stehenden Partei angehören oder ihr nahe stehen. Die Teilnehmerzahl bewegte sich hier zwischen
fünf und elf Personen. Dieselbe Vereinigung verfasste gemeinsam mit der ihr nahe stehenden Partei eine Einladung zur Veranstaltung „Kommunalpolitische Konferenz“ mit der gleichzeitig für eine Mitgliedschaft in dieser Partei geworben wurde. Eine andere Vereinigung überließ die Organisation von Veranstaltungen u. a.
den Kreisverbänden und den Fraktionen der nahe stehenden Partei sowie auch einem Abgeordneten mit seinem Wahlkreisbüro, der dieser nahe stehenden Partei
angehörte;
− Ausgaben abgerechnet wurden, die z. B. durch die nahe stehende Partei zu leisten
gewesen wären. So wurden dem Geschäftsführer einer KPV Kosten für zwei Reisen nach Polen in Höhe von insgesamt 4.101,30 DM (2.096,96 €) erstattet, obwohl er diese Reisen im Auftrag der Partei vorgenommen hat.
Der Landesrechnungshof hat zum einen verfassungsrechtliche Bedenken angemeldet.
Zum anderen hat er den Präsidenten des Landtages gebeten zu prüfen, ob auf Grund
des Verstoßes gegen das Zuwendungsrecht die Zuwendungen gemäß VV Nr. 8.2.3
zu § 44 Abs. 1 LHO zurückzufordern sind.
(93)

Dazu hat die Landtagsverwaltung mitgeteilt, dass sie im Rahmen der Prüfung der
Verwendungsnachweise auch diesen Fragen nachgehen werde. Zudem sei vorgesehen, dass in diesem Zusammenhang auch juristisch abschließend geprüft werde, ob
nicht inzwischen Verjährung gemäß VV Nr. 8.4 zu § 44 Abs. 1 LHO eingetreten ist.

Unzulässige Überschreitung der Einzelansätze
(94)

Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass zwei KPV von den Ansätzen der verbindlichen Haushaltspläne abgewichen sind und Mittel zweckwidrig verwendet haben. Die Landtagsverwaltung hatte keine Ausnahmen zugelassen. Daher durften diese Vereinigungen nur im Rahmen ihres Haushaltsplanes Ausgaben leisten und Verpflichtungen eingehen. So hat eine Vereinigung im Jahr 1997 mindestens bei vier
Einzelansätzen und die andere mindestens bei fünf Einzelansätzen höhere Ausgaben
geleistet. In einem Fall wurde der Ansatz sogar mit einem Betrag von 29.863,80 DM
(15.269,12 €) überschritten.

54
Der Landesrechnungshof hat den Präsidenten des Landtages gebeten zu prüfen, ob
gemäß VV Nr. 8.2.4 zu § 44 Abs. 1 LHO die Zuwendungsbescheide mit Wirkung
auch für die Vergangenheit ganz oder teilweise zu widerrufen und die Zuwendungen,
auch wenn sie bereits verwendet worden sind, zurückzufordern sind.
(95)

Die Landtagsverwaltung hat erklärt, dass sie entsprechend der Anregung des Landesrechnungshofes prüfen werde, ob es rechtlich möglich ist, die Zuwendungen gemäß
VV Nr. 8.2.4 zu § 44 Abs. 1 LHO zurückzufordern. Hinsichtlich der zu beachtenden
Jahresfrist gemäß §§ 48 Abs. 4 Satz 1, 49 Abs. 3 Satz 2 VwVfg M-V sei beabsichtigt, den vom Landesrechnungshof vertretenen Rechtsstandpunkt, wonach die Frist
frühestens mit dem Zeitpunkt zu laufen beginnt, in dem die Behörde die Rechtswidrigkeit ihrer Entscheidung erkannt hat, zu berücksichtigen.

Haushalts- und Wirtschaftsführung
(96)

Die KPV haben bei der Verwendung der Zuwendungen, insbesondere bei den sächlichen Verwaltungsausgaben, die für sie verbindlichen ANBest-I nicht hinreichend beachtet. Bei ihrer Haushalts- und Wirtschaftsführung sind sie nicht stets dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit sowie dem Besserstellungsverbot gefolgt. Im Wesentlichen hat der Landesrechnungshof festgestellt:
− Zwei KPV zahlten entgegen den geltenden Zuwendungsrichtlinien Honorare an
Funktionsträger, wie Mitglieder von Vorstand oder Geschäftsführung und an politische Mandatsträger.
− Eine Vereinigung verstieß gegen das Besserstellungsverbot, indem sie einer
hauptamtlichen Mitarbeiterin eine monatliche pauschale Entschädigung in Höhe
von 250 DM (rd. 128 €) für die Benutzung des privaten PKW für Dienstfahrten
zahlte.
− Alle KPV verstießen gegen das Bundes- bzw. Landesreisekostengesetz, indem an
Teilnehmer und Referenten der Weiterbildungsveranstaltungen Wegstreckenentschädigung für die Benutzung des Privat-PKW gezahlt wurde, ohne dass eine
Vergleichsrechnung zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel durchgeführt wurde oder triftige Gründe geprüft worden sind.
− Zwei KPV erstatteten entgegen dem jeweils geltenden Reisekostengesetz an ihre
Geschäftsführer und an Referenten der Weiterbildungsveranstaltungen Übernach-

55
tungskosten bis zu 300 DM (rd. 153 €), ohne dass die Unvermeidbarkeit der die
Grenzwerte übersteigenden Übernachtungskosten nachgewiesen wurde.
− Eine Vereinigung vereinbarte und bewirkte entgegen den ANBest-I Zahlungen
vor Empfang der Gegenleistung.
− Alle KPV verstießen gegen den Sparsamkeitsgrundsatz und gegen das Besserstellungsverbot, indem sie Bewirtungsspesen für Mitglieder von Vorständen, für Referenten und für Schulungsteilnehmer übernahmen sowie aus Anlass von Jubiläen
und Krankheiten eigener Mitarbeiter Ausgaben leisteten.
− Alle KPV verstießen gegen die Vergabevorschriften der VOL/A, indem sie insbesondere nicht nachweisen konnten, dass sie die erforderlichen Vergleichsangebote
eingeholt haben.
− Zwei KPV sind ihrer Inventarisierungspflicht gemäß der ANBest-I nicht bzw. nur
unzureichend nachgekommen.
− Zwei KPV haben Doppelzahlungen an einige Beschäftigte, Referenten und Außenstehende geleistet.
Der Landesrechnungshof hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Landtagsverwaltung mögliche Rückforderungen zu prüfen hat, die sich aus dem Verstoß gegen die
ANBest-I ergeben.
(97)

Die Landtagsverwaltung hat mitgeteilt, dass sie künftig darauf hinwirken werde, dass
die KPV die verbindlichen ANBest-I bei der Verwendung der Zuwendung beachten.
Sie hat weiter mitgeteilt, dass sie im Rahmen der vorzunehmenden Prüfung der Verwendungsnachweise auch abschließend juristisch prüfen werde, ob die Jahresfrist
gemäß §§ 48 Abs. 4, 49 Abs. 3 Satz 2 VwVfG M-V Rückforderungen gegenüber der
KPV entgegensteht.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

56

Zuwendungen zur Förderung der politischen Bildung

Die Modalitäten der Aufteilung der Mittel für
Zuwendungen zur Förderung der politischen Bildung sind weder aus dem Haushaltsplan noch aus
den Förderrichtlinien ersichtlich.
Die Staatskanzlei sowie die dem Ministerpräsidenten unmittelbar unterstellte Landeszentrale
für

politische

Bildung

Mecklenburg-

Vorpommern (LpB) haben das Zuwendungsrecht
nicht hinreichend beachtet.
Bei der Vergabe von Zuwendungen für Maßnahmen der politischen Bildung an die politischen Jugendorganisationen der Parteien hat die
LpB bislang nicht geprüft, ob die erforderliche
rechtliche und tatsächliche Unabhängigkeit von
ihrer jeweiligen Mutterpartei gegeben war.
Die LpB gewährt seit 1998 den politischen Jugendorganisationen der Parteien Zuwendungen
im Wege der institutionellen Förderung, obwohl
die haushalts- und zuwendungsrechtlichen Voraussetzungen hierfür nicht vorliegen.

(98)

Die LpB wurde durch Erlass des Ministerpräsidenten vom 7. Mai 1991
(AmtsBl. M-V 1992 S. 26) als nicht rechtsfähige Anstalt des Landes MecklenburgVorpommern im Geschäftsbereich des Ministerpräsidenten – Staatskanzlei – mit Sitz
in Schwerin errichtet und ist dem Ministerpräsidenten unmittelbar unterstellt. Zu den
im Errichtungserlass genannten Aufgaben der LpB gehört auch die Vergabe von Zuwendungen zur Förderung der politischen Bildung. Der Landesrechnungshof hat für
die Haushaltsjahre 1998 bis 2000 die Zuwendungspraxis der LpB bei der Vergabe
von Zuwendungen an in Mecklenburg-Vorpommern ansässige politische Stiftungen
und an Mitgliedsorganisationen im Ring politischer Jugend (RpJ) geprüft. Der Lan-

57
desrechnungshof hält insbesondere folgende Prüfungsfeststellungen für bemerkenswert:

Zuwendungsempfänger
(99)

Im Prüfungszeitraum erhielten folgende politische Stiftungen von der LpB Zuwendungen:
− Bildungswerk Mecklenburg-Vorpommern
in der Heinrich Böll Stiftung (HBS),

nahestehende Partei:
Bündnis 90 / Die Grünen,

− Friedrich-Ebert-Stiftung (FES),

nahestehende Partei: SPD,

− Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS),

nahestehende Partei: CDU.

Als Mitgliedsorganisationen im RpJ haben folgende politische Jugendorganisationen
der Parteien im Prüfungszeitraum Zuwendungen erhalten:
− die Grün-Alternative Jugend Mecklenburg-Vorpommern (GAJ),
− die Junge Union Mecklenburg-Vorpommern (JU),
− die Jungen Liberalen Mecklenburg-Vorpommern (Julis),
− die Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD Mecklenburg-Vorpommern
(Jusos) und
− Rot(z)frech – die sozialistische Jugend (erst ab 2000).
Die „Vorläufige Förderrichtlinie (für 1998) Ring politischer Jugend“ bestimmt in
§ 3, dass Zuwendungsempfänger nur Mitgliedsorganisationen im RpJ MecklenburgVorpommern sind.

Aufteilung der Mittel
(100)

„Für in Mecklenburg-Vorpommern ansässige politische Stiftungen“ waren nach den
Erläuterungen im Haushaltsplan zu Titel 0303 685 03 „Zuwendungen an Dritte und
andere Träger der politischen Bildung“ in den Haushaltsjahren 1998 und 1999 jeweils 104.000 DM (53.200 €) und im Haushaltsjahr 2000 100.000 DM (51.100 €)
vorgesehen.

58
Unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts
(BVerfGE 73, S. 1, 38 f.) ist es nicht sachwidrig, die zur Verfügung stehenden Mittel
in Abhängigkeit vom Erfolg der nahestehenden Partei, d. h. entsprechend den Stimmenverhältnissen bei der jeweils letzten Landtagswahl auf die Stiftungen aufzuteilen.
Dies rechtfertigt sich im Hinblick auf die Resonanz, die die politische Bildungsarbeit
der jeweiligen Stiftung voraussichtlich finden würde.
Die LpB splittet den laut Erläuterungen zu Titel 0303 685 03 „Zuwendungen an
Dritte und andere Träger der politischen Bildung“ vorgesehenen Ansatz im Verhältnis 2 (FES) : 2 (KAS) : 1 (HBS). Diese Kontingente werden den Zuwendungsempfängern jährlich schriftlich mitgeteilt.
In Abhängigkeit von der Antragslage hat die LpB den politischen Stiftungen im Prüfungszeitraum Zuwendungen in folgender Höhe gewährt:
1998
HBS
FES
KAS
Gesamt

17.126,78 DM
(8.756,78 €)
41.600,00 DM
(21.269,74 €)
38.624,25 DM
(19.748,27 €)
97.351,03 DM
(49.774,79 €)

1999
14.737,47 DM
(7.535,15 €)
41.600,00 DM
(21.269,74 €)
35.970,58 DM
(18.391,47 €)
92.308,05 DM
(47.196,36 €)

2000
17.032,40 DM
(8.708,53 €)
39.738,98 DM
(20.318,22 €)
34.686,12 DM
(17.734,73 €)
91.457,50 DM
(46.761,48 €)

Tab. 10: Zuwendungen an politische Stiftungen

(101)

„An den Ring politische Jugend und andere politische Jugendverbände“ waren im
Haushaltsjahr 1998 50.000 DM (25.600 €) und in den Haushaltsjahren 1999 und
2000 jeweils 65.000 DM (33.200 €) vorgesehen.
Bis 1997 hat die LpB den politischen Jugendorganisationen der Parteien Zuwendungen ausschließlich projektbezogen bewilligt. Seit 1998 werden die laut den Erläuterungen zum Haushaltsplan vorgesehenen Mittel wie folgt auf die Mitglieder des RpJ
verteilt:
− Für jede Organisation werden 4.000 DM (rd. 2.000 €) als Sockelbetrag für laufende Büro- und Geschäftsausgaben vorgesehen (siehe auch Tzn. 114 ff.).
− Für die projektbezogene Förderung wird für jede Organisation ein Basisbetrag in
Höhe von 3.000 DM (rd. 1.500 €) vorgesehen. Die verbleibenden Mittel werden
nach dem Verhältnis der Ergebnisse der Mutterparteien bei der letzten Landtags-

59
wahl auf die Jugendorganisationen verteilt. Diese Kontingente werden den Zuwendungsempfängern jährlich schriftlich mitgeteilt.
In Abhängigkeit von der Antragslage hat die LpB den politischen Jugendorganisationen der Parteien im Prüfungszeitraum Zuwendungen in folgender Höhe gewährt:
1998
GAJ
JU
Julis
Jusos
Rot(z)frech
Gesamt

8.152,00 DM
(4.168,05 €)
17.077,50 DM
(8.731,59 €)
---

1999

16.161,30 DM
(8.263,14 €)
---

575,20 DM
(294,10 €)
16.949,39 DM
(8.666,09 €)
4.329,44 DM
(2.213,61 €)
21.371,50 DM
(10.927,07 €)
---

41.390,80 DM
(21.162,78 €)

43.225,53 DM
(22.100,86 €)

2000
4.000,00 DM
(2.045,17 €)
19.941,90 DM
(10.196,13 €)
5.550,00 DM
(2.837,67 €)
17.996,92 DM
(9.201,68 €)
2.000,00 DM
(1.022,58 €)
49.488,82 DM
(25.303,23 €)

Tab. 11: Zuwendungen an politische Jugendorganisationen der Parteien

(102)

Die Grundsätze der jeweiligen Aufteilung der Mittel sowie deren Begründung sind
weder aus dem Haushaltsplan noch aus den Förderrichtlinien ersichtlich. Der Landesrechnungshof hat gefordert, dass sich der Verteilungsschlüssel und seine Begründung künftig unmittelbar entweder aus dem Haushaltsplan oder aus den Förderrichtlinien ergeben.
Die Staatskanzlei hat mitgeteilt, dass gegen eine Aufnahme des jeweiligen Verteilungsschlüssels in den Haushaltsplan grundsätzlich keine Bedenken bestehen.

Antrags- und Bewilligungsverfahren
(103)

Die LpB und die Staatskanzlei, die bis Ende Oktober 2000 jeden einzelnen Zuwendungsbescheid mitgezeichnet hat, haben Verwaltungsvorschriften zu § 44 Abs. 1
LHO sowie die am 15. November 1994 in Kraft getretenen „Förderrichtlinien für in
Mecklenburg-Vorpommern ansässige politische Stiftungen“ und die „Vorläufige
Förderrichtlinie (für 1998) Ring politischer Jugend“ nicht ausreichend beachtet.

(104)

So wurden häufig Zuwendungen bewilligt, obwohl die Antragsunterlagen unvollständig und somit die für eine sachgerechte Entscheidung erforderlichen Angaben
nicht enthalten waren. Die von der LpB gefertigten Vermerke zur Antragsprüfung

60
enthalten regelmäßig keine Angaben zur Notwendigkeit und Angemessenheit der
Zuwendung. Nachvollziehbare Begründungen, in denen die für die jeweilige Förderentscheidung maßgebenden Gesichtspunkte und Überlegungen dargelegt sind, liegen
nicht vor. Auch die Zuwendungsbescheide weisen inhaltliche Mängel auf.
(105)

Sowohl den politischen Stiftungen als auch den politischen Jugendorganisationen der
Parteien hat die LpB in einigen Fällen Zuwendungen für Veranstaltungen gewährt,
bei denen es nicht nur – wie in den Förderrichtlinien vorgeschrieben – um die „Vermittlung von Informationen, Erkenntnissen und Einsichten über …“ Themen der politischen Bildung sondern auch um konkrete politische Arbeit ging. Letzteres ist
nicht vom Zuwendungszweck der politischen Bildung gedeckt. Der Landesrechnungshof hat die LpB und die Staatskanzlei aufgefordert, für diese Fälle die Möglichkeit der Rückforderung der Zuwendungen bzw. des Regresses zu prüfen.

(106)

Gegenstand der Förderung sind gemäß den Förderrichtlinien ausschließlich Seminare
in Form von Tages- oder Internatsveranstaltungen sowie Studienreisen, die sich mit
Themen der politischen Bildung befassen.
Die LpB hat jedoch in erheblichem Umfang Zuwendungen für Maßnahmen gewährt,
bei denen die in den Förderrichtlinien geregelten Voraussetzungen bezüglich des
Fördergegenstands nicht erfüllt waren. Überwiegend handelt es sich hierbei um völlig andere Maßnahmeformen, wie z. B. Publikationen, Autorenlesungen, Filmvorführungen, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen oder Podiumsdiskussionen. In anderen Fällen handelt es sich zwar um Seminarveranstaltungen, die jedoch die in den
Förderrichtlinien vorgeschriebene Mindestdauer von sechs Unterrichtsstunden nicht
erreichen. Bei der Förderung der politischen Bildungsarbeit der Stiftungen betrifft
dies im Zeitraum von 1998 bis 2000 Zuwendungen für rd. 70 Projekte in Höhe von
insgesamt rd. 100.000 DM (rd. 51.100 €). Dies entspricht rd. 1/3 des Gesamtfördervolumens.
Der Landesrechnungshof hat die LpB sowie die Staatskanzlei aufgefordert, für diese
Fälle die Möglichkeit der Rückforderung der Zuwendung bzw. des Regresses zu prüfen.
Die Staatskanzlei hält die Förderung anderer Maßnahmeformen für zulässig, da das
Ziel politischer Bildungsarbeit nur durch solche Veranstaltungsformen zu erfüllen
sei, die von den Bürgern in der Praxis auch angenommen werden. Dabei unterliege

61
die Nachfrage nach unterschiedlichen Veranstaltungsformen auch einem steten Wandel.
Diese Auffassung wird vom Landesrechnungshof nicht geteilt. Um die Förderung auf
andere als die in den Richtlinien beschriebenen Veranstaltungsformen auszudehnen,
hätte es einer diesbezüglichen Änderung der Richtlinien bedurft.
Dem Landesrechnungshof hat zwischenzeitlich der Entwurf einer neuen Richtlinie
vorgelegen, bei dem u. a. die Regelungen zum Gegenstand der Förderung überarbeitet wurden. Laut Auskunft der Staatskanzlei wird die geänderte Förderrichtlinie in
Kürze in Kraft treten.
(107)

Gemäß den Förderrichtlinien sind ausschließlich Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung, Fahrtkosten und Honorare zuwendungsfähig.
Bei der Ermittlung des Umfangs der zuwendungsfähigen Ausgaben hat die LpB häufig darüber hinausgehende Ausgabepositionen als zuwendungsfähig anerkannt, wie
z. B. Ausgaben für den Druck von Einladungs- und Antwortkarten, Raummieten, Beschallungsanlagen, Stellwände und Arbeitsmaterialien und die in den Förderrichtlinien festgelegten Höchstsätze für Unterkunft und Verpflegung überschritten.

Prüfung der Verwendungsnachweise
(108)

Bei den Zuwendungen an die politischen Stiftungen kommt der Prüfung des Verwendungsnachweises eine besondere Bedeutung zu, da gemäß den Förderrichtlinien
die Zuwendung erst nach dessen Vorlage und Prüfung ausgezahlt wird.

(109)

Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass die von den Zuwendungsempfängern
vorgelegten Verwendungsnachweise überwiegend nicht den hierfür geltenden Bestimmungen entsprachen. Sachberichte fehlten zum Teil gänzlich oder waren nicht
geeignet, um aus ihnen zu erkennen, was der Zuwendungsempfänger mit der Zuwendung zur Erreichung des Zuwendungszwecks unternommen hat und ob der Zuwendungszweck als erreicht angesehen werden kann. Die zahlenmäßigen Nachweise
fehlten zum Teil oder waren unvollständig. Auf den Belegen fehlte häufig der Tag
der Zahlung oder jeglicher Zahlungsbeweis. Auch die Bestätigung des Zuwendungsempfängers zur Notwendigkeit der Ausgaben, zur Einhaltung der Grundsätze von

62
Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit sowie zur Übereinstimmung der Angaben mit
den Büchern bzw. Belegen fehlte überwiegend.
(110)

Die Prüfungsvermerke der LpB über die Prüfung der Verwendungsnachweise belegen nicht, dass sie ihrer Kontrollfunktion vollständig nachgekommen ist und geprüft
hat, ob die Verwendungsnachweise den Anforderungen entsprechen, ob die Zuwendungen nach den Angaben und Belegen zweckentsprechend verwendet worden sind
und ob die mit den Zuwendungen beabsichtigten Ziele erreicht sind. Diesen Vermerken ist allenfalls zu entnehmen, dass sich die LpB mit dem Zahlenwerk beschäftigt
und die Verwendungsnachweise rechnerisch geprüft hat. Diese von der LpB vorgenommenen rechnerischen Prüfungen der Verwendungsnachweise wiesen häufig
Mängel auf.

(111)

Dies gilt insbesondere für die Prüfung der Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung. Die Höhe der hierfür zuwendungsfähigen Ausgaben bestimmt sich nach der
Anzahl der Teilnehmer und Referenten, der Dauer ihrer Anwesenheit und der Inanspruchnahme von Übernachtungsmöglichkeiten unter Beachtung der in den Förderrichtlinien geregelten Höchstgrenzen.
Die LpB orientiert sich jedoch lediglich an den jeweiligen Gesamtbeträgen dieser
Ausgabeposition im Finanzierungsplan und im Verwendungsnachweis und erkennt
damit vielfach letztlich einen höheren teilnehmerbezogenen Förderbetrag an, als
nach dem Finanzierungsplan oder den Förderrichtlinien vorgesehen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Teilnehmerzahl niedriger ist als geplant oder wenn
in den Gesamtausgaben auch die nicht zuwendungsfähigen Ausgaben für hauptamtliche Funktionsträger und Mitarbeiter des Zuwendungsempfängers enthalten sind, die
herausgerechnet werden müssten.

(112)

Bei der Fehlbedarfsfinanzierung ist die Zuwendung vom Zuwendungsempfänger erst
dann zu verwenden, wenn die vorgesehenen eigenen und sonstigen Mittel verbraucht
sind. Dementsprechend ermäßigt sich die Zuwendung um den vollen in Betracht
kommenden Betrag, wenn sich nach der Bewilligung der Zuwendung die im Finanzierungsplan veranschlagten Gesamtausgaben ermäßigen oder sich die Deckungsmittel erhöhen oder neue Deckungsmittel hinzutreten.
Dies lässt die LpB regelmäßig unberücksichtigt und macht aus der Fehlbedarfsfinanzierung faktisch eine Festbetragsfinanzierung. Wenn sich die Ausgaben ermäßigen,

63
muss die LpB den vollen in Betracht kommenden Betrag zurückfordern. Statt dessen
zahlt die LpB den politischen Stiftungen trotzdem die Zuwendung mit dem bewilligten Höchstbetrag aus mit der Folge, dass sich die Eigenmittel des Zuwendungsempfängers reduzieren. Dies widerspricht dem Sinn der Fehlbedarfsfinanzierung und verstößt gegen das Zuwendungsrecht.

Nichtbeachtung der verfassungsrechtlichen Vorgaben
(113)

Aus § 24 Abs. 9 Parteiengesetz ergibt sich, dass die Gewährung von Zuwendungen
an die politischen Jugendorganisationen der Parteien gewollt ist.
Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts im sog. Stiftungsurteil
(BVerfGE 73, S. 1, 31 ff.) setzt die Vergabe öffentlicher Mittel zur Förderung politischer Bildungsarbeit allerdings von den Parteien rechtlich und tatsächlich unabhängige Institutionen voraus, die sich selbstständig, eigenverantwortlich und in geistiger
Offenheit dieser Aufgabe annehmen. Diese müssen auch in der Praxis die gebotene
Distanz zu den jeweiligen Parteien wahren und dem auch bei der Besetzung ihrer
Führungsgremien hinreichend Rechnung tragen.
Die LpB hat den politischen Jugendorganisationen der Parteien bislang Zuwendungen für Maßnahmen der politischen Bildung gewährt, ohne vorab geprüft zu haben,
in welchem Verhältnis diese zu ihrer jeweiligen Mutterpartei stehen und ob die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen für eine zulässige Förderung von Veranstaltungen zur politischen Bildung im Einzelfall vorliegen.
Der Landesrechnungshof hat die LpB aufgefordert, die verfassungsrechtliche Zulässigkeit in Bezug auf jede einzelne Organisation zu prüfen und ihn über das Ergebnis
zu informieren.
Die Staatskanzlei vertritt die Ansicht, die im sog. Stiftungsurteil genannten Voraussetzungen seien nicht auf die politischen Jugendorganisationen der Parteien übertragbar, da bei strikter Anwendung eine Förderung regelmäßig ausgeschlossen wäre.
Dies stünde im Widerspruch zum ausdrücklichen Willen des Gesetzgebers.
Diese Auffassung wird vom Landesrechnungshof nicht geteilt. Das Urteil betrifft
ausschließlich die Vergabe öffentlicher Mittel zur Förderung politischer Bildungsarbeit und fordert für diesen Zweck generell die rechtliche und tatsächliche Unabhän-

64
gigkeit des Zuwendungsempfängers von der ihm nahestehenden Partei. Zuwendungen für andere Zwecke werden von dieser Rechtsprechung nicht berührt.

Wahl der Zuwendungsart
(114)

Der RpJ bat in einem Schreiben vom März 1997 die LpB, ihm bzw. seinen Mitgliedern neben der projektbezogenen Förderung auch Zuwendungen im Wege der institutionellen Förderung „… als Grundlage für die politische Arbeit …“ zu bewilligen.

(115)

Das Kuratorium der LpB stand dem positiv gegenüber und forderte auf seiner Sitzung im August 1997, „… die grundsätzliche Möglichkeit einer institutionellen Förderung … durch die LpB zu schaffen und das noch 1997 wirksam werden zu lassen.
Details der Abstimmung mit der Landeshaushaltsordnung …“ sollten zwischen der
Staatskanzlei und der LpB geklärt werden.

(116)

Auf einer Besprechung im September 1997 wies die Staatskanzlei die LpB darauf
hin, dass gemäß VV Nr. 3.4 zu § 23 LHO Ausgaben für eine institutionelle Förderung erst veranschlagt werden dürfen, wenn der Zuwendungsempfänger einen Haushalts- oder Wirtschaftsplan vorgelegt hat. Demzufolge seien entsprechende Haushaltsmittel gemäß § 6 Abs. 4 Satz 1 Haushaltsgesetz 1997 gesperrt, bis der Haushalts- oder Wirtschaftsplan des Zuwendungsempfängers vom Finanzministerium gebilligt sei. Die LpB müsse daher den RpJ auffordern, entsprechende Pläne kurzfristig
zu erarbeiten. Des Weiteren erwartete die Staatskanzlei von der LpB die Erarbeitung
einer entsprechenden Förderrichtlinie.

(117)

Erst nach weiterer schriftlicher Aufforderung durch die Staatskanzlei im Oktober
1997 hat die LpB von den Mitgliedsorganisationen des RpJ die Haushalts- oder Wirtschaftspläne für das Jahr 1998 erbeten. Dem Finanzministerium legte die LpB diese
Pläne jedoch nicht vor. Auch eine Förderrichtlinie wurde nicht erarbeitet.

(118)

Im Februar 1998 schlug die LpB vor, dass von den eingeplanten 50.000 DM
(25.600 €) die damals vier Mitgliedsorganisationen des RpJ jeweils einen Sockelbetrag in Höhe von 4.000 DM (rd. 2.000 €) „… (institutionelle Förderung: Miete, Bürokosten, Bürobedarf) …“ erhalten und der verbleibende Betrag von 34.000 DM
(17.400 €) der Projektförderung vorbehalten bleibt. Hierzu bat die LpB die Staatskanzlei und das Kuratorium um Stellungnahme.

65
(119)

Während von den zwölf Mitgliedern des Kuratoriums sieben gar nicht und fünf zustimmend geantwortet haben, empfahl die Staatskanzlei in ihrer Stellungnahme vom
11.3.1998 eine andere Aufteilung der Mittel und wies zur Gewährung einer institutionellen Förderung erneut mit Nachdruck darauf hin, dass sowohl die Haushalts- oder
Wirtschaftspläne der Zuwendungsempfänger als auch ein Entwurf für entsprechende
Förderrichtlinien vorzulegen sind.

(120)

Ohne weitere Beteiligung der Staatskanzlei hat die LpB die „Vorläufige Förderrichtlinie (für 1998) Ring politischer Jugend“ erarbeitet und das Kuratorium der LpB hat
auf seiner Sitzung vom 27.4.1998 den neuen Fördermodalitäten zugestimmt. Seitdem
erhält jede Mitgliedsorganisation im RpJ gemäß der Richtlinie auf Antrag eine Zuwendung in Höhe von 4.000 DM (rd. 2.000 €) im Jahr „… zur Förderung von allgemeinen Büro- und Geschäftskosten …“.

(121)

Der Landesrechnungshof hat darauf hingewiesen, dass Zuwendungen zur Deckung
der allgemeinen Büro- und Geschäftsausgaben keine Zuwendungen zur Deckung von
Ausgaben des Zuwendungsempfängers für einzelne abgegrenzte Vorhaben sind, sondern für die Tätigkeit des Zuwendungsempfängers an sich gewährt werden. Daher
handelt es sich hier um die Zuwendungsart der institutionellen Förderung (vgl. VV
Nr. 2.2 zu § 23 LHO).
Die LpB und die Staatskanzlei verstoßen mit der institutionellen Förderung gegen
VV Nr. 3.4 zu § 23 LHO und gegen § 6 Abs. 4 des jeweiligen Haushaltsgesetzes
(s. Tz. 116).
Des Weiteren liegt ein Verstoß gegen § 26 Abs. 3 Nr. 2 LHO vor. Danach sind über
Einnahmen und Ausgaben von Stellen außerhalb der Landesverwaltung, die vom
Land Zuwendungen zur Deckung der gesamten Ausgaben oder eines nicht abgegrenzten Teils der Ausgaben erhalten, Übersichten dem Haushaltsplan als Anlagen
beizufügen oder in die Erläuterungen aufzunehmen.
Soweit die Staatskanzlei die Ansicht vertritt, dass bei einem Nebeneinander von Projektförderung und institutioneller Förderung die gesamte Förderung der überwiegenden Zuwendungsart zuzurechnen sei, verkennt sie, dass das Zuwendungsrecht ein
Nebeneinander der beiden Zuwendungsarten zulässt, wobei für jede Zuwendungsart
die jeweils für sie geltenden Vorschriften anzuwenden sind. Daher behält der Landesrechnungshof seine Auffassung bei.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

66

Lohnsteuer-Außenprüfung

Die Finanzämter haben festgelegte Prüfungsturnusse vielfach nicht eingehalten; Zeiträume blieben ungeprüft, sodass Steueransprüche verjähren
konnten.
Arbeitgeber, die ihre lohnsteuerlichen Pflichten
missachtet hatten, brauchten selbst im Wiederholungsfall keine Strafverfolgung zu fürchten.

(122)

Die Lohnsteuer ist eine besondere Erhebungsform der Einkommensteuer. Schuldner
ist – außer in den Fällen der pauschalen Lohnsteuer – der Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber hat die Lohnsteuer für Rechnung des Arbeitnehmers bei jeder Lohnzahlung
vom Arbeitslohn einzubehalten und bis zum zehnten Tag nach Ablauf des Anmeldungszeitraums (Kalendermonat; bei niedriger Lohnsteuer auch Kalendervierteljahr
oder Kalenderjahr) an das Finanzamt abzuführen; hierfür haftet er.
Die Arbeitgeberstelle des Finanzamts prüft die Lohnsteueranmeldungen zunächst nur
auf Vollständigkeit (Steuernummer und Unterschrift). Die Prüfung, ob der Arbeitgeber die Lohnsteuer richtig einbehalten und abgeführt hat, ist Aufgabe der Lohnsteuer-Außenprüfung. Sie ermittelt, ob alle Arbeitnehmer beim Lohnsteuerabzug erfasst
und sämtliche lohnsteuerpflichtigen Bar- und Sachzuwendungen dem Lohnsteuerabzug unterworfen wurden.
Hat der Arbeitgeber zu wenig Lohnsteuer abgeführt, muss der Prüfer entscheiden, bei
wem er die Nachforderung am ehesten erfolgreich geltend machen kann: beim haftenden Arbeitgeber oder beim Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber wird in Anspruch genommen, wenn er sich hierzu bereit erklärt – das ist der Regelfall – oder wenn die
Realisierung der Nachforderung bei den Arbeitnehmern aufwändig (zahlreiche Arbeitnehmer) oder aussichtslos erscheint (Anschrift unbekannt) oder bereits erfolglos
geblieben ist.
Die Arbeit der Lohnsteuer-Außenprüfer des Landes stellt sich wie folgt dar:

67
Jahr

Prüfer

Arbeitgeber

Mehrsteuern -in DM- (-in €-)

gesamt

geprüft

in %

je Prüfer

gesamt

je Prüfung

je Prüfer

14.379.305
(7.352.022)
17.407.883
(8.900.509)
14.399.542
(7.362.369)
14.136.599
(7.227.928)

4.257
(2.177)
5.708
(2.918)
4.531
(2.317)
4.725
(2.416)

294.236
(150.440)
357.451
(182.762)
307.092
(157.014)
297.989
(152.359)

1997

49

48.657

3.378

6,9

69

1998

49

50.487

3.050

6,0

63

1999

47

52.863

3.178

6,0

68

2000

47

53.235

2.992

5,6

63

Tab. 12: Arbeit der Lohnsteuer-Außenprüfer des Landes

(123)

Der Landesrechnungshof untersuchte sowohl die Arbeitsabläufe in der Arbeitgeberstelle (Innendienst) als auch die Durchführung von Lohnsteuer-Außenprüfungen. Er
führte dazu in der Zeit von Oktober 2000 bis Januar 2001 örtliche Erhebungen in vier
Finanzämtern durch und stellte unter anderem fest:
− Die Arbeitgeberstelle führt eine Arbeitgeberkartei; darin werden Unternehmensund Prüfungsdaten erfasst (Firma, Zahl der Arbeitnehmer und Prüfungsergebnisse). Sie dient der Auswahl der zu prüfenden Betriebe. Die Kartei wird noch immer
zeitaufwändig manuell geführt; mitunter ist sie mangelhaft. Erheblich schneller,
vielseitiger und ohne die vorgefundenen Fehler ginge es mit einer automatisierten
Arbeitgeberkartei.
− Der vom Finanzamt festgelegte Prüfungszeitraum endete meist mit Ablauf des
Vorjahres, obwohl grundsätzlich der letzte vor Prüfungsbeginn abgeschlossene
Anmeldungszeitraum einbezogen werden sollte. Die Folge: Fehler beim
Lohnsteuerabzug können erst im Rahmen der nächsten Lohnsteuer-Außenprüfung
korrigiert werden – Jahre später; es kommt zumindest zu Zinsverlusten für den
Fiskus. Bleiben diese Monate ungeprüft oder tritt Insolvenz ein, ist mit einem
Steuerausfall zu rechnen.
− Die Außenprüfer haben nur die Lohnsteuer im Blick; in diesem Rechtsgebiet bewegten sie sich recht sicher. Aus ihren Feststellungen sind oftmals aber auch umsatzsteuer- und körperschaftsteuerrechtliche Konsequenzen zu ziehen. Hierzu
muss der Prüfer Kontakt zum Veranlagungsbezirk aufnehmen und ihm stets eine
Berichtsausfertigung zur Auswertung zuleiten. Das ist häufig unterblieben – Steuerausfälle drohen auch hier.
− Wiederholt dokumentierten die Lohnsteuer-Außenprüfer ihre Prüfungshandlungen
nicht oder nur unzureichend: Feststellungen und Erläuterungen fehlten, sodass

68
Entscheidungen nicht immer schlüssig waren; gelegentlich blieb offen, ob die im
Bericht genannten Zuwendungen tatsächlich geprüft worden waren. Aber auch
das Gegenteil wurde festgestellt: In einem Finanzamt nahmen die Prüfer – ohne
Rücksicht auf Zeit und Kosten – umfangreiche Materialsammlungen zu den Akten. Die Zahl der Kopien oder Ausdrucke – mitunter Hunderte von Seiten – stand
dabei in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Prüfungsfeststellungen.
− Form und Inhalt der Berichte ließen vielfach zu wünschen übrig: So fehlten die
Darstellung des Sachverhalts und die rechtliche Würdigung ebenso wie Hinweise
zur künftigen Behandlung – wichtig und hilfreich für Arbeitgeber und Verwaltung. Auch die steuerliche Auswirkung erschloss sich dem Leser nicht immer.
Wiederholt wurden Urteile falsch zitiert oder veraltete Verwaltungsanweisungen
angegeben. Dies führte zu vermeidbaren Nachfragen oder gar Einsprüchen.
− Auf Grund von Lohnsteuer-Außenprüfungen festgestellte Mehrergebnisse sind
der Oberfinanzdirektion zu melden. Die dort erstellte Statistik ermöglicht einen
Vergleich der Finanzämter untereinander. Jedes Finanzamt ist bestrebt, seine Position zu verbessern oder eine gute Position zu halten. Dabei wurde nicht jede Regelung beachtet. So musste ein Finanzamt nach der Prüfung des Landesrechnungshofes seinen zweiten Platz räumen: 70 % der ausgewiesenen Mehrergebnisse waren zu Unrecht gemeldet. Die Ursache: Erfasst wurden auch die rein vorsorglich gegen den Arbeitgeber erlassenen Haftungsbescheide ohne Zahlungsaufforderung. Sie entfalten nur ausnahmsweise dann eine Wirkung, wenn die Nachforderung der Lohnsteuer beim Arbeitnehmer erfolglos bleibt; nur dann fließt der
Haftungsbetrag in die Statistik ein.
Zwei weiteren Prüfungsfeststellungen misst der Landesrechnungshof besondere Bedeutung bei:

Prüfungsturnus
(124)

Sämtliche Arbeitgeber sind in einem von der Zahl ihrer Arbeitnehmer abhängigen
Turnus zu prüfen. Dieser beträgt bei Arbeitgebern mit 100 und mehr Arbeitnehmern
drei Jahre, bei 20 bis 99 Arbeitnehmern vier Jahre; die übrigen Arbeitgeber sollen im
Abstand von sechs bis sieben Jahren geprüft werden.

69
Der kürzere Prüfungsabstand bei größerer Arbeitnehmerzahl ist gerechtfertigt, denn
hier erzielen die Prüfer die höchsten Mehrergebnisse. Dennoch werden die Prüfungsturnusse vielfach nicht beachtet. Prüfungslücken, die gerade bei großen Fällen ausgeschlossen sein sollen, waren die Folge. Selbst die fristgerechte Prüfungsplanung garantierte nicht, dass große Fälle auch fristgerecht geprüft wurden: Die Prüfer schoben
sie gern zu Gunsten kleiner Fälle vor sich her – oftmals bis ins Folgejahr.
Ein Vergleich der drei Prüfungsturnusse in Mecklenburg-Vorpommern mit jenen der
anderen neuen Länder unterstreicht den Handlungsbedarf: Die Lohnsteuer-Außenprüfer des Landes belegen seit 1997 meist nur den letzten Platz. Besonders deutlich
zeigt sich der Missstand bei der Zahl der geprüften Betriebe je Prüfer. Hier bildet
Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich mit den anderen neuen Ländern das Dauerschlusslicht. Jeder Lohnsteuer-Außenprüfer des Landes prüfte ab dem Jahr 1997
durchschnittlich gut ein Fünftel weniger Arbeitgeber als die Prüfer in den anderen
neuen Ländern. Die Verwaltung muss Maßnahmen ergreifen, um den Anschluss
wieder herzustellen. Die Zahl der Prüfungen muss erhöht werden, denn alle Arbeitgeber sind entsprechend ihrem Turnus zu prüfen – nicht zuletzt, um die Gleichmäßigkeit der Besteuerung zu wahren.

Bußgeld- und strafrechtliche Würdigung
(125)

Die Verfolgung von Steuerstraftaten und Steuerordnungswidrigkeiten obliegt der
Finanzverwaltung. Hierfür wurden in den Finanzämtern Neubrandenburg, RibnitzDamgarten und Schwerin Bußgeld- und Strafsachenstellen eingerichtet. Ihnen sind
die Fälle anzuzeigen, in denen der Verdacht einer Steuerstraftat oder Steuerordnungswidrigkeit besteht. Für die Lohnsteuer-Außenprüfung heißt dies: Ergeben sich
während der Prüfung zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine Steuerstraftat
oder für eine Steuerordnungswidrigkeit, ist die Bußgeld- und Strafsachenstelle unverzüglich zu unterrichten. Sie entscheidet, ob ein Anfangsverdacht vorliegt oder
weitere Ermittlungen durchzuführen sind. Sieht die Bußgeld- und Strafsachenstelle
den Anfangsverdacht für eine Steuerstraftat als begründet an, ist ein Steuerstrafverfahren einzuleiten (Legalitätsprinzip). Entsprechendes gilt bei dem Verdacht einer
Steuerordnungswidrigkeit, jedoch liegt die Einleitung dieses Verfahrens im pflichtgemäßen Ermessen der Finanzbehörde (Opportunitätsprinzip).

70
Die Prüfung des Landesrechnungshofes hat erhebliche Mängel offenbart: Außenprüfer und Sachgebietsleiter mieden den Kontakt zur Bußgeld- und Strafsachenstelle –
selbst dann, wenn die Steuerhinterziehung klar zu Tage getreten war. Jeder Arbeitgeber – meist steuerlich beraten – weiß, dass so genannte geldwerte Vorteile für den
Arbeitnehmer (z. B. die Nutzung eines Firmenwagens für private Zwecke) steuerpflichtiger Arbeitslohn sind. Noch deutlicher wird dies im Fall des Wiederholungstäters: Unterlässt der Arbeitgeber nach einer Beanstandung und Nachversteuerung
durch eine Lohnsteuer-Außenprüfung auch weiterhin die laufende Besteuerung und
„wartet“ er vielmehr auf die nächste Prüfung (in der Hoffnung, der Versteuerung zu
entgehen oder sie zumindest weit hinauszuschieben), fällt es schwer, die Hinterziehungsabsicht zu bezweifeln.
(126)

Die Oberfinanzdirektion hat in einer Grundsatzverfügung aus dem Jahr 1997 die Zusammenarbeit zwischen den Prüfungsdiensten und der Bußgeld- und Strafsachenstelle geregelt und darin sehr deutlich die Rechtsfolgen für den Fall der Missachtung
aufgezeigt: „Unterlässt der Prüfer nämlich die zur Verfahrenseinleitung erforderlichen Schritte, obwohl er eine Steuerstraftat ernstlich für möglich hält, kann dies zu
einem:
− Verwertungsverbot im einzuleitenden Strafverfahren gegen den Steuerpflichtigen,
§ 393 Abs. 2 AO,
− Strafverfahren gegen ihn wegen Begünstigung gemäß § 257 Abs. 1 StGB oder wegen Strafvereitelung im Amt gemäß §§ 258 Abs. 1, 258a StGB
führen.“
Das „Abgabeverhalten“ der Lohnsteuer-Außenprüfer änderte sich gleichwohl nicht –
die Anweisung wurde schlicht ignoriert. Verantwortlich ist keinesfalls nur der Außenprüfer. In die Pflicht zu nehmen ist vielmehr auch der Sachgebietsleiter. Er trägt
die Verantwortung für den gesamten Prüfungsfall und muss – spätestens bei Unterzeichnung des Prüfungsberichts – erkennen, ob eine strafrechtliche Würdigung vorzunehmen ist.
Steuerhinterzieher ändern ihr Verhalten nicht solange keine Strafe droht. Im Gegenteil: Jede „erfolgreiche“ Steuerhinterziehung verführt zur Wiederholung und Nachahmung, verschärft die Steuerungerechtigkeit und schädigt den Fiskus. Die unterlassene Ahndung von Steuervergehen beschleunigt den Niedergang der ohnehin sinken-

71
den Steuermoral. Das darf die Verwaltung – auch aus Gründen der Prävention –
nicht hinnehmen.
In seiner Mitteilung an die Verwaltung führte der Landesrechnungshof beispielhaft
13 Fälle auf, bei denen sich die strafrechtliche Würdigung regelrecht aufdrängte – eine Abgabe an die Bußgeld- und Strafsachenstelle war gleichwohl unterblieben. Der
Landesrechnungshof sieht sich in seiner Einschätzung bestätigt: Auf Grund seiner
Feststellungen wurden zwischenzeitlich zwölf Strafverfahren eingeleitet. Warum
nicht bereits die Lohnsteuer-Außenprüfung eine Strafverfolgung ermöglicht hat,
blieb dem Landesrechnungshof verborgen. Wer als Amtsträger absichtlich oder wissentlich die Verfolgung einer Straftat vereitelt, macht sich selbst strafbar. Der Landesrechnungshof hat das Finanzministerium daher um Prüfung gebeten, ob sich Bedienstete der Lohnsteuer-Außenprüfung der Strafvereitelung im Amt schuldig gemacht haben.

Stellungnahme des Finanzministeriums
(127)

Das Finanzministerium und die Oberfinanzdirektion sind dieser Bitte nachgekommen und haben die hier in Rede stehenden Fälle geprüft. Danach stimmt das Finanzministerium der Auffassung des Landesrechnungshofes zu: Unzweifelhaft hätte
bereits die Lohnsteuer-Außenprüfung eine strafrechtliche Prüfung sämtlicher Vorgänge durch die Bußgeld- und Strafsachenstellen veranlassen müssen. Dieses Versäumnis konnte erst durch die Prüfungsfeststellungen des Landesrechnungshofes geheilt werden. Der Strafvereitelung im Amt hätten sich die betroffenen Außenprüfer
und deren Sachgebietsleiter gleichwohl nicht schuldig gemacht – hierfür mangele es
am notwendigen Vorsatz. Zwar müsse besonders den Sachgebietsleitern eine nur unzureichende Pflichterfüllung vorgeworfen werden, eine absichtliche Verhinderung
der Strafverfolgung sei jedoch in keinem Fall nachweisbar.
Dieser Feststellung kann sich der Landesrechnungshof anschließen. Das Finanzministerium erhebt darüber hinaus den Vorwurf, die Feststellungen des Landesrechnungshofes hätten in den Finanzämtern zu einer „erheblichen Unruhe und Verstärkung der teilweise schon bestehenden Verunsicherung geführt.“ Die Aussage mag
zwar zutreffen. Die Missbilligung richtet sich jedoch gegen den falschen Adressaten.
Das Finanzministerium sollte nicht übersehen, dass es Aufgabe des Landesrechnungshofes ist, mangelhafte Verwaltungsarbeit aufzudecken; dass dies nicht immer

72
geräuschlos geschieht, liegt in der Natur der Sache. Eine gewisse Unruhe wirkt
durchaus hilfreich; sie bestätigt den Handlungsbedarf und fördert die nachhaltige Beseitigung der Mängel. Die Verunsicherung bei den Bediensteten abzustellen, ist allein Aufgabe der Verwaltung. Hierzu bedarf es rascher und zielgenauer Schulungen;
darin sieht sich der Landesrechnungshof mit dem Finanzministerium wiederum einig.
(128)

Ebenso bestätigt es die Feststellungen des Landesrechnungshofes zur Einhaltung des
Prüfungsturnusses und zum überdurchschnittlichen Anteil von Prüfungen ohne
Mehrergebnis. Hierfür gebe es verschiedene Ursachen, darunter Strukturänderungen,
deren Folgen nicht der Verwaltung anzulasten seien. So sei der Anteil der Arbeitgeber mit weniger als 20 Arbeitnehmern seit 1991 von 76 % auf mehr als 90 % im Jahr
2000 gestiegen, die Zahl der „großen“ Arbeitgeber sei entsprechend gesunken. Bei
diesen handele es sich häufig um Körperschaften des öffentlichen Rechts, eingetragene Vereine sowie Bildungs- und Beschäftigungsgesellschaften. Hohe Mehrergebnisse seien hier nicht unbedingt zu erwarten.
Ein weiterer Grund hierfür liege in der allgemein angespannten Wirtschaftslage und
des daher nur niedrigen Lohnniveaus. Auch würden Lohnbestandteile über den normalen Arbeitslohn hinaus nur äußerst selten gezahlt.
Hierfür hat der Landesrechnungshof durch seine Prüfung keine Bestätigung gefunden. Die dargelegten Strukturänderungen hat er gesehen und berücksichtigt. Hinreichende Rechtfertigungsgründe für die aufgezeigten Mängel bieten sie nicht.
Der Landesrechnungshof nimmt zur Kenntnis, dass sich die Verwaltung auch nicht
auf diese Position zurückzieht, sondern vielmehr bereits Maßnahmen ergriffen hat,
um die Ergebnisse der Lohnsteuer-Außenprüfung zu verbessern: So wurden Schulungsmaßnahmen durchgeführt, Beamte des gehobenen Dienstes als Außenprüfer
eingesetzt und die EDV-Ausstattung der Arbeitgeberstellen auf den Weg gebracht.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

73

Prüfung der Eichämter

Das Wirtschaftsministerium führt in den Eichämtern Schwerin und Stralsund größere Baumaßnahmen durch, ohne die Ergebnisse einer für
2002

anstehenden

Organisationsuntersuchung

des Eichwesens abzuwarten.
Zumindest bis zur jüngsten Anpassung zum
1.9.2001 sind für Amtshandlungen und Dienstleistungen der Eichbehörden in MecklenburgVorpommern nicht kostendeckende Gebühren
und Entgelte erhoben worden.

Organisation der Eichbehörden in Mecklenburg-Vorpommern
(129)

Zum 1.1.1998 wurde das Eich- und Messwesen im Land Mecklenburg-Vorpommern
reorganisiert. Gemäß Art. 3 des Gesetzes über kostensenkende Strukturmaßnahmen
in Mecklenburg-Vorpommern vom 25. September 1997 wurde das Landesamt für
Eichwesen aufgelöst. Die zentralen fachbezogenen Aufgaben des Landesamtes werden seitdem durch das Referat Eichwesen im Wirtschaftsministerium wahrgenommen. Für zentrale Aufgaben der allgemeinen Verwaltung sind nunmehr die Referate
Haushalt, Personalwesen und Koordinierung der Baumaßnahmen zuständig. Die
verbleibenden Aufgabenbereiche des Landesamtes, vor allem die fachbezogene Eichverwaltung, wurden auf die vier Eichämter in Rostock, Schwerin, Stralsund und
Neubrandenburg übertragen.

(130)

Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass dieser tiefgreifenden Änderung der
Verwaltungsstrukturen keine umfassende Organisationsuntersuchung vorausgegangen ist. Die Neuorganisation des Eichwesens zum Anfang des Jahres 1998 wurde
mithin beschlossen und umgesetzt, ohne dass zureichende Erkenntnisse vorlagen, ob
und ggf. welche Veränderungen organisatorisch, fachlich oder personell erforderlich
sein würden.

74
(131)

Nach den Erkenntnissen des Landesrechnungshofes wurden schon frühzeitig, möglicherweise noch im Jahr 1998, Mängel der gegenwärtigen Strukturen des Eichwesens
sichtbar. Spätestens Mitte des Jahres 1999 sind diese Probleme im Wirtschaftsministerium auch auf Leitungsebene bekannt gewesen. Das Wirtschaftsministerium beabsichtigt nach gegenwärtigem Stand, im Jahr 2002 einen Auftrag zur Durchführung
einer Organisationsuntersuchung zu vergeben, durch die Fragen der Organisationsstruktur, der Arbeitsprozesse und der Koordinierung bei der Aufgabenwahrnehmung
geprüft und geklärt werden sollen. Der Landesrechnungshof geht davon aus, dass
frühestens im Jahr 2003 mit der Umsetzung der aus den Ergebnissen der Untersuchung heraus zu entwickelnden Vorschläge zur Optimierung des Eichwesens begonnen werden kann. Der Landesrechnungshof ist in Anbetracht der Tatsache, dass die
Mängel der Verwaltungsstrukturen seit langem bekannt sind, der Auffassung, dass
die vorgesehene Organisationsuntersuchung zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt
hätte durchgeführt werden können und müssen. Das Wirtschaftsministerium weist
darauf hin, dass für eine Untersuchung der Eichverwaltung zu einem früheren Zeitpunkt keine Haushaltsmittel zur Verfügung standen.

(132)

Nach den Feststellungen des Landesrechnungshofes werden gegenwärtig umfangreiche Baumaßnahmen bei den Eichämtern Stralsund (Bau der Eichhalle und Grundinstandsetzung des Dienstgebäudes; Baukosten insgesamt 1,16 Mio. €
(2,27 Mio. DM)), Schwerin (Neubau Eichamt; Baukosten insgesamt 1,06 Mio. €
(2,08 Mio. DM)) und Neubrandenburg (Umbau/Sanierung des Eichamtes; Baukosten
insgesamt 1,12 Mio. € (2,20 Mio. DM)) durchgeführt oder geplant. Der Landesrechnungshof ist der Auffassung, dass der Bedarf für die Baumaßnahmen in den Eichämtern sachgerecht nur auf Grundlage einer substantiierten Prognose über Art und Umfang der zukünftigen Aufgaben und Personalbedarfe nachgewiesen werden kann. Der
Landesrechnungshof empfiehlt, dass im Rahmen der vorgesehenen Organisationsuntersuchung die Nachfrage nach Amtshandlungen und Dienstleistungen der einzelnen
Eichämter, vor allem aber auch die Kosten für die Erbringung dieser Leistungen an
jedem einzelnen Standort und die Möglichkeiten, durch Zusammenlegung oder Änderungen der Aufgabenbereiche Einsparungen zu erzielen, ermittelt werden. Dafür
müsste das Wirtschaftsministerium zunächst auf Grundlage mehrjähriger statistischer
Erhebungen Kennzahlen über die Inanspruchnahme der Eichämter – differenziert
nach den einzelnen Dienstleistungen –, das Verhältnis von Fallzahlen bei den Eichvorgängen zur Personalausstattung der jeweiligen Eichämter und das jeweils erzielte

75
Aufkommen an Gebühren und Entgelten ermitteln, darstellen (etwa in Form von
Zeitreihen) und auswerten. Nach den Feststellungen des Landesrechnungshofes liegen entsprechende Untersuchungsergebnisse noch nicht vor.
(133)

Die zurzeit laufenden oder vorgesehenen baulichen Maßnahmen können noch anstehende organisatorische und strukturelle Entscheidungen im Eichwesen präjudizieren.
Der Landesrechnungshof hat dem Wirtschaftsministerium mit Schreiben vom
27.11.2000 und 8.1.2001 empfohlen, die Baumaßnahmen bis zum Abschluss der Organisationsuntersuchung auszusetzen. Zu diesem Zeitpunkt waren zumindest die
Bauarbeiten in Schwerin und Neubrandenburg noch nicht angelaufen.

(134)

Das Wirtschaftsministerium ist der Empfehlung des Landesrechnungshofes nur zum
Teil gefolgt. Während die Umsetzung der Bauvorhaben in Schwerin und Stralsund
planmäßig fortgeführt wurde, teilte das Wirtschaftsministerium mit Schreiben vom
27.7.2001 mit, das Bauvorhaben Eichamt Neubrandenburg werde bis zum Abschluss
der Untersuchung zurückgestellt.
Das Wirtschaftsministerium ist der Auffassung, dass die Fortführung der Bauvorhaben in Schwerin und Stralsund gerechtfertigt sei. Dort werde unter provisorischen
und zum Teil unzumutbaren Bedingungen gearbeitet. Eichvorgänge und Messungen
könnten auf Grund unzureichender Raumtemperaturen o. ä. Mängel nicht unter den
erforderlichen Bedingungen durchgeführt werden. Im Übrigen seien keine grundlegenden Änderungen bei den Aufgaben der Eichämter zu erwarten. Eine Konzentration bestimmter Prüfaufgaben auf einzelne Eichämter sei in bestimmten Bereichen bereits vorgenommen worden; eine weitere Konzentration von Prüf- und Messaufgaben
werde etwa durch erhöhten Transportaufwand oder lange Reisezeiten ineffektiv.

(135)

Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Auffassung, wonach erst eine umfassende
Organisationsuntersuchung hinreichenden Aufschluss über die Zweckmäßigkeit und
Wirtschaftlichkeit von Aufgabenzuweisungen bzw. -wahrnehmung durch die Eichämter und damit über deren räumlichen Zuschnitt und Ausstattung mit Personal- und
Sachmitteln (insbesondere Messgeräten) geben kann.

76

Erhebung von Gebühren und Entgelten
(136)

Die Eichbehörden des Landes Mecklenburg-Vorpommern erheben für die Eichung
und Beglaubigung von Messgeräten und weiteren Amtshandlungen Gebühren nach
der Eich- und Beglaubigungskostenverordnung (EBKV) vom 21. April 1982
(BGBl. I S. 428). Seit Inkrafttreten der Sechsten Verordnung zur Änderung der Eichund Beglaubigungskostenverordnung vom 11. Juli 2001 (BGBl. I S. 1608) zum
1.9.2001 wird die EBKV als Eichkostenverordnung (EKV) bezeichnet.
Die Eichämter erheben daneben für messtechnische Kontrollen Gebühren und Auslagen auf der Grundlage der „Landesverordnung für Gebühren für Amtshandlungen
nach dem Medizinproduktegesetz und der auf Grund des Medizinproduktegesetzes
erlassenen Verordnungen (Medizinproduktegebührenlandesverordnung MPGebLVO)“ vom 22. März 1999 (GVOBl. M-V S. 248). Die Berechnung der Gebühren erfolgt nach der Gebühren-Richtlinie für messtechnische Kontrollen, die vom
Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern zuletzt zum 1.9.2001 neu gefasst
wurde.
Soweit die Eichämter Prüfungen von Messgeräten vornehmen, die nicht gesetzlich
vorgeschrieben sind, oder Normalmessgeräte der Eichämter Privaten zur Nutzung
zur Verfügung gestellt werden, werden Entgelte nach der Entgeltrichtlinie-Messgeräte erhoben. Diese Richtlinie wurde ebenfalls zum 1.9.2001 vom Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern neu gefasst.

(137)

Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass jedenfalls bis zur jüngsten Anpassung
zum 1.9.2001 keine kostendeckenden Gebühren und Entgelte erhoben worden sind.
Dies ergibt sich u. a. aus der Bundesratsdrucksache 350/01 vom 10.5.2001 zur
Sechsten Verordnung zur Änderung der Eich- und Beglaubigungskostenverordnung
vom 11. Juli 2001.

(138)

Die Erhöhung der Gebühren für die Eichung von Messgeräten nach der EBKV bzw.
EKV wird darin wie folgt begründet:
„Die Anhebung der Gebührensätze ist zur Verbesserung der Kostendeckung der
Eichbehörden erforderlich. Zur Erreichung einer vollen Kostendeckung war nach
umfassenden Berechnungen der Länder auf der Grundlage von Daten des Jahres
1993 und der Ermittlung von Arbeitswerten eine Gebührenanhebung um 33 % erforderlich. Um die Wirtschaft nicht übermäßig zu belasten, sollte die Anpassung der

77
Gebühren in zwei Stufen erfolgen. Die erste Stufe, die eine Anhebung um durchschnittlich 16 % zum Ziel hatte, erfolgte zum 1. August 1996 durch die Fünfte Verordnung zur Änderung der Eich- und Beglaubigungskostenverordnung .... Die vom
Bundesrat in seiner Entschließung vom 22. März 1996 ... geforderte Umsetzung der
zweiten Stufe der Gebührenanpassung zum 1. Januar 1998 ist von der Bundesregierung dann aus preispolitischen Gründen abgelehnt worden. ...
Die Kostenunterdeckung der Eichbehörden der Länder (Zuschussbedarf in % bezogen auf die Ausgaben) betrug 1995 24 %. Durch die letzte Gebührenanhebung im
Jahre 1996 verringerte sich die Kostenunterdeckung nur unwesentlich: 1996 auf
22,6 % und 1997 auf 21,9 % ... Durch die zwischenzeitlichen Kostensteigerungen erhöhte sich die Kostenunterdeckung in den Jahren 1998 und 1999 wieder auf 25 %. ...
Einige Bundesländer (nicht aber Mecklenburg-Vorpommern, Anmerkung des Landesrechnungshofes) haben zusätzlich zur kameralistischen Buchführung bereits die
kaufmännische Buchführung eingeführt bzw. in der Erprobungsphase laufen. Die
Gegenüberstellung der kameralistischen und der kaufmännischen Abrechnung ergibt, dass der Zuschussbedarf nach kaufmännischer Buchführung in der Regel noch
höher ist als nach kameralistischer Buchführung, auf der die vorgesehene Gebührenanhebung in Höhe von 25 % basiert. ...
Der Arbeitsaufwand für die einzelnen Tätigkeiten der Eichbehörden und Prüfstellen,
der bei der Festlegung der festen Gebührensätze zugrunde gelegt wird, ist auf
Wunsch der Wirtschaftsministerkonferenz vom 8./9. Juni 1999 zwischenzeitlich
nochmals überprüft worden. Ebenso wurde der Kostenaufwand für die Tätigkeiten
der Eichbehörden neu ermittelt.“
(139)

Das Wirtschaftsministerium hat zunächst gegenüber dem Landesrechnungshof bestätigt, dass die von den Eichbehörden des Landes erhobenen Gebühren und Entgelte
jedenfalls bis zur Anpassung zum 1.9.2001 nicht kostendeckend waren. Das Wirtschaftsministerium verwies darauf, dass die kostendeckende Anpassung der Gebühren nach der EBKV Sache des Bundes sei. Entsprechende Forderungen der Bundesländer einschließlich Mecklenburg-Vorpommerns habe die Bundesregierung abgelehnt.
Der Landesrechnungshof verkennt nicht, dass die Festlegung der Gebührenansätze
zumindest in der Vergangenheit offenbar im Wege politischer Kompromisse zwischen dem Bund, den Ländern und Interessenverbänden der Wirtschaft erfolgt ist

78
und nicht unter strenger Beachtung des gebührenrechtlichen Kostendeckungsprinzips. Es soll auch nicht bestritten werden, dass die gebotene Erhöhung der Gebührenansätze nach der EBKV vom Land Mecklenburg-Vorpommern weder im Alleingang noch in Abstimmung mit den anderen Bundesländern voll umfänglich und zeitnah gegen den Bund hätte durchgesetzt werden können. In Anbetracht der Tatsache,
dass auch die Landesregierung für Gebührenanpassungen eingetreten ist und diese
Bemühungen, wie sich aus der Anhebung der Gebührensätze nach der EBKV zum
1.8.1996 und 1.9.2001 ergibt, zumindest teilweise auch Erfolg hatten, sieht der Landesrechnungshof keine Veranlassung, dem Land bzw. dem Wirtschaftsministerium
insoweit Versäumnisse vorzuhalten.
(140)

Der Landesrechnungshof ist jedoch der Auffassung, dass das Wirtschaftsministerium
dort, wo die Festsetzung von Gebühren oder Entgelten für Leistungen der Eichbehörden allein Sache des Landes ist, also bei der Entgeltrichtlinie-Messgeräte und bei
der Gebührenrichtlinie für messtechnische Kontrollen, nicht für die Erhebung kostendeckender Gebühren bzw. Entgelte Sorge getragen hat. In beiden Richtlinien hat
das Wirtschaftsministerium für den Fall der Berechnung der Gebühren bzw. Entgelte
nach dem Arbeitsaufwand die entsprechenden Stundensätze nach der EBKV übernommen. Diese waren, wie bereits ausgeführt, auch nach der Erhöhung zum
1.8.1996 nicht kostendeckend und mussten aus diesem Grunde zum 1.9.2001 erneut
angehoben werden.

(141)

Das Wirtschaftsministerium hat unter Aufgabe seines bisherigen Standpunkts mit
Schreiben vom 27.7.2001 behauptet, in Mecklenburg-Vorpommern seien schon vor
der Erhöhung zum 1.9.2001 kostendeckende Gebühren und Entgelte erhoben bzw.
berechnet worden. Die Gebührensätze der EBKV seien Durchschnittswerte, die den
tatsächlichen Aufwand in einzelnen Ländern nicht widerspiegelten. Die Gebührenansätze der EBKV überstiegen die durch das Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern bekannt gegebenen kostendeckenden Ansätze in den „Allgemeinen Verfahrensrichtlinien für die Ermittlung und Überprüfung von Gebühren auf ihre Kostendeckung“. So betrage beispielsweise der Stundensatz für den gehobenen Dienst
nach der EBKV 106 DM (54 €), nach den „Allgemeinen Verfahrensrichtlinien“ in
Mecklenburg-Vorpommern jedoch nur 78 DM (40 €). Der Kostendeckungsgrad werde sich durch die Änderung der EBKV zum 1.9.2001 noch stark verbessern.

79
(142)

Der Hinweis des Wirtschaftsministeriums auf die „Allgemeinen Verfahrensrichtlinien für die Ermittlung und Überprüfung von Gebühren auf ihre Kostendeckung“
vermag nicht zu überzeugen. Wenn das Wirtschaftsministerium bzw. die Landesregierung tatsächlich der Auffassung wären, dass in Mecklenburg-Vorpommern die
Stundensätze für das Personal der Eichbehörden deutlich niedriger seien als die gemittelten Werte nach der EBKV (also beispielsweise für den gehobenen Dienst nur
78 DM (40 €) statt 106 DM (54 €)), hätten die entsprechenden landesrechtlichen
Vorschriften in der Gebührenrichtlinie für messtechnische Kontrollen und in der
Entgeltrichtlinie-Messgeräte nicht zum 1.9.2001 an die geänderte EBKV (nunmehr
EKV) angeglichen werden dürfen (beispielsweise der Stundensatz für den gehobenen
Dienst auf 124 DM (63 €); gegenüber den „Allgemeinen Verfahrensrichtlinien“ also
Mehrkosten von 60 %).

(143)

Der Landesrechnungshof weist darauf hin, dass der Erhöhung der Gebührensätze
nach EBKV zum 1.9.2001 eine Ermittlung des Arbeitsaufwands und des Kostenaufwands für die einzelnen Tätigkeiten der Eichbehörden und Prüfstellen vorausgegangen ist (vgl. Bundesratsdrucksache 350/01 vom 10.5.2001, S. 29). Für die Eichbehörden liegen mithin gesonderte und aktuelle Kostenberechnungen vor. Nach Auffassung des Landesrechnungshofes besteht bei diesen aktuellen, von den Eichbehörden selbst ermittelten und vom Wirtschaftsministerium bzw. der Landesregierung bis
zum 27.7.2001 zu keinem Zeitpunkt angezweifelten Berechnungen die Vermutung
der Richtigkeit. Soweit das Wirtschaftsministerium behauptet, bestimmte Gebührensätze wie etwa bei der Berechnung nach Arbeitsaufwand lägen in diesem Bundesland
niedriger als im Mittel aller Bundesländer, so kann dies nach Auffassung des Landesrechnungshofes nur auf Grundlage von Erkenntnissen nachgewiesen werden, die aus
gesonderten Kostenermittlungen für das Eichwesen des Landes Mecklenburg-Vorpommern herrühren. Mit dem schlichten Hinweis auf die „Allgemeinen Verfahrensrichtlinien für die Ermittlung und Überprüfung von Gebühren auf ihre Kostendeckung“, also auf Durchschnittswerte für die gesamte Verwaltung, kann dieser Nachweis nicht geführt werden.
Im Ergebnis setzt sich das Wirtschaftsministerium mit der Behauptung, die Gebührensätze der EBKV (und damit auch der Entgeltrichtlinie-Messgeräte und der Gebührenrichtlinie für messtechnische Kontrollen) seien kostendeckend gewesen, nicht nur
in Widerspruch zu seinen bisherigen Aussagen bzw. zu seiner bisherigen Gebühren-

80
politik. Diese Behauptung muss auch in Anbetracht der vorliegenden aktuellen und
konkreten Kostenberechnungen der Länder für das Eichwesen als unsubstantiiert betrachtet werden.
(144)

Nach Auffassung des Landesrechnungshofes böten Kennzahlen, die im Wege der
Kosten- und Leistungsrechnung ermittelt worden sind, eine zuverlässige Grundlage
für zukünftige Entscheidungen über Gebührenanpassungen und für anstehende strukturelle Maßnahmen im Eichwesen. Der Landesrechnungshof bittet das Wirtschaftsministerium, die Einführung der kaufmännischen Buchführung im Eichwesen des
Landes zu prüfen. Das Wirtschaftsministerium hat hierzu mitgeteilt, die Einführung
der kaufmännischen Buchführung und der Kosten-Leistungs-Rechnung werde im
Rahmen der vorgesehenen Organisationsuntersuchung des Eichwesens geprüft werden.

81

Beteiligung des Landes Mecklenburg-Vorpommern an einer Gesellschaft zur Akquisition ausländischer Investoren

An der IIC The New German Länder Industrial
Investment Council GmbH (IIC), einer Kapitalgesellschaft mit der Aufgabe, für die neuen Bundesländer ausländische Investoren zu akquirieren,

hält

auch

das

Land

Mecklenburg-

Vorpommern Geschäftsanteile. Die Landesregierung hat einer Verlängerung der zunächst bis
zum 31.12.2001 befristeten Laufzeit der Gesellschaft und der zukünftigen Bezuschussung der
IIC über den Landeshaushalt zugestimmt, obwohl das zuständige Wirtschaftsministerium eine
Auswertung der bisherigen Geschäftstätigkeit
der IIC insbesondere in Bezug auf Erfolge bzw.
Misserfolge bei der Akquisition von Investitionen
für das Land nicht vorgenommen hatte. Eine eingehende Prüfung der Zweckmäßigkeit und des
wirtschaftlichen Nutzens und damit des Landesinteresses an der Fortsetzung des Engagements
bei der IIC durch das Wirtschaftsministerium
hat es nicht gegeben. Dem Wirtschaftsministerium fehlt ein Konzept zur Verwaltung, zum Controlling und zum Management der Beteiligung an
der IIC.

(145)

Die IIC, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit Sitz in Berlin, wurde am
11.12.1996 gegründet. Gegenstand des Unternehmens ist die Akquisition ausländischer, insbesondere größerer Unternehmen für den Standort neue Bundesländer einschließlich Berlin, um die industrielle Entwicklung in dieser Region durch Ansiedlungserfolge zu stärken und neue Arbeitsplätze zu beschaffen (§ 2 des Gesellschaftsvertrags). Das Stammkapital der Gesellschaft beträgt 1 Mio. DM (511.300 €). Die

82
Geschäftsanteile der Gesellschaft werden von den neuen Bundesländern sowie vom
Bund gehalten; Mecklenburg-Vorpommern hält 8,39 % der Anteile.
(146)

Nach § 23 Abs. 4 des Gesellschaftsvertrags war ursprünglich eine Auflösung der
Gesellschaft durch Zeitablauf zum 31.12.1999 vorgesehen. Diese Befristung erfolgte
vor dem Hintergrund, dass eine Finanzierung der IIC – insbesondere der Verlustausgleich – zunächst aus Mitteln des sogenannten Parteienvermögens erfolgte. Eine direkte Bezuschussung der IIC aus den Haushalten der Gesellschafter war nicht vorgesehen. Durch Änderung des Gesellschaftsvertrags der IIC vom 21.9.1998 wurde die
Auflösung der Gesellschaft auf den 31.12.2001 verschoben.

(147)

Spätestens im Laufe des Jahres 2000 wurde deutlich, dass sich der Jahresetat der IIC
für 2001 in Höhe von 11,0 Mio. DM (5,6 Mio. €) aus dem Parteienvermögen nicht
mehr vollständig finanzieren lassen würde. Aus dieser Finanzierungsquelle standen
letztmalig noch 7,2 Mio. DM (3,7 Mio. €) zur Verfügung. Im Haushaltsplan 2001
wurde dementsprechend beim Titel 0602 682.12 MG 01 „Zuschuss an die IIC - The
New German Länder Industrial Investment Council GmbH“ ein Zuschuss in Höhe
von 274.000 DM (140.100 €) eingestellt. Der Finanzausschuss hatte in diesem Zusammenhang dem Landtag empfohlen, die Landesregierung zu ersuchen, bis zum
12.4.2001 umfassend über die Verlängerung der Landesbeteiligung bei der IIC zu
unterrichten.

(148)

Der Landesrechnungshof nahm diese Beschlussempfehlung des Finanzausschusses
zum Anlass, das Wirtschaftsministerium mit Schreiben vom 5.1.2001 um Mitteilung
zu bitten, ob eine Beteiligung des Landes an der IIC und eine Bezuschussung der Gesellschaft auch über das Jahr 2001 hinaus vorgesehen seien. Zugleich warf der Landesrechnungshof im Hinblick auf die mögliche Verlängerung der Landesbeteiligung
an der IIC die Frage auf, ob die bisherige Arbeit der IIC einer Bewertung unterzogen
worden sei bzw. unterzogen werde.

(149)

Nachdem im weiteren Verlauf deutlich geworden war, dass das Wirtschaftsministerium einer Beteiligung des Landes an der IIC auch nach dem Jahr 2001 zugestimmt
hatte, forderte der Landesrechnungshof das Ministerium auf darzulegen, worin das
wichtige Interesse des Landes an der Fortsetzung der Beteiligung im Sinne von § 65
Abs. 1 Nr. 1 LHO bestünde. Der Landesrechnungshof verwies darauf, dass die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Mecklenburg-Vorpommern (GfW) ebenfalls –

83
und zwar ausschließlich für das Land Mecklenburg-Vorpommern – im Bereich der
Investorenwerbung tätig sei.
(150)

Das Wirtschaftsministerium hat insgesamt sechs schriftliche Anfragen des Landesrechnungshofes im Zeitraum zwischen dem 5.1.2001 und dem 2.8.2001 zur Verlängerung der Landesbeteiligung an der IIC teilweise überhaupt nicht, teilweise mit erheblicher Verzögerung und in wenig befriedigender Weise beantwortet.

(151)

Das Wirtschaftsministerium vertrat gegenüber dem Landesrechnungshof die Auffassung, die GfW und die IIC ergänzten sich in ihren Tätigkeitsbereichen. Die IIC werbe gezielt um ausländische, insbesondere größere Unternehmen. Projekte, die die IIC
weltweit akquiriere, würden in enger Zusammenarbeit mit der GfW bearbeitet oder
federführend an die GfW übergeben.
Zur Anfrage, ob eine Bewertung der Tätigkeit der IIC vorgenommen worden sei, erklärte das Ministerium, die Gesellschaft habe das Land bei der Bewerbung um die
Ansiedlung von BMW in Schwerin in erheblichem Umfang unterstützt. Darüber hinaus seien durch Ansiedlungserfolge 790 Arbeitsplätze geschaffen worden.

(152)

Entsprechende Ausführungen finden sich auch in der Drs. 3/2235 vom 16.8.2001,
mit der die Landesregierung über einen Beschluss der Gesellschafterversammlung
der IIC von Ende März 2001 zur Verlängerung der Gesellschaft über den 31.12.2001
hinaus und über die Bestätigung dieses Beschlusses durch das Kabinett unterrichtete.

(153)

Die Landesregierung teilte dem Landtag mit dieser Drucksache ferner mit, das Land
werde sich ab 2002 vorbehaltlich der Zustimmung des Parlaments mit 369.000 €
(721.700 DM) jährlich an der Finanzierung des Jahresetats der IIC von voraussichtlich 5,1 Mio. € (10 Mio. DM) beteiligen. Für die Zukunft werde, so die Landesregierung, die weitere Beteiligung an der IIC von deren Erfolg abhängig gemacht werden
müssen. Dieser werde an der Zahl der neuen Arbeitsplätze zu messen sein. Als Maßstab dafür biete sich sowohl der Vergleich zu den anderen Ländern als auch zur Arbeit der GfW an.

(154)

Nach Auffassung des Landesrechnungshofes ist die Verlängerung der Landesbeteiligung an der IIC wie folgt zu bewerten:

(155)

Dem Beschluss der Landesregierung, sich weiterhin an der IIC zu beteiligen und
diese Gesellschaft aus Haushaltsmitteln zu bezuschussen, hätte eine sorgfältige und

84
umfassende Bewertung (Evaluation) der bisherigen Tätigkeit dieser Gesellschaft für
das Land vorausgehen müssen.
Eine Bewertung würde zunächst die Erstellung von Statistiken über erfolgreiche Akquisitionen (Investitionsvolumina, Zahl der Arbeitsplätze) der IIC für MecklenburgVorpommern, sodann den Vergleich mit den entsprechenden Statistiken für die anderen neuen Bundesländer voraussetzen. In einem zweiten Schritt wäre die Relation
zwischen Aufwand (Jahresetat der IIC) und Arbeitsergebnissen der Gesellschaft herzustellen gewesen. Der Prüfung hätte schließlich auch die Frage bedurft, ob sich in
der Vergangenheit die Zusammenarbeit mit den anderen neuen Bundesländern –
immerhin sind diese Gesellschafter oft genug auch Konkurrenten bei der Akquisition
von Investoren – in der IIC bewährt hat.
Das Wirtschaftsministerium hat dem Landesrechnungshof trotz wiederholter Aufforderung keine entsprechenden Unterlagen vorgelegt. Der Landesrechnungshof muss
daher davon ausgehen, dass Landesregierung bzw. Ministerium eine Evaluation der
bisherigen Tätigkeit der IIC für Mecklenburg-Vorpommern nicht vorgenommen haben. Der bloße Hinweis, die IIC habe das Land bei der BMW-Bewerbung unterstützt
und bei Investitionen mit insgesamt 790 Arbeitsplätzen mitgewirkt, kann eine Evaluation nicht ersetzen.
(156)

Diese 790 Arbeitsplätze werden auch von der landeseigenen GfW zu „ihren“ Ansiedlungserfolgen gezählt. Der Landesrechnungshof geht davon aus, dass IIC und GfW
bei den Investitionen zusammengewirkt haben. Das bedeutet allerdings auch, dass
sich der finanzielle Aufwand des Landes für diese Akquisitionen nicht nur im Jahresetat der IIC, sondern auch in den Landeszuschüssen an die GfW abgebildet hat.
Dem Landesrechnungshof ist ferner aus eigener Prüfungstätigkeit bekannt, dass neben der IIC auch die landeseigene GfW international Investoren für MecklenburgVorpommern akquiriert.
Nach Einschätzung des Landesrechnungshofes haben Landesregierung bzw. Wirtschaftsministerium weder mit der Drs. 3/2235 vom 16.8.2001 noch in der Korrespondenz mit dem Landesrechnungshof eine überzeugende Antwort auf die Frage geben können, wieso neben der GfW auch die IIC aus Landesmitteln finanziert werden
müsse, um die Akquisition ausländischer Unternehmen für das Land zu betreiben.

85
Die beiden genannten Gesellschaften haben, soweit ihre in den Gesellschaftsverträgen festgelegten Aufträge und ihre bisherigen Aktivitäten zugrunde gelegt werden,
weitgehend deckungsgleiche Aufgaben für das Land Mecklenburg-Vorpommern
wahrzunehmen. Wenn die Landesregierung bei dieser Ausgangslage gleichwohl eine
Beteiligung des Landes an beiden Gesellschaften und die Finanzierung beider Gesellschaften aus Landesmitteln befürwortet, so ist diese Entscheidung aus Sicht des
Landesrechnungshofes nur dann vertretbar, wenn sie auf Grundlage einer mit den
Geschäftsführungen und Aufsichtsräten beider Unternehmen abgestimmten Konzeption für die Zusammenarbeit der Gesellschaften – insbesondere die Zuweisung von
Aufgaben – erfolgt. Anderenfalls besteht die Gefahr kostenträchtiger paralleler Aktivitäten beider Gesellschaften. Darüber hinaus kann vom Wirtschaftsministerium erwartet werden, dass gegenüber dem Landtag und dem Landesrechnungshof zumindest nachvollziehbar begründet wird, warum die Fortführung der Beteiligung an der
IIC und deren zukünftige (Mit-)Finanzierung aus Landesmitteln unter dem Aspekt
der Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit befürwortet wird.
Entsprechende konzeptionelle Erwägungen haben die Landesregierung bzw. das
Wirtschaftsministerium offenbar nicht angestellt; jedenfalls hat das Ministerium dem
Landesrechnungshof keine entsprechenden Unterlagen vorgelegt oder Informationen
gegeben.
(157)

Die Landesregierung hat in der Drs. 3/2235 vom 16.8.2001 zutreffend ausgeführt, für
die Zukunft müsse eine weitere Beteiligung des Landes Mecklenburg-Vorpommern
an der IIC von deren Erfolg abhängig gemacht werden. Dieser Erfolg werde an der
Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze zu messen sein. Als Maßstab, so die Landesregierung, biete sich insoweit auch der Vergleich zu den in den anderen Ländern
geschaffenen Arbeitsplätze als auch zur Arbeit der GfW an.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes können aber diese Erkenntnisse über
Wirkungsweise und Effizienz der IIC nur gewonnen werden, wenn auch die entsprechenden Daten vom Wirtschaftsministerium (ggf. in dessen Auftrag) erhoben und
analysiert werden. Zugleich muss dafür Sorge getragen werden, dass den Vertretern
des Landes in den Organen der IIC (Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat)
die solchermaßen aufbereiteten Daten zum Zwecke einer ggf. erforderlichen Wahrnehmung von Aufsichtsfunktionen und der Steuerung der Gesellschaft zeitnah zur

86
Verfügung gestellt werden. Im Ergebnis ist dem Wirtschaftsministerium der Aufbau
eines Beteiligungscontrollings dringend zu empfehlen.
Der Landesrechnungshof hat im Zuge seiner Prüfungshandlungen keine Anhaltspunkte dafür gewonnen, dass bei der Verwaltung der Beteiligung an der IIC im Wirtschaftsministerium entsprechende Schritte vorgesehen sind. Es ist daher nicht ersichtlich, auf Grundlage welcher Erkenntnisse die Landesregierung bzw. das Wirtschaftsministerium zukünftig den Erfolg bzw. die Effizienz der IIC bewerten wollen.
Ebenso wenig ist erkennbar, auf welchem Wege zukünftig auf die IIC im Sinne einer
für das Land erfolgreichen Tätigkeit steuernd eingewirkt werden soll. Dem Landesrechnungshof ist hierzu kein Konzept vorgelegt worden. Er muss davon ausgehen,
dass im Wirtschaftsministerium bislang entsprechende Erwägungen auch nicht angestellt worden sind.
(158)

Den Entwurf dieses Berichts hatte der Landesrechnungshof am 22.1.2001 dem Wirtschaftsministerium zur Stellungnahme übersandt. In einer Besprechung im Wirtschaftsministerium am 5.3.2002 haben daraufhin die Geschäftsführungen von IIC
und GfW dem Landesrechnungshof das Zusammenwirken beider Gesellschaften bei
der Akquisition von Investitionen für das Land Mecklenburg-Vorpommern dargestellt.

(159)

Danach werde die IIC im allgemeinen bei der Akquisition ausländischer Investoren
nur in einem frühen Stadium tätig. Üblicherweise würden die Projekte an die GfW
abgegeben, sobald der erste konkrete Kontakt – im Regelfall eine Besprechung vor
Ort – zwischen dem potentiellen Investor und den für das Vorhaben jeweils zuständigen Verwaltungsstellen stattgefunden habe. Die IIC und die GfW stimmten sich
hinsichtlich ihrer aktuellen Projekte regelmäßig ab.

(160)

Das Wirtschaftsministerium erhalte monatlich eine aktuelle Liste aller von der IIC in
den neuen Bundesländern betreuten Investitionsvorhaben. Diese Projektlisten enthielten Informationen u. a. über den Verfahrensstand, die Branchenzugehörigkeit des
Investors, das geplante Investitionsvolumen, die mögliche Zahl der zu schaffenden
Arbeitsplätze und die in Erwägung gezogenen Standorte.
Dem Landesrechnungshof wurde die aktuelle Projektliste übergeben. Er erhielt außerdem eine Statistik der IIC vom 28.2.2002, aus der sich u. a. die Zahl der bisher

87
durch die IIC vermittelten Besuche potentieller Investoren sowie die mit Ansiedlungserfolgen abgeschlossenen Projekte der Gesellschaft ergeben.
(161)

Das Wirtschaftsministerium hat erst nach Ablauf einer Nachfrist am 22.3.2002 zum
Berichtsentwurf schriftlich Stellung genommen und sich im Wesentlichen den Darstellungen der Geschäftsführungen von IIC und GfW angeschlossen.

(162)

Die Besprechung vom 5.3.2002 hat bestätigt, dass der Verlängerung der Landesbeteiligung keine Bewertung der bisherigen Arbeit der IIC durch die Landesregierung vorausgegangen ist. Der Landesrechnungshof muss auch bei seiner Feststellung bleiben, dass ein effektives Controlling und Management der Landesbeteiligung im
Wirtschaftsministerium nicht stattfindet. Das Ministerium beschränkt sich offenbar
darauf, Unternehmensdaten der IIC – soweit sie von der Geschäftsführung zur Verfügung gestellt werden – zu sammeln. Bezeichnender Weise sind die aktuelle Projektliste und die Erfolgsstatistik der IIC vom 28.2.2002 dem Landesrechnungshof
nicht vom Ministerium, sondern anlässlich der Besprechung vom 5.3.2002 von der
Geschäftsführung der IIC übergeben worden.

88

Förderung der Erlebnistherme Güstrow

Die Zuwendungsempfängerin hat dem Wirtschaftsministerium vor dessen Entscheidung,
Fördermittel für die Erlebnistherme Güstrow zu
bewilligen, Informationen von zentraler Bedeutung vorenthalten. Das Ministerium beabsichtigt,
auf die Rückforderung der Zuwendungen zu verzichten.

(163)

Die Erlebnistherme Güstrow – ein kombiniertes Freizeit- und Sportbad – wird von
der Freizeit- und Immobiliengesellschaft Güstrow mbH (FIG) betrieben. Die FIG ist
eine Tochtergesellschaft der im Eigentum der Kommune stehenden Stadtwerke Güstrow GmbH (SWG). Das Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern hat der
FIG für das Projekt Erlebnistherme mit Bescheid vom 15.2.1999 einen Investitionszuschuss in Höhe von rd. 14,04 Mio. DM (rd. 7,18 Mio. €) bewilligt.

(164)

Der Landesrechnungshof hat die Entscheidung des Wirtschaftsministeriums, die Erlebnistherme Güstrow mit Zuwendungen zu fördern, bereits in seinem Jahresbericht
2000 kommentiert (Tzn. 158 - 202). Kritisch anzumerken war aus Sicht des Landesrechnungshofes, dass schon im Zeitpunkt der Erteilung des Zuwendungsbescheids
erhebliche Zweifel an der Förderfähigkeit des Vorhabens bestanden. Nach Auffassung des Landesrechnungshofes hatte die FIG gegenüber dem Wirtschaftsministerium unter anderem die dauerhafte Rentabilität der Therme, also die Erwirtschaftung
des Kapitaldienstes für das von der FIG aufzunehmende Darlehen sowie einer angemessenen Eigenkapitalverzinsung aus dem Betriebsergebnis der Therme, nicht mit
der erforderlichen Sicherheit nachgewiesen.
Der Landesrechnungshof konnte unter anderem feststellen, dass die FIG ein von ihr
selbst in Auftrag gegebenes Gutachten zurückgehalten hatte. Die Experten hatten im
Vergleich zu der von der FIG dem Ministerium vorgelegten Prognose deutlich geringere Besucherzahlen und einen niedrigeren durchschnittlich erzielbaren Eintrittspreis
ermittelt. Nach Auffassung des Landesrechnungshofes hätte die FIG dem Wirtschaftsministerium das Gutachten zur Kenntnis geben müssen. Die Zurückhaltung

89
dieser förder- bzw. subventionserheblichen Information hätte das Ministerium nachträglich zur Aufhebung seines Förderbescheids vom 5.12.1999 berechtigt (vgl. Jahresbericht 2000, Tz. 201).
(165)

Das Wirtschaftsministerium hat die seit der zweiten Jahreshälfte 1998 bekannten
Zweifel des Landesrechnungshofes an der Rentabilität der Therme nicht geteilt und
seit Ende Dezember 1999 die bewilligten Zuwendungen an die FIG ausgezahlt. Das
Ministerium hatte seine Auffassung, die Rentabilität der Erlebnistherme sei in hinreichendem Maße durch die FIG nachgewiesen worden, unter anderem auf einen Vertrag dieser Gesellschaft mit einem Unternehmen aus Süddeutschland über eine
Betreiberkooperation vom 8.4.1999 gestützt. Der Abschluss dieses Vertrags war im
Zuwendungsbescheid vom 15.2.1999 zur Voraussetzung einer Förderung gemacht
worden.

(166)

Der Vertrag vom 8.4.1999 über die Betreiberkooperation sieht vor, dass das süddeutsche Unternehmen für ein Honorar von jährlich insgesamt 200.000 DM (102.260 €)
die FIG bei dem Betrieb der Therme berät und für Dienstleistungen vor Inbetriebnahme weitere 415.000 DM (212.190 €) erhält. Im Gegenzug verpflichtet sich das
süddeutsche Unternehmen, sich am Verlustausgleich der FIG bis zum 31.12.2005 mit
jährlich bis zu 400.000 DM (204.520 €) zu beteiligen. Im Ergebnis durfte das Wirtschaftsministerium also davon ausgehen, dass die FIG per Saldo einen Zuschuss des
süddeutschen Unternehmens von bis zu 200.000 DM (102.260 €) erhalten würde, sofern Jahresfehlbeträge ausgewiesen werden.

(167)

Dem Landesrechnungshof wurde am 25.10.2001 ein Schreiben der SWG vom
19.3.1999 an den süddeutschen Kooperationspartner der FIG zugeleitet. Darin gewährleistet die Muttergesellschaft der FIG für die Laufzeit der Betreiberkooperation,
dass die Verlustbeteiligung des süddeutschen Unternehmens einen Betrag von
200.000 DM (102.260 €) jährlich zzgl. MwSt – das ist der Gesamtbetrag des von der
FIG zu zahlenden Beratungshonorars – nicht überschreiten werde. Die SWG erklärte
ferner, sie werde sicherstellen, dass der Kapitaldienst der FIG einen Betrag von
1,1 Mio. DM (562.400 €) jährlich nicht übersteigen werde bzw. übersteigende Beträge nicht zur Bemessung der Verlustbeteiligung herangezogen werden. Die SWG
werde die FIG stets mit einem für die Abdeckung ihrer Verbindlichkeiten hinreichenden Eigenkapital ausstatten.

90
(168)

Im Ergebnis muss die SWG auf Grund der Erklärung vom 19.3.1999 dafür Sorge
tragen, dass die Verluste der FIG den Betrag von jährlich 200.000 DM (102.260 €)
nicht überschreiten. Bei wirtschaftlicher Betrachtung wird durch das Schreiben vom
19.3.1999 die Verpflichtung des süddeutschen Unternehmens aus dem Kooperationsvertrag vom 8.4.1999, sich am Ausgleich eines Jahresfehlbetrags der FIG bis zu
einer Höhe von 400.000 DM (204.520 €) zu beteiligen, auf die Hälfte dieses Betrags
reduziert.
Das Schreiben der SWG vom 19.3.1999 an das Süddeutsche Unternehmen ist eine
geheime und bis vor kurzem von den Geschäftsführungen der SWG und der FIG
auch geheim gehaltene Zusatzvereinbarung zum Kooperationsvertrag vom 8.4.1999.
Der Landesrechnungshof schließt daraus, dass der süddeutsche Kooperationspartner
der FIG die Verpflichtung zur Beteiligung am Verlustausgleich mit bis zu
400.000 DM (204.520 €) jährlich im Einvernehmen mit den Geschäftsführungen von
FIG und SWG nur zum Schein übernommen hat. Bei der FIG ist das Schreiben der
SWG vom 19.3.1999 bekannt gewesen. Die Geschäftsführer der SWG waren seinerzeit in Personalunion auch Geschäftsführer der Tochtergesellschaft.
Die Geschäftsführung der FIG wäre in jedem Fall nach Auffassung des Landesrechnungshofes verpflichtet gewesen, dem Wirtschaftsministerium die Erklärung der
SWG vom 19.3.1999 zur Kenntnis zu geben. Dieses Schreiben ist eine förder- bzw.
subventionserhebliche Tatsache, weil die durch den Kooperationsvertrag übernommene Verpflichtung des süddeutschen Unternehmens, mit jährlich bis zu
400.000 DM (204.520 €) zum Verlustausgleich beizutragen, die Zweifel des Wirtschaftsministeriums an der Rentabilität der Therme und damit der Förderfähigkeit
des Projekts ausräumen sollte. Neben dem Gutachten zur Rentabilität der Erlebnistherme hat die Geschäftsführung der FIG dem Wirtschaftsministerium also noch eine
zweite Information vorenthalten, die für die Entscheidung des Ministeriums über die
Bewilligung und Auszahlung der Zuwendungen von Bedeutung sein musste.

(169)

Der Landesrechnungshof ist davon überzeugt, dass das Wirtschaftsministerium in
Kenntnis des Schreibens der SWG vom 19.3.1999 von einer Auszahlung der Zuwendung abgesehen hätte. Er hat das Wirtschaftsministerium mit Schreiben vom
25.10.2001 gebeten, die Rückforderung der Zuwendungen für die Erlebnistherme zu
prüfen. Zugleich hat der Landesrechnungshof empfohlen, die zuständige Staatsanwaltschaft einzuschalten.

91
(170)

Auf Druck der Stadt Güstrow verzichtete das süddeutsche Unternehmen am
29.11.2001 schriftlich auf seine Rechte aus der geheimen Zusatzvereinbarung mit der
SWG vom 19.3.1999. Im Dezember 2001 stellte die Stadt Güstrow Strafanzeige gegen die Verantwortlichen u. a. wegen des Verdachts des Subventionsbetrugs.

(171)

Das Wirtschaftsministerium hat dem Landesrechnungshof am 21.3.2002 mitgeteilt,
der Zuwendungsbescheid könne widerrufen werden, weil die FIG die Zusatzvereinbarung vom 19.3.1999 verschwiegen und damit die Auflage nicht erfüllt habe, unverzüglich alle Tatsachen mitzuteilen, die der Bewilligung und dem Belassen der
Zuwendung entgegenstünden. Der Widerruf und damit die Rückforderung der Zuwendungen stünden im Ermessen des Ministeriums. Dieses Ermessen könne nur
durch einen Verzicht auf Widerruf und Rückforderung sach- und interessengerecht
ausgeübt werden. Der wegen geheimen Vorbehalts oder als Scheingeschäft nichtige
Kooperationsvertrag vom 8.4.1999 könne von der FIG und dem süddeutschen Unternehmen bestätigt und damit ebenso wie der Zuwendungsbescheid vom 15.2.1999
rückwirkend als von Anfang an wirksam angesehen werden. Die Vertragsparteien
seien offenbar auch zur Bestätigung des Kooperationsvertrages bereit. Mit der nachträglichen Heilung des Kooperationsvertrags würde ein Zustand hergestellt werden,
der den Anforderungen des Zuwendungsbescheids entspreche. Ein Schaden sei in
diesem Fall nicht ersichtlich. Demgegenüber würden der Widerruf und die Rückforderung der Zuwendungen erhebliche negative Auswirkungen auf die FIG, für die geschaffenen Arbeitsplätze und die finanzielle Lage der Stadt Güstrow haben.

(172)

Der Landesrechnungshof stimmt mit dem Wirtschaftsministerium darin überein, dass
die Entscheidung über die Rückforderung der Zuwendungen jedenfalls im Ergebnis
eine Ermessensentscheidung ist. Die Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums
vom 21.3.2002 macht aber deutlich, dass das Ministerium den Sachverhalt in zwei
entscheidungserheblichen Punkten nicht zutreffend würdigt und mit dem vorgesehenen Verzicht auf die Rückforderung der Zuwendungen sein Ermessen fehlerhaft und
damit rechtswidrig ausüben würde.
Das Wirtschaftsministerium verkennt zum einen, dass weder die Verzichtserklärung
des süddeutschen Unternehmens vom 29.11.2001 noch eine nachträgliche Bestätigung des Kooperationsvertrags vom 8.4.1999 den Tatbestand des Subventionsbetrugs rückwirkend beseitigen können. Daran können auch vom Ministerium kon-

92
struierte juristische Rückwirkungsfiktionen, die an eine noch vorzunehmende Bestätigung des Kooperationsvertrags geknüpft werden, nichts ändern.
Der Landesrechnungshof weist ferner darauf hin, dass der durch diese Straftat
erlangte Vermögensvorteil in vollem Umfang der FIG verbleibt, wenn von einer
Aufhebung des Zuwendungsbescheids abgesehen wird. Schon aus Gründen der
Generalprävention muss vermieden werden, dass landesweit der Eindruck entsteht,
ein Subventionsbetrug ziehe allenfalls eine Strafanzeige, aber keine weiteren
Sanktionen nach sich.
(173)

Der Landesrechnungshof fordert das Wirtschaftsministerium deshalb auf, innerhalb
der gesetzlichen Fristen nochmals eine Aufhebung des Zuwendungsbescheids vom
15.2.1999 und die Rückforderung der Zuwendungen für die Erlebnistherme Güstrow
zu prüfen. Der Landesrechnungshof erwartet, dass das Wirtschaftsministerium bei
Ausübung des Ermessens in seine Abwägung einbezieht, dass ein Vermögensschaden zu Lasten des Landes in Höhe von rd. 14,04 Mio. DM (rd. 7,18 Mio. €) entstanden ist und einer Nachahmung der Tat vorgebeugt werden muss. In diesem
Zusammenhang wird das Wirtschaftsministerium auch zu untersuchen haben,
inwieweit die finanziellen Verhältnisse der FIG, der SWG und der Stadt Güstrow bei
seiner Entscheidung berücksichtigt werden können.

93

Prüfung der Personalausgaben
des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr

Bei der Besoldung der Beamten, der Vergütung
der Angestellten und der Lohnfestsetzung der
Arbeiter waren von den geprüften Fällen
rd. 40 % zu beanstanden.
Für den Haushalt des Landes ist
– durch Abweichung von den laufbahnrechtlichen Vorschriften und den hierzu erlassenen
Grundsatzbeschlüssen

des

Landesbeamten-

ausschusses,
– durch falsche Gewährung von Zuschüssen in
Höhe des Unterschiedsbetrages zwischen den
Bezügen Ost und West in drei Fällen,
– durch nicht tarifgerechte Eingruppierung von
Angestellten und Einreihung von Arbeitern
und fehlerhafter Festsetzung der Beschäftigungszeiten sowie
– durch Gewährung unzulässiger und überhöhter Lohnzuschläge und anderer Zuwendungen
an Arbeiter
ein Schaden in erheblichem Umfang eingetreten.

(174)

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr ist eine dem Wirtschaftsministerium
unmittelbar nachgeordnete Landesbehörde, dem vier Straßenbauämter mit 24 Straßenmeistereien sowie fünf Autobahnmeistereien nachgeordnet sind.
Zum Zeitpunkt der örtlichen Erhebungen waren 64 Beamte und Angestellte des höheren Dienstes, 360 Beamte und Angestellte des gehobenen Dienstes, 256 Beamte
und Angestellte des mittleren Dienstes sowie 636 Arbeiter und 84 weitere Stellen
(Auszubildende o. ä.) zu betreuen.

94
Schwerpunkte der Prüfung waren die Vollständigkeit und Schlüssigkeit der zahlungsbegründenden Unterlagen, die Einhaltung der beamten- und besoldungsrechtlichen Gesetze und Verordnungen sowie der Vollzug des geltenden Tarifrechts für
Angestellte und Arbeiter.

Beamte
(175)

Der Landesbeamtenausschuss hatte 1992 den Grundsatzbeschluss 10/92 gefasst,
durch den erfahrene Beamte aus den alten Bundesländern zum Aufbau der öffentlichen Verwaltung in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen werden sollten. Dieser
Beschluss sah als besonderen Anreiz eine Sprung- oder Eilbeförderung vor.
Eine Eilbeförderung war eine vorfristige Beförderung. Durch eine Sprungbeförderung konnte – wie die Bezeichnung auch ausdrückt – ein Amt, das nach der Ordnung
der Laufbahnen regelmäßig zu durchlaufen wäre, übersprungen werden. Beide Möglichkeiten durften jedoch nicht miteinander verbunden werden.
Für Bewerber aus den neuen Bundesländern galt dieser Grundsatzbeschluss jedoch
nicht. Trotzdem wurde die Vorschrift für diesen Personenkreis angewendet. Dabei
wurde außerdem übersehen, dass Eil- und Sprungbeförderungen nur alternativ erfolgen durften.
Durch die falsche Auslegung des Grundsatzbeschlusses 10/92 wurden mehrere Beamte des gehobenen Dienstes 3,5 Jahre zu früh zum Oberinspektor befördert.
Die Beförderungen sind rechtswidrig und insgesamt nichtig.

(176)

Das Landesamt hatte bei Bewerbern aus den neuen Bundesländern, die keine Laufbahnprüfung abgelegt hatten, jedoch durch Lebens- und Berufserfahrung Mindestvoraussetzungen für die Ernennung zum Beamten erfüllten (Bewährungsbewerber),
die Bestimmungen über die Anrechnung von Bewährungszeiten nicht in allen Fällen
richtig angewendet. Aus diesem Grund wurden mehrere Bewerber entweder in einem
falschen Amt oder vorfristig ernannt. Die Ernennungen sind rechtswidrig und insgesamt nichtig.

(177)

Das Wirtschaftsministerium vertritt hierzu die Auffassung, dass die beanstandeten
Maßnahmen zumindest zum damaligen Zeitpunkt vertretbar gewesen seien. Zwi-

95
schenzeitlich hat der Landesbeamtenausschuss Heilungen, soweit er sie für erforderlich gehalten hat, ausgesprochen.
(178)

Mit der Übernahme in das Beamtenverhältnis erhielten drei Bauräte vom Mai 1994
bis zum 30.11.1997 einen ruhegehaltfähigen Zuschuss in Höhe des Unterschiedsbetrages zwischen den Bezügen/Ost und den bei gleichem Amt für das bisherige Bundesgebiet geltenden Dienstbezügen, obwohl keiner der drei Beamten die nach der
2. Besoldungsübergangsverordnung geforderten Befähigungsvoraussetzungen erfüllte. Danach hätten Hochschul-, Universitätsabschluss, Vorbereitungsdienst und Laufbahnprüfung im bisherigen Bundesgebiet absolviert werden müssen. Erst durch Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom April 1996 wurde der Irrtum erkannt.
Die Zuschüsse wurden daraufhin erst ab März 1997 zunächst unter Vorbehalt gezahlt
und ab Dezember 1997 schließlich eingestellt. Insgesamt entstand eine Überzahlung
von rd. 110.900 DM (rd. 56.700 €). Aus Billigkeitsgründen wurde auf eine Rückforderung der gezahlten Zuschüsse für den Zeitraum Mai 1994 bis Februar 1997 verzichtet, so dass nur noch der unter Vorbehalt gezahlte Betrag zurückgefordert werden
konnte. Dem Land entstand dadurch ein Schaden von rd. 86.200 DM (rd. 44.100 €).
Die Regressfrage ist zu prüfen.

(179)

Das Wirtschaftsministerium teilte mit, dass es erst durch ein Schreiben des Finanzministeriums im Januar 1997 Kenntnis von dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erhalten und daraufhin die Zahlungen unverzüglich eingestellt habe. Deshalb
bestehe keine Veranlassung, die Regressfrage zu stellen.
Diese Einlassung kann den Landesrechnungshof nicht überzeugen, da nach seinen
Feststellungen das Finanzministerium bereits im September 1996 über die abweichende Rechtsprechung informiert hatte.
Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner bisherigen Auffassung.

Arbeitnehmer
(180)

Die Tätigkeitsdarstellungen und deren tarifliche Bewertung als Grundlage der Eingruppierung und Einreihung insbesondere bei den Arbeitern wurden vielfach nicht
mit nötiger Sorgfalt erarbeitet.

96
Bei der Anrechnung von Vordienstzeiten im Zusammenhang mit Bewährungs-,
Fallgruppenbewährungs- und Zeitaufstiegen sowie bei der Festsetzung der Jubiläumszeiten sind in erheblichem Maße die Übergangsvorschriften zu § 19 BAT-O
und zu § 6 MTArb-O nicht umgesetzt worden. Der eingetretene Schaden für das
Land beträgt ca. 20.000 DM (ca. 10.200 €).

Angestellte
(181)

Das Landesamt hat für Stellen mit denselben Tätigkeiten gleich lautende Arbeitsplatzbeschreibungen und -bewertungen gefertigt und die Tätigkeiten den jeweiligen
Stelleninhabern übertragen. Der Landesrechnungshof hat solche Stellen näher untersucht und festgestellt, dass die Stelleninhaber zum Teil zu hoch oder zu niedrig eingruppiert waren und die in den Arbeitsplatzbeschreibungen dargestellten Tätigkeiten
nicht oder nur zum Teil ausübten.
In einem Straßenbauamt ist es dem Landesrechnungshof nicht gelungen, die in den
Arbeitsplatzbeschreibungen aufgeführten Arbeitsvorgänge zweier Stellen eindeutig
zuzuordnen.
Mit Sicherheit wurde jedoch festgestellt, dass ein Arbeitsvorgang der einen Stelleninhaberin in vollem Umfang von der Inhaberin der zweiten Stelle wahrgenommen
wird. Da dieser Arbeitsvorgang die überwiegende Tätigkeit darstellt, sind beide Angestellte fehlerhaft eingruppiert.
Der Landesrechnungshof hat gebeten festzustellen, wer die Übertragung der höherwertigen Tätigkeiten veranlasst und dabei keine tariflichen Folgerungen für die beiden Angestellten gezogen hat.
Der Landesrechnungshof hat das Landesamt für Straßenbau und Verkehr aufgefordert, Tätigkeitsdarstellungen zu erstellen, die den zurzeit ausgeübten Tätigkeiten entsprechen und die unter Beachtung der Ausschlussfrist möglichen tariflichen Maßnahmen zu treffen.
Zusätzlich wurde um Stellungnahme zu einer möglichen Regressfrage gebeten.

(182)

Das Landesstraßenbauamt hat dazu erklärt, dass die in den Personalakten befindlichen Arbeitsplatzbeschreibungen dieser beiden Stellen einer Überarbeitung bedürften. Dazu wurde eine grobe Übersicht der nunmehr auf diesen Dienstposten zu leis-

97
tenden Arbeiten erstellt und im Ergebnis die Aussage getroffen, dass die geänderte
Tätigkeitszuordnung keine tariflichen Ansprüche der Stelleninhaber nach sich zieht.
Für den Landesrechnungshof ergab sich nicht schlüssig, welche tarifliche Bewertung
den neuen Tätigkeiten im Einzelnen zuzuordnen ist.
Die daraufhin angeforderten Tätigkeitsdarstellungen waren nicht wie erwartet überarbeitet, sondern stimmten inhaltlich vollständig mit den von ihm seinerzeit kritisierten Tätigkeitsdarstellungen überein. Die Bedenken des Landesrechnungshofes konnten somit bisher nicht ausgeräumt werden.
(183)

An Schreibkräfte wurden bereits 1992 und 1995 Bewährungszulagen gezahlt, obwohl für diese Zulagen die Rechtsgrundlage erst zum 1.1.1996 gegeben war. Eine
andere Schreibkraft hatte die für die Zahlung der Zulage erforderliche Bewährungszeit noch nicht erbracht. Weitere Schreibkräfte wurden in Vergütungsgruppen eingruppiert, für die sie ihre Schreibfertigkeiten noch nicht in einem entsprechenden
Schreibtest nachgewiesen hatten.
Der finanzielle Schaden beträgt ca. 7.000 DM (ca. 3.600 €).

Arbeiter
(184)

Die Prüfung hat gezeigt, dass die Tätigkeitsdarstellungen für Arbeiter, die höher als
in die Einstiegslohngruppe 4 eingereiht waren, nicht so ausgestaltet waren, dass die
höhere Einreihung nachvollzogen werden konnte. Insbesondere waren die Tätigkeitsdarstellungen der Schlosser zu beanstanden, die in der Regel in die höchste
Lohngruppe eingereiht waren, ohne dass sich ein Hinweis darauf fand, worin die besonders hochwertigen Arbeiten bestanden, die in dieser Lohngruppe zu erbringen
waren. Allein der in den geprüften Unterlagen festgestellte Schaden beträgt
ca. 100.000 DM (ca. 51.100 €).
Der Landesrechnungshof hält es für dringend geboten, die Tätigkeitsdarstellungen aller Handwerker zu überprüfen, sie entsprechend zu ergänzen oder die betroffenen
Arbeiter tarifgerecht einzureihen und überzahlte Beträge – soweit noch möglich – zurückzufordern.

(185)

Das Wirtschaftsministerium hat dazu widersprüchlich geantwortet. Einerseits wurde
mit der Stellungnahme zum Jahresberichtsbeitrag ausgeführt, dass die Einreihung al-

98
ler Arbeiter rechtmäßig gewesen sei, die von den Arbeitern wahrzunehmende Tätigkeit der festgesetzten Lohngruppe entsprochen hätte und somit in keinem Fall ein
Schaden festzustellen sei. Andererseits wurde in der Stellungnahme zum Prüfbericht
in der Mehrzahl der Fälle eingeräumt, dass die Beanstandungen des Landesrechnungshofes zu Recht erfolgt seien.
(186)

Nach den Übergangsvorschriften i. d. F. des § 3 des Änderungstarifvertrages Nr. 2
vom 12. November 1991 zum MTArb-O konnten ab dem 1.12.1991 Arbeitern, die
dem MTArb-O unterliegen, auch solche Zeiten als Beschäftigungs- und Tätigkeitszeiten anerkannt werden, die vor dem Inkrafttreten des Tarifvertrages am 1.7.1991
(Vordienstzeiten) lagen.
Die Straßenbauämter mussten die Beschäftigungszeiten ihrer Arbeiter auf dieser
Grundlage ermitteln und sie in die Berechnung der Bewährungs- und Zeitaufstiege
umsetzen. Dabei sind zahlreiche Fehler aufgetreten. Insbesondere wurde übersehen,
dass in die Bewährungslohngruppen des Straßenbaus nur die Arbeiter eingereiht
werden konnten, die bereits in der Ursprungslohngruppe die gleiche Tätigkeit ausgeübt hatten.
Durch die fehlerhaften Höherreihungen ist ein Gesamtschaden von ca. 250.000 DM
(ca. 127.800 €) entstanden.

(187)

Das Wirtschaftsministerium hat die Fehler in der Anerkennung von Vordienstzeiten
als Beschäftigungszeiten eingeräumt, jedoch nur einen Schaden von 40.000 DM
(20.452 €) ermittelt. Für den Landesrechnungshof war nicht nachvollziehbar, wie
dieser Betrag errechnet wurde.

(188)

In den Sonderregelungen des § 2 Abs. 1 Buchst. a MTArb-O wird der Anspruch des
Straßenbauarbeiters auf ein Wegegeld geregelt.
Der Landesrechnungshof hat untersucht, ob die Zahlung des Wegegeldes heute noch
den Intentionen des Tarifvertrages entspricht.
Dabei wurde festgestellt, dass der Hauptgrund für die Zahlung des Wegegeldes nicht
mehr gegeben ist. Die Tarifparteien waren ehedem davon ausgegangen, dass der
Straßenwärter sich täglich außerhalb der Arbeitszeit zu seiner oft weit außerhalb des
Wohnortes gelegenen Wärterstrecke oder zu einem festgelegten Sammelplatz zur
Arbeitsaufnahme zu begeben hatte.

99
Mit der Einführung der Arbeit in Kolonnen begeben sich die Straßenbauarbeiter zur
Arbeitsaufnahme in die Straßenmeisterei oder in eine ortsfeste Außenstelle und fahren mit dem Dienstfahrzeug innerhalb der Arbeitszeit zum jeweiligen Arbeitseinsatz.
Da jeder Arbeitnehmer auf eigene Kosten zu seiner Dienststelle fahren muss, besteht
keine Veranlassung für das Land, weiterhin Wegegeld zu zahlen. Im Jahresdurchschnitt wären ca. 340.000 DM (ca. 173.800 €) einzusparen.
Der Landesrechnungshof vertritt die Auffassung, dass Wegegeld nur dann noch zu
zahlen ist, wenn es aus dienstlichen Gründen nötig ist, die Arbeit außerhalb der Straßenmeisterei aufzunehmen.
(189)

Das Wirtschaftsministerium wird die weitere Gewährung des Wegegeldes entsprechend den Anregungen des Landesrechnungshofes überprüfen.
Es wies jedoch darauf hin, dass es unter dem vorrangigen Aspekt der Wahrung des
Personalfriedens vorteilhaft wäre, eine Entscheidung erst nach Abstimmung mit den
Bauverwaltungen der anderen Länder zu treffen. Das Thema soll deshalb in einer der
nächsten Bund-/Länder-Fachausschusssitzungen erörtert werden.

(190)

Arbeiter erhalten für außergewöhnliche Arbeiten Lohnzuschläge in festen Stundensätzen als Schmutz-, Gefahren- und Erschwerniszuschläge.
Der Landesrechnungshof hat die Rechtmäßigkeit und die Höhe der Zahlungen geprüft und eine hohe Fehlerquote festgestellt.
Besonders auffällig war, dass in den Straßenbauämtern die Zulagengewährung unterschiedlich gehandhabt wurde, d. h., dass für eine bestimmte Arbeit (z. B. für das
Tragen eines Hörschutzgerätes) der Erschwerniszuschlag in dem einen Straßenbauamt gezahlt wurde und in dem anderen nicht.
Weiterhin wurde festgestellt, dass das Prüfverfahren nicht oder nicht mit der notwendigen Sorgfalt durchgeführt wurde. Es wurden Zuschläge gewährt, die im Katalog der Lohnzuschläge nicht vorgesehen sind oder es wurden mehrere Zuschläge nebeneinander gewährt, obwohl in der Regel nur der jeweils höchste zu zahlen war. Allein für das Jahr 2000 waren Überzahlungen von ca. 118.000 DM (ca. 60.300 €)
festzustellen.

100
Der Landesrechnungshof ist zu der Auffassung gelangt, dass die mit der Bearbeitung
der Lohnzuschläge befassten Mitarbeiter nicht genügend geschult waren und es an
der nötigen Dienstaufsicht mangelte.
Seiner Forderung, dafür Sorge zu tragen, dass die Gewährung der Lohnzuschläge
künftig einheitlich erfolgt, kommt das Wirtschaftsministerium nach.

Fehlerursachen
(191)

Die Ursachen für die materiellen Fehler liegen nach Feststellung des Landesrechnungshofes in der nicht tiefgründigen Kenntnis der entsprechenden Vorschriften.
Obwohl in der Mehrzahl der Fälle die Beschäftigten entgegen den tariflichen und beamtenrechtlichen Regelungen schon im Jahr 1992 falsch eingestuft wurden, sind
auch bei weiteren in der Folgezeit durchgeführten Personalmaßnahmen diese ursprünglichen Fehler nicht bemerkt und korrigiert worden.
Der Landesrechnungshof hält eine intensive Schulung der Personalsachbearbeiter für
dringend erforderlich. Darüber hinaus ist es notwendig, die Dienstaufsicht des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr verstärkt und konsequent wahrzunehmen.

(192)

Das Wirtschaftsministerium hat die laufende Fortbildung der Personalsachbearbeiter
und ihre intensive Betreuung in den Fragen der Personalverwaltung im Rahmen einer
verstärkten Fach- und Dienstaufsicht zugesagt.

(193)

Der Landesrechnungshof hat das Landesamt für Straßenbau und Verkehr aufgefordert, die aufgezeigten Mängel abzustellen und Fehlzahlungen unter Beachtung der
einschlägigen Bestimmungen zu berichtigen. Soweit überzahlte Beträge nicht mehr
zurückerstattet und damit finanzielle Schäden nicht mehr ausgeglichen werden können, hat er gefordert, die Regressfrage zu prüfen.

(194)

Das Wirtschaftsministerium hat zugesichert, dass die festgestellten Mängel im Wesentlichen beseitigt wurden. Die Fälle der rechtswidrigen und insgesamt nichtigen
Ernennungen und Beförderungen von Beamten hat es dem Landesbeamtenausschuss
zur Entscheidung über die Heilung vorgelegt.
Überzahlte Beträge wurden soweit möglich zurückgefordert. Die Regressfrage wurde
soweit nötig geprüft.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

101

Zuwendungen zu Erweiterung, Umbau und Modernisierung
der beruflichen Schule des Landkreises Parchim

Das Land hat dem Landkreis Parchim Zuwendungen zur Sanierung seiner beruflichen Schule
bewilligt, obwohl kein Gesamtkonzept zur weiteren Entwicklung und Profilierung der beruflichen Schulen der Region vorlag und der Landkreis keinen aktualisierten Schulentwicklungsplan hatte.
Die Gesamtfinanzierung der Investitionsmaßnahme ist nicht gesichert. Der Landkreis droht
durch die Investition finanziell handlungsunfähig
zu werden.

(195)

Obwohl die Oberbürgermeister- und Landrätekonferenz am 13.11.2000 darum gebeten hatte „... jegliche Investitionen in Berufsschulen seitens des Landes zu stoppen,
um die Bemühungen um kreisübergreifende Kooperationen nicht zu gefährden und
Unsicherheiten bei der Planung vor Ort zu verhindern“ und auch der Landesrechnungshof in der Beratung des Landtages vom 26.1.2001 (Drs. 3/1842) empfohlen
hatte, Investitionen in weitere Berufsschulstandorte möglichst zu vermeiden, wurden
im Februar und März 2001 zwei Zuwendungsbescheide zur Sanierung beruflicher
Schulen übergeben, nämlich zur Modernisierung der beruflichen Schule der Landeshauptstadt Schwerin – Wirtschaft und Verwaltung – über 18,74 Mio. DM
(9,58 Mio. €) und zu Erweiterung, Umbau und Modernisierung der beruflichen Schule des Landkreises Parchim (zweiter Bauabschnitt) über 10,43 Mio. DM
(5,33 Mio. €). Die Zuwendungen zur Sanierung der beruflichen Schule des Landkreises Parchim wurden vom Landesrechnungshof geprüft.

(196)

Im Zuwendungsverfahren wurden wesentliche Inhalte sowohl des Zuwendungsrechts
als auch schulfachlicher Überlegungen vernachlässigt. Das Wirtschaftsministerium
stützt den Zuwendungsbescheid auf fachliche Stellungnahmen des Bildungsministe-

102
riums und des Innenministeriums, die jeweils auf dienstlichen Weisungen der Staatssekretäre, das Vorhaben positiv zu beurteilen, beruhten.

Zuwendungsrechtliche Aspekte
(197)

Das Zuwendungsverfahren weist mehrere nicht unerhebliche Verfahrensfehler auf.
So sind die Antragsunterlagen unvollständig. Es fehlt vor allem eine Übersicht über
die Haushalts- und Finanzlage des Landkreises, mit der sich das Wirtschaftsministerium ein eigenes Bild von der finanziellen Leistungsfähigkeit und Bedürftigkeit des
Landkreises hätte machen können. Wäre diese Übersicht wie vorgeschrieben eingereicht oder nachgefordert worden, so hätte das Wirtschaftsministerium erkennen
können, dass die beabsichtigte Investitionsmaßnahme die finanzielle Leistungsfähigkeit des Landkreises übersteigt.
Außerdem wird im Zuwendungsbescheid die Höhe des Fördersatzes nicht begründet.
Die Sanierung der beruflichen Schule konnte mit Investitionszuschüssen bis zu 80 %
der „förderfähigen Kosten“ gefördert werden. Die Förderung erfolgte zum Höchstsatz von 80 %, ohne dass dafür eine Begründung gegeben wurde.

(198)

Das Wirtschaftsministerium hat mitgeteilt, es halte die eingereichten Unterlagen für
ausreichend; die Förderentscheidung wäre auch bei Einhaltung der Verfahrensvoraussetzungen nicht anders getroffen worden.

(199)

Das Wirtschaftsministerium hätte sich mit der finanziellen Lage des Landkreises
auseinandersetzen müssen. Da es sich sowohl beim „Ob“ der Förderung als auch bei
der Höhe der Förderung um Ermessensentscheidungen handelte, ist nicht auszuschließen, dass bei sorgfältiger Antragsprüfung und Begründung anders entschieden
worden wäre.

Schulfachliche Aspekte
(200)

Bei der Förderentscheidung sind die Aspekte der rückläufigen Schülerzahlen und der
kreisübergreifenden Abstimmung unzureichend berücksichtigt worden. Das Wirtschaftsministerium hat den Zuwendungsbescheid erlassen, obwohl das von ihm
selbst geforderte Gesamtkonzept der Berufsschulentwicklung in der Planungsregion
Westmecklenburg nicht vorgelegt werden konnte. Nur ein solches Gesamtkonzept,

103
das festlegt, welche berufliche Schule angesichts der sinkenden Schülerzahlen langfristig mit welchem Ausbildungsprofil Bestand haben kann, ist eine geeignete Grundlage für die Entscheidung, Investitionen in berufliche Schulen zu tätigen. Das Wirtschaftsministerium hatte seine Förderentscheidung zunächst von der Vorlage eines
derartigen Konzeptes abhängig gemacht, dann aber den Förderbescheid erteilt, obwohl kein Konzept vorlag. Es hält die Vorlage eines Gesamtkonzeptes nicht für
zwingend.
Entscheidungen zur Standortkonzentration und Schwerpunktbildung der beruflichen
Schulen der Region Westmecklenburg nach Berufsfeldern sind weder von den Schulträgern noch vom Bildungsministerium getroffen worden. Die dazu gefassten Beschlüsse des Vorstandes des Regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg sind
inhaltlich derart unscharf, dass sie als Nachweis der geforderten kreisübergreifenden
Abstimmung ungeeignet sind. Unangenehme Entscheidungen zu Berufsschulstandorten und Berufsprofilen wurden vermieden.
(201)

Die Förderentscheidung ist ergangen, obwohl der Landkreis noch nicht einmal einen
„neuen“ Schulentwicklungsplan hatte. Der Landkreis hatte seinen 1996 aufgestellten
Schulentwicklungsplan innerhalb des Planungszeitraumes nicht fortgeschrieben und
konnte auch keinen neuen Schulentwicklungsplan vorlegen.

(202)

Ab dem Schuljahr 2008/09 wird eine erhebliche Überkapazität an Schülerarbeitsplätzen an den beruflichen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern vorhanden sein. Der
Förderantrag des Landkreises Parchim war eine Gelegenheit, diese Überkapazität
durch strategische Entscheidungen abzubauen. Die Gelegenheit wurde nicht genutzt.

(203)

Der Landkreis Parchim geht davon aus, dass er von dem dramatischen Rückgang der
Schülerzahlen in den nächsten Jahren nicht so erheblich betroffen sein wird. Vor dem
Hintergrund der stark rückläufigen Schülerzahlen auch im Landkreis Parchim ist diese Prognose sehr zweifelhaft. Der vorhandene Schülerstrom aus den Landkreisen in
die kreisfreien Städte wird auch bei sinkenden Schülerzahlen tendenziell fortbestehen.

(204)

Der Landkreis Parchim will seine berufliche Schule im Berufsfeld Ernährung und
Hauswirtschaft profilieren. Er hat aber nur verhältnismäßig wenig Schüler in diesem
Berufsfeld und hält auch nur wenige Ausbildungsgänge vor (vgl. Tab. 13).

104
Ausbildungsberuf
Koch
(gesamt 583 Schüler)

Schulstandort2

Einzugsbereich3

Schüleranzahl
2000/01

Ludwigslust

LWL

80

Parchim

PCH

128

Schwerin-GGS

SN

139

Wismar-WVG

HWI, NWM

236

Restaurant-, Hotelfachleu- Schwerin-GGS
te, -fachkräfte u. a. FachZierow
kräfte und Gehilfen im
Gastgewerbe
(gesamt 639 Schüler)

LWL, PCH, SN

405

HWI, NWM

234

Hauswirtschaftler
– Berufsschule –
(gesamt 109 Schüler)

Ludwigslust

LWL, PCH

43

Schwerin-GGS

SN

28

Zierow

HWI, NWM

38

Ludwigslust

LWL

61

Parchim

PCH, SN

Zierow

HWI, NWM

Hauswirtschaftler
– Berufsfachschule –
(gesamt 271 Schüler)

120
90

Tab. 13: Verteilung von Schülern in Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft in Westmecklenburg

Es liegt daher nicht nahe, die Ausbildung im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft in Westmecklenburg ausgerechnet in Parchim zu konzentrieren. Es dürfte auch
schwierig werden, die anderen Schulträger der Region davon zu überzeugen, ihre –
zahlenmäßig viel mehr – Schüler dieses Berufsfeldes nach Parchim zu schicken, zumal dann anderswo bereits vorhandene moderne Schülerarbeitsplätze abgebaut und
zusätzliche Kapazitäten in Parchim geschaffen werden müssten.
(205)

Das Wirtschaftsministerium ist der Meinung, für Förderentscheidungen von Berufsschulinvestitionen sei die Vorlage eines Gesamtkonzeptes nicht zwingend. Es hält offenbar den alten Schulentwicklungsplan des Landkreises, der zum Zeitpunkt der Förderentscheidung eine Restlaufzeit von einem halben Jahr hatte, für eine ausreichende
Planungsgrundlage für die Investition mit einer Zweckbindung von 25 Jahren. Zusätzliche Kapazitäten müssten nicht geschaffen werden.

2

Schwerin-GGS: Berufliche Schule der Landeshauptstadt Schwerin – Gewerbe, Gartenbau und Sozialwesen –;
Wismar-WVG: Berufliche Schule der Hansestadt Wismar – Wirtschaft, Verwaltung, Gewerbe –
3
HWI: Hansestadt Wismar; LWL: Landkreis Ludwigslust; NWM: Landkreis Nordwestmecklenburg; PCH:
Landkreis Parchim; SN: Landeshauptstadt Schwerin

105
Das Wirtschaftsministerium betont, dass auf der Grundlage der positiven schulfachlichen Stellungnahme des Bildungsministeriums und des Planungsverbandes Westmecklenburg eine Einzelfallentscheidung getroffen worden sei. Das Bildungsministerium will künftig im Rahmen der geltenden Schulentwicklungsplanungsverordnung
vom 4. Oktober 2000 (GVOBl. M-V S. 525) an der Lenkung der Schülerströme mitwirken, um die geförderten Berufsschulinvestitionen in Parchim dauerhaft zu sichern. Es geht davon aus, dass die Schülerverteilung zukünftig ausgewogener werde.
(206)

Das Bildungsministerium hat keine nachvollziehbare Einschätzung der Gesamtsituation der Berufsschullandschaft abgegeben. Es kann außerdem Schulträger nicht
zwingen, eigene Bildungsgänge mit hinreichenden Schülerzahlen zu Gunsten eines
anderen Schulträgers mit unzureichenden Schülerzahlen aufzugeben.

Finanzielle Aspekte
(207)

Die Gesamtfinanzierung der Investitionsmaßnahme ist nicht gesichert. Die finanzielle Entwicklung des Landkreises Parchim seit 1996 (Beginn der Vorbereitung für den
1. Bauabschnitt der Sanierung der beruflichen Schule) bis heute lässt eine Kreditfinanzierung der Eigenmittel und damit eine weitere Verschuldung nicht zu, da Zinsund Tilgungsleistungen nicht erwirtschaftet werden können. Die Investitionsmaßnahme überfordert die finanzielle Leistungsfähigkeit des Landkreises, der Landkreis
droht dadurch finanziell handlungsunfähig zu werden.

(208)

Dass dennoch entgegen fachlichen und wirtschaftlichen Überlegungen der Zuwendungsbescheid erlassen wurde, legt den Schluss nahe, dass die Förderung aus politischen Gründen in jedem Falle erfolgen sollte. Anders ist nicht zu erklären, dass die
Übergabe des Fördermittelbescheides bereits in der Pressemitteilung des Ministerpräsidenten Nr. 40/2001 vom 28.2.2001 angekündigt wurde. Zu diesem Zeitpunkt
war der Bescheid noch nicht gezeichnet, es war noch nicht einmal die Ankündigung
des Innenministeriums, den Bescheid mittragen zu wollen, im Wirtschaftsministerium eingegangen.

(209)

Das Wirtschaftsministerium hat eingeräumt, dass der Landkreis Parchim der grundlegenden Forderung nach einem Haushaltsausgleich nicht nachkommt. Das Innenministerium halte aber die Gesamtfinanzierung der Maßnahme spätestens mit der Ver-

106
öffentlichung der 1. Nachtragshaushaltssatzung 2001 für gesichert. Es sei bereit, das
Vorhaben ggf. mit „Sonderbedarfsmitteln“ zu fördern.
(210)

Die finanzielle Leistungsfähigkeit des Landkreises ist auch durch die 1. Nachtragshaushaltssatzung 2001, die weiterhin einen Fehlbedarf ausweist, nicht verbessert
worden. Die Gewährung von Sonderbedarfszuweisungen setzt nach § 10 Abs. 1 Finanzausgleichsgesetz voraus, dass sich die Empfänger „in einer außergewöhnlichen
Lage befinden oder besondere Aufgaben zu erfüllen haben“. Die finanzielle Situation
des Landkreises mag außergewöhnlich kritisch sein. Ursache dafür ist aber nicht eine
außergewöhnliche Lage, sondern die Haushalts- und Wirtschaftsführung des
Landkreises.

Empfehlungen des Landesrechnungshofes
(211)

Die Landesregierung hat sich mit der Förderentscheidung zum Berufsschulstandort
Parchim bekannt. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten will sie Einfluss nehmen, um den
Bestand der beruflichen Schule zu sichern. Bisher hat allerdings die Landesregierung
die dazu erforderlichen Schritte nicht unternommen. Die notwendigen Maßnahmen
zur langfristigen Sicherung des Berufsschulstandortes Parchim sollten kurzfristig in
die Wege geleitet werden.

(212)

Es ist ein verbindliches Gesamtkonzept zur Profilierung der beruflichen Schulen der
Region und in Mecklenburg-Vorpommern zu erarbeiten. Ohne eine verlässliche
Grundlage dürfen Fördergelder für berufliche Schulen nicht mehr bewilligt werden.
Weitere Investitionen in berufliche Schulen in Westmecklenburg dürfen nicht erfolgen. Wirtschaftlich und schulfachlich sinnvoll ist es allein, in schlechtem Zustand befindliche berufliche Schulen auslaufen zu lassen statt sie zu sanieren.

(213)

Außerdem sollte geprüft werden, ob die Trägerschaft beruflicher Schulen auf die
Planungsregionen oder das Land verlagert werden kann.
Das Wirtschaftsministerium ist der Meinung, dass von der angeregten Änderung der
Trägerstruktur keine Optimierung und Beschleunigung im Entscheidungsverfahren
zu notwendigen Veränderungen bei der örtlichen Zuständigkeit für den Berufsschulunterricht zu erwarten sei. Das Bildungsministerium meint, Kern des Problems sei

107
nicht die Trägerschaft, sondern ob die kreisgrenzenübergreifende Abstimmung tatsächlich stattfinde.
Bei der Verlagerung der Trägerschaft könnten die notwendigen Sach- und Fachentscheidungen jedoch in sinnvollen Planungseinheiten ohne Rücksicht auf lokale politische Interessen und Kostenargumente getroffen werden. Die Bedeutung des Schullastenausgleichs würde erheblich sinken und die Schülerbeförderung könnte kreisübergreifend organisiert werden. Davon wären Effizienzeffekte zu erwarten. Wie das
Bildungsministerium die bisher kaum stattfindende und auch von ihm selbst nicht
durchgesetzte kreisübergreifende Abstimmung erreichen will, bleibt offen.

108

Zuwendungen für den Bau öffentlicher Infrastruktureinrichtungen
des Fremdenverkehrs (Zoologische Gärten)

Das Wirtschaftsministerium beachtete die in der
eigenen Zuwendungsrichtlinie vorgegebenen Verfahrensabläufe nicht immer ausreichend. Die
Verwendungsnachweisprüfungen erfolgten nicht
zeitnah.
Bei den von freiberuflich Tätigen erbrachten Architektur- und Ingenieurleistungen wurden Doppelbeauftragungen festgestellt. Mangelhafte Leistungsverzeichnisse führten zu einer erheblichen
Anzahl von Nachträgen und zu wirtschaftlichen
Nachteilen.
Über die Regelungen der VOB hinausgehende
Vertragsbedingungen bewirkten eine Erhöhung
der Angebotspreise.
Eine fällige Vertragsstrafe in Höhe von mindestens 10.400 DM (5.317 €) wegen Überschreitung
des vereinbarten Fertigstellungstermins machte
der Zuwendungsempfänger nicht geltend.
Aus Gründen des ökologischen Bauens erkannte
das Ministerium Mehrausgaben in Höhe von
mindestens rd. 23.750 DM (rd. 12.140 €) an. Der
Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit nach § 7 Abs. 1 LHO wurde nicht beachtet.

(214)

Der Landesrechnungshof hat im Bereich des Wirtschaftsministeriums stichprobenweise die Ausgaben aus dem Titel 0602 883.01 MG 03 „An Gemeinden und Gemeindeverbände für den Bau öffentlicher Infrastruktureinrichtungen im Bereich des
Fremdenverkehrs“ – hier Zoologische Gärten – geprüft.

109
Auf der Grundlage der „Richtlinie für die Gewährung von Zuwendungen zum Bau
öffentlicher Infrastruktureinrichtungen des Fremdenverkehrs 1993“ gewährte das
Wirtschaftsministerium für ausgewählte Baumaßnahmen Zuschüsse im Rahmen der
Projektförderung bis zu 70 % der zuwendungsfähigen Ausgaben.
Die Projektlisten des Wirtschaftsministeriums wiesen für die Jahre 1995 bis 1999
geplante Investitionen in einer Gesamthöhe von rd. 16,05 Mio. DM (rd. 8,21 Mio. €)
aus, wovon der überwiegende Anteil für die Verbesserung der Situation in den Zoologischen Gärten und Tierparks vorgesehen war.
Der Landesrechnungshof hat in zwei Teilprüfungen Maßnahmen in den Zoologischen Gärten der Städte Rostock und Schwerin geprüft. Die erste Teilprüfung konnte
ohne wesentliche Beanstandungen abgeschlossen werden.
Im Rahmen der zweiten Teilprüfung wurden drei Maßnahmen, für die Verwendungsnachweise vorliegen, stichprobenweise geprüft. Die Investitionssumme betrug
rd. 2,3 Mio. DM (rd. 1,2 Mio. €), die Höhe der Zuwendung rd. 1,8 Mio. DM
(rd. 920.000 €).

Verwendungsnachweise
(215)

Der Landesrechnungshof kritisierte die nicht fristgerechte Vorlage der Verwendungsnachweise beim Zuwendungsgeber, obwohl der Zuwendungsempfänger diese
bis zu den vorgegebenen Terminen erarbeitet hatte. Die langen Prüfzeiten der im
Verfahren zu beteiligenden Fachämter, speziell des Rechnungsprüfungsamtes, waren
eine wesentliche Ursache hierfür.
Darüber hinaus erfolgte die Prüfung der Verwendungsnachweise durch das Ministerium erst rd. 1 ½ bis 2 ½ Jahre nach deren Eingang.
Das Wirtschaftsministerium teilte dazu mit, dass den Hinweisen des Landesrechnungshofes zukünftig Rechnung getragen werde, „indem die Vorlage der Verwendungsnachweise konsequent kontrolliert und erforderlichenfalls angemahnt wird.
Die zeitnahe Verwendungsnachweisprüfung wird angestrebt.“

110

Architekten- und Ingenieurleistungen
(216)

Freiberuflich tätige Architekten und Ingenieure erbrachten die Planungsleistungen
für die zu errichtenden Gebäude. Obwohl der Zuwendungsempfänger einen Architekten mit den Leistungsphasen 1 bis 6 nach § 15 HOAI beauftragt hatte, erteilte er
einem weiteren Ingenieurbüro einen zusätzlichen Auftrag über die Leistungsphase 6
und zahlte hierfür rd. 2.250 DM (rd. 1.150 €). Der Landesrechnungshof hat das Ministerium aufgefordert zu prüfen, ob diese Doppelbeauftragung und -vergütung zu
einer Kürzung der Zuwendungsfähigkeit des gezahlten Honorars führen muss.
Das Wirtschaftsministerium teilte dazu mit, dass nach Prüfung des zusätzlich gezahlten Honorars die Zuwendungsfähigkeit festgestellt wurde. Die Notwendigkeit ergab
sich aus neuen Erkenntnissen zur Tierhaltung während der Bauzeit.
Der Landesrechnungshof nimmt die Feststellung des Ministeriums zur Kenntnis. Er
kann jedoch nicht nachvollziehen, weshalb ein mit der Planung bisher nicht befasstes
Ingenieurbüro mit den vergleichsweise geringfügigen Leistungen beauftragt wurde.
Insbesondere verweist der Landesrechnungshof darauf, dass Architekten- und Ingenieurleistungen nach HOAI auf der Basis der festgestellten Bausummen honoriert
werden. Somit haben die Architekten Anspruch auf das anteilige Honorar, dass sich
aus den zusätzlich beauftragten Leistungen der Ingenieure ergab. Der Landesrechnungshof erkennt hierin vermeidbare Mehrausgaben und hält daher seine Kritik aufrecht.

(217)

Da die Architekten die Leistungsverzeichnisse nicht mit der notwendigen Sorgfalt
aufstellten, wurde eine erhebliche Anzahl von Nachträgen erforderlich. Dies hatte bis
zu 23 Freihändige Vergaben pro Baulos zur Folge und führte zu wirtschaftlichen
Nachteilen. Der Landesrechnungshof forderte das Ministerium auf zu prüfen, ob eine
angemessene Kürzung des Honorars bei der Ermittlung der zuwendungsfähigen Ausgaben möglich ist.
Das Ministerium teilte dazu mit, dass der Zuwendungsempfänger einen nicht näher
bezifferten Betrag des Honorars wegen fehlerhafter Leistungen einbehalten habe.
Dies werde bei der Ermittlung der zuwendungsfähigen Ausgaben berücksichtigt. Das
Ministerium folgte damit der Forderung des Landesrechnungshofes.

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Kostentreibende Vertragsbestandteile/Vertragsstrafen
(218)

Die „Besonderen Vertragsbedingungen“ eines Angebotes führten zur Erhöhung der
vom Auftragnehmer zu kalkulierenden Einheitspreise und damit der Angebotsendsumme. Als solche wurden u. a. gewertet:
− die von der VOB abweichende Gewährleistungsfrist von fünf Jahren gemäß BGB
und
− der Einbehalt einer 3 %igen Gewährleistungssicherheit von rd. 11.000 DM
(rd. 5.600 €) über fünf Jahre.
Es wurde empfohlen zukünftig sehr sorgfältig zu prüfen, ob derartige kostentreibende Vertragsbedingungen vereinbart werden sollten.
Auf die Kritik zum kostentreibenden Faktor der „Besonderen Vertragsbedingungen“
ging das Ministerium nicht ein.
Das Ministerium wurde um erneute Stellungnahme gebeten.

(219)

Die Besonderen Vertragsbedingungen sahen eine Vertragsstrafe bei Überschreitung
der Ausführungsfrist von 1 % der Auftragssumme pro Woche [rd. 2.820 DM
(rd. 1.440 €)] vor. Im Zuge der Auftragsverhandlungen einigten sich Auftraggeber
und Auftragnehmer auf eine erhöhte Vertragsstrafe von 650 DM/Tag (332 €/Tag)
gleich 3.250 DM/Woche (1.662 €/Woche).
Der Landesrechnungshof empfahl zukünftig sehr sorgfältig zu prüfen, ob derartige
Vertragsbedingungen vereinbart werden sollten.
Dazu antwortete das Ministerium:
„Die Vertragsstrafe wurde vereinbart mit dem Ziel, ein Druckmittel gegen den Auftragnehmer zu haben, um den Einweihungstermin zu halten.
Die Terminüberschreitungen wurden z. T. nicht durch den Auftragnehmer, sondern
bei anderen Gewerken verursacht. Um komplizierte, relativ aussichtslose Vertragsstreitigkeiten zu vermeiden und weil der Eröffnungstermin gehalten wurde, verzichtete der Zoo auf die Geltendmachung von Ansprüchen aus Vertragsstrafen. Zukünftig
wird die Einhaltung der Vertragstermine straffer kontrolliert und ausgewertet. ...“

112
Dazu bemerkt der Landesrechnungshof:
Das Risiko der Fristüberschreitung hat der Bieter im Hauptangebot kalkulatorisch zu
berücksichtigen. Die Erhöhung der Vertragsstrafe musste sich zusätzlich kostentreibend auf die Einheitspreise der 23 Nachträge auswirken. Somit hatte der Auftraggeber Ausgaben, mit denen er die Fristeinhaltung durchsetzen wollte, es aber nach eigenem Bekunden nicht konnte.
Der Landesrechnungshof erkennt die Problematik der Geltendmachung von Ansprüchen aus Vertragsstrafen an und empfiehlt daher erneut, nur nach sorgfältigster Abwägung in Ausnahmefällen Vertragsstrafen zu vereinbaren.
(220)

Eine sich aus den zur Prüfung vorgelegten Unterlagen ergebende 52-tägige Überschreitung des vertraglich festgelegten Fertigstellungstermins beim Gewerk Ausbau/Haustechnik hätte auf Grund der vereinbarten Vertragsstrafe von 650 DM/Tag
(332 €/Tag) zu einer Vertragsstrafe in Höhe von 33.800 DM (17.282 €) führen müssen. Diese forderte der Zuwendungsempfänger jedoch nicht ein. Das Ministerium
wurde aufgefordert zu prüfen, ob die zuwendungsfähigen Ausgaben um diesen Betrag zu kürzen sind.
In seiner Stellungnahme wies das Ministerium darauf hin, dass das Bautagebuch der
Firma durch ein Büroversehen dem Landesrechnungshof nicht zur Verfügung gestellt
worden sei. Aus dieser Unterlage ergäbe sich ein anderer Fertigstellungstermin.
Dazu bemerkt der Landesrechnungshof:
Auch unter Berücksichtigung des geänderten Fertigstellungstermins ergibt sich eine
Fristüberschreitung von 16 Tagen und damit eine Vertragsstrafe von 10.400 DM
(5.317 €).
Der Landesrechnungshof forderte das Ministerium daher erneut auf, nunmehr die
Zuwendungsfähigkeit des neu festgestellten Betrages zu prüfen.

Ökologisches Bauen
(221)

Der Zuwendungsempfänger hat als Wärmedämmung gegen das Erdreich in einem
Tierhausneubau Schaumglasschotter eingesetzt. Dies erfolgte aus ökologischen Gesichtspunkten. Der Landesrechnungshof hat in einem Wirtschaftlichkeitsvergleich
Mehrausgaben in Höhe von rd. 23.750 DM (rd. 12.140 €) im Gegensatz zu her-

113
kömmlichen Dämmstoffen festgestellt. Die Zuwendungsfähigkeit der Mehrausgaben
sollte geprüft werden.
Das Ministerium teilte mit, es habe die Zuwendungsfähigkeit der Mehrausgaben geprüft und aus ökologischen Gesichtspunkten anerkannt.
Der Landesrechnungshof verweist auf die grundsätzliche Problematik, einerseits
Mehrkosten aus ökologischen Gründen zu akzeptieren und andererseits der Forderung zur Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit nach § 7 Abs. 1 LHO zu entsprechen.
Die Landeshaushaltsordnung Mecklenburg-Vorpommern sieht keinen Bonus für
Mehrausgaben aus ökologischen Gründen vor.
Der Landesrechnungshof regt daher an zu prüfen, ob u. U. eine Ergänzung der VV zu
§ 7 LHO erfolgten sollte, wonach ökologisch bedingte Mehrausgaben in einem festzulegenden Umfang zulässig sind.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

114

Deckenerneuerung auf Landesstraßen

Auf Grund fehlerhafter Verfahrens- und Verhaltensweisen bei Vorbereitung, Ausschreibung und
Abrechnung von Baumaßnahmen im Straßenbauamt Schwerin wurde der Wettbewerb in erheblichem Maße über viele Jahre eingeschränkt.
Für Instandsetzungsarbeiten schrieb das Straßenbauamt überwiegend ein Verfahren vor und
ließ Nebenangebote nur in Ausnahmefällen zu.
Das Straßenbauamt wickelte planbare, voraussehbare Baumaßnahmen in einer Gesamthöhe
von mindestens 6 Mio. DM (3 Mio. €) über Jahresverträge ab. Diese Verfahrensweise führte zu
einem äußerst unwirtschaftlichen Ergebnis.
In kurzen Zeitabständen ließ die Straßenbauverwaltung von verschiedenen Firmen auf gleichen
Straßenabschnitten Instandsetzungsarbeiten ausführen; das Splitten der Leistungen führte zu
vermeidbaren Mehrausgaben.
Leistungsverzeichnisse enthielten einen unzulässig hohen Anteil an Bedarfspositionen und außerdem Positionen, die für die Ausführung der
Baumaßnahmen nicht notwendig waren.

(222)

Die Deckenerneuerung ist ein Bestandteil der Maßnahmen, die zur Erhaltung der
vorhandenen Substanz an Landesstraßen und deren Verbesserung hinsichtlich Befahrbarkeit, Erhöhung der Verkehrssicherheit und der Gewährleistung ausreichender
Tragfähigkeit beitragen. Sie umfasst die vollständige Wiederherstellung des Gebrauchswertes der Decke.
Der Landesrechnungshof hat Ausgaben der Jahre 1994 bis 1998 aus dem Titel
0604 753 01 „Deckenerneuerung von Landesstraßen“ stichprobenweise geprüft. Die

115
örtlichen Erhebungen erfolgten im Straßenbauamt Schwerin und in den Straßenmeistereien Wismar und Lübz.
Für die Haushaltsjahre 1994 bis 1998 standen 172 Mio. DM (87,94 Mio. €) zur Verfügung.

Haushaltsverstoß
(223)

Unter dem geprüften Titel wurden zum geringsten Anteil Maßnahmen der Deckenerneuerung durch den Landesrechnungshof festgestellt. Zum größten Teil rechnete das
Straßenbauamt hierunter Ausgaben für Um- und Ausbau, aber auch für Neubau und
Brückeninstandsetzungen ab.
Das Wirtschaftsministerium teilte mit, dass das Straßenbauamt zukünftig die haushaltsrechtlichen Vorschriften beachten werde.

Vergabeverstöße
Einschränkung des Wettbewerbes
(224)

Das Straßenbauamt legte für die Instandsetzungsarbeiten auf Bundes- und Landesstraßen in den überwiegenden Ausschreibungsverfahren das Remixverfahren (Rückformungsverfahren) fest. Nebenangebote wurden nur in Ausnahmefällen zugelassen.
Gemäß § 9 Nr. 5 Abs. 1 VOB/A dürfen bestimmte Erzeugnisse und Verfahren nur
dann ausdrücklich vorgeschrieben werden, wenn dies durch die Art der geforderten
Leistung gerechtfertigt ist.
Durch die Vorgabe des Verfahrens und die Nichtzulassung von Nebenangeboten
schränkte das Straßenbauamt den Wettbewerb unbegründet ein.
Das Wirtschaftsministerium teilte hierzu mit: „Im Straßenbauamt Schwerin wird seit
dem Jahr 1991 das Remixverfahren ausgeschrieben. Auf Grund des vorhandenen
Straßenzustandes ... entschied sich das Straßenbauamt Schwerin für das Remixverfahren. ...Mittels des Remixverfahrens lassen sich bei gleichen Haushaltsmitteln
mehr Verkehrsflächen instand setzen, als bei der Anwendung anderer Baumaßnahmen. ...
Zukünftig wird für bestimmte Verfahren der Zusatz ‚oder gleichwertiger Art’ verwendet. Nebenangebote sind bei Instandsetzungsmaßnahmen künftig zugelassen.“

116
Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Auffassung, dass Fahrbahninstandsetzungen nicht zwingend das Remixverfahren erfordern und dieses Verfahren nicht, wie in
den vergangenen zehn Jahren, vorgeschrieben werden darf. Sollte dieses Verfahren
tatsächlich so wirtschaftlich sein, wie vom Wirtschaftsministerium dargestellt, so ist
es unverständlich, dass nur im Straßenbauamt Schwerin dieses Verfahren vorgegeben wurde, obwohl der Straßenzustand in den Zuständigkeitsbereichen der übrigen
drei Straßenbauämter des Landes nicht gravierend anders ist.
(225)

Planbare, voraussehbare Baumaßnahmen in einer Gesamthöhe von mindestens
6 Mio. DM (3,07 Mio. €), wobei Einzelmaßnahmen einen Umfang bis
ca. 1,35 Mio. DM (ca. 690.244 €) erreichten, rechnete das Straßenbauamt über Jahresverträge ab.
Diese Leistungen durften nicht über Jahresverträge durchgeführt werden, da die
Struktur und Preisgestaltung dieser Vertragsform auf die besonderen Gegebenheiten
bei Reparaturen und Störungsbeseitigungen geringen Umfangs ausgerichtet sind. Die
Ausführung der Bauleistungen über diesen Rahmen hinaus ist auf Basis dieser Vertragsform äußerst unwirtschaftlich.
Das Wirtschaftsministerium teilte hierzu mit, dass derartige Baumaßnahmen nicht
mehr über Jahresverträge abgewickelt würden und folgte damit der Forderung des
Landesrechnungshofes.

(226)

Die Straßenbauverwaltung erteilte mehrfach in kurzen Zeitabständen für gleiche
Straßenabschnitte einer oder mehreren Firmen Instandsetzungsaufträge.
So ließen z. B. die Straßenmeistereien Remix-Arbeiten auf bestimmten Straßenabschnitten nach Jahresverträgen durchführen. Für dieselben Abschnitte wurden nach
Ausschreibung vom Straßenbauamt Deckeninstandsetzungsarbeiten beauftragt. Diese
Verfahrensweise ist unwirtschaftlich.
Das Wirtschaftsministerium teilte mit, dass es zu keiner doppelten Bauausführung
und Vergütung gekommen sei. Es handelt sich um zwei verschiedene Arbeitsgänge
mit unterschiedlichen Geräten. Zunächst würden Fahrbahnränder mittels Midiremixer aufgeschultert und anschließend würde zur Herstellung des Querprofils die gesamte Fahrbahnfläche mit einem großen Remixer zurückgeformt.
Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Auffassung, dass das Straßenbauamt auf
Grund des Straßenzustandes verpflichtet war, den gesamten notwendigen Leistungs-

117
umfang für die Fahrbahninstandsetzung in einem Verfahren statt in zwei verschiedenen Arbeitsgängen auszuschreiben.
Da die Aufschulterung der Fahrbahnränder nicht Bestandteil der Zeitverträge war,
hätte die Straßenmeisterei diese Leistungen nicht über Jahresverträge abrufen und
abrechnen dürfen.
Die Straßenbauverwaltung vergab Aufträge in einer Gesamthöhe von mindestens
6,94 Mio. DM (3,55 Mio. €) freihändig und entzog diese somit dem Wettbewerb.

Nicht beauftragte Firmen führten Arbeiten aus
(227)

In einem Fall legte die beauftragte Firma Rechnung, aber das dazugehörige Abnahmeprotokoll weist eine andere Firma als bauausführenden Betrieb aus.
In zehn Fällen wurde der komplette Leistungsumfang durch andere Firmen ausgeführt und in Rechnung gestellt.
In einem weiteren Fall führte bei einer Oberflächenbehandlung eine nicht beauftragte
Firma Fräsarbeiten durch.
Gemäß § 4 Nr. 8 Abs. 1 VOB/B hat „... der Auftragnehmer ... die Leistungen im eigenen Betrieb auszuführen. Mit schriftlicher Zustimmung des Auftraggebers darf er
sie an Nachunternehmen übertragen.“ Eine entsprechende Zustimmung enthielten
die geprüften Unterlagen nicht.
Im ersten Fall, bei dem ein Abnahmeprotokoll eine nicht beauftragte Firma als bauausführenden Betrieb auswies, stimmte das Wirtschaftsministerium den Ausführungen des Landesrechnungshofes zu.
Zu den anderen Fällen teilte das Wirtschaftsministerium mit, dass „gemäß § 4 Nr. 8
Abs. 1 Satz 3 VOB/B ... die Zustimmung des Auftraggebers nicht notwendig bei Leistungen ist, auf die der Betrieb des Auftragnehmers nicht eingerichtet ist. Der Auftragnehmer hat die Nachunternehmer dem Auftraggeber gemäß § 4 Nr. 8 Abs. 3
VOB/B nur auf Verlangen bekannt zu geben. ...Künftig werden bei Ausschreibungen
generell die Vordrucke des HVA-StB (Handbuch für die Vergabe und Ausführung
von Bauleistungen im Straßen- und Brückenbau) verwendet, die ein Verzeichnis der
Nachunternehmer enthalten.“

118
Diese Antwort des Wirtschaftsministeriums widerspricht dem Punkt 3.2 der Leistungsbeschreibung des Straßenbauamtes, wonach die Arbeiten vom Auftragnehmer
eigenständig auszuführen und Nachunternehmer für spezielle Leistungen dem Auftraggeber zu benennen sind. Darüber hinaus ist der Verweis auf § 4 Nr. 8 Abs. 1
Satz 3 VOB/B für diese Fälle nicht zutreffend, da diese Vorschrift nur für nicht sonderlich ins Gewicht fallende Leistungen im Rahmen der vertraglich geschuldeten
Gesamtleistung in Betracht kommt. Das Straßenbauamt ließ jedoch Arbeiten durch
nicht beauftragte Firmen in einer Gesamthöhe von mindestens 1 Mio. DM
(0,51 Mio. €) durchführen.

Fehlerhafte Leistungsverzeichnisse
(228)

Das SBA schrieb die Leistung zur Instandsetzung von Straßendurchbrüchen auf
Bundes- und Landesstraßen für alle Straßenmeistereien aus. Bestandteil des Leistungsverzeichnisses waren auch Bedarfspositionen, die 14,5 % des Gesamtleistungsumfanges einnahmen. Für die Arbeiten Nahtremixen enthielt das Leistungsverzeichnis Bedarfspositionen mit einem Umfang von 37 % der Auftragssumme.
Gemäß § 9 VOB/A ist die Leistung eindeutig und so erschöpfend zu beschreiben,
dass alle Bewerber ihre Preise sicher und ohne umfangreiche Vorarbeiten berechnen
können. Dem Auftragnehmer darf kein ungewöhnliches Wagnis aufgebürdet werden
für Umstände und Ereignisse, auf die er keinen Einfluss hat und deren Einwirkung
auf die Preise und Fristen er nicht im Voraus schätzen kann.
Das Wirtschaftsministerium teilte mit: „Die Feststellung des Landesrechnungshofes
hinsichtlich der ausgeschriebenen Bedarfspositionen ist zutreffend. Bedarfspositionen werden ab November 1999 nicht mehr verwendet.“

(229)

Leistungsverzeichnisse enthielten Positionen, die für die Ausführung der Baumaßnahmen nicht notwendig waren. Teilweise hatten sie einen Anteil von 58 % an den
Gesamtpositionen. So bot z. B. eine Firma bei einer Fahrbahninstandsetzungsmaßnahme 14 Positionen des Leistungsverzeichnisses auffällig niedrig an. Davon waren
zwölf Positionen für die Ausführung der Leistung nicht erforderlich. Zum Zweitplazierten wich der Angebotspreis um 18 % ab.
Der Landesrechnungshof wertet Positionen, die für die Ausführung der Baumaßnahme nicht notwendig sind, als Scheinpositionen. Bei diesen Leistungen orientiert

119
sich ein Bieter nicht an den voraussichtlichen Kosten, sondern an der Zielstellung,
sich aus den erwarteten Änderungen gegenüber der Leistungsbeschreibung einen finanziellen Vorteil zu verschaffen. Hauptursache für Scheinpositionen ist regelmäßig
eine unzutreffende Leistungsbeschreibung.
Da die beiden Angebotsendpreise um 18 % voneinander abwichen, hätte der Auftraggeber die Angemessenheit der Preise werten müssen. Diese muss dann erfolgen,
wenn der betreffende Bieter mit seinem Angebotsendpreis um mehr als 10 % unter
dem Angebotsendpreis des nächsten Bieters liegt (HVA–StB, 2.4, Nr. 43).
Das Wirtschaftsministerium teilte hierzu mit: „Für notwendige Instandsetzungsmaßnahmen wurde durch das Straßenbauamt Schwerin das Leistungsverzeichnis mehrfach ohne Bauentwurf erstellt. Dies geschah ... zulässigerweise durch visuelle Aufnahme ..... Es ist versäumt worden, die Angemessenheit der angebotenen Einheitspreise zu prüfen. Die Zuschlagserteilung hätte so nicht erfolgen dürfen.“
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes hat das Wirtschaftsministerium die Problematik Scheinpositionen in seiner Tragweite mit dieser Antwort verkannt. Er hält
es für dringend geboten, dass sich das Wirtschaftsministerium mit den Ursachen des
Zustandekommens derartiger Positionen auseinandersetzt. Darüber hinaus hat
zukünftig die Prüfung der Angemessenheit der Preise durch das Straßenbauamt zu
erfolgen.

(230)

Durch ungerechtfertigte Feststellungen der sachlichen Richtigkeit von Abschlagsrechnungen erfolgten zeitweilige Überzahlungen in Höhe von 993.000 DM
(507.712,84 €). Abschlagszahlungen waren anhand der Unterlagen nicht nachvollziehbar, da Aufmaße fehlten. Abgerechnete zusätzliche Leistungen sowie Mengenerhöhungen ausgeführter Leistungen wurden nicht begründet.
Die Bescheinigung der sachlichen Richtigkeit der Abschlagszahlungen für nicht erbrachte Leistungen führte zu Überzahlungen. Gemäß § 16 Nr. 1 Abs. 1 VOB/B sind
Abschlagszahlungen in Höhe der nachgewiesenen vertragsgemäßen Leistungen zu
gewähren.
Das Wirtschaftsministerium teilte mit: Es wurden „elementare Verstöße gegen vorhandene Verwaltungsvorschriften und Haushaltsgrundsätze festgestellt: Es kam zu
zeitweiligen Überzahlungen durch nicht gerechtfertigte Abschlagsrechnungen. Bei
anderen Teilleistungen war die Begründung der Abschlagsrechnungen nicht nach-

120
vollziehbar, da die Aufmaße fehlten bzw. Leistungen gegenüber der Schlussrechnung
überzahlt waren. Damit liegt auch ein Verstoß gegen die LHO gemäß VV Nr. 12 zu
§ 70 hinsichtlich des Inhalts der Feststellung der sachlichen Richtigkeit vor.“
Die erfolgten zeitweiligen Überzahlungen von 993.000 DM (507.712,84 €) führten
zu Zinsansprüchen gemäß HVA–StB, 3.7, Nr. 24 in Höhe von 26.430 DM
(13.513,44 €).

Fehlverhalten von Bediensteten
(231)

Im Prüfungszeitraum erhielten drei Firmen im erheblichen Umfang Aufträge für
Oberflächenbehandlungen, bituminöse Arbeiten, Dünnschichtbeläge und RemixArbeiten auf Landesstraßen. Sie führten Leistungen von rd. 15,6 Mio. DM
(rd. 7,98 Mio. €) auf Landesstraßen aus. Das entspricht einem Anteil von rd. 83 %
der Gesamtauftragssumme. Dies war nach Auffassung des Landesrechnungshofes
nur durch die Verfahrens- und Verhaltensweise bei Vorbereitung, Ausschreibung
und Abrechnung der Baumaßnahmen im Straßenbauamt möglich.
Das Wirtschaftsministerium teilte hierzu mit: „Insgesamt sind durch den Prüfbericht
des Landesrechnungshofes und eigene Feststellungen erhebliche Mängel und weitgehendes Fehlverhalten bei der Durchführung von Instandsetzungsmaßnahmen an
Landesstraßen zutage getreten.
Dies hat ganz wesentliche Ursachen im Fehlverhalten des zuständigen Sachbearbeiters. Die arbeitsrechtliche Maßnahme ist eingeleitet.“
Auf Grund der Vielzahl und Schwere aufgetretener Mängel forderte der Landesrechnungshof das Wirtschaftsministerium auf, auch die Frage des Regresses zu prüfen.
Es ist jedoch nicht ausreichend, wenn nur gegen einen Sachbearbeiter arbeitsrechtliche Maßnahmen eingeleitet werden, der zwischenzeitlich in den Ruhestand getreten
ist. Diese Verfehlungen konnten bei ordnungsgemäßer Fach- und Dienstaufsicht
nicht von einem Einzelnen allein begangen werden.
Der Landesrechnungshof erwartet daher, dass festgestellt wird, ob dem Land ein
Schaden entstanden ist und ob die jeweiligen Bediensteten grob fahrlässig oder gar
vorsätzlich gehandelt haben. Das Ergebnis ist aktenkundig zu machen.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

121

Zuschüsse zu Exkursionen

Hochschulen haben die Zuschussfähigkeit der
Exkursionen nicht hinreichend geprüft und Zuschüsse teilweise unter Verstoß gegen die Förderrichtlinie bewilligt.
Der Landesrechnungshof hat empfohlen, das bisher unverhältnismäßig aufwändige Verwaltungsverfahren, insbesondere durch die Überarbeitung
der geltenden Exkursionsrichtlinie, zu vereinfachen.

(232)

In allen Hochschulkapiteln sind im Titel 681.61 TG 61 „Zuschüsse zu Exkursionen“
Ausgaben für außerhalb der Hochschule durchzuführende Lehrveranstaltungen veranschlagt. Für die nicht künstlerischen Hochschulen enthält die mit Wirkung vom
1.10.1998 geltende „Richtlinie über die Verwendung der im Haushaltsplan der Universitäten und Fachhochschulen ausgebrachten Mittel für Exkursionen (Exkursionsrichtlinie)“ Regelungen auch zur Art und Höhe der Zuschüsse. In der Richtlinie ist
auch bestimmt, dass die Hochschulen das Antrags- und Abrechnungsverfahren der
Zuschussgewährung eigenständig regeln.

(233)

Der Landesrechnungshof hat die hochschulinternen Antrags- und Abrechnungsverfahren und die Zuschüsse zu Exkursionen, die die Hochschulen im Haushaltsjahr
2000 gezahlt haben, geprüft. Den einzelnen Hochschulen standen in diesem Jahr Mittel im Umfang von 12.000 DM (6.100 €) bis 180.000 DM (92.000 €) zur Verfügung.
Das entsprach an allen Hochschulen einem Anteil an ihren veranschlagten Gesamtausgaben von nicht mehr als 0,3 %.

Verwaltungsaufwändige Regelungen
(234)

Nach der Exkursionsrichtlinie können Exkursionsteilnehmern ohne Anspruch auf
Reisekostenvergütungen nur anteilige Zuschüsse zu den Fahrkosten sowie zu den
Kosten für Verpflegung und Unterkunft gewährt werden. Damit muss die Zuschusshöhe je Exkursionsteilnehmer und Exkursionstag auf der Grundlage der nach dem

122
Reisekostenrecht festgelegten Tagegeld- und Übernachtungskostensätze ermittelt
werden. Hinzu kommt die Berechnung des Anteils an den im Zusammenhang mit der
Exkursion entstehenden Fahrkosten. Dies gilt sowohl für die Antragsphase als auch
für die Abrechnung der tatsächlichen Kosten. Im Jahr 2000 wurden insbesondere bei
den Universitäten für eine Vielzahl von Exkursionen Zuschüsse beantragt und an die
Exkursionsteilnehmer gezahlt. Der Verwaltungsaufwand war durch die vorgegebene
Berechnung insgesamt erheblich.
(235)

Hochschulen haben durch ihre eigenen Regelungen diesen Aufwand noch vergrößert.
Von den Antragstellern waren u. a. auch Angaben zu machen, die weder durch die
Bestimmungen der Richtlinie gefordert noch für die Berechnung des Zuschusses relevant sind. Die Zahlung von Abschlägen war in vielen Fällen weder notwendig noch
sinnvoll.

Unzureichende Prüfung der Zuschussfähigkeit
(236)

An den nicht künstlerischen Hochschulen sind nach der Landesrichtlinie Zuschüsse
vorrangig für solche Exkursionen bestimmt, an denen nach der jeweils geltenden
Prüfungsordnung die Studierenden teilnehmen müssen, um zu einer für die Fortsetzung oder den erfolgreichen Abschluss des Studiums vorgeschriebenen Prüfung zugelassen zu werden. Sie können für Exkursionen in Anspruch genommen werden, die
in der einschlägigen Studienordnung ausgewiesen und damit als regelmäßiger Bestandteil des Lehrangebotes festgelegt sind. Damit liegt auch eine bestimmte Rangfolge fest.

(237)

Hochschulen verlangen in ihren Antragsvordrucken nicht die zur Beurteilung erforderlichen vollständigen Angaben. Aus den Unterlagen war nicht erkennbar, ob sie in
solchen Fällen der Frage nachgegangen sind, ob die Exkursion überhaupt zuschussfähig war.

(238)

Nach ihren eigenen Angaben haben die Hochschulen 12,2 % der verausgabten Mittel
für Zuschüsse zu Exkursionen gezahlt, die nicht durch eine Prüfungs- bzw. Studienordnung vorgeschrieben waren. Bei zwei Fachhochschulen lag dieser Anteil sogar
bei 61,8 % bzw. 83,8 %. In diesen Fällen waren Haushaltsmittel in Höhe von
36.052,07 DM (18.433,13 €) bzw. 10.019,49 DM (5.122,88 €) zu Unrecht gezahlt
worden.

123

Schlussfolgerungen
(239)

Angesichts des hohen Verwaltungsaufwandes an den nicht künstlerischen Hochschulen, der entsteht, um verhältnismäßig geringe Haushaltsmittel auszugeben, hat der
Landesrechnungshof das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur gebeten
zu prüfen, ob am bisherigen Verfahren festgehalten werden soll oder ob nicht erhebliche Vereinfachungen denkbar sind. Dabei soll es auch der Frage nachgehen, ob es
bei den Zuschüssen in der bisherigen Form, insbesondere bei der Zahlung von Verpflegungszuschüssen, bleiben soll. Verpflegungskosten fallen für die Studenten ohnehin an und entstehen nicht zwingend durch die Exkursion.

(240)

Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur beabsichtigt, das Verfahren
grundlegend zu vereinfachen. Die Abstimmung mit den Hochschulen hierzu dauert
noch an.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

124

Liquiditätsbeschaffung der Universitätskliniken

Die Universitätskliniken sichern seit dem Jahr
1992 ihre Zahlungsfähigkeit durch Teilnahme am
selbsttätigen Kassenverstärkungsverfahren. Die
dem Land hierdurch entstehenden rechnerischen
Zinskosten

betrugen

allein

im

Jahr

2000

rd. 3,3 Mio. DM (rd. 1,7 Mio. €).
Die in Anspruch genommenen Kassenverstärkungsmittel werden auch zum Ausgleich struktureller Defizite eingesetzt.
Die Krankenkassen verschaffen sich durch säumige Erfüllung ihrer Zahlungspflichten gegenüber den Universitätskliniken Liquidität zu Lasten des Landes.
Das Land muss die Liquiditätsbeschaffung der
Universitätskliniken überdenken.

Vorbemerkung
(241)

Nach seinem Jahresbericht 1996 (Tzn. 218 bis 227) hat sich der Landesrechnungshof
zuletzt im Jahresbericht 1999 (Tzn. 75 ff.) über die Liquiditätsbeschaffung der Medizinischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock (Kliniken) geäußert. Dabei vertrat er die Auffassung, dass sowohl die Verlustvorträge als auch die Höhe der Inanspruchnahme
von Kassenverstärkungsmitteln auf strukturelle Defizite bei den Kliniken hinweisen
und das Land Maßnahmen ergreifen muss, um die langfristige Finanzierung zu sichern.
Der Landtag ist den Beanstandungen des Landesrechnungshofes im Jahresbericht
1999 beigetreten und hat die Landesregierung ersucht, Maßnahmen zu ergreifen, die
geeignet sind, Verlustvorträge und die Inanspruchnahme der Kassenverstärkungsmittel zu reduzieren (Plenarprotokoll 3/38 vom 12. April 2000).

125
Der Landesrechnungshof ist in seiner Prüfung der Frage nachgegangen, ob und ggf.
welche Maßnahmen die Landesregierung eingeleitet hat, um die Inanspruchnahme
von Kassenverstärkungsmitteln zu reduzieren und welche Aktivitäten die Kliniken
hierzu unternehmen.

Kassenverstärkungsverfahren
(242)

Die Kliniken nehmen seit dem Jahre 1992 am selbsttätigen Kassenverstärkungsverfahren des Landes teil. Hierfür bestehen für beide Kliniken je ein Konto bei der Landeszentralbank. Von diesem Konto bucht die Landeszentralbank täglich die Guthabenbeträge der Kliniken zu Gunsten des Landes ab bzw. gleicht die Sollbeträge
durch Kassenverstärkungsmittel zu Lasten des Landes aus. Die Landeshauptkasse
führt die entsprechenden Buchungen durch. Zinsausgleiche finden nicht statt, d. h.
das Finanzministerium gewährt den Kliniken für die Ablieferungen zu Gunsten des
Landes weder Habenzinsen noch berechnet es den Kliniken für die Inanspruchnahme
von Kassenverstärkungsmitteln Sollzinsen.
Diese Regelung beruht darauf, dass für die Kliniken, als wie Landesbetriebe zu führende Einrichtungen, Kassen eingerichtet wurden. Denn nur Kassen der Landesbetriebe und nicht die Kliniken können nach dem Haushaltsrecht des Landes als Landeskassen am selbsttätigen Kassenverstärkungsverfahren teilnehmen.

Obergrenzen der Kassenverstärkungsmittel und deren Einhaltung
(243)

Das Finanzministerium hat in Abstimmung mit dem Bildungsministerium jährlich
die Obergrenze der Inanspruchnahme von Kassenverstärkungsmitteln durch die Kliniken auf den durchschnittlichen Gesamtbetrag der Erlöse von zwei Monaten aus den
medizinischen Leistungen der Kliniken festgelegt. Diese Obergrenzen betrugen für
das Jahr 2000 für das Klinikum Greifswald rd. 35,0 Mio. DM (17,9 Mio. €) und für
das Klinikum Rostock rd. 47,5 Mio. DM (24,3 Mio. €). Sie wurden von beiden Kliniken nicht eingehalten. Das Klinikum Greifswald hat die Obergrenze um
rd. 5,9 Mio. DM (rd. 3 Mio. € ) und das Klinikum Rostock um rd. 6,5 Mio. DM
(rd. 3,3 Mio. €) überschritten.
Das Finanzministerium hat nichts veranlasst, um die Inanspruchnahmen von Kassenverstärkungsmitteln durch die Kliniken bei Überschreitungen der Obergrenze zu ver-

126
hindern. Das Bildungsministerium kontrolliert zwar Überschreitungen am Monatsende und lässt sich diese auch begründen. Sie bleiben jedoch für die Kliniken ohne
finanzielle Konsequenzen.
(244)

In seiner mit dem Finanzministerium abgestimmten Stellungnahme teilt das Bildungsministerium mit: „Eine Vielzahl objektiver Gründe kann dazu beitragen die
Obergrenzen nicht einhalten bzw. nicht kurzfristig senken zu können.“

(245)

Der Landesrechnungshof verkennt dies zwar nicht. Er hat aber darauf verwiesen,
dass, wenn Obergrenzen festgelegt werden, diese auch so real sein müssen, dass die
Kliniken überhaupt die Möglichkeit haben diese einzuhalten.

Inanspruchnahme von Kassenverstärkungsmittel
(246)

Die vom Klinikum Greifswald in Anspruch genommenen Kassenverstärkungsmittel
haben sich im Jahre 1999 von ursprünglich 54.363.472,77 DM (27.795.602,26 €) um
13.723.649,32 DM (7.016.790,48 €) auf 40.639.823,45 DM (20.778.881,78 €) verringert.
Im Jahr 2000 wurde eine Reduzierung der Inanspruchnahme von Kassenverstärkungsmitteln nicht erreicht. Per 31.12 2000 waren Kassenverstärkungsmittel in Höhe
von 40.902.823,45 DM (20.913.281,55 €) in Anspruch genommen worden.
Für die Finanzierung dieser Kassenverstärkungsmittel entstanden dem Land bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 3,5 % rechnerische Zinskosten in Höhe von rd.
1,4 Mio. DM (rd. 0,7 Mio. €).

(247)

Die vom Klinikum Rostock in Anspruch genommenen Kassenverstärkungsmittel
haben sich im Jahre 1999 von ursprünglich 55.810.913,98 DM (28.535.667,20 €) um
94.123,65 DM (48.124,66 €) auf 55.716.790,33 DM (28.487.542,54 €) verringert.
Im Jahr 2000 konnten im Vergleich zum Vorjahr die Kassenverstärkungsmittel um
1.710.000,00 DM (874.309,12 €) reduziert werden und hatten zum 31.12.2000 eine
Höhe von 54.006.790,33 DM (27.613.233,43 €).
Für die Finanzierung dieser Kassenverstärkungsmittel ergaben sich für das Land bei
einem durchschnittlichen Zinssatz von 3,5 % rechnerische Zinskosten in Höhe von
rd.1,9 Mio. DM (rd. 1,0 Mio. €).

127
(248)

Das Bildungsministerium hat in seiner Stellungnahme dazu u. a. mitgeteilt, dass nur
durch weitere Optimierung der Verwaltungsabläufe innerhalb der Kliniken und ein
verbessertes Zahlungsverhalten der Krankenkassen eine kurzfristige Reduzierung der
Kassenverstärkung zu erzielen ist. Langfristig sollte eine Liquiditätsverbesserung im
Vordergrund stehen. Im Zuge der Rechtsformänderung seien hierzu Entscheidungen
unumgänglich.

(249)

Der Landesrechnungshof teilt die Auffassung des Bildungsministeriums und erwartet, dass das Land endlich entsprechende Maßnahmen ergreift.

Kassenverstärkungsmittel zum Ausgleich struktureller Defizite
(250)

Die Kliniken verwenden die in Anspruch genommenen Kassenverstärkungsmittel
auch zum Ausgleich von strukturellen Defiziten, die durch Forschung und Lehre und
für den Betrieb von Ambulanzen entstehen.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes kann dies bedeuten, dass:
a) der Landeszuschuss zum laufenden Betrieb der Kliniken auf Grund der knappen
Haushaltsmittel im Haushalt zu niedrig veranschlagt wird und nicht ausreicht,
um die tatsächlichen Aufwendungen für Forschung und Lehre zu decken,
b) ein nicht definierbarer Anteil der Mittel für Forschung und Lehre zur Deckung
der Kosten für die medizinische Behandlung genutzt wird,
c) durch nicht zeitnahe Abrechnung und Zahlung von Leistungen für die Patientenbehandlung es zu keinen zeitnahen Einnahmen und somit zur Sicherung der Liquidität der Kostenträger durch das Land kommt.

(251)

Das Bildungsministerium teilte in seiner Stellungnahme mit, dass ,,die Aussage des
Landesrechnungshofs zu ... Ziffer a und b nur hypothetischen Charakter“ habe.

(252)

Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Auffassung.

Einnahmeerhebungen der Kliniken
(253)

Das Klinikum Greifswald erzielt rd. 89 % seiner Erträge aus stationären Behandlungen. Das waren 1999 198.954.168 DM (101.723.651 €). Für diese Leistungen tritt
das Klinikum bis zur Bezahlung durch die Kostenträger regelmäßig in Vorleistung.

128
Der Landesrechnungshof hat die vom Klinikum mit Datum vom 18., 19. und
21.9.2000 erstellten Rechnungen für stationäre Behandlungen ausgewertet und festgestellt:
− Das Klinikum Greifswald benötigte für das Erstellen der Rechnungen nach der
Entlassung der Patienten gerechnet durchschnittlich 25,3 Kalendertage. Lediglich
rd. 42 % der Rechnungslegungen erfolgten innerhalb von 14 Tagen nach der Entlassung der Patienten. In 15 % der Rechnungslegungen hat das Klinikum mehr als
sieben Wochen für die Erstellung benötigt.
− Bis zum Zahlungseingang der von den Kostenträgern (vorwiegend Krankenkassen) zu zahlenden Rechnungsbeträge vergingen durchschnittlich 32,9 Tage. Innerhalb der vom Klinikum gesetzten Zahlungsfrist von 14 Tagen waren lediglich
3,4 % der Rechnungen beglichen. In rund 29 % der Rechnungslegungen erfolgte
der Zahlungseingang erst nach über 49 Tagen.
(254)

Das Klinikum Rostock erzielt rd. 91 % seiner Erträge aus stationären Behandlungen.
Das waren 1999 rd. 269.567.366 DM (rd.137.827.606 €). Für diese Leistungen tritt
das Klinikum bis zur Bezahlung durch die Kostenträger regelmäßig in Vorleistung.
Der Landesrechnungshof hat die vom Klinikum mit Datum vom 19. und 21.9.2000
erstellten Rechnungen für stationäre Leistungen ausgewertet und festgestellt:
− Das Klinikum Rostock benötigte für das Erstellen der Rechnungen von der Entlassung des Patienten an gerechnet durchschnittlich 23,2 Kalendertage. Nur rd.
50 % seiner Rechnungslegungen wurden innerhalb von zwei Wochen erstellt.
Rund 10 % der Rechnungslegungen erfolgten erst nach über sieben Wochen nach
der Entlassung der Patienten.
− Bis zum Zahlungseingang der von den Kostenträgern (überwiegend Krankenkassen) zu bezahlenden Rechnungsbeträge vergingen durchschnittlich 22 Tage.
Innerhalb der ersten 14 Tage wurden lediglich 27,9 % der Rechnungen beglichen.
Bei fast 10 % der Rechnungen erfolgte der Zahlungseingang erst nach fast sieben
Wochen. Elf Rechnungen waren 62 bzw. 59 Tage nach Rechnungslegung noch nicht
beglichen.

129
(255)

Die Krankenkassen verschaffen sich durch die praktizierte säumige Erfüllung ihrer
Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Kliniken Liquidität zu Lasten der Kliniken
und damit letztlich des Landes.

(256)

Das Bildungsministerium hat in seiner Stellungnahme ausgeführt:
,,Das Klinikum teilt mit, dass der Zeitraum der Rechnungslegung von 23,2 Tagen für
ein dezentrales Klinikum durchaus nicht selbstverständlich ist. In den vergangenen
Jahren sind immer wieder erfolgreiche Anstrengungen unternommen worden, um
diesen Zeitraum durch Optimierung der Prozesse weiter zu reduzieren. Intern gibt es
die Zielsetzung, den Zeitraum der Rechnungslegung bis zum Jahre 2003 auf 21 Tage
zu reduzieren.“
Auch sei ,,die pünktliche Einhaltung des Zahlungsziels zur Verbesserung in der Tat
dringend geboten. Hierzu wurden zahlreiche Aktivitäten ausgelöst, u. a. werden Verhandlungen mit den Krankenkassen geführt, um Abschlagszahlungen zu vereinbaren.
Ziel ist die Beschleunigung des Geldeinganges um drei Tage.“

(257)

Der Landesrechnungshof hat das Bildungsministerium um Mitteilung der erzielten
Ergebnisse gebeten.

130

Anrechnungsstunden an allgemein bildenden Schulen
in öffentlicher Trägerschaft

Die auf Anrechnungsstunden entfallenden Ausgaben

belaufen

sich

pro

Schuljahr

auf

rd. 102,8 Mio. DM (rd. 52,6 Mio. €), die für die
zum Ausgleich erforderlichen fast 1.200 Lehrerstellen anfallen.
Der Landesrechnungshof konnte nicht nachvollziehen, wie das vorhandene statistische Material
für Zwecke der Schulverwaltung und Bildungsplanung genutzt wird.

(258)

Grundlage der individuellen Unterrichtsverpflichtung eines Lehrers ist die regelmäßige Pflichtstundenzahl. Diese Stunden stehen jedoch nicht in vollem Umfang für die
Erteilung des Unterrichts nach der Stundentafel zur Verfügung. Den Lehrern werden
nämlich aus unterschiedlichen Gründen Anrechnungsstunden – auch Abminderungsoder Ermäßigungsstunden genannt – gewährt, etwa für Aufgaben der Schulleitung,
für sonstige Verwaltungsfunktionen, für Sonderaufgaben, für außergewöhnliche Belastungen im Unterricht und aus sozialen Gründen. Die Anrechnungsstunden werden
zum Teil personengebunden vergeben, zum Teil über verschiedene Stundenpools
gewährt.
Der Landesrechnungshof hat für allgemein bildende Schulen in öffentlicher Trägerschaft geprüft,
− wie viele Anrechnungsstunden in den letzten Schuljahren aus welchen Gründen in
Anspruch genommen wurden,
− wie sich in den letzten Schuljahren Lehrerstunden auf Unterricht und Anrechnungen verteilen,
− ob das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Bildungsministerium),
Schulämter und Schulen in öffentlicher Trägerschaft die Vorschriften über An-

131
rechnungen beachtet haben, dies insbesondere bezogen auf das Schuljahr
1999/2000.
Mit seiner Prüfung wollte der Landesrechnungshof die Grundlage für weitergehende
Überlegungen des Bildungsministeriums legen, ob und in welchem Umfang Einsparmöglichkeiten erschlossen werden können. Er ist dabei nicht der Frage nachgegangen, ob und in welchem Umfang Anrechnungstatbestände (noch) zu Recht bestehen.
(259)

Zur Pflichtstundenzahl und zu den Anrechnungsstunden erlässt das Bildungsministerium regelmäßig für jedes Schuljahr die Verwaltungsvorschrift „Festsetzung der Unterrichtsverpflichtungen der Lehrkräfte in Mecklenburg-Vorpommern“. Danach erhalten Lehrkräfte personenbezogene Anrechnungsstunden wegen Alters, Schwerbehinderung, Lehreraus- und -weiterbildung, als Schulleiter oder stellvertretender
Schulleiter, für die Beratung zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs an Grundschulen, für die Diagnostik in einzelnen Förderbereichen und für einzelne Schüler, für sozialpädagogische Aufgaben und für Koordinierungsaufgaben.
Den Schulen, den staatlichen Schulämtern und dem Ministerium stehen für Verwaltungs- und besondere pädagogische Aufgaben Anrechnungsstunden je aus einem besonderen Pool (Schulpool, Schulamtspool, Landespool) zur Verfügung.
Die Abminderungen für Mitglieder des Personalrates sind in der Pflichtstundenzahlermäßigungsverordnung vom 1. August 1996, zuletzt geändert am 5. Februar
2001, besonders geregelt.

Umfang der Anrechnungsstunden
(260)

In den letzten sechs Schuljahren hat sich die Gesamtzahl der Anrechnungsstunden
pro Woche von insgesamt 31.471 im Schuljahr 1995/96 auf 27.334 im Schuljahr
2000/01 verringert, und somit auf 86,8 % des Ausgangswertes. Einzelne Anrechnungstatbestände werden allerdings verstärkt in Anspruch genommen; die Anrechnungen wegen Alters oder Schwerbehinderung stiegen von 851 Stunden/Woche auf
1.042 Stunden/Woche und damit auf 122,4 % des Ausgangswertes. Erheblich gestiegen sind auch die Anrechnungen für Koordinierungsaufgaben, nämlich von 1.254 auf
1.516 Stunden/Woche, d. h. auf 120,9 % des Ausgangswertes.

132
Über den Gesamtzeitraum der letzten sechs Schuljahre betrachtet entfiel mit zusammen 48,8 % rund die Hälfte der Anrechnungsstunden auf die Entlastungen für Schulleiter und stellvertretende Schulleiter. Der höchste Anteil danach entfiel mit 19,6 %
auf die über die einzelnen Pools vergebenen Anrechnungen für Verwaltungs- und besondere pädagogische Aufgaben. Die Anteile der übrigen neun Tatbestände, auf die
ein knappes Drittel der Stunden entfiel, lagen zwischen 0,2 % (Schwerbehindertenvertreter) und 6,6 % (Lehreraus- und -weiterbildung).
(261)

Für das Schuljahr 2000/01 ist an den öffentlichen allgemein bildenden Schulen von
27.334 Anrechnungsstunden/Woche auszugehen. Die in der Schulstatistik als „Vertragsstunden“ ausgewiesene Unterrichtsverpflichtung der Lehrer belief sich auf insgesamt 377.909 Stunden pro Woche. Der Anteil der Anrechnungsstunden an den
Vertragsstunden betrug also 7,23 %.
Die auf dieses Schuljahr entfallenden Personalausgaben der Schulkapitel 0751 bis
0755 Gruppen 422 „Bezüge der Beamten und Richter“ und 425 „Vergütungen der
Angestellten“ (ohne Anwärtervergütungen der Angestellten im Vorbereitungsdienst)
werden sich auf insgesamt rd. 1,42 Mrd. DM (rd. 727,2 Mio. €) belaufen haben (Soll
2000 und 2001). Legt man, um die dem Land für Anrechnungsstunden an allgemein
bildenden Schulen in öffentlicher Trägerschaft entstandenen Ausgaben näherungsweise zu ermitteln, den oben errechneten Prozentsatz von 7,23 zugrunde, so ergibt
sich, dass hierfür Ausgaben in Höhe von rd. 102,8 Mio. DM (rd. 52,6 Mio. €) entstanden sein werden. Bei zusammen 27.334 Anrechnungsstunden/Woche errechnet
sich hieraus für eine Anrechnungsstunde/Schuljahr ein Betrag von rd. 3.761 DM
(rd. 1.923 €).
Die Größenordnung des auf die Anrechnungsstunden entfallenden Stellenbedarfs
lässt sich bestimmen, wenn in einer überschlägigen Berechnung die ermittelten Gesamtausgaben von rd. 102,8 Mio. DM (rd. 52,6 Mio. €) den Personalausgaben für eine Stelle gegenübergestellt werden. Zum Vergleich bezieht sich der Landesrechnungshof insoweit auf den für die Besoldungsgruppe A13 g. D. im Haushaltsrunderlass 2002/2003 festgelegten „Nasensatz-Ost 2000“ in Höhe von 86.600 DM/Jahr, also 44.300 €/Jahr. Die Gesamtausgaben entsprechen mithin 1.187 Lehrerstellen.

(262)

Im Vergleich zum Schuljahr 1995/96 sind die Vertragsstunden/Woche im Schuljahr
2000/01 von 466.969 auf 377.909 und damit auf 80,9 % zurückgegangen. Die Anrechnungsstunden/Woche sanken demgegenüber von 31.471 auf 27.334 und damit

133
auf 86,8 % des Ausgangswertes. Demnach ist die Zahl der Vertragsstunden deutlicher gesunken als die der Anrechnungsstunden. Infolgedessen hat sich der prozentuale Anteil der Anrechnungsstunden an den Vertragsstunden erhöht. Im Vergleich der
beiden Schuljahre stieg er von 6,74 % auf 7,23 %.
Während die Zahl der Vertragsstunden in den letzten sechs Schuljahren um rd. 19 %
zurückgegangen ist, sind ausweislich der in den Haushaltsplänen dargestellten tatsächlichen bzw. veranschlagten Ausgaben der Schulkapitel 0751 bis 0755 Gruppen 422 „Bezüge der Beamten und Richter“ und 425 „Vergütungen der Angestellten“ (ohne Anwärtervergütungen der Angestellten im Vorbereitungsdienst) die Personalausgaben nur um 0,3 % zurückgegangen. Die auf die Anrechnung entfallenden
Ausgaben stiegen demgegenüber um 6,9 % von rd. 96,2 Mio. DM (rd. 49,2 Mio. €)
auf rd. 102,8 Mio. DM (rd. 52,6 Mio. €).
Wäre die Entwicklung der Anrechnungsstunden parallel zu der der Vertragsstunden
verlaufen, und wäre damit die Zahl der Anrechnungsstunden ebenfalls auf 80,9 %
zurückgefahren worden, wären für das Schuljahr 2000/01 nur Ausgaben für 25.460
Anrechnungsstunden/Woche notwendig gewesen. Tatsächlich fielen aber 27.334 Anrechnungsstunden/Woche an, sodass sich rechnerisch und damit auch ohne Berücksichtigung möglicher Verschiebungen zwischen personenbezogenen Anrechnungsstunden und Poolstunden ein Einsparpotential von 1.874 Stunden/Woche ergeben
würde.
Für das Schuljahr 2000/01 hat das Land für 377.909 Vertragsstunden Ausgaben in
Höhe von 1,42 Mrd. DM (727,2 Mio. €) veranschlagt. Für dieses Einsparpotential
kann damit ein finanzieller Umfang von rd. 7 Mio. DM (rd. 3,6 Mio. €) angenommen
werden. Das entspricht rechnerisch rd. 81 Stellen, die alternativ unterrichtswirksam
eingesetzt oder eingespart werden können.
(263)

Betrachtet man die Relation Anrechnungsstunden/Lehrer, so zeigt sich, dass sich bei
zurückgehenden Lehrerzahlen die durchschnittlichen Anrechnungsstunden in den
vergangenen Jahren erhöht haben.
Seit dem Schuljahr 1995/96 ist die Zahl der Lehrer von 18.634 auf 15.267 im Schuljahr 2000/01 kontinuierlich erheblich zurückgegangen. Die durchschnittliche Zahl
der Anrechnungsstunden pro Lehrer stieg seit dem Schuljahr 1995/96 von 1,69 auf
1,79 im Schuljahr 2000/01. In den einzelnen Schulamtsbereichen verläuft die Ent-

134
wicklung unterschiedlich. Im Schuljahr 2000/01 liegen die Werte zwischen 1,60 und
2,16.

Auswertung der Schulstatistik
(264)

Nach § 72 Schulgesetz für das Land Mecklenburg-Vorpommern (SchulG M-V) können durch Rechtsverordnung in den Schulen statistische Erhebungen über schul- und
ausbildungsbezogene Tatbestände zum Zwecke der Schulverwaltung und Bildungsplanung angeordnet werden. Von dieser Ermächtigung hat das damalige Kultusministerium Gebrauch gemacht und die Schulstatistikverordnung vom 20. August 1997
(SchulstatVO M-V) erlassen. Das Statistische Landesamt führt nach § 1 Abs. 2
SchulstatVO M-V im Auftrag des Ministeriums die amtliche Schulstatistik durch.
Die nach der SchulstatVO M-V vorgeschriebenen durchaus aufwändigen Erhebungen verlieren an Wert und stellen letztlich einen verlorenen Verwaltungsaufwand
dar, wenn das gewonnene Datenmaterial nicht durch Aufarbeitung und Auswertung
für die in § 72 SchulG M-V vorgegebenen Zwecke der Schulverwaltung und Bildungsplanung nutzbar gemacht wird.
Im Rahmen der Prüfung hatte der Landesrechnungshof das Ministerium gebeten,
ihm, soweit vorhanden, sowohl Auswertungen zu den im Rahmen der amtlichen
Schulstatistik abgefragten Anrechnungsstunden für die letzten fünf Schuljahre und zu
den einzelnen Anrechnungstatbeständen, als auch Prognosen, wie sich die Inanspruchnahme von Anrechnungen in Zukunft entwickeln wird, zur Verfügung zu stellen. Entsprechende Unterlagen waren im Ministerium allerdings nicht vorhanden.
Von daher konnte der Landesrechnungshof nicht nachvollziehen, wie das Bildungsministerium das vorhandene statistische Material für Zwecke der Schulverwaltung
und Bildungsplanung nutzt.

Einzelfeststellungen
(265)

Bei den geprüften Anrechnungstatbeständen gab es Unstimmigkeiten zwischen den
Zahlen der unterschiedlichen Verwaltungsebenen und Überschreitungen von Höchstzahlen. Schulämter haben Schulen zu viele Anrechnungsstunden zugewiesen. Schulen haben Anrechnungsstunden nicht zweckentsprechend genutzt, ihrerseits zu viele
Stunden gewährt sowie unzutreffende Angaben zur amtlichen Schulstatistik gemacht.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

135

Institutionelle Förderung der Landwirtschaftsberatung MecklenburgVorpommern/Schleswig-Holstein GmbH

Die

Landwirtschaftsberatung

Mecklenburg-

Vorpommern/Schleswig-Holstein GmbH (LMS)
wird vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei institutionell mit
jährlich rd. 4,4 Mio. DM (rd. 2,25 Mio. €) gefördert.
Der Landesrechnungshof hat in einer Orientierungsprüfung die verwaltungsmäßige Abwicklung der institutionellen Förderung der LMS untersucht und dabei erhebliche Mängel festgestellt.
Die Zuwendungsbescheide des Ministeriums sind
fehlerhaft.
Die jährlich stattfindenden Betriebsversammlungen der Mitarbeiter, die regelmäßig mit einem
Betriebsfest verbunden waren, wurden aus den
Zuwendungen anteilig finanziert, dies war nicht
zulässig. Obwohl das Ministerium dies ausdrücklich untersagt hat, hat die LMS auch im Jahr
2001 die Betriebsfeier mitfinanziert.

Zuwendungsbescheide
(266)

Die LMS berät landwirtschaftliche Betriebe kommerziell und übernimmt die sozioökonomische Beratung existenzgefährdeter landwirtschaftlicher Betriebe. Darüber
hinaus hat sie die Aufgaben der „Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) Rostock“ (hoheitliche Aufgaben).
Das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei (Landwirtschaftsministerium) fördert die LMS als institutionellen Zuwendungsempfänger seit

136
1992 mit einer jährlichen Zuwendung, die sich bis 2001 von rd. 5,9 Mio. DM
(rd. 3 Mio. €) auf rd. 4.4 Mio. DM (rd. 2,25 Mio. €) verringerte.
Die Bewilligungsbescheide des Landwirtschaftsministeriums bestehen aus „Schreiben“ an die LMS, aus denen nicht hervorgeht, dass es sich um Zuwendungsbescheide
handelt.
Folgende Punkte, die nach der VV Nrn. 4.2 und 5 zu § 44 Abs. 1 LHO für einen korrekten Bewilligungsbescheid wesentlich sind, fehlten:
− die Art der Zuwendung und die Bezeichnung des Zuwendungszwecks,
− die Finanzierungsart und der Umfang der zuwendungsfähigen Ausgaben,
− die Regelung, welche haushaltsrechtlichen Vorschriften entsprechend anzuwenden sind (z. B. Bestimmungen über Kraftfahrzeuge, Dienstreisen, Büroausstattung
usw.),
− die Verpflichtung zur Vorlage von Verwendungsnachweisen,
− die Rechtsbehelfsbelehrung.
Weiterhin wurde es entgegen VV Nr. 5.1 zu § 44 Abs. 1 LHO versäumt, die
ANBest-I unverändert zum Bestandteil des Bescheides zu machen.
Das Landwirtschaftsministerium hat damit die Zuwendungen an die LMS bis zum
Jahr 2000 auf Grund rechtswidriger Zuwendungsbescheide bewilligt. Die LMS war
damit nicht an die haushaltsrechtlichen Vorschriften gebunden. Die Zuwendungen
hätten nicht ausgezahlt werden dürfen.

Prüfung der Verwendungsnachweise
(267)

Die Verwendung der Zuwendung wurde vom Landwirtschaftsministerium nicht
überwacht, da ein Verwendungsnachweis nicht gefordert wurde. Folglich hat das
Landwirtschaftsministerium bisher auch nicht geprüft, ob das Besserstellungsverbot
(Nr. 1.3 ANBest-I) eingehalten wird. Dadurch wurde nicht erkannt, dass die LMS an
die Berater Vertragsprämien gezahlt hat, um ihnen einen Anreiz für die Erhöhung der
Anzahl der Beratungsaufträge zu geben. Dies ist nach BAT-O nicht zulässig.

(268)

Nach der Beanstandung hat das Landwirtschaftsministerium von der LMS die Vorlage des Verwendungsnachweises für das Jahr 2000 angefordert. Trotz des Besserstel-

137
lungsverbots hält das Ministerium die Prämien für zweckmäßig und strebt insoweit
eine Ausnahmeregelung an. Eine Sonderstellung der Mitarbeiter der LMS ist nicht
erforderlich, wenn diese qualifizierte Beratungsleistungen zu marktgerechten Preisen
erbringen.
(269)

Seit der Gründung der LMS ist die jährlich stattfindende Betriebsversammlung der
Mitarbeiter, die regelmäßig mit einem Betriebsfest verbunden war, aus der Zuwendung anteilig finanziert worden. Im Jahr 1999 wurden dafür 12.000 DM/6.100 €, dies
sind pro Person rd. 75 DM/38 €, veranschlagt.
Die Finanzierung von Betriebsfeiern für die eigenen Bediensteten ist unzulässig, dies
gilt auch für institutionelle Zuwendungsempfänger.
Das Landwirtschaftsministerium hat dies akzeptiert und mitgeteilt, dass „im Rahmen
der Haushaltsverhandlungen für 2001 bereits derartige Ausgaben nicht mehr anerkannt worden sind“.
Trotzdem wurde im Rahmen der weiter gehenden Prüfung festgestellt, dass die LMS
auch im Jahr 2001 ihre Mitarbeiter anlässlich der Betriebsversammlung 2001 bewirtet hat. Hierfür entstanden Ausgaben in Höhe von rd. 12.000 DM/6.100 € (bei
140 Teilnehmern pro Person rd. 85 DM/43 €).
Das Landwirtschaftsministerium hat die Fehler im Wesentlichen eingeräumt und zugesichert, die Hinweise künftig zu beachten.
Das Prüfungsverfahren wird als Organisations- und Wirtschaftlichkeitsprüfung bei
der LMS fortgesetzt.

138

Prüfung der Entschädigungen, Gebühren und
Auslagen der Gerichtsvollzieher

Gerichtsvollzieher erhalten für die Erledigung
ihrer Aufträge außer ihrer Besoldung zur Abgeltung des ihnen durch die Verpflichtung zur Einrichtung und Unterhaltung eines Büros entstandenen Aufwandes eine Entschädigung (Auslagenerstattungen und Gebührenanteile). Die Auslagenerstattungen für Schreibauslagen sind jedoch
bereits in den Gebührenanteilen enthalten und
könnten gänzlich eingespart werden.
Die tatsächlichen Ausgaben der Gerichtsvollzieher für die Beschäftigung von Bürohilfskräften
betragen nur 10 % der Pauschale, die sie in Form
ihrer

Bürokostenentschädigung

erhalten.

Gleichwohl hat das Justizministerium die Berechtigung der Höhe der Pauschale nicht überprüft.
Das Landgericht Rostock hat die Prüfungen der
Gerichtsvollzieher nicht im vorgeschriebenen
Umfang durchgeführt.

Prüfungsgegenstand
(270)

Der Landesrechnungshof hat bei den Amtsgerichten des Landgerichtsbezirks Rostock die Entschädigungen, Gebühren und Auslagen der Gerichtsvollzieher geprüft.
Darüber hinaus hat sich der Landesrechnungshof im Rahmen dieser Prüfung auch
mit der Wahrnehmung der Prüfungsaufgaben der zuständigen Gerichte bei den Gerichtsvollziehern befasst. Dazu wurden von September 2000 bis März 2001 örtliche
Erhebungen beim Justizministerium, beim Oberlandesgericht Rostock und beim
Landgericht Rostock mit den Amtsgerichten in Rostock, Bad Doberan und Güstrow
durchgeführt und anhand von Fragebögen die Gerichtsvollzieher über ihre tatsächlich
entstandenen Bürokosten befragt.

139

Einnahmen und Ausgaben des Landes für die Tätigkeit der
Gerichtsvollzieher im Landgerichtsbezirk Rostock
(271)

Durch die Tätigkeit der Gerichtsvollzieher entstehen dem Land zunächst einmal
Ausgaben. Anders als bei vielen anderen Beamtengruppen erwachsen ihm aber Einnahmen unmittelbar aus der Tätigkeit der Gerichtsvollzieher (z. B. Gebühren). Darum besteht bei den Gerichtsvollziehern die Möglichkeit zu untersuchen, inwieweit
die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben verringert werden kann. Dabei
darf nicht übersehen werden, dass die zugrunde liegenden Rechtsquellen teilweise
Bundesrecht, teilweise Landesrecht sind und sich hierdurch unterschiedlich zu beeinflussende Änderungsmöglichkeiten ergeben. Erschwerend kommt hinzu, dass die
Länder die Einnahmen der Gerichtsvollzieher im Wesentlichen einheitlich systematisiert haben, sodass vor einer Änderung von Landesrecht eine politische Abstimmung
mit den anderen Ländern durchgeführt werden müsste.

(272)

Die Einnahmen des Landes für die Tätigkeit der Gerichtsvollzieher werden nach dem
Gerichtsvollzieherkostengesetz und den entsprechenden Durchführungsbestimmungen in Form von Gebühren und Auslagen erhoben (z. B. Schreibauslagen, Porto und
Telefonkosten, Wegegelder).

(273)

Die Ausgaben des Landes für die Tätigkeit der Gerichtsvollzieher setzen sich zusammen aus den ihnen nach dem Besoldungsrecht zustehenden Dienstbezügen und
Vollstreckungsvergütungen. Letztere werden in Höhe von 15 % des erhobenen Gebührenanteils vom Land auf der Grundlage der vom Bund erlassenen Vollstreckungsvergütungsverordnung gewährt und haben den Sinn, den Gerichtsvollzieher
zu erhöhtem Arbeitseinsatz anzuspornen (sogenannte Anspornvergütung). Sie sind
auf einen jährlichen Höchstbetrag begrenzt. Wird dieser überschritten, verbleibt dem
Gerichtsvollzieher ein Mehrbetrag von 50 %.
Hinzu kommen Bürokostenentschädigungen, die das Land auf Grund einer von ihm
erlassenen und jährlich anzupassenden Verordnung an die Gerichtsvollzieher zahlt.

(274)

Mit den Bürokostenentschädigungen werden die Gerichtsvollzieher dafür entschädigt, dass sie verpflichtet sind, am Amtssitz ein Geschäftszimmer auf eigene Kosten
einzurichten und zu unterhalten und darüber hinaus Büro- und Schreibhilfen auf eigene Kosten zu beschäftigen, soweit es der Geschäftsbetrieb erfordert. Den Gerichtsvollziehern stehen daher sämtliche von ihnen erhobene Schreibauslagen und Wege-

140
gelder sowie Anteile der für die erledigten Aufträge vereinnahmten Gebühren (Gebührenanteile) zu.
(275)

Die Berechnung dieser Gebührenanteile richtet sich nach einer Vereinbarung zwischen den Justizverwaltungen der Länder und der Finanzministerkonferenz. Demnach wird ein bundeseinheitlicher Jahreskostenbetrag für einen durchschnittlichen
Bürobetrieb berechnet, der erstmalig 1975 festgelegt worden ist. Er teilt sich im Verhältnis 70 % : 30 % in Personal- und Sachkostenanteil auf. Der Personalkostenanteil
wurde jährlich entsprechend der tariflich bedingten Änderung fortgeschrieben, der
Sachkostenanteil nach Bedarf angepasst.

Einzelne Erkenntnisse zu den Einnahmen und Ausgaben und
Änderungsvorschläge
Personalkostenanteil der Bürokostenentschädigungen
(276)

Die Gerichtsvollzieher erhalten pauschale Bürokostenentschädigungen für Personalkosten. Dem stehen nach eigenen Angaben der Gerichtsvollzieher tatsächliche Aufwendungen für Bürohilfskräfte in Höhe von nur rd. 10 % der Pauschalen gegenüber.
Somit wurde 90 % der Pauschale nicht für die Beschäftigung von Bürohilfskräften
eingesetzt.

(277)

Von 16 befragten Gerichtsvollziehern hatten zwei Gerichtsvollzieher keine und vier
Gerichtsvollzieher unentgeltlich tätige Büro- und Schreibhilfen. Drei Gerichtsvollzieher hatten sogar zwei Bürohilfskräfte angestellt. Die Bürohilfskräfte erhielten im
Durchschnitt 1998 rd. 277 DM (rd. 142 €) und 1999 rd. 356 DM (rd. 182 €) im Monat. Daraus ergaben sich Stundenlöhne von 1,50 DM (0,77 €) bis 15,00 DM (7,67 €)
bei einer Wochenarbeitszeit von vier bis 20 Stunden.

(278)

Der Landesrechnungshof regt an, dass das Land die Bürokostenentschädigungsverordnung in der Weise ändert, dass Personalkosten einer Bürohilfskraft zunächst nur
in der nachgewiesenen Höhe erstattet werden.

141
Sachkostenanteil der Bürokostenentschädigung
(279)

Auch bei den Sachkosten gilt, dass die tatsächlichen Ausgaben für die Unterhaltung
eines Büros geringer sind als die mit der Bürokostenentschädigung pauschal gezahlten Entschädigungen.
Die Umfrage ergab, dass 16 befragte Gerichtsvollzieher für die Unterhaltung ihrer
Büros 1999 jeweils durchschnittlich rd. 12.300 DM (rd.6.300 €) an Sachkosten aufgewandt haben. Die tatsächlich getätigten Ausgaben der Gerichtsvollzieher lagen
damit unter dem pauschal gezahlten Sachkostenanteil der Bürokostenentschädigung
in Höhe von 16.881 DM (8.631 €).

(280)

Zur Vermeidung von Härtefällen bei der Überarbeitung des Entschädigungssystems
schlägt der Landesrechnungshof vor, dass zunächst – wie bei der Berechnung des
Jahreskostenbetrages angenommen – Kosten von bis zu 14.501 DM (7.414 €) je Gerichtsvollzieher vom Land getragen werden. Zu gegebener Zeit könnte die Erstattung
der tatsächlich nachgewiesenen Sachausgaben erwogen werden.

Notwendigkeit der Überprüfung der pauschalen Aufwandsentschädigungen
(281)

Bürokostenentschädigungen für Gerichtsvollzieher sind ihrer Natur nach Aufwandsentschädigungen. In festen Beträgen (Pauschalen) dürfen sie jedoch nur dann gezahlt
werden, wenn auf Grund tatsächlicher Anhaltspunkte oder tatsächlicher Erhebungen
nachvollziehbar ist, dass finanzielle Aufwendungen typischerweise entstehen. Pauschalen sind daher regelmäßig daraufhin zu überprüfen, ob der angenommene Aufwand immer noch tatsächlich gegeben ist. Bei Nichterfüllung ihrer Voraussetzungen
ist die Zahlung von Aufwandsentschädigungen unzulässig. Keinesfalls darf eine
nicht den tatsächlichen Kosten entsprechende, überzogene Pauschalerstattung verdeckt die Besoldung aufstocken.
Insgesamt ist festzustellen, dass die Gerichtsvollzieher nach dem gegenwärtigen Entschädigungssystem z. T. in erheblichem Maße Entschädigungen erhalten, die über
den Aufwendungen liegen, die ihnen durch die Verpflichtung zur Unterhaltung eines
Büros tatsächlich entstehen.

142

Abschaffung der Erstattung von Schreibauslagen
(282)

Die Gerichtsvollzieher zogen auf Grund des zur Zeit der örtlichen Erhebungen geltenden Rechts bei ihren Amtshandlungen als Schreib- und sonstige Auslagen
0,80 DM (0,41 €) für Vordrucke und 0,60 DM (0,31 €) für jedes geführte Telefonat
im Ortsverkehr ein, die ihnen in voller Höhe als Entschädigung zustehen. Über die
reinen Materialkosten hinaus sind hierin auch die Personalkosten anteilig enthalten.
Solange aber das Land mit den regulären Dienstbezügen die gesamten Personalkosten trägt, sollten die Gerichtsvollzieher von den Schreibauslagen nur die tatsächlichen Materialkosten einbehalten dürfen. Diese aber machen nur einen geringen Teil
der erhobenen Schreibauslagen aus.
Der Landesrechnungshof ist der Ansicht, dass die bei den Gerichtsvollziehern anfallenden Schreibkosten eigentlich Sachkosten sind, die schon mit der Bürokostenentschädigung erstattet werden. Er schlägt daher vor, die Ausgaben des Landes dadurch
zu verringern, dass es die erhobenen Schreibauslagen einbehält. Allein im Landgerichtsbezirk Rostock wären dadurch 1999 rd. 142.000 DM (rd. 72.600 €) nicht ausgegeben worden.

Gesamtbewertung des gegenwärtigen Vergütungs- und
Entschädigungssystems
(283)

Die Mängel des gegenwärtigen Vergütungs- und Entschädigungssystems liegen zunächst darin, dass Entschädigungen für nicht nachgewiesenen Aufwendungen gezahlt
werden. Auf diese Weise werden die Gerichtsvollzieher besser gestellt als vergleichbare Vollstreckungsbeamte in der Finanzverwaltung und in den Kommunen. Außerdem wird der Zweck der Vollstreckungsvergütung als Anspornvergütung (zzt. 15 %
der eingenommenen Gebühren) nicht erreicht:
Unter Berücksichtigung ihrer dienstlichen Aufwendungen sind die Gerichtsvollzieher
mit den höchsten Zusatzbezügen aus Vergütung und Entschädigung nach den Untersuchungen des Landesrechnungshofes zwar auch diejenigen, die das höchste Pensum
erfüllen, jedoch gleichzeitig diejenigen mit den geringsten Kosten für Sachausgaben,
Bürohilfskräfte und/oder den höchsten Wegstreckenentschädigungen. Dadurch verliert die Vollstreckungsvergütung die ihr eigentlich zugedachte Funktion. Um diese
wieder herzustellen, könnte es sich anbieten, die Höchstgrenze für die Vollstre-

143
ckungsvergütung aufzuheben. Dazu wäre eine Änderung der Vollstreckungsvergütungsverordnung auf Bundesebene notwendig.

Notwendigkeit der Änderung des bisherigen Entschädigungsmodells und deren Folgen
(284)

Der Landesrechnungshof ist um eine spürbare Erhöhung der den Ländern verbleibenden Gebührenanteile bemüht. An dem strukturellen Problem, dass der weit überwiegende Teil der Gebühren auch weiterhin für die Vergütungs- und Entschädigungsanteile der Gerichtsvollzieher aufgewendet werden muss, vermag beispielsweise eine bloße Gebührenerhöhung nichts zu ändern. Um die derzeit hohe Deckungslücke abzubauen, ist vielmehr eine grundlegende Änderung des bisherigen Entschädigungsmodells erforderlich.
Nach den Feststellungen des Landesrechnungshofes liegen die Hauptdefizite des bisherigen Entschädigungsmodells in der ungeprüften Fortschreibung der 1975 erstmals
festgelegten Pauschalen für Bürokostenentschädigungen sowie der nicht am tatsächlichen Aufwand orientierten Überlassung sämtlicher erhobener Schreibauslagen und
Wegegelder.

(285)

Am Beispiel der Untersuchungen im Landgerichtsbezirk Rostock würden sich die
Ausgaben des Landes bei Umsetzung der Vorschläge des Landesrechnungshofes in
künftigen Jahren so darstellen, dass Schreibauslagen, die 1999 in Höhe von
142.000 DM (rd. 72.600 €) angefallen waren, gänzlich und Sachausgaben für Bürokostenentschädigungen in Höhe von 46.700 DM (23.877 €) eingespart werden können.
Die nach dem bisherigen System auch künftig zu zahlenden 567.100,00 DM
(289.953,63 €) an pauschalen Entschädigungen für Bürohilfskräfte könnten auf die
tatsächlichen Ausgaben von lediglich 59.500,00 DM (30.421,87 €) im Jahr reduziert
werden. Sollte es bei diesem geringen Beschäftigungsgrad bleiben, könnte das Land
durch die Umsetzung der Vorschläge des Landesrechnungshofes weitere
507.600,00 DM (259.531,76 €) einsparen.

(286)

Der Landesrechnungshof weist allerdings darauf hin, dass es sich bei dem aufgezeigten Einsparpotenzial beim Landgericht Rostock von insgesamt rd. 696.300 DM

144
(rd. 356.000 €) (Personal- und Sachkosten einschl. Schreibauslagen) im Jahr um eine
rechnerische Größe handelt. Dies gilt insbesondere für die Personalkosten.
Sollten die Vorschläge des Landesrechnungshofes umgesetzt werden, so verblieben
den Gerichtsvollziehern neben ihrer Besoldung und der vollständigen Entschädigung
ihrer nachgewiesenen Aufwendungen eine zusätzliche Vergütung von rd. 10.000 DM
jährlich (rd. 5.100 €) aus der Vollstreckungstätigkeit. Entsprechende Vorschläge haben bereits der Landesrechnungshof Schleswig-Holstein und der Sächsische Rechnungshof unterbreitet.
(287)

Das Justizministerium hat sich hierzu wie folgt geäußert: Die festgestellten Ausgaben der Gerichtsvollzieher für ihre Bürohilfskräfte entsprächen nicht dem tatsächlichen Aufwand an Büroarbeit der Gerichtsvollzieher. Da die Gerichtsvollzieher in
Feierabend- und Wochenendarbeit Büroarbeiten erledigen, seien die hohen pauschalen Bürokostenentschädigungen gerechtfertigt. Eine Abkehr von der Pauschalierung
hin zur Abrechnung nach tatsächlichem Aufwand bringe keine automatischen Einsparungen. Vielmehr könne mit der Pauschalierung ein erheblicher zusätzlicher
Verwaltungsaufwand vermieden werden.

(288)

Hierzu ist jedoch anzumerken:
− Die Bürokostenentschädigung soll den Aufwand für Personal pauschal abdecken.
Sie ist nicht als weitere Einkommensquelle der Gerichtsvollzieher für den Fall gedacht, dass sie kein oder nur in geringem Umfang Personal beschäftigen. Einem
zeitlich unbegrenzten Einsatz der Gerichtsvollzieher selber steht die Verordnung
über die Arbeitszeit der Beamten im Land Mecklenburg-Vorpommern vom 7. April 1995 (GVOBl. S. 224) entgegen.
− Angesichts der sehr großen Differenz zwischen tatsächlich entstandenen Aufwendungen und der Höhe der Pauschalen dürfte der mit der Einzelabrechnung verbundene Aufwand – den das Justizministerium im Übrigen nicht quantifiziert
hat – kaum ins Gewicht fallen.

Durchführungen der Prüfungen der Gerichtsvollzieher
(289)

Die Geschäfte der Gerichtsvollzieher müssen nach den Vorschriften der Gerichtsvollzieherordnung vierteljährlich überprüft werden. Die ordentliche Geschäftsprü-

145
fung kann jedoch unterbleiben, wenn in dem maßgebenden Zeitraum eine außerordentliche Prüfung stattfindet. Diese außerordentliche Geschäftsprüfung muss
mindestens einmal im Haushaltsjahr unvermutet im Geschäftszimmer des
Gerichtsvollziehers durchgeführt werden.
(290)

Der Landesrechnungshof stellte fest, dass 1998 und 1999 im Landgerichtsbezirk
Rostock sowohl zu wenige ordentliche als auch außerordentliche Prüfungen durchgeführt worden sind. Durch fehlende und mangelhafte Geschäftsprüfungen war es nicht
möglich hinreichend festzustellen, inwieweit es bei den einzelnen Gerichtsvollziehern Defizite in der Ausbildung gibt und inwiefern sie ihre Aufgaben zügig und
kompetent erledigen. Insofern war dem Landgericht Rostock auch die Möglichkeit
genommen, strategisch lenkend auf entsprechende Defizite Einfluss zu nehmen und
diese langfristig auszuräumen.

(291)

Nach Akteneinsicht stellte der Landesrechnungshof darüber hinaus fest, dass sich die
Prüfungsvermerke in Ausführlichkeit, Informationsgehalt und Differenziertheit unterscheiden und dass insbesondere die Intensität der Geschäftsprüfung sehr vom einzelnen Prüfungsbeamten abhängt. Der Erwerb des spezifischen Wissens beruht aber
ausschließlich auf dem Engagement des einzelnen Gerichtsvollzieherprüfungsbeamten selbst, da es für diese Aufgabe keine spezielle Ausbildung gibt. Um die Situation
hinsichtlich der Qualität der Gerichtsvollzieherprüfung zu verbessern, ist nach Ansicht des Landesrechnungshofes vor allem die Aus- und Fortbildung von Gerichtsvollzieherprüfern zu intensivieren.

(292)

Das Justizministerium rechtfertigt die festgestellten unterlassenen Prüfungen bei den
Gerichtsvollziehern mit dem Einsatz aller Kräfte beim Abbau der Rückstände im
Grundbuchbereich. Es erläutert, dass spätestens seit Mai 2001 die Anzahl der tatsächlich durchgeführten Prüfungen angestiegen sei.
Das Justizministerium bestätigte, dass für Gerichtsvollzieherprüfungen keine spezifische Ausbildung vorgesehen sei. Jedoch seien Hospitationen und Einweisungen bei
Gerichtsvollzieherprüfungen in anderen Bundesländern ermöglicht worden. Weiterer
Fortbildungsbedarf bei den Prüfungsbeamten solle ermittelt und Erforderliches veranlasst werden.

146

Bekämpfung von Drogen, Sucht und Aids

Das Sozialministerium hat trotz der Zunahme
der Sucht- und Drogenproblematik die im Landeshaushalt veranschlagten Haushaltsmittel zur
Bekämpfung von Drogen, Sucht und Aids nicht
in vollem Umfang für entsprechende Maßnahmen ausgegeben. Bei konsequenter Anwendung
des Haushalts-, insbesondere des Zuwendungsrechtes, hätten die Ziele der geförderten Maßnahmen mit weniger Haushaltsmitteln erreicht
werden können.
Die Prüfung bei einem der Zuwendungsempfänger hat erhebliche Mängel in der Abrechnung der
Mittel ergeben.

(293)

Der Landesrechnungshof hat von den Ausgaben des Landes zur Bekämpfung von
Drogen, Sucht und Aids ausgewählte Maßnahmen der Titel 1002 653.62 TG 62
„Zuweisungen an kommunale Träger zur Suchtprävention, Bekämpfung des Suchtmittelmissbrauchs und zur Bekämpfung von Aids“ und 1002 684.62 TG 62 „Zuschüsse an freie Träger zur Suchtprävention, Bekämpfung des Suchtmittelmissbrauchs und zur Bekämpfung von Aids“ insbesondere der Haushaltsjahre 1999 und
2000 stichprobenweise im Sozialministerium und bei einem Zuwendungsempfänger
geprüft.

Defizite bei der Anwendung des Zuwendungsrechtes
Allgemeines
(294)

Der Landesrechnungshof hat bereits im Jahr 1996 die Zuschüsse an freie Träger zur
Suchtprävention, Bekämpfung des Suchtmittelmissbrauchs und zur Bekämpfung von
Aids geprüft und dabei teilweise erhebliche Mängel in der Anwendung des Zuwendungsrechtes festgestellt. Grundlage seiner Feststellungen waren die in den Jahren
1993 und 1994 gewährten Zuwendungen.

147
(295)

Die Prüfung der Zuweisungen und Zuschüsse der Haushaltsjahre 1999 und 2000 ergab, dass im Sozialministerium weiterhin Defizite in der Anwendung des Zuwendungsrechtes bestehen. Zum Teil sind die gleichen Mängel wie in der vorangegangenen Prüfung festgestellt worden.
Beispielhaft zu nennen sind hier Mängel im Antragsverfahren, wie
− unzureichende Abstimmung mit anderen Zuwendungsgebern,
− unzureichende Beurteilung der wirtschaftlichen Gesamtsituation der Zuwendungsempfänger,
− Anerkennung von nicht zuwendungsfähigen Ausgaben und
− unzureichende Vermerke zur Antragsprüfung,
Mängel in den Zuwendungsbescheiden, wie
− fehlende Angaben zur Zweckbindung von Gegenständen,
− fehlende bzw. unzutreffende Festlegung der Finanzierungsart,
− fehlende Angaben zum Umfang der zuwendungsfähigen Ausgaben,
− mangelhafte Festlegungen zum Verwendungsnachweis sowie
− die verzögerte Prüfung der Verwendungsnachweise.

(296)

Die aufgezeigten Mängel im Antragsverfahren und in den Zuwendungsbescheiden
haben dazu geführt, dass Zuwendungen über das erforderliche Maß hinaus bewilligt
wurden, aber auch dazu, dass die ordnungsgemäße Prüfung der Verwendungsnachweise und die damit verbundene korrekte Ermittlung und Erhebung von Rückforderungen bei ggf. nicht zweckentsprechender Mittelverwendung von vornherein eingeschränkt sind.
Nach Feststellung des Landesrechnungshofes wird das Sozialministerium nicht nur
in Ausnahmefällen Rückforderungen auf Grund von nachträglicher Ermäßigung der
Ausgaben oder Änderung der Finanzierung zu prüfen und zu veranlassen haben.
Die verzögerte Prüfung der Verwendungsnachweise verhindert die effektive und
zeitnahe Erfolgskontrolle der bewilligten Zuwendungen und damit ggf. die unverzügliche Rückforderung von nicht zweckentsprechend verwendeten Mitteln.

148
(297)

Bei richtiger Anwendung des Haushaltsrechts (§ 44 LHO, einschließlich der geltenden Verwaltungsvorschriften) hätte der beabsichtigte Zuwendungszweck auch mit
weniger Haushaltsmitteln erreicht werden können.

(298)

Die Stellungnahme des Sozialministeriums insgesamt lässt nur bedingt erkennen,
dass es die erforderlichen Schlussfolgerungen aus den Prüfungen des Landesrechnungshofes ziehen wird.

Anerkennung nicht zuwendungsfähiger Ausgaben
(299)

Bei der Festsetzung der zuwendungsfähigen Ausgaben hat das Sozialministerium
Mietausgaben in der beantragten Höhe anerkannt, obwohl in den meisten Fällen der
geforderte Mietvertrag zum Nachweis der tatsächlichen Mietausgaben nicht vorlag.
In anderen Fällen hat das Sozialministerium kalkulatorische Mieten als Mietausgaben bei den laufenden Sachausgaben und damit bei den zuwendungsfähigen Ausgaben anerkannt.

(300)

Zuwendungen sind in Mecklenburg-Vorpommern grundsätzlich und auch in diesem
Zuwendungsbereich auf der Basis von Ausgaben zu bewilligen (vgl. VV Nr. 2 zu
§ 44 LHO und Nr. 5.3 der Förderrichtlinie der Beratungs- und Behandlungsstellen
für Sucht- und Drogenkranke und -gefährdete, AmtsBl. M-V 1996 S. 747). In den
zuvor genannten Fällen ist nicht sichergestellt, ob den anerkannten Mietausgaben in
vollem Umfang tatsächliche Ausgaben gegenüberstehen.

(301)

Das Sozialministerium führt in seiner Stellungnahme aus: „Kalkulatorische Mieten
gehören zu den Gesamtausgaben eines Projektes und werden deshalb als zuwendungsfähig anerkannt.“

(302)

Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Auffassung, dass die Anerkennung von
kalkulatorischen Mieten in diesem Zuwendungsbereich nicht in Übereinstimmung
mit dem Zuwendungsrecht steht.

Anerkennung von Verwaltungsumlagen
(303)

Bei der Förderung der Beratungs- und Behandlungsstellen für Sucht- und Drogenkranke und -gefährdete (BBSD) hat das Sozialministerium zusätzlich zu den Ausga-

149
ben für z. B. Porto, Telefon, Büromaterial auch teilweise Personalausgaben für die
Verwaltung und regelmäßig sog. Regiekosten/Verwaltungsumlage/Verwaltungsgemeinkosten als Teil der zuwendungsfähigen laufenden Sachausgaben anerkannt.
Der in pauschaler Höhe beantragte und in der Höhe auch bewilligte Betrag schwankt
je BBSD zwischen 5.000 bis 35.320 DM (2.556,46 bis 18.058,83 €) im Jahr 1999
und von 5.000 bis 40.490 DM (2.556,46 bis 20.702,21 €) im Jahr 2000.
(304)

Das Sozialministerium hat keine einheitliche prozentuale „Verwaltungskostenpauschale“ ermittelt und für die Anerkennung der laufenden Sachausgaben zu Grunde
gelegt, sondern bei den Zuwendungsempfängern jeweils die beantragte Pauschale in
voller Höhe als zuwendungsfähig anerkannt.
Der Landesrechnungshof hält die bewilligten Ausgaben für Verwaltungsumlagen
zumindest teilweise für zu hoch. Er ist der Auffassung, dass die Ausgaben für Verwaltungsumlagen so gering wie möglich zu halten sind, um die knappen Haushaltsmittel effizient zur Bekämpfung von Drogen, Sucht und Aids einzusetzen.

(305)

Das Sozialministerium hat in seiner Stellungnahme mitgeteilt, dass es entsprechend
dem Vorschlag des Landesrechnungshofes künftig eine Pauschale ermitteln und diese berücksichtigen wird.

Aidsberatungsstelle
(306)

Ein Zuwendungsempfänger hat in seinem Verwendungsnachweis bei anerkannten
zuwendungsfähigen Ausgaben und Einnahmen in Höhe von jeweils 327.854,60 DM
(167.629,40 €) Ausgaben in Höhe von 316.758,90 DM (161.956,25 €) und Einnahmen in Höhe von 337.214,64 DM (172.415,11 €) nachgewiesen.
Ermäßigen sich nach der Bewilligung die im Finanzierungsplan veranschlagten Gesamtausgaben für den Zuwendungszweck, erhöhen sich die Deckungsmittel oder treten neue Deckungsmittel hinzu, so ermäßigt sich die Zuwendung bei Anteilfinanzierung anteilig mit etwaigen Zuwendungen anderer Zuwendungsgeber und den vorgesehenen eigenen und sonstigen Mitteln des Zuwendungsempfängers (Nr. 2.1
ANBestP a. F.).
Die Ermäßigung der Ausgaben und die Erhöhung der Einnahmen (Deckungsmittel)
führen dazu, dass das Sozialministerium den Zuwendungsbetrag des Landes neu zu
ermitteln und eine Rückforderung von Fördermitteln zu prüfen haben wird.

150
(307)

Unter den Ausgaben wurden u. a. auch folgende Beträge für laufende Sachausgaben
nachgewiesen:
a)
a)
a)
a)
a)
b)
b)
b)
a) und b)
a) und b)
a) und b)

Laptop
Computer
Scanner
Küche
Möbel
Präsente und Geschenke
Geburtstagsblumen
Spenden
Aquarium und Aquariumszubehör
digitale Kamera
Billardtisch
Gesamt

2.033,95 DM
1.282,00 DM
399,00 DM
707,00 DM
2.555,64 DM
538,60 DM
91,20 DM
500,00 DM
588,00 DM
899,00 DM
300,00 DM
9.894,39 DM

(1.039,94 €)
(655,48 €)
(204,01 €)
(361,48 €)
(1.306,68 €)
(275,38 €)
(46,63 €)
(255,65 €)
(300,64 €)
(459,65 €)
(153,39 €)
(5.058,93 €)

Der Landesrechnungshof hat Zweifel, ob die unter a) abgerechneten Ausgaben den
laufenden Sachausgaben zuzurechnen sind und ob die unter b) aufgeführten Ausgaben nach Nr. 2 der Förderrichtlinie für Aidsberatungsstellen als zuwendungsfähig
anerkannt werden können. Damit ermäßigen sich die anzuerkennenden zuwendungsfähigen Ausgaben um bis zu 9.894,39 DM (5.058,93 €) auf 306.864,51 DM
(156.897,32 €).
(308)

Das Sozialministerium hat in seiner Stellungnahme ausgeführt, dass der Verwendungsnachweis des Jahres 1999 noch nicht abschließend geprüft ist.

Feststellungen bei einem Zuwendungsempfänger
Verwendungsnachweise mit unterschiedlichen Angaben
(309)

Für die Durchführung des Projektes „Sucht- und Drogenberatungsstelle“ hat der Zuwendungsempfänger außer vom Land noch von fünf weiteren Zuwendungsgebern
Mittel erhalten.
Der Zuwendungsempfänger hat für jeden Zuwendungsgeber einen gesonderten Verwendungsnachweis mit teilweise unterschiedlichen Angaben erstellt.

Einnahmen
Ausgaben

Nachweis gegenüber
dem Land
619.791,79 DM
(316.894,51 €)
612.726,71 DM
(313.282,19 €)

Nachweis
gegenüber A
643.283,26 DM
(328.905,51 €)
635.625,63 DM
(324.990,22 €)

Nachweis
gegenüber B
644.906,92 DM
(329.735,67 €)
644.906,92 DM
(329.735,67 €)

151
(310)

Werden für denselben Zweck Zuwendungen sowohl vom Land als auch von anderen
juristischen Personen des öffentlichen Rechts bewilligt, sollen nach näherer Vereinbarung der Verwendungsnachweis und ggf. der Zwischennachweis nur gegenüber
einer Stelle erbracht werden (VV Nr. 10.2 Satz 1 zu § 44 LHO). Damit ist ausgeschlossen, dass mehrere Verwendungsnachweise für denselben Zweck mit unterschiedlichen Angaben erstellt werden.

(311)

Die unterschiedlichen Angaben in den Verwendungsnachweisen führen zu Zweifeln
an der Ordnungsmäßigkeit der Abrechnung der Mittel. Das Sozialministerium muss
bereits vor der Bewilligung eine Abstimmung mit den anderen Zuwendungsgebern
zum Verwendungsnachweisverfahren vornehmen und Einvernehmen über eine Prüfung durch eine der beteiligten Verwaltungen herstellen (VV Nr. 1.5 zu § 44 LHO).

Differenzen zwischen Verwendungsnachweis und Buchhaltung
(312)

Bei anerkannten zuwendungsfähigen Ausgaben in Höhe von 609.310 DM
(311.535,26 €) hat das Sozialministerium dem Zuwendungsempfänger eine Anteilfinanzierung von 31,5 % für die Durchführung des Projektes „Sucht- und Drogenberatungsstelle“ gewährt. Das entspricht einer Zuwendung von bis zu 192.280 DM
(98.311,20 €).
Der Zuwendungsempfänger hat dem Projekt zwei Kostenstellen zugeordnet. An
Hand der Summen- und Saldenliste der Buchhaltung hat der Landesrechnungshof für
das Projekt Ausgaben in Höhe von 596.768 DM (305.122,63 €) ermittelt. In den
Verwendungsnachweisen hat der Zuwendungsempfänger jedoch Ausgaben in unterschiedlicher Höhe dargestellt (s. obige Tabelle).

(313)

Die Differenzen zwischen den Angaben der Summen- und Saldenliste und den in den
Verwendungsnachweisen abgerechneten Ausgaben sind für den Landesrechnungshof
nicht nachvollziehbar.

Ausgaben für Wasser/Abwasser
(314)

Der Zuwendungsempfänger hat im Verwendungsnachweis für das Jahr 1999 mit
einem internen Beleg Ausgaben für Wasser/Abwasser in Höhe von 1.285,46 DM
(657,25 €) für das Beratungszentrum nachgewiesen. Der Beleg lässt weder Zah-

152
lungsempfänger, Tag der Zahlung noch die verbrauchte Menge an Wasser/Abwasser
erkennen. Eine Abrechnung der Stadtwerke ist auf Anfrage hin nicht vorgelegt worden.
(315)

Bei einem Preis der Stadtwerke von 5,18 DM (2,65 €) je m³ hat der Landesrechnungshof daraus einen täglichen Verbrauch je Mitarbeiter von rd. 225 Liter Wasser/Abwasser ermittelt.
Der als Richtwert für die Dimensionierung von Wasserleitungen bei Neubau von Bürogebäuden üblicherweise anzusetzende Verbrauch pro Kopf und Tag von 40 bis
60 Litern liegt deutlich darunter.

(316)

Nach Auffassung des Landesrechnungshofes können Ausgaben für Wasser/Abwasser
in der abgerechneten Höhe von 1.285,46 DM (657,25 €) für den geförderten Zuwendungszweck nicht entstanden sein.

Nachweis von Kraftfahrzeugkosten
(317)

Die im Verwendungsnachweis angegebenen Ausgaben für Betriebskosten und Instandhaltung der Kraftfahrzeuge ließen sich nicht eindeutig dem Projekt zuordnen.
Nach Feststellung des Landesrechnungshofes hat die Beratungsstelle mindestens für
vier Kraftfahrzeuge Betriebs- und Instandhaltungskosten abgerechnet.

(318)

Die abgerechneten Ausgaben stehen nach Ansicht des Landesrechnungshofes in keinem Verhältnis zur Mitarbeiterzahl (sechs) und zu den Leistungen der Beratungsstelle.

(319)

Die Stellungnahme des Sozialministeriums zu den Feststellungen bei einem Zuwendungsempfänger steht noch aus. Es hat mitgeteilt, dass es mit der Verwendungsnachweisprüfung begonnen und zunächst alle das Projekt betreffenden Unterlagen
einschließlich Stellungnahmen zu den unterschiedlichen Nachweissummen gefordert
hat.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

153

Prüfung ausgewählter Hochbaumaßnahmen des Landes
im Bereich des Innenministeriums

Der Landesrechnungshof prüfte stichprobenweise Veranschlagung, Ausführung und Abrechnung
acht Kleiner Neu-, Um- und Erweiterungsbauten
mit einem Bauvolumen von rd. 1,9 Mio. DM
(rd. 970.000 €) aus dem Ressortvermögen des Innenministeriums.
Vor Abschluss des bauaufsichtlichen Prüfverfahrens ließ das Landesbauamt bereits Aufträge im
Wert von ca. 390.000 DM (ca. 199.400 €) ausführen und baute somit „schwarz“.
Einvernehmlich teilten die Oberfinanzdirektion
und das Landesbauamt eine als Große Baumaßnahme einzustufende Umbaumaßnahme in eine
Kleine Baumaßnahme und in Bauunterhaltung
als “Vorwegmaßnahme“ auf. Nach Mittelzuweisung

sollte

das

Landesbauamt

90.000 DM

(46.000 €) an das Fachressort zurückmelden, dies
ist nicht geschehen.
Forderungen eines Behördenleiters setzte das
Landesbauamt ohne Abstimmung mit der Oberfinanzdirektion um und gab dafür rd. 80.600 DM
(rd. 41.200 €) aus.

Allgemeines
(320)

Der Landesrechnungshof hat Hochbaumaßnahmen aus dem Bereich des Innenministeriums stichprobenweise in einem Landesbauamt geprüft. Es betraf Baumaßnahmen
gemäß RL Bau Abschnitt D beim Titel 1204 711.01 „Kleine Neu-, Um- und Erweiterungsbauten des Ministeriums und sonstiger Dienststellen“, die im Zeitraum 1993 bis

154
1999 durchgeführt und abgerechnet wurden. Die ausgewählten Bauvorhaben schlossen mit festgestellten Kosten in Höhe von rd. 1,9 Mio. DM (rd. 970.000 €) ab.
(321)

Infolge mehrerer Umzüge konnte das Landesbauamt nur noch für sechs der acht ausgewählten Vorhaben die Bauakten bereitstellen.
Das Finanzministerium teilte hierzu mit, dass zwischenzeitlich eine Bauakte gefunden sei. Des Weiteren sei mit Amtsverfügung 4/99 vom 29.4.1999 im Landesbauamt
eine Archivordnung rückwirkend zum 1.1.1999 eingeführt worden.
Bereits mit Einführung der RL Bau im Jahre 1991 war die Behandlung und Aufbewahrung von Bauakten für den Bereich der Landesbauverwaltung verbindlich geregelt.

Polizeihubschrauberstaffel
Haushaltsverstöße
(322)

Das Landesbauamt ermittelte 1997 im Rahmen einer Baubedarfsnachweisung Nr. 2
Baukosten in Höhe von 665.000 DM (340.000 €), die der Fachminister 1998 mit
645.000 DM (329.800 €) genehmigte. Der Haushaltsplan 1998 wies jedoch nur
150.000 DM (76.700 €) beim Titel 1204 711.01 “Kleine Neu-, Um- und Erweiterungsbauten des Ministeriums und sonstiger Dienststellen“ aus. Nach mehrfacher
„Umschichtung von Haushaltsmitteln“ erreichte das Finanzministerium die Bereitstellung der Haushaltsmittel in voller Höhe.
Auf Bitten des Innenministeriums stimmte die Oberfinanzdirektion zu, dass im Zusammenhang mit den Ausschreibungen der Bauleistungen und der Bürocontainer
auch das Mobiliar aus dem Bautitel 711.56 „Polizeihubschrauberstaffel Laage, Aufstellung von Containern sowie Einfriedung“ beschafft werden kann.
Die Ausgaben für Erstmöblierung sind nach dem Gruppierungsplan bei der Gruppe 812 zu veranschlagen. Gemäß § 45 Abs. 1 LHO dürfen Ausgaben „... nur zu dem
im Haushaltsplan bezeichneten Zweck“ geleistet werden.
Der Landesrechnungshof wertete diese Vorgehensweise als einen Verstoß gegen den
Grundsatz der sachlichen Bindung.
Das Finanzministerium verwies in seiner Stellungnahme darauf, dass es sich hier um
einen Sonderfall handle. Die Flächen der Räume in den Containern seien kleiner als

155
normale Büroräume und daher sei eine optimale Raumnutzung nur mit angepasstem
Mobiliar (z. T. Einbaumöbel) möglich. Eine Vergleichbarkeit mit so genannten Einbaumöbeln sei auch nach Auffassung des Innenministeriums in diesem Fall gegeben.
Eine gesonderte Beschaffung solcher Möbel hätte zu Mehrkosten geführt.
Die Bauverwaltung hat auf der Grundlage der Raumbedarfsermittlung die Einrichtungs- und Ausstattungsgegenstände für diese Containeranlage geplant und in einem
separaten Vergabeverfahren ausgeschrieben. Einbaumöbel bzw. dauerhafte Einbauten waren hierbei nicht vorgesehen, so dass diese Investitionsausgaben aus einem falschen Titel bezahlt wurden.

Baubeginn ohne baufachliche Zustimmung
(323)

Die bauaufsichtliche Prüfung der Ausführungsunterlagen schloss das Landesbauamt
im November 1998 ab. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Leistungen in Höhe von
ca. 390.000 DM (ca. 199.400 €) abgerechnet.
Gemäß Abschnitt D, Nr. 5.2 in Verbindung mit Abschnitt G, Nr. 1.1.4 RL Bau darf
das Landesbauamt erst nach Abschluss des bauaufsichtlichen Verfahrens einen Auftrag erteilen.
Um zukünftig nicht Gefahr zu laufen, „Schwarzbauten“ zu errichten, sind die hausinternen Verwaltungsabläufe besser zu koordinieren.
Das Finanzministerium schloss sich dieser Forderung an.

Mängel in Ausschreibung und Abrechnung
(324)

Das Landesbauamt forderte laut Leistungsverzeichnis eine 39 cm dicke Frostschutzschicht aus einem Sand-/Kiesgemisch als ungebundene Tragschicht für die Gehwegherstellung. In Anlehnung an die „Richtlinie für die Standardisierung des Oberbaues
von Verkehrsflächen 1986“ wäre eine maximale Einbaudicke der Frostschutzschicht
von 19 cm ausreichend gewesen. Die Leistung ist wie ausgeschrieben abgerechnet.
Kritisiert wurde die Einbaustärke einer Frostschutzschicht von 39 cm, die zu unnötigen Mehrausgaben geführt hat.

156
Das Finanzministerium teilte in seiner Stellungnahme mit, dass der Gehweg auf
Grund der schlechten Baugrundverhältnisse (anmooriger Boden) 20 cm tiefer hätte
ausgehoben werden müssen. Die Auffüllung sei mit Recyclingmaterial erfolgt.
Die Auffüllung des Gehweges mit Recyclingmaterial stellt eine Änderung der angebotenen Leistung dar und geht aus der Abrechnung nicht hervor. Die Bauverwaltung
hätte über einen Nachtrag das neu angebotene Material beauftragen müssen.
Zwischenzeitlich teilte das Finanzministerium mit, dass auch nach seiner Auffassung
die Erstellung eines Abrechnungsvermerkes sinnvoll gewesen wäre.
(325)

Ein Auftragnehmer rechnete den Anschluss für eine Dränageleitung zum einen als
Rohrleitung aus PVC-U DN 150 und zum anderen aus PVC-U DN 100 ab. Das Landesbauamt erkannte beide Positionen an und zahlte somit einmal für eine nicht erbrachte Leistung.
Auch war für diese nachträglich in Auftrag gegebene Dränageleitung die technische
Notwendigkeit nicht nachvollziehbar.
Nach Auffassung des Finanzministeriums wurden die Anschlussleitungen für die
Dachentwässerung und Ringdränage mit Rohrleitungen DN 150 an das Regenwassernetz hergestellt. Die Verlegung der Rohrleitungen DN 100 diente ausschließlich
dem Anschluss an das Schmutzwassernetz.
Die Notwendigkeit der Ringdränage begründet das Finanzministerium damit, dass
während der Bauausführung zeitweise Oberflächenwasser am Containerstandort angestanden habe und zum Schutz der Containeranlage die Ableitung des Oberflächenwassers sichergestellt werden musste.
Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Feststellung, dass die Anschlussleitungen
doppelt aufgemessen und abgerechnet wurden. Die Rohranschlussleitung DN 100
diente neben der Anbindung an das Schmutzwassernetz (Aufmaßblatt 12) auch der
Dachentwässerung (Fallrohr, Anschlussleitung) und der Einbindung der Ringdränage
in das Regenwassernetz (Aufmaßblätter 1 und 13). Im Aufmaßblatt 16 werden die
gleichen Anschlussleitungen jedoch mit einem Rohrdurchmesser DN 150 ausgewiesen.
Den Bauunterlagen lag kein Baugrundgutachten bei, aus dem Bodenverhältnisse hervorgehen, die eine vollständige Versickerung ausschließen und den Bau einer Dränage erforderten. Weiterhin ist die Funktionsfähigkeit dieser Dränageleitung anzuzwei-

157
feln, da baulich keine Wartungsmöglichkeiten, wie z. B. Kontroll- und Spülungsschächte, vorgesehen wurden.

Polizeidirektion
Baukosten übersteigen Kostenrahmen
(326)

Im Oktober 1992 meldete eine Polizeidirektion den Baubedarf für eine neue Einsatzleitstelle, den Umbau alter Technikräume zu Büroräumen sowie erforderliche Malerarbeiten im Zuge der Neubelegung im Hause an. Das Landesbauamt schätzte die
voraussichtlichen Baukosten auf 475.000 DM (242.900 €). Nachdem das Innenministerium im Februar 1993 das Baubedürfnis anerkannt hatte, erteilte die Oberfinanzdirektion dem Landesbauamt am 22.3.1993 den Planungsauftrag.
Am 2.8.1993 stellte das Landesbauamt Baukosten in Höhe von 860.000 DM
(439.700 €) fest.
Um die Kostenobergrenze für Kleine Neu-, Um- und Erweiterungsbauten von
750.000 DM (383.500 €) einzuhalten, einigten sich die Oberfinanzdirektion, das
Landesbauamt und der Nutzer, die festgestellten Baukosten um 141.000 DM
(72.100 €) zu reduzieren. Diese Bauleistungen sollten aus Dringlichkeitsgründen als
„Vorwegmaßnahme“ im Rahmen der Bauunterhaltung durchgeführt und abgerechnet
werden.
Hierzu bemerkte der Landesrechnungshof, dass:
− seit Februar 1992 für Kleine Neu-, Um- und Erweiterungsbauten, die für das
Jahr 1993 und folgende veranschlagt wurden, eine Kostenobergrenze von
500.000 DM (255.600 €) galt und die Kostenschätzung von 475.000 DM
(242.900 €) offensichtlich auf diese Obergrenze abgestellt und völlig irreal war;
− der angemeldete Baubedarf nach Feststellung des Landesrechnungshofes in unzulässiger Weise gesplittet und in mindestens vier separaten Baumaßnahmen ausgeführt wurde;
− die Gesamtausgaben von rd. 1.224.000 DM (rd. 625.900 €) zeigen, dass der Kostenrahmen für die Kleinen Neu-, Um- und Erweiterungsbauten weit überschritten
wurde.

158
Auch die Begründung der „Dringlichkeit“ rechtfertigt in keiner Weise dieses Vorgehen.
Dazu teilte das Finanzministerium mit, dass:
− „... Einsatzleitstellen ein unverzichtbares und zum damaligen Zeitpunkt neues polizeiliches Führungsmittel waren und deshalb eine kurzfristige In-Dienst-Stellung
im engen zeitlichen Zusammenhang mit deren Erstbeschaffung erfolgen musste.“
− die technischen Anforderungen des Nutzers für die neue Einsatzleitstelle bei der
Baubedarfsanmeldung noch nicht vorgelegen hätten und deshalb mit der 1992
noch geringen Erfahrung nur eine grobe Kostenschätzung für den dringenden
Umbau und Technikeinsatz in Höhe von 475.000 DM (242.900 €) vorgenommen
worden sei.
− die Baubedarfsnachweisung Nr. 2 für den Umbau der Räumlichkeiten der alten
Einsatzleitstelle der Nutzer erst am 12.9.1994 aufgestellt wurde und zu diesem
Zeitpunkt der Bau der neuen Einsatzleitstelle nahezu abgeschlossen gewesen sei.
− der Bau der neuen und der Umbau der alten Einsatzleitstelle vom Ablauf her zwei
unterschiedliche, zeitlich versetzte Teilmaßnahmen gewesen seien.
− die Beanstandungen des Landesrechnungshofes bzgl. der erheblichen Abweichung zwischen den geschätzten und festgestellten Baukosten und der vorgenommenen Teilung des Vorhabens zur Unterschreitung der Kostenobergrenze für
Kleine Neu-, Um- und Erweiterungsbauten zutreffend seien.
− ... „Die gegenüber der ursprünglichen Planung erhöhten Kosten sind im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass die Planungen mehrfach an fortgeschriebene
Nutzerforderungen angepasst werden mussten.“
Mit der Baubedarfsnachweisung Nr. 2 vom Oktober 1992 (neue Einsatzleitstelle)
forderte die hausverwaltende Dienststelle gleichzeitig den Umbau der Räume der alten Einsatzleitstelle zu Büroräumen sowie erforderliche weitere Umbauten einschließlich Malerarbeiten im Zuge der Neubelegung im Hause. Dieser angemeldete
Baubedarf betrifft eindeutig das Bauvolumen beider Vorhaben. Der Landesrechnungshof bezweifelt nicht, dass der Bau der neuen und der Umbau der alten Einsatzleitstelle in zwei zeitlich versetzten Abschnitten durchgeführt wurde. Er bleibt jedoch
bei seiner Wertung, dass die mehrfache haushaltsrechtliche Teilung einen Haushalts-

159
verstoß darstellt, da der Inhalt der Baubedarfsnachweisung Nr. 2 von 1994 bereits in
der Baubedarfsnachweisung Nr. 2 aus dem Jahre 1992 enthalten war.

Baufachliches Prüfungs- und Genehmigungsverfahren
(327)

Das Landesbauamt legte der Oberfinanzdirektion am 15.9.1993 die Kostenberechnung der Haushaltsunterlage Bau mit Gesamtkosten in Höhe von 720.000 DM
(368.100 €) zur Prüfung vor. Die Prüfung ergab eine Kostenreduzierung um
89.000 DM (45.500 €) auf 631.000 DM (322.600 €). Die OFD erteilte am 1.12.1993
die baufachliche Genehmigung mit Baukosten in Höhe von 631.000 DM
(322.600 €).
Die Änderungen waren nicht nachvollziehbar, da sich beispielsweise ausgewiesene
Reduzierungen in der Einzelkostenaufstellung der Kostenberechnung der Oberfinanzdirektion nicht widerspiegelten. Der Landesrechnungshof beanstandete des Weiteren Rechen- und Übertragungsfehler.
Das Finanzministerium stimmte den Beanstandungen zu.

(328)

Nach Genehmigung der Baumaßnahme durch das Innenministerium am 15.3.1994
reduzierte die Oberfinanzdirektion nach Rücksprache mit dem Innenministerium und
dem Landesbauamt am 31.5.1994 nochmals die Kostenansätze der Leistungen im
Bereich Heizungs- und Raumlufttechnik. Die Oberfinanzdirektion wies am 6.6.1994
das Landesbauamt an, die voraussichtlichen Minderkosten in Höhe von 90.000 DM
(46.000 €) an das Fachressort zurückzumelden.
Der Landesrechnungshof stellte fest, dass die nachträgliche Reduzierung des Leistungsumfanges nach Aktenlage nicht zu einer Reduzierung der genehmigten Baukosten von 631.000 DM (322.600 €) geführt hat. Die geforderte Rückmeldung von
90.000 DM (46.000 €) an das Fachressort ist aus den vorgelegten Akten nicht ersichtlich.
Das Finanzministerium nahm wie folgt Stellung:
„Die Beanstandung des Landesrechnungshofes trifft zu. Ein Minderungs-NT zur
Baubedarfsnachweisung Nr. 2 ist nicht eingereicht worden. Die Räume wurden ohne
Klimatisierung fertig gestellt und an die Polizeidirektion ... übergeben. Die Mittel
wurden bis zur Schlussrechnung einbehalten.“

160
Durch den Einbehalt der Mittel bis zur Schlussrechnung hat sich das Landesbauamt
Handlungsspielraum zur Ausführung und Finanzierung zusätzlicher Leistungen geschaffen und außerdem Haushaltsmittel blockiert, die u. U. bei anderen Baumaßnahmen dringender erforderlich waren.

Bodenbelagsarbeiten
(329)

Das Landesbauamt schrieb beschränkt unabweisbar auszuführende Fußbodenbeläge
in Webvelour mit zu geringen Mengenansätzen (145 m²) als Bedarfsposition aus. Der
einzige Bieter bot den ausgeschriebenen Belag für 85 DM/m² (43 €/m²), alternativ
jedoch einen PVC-Belag für 36 DM/m² (18 €/m²) an.
Das Landesbauamt erteilte den Auftrag über:
Menge (m²)

Material

Gesamtpreis
(- in DM -)

Summe:

(- in € -)

164

Webvelour

13.940

7.130

26

PVC-Belag

936

479

14.876

7.609

190

Vier Monate später rechnete das Landesbauamt 202,53 m² zu 79,90 DM/m²
(40,85 €/m2) für insgesamt 16.182,15 DM (8.273,80 €) eines anderen Belagfabrikates
ab.
Die erheblichen Mengenabweichungen (Ausschreibung, Auftragserteilung und Abrechnung) sind ein Indiz für die „baubegleitende Planung“ als Folge der Konzeptionslosigkeit.
Bei Einsatz des PVC-Belages hätten nach Auffassung des Landesrechnungshofes
rd. 8.900 DM (rd. 4.550 €) eingespart werden können.
Die Entscheidung, das preiswertere Material nicht für die ganze Fläche zu beauftragen, stellt einen Verstoß gegen § 7 Abs. 1 LHO dar, weil die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit nicht beachtet wurden.
Das Finanzministerium bemerkte in seiner Stellungnahme:
„Die Beanstandung des Landesrechnungshofes trifft zu. Da der textile Bodenbelag
bereits Bestandteil der Bauunterlage war, hätte er richtigerweise auch als Hauptpo-

161
sition ausgeschrieben werden müssen. Es wurde versäumt, die Angemessenheit der
Preise unter Berücksichtigung der Bedarfsposition zu werten.
Gemäß Planungsunterlage wurde für die Räume 2, 3, 4, 4.1 PVC-Belag vorgesehen.
Es stellte sich erst später heraus, dass diese Räume auch als Büros genutzt werden
und daher einen ableitfähigen Textilbelag erhalten sollten. Ein Verstoß gegen § 7
Abs. 1 LHO wird hier nicht gesehen.
Die Erweiterung um diese Räume erfolgte auf mündliche Forderung der Polizeidirektion hin und ist nicht dokumentiert.“
Bezüglich der möglichen Einsparung von rd. 8.900 DM (rd. 4.550 €) bleibt der Landesrechnungshof bei seiner Auffassung, da aus den geprüften Unterlagen nicht ersichtlich ist, dass der alternativ angebotene PVC-Belag nicht gleichwertig ist.
Der Landesrechnungshof geht davon aus, dass zukünftig durch ausgereifte Nutzerkonzeptionen die Qualität der Planungsunterlagen entscheidend verbessert wird.

Gipskartondecke/Rasterdecke
(330)

Im Rahmen der Schallschutz- und Trockenbauarbeiten sollten neue Deckenverkleidungen installiert werden. Laut Ausschreibung war vorgesehen, 235 m² als Gipskartondecke und 70 m² als abgehängte Rasterdecke auszuführen. Das Landesbauamt
schrieb die Rasterdecke mit einer 50 mm starken Dämmung (Schallschutz) aus. Der
Bieter und spätere Auftragnehmer änderte im Leistungsverzeichnis des Angebots die
Stärke von 50 mm auf 20 mm.
Der Auftragnehmer rechnete rd. 63 m² Gipskartondecke und rd. 223 m² abgehängte
Rasterdecke einschließlich einer 20 mm starken Dämmung ab. Zusätzlich wurde die
Verlegung einer 100 mm starken Schallschutzdämmplatte im Deckenhohlraum der
Rasterdecke abgerechnet.
Ausweislich der Abrechnungsunterlagen ist ein Raum mit zwei Deckenverkleidungen versehen worden.
Der Landesrechnungshof wertete die Feststellungen wie folgt:
1.

Die Änderung des Leistungsverzeichnisses stellt einen unzulässigen Eingriff in
die Ausschreibungs- und Verdingungsunterlagen dar. Das Angebot hätte nach
§§ 21 Nr. 1 Abs. 2 und 25 Nr. 1 Abs. 1b VOB/A von der Wertung ausgeschlossen werden müssen.

162
2.

Gravierende Mengenabweichungen (Gipskartondecke rd. 73,2 % Unterschreitung; Rasterdecke rd. 318,6 % Überschreitung) zwischen Angebot und Ausführung verpflichten das Landesbauamt nach § 2 Nr. 3 Absätze 2 und 3 VOB/B zu
prüfen, ob neue Einheitspreise zu vereinbaren sind. Das Ergebnis der Prüfung ist
gemäß Vergabehandbuch zu § 2 VOB/B Nr. 1.3 schriftlich festzuhalten. Eine
entsprechende Prüfungsniederschrift liegt der Akte nicht bei.

3.

Der Landesrechnungshof kann nicht nachvollziehen, warum das Landesbauamt
eine 50 mm starke Schallschutzdämmung ausgeschrieben, nach Änderung durch
den Bieter 20 mm in Auftrag gegeben und nachträglich eine 100 mm starke
Dämmplatte zusätzlich beauftragt hat.

4.

In einem Raum wurde zur abgehängten Rasterdecke mit 100 mm Schalldämmung zusätzlich eine Gipskartondecke installiert, die nicht sichtbar ist. Die Ausführung der Gipskartondecke war nicht zwingend erforderlich, die damit verbundenen Ausgaben in Höhe von rd. 4.700 DM (rd. 2.400 €) hätten eingespart
werden können.

Auch die Deckeninstallation ist ein Beispiel für die „baubegleitende Planung“ und
die sich daraus ergebenden Mehrkosten.
Dazu teilte das Finanzministerium mit:
„Zu 1.
Die Beanstandung des Landesrechnungshofes trifft zu. Das Landesbauamt hat die
Änderungen des Leistungsverzeichnisses des Bieters bei der Wertung übersehen.
Zu 2.
Die Beanstandung des Landesrechnungshofes trifft zu. Das Landesbauamt hat es
versäumt, entsprechend neue Einheitspreise zu vereinbaren.
Zu 3.
Nach der Vergabe wurde das Erfordernis einer erhöhten Schalldämmung noch einmal geprüft. Wegen nachträglicher Forderungen der Bauaufsicht zur Verbesserung
des Brandschutzes wurde die Schalldämmung auf 100 mm erhöht.
Das Landesbauamt prüft die tatsächlich eingebaute Stärke des Schallschutzmaterials
und wird eventuelle Überzahlungen zurückfordern ...

163
Zu 4.
Es wurden zwei abgehängte Decken abgerechnet. Das Landesbauamt ... wird den
Sachverhalt noch einmal prüfen und über das Ergebnis berichten.“

Zusätzlicher Einbau von Klimatechnik
(331)

Ein Dienststellenleiter forderte das Landesbauamt mit Schreiben vom 19.6.1995 auf,
dringend Maßnahmen einzuleiten, „ dass kurzfristig Klimatechnik in den Räumen 11,
12 und 13 nachgerüstet wird, wie das in der ursprünglichen Planungsunterlage richtigerweise auch vorgesehen war.“
Das Landesbauamt erteilte daraufhin am 14.8.1995 freihändig einen Auftrag in Höhe
von rd. 87.500 DM (rd. 44.700 €), der mit rd. 80.600 DM (rd. 41.200 €) abgerechnet
wurde.
Der Landesrechnungshof verwies auf ein Abstimmungsgespräch in der Oberfinanzdirektion, in dem entschieden wurde, die Räume 11 bis 13 nicht zu klimatisieren.
Die Forderung des Nutzers auf Erweiterung der Anlage hätte vom Landesbauamt zurückgewiesen werden müssen. Durch den nachträglichen Einbau von Klimatechnik
verstieß das Landesbauamt gegen die eindeutige Weisung seiner vorgesetzten
Dienststelle.
Das Finanzministerium teilte mit, dass die Beanstandung des Landesrechnungshofes
zutreffend sei.

Heizungsumstellung Kfz-Werkstatt
(332)

Die hausverwaltende Dienststelle beantragte als Ersatz für eine abgängige Kesselanlage in der Kfz-Werkstatt den Bau einer Heizungsanlage für eine Laufzeit von drei
bis vier Jahren sowie die Errichtung eines Umkleideraumes und die Sanierung der
Sanitärräume. Das Landesbauamt schätzte die Baukosten auf 135.000 DM
(69.000 €).
Das Innenministerium genehmigte die Baubedarfsnachweisung Nr. 2 aus Kostengründen nicht. Vergleichbare Heizungsumstellungen seien kostengünstiger. Es bat
um Überarbeitung und kurzfristige Wiedervorlage der Baubedarfsnachweisung Nr. 2.

164
Das Landesbauamt empfahl dem Innenministerium im Juli 1995, einen gemieteten
Heizcontainer mit Gasbefeuerung (Miete ca. 1.900 DM (ca. 970 €) / Monat) installieren zu lassen. Das Landesbauamt schätzte die Baukosten auf 24.000 DM (12.300 €)
und bemerkte: „Wenn die Anmietung der Zentrale für länger als 4 Jahre in Erwägung gezogen werden muss, kippt die Wirtschaftlichkeit zu Gunsten einer eigenen
Zentrale.“
Wie das Innenministerium auf diesen Hinweis reagiert hat, ist aus den Unterlagen
nicht ersichtlich.
Das in den Prüfunterlagen befindliche Angebot eines Bieters sah für den Kauf einer
Heizcontaineranlage einen Bruttopreis von rd. 100.000 DM (rd. 51.100 €) vor oder
die Anlage zu einem Betrag von 1.978 DM (1.011 €) / Monat bei einer Laufzeit von
36 Monaten einschließlich Wartung und Kundendienst zu mieten.
Die hausverwaltende Dienststelle schloss am 30.10.1995/7.11.1995 einen Mietvertrag auf unbestimmte Zeit bzw. bis zum Neubau der Fahrbereitschaft an anderer Stelle ab. Ab 1.8.1998 reduzierte sich der Mietzins auf 1.798 DM (919 €).
Die bis zum 1.4.2001 insgesamt angefallenen Mietausgaben von 120.832 DM
(61.780 €) liegen deutlich über dem Bruttokaufpreis.
Um weiteren Schaden für das Land zu vermeiden, schlug der Landesrechnungshof
eine Vertragswandlung mit dem Ziel vor, über eine einmalige Nutzungspauschale für
die Restlaufzeit die Ausgaben zu minimieren.
Das Finanzministerium teilte in seiner Stellungnahme mit, dass eine Verlagerung des
Werkstattbereiches auf eine Liegenschaft in Rostock vorgesehen gewesen sei und
man davon ausgegangen sei, dass ein im Jahr 1995 bereits anhängiges Restitutionsverfahren im Zeitraum von drei bis vier Jahren zu Gunsten des Landes entschieden
sein würde. Vor diesem Hintergrund sei die Anmietung des Heizcontainers erfolgt.
Die Liegenschaft sei schließlich im März 2001 dem Land zugeordnet worden. Die
erneute Frage nach der Wirtschaftlichkeit sei somit erst aktuell geworden, nachdem
sich die Prämisse der erwarteten Nutzungsdauer geändert habe.
Entsprechend dem Vorschlag des Landesrechnungshofes werde die hausverwaltende
Dienststelle vom Innenministerium beauftragt, den Vertrag nochmals mit dem Ziel
der Ausgabenminimierung für die Restlaufzeit zu verhandeln.

165
(333)

Im Rahmen der Prüfungsverfahren stellte der Landesrechnungshof mehrfach unnötige Mehrausgaben fest und forderte daher das Finanzministerium auf, Regressmöglichkeiten zu klären.
Das Finanzministerium ging zunächst in seiner Stellungnahme hierauf nicht ein, wies
aber zwischenzeitlich die Oberfinanzdirektion an, der Regressfrage nachzugehen.
Nach Vorliegen des Ergebnisses werde hierzu berichtet.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

166

Vertrag über den Einsatz von vier Mitarbeitern der
DVZ M-V GmbH im Umweltministerium

Das Umweltministerium setzt neben eigenen Mitarbeitern für die Betreuung der PC-Arbeitsplätze
und IT-Netzwerke und Datenbanken weitere vier
Mitarbeiter

der

Datenverarbeitungszentrum

Mecklenburg-Vorpommern GmbH ein. Für diese
Dienstleistung bezahlt das Ministerium jährlich
rd. 735.000 DM (rd. 375.800 €).
Würde das Umweltministerium die vier Mitarbeiter selbst beschäftigen, hätten nach eigenen
Berechnungen allein im Haushaltsjahr 2002
rd. 109.100 DM (rd. 55.800 €) eingespart werden
können.

(334)

Das Referat für Informationstechnik des Umweltministeriums ist für den Einsatz der
Informations- und Telekommunikationstechnik entsprechend den „Richtlinien über
Planung und Einsatz von Informations- und Telekommunikationstechnik in der Verwaltung des Landes Mecklenburg-Vorpommern“ zuständig. Das Umweltministerium
hat in seinem Geschäftsbereich 880 PC-Arbeitsplätze. Diese sind seit Februar 2001
miteinander vernetzt, sodass alle Mitarbeiter/innen per E-Mail erreichbar sind. Das
Umweltministerium setzt hierbei auf eine einheitliche Ausstattung der PC-Arbeitsplätze mit Hardware und Standardsoftware. Mit dem Ende der Vernetzungsarbeiten
im Februar 2001 ist nach Aussagen des Umweltministeriums ein IT-Ausstattungsgrad von 90 % mit Informationstechnik für den gesamten Geschäftsbereich erreicht.

(335)

Das Umweltministerium verfügt in seinem Geschäftsbereich über eigene Mitarbeiter,
die u. a. die Betreuung der PC-Arbeitsplätze sowie der Netzwerke und Datenbanken
sicherstellen. Zusätzlich hatte das Umweltministerium ab November 1993 zunächst
einen und seit Mai 2000 insgesamt vier Mitarbeiter der Datenverarbeitungszentrum
Mecklenburg-Vorpommern GmbH (DVZ M-V GmbH) per Vertrag verpflichtet. Die

167
Ausgaben belaufen sich auf jährlich rd. 735.000 DM (rd. 375.800 €) und wurden aus
dem Titel 1301 534.57 „Werkverträge und andere Auftragsformen“ gezahlt.

Haushaltsrechtliche Behandlung
(336)

Über die Beschäftigung der vier Mitarbeiter der DVZ M-V GmbH liegt ein gemischttypisches Rechtsverhältnis (Dienstvertrag/Arbeitnehmerüberlassungsvertrag)
vor. Vergütungen, die auf dieser Grundlage gezahlt werden, sind Personal- und keine
Sachausgaben. Der Titel 1301 534.57 „Werkverträge und andere Auftragsformen“ ist
daher sachlich falsch. Die Mittel hätten als Personalausgaben veranschlagt und gebucht werden müssen. Da dies nicht geschehen ist, ist es in Bezug auf die seit Mitte
Mai eingesetzten vier Mitarbeiter der DVZ M-V GmbH zu verdeckten Haushaltsüberschreitungen für das Haushaltsjahr 2000 in Höhe von rd. 459.400 DM
(rd. 234.900 €) und für das Haushaltsjahr 2001 in Höhe von rd. 735.000 DM
(rd. 375.800 €) gekommen.

(337)

Das Umweltministerium und das Finanzministerium sind dagegen der Auffassung,
dass die Vereinbarung mit der DVZ M-V GmbH ein Vertrag sei, der sowohl Elemente eines Werkvertrages als auch eines Dienstvertrages enthält. Somit sei eine Buchung bei dem Titel für Sachausgaben richtig; verdeckte Haushaltsüberschreitungen
seien daher nicht entstanden. Da dienstvertragliche Elemente im Vordergrund stehen,
geht der Landesrechnungshof aber vom Vorliegen von Personalausgaben aus und
behält seine Auffassung bei.

Wirtschaftlichkeit
(338)

Bei der Betreuung der IT-Netze und Datenbanken im Umweltministerium handelt es
sich um eine Daueraufgabe der Informationstechnik. Da die eigenen Personalkapazitäten im IT-Bereich nicht ausreichen, setzt das Umweltministerium vier Mitarbeiter
der DVZ M-V GmbH ein. Statt eines Dienstvertrages hätten jedoch die für das erforderliche Personal notwendigen Stellen im Haushalt eingeworben werden müssen, es
sei denn, dass der Vertrag mit der DVZ M-V GmbH wirtschaftlicher gewesen wäre
als der Einsatz von eigenem Personal. Der Grundsatz der wirtschaftlichen und sparsamen Haushaltsführung verpflichtet die Landesverwaltung, bei jeder Maßnahme die
günstigste Relation zwischen dem verfolgten Zweck und den einzusetzenden Mitteln

168
anzustreben. Angesichts der Ausgaben von jährlich rd. 735.000 DM (rd. 375.800 €)
erschien dem Landesrechnungshof die Verpflichtung der vier Mitarbeiter der DVZ
M-V GmbH unwirtschaftlich zu sein. Er forderte daher das Umweltministerium
mehrfach auf, eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorzulegen. Dem kam das Umweltministerium jedoch zunächst nicht nach, da es sich bei den zu erbringenden Leistungen um Basissupportaufgaben handele, die nicht zu den Kernaufgaben der Landesverwaltung gehören und daher gemäß Strategie der Landesregierung zum Einsatz
von Informationstechnik an Externe zu vergeben seien. Außerdem sei es sehr schwer,
qualifiziertes Personal zu gewinnen. Gegen eine interne Lösung spräche auch, dass
längere Ausfallzeiten von IT-Betreuungspersonal durch Krankheit oder Stellenwechsel nicht hingenommen werden könnten.
Das Umweltministerium teilte zudem mit, dass zur Ermittlung des Mittelbedarfs
1999 wie auch aktuell im Oktober/November 2001 Preisabfragen zu IT-Serviceleistungen bei verschiedenen Firmen durchgeführt worden seien. Im Vergleich habe
die DVZ M-V GmbH zu beiden Zeitpunkten die Leistungen preisgünstiger anbieten
können.
Ergänzend wies das Umweltministerium daraufhin, dass durch die Vereinbarungen
mit der DVZ M-V GmbH Zugang zum Fachwissen der Fachabteilungen und der Experten im DVZ bestehe und die seitens der DVZ M-V GmbH bestehenden Serviceund Supportverträge mit verschiedenen Hard- und Softwareherstellern auch dem
Umweltministerium zugute kämen. Im übrigen folge das Umweltministerium einem
bundesweiten Trend.
Außerdem sei das Verhältnis von IT-Personal zu Bildschirmarbeitsplätzen mit 1 : 88
sehr günstig. Landesweit läge das Verhältnis bei 1 : 72.
(339)

Erst im Rahmen des Abstimmungsverfahrens zum Jahresbericht legte das Umweltministerium die vom Landesrechnungshof mehrfach geforderte Vergleichsrechnung
vor. Dabei stellte sich heraus – wie vom Landesrechnungshof nicht anders erwartet –, dass die Kosten der IT-Betreuung durch eigenes Personal einschließlich zusätzlicher Leistungen z. B. für Supportverträge und für die Bereitstellung von Spezialisten gegenüber externer Vergabe an die DVZ M-V GmbH allein im Haushaltsjahr
2002 um rd. 109.100 DM (rd. 55.800 €) geringer wären.

169
(340)

Der Landesrechnungshof kann seine Kritik nur wiederholen. Es handelt sich bei der
Betreuung der IT-Netze und Datenbanken um eine Daueraufgabe. Dies muss bei Abschluss des Vertrages mit der DVZ M-V GmbH über den Einsatz von vier Mitarbeitern im Mai/November 2000 auch dem Umweltministerium klar gewesen sein. Daher
hätte spätestens zu diesem Zeitpunkt überlegt werden müssen, ob es kostengünstiger
wäre, zusätzlich weitere vier qualifizierte Mitarbeiter im Umweltministerium einzustellen. Der Hinweis darauf, dass es sich nicht um eine Kernaufgabe der Landesverwaltung handelt, die extern zu vergeben sei, kann im Hinblick auf den Grundsatz der
Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit so nicht gelten.

(341)

Eine interne Lösung wäre wirtschaftlicher. Der Landesrechnungshof bleibt daher bei
seiner Auffassung, dass mit Abschluss des Vertrages mit der DVZ M-V GmbH der
Stellenplan umgangen und das Etatrecht missachtet wurde.

170

Werkverträge für die Unterhaltung Gewässer 1. Ordnung

Das Umweltministerium machte keine Vorgaben
zur Abgrenzung zwischen Unterhaltung und
Ausbau für Küstenschutzmaßnahmen, sodass jedes Staatliche Amt für Umwelt und Natur
(StAUN) fallbezogen entschied, wie die Maßnahme einzuordnen ist.
Zwei der drei geprüften StÄUN konnten für kein
Fließgewässer Unterhaltungspläne vorlegen, obwohl dies seit 1995 durch Erlass gefordert war.
Es war deshalb nicht nachvollziehbar, ob die Unterhaltungsmaßnahmen hinsichtlich Art, Umfang
und Zeitpunkt notwendig waren und ob diese
nach dem Grundsatz der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit durchgeführt wurden.
Auf Grund umfangreicher Verstöße gegen die
Bestimmungen der VOB bei der Vergabe von Unterhaltungsmaßnahmen kam es zu vermeidbaren
Mehrausgaben

in

Höhe

von

mindestens

159.000 DM (81.295 €). Darüber hinaus wurden
hierdurch Möglichkeiten zu Manipulationen im
Vergabeverfahren eröffnet.
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Leistungen doppelt abgerechnet wurden bzw. Abrechnungen für nicht erbrachte Leistungen erfolgten. In den StÄUN wurde es versäumt, eine
durchgängig prüfbare Abrechnung aktenkundig
zu machen.

(342)

Dem Land obliegt gemäß § 63 Wassergesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern
(LWaG) vom 30. November 1992 (GVOBl. M-V S. 669) die Unterhaltung der Ge-

171
wässer 1. Ordnung. Nach § 108 Nr. 1 LWaG sind die Staatlichen Ämter für Umwelt
und Natur (StÄUN) für die Unterhaltung der Gewässer 1. Ordnung zuständig. Die
Unterhaltung eines Gewässers umfasst gemäß § 28 Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushaltes (WHG) vom 12. November 1996 (BGBl. I S. 1695) die Erhaltung eines
ordnungsgemäßen Zustandes für den Wasserabfluss und an schiffbaren Gewässern
auch die Erhaltung der Schiffbarkeit.
Der Landesrechnungshof hat die Ausgaben der Jahre 1996 bis 1999 aus dem Titel
1305 534 61 „Werkverträge für die Unterhaltung des unbeweglichen Vermögens“
stichprobenweise geprüft. Die Prüfung erfolgte im Umweltministerium und in den
StÄUN Stralsund, Lübz und Schwerin.
Für die Haushaltsjahre 1996 bis 1999 wurden jährlich 11,5 Mio. DM (5,88 Mio. €)
für die Unterhaltung der Gewässer im Haushaltsplan veranschlagt.

Vorschriften
(343)

Die drei geprüften StÄUN definierten und entschieden unterschiedlich, was unter
Ausbau- oder Unterhaltungsmaßnahmen an Küstengewässern zu verstehen ist.
Überwiegend ordneten sie eine Maßnahme dann der Unterhaltung zu, wenn eine Förderung über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des
Küstenschutzes“ nicht möglich erschien.
Der Landesrechnungshof empfahl dem Umweltministerium, z. B. durch Ausführungsbestimmungen eine klare Abgrenzung zwischen Unterhaltung und Ausbau zu
treffen, da dies für die Veranschlagung im Haushaltsplan, die Bewirtschaftung des
Titels und die Entscheidung, ob ein Genehmigungsverfahren beantragt werden muss,
unverzichtbar ist.
Durch Erlass entsprechender Vorgaben will das Umweltministerium der Empfehlung
folgen.

(344)

Das Umweltministerium forderte mit Erlass vom 6. September 1995 auf der Grundlage der §§ 1 a, 28 WHG und der §§ 61 und 62 LWaG die StÄUN auf, für alle Gewässer Unterhaltungspläne zu erarbeiten, damit die Wirkung von Unterhaltungsmaßnahmen beurteilt werden kann. In ihnen sollte mindestens erläutert werden, welche

172
Maßnahmen auf Grund des Zustandes des Gewässers in welchem Umfang und in
welchem Zeitraum notwendig sind.
Von den drei geprüften StÄUN konnte lediglich das Staatliche Amt für Umwelt und
Natur (StAUN) Schwerin dem Landesrechnungshof für seine Fließgewässer Gewässerunterhaltungspläne vorlegen. In den beiden anderen StÄUN war nicht immer
prüfbar, ob die Unterhaltungsmaßnahmen hinsichtlich Art, Umfang und Zeitpunkt
notwendig waren und ob sie nach dem Grundsatz der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit durchgeführt wurden.
Das Umweltministerium will darauf hinwirken, dass der Erlass unverzüglich umgesetzt wird.

Vergabeverstöße
(345)

Das StAUN Stralsund schrieb eine Unterhaltungsleistung geteilt in drei Lose aus.
Eine Firma war in allen drei Losen der preisgünstigste Bieter.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes hätte diese Firma für alle drei Lose den
Auftrag mit einer Auftragshöhe von 735.819,90 DM (376.218,74 €) erhalten müssen,
da aus dem Vergabevermerk nicht herleitbar war, dass diese Angebote nicht auch die
annehmbarsten waren.
Tatsächlich erhielt dieser Bieter nur für ein Los den Auftrag. Die anderen Lose wurden an weitere Firmen vergeben, wodurch eine Gesamtauftragssumme für alle drei
Lose in Höhe von 861.646,20 DM (440.552,70 €) entstand.
Das Umweltministerium teilte hierzu mit:
„Mit einer Gesamtvergabe ... wäre der preisgünstigste Bieter leistungsmäßig überfordert gewesen. Gleiches gilt für eine Vergabe von 2 Losen an den Niedrigstbietenden.“
Aus dem Vergabevermerk geht nicht hervor, dass „der preisgünstigste Bieter leistungsmäßig überfordert gewesen“ wäre. Selbst wenn dies als richtig unterstellt wird,
so erfolgten die Zuschläge nicht an den jeweils günstigsten Bieter, was zu einer mindestens rd. 100.000 DM (rd. 50.000 €) höheren Auftragssumme führte.
Der Landesrechnungshof bleibt deshalb bei seiner Forderung, die Mehrausgaben zu
ermitteln und die Regressfrage zu stellen.

173
(346)

Das StAUN Schwerin schrieb eine Unterhaltungsleistung in zwei Losen aus. Für
beide Lose gab ein Bieter das niedrigste Angebot ab. Während der Bindefrist zog
diese Firma für das Los 2 ihr Angebot in Höhe von 83.186,19 DM (45.532,42 €) zurück. Das StAUN erteilte für dieses Los einer anderen Firma den Auftrag in Höhe
von 93.789,65 DM (47.953,89 €).
Mit Beginn und bis zum Ablauf der Bindefrist kann eine Zurücknahme oder Zurückziehung des Angebotes nicht erfolgen. Zieht der Bieter dennoch innerhalb der Bindefrist sein Angebot zurück und ist er nicht bereit, auf der Grundlage des abgegebenen
Angebotes einen Vertrag abzuschließen, haftet er dem Auftraggeber für den diesem
entstehenden Schaden aus Verschulden bei Vertragsabschluss.
Der Landesrechnungshof forderte, die Mehrausgaben zu ermitteln und die Regressfrage zu klären.
Das Umweltministerium teilte hierzu mit, dass die Firma „ihr Angebot zu Los 2 bereits mit Schreiben vom 9.2.1998 und somit noch vor der Verdingungsverhandlung,
die am 4.3.1998 stattfand, zurückzog. ... Das Angebot hätte jedoch weder in der Verdingungsverhandlung verlesen noch in die Niederschrift aufgenommen werden dürfen.“
Das Angebot der Firma ging beim StAUN erst am 4.3.1998 ein. Somit konnte es
nicht bereits vier Wochen zuvor zurückgezogen werden. Zudem ergibt sich aus den
vorliegenden Unterlagen, dass der Bieter am 9.3.1998 während der Bindefrist per
Fax sein Angebot zurückzog. Deshalb hält der Landesrechnungshof seine Forderungen aufrecht.

(347)

Bei einer Öffentlichen Ausschreibung für eine Lieferung wurden vier Angebote zugelassen und gewertet. Die Auftragserteilung erfolgte an einen Bieter in Höhe von
12.509,12 DM (6.395,81 €). Im Auftrag ist unter „Erläuterung“ vermerkt:
“Der von Ihnen gemäß telefonischer Absprache ... gewährte Rabatt von 5 % wird
von uns in Anspruch genommen und bei der Auftragssumme wie folgt berücksichtigt:
Angebotssumme

13.167,50 DM

5 % Rabatt

– 658,38 DM
12.509,12 DM“

174
Das Angebot eines weiteren Bieters in Höhe von 11.190,65 DM (5.721,69 €) wurde
nicht berücksichtigt.
In den Akten des StAUN war über die Vergabeentscheidung kein weiterer Vermerk.
Gemäß § 24 VOL/A darf nach Öffnung der Angebote bis zur Zuschlagserteilung mit
den Bietern über ihre Angebote nur verhandelt werden, um Zweifel über die Angebote oder Bieter zu beheben. Andere Verhandlungen, besonders über Änderungen der
Angebote oder Preise, sind unstatthaft.
Die Verwaltung hatte hiergegen verstoßen, indem sie Absprachen mit einem Bieter
zur Rabattgewährung von 5 % zum Angebot zwischen dem Angebotseröffnungstermin und der Zuschlagserteilung tätigte.
Darüber hinaus hat sich die Verwaltung für ein um 1.318,47 DM (674,12 €) höheres
Angebot entschieden, ohne dies zu begründen.
Das Umweltministerium teilte hierzu mit, dass die Kritik wegen des fehlenden Vermerkes berechtigt sei. Die Angebotswertung hätte ergeben, „dass das preislich erstplatzierte Angebot ... technisch nicht geeignet war und deshalb ausscheiden musste.
... Der Nachlass von 5 % ... hat die Vergabeentscheidung nicht beeinflusst. Er wurde
aber zur Einsparung von Landesmitteln trotzdem in Anspruch genommen.“
Da aus den geprüften Unterlagen nicht ersichtlich ist, dass „das preislich erstplazierte Angebot technisch nicht geeignet war“, forderte der Landesrechnungshof das
Umweltministerium auf, diesen Nachweis vorzulegen.
Der Landesrechnungshof verweist nachdrücklich darauf, dass Verhandlungen über
Preise mit einem Bieter zwischen Angebotseröffnung und Zuschlagserteilung nicht
zulässig sind.
(348)

Das StAUN Lübz schrieb eine Instandsetzungsmaßnahme für zwei wasserbauliche
Anlagen beschränkt aus. Den Zuschlag erhielt der mindestfordernde Bieter für beide
Baumaßnahmen in Höhe von 77.384,05 DM (39.565,84 €) und 86.550,15 DM
(44.252,39 €). Die Auftragserteilung erfolgte auf ein Nebenangebot dieser Firma, das
auf einen Tag nach dem Submissionstermin datiert war, zu einem Pauschalpreis von
65.000 DM (33.233,97 €) bzw. 75.000 DM (38.346,89 €).
Der Landesrechnungshof konnte anhand der Unterlagen nicht nachvollziehen, warum
die Verwaltung statt auf der Basis der Ausschreibungsunterlagen einen Leistungsvertrag abzuschließen einen Pauschalvertrag abschloss.

175
Weiterhin hätten die Maßnahmen gemäß § 82 Abs.1 LWaG einer wasserrechtlichen
Genehmigung, die vom StAUN nicht vorgelegt werden konnte, bedurft.
Das Umweltministerium teilte hierzu mit: „Eine Veranlassung auf das pauschal angebotene Nebenangebot einzugehen, lag darin, dass damit eine Kosteneinsparung ...
erzielt werden konnte.“ Die Voraussetzungen für einen Pauschalvertrag wären gegeben gewesen, da die Leistung genau bestimmt und mit einer Änderung bei der Ausführung nicht zu rechnen gewesen sei.
„Einer wasserrechtlichen Genehmigung bedurfte das Vorhaben nicht. Bei den
durchgeführten Maßnahmen handelte es sich zweifelsfrei um Reparaturarbeiten an
vorhandenen alten Bauwerken.“
Der Landesrechnungshof widerspricht der Auffassung, dass die Voraussetzungen für
einen Pauschalvertrag vorlagen. Es musste vielmehr mit Änderungen sowohl der
Leistung als auch der Ausführung gerechnet werden, da z. B. der Umfang der notwendigen Steinpackungen auf Grund der natürlichen Gegebenheiten des Fließgewässers nicht vorherbestimmbar war.
Aus der Baubeschreibung zum Leistungsverzeichnis ergibt sich, dass drei Sohlgleiten zunächst vollständig beseitigt und anschließend durch zwei ersetzt werden sollten. Hierfür bedarf es einer Anlagengenehmigung.
(349)

In den StÄUN wurde versäumt, eine durchgängig prüfbare Abrechnung der Leistungen aktenkundig zu machen. Bei einer Vielzahl von Maßnahmen lagen keine ordnungsgemäßen Abschlags- und Schlussrechnungen vor. Der Landesrechnungshof
stellte u. a. folgende Mängel fest:
− Einzelrechnungen waren nicht als Abschlags- bzw. Schlussrechnungen gekennzeichnet,
− es gab keinen Nachweis über den jeweiligen Stand der erbrachten Leistungen,
− die Abschlagsrechnungen nahmen keinen Bezug auf bereits erfolgte Zahlungen,
− die Summe der Abschlagsrechnungen ergab über 100 % des Auftragswertes (Ein
Vermerk zur Entstehung der Mehrausgaben fehlte.).
Anhand dieser Unterlagen war eine Prüfung der Leistungsabrechnung durch den
Landesrechnungshof nicht möglich. Es konnte deshalb nicht ausgeschlossen werden,

176
dass erbrachte Leistungen doppelt abgerechnet wurden bzw. Abrechnungen für nicht
erbrachte Leistungen erfolgten.
Das Umweltministerium teilte hierzu mit, dass die Kritik an der ungenügenden Begründung von Mehrausgaben und an fehlenden Schlussrechnungen berechtigt ist.
Die betreffenden Vorgänge würden aktenkundig überprüft werden.
(350)

Auf Grund der festgestellten umfangreichen Verstöße gegen die Bestimmungen der
VOB hält der Landesrechnungshof Fortbildungsmaßnahmen der in diesem Bereich
tätigen Mitarbeiter für dringend geboten.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

177

Prüfung der Ausgaben für die Beräumung devastierter Flächen

Das Umweltministerium wird die vorläufige Anerkennung
(316.394 €)

von

mindestens

618.812 DM

als zuwendungsfähige

Ausgaben

überprüfen müssen.
Über Nachträge wurde ca. ein Drittel aller Beräumungsleistungen ausgeführt. Diese Leistungen wurden dem Wettbewerb entzogen.

(351)

Der Landesrechnungshof hat stichprobenweise die Ausgaben beim Titel 1302 892.26
MG 06 „Sanierungsmaßnahmen bei Altlasten sowie Beräumung devastierter Flächen“ geprüft. Das Umweltministerium förderte aus diesem Titel die Beräumung innerörtlicher nicht mehr genutzter landwirtschaftlicher Flächen von Altanlagen, wie
z. B. Ställe oder Produktionsanlagen, zur Schaffung von preiswertem Wohnbauland.
Dafür wurden in den Haushaltsjahren 1996 und 1997 insgesamt 8,5 Mio. DM
(4,3 Mio. €) veranschlagt.

(352)

Eine mit dem Finanzministerium abgestimmte Richtlinie für die Gewährung von
Zuwendungen des Landes zur Beräumung devastierter Flächen der ehemaligen
Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft (BrmRL) stellte das Umweltministerium
erst am 22.4.1997 endgültig fertig. Es veröffentlichte diese jedoch nicht.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes sollte es im Interesse eines geordneten
und für die interessierte Öffentlichkeit auch überschaubaren Zuwendungswesens liegen, wenn das Land in der dafür vorgesehenen Weise öffentlich bekannt macht, wofür konkret und unter welchen Voraussetzungen es einen Teil seiner Mittel bereitstellt4. Infolge des langen Abstimmungsprozesses und der fehlenden Veröffentlichung konnten die Zuwendungen nicht ordnungsgemäß auf einheitlicher Grundlage
bewilligt werden.

4

vgl. Nachtrag zum Jahresbericht 1995; Tz. 97

178
(353)

Das Umweltministerium hielt bis Februar 1997 an der Fehlbedarfsfinanzierung fest,
obwohl das Finanzministerium während des Abstimmungsverfahrens zur Förderrichtlinie diese Finanzierungsart mehrfach für nicht geeignet hielt. Das Finanzministerium befürwortete die Umstellung auf eine Anteilfinanzierung in Höhe von maximal 80 % der zuwendungsfähigen Ausgaben, insbesondere um das Interesse der Zuwendungsempfänger an einer wirtschaftlichen Verwendung der Mittel zu steigern.
Der Landesrechnungshof beanstandete, dass das Umweltministerium die frühzeitig
vor dem Anlauf des Förderprogramms geäußerten Bedenken des Finanzministeriums
nicht ausreichend berücksichtigte. In der Folge kam es zu einer Ungleichbehandlung
der Zuwendungsempfänger.
Das Umweltministerium teilte mit, 1995 und 1996 seien die Finanzierungsanteile mit
den Kommunen und der LGE5 bereits abgestimmt gewesen. Mit Abschluss des Abstimmungsverfahrens zur Förderrichtlinie Anfang 1997 habe das Ministerium die
Empfehlungen beachtet. 40 % der Projekte seien über Anteilfinanzierungen gefördert
worden.
Um derartige Ungleichbehandlungen der Zuwendungsempfänger zu vermeiden, ist
zukünftig sicherzustellen, dass Zuwendungen ausschließlich auf der Grundlage abgestimmter Förderrichtlinien bewilligt werden.

(354)

Nur für einen geringen Teil der Verwendungsnachweise erfolgte bis jetzt eine vorläufige Verwendungsnachweisprüfung. Das Umweltministerium verglich zunächst
nur im Rahmen der Auszahlungen die eingereichten Rechnungen mit den Finanzierungsplänen aus den Zuwendungsbescheiden. Auf diese Weise konnte insbesondere
die Zuwendungsfähigkeit von Nachtragsleistungen nicht näher geprüft werden.
Obwohl die Beräumung bei allen geprüften Projekten zeitnah abgeschlossen wurde,
kann das Umweltministerium eine abschließende Verwendungsnachweisprüfung erst
nach dem Verkauf des letzten Grundstücks vornehmen, weil Förderrichtlinie und
Zuwendungsbescheide Vorschriften zur Preisbildung für das erschlossene Bauland
enthalten. Wann dies geschieht, ist auch vier Jahre nach Abschluss des Förderprogramms nicht absehbar.
Der Landesrechnungshof hat angeregt, künftig bereits bei der Erarbeitung der Förderrichtlinien darauf zu achten, dass in überschaubaren Zeiträumen der Erfolg der

5

LGE = Landesgrunderwerbsgesellschaft

179
Zuwendungen beurteilt und die Verfahren mit vertretbarem Verwaltungsaufwand
abgewickelt werden können.
(355)

Die Zuwendungsempfänger lösten in vielen Fällen Nachträge von erheblichem Ausmaß u. a. für Leistungen aus, die nicht direkt der Beräumung devastierter Flächen
zuzurechnen waren, beispielsweise:
− Erstellen von Bestandsplänen, Mauerwerks-, Gerüstbau-, Dachdecker- und Pflasterarbeiten, Einzäunung eines Geländes (75.966,31 DM/38.840,96 €),
− Entsorgung von angefallenem Siedlungsabfall nach Abschluss der Beräumung

(82.009,38 DM/41.930,73 €),
− Beräumung von großen Feldsteinen und unterirdischen Fundamenten acht Monate
nach dem Abschluss der Abrissarbeiten (33.107,64 DM/16.927,67 €),
− Bau eines Lärmschutzwalls und die Verfüllung der Baugruben mit tragfähigem
Boden (277.058,31 DM/141.657,66 €).
Gemäß Nr. 1 Abs. 4 BrmRL umfasst die Beräumung den Abriss und die Beseitigung
störender baulicher Betriebsanlagen und Oberflächenversiegelungen, die fachgerechte Entsorgung der auf dem Betriebsgelände des ehemaligen Betriebes befindlichen
Abfälle und Reststoffe sowie die Beseitigung und fachgerechte Entsorgung kontaminierten Bodens.
Das Umweltministerium wurde aufgefordert, die für die o. g. Leistungen gewährten
Fördermittel zurückzufordern.
(356)

Ein Zuwendungsempfänger ließ Arbeiten für insgesamt 534.054,34 DM
(273.057,64 €) vom mindestfordernden Bieter ausführen. Dieser hatte ein Angebot
über 225.106,42 DM (115.095,08 €) abgegeben. Die zusätzlichen Leistungen wurden
freihändig vergeben. Die Nebenbestimmung Nr. 4 des Zuwendungsbescheides, wonach Ausschreibung und Vergabe von Aufträgen auf Grundlage der VOB/A zu erfolgen haben, wurde nicht ausreichend beachtet.
Das Umweltministerium wird prüfen müssen, inwieweit die Ausgaben für die Nachtragsleistungen zuwendungsfähig sind.

(357)

In zwei Fällen zahlte ein Zuwendungsempfänger insgesamt 11.464,65 DM
(5.861,78 €) zuviel an ein Ingenieurbüro. Das Umweltministerium gewährte einen

180
Zuschuss auf diese Ausgaben i. H. v. 9.800,44 DM (5.010,89 €). Bei der Ermittlung
der Ingenieurhonorare wurde nicht beachtet, dass gemäß § 9 Abs. 2 HOAI die auf die
Kosten von Objekten entfallende Umsatzsteuer nicht Bestandteil der anrechenbaren
Kosten ist. Der Landesrechnungshof hat das Umweltministerium um Prüfung und
Rückforderung gebeten.
(358)

Das Umweltministerium erkannte in einem Fall Ausgaben für die Baufeldfreimachung und das Roden und Entsorgen von Bäumen vorläufig als zuwendungsfähig an,
obwohl es diese Leistungen bei der Bemessung der Zuwendungshöhe ausdrücklich
nicht berücksichtigt hatte. Die Herstellung einer Straßenanbindung für das neue
Wohngebiet durfte den Beräumungsausgaben ebenfalls nicht zugerechnet werden.
Ausgaben in Höhe von insgesamt 49.351,26 DM (25.232,90 €) waren nicht zuwendungsfähig.
Der Landesrechnungshof hat um Berücksichtigung bei der abschließenden Verwendungsnachweisprüfung gebeten.

(359)

Ein Nachlass in Höhe von 3 % auf alle Einheitspreise aus dem für die Wertung des
Angebots entscheidenden Nebenangebot wurde bei der Abrechnung der Leistungen
nicht berücksichtigt. Der Landesrechnungshof war der Auffassung, dass anteilig ausgezahlte Fördermittel in Höhe von 13.463,13 DM (6.883,59 €) zurückzufordern sind.

(360)

Das Umweltministerium hat mitgeteilt, die Feststellungen und Anregungen des Landesrechnungshofes zu berücksichtigen.

(361)

Die Gemeinde Sanitz setzte die Beräumung einer Altanlage 1997 mit Hilfe eines
Bauträgers um. Dabei hatte sie ihm ihren 20 %igen Eigenanteil in Höhe von
73.419,46 DM (37.538,77 €) doppelt überwiesen. Die Gemeinde hat mitgeteilt, dass
die Rückzahlung bis Ende 2001 erfolgen soll.
Der Landesrechnungshof hat den Landrat als Aufsichtsbehörde gebeten, den Eingang
der Zahlung zu überwachen.
Dies ist geschehen.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

181

Prüfung der Ausgaben für Maßnahmen im Rahmen der
Freistellung von der Altlastenhaftung

Das Umweltministerium forderte bei der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben dem Land zustehende Einnahmen aus der
Refinanzierung

von

Altlastensanierungsmaß-

nahmen in Höhe von mehreren Millionen DM
(z. B. 2001 rd. 5 Mio. DM/rd. 2,6 Mio. €) nicht
zeitnah ein.
In einigen Fällen erstattete das Umweltministerium Ausgaben, obwohl diese nach dem Verwaltungsabkommen über die Altlastenfinanzierung
nicht oder nicht mehr refinanzierbar waren. Dies
führte zu 2,6 Mio. DM (1,3 Mio. €) Mehrbelastungen für den Landeshaushalt.

(362)

Der Landesrechnungshof hat bei einer Orientierungsprüfung im Geschäftsbereich des
Umweltministeriums stichprobenweise Maßnahmen im Rahmen der Freistellung von
der Altlastenhaftung, die nach dem Verwaltungsabkommen über die Regelung der
Finanzierung der ökologischen Altlasten zwischen dem Bund, der Treuhandanstalt
und den neuen Bundesländern vom 1. Dezember 1992 (BAnz. 1993 S. 2842), geändert durch das Erste Verwaltungsabkommen zur Änderung des Verwaltungsabkommens über die Regelung der Finanzierung der ökologischen Altlasten i. d. F. vom
10. Januar 1995 (BAnz. 1995 S. 7905) teilweise refinanzierbar sind, geprüft.

(363)

Auf der Grundlage von Art. 1 § 4 Abs. 3 des Umweltrahmengesetzes der DDR vom
29. Juni 1990 (GBl. I S. 649) in der Neufassung von Art. 12 des Gesetzes zur Beseitigung von Hemmnissen bei der Privatisierung von Unternehmen und zur Förderung
von Investitionen (Hemmnisbeseitigungsgesetz) vom 22. März 1991 (BGBl. I
S. 766) können die Länder auf Antrag Eigentümer, Besitzer oder Erwerber von Anlagen und Grundstücken, die gewerblichen Zwecken dienen oder im Rahmen wirtschaftlicher Unternehmungen Verwendung finden, von der Verantwortung für vor

182
dem 1.7.1990 durch den Betrieb der Anlagen oder die Benutzung des Grundstückes
verursachte Schäden freistellen.
Nach dem Verwaltungsabkommen über die Regelung der Finanzierung der ökologischen Altlasten zwischen dem Bund und den neuen Bundesländern teilen sich bei
freigestellten Unternehmen aus dem Bereich der ehemaligen Treuhandanstalt nach
Abzug des Eigenanteils der Erwerber (mindestens 10 %) der Bund und die neuen
Bundesländer die Kosten für Maßnahmen der Gefahrenabwehr bei Großprojekten im
Verhältnis 75 : 25 und für alle übrigen Fälle im Verhältnis 60 : 40.

Landeshaushalt
(364)

Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass Einnahmereste beantragt und vom
Finanzministerium bestätigt wurden, obwohl Teile davon noch nicht bei der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) zur Refinanzierung beantragt
und als Soll-Stellung gebucht waren. Er sah § 71 LHO nicht ausreichend beachtet,
insbesondere weil mit dem Eingang der Einnahmen im neuen Haushaltsjahr nicht bestimmt zu rechnen war.
Das Umweltministerium bestätigte, dass auch voraussichtliche Einnahmen als Resteübertragung beantragt worden seien, bei denen die Forderungen gegenüber der BvS
noch nicht zum Soll gestellt worden waren. Das Finanzministerium habe dem so zugestimmt. Dieser Teil werde aber vom Fachreferat kontinuierlich abgearbeitet.
Hinsichtlich der kontinuierlichen Abarbeitung dieser Einnahmereste bestehen begründete Zweifel. So waren von den in das Haushaltsjahr 2001 übertragenen Einnahmeresten in Höhe von 7.008.842,05 DM (3.583.564,04 €) drei Viertel, d. h.
5.121.579,50 DM (2.618.622,02 €), noch nicht bei der BvS zur Refinanzierung beantragt.
Der Landesrechnungshof hält diese Entwicklung für sehr bedenklich und vor dem
Hintergrund der angespannten Finanzlage des Landes für nicht vertretbar.
Das Umweltministerium benannte daraufhin mehrere Ursachen, die „in ihrer Gesamtheit zu dem nicht zufriedenstellenden Ergebnis“ geführt haben. Danach sei die
fachliche Koordinierung dieses Aufgabenbereiches sehr zeitintensiv und durch die
vorhandenen Personalstellen des Umweltministeriums nicht abzudecken. Dieses
Aufgabengebiet werde deshalb personell im Rahmen von Abordnungen, die zeitlich

183
befristet seien, abgedeckt. Eine Kontinuität könne nicht gewährleistet werden, weil
sich die einzelnen Abordnungen nicht unmittelbar zeitlich ergänzen und jeweils eine
Einarbeitungszeit erforderlich sei. Da die BvS hinsichtlich der Refinanzierung eine
destruktive Haltung gegenüber dem Land ausübe, seien intensive Vorabstimmungen
notwendig, die entsprechend der Abordnungspraxis diskontinuierlich verliefen.
Darüber hinaus wird mitgeteilt, im Haushaltsjahr 2001 seien Antragsrückstände aufgearbeitet worden. Es seien Refinanzierungsanträge in Höhe von 11.144.462,49 DM
(5.698.073,19 €) gestellt worden, von denen die BvS bisher 1.640.960,16 DM
(839.009,61 €) erstattet habe.
Die BvS habe die weitere Refinanzierung unter Hinweis auf die ab dem III. Quartal
2001 intensiv laufenden Verhandlungen zum Generalvertrag – Pauschalierung aller
Kosten – ausgesetzt. Danach müsse die Bemessungsgrundlage der Kosten, die von
der BvS an das Land abgeführt werden, bis zum Abschluss der Verhandlungen konstant bleiben. Ein Ende der Verhandlungen sei gegenwärtig nicht abzusehen. Deshalb
habe das Umweltministerium die BvS aufgefordert, die Refinanzierungszahlungen
nicht länger zu stornieren. Das Umweltministerium sehe den Abschluss eines Generalvertrages zur Pauschalierung der Kosten zwischen Bund/BvS und Land als Alternative für eine zeitnahe Kostenrückerstattung/Refinanzierung.
Der Landesrechnungshof hält es für dringend geboten, dass das Umweltministerium
kurzfristig durch geeignete Maßnahmen die ausstehenden Refinanzierungsbeträge
der BvS in Höhe von ca. 9,5 Mio. DM (ca. 4,8 Mio. €) vereinnahmt.

Einzelfeststellungen
(365)

Ein StAUN stellte 1995 die Stadtwerke A unter der Beachtung von Nebenbestimmungen von der öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Haftung für Schäden,
die vor dem 1.7.1990 auf einem bestimmten Grundstück verursacht wurden, frei.
Nach Abschluss der Sanierung erstattete es einen Betrag von 1.307.855,47 DM
(668.695,88 €) auf Grund eines Kostenerstattungsbescheides vom 14.4.1999.
Mit Kaufvertrag vom 31.7.1996 hatten die Stadtwerke A das sanierungsbedürftige
Grundstück an eine Bauherrengemeinschaft veräußert. Die Erwerberin hatte in
Kenntnis der Altlastenproblematik im Kaufvertrag gegenüber der Verkäuferin zugesichert, sie „von allen in diesem Zusammenhang entstehenden Kosten freizuhalten,

184
d. h. dass alle in diesem Zusammenhang entstehenden Kosten durch die Käufer zu
tragen sind“.
Der Landesrechnungshof ist der Auffassung, dass ab diesem Zeitpunkt ein Einsatz
von Landes- und Bundesmitteln zur Sanierung nicht mehr möglich war. Die BvS
verweigerte aus diesem Grund die Refinanzierung ihres 60 %igen Anteils in Höhe
von 784.713,28 DM (401.217,53 €).
Das Umweltministerium ging in seiner Stellungnahme auf die Beanstandung, dass
insbesondere die Regelungen aus dem Kaufvertrag im weiteren Verfahren nicht beachtet wurden, nicht ein.
(366)

Der Landesrechnungshof sah im niedrigen Kaufpreis für das Grundstück
(23,13 DM/m²/11,83 €/m² ) in exponierter Lage ein Indiz dafür, dass die Risiken im
Zusammenhang mit der Altlastensanierung bei der Bemessung des Kaufpreises bereits berücksichtigt worden waren. Darüber hinaus hielt er eine Sanierung auf Kosten
der Erwerbergemeinschaft für zumutbar, weil bereits 1996 erkennbar war, dass das
Grundstück eine erhebliche Wertsteigerung erfahren würde. Unter Zugrundelegen
der aktuellen Bodenrichtwertkarten (260 DM/m²/133 €/m²) wäre nach Abzug der Sanierungsaufwendungen und des Kaufpreises für das Grundstück noch eine Wertsteigerung in Höhe von 81 DM/m² (41 €/m²) erzielbar.
Das Umweltministerium teilte mit, dass andere altlastenbehaftete Standorte trotz ihrer ähnlich lukrativen Lage noch heute brach lägen. Insoweit möge dahingestellt
bleiben, ob hinsichtlich eines altlastenbehafteten Grundstückes allein durch einen geringeren Grundstückspreis seine Attraktivität erhöht werde und eine Vergleichsmöglichkeit mit anderen, nicht altlastenbehafteten innerstädtischen Grundstücken ohne
weiteres möglich sei.
Außerdem sei das Grundstück zum Zwecke der wirtschaftlichen Nutzung erworben
worden. Für die Absicht von Grundstücksspekulationen seien keine Anhaltspunkte
bekannt.
Da das Umweltministerium in seiner Stellungnahme nicht konkret auf die Prüfungsfeststellung hinsichtlich der Berücksichtigung der Altlastensituation bei der Bemessung des Kaufpreises eingeht, bleibt der Landesrechnungshof bei seiner Auffassung.
Für die vom Umweltministerium unterstellte Vermutung von Grundstücksspekulationsabsichten gab die Prüfungsmitteilung keinen Anlass. Mit seinen Berechnungen

185
wollte der Landesrechnungshof lediglich verdeutlichen, dass es für die Erwerbergemeinschaft durchaus zumutbar war, die Sanierung auf eigene Kosten durchzuführen.
(367)

Die Freistellung der Stadtwerke A war nicht auf weitere Rechtsnachfolger übertragbar, ohne auf den 60 %igen Refinanzierungsanteil der BvS zu verzichten.
Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass die Sanierungsanordnung vom
3.7.1997 gegen die Stadtwerke A als Rechtsnachfolger des Handlungsstörers erging,
obwohl gewichtige Gründe für die Inanspruchnahme des Zustandsstörers, also der
Erwerbergemeinschaft, sprachen:
− die tatsächliche und rechtliche Sachherrschaft über das sanierungsbedürftige
Grundstück,
− die Pläne der Erwerbergemeinschaft hinsichtlich der künftigen Bebauung,
− die Erfahrungen und Fachkunde der Erwerbergemeinschaft bei der Erschließung
von Grundstücken.
Es wurde weiterhin beanstandet, dass die Ordnungsbehörde des Landkreises ihre
Ermessensentscheidung in der Sanierungsverfügung nicht gemäß § 39 Abs. 1
VwVfG M-V begründete. Die Auswahl des Störers ausschließlich danach zu treffen,
welcher der Ordnungspflichtigen im Besitz eines bestandskräftigen Freistellungsbescheides war, stellte einen Ermessensfehler dar.
Das Umweltministerium teilte mit, dass in Bezug auf die Störerauswahl das Auseinanderfallen der Zuständigkeit zwischen Freistellungsbehörde (StAUN) und anordnender Sanierungsbehörde (untere Wasserbehörde des Landkreises) vereinzelt zu den
angemahnten Problemen geführt habe. Mit Inkrafttreten der Zweiten Verordnung zur
Änderung der Abfallzuständigkeitsverordnung vom 24. Februar 1999 sei die Zuständigkeit hinsichtlich Freistellungs- und Bodenschutzbehörde einheitlich bei den
StÄUN gebündelt worden. Mit dieser Bündelung werde gewährleistet, dass nur eine
Landesbehörde die inhaltliche Abstimmung zwischen der Freistellung und der Altlastensanierung vornehme. Damit würden auch gleichzeitig die beanstandeten Verfahrensfehler vermieden.
Die Antwort kann so nicht akzeptiert werden. Das zuständige StAUN hatte in allen
Phasen des Verfahrens zeitnah Kenntnis von allen und ausreichenden Einfluss auf alle Entscheidungen. Es hatte im zur Abstimmung vorgelegten Entwurf der Sanierungsanordnung die Störerauswahl beeinflusst.

186
(368)

Die Erwerbergemeinschaft beauftragte ein ihr verbundenes Ingenieurbüro (Mitglied
der Erwerbergemeinschaft) mit der Erarbeitung eines Sicherungs- und Sanierungskonzeptes zur Umsetzung der in der Sanierungsanordnung geforderten Maßnahmen.
Hierdurch wurde Punkt 4.2 des Beschlusses der Gemeinsamen Arbeitsgruppe
Bund/BvS/Länder „Ökologische Altlasten“ vom 12.12.1994 zur Beschleunigung der
Umsetzung des Verwaltungsabkommens nicht beachtet. Danach stellen die zu erarbeitenden Altlastensanierungskonzepte die Basis für den Finanzrahmen dar. Sie sind
durch unabhängige Ingenieurbüros zu erstellen.
Das Umweltministerium ging in seiner Stellungnahme hierauf nicht ein.

(369)

Das Sanierungskonzept enthält Leistungen, die nicht durch die Sanierungsanordnung
des Landkreises gedeckt waren. Beispielsweise wurden
− das Umverlegen vorhandener Leitungen/Gasreglerstation,
− das Fällen und Roden von Bäumen und
− die Sicherung der vorhandenen Gebäude
aufgenommen. Der Landesrechnungshof vertrat die Auffassung, dass bei der Beurteilung des Sanierungskonzeptes nicht primär die Gefahrenabwehr laut Sanierungsanordnung den Ausschlag gab, sondern die Interessen der Erwerbergemeinschaft über
das erforderliche Maß hinaus berücksichtigt wurden.
Das Umweltministerium teilte mit, die Sanierungsmaßnahme habe sich in das gesamte Investitionsvorhaben zur Umgestaltung des Stadtbereiches eingepasst.
Die Stellungnahme geht auf die konkreten Beanstandungen nicht ein.
Für das Umweltministerium ist scheinbar nicht deutlich geworden, dass das finanzielle Engagement des Landes für Maßnahmen, die über die in der Sanierungsanordnung angeordneten Gefahrenabwehrmaßnahmen hinaus vorgenommen wurden, weder über das Verwaltungsabkommen mit dem Bund refinanzierbar, noch durch den
Freistellungsbescheid gedeckt war.

(370)

Das StAUN hatte für die Ermittlung der Höhe der Kostenerstattung des Landes im
Jahr 1999 teilweise auf die Preise aus dem Sanierungskonzept zurückgegriffen, insbesondere dann, wenn die tatsächlich ausgeführten Leistungen nicht dem Sanierungskonzept entsprachen, sondern ausschließlich der künftigen Nutzung zuzurech-

187
nen waren. Voraussetzung dafür war, dass eine funktionale Gleichwertigkeit (Versiegelungsfunktion) festgestellt werden konnte.
Der Landesrechnungshof hielt die Preise, die dem Sanierungskonzept zu Grunde gelegt wurden, für nicht anwendbar, da sie überwiegend aus dem Angebot einer der
Erwerbergemeinschaft verbundenen Baufirma aus dem Jahre 1997 entnommen wurden.
Eine Stellungnahme des Umweltministeriums steht noch aus.
(371)

Das Ingenieurbüro, welches das Sanierungskonzept erarbeitet hatte, hatte auch die
Ausschreibung der Leistungen, die Öffnung und Wertung der Angebote nach der
VOB/A vorgenommen und den Vergabevorschlag erarbeitet. Die zur Erwerbergemeinschaft gehörende Baufirma erhielt den Zuschlag auf das preisgünstigste Angebot. Der Landesrechnungshof konnte nicht ausschließen, dass angesichts der Verquickung der Interessenlage zwischen dem Auftraggeber (Erwerbergemeinschaft), dem
Ingenieurbüro und dem Auftragnehmer kein VOB/A-konformes Verfahren durchgeführt wurde.
Das Umweltministerium bestätigte die Feststellung.
Einem ordnungsgemäß durchgeführten Vergabeverfahren kommt eine entscheidende
Bedeutung zu, insbesondere wenn es darum geht zu beurteilen, ob die Sanierungsmaßnahmen mit dem geringst möglichen Aufwand durchgeführt wurden und die
Kostenerstattung durch das Land der Höhe nach gerechtfertigt waren.
Im Übrigen beweist der Vertrag zur Altlastenbeseitigung vom 10./18.7.1997 zwischen den Stadtwerken A und der Erwerbergemeinschaft, dass sämtliche Sanierungsarbeiten durch die Erwerbergemeinschaft ausgeführt werden sollten. Eine Vergabe
der Leistungen an andere Bewerber war somit zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt.

(372)

Der Landesrechnungshof hielt die im Wege der Ausschreibung erzielten Einheitspreise wegen der erheblichen Mengenänderungen für nicht geeignet, als Grundlage
für die spätere Kostenerstattung im Rahmen der Freistellung von der Altlastenhaftung herangezogen zu werden. Gleiches galt für die Einheitspreise, die in die Sanierungskonzeption aufgenommen wurden.
Das Umweltministerium teilte mit, es sei ein Gesamtkonzept ausgeschrieben worden,
um einen größeren Gesamtstandort wirtschaftlich zu entwickeln. Aus diesem Ge-

188
samtkonzept seien die entsprechenden Positionen herausgerechnet worden. Die
Schwierigkeit bei der Bewertung habe sich dadurch ergeben, dass zum einen nach
dem Prinzip der Gleichwertigkeit zu beurteilen und zum anderen aus dem Gesamtkonzept die Teilmaßnahme Sanierung herauszufiltern war. Die Verfahrensweise sei
zwar nicht optimal, aber sachgerecht und vom Ergebnis praktikabel und effektiv gewesen.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes boten weder die Preise aus der Sanierungskonzeption, die im Rahmen der Gleichwertigkeitsbetrachtung für die Kostenerstattung herangezogen wurden, noch die Einheitspreise aus der Ausschreibung eine
sichere Gewähr dafür, dass die Höhe der Erstattung des Landes gerechtfertigt war. Es
bestehen insbesondere Zweifel, ob der Einheitspreis für die Abdeckung der Grundstücksfläche mit bindigem Boden (97,52 DM/m³ bzw. 49,86 €/m³) angemessen war.
(373)

Neben der grundsätzlichen Feststellung, dass eine anteilige Finanzierung auf Grund
vertraglicher Vereinbarungen zwischen Erwerbergemeinschaft und den Stadtwerken
durch das Land nicht erfolgen durfte, beanstandete der Landesrechnungshof, dass das
StAUN mindestens 599.655,91 DM (306.599,20 €) mehr erstattet hatte als für die
unmittelbaren Gefahrenabwehrmaßnahmen erforderlich waren. Beispielsweise wurden anteilig Kosten erstattet für
− die Umverlegung der Gasreglerstation, obwohl die Erwerbergemeinschaft laut
Kaufvertrag diese Arbeiten auf eigene Kosten durchzuführen hatte;
− das Liefern und Einbauen von zusätzlichem Boden zur Profilierung der Geländeoberfläche, da dies ausschließlich der Neuinvestition zuzurechnen war;
− den Einbau der mineralischen Dichtung (Gleichwertigkeitsberechnung), weil eine
größere Fläche, als in der Sanierungsanordnung gefordert, in die Abrechnung einbezogen wurde.
Das Umweltministerium teilte mit, in Auswertung des Berichtes des Landesrechnungshofes und der eigenen Erfahrungen habe es Konsequenzen hinsichtlich einer
Trennung zwischen Investor (Projektträger) und Sanierungsfirma bei Sanierungen
gezogen. In Zukunft sollen im Freistellungsverfahren verstärkt die haushaltsrechtlichen Gesichtspunkte mitberücksichtigt werden, da davon auszugehen sei, dass die
Altlastenproblematik jetzt nicht mehr das Haupthindernis (Investitionshemmnis) für
Investoren darstelle. Auf Grund der dargestellten Argumentationen vertrete das Um-

189
weltministerium den Standpunkt, dass die anerkannten Kosten fachlich gerechtfertigt
seien.
Die Einschätzung des Umweltministeriums, dass die anerkannten Kosten gerechtfertigt waren, wird auf Grund einer bisher fehlenden konkreten Auseinandersetzung mit
den Feststellungen nicht geteilt.
Im Übrigen liegt der vom Landesrechnungshof berechnete Sanierungsumfang im
Rahmen der Kostenschätzung des bis 1998 tätigen Projektmanagers, der in seinem
Zwischenbericht vom 26.5.1997 von Gesamtkosten in Höhe von 530.000 DM bis
813.500 DM (271.000 bis 416.000 €) für diese Sanierungsmaßnahme ausging.
(374)

Die Stadtwerke A hatten lt. Kontoauszug vom 28.4.1999 in einer Summe
2.001.007,52 DM (1.023.098,90 €) für alle Rechnungen aus den Jahren 1996 bis
1998 an die Erwerbergemeinschaft überwiesen. Es bestanden Zweifel an der Ordnungsmäßigkeit dieses Zahlungsnachweises, da nicht nachvollziehbar war, aus welchen Gründen die Stadtwerke die gesamte Erschließung eines Geländes finanziert
haben sollten, obwohl sie seit mehreren Jahren nicht mehr Eigentümer des Grundstückes waren.
Das Umweltministerium teilte mit, während der Durchführung der Sanierungsmaßnahmen sei durch den Projektcontroller eine konstante Kontrolle vorhanden gewesen. Seitens der Freistellungsbehörde bestände keine Veranlassung, die vorgelegten
Leistungen in Frage zu stellen und abzulehnen. Auf Grund der nunmehr geäußerten
Bedenken des Landesrechnungshofes habe sich das StAUN die Finanzierung der Sanierungsmaßnahme ergänzend schriftlich bestätigen lassen.
Aus dem Schreiben des Geschäftsführers der Stadtwerke an das StAUN vom
5.4.2001 geht hervor, dass die gezahlte Kostenerstattung für die Sanierung verwendet
wurde. Entgegen der Stellungnahme wird jedoch nicht bestätigt, dass die Maßnahmen durch die Stadtwerke finanziert wurden. Dies ist aber Voraussetzung für eine
Kostenerstattung. Die Bedenken des Landesrechnungshofes konnten letztlich hierdurch nicht ausgeräumt werden.
Zwischenzeitlich hat das Umweltministerium im Rahmen der Anhörung zum Jahresberichtsbeitrag mitgeteilt, es habe festgestellt, dass unterschiedliche Unterlagen zur
gleichen Thematik vorliegen, die letztendlich zu einer differenzierten Aussage zwischen dem Ministerium und dem Landesrechnungshof führten. Die vom Umweltmi-

190
nisterium getroffene Entscheidung hinsichtlich der Gewährleistungszusage im Rahmen der Freistellung sei auf der Basis von Unterlagen der Stadtwerke getroffen worden, die zu einem späteren Zeitpunkt einseitig von den Stadtwerken verändert wurden. Dadurch habe sich der dem Freistellungsbescheid zu Grunde gelegte Sachverhalt geändert. Schlussfolgernd aus diesen Erkenntnissen habe das Umweltministerium die Stadtwerke zu einer Stellungnahme aufgefordert. Eine Antwort stehe noch
aus.
Weiterhin wird mitgeteilt, das Umweltministerium betrachte die Klärung der Frage
der Gewährleistungszusage gegenüber den Stadtwerken als Schwerpunktfrage. Die
Beantwortung der anderen offenen Fragen werde erfolgen, sobald im Umweltministerium die Schwerpunktfrage geklärt sei und die weiteren Verfahrensschritte feststünden.
(375)

Ein StAUN hatte eine Firma im Rahmen der Härtefallregelung von der Altlastenhaftung 1995 freigestellt, nachdem diese die Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen hatte. Diese Freistellung durfte nicht gewährt werden, da die Voraussetzungen für die
Einordnung als Härtefall nicht gegeben waren. Gemäß Merkblatt der Treuhandanstalt
mussten bei der Einstufung in die Härtefallregelung folgende Voraussetzungen kumulativ gegeben sein:
− Für beide Vertragsparteien handelt es sich um eine wesentliche Abweichung der
Einschätzung des Altlastenrisikos gegenüber dem Zeitpunkt des Vertragsabschlusses.
− Für den Erwerber ist das Altlastenrisiko unzumutbar.
− Es liegt ein herausragendes Investitionsinteresse vor.
Des Weiteren wurde eine nach dem Verwaltungsabkommen erforderliche Zustimmung der BvS zum vorgesehenen Bodenaushub nicht eingeholt. Die BvS erstattete
daraufhin ihren Anteil in Höhe von 650.281,80 DM (332.483,80 €) nicht.
Das Umweltministerium teilte mit, dass die Treuhandanstalt 1993 dem Grunde nach
der vorbereitenden Entscheidung des Landes zugestimmt habe, die Firma im Rahmen
der Härtefallregelung von der Altlastenhaftung freizustellen. Die Erstellung des Freistellungsbescheides habe sich zeitlich durch eine 1994 erfolgte Zuständigkeitsänderung verzögert. Auf Grund der fehlenden Projektkontrollmöglichkeiten habe das zuständige StAUN keinen Einfluss auf die Einhaltung der projektierten Sanierungs-

191
maßnahmen und deren praktische Umsetzung ausüben können. Durch eine Neuorientierung hinsichtlich der Aufgaben in der BvS sei ausschließlich eine formale Bewertung unter Beachtung der Beschlüsse der Gemeinsamen Arbeitsgruppe Bund/BvS/
Länder und unter Negierung der Treuhand-Zusagen vorgenommen worden.
In einer ergänzenden Stellungnahme teilte das Umweltministerium mit, nach seiner
Auffassung sei die Entscheidung zur Einordnung als Härtefall im Rahmen der Freistellung als Einzelfallentscheidung und immer im Spannungsfeld zwischen zeitgebundenen wirtschaftlichen Aktivitäten des Investors am Standort, der Treuhandanstalt als Verkäufer und dem Umweltministerium/den StÄUN als Freistellungsbehörde zu sehen. Gerade im vorliegenden Fall lasse sich für die Auslegung der Härtefallregelung die zeitgleich unterschiedliche Interessenlage des Bundes nachweisen. Es
werde der Standpunkt vertreten, hier im Rahmen des Ermessens eine der zeitbezogenen Sach- und Rechtslage rechtmäßige Entscheidung getroffen zu haben.
Die Darlegungen des Umweltministeriums überzeugen nicht vollständig. Die Freistellung von der Altlastenhaftung und die Einordnung als Härtefall lagen im Ermessen des zuständigen StAUN. Die Voraussetzungen zur Anwendung der Härtefallregelung lagen jedoch nicht vor. Zum Zeitpunkt des Grundstückskaufs (9.6.1993) hatte
der Käufer Kenntnis davon, dass eine Sanierungsanordnung durch den Landkreis
vorbereitet wurde (Anhörung am 17.5.1993). Demnach war das Altlastenrisiko bekannt. Es hätte bereits bei den Kaufverhandlungen mit der Treuhandanstalt berücksichtigt werden können. Offenbar stellte das Altlastenrisiko jedoch kein Investitionshemmnis dar, war also für den Erwerber zumutbar. Bei Beachtung des TreuhandMerkblattes zum Verfahrensablauf bei Freistellungen nach der Härtefallregelung hätte die Freistellung nicht erfolgen dürfen. Ausgaben in Höhe von 1.083.803 DM
(554.140 €) für das Land wären nicht entstanden.
(376)

Das Landesamt für Umwelt und Natur hatte 1994 zu Gunsten einer Firma einen Freistellungsbescheid erlassen. Abweichend von der im Privatisierungsvertrag mit der
Treuhandanstalt vereinbarten sog. Sockelbetragsregelung zur Finanzierung von Sanierungsmaßnahmen stellte es die Firma ab Überschreitung eines Betrages von
200.000 DM (102.258 €) von einer weiteren finanziellen Eigenbeteiligung frei. Der
Landesrechnungshof hatte beanstandet, dass damit ein Beschluss der Gemeinsamen
Arbeitsgruppe Bund/BvS/Länder nicht ausreichend beachtet wurde. Als Folge muss-

192
te das Land zusätzlich 120.000 DM (61.355 €) über seinen ohnehin nach dem Verwaltungsabkommen zu leistenden Anteil hinaus finanzieren.
Gemäß Nr. 4.2 des Beschlusses der Gemeinsamen Arbeitsgruppe Bund/BvS/Länder
vom 11.6.1993 werden die vertraglichen Regelungen mit der Treuhandanstalt über
Eigenanteile des Käufers der Freistellung zu Grunde gelegt und auf 10 % (Anm.:
Nr. 4.1 dieses Beschlusses) angerechnet.
Das Umweltministerium bestätigte die Feststellungen grundsätzlich. Die Freistellungsbehörde habe zum damaligen Zeitpunkt außerordentliche Belastungen des Unternehmens berücksichtigt und deshalb zur Vermeidung von wirtschaftlichen Hemmnissen so entschieden. In Zukunft werde im Freistellungsverfahren verstärkt unter
haushaltsrechtlichen Gesichtspunkten entschieden.
(377)

Ein StAUN stellte einem Gasversorgungsunternehmen mit Freistellungsbescheid aus
dem Jahr 1997 eine Beteiligung des Landes an den Kosten zur Gefahrenabwehr und
der hierzu erforderlichen Voruntersuchungen in Aussicht. Der Landesrechnungshof
beanstandete, dass die Kostenerstattung für Gutachten in den Freistellungsbescheid
aufgenommen wurde, obwohl es eine Mitteilung der BvS aus dem Jahr 1995 gab,
nach der diese Kosten im Rahmen der Privatisierungsverhandlungen mit allen Gasversorgern berücksichtigt worden waren. Eine Kostenerstattung in Höhe von
99.688,36 DM (50.969,85 €) war vermeidbar.
Gemäß Beschluss der Gemeinsamen Arbeitsgruppe Bund/BvS/Länder vom
12.12.1994 hatten die Länder bei der Freistellung die vertraglichen Regelungen der
THA mit dem Käufer zu berücksichtigen. Außerdem hatte die BvS dem Umweltministerium am 3.4.1995 mitgeteilt, dass die Gutachterkosten bei der Festlegung der
Kaufpreise für Gasversorgungsunternehmen berücksichtigt worden waren.
Das Umweltministerium bestätigte, dass die Information im StAUN bekannt gewesen sei. Nach Auswertung des Sachverhalts sei zu erwarten, dass derartige Fehler
nicht mehr auftreten.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

193

Informationssystem für die Arbeitsmarktpolitik /
ISAP-Verfahren / Software
(ISAP I)

Bei der Einführung des neuen IT-Verfahrens ISAP hat sich das Sozialministerium zur
Übernahme und Anpassung des in NordrheinWestfalen

eingesetzten

IT-Verfahrens

MAGS/ESF entschieden.
Die Beschaffung des IT-Verfahrens wurde nicht
ordnungsgemäß geplant; Grundsätze des Haushaltsrechts wurden verletzt.
Die ursprünglich geschätzten, limitierten Anpassungskosten wurden erheblich überschritten.
Planungs- und Erstellungsleistungen wurden bezahlt, obwohl sie noch nicht abgenommen worden
waren.
Erwartete Rationalisierungseffekte sind nicht
eingetreten.

(378)

Der Landesrechnungshof hat im Jahr 2000 beim Ministerium für Arbeit und Bau
(Arbeitsministerium), im Landesversorgungsamt und in den Versorgungsämtern
Neubrandenburg, Rostock und Schwerin die Vorbereitung bzw. den Einsatz des Informationssystems für die Arbeitsmarktpolitik – ISAP – geprüft.
Zur Problematik der Schnittstelle zwischen dem HKR-Verfahren ProFiskal und ISAP
sowie zu haushaltsrechtlichen Fragen wurde bereits im Jahresbericht 2001 (Tzn.
307 ff., 410 ff.) berichtet.

(379)

Bis zum November 1998 war das Sozialministerium für die Entwicklung und Einführung des IT-Verfahrens ISAP zuständig, seitdem obliegt die Aufgabe dem Arbeitsministerium, in das die fachlich zuständige Abteilung Arbeit umgesetzt wurde.

194
Zuständig für die mit Hilfe von ISAP zu bearbeitende Förderung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen ist neben dem Arbeitsministerium die Versorgungsverwaltung des
Landes, die insoweit der Fachaufsicht des Arbeitsministeriums unterliegt.
(380)

Das IT-Verfahren ISAP sollte als „leistungsfähiges Informationssystem ... sämtliche
bei der Umsetzung der Arbeitsmarkt- und Strukturfondsförderung anfallenden Daten
von der Antragstellung über die Mittelbewirtschaftung bis zur Verwendungsnachweisführung und EU-Mittelabrechnung“ verwalten und als „komplexes Prozessmanagementsystem ... die Abläufe in der Arbeitsmarktförderung wirkungsvoll unterstützen.“
Jährlich wurden im Rahmen des Landesprogramms „Arbeit und Qualifizierung für
Mecklenburg-Vorpommern“ (AQMV) etwa 15.000 arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gefördert. Im Februar 2000 waren in Mecklenburg-Vorpommern 25.876 Personen in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und 17.403 in Strukturanpassungsmaßnahmen tätig; weitere 17.967 Personen befanden sich in geförderter beruflicher Weiterbildung.

(381)

Für die Arbeitsmarktförderung standen 1997 bis 2001 – Kapitel 1018 bzw. 1503
„Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen“ – zur Verfügung :

(382)

Haushaltsjahr
1997

Ausgaben (Plan)
295,564 Mio. DM (151,120 Mio. €)

1998

295,479 Mio. DM (151,076 Mio. €)

1999

310,157 Mio. DM (158,581 Mio. €)

2000

265,378 Mio. DM (135,686 Mio. €)

2001

255,151 Mio. DM (130,456 Mio. €)

1997 – 2001

1.421,729 Mio. DM (726,918 Mio. €)

Das IT-Verfahren im Bereich der Arbeitsmarktpolitik musste der Dimension der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, dem Verwaltungsaufwand für die Umsetzung des
Landesprogramms AQMV und den Anforderungen der EU an die Programmanpassung, die Evaluation und die Mittelabrechnung entsprechen.
Erwartet wurde neben einer effektiveren Bearbeitung der Förderanträge auch eine
zeitnahe Abrechnung und die aktuelle Information über den Stand von Maßnahmen.

195
Mit dem IT-Verfahren ISAP sollte insbesondere eine Optimierung der Datenverwaltung für eine bessere Steuerung mit dem Ziel einer deutlichen Erhöhung der Effektivität des Einsatzes der Fördermittel erreicht werden.
(383)

Vor der Einführung des IT-Verfahrens ISAP sind nicht die erforderlichen Organisationsuntersuchungen durchgeführt worden; auch wurde versäumt zu prüfen, welche
Auswirkungen das Projekt auf die vorhandene Verwaltungsstruktur haben könnte
und ob Anpassungen oder Modifikationen erforderlich sind (vgl. auch Jahresbericht
2000 Tz. 372).
Diese Unterlassung ist eine der Ursachen dafür, dass erwartete Rationalisierungseffekte nicht eingetreten sind.

(384)

Die Leistung zur Erstellung der Software, deren Auftragswert das Sozialministerium
auf 1,6 Mio DM/818.100 € (netto) veranschlagt hatte, wurde nicht in einem Offenen
Verfahren ausgeschrieben und vergeben.

(385)

Am 15.9.1997 hat das Sozialministerium entschieden, dass ein EDV-System auf der
Grundlage des in Nordrhein-Westfalen eingesetzten EDV-Programms MAGS/ESF
eingeführt werden soll. Dieser Entscheidung gingen im Wesentlichen folgende
Schritte voraus :
− Im September 1996 wurde das Verfahren MAGS/ESF im Sozialministerium präsentiert.
− Am 24.5.1997 hat das Sozialministerium den Produzenten des Verfahrens
MAGS/ESF – die Firma A – beauftragt, ein „Gutachten“ für die Anpassung dieses
Verfahrens an die Gegebenheiten in Mecklenburg-Vorpommern zu erstellen. Dabei sollten auch der voraussichtliche Gesamtaufwand für die Erstellung des EDVVerfahrens ermittelt und Aussagen über mögliche Einsparungen durch die Anpassung des Verfahrens MAGS/ESF gemacht werden.
− In dem „Gutachten“ vom August 1997 wurde dargestellt, dass das Verfahren
MAGS/ESF mit einigen Ergänzungen angepasst werden kann. Bei einer Übernahme könnten gegenüber einer Neuprogrammierung 758 Personentage Programmieraufwand eingespart werden.
Für das „Gutachten“ wurden 94.498,48 DM ( 48.316,31 €) gezahlt, obwohl es unvollständig und im Kern ein Leistungsangebot der Firma A war. Insbesondere
fehlten Aussagen über Einsparungen durch Anpassung anderer Programme, eine

196
Kostenschätzung für IT-Sicherheitskomponenten und eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.
− Das Ergebnis einer Länderumfrage nach anderen geeigneten Programmen vom
8.8.1997 lag erst am 10.10.1997 vor, war also für die Entscheidung ohne Bedeutung.
− Das Sozialministerium hat am 15.9.1997 die mit 3 Mio. DM (1,53 Mio. €) kalkulierten Gesamtkosten als finanzielle Obergrenze festgelegt.
− Am 11.12.1997 wurde der Firma A der Auftrag erteilt, das System MAGS/ESF
anzupassen.
(386)

Das Sozialministerium hatte sich intern schon 1996 auf die Übernahme und Anpassung des Verfahrens MAGS/ESF festgelegt, ohne vorher eine Vor- und Hauptuntersuchung durchzuführen. Das „Gutachten“ der Firma A konnte schon wegen des starken Eigeninteresses der Firma keine objektive Untersuchung darstellen.

(387)

Das Arbeitsministerium hat eingeräumt, dass 1996 eine Vorentscheidung für die
Übernahme der in NRW eingesetzten Softwarelösung getroffen wurde.

(388)

Eine als „Wirtschaftlichkeitsuntersuchung“ bezeichnete Betrachtung des Sozialministeriums vom September 1997 über die Kosten des Verfahrens enthält Mängel und
führt zu einem falschen Bild. Insbesondere die durch die Anpassung des Systems
MAGS/ESF tatsächlich entstehenden Kosten und mögliche Kosteneinsparungen wurden nicht oder nicht richtig dargestellt.

(389)

Erwartete Kosteneinsparungen und Synergieeffekte sind nicht eingetreten.

(390)

In den Jahren 2000 und 2001 wurden für ISAP in den folgenden Haushaltstiteln
Ausgaben veranschlagt, obwohl Planungsunterlagen gemäß § 24 Abs. 2 LHO nicht
erstellt worden sind (s. auch Jahresbericht 2001, Tzn. 422 bis 424).

197

Haushaltsjahr 2000
1503 533.02 MG 02
Ausgaben auf Grund von Werkverträgen
oder anderer Auftragsformen
(lt. Erläuterungen u. a. vorgesehen für
Softwareanpassung und Erweiterung ISAP)
1503 535.02 MG 02
Schaffung der erforderlichen Infrastruktur
zur Umsetzung der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen
(u. a. Softwarepflege für ISAP)
1503 533.05 MG 05
Ausgaben auf Grund von Werkverträgen
oder anderer Auftragsformen
(lt. Erläuterungen vorgesehen zur Komplementärfinanzierung zu Titel 533.02)
1503 535.05 MG 05
Schaffung der erforderlichen Infrastruktur
zur Umsetzung der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen
(lt. Erläuterungen: zur Komplementärfinanzierung von IT-Maßnahmen aus Titel 535.02)

3.663.000 DM
(1.872.900 €)

237.000 DM
(121.200 €)

3.400.000 DM
(1.738.400 €)

500.000 DM
(255.600 €)

Haushaltsjahr 2001
3.500.000 DM
(1.789.500 €)

177.000 DM
(90.500 €)

3.300.000 DM
(1.687.300 €)

300.000 DM
(153.400 €)

Tab. 14: Zusammenstellung der für ISAP veranschlagten Haushaltsmittel

(391)

Bis zum 28.2.2001 betrug der Gesamtaufwand – ohne Hardware und Projektmanagement – 3.038.625,27 DM (1.553.624,43 €), insgesamt wurden mindestens
4 Mio. DM (2,1 Mio. €) aufgewendet. Ein Ende ist durch den ständigen Aufwand für
dieses IT-Verfahren nicht abzusehen.

(392)

Das Arbeitsministerium meint dazu, dass bei einem Vergleich der 1997 geplanten
mit den bis dato tatsächlich entstandenen Kosten die wesentlich umfangreicheren
Aufgabenstellungen zu berücksichtigen sind, die durch Veränderungen der Förderlandschaft erforderlich wurden.
Dies ändert nichts an der Tatsache, dass die damalige Kostenschätzung falsch war.

(393)

Ein Pflichtenheft i. S. v. § 8 Nr.1 Abs. 1 VOL/A (Leistungsbeschreibung für die
Durchführung einer Ausschreibung) wurde vom Sozialministerium vor der Auftragsvergabe nicht erstellt. Das im Zuge der Softwareerstellung begleitend gefertigte

198
Pflichtenheft war nicht geeignet, die Leistung exakt und damit abrechenbar zu definieren.
Der Firma A war es z. T. selbst überlassen, die IT-Verfahrensgestaltung zu bestimmen; so wurde ihr nach dem „Gutachten“ auch die Erstellung von DV-technischen
Feinkonzepten – mithin von Teilen des Pflichtenheftes – übertragen.
Nach § 1 Nr. 1a BVB-Erstellung darf die Programmierung nur dann gleichzeitig mit
der Erstellung des DV-technischen Feinkonzeptes vergeben werden, wenn die Anforderungen an die Programme so genau bezeichnet sind, dass die Vergütung und die
Ausführungsfristen für die gesamten geforderten Leistungen festgelegt werden können: anderenfalls sind DV-technisches Feinkonzept und Programmierung gesondert
zu vergeben. Dies war auch bei der Erstellung der ISAP-Software erforderlich.
(394)

Das Arbeitsministerium sieht in der „Gesamtheit von Gesamtkonzept, Fachkonzept
und DV-technischem Feinkonzept“ das für die Erstellung von Software notwendige
Pflichtenheft i. S. v. § 8 Nr.1 Abs. 1 VOL/A. Außerdem ist es der Meinung, dass es
der Firma A zu keinem Zeitpunkt überlassen war, die Verfahrensgestaltung selbst zu
bestimmen.

(395)

Diese Auffassung des Arbeitsministeriums ist schon deshalb nicht haltbar, weil auch
die DV-technischen Feinkonzepte offensichtlich auf der Grundlage des „Gutachtens“
der Firma A erstellt wurden.

(396)

Da das Ministerium die Steuerung des ISAP-Projektes nicht selbst durchführen
konnte, hat es die Firma B – nach erfolgloser Ausschreibung – freihändig mit der
Durchführung des Projektmanagements beauftragt. Die auf ca. 400.000 DM
(ca. 204.500 €) geschätzten Kosten – vereinbart wurde ein Tagessatz von
1.740,00 DM (889,65 €) – wurden erheblich überschritten. Schon bis zum
31.12.2000 wurden rd. 1 Mio. DM (rd. 511.300 €) gezahlt.

(397)

Das Arbeitsministerium räumt die Überschreitung ein und begründet sie mit der Erweiterung der Zielstellungen und den schwierigen Bedingungen im Umfeld der Einführung von ISAP.

199

Abnahme und Bezahlung der Leistungen
(398)

Obwohl die Abnahme der Programmierungsleistungen der Firma A innerhalb von
30 Tagen nach Durchführung der Abnahmetests erfolgen sollte, sind Funktionsprüfungen der Programme bzw. von Programmteilen nicht vollständig durchgeführt
worden. Die Einzelheiten der Abnahme sowie der Bezahlung der Leistungen waren
in den Verträgen geregelt. Die Abnahme der Programme oder in sich geschlossener
Teile nach erfolgreicher Funktionsprüfung war nach dem ISAP-Gesamtkonzept auch
Voraussetzung für die Zahlung der vereinbarten Vergütung.
Die Voraussetzungen für Abschlagszahlungen lagen nicht immer vor (vgl. Jahresbericht 2001 Tzn. 310 bis 318).

(399)

Das Arbeitsministerium begründet diese Praxis insbesondere damit, dass rechtsmissbräuchlich gewesen wäre, die Abnahme der Leistungen zu verweigern, da die Unterlassung der Durchführung der Funktionsprüfungen wegen der Umstellung auf das
Programm AQMV 2000 in den Risiko- und Gefahrenbereich des Auftraggebers fiel.
Eine Fristsetzung zur Durchführung der Funktionstests wäre in dieser Situation reine
„Förmelei“ gewesen und hätte durch die Verzögerung der Aufnahme der Arbeitsmarktförderung erheblichen politischen Schaden zur Folge gehabt.
Trotz dieser Auffassung des Arbeitsministeriums bleibt es dabei, dass die Abnahmepraxis gegen haushaltsrechtliche als auch schuldrechtliche (BVB) Bestimmungen
verstieß.

(400)

Die ISAP-Anwendungen in den Versorgungsämtern waren infolge von Programmiermängeln stark fehlerbehaftet, obwohl die Firma A seit Jahren das analoge ITVerfahren MAGS/ESF bzw. das Nachfolgeverfahren BISAM in NordrheinWestfalen entwickelt und betreut.
Ein Beispiel für die mängelbehaftete Programmierung von Teilfunktionen ist die Berechnung der Vergütung von Stammkräften nach dem BAT-O, für die ISAP nur eingeschränkt verwendet werden konnte. Wesentliche Berechnungskriterien standen in
ISAP nicht zur Verfügung. Die Bearbeiter haben sich stattdessen mit einem Modul
aus dem AQMV-Altverfahren beholfen. Die Firma C, die dieses Verfahren entwickelt hatte, wurde damit beauftragt, die ISAP-Programmierung der Firma A zu korrigieren und fehlende Funktionen zu realisieren. Dies war eigentlich Sache der Firma A, die dafür bereits vergütet worden war.

200

Netzwerk- und Systemmanagement
(401)

Ein umfangreiches IT-Verfahren erfordert für die optimale Wirksamkeit ein ordnungsgemäßes Netzwerk- und Systemmanagement.
Hierfür muss das Personal, das für die Systemadministration vorgesehen ist, umfassend eingewiesen werden; dies ist jedoch nicht geschehen. Weder das Projektmanagement (Firma B) noch der Softwarehersteller (Firma A) haben das im Landesversorgungsamt dafür vorgesehene Personal entscheidend an der Verfahrenseinführung
beteiligt.
Es ist insgesamt fraglich, wie die ISAP-Systembetreuung in absehbarer Zeit ohne
kostenaufwendige externe Unterstützung möglich sein wird.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

201

Beschaffung von Informations- und Kommunikationstechnik
für den Bereich Arbeitsmarktpolitik / Hardware
(ISAP II)

Bei der Beschaffung von Hard- und Standardsoftware für das IT-Verfahren ISAP wurde gegen
haushaltsrechtliche und vergaberechtliche Bestimmungen verstoßen.
Das europaweite Offene Verfahren wurde durch
Aufteilung in vier Leistungspakete umgangen.
Zwischen den vertraglich vereinbarten und tatsächlich gelieferten Hardwarekomponenten bestanden Unterschiede in Qualität und Leistung,
die zu einer Überzahlung durch das Land führten.

(402)

Im Zusammenhang mit der Einführung des neuen IT-Verfahrens ISAP
(s.Tzn. 378 ff.) wurde in den mit der Arbeitsmarktpolitik befassten Behörden die gesamte Hardware erneuert und erweitert. Davon waren 14 Computerarbeitsplätze im
Ministerium für Arbeit und Bau, zwei im Landesversorgungsamt Rostock, 21 im
Versorgungsamt Neubrandenburg, 24 im Versorgungsamt Schwerin, 25 im Versorgungsamt Rostock und zwölf im Versorgungsamt Stralsund, insgesamt
98 Computerarbeitsplätze, betroffen.
Für den Endausbau ISAP war vorgesehen, dass die Daten der Versorgungsämter im
Landesversorgungsamt und im Arbeitsministerium zusammengefasst und ausgewertet werden können. Die Erneuerung bzw. Erweiterung der Hardware umfasste aktive
und passive Netzkomponenten sowie Datenbank-, E-Mail- und Netzwerkserver.
Die Kosten für die Hardware waren vom Sozialministerium im September 1997 auf
650.000 DM (332.300 €) kalkuliert worden.

(403)

Die Beschaffung der Hardware einschließlich der Standardsoftware wurde vom Arbeitsministerium im Jahr 1999 nicht im Rahmen eines Beschaffungsvorganges reali-

202
siert, sondern in vier unterschiedliche Hardwarepakete und in vier zeitlich versetzte
Öffentliche Ausschreibungen aufgeteilt.
Auf Grund des finanziellen Umfangs hätte die Leistung im Rahmen eines Offenen
Verfahrens europaweit ausgeschrieben werden müssen (§ 1a Nrn. 1.(1) und 4.(6)
VOL/A).
Bei einer Beschaffung der Hardware in einem Offenen Verfahren hätten auch erhebliche Preisvorteile erzielt werden können.
(404)

Das Sozialministerium hat als Dienstaufsichtsbehörde der Versorgungsverwaltung
darauf hingewiesen, dass das Arbeitsministerium wegen seiner fachlichen Zuständigkeit auch für die Hardwarebeschaffung verantwortlich ist.

(405)

Die technischen Parameter der für ISAP erforderlichen Hardware waren weder vom
Softwareproduzenten noch von dem im Auftrag des Arbeitsministeriums tätigen Projektmanager hinreichend genau definiert worden, um danach vom Landesversorgungsamt eine optimale Hardwarebeschaffung durchführen zu können.

(406)

Die auf der Grundlage von zu allgemeinen Leistungsparametern beschaffte Hardware
war eine wesentliche Ursache für die nicht zufrieden stellende Leistungsfähigkeit des
IT-Verfahrens ISAP im Versorgungsamt Neubrandenburg.
Wegen der auch bei der Bestimmung der erforderlichen Stückzahlen offenkundigen
Planungsmängel mussten ein E-Mail-Server und Hardware für acht Computerarbeitsplätze nachbestellt werden.

(407)

Es ist unabdingbar, dass die Hersteller von Individualsoftware dem Auftraggeber
detailliert mitteilen, welche Hardwarekonfiguration erforderlich ist, um eine optimale
Leistungsfähigkeit des IT-Systems zu gewährleisten.
Künftige Erstellungsverträge müssen entsprechende Regelungen aufweisen.

Versorgungsamt Neubrandenburg
(408)

Das Landesversorgungsamt Rostock hat im Juli 1999 für das Versorgungsamt Neubrandenburg eine Ausschreibung durchgeführt, obwohl nicht exakt definiert war,
welche Hardwarekomponenten benötigt werden. Unter elf Angeboten wurde das der

203
Firma A angenommen. Neben dem günstigen Angebotspreis von rd. 78.000 DM / rd.
39.900 € waren dafür die mit diesem Unternehmen gemachten Erfahrungen, die Lieferung eines bestimmten Servers und der Preis für weitere Netzkomponenten ausschlaggebend.
(409)

Die ersten ISAP-Anwendungen mit den neuen Geräten führten zu Ausfällen durch
Systemabstürze und defekte Arbeitsplatzcomputer.
Diese Qualitätsprobleme konnten nicht immer vom Lieferanten selbst, sondern nur
durch direkten Kontakt zwischen dem Versorgungsamt und Niederlassungen des
Herstellers der Arbeitsplatzcomputer in Deutschland oder der Schweiz abgestellt
werden. Dies führte zu erheblichem, zusätzlichen Personal- und Zeitaufwand in der
Versorgungsverwaltung.

(410)

Das Landesversorgungsamt hat hingenommen, dass die lt. Ausschreibung für alle
Komponenten geforderte dreijährige „Vor-Ort-Garantie“ durch den Hersteller von
der Firma A ausschließlich für den Server angeboten wurde.
Es hat auch akzeptiert, dass Firma A – als Lieferant – Reparaturen und die Beseitigung von Störungen meist nicht selbst realisieren konnte, sondern das Versorgungsamt vielfach den direkten Service des Herstellers organisieren musste, was für die
Versorgungsverwaltung erheblich aufwändiger war.

(411)

Das Sozialministerium hält die Hardwarevorgaben des Arbeitsministeriums für ausreichend, die späteren Veränderungen seien als Folge zusätzlicher Erkenntnisse üblich.

(412)

Sozial- und Arbeitsministerium halten den von der Versorgungsverwaltung im Störfall praktizierten Direktkontakt mit dem Hersteller für effizient bzw. praktikabler.

Versorgungsamt Schwerin
(413)

Auf die Ausschreibung von 24 Computerarbeitsplätzen und zwei Servern für das
Versorgungsamt Schwerin gingen zwölf Angebote ein. Der Zuschlag an die Firma A
im Oktober 1999 wurde mit den bisherigen guten Erfahrungen und der problemlosen
Zusammenarbeit begründet. Darüber hinaus wurde als positiv bewertet, dass die
Firma A die gleiche Konfiguration wie für das Versorgungsamt Neubrandenburg
angeboten hatte.

204
(414)

Diese Begründung ist nicht nachvollziehbar, denn die Erfahrungen mit der unzureichenden Qualität der für das Versorgungsamt Neubrandenburg gelieferten Geräte
und mit dem unwirtschaftlichen „Service“ durch den Hersteller sprachen gegen einen
Zuschlag an die Firma A.

(415)

Das Arbeitsministerium hat erwidert, dass sich der Service in der Praxis bewährt hat
und dass die Nutzer zufrieden sind.
Angesichts der im Versorgungsamt Neubrandenburg gemachten Erfahrungen ist dies
nicht überzeugend.

Landesversorgungsamt und Versorgungsämter Rostock und Stralsund
(416)

Im Rahmen der Ausschreibung hatten sechs Unternehmen Angebote eingereicht. Das
Landesversorgungsamt entschied sich auch hier für die Firma A, obwohl deren Preis
über dem anderer Anbieter lag.
Ein Angebot, das rd. 25.000 DM (rd. 12.800 €) unter dem der Firma A lag, wurde
nicht berücksichtigt, weil dieser (namhafte) Hersteller „eher das untere Leistungslevel“ darstelle und weil für dessen Produkte von „Hardwarespezialisten ... keine
Kaufempfehlung“ gegeben würde. Dagegen steht die Tatsache, dass diese MarkenHardware in vielen Behörden des Landes und des Bundes sowie anderer Länder erfolgreich eingesetzt wird.

(417)

Das Angebot der Firma A durfte wegen der mit diesem Lieferanten im Versorgungsamt Neubrandenburg gemachten schlechten Erfahrungen und in Anbetracht des um
7 % höheren Preises nicht berücksichtigt werden.

(418)

Bei den Lieferungen der Firma A wurden Differenzen zwischen der angebotenen und
vertraglich vereinbarten und der später tatsächlich gelieferten Hardware festgestellt.
Trotzdem wurde der Kaufpreis nicht reduziert, obwohl die gelieferte Hardware infolge der Abweichung von der vereinbarten Konfiguration preisgünstiger war.
Der Wertunterschied beläuft sich auf 14.349,50 DM (7.336,78 €), um den die Hardware überzahlt worden ist.

(419)

Das Arbeitsministerium hat erklärt, dass die Überzahlung rückgängig gemacht wurde.

205
(420)

Nach VV Nr. 4.1 zu § 73 LHO ist ein Bestandsverzeichnis über bewegliche Sachen
zu führen; gem. VV Nr. 12 zu § 73 LHO sind Arbeitsplatzcomputer und Server in einem speziellen Geräteverzeichnis zu erfassen.
Die beschaffte Hardware ist in der Landesversorgungsverwaltung für den Bereich
Arbeitsmarktverwaltung nicht ordnungsgemäß inventarisiert worden.
Es ließ sich deshalb nicht prüfen, welche Geräte geliefert wurden und an welchem
Standort sich die einzelnen Geräte befinden.

(421)

Das Sozialministerium hat mitgeteilt, dass inzwischen ein aktuelles IT-Bestandsverzeichnis in elektronischer Form vorliegt.

Ausstattung des Arbeitsministeriums
(422)

Die Beschaffung von 44 Arbeitsplatzcomputern mit Zubehör, Servern, Druckern und
weiteren Komponenten, darunter 14 ISAP-Arbeitsplätze, für das Arbeitsministerium
wurde im Rahmen einer Öffentlichen Ausschreibung durchgeführt.
Den Zuschlag erhielt Ende September 1999 unter fünf Anbietern die Firma C, weil
die übrigen Angebote inhaltlich nicht den Anforderungen der Ausschreibung entsprachen und Firma C der preisgünstigste Anbieter war.

(423)

Auch die Durchführung dieses Vergabeverfahren ist mängelbehaftet. Die Leistungsbeschreibung war nicht vollständig, denn die gelieferte Hardware musste nachgerüstet werden, damit die erforderliche Leistung erreicht wird. Das Ministerium hat weiterhin gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung der Anbieter verstoßen. Einerseits
wurde ein Bieter ausgeschlossen, weil einzelne Positionen der Leistungsbeschreibung im Angebot nicht ausgewiesen wurden (BVB-Vertrag mit Anlagen und Tabellen). Das Fehlen der gleichen Unterlagen im Angebot der später beauftragten Firma
C hatte nicht diese Konsequenz.
Das Ministerium forderte vielmehr die Firma C zur Konkretisierung und Nachreichung von Unterlagen auf.

(424)

Das Arbeitsministerium wendet ein, dass der ausgeschlossene Bieter den Zuschlag
schon wegen des Preises nicht erhalten hätte.

206
(425)

Es ist fraglich, ob das Angebot der Firma C tatsächlich das preisgünstigste war. Die
von anderen Firmen angebotenen Leistungen hatten insbesondere deswegen einen
höheren Preis, weil sie im Interesse einer optimalen IT-Lösung notwendige zusätzliche Hardwarekomponenten umfassten.
Diese Komponenten wurden im Gegensatz dazu von der Firma C zunächst nicht mit
angeboten, sondern erst später im Rahmen eines ergänzenden Auftrages geliefert,
wodurch sich letztlich der Gesamtpreis nicht mehr wesentlich von dem anderer Anbieter unterschied.

(426)

Das Arbeitsministerium ist der Meinung, dass später zusätzliche Beschaffungen bei
der Auswahlentscheidung keine Rolle spielen dürfen, räumt aber zugleich ein, dass
das Fehlen eines Angebotes zur Datensicherung für den LAN-Server durch die Firma C übersehen worden ist.

(427)

Die von dem Unternehmen C gelieferten Geräte entsprachen teilweise nicht den angebotenen Hardwarekomponenten. Trotz der Lieferung weniger leistungsstarker
Technik wurde der Preis nicht reduziert.
Das Arbeitsministerium hat die Abweichungen zwischen der bestellten und der gelieferten Hardware nicht erkannt. Aus den Akten des Ministeriums ergibt sich nicht, ob
Lieferungen auf Vollständigkeit und Richtigkeit geprüft wurden und ob die Geräte
mangelfrei waren.

(428)

Das Arbeitsministerium hat erklärt, dass Lieferungen generell auf Vollständigkeit
überprüft worden sind. Das gemäß Angebot und Rechnung bezahlte, aber nicht gelieferte DAT-Laufwerk sei nachgefordert worden.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

207

Prüfung der Tätigkeit und Wirksamkeit der unteren
Rechtsaufsichtsbehörden

Den Landräten obliegt als untere staatliche Verwaltungsbehörde die Rechtsaufsicht über die
kreisangehörigen kommunalen Körperschaften.
Diese Aufgabe wird durch die Rechts- und
Kommunalaufsichtsämter oder die Fachdienste
Recht und Kommunalaufsicht innerhalb der
Kreisverwaltungen wahrgenommen. Sie wird
sehr unterschiedlich und nicht immer hinreichend durchgeführt. Bearbeitungsmängel wurden

bei

der

allgemeinen

und

personellen

Rechtsaufsicht und der Finanzaufsicht festgestellt. Besondere Probleme der Rechtsaufsicht ergeben sich aus der Tatsache, dass viele Amtsträger nachgeordneter kommunaler Körperschaften
gleichzeitig Mitglieder der Kreistage sind.

(429)

Den Landräten obliegt als untere staatliche Verwaltungsbehörde die Rechtsaufsicht über
die kreisangehörigen kommunalen Körperschaften. Rechtsgrundlage sind die §§ 119
Abs. 2, 79 Abs. 1, 145 Abs. 2 und 168 Abs. 2 KV M-V.
Der Landesrechnungshof hat im Rahmen einer Querschnittsprüfung die Tätigkeit und
Wirksamkeit von bisher neun der insgesamt zwölf unteren Rechtsaufsichtsbehörden
untersucht. Die Prüfung hat gezeigt, dass die Leistung und Wirksamkeit der unteren
Rechtsaufsichtsbehörden verbessert werden muss.

(430)

Die Aufgaben der unteren Rechtsaufsichtsbehörden werden überwiegend durch ein
spezielles Sachgebiet innerhalb der Rechts- und Kommunalaufsichtsämter bzw.
der Fachdienste Recht und Kommunalaufsicht wahrgenommen. Hiervon abweichend bestehen beim Landkreis Güstrow ein besonderes Kommunalaufsichtsamt und
bei den Landkreisen Müritz und Uecker-Randow eigenständige Organisationseinheiten. Die Einbindung der Aufgabe Rechtsaufsicht in ein Rechts- und Kommunalauf-

208
sichtsamt bzw. einen Fachdienst Recht und Kommunalaufsicht ist die beste Lösung.
Hierdurch wird diese Aufgabe in einer größeren Organisationseinheit gebündelt. Außerdem kann bei Bedarf auf den dort vorhandenen juristischen Sachverstand zurückgegriffen werden.
(431)

Die Aufgabe der Rechtsaufsicht stellt besondere Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter. Sachbearbeiter der unteren Rechtsaufsichtsbehörde müssen
grundsätzlich die Befähigung für den gehobenen allgemeinen Verwaltungsdienst
oder mindestens den Abschluss des Angestelltenlehrganges II erworben haben.
Diese Anforderungen werden nicht immer hinreichend erfüllt. Bei einem Landkreis
war die personelle Situation der unteren Rechtsaufsicht absolut unbefriedigend.

(432)

Die Beratung der kreisangehörigen kommunalen Körperschaften (§ 78 Abs. 1
KV M-V) wird sehr unterschiedlich wahrgenommen. Sie findet weitgehend nur anlassbezogen, d. h. auf Nachfrage der kommunalen Körperschaft, statt. Beratungen in
Form von Dienstversammlungen mit den hauptamtlichen Bürgermeistern und leitenden Verwaltungsbeamten/-angestellten werden nur von einigen unteren Rechtsaufsichtsbehörden entweder regelmäßig oder bei besonderem Bedarf durchgeführt.
Dienstversammlungen zur Erörterung allgemein interessierender Fragen oder zur Erläuterung neuer Rechtsvorschriften sind gut geeignet, die Kommunikation zwischen
der unteren Rechtsaufsichtsbehörde und den Kommunen zu fördern und Unzulänglichkeiten im Verwaltungshandeln der kommunalen Verwaltungen abzustellen.
Die unteren Rechtsaufsichtsbehörden, die derartige Versammlungen bisher nicht
durchführten, sollten von dieser Kommunikationsmöglichkeit verstärkt Gebrauch
machen.

(433)

Die von den unteren Rechtsaufsichtsbehörden betriebenen Verfahren bei Gebietsänderungen waren zum Teil mit Mängeln behaftet.
Gebietsänderungsverträge wurden nicht ortsüblich bekannt gemacht, obwohl dies
unerlässlich ist, da Gebietsänderungsverträge u. a. Regelungen zur Überleitung des
Ortsrechts enthalten (§ 12 Abs. 1 KV M-V) und damit rechtsetzenden Charakter haben.
Die bei Gebietsänderungen von Gemeinden gemäß § 11 Abs. 1 KV M-V notwendige
Anhörung der betroffenen Ämter und Landkreise ist teilweise unterblieben. Sie wur-

209
de für entbehrlich gehalten, da die Grenzen dieser Körperschaften nicht geändert
wurden und sie somit nicht von der Gebietsänderung betroffen wären.
In Einzelfällen wurden bei der Neubildung von Gemeinden keine Beauftragten gemäß § 83 KV M-V bestellt.
(434)

Bei der in zahlreichen Stichproben vorgenommenen Prüfung von Satzungen von
kreisangehörigen Gemeinden wurden insbesondere bei älteren Satzungen häufig gravierende Fehler festgestellt.
Durch das Satzungsrecht wird das jeweilige Ortsrecht maßgeblich bestimmt. Bei den
Anzeige- bzw. Genehmigungsverfahren (§ 5 KV M-V) hat die untere Rechtsaufsichtsbehörde mit großer Sorgfalt die vorgelegten Unterlagen zu prüfen. Schon rein
formelle Fehler beim Erlassverfahren können dazu führen, dass Satzungen einer
verwaltungsgerichtlichen Überprüfung nicht standhalten. Den Anzeige- bzw. Genehmigungsverfahren kommt insoweit eine besondere Bedeutung zu.

(435)

Die unteren Rechtsaufsichtsbehörden sind gemäß § 10 Abs. 1 KPG an den Abschlussgesprächen mit den durch die Gemeindeprüfungsämter geprüften kommunalen Körperschaften zu beteiligen und nach § 10 Abs. 3 KPG für die Ausräumverfahren zu den Berichten der Gemeindeprüfungsämter zuständig. Der Landesrechnungshof hatte bereits im Rahmen seiner Prüfung der Wirksamkeit der Rechnungsund Gemeindeprüfungsämter der zwölf Landkreise6 auf Unzulänglichkeiten hingewiesen. Einige untere Rechtsaufsichtsbehörden nehmen diese Aufgabe nach wie vor
nur unzureichend wahr. Die unteren Rechtsaufsichtsbehörden haben sicherzustellen,
dass das im KPG vorgesehene Prüfungsverfahren eingehalten wird. Alle Feststellungen der Gemeindeprüfungsämter sind zu würdigen und es ist sicherzustellen, dass
diese von den geprüften kommunalen Körperschaften auch umgesetzt werden.

(436)

Die Überprüfung der Stellenpläne der kreisangehörigen kommunalen Körperschaften findet nicht bei allen unteren Rechtsaufsichtsbehörden regelmäßig statt. Vielfach
werden sie nur im Rahmen der Prüfung genehmigungspflichtiger Haushaltssatzungen
geprüft. Außerdem sind diese Prüfungen nicht sehr intensiv, sodass bestehende Mängel oft nicht erkannt werden.

6

vgl. Jahresbericht 2001, Tzn. 478 - 481

210
Die unteren Rechtsaufsichtsbehörden sollten verstärkt auf die Einhaltung tarif- bzw.
besoldungsrechtlicher Vorgaben hinwirken.
(437)

Nicht immer wird von den unteren Rechtsaufsichtsbehörden darauf geachtet, dass
Bewerber für den Dienstposten des leitenden Verwaltungsbeamten die nach § 142
Abs. 1 KV M-V erforderliche Laufbahnbefähigung für den gehobenen allgemeinen
Verwaltungsdienst besitzen.
Sie müssen grundsätzlich bei einer nicht ausreichenden Qualifikation des Bewerbers
der Bestellung zum leitenden Verwaltungsbeamten widersprechen.

(438)

Obwohl den unteren Rechtsaufsichtsbehörden Tatsachen bekannt wurden, die den
Verdacht von Dienstvergehen rechtfertigen, wurden nicht immer die zur weiteren
Aufklärung der Sachverhalte notwendigen Vorermittlungen nach § 28 Abs. 1 Landesdisziplinarordnung - LDO M-V eingeleitet.
Die Landräte als untere Rechtsaufsichtsbehörden müssen in jedem Fall bei Kenntnis
entsprechender Umstände Vorermittlungen einleiten. Es ist unzulässig, aus Opportunitätsgründen davon abzusehen. Insoweit besteht kein Ermessensspielraum (vgl.
Runderlass des Innenministeriums vom 8. Dezember 1995, Az. II 340c, n. v.). Erst
nach dem Ergebnis der Vorermittlungen kann der Dienstvorgesetzte nach pflichtgemäßem Ermessen entscheiden, wie weiter verfahren wird.
Bei der Bestellung der Vorermittlungsführer ist auf deren Unabhängigkeit zu achten.
Es ist nicht sinnvoll, hierfür Mitarbeiter einzusetzen, die im Bereich der örtlich zuständigen unteren Rechtsaufsichtsbehörde tätig sind. Interessenkonflikte können hier
nicht ausgeschlossen werden.

(439)

Der Finanzaufsicht kommt innerhalb der rechtsaufsichtsbehördlichen Tätigkeit eine
besondere Bedeutung zu.
Die unteren Rechtsaufsichtsbehörden haben insbesondere die Haushaltssatzungen der
kreisangehörigen kommunalen Körperschaften sorgfältig zu prüfen und ggf. zu genehmigen. In diesem Tätigkeitsbereich waren jedoch zum Teil erhebliche Mängel
festzustellen:
− Die von den Gemeindevertretungen beschlossenen Haushaltssatzungen wurden
den unteren Rechtsaufsichtsbehörden nicht immer rechtzeitig, d. h. vor Beginn
des Haushaltsjahres (§ 48 Abs. 2 KV M-V), vorgelegt. Gemeindevertretungen ha-

211
ben erst während des laufenden Haushaltsjahres, d. h. um Monate verspätet, die
Beschlüsse über die Haushaltssatzungen gefasst.
− In einigen Fällen erfolgte die haushaltsrechtliche Prüfung durch die unteren
Rechtsaufsichtsbehörden so spät, dass deren Hinweise nicht mehr beachtet werden
konnten. Eine Wiederholung haushaltsrechtlicher Mängel im Folgejahr war somit
nicht ausgeschlossen.
− Mehrfach wurden die vorgelegten Unterlagen bei Haushaltssatzungen, insbesondere Nachtragshaushaltssatzungen, die keine genehmigungspflichtigen Bestandteile enthielten, lediglich einer Prüfung auf Vollständigkeit unterzogen. In einigen
Fällen erfolgte überhaupt keine Prüfung. Mängel wurden den kommunalen Körperschaften demzufolge nicht mitgeteilt.
− Die Abstellung festgestellter Mängel wurde nicht lückenlos überwacht, sodass
deren Bereinigung nicht gewährleistet war.
− Haushaltssatzungen und Nachtragshaushaltssatzungen wurden nicht ordnungsgemäß ausgefertigt.
Genehmigungspflichtige Haushaltssatzungen dürfen erst nach Genehmigung ausgefertigt werden. Dennoch fertigten die Bürgermeister die Satzungen bereits am
Tag der Beschlussfassung bzw. noch vor der rechtsaufsichtlichen Genehmigung
aus.
Das Nichteinhalten der zeitlichen Reihenfolge des Rechtsetzungsverfahrens kann
die Unwirksamkeit der Satzung zur Folge haben.
− Fehlerhafte Veranschlagungen im Haushalt wurden nicht immer erkannt und beanstandet. So wurden die Zuordnungsvorschriften zum Gruppierungsplan der
Haushalte der Gemeinden und Gemeindeverbände nicht beachtet. Ansätze der
Haushaltspläne und die entsprechenden Ansätze der Wirtschaftspläne stimmten
nicht überein.
(440)

Enthält die Haushaltssatzung genehmigungspflichtige Teile sollen Genehmigungen nach dem Grundsatz einer geordneten Haushaltswirtschaft erteilt oder versagt
werden (§ 49 Abs. 4 KV M-V). Die Genehmigung von Krediten und entsprechenden
Zahlungsverpflichtungen (§ 49 Abs. 1, 3 und 5 KV M-V) erfordert eine sorgfältige
Prüfung, ob die dauernde Leistungsfähigkeit der kommunalen Körperschaft in Zu-

212
kunft gewährleistet ist und ob die Erfüllung ihrer Aufgaben als gesichert angesehen
werden kann.
Die Schuldendienste einiger Gemeinden lassen darauf schließen, dass Genehmigungen erteilt wurden, obwohl die betreffenden Haushalte keine Zahlungsverpflichtungen mehr verkraften konnten. Darüber hinaus müssen die unteren Rechtsaufsichtsbehörden sorgfältig abwägen, ob die Kredite für rentierliche Investitionen, oder solche,
die spätere Haushalte auf Dauer belasten, benötigt werden. Aber auch einzelne Kreditgenehmigungen geben Anlass zur Kritik, so wurde die Nachrangigkeit der Kreditfinanzierung nicht beachtet. Einzelkredite wurden genehmigt, obwohl diese nicht in
der Haushaltssatzung festgesetzt waren.
Es wurde nicht beanstandet, dass Gemeinden Bausparverträge abgeschlossen haben,
ohne vorher die erforderlichen Genehmigungen einzuholen.
(441)

Bürgschaften dürfen gemäß § 58 Abs. 1 KV M-V von den Gemeinden nur übernommen werden, soweit dies zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlich ist. Sie unterliegen der Genehmigung der Rechtsaufsichtsbehörde (§ 58 Abs. 3 KV M-V). Bürgschaften haben bei einigen Kommunen bereits ein bedenkliches Maß erreicht.
Bürgschaften wurden trotz bestehender erheblicher eigener Überschuldung und nicht
vorhandener Rücklagen in Größenordnungen genehmigt, die weit über das eigene
Haushaltsvolumen hinausgingen.
Bei der Genehmigung von Bürgschaften muss streng geprüft werden, inwieweit diese
mit Risikofaktoren behaftet sind und ob eine Inanspruchnahme vom Haushalt verkraftet werden kann. Darüber hinaus muss darauf hingewirkt werden, dass nach § 19
Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 GemHVO der allgemeinen Rücklage entsprechende Mittel zuzuführen sind.

(442)

Nach § 57 Abs. 1 KV M-V darf die Gemeinde Vermögensgegenstände veräußern,
die sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben in absehbarer Zeit nicht benötigt. Vermögensgegenstände müssen zu ihrem vollen Wert veräußert werden, soweit nicht ein besonderes öffentliches Interesse Abweichungen zulässt. Der Verkauf von Grundstücken
bedarf der Genehmigung der Rechtsaufsichtsbehörde (§ 57 Abs. 3 Nr. 2 KV M-V).
Eine untere Rechtsaufsichtsbehörde genehmigte, ohne nähere Prüfung der Voraussetzungen, einer Stadt die Veräußerung eines bebauten Grundstückes mit einem

213
Preisnachlass von rd. 41,2 %. Die Stadt hat dadurch auf erhebliche Einnahmen verzichtet. Die untere Rechtsaufsichtsbehörde hätte vor Erteilung der Genehmigung prüfen müssen, ob das erforderliche öffentliche Interesse gegeben war, um diese Veräußerung unter Wert zu rechtfertigen.
(443)

Entscheidungen der kommunalen Körperschaften im Rahmen der wirtschaftlichen Betätigung sind der Rechtsaufsichtsbehörde anzuzeigen. Sie werden wirksam,
wenn die Rechtsaufsichtsbehörde die Verletzung von Rechtsvorschriften nicht innerhalb von zwei Monaten nach Eingang der erforderlichen Unterlagen geltend gemacht
oder wenn sie vor Ablauf der Frist erklärt hat, dass sie keine Verletzung von Rechtsvorschriften geltend macht (§ 77 KV M-V).
Auf Grund der Anzeige soll die Rechtsaufsichtsbehörde feststellen, ob die gesetzlichen Voraussetzungen für die beabsichtigte wirtschaftliche Betätigung erfüllt sind.
Wegen möglicher wettbewerbswirtschaftlicher Relevanz dient sie auch dem Anliegen, Schaden von der Gemeinde abzuwenden.
Die Bedeutung des Anzeige- und Prüfverfahrens nach § 77 KV M-V wird von den
kommunalen Körperschaften vielfach verkannt. Häufig sind diese ihrer Anzeigepflicht nicht hinreichend nachgekommen. Manchmal haben die unteren Rechtsaufsichtsbehörden von der Existenz wirtschaftlicher Beteiligungen erst verspätet erfahren. Nicht immer wurden die von den unteren Rechtsaufsichtsbehörden vorzunehmenden Prüfungen mit der erforderlichen Sorgfalt vorgenommen.
Die Gemeinden müssen auf den Wirksamkeitsvorbehalt, der sich aus § 77 Abs. 1
KV M-V für Entscheidungen der Gemeinde im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Betätigung ergibt, nachdrücklich hingewiesen werden. Es muss deutlich gemacht werden,
dass die Entscheidungen so lange schwebend unwirksam sind, bis die untere
Rechtsaufsichtsbehörde nach erfolgter Anzeige die Unbedenklichkeit bestätigt bzw.
innerhalb von zwei Monaten keine Verletzung von Rechtsvorschriften geltend gemacht hat.

(444)

Nach § 61 Abs. 3 KV M-V muss die Gemeindevertretung über die Jahresrechnung
spätestens am 31. Dezember des auf das Haushaltsjahr folgenden Jahres beschließen,
zugleich entscheidet sie auch über die Entlastung.
Der Beschluss über die Entlastung ist der Rechtsaufsichtsbehörde unverzüglich mitzuteilen und öffentlich bekannt zu machen (§ 61 Abs. 4 KV M-V).

214
In einigen Fällen wurde der Entlastungsbeschluss erst im zweiten Folgejahr gefasst.
Nicht immer liegen den unteren Rechtsaufsichtsbehörden die Beschlussanzeigen vor.
Die unteren Rechtsaufsichtsbehörden müssen dafür Sorge tragen, dass die Gemeinden rechtzeitig die erforderlichen Beschlüsse fassen.
(445)

In den Kreistagen aller Landkreise sind haupt- und ehrenamtliche Bürgermeister,
Amtsvorsteher, leitende Verwaltungsbeamte/-angestelle sowie andere Mitarbeiter
nachgeordneter kommunaler Körperschaften in erheblicher Anzahl vertreten.
In Hinblick darauf, dass der Landrat als untere staatliche Verwaltungsbehörde die
Rechtsaufsicht über die kreisangehörigen kommunalen Körperschaften wahrnimmt,
ist die Mitgliedschaft ihrer Amtsträger im Kreistag nicht unproblematisch. Einerseits
ist der Landrat als Organ des Landkreises nicht völlig unabhängig von den Mitgliedern des Kreistages, andererseits muss er als untere staatliche Verwaltungsbehörde
rechtsaufsichtliche Maßnahmen gegen Mitglieder des Kreistages, soweit sie
Funktionsträger kreisangehöriger kommunaler Körperschaften sind, ergreifen.
Außerdem muss er rechtsaufsichtsbehördliche Entscheidungen auch gegenüber
solchen Gemeinden durchsetzen, deren Bürgermeister Mitglieder des Kreistages
sind. Diese Aufgabenkonstellation in der Person des Landrates hat zu erheblichen
Interessenkonflikten geführt und es besteht die Gefahr, dass aus Gründen politischer
Opportunität notwendige und erheblich beeinträchtigende rechtsaufsichtsbehördliche
Maßnahmen nur zögerlich wahrgenommen werden oder ganz unterbleiben. In
Einzelfällen zögerliches Vorgehen in Disziplinarangelegenheiten deutet auf derartige
Interessenkonflikte hin.
Die gleichzeitige Wahrnehmung eines Amtes in einer kreisangehörigen kommunalen
Körperschaft und die Mitgliedschaft im Kreistag kann erhebliche Probleme mit sich
bringen. Es sollte deshalb geprüft werden, ob durch Ergänzungen der Kommunalverfassung möglichen Interessenkonflikten vorgebeugt werden kann.
Das Innenministerium hält eine derartige Regelung nicht für erforderlich.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

215

Kalkulation und Erhebung von Abfallgebühren im
Landkreis Ostvorpommern

Die Übertragung von Aufgaben der Entsorgung,
der Gebührenkalkulation und der Erhebung von
Abfallgebühren auf einen Dritten hat für den
Landkreis Ostvorpommern keine Vorteile ergeben. Fehlerhafte Gebührenkalkulationen haben
zu Mehrbelastungen der Gebührenzahler geführt.

Prüfungsgegenstand
(446)

Der Landkreis Ostvorpommern ist nach §§ 3 Abs. 1 Abfallwirtschafts- und Altlastengesetz für Mecklenburg-Vorpommern (Abfallwirtschaftsgesetz - AbfAlG M-V),
13 Abs. 1 Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen (Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz KrW-/AbfG) öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger. Er erhebt für diese Leistungen
der Abfallentsorgung Gebühren auf der Grundlage des Kommunalabgabengesetzes
(KAG) und der Abfallgebührensatzung. Die Organisation der Abfallbeseitigung, die
Gebührenkalkulationen, die Abfallgebührensatzungen und die mit Dritten vereinbarten Entsorgungsverträge wurden geprüft.

Organisation der Abfallbeseitigung
(447)

Der Landkreis Ostvorpommern hat im Zuge der Landkreisneuordnung die Durchführung der Entsorgungsaufgaben auf die Firma X übertragen. Damit wurde die Firma X, die vor der Landkreisneuordnung ausschließlich im Altkreis Greifswald-Land
tätig war, mit der Durchführung der Abfallentsorgung im gesamten Landkreis Ostvorpommern beauftragt. Der Eigenbetrieb im Altkreis Wolgast und der Regiebetrieb
im Altkreis Anklam sollten aufgelöst werden. Das ist bisher nicht geschehen.

(448)

Der Aufgabenübertragung lag ein Organisationskonzept zugrunde, dass in seinen
wesentlichen Grundzügen durch ein Mitglied des Kreistages und des Kreissausschus-

216
ses erarbeitet wurde, das zugleich Geschäftsführer der Firma X ist. Das ist im Hinblick auf die Mitwirkungsverbote (§§ 105 Abs. 6, 24 Abs. 1 Nr. 3 KV M-V) problematisch. Zumindest der „böse Schein“ einer Interessenkollision lag vor, da die Firma X ein großes Interesse an einer Aufgabenübertragung haben musste.
(449)

In dem Organisationskonzept wurden wesentliche Entscheidungsaspekte und Abwägungsprozesse nicht dargestellt. Zur Vorbereitung der Entscheidung über die Organisationsstrukturen hätte der Landrat auch die finanziellen Auswirkungen alternativer
Organisationsformen ermitteln und prüfen müssen, ob die Optimierung der Abfallstrukturen nicht auch auf anderem Wege hätte erreicht werden können, ohne einem
Dritten wesentlichen Einfluss auf die Erfüllung der Aufgaben einzuräumen. Dem
Kreistag wurden nicht die für eine vollständige Unterrichtung und Beschlussfassung
erforderlichen Auskünfte und Unterlagen vorgelegt, so dass der Landrat seiner Verantwortung zur sachgerechten Aufgabenerledigung (§ 115 Abs. 1 KV M-V) nicht gerecht geworden ist.

Keine Vorteile für den Landkreis
(450)

Die Firma X ist ein gemischtwirtschaftliches Unternehmen, an dem der Landkreis
mit 50 % beteiligt ist. Durch diese Parität hat der Landkreis keine Möglichkeiten, in
wesentlichen Fragen der Abfallentsorgung eigene Interessen auch gegen den Willen
des Mitgesellschafters durchzusetzen. Das hat zur Folge, dass der Landkreis als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger zwar die volle Verantwortung für die Erledigung der öffentlichen Aufgabe der Abfallentsorgung hat, die Gestaltungsmöglichkeiten gemessen an der Aufgabenverantwortung aber nur begrenzt sind.

(451)

Es konnte nicht geprüft werden, ob der Kreistag und der Kreisausschuss bei Entscheidungen der Firma X angemessen beteiligt wurden (§§ 104 Abs. 3 Nr. 9, 122, 71
Abs. 4 KV M-V). Weder die in der Beteiligungsverwaltung vorliegenden Akten,
noch die nach mehrfacher Nachfrage zur Verfügung gestellten weiteren Unterlagen
waren vollständig. Vor diesem Hintergrund wurde der Landkreis aufgefordert, sich
durch Gesellschaftsvertrag weitergehende Unterrichtungs- und Einsichtsrechte einräumen zu lassen.

217
(452)

Die Firma X ist überwiegend in den Bereichen Management, Abfallberatung und
Gebühreneinzug tätig, die Einsammlung und der Transport der Abfälle sind auf verschiedene Entsorgungsfirmen übertragen.
Die Aufgaben, die der Firma X übertragen wurden, sind klassische Verwaltungsaufgaben, die grundsätzlich durch die Verwaltung selbst gelöst werden müssen. Vorteile, die sich für den Landkreis dadurch ergeben haben, dass zwischen dem Landkreis
und den Entsorgungsunternehmen noch die Firma X eingeschaltet wurde, waren
nicht ersichtlich.

Gewinnausschüttungen
(453)

Die Firma X hat von 1993 bis 1999 Jahresüberschüsse von rd. 1,1 Mio. DM
(rd. 562.400 €) erwirtschaftet. Diese Gewinne wurden zur Erhöhung des Stammkapitals verwendet, auf neue Rechnung vorgetragen und ausgeschüttet.
Dem Landkreis ist es auf Grund des Kostenüberschreitungsverbotes verwehrt, aus
der Beteiligung an einem Entsorger über eine angemessene kalkulatorische Verzinsung des Eigenkapitals hinaus, Gewinne zu erwirtschaften (OVG Greifswald, Urteil
vom 25.2.1998, Az. 4 K 8/97). Es ist fraglich, ob die Gewinne im Bereich der Hausmüllentsorgung einer angemessenen Verzinsung des Eigenkapitals entsprechen oder
ob diese gebührenmindernd in die Kalkulation hätten eingestellt werden müssen.

(454)

Der Landkreis hat es 1994 und 1995 versäumt, sich die auf die Gewinnausschüttungen einbehaltenen und abgeführten Kapitalertragsteuern erstatten zu lassen. Die Antragsfrist gemäß § 36b Abs. 4 EStG ist abgelaufen. Dadurch sind dem Landkreis und
damit dem Gebührenhaushalt Einnahmen von rd. 32.600 DM (rd. 16.700 €) entgangen.

Mangelhafte Betriebsführung
(455)

Entgegen dem Beschluss des Kreistages wurde der Eigenbetrieb Wolgast nicht aufgelöst. Stattdessen wurde die Firma X auch mit der Betriebsführung des Eigenbetriebs beauftragt. Dies hat sich nicht bewährt.
Das Nebeneinander der unterschiedlichen Organisationsformen – Eigenbetrieb und
gemischtwirtschaftliche Gesellschaft (Firma X) – war finanziell aufwändiger und

218
kontraproduktiv. Darüber hinaus wies die Betriebsführung für den Eigenbetrieb
Schwächen auf, die nicht konkret bezifferbare Mehrbelastungen für die Gebührenzahler zur Folge hatten.

Erarbeitung der Kalkulation
(456)

Der Firma X wurde auch die Erarbeitung der Gebührenkalkulation übertragen. Dies
ist sehr bedenklich, da die Firma X einerseits für den Landkreis Entsorgungsleistungen erbringt und andererseits die dafür notwendigen Gebühren ermittelt. Die Firma X hat damit faktisch eine Pauschalermächtigung dafür, ihre Aufwendungen in der
Gebührenkalkulation anzusetzen. Dies birgt die Gefahr, dass „großzügig“ verfahren
wird. Es ist fraglich, ob damit noch ein Anreiz besteht, die übernommenen Aufgaben
sparsam und wirtschaftlich zu erfüllen.

Mängel der Gebührenkalkulation
(457)

Mit der Gebührenkalkulation soll der Preis, den der Benutzer für die Inanspruchnahme der Abfallbeseitigung zu zahlen hat, ermittelt werden. Dabei dürfen gemäß
§ 6 Abs. 2 KAG nur die nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen ansatzfähigen
Kosten berücksichtigt werden.
Überflüssige und übermäßige Kosten dürfen nicht angesetzt werden (gebührenrechtlicher Grundsatz der Erforderlichkeit), da der Landkreis auch dort, wo sein Handeln
Gebührenpflichten auslöst, zu einer sparsamen und wirtschaftlichen Haushaltsführung verpflichtet ist. Es war fraglich, ob einzelne Kostenpositionen der Höhe nach
erforderlich und damit gebührenrelevant waren:
− Entgegen den vertraglichen Vereinbarungen wurden einem Entsorger die Leistungen nicht nach tatsächlich abgefahrenen Behältern, sondern unabhängig vom tatsächlichen Aufwand als pauschaliertes Entgelt vergütet.
− Für die Nachsorge der Deponie Neppermin wurden entgegen der Kalkulation höhere Rückstellungen gebildet, ohne die Notwendigkeit dieser Erhöhung zu spezifizieren.
− Teilweise bestanden erhebliche Unterschiede zwischen den kalkulierten und den
tatsächlichen Kosten.

219
− Im Bereich des Eigenbetriebs Wolgast sind ungewöhnlich hohe Mengen an schadstoffhaltigen Abfällen entsorgt worden, die über die Entsorgung aus Haushalten
auch die Entsorgung von Gewerbeabfällen vermuten lassen.
− Mit einem Entsorger wurde unabhängig von seinen Selbstkosten ein pauschaler
kalkulatorischer Gewinn vereinbart.

Verzicht auf die Abrechnung der Entsorgungsleistungen
(458)

Der Landkreis hat auf eine Abrechnung der Entsorgungsleistungen nach tatsächlichem Aufwand verzichtet und es damit versäumt, die auf Grundlage der kalkulierten
Entgelte geleisteten Vorauszahlungen auf ihre Angemessenheit zu prüfen. Deshalb
war es zweifelhaft, ob die in der Vergangenheit an die Entsorger gezahlten Entgelte
der Höhe nach gerechtfertigt waren.

Offene Forderungen
(459)

Der Landkreis hat erhebliche offene Forderungen aus Gebührenbescheiden, die sich
seit 1996 auf durchschnittlich rd. 3,4 Mio. DM/Jahr (rd. 1,7 Mio. €/Jahr) belaufen
und damit einen Anteil am Gesamtgebührenaufkommen von rd. 19 % ausmachen.
Die bisher vom Landkreis eingeleiteten Zwangsvollstreckungsmaßnahmen führten
nicht zu einer wesentlichen Verminderung der Rückstände.
Angesichts der angespannten Haushaltssituation muss der Landkreis umgehend
Maßnahmen ergreifen, damit die aufgelaufenen Rückstände reduziert werden.

Auftragsvergaben
(460)

Der Landkreis hat die Firma X ohne förmliche Vergabeverfahren beauftragt, obwohl
der Landkreis bei der Vergabe von Leistungen gemäß § 29 GemHVO zur Ausschreibung verpflichtet ist.
− Bereits 1996 wurde die Firma X beauftragt, die Einsammlung und den Transport
der Abfälle in Bereichen Wolgast und Anklam zu übernehmen, obwohl für diese
Entsorgungsbereiche mit anderen Entsorgern vertragliche Bindungen bis zum Jahr
2006/2007 bestehen. Bei einem Auftrag, für den die Leistung erst nach Ablauf
anderer Verträge, d. h. erst in gut zehn Jahren ausgeführt werden soll, ist es frag-

220
lich, ob im Vorwege schon beurteilt werden kann, ob die beauftragte Firma dann
die Leistung am wirtschaftlichsten erbringen kann.
− Die Firma X wurde 1997 mit der Rekultivierung der Deponie Anklam-Nord beauftragt, obwohl bei einem geschätzten Auftragsvolumen von rd. 4,7 Mio. DM
(rd. 2,4 Mio. €) eine Öffentliche Ausschreibung (§ 3 Nr. 2 VOL/A) erforderlich
gewesen wäre.
Die Absicht des Landkreises, die Abfallentsorgung nur mit einem Vertragspartner
durchzuführen, rechtfertigt nicht eine Ausnahme vom Ausschreibungsgebot.
(461)

Auch für die Firma X als kommunales Wirtschaftsunternehmen ergibt sich die Verpflichtung zur Ausschreibung aus §§ 122, 75 Abs. 1 Satz 3 KV M-V.
− Die Firma X hat ohne förmliches Verfahren die Leistungen für Einsammlung und
Transport im Bereich Greifswald an eine andere Firma vergeben. Die vertraglichen Entgelte sind im Vergleich zu den Entsorgern in den Bereichen Anklam und
Wolgast hoch.
− Leistungen der Grünschnitt- und Sperrmüllentsorgung wurden ohne Ausschreibung an das Tochterunternehmen der Firma X vergeben. Die Entgelte für die
Grünschnittentsorgung sind im Jahr 2000 von 70,00 DM/t (35,79 €/t) auf
100,00 DM/t (51,13 €/t) erhöht worden. Das entspricht einer Steigerung um
rd. 43 %. Ob die Steigerung des Entsorgungsentgelts wettbewerbs- und marktgerecht ist, konnte nicht festgestellt werden.
Der Landkreis muss sicherstellen, dass die Firma X nach §§ 122, 75 Abs. 1 Satz 3
KV M-V i. V. m. § 29 GemHVO Leistungen im Wege transparenter Verfahren vergibt.

Entsorgungsvertrag Deponie Stern
(462)

Der Landkreis hat mit der Deponiegesellschaft Ostvorpommern (DGO) einen Entsorgungsvertrag abgeschlossen. Bei der Vertragsunterzeichnung wurde die DGO
durch den Geschäftsführer N. vertreten. N. ist zugleich auch Mitglied des Kreistages.
Verträge mit Mitgliedern des Kreistages bedürfen der Genehmigung des Kreistages.
Gleiches gilt bei Verträgen mit juristischen Personen, wenn diese durch ein Kreistagsmitglied vertreten werden.

221
Die Genehmigung wurde bisher nicht erteilt, gemäß § 115 Abs. 5 Satz 7 KV M-V ist
der Betreibervertrag schwebend unwirksam. Der Landkreis muss prüfen, welche
Konsequenzen daraus zu ziehen sind.
(463)

Der Landkreis Ostvorpommern und das Innenministerium haben gegen die Sachdarstellung keine Einwendungen erhoben.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

222

Kommunales Beschaffungswesen

Der Landesrechnungshof hat in mehreren Landkreisen geprüft, ob die Vorschriften des Vergabewesens eingehalten und die Grundsätze der
Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit beachtet
wurden. Form- und Verfahrensfehler führten zu
einem erhöhten Verwaltungsaufwand und zu
nicht in der Höhe zu beziffernden Mehrausgaben.

Prüfungsgegenstand
(464)

Die Landkreise müssen gemäß § 29 GemHVO Aufträge an Dritte grundsätzlich ausschreiben. Bei Überschreiten der Schwellenwerte gelten seit 1999 zusätzlich die
§§ 97 ff. Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB).
Der Landesrechnungshof hat die Vergabe von Aufträgen für Lieferungen und Leistungen der Landkreise Müritz, Uecker-Randow und Bad Doberan für die Jahre 1997
bis 2000 geprüft. Schwerpunkt war die Überprüfung der Einhaltung der in der Verdingungsordnung für Leistungen (VOL/A) enthaltenen Vergabegrundsätze. Leistungen sind in der Regel im Wettbewerb zu vergeben, wettbewerbsbeschränkende und
unlautere Verhaltensweisen sind zu bekämpfen.

Organisation
(465)

In einigen geprüften Landkreisen ist jedes Fachamt für die Beschaffung der von ihm
benötigten Waren und Dienstleistungen selbst verantwortlich. Dies führte teilweise
dazu, dass die Beschaffungen nicht ordnungsgemäß und unwirtschaftlich durchgeführt wurden. Vor diesem Hintergrund wurde diesen Landkreisen die Einrichtung einer zentralen Vergabestelle – die bei allen Vergaben auch nach der VOB/A zu beteiligen ist – empfohlen, da die umfangreichen Regeln des Vergaberechts eine Konzentration des Sachverstandes sinnvoll erscheinen lassen. Außerdem könnten Beschaffungen der Fachämter koordiniert und zu einem Auftrag zusammengefasst werden.

223
Dies hätte auch eine Stärkung der Marktposition und ggf. auch Preisvorteile zur Folge.

Fehlerhafte Schätzung der Auftragswerte
(466)

Bei der Berechnung des Schwellenwertes (§§ 1a Nr. 1 Abs. 1 VOL/A a. F., 2 Vergabeverordnung - VgV) wurde zum Teil nicht berücksichtigt, dass der geschätzte gesamte Auftragswert (§§ 1a Nr. 4 Abs. 3 VOL/A a. F., 3 Abs. 1 VgV) zu Grunde zu
legen ist. Insbesondere bei Dienstleistungsverträgen zur Gebäudereinigung wurde der
jährliche Auftragswert und nicht der Gesamtwert für die Laufzeit des Vertrages zu
Grunde gelegt. Das hatte zur Folge, dass Schwellenwerte nicht erreicht und die Aufträge deshalb nicht europaweit ausgeschrieben wurden.

Dokumentation
(467)

Die Beschaffungsvorgänge wurden vielfach nicht ausreichend dokumentiert. In Einzelfällen konnten erst nach intensiven Nachforschungen Unterlagen im Aktenbestand
aufgefunden werden. Unvollständige Vergabevermerke führten dazu, dass die Ermittlung und Beurteilung der Wirtschaftlichkeit der Auftragsvergaben sowie die
Gründe der Zuschlagserteilung nicht nachvollzogen werden konnten.

Anzahl der Bieter
(468)

Bei Beschränkten Ausschreibungen und Freihändigen Vergaben wurde nicht immer
die ausreichende Zahl an Angeboten eingeholt. Außerdem fehlten überzeugende Begründungen für diese Beschaffungen im Wege eines beschränkten Preis- und Leistungswettbewerbs. Darüber hinaus wurde es auch versäumt, durch Einschaltung der
Auftragsberatungsstelle den in Betracht kommenden Bewerberkreis zu erkunden
(§ 4 Nr. 1 VOL/A).

Aufteilung von Aufträgen
(469)

Mehrfach wurden Beschaffungsmaßnahmen aufgeteilt und damit die Wertgrenze für
ein förmliches Vergabeverfahren unterschritten. Eine Zusammenfassung der Einzelaufträge hätte den Verwaltungsaufwand erheblich vermindert, es hätten sich auch

224
Preisvorteile für Großbestellungen ergeben können. Der Wert eines Auftrags darf
nicht in der Absicht geschätzt oder aufgeteilt werden, ihn der Anwendung der Vorschriften zu entziehen (§ 3 Abs. 2 VgV).

Leistungsbeschreibung
(470)

In Einzelfällen wurden die Leistungen nach Art und Menge nicht so eindeutig und
erschöpfend beschrieben, dass alle Bewerber sie gleich verstehen und darauf vergleichbare Angebote abgeben konnten. Teilweise waren die Leistungsbeschreibungen (§ 8 VOL/A) nicht hersteller- bzw. produktneutral abgefasst, sodass durch die
speziellen Vorgaben der Bewerberkreis ungerechtfertigt verkleinert und damit der
Wettbewerb eingeschränkt wurde.

Prüfung und Wertung der Angebote
(471)

Vereinzelt wurde es versäumt, die Angebote auf rechnerische Richtigkeit
(§ 23 Nr. 2 VOL/A) zu prüfen. Das hatte zur Folge, dass nicht das wirtschaftlichste
Angebot den Zuschlag erhielt. Dadurch sind Mehrkosten entstanden. In einem anderen Fall wurde nicht dem günstigsten Bieter, sondern einem ortsansässigen Unternehmen, das in der Submission erst an dritter Stelle stand, der Zuschlag erteilt. Die
Gründe für die Zuschlagserteilung ergaben sich nicht aus der Leistungsbeschreibung
und waren daher nicht auftragsbezogen. Somit waren sie nicht geeignet, zu begründen, warum dieses Angebot das wirtschaftlichste war (§ 25 Nr. 3 VOL/A).

Einzelfeststellungen
(472)

Der Auftrag für die IT-Ausrüstung des Landkreises Müritz mit geschätzten Anschaffungskosten von netto rd. 2,2 Mio. DM (rd. 1,12 Mio. €) wurde auf Grundlage des
Kreistagsbeschlusses vom 19.2.1997 freihändig vergeben. Auf Grund des Auftragsvolumens wäre ein Vergabeverfahren nach dem zweiten Abschnitt der VOL/A notwendig gewesen. Die Freihändige Vergabe wurde u. a. damit begründet, dass „die
EDV-Ausrüstung und -Verfahren im Wesentlichen durch Technik, Verfahren und
Leistungen der Firma bestimmt und seit 1993 Leistungen von rd. 1,3 Mio. DM
(rd. 0,7 Mio. €) an die Firma X vergeben worden sind. Nur eine Freihändige Vergabe gewährleistet die Sicherung der Investitionen der vergangenen Jahre.“

225
Diese Argumente besagen nichts über die besondere Wirtschaftlichkeit dieser Auftragsvergabe, denn Angebote anderer Marktteilnehmer sind nicht eingeholt worden.
Somit bestand auch keine ausreichende Marktübersicht. Der Auftragswert lag zudem
erheblich über dem Schwellenwert von 200.000 ECU (§ 1a Nr. 1 Abs. 1 VOL/A
a. F.) Die Leistung hätte deshalb mindestens im Nichtoffenen Verfahren, das der Beschränkten Ausschreibung mit Öffentlichem Teilnahmewettbewerb entspricht, vergeben werden müssen (§ 3a Nr. 1 Abs. 1 VOL/A).
(473)

Die Landkreise Müritz und Uecker-Randow haben die Verträge zur Abfallbeseitigung nicht gekündigt, sondern vorzeitig um drei bzw. fünf Jahre verlängert. Im Gegenzug wurden den Landkreisen jährliche Preisnachlässe von mehr als 490.000 DM
(250.500 €) gewährt.
Preisnachlässe dieser Größenordnung deuten darauf hin, dass bei den Entsorgungsfirmen ein erheblicher Finanzspielraum bei der Gestaltung des Preises besteht. Bei
einer Kündigung des (Alt-)Vertrags und der Neuausschreibung der Entsorgungsleistungen wären möglicherweise günstigere Preise zu erwarten gewesen. Außerdem
kann die Nichtbeachtung der Ausschreibungspflicht dazu führen, dass die vereinbarten Entgelte in der Gebührenkalkulation nicht ansatzfähig sind.
Künftig sollten derartige Verträge grundsätzlich nicht mehr verlängert werden. Statt
dessen sollte im Interesse der Gebührenzahler in einem förmlichen Verfahren der
wirtschaftlichste Anbieter den Zuschlag erhalten.

(474)

Bei der Wertung der Angebote (§ 25 Nr. 3 VOL/A) hat der Landkreis Bad Doberan
ohne erkennbaren Grund das Angebot eines Bieters im Vergleich zu den Mitbietern
als leistungsfähiger eingestuft. Dadurch wurde nicht dem preisgünstigsten Bieter
(67.620 DM/34.574 €), sondern dem ortsansässigen Bieter (69.390 DM/35.479 €) der
Zuschlag erteilt. Darüber hinaus war eine vermeintliche „Mehrleistung“ nicht
Bestandteil der Leistungsbeschreibung, sie hätte mangels Auftragsbezogenheit bei
der Wertung der Angebote nicht berücksichtigt werden dürfen.

226

Prüfung der Beteiligungsverwaltung der Stadt Neubrandenburg

Die Beteiligungsverwaltung der Stadt Neubrandenburg ist weder von ihrer Ausstattung mit Personal- und Sachmitteln noch von ihren Kompetenzen her in der Lage, ihre Aufgaben effektiv
wahrzunehmen.

(475)

Die Mehrheit der kreisfreien Städte in Mecklenburg-Vorpommern verfügt über einen
umfangreichen Bestand an kommunalen Eigengesellschaften und Beteiligungen an
privatrechtlich verfassten Unternehmen. Zwischen diesen städtischen Wirtschaftsunternehmen und den Haushalten der Kommunen bestehen vielfältige Verbindungen.
In zahlreichen Fällen belastet die Verpflichtung zum Verlustausgleich bei den Eigengesellschaften und Beteiligungsunternehmen in erheblichem Maße die städtischen Haushalte. Bürgschaften und andere Gewährleistungen zu Gunsten der Unternehmen treten als weitere Haushaltsrisiken hinzu.

(476)

Vor diesem Hintergrund kommt der Verwaltung, dem Controlling und dem Management der städtischen Eigengesellschaften und Beteiligungsunternehmen durch die
Kommune große Bedeutung zu. Der Landesrechnungshof prüft aus diesem Grunde
sukzessive die Beteiligungsverwaltungen der kreisfreien Städte MecklenburgVorpommerns. Die Prüfung der Beteiligungsverwaltung der Stadt Neubrandenburg
ist bereits abgeschlossen. Die örtlichen Erhebungen des Landesrechnungshofes wurden zwischen Dezember 2000 und Mai 2001 durchgeführt. Sie erbrachten folgende
Erkenntnisse:

(477)

Die städtische Verwaltungseinheit „Beauftragte für das Beteiligungsmanagement“
kann auf Grund unzulänglicher Personal- und Sachmittelausstattung den Aufgaben
nicht gerecht werden, die ihr auf Grund der wirtschaftlichen, vor allem finanzwirtschaftlichen Bedeutung der städtischen Eigengesellschaften und Beteiligungsunternehmen zugeordnet sind bzw. sein sollten. Dieses Aufgabenwahrnehmungsdefizit ist
nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, dass diese Stelle nicht mit den erforderlichen Kompetenzen ausgestattet wurde.

227
(478)

Eine effektive Beteiligungsverwaltung muss als zentrale Dienstleistungseinheit bzw.
als Scharnier zwischen dem Oberbürgermeister und der Stadtvertretung einerseits
und dem städtischen Wirtschaftsunternehmen andererseits folgende Aufgaben wahrnehmen können:
− die Beteiligungsverwaltung im engeren Sinne (alle relevanten Daten zu den Beteiligungen müssen zusammengetragen und für die zuständigen kommunalen Organe
verfügbar gemacht werden),
− das Beteiligungscontrolling in Form des Finanzcontrollings (Vergleich von Plandaten und -zahlen mit aktuellen, im Regelfall unterjährigen Ist-Werten aus den
kommunalen Unternehmen) und des Leistungscontrollings (Prüfung anhand bestimmter Parameter, ob das kommunale Unternehmen vorgegebene strategische
Ziele erreicht)
− und das Beteiligungsmanagement, worunter in erster Linie die Mitwirkung bei
der strategischen Beteiligungssteuerung – beispielsweise bei der Entwicklung und
Festlegung von Zielvereinbarungen mit den kommunalen Unternehmen – zu verstehen ist.

(479)

Die Arbeitsweise der „Beauftragten für das Beteiligungsmanagement“ in Neubrandenburg geht über die Sammlung von bestimmten Unterlagen und die Weitergabe
auszugsweiser Informationen aus den jährlichen Abschlussprüfungsberichten der
städtischen Eigengesellschaften und Beteiligungsunternehmen an die Stadtvertreter
zur Vorbereitung über Beschlussfassungen nicht hinaus. Die Aufgabenwahrnehmung
beschränkt sich damit im Wesentlichen nur auf verwaltende Tätigkeiten. Über ein
Beteiligungscontrolling oder gar ein Beteiligungsmanagement mit dem Ziel der Sicherung von Einfluss- und Steuerungsmöglichkeiten aus der Sicht und Interessenlage
der „Konzernspitze Stadt“ verfügt Neubrandenburg nicht.

(480)

Die Stadt Neubrandenburg hat in nicht unerheblichem Ausmaß Bürgschaften zu
Gunsten verschiedener städtischer Eigengesellschaften übernommen. Die städtische
Verwaltungseinheit „Beauftragte für das Beteiligungsmanagement“ wurde in die
Entscheidungsabläufe dieser Bürgschaftsverfahren nicht eingebunden. Die Verwaltung der Bürgschaften obliegt allein der Kämmerei. Der Landesrechnungshof hält in
diesem Bereich einen gegenseitigen Informations- und Datenabgleich zwischen dem
städtischen Beteiligungsmanagement und der Kämmerei für unerlässlich. Ohne aktu-

228
elle Zahlen aus dem Beteiligungsmanagement zur wirtschaftlichen Entwicklung der
städtischen Unternehmen ist der Kämmerei eine Einschätzung der mit den Bürgschaften verbundenen finanziellen Risiken für die Stadt nicht einmal annäherungsweise möglich.
(481)

Der Landesrechnungshof empfiehlt, eine neue Struktur des Beteiligungsmanagements unter Einschaltung eines sachverständigen Gutachters bedarfsgerecht entwickeln zu lassen und auf dieser Grundlage alsbald auch umzusetzen. Es sollte sichergestellt werden, dass sowohl die politische und die administrative Ebene der Stadt
Neubrandenburg sowie gleichermaßen die Geschäftsführungen der städtischen Eigengesellschaften und Beteiligungsunternehmen die neue Beteiligungsverwaltung
akzeptieren und aktiv unterstützen.

(482)

Die Stadt Neubrandenburg verweist auf jüngste Maßnahmen zur Reorganisation ihrer
Beteiligungsverwaltung. Seit Mitte August 2001 seien u. a. das Personal dieser Verwaltungseinheit aufgestockt und ihre Kompetenzen erweitert worden. Für die städtischen Gesellschaften sei eine vierteljährliche Berichtspflicht eingeführt worden; der
Einsatz spezieller Beteiligungssoftware werde vorbereitet. Die Gesellschaftsverträge
der städtischen Gesellschaften einschließlich der mittelbaren Beteiligungen würden
mit dem Ziel der Stärkung der Gesellschafterstellung überprüft.

(483)

Der Landesrechnungshof geht davon aus, dass die Stadt Neubrandenburg es nicht bei
diesen Maßnahmen zur Stärkung ihrer Beteiligungsverwaltung belässt. Er erwartet,
dass die Stadt zeitnah den Aufbau eines funktionierenden Beteiligungscontrollings
und -managements betreibt.

229

Beteiligung der Eurawasser Aufbereitungs- und Entsorgungs- GmbH
bei den Stadtwerken Schwerin

Die Beteiligung der Eurawasser Aufbereitungsund Entsorgungs- GmbH (Eurawasser) an der
Stadtwerke Schwerin GmbH (SWS) birgt ernsthafte wirtschaftliche und rechtliche Risiken für
die SWS und deren Gesellschafterin, die Stadt
Schwerin. Die Stadt hat auch nicht den Nachweis
führen können, dass die Veräußerung der Geschäftsanteile zum vollen Wert erfolgt ist. Zudem
hat die Stadt bei den Vertragsverhandlungen und
bei Abschluss der Verträge vielfach das Vergaberecht verletzt. Gleichwohl hat das Innenministerium die Veräußerung genehmigt und von einer
Beanstandung der vergaberechtlichen Verstöße
abgesehen. Damit hat es für zukünftige Veräußerungen von kommunalem Vermögen einen Präzedenzfall geschaffen.

Inhalt der Verträge zwischen der Stadt Schwerin,
der SWS und Eurawasser
(484)

Mit Beschlüssen vom 19.3. und 11.6.1999 beauftragte die Stadtvertretung den Oberbürgermeister, Verhandlungen über den Verkauf von höchstens 51 % der Geschäftsanteile der SWS aufzunehmen. Die daraufhin von der Stadt eingeleitete Ausschreibung hatte am 3.5.2001 den Abschluss von Verträgen mit der Eurawasser über eine
Beteiligung an den SWS-Geschäftsbereichen Wasser und Abwasser zum Ergebnis.
Nach diesen Verträgen erfolgt der Einstieg der Eurawasser bei den Stadtwerken in
zwei zeitlich getrennten Schritten:
Eurawasser geht zunächst bei der SWS eine stille Beteiligung mit einer Einlage in
Höhe von 13,8 Mio. DM (7,1 Mio. €) ein. Vorgesehen ist, dass die Eurawasser ausschließlich an dem Ergebnis der rentablen Geschäftsbereiche Wasser und Abwasser

230
teilhat. An dem Ausgleich von Verlusten, die in anderen Geschäftsbereichen erwirtschaftet werden, muss sich Eurawasser nicht beteiligen. Eurawasser benennt einen
zweiten Geschäftsführer mit Zuständigkeit für die Geschäftsbereiche Abwasser und
Wasser. Zugleich wird die Laufzeit des Betriebsführungsvertrags Abwasser zwischen
dem städtischen Eigenbetrieb Schweriner Abwasserentsorgung (SAE) und den
Stadtwerken um zehn Jahre bis zum 31.12.2022 verlängert. Auch der Konzessionsvertrag über die Wasserversorgung zwischen der Stadt und den Stadtwerken wird um
zehn Jahre bis Ende 2022 verlängert.
Zum 1.1.2003 streben dann die Stadt und die Eurawasser die Abspaltung oder Ausgliederung der bisherigen SWS-Geschäftsbereiche Wasser und Abwasser und Gründung einer neuen Gesellschaft Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft Schwerin mbH (WAG) an. Bei einer Abspaltung würden die Geschäftsanteile
der WAG von der Stadt gehalten, bei einer Ausgliederung von der SWS. Die WAG
soll anstelle der SWS in den Betriebsführungsvertrag Abwasser und in den Konzessionsvertrag Wasserversorgung eintreten. Anschließend werden 49 % der WAGGeschäftsanteile an die Eurawasser abgetreten. Für die Geschäftsanteile der WAG
wird die Eurawasser zusätzlich zu der bei Errichtung der atypisch stillen Gesellschaft
geleisteten Einlage von 13,8 Mio. DM (7,1 Mio. €) weitere 13,2 Mio. DM
(6,7 Mio. €) , insgesamt also 27,0 Mio. DM (13,8 Mio. €) zahlen. Die Ausstattung
der WAG mit Eigenkapital in Höhe von 20 Mio. DM (10,2 Mio. €) wird von Seiten
der Stadt und der SWS garantiert. Wenn die Stadt eine Abspaltung oder Ausgliederung der Geschäftsbereiche Wasser und Abwasser nicht durchführt, kann sie ebenso
wie die Eurawasser die zunächst fortbestehende stille Gesellschaft bei der SWS
durch Sonderkündigung beenden.

Verletzung des Vergaberechtes
(485)

Die Stadt hat bei den Vertragsverhandlungen und bei Abschluss der Verträge mit
Eurawasser vielfach das Vergaberecht verletzt.
Alle bereits abgeschlossenen oder noch abzuschließenden Verträge sind von der
Stadt und von Eurawasser von vornherein als Einheit konzipiert und verstanden worden. Deshalb ist vergaberechtlich eine Gesamtbetrachtung aller Verträge geboten. In
der Gesamtschau laufen die Verträge auf eine Neuvergabe des Betriebsführungsvertrags Abwasser an die WAG hinaus.

231
Der Vertragsschluss der Stadt mit Eurawasser vom 3.5.2001 erfolgte auf ein Angebot, das nicht Gegenstand der Ausschreibung war. Ursprünglich hatte die Stadt eine
Beteiligung an den Stadtwerken als Querverbund ausgeschrieben. Vorgesehen war
also, dass der Käufer an den wirtschaftlichen Chancen und Risiken aller Geschäftsbereiche der SWS langfristig teilhat. Die Eurawasser erwirbt auf Grund der Verträge
vom 3.5.2001 aber bei wirtschaftlicher Betrachtung lediglich eine Beteiligung an der
Wasser- und Abwassersparte als den wahrscheinlich einzig lukrativen und zugleich
vergleichsweise risikofreien Geschäftsbereichen der Stadtwerke. Der Abschluss dieser Verträge entspricht vergaberechtlich der Erteilung des Zuschlags auf ein nicht
gleichwertiges Nebenangebot. Das ist unzulässig.
Die Stadt hat nach Auffassung des Landesrechnungshofes auch gegen die Verpflichtung zur eigenverantwortlichen Durchführung des Vergabeverfahrens verstoßen. Sie
hat die Vertragsverhandlungen und die Bewertung der Angebote der Interessenten
weitgehend externen Dienstleistern (Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern) übertragen, ohne die Verhandlungsergebnisse und Einschätzungen ihrer Beauftragten
selbst auf Nachvollziehbarkeit bzw. Plausibilität zu überprüfen.
Darüber hinaus hat die Stadt im Vergabeverfahren andere Bieter gegenüber Eurawasser diskriminiert. So war der Eurawasser, nicht aber den anderen Bietern eine
längere Frist zur Modifizierung ihres ersten Angebots eingeräumt worden. Die Verlängerung und vorgesehene Überleitung des Konzessionsvertrags über die Wasserversorgung von den Stadtwerken auf die WAG im Gesamtzusammenhang mit den
übrigen Verträgen entspricht nach Auffassung des Landesrechnungshofes ebenfalls
einem Neuabschluss. Der Konzessionsvertrag unterliegt nicht dem Vergaberecht
(§§ 97 ff. GWB). Die Stadt muss sich insoweit aber vorhalten lassen, gegen die europarechtliche Verpflichtung zur Durchführung eines diskriminierungsfreien Verfahrens verstoßen zu haben.

Angemessenheit des Kaufpreises
(486)

Die Stadt hat nicht den Nachweis erbracht, dass Eurawasser mit 27,0 Mio. DM
(13,8 Mio. €) einen angemessenen Kaufpreis für die Beteiligung an den Stadtwerken
bzw. an der neuen Gesellschaft WAG zahlt. Die nach Vertragsschluss mit der Eurawasser von der Stadt in Auftrag gegebene und dem Innenministerium im Genehmigungsverfahren vorgelegte Unternehmensbewertung vom 9.11.2001 auf den Stichtag

232
1.1.2001 berücksichtigt nicht den Bewertungsanlass. Bewertungsanlass ist die Ermittlung des vollen Wertes der Beteiligung von Eurawasser (§ 57 Abs. 1 Satz 2
KV M-V) und die hiermit verbundene wirtschaftliche Neuaufstellung der Sparte
Wasser/Abwasser. Wesentliche vertragliche Abreden zwischen der Stadt und Eurawasser, insbesondere zur Senkung der allgemeinen Verwaltungskosten, sind in diese
Unternehmensbewertung nicht eingeflossen. Das Innenministerium teilt diese Auffassung des Landesrechnungshofes.
Die Stadt gab aus diesem Grund im Dezember 2001 eine Ergänzung der Unternehmensbewertung in Auftrag, die am 18.1.2002 fertiggestellt wurde.
(487)

Auch mit dieser nachgebesserten Wertermittlung kann nach Auffassung des Landesrechnungshofes nicht nachgewiesen werden, dass die Beteiligung zu ihrem vollen
Wert an die Eurawasser veräußert worden ist. Eine Wertermittlung nach Abschluss
des Verkaufsverfahrens und Verkauf der Beteiligung wie im vorliegenden Fall erbringt nicht diesen Nachweis, weil nicht mit der erforderlichen Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass sie zur Rechtfertigung des Verhandlungsergebnisses in
Auftrag gegeben worden ist.
Der Landesrechnungshof hat bereits bei anderer Gelegenheit deutlich gemacht, dass
bei einer Veräußerung kommunaler Beteiligungen oder Eigenbetriebe eine Unternehmensbewertung vor Beginn des Verkaufsverfahrens, und zwar regelmäßig nach
den vom Institut der Wirtschaftsprüfer herausgegebenen „Grundsätzen zur Durchführung von Unternehmensbewertungen - IDW S 1“, erfolgen muss (vgl. Jahresbericht
2001, Tz. 377). Dies hat die Stadt Schwerin versäumt.

(488)

Nach Auffassung des Landesrechnungshofes berücksichtigt die Wertermittlung auch
in ihrer letzten Fassung vom 18.1.2002 nach wie vor die vertraglichen Vereinbarungen zur Senkung der allgemeinen Verwaltungskosten nicht in ausreichendem Maße.
In der Wertermittlung führen die Gutachter hierzu u. a. aus:
„Dabei gehen wir aufgrund des gebührenrechtlichen und politischen Einflusses davon aus, dass diese Reduktion (der allgemeinen Verwaltungskosten, Anmerkung des
Landesrechnungshofes) zu 50 % zur Senkung der Tarife genutzt und nur der restliche
Anteil das Ergebnis der Sparte verbessern wird.“
Der Landesrechnungshof bezweifelt demgegenüber, dass Kostenvorteile aus der Reduzierung der allgemeinen Verwaltungskosten ganz oder auch nur teilweise an die

233
Gebührenzahler und Kunden weitergegeben werden. Eine entsprechende Verpflichtung zur Reduzierung der Preise sehen die Verträge von 3.5.2001 jedenfalls nicht
vor.
In § 8 des Konsortialvertrags von 3.5.2001 haben die Stadt Schwerin, die Eurawasser
und die SWS vereinbart, Gebühren und Tarife in den Geschäftsbereichen Wasser und
Abwasser im Rahmen des rechtlich Zulässigen so zu gestalten, dass eine angemessene Kapitalverzinsung für die Eurawasser gewährleistet ist. Zu diesem Zweck soll
jährlich geprüft werden, ob eine Erhöhung der Tarife bzw. Gebühren wirtschaftlich
geboten und rechtlich möglich ist. Unterbleiben derartige Tariferhöhungen „aufgrund von Umständen, die in der Sphäre der Stadt liegen“ (etwa weil sie von städtischer Seite für politisch nicht durchsetzbar gehalten werden), sind die Stadt/die SWS
verpflichtet, sich mit der Eurawasser über einen angemessenen finanziellen Ausgleich zu verständigen. Im Klartext: Die städtische Seite haftet, wenn mögliche Tarif- und Gebührenerhöhungen nicht vorgenommen werden.
Diese vertraglichen Regelungen lassen darauf schließen, dass die städtische Seite und
Eurawasser eine Ausschöpfung der Gewinnspannen zu Gunsten ihrer Tochtergesellschaft WAG beabsichtigen. Die der Wertermittlung in ihrer Fassung von 18.1.2002
zu Grunde gelegte Annahme, Kostenvorteile aus Rationalisierungsmaßnahmen würden zur Hälfte an die Kunden bzw. Gebührenzahler weitergegeben, ist nicht belegt.
(489)

Auch mit dem Ergebnis der im Auftrag der Stadt durchgeführten Ausschreibung von
Geschäftsanteilen der SWS kann der Nachweis der Veräußerung zum vollen Wert
nicht geführt werden. In diesem Verfahren ist vielfach gegen das Vergaberecht verstoßen worden (vgl. Tz. 485). Nur eine rechtmäßige Ausschreibung hat Beweiswert.

Folgen der Umsetzung der Verträge zum 1.1.2003
(490)

Der Landesrechnungshof ist der Auffassung, dass die für Anfang 2003 vorgesehene
Abspaltung oder Ausgliederung der rentablen Geschäftsbereiche Wasser und Abwasser erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Stadtwerke haben würde. Schon vor dem Vertragsschluss mit Eurawasser haben sich, wie die Jahresabschlüsse 1999 und 2000 belegen, die Ergebnisse der Stadtwerke deutlich verschlechtert.

234
(491)

Im Falle einer Abspaltung würden die Geschäftsanteile der neuen Gesellschaft WAG
von der Stadt gehalten. Der von Eurawasser zu zahlende Kaufpreis für 49 % der Geschäftsanteile in Höhe von 13,2 Mio. DM (6,7 Mio. €) würde in den Haushalt der
Stadt fließen. Die SWS würde aus diesem Geschäft nicht profitieren.
Auf Grund der Abspaltung würde sich das Eigenkapital der SWS und damit das
Potential zur Deckung zukünftiger Verluste um 20 Mio. DM (10,2 Mio. €)
verringern. Dieser Betrag müsste als Eigenkapitalausstattung für die WAG
aufgebracht werden. Außerdem würde sich vor allem wegen ausbleibender Erträge
aus den abgespaltenen Geschäftsbereichen das Ergebnis der SWS voraussichtlich
verschlechtern.
Durch den Landesrechnungshof prognostizierte
Ergebnisminderung bei der SWS bei Abspaltung

(492)

Jahr

Betrag

2003

5,980 Mio. DM (3,058 Mio. €)

2004

6,299 Mio. DM (3,221 Mio. €)

2005

6,745 Mio. DM (3,449 Mio. €)

Im Falle einer Ausgliederung wäre die SWS vor Abtretung von 49 % der Geschäftsanteile an Eurawasser Alleingesellschafterin der WAG. Der Kaufpreis für die Anteile
stünde der SWS zur Eigenkapitalverstärkung zur Verfügung. Auch dann sind allerdings erhebliche Ergebnisminderungen bei den Stadtwerken zu erwarten.
Durch den Landesrechnungshof prognostizierte
Ergebnisminderung bei der SWS bei Ausgliederung

(493)

Jahr

Betrag

2003

4,074 Mio. DM (2,083 Mio. €)

2004

4,291 Mio. DM (2,194 Mio. €)

2005

4,592 Mio. DM (2,348 Mio. €)

Die Prognosen sind aus den betriebswirtschaftlichen Kennziffern entwickelt worden,
die die SWS und die Landeshauptstadt Schwerin dem Landesrechnungshof zur Verfügung gestellt haben. Die Prognosen zeigen, dass in der ohnehin angespannten Situ-

235
ation nach den Erkenntnissen des Landesrechnungshofes eine Ausgliederung, vor allem aber eine Abspaltung die Stadtwerke stark belasten würde. Um eine Existenzgefährdung zu vermeiden, würden dann voraussichtlich umfangreiche Stützungsmaßnahmen der Stadt, insbesondere die Zuführung von Eigenkapital, notwendig.

Durchführbarkeit der Abspaltung oder Ausgliederung
(494)

Der Landesrechnungshof schließt nicht aus, dass die Stadt aus wirtschaftlichen
Gründen gezwungen sein könnte, die stille Gesellschaft mit Eurawasser bei den
Stadtwerken zu kündigen und auf die Abspaltung oder Ausgliederung der Geschäftsbereiche Wasser und Abwasser unter Neugründung der WAG zu verzichten.

(495)

Wenn sich die Eigenkapitalausstattung der SWS – wie zuvor in den Geschäftsjahren
1998 bis 2000 – weiterhin deutlich verschlechtern sollte, ist zweifelhaft, ob die
Stadtwerke ihrer vertraglichen Verpflichtung zur Ausstattung der WAG mit Eigenkapital in Höhe von 20 Mio. DM (10,2 Mio. €) ohne finanzielle Unterstützung durch
die Stadt nachkommen können.

(496)

Die Beteiligung von Eurawasser an den Stadtwerken und später der WAG bedarf
außerdem der Zustimmung der Kreditgeber der SWS. Diese fehlt bisher. Im Zusammenhang mit der Gewährung von Darlehen an die Stadtwerke in Höhe von insgesamt
103 Mio. DM (52,7 Mio. €) hatte sich die Stadt gegenüber den Banken verpflichtet,
ihre Geschäftsanteile an der SWS nicht zu veräußern und u. a. an dem Konzessionsvertrag Wasserversorgung mit den Stadtwerken festzuhalten. Im Übrigen bedürfen
diese Stützungserklärungen der Genehmigung durch das Innenministerium als oberste Kommunalaufsichtsbehörde. Der Antrag der Stadt auf Genehmigung vom
23.11.2001 ist durch das Innenministerium noch nicht beschieden worden. Die für
eine Entscheidung notwendigen Unterlagen hat die Stadt bislang nicht beigebracht.

Folgen der Kündigung der stillen Gesellschaft
(497)

Eine Kündigung der stillen Gesellschaft durch die Stadt wäre zum 31.12.2005 oder
zum 31.12.2006 möglich. Sie käme die Stadtwerke nach Einschätzung des Landesrechnungshofes aber teuer zu stehen.

236
Wird die mittelfristige Finanzplanung der SWS zu Grunde gelegt, so ergeben sich
nach den Erkenntnissen des Landesrechnungshofes voraussichtlich vertragliche Abfindungsansprüche der Eurawasser zum 31.12.2005 in Höhe von mindestens
19,502 Mio. DM (9,971 Mio. €) bzw. zum 31.12.2006 in Höhe von mindestens
20,503 Mio. DM (10,483 Mio. €). In diesen Beträgen ist auch die Rückzahlung der
von Eurawasser geleisteten Einlage von 13,8 Mio. DM (7,1 Mio. €) enthalten. Auf
den Abfindungsanspruch werden aber die bis zum Zeitpunkt der Kündigung erwirtschafteten Gewinnanteile der Eurawasser nicht angerechnet. Der Einlage von
13,8 Mio. DM (7,1 Mio. €) stünden also Rückflüsse an die Eurawasser aus der Beteiligung in etwa doppelter Höhe gegenüber.
Finanzielle Folgen einer Kündigung zum Termin
31.12.2005
31.12.2006
Abfindung
19,502 Mio. DM
20,503 Mio. DM
(9,971 Mio. €)
(10,483 Mio. €)
Erwirtschaftete
6,650 Mio. DM
8,052 Mio. DM
Gewinnanteile
(3,400 Mio. €)
(4,117 Mio. €)
Rückflüsse an
Eurawasser

26,152 Mio. DM
(13,371 Mio. €)

28,555 Mio. DM
(14,600 Mio. €)

Der Landesrechnungshof schließt deshalb nicht aus, dass die Stadt schon kurzfristig
vor die Wahl gestellt werden könnte, entweder an der Beteiligung von Eurawasser
trotz erheblicher, in bestimmten Konstellationen sogar existenzgefährdender
Nachteile für die Stadtwerke festzuhalten oder aber die Kooperation zu einem sehr
hohen Preis aufzukündigen.

Risiken überlanger Vertragslaufzeiten
(498)

Mit Verlängerung des Betriebsführungsvertrags Abwasser und des Konzessionsvertrags Wasserversorgung bis mindestens zum 31.12.2022 zu Gunsten der WAG geht
die Stadt ein beträchtliches Risiko ein, auf Antrag anderer Vertragsinteressenten
schon vor Auslaufen dieser Verträge zur Kündigung und Neuausschreibung gezwungen zu werden. Schadenersatzansprüche entweder der WAG oder der jeweiligen
Konkurrenten der WAG gegen die Stadt können bei dieser Entwicklung nicht ausgeschlossen werden.

237

Genehmigung durch das Innenministerium
(499)

Nachdem die Stadt dem Innenministerium das nachgebesserte Wertgutachten vom
18.1.2002 am 21.1.2002 vorgelegt hatte, genehmigte das Innenministerium mit Bescheid vom 25.1.2002 die Verträge über die Beteiligung der Eurawasser.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes waren die Voraussetzungen einer Genehmigung nach § 57 Abs. 3 KV M-V nicht gegeben, weil die Stadt den Nachweis
der Veräußerung zum vollen Wert (§ 57 Abs. 1 Satz 2 KV M-V) nicht geführt hatte.
Wegen der Verstöße der Stadt gegen das Vergaberecht hätte das Innenministerium
überdies statt der Genehmigung eine Beanstandung der Vertragsschlüsse vom
3.5.2001 aussprechen und ihre Aufhebung verlangen können (§ 81 Abs. 1 Satz 1
KV M-V).
Der Landesrechnungshof sieht die Gefahr, dass auf kommunaler Ebene die Genehmigung als Präzedenzfall gedeutet werden wird. Er kann nicht ausschließen, dass
jetzt auch andere Kommunen nach Schweriner Vorbild Beteiligungen oder anderes
kommunales Vermögen unter Verzicht auf eine ordnungsgemäße Wertermittlung
und/oder Verstoß gegen das Vergaberecht in Erwartung einer Genehmigung des Innenministeriums veräußern.

Stellungnahmen der Landeshauptstadt Schwerin
und des Innenministeriums
(500)

Die Landeshauptstadt Schwerin hat mitgeteilt, sie teile die vom Landesrechnungshof
vorgenommene Bewertung der Beteiligung der Eurawasser bei den SWS in keinem
Punkt.

(501)

Das Innenministerium verweist darauf, dass die ergänzende Unternehmensbewertung
vom 18.1.2002 einen maximalen Unternehmenswert von 41,6 Mio. DM
(21,3 Mio. €) ergeben habe. Bei einem Kaufpreis von 27. Mio. DM (13,8 Mio. €) für
49% des Unternehmens läge keine Unterwertveräußerung vor.
Das Innenministerium ist ferner der Auffassung, die Landeshauptstadt Schwerin habe nicht gegen das Vergaberecht bzw. die §§ 97 ff. GWB verstoßen. Diese Bestimmungen fänden nur in den Fällen einer „kombinierten Vergabe“ Anwendung. Es zitiert eine Entscheidung der Vergabekammer Düsseldorf vom 07.07.2000 (NZBau

238
2001, 46) zu einer Public Private Partnership der Stadt Mülheim a. d. Ruhr mit der
Trienekens AG und legt diese wie folgt aus:
Eine kombinierte Vergabe sei nur dann gegeben, wenn die Gründung einer Gesellschaft durch die öffentliche Hand gemeinsam mit einem privaten Unternehmen oder
die Veräußerung von Geschäftsanteilen einer Gesellschaft an ein privates Unternehmen mit Vergabe von Leistungsaufträgen an diese Gesellschaft einhergehe, die ansonsten nach den Regeln des Vergaberechts europaweit hätten ausgeschrieben werden müssen. Voraussetzung für die kombinierte Vergabe sei somit, dass zumindest
ein Teil des Vertragspakets als Beschaffungsauftrag im Sinne der §§ 97 ff. GWB
auszuschreiben sei. Dieser Auftrag müsse zudem in einem zeitlichen Zusammenhang
mit der Gesellschaftsgründung bzw. Anteilsveräußerung stehen.
Bei den Verträgen mit Eurawasser handele es sich um die bloße Aufnahme eines
neuen Gesellschafters und damit um ein reines Veräußerungsgeschäft. Es werde
nichts beschafft, was vorher nicht schon da gewesen sei. Die Betriebsführung Abwasser werde bislang durch die SWS erbracht. Der entsprechende Betriebsführungsvertrag werde durch Abspaltung aus der SWS auf die WAG übertragen.
(502)

Das Innenministerium übersieht zum einen, dass der Auftrag Betriebsführung Abwasser nicht durch die vorgesehene Abspaltung auf die WAG übertragen werden
kann oder soll. Die Abspaltung ist ein gesellschaftsrechtlicher und gegebenenfalls
sachenrechtlicher Vorgang. Der Auftrag zur Betriebsführung kann nur auf Grund einer dreiseitigen schuldrechtlichen Vereinbarung zwischen der Stadt, der SWS und
der WAG, die zeitgleich mit der Abspaltung erfolgen soll, auf die zuletzt genannte
Gesellschaft übergehen. Bei dieser Vereinbarung handelt es sich um einen Beschaffungsvorgang, weil die Leistung „Betriebsführung“ nunmehr bei einem neuen, mit
der SWS nicht identischen Auftragnehmer beschafft werden soll.
Zum anderen verkennt das Innenministerium, dass die Verträge zwischen der städtischen Seite und der Eurawasser in der Gesamtschau auf eine Beschaffung bei der
WAG bzw. eine Neuvergabe des Betriebsführungsvertrags Abwasser an die WAG
hinauslaufen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob diese Auftragsübernahme für sich
gesehen eine nach §§ 97 ff. GWB auszuschreibende Beschaffung darstellt. Es reicht
insoweit nach der auch vom Innenministerium zitierten Spruchpraxis aus, dass der
Übergang des Auftrags zur Betriebsführung auf die WAG nach den §§ 97 ff. GWB
vergaberechtspflichtig wäre, wenn die Beteiligung der Eurawasser an der WAG be-

239
reits im Zeitpunkt des Auftragsübergangs – der Beschaffung – bestehen würde. Damit hätte das Vertragswerk in seiner Gesamtheit ausgeschrieben werden müssen.

240

Vier-Tore-Therme Neubrandenburg – Veräußerung eines städtischen
Grundstücks und Vergabe eines Darlehens an die Investorin

Bei Veräußerung des Thermengrundstücks Ende
1996 an die Investorin hat die Stadt Neubrandenburg ihr für bestimmte Fälle des Scheiterns
des Projekts die Erstattung von Aufwendungen
und Vergütung von Planungsleistungen zugesagt.
Ende 1999 veranlasste der seinerzeitige Geschäftsführer

der

städtischen

Gesellschaften

Neubrandenburger Stadtwerke GmbH (NSW)
und energycon GmbH (energycon) pflichtwidrig
die

Auszahlung

eines

Darlehens

über

6,3 Mio. DM (3,2 Mio. €) an die Investorin. Für
eine Rückzahlung des Darlehens bestehen keine
Aussichten.

(503)

Das gescheiterte Projekt eines Erlebnisbades in Neubrandenburg, der sogenannten
Vier-Tore-Therme, sollte nach den Vorstellungen der Investorin, einer Kommanditgesellschaft mit Sitz in Nordrhein-Westfalen (A-KG), und der Stadt Neubrandenburg
aus Fördermitteln des Landes und im Übrigen ganz überwiegend durch Darlehen
kommunaler Gesellschaften finanziert werden. Der Landesrechnungshof leitete am
11.10.1999 ein Verfahren zur Prüfung der seinerzeit noch vorgesehenen Zuwendungen für die Vier-Tore-Therme in Neubrandenburg ein (vgl. Jahresbericht 2000,
Tzn. 501 bis 523).
Der Landesrechnungshof stellte im Wesentlichen fest, dass das Wirtschaftsministerium eine Förderung der Vier-Tore-Therme zu Recht abgelehnt hatte. Mit dem von der
Stadt und der Investorin entwickelten Modell einer Finanzierung der Therme unter
Einbindung der kommunalen Gesellschaften NSW und energycon konnte der für eine Förderung des Projekts erforderliche Nachweis der Gesamtfinanzierung nicht geführt werden. Nach Auffassung des Landesrechnungshofes hatte die A-KG die nachhaltige Rentabilität der Vier-Tore-Therme nicht ausreichend belegt. Auch hieraus
begründeten sich Zweifel am Nachweis der Gesamtfinanzierung.

241
(504)

Diese Ergebnisse der Zuwendungsprüfung geboten das Vorziehen der seit langem
vom Landesrechnungshof geplanten Prüfung der Beteiligungsverwaltung der Stadt
Neubrandenburg. Die von der Stadt betriebene Einbindung ihrer kommunalen Gesellschaften NSW und energycon in ein zum Scheitern verurteiltes und für diese Gesellschaften risikobehaftetes Projekt warf die Frage auf, ob die zuständigen städtischen Organe und Dienststellen die Aufgaben der Verwaltung, des Controllings und
des Managements bzw. der Steuerung der kommunalen Gesellschaften ordnungsmäßig, also unter Beachtung kaufmännischer Grundsätze und der einschlägigen Rechtsvorschriften, wahrgenommen hatten.

(505)

Der Landesrechnungshof hat ferner am 21.9.2000 im Rahmen seiner Kompetenzen
nach §§ 14 ff. Kommunalprüfungsgesetz (KPG) die mit der Prüfung des Jahresabschlusses 1999 der energycon betraute Wirtschaftsprüfergesellschaft beauftragt, die
Einbindung der energycon in das Projekt Vier-Tore-Therme unter gesellschaftsrechtlichen und bilanzrechtlichen Gesichtspunkten, insbesondere die Ordnungsmäßigkeit
der Geschäftsführung, vertieft zu prüfen.

(506)

Der Landesrechnungshof hat am 24.7.2001 einen Sonderbericht zum Projekt VierTore-Therme vorgelegt. Gegenstand dieses Berichts sind die Erkenntnisse, die der
Landesrechnungshof bei Prüfung der Beteiligungsverwaltung der Stadt Neubrandenburg im Hinblick auf das Thermenprojekt gewinnen konnte, ferner die vom Landesrechnungshof vielfach nicht geteilten Bewertungen der Jahresabschlussprüfer der
energycon gemäß Auftrag vom 21.9.2000. Der Landesrechnungshof hat in seinem
Sonderbericht folgende wesentliche Feststellungen getroffen:

Verkauf des Thermengrundstücks an die A-KG
(507)

Am 28.10.1996 veräußerte die Stadt Neubrandenburg auf Grund eines Beschlusses
der Stadtvertretung vom 26.9.1996 der A-KG das Grundstück für die Therme. In § 8
Nr. 8 des Grundstückskaufvertrags übernahm die Stadt die Verpflichtung, unter bestimmten Voraussetzungen im Falle eines Fehlschlagens des Vorhabens der A-KG
deren Aufwendungen und Eigenleistungen für die Entwicklung des Konzepts und der
Planung der Therme zu erstatten bzw. zu vergüten.
Nachdem das Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern der A-KG mit
Schreiben vom 10.4.2000 mitgeteilt hatte, dass der bereits erteilte Zuwendungsbe-

242
scheid unwirksam geworden und eine Förderung des Vorhabens aus öffentlichen
Mitteln nicht mehr vorgesehen sei, haben sowohl die Stadt Neubrandenburg als auch
die A-KG wechselseitig den Rücktritt vom Grundstückskaufvertrag erklärt. Die
A-KG machte unter Berufung auf die vertragliche Bestimmung des § 8 Nr. 8 gegenüber der Stadt Ansprüche auf Aufwendungsersatz geltend und bezifferte diesen mit
rd. 15,2 Mio. DM (rd. 7,8 Mio. €). Einen Teilbetrag von 1,32 Mio. DM (675.000 €)
machte die A-KG bei dem Landgericht Neubrandenburg anhängig. Im Termin zur
mündlichen Verhandlung am 1.8.2001 nahm die A-KG ihre Klage zurück. Die Gefahr, Aufwendungsersatz zahlen zu müssen, ist damit zunächst abgewendet. Über
den Anspruch der A-KG ist damit allerdings noch nicht rechtskräftig entschieden
worden.
(508)

Bei Aushandlung und Abschluss des Vertrags vom 28.10.1996 sind die finanziellen
Interessen der Stadt nicht mit der erforderlichen Sorgfalt gewahrt worden. Bei Veräußerung von kommunalen Grundstücken für Investitionsvorhaben muss unbedingt
sichergestellt werden, dass typische Investorenrisiken wie das Fehlschlagen der Finanzierung nicht ganz oder teilweise durch Vereinbarungen über die Erstattung von
Aufwendungen für die Planung gleichsam kommunalisiert werden.

(509)

Die von der Stadt mit Vertrag vom 28.10.1996 übernommene Verpflichtung, unter
bestimmten Voraussetzungen der A-KG Planungsaufwendungen zu erstatten, fällt als
wichtige Angelegenheit gemäß § 22 Abs. 2 KV M-V in die Zuständigkeit der Stadtvertretung. Der seinerzeitige Oberbürgermeister hat den Grundstückskaufvertrag jedoch ohne die erforderliche Zustimmung der Stadtvertretung abgeschlossen. Die
Stadtvertretung ist von ihm über die Vereinbarung eines Aufwendungsersatzanspruchs der A-KG nicht informiert worden. Deshalb ist diese Vertragsbestimmung
von der Zustimmung der Stadtvertretung vom 26.9.1996 zum Verkauf des Thermengrundstücks nicht gedeckt.

Übertragung des Thermengrundstücks an die A-KG
(510)

Die Auflassung für das Thermengrundstück wurde nicht bei Abschluss des Kaufvertrags am 28.10.1996 erklärt. Die beurkundende Notarin wurde angewiesen, eine Vertragsausfertigung mit der Auflassungserklärung beim Grundbuchamt einzureichen,
sobald die Zahlung des Kaufpreises nachgewiesen worden war. Die Notarin und ihre

243
Notariatsangestellten wurden ermächtigt, die Auflassung und sämtliche weiteren erforderlichen Erklärungen abzugeben und entgegenzunehmen.
Am 13.8.1999 bestellte die A-KG auf dem Thermengrundstück eine
Eigentümergrundschuld über 24 Mio. DM (12,3 Mio. €) zzgl. 20 % Zinsen jährlich
und einer einmaligen Nebenleistung i. H. v. 6 %. Spätestens Anfang Februar 2000
war zu erkennen, dass die A-KG voraussichtlich keine Fördermittel des Landes
erhalten würde, weil sie den hierfür erforderlichen Nachweis der Gesamtfinanzierung
des Projekts nicht führen konnte. Die Stadt Neubrandenburg hat ihre Vollmacht zur
Erklärung der Auflassung jedoch nicht widerrufen. Am 23.3.2000 erklärte ein
Notariatsangestellter für die Stadt und die A-KG die Auflassung für das
Thermengrundstück. Die Eintragung der A-KG im Grundbuch als Eigentümerin
erfolgte am 30.3.2000; die Eintragung der Eigentümergrundschuld vom 13.8.1999
(511)

am 3.4.2000.
Nachdem spätestens Anfang des Jahres 2000 Zweifel an der Finanzierung und damit
am Bau der Therme hätten aufkommen müssen, wäre es im Interesse der Stadt Neubrandenburg gewesen, das uneingeschränkte, nicht durch Grundpfandrechte belastete
Eigentum am Thermengrundstück zu behalten. Unter diesen Umständen hätte unbedingt ein Widerruf der Vollmachtserklärung der Auflassung geprüft werden müssen,
zumindest aber eine Anweisung an die Notarin, von ihrer Vollmacht bis auf weiteres
nicht Gebrauch zu machen.

(512)

Nach Einschätzung des Landesrechnungshofes kann die A-KG als Eigentümerin des
Thermengrundstücks bzw. als Berechtigte aus der Eigentümergrundschuld die Auseinandersetzung mit der Stadt Neubrandenburg und den städtischen Gesellschaften
nach Scheitern des Projekts aus einer Position der Stärke heraus führen. Durch den
Übergang des Eigentums auf die A-KG wird der Druck auf die städtische Seite verstärkt, Konzessionen zu machen. Ein rechtzeitiger Widerruf der Vollmacht bzw. die
rechtzeitige Aussetzung der Auflassung hätte diese für die städtische Seite prekäre
Situation vermieden.

244

Abschluss eines Darlehensvertrags mit der A-KG und
Auszahlung des Darlehens
(513)

Die Stadtvertretung Neubrandenburg hat am 20.5.1999 einer Beschlussvorlage des
seinerzeitigen Oberbürgermeisters über die Mitwirkung städtischer Gesellschaften
und der Stadt an der Finanzierung der Therme u. a. im Wege der Gewährung von
Krediten städtischer Gesellschaften an die A-KG zugestimmt. Bereits im Zeitpunkt
der Beschlussfassung war erkennbar, dass das hiermit verfolgte Ziel einer Sicherstellung der Finanzierung der Therme verfehlt werden musste und die Gewährung von
Krediten an die A-KG mit erheblichen Ausfallrisiken verbunden sein würde. Mit diesem Finanzierungsmodell konnte der Nachweis der Gesamtfinanzierung nicht geführt werden. Deshalb bestanden auch keine Aussichten auf die Ausreichung von
Fördermitteln des Landes.
Eine ausreichende Information der Stadtvertretung über diese Risiken ist nicht erfolgt.

(514)

Nach Befassung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der NSW im Juli
1999 schlossen die NSW-Tochter energycon und die A-KG am 27.9.1999 einen Darlehensvertrag über 6,7 Mio. DM (3,4 Mio. €). Dieser Vertrag weicht zu Lasten der
energycon bei einer Auszahlungsvoraussetzung und bei der Besicherung des Darlehens von dem Vertragsentwurf ab, der Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung
der NSW im Juli 1999 zur Beschlussfassung vorgelegt worden war. Aus diesem
Grund hat die seinerzeitige Geschäftsführung der energycon bzw. der NSW mit dem
Abschluss des Darlehensvertrags gegen ihre kaufmännischen Sorgfaltspflichten verstoßen.

(515)

Ein finanzieller Schaden ist der energycon erst durch Auszahlung (Valutierung) des
Darlehens in zwei Teilbeträgen am 1.10.1999 (5,2 Mio. DM / 2,7 Mio. €) und
17.11.1999 (1,1 Mio. DM / 562.400 €) entstanden. Zumindest zwei vertragliche Auszahlungsvoraussetzungen waren im Zeitpunkt der Valutierung nicht erfüllt. Bei diesen Voraussetzungen handelt es sich zum einen um den Nachweis der gesicherten
Gesamtfinanzierung durch schriftliche Bestätigung der Förderfähigkeit der Therme
seitens des Landesförderinstituts und zum anderen um die Genehmigung einer zur
Sicherung der Finanzierung der Therme abgegebenen Einredeverzichtserklärung der
Stadt Neubrandenburg durch das Innenministerium. Eine schriftliche Bestätigung der

245
Förderfähigkeit hat es ebenso wenig gegeben wie eine Genehmigung des
Innenministeriums. Die energycon hätte bis zur Erfüllung dieser Voraussetzungen
durch die A-KG die Auszahlung des Darlehens verweigern können.
(516)

Der Darlehensrückzahlungsanspruch der energycon ist angesichts des Scheiterns des
Thermen-Projekts und derzeitigen Vermögenslosigkeit der A-KG wertlos. Die seinerzeitige Geschäftsführung der energycon bzw. der NSW trägt für die Auszahlung
des Darlehens und den hieraus resultierenden finanziellen Schaden die Verantwortung. Der Landesrechnungshof hat die Stadt Neubrandenburg aufgefordert, die Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen gegen die Geschäftsführung zu prüfen.

Ablauf des Prüfungsverfahrens
(517)

Der seinerzeitige Oberbürgermeister hat das Prüfungsverfahren unter Verstoß gegen
die Pflicht zu Kooperation mit dem Landesrechnungshof aus § 9 Abs. 1 KPG zwischen Dezember 2000 und Ende Mai 2001 blockiert und insbesondere die Vorlage
wichtiger Unterlagen abgelehnt. Hiervon ist er erst abgegangen, als das Innenministerium als oberste Rechtsaufsichtsbehörde die Stadt durch entsprechende Weisung
zur Erfüllung ihrer Pflichten angehalten hatte.

Verantwortlichkeit des seinerzeitigen Oberbürgermeisters
(518)

Der seinerzeitige Oberbürgermeister trägt gemäß § 38 Abs. 2 Satz 2 KV M-V die
Verantwortung dafür, dass die Stadt mit Abschluss des Grundstückskaufvertrags ohne sachlichen Grund das Risiko einging, Aufwendungen und Eigenleistungen der AKG für die Entwicklung des Konzepts und die Planung der Therme erstatten bzw.
vergüten zu müssen. Gemäß § 38 Abs. 3 Satz 1 KV M-V trägt er auch die Verantwortung dafür, dass vor Abschluss des Grundstückvertrags vom 28.10.1996 die hierfür erforderliche Zustimmung der Stadtvertretung nicht eingeholt worden war. Der
Landesrechnungshof kann nicht ausschließen, dass dem damaligen Oberbürgermeister im Zusammenhang mit dem Vertragsschluss vom 28.10.1996 grobe Fahrlässigkeit zur Last gelegt werden muss. Der Landesrechnungshof erwartet, dass die Stadt
Neubrandenburg dafür Sorge trägt, dass entsprechende Ersatzansprüche nicht verjähren.

246
Die Durchführung des Grundstückskaufvertrags nach Scheitern des Thermenprojekts
– insbesondere den Übergang des Eigentums am Thermengrundstück auf die A-KG –
hat gemäß § 38 Abs. 2 Satz 2 KV M-V der seinerzeitige Oberbürgermeister zu vertreten. Nach Einschätzung des Landesrechnungshofes ist nicht auszuschließen, dass
grobe Fahrlässigkeit vorliegt. Der Landesrechnungshof hat die Stadt Neubrandenburg aufgefordert, einen Regress aus § 86 Landesbeamtengesetz zu prüfen. Zugleich
hat der Landesrechnungshof das Innenministerium gebeten, disziplinarische Maßnahmen zu prüfen.
Die unzureichende Information der Stadtvertretung Neubrandenburg über die Risiken der Mitwirkung städtischer Gesellschaften der Stadt an der Finanzierung der
Therme durch Gewährung von Krediten an die A-KG hat ebenfalls der seinerzeitige
Oberbürgermeister gemäß § 38 Abs. 1 Satz 1 KV M-V zu vertreten.

247

Abwasserzweckverband Darß

Die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Ordnungsmäßigkeit

der

Geschäftsführung

des

Zweckverbandes gaben in den Wirtschaftsjahren
1995 bis 1999 zu wesentlichen Beanstandungen
Anlass.
Die kumulierten Jahresverluste bis einschließlich
1998

in

Höhe

(rd. 3,36 Mio. €)

von

rd.

6,58

führten zu einer

Mio.

DM

bilanziellen

Überschuldung in gleicher Höhe.
Im Bereich der Kreditwirtschaft sind die getätigten Kassenkredite sowie die Investitionskredite
nicht sachgerecht eingesetzt worden. Vom Innenministerium bewilligte Zuwendungen wurden
nicht vollständig zweckentsprechend eingesetzt.

Wirtschaftliche Verhältnisse und Ordnungsmäßigkeit der
Geschäftsführung des Zweckverbandes
(519)

Der Abwasserzweckverband Darß besteht aus den Gemeinden Wieck, Born und Prerow im Bereich des Amtes Darß/Fischland. Das Amt nimmt seit 1995 auch die Verwaltung des Zweckverbandes wahr. In der Anfangsphase des Bestehens sind dem
Zweckverband – besonders beim Bau der Abwasseranlagen und im Satzungswesen –
erhebliche Fehler mit finanziellen Auswirkungen bis in die Gegenwart unterlaufen.

(520)

Die rechtlichen Grundlagen des Zweckverbandes (Satzungen) wurden ursprünglich
nicht in vollem Umfang ordnungsgemäß veröffentlicht. Deshalb konnten u. a. Beitrags- und Gebührenforderungen nicht vollstreckt werden. Dieser Mangel wurde
durch erneute Veröffentlichung der Satzungen im Jahre 1998 geheilt. Das OVG
Greifswald erklärte im Rahmen einer Normenkontrollklage am 13.11.2001 auch diese Satzungen für nichtig.

248
Der Zweckverband hat vor Kurzem das Satzungswerk neu beschlossen und veröffentlicht. Er geht davon aus, dass die Satzungen nunmehr rechtmäßig sind.
(521)

Der Zweckverband hat gegen die Grundsätze der Sparsamkeit und der Wirtschaftlichkeit verstoßen.
Kreditbedarf und Kreditaufnahme wurden nicht zeitlich – wie erforderlich – aufeinander abgestimmt (überhöhte Kreditaufnahmen und zum Teil zu frühe Valutierung
der Darlehen).
Der Landesrechnungshof hat den Nachtragsprüfungsbericht 1995 mit einem eigenen
Feststellungsvermerk gemäß § 16 Abs. 4 KPG ergänzt und den Bestätigungsvermerk
des Abschlussprüfers zu den wirtschaftlichen Verhältnissen eingeschränkt.
Bedenken wurden insbesondere zu der vollständigen Aktivierung der Fremdkapitalzinsen und dem Verzicht auf Abschreibungen im ursprünglichen Jahresabschluss
1995 geäußert. Kritik hat der Landesrechnungshof auch gegen die unterstellte Nutzungsdauer von 100 Jahren für Druckrohrleitungen und die hiermit verbundenen
niedrigen Abschreibungen in den Jahresabschlüssen 1996 und folgende erhoben.
Dem Zweckverband wurden Überprüfungen und Korrekturen empfohlen. Der
Zweckverband vertritt nach wie vor die Auffassung, dass nach derzeitigen Erkenntnissen eine 100jährige Nutzungsdauer für derartige Leitungssysteme aus Kunststoff
Stand der Technik sei.
Der Verbandsvorsteher hat trotz dieser erheblichen Bedenken zu den wirtschaftlichen
Verhältnissen nicht die im § 6 der Verbandssatzung festgelegten vierteljährlichen
Verbandsversammlungen durchgeführt (1997: zwei, 1998: eine und 1999: drei Verbandsversammlungen).

Bilanzielle Überschuldung
(522)

Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Zweckverbandes geben bereits seit dem Jahr
1995 zu wesentlichen Beanstandungen Anlass. Bis 1999 wurden nachstehende Verluste erwirtschaftet:
Jahresverlust 1995:

1.525.829,05 DM

(780.144,01 €)

Jahresverlust 1996:

2.532.607,24 DM

(1.294.901,52 €)

Jahresverlust 1997:

1.476.253,55 DM

(754.796,45 €)

249
Jahresverlust 1998:

1.210.206,60 DM

(618.768,81 €)

Jahresverlust 1999:

604.998,75 DM

(309.330,95 €)

Die mit dem Gewinnvortrag aus 1994 in Höhe von 164.615,50 DM (84.166,57 €)
saldierten Verluste betrugen zum 31.12.1999 insgesamt 7.185.279,69 DM
(3.673.775,17 €).
Da der Zweckverband über kein Eigenkapital verfügte, führten die kumulierten Verluste bis einschließlich 1998 in Höhe von 6.580.280,94 DM (3.364.444,22 €) zu einer bilanziellen Überschuldung in gleicher Höhe. Im Jahresabschluss 1999 wurde
nachstehender Verlustausgleich gebucht:
Jahresverluste 1995 bis 1999:

7.185.279,69 DM

(3.673.775,17 €)

Zahlungen der Gemeinden
für die Jahre 1995 bis 1997:

2.000.000,00 DM (1.022.583,76 €)

Verlustausgleich Innenministerium
(in 1999) und Fehlbetragszuweisung
(gezahlt am 14.1.2000):

3.400.000,00 DM (1.738.392,40 €)

Umbuchung in allgemeine Rücklagen:
Verlustvorträge Stand 31.12.1999:

29.925,60 DM

(15.300,72 €)

1.815.205,35 DM

(928.099,76 €)

Die Verluste sind der nicht ausreichenden Ertragslage und den nicht kostendeckenden Gebühren geschuldet. Der Zweckverband stellt hierzu fest, dass ca. 90 % der
Beitrags- und Gebührenpflichtigen Widerspruch gegen diese – nicht auskömmlichen
– Gebührenbescheide eingelegt haben und davon ein nicht unerheblicher Teil jegliche Zahlung verweigert hat. Auch dies hat die Wirtschaftlichkeit des Zweckverbandes beeinflusst. Auch im Wirtschaftsjahr 1999 wurde wie in den Vorjahren der „politische Preis“ von 8,00 DM (4,09 €) je m3 bei der Erhebung der Abwassergebühr beibehalten. Der Zweckverband erhebt ab 1.1.2000 monatlich Grundgebühren von
25 DM (12,78 €) bzw. 30 DM (15,34 €) und Schmutzwassergebühren von 9,37 DM
(4,79 €) je m3 als angeblich kostendeckende Gebühr. Die Kosten sind durch den hohen Finanzierungsaufwand und die Abschreibungen vorgegeben. Der Verband teilte
mit, dass mit diesen Gebühren nicht nur die mit einer vom OVG Greifswald anerkannten Kalkulation ermittelten kostendeckenden Gebühren erhoben, sondern die
nicht gedeckten bzw. ausgeglichenen und vorgetragenen Verluste der Jahre 1998 und

250
1999 (wegen des politischen Preises) mit den jetzigen Gebühren und Abwassermengen erwirtschaftet und ausgeglichen werden.

Verlustausgleichsverpflichtungen
(523)

Die Verbandsversammlung des Zweckverbandes hat die Jahresabschlüsse bis einschließlich 1998 festgestellt. Hierbei sind entsprechend den wiederholten Empfehlungen des Landesrechnungshofes Entscheidungen dahingehend getroffen worden,
dass eine Verlustausgleichsverpflichtung gemäß § 8 Abs. 6 Eigenbetriebsverordnung
(EigVO) durch die Haushalte der drei Mitgliedsgemeinden vorzunehmen ist. Ferner
hat die Verbandsversammlung die Wirtschaftspläne beschlossen und damit auch den
Ausgleich der Verluste durch die Gemeinden Born, Wieck und Prerow festgelegt.
Für das Wirtschaftsjahr 1998 war in den Haushalten der Gemeinden ein Verlustausgleich in Höhe von insgesamt 1.270.300 DM (649.500 €) ausgewiesen worden. Jedoch haben die Mitgliedsgemeinden bis November 1999 keinen Ausgleich auf die
kumulierten Verluste in Höhe von 6.580.280,94 DM (3.364.444,22 €) geleistet.

(524)

Der Landesrechnungshof hatte empfohlen, bei der Aufstellung des Jahresabschlusses
1999 im Umlaufvermögen des Zweckverbandes eine Forderung an die Mitgliedsgemeinden in Höhe des noch offenen Verlustausgleiches auszuweisen, damit eine angemessene Bewertung des Aktivvermögens des Verbandes gewährleistet wird. Tatsächlich wurden im Jahresabschluss 1999 nur 800.000 DM (409.000 €) Forderungen
an die drei Mitgliedsgemeinden ausgewiesen. Dieser Betrag wurde im Jahr 2000
durch das Innenministerium als Fehlbetragszuweisung finanziert.

Kreditwirtschaft des Zweckverbandes
(525)

In den Jahren 1995 bis 1997 wurden durch den Landrat des Landkreises Nordvorpommern als untere Rechtsaufsichtsbehörde Genehmigungen für Kassenkredite zwischen 1,0 Mio. DM (511.300 €) und 1,58 Mio. DM (806.300 €) erteilt, die auch in
Anspruch genommen wurden. Damit sollte der hohe Forderungsbestand, der u. a. auf
Grund der Unwirksamkeit der Gebührensatzungen entstanden ist, zwischenfinanziert
werden. Die hohe Inanspruchnahme der Kassenkredite war nicht notwendig, z. B.
waren im Jahre 1995 durchgängig Guthaben bei Kreditinstituten zwischen
1,4 Mio. DM (715.800 €) und 7,4 Mio. DM (3.8 Mio. €) vorhanden. Unwirtschaftlich

251
und rechtlich bedenklich war insoweit auch die Gewährung eines Darlehens an die
Gemeinde Born in Höhe von 990.000 DM (506.200 €).
Soweit dieser Betrag über Kreditaufnahmen refinanziert wurde, ist dem Verband
hieraus ein wirtschaftlicher Schaden entstanden.
(526)

Der Zweckverband bestreitet, dass ihm durch die Gewährung eines Kredites an die
Gemeinde Born ein wirtschaftlicher Schaden entstanden ist.
Der Landesrechnungshof hält an seiner Auffassung fest. Der Verband hatte im
betreffenden Zeitraum Kredite in Höhe von 11,016 Mio. DM (5,632 Mio. €) aufgenommen, die u. a. für laufende Liquiditätszwecke genutzt wurden. Statt etwaiger
Ausreichung von Krediten – soweit sie rechtlich überhaupt zulässig sind – wäre die
Rückführung von Krediten wirtschaftlich sinnvoller gewesen.

(527)

Die unverhältnismäßig hohen Kassenkredite belasteten das wirtschaftliche Ergebnis
zwischen 1995 bis 1997 zum Teil erheblich. Im Wirtschaftsjahr 1999 erfolgte eine
Umschuldung von langfristigen Krediten durch den Kommunalen Aufbaufonds in
Höhe von 23,3 Mio. DM (11,9 Mio. €). Durch den Kommunalen Aufbaufonds können nur investive Maßnahmen gefördert werden (§ 16 Abs. 4 FAG). Der Zweckverband hat in der Vergangenheit jedoch auch die kumulierten Verlustvorträge (1998:
6,58 Mio. DM / 3,36 Mio. €) und den hohen Forderungsbestand (1998: 4,7 Mio. DM/
2,4 Mio. €) weitestgehend mit Fremdkapital zwischenfinanziert. Der nicht durch Investitionen entstandene Anteil des Fremdkapitals hätte daher nicht mit Mitteln des
Kommunalen Aufbaufonds abgelöst werden dürfen. Insoweit hätte eine Finanzierung
aus dem Kommunalen Aufbaufonds in der vorgenannten Höhe nicht erfolgen dürfen.
Die seinerzeitige Verbandsvorsteherin hatte mit Schreiben vom 29.10.1999 gegenüber dem Innenministerium trotzdem schriftlich bestätigt, dass es sich bei den umgeschuldeten Krediten ausschließlich um Investitionskredite handelt. Dem Innenministerium ist insoweit mit Schreiben vom 15.1.2002 eine Nachprüfung empfohlen worden.

252

Weitere Förderungen durch das Innenministerium
Mecklenburg-Vorpommern
(528)

Mit Bescheid des Innenministeriums vom 10.12.1999 wurde dem Abwasserzweckverband Darß eine Zuwendung nach der Förderrichtlinie zur wirtschaftlichen Stabilisierung abwasserbeseitigungspflichtiger Körperschaften in Mecklenburg-Vorpommern in Höhe von 3,7 Mio. DM (1,9 Mio. €) bewilligt. 1,1 Mio. DM (562.400 €) dieser Zuwendung dienten als Vorfälligkeitsentschädigung für die Ablösung von vier
Krediten. Tatsächlich hat der Zweckverband jedoch nur 945.211,90 DM
(483.279,17 €) an Entschädigungen gezahlt. Es besteht somit eine überhöhte Förderung in Höhe von rd. 154.800 DM (79.100 €).
Dem Innenministerium wurde auch hier empfohlen, eine Prüfung vorzunehmen.

253

Zweckverband „Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung“
Grevesmühlen

Der Zweckverband „Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung“ Grevesmühlen hat in den
Wirtschaftsjahren 1995 bis 1997 Kredite in Höhe
von rd. 61,0 Mio. DM (rd. 31,2 Mio. €) aufgenommen, die zumindest der Höhe nach weder
kommunalverfassungsrechtlich zulässig (§§ 54
Abs. 1 i. V. m. 44 Abs. 3 KV M-V) noch finanzwirtschaftlich erforderlich waren. Dem Zweckverband ist hieraus ein größerer Schaden entstanden.
Der Zweckverband hat Zuwendungen nicht vorschriftsmäßig in den Jahresabschlüssen berücksichtigt (§ 20 Abs. 3 Eigenbetriebsverordnung EigVO) . Die erforderlichen Auflösungen wurden
nicht vorgenommen, sodass erhebliche ertragswirksame Erlöse fehlen.

Kreditwirtschaft des Zweckverbandes
(529)

Der Zweckverband „Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung“ Grevesmühlen
nahm in den Jahren 1995 bis 1997 60,97 Mio. DM (31,17 Mio. €) Kredite auf, davon
im Jahr 1997 11,5 Mio. DM (5,88 Mio. €) zum Zwecke der Umschuldung von KfWKrediten. Der Landesrechnungshof beanstandete im Rahmen der Freigaben der Jahresabschlussprüfungsberichte 1995 bis 1998 die wirtschaftlichen Verhältnissen des
Zweckverbandes und die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung. Die betreffenden Jahresabschlüsse weisen erhebliche Guthaben bei den Kreditinstituten – zwischen 6,22 Mio. DM (3,18 Mio. €) und 15,74 Mio. DM (8,05 Mio. €) – aus. Die
überhöhten Kreditaufnahmen sind durch eine falsche Rechtsanwendung von § 54
Abs. 2 KV M-V zustande gekommen. Hiernach gelten Kreditermächtigungen bis
zum Ende des auf das Haushaltsjahr folgenden Jahres. Kommunalaufsicht und

254
Zweckverband sind jedoch davon ausgegangen, dass Genehmigungen für Kreditermächtigungen nur bis zum Ende des jeweiligen Haushaltsjahres gelten.
Der Landesrechnungshof stellte fest, dass die in den einzelnen Jahren getätigten Kreditaufnahmen zumindest der Höhe nach weder kommunalverfassungsrechtlich zulässig (§§ 54 Abs. 1 i. V. m. 44 Abs. 3 KV M-V) noch finanzwirtschaftlich erforderlich
waren.
(530)

Die zum Teil sehr hohen Erträge aus Termin-, Tagesgeld- und Girozinsen lagen im
Durchschnitt jährlich zwischen 200.000 DM (102.300 €) und 300.000 DM
(153.400 €). Dies lässt darauf schließen, dass der Zweckverband ganzjährig über unverhältnismäßig hohe liquide Mittel, die insbesondere aus kreditierten Geldern
stammen, verfügte.
Bei Termin- und Tageszinssätzen für diesen Zeitraum von 2 % bis 3 % und vereinbarten Kreditzinsen von 5 % bis 7 % drängt sich der Schluss auf, dass dem Zweckverband in Höhe der Zinsdifferenz Schäden entstanden sind. Der Landesrechnungshof hat deshalb den Aufsichtsorganen empfohlen, dieser Frage nachzugehen. Gegebenenfalls sollten auch Verantwortlichkeiten und ein eventueller Regress geprüft und
die Verbandsversammlung in Kenntnis gesetzt werden. Dem Landrat des Landkreises Nordwestmecklenburg als Rechtsaufsichtsbehörde wurde empfohlen, das Genehmigungsverfahren für Kredite und Verpflichtungsermächtigungen künftig restriktiver zu handhaben.

(531)

Der Landrat erklärte hierzu, dass nach Überprüfung und ausführlicher Beratung
übereinstimmend mit dem Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern als oberster
Rechtsaufsichtsbehörde die vom Landesrechnungshof vorgenommene Einschätzung
zur Kreditwirtschaft des Zweckverbandes im Wesentlichen unzutreffend sei. Die
vorgenommenen Feststellungen orientierten sich an einer rein statistischen Betrachtungsweise ausschließlich zum jeweiligen Bilanzstichtag 31.12. des Jahres. Die vom
Zweckverband vorgenommene Planung und die tatsächliche Kreditwirtschaft seien
als ordnungsgemäß einzuschätzen, insbesondere auch weil die Prüfung streng nach
den Rechtsvorschriften erfolgt sei. Finanzielle Schäden für den Zweckverband seien
nicht festgestellt worden.

255
(532)

Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Auffassung. Wie die Einnahmen aus Zinserträgen zeigen, muss der Zweckverband ganzjährig über eine hohe nicht benötigte
Liquidität verfügt haben. Deutlich wird dies auch an einem weiteren Umstand:
Die untere Rechtsaufsichtsbehörde hat auf der Grundlage des Wirtschaftsplanes 1998
des Zweckverbandes Grevesmühlen den Gesamtbetrag der Kreditaufnahmen für das
Wirtschaftsjahr 1998 in Höhe von 11,48 Mio. DM (5,87 Mio. €) genehmigt. Dazu
bemerkt der Abschlussprüfer in seinem Jahresabschlussprüfungsbericht 1998, „dass
der Zweckverband im Berichtsjahr neue Darlehen nicht aufgenommen hat und die im
Berichtsjahr durchgeführten Investitionen in vollem Umfang durch in Vorjahren aufgenommene Darlehen und erhaltene Zuwendungen und Ertragszuschüsse finanziert
werden konnten.“

(533)

Aus der Kritik des Landesrechnungshofes hat der Zweckverband offensichtlich wesentliche Konsequenzen gezogen. Die Guthaben bei Kreditinstituten betrugen zum
31.12.2000 lediglich 125.228,13 DM (64.028,13 €) und die vereinnahmten Zinserträge für das Jahr 2000 nur noch 31.430,79 DM (16.070,31 €).

Fehlende ertragswirksame Auflösung von Fördermitteln
(534)

Der Zweckverband hat in den Wirtschaftsjahren 1993 bis 2000 Zuwendungen des
Landes in Höhe von 65 Mio. DM (33,2 Mio. €) erhalten.
Er hat diese zweckgebundenen Investitionszuschüsse stets in vollem Umfang in die
allgemeine Kapitalrücklage eingestellt. Nach den Vorschriften der Eigenbetriebsverordnung sind diese Fördermittel von den Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzusetzen oder in einen Sonderposten für Investitionszuschüsse mit anschließender
angemessener Auflösung (§ 20 Abs. 3 EigVO) einzustellen. Durch die vom Zweckverband bislang nicht vorgenommenen Auflösungen ist ein erheblicher Betrag nicht
ertragswirksam in den Gewinn- und Verlustrechnungen erfasst worden. Der Landesrechnungshof muss davon ausgehen, dass diese Einnahmen aus den zweckgebundenen Investitionszuschüssen nicht in die Gebührenbedarfsberechnungen zu Gunsten
der gebührenpflichtigen Bürger Eingang gefunden haben und deshalb überhöhte
Abwassergebühren erhoben wurden.

(535)

Der Zweckverband führte hierzu aus, dass nach seiner Ansicht die Bilanzierung der
Fördermittel bis einschließlich des Wirtschaftsjahres 2000 stets ordnungsgemäß un-

256
ter Beachtung der Vorschriften des § 20 Abs. 3 EigVO erfolgt sei. Der weit überwiegende Teil der Zuwendungen betreffe nämlich Kapitalzuschüsse des Umweltministeriums, die gem. § 20 Abs. 3 EigVO vom 10.3.1993 mangels anderer Bestimmung
durch die den Zuschuss gewährende Stelle dem Eigenkapital zugeführt werden müsste. Hierbei handele es sich um Zuschüsse von insgesamt 64,626 Mio. DM
(33,043 Mio. €). Eine ertragswirksame Auflösung dieser Zuschüsse sei daher nicht
zulässig gewesen. Bei der Gebührenbedarfsrechnung seien die Einnahmen zu Gunsten der Gebührenschuldner berücksichtigt worden.
Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Auffassung. Der Zweckverband verkennt,
dass der Einführungserlass zur EigVO vom 31.3.1993 (Ziff. 20.4 zu § 20) zwischen
Kapitalzuschüssen, die dem Zweckverband zur Eigenkapitalverstärkung (ohne
Zweckbestimmung für ein bestimmtes Wirtschaftsgut) und Zuschüssen, die für die
Anschaffung oder Herstellung eines bestimmten Wirtschaftsgutes gewährt werden,
unterscheidet. Die Zuwendungen des Umweltministeriums waren stets als zweckgebundene Investitionszuschüsse für eine bestimmte Maßnahme bewilligt worden. Sie
sind nach den auch hier geltenden allgemeinen Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung nach einem sachgerechten Verfahren über die Nutzungsdauer des Vermögensgegenstandes zu verteilen.

257

Landeshauptstadt Schwerin
– Eigenbetrieb Abwasserentsorgung –

Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Eigenbetriebes und die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung gaben in den Wirtschaftsjahren
1996 bis 2000 zu wesentlichen Beanstandungen
Anlass. Kommunalaufsichtsrechtliche Maßnahmen sind unterblieben oder nicht durchgesetzt
worden.
Der Eigenbetrieb hat Zuwendungen nicht vorschriftsmäßig in den Jahresabschlüssen berücksichtigt. Erforderliche Auflösungen wurden nicht
vollständig vorgenommen. Das zu verzinsende
Eigenkapital wurde nicht angemessen berücksichtigt, sodass überhöhte Abwassergebühren
kalkuliert und überhöhte Abführungen an den
städtischen Haushalt vorgenommen wurden.

Verletzung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung
(536)

Der Landesrechnungshof stellte nach Auswertung der Jahresabschlussprüfungsberichte 1996 bis 2000 fest, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse des Eigenbetriebes
und die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung zu wesentlichen Beanstandungen
Anlass gaben. Die Jahresabschlüsse 1997 bis 2000 verletzten die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung. Sie vermitteln insbesondere nicht ein den tatsächlichen
Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Eigenbetriebes. Der Landesrechnungshof hat die Jahresabschlussprüfungsberichte 1997
bis 2000 jeweils mit einem eigenen Feststellungsvermerk gemäß § 16 Abs. 4 Kommunalprüfungsgesetz ergänzt.

258

Verlustausgleich durch Entnahme aus der Kapitalrücklage
(537)

Nach § 8 Abs. 6 Satz 1 bis 3 EigVO kann ein etwaiger Jahresverlust nur dann auf
neue Rechnung vorgetragen werden, wenn nach der Finanzplanung in den kommenden fünf Jahren Gewinne zu erwarten sind; anderenfalls ist er aus Haushaltsmitteln
der Gemeinde auszugleichen. Die Gewinne der folgenden Jahre sind zunächst zur
Verlusttilgung zu verwenden. Ein nach Ablauf von fünf Jahren nicht getilgter Verlustvortrag kann durch Absetzen von den Rücklagen des Eigenbetriebes ausgeglichen
werden, wenn es die Eigenkapitalausstattung zulässt; anderenfalls ist der Verlust aus
Haushaltsmitteln der Gemeinde unverzüglich auszugleichen.

(538)

Der Eigenbetrieb hatte in den Wirtschaftsjahren 1995 (1,38 Mio. DM / 705.600 €)
und 1996 (6,32 Mio. DM / 3,23 Mio. €) insgesamt 7,70 Mio. DM (3,94 Mio. €) an
Jahresüberschüssen erwirtschaftet. Der Landesrechnungshof hatte im Rahmen der
Freigabe des Jahresabschlussprüfungsberichtes 1994 auf die Bestimmungen des § 8
Abs. 6 EigVO im Hinblick auf die Absicht hingewiesen, die aufgelaufenen Jahresverluste 1993 und 1994 in Höhe von rd. 2,57 Mio. DM (rd. 1,31 Mio. €) auf neue
Rechnung vorzutragen. Die Stadtvertretung Schwerin beschloss am 17.11.1995 die
Verrechnung der aufgelaufenen Verluste in Höhe von 2,57 Mio. DM (1,31 Mio. €)
mit der Kapitalrücklage anstatt diese mit künftigen Jahresüberschüssen zu verrechnen. Das Innenministerium beanstandete folgerichtig mit Erlass vom 16.8.1996 diesen Beschluss wegen des Verstoßes gegen § 8 Abs. 6 EigVO.

(539)

Mit Erlass vom 28.4.1997 erklärte das Innenministerium, dass es nach nochmaliger
gründlicher Prüfung unter vollständiger Aufrechterhaltung seines Rechtsstandpunktes bereit sei, von der Durchsetzung des Bescheides vom 16.8.1996 abzusehen.
Im Vordergrund stehe dabei die Absicht, Bemühungen der Landeshauptstadt Schwerin zur Konsolidierung des städtischen Haushalts zu unterstützen. Da die Bestimmungen des Kommunalabgabengesetzes (KAG) den Ausgleich einer Unterdeckung
rückwirkend nur für die Dauer von drei Jahren (§ 6 Abs. 2 Satz 5 KAG) gestatten,
müssten die 1993 und 1994 entstandenen Verluste aus Mitteln des städtischen Haushalts gedeckt werden. Die damit verbundene zusätzliche Belastung des Hoheitshaushalts würde dem Bemühen zum Ausgleich der Jahresfehlbeträge, die zu einem nicht
unerheblichen Teil auf die Geschäftstätigkeit des Eigenbetriebes zurückzuführen seien, zuwider laufen.

259
(540)

Der Landesrechnungshof stellte hierzu fest, dass die Entscheidung des Innenministeriums unter Berücksichtigung der gegebenen Begründung nicht rechtmäßig ist.
Zum Zeitpunkt des Erlasses des Innenministeriums (28.4.1997) waren bereits die
Jahresüberschüsse 1995 und 1996 von insgesamt 7,7 Mio. DM (3,94 Mio. €) sowie
der geplante Jahresgewinn 1997 in Höhe von 3,2 Mio. DM (1,64 Mio. €) bekannt.
Damit ist das Argument, es solle eine zusätzliche Belastung des städtischen
Haushaltes vermieden werden, nicht stichhaltig.
Der Jahresgewinn 1995 in Höhe von 1,39 Mio. DM (710.700 €) wurde am 1.8.1997
und ein Betrag in Höhe von 5,69 Mio. DM (2,91 Mio. €) aus dem Jahresgewinn 1996
am 17.12.1997 an den städtischen Haushalt überwiesen. Bei einer rechtmäßigen Behandlung der Jahresverluste 1993 und 1994 hätten die Jahresüberschüsse 1995 und
1996 vor einer Ergebnisabführung zur entsprechenden Verlusttilgung i. H. v.
rd. 2,57 Mio. DM (rd. 1,31 Mio. €) verwendet werden müssen (§ 8 Abs. 6 EigVO).

(541)

Bei Betrieben, die ausschließlich aus öffentlich-rechtlichen Gebühren i. S. d. KAG
finanziert werden, kann eine Entnahme aus Jahresgewinnen (und Gewinnrücklagen)
nur in Höhe der marktüblichen Verzinsung des Eigenkapitals erfolgen (Nr. 8 der
Verwaltungsvorschrift zur EigVO - VVEigVO -). Der Landesrechnungshofes hielt
für die Kalenderjahre 1993 bis 1996 eine Eigenkapitalverzinsung i. H. v.
6,112 Mio. DM (3,125 Mio. €) für angemessen. Tatsächlich wurden in 1997 jedoch
7,08 Mio. DM (3,62 Mio. €) an den städtischen Haushalt überwiesen. Bis einschließlich 1996 wurde somit bereits ein überhöhter Betrag in Höhe von rd. 968.000 DM
(rd. 494.900 €) entnommen. Eine Beanstandung durch das Innenministerium als
Rechtsaufsichtsbehörde ist bislang nicht erfolgt.

(542)

Das Innenministerium ist der Auffassung, dass es im Rahmen einer Ermessensentscheidung eine ordnungsgemäße Abwägung aller entscheidungsrelevanten Gründe
für und gegen eine zwangsweise Durchsetzung seines Beanstandungserlasses vorgenommen habe. Die Stadt Schwerin habe Gründe angegeben, die aus ihrer Sicht gegen
eine Durchsetzung des Beanstandungsbescheides sprechen. Das Innenministerium
habe nach sorgfältiger Abwägung unter Einbeziehung des städtischen Vortrags entschieden, von einer zwangsweisen Durchsetzung des Beanstandungserlasses abzusehen. Maßgebende Gründe seien gewesen:

260
− die Unterstützung der Bemühungen der Landeshauptstadt Schwerin zur
Konsolidierung des städtischen Haushalts,
− die fehlende Möglichkeit, die Gebührenunterdeckung der Jahre 1993 und 1994
nach dem KAG auszugleichen,
− die Notwendigkeit, die entstandenen Verluste aus Mitteln des städtischen Haushaltes zu decken,
− die Erklärung der Stadt Schwerin, künftig die EigVO zu beachten und in künftigen Jahren entsprechende neue Rücklagen zu bilden und
− die vorhandene Eigenkapitalquote, die als völlig ausreichend bis gut bezeichnet
werden konnte.
Der Landesrechnungshof hält an seiner Auffassung fest. Die vorgetragenen Gründe
berücksichtigen nicht die Vorgaben des § 8 Abs. 6 EigVO.
(543)

Es ist auch zu unzulässigen Entnahmen von Eigenkapital gekommen. Der Landesrechnungshof hat zum Bilanzstichtag 31.12.2000 einen Eigenkapitalanteil von nur
noch 29,33 % errechnet. Unter Berücksichtigung der Nr. 7 der Verwaltungsvorschrift
des Innenministeriums zur EigVO vom 10. März 1999 (AmtsBl. M-V S. 322) ist das
Eigenkapital nicht als angemessen zu betrachten, wenn es unter 30 % liegt.

(544)

Die Landeshauptstadt Schwerin teilte nunmehr in ihrer Stellungnahme zum Jahresberichtsbeitrag mit, zwar seien mit der Feststellung des Jahresabschlusses 1994 aus der
Rücklage 2,57 Mio. DM (1,31 Mio. €) entnommen worden, 1996 und 1997 seien
aber der Rücklage bereits Beträge von insgesamt 1,215 Mio. DM (621.200 €) wieder
zugeführt worden. Entsprechend der Forderung des Landesrechnungshofes werde der
Stadtvertretung vorgeschlagen, den entnommenen Betrag mit dem Gewinnvortrag
2001 wieder vollständig der Rücklage zuzuführen. Damit sei die Entnahme nunmehr
vollständig ausgeglichen.

Verrechnung der Abwasserabgabe gemäß § 10 Abs. 3
Abwasserabgabengesetz
(545)

Die Abwasserabgaben für die Veranlagungszeiträume 1993 bis 1999 in Höhe von
insgesamt 3,4 Mio. DM (1,74 Mio. €) wurden zunächst als Rückstellungen in die Bilanzen eingestellt. Nachdem diese Beträge nach § 10 Abs. 3 AbwAG mit Investitio-

261
nen verrechnet werden konnten, wurde der gesamte Betrag in eine zweckgebundene
Rücklage umgegliedert. Die Rückstellungen für die Abwasserabgabe hätten nach
Auffassung des Landesrechnungshofes mit den Aufwendungen für die getätigten Investitionen verrechnet werden müssen, so dass sie ertragswirksam zu Gunsten der
Gebührenschuldner erfasst worden wären.
(546)

Das Innenministerium teilte die Rechtsauffassung des Landesrechnungshofes nicht.
Nach seiner Ansicht ergibt sich aus § 10 Abs. 3 Satz 1 AbwAG keine Pflicht, die
Anschaffungskosten der Anlage entsprechend zu senken oder einen Sonderposten zu
bilden, der zeitanteilig aufzulösen sei. Die Zuführung in eine zweckgebundene Rücklage sei jedoch aus wirtschaftlichen Gründen, auch im Hinblick auf die erfolgte Verrechnung der Jahresverluste 1993 und 1994 mit der Rücklage, sinnvoll. Die ertragswirksame Erfassung der zunächst zurückgestellten Beträge laufe damit dem Grundsatz der Kapitalerhaltung zuwider.

(547)

Der Landesrechnungshof hält an seiner Rechtsauffassung fest. Die rückgestellte Abwasserabgabe ist in den jeweiligen Vorjahresabschlüssen aufwandswirksam gebildet
worden. Eine (zunächst) geschuldete Abwasserabgabe, die nach § 10 Abs. 3 AbwAG
„verrechnet“ werden kann, wird, wenn die Verrechnung erklärt ist und die übrigen
Voraussetzungen erfüllt sind, durch die Verrechnung getilgt. Insoweit erlischt das
Abgabeschuldverhältnis und die Abwasserabgabe ist nicht zu entrichten oder wird,
wenn sie schon entrichtet ist, zurückerstattet. Die danach nicht zu entrichtende Abwasserabgabe kann damit auch nicht als Kosten in eine Gebührenkalkulation eingestellt werden. Das Ergebnis der gebührenrechtlichen Beurteilung entspricht auch den
Motiven des Gesetzgebers. So sollte mit der durch die Verrechnung bewirkten Abgabeverminderung unter anderem auch der (wirtschaftliche) Träger der Investitionskosten (über die Abschreibungen) und der Abwasserabgabe entlastet werden. Wirtschaftlicher Kostenträger ist der Gebührenzahler, nicht die Stadt oder Gemeinde. Bei
einer Auflösung des Sonderpostens werden diese sonstigen betrieblichen Erträge den
Kosten für die Abschreibungen gegenübergestellt, so dass nur der saldierte Betrag als
Kostenfaktor verbleibt.

(548)

Die Landeshauptstadt Schwerin schließt sich nunmehr offensichtlich der Auffassung
des Landesrechnungshofes an.

262
Sie teilte am 3.4.2002 mit, dass der Eigenbetrieb im Jahresabschluss 2001 als neutrales Ergebnis einen periodenfremden Ertrag aus der Auflösung der verrechneten Abwasserabgabe 1997 – 2000 in Höhe von rd. 443.000 DM (rd. 226.500 €) ausweisen
wird.

Keine sachgerechte ertragswirksame Auflösung von Fördermitteln
(549)

Der Eigenbetrieb hat in den Wirtschaftsjahren 1993 bis 2000 Zuwendungen des Landes in Höhe von 28,9 Mio. DM (14,8 Mio. €) erhalten. Diese zweckgebundenen Investitionszuschüsse wurden bis 1999 weitgehend in die zweckgebundenen Rücklagen eingestellt. Im Jahresabschluss 2000 erfolgte eine Umgliederung dieser Fördermittel in den Sonderposten für Investitionszuschüsse.
Nach den Vorschriften der Eigenbetriebsverordnung sind diese Mittel spätestens ab
dem Wirtschaftsjahr 1998 von den Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzusetzen oder in einen Sonderposten für Investitionszuschüsse mit anschließender angemessener Auflösung (§ 20 Abs. 3 EigVO) einzustellen. Der Eigenbetrieb nahm im
Wirtschaftsjahr 1999 lediglich eine Auflösung in Höhe von 122.000 DM (62.400 €)
auf die im betreffenden Berichtsjahr erhaltenen Fördermittel vor. Im Jahre 2000 erfolgte eine Auflösung der erhaltenen Fördermittel in Höhe von 1,54 Mio. DM
(787.400 €), die jedoch nur auf der Grundlage der verbleibenden Restnutzungsdauer
der bezuschussten Anlagegüter aufgelöst wurde. Da der Eigenbetrieb in den Vorjahren jedoch bereits erhebliche Kosten in seine Gewinn- und Verlustrechnungen eingestellt hat (z. B. Abschreibungen) und diesen Ansätzen keine anteiligen Erträge aus
Fördermitteln gegenüber gestellt wurden, ist die Auflösung auf der Grundlage der
verbleibenden Restnutzungsdauer nicht sachgerecht.

(550)

Die Landeshauptstadt Schwerin teilte nunmehr mit, dass der Eigenbetrieb im Jahresabschluss 2001 als neutrales Ergebnis einen periodenfremden Ertrag aus der Auflösung von Fördermitteln 1993 – 2000 und unentgeltlichen Übernahmen aus dem Jahre
1995 von insgesamt 4,011 Mio. DM (2,051 Mio. €) ausweisen wird.

Überhöhte Eigenkapitalverzinsung
(551)

Zu den nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen ansatzfähigen Kosten (§ 96 Abs. 2
Satz 2 KAG) gehört auch eine angemessene Verzinsung des aufgewandten Kapitals.

263
Der Restbetrag des aufgewandten Kapitals ist unter Berücksichtigung des aus Beiträgen, Zuweisungen und Zuschüssen Dritter aufgebrachten Kapitalanteils aufgelöst
nach einem gewichteten Abschreibungssatz zu verzinsen. Der Landesrechnungshof
nahm für die Wirtschaftsjahre 1993 bis 1999 eine Plausibilitätsprüfung hinsichtlich
der Angemessenheit der Eigenkapitalverzinsung vor.
Danach war eine Eigenkapitalverzinsung in Höhe von insgesamt 12,27 Mio. DM
(6,27 Mio. €) zulässig. Bis einschließlich des Wirtschaftsjahres 1999 hat der Eigenbetrieb jedoch bereits 14,58 Mio. DM (7,45 Mio. €) Eigenkapitalverzinsungen an den
Haushalt der Landeshauptstadt abgeführt. Die überhöhte Abführung bis einschließlich des Wirtschaftsjahres 1999 beträgt 2,3 Mio. DM (1,18 Mio. €). Der Landesrechnungshof hat empfohlen, die vorgenannte überhöhte Abführung zuzüglich einer angemessenen Verzinsung im Jahresabschluss 2001 aufzurechnen bzw. als Forderung
an die Landeshauptstadt Schwerin zu aktivieren.
(552)

Das Innenministerium weist darauf hin, dass eine Ergebnisabführung an den Hoheitshaushalt nicht zwangsläufig mit der gebührenwirksam zu berücksichtigenden
kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsung übereinstimme. Nach § 75 KV M-V
i. V. m. § 8 Abs. 1 EigVO seien über die kalkulatorische Eigenkapitalverzinsung
hinaus Gewinne möglich und auch erwünscht. Insofern besteht bei einem entsprechenden Jahresgewinn auch die Möglichkeit, über eine kalkulatorische Eigenkapitalverzinsung hinausgehende Abführungen an den Hoheitshaushalt vorzunehmen.
Der Landesrechnungshof weist in diesem Zusammenhang nochmals auf Nr. 8 der
Verwaltungsvorschrift zur EigVO hin, wonach bei Betrieben, die ausschließlich aus
öffentlich-rechtlichen Gebühren im Sinne des KAG finanziert werden, eine Entnahme aus Jahresgewinnen nur in Höhe der marktüblichen Verzinsung des Eigenkapitals
erfolgen kann. Die Auffassung des Innenministeriums kann daher nicht geteilt werden.

(553)

Die Landeshauptstadt Schwerin teilte mit, dass sich aus den Jahren 1993 – 2000 ein
an die Stadt Schwerin abzuführender kumulierter Betrag aus der Verzinsung des aus
Eigenmitteln finanzierten Anlagekapitals von 20,792 Mio. DM (10,631 Mio. €) ermittele. Tatsächlich habe der Eigenbetrieb (inklusive Jahresabschluss 2000) bis 2001
kumulativ 19,852 Mio. DM (10,150 Mio. €) an den städtischen Haushalt abgeführt.
Danach hätte die Stadt weitere 940.000 DM (480.600 €) Eigenkapitalverzinsung vereinnahmen können. Insofern entbehre die Forderung des Landesrechnungshofes zur

264
Bildung einer Forderung gegenüber der Landeshauptstadt Schwerin jeglicher Grundlage.
(554)

Der Landesrechnungshof hält an seiner Auffassung fest. Nach einer überschlägigen
Prüfung des Landesrechnungshofes war bis einschließlich des Wirtschaftsjahres
2000 nur eine angemessene Eigenkapitalverzinsung in Höhe von insgesamt
16,17 Mio. DM (8,268 Mio. €) zulässig. Die im Wirtschaftsjahr 2001 abgeführten
Beträge an den städtischen Haushalt liegen dem Landesrechnungshof noch nicht vor.
Soweit der vorgenannte kumulative Betrag von 19,852 Mio. DM (10,150 Mio. €)
richtig ist, beträgt die überhöhte Abführung bis einschließlich des Wirtschaftsjahres
2000 mittlerweile 3,682 Mio. DM (1,883 Mio. €).

Überhöhte Abwassergebühren
(555)

Unter Einbeziehung der nicht sachgerechten Eigenkapitalverzinsung ist auch festzustellen, dass der Eigenbetrieb bis einschließlich 2000 gebührenrechtlich eine Eigenkapitalverzinsung in Höhe von 23,597 Mio. DM (12,065 Mio. €) berücksichtigt hat.
Die Gebührenkalkulationen sind folglich alleine durch die überhöhte Eigenkapitalverzinsung i. H. v. rd. 7,427 Mio. DM (rd. 3,797 Mio. €) fehlerhaft.

(556)

Der Eigenbetrieb hat nach eigenen Berechnungen in den Wirtschaftsjahren 1998,
1999 und 2000 insgesamt rd. 3,72 Mio. DM (rd. 1,90 Mio. €) Überdeckungen aus der
Gebührenkalkulation erzielt. Soweit der Gebührenanteil des abgelaufenen Jahres eine
Unter- oder Überdeckung aufweist, kann diese anteilig in einem Zeitraum von drei
Jahren ausgeglichen werden (§ 6 Abs. 2 Satz 5 KAG). Durch Beschlüsse des Werkausschusses und der Stadtvertretung wurde bestätigt, dass die nachgewiesenen Überdeckungen aus der Gebührenkalkulation auf die nächsten drei Jahre vorgetragen
werden. Eine Plausibilitätsprüfung durch den Landesrechnungshof lässt erkennen,
dass der Jahresabschluss 2001 erneut mit einem hohen Jahresüberschuss abschließen
wird.

(557)

Aus Sicht des Landesrechnungshofes hätte der Eigenbetrieb die Gebührenüberdeckungen 1998 bis 2000 als Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten zu passivieren gehabt. Die jeweiligen Bilanzen des Eigenbetriebes enthalten entsprechende
Rückstellungen jedoch nicht.

265
(558)

Die Landeshauptstadt Schwerin teilte mit, dass sie ab 2001 nunmehr durch die Bildung einer Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten den Ausweis der Gebührenüberdeckung handelsrechtlich Rechnung tragen werde.

(559)

In diesem Zusammenhang empfiehlt der Landesrechnungshof dem Gesetzgeber, die
Vorschrift des § 6 Abs. 2 Satz 5 KAG möglichst zeitnah deutlicher zu regeln. Das
OVG Greifswald hatte bereits mit Urteil vom 25.2.1998 entschieden, dass diese Vorschrift dahingehend auszulegen ist, dass es im Rahmen des ortsgesetzgeberischen
Ermessens liegt, ob ein Unter- oder Überdeckungsausgleich vorgenommen wird. Aus
Sicht des Landesrechnungshofes war der damalige Wille des Gesetzgebers so zu verstehen, dass der Gebührenhaushalt auszugleichen ist und dafür ein Zeitraum von drei
Jahren zur Verfügung steht. Der Landesrechnungshof lässt sich hierbei von dem
Grundsatz des § 6 KAG leiten. Sinn der gesetzlichen Regelung ist es, die Kostendeckung sicherzustellen.

Unwirtschaftliche Organisationsform
(560)

Der Landesrechnungshof hat im Rahmen der Freigaben der Jahresabschlussprüfungsberichte weiterhin die vorhandene Organisationsform kritisch gewürdigt. Im
vorliegenden Fall wird die technische und kaufmännische Betriebsführung durch die
Stadtwerke Schwerin GmbH auf der Basis der sogenannten Selbstkosten durchgeführt. Der Landesrechnungshof sieht auf der Kostenseite des Eigenbetriebes ein erhebliches Einsparpotential, insbesondere durch eine Veränderung der Betriebsführung und damit einhergehend der Organisationsstruktur des Betriebes. Durch eine direkte Verlagerung von Kosten der Betriebsführerin auf den Eigenbetrieb, soweit sie
unmittelbar zugerechnet werden können, sind Einsparungen von ca. 300.000 bis
400.000 DM (ca. 153.400 bis 204.500 €) jährlich (geschätzt, da keine detaillierteren
Angaben in den Prüfungsberichten vorhanden sind) auf Grund der nicht abzugsfähigen Vorsteuerbeträge möglich. Hierzu zählen u. a. Personalkosten für direkt für den
Betrieb arbeitende Mitarbeiter (z. B. Klärwärter).

(561)

Die Landeshauptstadt Schwerin teilte mit, dass hinsichtlich der Organisationsform
die durch die Werkleitung veranlassten Untersuchungen abgeschlossen worden seien.
Die Ergebnisse lägen dem Oberbürgermeister vor, eine Entscheidung durch die
Stadtvertretung stehe noch aus.

266
Der Landesrechnungshof verkenne, dass durch die Betriebsführung auch wesentliche
Synergien im Bereich der Ablaufplanung und Ablauforganisation entstünden, die
allerdings nicht beziffert werden könnten.
Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Auffassung: Die Synergieeffekte lassen
sich erreichen, ohne dass die geschilderten finanziellen Nachteile eintreten.

267

Stadt Barth – Abwasserentsorgungsbetrieb –

Das Innenministerium gewährte der Stadt Barth
im Rahmen einer größeren Zuwendung auch die
Mittel für die Anschaffung eines PKW für den
Außendienst des Abwasserentsorgungsbetriebes,
obwohl es nur nichtinvestive Maßnahmen bezuschussen durfte.
Der Bürgermeister der Stadt Barth bestätigte
schriftlich die ordnungsgemäße Verwendung der
gewährten Zuschüsse sowie den ordnungsgemäßen Ankauf eines PKW.
Eine Überprüfung durch den Landesrechnungshof ergab, dass ein entsprechendes Fahrzeug
durch den Eigenbetrieb Abwasserentsorgung der
Stadt Barth nicht angeschafft wurde.

(562)

Die Stadt Barth stellte für ihren Eigenbetrieb Abwasserentsorgung am 27.11.1996
beim Innenministerium den Antrag auf Zuwendung gemäß den Richtlinien zur Unterstützung der abwasserbeseitigungspflichtigen Körperschaften in MecklenburgVorpommern in Höhe von 1,3 Mio. DM (664.700 €). Mit Zuwendungsbescheid vom
15.10.1997 wurde eine Zuwendung in Höhe von 516.000 DM (263.800 €) u. a. für
die Anschaffung eines PKW VW Polo bewilligt. Neben dem Einkauf von Dienstleistungen des Betriebsführers und Verlusten aus ungenutzten Kapazitäten wurde auch
der Kauf eines PKW für den Außendienst in Höhe von 21.300 DM (10.900 €) zzgl.
laufender Kosten in Höhe von 9.700 DM (4.960 €) mit Verwendungsnachweis vom
29.9.1998 durch den Bürgermeister der Stadt Barth schriftlich bescheinigt. Das Gemeindeprüfungsamt des Landkreises Nordvorpommern bestätigte mit Prüfvermerk
vom 13.10.1998, dass entsprechend dem Antrag der Stadt Barth der Aufwand für einen PKW mit den laufenden Kosten nachgewiesen wurde.

(563)

Auf Anforderung durch den Landesrechnungshof legte die Betriebsführerin für den
Eigenbetrieb, die Wasser und Abwasser GmbH Boddenland, Ribnitz-Damgarten, mit

268
Telefax-Nachricht vom 25.4.2001 die Kopie einer Rechnung eines ortsansässigen
Autohauses vom 4.6.1996 vor. Hiermit wird ein am 1.2.1996 bestellter VW CaddyKastenwagen, zugelassen am 4.6.1996 auf die Wasser und Abwasser GmbH Boddenland mit einem Netto-Anschaffungswert in Höhe von 18.489,21 DM (9.453,38 €) belegt. Nach dem Verwendungsnachweis der Stadt Barth wurde jedoch dafür ein Aufwand laut Rechnungskopie in Höhe von 21.312,94 DM (10.897,13 €) und laufende
Kosten für ein Wirtschaftsjahr in Höhe von 9.668,94 DM (4.943,65 €) geltend gemacht. Dieser Betrag enthält neben allgemeinen Kfz-Kosten (rd. 5.400 DM/2.800 €)
auch Abschreibungen auf Sachanlagen in Höhe von 4.261,00 DM (2.178,61 €).
(564)

Das Innenministerium durfte nach den Förderrichtlinien nur nichtinvestive Maßnahmen bezuschussen. Folglich wäre für den Ankauf eines PKW kein Zuschuss zu gewähren gewesen. Das betreffende Fahrzeug ist ausweislich der Jahresabschlussprüfungsberichte 1996 bis 1999 bislang nicht im Anlagevermögen des Eigenbetriebes
der Stadt Barth – Abwasserentsorgung – ausgewiesen worden. Tatsächlich handelt es
sich folglich um ein Fahrzeug aus dem Betriebsvermögen der Wasser und Abwasser
GmbH Boddenland. Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Wasser
und Abwasser GmbH Boddenland mit Schreiben vom 9.12.1996 gegenüber dem Innenministerium die Anschaffung eines PKW VW Polo in Höhe von 25.000 DM
(12.800 €) erläutert. Wie bereits oben ausgeführt wurde, wird jedoch im Verwendungsnachweis ein bereits zum 1.2.1996 bestellter und am 4.6.1996 zugelassener
VW Caddy-Kastenwagen im Verwendungsnachweis dargestellt. Der mit der Zuwendung beabsichtigte Kauf des VW Polo ist nicht erfolgt bzw. bislang nicht nachgewiesen worden.

(565)

Die beteiligten Körperschaften wurden mit Schreiben vom 2.5.2001 um Prüfung und
Stellungnahme gebeten. Die Wasser und Abwasser GmbH Boddenland teilte mit
Schreiben vom 5.6.2001 mit, dass die Feststellungen des Landesrechnungshofes zutreffend sind. Die kaufmännische Leiterin war davon ausgegangen, dass die GmbH
für die Betreibung des Abwasserbetriebes die materiell-technische Basis zu schaffen
hat, und das Fahrzeug aus diesem Grund bei der Gesellschaft auszuweisen war.

(566)

Das Innenministerium ist der Auffassung, dass die zweckentsprechende Verwendung
der ausgereichten Fördermittel nachgewiesen ist.

269
Es teilte mit, dass
− für die PKW-Anschaffung ein Nettobetrag in Höhe von 21.307,13 DM
(10.894,16 €) durch zusätzliche Aus- und Einbauten nachgewiesen sei;
− hinsichtlich der zu Unrecht erhobenen Kosten für Abschreibungen in Höhe von
4.216 DM (2.156 €) von einer Mittelrückforderung Abstand genommen werde,
weil die Stadt Barth im Rahmen einer Anhörung darlegt habe, dass sie zunächst
nur die Höhe der Aufwendungen geltend gemacht habe, die für die Maßnahme
„Inanspruchnahme Hilfspersonal“ insgesamt beantragt worden sei (150.000 DM/
76.700 €). Darüber hinausgehende Aufwendungen seien erst im September 2001
nachgewiesen und vom Innenministerium nachträglich anerkannt. Diese zuwendungsfähigen Kosten seien somit ordnungsgemäß nachgewiesen;
− die „Boddenland“ der Stadt Barth einen Betrag in Höhe von 21.312,94 DM
(10.897,13 €) erstattet habe (PKW-Anschaffungskosten).
(567)

Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Auffassung. Die vom Innenministerium
vorgelegte Verwendungsnachweisprüfung ist für den Landesrechnungshof in Teilbereichen nach wie vor nicht nachvollziehbar. Es ist nicht verständlich, dass die Bewilligungsbehörde die Verwendung der Fördermittel für den am 4.6.1996 gekauften
PKW nicht beanstanden will. Zuwendungsempfänger ist nach dem Zuwendungsbescheid vom 15.10.1997 die Stadt Barth. Dieser Bescheid lässt nicht erkennen, dass
auch Vermögensgegenstände von anderen Dritten (Bodenland GmbH) zuwendungsfähig sind. Eine entsprechende Um- bzw. Neubewilligung zu Gunsten der „Boddenland“ liegt bislang nicht vor. Diese Kosten wären darüber hinaus nach den vorgenannten Förderrichtlinien bei der Betriebsführungsgesellschaft auch nicht förderungsfähig. Es ist auch nicht nachvollziehbar, warum die „Boddenland“ der Stadt
Barth die PKW-Anschaffungskosten erstattet hat. Das Innenministerium hat der
Stadt Barth 40 % des Kaufpreises eines PKW gefördert, den sie nicht angeschafft
hatte. Sodann erhielt sie nochmals den vollen Kaufpreis für diesen PKW von der
Boddenland.

(568)

Der Landrat des Landkreises Nordvorpommern als untere Rechtsaufsichtsbehörde
teilte mit, dass er kein Fehlverhalten des Bürgermeisters der Stadt Barth feststellen
konnte. Die Einleitung von aufsichtsbehördlichen Maßnahmen bzw. die Stellung ei-

270
ner Strafanzeige seien nicht gerechtfertigt. Zwischenzeitlich seien auch alle entstandenen Fehler behoben.
Dieser Rechtsauffassung vermag sich der Landesrechnungshof nicht anzuschließen.
Der Bürgermeister der Stadt Barth hat mit seiner Unterschrift und dem Dienstsiegel
am 29.9.1998 die Richtigkeit der Eintragungen und des Abschlusses im Verwendungsnachweis bescheinigt. Dieser Nachweis bezieht sich auf den Kauf eines PKW
für den Außendienst. Die Ordnungsmäßigkeit des Verwendungsnachweises ist nicht
gegeben. Aus Sicht des Landesrechnungshofes wären zumindest disziplinarrechtliche
Vorermittlungen gegen den Bürgermeister der Stadt Barth einzuleiten gewesen.

271

Stadt Malchow – Seniorenpflegeheim Dr. Hans Heydemann

Die Stadt Malchow hat für den Neu- und Umbau
seinem in Form eines Eigenbetriebs geführten
Seniorenpflegeheim

unzulässigerweise

Bau-

betreuungskosten durch das eigene Bauamt in
Höhe von rd. 720.200 DM (rd. 368.200 €) in
Rechnung gestellt. Die Planung und Überwachung der Durchführung der Gesamtbaumaßnahme lag aber in den Händen eines Architekturbüros sowie verschiedener Fachingenieure.

(569)

Die Stadt Malchow betreibt das Seniorenpflegeheim Dr. Hans Heydemann ab
1.1.1995 in der Rechtsform des Eigenbetriebes. Der in den Jahren 1993 bis 1997
durchgeführte Um- und Neubau des Seniorenpflegeheimes wurde wie folgt finanziert:
Fördermittel Sozialministerium
Mecklenburg-Vorpommern:

8.688.294,00 DM (4.442.254,18 €)

Kreditaufnahmen des Eigenbetriebes:

5.641.800,00 DM (2.884.606,54 €)

insgesamt:
(570)

14.330.094,00 DM (7.326.860,72 €).

Weil die Anschaffungs- und Herstellungskosten für den Landesrechnungshof in den
Prüfungsberichten 1995 bis 1997 nicht nachvollziehbar dargestellt waren, bat er den
Abschlussprüfer um eine Spezifizierung der vorgenannten Kosten. Der Landesrechnungshof stellte fest, dass die Anschaffungskosten neben den Kosten für ein Architekturbüro in Höhe von rd. 710.700 DM (rd. 363.400 €) auch Kosten für die Baubetreuung durch das Bauamt der Stadt Malchow in Höhe von 720.196,49 DM
(368.230,62 €) enthielten. Damit drängte sich ihm der Eindruck auf, dass dieselbe
Leistung doppelt vergütet worden war. Der Landesrechnungshof bat daraufhin das
Rechnungsprüfungsamt des Landkreises Müritz um eine weitergehende Tiefenprüfung.

(571)

Der Prüfvermerk des Rechnungsprüfungsamtes vom 27.3.2001 enthält unter anderem
die Prüfungsfeststellung, dass für die Baubetreuung durch das Bauamt der Stadt

272
Malchow dem Eigenbetrieb ein Betrag in Höhe von 720.196,49 DM (368.230,62 €)
belastet wurde. Eine entsprechende ertragswirksame Erfassung im Hoheitshaushalt
der Stadt ist aber nicht feststellbar gewesen. Die dem Rechnungsprüfungsamt durch
die Stadt Malchow übergebene Aufstellung berücksichtigte Baubetreuungskosten in
Höhe von 749.614,33 DM (383.271,72 €).
Für die insgesamt fünf Positionen der Baubetreuungskosten wurden jeweils separate
Abrechnungen vorgelegt. Grundlage für diese Abrechnungen auf der Basis der HOAI
sind Architektenverträge, die zwischen der Stadt, vertreten durch den Amtsleiter des
Bauamtes, und dem Seniorenpflegeheim, vertreten durch den Heimleiter, abgeschlossen wurden. Die Vertragsabschlüsse der Architektenverträge datieren zwischen
dem 8.6.1993 und dem 22.7.1995. Die Rechtmäßigkeit der Architektenverträge wurde durch das Gemeindeprüfungsamt angezweifelt. Zwei Architektenverträge (vom
8.6.1993 und 8.7.1993) wurden von dem Betriebsleiter nach ihrer Datierung zu einem Zeitpunkt unterzeichnet, zu dem er noch nicht bei der Stadt Malchow angestellt
war. Der Stadt Malchow wurde durch das Gemeindeprüfungsamt Gelegenheit gegeben, den tatsächlichen Aufwand für die Baubetreuung zu ermitteln.
(572)

Der Bürgermeister der Stadt Malchow hat sich den Prüfungsfeststellungen des Rechnungsprüfungsamtes weitgehend angeschlossen. Die Fehlerhaftigkeit des gesamten
Verfahrens und die Höhe der Ansätze wurden bestätigt. Das Erstellen der Architektenverträge einerseits und die Festsetzung der Beträge der Baubetreuung durch das
Bauamt andererseits sieht der Bürgermeister als unrechtmäßig an.

(573)

Der Landrat des Landkreises Müritz als untere Rechtsaufsichtsbehörde teilte mit,
dass die Stadt Malchow aufgefordert wurde, die finanziellen Auswirkungen, die sich
aus der Prüfung der Abrechnung der Maßnahme „Umbau des Krankenhauses zum
Seniorenpflegeheim“ ergeben, zu korrigieren und entsprechend im Haushalt 2001
darzustellen. Zwischenzeitlich teilte der Bürgermeister der Stadt Malchow mit, dass
die Stadt die aus den Prüfungsfeststellungen resultierenden Korrekturen in den Nachtragshaushalt 2001 und den Haushaltsplan 2002 eingestellt und damit die zu unrecht
erfolgte Zahlung an den Eigenbetrieb rückabgewickelt habe.
Ob und inwieweit disziplinarrechtliche Maßnahmen gegen Mitarbeiter der Stadt eingeleitet werden, sollte nach Vorlage der überarbeiteten Unterlagen abschließend entschieden werden. Eine weitergehende Stellungnahme liegt dem Landesrechnungshof
bislang nicht vor.

273
(574)

Das Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern teilte mit Erlass vom 14.12.2001
mit, dass es auf Grund von nichterbrachten Sicherheitsleistungen einen Betrag in
Höhe von 27.292,88 DM (13.954,63 €) zurückgefordert hat. Weitergehende Forderungen bzw. auch Konsequenzen bei der Genehmigung der jeweiligen Pflegesätze
sind beim Sozialministerium nicht feststellbar. Das Sozialministerium hat die Prüfung abgeschlossen.

(575)

Die Stadt Malchow hat auf Veranlassung des Landesrechnungshofes einen Wirtschaftsprüfer mit Nachtragsprüfungen der betreffenden Wirtschaftsjahre beauftragt.
Ergebnisse liegen dem Landesrechnungshof bislang nicht vor.

274

Stadt Brüel – Eigenbetrieb Stadtwerke Brüel –

Das Innenministerium gewährte im November
1997 gemäß der Richtlinien des Ministeriums für
Bau, Landesentwicklung und Umwelt sowie des
Innenministeriums zur Unterstützung der abwasserbeseitigungspflichtigen

Körperschaften

in

Mecklenburg-Vorpommern (FöRi-AW) der Stadt
Brüel eine Zuwendung in Höhe von 112.000 DM
(57.300 €) als Anteilfinanzierung für Beitragsausfälle. Nach Auffassung des Landesrechnungshofes hätte diese Zuwendung nicht gewährt werden
dürfen.

(576)

Die Stadt Brüel hatte am 26.11.1996 einen Antrag auf Zuwendung gemäß der Richtlinien zur Unterstützung der abwasserbeseitigungspflichtigen Körperschaften in
Mecklenburg-Vorpommern in Höhe von 1.112.248,20 DM (568.683,47 €) gestellt.
Hiermit sollten Ausfälle von festgesetzten Anschlussbeiträgen in Höhe von
159.948 DM (81.780 €) und Verlustabdeckungen für ungenutzte Kapazitäten in den
Jahren 1993 bis 1995 in Höhe von 952.300 DM (486.900 €) bezuschusst werden.
Mit Zuwendungsbescheid vom 13.11.1997 bewilligte das Innenministerium eine
Zuwendung in Höhe von 112.000 DM (57.300 €) für die Beitragsausfälle. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass der Beitragsausfall auf Grund eines Gesamtvollstreckungsverfahrens einer ortsansässigen Firma herbeigeführt wurde.
In dem anschließenden Zwangsversteigerungsverfahren des Betriebsgrundstückes im
Jahre 1996 hatte die Stadt Brüel versäumt, ihre ausgefallenen Forderungen auf Beiträge auf Grund der Gesamtvollstreckung in Höhe von 223.088,20 DM
(114.063,19 €) nebst Zinsen und weiteren Kosten beim Amtsgericht Sternberg anzumelden. Da Beiträge als öffentliche Last gemäß § 8 Abs. 11 KAG auf dem Grundstück ruhen, wären die Forderungen der Stadt Brüel als bevorrechtigt anerkannt worden (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 Gesetz über die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung – ZVG). Durch den Zuschlag des Amtsgerichts Sternberg ist die öffentliche
Last jedoch erloschen (§§ 91 i. V. m. 44 Abs. 1 und 52 ZVG).

275
(577)

Eine Zuwendung an die Stadt Brüel auf Grund der Förderrichtlinien hätte nicht erfolgen dürfen. Förderungen erfolgen stets subsidiär. Hier liegt ein Vermögensschaden der Stadt Brüel vor. Es wäre daher zu prüfen gewesen, ob und inwieweit die
Stadt Brüel vorrangig den Schaden durch eine entsprechende Versicherung für Vermögensschäden ersetzt erhalten hätte. Daneben wären auch Fragen der Haftung der
städtischen Mitarbeiter zu prüfen gewesen.

(578)

Die Stadt Brüel hatte zum damaligen Zeitpunkt eine sogenannte Vermögensschadensversicherung abgeschlossen, deren Versicherungsschutz sich auch auf die in Rede stehenden Vermögensnachteile erstreckt. Der Schaden wurde gegenüber der Versicherung allerdings nicht angezeigt. Eine Regulierung des Schadens ist zwischenzeitlich infolge Fristablaufs ausgeschlossen. Letztmalig wäre eine wirksame Anmeldung des Schadens bis zum 19.8.2000 möglich gewesen, so dass zum Zeitpunkt des
Erlasses des Zuwendungsbescheides eine anderweitige Deckungsmöglichkeit gegeben war.

(579)

Das Innenministerium vertritt die Auffassung, dass es bei Erlass des Zuwendungsbescheides davon habe ausgehen dürfen, dass eine Beitragsbeitreibung im Gesamtvollstreckungsverfahren ohne Erfolg bleiben würde. Die Tatsache, dass das mit der Beitragspflicht belastete Betriebsgrundstück zwangsversteigert würde, sei dem Innenministerium nicht bekannt gewesen. Auf Grund dieser fehlenden Information sei auch
keine Kenntnis über die sich aus der versäumten Anmeldung der Forderung im
Zwangsversteigerungsverfahren ergebenden Ansprüche der Stadt Brüel vorhanden
gewesen. Die Forderung sei im Ergebnis auch im Sinne der Zielsetzung der
FöRi-AW gewesen, denn sie habe jedenfalls bis auf Weiteres die Deckung des Beitrags ermöglicht und die Aussicht eröffnet, die Zinsausgaben zu reduzieren.

(580)

Der Landesrechnungshof hält an seiner Auffassung fest. Dem Innenministerium war
sehr wohl bekannt, dass ein Grundstück, auf dem eine öffentliche Last ruht, vorhanden war. Damit war von vornherein eine notwendige Vorbedingung für die Zuwendung objektiv nicht gegeben, der Zuwendungsbescheid war mithin rechtswidrig.
Sollte eine Rücknahme nach § 48 VwVfG M-V aus Rechtsgründen nicht möglich
sein und damit auch ein Erstattungsanspruch gegen die Stadt ausscheiden, stellt sich
die Frage, wer im Innenministerium für den eingetretenen Schaden haftet.

276
(581)

Das Innenministerium teilte weiter mit, dass es ungeachtet der getroffenen Bewertung auf der Grundlage der heutigen Erkenntnislage eine Prüfung durch die Stadt
Brüel dahingehend veranlassen werde, ob noch eigene Deckungsmöglichkeiten bestünden. Von Belang seien hier Haftungsansprüche gegenüber städtischen Mitarbeitern. Ob Schadensersatzanforderungen durchsetzbar seien, die eine Deckung des
Vermögensnachteils bei der Stadt Brüel ermöglichten und in deren Konsequenz zumindest teilweise eine Rückforderung der Zuwendung gemäß § 49 a Abs. 1 VwVfG
M-V i. V. m. Pkt. 2.1 und Pkt. 8.2.3 der Allgemeinen Nebenbestimmungen für Zuwendungen zur Projektförderung an kommunale Körperschaften (ANBest-K) in Betracht zu ziehen seien, könne derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden.

Vom Senat des Landesrechnungshofes beschlossen am 23.4.2002.

Tanneberg
Präsident
        
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