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Full text: Jahresbericht Issue 2001

LANDESRECHNUNGSHOF MECKLENBURG-VORPOMMERN

JAHRESBERICHT 2001

über die Prüfung
der Haushalts- und Wirtschaftsführung
und
der Haushaltsrechnung 1999

Neubrandenburg, den 14. Juni 2001

2
Inhaltsverzeichnis
Tzn.
I.

Einleitung

1.

Vorbemerkungen

1

-

5

2.

Haushaltslage des Landes

6

-

13

3.

Modellversuch „Alternative Verfahren bei der Veranschlagung und Bewirtschaftung von Haushaltsmitteln“

14

-

17

II.

Bemerkungen zur Haushaltsrechnung und zum Haushaltsvollzug 1999

18

-

82

98

III.

Prüfungsfeststellungen
Querschnittsprüfungen

1.

Reisekostenvergütungen bei mehrtägigen Dienstreisen

83

-

2.

Interministerieller Ausschuss für Informations- und Telekommunikationstechnik
(IMA IT)

99

- 105

106

- 133

Einzelplan 04 – Geschäftsbereich des Innenministeriums
3.

Landesamt für Katastrophenschutz
Einzelplan 05 – Geschäftsbereich des Finanzministeriums

4.

Arbeitsweise der Veranlagungsstellen in mehreren Finanzämtern

134

- 138

5.

Getrennte Veranlagung von Ehegatten

139

- 142

6.

Einsatz von Dienstkraftfahrzeugen und anerkannten privateigenen Kraftfahrzeugen
in den Landesbauämtern

143

- 149

7.

Beschaffung von Informations- und Kommunikationstechnik und -dienstleistungen
für die Steuerverwaltung

150

- 171

8.

Hochbaumaßnahmen des Landes – Ausgaben für Leistungen freiberuflich Tätiger –

172

- 178

179

- 187

Einzelplan 06 – Geschäftsbereich des Wirtschaftsministeriums
9.

Hochbaumaßnahmen des Landes – Sanierung des Straßenbauamtes Stralsund –
Einzelplan 07 – Geschäftsbereich des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur

10.

Ausstellung von Bescheinigungen für steuerliche Zwecke im Landesamt für
Denkmalpflege

188

- 196

11.

Haushalts- und Wirtschaftsführung einer Studentenschaft

197

- 211

12.

Finanzhilfen für Schulen in freier Trägerschaft

212

- 223

13.

Querschnittsprüfung der Abfindungen nach dem Sozialtarifvertrag bei der Medizinischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

224

- 239

14.

Beschaffung und Vorratshaltung von medizinischem Bedarf im Klinikum der
Universität Rostock
Neubau von Studentenwohnheimen in Stralsund und Greifswald

240

- 249

250

- 258

15.

3

16.

Bauunterhaltung im Rahmen des Kleinen Baufonds an der Ernst-Moritz-ArndtUniversität Greifswald

259

- 267

268

- 279

280

- 294

295

- 306

307

- 322

Einzelplan 08 – Geschäftsbereich des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei
17.

Landwirtschaftliche Fachschulen
Einzelplan 09 – Geschäftsbereich des Justizministeriums

18.

Organisation der Querschnittsfunktionen als Führungsinstrumentarium im Justizministerium
Einzelplan 10 – Geschäftsbereich des Sozialministeriums

19.

Sondervermögen Krankenhausfinanzierung aus Mitteln der Krankenhausbenutzer
Einzelplan 15 – Geschäftsbereich des Ministeriums für Arbeit und Bau

20.

Schnittstellen zwischen dem HKR-Verfahren ProFiskal und dem IT-Verfahren
Informationssystem für die Arbeitsmarktpolitik (ISAP)
Überörtliche Kommunalprüfung

21.

Prüfung der Hansestadt Rostock

323

- 343

22.

Prüfung der Zweckverbände Studieninstitut für kommunale Verwaltung in
Mecklenburg und in Vorpommern

344

- 356

23.

Kalkulation und Erhebung von Abfallgebühren

357

- 368

24.

Veräußerung kommunaler Krankenhäuser

369

- 378

25.

Überörtliche Prüfung der Landkreise Müritz, Güstrow und Nordvorpommern
im Bereich des Tiefbau- und Ingenieurwesens

379

- 384

IV.

Sonstige Äußerungen des Landesrechnungshofes

1.

Norddeutscher Rundfunk
Betriebliche Altersversorgung

385

- 409

2.

IT-Ressortplanung und Haushaltsplanung (MG 59)

410

- 427

3.

Förderung und Trägerschaft öffentlicher beruflicher Schulen

428

- 432

4.

Fischverarbeitungszentrum Sassnitz-Mukran

433

- 442

4
Abkürzungsverzeichnis
AbfAlG
Abs.
ADV
AFU-Bau
AmtsBl. M-V
AN
apl.
AQMV
ARD
Augala
BA
BAG
BAGE
BAT-O
BauGO
BEZ
BfA
BGBl.
Bildungsministerium
BVerfGE
BvS
bzw.
ca.
DB
d. h.
DM
Drs.
EDV-Programm
EG
EGW
ELW
ESF
ESt
EStG
EU
e. V.
Fa.
ff.
FIAF
GemHVO
Gesundheitsstrukturgesetz
GG
ggf.
GGO I
GmbH
GNOFÄ 97
GVFG
GVOBl. M-V
HGr.
HKR
HOAI
HRG

Abfallwirtschafts- und Altlastengesetz für Mecklenburg-Vorpommern
Absatz
Automatisierte Datenverarbeitung
Ausführungsunterlage Bau
Amtsblatt Mecklenburg-Vorpommern
Auftragnehmer
außerplanmäßig
Arbeit und Qualifizierung für Mecklenburg-Vorpommern
Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland
Ausbildungsförderwerk des Garten- und Landschaftsbaus
Bauabschnitt
Bundesarbeitsgericht
Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichtes
Bundesangestelltentarifvertrag - Ost
Baugebührenordnung
Bundesergänzungszuweisungen
Bundesversicherungsanstalt für Angestellte
Bundesgesetzblatt
Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
Amtliche Sammlung von Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts
Bundesamt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben
beziehungsweise
circa
Der Betrieb
das heißt
Deutsche Mark
Landtags-Drucksache
Elektronisches Datenverarbeitungsprogramm
Europäische Gemeinschaft
Einwohnergleichwerte
Einsatzleitwagen
Europäischer Sozialfonds
Einkommensteuer
Einkommensteuergesetz
Europäische Union
eingetragener Verein
Firma
fortfolgende
Finanzinstrument zur Ausrichtung der Fischerei
Landesverordnung über die Aufstellung und Ausführung des Haushaltsplanes der
Gemeinden des Landes Mecklenburg-Vorpommern (Gemeindehaushaltsverordnung)
Gesetz zur Sicherung und Strukturverbesserung der gesetzlichen Krankenversorgung vom 21. Dezember 1992 (BGBl. I S. 2266)
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
gegebenenfalls
Gemeinsame Geschäftsordnung I der Ministerien des Landes MecklenburgVorpommern
Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Grundsätze zur Neuorganisation der Finanzämter und zur Neuordnung des Besteuerungsverfahrens
Gesetz über Finanzhilfen des Bundes zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse
der Gemeinden (Gemeindefinanzierungsgesetz)
Gesetz- und Verordnungsblatt für Mecklenburg-Vorpommern
Hauptgruppe
Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen
Honorarordnung für Architekten und Ingenieure
Haushaltsrechtsgesetz

5
HU-Bau
HÜL
IABV
i. d. R.
IfG
IGA
IMA IT
ISAP
i. S. d.
IT
IT-Richtlinien M-V
i. V. m.
KaBeGO
KAG
Kampfmittelverordnung
KEF
KHG – Krankenhausfinanzierungsgesetz
Kfz
Kfz-RL M-V
km
KrW-/AbfG
KV DVO
KV M-V
LFA
LHG
LHO
lit.
LkatSG
LKSt
LUNG
LRKG M-V
MG
Mio.
MK 8
MTArb-O
MwSt
NDR
NDR-StV
Nr.
NRW
OFD
o. g.
OGr.
OVG
PSchVO M-V
RB Bau
rd.
RL Bau
RStV
SchLAVOLS M-V
SchulG M-V
StÄUN

Haushaltsunterlage Bau
Haushaltsüberwachungsliste
Integriertes Automatisiertes Besteuerungsverfahren
in der Regel
Investitionsförderungsgesetz Aufbau Ost
Internationale Gartenbauausstellung
Interministerieller Ausschuss für Informations- und Telekommunikationstechnik
Informationssystem für die Arbeitsmarktpolitik
im Sinne des
Informationstechnik
Richtlinien über Planung und Einsatz von Informations- und Telekommunikationstechnik in der Verwaltung des Landes Mecklenburg-Vorpommern
in Verbindung mit
Landesverordnung über die Gebühren und Auslagen des Munitionsbergungsdienstes (Kampfmittelbeseitigungsgebührenordnung)
Kommunalabgabengesetz
Landesverordnung zur Verhütung von Schäden durch Kampfmittel
Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten
Gesetz zur wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser und zur Regelung der
Krankenhauspflegesätze vom 24. April 1991 (BGBl. I S. 887)
Kraftfahrzeug
Richtlinie über Beschaffung, Betrieb und Aussonderung von Dienstkraftfahrzeugen in der Landesverwaltung von Mecklenburg-Vorpommern
Kilometer
Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz
Durchführungsverordnung zur Kommunalverfassung
Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern
Länderfinanzausgleich
Gesetz über die Hochschulen des Landes Mecklenburg-Vorpommern (Landeshochschulgesetz)
Landeshaushaltsordnung Mecklenburg-Vorpommern
litera
Gesetz über den Katastrophenschutz in Mecklenburg-Vorpommern (Landeskatastrophenschutzgesetz)
Koordinierungs- und Beratungsstelle der Landesregierung für Informations- und
Kommunikationstechnik in der Landesverwaltung
Landesamt für Umwelt und Geologie
Landesreisekostengesetz Mecklenburg-Vorpommern
Maßnahmegruppe
Millionen
Maßnahmenkatalog „Straßenunterhaltung und Betrieb“
Manteltarifvertrag für Arbeiter Ost
Mehrwertsteuer
Norddeutscher Rundfunk
Staatsvertrag über den Norddeutschen Rundfunk
Nummer
Nordrhein-Westfalen
Oberfinanzdirektion
oben genannt
Obergruppe
Oberverwaltungsgericht
Verordnung für Schulen in freier Trägerschaft
Richtlinie für die Durchführung von Baumaßnahmen des Bundes im Zuständigkeitsbereich der Finanzbauverwaltung
rund
Vorläufige Richtlinien für die Durchführung von Bauvorhaben des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Rundfunkstaatsvertrag
Schullastenausgleichsverordnung Landesschulen Mecklenburg-Vorpommern
Schulgesetz für das Land Mecklenburg-Vorpommern
Staatliche Ämter für Umwelt und Naturschutz

6
StrWG M-V
TDM
TGVO M-V
Tz./Tzn.
u. a.
üpl.
VBL
VE
Verf. M-V
VersV
vgl.
VgRÄG
VHB
VOB/A und VOB/B
VOL/A
VTV
VV
VVK
VV-K
VV-LRKG M-V
VwKostG M-V
VwVfG M-V
z. B.
ZBau
ZDF
z. T.
z. Z.
zzgl.

Straßen- und Wegegesetz Mecklenburg-Vorpommern
Tausend Deutsche Mark
Verordnung über das Trennungsgeld bei Versetzungen und Abordnungen im
Inland vom 23. Juni 1998
Textzahl/Textzahlen
unter anderem
überplanmäßig
Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder
Verpflichtungsermächtigung
Verfassung des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Versorgungsvereinbarung
vergleiche
Vergaberechtsänderungsgesetz vom 26.8.1998
Vergabehandbuch für die Durchführung von Bauaufgaben des Bundes im Zuständigkeitsbereich der Finanzbauverwaltung
Verdingungsordnung für Bauleistungen Teil A und B
Verdingungsordnung für Leistungen – ausgenommen Bauleistungen –
ARD/NDR Versorgungstarifvertrag
Verwaltungsvorschrift
Allgemeine Verwaltungsvorschriften über die Benutzung privateigener Kraftfahrzeuge zu Dienstreisen
Verwaltungsvorschriften über Zuwendungen zur Projektförderung an Gemeinden, Kreise, Ämter und Zweckverbände (kommunale Körperschaften)
Allgemeine Verwaltungsvorschriften zum Landesreisekostengesetz Mecklenburg-Vorpommern
Verwaltungskostengesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Verwaltungsverfahrens-, Zustellungs- und Vollstreckungsgesetz des Landes
Mecklenburg-Vorpommern
zum Beispiel
Baufachliche Ergänzungsbestimmungen zu § 44 Abs. 1 LHO
Zweites Deutsches Fernsehen
zum Teil
zur Zeit
zuzüglich

7

I. Einleitung

Vorbemerkungen

(1)

Der Landesrechnungshof legt seinen Jahresbericht 2001 gemäß Art. 67 Abs. 2
Verf. M-V i. V. m. § 97 Abs. 1 und § 114 Abs. 1 LHO dem Landtag vor und unterrichtet gleichzeitig die Landesregierung. Die Haushaltsrechnung und die Berichte
des Landesrechnungshofes sind nach Art. 67 Abs. 3 Verf. M-V Grundlage für die
Entscheidung des Parlaments über die Entlastung der Landesregierung.
Im vorliegenden Jahresbericht werden die Ergebnisse der Prüfung der Haushaltsrechnung 1999 dargestellt. Die weiteren Bemerkungen sind jedoch nicht auf dieses
Haushaltsjahr beschränkt (§ 97 Abs. 3 LHO). Es werden Ergebnisse der Prüfungstätigkeit dargestellt, soweit diese für die Entlastung von Bedeutung sein können. Der
Landesrechnungshof ist bestrebt, Prüfungsergebnisse so zeitig wie möglich in den
Jahresbericht aufzunehmen, um sowohl der Verwaltung als auch dem Parlament
frühzeitig Gelegenheit zu geben, Konsequenzen aus den Beanstandungen zu ziehen.
Gelegentlich ist es auch notwendig, Prüfungsergebnisse aus früheren Jahren darzustellen.

(2)

Der Landesrechnungshof überwacht nach Art. 68 Abs. 3 Verf. M-V die gesamte
Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes. Darüber hinaus obliegt ihm auch die
Prüfung der kommunalen Körperschaften und der übrigen juristischen Personen des
öffentlichen Rechts, die der Aufsicht des Landes unterstehen (Art. 68 Abs. 4
Verf. M-V). Auf Grund des Umfanges des Prüfungsstoffes muss der Landesrechnungshof von seiner gesetzlichen Ermächtigung Gebrauch machen, Prüfungen nach
seinem Ermessen einzugrenzen und Rechnungen ungeprüft zu lassen (§ 89 Abs. 2
LHO).

(3)

Sowohl über die Auswahl der Prüfungsthemen als auch über die Darstellung von
Prüfungsergebnissen im Jahresbericht entscheidet im Rahmen der verfassungsmäßig
garantierten Unabhängigkeit der Senat des Landesrechnungshofes.

8
(4)

Der Jahresbericht lässt – wie in jedem Jahr – nur einen Teil der Tätigkeit des Landesrechnungshofes sichtbar werden. Neben der Prüfungstätigkeit nimmt der Landesrechnungshof eine Reihe weiterer Aufgaben wahr. In diesem Zusammenhang sei für
den Zeitraum seit dem Jahresbericht 2000 insbesondere die Beratung des Landtages
gemäß § 88 Abs. 3 LHO zu der Frage der „Auswirkung der Trägerstruktur der weiterführenden Schulen auf die kommunale Finanzplanung“ genannt.

(5)

Aus den im Jahresbericht dargestellten Prüfungsergebnissen lassen sich allein schon
durch die notwendige Beschränkung der Prüfung keine zu verallgemeinernden Rückschlüsse auf die Qualität der Arbeit einzelner Verwaltungen ziehen. Der Verwaltung
und sonstigen betroffenen Stellen wurde die Möglichkeit gegeben, zu den einzelnen
Beiträgen Stellung zu nehmen. Die Äußerungen wurden in die Beratungen des Senats zum Jahresbericht einbezogen. Soweit notwendig, wird der wesentliche Inhalt
der Stellungnahmen im Jahresbericht wiedergegeben.

Haushaltslage des Landes
(6)

Der Landesrechnungshof hat in den letzten Jahren wiederholt auf die komplizierte
finanzielle Lage des Landes hingewiesen. Die Haushaltslage wurde mit wechselnden
Schwerpunkten dargestellt. Einige Probleme bestehen fort. So ist das Haushaltsvolumen in der Veranschlagung zwar von 1994 mit knapp 14,5 Mrd. DM (7,4 Mrd. €)
auf rd. 14 Mrd. DM (7,2 Mrd. €) im Haushaltsjahr 2000 – etwa in dieser Höhe ist das
Haushaltsvolumen auch bis zum Jahr 2004 geplant – zurückgeführt worden, damit ist
der Haushalt aber immer noch deutlich höher als die anhand der Haushalte der alten
Flächenländer berechneten Modellhaushalte (2000 lag der Modellhaushalt bei
9,8 Mrd. DM (5 Mrd. €)). Dies ist größtenteils dem nach wie vor bestehenden investiven Nachholbedarf eines neuen Bundeslandes geschuldet, für den derzeit auch noch
Mittel von Bund und EU zur Verfügung gestellt werden. So werden auch für die folgenden Jahre spezielle Investitionseinnahmen in Höhe von rd. 1,9 Mrd. DM (rd.
1 Mrd. €) ausgewiesen. Die Investitionsausgaben lagen im Jahr 1999 bei rd.
3,5 Mrd. DM (rd. 1,8 Mrd. €) und werden auf rd. 2,8 Mrd. DM (rd. 1,4 Mrd. €) im
Jahr 2004 beziffert.
Für andere Betrachtungen des Landesrechnungshofes haben sich die Bedingungen
völlig verändert. So ist die Diskussion um das Beschränken der Kreditaufnahme auf

9
die verfassungsmäßige Obergrenze – die Summe der im Haushaltsplan veranschlagten Ausgaben für eigenfinanzierte Investitionen – durch das Ziel, die Kreditaufnahme auf Null zu reduzieren, inzwischen völlig überholt. Dieses Ziel ergibt sich für alle
Länder durch den Beschluss des Europäischen Rates im Jahr 1999, nach dem in Übereinstimmung mit den Stabilitäts- und Konvergenzprogrammen nahezu ausgeglichene oder Überschüsse ausweisende Haushalte erzielt werden sollen. Der Europäische Rat bekräftigte seine Forderung auf der Tagung am 23. und 24.3.2001 in Stockholm dahingehend, dass „mit einer ehrgeizigen Politik des beschleunigten Abbaus
der Verschuldung ... langfristig tragfähige öffentliche Finanzen gewährleistet werden“ sollten. Somit ist es nicht ausreichend die Neuverschuldung auf Null zu reduzieren, sondern darüber hinaus müssen auch die vorhandene Schulden abgebaut werden. In der Mittelfristigen Finanzplanung 2000 – 2004 (siehe Tabelle 1) ist eine Reduzierung der Netto-Kreditaufnahme auf 200 Mio. DM (102,3 Mio. €) im Haushaltsjahr 2004 vorgesehen.
(7)

Konsolidierungsbemühungen sind anhand verschiedener Vergleiche deutlich ersichtlich. So wurde der Anstieg der Verschuldung des Landes durch eine drastische Reduzierung der Netto-Neuverschuldung gebremst. Die Krediteinnahmen wurden von
rd. 2,7 Mrd. DM (rd. 1,4 Mrd. €) im Haushaltsjahr 1994 (höchster Wert) auf
rd. 715 Mio. DM (rd. 365,6 Mio. €) im Haushaltsjahr 2000 und somit auf fast ein
Viertel reduziert. Die Kreditaufnahme im Haushaltsjahr 2000 lag damit aber um
rd. 65 Mio. DM (rd. 33,2 Mio. €) über der geplanten Kreditaufnahme.
Für den Landeshaushalt wird trotz geringerer Netto-Neuverschuldung für das Jahr
2004 von einer Verschuldung von rd. 16,8 Mrd. DM (rd. 8,6 Mrd. €) und von Zinsen
in Höhe von mehr als 1 Mrd. DM (0,5 Mrd. €) ausgegangen. Für das Jahr 2004 ergibt
sich damit bei einer voraussichtlichen Einwohnerzahl von 1,74 Mio. eine Pro-KopfVerschuldung von rd. 9.650 DM (rd. 4.908 €) je Einwohner.
Dem Vergleich der Mittelfristigen Finanzplanungen (Tab. 1) ist zu entnehmen, dass
die Regierung beabsichtigt, die Verringerung der Krediteinnahmen fortzusetzen.
Dass dies nicht problemlos gelingt, zeigt bereits die Betrachtung der Haushaltsjahre
2000 und 2001.

10

2000

1
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19

20
21
22
23
24
25

Steuern, LFA, BEZ
davon: M-V verbleibende Steuern
Einnahmen aus LFA
BEZ
Übrige laufende Einnahmen
darunter: Globale Mehreinnahmen
Summe der bereinigten laufenden Einnahmen
Spezielle Investitionseinnahmen
Bereinigte Gesamteinnahmen
Haushaltstechnische Verrechnungen
Entnahmen aus Rücklagen
Krediteinnahmen
Gesamteinnahmen
Personalausgaben
Zinsen
Mietkauf-/ Leasingraten
Sach- u. Fachausgaben
darunter: Kommunaler Finanzausgleich
Globale Mehr-/Minderausgabe
Summe der bereinigten laufenden Ausgaben
Investitionsausgaben
darunter: Baumaßnahmen
Kommunale Investitionsmittel
Bereinigte Gesamtausgaben
Besondere Finanzierungsausgaben
Gesamtausgaben
vor Erfüllung Handlungsbedarf
Handlungsbedarf
Gesamtausgaben
Finanzierungssaldo
davon:
laufender Haushalt
Investitionshaushalt

2001

Haushaltsplan
Mio. DM
2
9.453,0
6.480,0
956,0
2.017,0
1.952,0
50,0
11.405,0
1.992,7
13.397,8
11,4
25,0
650,0
14.084,2
3.830,9
883,4
23,7
6.176,1
2.412,7
- 81,0
10.833,1
3.221,6
524,0
116,1
14.054,6
29,5
14.084,2

Vorl.-Ist*
per 31.12.
Mio. DM
3
9.413,5
6.435,4
959,3
2.018,8
2.030,9
0,0
11.444,4
1.796,1
13.240,5
16,6
39,1
715,2
14.011,4
3.713,7
852,6
21,3
6.171,8
2.416,9
0,0
10.759,4
3.162,2
521,1
131,0
13.921,6
89,8
14.011,4

Finanzplan
-altMio. DM
4
9.549,0
6.560,0
963,0
2.026,0
1.858,9
50,0
11.407,9
1.929,8
13.337,7
30,8
0,0
550,0
13.918,4
4.021,9
920,9
36,7
6.120,9
2.360,0
- 75,0
11.025,4
3.144,2
574,7
140,0
14.169,5
40,9
14.210,4

14.084,2
- 656,9
572,0
- 1.228,8

14.011,4
- 681,1
685,0
- 1.366,1

- 292,0
13.918,4
- 831,9
382,5
- 1.214,4

2002

Haushaltsplan

2003

Mio. DM
5
9.250,0
6.243,0
984,0
2.023,0
1.938,8
50,0
11.188,8
2.004,4
13.193,2
17,2
140,0
650,0
14.000,4
3.829,1
901,2
34,6
6.188,1
2.387,2
- 75,0
10.878,0
3.092,2
504,3
116,1
13.970,2
30,2
14.000,4

Finanzplan
-neuMio. DM
7
9.561,0
6.546,0
984,0
2.031,0
1.899,6
50,0
11.460,6
1.900,7
13.361,3
14,6
0,0
450,0
13.826,0
3.962,1
962,0
37,4
6.144,7
2.386,9
- 75,0
11.031,1
3.008,1
547,8
116,1
14.039,2
63,7
14.103,0

Finanzplan
-altMio. DM
8
10.057,0
6.945,0
1.060,0
2.052,0
1.865,4
30,0
11.922,4
1.896,8
13.819,2
20,2
0,0
400,0
14.239,4
4.336,4
1.000,8
41,4
6.098,7
2.360,0
- 50,0
11.427,3
2.946,9
564,0
140,0
14.374,2
29,3
14.403,5

Finanzplan
-neuMio. DM
9
9.792,0
6.721,0
1.022,0
2.049,0
1.863,0
30,0
11.655,0
1.878,3
13.533,3
11,4
0,0
300,0
13.844,6
4.062,9
1.004,8
37,7
6.107,6
2.387,0
- 50,0
11.163,1
2.924,6
554,0
116,1
14.087,7
29,5
14.117,2

Finanzplan
-neuMio. DM
10
10.071,0
6.932,0
1.068,0
2.071,0
1.853,0
0,0
11.924,0
1.848,0
13.771,9
8,3
0,0
200,0
13.980,2
4.114,3
1.037,4
38,0
6.174,2
2.387,1
- 20,0
11.343,9
2.804,4
547,2
116,1
14,148,3
55,4
14.203,7

14.000,4
- 777,0
310,8
- 1.087,8

- 365,4
13.949,9
- 806,2
324,4
- 1.130,6

- 277,0
13.826,0
- 677,9
429,5
-1.107,4

- 164,1
14.239,4
- 555,0
495,2
- 1.050,1

- 272,5
13.844,6
554,4
492,0
- 1.046,4

- 223,5
13.980,2
376,4
580,1
- 956,5

Tab. 1: Vergleich der Mittelfristigen Finanzplanungen 1999 – 2003 (-alt-) und 2000 – 2004 (-neu-) unter Berücksichtigung aktueller Haushaltszahlen
* laut Finanzministerium, Stand 8.5.2001

2004

Finanzplan
-altMio. DM
6
9.691,0
6.646,0
1.010,0
2.035,0
1.870,6
50,0
11.561,6
1.899,4
13.461,0
38,9
0,0
450,0
13.949,9
4.190,8
962,2
41,3
6.118,0
2.360,0
- 75,0
11.237,2
3.030,0
586,8
140,0
14.267,3
48,0
14.315,3

11
(8)

Neben den Schulden des Landeshaushaltes im Haushaltsjahr 2000 in Höhe von
15,3 Mrd. DM (7,8 Mrd. €) weisen die Kommunalen Körperschaften des Landes bei
einem Haushaltsvolumen von rd. 8,9 Mrd. DM1 (rd. 4,6 Mrd. €) Schulden in Höhe
von rd. 4,4 Mrd. DM2 (rd. 2,2 Mrd. €) aus.
Die Haushaltslage der Gemeinden und Gemeindeverbände ist für den Landeshaushalt insbesondere wegen der Zahlungen im Rahmen des Kommunalen Finanzausgleiches von Bedeutung. Auch wenn die Gemeinden und Gemeindeverbände 2000
erstmals einen positiven Finanzierungssaldo erreichen konnten, bleiben sie auf umfangreiche Finanzzuweisungen angewiesen. Die kommunalen Steuereinnahmen
deckten in Mecklenburg-Vorpommern nur 15,2 % der Ausgaben ab, in den alten
Bundesländern lag der Anteil 1999 im Durchschnitt bei 39,7 %. Insbesondere die Investitionsmöglichkeiten bleiben aufgrund fehlender Eigenmittel und verringerter Investitionszuweisungen beschränkt. Aufgrund der angespannten Haushaltslage führten die Gemeinden und Gemeindeverbände ihre Ausgaben für Sachinvestitionen von
2.303,3 Mio. DM (1.177,7 Mio. €) im Jahr 1992 auf 1.332,6 Mio. DM (681,4 Mio. €)
im Jahr 2000 zurück. Im gleichen Zeitraum verringerten sich die Einnahmen aus
Zuweisungen für Investitionen vom Land von 989,2 Mio. DM (505,8 Mio. €) auf
654,9 Mio. DM (334,8 Mio. €)3.

(9)

Die Mittelfristige Finanzplanung 1999 – 2003 wies für 2001 einen Betrag für den
noch umzusetzenden Handlungsbedarf4 in Höhe von 292 Mio. DM (149,3 Mio. €)
aus. Dieser wurde im Haushaltsplan 2001 überwiegend aufgelöst, indem die Krediteinnahmen um 100 Mio. DM (51,1 Mio. €) und Entnahmen aus den Rücklagen um
140 Mio. DM (71,6 Mio. €) höher veranschlagt wurden als ursprünglich vorgesehen.
Die Einnahmeerwartungen mussten durch die Veränderungen der Rahmenbedingungen (Auswirkungen der Steuergesetzgebung, Entwicklung des Wirtschaftswachstums) nach unten korrigiert werden.
Auch die Mittelfristige Finanzplanung 2000 – 2004 weist wiederum Handlungsbedarfe (Tab. 1, Zeile 23) von jährlich mehr als 200 Mio. DM (102,3 Mio. €) aus. Es
wird sicher nicht auf Dauer möglich sein, den Handlungsbedarf durch Entnahmen

1

Haushaltsansatzstatistik 2000 des Statistischen Landesamtes Mecklenburg-Vorpommern
Kommunale Kassenstatistik 2000 des Statistischen Landesamtes Mecklenburg-Vorpommern
3
„Gemeindefinanzen 2000“ in: Statistisches Monatsheft Mecklenburg-Vorpommern 5/2001
4
Der Handlungsbedarf ist eine in der Mittelfristigen Finanzplanung ausgewiesene „Lücke“, die jeweils im Plan2

12
aus den Rücklagen oder Veräußerungen von Landesvermögen – also den „Verkauf
des Tafelsilbers“ – sowie durch höhere Krediteinnahmen aufzulösen.
(10)

Bedingt durch den Nachholbedarf der neuen Bundesländer weisen die Haushalte
gegenüber den westlichen Flächenländern deutlich höhere Investitionsausgaben aus.
Die Investitionsausgaben pro Einwohner waren 1994 im Durchschnitt in den neuen
Ländern annähernd viermal so hoch wie der Durchschnitt der westlichen Flächenländer. Inzwischen ist in allen neuen Bundesländern ein Rückgang der Investitionsausgaben zu verzeichnen (siehe Tab. 2).
1994

1999∗

2000∗

Investitionsausgaben pro Einwohner
– in DM –
Mecklenburg-Vorpommern

2.546

1.817

1.806

Brandenburg

2.333

1.673

1.573

Sachsen

1.893

1.981

1.898

Sachsen-Anhalt

2.370

1.849

1.784

Thüringen

2.125

1.928

1.887

Tab. 2: Vergleich der Investitionsausgaben pro Einwohner (∗Quelle: Mittelfristige Finanzplanung 1999 – 2003)

Dennoch liegen die Investitionsausgaben der neuen Länder immer noch rund beim
Dreifachen der westlichen Flächenländer und ein weiterer Rückgang wird im Hinblick auf das Auslaufen des Solidarpaktes und mit der Fortsetzung des Konsolidierungskurses unvermeidbar sein.
So ist in der Planung vorgesehen, die Investitionsausgaben von 3.221,6 Mio. DM
(1.647,2 Mio. €) im Haushaltsjahr 2000 auf 2.804,4 Mio. DM (1.433,9 Mio. €) im
Jahr 2004, d. h. um 417,2 Mio. DM (213,3 Mio. €) abzusenken. Im gleichen Zeitraum sollen die Einnahmen aus Krediten um 450 Mio. DM (230,1 Mio. €) reduziert
werden.
(11)

Wiederholt waren auch die Personalausgaben Gegenstand der Betrachtung im Jahresbericht. Hier einige Zahlen zum Vergleich:

aufstellungsverfahren durch Mehreinnahmen oder Minderausgaben geschlossen werden muss.

13
1991
Ist

1996
Ist

2000
Vorl. Ist

2004
Finanzplanung

Stellenzahl

57.027

50.467

46.609

42.066

Personalausgaben
- in Mio. DM -

2.327,0

3.493,3

3.713,6

4.114,3

Personalausgabenquote
- in % -

22,4

23,5

26,7

29,1

Stellen pro
1.000 Einwohner

30,0

27,8

25,8

24,1

Tab. 3: Personalausgaben und Stellenzahl im Vergleich

Trotz des bereits erheblichen Personalabbaus wird die Angleichung des Stellenniveaus an das der westlichen Flächenländer noch einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Sowohl der Bevölkerungsrückgang in Mecklenburg-Vorpommern
als auch der Personalabbau in den westlichen Flächenländern wirken einer schnelleren Angleichung entgegen. Die westlichen Flächenländer weisen inzwischen im
Durchschnitt 20,2 Stellen pro 1.000 Einwohner aus.
Die Personalausgabenquote Mecklenburg-Vorpommerns erscheint im Vergleich mit
den westlichen Flächenländern, in denen sie zwischen 35 und 40 % liegt, sehr günstig. Hier ist aber zu beachten, dass die Quote auf Grund der zurzeit noch höheren
Ausgaben insbesondere für Investitionen, der noch nicht vollständigen Angleichung
der Besoldung und Vergütung an das West-Niveau und der im Vergleich noch sehr
geringen Versorgungslasten unterzeichnet ist. An Stelle der hohen Pensionszahlungen der westlichen Länder tritt jedoch für Mecklenburg-Vorpommern eine hohe finanzielle Belastung durch Zahlungen im Zusammenhang mit den Sonder- und Zusatzversorgungsrenten der ehemaligen DDR-Bürger. Beim Titel 1105 646.01 „Erstattungen an den Bund für Zusatzversorgungssysteme“ sind für 2001
rd. 273,8 Mio. DM (rd. 140 Mio. €) veranschlagt. Als Aufwendungen für die in die
gesetzliche Rentenversicherung überführten Leistungen des ehemaligen Sonderversorgungssystems des Ministerium des Innern der ehemaligen DDR sind im Kapitel
0406 „Polizei“ beim Titel 641.02 „Erstattung von Versorgungsbezügen an den
Bund“ 164,4 Mio. DM (84,1 Mio. €) für 2000 geplant.
Die Betrachtung der Stellenzahlen oder auch der Personalausgaben allein ist jedoch
nicht ausreichend, da Bestrebungen dahin gehen, bestimmte Aufgaben auszulagern.

14
Dies führt dann einerseits zur Reduzierung der Stellenzahl und der Personalausgaben, aber auf der anderen Seite werden Landeszuschüsse veranschlagt, sodass eine
tatsächliche Entlastung des Landeshaushaltes gar nicht oder nur geringfügig stattfindet. Der Landesrechnungshof hatte z. B. bereits im Jahresbericht 1996 (Tz. 36) darauf hingewiesen, dass nach der Umwandlung des Landeshygieneinstitutes in einen
Landesbetrieb ein Zuschuss veranschlagt worden war, der höher war als der Finanzbedarf für das Landeshygieneinstitut vor der Umwandlung. Mit dem Haushaltsplan
2001 wird das Landeshygieneinstitut wieder in ein Landesamt umgewandelt und geht
mit 147 Stellen in den Stellenplan ein.
In den nächsten Jahren muss der Personalabbau konsequent weitergeführt werden,
damit es nicht auf Grund der Personalausgaben zu erheblichen Einschränkungen der
Handlungsspielräume und damit zu Einschränkungen der Gestaltungsmöglichkeiten
kommt.
(12)

Neben den erheblichen Problemen, die auf der Ausgabenseite, insbesondere im Zusammenhang mit den steigenden Zins- und Personalausgaben und wegen notwendiger Veränderungen bei den Investitionsausgaben, in den nächsten Jahren zur Lösung
anstehen, kommen auf das Land auch auf der Einnahmeseite Schwierigkeiten zu.
Die Risiken des Haushaltes 2001 und des Finanzplanes sind einnahme- und ausgabeseitig erheblich, insbesondere durch
− die Auswirkungen der Steuerreform,
− das Zurückbleiben des Wirtschaftswachstum hinter den Erwartungen,
− die Auswirkungen der steuerlichen Behandlung der Altersvorsorgeaufwendungen
und der Alterseinkünfte,
− die Umsetzung des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes zu den Sonder- und
Zusatzrenten der ehemaligen DDR,
− die Erhöhung der Wegstreckenentschädigung,
− mögliche Folgekosten der BSE- und MKS-Krise,
− die Auswirkungen des Bevölkerungsrückganges und der Veränderung der Bevölkerungsstruktur in Mecklenburg-Vorpommern.

15
Von besonderer Bedeutung dürfte jedoch für Mecklenburg-Vorpommern das Ergebnis der Neuverhandlung des Länderfinanzausgleiches und die Neuregelung des Solidarpaktes nach 2004 sein.
Weitere Risiken für den Landeshaushalt können sich aus der Abgabe von Erklärungen ergeben, die auf eine Gewährleistung des Landes hinauslaufen. Eine derartige
Erklärung wurde durch das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und
Fischerei im Zusammenhang mit dem Fischverarbeitungszentrum Sassnitz-Mukran
abgegeben (siehe Tzn. 433 – 442).
(13)

Mecklenburg-Vorpommern muss in den nächsten Jahren den Konsolidierungskurs
konsequent fortsetzen.
Der Landesrechnungshof sieht durchaus, dass die Überlegungen der Landesregierung
in diese Richtung gehen. So wird in der Mittelfristigen Finanzplanung 2000 – 2004
dargelegt, dass in den Haushaltsverhandlungen 2001 erneut deutlich wurde, „dass
die finanzpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten für das Land immer enger werde.“
Es wurde auch darauf verwiesen, dass zurzeit nennenswerte Einsparungen bei den
Investitionen nur möglich seien, wenn das Land auf Mittel von der EU und vom
Bund verzichten und damit die für die Kofinanzierung notwendigen Landesmittel
streichen würde. „Größeres Einsparpotenzial sieht die Landesregierung daher zurzeit überwiegend in der forcierten Anpassung der Stellenausstattung der Landesverwaltung an westliche Standards.“
Durch die Landesregierung wurden Arbeitsgruppen zur Verbesserung der Haushaltsstruktur gebildet, die ressortübergreifend Fragestellungen bearbeiten und Möglichkeiten für längerfristige Haushaltsentlastungen aufzeigen sollen.
Bereits bei der Vorlage des vorläufigen Haushaltsabschlusses 2000 im Januar 2001
wies die Finanzministerin darauf hin, dass die Konsolidierung im Haushaltsjahr 2001
konsequent fortgesetzt werden muss und sie daher dem Kabinett vorgeschlagen habe,
bei der Bewirtschaftung des Haushalts 2001 eine Dispositionsreserve zu schaffen,
um die Einhaltung der veranschlagten Kreditaufnahme zu sichern. Mit dem
1. Bewirt-schaftungserlass 2001 vom 24.1.2001 wurden zur Sicherung der Handlungsfähigkeit 2 % der veranschlagten Sach- und Fachausgaben der Hauptgruppen 5
und 6 einer temporären Bewirtschaftungssperre unterworfen. Hierbei handele es sich

16
nach Auffassung des Finanzministeriums vorerst um eine vorübergehende Maßnahme, die vorrangig finanzwirtschaftlichen Sicherungscharakter haben solle. Weitere
Entscheidungen sind bisher vom Ergebnis der Steuerschätzung vom Mai 2001 abhängig gemacht worden. Mit dem 2. Bewirtschaftungserlass vom 4.4.2001 wurde –
in Anlehnung an die mit diesem Erlass aufgehobene Stellenbesetzungssperre laut
Kabinettsbeschluss vom 23.6.1997 – ein Vakanzensystem für die Bewirtschaftung
der im Haushaltsplan 2001 ausgewiesenen Stellen eingeführt. Mit der Vakanzenregelung
– von der einige Bereiche der Landesverwaltung ausgenommen sind – wird beabsichtigt die sechsmonatige Wiederbesetzungssperre in der Weise fortzuführen, dass
nicht mehr auf die konkrete unbesetzte Stelle abgehoben wird. Stattdessen sollen finanzielle Gegenwerte durch die Einhaltung festzulegender Stellenvakanzen erwirtschaftet werden, die über das Einsparpotenzial der bisherigen Regelung hinausgehen.
Es wird jedoch nicht nur bei der Stellenbewirtschaftung nach Möglichkeiten zu Einsparungen gesucht. In Mecklenburg-Vorpommern werden seit 1996 alternative Verfahren bei der Veranschlagung und Bewirtschaftung von Haushaltsmitteln erprobt,
um zu einem effizienteren und effektiveren Mitteleinsatz zu kommen.

Modellversuch „Alternative Verfahren bei der
Veranschlagung und Bewirtschaftung von Haushaltsmitteln“
(14)

Auf der Suche nach Wegen, die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der öffentlichen Verwaltung zu steigern, haben in den Haushaltsjahren 1996 bis 1998 verschiedene Landeseinrichtungen erstmalig alternative Verfahren bei der Veranschlagung und Bewirtschaftung von Haushaltsmitteln erprobt.
Der Modellversuch beschränkte sich im Wesentlichen auf die Flexibilisierung, angereichert mit einigen Elementen der Budgetierung. Die inhaltliche Ausgestaltung des
Modellversuchs war in der Drs. 2/971 vom 10.11.1995 beschrieben, weitere Hinweise für die Mittelbewirtschaftung gab das Finanzministerium den betroffenen Einrichtungen in den Bewirtschaftungserlassen bekannt.
Das Konzept sah vor, dass für die betroffenen Einrichtungen keine Haushaltsverhandlungen für die Jahre 1997 und 1998 stattfinden sollten. Die Festlegung der Ein-

17
nahmen und Ausgaben sollte sich am Finanzplan 1995 bis 1999 orientieren, wobei
die sächlichen Verwaltungsausgaben um mindestens 2 % unterhalb der Finanzplanungsrate liegen sollten. Die Stellenpläne 1996 sollten auch für die Jahre 1997 und
1998 die Obergrenze bilden.
Spezielle Festlegungen für die Bewirtschaftung enthielten die Haushaltsvermerke,
die in den Haushaltsplänen 1996 bis 1998 den betroffenen Kapiteln vorangestellt
wurden. Danach waren die Ausgaben weitgehend deckungsfähig. Ausgaben der
Hauptgruppen 5 und 6 – später auch Ausgaben der Hauptgruppe 4 – wurden für
übertragbar erklärt. Mehreinnahmen konnten teilweise zur Deckung von Mehrausgaben herangezogen werden.
Kriterien für die Abrechnung und Kontrolle des Modellversuchs lagen zu Beginn der
Versuchszeit nicht vor. Das Finanzministerium beabsichtigte jedoch, solche Kriterien zu erarbeiten und diese den Einrichtungen zu einem späteren Zeitpunkt zur
Verfügung zu stellen. Als Maßstab der Erfolgskontrolle sollte das hypothetische
Verhalten der Einrichtungen herangezogen werden, falls die neuen Regelungen nicht
angewendet worden wären.
(15)

Der Landesrechnungshof hat die Erprobung der neuen Haushaltsinstrumente nach
Beendigung der dreijährigen Versuchszeit in den Ämtern für Arbeitsschutz und
technische Sicherheit in Rostock und Stralsund, im Aufsichtsamt für Sozialversicherung, im Oberverwaltungsgericht Greifswald, in den Verwaltungsgerichten Greifswald und Schwerin sowie im Landesamt für Pflanzenschutz geprüft und Folgendes
festgestellt:
− Nicht alle am Modellversuch beteiligten Einrichtungen waren dafür auch prädestiniert. So stellte die Verwaltungsgerichtsbarkeit wegen der fehlenden Möglichkeit, ihren Stellenplan selbstständig zu bewirtschaften und wegen des Vorhandenseins diverser sogenannter Rechtstitel – Gebühren und Auslagen der Prozesskostenhilfe, Entschädigung für Zeugen und Sachverständige – einen ungeeigneten
Bereich dar. Auch das Aufsichtsamt für Sozialversicherung war für die Teilnahme
am Modellversuch nicht geeignet, da etwa die Hälfte des Ausgabevolumens auf
den Bereich des Prüfdienstes entfiel. Leistungen im Rahmen des Prüfdienstes sind
von den Krankenkassen zu erstatten und werden auf dem einzigen Einnahmetitel
gebucht. Mehreinnahmen sind nur möglich, wenn zuvor höhere Ausgaben geleis-

18
tet werden, Einsparungen im Bereich des Prüfdienstes haben geringere Einnahmen zur Folge.
− Entgegen der Vorgabe, dass Haushaltsverhandlungen über die Einnahmen und
Ausgaben der am Modellversuch beteiligten Einrichtungen für die Haushaltsjahre
1997 und 1998 nicht stattfinden sollten, sind bei der Aufstellung der Haushaltspläne 1997 und 1998 für die betroffenen Kapitel Haushaltsverhandlungen geführt
worden.
− Die Einsparung in Höhe von 2 % bei den sächlichen Verwaltungsausgaben ist
nicht in jedem Fall bei den Anmeldungen für die Haushaltsjahre 1997 und 1998
erbracht worden.
− Die Veranschlagung der Personalausgaben erfolgte grundsätzlich nach sogenannten „Nasensätzen“. Diese berücksichtigten lediglich eine durchschnittliche und
nicht die tatsächliche Altersstruktur der Einrichtung. Die Verwaltungsgerichtsbarkeit mit ihrer „jungen“ Personalstruktur konnte so „eingesparte“ Personalausgaben zur Deckung von Mehrausgaben in anderen Bereichen heranziehen bzw. als
Ausgaberest in das nächste Haushaltsjahr übertragen. Das Landesamt für Pflanzenschutz mit überwiegend älteren Mitarbeitern war hier im Nachteil, da in der
Regel für Personalausgaben Verstärkungsmittel beantragt werden mussten, die
anschließend mit erzielten Einsparungen an anderer Stelle verrechnet wurden.
− Die Erwartung, mit der erweiterten Übertragbarkeit von Ausgaberesten würde das
sogenannte „Dezemberfieber“ nicht mehr auftreten, hat sich so allgemein nicht
bestätigt. In einigen Einrichtungen kam es am Jahresende wieder zu höheren Ausgaben als in anderen Monaten.
− Im Versuchszeitraum gab es in einzelnen Einrichtungen erhebliche Einnahmesteigerungen z. B. infolge der Änderung von Gebührenordnungen oder auf Grund der
Umsetzung von EU-Vorgaben. Ob die Einnahmesteigerungen ursächlich auf den
Modellversuch zurückzuführen waren oder auch ohne den Modellversuch zu dieser Zeit eingetreten wären, ist unklar, da eine diesbezügliche Auswertung nicht
stattgefunden hat.
− Das hypothetische Verhalten der Einrichtungen, falls die Regelungen nicht eingeführt worden wären, war als Maßstab für eine Erfolgskontrolle völlig ungeeignet.
Ein solcher Vergleich wurde dann auch nicht angestellt.

19
− In den Berichten der Landesregierung an den Landtag wurden die Ergebnisse des
Modellversuchs nur unzureichend ausgewertet und analysiert. Die Berichte sind
deshalb als Entscheidungsgrundlage für die Fortsetzung solcher oder ähnlicher
Modellversuche nicht geeignet. Eine Beratung der Berichte im Parlament oder im
Finanzausschuss hat bisher nicht stattgefunden.
− Eine Begleitung und Beratung der mit der Erprobung neuer Haushaltsinstrumente
befassten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fand lediglich im Landesamt für
Pflanzenschutz statt. Die Möglichkeiten des Modellversuchs brachten dort offensichtlich Erleichterungen bei der Haushaltsführung und erhöhten die Flexibilität.
In den anderen Modelleinrichtungen wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
von der Einführung alternativer Verfahren fast unvorbereitet getroffen und bei
auftretenden Problemen allein gelassen. Informationen über die Ziele der Haushaltsflexibilisierung wurden nur unzureichend weitergegeben; nähere Vereinbarungen mit den Bewirtschaftern wurden nicht getroffen. Schulungen fanden nicht
statt. Dies führte dazu, dass die Möglichkeiten, die mit dem Modellversuch eröffnet wurden, nur zögerlich und auch nicht in vollem Umfang genutzt wurden. Es
bestanden grundsätzlich auch keine Konzepte zum effektiven Einsatz eingesparter
Beträge für bestimmte Projekte.
(16)

Der Modellversuch hat bisher keine Erkenntnisse darüber gebracht, ob die alternativen Verfahren bei der Veranschlagung und Bewirtschaftung von Haushaltsmitteln
geeignet sind, die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der öffentlichen Verwaltung zu steigern. Die Vorbereitung, Begleitung und Auswertung von Modellversuchen müssen künftig verbessert werden. Wenn Neues nicht sachgerecht eingeführt
wird, Mitarbeiter mit den neuen Instrumenten nicht vertraut gemacht werden, eine
Begleitung bzw. Beratung nicht sichergestellt ist und eine Analyse der Ergebnisse
nur unzureichend stattfindet, kann es zu Fehlentwicklungen kommen und der Erfolg
solcher Modellversuche ist von vornherein gefährdet.

(17)

Obwohl der Modellversuch bisher nicht hinreichend ausgewertet worden ist, wurde
das Verfahren auf alle vier Ämter für Arbeitsschutz und Technische Sicherheit ausgedehnt. Es wird dort unverändert und unbefristet eingesetzt.

20

II. Bemerkungen zur Haushaltsrechnung
und zum Haushaltsvollzug 1999

Abschluss der Haushaltsrechnung 1999

(18)

Rechtsgrundlage für die Rechnung des Haushaltsjahres 1999 ist Art. 67 Abs. 1
Verf. M-V i. V. m. § 114 Abs. 1 LHO. Danach hat das Finanzministerium dem Landtag über alle Einnahmen und Ausgaben sowie über die Inanspruchnahme von Verpflichtungsermächtigungen jährlich Rechnung zu legen. Die Rechnung für das Haushaltsjahr 1999 mit der Vermögensübersicht wurde dem Landtag fristgemäß vor Ende
des Folgejahres mit der Drs. 3/1757 vom 29. Dezember 2000 vorgelegt.

(19)

Die finanziellen Gesamtergebnisse der Haushaltsführung sind dargestellt
− im kassenmäßigen Abschluss gemäß § 82 LHO
(Ist-Ergebnisse ohne Haushaltsreste),
− im Haushaltsabschluss gemäß § 83 LHO
(Ist-Ergebnisse zuzüglich Haushaltsreste) und
− in der Gesamtrechnung
(Soll-Ist-Vergleich, Einzelplanabschlüsse, Zusammenstellung nach Gruppen und
Einzelplänen, Gesamtabschluss).
Die Haushaltsrechnung für das Haushaltsjahr 1999 enthält alle Angaben, die nach
§§ 80 ff. LHO erforderlich sind.

(20)

Grundlage der Haushaltsführung des Landes war im Haushaltsjahr 1999 das Gesetz zur Schaffung und Änderung haushaltsrechtlicher Bestimmungen (Haushaltsrechtsgesetz 1999 – HRG 1999) vom 25. Juni 1999.

(21)

Der Haushaltsplan 1999 weist insgesamt Einnahmen und Ausgaben in Höhe von
jeweils
aus.

14.020.089.700,00 DM

21
Gemäß § 18 Abs. 1 Haushaltsgesetz 1999 ist das Haushaltsvolumen
in Einnahmen und in Ausgaben um
auf

158.802.000,00 DM
14.178.891.700,00 DM

erhöht worden.
(22)

Das Haushalts-Soll belief sich im Haushaltsjahr 1999 in Einnahmen und in Ausgaben auf

14.178.891.700,00 DM.

Damit lag das Soll der Einnahmen und Ausgaben um jeweils rd. 76,1 Mio. DM bzw.
rd. 0,5 % unter den entsprechenden Beträgen des Haushaltsjahres 1998.
(23)

Hinsichtlich der Verpflichtungsermächtigungen ist der Haushaltsplan für das
Haushaltsjahr 1999 auf

3.356.253.000,00 DM

festgestellt worden.
(24)

Die nachfolgende Übersicht stellt die Zusammensetzung des Haushalts-Solls und
des Gesamt-Solls einschließlich der Verpflichtungsermächtigungen dar:
Rechtliche Grundlage

1 Haushaltsplan 1999
2 zusätzliche Einnahmen

Einnahmen

Ausgaben

– DM –
14.020.089.700,00

und Ausgaben gemäß
§ 18 Abs. 1 Haushalts- +
158.802.000,00
gesetz 1999
3 Haushalts-Soll 1999
14.178.891.700,00
4 aus dem Haushaltsjahr
1998 übertragene Reste +
328.768.147,44
gemäß § 45 LHO
abzüglich Vorgriffe auf
Ausgaben des Haushaltsjahres 2000 gemäß
§ 37 LHO
5 Gesamt-Soll
14.507.659.847,44

– DM –
14.020.089.700,00

+

Verpflichtungsermächtigungen
– DM –
3.356.253.000,00

158.802.000,00
14.178.891.700,00

+

806.771.997,22

-

55.135.000,00

14.930.528.697,22

3.356.253.000,00

3.356.253.000,00

Tabelle 4: Zusammensetzung des Haushalts-Solls und des Gesamt-Solls 1999

Die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben im Gesamt-Soll (Tab.4 , Zeile 5)
resultiert aus der unterschiedlichen Höhe der aus dem Haushaltsjahr 1998 übertragenen Reste sowie aus Vorgriffen auf Ausgaben des Haushaltsjahres 2000.
(25)

Der kassenmäßige Abschluss gemäß § 82 LHO (Ist-Ergebnisse ohne Haushaltsreste) weist in Einnahmen und in Ausgaben für das Haushaltsjahr 1999 mit

22
14.227.125.265,69 DM
ein ausgeglichenes Ergebnis aus. Der Ausgleich wurde durch einen im Haushaltsplan
beim Titel 1103 325.01 MG 01 „Landesanleihen, Schuldscheindarlehen und sonstige
Kredite vom Kapitalmarkt“ ausgebrachten Haushaltsvermerk zugelassen, wonach
das Finanzministerium in Anwendung des § 72 Abs. 6 LHO u. a. am Anfang des folgenden Haushaltsjahres eingehende Einnahmen aus Krediten noch zu Gunsten des
abgelaufenen Haushaltsjahres buchen oder umbuchen lassen darf. Dementsprechend
wurden zu Beginn des Haushaltsjahres 2000 aufgenommene Kredite von
rd. 293,1 Mio. DM zu Gunsten des Haushaltsjahres 1999 umgebucht.
(26)

Zum Bestandteil des kassenmäßigen Abschlusses gehört auch die der Ermittlung des
Finanzierungssaldos dienende Finanzierungsrechnung. Diese stellt sich wie folgt
dar:
Summe der Ist-Einnahmen
mit Ausnahme der Einnahmen aus Krediten
vom Kreditmarkt, Entnahmen aus Rücklagen,
Fonds und Stöcken sowie Rücklagen und
Einnahmen aus kassenmäßigen Überschüssen

13.175.581.453,62 DM

Summe der Ist-Ausgaben
mit Ausnahme der Ausgaben zur Schuldentilgung am Kreditmarkt, Zuführungen an
Rücklagen, Fonds und Stöcke und Ausgaben zur Deckung kassenmäßiger Fehlbeträge

14.158.892.880,88 DM

Der in der Haushaltsrechnung 1999 nachgewiesene Finanzierungssaldo beträgt somit 983.311.427,26 DM.

23

Zur Deckung des Finanzierungsdefizits wurden folgende Mittel bereitgestellt:
Finanzierungsmittel
Einnahmen aus Krediten vom Kreditmarkt
Ausgaben zur Schuldentilgung am Kreditmarkt
Netto-Neuverschuldung am Kreditmarkt

920.613.892,71 DM
0,00 DM
920.613.892,71 DM

abzüglich
Ausgaben zur Deckung
kassenmäßiger Fehlbeträge

0,00 DM

zuzüglich
Einnahmen aus kassenmäßigen
Überschüssen
zuzüglich
Entnahmen aus Rücklagen usw.
abzüglich
Zuführungen an Rücklagen usw.

0,00 DM
-130.929.919,36 DM
62.697.534,55 DM

68.232.384,81 DM

Finanzierungsmittel insgesamt

983.311.427,26 DM

Durch die Deckung des Finanzierungssaldos schließt der Haushalt mit einem kassenmäßigen
Jahresergebnis von 0,00 DM ab.
(27)

Der Haushaltsabschluss gemäß § 83 LHO (Ist-Ergebnisse zuzüglich Haushaltsreste)
hat somit folgendes Ergebnis:

kassenmäßiges Jahresergebnis

0,00 DM

kassenmäßiges Gesamtergebnis

0,00 DM

rechnungsmäßiges Jahresergebnis

3.784.280,50 DM

rechnungsmäßiges Gesamtergebnis

-419.084.569,28 DM

Das saldierte rechnungsmäßige Jahresergebnis für 1999 von rd. 3,8 Mio. DM entspricht der Differenz zwischen den im Rechnungsjahr 1999 zu verzeichnenden saldierten Mehreinnahmen in Höhe von rd. 57,0 Mio. DM (einschließlich Reste) und
den saldierten Mehrausgaben in Höhe von rd. 53,2 Mio. DM (einschließlich Reste
und Vorgriffe). Im Einzelnen stellt sich das wie folgt dar:
Mehreinnahmen bei
–

HGr. 0 Einnahmen aus Steuern und steuerähnlichen Abgaben

–
HGr. 1 Verwaltungseinnahmen, Einnahmen
aus Schuldendienst u. dgl.

36,1 Mio. DM

70,6 Mio. DM

–
HGr. 2 Einnahmen aus Zuweisungen und Zuschüssen
mit Ausnahme für Investitionen

64,2 Mio. DM

24
Mindereinnahmen bei
–
HGr. 3 Einnahmen aus Schuldenaufnahmen, aus
Zuweisungen und Zuschüssen für Investitionen
–

-46,2 Mio. DM

HGr. 3 Besondere Finanzierungseinnahmen
Mehreinnahmen

-67,7 Mio. DM
57,0 Mio. DM

Mehrausgaben bei
– HGr. 8 Sonstige Ausgaben für Investitionen und
Investitionsförderungsmaßnahmen

77,6 Mio. DM

– HGr. 9 Besondere Finanzierungsausgaben

130,0 Mio. DM

Minderausgaben bei
– HGr. 4 Personalausgaben

-26,1 Mio. DM

– HGr. 5 Sächliche Verwaltungsausgaben

-28,0 Mio. DM

– HGr. 5 Ausgaben für den Schuldendienst

-17,5 Mio. DM

– HGr. 6 Ausgaben für Zuweisungen und Zuschüsse
mit Ausnahme für Investitionen

-50,4 Mio. DM

– HGr. 7 Ausgaben für Baumaßnahmen

-32,4 Mio. DM

Mehrausgaben
Ergibt saldiert rd.

53,2 Mio. DM
3,8 Mio. DM.

Der als rechnungsmäßiges Gesamtergebnis für das Haushaltsjahr nachgewiesene
Fehlbetrag von rd. 419,1 Mio. DM resultiert aus der Differenz der aus dem Haushaltsjahr 1998 und der in das Haushaltsjahr 2000 übertragenen Einnahme- und Ausgabereste und der Vorgriffe auf Ausgaben des Haushaltsjahres 2000.
Einnahmereste

337.568.902,99 DM

Ausgabereste

-811.856.929,61 DM

Saldo

-474.288.026,62 DM

Vorgriffe

+55.203.457,34 DM
-419.084.569,28 DM

Zusammenfassende Darstellung von Einzelergebnissen
der Haushaltsrechnung 1999
(28)

Die nachfolgende Übersicht zeigt die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben
gemäß Gruppierungsplan in den Haushaltsjahren 1996 bis 1999.

25
1996

Einnahmen/Ausgaben

– Mio. DM –

Ist 96
z. Ist 95
–%–

2

3

Ist

1

10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28

Steuern, LFA, BEZ
dav.: M-V verbleibende Steuern
Einnahmen aus LFA
BEZ
übrige laufende Einnahmen
Summe der bereinigten laufenden Einnahmen
spezielle Investitionseinnahmen
bereinigte Gesamteinnahmen
Entnahmen aus Rücklagen/haushaltstechnische
Verrechnungen
Netto-Kreditaufnahme
Gesamteinnahmen
Personalausgaben
Zinsen
Mietkauf/Leasing
Sach- u. Fachausgaben
dar.: Kommunaler Finanzausgleich
globale Minderausgabe
Summe der bereinigten laufenden Ausgaben
Investitionsausgaben
dav.: Baumaßnahmen
sonstige Investitionen (HGr. 8 ohne Z. 22)
Kommunale Investitionsmittel
bereinigte Gesamtausgaben
besondere Finanzierungsausgaben
Gesamtausgaben
Finanzierungssaldo
dav.: laufender Haushalt
Investitionshaushalt

29
30
31
32
33
34
35
36

Strukturdaten (%)
Steuerdeckungsquote
Kreditfinanzierungsquote
Finanzierungsdefizitquote
Investitionsquote
Personalausgabenquote
Zins-Ausgaben-Quote
Zins-Steuer-Quote

1
2
3
4
5
6
7
8
9

1997

1998

1999

– Mio. DM –

Ist 97
z. Ist 96
–%–

– Mio. DM –

Ist 98
z. Ist 97
–%–

4

5

7

8

Ist

Ist

– Mio. DM –

Ist 99
z. Ist 98
–%–

9

10

Ist

8.606,6
5.820,9
805,2
1.980,4
1.874,7
10.481,3
2.242,8
12.724,1
240,7

-0,2
-0,6
+0,6
+0,7
18,7
+2,7
+35,1
+7,2
+3.603,0

8.748,5
5.898,9
875,6
1.974,0
1.969,2
10.717,7
2.141,7
12.859,3
65,5

+1,6
+1,3
+8,7
-0,3
+5,0
+2,3
-4,5
+1,1
-72,8

8.863,6
6.020,5
856,3
1.986,7
2.080,0
10.943,6
2.078,7
13.022,3
84,4

+1,3
+2,1
-2,2
+0,6
+5,6
+2,1
-2,9
+1,3
+28,9

9.215,3
6.267,8
936,5
2.011,0
2.046,3
11.261,6
1.909,1
13.170,7
135,8

+4,0
+4,1
+9,4
+1,2
-1,6
+2,9
-8,2
+1,1
+60,9

2.044,8
15.009,5
3.493,3
532,8
–
6.685,5
2.493,6
0,0
10.711,6
4.165,3
458,4
3.549,5
157,3
14.876,9
132,6
15.009,5
-2.152,8
-230,3
-1.922,5

-4,7
+7,1
+3,5
+34,9
–
+6,4
+0,2
0,0
+6,6
+5,9
+14,5
5,0
+4,0
+6,4
+290,0
+7,1
–
–
–

1.485,3
14.410,2
3.566,1
652,2
–
6.224,1
2.545,4
0,0
10.442,4
3.850,3
453,0
3.246,5
150,8
14.292,7
117,5
14.410,2
-1.433,4
275,3
-1.708,6

-27,4
-4,0
+2,1
+22,4
–
-6,9
+2,1
0,0
-2,5
-7,6
-1,2
-8,5
-4,1
-3,9
-11,4
-4,0
–
–
–

1.290,9
14.397,7
3.620,6
745,4
19,7
6.351,4
2.392,7
0,0
10.737,1
3.599,1
477,6
2.977,0
144,6
14.336,1
61,5
14.397,7
-1.313,8
206,6
-1.520,3

-13,1
-0,1
+1,5
+14,3
–
+2,05
-6,0
0,0
+2,8
-6,5
+5,4
-8,3
-4,2
+0,3
-47,7
-0,1
–
–
–

920,6
14.227,1
3.686,9
813,0
20,9
6.110,9
2.356,9
0,0
10.631,7
3.522,2
494,7
2.875,6
152,0
14.154,0
73,1
14.227,1
-983,3
629,8
-1.613,1

-28,7
-1,2
+1,8
+9,1
+6,3
-3,8
-1,5
0,0
-1,0
-2,1
+3,6
-3,4
+5,2
-1,3
+18,9
-1,2
–
–
–

Ist 96
+44,5
+13,7
-14,5
+28,0
+23,5
+3,6
+8,1

Tabelle 5: Finanzwirtschaftliche Entwicklung der Jahre 1996 bis 1999

Ist 97
+47,4
+10,4
-10,0
+26,9
+25,0
+4,6
+9,6

Ist 98
+48,0
+9,0
-9,2
+25,1
+25,3
+5,2
+10,8

Ist 99
+50,9
+6,5
-6,9
+24,9
+26,1
+5,8
+11,3

26
(29)

Für das Haushaltsjahr 1999 weist die Haushaltsrechnung in Einnahmen und in Ausgaben ein ausgeglichenes Gesamtvolumen von 14.227,1 Mio. DM nach. Es liegt mit
170,6 Mio. DM bzw. 1,2 % unter dem Vorjahresergebnis von 14.397,7 Mio. DM und
1,5 % über dem veranschlagten Haushalts-Soll von 14.020,1 Mio. DM.

(30)

Die Anteile der verschiedenen Einnahme- und Ausgabearten des Haushaltsjahres
1999 stellen sich wie folgt dar:
Abb. 1: Struktur der Einnahmen 1999

NettoKreditaufnahme
6,5%

besondere Finanzierungseinnahmen
1,0%

Meckl.-Vorp. verbl.
Steuern
44,0%

Steuern, LFA, BEZ
64,7%

spezielle
Investitionseinnahmen
13,4%

übrige lfd.
Einnahmen
14,4%

Bundesergänzungszuweisungen
14,1%

Einnahmen aus
Länderfinanzausgleich
6,6%

Abb. 2: Struktur der Ausgaben 1999

Investitionsausgaben
24,8%

Mietkauf/
Leasing
0,2%
Zinsen
5,7%

Personalausgaben
25,9%

Besondere
Finanzierungsausgaben
0,5%

Gesetzliche
Sozialleistungen
4,9%

Schuldendiensthilfen
sächliche
0,5%
Verwaltungsausgaben
4,1%

Sach- und
Fachausgaben
42,9%

Kommunaler
Finanzausgleich
16,6%

sonstige Sach- und
Fachausgaben
16,8%

27
(31)

Die bereinigten Gesamteinnahmen, d. h. die um Einnahmen aus der Aufnahme von
Krediten, um Entnahmen aus Rücklagen und um haushaltstechnische Verrechnungen
(besondere Finanzierungseinnahmen) verminderten Gesamteinnahmen, beliefen sich
1999 auf 13.170,7 Mio. DM. Das Haushalts-Soll von 13.015,6 Mio. DM wurde damit um 155,1 Mio. DM bzw. 1,2 % überschritten. Gegenüber dem Vorjahresergebnis
von 13.022,3 Mio. DM sind sie um 1,1 % (1998: 1,3 %) gestiegen.

(32)

Das nachfolgende Diagramm verdeutlicht die Entwicklung der bereinigten
Gesamteinnahmen und der bereinigten Gesamtausgaben in den Haushaltsjahren von
1991 bis 1999:
Abb. 3: Entwicklung der bereinigten Gesamteinnahmen und
bereinigten Gesamtausgaben
15.000

Mio. DM

12.000
9.000
6.000
3.000
0

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

bereinigte Gesamteinnahmen
bereinigte Gesamtausgaben

(33)

Die Einnahmen aus Steuern, Länderfinanzausgleich (LFA) und Bundesergänzungszuweisungen (BEZ) sind mit 9.215,3 Mio. DM um 351,7 Mio. DM (4 %) gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das Haushalts-Soll wurde mit 109,3 Mio. DM bzw.
1,2 % überschritten. Dennoch deckt das Land seine Ausgaben in Höhe von
14,2 Mrd. DM nur mit weniger als der Hälfte aus Steuereinnahmen, die Mecklenburg-Vorpommern verbleiben.

(34)

Die Einnahmen aus den Mecklenburg-Vorpommern verbleibenden Steuern machen den größten Anteil der Einnahmen Mecklenburg-Vorpommerns aus. Sie sind
gegenüber dem Vorjahr um 4,1 % auf 6.267,8 Mio. DM gestiegen und liegen –
anders als in den Vorjahren – auch um 31,8 Mio. DM (0,5 %) über dem HaushaltsSoll. Die Abweichung vom Soll resultiert insbesondere aus Mehreinnahmen bei den

28
Landessteuern, denen Mindereinnahmen bei den Gemeinschaftsteuern und der Gewerbesteuerumlage gegenüberstehen.
(35)

Das Aufkommen nach Steuerarten und steuerähnlichen Abgaben gemäß Gruppierungsübersicht5 im Haushaltsjahr 1999 und die Veränderungen gegenüber dem Haushaltsjahr 1998 sind aus der folgenden Zusammenstellung ersichtlich:
Steuerart

Gemeinschaftsteuern und
Gewerbesteuerumlage
Lohnsteuer
Veranlagte Einkommensteuer
Nicht veranlagte Steuern vom
Ertrag
Körperschaftsteuer
Umsatzsteuer
Einfuhrumsatzsteuer
Gewerbesteuerumlage
Zinsabschlagsteuer
Landessteuern
Erbschaftsteuer
Grunderwerbsteuer
Kraftfahrzeugsteuer
Totalisatorsteuer
Lotteriesteuer
Feuerschutzsteuer
Biersteuer
Sonstige
Steuern gesamt
Steuerähnliche Abgaben
Abgaben von Spielbanken
Sonstige
Steuern und steuerähnliche
Abgaben gesamt

Gruppierungsnummer
01

IstEinnahmen
1998
– TDM –
5.451.465

IstEinnahmen
1999
– TDM –
5.694.617

Veränderungen
zum Vorjahr
– TDM –
243.152

–%–
4,5

011
012
013

1.105.767
-294.853
22.711

1.063.682
-269.177
23.708

-42.085
25.676
997

-3,8
8,7
4,4

014
015
016
017
018
05-06
052
053
054
055
057
059
061
069
01-069
09
093
099

133.836
3.946.248
475.081
7.550
55.125
564.564
4.519
204.863
269.003
8
31.741
11.716
31.597
11.117
6.016.029
21.075
4.511
16.564

152.191
4.140.360
500.904
27.767
55.182
564.687
5.269
226.757
252.808
7
36.483
8.914
33.619
830
6.259.304
23.888
8.486
15.402

18.355
194.112
25.823
20.217
57
123
750
21.894
-16.195
-1
4.742
-2.802
2.022
-10.287
243.275
2.813
3.975
-1.162

13,7
4,9
5,4
267,8
0,1
0,02
16,6
10,7
-6,0
-12,5
14,9
-23,9
6,4
-1.339,4
4,0
13,4
88,1
-7,0

0

6.037.104

6.283.192

246.088

4,1

Tabelle 6: Aufkommen nach Steuerarten

(36)

An Landessteuern vereinnahmte das Land Mecklenburg-Vorpommern im Haushaltsjahr 1999 564,7 Mio. DM. Das entspricht nur einem Zuwachs von
rd. 0,1 Mio. DM gegenüber 1998. Das Haushalts-Soll wurde dagegen sogar um
86,7 Mio. DM bzw. rd. 18,1 % überschritten.

(37)

Die Einnahmen aus den steuerähnlichen Abgaben in Höhe von 23,9 Mio. DM liegen um 39,9 % über dem Haushalts-Soll und mit rd. 2,8 Mio. DM über dem Ergeb-

5

Die Gruppierungsübersicht enthält alle Einnahmen und Ausgaben einschließlich der Änderungen des Haushaltsvolumens während der Bewirtschaftungsphase ohne Berücksichtigung der übertragenen Haushaltsreste.

29
nis des Vorjahres. Die Einnahme aus der Spielbankabgabe beträgt mit 8,5 Mio. DM
fast das Doppelte des Vorjahres (188,1 %).
(38)

Die positive Entwicklung der Steuereinnahmen des Haushaltsjahres 1999 zum Vorjahr ist darauf zurückzuführen, dass insbesondere bei der Umsatzsteuer, bei der das
Land von der bundesweiten Umlage profitiert, ein Zuwachs erreicht werden konnte.
Ebenso sind die Einnahmen aus der Erbschaft- und Grunderwerbsteuer gestiegen, die
im Haushaltsjahr 1997 erhöht wurden, weil die Vermögensteuer wegfiel. Dagegen
sind die Lohnsteuer und die Einkommensteuer leicht gesunken.

(39)

Die Entwicklung der Anteile von sechs wichtigen Steuerarten an den Gesamteinnahmen aus Steuern stellt sich in den Haushaltsjahren 1991 bis 1999 wie folgt dar:

Abb. 4: Entwicklung der Anteile wichtiger Steuerarten
an den Gesamteinnahmen aus Steuern
80
70
60
Lohnsteuer

50
%

Körperschaftsteuer

40

Umsatzsteuer

30

Einfuhrumsatzsteuer

20

Grunderwerbsteuer
Kraftfahrzeugsteuer

10
0
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999

(40)

Im Rahmen des bundesstaatlichen Finanzausgleichs flossen dem Land Mecklenburg-Vorpommern im Haushaltsjahr 1999 Mittel in Höhe von 2.947,5 Mio. DM
(Vorjahr 2.843 Mio. DM) aus dem Länderfinanzausgleich und den Bundesergänzungszuweisungen zu. Der Anteil dieser Einnahmen an den bereinigten Gesamteinnahmen beträgt 22,4 %.

(41)

Die Steuerdeckungsquote als das Verhältnis der Mecklenburg-Vorpommern
verbleibenden Steuern6 zu den bereinigten Gesamtausgaben (einschließlich Länderfi-

6

Ohne Gruppe 099 – sonstige steuerähnliche Abgaben –

30
nanzausgleich) erhöhte sich von 48,0 % im Haushaltsjahr 1998 auf 50,9 % im Haushaltsjahr 1999.
Das nachfolgende Diagramm zeigt die Entwicklung der Steuerdeckungsquote in den
Haushaltsjahren von 1991 bis 1999:

Abb. 5: Steuerdeckungsquote
60,0

48,0

%

40,0

27,3

30,0
20,0
10,0

50,9

44,5

25,7
28,1

19,0

0,0
1991

(42)

47,4

47,6

50,0

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

Bei den übrigen laufenden Einnahmen [Verwaltungseinnahmen, Einnahmen aus
Zuweisungen und Zuschüssen und steuerähnlichen Abgaben (außer die Abgaben von
Spielbanken)] sind gegenüber dem Haushalts-Soll Mehreinnahmen von
53,7 Mio. DM bzw. 2,7 % zu verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr sind diese Einnahmen jedoch leicht um 33,7 Mio. DM bzw. 1,6 % zurückgegangen.
Die Verwaltungseinnahmen wuchsen von 652,8 Mio. DM im Haushaltsjahr 1998 auf
699,7 Mio. DM im Haushaltsjahr 1999. Das bedeutet eine Steigerung um 7,2 %.

(43)

Die speziellen Investitionseinnahmen weisen gegenüber der veranschlagten Summe von 1.916,6 Mio. DM Mindereinnahmen in Höhe von 7,8 Mio. DM bzw. 0,4 %
aus. Dies ist zurückzuführen auf Mehreinnahmen in Höhe von 39,9 Mio. DM bei den
sonstigen Investitionseinnahmen und auf Mindereinnahmen in Höhe von
47,7 Mio. DM bei den Einnahmen aus dem Investitionsförderungsgesetz Aufbau Ost
(IfG) gegenüber dem veranschlagten Soll. Nach Angaben des Finanzministeriums
lag die Ursache für die geringen IfG-Einnahmen in den zu eng gewählten Kriterien
bei der Rechtsauslegung durch den Bund. Dadurch wurde der Einsatz der Mittel erschwert. Da dieses Problem in allen neuen Ländern bestand, wurde gemeinsam beim
Bund interveniert, sodass ab dem Haushaltsjahr 2000 ein erweiterter Einsatz der IfGMittel erreicht wurde.

31
(44)

Die Netto-Kreditaufnahme war für den Haushalt 1999 mit 924,0 Mio. DM veranschlagt worden. Gegenüber dem Haushaltsplan 1998 wurde somit die Ermächtigung
zur Aufnahme von Krediten um 270,3 Mio. DM bzw. rd. 22,6 % abgesenkt. Tatsächlich lag die Netto-Kreditaufnahme nach Abschluss des Haushalts 1999 mit
920,6 Mio. DM um 3,4 Mio. DM noch unter der nach dem Haushaltsplan vorgesehenen Neuverschuldung. Damit blieb die Schuldenaufnahme – wie geplant – unter einer Milliarde Mark. Im Vergleich zum Vorjahresergebnis (1.290,9 Mio. DM) ist die
Kreditaufnahme um 370,3 Mio. DM bzw. 28,7 % zurückgeführt worden.

(45)

Das nachfolgende Diagramm zeigt die Entwicklung der Netto-Kreditaufnahme in
den Haushaltsjahren von 1991 bis 1999:

Abb. 6: Netto-Kreditaufnahme
5.000
Ist
Soll

Mio.DM

4.000

3.000

3.976,9
3.303,1

2.395,1

2.000

2.144,5
2.708,6

2.407,2

2.044,8
1.485,3

2.105,0

1.290,9
1.550,0

1.000
977,9
0
1991

1.800,6
1.513,1

905,8

1992

1993

1994

1995

1996

1997

924,0
1.194,3

1998

920,6

1999

In nur kurzer Zeit ist durch die hohe Verschuldung früherer Jahre eine erhebliche
Vorbelastung für die Haushaltsplanung entstanden. Auch wenn insbesondere in den
Haushaltsjahren 1998 und 1999 die Netto-Neuverschuldung deutlich verringert werden konnte, werden die Zinsausgaben auch in Zukunft bedeutende Größen in der
Ausgabenstruktur des Landes Mecklenburg-Vorpommern sein.
(46)

Für die Einhaltung der Kreditermächtigung nach § 2 Haushaltsgesetz 1999 und
nach § 18 Abs. 3 LHO ergibt sich aus der Haushaltsrechnung 1999 folgendes Bild:

32
Nach dem Haushaltsplan waren
Kreditaufnahmen von
vorgesehen.
Dazu kam eine fortgeltende Ermächtigung von
aus dem Vorjahr.
Der Gesamt-Ermächtigungsrahmen betrug damit
im Haushaltsjahr 1999.
Dem stehen Kreditaufnahmen von insgesamt

923.966.600,00 DM
453.875.142,67 DM
1.377.841.742,67 DM
920.613.892,71 DM

gegenüber, sodass der Kreditrahmen für 1999 nur mit rd. 66,8 % ausgeschöpft wurde.
Die Unterschreitung der zulässigen Kreditaufnahme um 457.227.849,96 DM
führt zu einer fortgeltenden Ermächtigung für das Haushaltsjahr 2000 in Höhe dieses
Betrages, ohne dass der Budgetgesetzgeber über eine eventuell zusätzliche Inanspruchnahme beschließt.
Im Rahmen einer vor dem Bundesverfassungsgericht anhängigen Organklage7 wird
eine Entscheidung zur verfassungsrechtlichen Kreditobergrenze erwartet. Diese Entscheidung kann auch Auswirkungen auf die haushaltsrechtliche Beurteilung der Erweiterung des Kreditrahmens durch Kreditermächtigungen aus dem Vorjahr haben.
(47)

Nach Art. 65 Abs. 2 Verf. M-V und § 18 Abs. 1 LHO dürfen die Einnahmen aus
Krediten die Summe der im Haushaltsplan veranschlagten Ausgaben für eigenfinanzierte Investitionen nicht überschreiten. Bei Betrachtung der Einnahmen aus Krediten und der Summe der Ausgaben für Investitionen ergibt sich folgendes Bild:
Im Haushaltsplan 1999 waren veranschlagt:
Investitionsausgaben

3.270,3 Mio. DM

vermindert um
− Einnahmen aus Zuweisungen
für Investitionen aus dem öffentlichen Bereich,
OGr. 33
− Beiträge und sonstige Zuschüsse für Investitionen,
OGr. 34
eigenfinanzierte Investitionsausgaben
Netto-Kreditaufnahme

7

Az.: 2 BvE 4/97

-1.332,2 Mio. DM
-584,7 Mio. DM
1.353,4 Mio. DM
924,0 Mio. DM

33
Die veranschlagte Netto-Kreditaufnahme unterschreitet die eigenfinanzierten Investitionen laut Haushaltsplan damit um 429,4 Mio. DM (1998: 455,5 Mio. DM) bzw.
31,7 %.
Zum Haushaltsvollzug ist fest zu halten:
Investitionsausgaben

3.522,2 Mio. DM

vermindert um
− Einnahmen aus Zuweisungen
für Investitionen aus dem öffentlichen
Bereich, OGr. 33

-1.395,0 Mio. DM

− Beiträge und sonstige Zuschüsse
für Investitionen, OGr. 34

-514,1 Mio. DM

eigenfinanzierte Investitionen

1.613,1 Mio. DM

Netto-Kreditaufnahme

920,6 Mio. DM

Die Einnahmen aus Krediten liegen somit im Haushaltsvollzug 1999 mit
692,5 Mio. DM (1998: 229,4 Mio. DM) bzw. 42,9 % unter den Ausgaben für eigenfinanzierte Investitionen.
Damit wurde die Kreditobergrenze im Haushaltsvollzug 1999 eingehalten.
Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Kreditobergrenze von 1994 bis 1999
und stellt sie der Netto-Kreditaufnahme gegenüber.

Abb. 7: Kreditobergrenze und Netto-Kreditaufnahme
3.000
2.500

Mio. DM

2.000
1.500
1.000
500
0
1994

1995

1996

Kreditobergrenze

1997

1998

1999

Netto-Kreditaufnahme

34
(48)

Die Kreditfinanzierungsquote (Anteil der Netto-Kreditaufnahme an den bereinigten Gesamtausgaben) ist auch im Haushaltsjahr 1999 weiter abgesenkt worden. Die
Quote lag bei 6,5 %.
Folgendes Diagramm stellt die Entwicklung der Kreditfinanzierungsquote von 1991
bis 1999 dar:

Abb. 8: Kreditfinanzierungsquote
25,0
20,3
20,0
15,3
13,7

%

15,0
10,0

16,8

5,0
0,0
1991

(49)

9,0

9,4
10,4

8,2

1992

1993

1994

1995

1996

1997

6,5

1998

1999

Die bereinigten Gesamtausgaben in Höhe von 14.154,0 Mio. DM sind im Haushaltsjahr 1999 gegenüber dem Vorjahr um 182,1 Mio. DM bzw. 1,3 % gesunken.
Das veranschlagte Soll mit 13.998,3 Mio. DM ist jedoch um 155,7 Mio. DM überschritten worden.

(50)

Die Personalausgaben betrugen im Haushaltsjahr 1999 3.686,9 Mio. DM (Vorjahr:
3.620,6 Mio. DM) und lagen damit um rd. 40 Mio. DM bzw. 1,1 % unter dem veranschlagten Soll. Die Ursachen liegen nach Angaben des Finanzministeriums im Wesentlichen im Folgenden:
− Es wurden weniger Mittel für strukturelle Änderungen (Alterszuschläge, Beförderungen) verbraucht als ursprünglich angenommen (ca. -18 Mio. DM).
− Etwa 2.000 Mitarbeiter haben keine jährlichen Sonderzuwendungen erhalten, da
sie die Anspruchsvoraussetzungen nicht erfüllten (ca. -10 Mio. DM).
− Im Rahmen der Stellenreduzierung konnte ein höherer Personalabbau als angenommen realisiert werden (ca. -12 Mio. DM).

(51)

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Personalausgaben und ihre Steigerungsraten in den Haushaltsjahren 1991 bis 1999.

35
Abb. 9: Entwicklung der Personalausgaben
4.000
16,6
3.075,2

3.000

18
16
14
12

2.310,0

9,7

2.000

10
8

6,3
1.000

%

Mio. DM

3.686,9

3.493,3

6
4

3,6

2
0

0
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999
Personalausgaben

(52)

Steigerungsrate

Die Entwicklung der Personalausgaben nach Untergliederung der HGr. 4 im Jahresvergleich zeigt folgende Übersicht (Angaben ohne Reste):
OGr./Gr.

Ausgabeart

Ist 1998

Ist 1999

Veränderung

Mio. DM Mio. DM Mio. DM
41

Aufwendungen für Abgeordnete u. ehrenamtlich Tätige

42

Dienstbezüge u. dgl.

%

16,5

16,6

0,1

0,6

3.545,3

3.605,2

59,9

1,7

871,9

915,1

43,2

5,0

2.416,1

2.432,6

16,5

0,7

166,5

165,2

-1,3

-0,8

10,6

15,2

4,6

43,4

dar.: 432 Versorgungsbezüge der Beamten und Richter

9,1

14,1

5,0

54,9

44

Beihilfen, Unterstützungen u. dgl.

35,4

37,8

2,4

6,8

45

Personalbezogene Sachausgaben

12,8

12,1

-0,7

-5,5

dar.: 453 Trennungsgeld, Umzugskostenvergütungen

5,7

4,5

-1,2

-21,1

3.620,6

3.686,9

66,3

1,8

dar.: 422 Bezüge der Beamten u. Richter
425 Vergütungen der Angestellten
426 Löhne der Arbeiter
43

4

Versorgungsbezüge u. dgl.

Personalausgaben

Tabelle 7: Entwicklung der Personalausgaben nach der Untergliederung der HGr. 4 im Jahresvergleich

Der Ist-Vergleich der Personalausgaben der Haushaltsjahre 1998 und 1999 weist
insgesamt eine Erhöhung um 1,8 % aus. Gegenüber der Entwicklung der Personalausgaben von 1997 nach 1998 ist ein leichter Anstieg von 0,3 % festzustellen.
Der Anstieg der Versorgungsbezüge für Beamte und Richter ist dadurch verursacht,
dass sich die Anzahl der Versorgungsempfänger erhöht hat.
Der Rückgang beim Trennungsgeld und den Umzugskostenvergütungen beruht auf
dem Wegfall der Anspruchsvoraussetzungen bei einer Anzahl von Empfängern im
Landesdienst.

36
(53)

Aus dem Ausgabenblock der HGr. 4 entfielen folgende Ausgaben auf die Ressorts
(ohne Reste und ohne Solländerungen):
Soll 1999
– DM –
28.340.100,00

Einzelplan
01 Landtag
02 Landesrechnungshof

Ist 1999
Über- / Unterschreitung
– DM –
– DM –
–%–
26.358.711,86 -1.981.388,14
-7,0

8.590.900,00

7.935.464,25

-655.435,75

-7,6

13.283.300,00

13.586.421,48

303.121,48

2,3

491.241.000,00

492.744.080,03

1.503.080,03

0,3

05 Finanzministerium

253.295.400,00

252.876.097,89

-419.302,11

-0,2

06 Wirtschaftsministerium

108.687.500,00

110.232.961,40

1.545.461,40

1,4

2.077.650.845,39 -16.516.154,61

-0,8

03 Ministerpräsident,
kanzlei
04 Innenministerium

Staats-

07 Ministerium für Bil2.094.167.000,00
dung, Wissenschaft und
Kultur
08 Ministerium für Ernäh246.382.800,00
rung, Landwirtschaft,
Forsten und Fischerei
09 Justizministerium
241.529.400,00

244.611.951,48

-1.770.848,52

-0,7

242.541.752,37

1.012.352,37

0,4

10 Sozialministerium

61.005.500,00

61.547.825,79

542.325,79

0,9

11 Allgemeine Finanzverwaltung
13 Umweltministerium

85.683.400,00

62.302.461,56 -23.380.938,44

-27,3

71.482.000,00

72.224.497,49

742.497,49

1,0

15 Ministerium für Arbeit
und Bau
Gesamt

23.266.900,00

22.324.577,81

942.322,19

-4,1

3.686.937.648,80 -40.017.551,20

-1,1

3.726.955.200,00

Tabelle 8: Soll-Ist-Vergleich der Personalausgaben nach Einzelplänen

Gegenüber dem Haushaltsplan wurden insgesamt Minderausgaben in Höhe von rd.
40 Mio. DM ausgewiesen. Im Haushaltsjahr 1998 betrugen die Minderausgaben
noch rd. 69 Mio. DM. Diese Entwicklung ist nach Auskunft des Finanzministeriums
Ausdruck einer exakteren Planansatzberechnung. Ab dem Haushaltsjahr 1999 wurde
vom Finanzministerium eine neue Veranschlagungsmethode angewendet. Sie basiert
auf dem Ist des Vorjahres und geht von ganz bestimmten Annahmen in der Besoldungs- und Vergütungspraxis bei den anstehenden Personalveränderungen aus.

37
Aus dem folgenden Schaubild ist der Anteil der Ressorts an den Personalausgaben ersichtlich:

Abb. 10: Anteil der Ressorts an den Personalausgaben in %
WM
3,1%

FM
6,9%

IM
13,6%

BM
57,4%

LRH
0,2%
StK
0,4%
LT
0,7%
AM
0,6%
SM
1,7%

UM
2,0%

(54)

JM
6,6%

LM
6,7%

Die Personalausgabenquote (Anteil der Personalausgaben an den bereinigten Gesamtausgaben) erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr von 25,3 % auf 26,1 %.
Die folgende Darstellung zeigt die Entwicklung des prozentualen Anteil der Personalausgaben an den bereinigten Gesamtausgaben von 1991 bis 1999 (Personalausgabenquote).

Abb. 11: Personalausgabenquote
27,0
26,1

26,0
25,3

%

25,0
24,0

25,0

24,1

24,4

23,5

23,0
23,1

23,1

22,0
21,0
1992

(55)

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

Die Personalausgaben beanspruchen die Steuereinnahmen und die allgemeinen Finanzzuweisungen des Landes in erheblichem Maße. In den Jahren 1991 bis 1999 ergab sich folgende Entwicklung:

38
Haushaltsjahr

Beanspruchung M-V verbl. Personal- Beanspruchung
durch Personalausgaben durch PersoSteuern
ausgaben
nalausgaben

Steuern,
LFA, BEZ

Personalausgaben

Mio. DM

Mio. DM

%

Mio. DM

Mio. DM

%

1991

6.174,1

2.327,0

32,8

1.978,3

2.327,0

117,6

1992

7.104,7

2.713,0

38,2

3.045,3

2.713,0

89,1

1993

7.402,7

2.892,3

41,6

3.219,6

2.892,3

89,8

1994

7.828,5

3.075,2

43,1

3.734,2

3.075,2

82,4

1995

8.625,9

3.373,7

39,1

6.658,3

3.373,7

50,7

1996

8.606,6

3.493,3

40,6

6.626,1

3.493,3

52,7

1997

8.748,5

3.566,1

40,8

6.774,5

3.566,1

52,6

1998

8.863,6

3.620,6

40,9

6.876,8

3.620,6

52,6

1999

9.215,3

3.686,9

40,0

6.267,8

3.686,9

51,2

Tabelle 9: Entwicklung der Beanspruchung der Steuereinnahmen und allgemeinen Finanzzuweisungen durch
die Personalausgaben im Jahresvergleich

Die Zusammenstellung zeigt, dass die Beanspruchung der Steuereinnahmen und allgemeinen Finanzzuweisungen durch die Personalausgaben in den Jahren von 1991
bis 1994 stetig zunahm. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Personalausgaben
schneller stiegen als die Steuereinnahmen und die allgemeinen Finanzzuweisungen.
Im Haushaltsjahr 1995 kehrte sich dieses Verhältnis um und erreichte den bisherigen
Tiefstand von 39,1 %. In den Jahren von 1996 bis 1998 nahm die Beanspruchung
durch die Personalausgaben wieder leicht zu. Im Haushaltsjahr 1999 hat die Zunahme der Steuereinnahmen und allgemeinen Finanzzuweisungen dazu geführt, dass die
Beanspruchung durch die Personalausgaben gegenüber dem Vorjahr von 40,9 % auf
40,0 % zurückgegangen ist. Betrachtet man dagegen nur die in Mecklenburg-Vorpommern verbleibenden Steuern (ohne LFA und BEZ), so sind im Haushaltsjahr
1999 rd. 59 % für Personalausgaben beansprucht worden und damit standen nur
rd. 41 % dieser Einnahmen für andere Ausgaben zur Verfügung.
(56)

Die Zinsausgaben des Landes sind auch im Haushaltsjahr 1999 weiter gestiegen. Sie
haben sich im Vergleich zum Vorjahr um 67,6 Mio. DM bzw. 9,1 % auf
813 Mio. DM erhöht. Damit entsprach die Höhe der Zinsausgaben – insbesondere
bedingt durch die hohe Netto-Neuverschuldung in den Haushaltsjahren von 1991 bis
1994 – bereits im Jahr 1999 86,8 % der Einnahmen aus dem Länderfinanzausgleich.
Mit den Zinslasten insgesamt stiegen auch die Zinslasten pro Einwohner um 9,7%
auf rd. 454 DM im Jahr 1999 (1998: rd. 414 DM). Dieser Anstieg ist auf die anhal-

39
tende Netto-Neuverschuldung sowie auf den Rückgang der Einwohnerzahlen des
Landes Mecklenburg-Vorpommern zurückzuführen.
Aus der nachstehenden Übersicht ist die Entwicklung der Zinsausgaben ersichtlich:

Abb. 12: Entwicklung der Zinsausgaben
1.000
813,0

Mio. DM

800

652,2

600
395,0

400
200

134,0

0
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999
Haushaltsjahr

(57)

Die Zinsausgabenquote (Anteil der Zinsausgaben an den bereinigten Gesamtausgaben) zeigt die haushaltswirtschaftliche Belastung durch auf Kreditaufnahmen
beruhenden Zinsverpflichtungen. Sie ist von 5,2 % im Haushaltsjahr 1998 auf 5,8 %
im Haushaltsjahr 1999 angestiegen. Wie folgende Grafik zeigt, sind die
Zinsausgabenquote, die Zinslastquote (Anteil der Zinsausgaben an den bereinigten
Gesamteinnahmen) und die Zinssteuerquote (Verhältnis der Zinsausgaben zu den
Steuereinnahmen einschließlich Länderfinanzausgleich) immer weiter gestiegen. Die
Zinssteuerquote ist allerdings im Verhältnis zur Zinsausgaben- und Zinslastquote
schneller gestiegen. Mittelfristig wird ein weiterer Anstieg der Zinsausgaben
erwartet. Zwangsläufig ist damit auch eine Erhöhung der Zinslastquote verbunden.

40
Abb. 13: Zinssteuer-, Zinsausgaben- und Zinslastquote
12,0

11,3

10,0
%

8,0

5,9

6,0

6,2

4,0
2,0
0,0
1991

1992

1993

1994

1995

Zinssteuerquote
Zinslastquote

(58)

1996

1997

1998

1999

Zinsausgabenquote

Die Sach- und Fachausgaben einschließlich Mietkauf/Leasingraten liegen mit
6.131,8 Mio. DM um 114,5 Mio. DM unter dem veranschlagten Haushalts-Soll und
um 239,3 Mio. DM bzw. 3,8 % unter dem Ist des Haushaltsjahres 1998. Im Einzelnen begründet das Finanzministerium die Einsparung gegenüber dem Haushalts-Soll
wie folgt:
− Bei den Ausgaben des Kommunalen Finanzausgleichs sind zwar Mittel in Höhe
von 10,7 Mio. DM nicht in Anspruch genommen worden. Diese Mittel gingen den
Kommunen aber nicht verloren. Hier wurden Haushaltsreste gebildet und in das
Haushaltsjahr 2000 übertragen.
− Bei den Ausgaben für die Gesetzlichen Sozialleistungen ist eine Einsparung in
Höhe von 13,4 Mio. DM zu verzeichnen. Diese Minderausgaben entstanden im
Bereich der Sozialhilfe aufgrund geringerer Zahlfälle (-8,1 Mio. DM).
− Bei den Ausgaben für Schuldendiensthilfen sind Mittel in Höhe von
41,9 Mio. DM eingespart worden. Dadurch konnten u. a. Mittel in Höhe von
38 Mio. DM im Wege der Deckungsfähigkeit den Investitionsausgaben bei der
Krankenhausförderung zugeführt werden.
− Die Einsparungen bei den sächlichen Verwaltungsausgaben in Höhe von
22,7 Mio. DM wurden als ein Anzeichen dafür gewertet, dass die Mittel verstärkt
nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten verwaltet wurden.
− Das Haushalts-Soll bei den sonstigen Sach- und Fachausgaben konnte nicht in
Anspruch genommen werden, weil im Bereich des reformierten Europäischen So-

41
zialfonds rund 19,5 Mio. DM noch nicht kassenwirksam geworden sind. Die Mittel wurden bereits bewilligt.
(59)

Im Haushaltsplan 1999 waren „Globale Minderausgaben“ in Höhe von insgesamt
-137.000.000 DM veranschlagt worden, und zwar:
im Einzelplan 06 „Wirtschaftsministerium“
– beim Titel 0603 892.99 (MG 03) in Höhe von

-30.000.000,00 DM

im Einzelplan 11 „Allgemeine Finanzverwaltung“
− beim Titel 1108 972.01 in Höhe von
− beim Titel 1111 549.01 in Höhe von
− beim Titel 1111 972.01 in Höhe von

-3.000.000,00 DM
-22.000.000,00 DM
-75.000.000,00 DM

im Einzelplan 12 „Hochbaumaßnahmen des Landes“
– beim Titel 1211 712.01 in Höhe von
Veranschlagte „Globale Minderausgaben“ insgesamt

-7.000.000,00 DM
-137.000.000,00 DM

Ihr Anteil an den Gesamtausgaben des Haushaltsjahres 1999 beträgt damit 0,96 %
(Vorjahr 1,8 %). Nach Darstellung des Finanzministeriums sind alle Einsparverpflichtungen erbracht worden.
(60)

Die Ausgaben für Investitionen lagen im Haushaltsjahr 1999 mit 3.522,2 Mio. DM
um 251,9 Mio. DM bzw. 7,7 % über dem Soll laut Haushaltsplan. Gegenüber dem
Vorjahresergebnis von 3.599,1 Mio. DM sind sie um rd. 77 Mio. DM bzw. 2,1 % zurückgeführt worden. Die Minderausgaben gegenüber dem veranschlagten Soll sind
nach Angaben des Finanzministeriums zurückzuführen auf:
– Baumaßnahmen
Die Ausgaben für Baumaßnahmen in Höhe von 497,7 Mio. DM waren um
22,5 Mio. DM geringer ausgefallen, als veranschlagt worden waren. Die Baukosten bewegten sich noch auf einem niedrigen Niveau und die Ausgabeansätze
mussten nicht in vollem Umfang ausgeschöpft werden. Geplante Maßnahmen
konnten so günstiger als veranschlagt realisiert werden.
– Sonstige Investitionen
Das Haushalts-Soll der Ausgaben für sonstige Investitionen war um 259,4 Mio. DM
überschritten worden. Ausgaben in Höhe von knapp 160 Mio. DM wurden im
Rahmen der Ermächtigung nach § 18 Haushaltsgesetz 1999 für die Gemein-

42
schaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ zusätzlich geleistet. Der hälftige Landesanteil wurde über eine Entnahme aus dem Sondervermögen Grundstock finanziert.
Umschichtungen bei der Krankenhausförderung machten es möglich, dass
rd. 38 Mio. DM mehr für Investitionen kassenwirksam wurden (z. B. aus Schuldendiensthilfen für den Krankenhausbau in Höhe von 32 Mio. DM).
Bei der kommunalen Investitionspauschale wurden 15 Mio. DM aus Resten der Vorjahre zusätzlich verausgabt.
Die Entwicklung der einzelnen Investitionsausgabenbereiche zum Vorjahr gemäß
Gruppierungsplan (einschließlich Solländerungen) ist aus nachstehender Tabelle zu
ersehen:
Bereich

Obergruppe

Hochbau
71-74
Tiefbau
75-79
Erwerb von beweglichen Sachen
81
Erwerb von unbewegl. Sachen
82
Erwerb von Beteiligungen
83
Darlehen an öffentlichen Bereich
85
Darlehen an sonstige Bereiche
86
Inanspruchnahme aus
87
Gewährleistungen
Zuweisungen für Investitionen an
88
öffentlichen Bereich
Zuschüsse für Investitionen an
89
sonstige Bereiche
Investitionsausgaben gesamt
HGr. 7-8
davon: Baumaßnahmen
7
Investitionsförderung
8

Ist
1998
Mio. DM
271,2
206,3
113,6
65,1
24,1
0,0
426,8
21,9

Ist
1999
Mio. DM
304,2
190,5
106,2
61,8
24,1
0,0
398,0
51,5

Entwicklung Ist
1999 zum Ist 1998
Mio. DM
%
33,0
12,2
-15,8
-7,7
-7,4
-6,5
-3,3
-5,1
0,0
0,0
0,0
0,0
-28,8
-6,7
29,6
135,2

1.157,3

1.047,0

-110,3

-9,5

1.312,7

1.338,9

26,2

2,0

3.599,0
477,5
3.121,5

3.522,2
494,7
3.027,5

-76,8
17,2
-94,0

-2,1
3,6
-3,0

Tabelle 10: Entwicklung einzelner Investitionsbereiche
Abweichungen in den Summen durch Runden der Einzelwerte

(61)

Die Investitionsquote (Anteil der Investitionsausgaben an den bereinigten Gesamtausgaben) verschlechterte sich geringfügig von 25,1 % in 1998 auf 24,9 % im Haushaltsjahr 1999. Die Investitionsausgaben je Einwohner von rd. 1.968,5 DM waren
1999 noch dreimal höher als in den Flächenländern (West). Die Investitionsquote
widerspiegelt die vermehrten Investitionen aufgrund des weiterhin bestehenden
Nachholbedarfes der neuen Länder, haben doch die Flächenländer (West) nur eine

43
Investitionsquote von 11,0 %8 aufzuweisen. Nach der Mittelfristigen Finanzplanung
2000 – 2004 soll die Investitionsquote im Jahr 2004 auf 19,8 % zurückgehen.
Die nachfolgende Grafik veranschaulicht die Entwicklung der Ausgaben für Investitionen und die Investitionsquote von 1991 bis 1999.

Mio. DM

Abb. 14: Investitionen und Investitionsquote
35%

4.500
4.000
3.500
3.000
2.500
2.000
1.500
1.000
500
0

30%
25%
20%
15%
10%
5%
0%
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999
Investitionen

(62)

Investitionsquote

Der Finanzierungssaldo (Differenz zwischen den bereinigten Gesamteinnahmen
und den bereinigten Gesamtausgaben) betrug im Haushaltsjahr 1999
-983,3 Mio. DM. Damit lag der tatsächliche Finanzierungssaldo um 511.527,26 DM
über dem im Haushaltsplan veranschlagten Soll von -982,8 Mio. DM. Gegenüber
dem Vorjahr ist das Finanzierungsdefizit um 330,5 Mio. DM bzw. 25,2 % gesunken.
Der Finanzierungssaldo hat sich in den Haushaltsjahren von 1991 bis 1999 wie folgt
entwickelt:

Abb. 15: Finanzierungssaldo
1999

-983,3

1998

-1.313,8

1997

-1.483,3

1996

-2.152,8

1995

-2.117,0
-2.611,4

1994
1993

-2.046,2
-894,9

1992
1991

-977,8
-3000

8

-2500

-2000

-1500
Mio. DM

-1000

Dokumentation des Bundesministeriums der Finanzen vom November 2000
(Übersicht 2 zu V A 2 – FV 4036 – 10/00).

-500

0

44
(63)

In § 60 LHO wird zugelassen, dass eine Ausgabe als Vorschuss und eine Einnahme
als Verwahrung gebucht werden darf. In beiden Fällen werden Zahlungen außerhalb
des Haushalts vollzogen. Sie erscheinen weder im kassenmäßigen Abschluss noch in
der Haushaltsrechnung. § 89 Abs. 1 LHO schreibt daher als besondere Überwachungsaufgabe des Landesrechnungshofes die Prüfung der Vorschüsse und Verwahrungen vor.
Als Vorschuss darf eine Ausgabe nur gebucht werden, wenn die Verpflichtung zur
Leistung besteht, die Ausgabe aber noch nicht nach der im Haushaltsplan oder sonst
vorgesehenen Ordnung gebucht werden kann (§ 60 Abs. 1 Satz 1 LHO).
Für den Nachweis der Vorschüsse wird das Vorschussbuch geführt. Ein Vorschuss
ist bis zum Ende des zweiten auf seine Entstehung folgenden Haushaltsjahres abzuwi
ckeln, d. h. endgültig zu verbuchen.
In Verwahrung darf eine Einzahlung nur genommen werden, solange sie nicht nach
der im Haushaltsplan oder sonst vorgesehenen Ordnung gebucht werden kann
(§ 60 Abs. 2 Satz 1 LHO). Zu den Verwahrungen zählen auch Einzahlungen, die ihrer Natur nach keine Haushaltseinnahmen darstellen. Als Verwahrung gebuchte Beträge sind gemäß VV Nr. 42.5 zu § 70 LHO als Einnahme zu buchen, wenn sie nicht
innerhalb von sechs Monaten aufgeklärt werden können.

(64)

Die Landeskasse hat die bis zum Jahresabschluss nicht abgewickelten Verwahrungen und Vorschüsse je für sich getrennt nach Buchungsstellen nachzuweisen
(VV Nr. 4 zu § 80 LHO) und dem Landesrechnungshof auf Verlangen vorzulegen.
Der Landesrechnungshof hatte die Nachweise gemäß Erlass des Finanzministeriums
über den Jahresabschluss für das Haushaltsjahr 1999 und die Vorlage der Rechnungsunterlagen (Jahresabschlusserlass 1999) angefordert und stichprobenweise geprüft.
Das Finanzministerium erstellte den Nachweis der nicht abgewickelten Verwahrungen zunächst am 20.1.2001, dann am 19.3.2001 und letztendlich am 10.4.2001. In
der Nachweisung unterschied sich in mehreren Fällen das ausgewiesene Buchungsdatum der Einzelbuchungen mit dem eigentlichen Erfassungsdatum. Nach nochmaliger Vorlage durch das Finanzministerium waren diverse Einzelbuchungen mehrfach
ausgewiesen, sodass die Prüfung erst nach einer Bereinigung der Aufstellung durch
den Landesrechnungshof vorgenommen werden konnte. Erst am 12.4.2001 war das

45
Finanzministerium in der Lage, die Nachweisung ohne erkennbare Fehler dem Landesrechnungshof zur Verfügung zu stellen. Die Prüfung der nicht abgewickelten
Verwahrungen, die keinen sachlichen Zusammenhang mit anderen Rechnungsnachweisungen haben, ergab dann, dass zum Abschluss des Haushaltsjahres 1999 mindestens 31 Verwahrungen mit einem Gesamtumfang von 94.711,63 DM in das
Haushaltsjahr 2000 übernommen wurden, deren Buchungstag mehr als sechs Monate
vor dem 31.12.1999 liegt. Dazu folgende Beispiele:
Buchungsstelle

Kassenzeichen

Buchungsdatum

Betrag in DM

(gemäß ProFiskal)

20/2013/245.41
20/2013/245.41
20/2013/245.41

991042910
990331851
990331827

07.06.1999
05.03.1999
05.03.1999

26.828,48
13.399,92
18.675,20

In den Erläuterungen zu einem Teil der Verwahrbuchungen war vermerkt, dass eine
endgültige Verbuchung des Betrages erfolgen kann oder eine Verrechnung mit den
offenen Forderungen des Einzahlers durchgeführt wird. Das legt den Schluss nahe,
dass die Einzahlungen zwar aufgeklärt, aber nicht entsprechend verbucht worden
sind. Die Ursache könnten u. a. die noch fehlenden Annahmeanordnungen der
Dienststellen sein.
Ein weiteres Beispiel zeigt, dass Einnahmen sogar über mehrere Jahre in Verwahrung verbleiben, obwohl ein entsprechender Einnahmetitel vorhanden war.
So wurde während der „Prüfung der Ausgaben für Maßnahmen im Rahmen der Freistellung von Altlastenhaftung“ im Einzelplan des Umweltministeriums festgestellt,
dass nach Abschluss einer Vereinbarung über die Höhe der Refinanzierungsverpflichtungen des Bundes für drei Großprojekte in Wismar, Rostock und Stralsund
am 29.11.1996 von der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben
(BvS) an das Land M-V pauschal eine Summe von 25.900.000 DM überwiesen wurde. Dieser Betrag wurde in Verwahrung genommen, obwohl ein entsprechender Einnahmetitel vorhanden war. Sobald eine Refinanzierung von Altlastensanierungsmaßnahmen aus dem Bereich der Großprojekte ansteht, wird der entsprechende Teilbetrag dem Einnahmetitel 1302 331.02 „Zuweisungen des Bundes für die Freistellung
von Altlastenhaftung“ gutgeschrieben. Per 31.12.1999 wies der Verwahrtitel
70/41/331.02 einen Bestand von 8.768.087,02 DM aus.

46
Der Landesrechnungshof hält aus haushaltsrechtlicher Sicht die Buchung auf einen
Verwahrtitel im o. g. Fall und über einen Zeitraum von mehreren Jahren für unzulässig. Darüber hinaus wird die Verwendung der Bundesmittel nach außen nur in dem
Umfang sichtbar, als sie als Einnahme beim o. g. Titel (1302 331.02) gebucht werden. Mit dieser Buchungsweise wurde gegen die Grundsätze der Haushaltsklarheit
und -wahrheit verstoßen. Dem Land M-V stehen also seit 1996 zusätzliche Mittel zur
Verfügung, die durch die Buchung auf einem Verwahrtitel – jedoch nicht in der
Haushaltsrechnung – sichtbar werden.
Das Finanzministerium und das Umweltministerium haben die Kritik bereits aufgegriffen und vereinbart, dass dieser Verwahrtitel aufgelöst wird.
Der Landesrechnungshof erwartet vom Finanzministerium, dass künftig die haushaltsrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden. Zudem fordert er das Finanzministerium auf, dafür zu sorgen, dass alle Bestandsnachweise über die nicht abgewickelten Verwahrungen und Vorschüsse dem Landesrechnungshof in Zukunft fehlerfrei vorgelegt werden.
(65)

In der Haushaltsrechnung 1999 weist die Liste der überplanmäßigen und außerplanmäßigen Ausgaben (einschließlich Vorgriffe) Mehrausgaben in Höhe von
78.534.919,86 DM aus. Hinzu kommen die Mehrausgaben, die gemäß § 8 i. V. m.
§ 37 Abs. 2 LHO bzw. § 35 LHO gebucht worden sind.
Die über- und außerplanmäßigen Ausgaben bzw. Haushaltsüberschreitungen verteilen sich im Einzelnen wie folgt:
• Überplanmäßige und außerplanmäßige Ausgaben
mit Einwilligung nach § 37 Abs. 1 und 7 LHO
• Überschreitungen ohne Einwilligung
der Finanzministerin
• sonstige Überschreitungen
Von diesen insgesamt ausgewiesenen
Überschreitungen der Haushaltsansätze in Höhe von
entfielen auf
• überplanmäßige Ausgaben
• außerplanmäßige Ausgaben
• Vorgriffe

77.765.789,82 DM
14.990,04 DM
754.140,00 DM

78.534.919,86 DM
23.874.030,40 DM
107.865,07 DM
54.553.024,39 DM

47
(66)

Die über- und außerplanmäßigen Ausgaben einschließlich der Vorgriffe sind gegenüber dem Vorjahr (rd. 140 Mio. DM) um rd. 61,5 Mio. DM bzw. 43,9 % gesunken.
Die erforderliche vorherige Zustimmung der Finanzministerin (vgl. § 37 Abs. 1
LHO) zu den über- und außerplanmäßigen Ausgaben lag i. d. R. vor. Aus der Haushaltsrechnung ergibt sich, dass diese Einwilligung in acht von 25 Fällen mit einem
Betrag von insgesamt 14.990,04 DM (Vorjahr: vier von 49 Fällen – insgesamt
8.502,32 DM) nicht vorlag (vgl. Anlage 1 Teil G zur Haushaltsrechnung).

(67)

Über- und außerplanmäßige Ausgaben bedürfen der vorherigen Zustimmung der
Finanzministerin. Sie darf gemäß Art. 63 Abs. 1 Verf. M-V und § 37 Abs. 1 LHO
nur im Falle eines unvorhergesehenen und unabweisbaren Bedürfnisses erteilt werden. Der Landesrechnungshof hat im Zusammenhang mit der Prüfung der Haushaltsrechnung 1999 folgendes festgestellt:
Das Wirtschaftsministerium stellte am 20.12.1999 einen Antrag an die Finanzministerin auf Einwilligung in eine überplanmäßige Ausgabe beim Titel 0602 683.03 „An
das Landesförderinstitut M-V für die Begleitung und Durchführung von Förderprogrammen“ in Höhe von 2.676.580 DM. Die Finanzministerin willigte am 28.12.1999
(Az. IV 240b) gemäß § 37 Abs. 1 LHO in Verbindung mit § 3 des Haushaltsgesetzes
1999 in diese überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 2.357.580 DM ein. Darüber unterrichtete die Finanzministerin gemäß Artikel 63 Abs. 2 der Verf. M-V auch den
Landtag (vgl. Drs. 3/1074). In der Haushaltsrechnung sind beim o. g. Titel überplanmäßige Ausgaben in Höhe von 2.357.579,56 DM durch das Wirtschaftsministerium nachgewiesen worden. Der Landesrechnungshof hat bei der Prüfung festgestellt, dass die Begründung für die Einwilligung wesentlich von der in der „Übersicht
über über- und außerplanmäßge Ausgaben gemäß § 37 LHO, Ausgaben ohne Einwilligung der Finanzministerin sowie sonstige Überschreitungen und ihre Begründung“
(Anlage I. 1. Teil G zur Haushaltsrechnung) und von der in der Drs. 3/1074 gegebenen Begründung abweicht.
Das Finanzministerium hat dem Landesrechnungshof zudem bis Redaktionsschluss
des Jahresberichtes 20001 – auch nach intensiven Meinungsaustausch – keine überzeugende Begründung der Unvorhersehbarkeit und Unabweisbarkeit der überplanmäßigen Ausgabe geben können.

48
(68)

Aus nachfolgender Tabelle ist die Entwicklung des Anteils der überplanmäßigen und
außerplanmäßigen Ausgaben einschließlich der Vorgriffe an den Gesamtausgaben in
den Haushaltsjahren von 1991 bis 1999 ersichtlich:
Haushaltsjahr

Ist-Ausgaben

üpl./apl. Ausgaben
u. Vorgriffe

Anteil
(Sp. 3: Sp. 2)

1

– Mio. DM –
2

– Mio. DM –
3

–%–
4

1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999

10.406,4
11.116,3
12.600,1
13.478,2
14.016,2
15.009,5
14.410,2
14.397,7
14.227,1

56,4
96,6
180,9
182,6
38,4
164,7
147,7
140,0
78,5

0,5
0,9
1,4
1,4
0,3
1,1
1,0
1,0
0,6

Tabelle 11: Entwicklung der über- und außerplanmäßigen Ausgaben
Abweichungen in den Angaben durch Runden

(69)

Der Landesrechnungshof hat bei der Prüfung der Haushaltsrechnung festgestellt,
dass im Einzelplan des Innenministeriums beim Titel 0404 681.01 „Aufwendungen
für Lehrgangsteilnehmer“ Mehrausgaben in Höhe von 14.054,98 DM geleistet worden sind. Bei diesen Mehrausgaben handelt es sich um „Sonstige Überschreitungen
ohne Einwilligung der Finanzministerin“. Diese Mehrausgaben sind aber nicht gemäß Runderlass IV/200 H 3025 vom 8. Mai 2000 in der Anlage I „Übersicht über
über- und außerplanmäßige Ausgaben gemäß § 37 LHO, Ausgaben ohne Einwilligung der Finanzministerin sowie sonstige Überschreitungen und ihre Begründungen“
für den Einzelplan 04 – Geschäftsbereich des Innenministeriums – nachgewiesen
worden. Damit ist die Anlage I. 1. „Übersicht über überplanmäßige und außerplanmäßige Ausgaben nach § 37 LHO, Ausgaben ohne Einwilligung der Finanzministerin sowie sonstige Überschreitungen und ihre Begründungen“ im Teil G der „Haushaltsrech-nung und Vermögensübersicht für das Haushaltsjahr 1999“ (Kurzfassung)
unvollständig.

(70)

Beim Abschluss der Haushaltsrechnung für das Haushaltsjahr 1999 sind folgende
Haushaltsreste in das Haushaltsjahr 2000 übertragen worden:

49
− Einnahmereste
davon:
– Einnahmereste bei laufenden
Einnahmen
123.407.372,47 DM
– Einnahmereste bei Einnahmen
aus Zuweisungen und Zuschüsse für
Investitionen und sonstige
214.161.530,52 DM
− Ausgabereste (netto)
davon:
– Ausgabereste für
laufende Ausgaben
– Ausgabereste für Investitionen
– Ausgabereste für besondere
Finanzierungsausgaben

756.653.472,27 DM

193.422.486,35 DM
563.230.978,06 DM
7,86 DM

Somit ergibt sich ein Überschuss der Ausgabereste von
(71)

337.568.902,99 DM

419.084.569,28 DM.

Aus nachfolgender Übersicht wird ersichtlich, dass die Ausgabereste in den Haushaltsjahren von 1991 bis einschließlich 1994 stetig gewachsen sind. Im Haushaltsjahr
1996 sind sie beträchtlich zurückgeführt worden und blieben dann im Wesentlichen
bis einschließlich 1999 auf einem unveränderten Niveau. Ihr Anteil an den Gesamtausgaben beträgt im Haushaltsjahr 1999 5,3 % und hat sich damit in den letzten drei
Haushaltsjahren kaum verändert. Deutlich wird auch, dass es im Haushaltsjahr 1999
– wie auch schon in den Vorjahren – nicht möglich war, die Einnahmereste in gleicher Höhe zu bilden. Die Deckungslücke zwischen Einnahme- und Ausgaberest beträgt 419,1 Mio. DM und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr (422,8 Mio. DM)
nur leicht verringert. Das bedeutet wiederum eine Vorbelastung für den Haushaltsvollzug in den nachfolgenden Haushaltsjahren, da entsprechende Einnahmen für die
Abdeckung der Ausgaben, die im Haushaltsjahr 2000 aufgrund der Ausgabereste des
Haushaltsjahres 1999 geleistet werden, erforderlich werden.
Haushaltsjahr

Einnahmereste

Ausgabereste

1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999

– Mio. DM –
688,3
824,6
1.131,9
1.203,8
1.162,5
687,9
558,9
328,8
337,6

– Mio. DM –
688,3
824,6
1.131,9
1.317,3
1.188,6
692,6
705,9
751,6
756,7

Tabelle 12: Entwicklung der Ausgabe- und Einnahmereste

Reste in %
des Gesamtvolumens
Einnahmen
Ausgaben
6,6
6,6
7,4
7,4
9,0
9,0
8,9
9,8
8,3
8,5
4,6
4,6
3,9
4,9
2,3
5,2
2,4
5,3

50
(72)

Von den Ausgaberesten in Höhe von 756,7 Mio. DM entfallen 563,2 Mio. DM auf
die Investitionsausgaben. Diese sind gegenüber dem Vorjahr um 12,8 Mio. DM zurückgeführt worden. Ihr Anteil an den Ausgaberesten insgesamt ist daher – nach
76,6% im Vorjahr – auf 74,4 % verringert worden. Damit ist der Anteil der für konsumtive Ausgaben gebildeten Ausgabereste an den Ausgaberesten insgesamt von
23,4 % im Haushaltsjahr 1998 auf 25,6 % im Haushaltsjahr angestiegen.
Im nachfolgenden Diagramm sind die Ausgabereste und der Anteil der investiven
Reste an den Ausgaberesten des Jahres 1999 nach Einzelplänen getrennt dargestellt:
Abb. 16: Ausgabereste nach Einzelplänen
210.000
197.117

180.000

165.397

150.000
119.354

126.614

TDM

120.000

114.768

109.550

90.000

27.638

30.000

-30.000

69.921

60.083

60.000

0

108.858

91.492

284

01

143

02

03

9.752

04

3.742

05

114

06

07

08

09

-11.661

10

11

12

13

15

-20.040

Einzelpläne

Ausgabereste
davon investive Reste

(73)

Die Verpflichtungsermächtigungen (VE)
wurden im Haushaltsplan 1999 in Höhe von

3.356.253.000,00 DM

veranschlagt.
Im Laufe des Haushaltsjahres 1999 sind insgesamt

1.873.072.083,71 DM

an Verpflichtungen zu Lasten der Folgejahre
(2000 bis 2003) eingegangen worden.
Damit sind Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von 55,8 % (Vorjahr: 71,1 %) in
Anspruch genommen worden.
Die eingegangenen Verpflichtungen verteilen sich auf die einzelnen Hauptgruppen
wie folgt:

51
HGr. 4 Personalausgaben

387,7 TDM

HGr. 5 Sächliche Verwaltungsausgaben
und Ausgaben für den Schuldendienst

211.309,4 TDM

HGr. 6 Ausgaben für Zuweisungen und Zuschüsse
mit Ausnahme für Investitionen

321.198,5 TDM

HGr. 7 Ausgaben für Baumaßnahmen

273.358,6 TDM

HGr. 8 Sonstige Ausgaben für Investitionen und
Investitionsförderungsmaßnahmen

1.066.817,9 TDM

HGr. 9 Besondere Finanzierungsausgaben

0,0 TDM

Im Jahresvergleich von 1991 bis 1999 stellt sich die Entwicklung und die Inanspruchnahme der Verpflichtungsermächtigungen wie folgt dar:

Abb. 17: Entwicklung und Inanspruchnahme der
Verpflichtungsermächtigungen
6.000,0

Mio. DM

5.000,0
4.000,0
3.000,0

54,6%

36,7%

69,1% 65,1% 55,3%

71,1%

31,7% 46,4%

2.000,0

55,8%

1.000,0
0,0
1991

1992

1993

1994

veranschlagte VE
Inanspruchnahme in %

1995

1996

1997

1998

1999

in Anspruch genommene VE

Die veranschlagten Verpflichtungsermächtigungen des Haushaltsjahres 1999 sind
gegenüber dem Haushaltsjahr 1998 um 1.126,3 Mio. DM bzw. 25,1 % zurückgegangen. Das Niveau der Inanspruchnahme der Verpflichtungsermächtigungen ging
ebenfalls zurück. Es sank auf den Stand des Haushaltsjahres 1997. Die Minderinanspruchnahmen waren bei folgenden Hauptgruppen zu verzeichnen:

52
– HGr. 4

Personalausgaben

– HGr. 5

Sächliche Verwaltungsausgaben/Schuldendienst

– HGr. 6

Zuwendungen mit Ausnahme für Investitionen

– HGr. 7

Ausgaben für Baumaßnahmen

– HGr. 8

Ausgaben für Investitionen und

– HGr. 9

-65,3 TDM

-99.620,0 TDM
-531.237,4 TDM

Investitionsförderungsmaßnahmen

-694.336,1 TDM

Besondere Finanzierungsausgaben

-3.000,0 TDM

Minderinanspruchnahme insgesamt
(74)

-154.922,1 TDM

-1.483.180,9 TDM

Über- und außerplanmäßige Verpflichtungsermächtigungen sind in der Haushaltsrechnung 1999 mit 8.148.969,60 DM ausgewiesen. Die Liste der über- und außerplanmäßigen Verpflichtungen (vgl. Anlage II, Teil H der Haushaltsrechnung)
weist für das Haushaltsjahr 1999 keine Mehrinanspruchnahme ohne Einwilligung der
Finanzministerin aus.
Die Inanspruchnahme der über- und außerplanmäßigen Verpflichtungsermächtigungen verteilt sich wie folgt auf die Einzelpläne:
Einzelplan

Betrag der
üpl./apl. VE

fällig in
2000

– DM –

– DM –

– DM –

– DM –

– DM –

2.148.969,60

627.986,88

463.995,36

506.994,24

549.993,12

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

außerplanmäßige VE

2.148.969,60

627.986,88

463.995,36

506.994,24

549.993,12

Ministerium für Arbeit
und Bau

6.000.000,00

2.000.000,00

2.000.000,00

2.000.000,00

0,00

Justizministerium
überplanmäßige VE

überplanmäßige VE

fällig in 2001 fällig in 2002 fällig in 2003

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

außerplanmäßige VE

6.000.000,00

2.000.000,00

2.000.000,00

2.000.000,00

0,00

Gesamt

8.148.969,60

2.627.986,88

2.463.995,36

2.506.994,24

549.993,12

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

8.148.969,60

2.627.986,88

2.463.995,36

2.506.994,24

549.993,12

überplanmäßige VE
außerplanmäßige VE

Tabelle 13: Inanspruchnahme der VE nach Einzelplänen

53

Vermögen und Schulden des Landes
(75)

Die Vermögensübersicht für das Haushaltsjahr 1999 weist in der Kurzfassung der
Haushaltsrechnung folgende Bestände aus:
Übersicht über das Vermögen und die Schulden des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Stand: Ende 1998
1

2

A.

Vermögen

I.

Liegenschaftsvermögen
– m² –
188.032.305

2.245.210.770

–%–
9,2

Allg. Grundvermögen

17.292.863

129.329

17.422.192

0,8

2.074.471.328

188.161.634

2.262.632.962

9,1

3.041.380.427,11

– DM –
344.238.060,13

3.385.618.487,24

–%–
11,3

Rücklagen

135.067.514,07

-51.528.919,36

83.538.594,71

-38,1

Sondervermögen
darunter:
– Grundstock
– Kommunaler
Aufbaufonds
– Krankenhausfinanzierung
– Landwirtschaftssondervermögen
Reinvermögen der
Landesbetriebe

631.183.050,33

24.166.122,97

655.349.173,30

3,8

144.767.574,42

-15.683.901,98

129.083.672,44

-10,8

197.629.076,12

37.485.618,18

235.114.694,30

19,0

7.132.777,96

-1.062.725,36

6.070.052,60

-14,9

146.758.561,57
8.837.620,44

1.438.248,03
-171.028,14

148.196.809,60
8.666.592,30

1,0
-1,9

207.357.900,00

-1.708.975,00

205.648.925,00

-0,8

4.023.826.511,95

314.995.260,60

4.338.821.772,55

7,8

13.063.037.890,83

836.068.650,00

13.899.106.540,83

6,4

599.738.566,31

84.545.242,71

684.283.809,02

14,1

254.738.566,31
345.000.000,00
13.662.776.457,14

-87.454.757,29
172.000.000,00
920.613.892,71

167.283.809,02
517.000.000,00
14.583.390.349,85

-34,3
49,9
6,7

2.829.926.506,61

-11,4

Kapitalvermögen

Beteiligungen (unmittelbare)
Summe II.

Schulden
fundierte Schulden
sonstige Schulden
davon:
- innere Schulden
- Kassenkredite
Summe Schulden

C.

4

Entwicklung
5

2.057.178.465

Darlehensforderungen

B.

Stand: Ende 1999

Verwaltungsvermögen

Summe I.
II.

saldierte Zu- und
Abgänge
3

Sicherheitsleistungen und Gewährleistungen
Bürgschaften

3.193.755.809,25

Tabelle 14 : Vermögen und Schulden des Landes

-363.829.302,64

54
(76)

Das Liegenschaftsvermögen des Landes wird in der Vermögensübersicht zum Ende
des Haushaltsjahres 1999 (Kurzfassung) mit 2.262.632.962 m² ausgewiesen. Gegenüber dem Haushaltsjahr 1998 hat sich dieses Vermögen um 188.161.634 m² bzw.
9,1 % erhöht. Die Ausweisung des Liegenschaftsvermögens erfolgt getrennt nach
Allgemeinem Grundvermögen und Verwaltungsvermögen. Das Allgemeine Grundvermögen mit 17.422.192 m² umfasst die durch die Fachbereiche nicht genutzten
Liegenschaften des Landes. Das Verwaltungsvermögen dagegen enthält die durch
die Fachbereiche genutzten Liegenschaften. Nach Darstellung des Finanzministeriums „können die Angaben zum Liegenschaftsvermögen nicht vollständig sein, da
nicht in jedem Fall Teilungsvermessungen durchgeführt bzw. beendet worden sind
und die Vermögenszuordnung noch nicht abgeschlossen wurde. Dieses trifft in hohem Maße bei Liegenschaften in Verwaltung des Umweltministeriums zu.“
Der Landesrechnungshof hat bei der Prüfung der Haushaltsrechnung festgestellt,
dass die Angaben zum Verwaltungsvermögen in der „Übersicht über das Vermögen
und die Schulden des Landes Mecklenburg-Vorpommern“ in der „Haushaltsrechnung und Vermögensübersicht für das Haushaltsjahr 1999“ (Kurzfassung) mit
2.245.210.770 m² ausgewiesen wird. Die Nachweisungen der Ressorts ergeben aber
nur ein Verwaltungsvermögen von zusammen 2.243.534.585 m². Die Differenz beträgt 1.676.185 m².
Das Finanzministerium hat dazu erklärt, dass dieser Differenzbetrag dadurch entstanden ist, dass zum einen ein bebautes Grundstück (1.685 m²) sowohl vom Landtag
als auch vom Wirtschaftsministerium in ihren Nachweisungen erfasst wurde. Zum
anderen erfolgte bei der Summierung in der Vermögensübersicht eine Doppelerfassung der bebauten Grundstücke des vom Landwirtschaftsministeriums verwalteten
Verwaltungsvermögens.

(77)

Das Kapitalvermögen setzt sich zusammen aus den Darlehensforderungen, den
Rücklagen, den Sondervermögen, dem Reinvermögen der Landesbetriebe und dem
Wert der unmittelbaren Beteiligungen. Das Kapitalvermögen stieg von
4.023.826.511,95 DM im Haushaltsjahr 1998 auf 4.338.821.772,55 DM im Haushaltsjahr 1999, wobei die Bürgschaftssicherungs- und Schuldendienstrücklage
gegenüber dem Vorjahr um 51.528.919,36 DM gesunken ist. Damit betrug die Rücklage 3 % der am Ende des Haushaltsjahres 1999 übernommenen Bürgschaften.

55
Das Sondervermögen des Landes stieg gegenüber dem Haushaltsjahr 1998 um
24.166.122,97 DM bzw. 3,8 % (Vorjahr: 2,4 %) auf 655.349.173,30 DM. Zurückzuführen ist diese Entwicklung insbesondere auf den Vermögensrückgang beim
„Grundstock“ um 15.683.901,98 DM auf 129.083.672,44 DM und beim Sondervermögen „Krankenhausfinanzierung“ um 1.062.725,36 DM auf 6.070.052,60 DM.
(78)

Das Reinvermögen der Landesbetriebe wird in der Vermögensübersicht in Höhe
von 8.666.592,30 DM ausgewiesen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Reinvermögen damit um 1,9 % verringert.

(79)

Der Wert der unmittelbaren Beteiligungen des Landes wird in der Vermögensübersicht für das Haushaltsjahr 1999 mit 205.684.925,00 DM festgestellt. Damit ist
der Wert der unmittelbaren Beteiligungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um
1,7 Mio. DM gesunken.

(80)

Den Ermächtigungen für die Übernahme von Bürgschaften und Rückbürgschaften (ohne Freistellungen) von 5.087.658.000 DM stehen übernommene Bürgschaften und Rückbürgschaften von 3.156.920.226 DM (Vorjahr: 3.066,3 DM) gegenüber. Der Bürgschaftsrahmen wurde danach mit rd. 62 % ausgeschöpft. Der Umfang der neu eingegangenen Bürgschaften und Garantien hat sich damit im Vergleich
zum Haushaltsjahr 1999 um rd. 90,6 Mio. DM erhöht.

(81)

Die tatsächliche Inanspruchnahme des Landes aus Bürgschaften im Haushaltsjahr 1999 enthält Ausfallzahlungen in Höhe von insgesamt 51.528.919,36 DM, die
aus dem Titel 1104 871.01 „Inanspruchnahme aus Sicherheitsleistungen und Gewährungen, Zahlungen zur Abwehr oder Minderung von Schäden“ geleistet wurden.
Dazu kommen die Ausfallzahlungen bis zum 31.12.1998 in Höhe von
183.075.824,92 DM. Damit haben sich die Gesamtausfallzahlungen um
51,6 Mio. DM auf 234,6 Mio. DM erhöht.
Zeitraum
1

bis 31.12.1995
bis 31.12.1996
bis 31.12.1997
bis 31.12.1998
bis 31.12.1999

übernommene Bürgschaften

Ausfallzahlungen (kumuliert)

– Mio. DM –

– Mio. DM –

2

3

2.273,0
2.869,1
3.100,3
3.193,8
2.829,9

7,1
42,3
161,1
183,1
234,6

Tabelle 15: Entwicklung der Ausfallzahlungen und der übernommenen Bürgschaften

56
(82)

Die Schulden des Landes setzen sich aus den fundierten Schulden und den sonstigen
Schulden zusammen. Sie sind mit rd. 13.662,8 Mio. DM im Haushaltsjahr 1998 um
rd. 920,6 Mio. DM bzw. auf rd. 14.583,4 Mio. DM im Haushaltsjahr 1999 gestiegen. Am Ende des Haushaltsjahres 1999 überstieg die Verschuldung aus Kreditmarktmitteln des Landes mit 8.150 DM/Einwohner sowohl den Durchschnittswert
für die neuen Länder mit 7.266 DM/Einwohner9 als auch den für die Flächenländer
(West) mit 6.752 DM/Einwohner. Damit ist die Verschuldung je Einwohner um 554
DM je Einwohner in nur einem Jahr gestiegen. Mittelfristig wird mit einem weiteren
Anwachsen der Verschuldung je Einwohner gerechnet – trotz geplanter Rückführung
der Netto-Kreditaufnahme –, da mit einem weiteren Rückgang der Einwohnerzahlen
des Landes zu rechnen ist.
Im nachfolgenden Diagramm wird die Entwicklung der Pro-Kopf-Verschuldung in
Mecklenburg-Vorpommern von 1991 bis 1999 dargestellt:
Abb. 18: Entwicklung der Pro-Kopf-Verschuldung in
Mecklenburg-Vorpommern
10.000
8.150

Mio. DM

8.000

6.844

6.000
4.850

7.596

5.991

4.000
2.164

2.000
517

3.655

1.010

0
1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

Die Schulden des Landes aus Kreditmarktmitteln und kreditähnlichen
Rechtsgeschäften, d. h. die fundierten Schulden, erhöhten sich gegenüber dem
Vorjahr um rd. 836 Mio. DM bzw. 6,4 % und stiegen auf rd. 13.899,1 Mio. DM.
Auch die sonstigen Schulden (inneren Schulden und Kassenkredite) sind gegenüber
dem Vorjahr angestiegen und zwar von rd. 599,7 Mio. DM auf 684,3 Mio. DM.

9

Statistisches Bundesamt – VII B – 173-, eigene Berechnungen.

57

III. Prüfungsfeststellungen

Reisekostenvergütungen bei mehrtägigen Dienstreisen

Der Landesrechnungshof hat im Rahmen einer
Querschnittsprüfung die Anwendung und Umsetzung der Regelungen des am 20. Juni 1998 in
Kraft getretenen Landesreisekostengesetzes geprüft.
Im Ergebnis der Prüfung hat der Landesrechnungshof die uneinheitliche Anwendung des geltenden Rechts festgestellt und Vorschläge zur
Änderung der Verwaltungsvorschriften zum
Landesreisekostengesetz und der Trennungsgeldverordnung gemacht.

(83)

Der Landesrechnungshof hat die Anwendung und Umsetzung des Gesetzes über die
Reisekostenvergütung für die Beamten und Richter des Landes Mecklenburg-Vorpommern (Landesreisekostengesetz – LRKG M-V) vom 3. Juni 1998 (GVOBl. M-V
S. 554) seit seinem Inkrafttreten am 20. Juni 1998 bis zum Zeitpunkt der Querschnittsprüfung im August/September 1999 untersucht. In die Querschnittsprüfung
wurden fast alle Ministerien und die Oberfinanzdirektion Rostock sowie das Landeskriminalamt einbezogen.

(84)

Die Ergebnisse der Prüfung sollten die Landesverwaltung, insbesondere das Finanzministerium veranlassen, die Richtigkeit und Einheitlichkeit der Rechtsanwendung
im Bereich des Reisekostenrechts stärker zu unterstützen und das geltende Recht auf
die Notwendigkeit von Änderungen hin zu überprüfen. Dazu hat der Landesrechnungshof eine Reihe von Änderungsvorschlägen unterbreitet, die die mit Erlass des
Finanzministeriums vom 24. Februar 1999 aufgestellten Allgemeinen Verwaltungsvorschriften zum Landesreisekostengesetz (VV-LRKG M-V; AmtsBl. M-V S. 223)
und die Verordnung über das Trennungsgeld bei Versetzungen und Abordnungen im

58
Inland vom 23. Juni 1998 (Trennungsgeldverordnung – TGVO M-V; GVOBl. M-V
S. 608) betreffen.

Übernachtungskostenerstattung
(85)

Gemäß § 8 Abs. 1 Satz 1 LRKG M-V werden die nachgewiesenen notwendigen Übernachtungskosten bis zur Höhe von 125 DM (63,91 €) je Übernachtung erstattet.
Darüber hinausgehende Mehrkosten werden erstattet, soweit sie unvermeidbar sind
(§ 8 Abs. 1 Satz 3 LRKG M-V). Die Unvermeidbarkeit 125 DM (63,91 €) übersteigender Übernachtungskosten ist vom Berechtigten im Einzelfall nachzuweisen
(Nr. 8.1.3 VV-LRKG M-V). Bis zum Betrag von 150 DM (76,69 €) ist der Nachweis
unter bestimmten Voraussetzungen erleichtert.

(86)

In 76 Fällen wurden Übernachtungskosten von mehr als 125 DM (63,91 €) erstattet,
ohne dass die Unvermeidbarkeit der höheren Übernachtungskosten formell aktenkundig begründet worden wäre. In weiteren 226 Fällen wurden Übernachtungskosten
von mehr als 150 DM (76,69 €) erstattet; davon war die Unvermeidbarkeit in
155 Fällen begründet worden. Von den insgesamt 302 Fällen mit erhöhten Übernachtungskosten betrugen die erstatteten Übernachtungskosten in 49 Fällen 200 bis
299 DM (102,25 bis 152,88 €), in weiteren 14 Fällen 300 DM (153,39 €) oder mehr.
Die höchsten erstatteten Übernachtungskosten für Übernachtungen im Inland wurden
mit 345 DM (176,40 €) festgestellt, im Ausland (wofür gesonderte Grenzwerte gelten) mit 545 DM (278,65 €) je Übernachtung. Bei Dienstreisen innerhalb des Landes
Mecklenburg-Vorpommern konnte der Grenzwert von 125 DM (63,91 €) fast immer
eingehalten werden.

(87)

Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass § 8 Abs. 1 Sätze 1 und 3 LRKG M-V,
wonach Übernachtungskosten bis zur Höhe von 125 DM (63,91 €) je Übernachtung
erstattet werden und darüber hinausgehende Mehrkosten nur, soweit sie unvermeidbar sind, nicht immer umgesetzt werden.

(88)

Eine durchgängige aktenkundige Begründung erhöhter Übernachtungskosten für
jeden Fall war in keiner der geprüften Behörden vorhanden. Auch in den Fällen, in
denen eine Begründung für die Unvermeidbarkeit der erhöhten Übernachtungskosten

59
gegeben wurde, war diese Begründung nicht immer geeignet, um die Unvermeidbarkeit zu begründen (z. B. der pauschale Verweis auf Sicherheitsgründe).
(89)

Mit der Neuregelung sollte vor allem ein realistischer Grenzwert für die Übernachtungskosten geschaffen werden, um den Verwaltungsaufwand zu reduzieren, der mit
der Prüfung der Unvermeidbarkeit der Übernachtungskosten verbunden ist. Der Landesrechnungshof hat im Sinne der Vermeidung einer unnötigen arbeitsaufwändigen
Nachweisführung vorgeschlagen, dienstliche Erklärungen der Dienstreisenden
grundsätzlich als ausreichend zur Nachweisführung anzuerkennen und weitere
Nachweise nur in besonders gelagerten Ausnahmefällen zu fordern.
Das Finanzministerium ist diesem Vorschlag nicht gefolgt. Die differenzierte Nachweisführung sei im Interesse einer wirtschaftlichen und sparsamen Haushaltsführung
erforderlich.

Verbindung von Dienstreisen mit Privatreisen
(90)

Nach § 12 Abs. 1 Satz 1, erster Halbsatz LRKG M-V wird bei jeder genehmigten
Verbindung einer Dienstreise mit einer Privatreise die Reisekostenvergütung so bemessen, wie wenn der Dienstreisende unmittelbar vom Dienstort zum Geschäftsort
und nach dem Dienstgeschäft unmittelbar zum vorübergehenden Aufenthaltsort gereist wäre. Der zweite Halbsatz derselben Vorschrift sieht vor, dass auf die danach
zustehende Fahrkostenerstattung die Fahrkosten für die kürzeste Reisestrecke vom
ersten vorübergehenden Aufenthaltsort zum Dienstort angerechnet werden. Diese
neue Regelung führt nicht nur dazu, dass die Kosten der Privatfahrt vom Bediensteten selbst zu tragen sind (was selbstverständlich ist). Die Anrechnung bewirkt vielmehr, dass im Ergebnis der Bedienstete die Dienstreise in diesen Fällen mitfinanziert.

(91)

Der Landesrechnungshof hat bei seiner Querschnittsprüfung festgestellt, dass die
Reisekostenvergütung bei der Verbindung von Dienstreisen mit Privatreisen sehr unterschiedlich gehandhabt wird. Nur im Finanzministerium, in der Oberfinanzdirektion Rostock und im Bildungsministerium ist § 12 Abs. 1 LRKG M-V bis zum Zeitpunkt der örtlichen Erhebungen überhaupt mit seiner gesamten Rechtsfolge angewendet worden. Die Unterschiede beziehen sich sowohl auf die Anwendungsvoraussetzungen als auch auf die Rechtsfolgen der Vorschrift.

60
(92)

Es wurden insgesamt 111 Fälle festgestellt, in denen Dienstreisen mit Privatreisen
verbunden und die Fahrkosten der Privatfahrt nicht auf die erstattungsfähigen Fahrkosten der Dienstreise angerechnet worden sind. Davon war die Genehmigung der
Verbindung in 43 Fällen nicht erfolgt (da sie gar nicht beantragt worden war).

(93)

Das Finanzministerium meint, der Bedienstete hätte ein Wahlrecht, ob er die Verbindung der Dienstreise mit der Privatreise beantragen wolle. Der Sinn der Anrechnungsvorschrift, der in einer Kostensenkung besteht, würde allerdings verfehlt, wenn
man dem Bediensteten tatsächlich ein solches Wahlrecht einräumen wollte, da die
Anrechnung ohne Genehmigung nicht erfolgen kann. Außerdem wäre das Wahlrecht
kaum vereinbar mit der Verpflichtung des Bediensteten, wahrheitsgemäße Angaben
zu machen. Der Landesrechnungshof hält deshalb das Kriterium der Genehmigung
der Verbindung der Dienstreise mit einer Privatreise nicht für geeignet, um ausschlaggebend für die Anwendung der Anrechnungsvorschrift zu sein.

(94)

Die – einheitliche – Anwendung des § 12 Abs. 1 LRKG M-V wird zusätzlich dadurch erschwert, dass keine Abgrenzungskriterien vorhanden sind, ab wann eine
„Privatreise“ vorliegt.

(95)

Aufgrund der festgestellten unterschiedlichen Anwendung der Vorschrift erwartet
der Landesrechnungshof, dass das Finanzministerium die für die einheitliche Handhabung der Reisekostenvergütung in diesen Fällen notwendigen Anwendungsregelungen erlässt. Der Landesrechnungshof hat darüber hinaus Änderungsvorschläge
unterbreitet. Das Finanzministerium ist der Auffassung, bereits hinreichende Anwendungsregelungen erlassen zu haben und lehnt eine Änderung der Rechtslage ab.

Fahrkostenerstattung
(96)

Nach § 4 Abs. 1 LRKG M-V werden bei Benutzung regelmäßig verkehrender Beförderungsmittel – außer bei Vorliegen triftiger Gründe – nur noch die entstandenen
notwendigen Fahrkosten der niedrigsten Klasse erstattet. Gemäß Nr. 4.1.2.1 Satz 5
VV-LRKG M-V ist die Nutzung der Reisezeit zur Vorbereitung des Dienstgeschäftes
kein triftiger Grund zur Benutzung einer höheren Wagenklasse.
Die Neuregelung ist ohne Zweifel zur Senkung der Fahrkosten als solche geeignet.
Der Grundgedanke der Regelung sollte deshalb auch unangetastet bleiben. Der Lan-

61
desrechnungshof betont aber, dass Dienstreisen insgesamt wirtschaftlich durchzuführen sind. Eine Einsparung bei den Fahrkosten sichert noch nicht die Wirtschaftlichkeit der Dienstreise in der Gesamtschau. Insbesondere bei einer weiteren Dienstreise
mit längerer Fahrzeit kann es nach Auffassung des Landesrechnungshofes sinnvoll
und wirtschaftlich sein, das Dienstgeschäft während der Fahrzeit vorzubereiten.
Kann sich der Bedienstete nicht unterwegs auf das Dienstgeschäft vorbereiten, muss
er das nämlich in der Dienstzeit tun. Dadurch kann trotz Mehrkosten bei den Fahrkosten die Dienstreise bei Nutzung der ersten Klasse wirtschaftlicher sein.
(97)

Der Landesrechnungshof hält darum den pauschalen Ausschluss der Anerkennung
triftiger Gründe im Falle der Nutzung der Reisezeit zur Vorbereitung des Dienstgeschäftes für bedenklich. Er hält es aber für geboten, die Anerkennung triftiger Gründe in derartigen Fällen restriktiv zu handhaben.

(98)

Der Landesrechnungshof hat dem Finanzministerium empfohlen, die von ihm erlassenen VV-LRKG M-V daraufhin zu überprüfen, ob sie so geändert werden können,
dass eine Erstattung der Fahrkosten erster Klasse im Rahmen einer Einzelfallprüfung
auch erfolgen kann, wenn die Reisezeit zur Vorbereitung des Dienstgeschäfts genutzt
wird. Um eine Begrenzung auf Einzelfälle sicherzustellen, sollten zusätzlich erforderliche Voraussetzungen definiert werden (z. B. eine Mindestentfernung), bei deren
Vorliegen triftige Gründe zur Benutzung der ersten Klasse anerkannt werden können. Der Landesrechnungshof hat dazu Vorschläge unterbreitet. Das Finanzministerium befürwortet diese Vorschläge nicht.
Das Prüfungsverfahren ist abgeschlossen.

62

Interministerieller Ausschuss für Informations- und
Telekommunikationstechnik (IMA IT)

Der Interministerielle Ausschuss für Informations- und Telekommunikationstechnik ist seiner
Unterstützungs- und Beratungsaufgabe vielfach
nicht oder nicht ausreichend nachgekommen.

(99)

Bereits in seinen Jahresberichten 1996, 1997, 1998 und 1999 hat der Landesrechnungshof auf erhebliche Mängel in der ressortübergreifenden Koordinierung des ITEinsatzes durch das Innenministerium und den Interministeriellen Ausschusses für
Informations- und Telekommunikationstechnik hingewiesen. Aufgrund dieser Feststellungen hat der Landesrechnungshof beim Innenministerium als Koordinierungsstelle für den IT-Einsatz in der Landesverwaltung die Aufgabenwahrnehmung durch
den IMA IT geprüft. Die Prüfung bezog sich auf den Zeitraum 1992 bis 1999, wobei
der Schwerpunkt bei der Ausschusstätigkeit in den Jahren 1998 und 1999 lag.

(100)

Die ressortübergreifende Koordinierung soll gewährleisten, dass – unbeschadet der
Eigenverantwortlichkeiten der Ressorts – der IT-Einsatz abgestimmt und effektiv
geplant wird. Diese Aufgabe obliegt der beim Innenministerium eingerichteten
Koordinierungs- und Beratungsstelle der Landesregierung für Informations- und
Kommunikationstechnik in der Landesverwaltung (LKSt).

(101)

Gemäß den „Richtlinien über Planung und Einsatz von Informations- und Telekommunikationstechnik in der Verwaltung des Landes Mecklenburg-Vorpommern” (ITRichtlinien M-V), Erlass des Innenministeriums vom 14. April 1999 (AmtsBl. M-V,
S. 462), hat der IMA IT folgende Aufgaben:
− Beratung der Entwürfe allgemeiner Richtlinien, Regelungen und Empfehlungen
für den IT-Einsatz in der Landesverwaltung,
− Beratung von IT-Vorhaben, die von ressortübergreifender oder erheblicher finanzieller Bedeutung sein können,
− Erfahrungsaustausch,

63
− Unterstützung der LKSt bei ihrer Koordinierungsaufgabe,
− Beratung der Konferenz der Leiter der Allgemeinen Abteilungen.
Der IMA IT hat keine eigene Entscheidungskompetenz.
(102)

Der Landesrechnungshof hat bei seiner Prüfung folgende Mängel in der Aufgabenwahrnehmung des IMA IT festgestellt:
− Der IMA IT ist seiner Unterstützungs- bzw. Beratungsaufgabe gegenüber der
LKSt bzw. der Konferenz der Leiter der Allgemeinen Abteilungen vielfach nicht
oder nicht ausreichend nachgekommen.
− Entwürfe allgemeiner Richtlinien sind im IMA IT teilweise nicht beraten worden.
− Empfehlungen für den Einsatz von Informationstechnik in der Landesverwaltung
wurden mehrfach nicht gegeben, obwohl die Notwendigkeit dafür bestand.
− Trotz der Beratungspflicht für IT-Vorhaben von ressortübergreifender oder von
erheblicher finanzieller Bedeutung wurde zentral durch die LKSt beschaffte bzw.
entwickelte Software nicht oder nicht ausreichend in den Ressorts eingesetzt.
Weiterhin wurden trotz umfangreicher Beratungen im IMA IT Parallelentwicklungen bzw. -beschaffungen von Software für die gleiche Aufgabe durchgeführt.
− Der Erfahrungsaustausch erfolgte teilweise zu umfangreich und nicht ausreichend
ziel- und ergebnisorientiert. Der IMA IT hat sich zu oft mit reinen Formalien wie
z. B. mit seiner Geschäftsordnung beschäftigt. Er hat mehrfach Themen diskutiert,
die nicht zu seinen eigentlichen Aufgaben gehören.

(103)

Ursächlich für die oben geschilderten Mängel sind folgende Gegebenheiten:
− Beim Vorsitzenden, der Geschäftsstelle und bei den Ressortvertretern herrscht
teilweise ein falsches Verständnis hinsichtlich der Aufgaben und Verantwortlichkeiten des IMA IT. Der IMA IT ist ein Gremium mit lediglich beratender Funktion. Die eigentlichen Entscheidungen werden hingegen in der LKSt bzw. auf höheren Ebenen getroffen. Die Ressortvertreter müssen vor allem ihre Fachkompetenz
in den IMA IT einbringen und auf die Berücksichtigung ressortspezifischer Besonderheiten hinwirken.

64
− Der Vorsitzende hat die Sitzung des IMA IT teilweise nicht ausreichend vor- und
nachbereitet. Auch hat er nicht genügend auf die Verabschiedung von Empfehlungen gedrängt.
− Die Mitglieder des IMA IT beharren aus einem falsch verstandenen Ressortprinzip zu sehr auf eigenen Vorstellungen. Es mangelt ihnen oft an der notwendigen
Kooperationsbereitschaft, um zu vernünftigen und mehrheitsfähigen Lösungen zu
kommen. Auch arbeiten sie nicht ausreichend zielgerichtet auf die Verabschiedung von Empfehlungen hin. Die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Ressortvertreter führt dazu, dass Informationstechnik zum Teil nicht wirtschaftlich
eingesetzt wird.
(104)

Weiterhin hat der Landesrechnungshof festgestellt, dass die Zusammenarbeit mit
dem Ausschuss für Organisationsfragen nicht in ausreichendem Umfang erfolgt.

(105)

Das Innenministerium hat den getroffenen Feststellungen im Grundsatz zugestimmt.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

65

Landesamt für Katastrophenschutz

Das Innenministerium als für das Landesamt zuständige Fachaufsichtsbehörde wird bei der seit
zweieinhalb Jahren anstehenden Überarbeitung
der bisherigen mangelhaften Kampfmittelbeseitigungsgebührenordnung kritisch prüfen müssen,
ob und inwieweit bestimmte Amtshandlungen des
Munitionsbergungsdienstes weiter kostenfrei erbracht werden können.
Die in den Verträgen zur Beschaffung von Fahrzeugen für den Katastrophenschutz enthaltenen
Preisgleitklauseln hatten für das Landesamt für
Katastrophenschutz das Risiko unbestimmter
Mehrausgaben zur Folge.
Der Landesrechnungshof stellte im Übrigen Fehler bei den Beschaffungen von Spezialfahrzeugen
des Katastrophenschutzes und Funktechnik fest.

(106)

Das zum Geschäftsbereich des Innenministeriums gehörende Landesamt für Katastrophenschutz ist nach § 3 Abs. 1 Nr. 2 Landeskatastrophenschutzgesetz (LKatSG)
obere Katastrophenschutzbehörde. Gleichzeitig ist es als Sonderordnungsbehörde
gemäß § 3 Satz 2 Kampfmittelverordnung sachlich zuständig für die Verhütung von
Schäden durch Kampfmittel. Diese Aufgaben nimmt der Munitionsbergungsdienst
wahr.
Ausgehend vom Haushaltsjahr 1999 prüfte der Landesrechnungshof ausgewählte Titel des Kapitels 0405 „Landesamt für Katastrophenschutz“. Schwerpunkte der Prüfung waren u. a. die Beschaffung von Katastrophenschutzausstattung sowie die
rechtzeitige und vollständige Erhebung der Einnahmen.

66

Verwaltungsgebühren
Kampfmittelbeseitigungsgebührenordnung
(107)

Die Kampfmittelbeseitigungsgebührenordnung (KaBeGO) bildet die Grundlage für
das Landesamt für Katastrophenschutz, für verschiedene Amtshandlungen des Munitionsbergungsdienstes auf Liegenschaften Dritter Verwaltungsgebühren zu erheben.
Die Prüfung der zurzeit gültigen KaBeGO führte u. a. zu folgenden Beanstandungen:
− Das Landesamt schöpfte die ihm durch die Gebührenordnung gegebenen Möglichkeiten zur Gebührenerhebung nicht aus. Vielmehr entwickelte es die Verwaltungspraxis, bei unterschiedlichen Kostenschuldnern verschiedene Amtshandlungen gebührenpflichtig und andere kostenfrei zu erbringen, ohne aber dafür Sorge
zu tragen, dass die Gebührenordnung entsprechend abgefasst wurde. Die gebührenpflichtigen Amtshandlungen hätten dementsprechend in der KaBeGO konkreter benannt, Gebührenbefreiungen bzw. Ermessen ausdrücklich geregelt werden
müssen.
− Bei einem Teil der Personalkostensätze hält der Landesrechnungshof die gesonderte Zurechnung von Gefahrenzulagen bei entsprechenden Amtshandlungen für
gerechtfertigt, da diese nicht unerheblichen Zulagen in den für die gesamte Landesverwaltung geltenden pauschalen Durchschnittssätzen, die der bisherigen Kalkulation zugrunde gelegt worden sind, nicht berücksichtigt sind.

(108)

Das Landesamt für Katastrophenschutz legte dem Innenministerium im Mai 1998
einen Entwurf zur Änderung der Gebührenordnung vor. Die Überarbeitung war u. a.
erforderlich, weil die Personalkostensätze den tariflichen Verhandlungen angepasst
und der Einsatz neu beschaffter Technik gebührenrelevant werden sollte. Darüber
hinaus sah der Entwurf grundlegende Änderungen hinsichtlich der Beteiligung der
Grundstückseigentümer an den bei der Kampfmittelberäumung anfallenden Kosten
vor.
Das zuständige Innenministerium hatte diesen Entwurf des Landesamtes bis zum
Ende des Jahres 2000 noch nicht abschließend bearbeitet.

(109)

Nicht nur angesichts der Kostenentwicklung ist ein Zeitraum von über zweieinhalb
Jahren für die Überarbeitung einer Gebührenordnung entschieden zu lang. Dies gilt
auch vor dem Hintergrund, dass die vom Landesamt für Katastrophenschutz vorge-

67
schlagenen grundlegenden Änderungen ggf. schwierige und zeitaufwendige Abstimmungsprozesse mit sich bringen. Unabhängig davon hätte das Innenministerium
die neuen Gebührentarife gesondert veröffentlichen können.
Das Innenministerium hat damit gegen den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit (§ 7
LHO) verstoßen, nach dem die Verwaltung auch verpflichtet ist, laufend Möglichkeiten der Einnahmeverbesserung zu prüfen und diese zeitnah geltend zu machen.
(110)

Das Innenministerium hat mitgeteilt, es werde die Überarbeitung der KaBeGO nunmehr zügig zum Abschluss bringen und dabei die Anregungen und Vorschläge des
Landesrechnungshofes aufgreifen. Den Bearbeitungszeitraum von über zweieinhalb
Jahren hält das Ministerium aufgrund einer Vielzahl komplexer Sach- und Rechtsfragen sowie notwendigen, auch auf Bundesebene zu führenden Abstimmungsgesprächen für gerechtfertigt.

(111)

Der Landesrechnungshof erwartet, dass die neue Gebührenordnung ohne weiteren
Zeitverlust in Kraft gesetzt wird. Er vertritt weiterhin die Auffassung, dass Gebühren
nicht nur regelmäßig, sondern auch zeitnah den aktuellen Entwicklungen angepasst
werden müssen. Eine Bearbeitungsdauer von inzwischen fast drei Jahren ist vor diesem Hintergrund nicht zu akzeptieren.

Kostenpflicht der Grundstückseigentümer
(112)

Das Land trägt gegenwärtig die Ausgaben für Soforteinsätze, die der Munitionsbergungsdienst von Amts wegen zur schnellen Beseitigung von Gefahren durch
Kampfmittel durchführt. Die Grundstückseigentümer bzw. andere Auftraggeber tragen, wenn sie den Munitionsbergungsdienst zu Amtshandlungen veranlassen, die
Kosten für das Sondieren der Flächen bis zur Identifizierung eines Kampfmittels. Für
das anschließende Freilegen der Kampfmittel, die Bergung, den Transport und die
Vernichtung – diese Amtshandlungen sind wesentlich aufwändiger – trägt bisher das
Land die Kosten.
Neben der gemäß § 4 Kampfmittelverordnung beim Einsatz von privaten Räumfirmen durch den Munitionsbergungsdienst durchzuführenden Fachaufsicht führt das
Landesamt für Katastrophenschutz, unabhängig vom Auftraggeber, Ausschreibungen
durch und wählt das wirtschaftlichste Angebot aus. Während die Kosten für die

68
Fachaufsicht den Auftraggebern in Rechnung gestellt werden, erbringt das Landesamt die im Zusammenhang mit den Ausschreibungen anfallenden Tätigkeiten bislang als kostenfreien Service.
Im Übrigen genießen die in § 8 Abs. 1 Verwaltungskostengesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern (VwKostG M-V) aufgeführten juristischen Personen des öffentlichen Rechts – ungeachtet der aufwändigen, das übliche Verwaltungshandeln
überschreitenden Leistungen des Landesamtes für Katastrophenschutz – persönliche
Gebührenfreiheit.
(113)

Um den Landeshaushalt zu entlasten, werden künftig auch für bisher kostenfreie
Amtshandlungen des Munitionsbergungsdienstes Gebühren erhoben werden müssen.
Die Rechtslage in anderen Bundesländern zeigt, dass auch dort kein Anspruch auf
Beibehaltung einer jahrelang praktizierten Kostenfreiheit besteht. Der Landesrechnungshof hat deshalb das Innenministerium gebeten zu prüfen, ob künftig:
− grundsätzlich Gebühren erhoben werden sollen, wenn der Munitionsbergungsdienst von Amts wegen tätig wird,
− grundsätzlich Gebühren für das Freilegen, die Bergung, den Transport und die
Vernichtung von Kampfmitteln erhoben werden sollen,
− für die beim Einsatz von privaten Räumfirmen übernommenen Serviceleistungen
des Landesamtes für Katastrophenschutz Gebühren erhoben oder diese ganz unterbleiben sollen,
− durch eine Gesetzesänderung von generellen persönlichen Gebührenbefreiungen
bei Leistungen des Munitionsbergungsdienstes abgesehen und das Landesamt für
Katastrophenschutz in den Ausnahmekatalog des § 8 Abs. 4 VwKostG M-V aufgenommen werden kann.

(114)

Das Innenministerium will die Sachverhalte, einschließlich der Änderung des Verwaltungskostengesetzes, aufgreifen und prüfen. Im Hinblick auf die Kostenpflicht
der Grundstückseigentümer bei den genannten Auftragsleistungen des Munitionsbergungsdienstes sollen die Erfahrungen anderer Bundesländer analysiert werden.
Für die im Zusammenhang mit Ausschreibungen zu erbringenden Serviceleistungen
des Landesamtes sollen künftig Gebühren erhoben werden.

69
(115)

Der Landesrechnungshof wird die Erörterung fortsetzen und dabei nachdrücklich
darauf hinweisen, dass die Verwaltung verpflichtet ist, laufend alle Möglichkeiten
zur Einnahmeverbesserung zu prüfen und im Rahmen der Verhältnismäßigkeit und
Zumutbarkeit geltend zu machen.

Beschaffung von Katastrophenschutzausstattung
Vertragsgestaltung bei der Beschaffung von Fahrzeugen
für den Katastrophenschutz
(116)

In Ergänzung zu den vom Bund zur Verfügung gestellten Fahrzeugen für den Zivilschutz beschaffte das Landesamt in erheblichem Umfang eigene Spezialfahrzeuge im
Rahmen des Katastrophenschutzkonzeptes des Landes. So betrug allein das Beschaffungsvolumen für die vom Landesrechnungshof geprüften Beschaffungen ab 1996
insgesamt rd. 10 Mio. DM (rd. 5,1 Mio. €).

(117)

Ausgeschrieben wurde 1996 jeweils die Lieferung eines Prototypen sowie die Option
auf Lieferung von weiteren Fahrzeugen „vorbehaltlich der Zurverfügungstellung von
Haushaltsmitteln“. Die Beschaffungen dieser weiteren Fahrzeuge erfolgten von 1997
bis 2000 als Einzelbeschaffungen auf der Grundlage des Angebotes der Ausschreibung des Prototypen, das 1996 den Zuschlag erhalten hatte. Bei 17 beschafften
Einsatzleitwagen und 18 Zugfahrzeugen für Spezialboote enthielten die entsprechenden Angebote jährliche Preisgleitklauseln.

(118)

Gemäß § 7 Abs. 1 LHO sind bei der Ausführung des Haushaltsplans die Grundsätze
der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit anzuwenden. Der Landesrechnungshof hält
die Vertragsgestaltung für unwirtschaftlich:
Die gewählte Vertragsgestaltung lässt unbestimmt, ob die im Wege der Option ausgeschriebenen weiteren Fahrzeuge tatsächlich abgenommen werden und wann dies
der Fall sein wird. Aufgrund vorsichtiger Kalkulationen des Angebotspreises durch
erfahrene Unternehmen führt dies u. a. zur Kalkulation von Preisgleitklauseln. Diese
sind zusammen mit dem angebotenen Preis der Ausschreibung der Lieferung eines
Prototypen maßgeblich für den Preis der in den Folgejahren beschafften Fahrzeuge.
Zum Zeitpunkt der Erteilung des Zuschlages auf dieses Angebot ist also nicht absehbar, in welchem Jahr wie viele Folgefahrzeuge beschafft werden und wann die Be-

70
schaffung insgesamt abgeschlossen sein wird. Eine zeitliche Streckung des Beschaffungsprogramms kann aufgrund der Preisgleitklauseln zu unbestimmten Mehrausgaben führen.
(119)

Die Beschaffung der Folgefahrzeuge beruhte immer auf dem Angebot der ursprünglichen Ausschreibung des Prototypen, auch wenn dieses bereits Jahre zurücklag. Zunächst verstößt das Landesamt hier gegen vergaberechtliche Regelungen, da ein Verzicht auf Wettbewerb nur im Rahmen des § 3 VOL/A möglich ist, wenn z. B. besonders günstige Konditionen eine vorteilhafte Gelegenheit im Sinne des § 3 Nr. 4 lit. m
VOL/A darstellen. Dies ist in diesem Fall aber nicht gegeben, weil die Preisgleitklauseln gerade eine ungünstige Kondition für den Auftraggeber darstellen. Darüber
hinaus ist das Landesamt schon allein aufgrund des oben bereits zitierten Grundsatzes der Wirtschaftlichkeit verpflichtet, regelmäßig den Markt nach wirtschaftlicheren
Angeboten zu erkunden, da sich die Marktsituation im Verlauf mehrerer Jahre verändern kann.

(120)

Der Landesrechnungshof empfahl, die Beschaffung mehrerer Fahrzeuge für den Katastrophenschutz jeweils zu einem Vergabeverfahren zu bündeln und als Ratenleistungsverträge auszuschreiben. Dabei sollte die Leistungsbeschreibung verbindlich
vorgeben, wie viele Fahrzeuge beschafft werden und wie sich diese Beschaffungen
konkret auf die einzelnen Jahre verteilen. Nach Möglichkeit sind Festpreise anzustreben.

(121)

Das Innenministerium teilte mit, dass es bei künftigen Beschaffungen verstärkt darauf achten wird, dass die vergaberechtlichen Regelungen im Hinblick auf eine stärkere Nutzung des Wettbewerbs zur Anwendung gebracht werden. Im Übrigen folgt
es den Feststellungen des Landesrechnungshofes dahingehend, künftig den Beschaffungszeitraum zu fixieren und über Festpreise mit entsprechendem Auftragsvolumen
eine europaweite Ausschreibung vorzunehmen. Weiterhin bestreitet es, dass die Vergabe des Einsatzleitwagens aufgrund der Preisgleitklausel unwirtschaftlich gewesen
sei. Bei anderweitiger Vergabe hätte ein Fahrzeug 1996 333.800 DM (170.669 €)
und im Jahr 2000 371.200 DM (189.792 €) gekostet.

(122)

Der Landesrechnungshof begrüßt die angestrebten Veränderungen bei der Beschaffung von Fahrzeugen für den Katastrophenschutz. Hinsichtlich der Einwendungen
des Innenministeriums zur Wirtschaftlichkeit der Beschaffung der Einsatzleitwagen

71
weist er darauf hin, dass diese als Vergleichsmaßstab zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit der Preisgleitklausel ungeeignet sind, da sie bereits zum Beschaffungsbeginn
1996 von einem höheren Preis ausgehen.

Beschaffung von Einsatzleitwagen
(123)

Das Landesamt beschaffte 17 Einsatzleitwagen und förderte die Beschaffung eines
Einsatzleitwagens, sodass jeweils ein Fahrzeug an jeden Landkreis bzw. an jede
kreisfreie Stadt übergeben worden ist. Dieser Verteilungsschlüssel beruht auf der
Verwaltungsvorschrift zur Neuorganisation des Katastrophenschutzes in Mecklenburg-Vorpommern. Die Beschaffung umfasste ein Auftragsvolumen von rd.
4,9 Mio. DM (rd. 2,5 Mio. €).

(124)

Gemäß § 6 LHO sind bei der Aufstellung und Ausführung des Haushaltsplans nur
die Ausgaben zu berücksichtigen, die zur Erfüllung der Aufgaben des Landes notwendig sind. Der in § 7 LHO normierte Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit fordert u. a., dass ein Ergebnis mit möglichst geringem Mitteleinsatz zu erzielen ist.
Der Landesrechnungshof kritisierte die unwirtschaftliche Erreichung dieses Zieles,
da der Bestand an Einsatzleitwagen mit 18 Fahrzeugen seiner Auffassung nach
überdimensioniert ist, um das Ergebnis, die ausreichende Versorgung mit
Einsatzleitwagen im Land im Katastrophenfall, zu erreichen. Der
Verteilungsschlüssel von einem Fahrzeug je Landkreis bzw. je kreisfreier Stadt ist
seiner Meinung nach unwirtschaftlich und damit unvertretbar. So beträgt das
Einsatzgebiet eines Einsatzleitwagens bei 18 Fahrzeugen durchschnittlich rd. 1.272
km2. Dies entspricht rechnerisch einer quadratischen Fläche von rd. 36 km x 36 km.
Der Landesrechnungshof ist der Auffassung, dass bei der damaligen Entwicklung
dieses Fahrzeugtyps durch das Landesamt ein auf die Größe des Einsatzgebietes,
unabhängig von kommunalen Gebietsgrenzen, bezogener Verteilungsschlüssel hätte
entwickelt werden müssen. Ein solcher hätte z. B. rechnerisch ein Einsatzgebiet von
50 km x 50 km vorsehen können. Damit hätte der Beschaffungsumfang auf zehn
Fahrzeuge reduziert und damit rd. 2 Mio. DM (rd. 1 Mio. €) eingespart werden

(125)

können.
Das Innenministerium teilte mit, dass der Einsatzradius dieser Fahrzeuge nur ein
Kriterium der Entscheidungsfindung gewesen sei. Maßgeblich für die Entscheidung

72
sei es gewesen, dass es bei einem größeren Schadensfall (z. B. Großwaldbrand)
durchaus denkbar und auch „gängige Praxis“ sei, in aller Kürze mehrere Einsatzleitwagen in einem Schadensgebiet einzurichten. Daher sei ein Einsatzleitwagen pro
Landkreis/kreisfreie Stadt für erforderlich gehalten worden.
(126)

Der Landesrechnungshof hält das Argument der Zusammenziehung mehrerer
Einsatzleitwagen in einem Großschadensgebiet für nicht stichhaltig. Seinem Verständnis nach dient der Einsatzleitwagen als Basisfahrzeug der Technischen Einsatzleitung, die vor Ort an der Spitze der Kommandokette steht. Er bezweifelt, dass es
gängige Praxis ist, bei einem Schadensfall mehrere Technische Einsatzleitungen vor
Ort mit der Führung der Katastrophenschutzeinheiten zu betrauen. Die Nutzung der
Einsatzleitwagen über die Funktion als Basisfahrzeug der Technischen Einsatzleitung hinaus erscheint angesichts der Kosten der Spezialtechnik wirtschaftlich nicht
vertretbar.

(127)

Das Landesamt stattete in den Einsatzleitwagen die Arbeitsplätze, die den Telefonverbindungen dienen, mit C-Netztechnik aus. Mit der Abschaltung des C-Netzes
durch die Deutsche Telekom zum 31.12.2000 wurde dieser Arbeitsplatz auf
D-Netztechnik umgestellt. Dies wurde bei acht Fahrzeugen durch Auftragsvergabe
des Landesamtes zum Preis von je 2.642,00 DM (1.350,83 €) vorgenommen. Für die
restlichen zehn Fahrzeuge sagte das Landesamt den kreisfreien Städten und Landkreisen eine Übernahme bis zu je 2.500 DM (1.278,23 €) zu. Damit verursachte diese
Umstellung Ausgaben von bis zu rd. 46.000 DM (rd. 23.519 €) .
Bereits 1996 hatte sich die D-Netztechnologie durchgesetzt. Das C-Netz als veraltete
Technologie war schon seinerzeit als Auslaufmodell zu erkennen. Eine mögliche
Abschaltung dieses Netzes war somit vorhersehbar.

(128)

Das Innenministerium teilte mit, dass 1996 nur das C-Netz flächendeckend verfügbar
war.

(129)

Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Auffassung, dass die Ablösung des
C-Netzes vorhersehbar war und die Umrüstung auf das D-Netz zu Mehrausgaben geführt hat.

73
Beschaffung von Zugfahrzeugen für den Aufbau der
Wassergefahrengruppen
(130)

Die Beschaffung von speziellen Zugfahrzeugen für Bootstrailer ergab sich aus der
Notwendigkeit, Wassergefahrengruppen (Gruppen mit der wesentlichen Aufgabe der
Rettung und Bergung von Menschen und Tieren aus Wassergefahren) im Rahmen
des Hilfeleistungssystems zur Gefahrenabwehr im Land Mecklenburg-Vorpommern
einzuführen. Die 18 Fahrzeuge für die Landkreise und kreisfreien Städte sollten für
den Einsatz auf öffentlichen Straßen, abseits befestigter Wege und im Gelände an
Ufern von Gewässern geeignet sein.

(131)

Obwohl geeignetere, aber auch teurere Fahrzeugvarianten angeboten wurden, erhielt
das Angebot des Fahrzeugtyps mit dem niedrigsten Endpreis den Zuschlag. Wie sich
später herausstellte, hatte es auch einen niedrigen, nicht der Leistungsbeschreibung
entsprechenden Qualitätsstandard. Geliefert werden sollte in Raten, ohne dass die
Verpflichtung bestand, weitere Raten abzurufen. Erst nachdem 13 der 18 Fahrzeuge
geliefert waren, erkannte das Landesamt, dass sie aufgrund der hohen Mängelquote
für den Einsatz in unwegsamem Gelände nicht geeignet waren, obwohl sie eigentlich
für diese Einsatzart vorgesehen worden waren. Der Lieferauftrag wurde eingestellt
und ein Alternativangebot, das zuvor schon einmal abgelehnt worden war, für die
Restlieferung angenommen.

(132)

Das Landesamt beachtete nicht, dass bei einem Vorhaben mit einem finanziellen
Volumen von rd. 2,3 Mio. DM (rd. 1,17 Mio. €) die Fahrzeugbeschaffung konkreter
konzeptionell hätte vorbereitet werden und vor dessen Einführung der Bau eines in
einem angemessenen Zeitrahmen zu testenden Prototypen hätte ermöglicht werden
müssen. Es reagierte zu spät und verstieß damit bei der Beschaffung der Zugfahrzeuge gegen den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit, indem es begleitende Erfolgskontrollen nicht ausreichend in den Beschaffungsvorgang einbezog, um auf erkennbare
Abweichungen und Fehlentwicklungen noch rechtzeitig reagieren zu können.

(133)

Das Innenministerium teilte mit, dass das öffentliche Interesse an einem zügigen
Neuaufbau des Katastrophenschutzes in Mecklenburg-Vorpommern es nicht zuließ,
vor Einführung neuer Technik Prototypen zu entwickeln und diese über einen längeren Zeitraum zu testen. Der Hinweis des Landesrechnungshofes, bei erkannten Män-

74
geln frühzeitiger in das laufende Beschaffungsverfahren einzugreifen, wird künftig
durch das Innenministerium beachtet.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

75

Arbeitsweise der Veranlagungsstellen in mehreren Finanzämtern

Steuererklärungen wurden selbst dann nicht vorzeitig angefordert, wenn – wie bereits für Vorjahre – hohe Abschlusszahlungen10 zu erwarten
waren.
Die Finanzämter nahmen auch in fiskalisch bedeutsamen Fällen erhebliche Fristüberschreitungen hin, ohne sie zu ahnden.
Die gelegentlich um Jahre verschleppten Abschlusszahlungen führen für den Fiskus zu erheblichen Zinsverlusten; sie wären vermeidbar,
wenn die Finanzämter größere Sorgfalt auf die
Festsetzung der Vorauszahlungen verwendeten.
Die neuen Bearbeitungsgrundsätze für die Veranlagungsstellen (GNOFÄ 97) wurden vielfach
nicht sachgerecht angewandt. Die Finanzämter
akzeptierten unvollständige Steuererklärungen
und Sachverhalte, die weder schlüssig noch
glaubhaft waren.

(134)

Einnahmen sind rechtzeitig und vollständig zu erheben (§ 34 Abs. 1 LHO). Der Landesrechnungshof hat im Rahmen einer Querschnittsprüfung in sechs Finanzämtern
untersucht, ob dieses Gebot des Gesetzgebers bei der Bearbeitung von Einkommensteuererklärungen beachtet wurde. Er musste feststellen, dass dies recht häufig nicht
der Fall war; betroffen waren Fälle aller Größenordnungen.

10

Wenn sich nach der Abrechnung ein Überschuss zu Ungunsten des Steuerpflichtigen ergibt, hat der Steuerpflichtige (Steuerschuldner) diesen Betrag, soweit er den fällig gewordenen, aber nicht entrichteten Einkommensteuer-Vorauszahlungen entspricht, sofort, im Übrigen innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des
Steuerbescheids zu entrichten (§ 36 Abs. 4 Satz 1 EStG).

76

Großzügige Fristverlängerungen
(135)

Die Rechtzeitigkeit der Festsetzung und Erhebung ist – jedenfalls aus Sicht des Fiskus – besonders für die „großen“ Steuerfälle bedeutsam. Auch in Mecklenburg-Vorpommern leben Steuerbürger mit hohem Einkommen. Um Zinsvorteile zu gewinnen,
sind sie im Allgemeinen bestrebt, ihre Steuererklärungen zu einem möglichst späten
Zeitpunkt abzugeben.
Einkommensteuererklärungen sind bis zum 31. Mai des Folgejahres bei den Finanzämtern abzugeben. Diese gesetzliche Abgabefrist wird allgemein bis Ende September verlängert, wenn die Steuererklärung von einem Steuerberater angefertigt wird.
Auf einfachen Antrag, also ohne besondere Begründung, kann das Finanzamt weitere
fünf Monate Frist bis Ende Februar gewähren; darüber hinaus nur in zwingenden
Ausnahmefällen.
Eine Fristverlängerung kann nur gewährt werden, wenn die Arbeitslage des Finanzamtes dies zulässt. Der Zugang von Steuererklärungen darf nicht stocken, Leerlauf in
den Veranlagungsbezirken ist zu vermeiden. Dies wird von den Finanzämtern im
Allgemeinen beachtet. Die Fristverlängerung ist aber auch zu versagen, wenn wiederholt eine hohe Abschlusszahlung droht und diese mit der späten Erklärungsabgabe möglichst weit hinaus geschoben werden soll. Denn je später die Festsetzung erfolgt, desto höher ist der Zinsverlust für den Fiskus.
Diesen Aspekt haben die Finanzämter in etlichen Fällen nicht beachtet. Großzügig
wurden Abgabefristen verlängert, gelegentlich auch über Ende Februar des Zweitfolgejahres hinaus, obwohl das bisherige Abgabeverhalten des Steuerpflichtigen dies
geradezu verboten hätte. Weder Fristüberschreitungen noch hohe Abschlusszahlungen für die Vorjahre waren hinderlich; selbst wenn das Finanzamt die Besteuerungsgrundlagen für das Vorjahr wegen Nichtabgabe der Steuererklärung schätzen musste,
hatten die Steuerberater mit ihren Anträgen Erfolg.
Steuerpflichtige, die ihre Erklärungen wiederholt und hartnäckig verspätet abgeben,
beeinträchtigen ein geordnetes und zügiges Veranlagungsverfahren; viele von ihnen
verschaffen sich ungerechtfertigte Liquiditäts- und Zinsvorteile. Fristverlängerungen
dürfen nicht „automatisch“ gewährt werden. Dies gilt besonders bei einkommensstarken Steuerpflichtigen, die bereits mit hohen Abschlusszahlungen aufgefallen
sind. Diese Fälle heben sich aus der Gesamtzahl der zu veranlagenden Fälle heraus,

77
ihre Anzahl ist verhältnismäßig gering, ihre Bedeutung dafür um so größer. Daher
müssen die Finanzämter ihnen auch besondere Aufmerksamkeit widmen. In diesen
Fällen kommt nicht nur die Ablehnung der Fristverlängerung in Betracht. Die Finanzämter haben vielmehr die Möglichkeit, Steuererklärungen auch vorzeitig anzufordern; dies ist indes nur selten geschehen.

Verspätungszuschläge
(136)

Gegen denjenigen, der seiner Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung nicht
oder nicht fristgemäß nachkommt, kann ein Verspätungszuschlag festgesetzt werden.
Er darf 10 % der festgesetzten Steuer nicht übersteigen und höchstens 10.000 DM
(5.113 €) betragen. Dieser Betrag wurde erhöht auf 50.000 DM (25.565 €) für Steuererklärungen, die nach dem 31.12.1999 einzureichen sind, ab 2002 gilt ein Höchstbetrag von 25.000 €.
Der Verspätungszuschlag ist ein besonderes Druckmittel der Finanzbehörden zur Sicherung eines ordnungsgemäßen Veranlagungsverfahrens. Zweck der Ermächtigung
zur Festsetzung des Verspätungszuschlages ist es, die Personen, die Steuererklärungen abzugeben haben, zur Einhaltung der Abgabefrist anzuhalten. Bei der Ausübung
des Auswahlermessens sind neben dem Zweck des Zuschlags auch die Dauer der
Fristüberschreitung, die Höhe des sich aus der Steuerfestsetzung ergebenden Zahlungsanspruchs, die aus der verspäteten Abgabe der Steuererklärung gezogenen Vorteile sowie das Verschulden und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen zu berücksichtigen. Ein Verspätungszuschlag soll zugleich repressiv wie
präventiv wirken. Dies hat der Bundesfinanzhof jüngst bestätigt. Er hält es nicht für
ermessensfehlerhaft, wenn die Höhe des Verspätungszuschlags den durch die verspätete Abgabe der Erklärung gezogenen Vorteil erheblich übersteigt (vgl. Urteil vom
14.6.2000, Bundessteuerblatt 2001 Teil II S. 60).
Die Finanzämter nutzten den vom Gesetzgeber eingeräumten Ermessensspielraum
vielfach nicht. Zu häufig ließen sie sich vom Prinzip der „Streitvermeidung“ leiten
und verzichteten auf die gebotene Festsetzung eines Verspätungszuschlags; in anderen Fällen fiel er derart unbedeutend aus, dass jede Wirkung verpuffte. Dieses Wohlverhalten wird von den Steuerpflichtigen aber nicht honoriert, sondern ausgenutzt:
Die Verspätung fällt im Folgejahr eher noch größer aus. Streitvermeidung um jeden

78
Preis ist der verkehrte Weg. Sie führt nicht zu einer Disziplinierung der Steuerpflichtigen, sondern verschafft diesen vielmehr ungerechtfertigte Vorteile zu Lasten des
Fiskus.
Selbst die Androhung eines Verspätungszuschlags im Schätzungsbescheid blieb folgenlos, wie folgendes Beispiel zeigt:
Veranlagungszeitraum

Abgabe der
ESt-Erklärung

1991

7.4.1994
(nach Schätzung vom
29.11.1993)
6.2.1995
(nach Schätzung vom
30.9.1994)
27.9.1996
10.10.1997

1992
1994
1995

Abschlusszahlung
(nur ESt)
rd. 42.000 DM

Verspätungszuschlag
DM
0

rd. 130.000 DM

200

rd. 275.000 DM
rd. 114.000 DM

0
0

Tab. 16: Verspätungszuschläge in einem Einzelfall
Die ESt-Erklärung für den Veranlagungszeitraum 1993 wurde fristgerecht abgegeben.

Aber auch Verspätungszuschläge von etwa 0,5 % der für zwei aufeinander folgende
Jahre festgesetzten Einkommensteuer sind angesichts der Fristüberschreitungen von
elf bzw. sechs Monaten und Abschlusszahlungen von 329.000 DM (168.215 €) bzw.
264.000 DM (134.981 €) eindeutig zu niedrig ausgefallen. Die Liste vergleichbarer
Fälle könnte beliebig fortgeführt werden.

Vorauszahlungen
(137)

Der Steuerpflichtige hat Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer zu entrichten,
die er für den laufenden Veranlagungszeitraum voraussichtlich schulden wird. Das
Finanzamt kann die Vorauszahlungen noch innerhalb von 15 Monaten nach Ablauf
eines Jahres sowohl erhöhen als auch – in der Regel auf Antrag – verringern. Dabei
ist es entscheidend auf die Angaben des Steuerpflichtigen oder seines Steuerberaters
angewiesen.
Die Finanzämter haben in einer ganzen Reihe von bedeutenden Steuerfällen versäumt, die Vorauszahlungen auf die voraussichtlich zu erwartende Steuerschuld anzupassen. Dies führte zu Abschlusszahlungen, die nicht selten 100.000 DM
(51.129 €) oder sogar ein Mehrfaches davon erreichten. Für den Fiskus bedeutet dies
regelmäßig einen erheblichen Zinsschaden, denn die Verzinsung der Abschlusszah-

79
lung mit einem Jahreszinssatz von 6 % setzt erst nach Ablauf einer Karenzzeit von
15 Monaten ein.
Gibt ein Unternehmer Umsatzsteuer-Voranmeldungen ab, führen nennenswerte Umsatzsteigerungen zu der Aufforderung an den Veranlagungsbezirk, die Höhe der Einkommensteuer-Vorauszahlungen zu prüfen. Dieser Kontrollmechanismus greift nicht
bei Unternehmern, die nicht zur Abgabe von Voranmeldungen verpflichtet sind, z. B.
Ärzte. Der Landesrechnungshof hat angeregt, die notwendigen Daten (insbesondere
den voraussichtlichen Gewinn) von diesen Steuerpflichtigen bereits kurz nach Ende
eines Jahres zu erfragen, um die Vorauszahlungen für dieses abgelaufene Jahr ggf.
nachträglich erhöhen zu können. Das Finanzministerium hat nunmehr mitgeteilt,
dass diese Anregung alsbald umgesetzt werden soll. Der Landesrechnungshof wird
die Behandlung derartiger Fälle weiterhin beobachten.
Auch bei Anträgen auf Herabsetzung der Einkommensteuervorauszahlungen zeigten
sich Mängel: Die Finanzämter gaben wiederholt Herabsetzungsanträgen statt, obwohl diese nicht oder nur unzureichend begründet waren. Diese Fälle führten ebenfalls häufig zu erheblichen Abschlusszahlungen.
Auch Vorauszahlungen können Gegenstand einer Steuerhinterziehung sein. Wer
Gründe vorträgt, die das Finanzamt zur Herabsetzung der Vorauszahlungen veranlassen, muss seine Angaben berichtigen, wenn er deren Unrichtigkeit erkennt und es
anderenfalls zu einer Steuerverkürzung kommen kann oder bereits gekommen ist. In
bedeutsamen Fällen kann die Herabsetzung der Vorauszahlungen mit der vorzeitigen
Anforderung der Steuererklärung für den betreffenden Veranlagungszeitraum verknüpft werden. Bei ungerechtfertigten Anträgen sollten regelmäßig strafrechtliche
Konsequenzen geprüft werden.
Eine weitere Anregung des Landesrechnungshofes hat die Verwaltung aufgegriffen:
Setzen die Finanzämter Vorauszahlungen antragsgemäß herab, wird der
Steuerpflichtige nunmehr ausdrücklich auf seine Berichtigungspflicht hingewiesen
für den Fall, dass die Herabsetzungsgründe entfallen sollten.

Bearbeitungsgrundsätze für die Veranlagungsstellen
(138)

Die Finanzbehörde ermittelt den Sachverhalt von Amts wegen und bestimmt Art und
Umfang der Ermittlungen nach den Umständen des Einzelfalls (Untersuchungs-

80
grundsatz). Dabei ist sie zwei verfassungsrechtlichen Grundsätzen verpflichtet: Der
Gesetzmäßigkeit und der Gleichmäßigkeit der Besteuerung. Da angesichts der immer
hektischer werdenden Steuergesetzgebung die Verwaltungskapazität faktisch nicht
mehr ausreicht, um jeden materiellen Steueranspruch zu ermitteln und durchzusetzen, wurden mit Wirkung ab dem Veranlagungszeitraum 1996 neue Bearbeitungsgrundsätze für die Veranlagungsstellen in Kraft gesetzt, die „Grundsätze zur Neuorganisation der Finanzämter und zur Neuordnung des Besteuerungsverfahrens
(GNOFÄ 97)“; sie gelten bundesweit.
Der Leitgedanke: Bei der Bearbeitung der Steuerfälle muss auf das Wesentliche abgestellt werden. Der Bearbeitungsaufwand soll sich maßgeblich nach der steuerlichen Bedeutung des Falles richten. Unterschieden wird zwischen intensiv zu bearbeitenden und übrigen, nur überschlägig zu prüfenden Steuerfällen.
Steuerfälle sind intensiv zu bearbeiten, soweit
− sie maschinell hierzu ausgewählt werden,
− dies generell oder im Einzelfall angeordnet wird oder
− sich Zweifelsfragen von erheblicher steuerlicher Bedeutung ergeben.
Darüber hinaus hat der Bearbeiter Steuerfälle im Rahmen pflichtgemäßen Ermessens
intensiv zu bearbeiten, soweit er dazu einen Anlass sieht.
Die maschinelle Auswahl orientiert sich grundsätzlich an der Höhe der Einkünfte.
Damit soll sichergestellt werden, dass jedenfalls die Fälle mit einer hohen (positiven
oder negativen) Summe der Einkünfte durchweg intensiv geprüft werden. Werden
die jeweiligen Größenordnungen nicht erreicht, soll eine intensive Prüfung erfolgen,
soweit diese Fälle sogenannte Prüffelder aufweisen. Hierbei handelt es sich im Allgemeinen um fehlerträchtige Sachverhalte, die von der Oberfinanzdirektion und den
Finanzamtsvorstehern festgelegt werden (z. B. Fälle der Betriebsveräußerung oder
solche mit häuslichem Arbeitszimmer).
Bei der Bearbeitung der übrigen Steuerfälle soll den Angaben der Steuerpflichtigen
gefolgt werden, soweit sie schlüssig und glaubhaft sind.
Der Landesrechnungshof hat erhebliche Mängel bei der Umsetzung der GNOFÄ 97
durch die Finanzämter festgestellt. Diese reagierten auf die Feststellungen häufig mit
Unverständnis. Sie rechtfertigten die aufgedeckten Bearbeitungslücken regelmäßig

81
damit, dass eine Intensivprüfung nach den GNOFÄ 97 insoweit nicht vorgesehen sei.
In den Finanzämtern hat sich – nach Ansicht des Landesrechnungshofes – ein falsches Verständnis der Bearbeitungsgrundsätze gebildet. Diese beschränken eine intensive Prüfung keineswegs auf die Intensivprüffälle und die Prüffelder. Intensiv zu
prüfen ist vielmehr auch, soweit sich Zweifelsfragen von erheblicher steuerlicher
Bedeutung ergeben oder soweit der Bearbeiter dazu einen Anlass sieht.
Dieser Teil der Anweisung wird von den Bearbeitern regelmäßig ignoriert. So wurden in zahlreichen Fällen Aufwendungen anerkannt, bei denen sich eine Intensivprüfung oder eine schlichte Streichung aufgedrängt hätte. Aber auch unverzichtbare Unterlagen wurden nicht angefordert, wie beispielsweise die Gewinnermittlung eines
Freiberuflers; das Finanzamt begnügte sich mit einer Schätzung. Zur Begründung
wurde darauf verwiesen, dass es sich hierbei weder um einen Intensivprüffall noch
um ein Prüffeld gehandelt habe.
Die im Rahmen dieser Querschnittsprüfung, aber auch in anderen Prüfungsverfahren
getroffenen Feststellungen zur steuerlichen Behandlung von Einzelfällen erwecken
den Eindruck, dass die Finanzämter mit der Umsetzung der GNOFÄ 97 die Prüfungsintensität weithin zu Lasten der Qualität reduzieren. Gespräche mit Bediensteten der Veranlagungsstellen untermauern diese Ansicht. So wurde den Beauftragten
des Landesrechnungshofes wiederholt entgegnet, dass Prüfungen auf Intensivprüffälle und Prüffelder beschränkt werden müssten – auch hier noch mit Einschränkungen
–, um das Veranlagungssoll bewältigen zu können. Der Landesrechnungshof sieht
Anlass zu der Befürchtung, dass die Steuerverwaltung ihren gesetzlichen Aufgaben
nur noch formal und nicht mehr inhaltlich nachkommt, denn das Gebot der rechtmäßigen und gleichmäßigen Besteuerung wird weithin nicht mehr erfüllt. Diese Feststellung gilt keineswegs nur für die Steuerverwaltung Mecklenburg-Vorpom-merns.
Prüfungserfahrungen anderer Rechnungshöfe zeigen, dass die Finanzämter bundesweit vor den gleichen Problemen stehen.
Der Landesrechnungshof sieht sich in seiner Auffassung bestärkt durch das Bundesverfassungsgericht: „Der Gleichheitssatz verlangt für das Steuerrecht, dass die Steuerpflichtigen durch ein Steuergesetz rechtlich und tatsächlich gleich belastet werden.
Im Veranlagungsverfahren bedarf das Deklarationsprinzip der Ergänzung durch das
Verifikationsprinzip. Gesamtwirtschaftliche Gründe können einen Verzicht des Gesetzgebers auf eine hinreichende Kontrolle der im Veranlagungsverfahren abgege-

82
benen Erklärungen des Steuerpflichtigen verfassungsrechtlich nicht rechtfertigen.“
(vgl. Urteil vom 27.6.1991, BVerfGE 84, 239). Letztlich kann jedoch nur der Gesetzgeber durch eine grundlegende Vereinfachung des Steuerrechts eine wirksame
und rechtsstaatlich unbedenkliche Entlastung der Steuerverwaltung herbeiführen;
doch dies ist Zukunftsmusik. Damit wird das Handeln der Steuerverwaltung auch
weiterhin in erheblichem Maße von Notlösungen wie GNOFÄ 97 geprägt sein.
Das Finanzministerium hat sich dem Ergebnis dieser Analyse im Wesentlichen angeschlossen. Der Steuerverwaltung ist es bislang nicht gelungen, die Schieflage zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu beseitigen. Zur Begründung verweist sie darauf,
dass sich die Finanzämter in dem zu bewältigenden Massenverfahren auf die prüfungsrelevanten Sachverhalte konzentrieren müssten. Dem stimmt der Landesrechnungshof zu. Die Verwaltung ist noch weit davon entfernt, sämtliche prüfungsrelevanten Sachverhalte herauszufiltern.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

83

Getrennte Veranlagung von Ehegatten

Die Finanzämter haben zahlreiche getrennte
Veranlagungen fehlerhaft durchgeführt – meist
zu Lasten des Fiskus.

(139)

Ehegatten, die in einem Jahr – zumindest zeitweise – nicht dauernd getrennt gelebt
haben, können mit ihrer Einkommensteuererklärung zwischen der Zusammenveranlagung und der getrennten Veranlagung wählen. Meistens ist eine Zusammenveranlagung wirtschaftlich günstiger, denn hierbei kommt das Splitting-Verfahren zur
Anwendung; es mildert die Wirkung des progressiv gestalteten Steuertarifs. Der
Splittingvorteil wächst mit der Differenz zwischen den Einkünften der Ehegatten und
kann – je nach Höhe des gemeinsamen Einkommens – gut 20.000 DM (10.226 €) erreichen; er entfällt, wenn die Einkünfte gleich hoch sind. In bestimmten Fällen führt
aber die getrennte Veranlagung trotz unterschiedlich hoher Einkünfte und ohne Splittingvorteil zu einer geringeren Steuerlast. Die Finanzämter des Landes führen jährlich etwa 7.500 getrennte Veranlagungen durch.
Der Landesrechnungshof untersuchte in der Zeit vom 28.2. bis zum 30.3.2000 die
Bearbeitung von Fällen der getrennten Veranlagung in zwei Finanzämtern.

Prüfungsfeststellungen
(140)

Beantragen die Ehegatten die getrennte Veranlagung, hat jeder von ihnen eine eigene
Einkommensteuererklärung abzugeben. Dennoch gibt es eine Reihe wechselseitiger
Beziehungen zwischen beiden Erklärungen; verschiedene Daten des einen müssen
bei der Veranlagung des jeweils anderen Ehegatten berücksichtigt werden. Das ist an
sich nicht problematisch. Ist aber nur einer der Ehegatten Arbeitnehmer und der andere beispielsweise Unternehmer, sind zwei Veranlagungsbezirke zuständig. Das für
diese Fälle vorgesehene Mitteilungsverfahren hat sich als fehleranfällig erwiesen:
Wesentliche Daten wurden nicht übermittelt oder Mitteilungen wurden nicht oder
nur unvollständig ausgewertet. Fehlte die Mitteilung, wurde oftmals nicht im anderen Veranlagungsbezirk nachgefragt – was nahe gelegen hätte –, sondern vorläufig
veranlagt. Nach Auswertung der Mitteilung musste die Vorläufigkeit mit gesonder-

84
tem Bescheid aufgehoben werden – ein in vielen Fällen vermeidbarer Verwaltungsaufwand.
Doch selbst wenn nur ein Veranlagungsbezirk zuständig war und die Erklärungen
beider Ehegatten vorlagen, erfolgten die Veranlagungen nicht immer gleichzeitig,
aber – wiederum vermeidbar – vorläufig. Wurde gleichzeitig veranlagt, blieben die
Daten des anderen Ehegatten gleichwohl gelegentlich unberücksichtigt. Häufige Folge: Abzug zu hoher außergewöhnlicher Belastungen (z. B. Krankheitskosten) und
damit die Festsetzung einer zu niedrigen Einkommensteuer. Die Fehlerquote stieg,
wenn Kinder zu berücksichtigen waren. Befanden diese sich auch noch in der Ausbildung, blieb kaum ein Bescheid fehlerfrei. Der ohnehin nur selten richtig berechnete Ausbildungsfreibetrag entfaltet erst mit der getrennten Veranlagung die größte
Entlastungswirkung: Er wurde nicht bei jedem der Ehegatten zur Hälfte und damit
insgesamt nur ein Mal berücksichtigt, sondern gelegentlich auch eineinhalb Mal (bei
einem Ehegatten zur Hälfte, bei dem anderen noch einmal in voller Höhe) und sogar
doppelt.
(141)

Die Einkommensteuer wird bei der getrennten Veranlagung stets nach dem Grundtarif, niemals aber nach dem Splitting-Verfahren berechnet. So der Wille des Gesetzgebers – die Praxis sieht gelegentlich anders aus. Während die Zusammenveranlagung automatisch zur Anwendung des Splittingtarifs führt, muss der Bearbeiter bei
der getrennten Veranlagung die Anweisung für den Grundtarif manuell vornehmen.
In mehreren Fällen führte die versehentlich gewählte Kennziffer für das SplittingVerfahren jedenfalls für einen der getrennt veranlagten Ehegatten zu einem nicht gerechtfertigten Steuervorteil. Maschinelle Plausibilitätskontrollen sind nicht vorhanden.

Fazit
(142)

Getrennte Veranlagungen führen zu einer unerwartet hohen Zahl fehlerhafter Bescheide. Die Folgen sind ungleich verteilt, denn Fehler zu Lasten des Steuerbürgers
haben keinen Bestand: Sie werden zumeist angefochten und bereinigt.
Der Landesrechnungshof ist der Ansicht, dass eine Vielzahl der Fehler und erheblicher Verwaltungsaufwand vermieden werden könnten, wenn die Veranlagungen der
Ehegatten gleichzeitig und stets in nur einem Veranlagungsbezirk, dem für eine Zu-

85
sammenveranlagung zuständigen, erfolgten. In anderen Ländern, so etwa in Hamburg, hat die Steuerverwaltung diesen Weg gewählt. Die Schulung der Bearbeiter
sowie die Einführung maschineller Plausibilitätskontrollen könnten der getrennten
Veranlagung zur gebotenen Gesetzmäßigkeit verhelfen.
Angesichts der hohen Fehlerzahl hat die Oberfinanzdirektion zügig reagiert und bereits Schulungen für die Sachbearbeiter durchgeführt. Außerdem hat sie die Finanzämter angewiesen, die Veranlagungen gleichzeitig durchzuführen, wenn ohnehin nur
ein Veranlagungsbezirk zuständig ist (weil etwa beide Ehegatten Arbeitnehmer
sind). Die regelmäßige Veranlagung beider Ehegatten in einem Veranlagungsbezirk
hält sie indes nicht für erforderlich. Finanzministerium und Oberfinanzdirektion sind
vielmehr der Ansicht, dass die bereits ergriffenen Maßnahmen, mehr Sorgfalt bei der
Erstellung und Auswertung der Mitteilungen sowie die konsequente Beachtung der
Dienstanweisungen zum Erfolg führen.
Der Landesrechnungshof hält an seiner Auffassung fest. Das Mitteilungsverfahren
bleibt eine Schwachstelle, die vermeidbar wäre. Er wird aber zunächst abwarten, ob
es der Verwaltung gelingt, ein in fachkundigen Kreisen bereits bekanntes ungesetzliches Steuersparmodell zu verhindern. Ein abschließendes Urteil wird einer weiteren
Prüfung vorbehalten bleiben.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

86

Einsatz von Dienstkraftfahrzeugen und anerkannten privateigenen
Kraftfahrzeugen in den Landesbauämtern

Die für die Beschaffung der Dienstkraftfahrzeuge
in den Landesbauämtern zuständige Oberfinanzdirektion (OFD) fertigte keine Ausschreibungsunterlagen an, holte nicht die notwendige Anzahl
von Angeboten ein und begründete ihre Auswahlentscheidung nicht in der erforderlichen
Schriftform. Die Aufträge an ein Autohaus wurden außerdem nur telefonisch ausgelöst.
Einzelne Ersatzbeschaffungen von Dienst-Kfz für
Landesbauämter wurden 1999 zu früh, d. h. noch
vor Erreichen der für die Verwaltung geltenden
Aussonderungskriterien, vorgenommen.
Im Landesbauamt Rostock wurden private Kfz
für Dienstreisen genutzt und Wegstreckenentschädigungen dafür abgerechnet, obwohl DienstKfz im Fuhrpark verfügbar waren.

(143)

Im Geschäftsbereich des Finanzministeriums prüfte der Landesrechnungshof im Kapitel 0505 „Landesvermögens- und Bauabteilung der OFD und Landesbauämter“ die
sächlichen Verwaltungsausgaben für „Haltung von Dienstfahrzeugen“, „Haltung von
privateigenen und zum Dienst zugelassenen Fahrzeugen“, „Leasing von Dienst-Kfz“
sowie den Investitionstitel „Erwerb von Dienstfahrzeugen“. Die örtlichen Erhebungen in den vier Landesbauämtern und in der OFD Rostock gehörten zu einer Querschnittsprüfung zum Einsatz von Dienst-Kfz und anerkannten privateigenen Kfz, die
mit Erhebungen im Geschäftsbereich des Innenministeriums (vgl. Jahresbericht
1999, Tzn. 207 bis 241) begonnen hatte, mit der Prüfung der Fuhrparks der sechs
Staatlichen Ämter für Umwelt und Naturschutz (StÄUN) und des Landesamtes für
Umwelt und Geologie (LUNG) im Geschäftsbereich des Umweltministeriums (vgl.
Jahresbericht 2000, Tzn. 331 bis 339) fortgesetzt wurde und nun abgeschlossen wird.

87
Ziel der Erhebungen war es, die Auslastung der bestehenden Fuhrparks festzustellen,
auch im Zusammenhang mit der zusätzlich möglichen Nutzung von dienstlich anerkannten privateigenen Kfz der Mitarbeiter. In die Prüfung einbezogen wurde die
Einhaltung von einschlägigen Vorschriften wie der Richtlinie über Beschaffung, Betrieb und Aussonderung von Dienstkraftfahrzeugen in der Landesverwaltung von
Mecklenburg-Vorpommern (Kfz-RL M-V) und der Allgemeinen Verwaltungsvorschriften über die Benutzung privateigener Kraftfahrzeuge zu Dienstreisen (VVK).

Beschaffungsvorgänge
(144)

Der Landesrechnungshof wählte stichprobenweise Beschaffungsvorgänge für
18 Kfz-Käufe zwischen April 1998 und März 2000 der OFD für die Prüfung aus. Die
Vorgänge bestanden überwiegend nur aus der Rechnung und der jeweiligen Auszahlungsanordnung. Weitere prüffähige Unterlagen zu den Kfz-Käufen waren nicht vorhanden. So wurden z. B. von der Beschaffungsstelle der OFD keine Leistungsbeschreibungen über das jeweils erforderliche Kfz erstellt. Die Aufforderungen zur
Angebotsabgabe an die im Jahre 1998 berücksichtigten Autohändler bzw. an den
1999 und 2000 ausschließlich beauftragten Rostocker Händler sind mündlich erfolgt.
Außerdem wurde jeder einzelne der 18 Lieferaufträge per Telefon ausgelöst.
Die OFD verstieß gegen die hier einschlägige Verdingungsordnung für Leistungen
- ausgenommen Bauleistungen – (VOL), indem sie keine – auch bei Freihändigen
Vergaben vorgesehenen – Unterlagen erstellte und die erforderliche Schriftform
nicht einhielt.

(145)

Die Vergabe der Beschaffungsaufträge für Dienstkraftfahrzeuge hatte sich auf für die
Landesverwaltung abgeschlossenen Rahmenverträge mit zahlreichen Automobilherstellern, die dem Land Mecklenburg-Vorpommern Rabatte einräumen, zu stützen
und konnte freihändig erfolgen. Ein dennoch erforderlicher Angebotsvergleich von
Kfz der verschiedenen Anbieter mit ähnlichen Ausstattungsstandards fand in der
OFD nicht statt bzw. die Beschaffungsstelle fertigte diesbezüglich keine Vermerke
an.
Es hätten jedoch mindestens drei Angebote eingeholt, verglichen und das wirtschaftlichste Angebot ermittelt werden müssen. Die getroffene Auswahlentscheidung hätte

88
die Beschaffungsstelle schriftlich begründen müssen. Dieser Grundsatz wurde bei
den von der OFD erteilten 18 Kfz-Lieferaufträgen nicht beachtet.
Der Landesrechnungshof fordert, dass bei künftigen Beschaffungen die Vergabevorschriften eingehalten werden und eine Überprüfbarkeit des Verwaltungshandelns dadurch erreicht wird, dass die das Vergabeverfahren dokumentierenden Unterlagen
vorgehalten werden.
(146)

Das Finanzministerium sicherte die Einhaltung der Anforderungen der VOL zur Zuschlagserteilung und Dokumentierung der Auswahlentscheidung zu. Das Erfordernis
der Schriftform für Verträge werde außerdem in einer Dienstanweisung der OFD
niedergelegt werden und der Beschaffungsstelle konkrete Arbeitshilfen in Form von
Materialien, Vordrucken und Programmunterstützung des Arbeitsplatzcomputers zur
Verfügung gestellt. Schulungsmaßnahmen im Vergaberecht seien vorgesehen.

(147)

Der Landesrechnungshof forderte weiterhin die Beachtung des „Vier-Augen-Prinzips“, da die Kfz-Beschaffungen bisher alle in der Hand eines einzigen Sachbearbeiters der OFD lagen und die Mitwirkung des zuständigen Leiters des Präsidialbüros
den Akten nicht zu entnehmen war.
Das Finanzministerium teilte mit, dass künftig auch im Bereich des Fuhrparks der
OFD das „Vier-Augen-Prinzip“ nachweislich schriftlich dokumentiert werde.

Veräußerung von Kfz trotz fehlender Mindestlaufleistung
(148)

Der Landesrechnungshof stellte fest, dass die Mindestlaufleistung der Dienst-Kfz
von 120.000 km entsprechend der Kfz-Richtlinie bei drei 1999 ausgesonderten
Kleinwagen nicht erreicht worden war. Andere Aussonderungsgründe waren in diesen Fällen auch nicht dokumentiert, denn es wurden generell durch die OFD keine in
der Kfz-Richtlinie vorgesehenen Aussonderungsgutachten gefertigt. Der Landesrechnungshof beanstandete dies und darüber hinaus die drei vorzeitigen Ersatzbeschaffungen.
Das Finanzministerium konnte in allen Fällen wirtschaftliche Überlegungen zur vorzeitigen Aussonderung der Dienst-Kfz vorbringen. Es räumte hier die mangelnde
Dokumentation ein und sagte konkrete Abhilfemaßnahmen zu.

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Einsatz von Kraftfahrzeugen im Landesbauamt Rostock
(149)

Im Landesbauamt Rostock wurden für Dienstreisen häufig privateigene anerkannte
Kfz genutzt, obwohl gleichzeitig Dienst-Kfz verfügbar waren. Dies hatte zur Folge,
dass unnötigerweise erhöhte Wegstreckenentschädigungen an die Mitarbeiter ausgezahlt wurden.
Der Landesrechnungshof stellte in diesem Amt ohnehin eine mangelnde Koordination und Kontrolle des Kfz-Einsatzes fest. Häufig kam es z. B. zu Fahrten innerhalb
Rostocks und zu nachträglichen Fahrtengenehmigungen durch den zuständigen Vorgesetzten. Der Antrag auf Genehmigung einer Dienstreise ist jedoch grundsätzlich
vor Antritt der Fahrt zu stellen.
Das Landesbauamt hat nach Mitteilung des Finanzministeriums zugesagt, das beanstandete Verhalten abzustellen.

90

Beschaffung von Informations- und Kommunikationstechnik
und -dienstleistungen für die Steuerverwaltung

Bei der Beschaffung von Geräten der Informationstechnik für die Steuerverwaltung ist es zu
Verstößen gegen das Haushalts- und Vergaberecht gekommen:
Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen wurden nicht
bzw. erst im Nachhinein durchgeführt und waren
sodann unvollständig.
Trotz

eines

Leistungsumfanges

von

rd.

10 Mio. DM (rd. 5,11 Mio. €) wurde die Lieferung
von Servern und Arbeitsplatzcomputern nicht
europaweit öffentlich ausgeschrieben.
Bei der Beschaffung von Druckern oder Notebooks waren die Begründungen für durchgeführte Beschränkte Ausschreibungen bzw. Freihändige Vergaben überwiegend nicht nachvollziehbar.
Aufträge zur Lieferung von Informationstechnik
wurden überwiegend dem gleichen Unternehmen
erteilt.

(150)

Der Landesrechnungshof hat Ausgaben für den Bedarf der OFD Rostock (Besitzund Verkehrssteuerabteilung sowie Finanzämter) an Informationstechnik in den
Haushaltsjahren 1996 bis 1998 geprüft. Schwerpunkt bildeten die Ausgaben in Titel 0503 812.08 „Erwerb von ADV-Geräten, Ausstattungs- und Ausrüstungsgegenständen für ADV-Arbeitsplätze für die Oberfinanzdirektion und die Finanzämter“:

91
Jahr
Gesamt-Soll
Ist

1996

1997

1998

1999

- in DM (€) -

- in DM (€) -

- in DM (€) -

- in DM (€) -

6.137.500

5.816.900

9.639.500

7.083.200

(3.138.054)

(2.974.134)

(4.928.598)

(3.621.583)

4.866.856,27

7.249.316,87

8.597.044,57

6.912.864,99

(2.488.384,10) (3.706.516,86) (4.395.599,09) (3.534.491,75)
Rest

1.598.493,59

87.146

700.000

437.952,86

Rechnungsjahr

(817.296,79)

(44.557)

(357.904,32)

(223.921,74)

Tab.17: Ausgaben in Titel 0503 812.08 „Erwerb von ADV-Geräten, ...“

Laut Erläuterungen zum Haushaltsplan waren die Mittel für bis zu neun verschiedene
IT-Vorhaben einzusetzen, wobei das Integrierte Automatisierte Besteuerungsverfahren (IABV) mit jährlich durchschnittlich rd. 3,5 Mio. DM (rd. 1,79 Mio. €) und das
Verfahren UNIX im Finanzamt mit rd. 2,2 Mio. DM (rd. 1,12 Mio. €) herausragen.
Das IABV ist das 1991 vom Freistaat Bayern übernommene und laufend angepasste
Steuersystem. Die Verfahren UNIX im Finanzamt und zukünftig das Verfahren FISCUS bilden das neue bundesweit einzusetzende Steuersystem, das parallel zum IABV entwickelt und installiert wird und das bis 2006 das Altverfahren ablösen soll.

Verträge zur Lieferung von Servern und Arbeitsplatzcomputern
für UNIX im Finanzamt
(151)

Zur Fortsetzung der in den Jahren 1994/1995 begonnenen Beschaffung von Servern
und Arbeitsplatzcomputern für das Verfahren UNIX im Finanzamt hat die OFD im
Dezember 1996 mit dem Unternehmen A Verträge über die Lieferung von ca.
2000 Arbeitsplatzcomputern und 30 Windows-NT-Servern (Los 1) sowie von ca.
20 UNIX-Servern (Los 2) mit einem Gesamtvolumen von ca. 10 Mio. DM (ca.
5,11 Mio. €) geschlossen.
Vorausgegangen war eine Beschränkte Ausschreibung nach einem europaweiten
Teilnahmewettbewerb. Von 35 Interessenten wurden acht aufgefordert, Angebote für
die Leistungen bis zum Jahr 2000 sowie für eine noch 1996 zu realisierende sogenannte Startbestellung über rund 300 Arbeitsplatzcomputer und 15 Server einzureichen. Ein Vergabegremium der OFD stellte nach Prüfung der fünf eingegangenen
Angebote fest, dass davon nur drei in Betracht kommen. Diese seien „zwar differen-

92
ziert zu beurteilen“, es gebe „jedoch keinen Anlaß zum Ausschluß von weiteren Bewertungen (kein technisches KO).“ Obwohl das Vergabegremium noch am
23.10.1996 bei jedem der „angebotenen Rahmenvertragsentwürfe Unklarheiten“
festgestellt und es deshalb für erforderlich gehalten hatte, dass „noch bestimmte Informationen nachgereicht werden“ müssen, hat es am 25.10.1996 ohne weiteres die
Angebote der Lieferanten B und C „aufgrund ungenügender Rahmenvertragsangebote (KO Rahmenvertrag)“ von der weiteren Bewertung ausgeschlossen.
Gleichzeitig hat es dem Lieferanten A eine Verlängerung der Zuschlagsfrist bis zum
18.11.1996 angeboten, um mit diesem „zweifelhafte Vertragsinhalte direkt“ zu verhandeln. Lieferant A erhielt am 18.11.1996 den Zuschlag für den Gesamtauftrag. Am
6.12.1996 wurden „Rahmenverträge“ geschlossen. Der Vertrag zu Los 1 sieht vor,
dass die Firma D als Unterauftragnehmer (von A) mit den Lieferungen und Leistungen beauftragt wird. In der Folge haben die Firmen A und D Teilmengen nach entsprechenden Abrufen der OFD geliefert.
1997 und 1998 hat Lieferant D 509 Arbeitsplatzcomputer und 38 NT-Server im Gesamtwert von 3.583.500 DM (1.832.214,56 €) geliefert.
Beide Verträge enthalten eine Klausel, wonach sich deren Laufzeit um ein Jahr verlängert, wenn er nicht von einem Vertragspartner gekündigt wird. Diese vertraglichen Beziehungen sind zum 31.12.2000 beendet worden.
(152)

Die OFD hat das Leistungspaket über 2000 Arbeitsplatzcomputer und 50 Server trotz
des Leistungsumfanges von rd. 10 Mio. DM (rd. 5,1 Mio. €) nicht europaweit öffentlich ausgeschrieben und damit den Wettbewerb in unzulässiger Weise beschränkt.
Die Entscheidung des Vergabegremiums über den Ausschluss („QO“) der Lieferanten B und C, insbesondere die dafür angeführte Begründung, ist unter den Gesichtspunkten der Nachvollziehbarkeit und der Gleichbehandlung von Anbietern in Frage
zu stellen.

(153)

Das Finanzministerium hat eingeräumt, dass eine Prüfung der Voraussetzungen für
eine europaweite Beschränkte Ausschreibung mit öffentlichem Teilnahmewettbewerb nicht ausreichend dokumentiert ist. Den Ausschluss der Lieferanten B und C
hat das Finanzministerium unter wiederholter Berufung auf das Votum eines in dem
Vergabegremium mitwirkenden Juristen als „nachvollziehbare und vergaberechtlich
zutreffende“ Entscheidung gerechtfertigt.

93

Planungsunterlagen für größere Beschaffungen gemäß § 24 LHO
(154)

Erst im zweiten Halbjahr 1998 hat die OFD dem Finanzministerium „Unterlagen
gemäß § 24 LHO für die Einführung von ‘UNIX im Finanzamt’ im Einzelplan 05,
Kapitel 0503 Maßnahmegruppe 59 (Hauptgruppen 5 und 8)“ vorgelegt, obwohl bereits 1995/1996 die Planungen für dieses Investitionsvorhaben so weit fortgeschritten
waren, dass diese Unterlagen einschließlich einer Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellt werden konnten.

(155)

Der Landesrechnungshof hat diese Unterlagen, die auch Betrachtungen über die
Wirtschaftlichkeit des IT-Verfahrens enthalten, nicht im Einzelnen geprüft.
Es ist jedoch nicht hinnehmbar, dass Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen (VV Nr. 2
zu § 7 LHO) zu IT-Vorhaben bzw. Planungsunterlagen für größere Beschaffungen
oder Entwicklungsvorhaben nach § 24 Abs. 2 LHO nicht, unvollständig oder erst mit
mehrjähriger Verzögerung – mithin in der Nachschau – erarbeitet werden. Dadurch
waren wichtige Steuer- und Planungsgrößen unbekannt bzw. ungenau.

(156)

Der Sächsische Landesrechnungshof, der Landesrechnungshof Brandenburg und der
Bayerische Oberste Rechnungshof haben 1998 bzw. 1999 jeweils in ihrem Zuständigkeitsbereich das Projekt FISCUS geprüft; die Prüfungsmitteilungen liegen dem
Finanzministerium vor. Vom Landesrechnungshof Brandenburg wurde u. a. beanstandet, dass von der Verwaltung keine umfassende Wirtschaftlichkeitsuntersuchung
durchgeführt wurde und somit die vorgesehenen Maßnahmen zur Erneuerung der Informationstechnik nicht ausreichend begründet sind.
Die Übersendung der Prüfberichte an die Finanzministerien der Länder wurde mit
der Erwartung verknüpft, dass den Hinweisen und Beanstandungen jeweils auf Landesebene in eigener Zuständigkeit mit dem Ziel nachgegangen wird, die Einführung
der neuen Systeme effektiver zu gestalten.

(157)

Das Finanzministerium hat mitgeteilt, eine erste Fortschreibung der Planungsunterlagen nach § 24 LHO für das Jahr 2000 angefertigt zu haben, die es kontinuierlich
fortsetzen werde.

Lieferung von Arbeitsplatzcomputern, Notebooks und Druckern

94
(158)

Auch bei der Beschaffung anderer, vom Rahmenvertrag nicht eingeschlossener Informationstechnik (Arbeitsplatzcomputer, Notebooks und Drucker) hat die OFD ohne die erforderliche Öffentliche Ausschreibung Aufträge in Nichtoffenen Verfahren
vergeben. Sie hat dies z. T. mit der Existenz des Rahmenvertrages über die Lieferung
von Servern und Arbeitsplatzcomputern begründet, obwohl weder Notebooks noch
Drucker Gegenstand des Rahmenvertrages waren.
Bei diesen Vorgängen wurden darüber hinaus weitere, dem Vergaberecht nicht gerecht werdende Vorgehensweisen festgestellt:
− Eine Ausschreibung wurde mit dem offenkundigen Ziel durchgeführt, dadurch eine aktuelle Übersicht über die Marktpreise zu erlangen.
− Bewertungskriterien wurden verspätet oder unzureichend bestimmt.
− Leistungsbeschreibungen bei Peripheriegeräten waren unzureichend.
− Es gab Nachverhandlungen über die Änderung der Angebote.
Diese Praxis hat letztlich dazu geführt, dass das Unternehmenskonsortium A und D
(siehe auch Tz. 151) neben dem 10 Mio. DM-Auftrag aus den Rahmenverträgen
auch diese Aufträge zur Lieferung weiterer Informationstechnik mit einem
Gesamtauftragswert von rd. 1,7 Mio. DM (rd. 0,87 Mio. €) erhalten hat.

(159)

Das Finanzministerium hat eingeräumt, dass das Vergaberecht nicht immer beachtet
worden ist.

Beratungs- und Schulungsleistungen
(160)

Die OFD hat 1995 von einem Beratungsunternehmen eine IT-Schulung zum Thema
„Instrumente und Elemente des Projektmanagements“ durchführen lassen. Sie hat
auch mit dem Rechtsnachfolger dieses Unternehmens 1997 bis 1999 Dienstverträge
über Beratungs- und Schulungsleistungen zum Thema „Vorgehensmodell“ abgeschlossen, ohne dass ein Wettbewerb um die Leistung vorausgegangen war. Der
Leistungsumfang betrug jährlich durchschnittlich rd. 110.000 DM (rd. 56.240 €).

(161)

Die Freihändige Vergabe des Leistungsauftrages war nicht zulässig.

95
(162)

Das Finanzministerium hat anerkannt, dass in der Rückschau angesichts der Dauer
und des Wertumfanges eine Ausschreibung notwendig gewesen wäre.

(163)

Die OFD Rostock hat auch bei IT-bezogenen Beratungs- und Fortbildungsleistungen
überwiegend lediglich auf einen aktuellen Bedarf reagiert und ist nicht hinreichend
konzeptionell und planmäßig vorgegangen.

Sonderstellung bestimmter Unternehmen
(164)

Aufträge zur Lieferung von Informationstechnik und Netzkomponenten sowie für
Dienstleistungen im Bereich Fortbildung und Beratung wurden überwiegend an die
gleichen Unternehmen vergeben. Dies wird besonders deutlich am Beispiel der Ausgaben in Titel 0503 812.08 „Erwerb von ADV-Geräten, Ausstattungs- und Ausrüstungsgegenständen für ADV-Arbeitsplätze für die Oberfinanzdirektion und die Finanzämter“:
Abb. 18: Anteile des Unternehmens A (einschl. der in Bietergemeinschaft mit dem
Unternehmen D gelieferten Geräte) an den Gesamtausgaben im Titel 812 08
10 Mio.DM
8 Mio.DM
6 Mio.DM
4 Mio.DM
2 Mio.DM
0

1996
Unternehmen A

(165)

1997

1998
Gesamtausgaben

Infolge von bestimmten langjährig entwickelten und eingesetzten IT-Systemen kann
es technologisch und durch vertragliche Bindungen erforderlich sein, Beschaffungen
auf bestimmte Hard- und Softwaresysteme bezogen vorzunehmen.
Es ist jedoch zweifelhaft, ob die bei den Vergaben der OFD angetroffene Sonderstellung einzelner Hersteller, Lieferanten oder Dienstleister, die letztlich jeweils auf eine
Monopolstellung hinausläuft, in diesem Umfang gerechtfertigt war.

96
Insbesondere die permanente Vergabe an „lieb gewordene“ Unternehmen entspricht
nicht dem freien Wettbewerb und birgt besonders die Gefahr wirtschaftlicher Nachteile durch „großzügige“ Kalkulationen in sich.
(166)

Das Finanzministerium hat eingeräumt, dass die Firmen A und D zu 4/5 des gesamten Beschaffungsvolumens beauftragt wurden. Rund 40 % der Mittel wurden jedoch
für – technisch bzw. vertraglich bedingt – zwingend über die Firmen A und D zu beschaffende Produkte ausgegeben.

(167)

Einzelne Vergabeentscheidungen der OFD hätten einer Prüfung in einem Vergabeprüfverfahren wahrscheinlich nicht Stand gehalten.
Die Transparenz des Vergabeverfahrens und die Gleichbehandlung aller Anbieter
sind unverzichtbare Elemente von Öffentlichen Ausschreibungen und führen letztlich
zu größtmöglicher Wirtschaftlichkeit.
Durch das Vergaberechtsänderungsgesetz (VgRÄG) vom 26.8.1998 (BGBl. I
S. 2512) sind insbesondere Grundsätze des Vergaberechts und des Nachprüfungsverfahrens neu geregelt bzw. klargestellt worden. Obwohl dies Regelungen für Vergaben oberhalb der EG-Schwellenwerte sind, entspricht es dem tieferen Sinn von
§ 55 LHO, auch bei anderen Vergaben entsprechend zu verfahren, denn eine strikt
formale Handhabung der Vergabevorschriften gewährleistet die Transparenz des
Wettbewerbs und beugt Korruptionsanfälligkeiten vor. 11

(168)

Die OFD muss künftig – auch zur Vermeidung von Schadensersatzansprüchen – bei
allen Beschaffungen die Vergabe allein auf der Grundlage sachlicher und nicht willkürlicher Kriterien sicherstellen. Die Ermittlung des günstigsten Anbieters im Wettbewerb führt letztlich auch zu einer wirtschaftlichen Lösung.

11

vgl. Broß, in Verwaltungsarchiv 2000, S.133 f.: Die neuere Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes zur
Vergabe öffentlicher Aufträge.

97
Das setzt eindeutige Kriterien bereits in der Bekanntmachung und in den Vergabeunterlagen – insbesondere in der Leistungsbeschreibung – voraus. Die dafür erforderliche Klarheit über die Konfiguration und die Stückzahlen der zu beschaffenden Informationstechnik ist nur zu erlangen, wenn Konzeption, Planung, Wirtschaftlichkeitsuntersuchung und Haushaltsplanung nicht voneinander losgelöst gehandhabt
werden.
(169)

Das Finanzministerium hat erklärt, dass zum 31.12.2000 in der OFD eine Beschaffungsstelle eingerichtet worden ist, die auch die Ordnungsmäßigkeit der Vergabeverfahren sicher stellen soll.

(170)

Das Finanzministerium ist der Meinung, dass alle Vergabeentscheidungen ausschließlich nach sachlichen Kriterien erfolgt sind und zu einem wirtschaftlichen Ergebnis geführt haben. Bei der Steuerverwaltung sei im Unterschied zu anderen Verwaltungsbereichen wegen der komplexen Aufgabenstellung der Umfang der eingesetzten Datenverarbeitungsprogramme und -technik insgesamt deutlich höher. Daraus folge, dass bei allen IT-Beschaffungsmaßnahmen die Sicherheit der Verfahren,
der Hard- und Software und die kontinuierliche Pflege und Betreuung oberste Priorität haben müssen.

(171)

Die Besonderheiten der Finanzverwaltung rechtfertigen aber nicht die Nichtbeachtung der LHO und der Vergabevorschriften.

98

Hochbaumaßnahmen des Landes
– Ausgaben für Leistungen freiberuflich Tätiger –

Der Landesrechnungshof hat im Rahmen einer
Orientierungsprüfung die Bewirtschaftung der
Ausgaben für Leistungen freiberuflich tätiger
Architekten und Ingenieure sowie die Rückbuchung dieser Ausgaben geprüft.
Er hält den mit der Rückbuchung verbundenen
Verwaltungsaufwand (mindestens 1.300 Buchungen im Haushaltsjahr 1999) für kaum vertretbar
und regt daher an, hierauf zukünftig zu verzichten.
Bei der derzeitigen „Umbuchungspraxis“ kann in
einigen Fällen ein Verstoß gegen das Bruttoprinzip nicht ausgeschlossen werden.

(172)

Der Landesrechnungshof hat im Rahmen einer Orientierungsprüfung die Veranschlagung und Bewirtschaftung des Einnahmetitels 1205 341.01 „Erstattung und
Rückführung von Planungskosten“ und des Ausgabetitels 1205 749.20 „Kosten für
Leistungen freiberuflich tätiger Architekten und Ingenieure bei der Erfüllung von
Landesbauvorhaben“ (Honorartitel) für die Haushaltsjahre 1994 – 2000 geprüft.

(173)

Zur Erstellung der notwendigen Unterlagen gemäß §§ 24 und 54 LHO (Haushaltsunterlage Bau bzw. Ausführungsunterlage Bau) darf sich die mit der Baumaßnahme
beauftragte Dienststelle nach K 12 der Richtlinien des Finanzministeriums für die
Durchführung von Bauvorhaben des Landes im Zuständigkeitsbereich der Landesbauverwaltung (RL Bau) freiberuflich Tätiger bedienen, wenn sie die erforderlichen
Leistungen nicht selbst erbringen kann oder wenn Art und Umfang der Leistung dies
erfordern. Die Finanzierung der Honorarausgaben für die gemäß § 24 LHO notwendigen Unterlagen zur Veranschlagung erfolgt aus dem Honorartitel. Seit dem Haushaltsjahr 1995 können darüber hinaus gemäß § 6 Abs. 2 des jeweiligen Haushalts-

99
rechtsgesetzes (HRG) mit Zustimmung des Finanzministeriums auch Ausgaben für
die nach § 54 LHO erforderlichen Unterlagen aus dem Honorartitel geleistet werden.
Voraussetzung ist, dass die Baumaßnahmen (Gruppen 712 bis 748) in dem dem
Landtag gemäß § 31 Abs. 2 LHO zuletzt vorgelegten Finanzplan enthalten sind.

Entwicklung der Veranschlagungspraxis
(174)

Das Finanzministerium änderte in den Haushaltsjahren 1994 bis 1997 die Veranschlagung der Baunebenkosten dahingehend, dass der Bautitel nicht nur die anteiligen Baunebenkosten (i. d. R. Leistungsphasen 5 bis 9 der HOAI), sondern die gesamten Baunebenkosten enthält. Seit 1995 sind nach Einstellung der Baumaßnahme
in den Haushaltsplan die vorfinanzierten Honorarausgaben zu Lasten des Bautitels
auf den Einnahmetitel zurückzuführen. Die Erläuterungen zu den einzelnen Haushaltstiteln sowie die Bewirtschaftungserlasse waren in diesem Zeitraum
widersprüchlich. So war z. B. im Haushaltsjahr 1996 entsprechend den
Erläuterungen im Haushaltsplan nur eine Umbuchung der vorfinanzierten Honorare
für das Erstellen der Unterlagen nach § 54 LHO gefordert. Der
Bewirtschaftungserlass verlangte jedoch die Umbuchung aller vorfinanzierten Honorare.
Die Veränderung der Veranschlagung der Baunebenkosten hätte zu einer Änderung
der in den Erläuterungen aufgeführten Gesamtbaukosten der einzelnen Maßnahmen
führen müssen. Dies erfolgte nicht.
Das Finanzministerium wies in seiner Stellungnahme darauf hin, dass die Regelung,
wonach alle Baunebenkosten bei der konkreten Maßnahme zu veranschlagen waren,
nur für neu begonnene Maßnahmen gegolten habe. Bei allen bereits begonnenen
Maßnahmen sei es bei der alten Regelung geblieben, sodass auch nach 1995 für diese
Maßnahmen nur die Ausgaben für die Leistungsphasen 5 bis 9 beim jeweiligen Bautitel zu veranschlagen waren.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes ist zukünftig bei Änderungen der Veranschlagungspraxis dafür Sorge zu tragen, dass alle haushaltsrechtlich relevanten
Unterlagen aufeinander abgestimmt sind. Für den Haushaltsgesetzgeber war aus den
Unterlagen die für einen Übergangszeitraum praktizierte unterschiedliche Veranschlagung der Baunebenkosten nicht zu erkennen.

100

Feststellungen zum Einnahmetitel
(175)

Die im Einnahmetitel 1205 341.01 „Erstattung und Rückführung von Planungskosten“ veranschlagten und gebuchten Einnahmen können der folgenden Gegenüberstellung entnommen werden.
Jahr

Einnahmen
– in DM –
– (in €) –
Soll

Ist

–

16.405.000,1

Vergleich
Soll/Ist
+ 16.405.000,1

(8.387.743,32)

(+ 8.387.743,32)

3.749.000,8

+ 3.749.000,8

(1.916.833,67)

(+ 1.916.833,67)

5.000.000

17.901.000,5

+ 12.901.000,5

(2.556.459,41)

(9.152.636,22)

(+ 6.596.176,82)

3.000.000

20.219.000,1

+ 17.219.000,1

(1.533.875,64)

(10.337.810,60)

(+ 8.803.934,95)

1996
1997
1998
1999

–

Tab. 18: Erstattung und Rückführung von Planungskosten

Das Finanzministerium veranschlagte die zu erwartenden Einnahmen in den Haushaltsjahren 1996 bis 1999 generell unter Verletzung des Fälligkeitsprinzips zu gering. Wären diese zusätzlichen Einnahmen „wahre“ Einnahmen, bei denen zusätzliche Haushaltsmittel dem Landeshaushalt zugeführt werden würden, wäre diese Steigerung der Einnahmen sicher zu begrüßen. Mit diesen Einnahmen werden dem
Haushalt des Landes jedoch keine weiteren Finanzmittel zugeführt, da die Ausgaben
für die Erstellung der Unterlagen der HU-Bau bzw. der AFU-Bau schon beim Bautitel veranschlagt sind und die geleisteten Ausgaben beim Honorartitel lediglich beim
Einnahmetitel für die Erstattung und Rückführung von Honorarbeträgen gegengebucht werden.
Diese „fiktiven Einnahmen“ stellten den Gesamtabschluss des notwendigen Zuschusses im Einzelplan 12 günstiger dar, obwohl „wahre“ Einnahmen für den Landeshaushalt nicht entstehen.
Nach Auffassung des Finanzministeriums sei zumindest in den vergangenen Jahren
bei der Vielzahl der Planungsvorhaben eine realitätsbezogene Planung des Einnah-

101
metitels kaum umsetzbar gewesen. Die Kritik des Landesrechnungshofes würde außer Acht lassen, dass das Finanzministerium keine unmittelbaren Einflussmöglichkeiten auf die Abrechnungsabläufe und Buchungstätigkeiten bei den Landesbauämtern habe.
Dem Landesrechnungshof sind sehr wohl die Schwierigkeiten bei der Ermittlung der
voraussichtlichen Einnahmen bewusst. Er sieht hierin jedoch mehr eine Begründung,
zukünftig auf diesen Einnahmetitel zu verzichten.

Feststellungen zum Honorartitel
(176)

Eine Gegenüberstellung der Sollvorgaben zu den Istausgaben für die Haushaltsjahre
1995 bis 1999 zeigt, dass in den verschiedenen Haushaltsjahren nur 54 % bis 86 %
der veranschlagten Ausgaben geleistet wurden. Insbesondere im Haushaltsjahr 1999
wurden rd. 15 Mio. DM (rd. 7,7 Mio. €) zu viel veranschlagt.
„Kosten für Leistungen freiberuflich tätiger Architekten und Ingenieure bei
der Erfüllung von Landesbauvorhaben“
Jahr

Soll

Gesamt-Soll

Ist

(inkl. Reste)

1995
1996
1997
1998
1999

Anteil der
Istausgaben am

– in DM–-

– in DM –

– in DM –

Gesamtsoll

– (in €) –

– (in €) –

– (in €) –

– in %–

40.000.000

41.142.000,5

24.750.000,0

60,2

(20.451.675,25)

(21.035.570,83)

(12.654.474,06)

35.000.000

32.280.000,7

26.364.000,8

(17.895.215,84)

(16.504.502,28)

(13.479.699,56)

35.000.000

36.427.000,9

28.525.000,0

(17.895.215,84)

(18.624.829,82)

(14.584.600,91)

35.000.000

35.000.000,0

30.077.000,8

(17.895.215,84)

(17.895.215,84)

(15.378.126,32)

32.500.000

32.500.000,0

17.441.000,4

(16.616.986,14)

(16.616.986,14)

(8.917.441,93)

81,7
78,3
85,9
53,7

Tab. 19: Gegenüberstellung der Sollvorgaben zu den Istausgaben für die HHJ 1995 bis 1999

Die voraussichtlichen Ausgaben beim Honorartitel sind durch das Finanzministerium
bei der Veranschlagung der Haushaltsmittel künftig realitätsbezogener zu ermitteln.

102
Das Finanzministerium teilte mit, dass gegenwärtig geprüft werde, wie die Veranschlagung von Honorarmitteln verbessert werden könne.
Der Landesrechnungshof wird sich über die Ergebnisse berichten lassen.
(177)

Der Landesrechnungshof stellte bei der stichprobenweisen Prüfung der Haushaltsüberwachungslisten des Honorartitels im Haushaltsjahr 1999 eine Reihe von Einnahmebuchungen fest, die über die Titelnummer der Baumaßnahme definiert wurde.
Dies lässt den Schluss zu, dass eine Absetzung zu Lasten des Bautitels erfolgte.
Gemäß VV Nr. 1.1 zu § 35 LHO sind alle Einnahmen und Ausgaben mit ihrem vollen Betrag und getrennt voneinander zu buchen (Bruttoprinzip). Es ist danach grundsätzlich unzulässig, dass Ausgaben von Einnahmen und Einnahmen von Ausgaben
abgesetzt werden.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes lagen Kriterien für eine zulässige Absetzung von den Ausgaben (VV Nr. 3 zu § 35 LHO) bei diesen Buchungen nicht vor.
Vielmehr hätte die Rückbuchung von Honorarausgaben zu Lasten des entsprechenden Bautitels auf den Einnahmetitel erfolgen müssen.
Das Finanzministerium nahm wie folgt Stellung:
„Das Landesbauamt hat bei diesen Buchungen nicht beachtet, dass Planungsleistungen ab AFU (Ausführungsunterlage Bau) aus der Baumaßnahme zu finanzieren sind.
Die Rückbuchungen sind Rückführungen auf den Honorartitel zu Lasten des Bautitels, weil dieser schon zur Verfügung stand. Bereits im Dezember 1999 sind die fehlerhaften Buchungen durch den Beauftragten für den Haushalt bei der Oberfinanzdirektion Rostock ausgewertet und korrigiert worden. Es handelt sich hier tatsächlich
um Korrekturen wegen irrtümlicher Buchungen.“
Ungewöhnlich ist, dass ein Landesbauamt noch im Haushaltsjahr 1999 in insgesamt
38 Buchungsfällen bei 13 Baumaßnahmen Honorarausgaben ab der Leistungsphase 5
im Honorartitel irrtümlich buchte und dies zu einer „Korrektur“ in Höhe von rd.
2,3 Mio. DM (rd. 1,2 Mio. €) führte. Vielmehr liegt die Vermutung nahe, dass durch
diese Absetzungen einer Haushaltsüberschreitung entgegengewirkt werden sollte.

Empfehlungen des Landesrechnungshofes

103
(178)

Derzeit sind beim Bautitel alle Baunebenkosten zu veranschlagen. Die Honorarausgaben für notwendige Voruntersuchungen bzw. Planungen, die vor der Einstellung
der Baumaßnahme in den Haushaltsplan notwendig sind, werden aus dem Ausgabetitel „Kosten für Leistungen freiberuflich tätiger Architekten und Ingenieure bei der
Erfüllung von Landesbauvorhaben“ vorfinanziert. Sobald das Bauvorhaben mit einem Ansatz im Haushaltsplan beschlossen wurde, sind die vorfinanzierten Honorarausgaben zu Lasten der Mittel der jeweiligen Baumaßnahme auf den Einnahmetitel
„Erstattung und Rückführung von Planungskosten“ umzubuchen.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes ist der Aufwand für die erforderlichen
Umbuchungen bei der Vielzahl der Buchungen (in 1999 beim Honorartitel mindestens 1.300) kaum vertretbar. Nur mit erheblichem Verwaltungsaufwand kann sichergestellt werden, dass alle vorfinanzierten Honorare vom Bautitel auf den
Einnahmetitel umgebucht werden und keine weiteren Honorarforderungen nach
Einstellen der Baumaßnahme in den Haushalt aus dem Honorartitel beglichen
werden.
Der Landesrechnungshof regt daher an, die jetzige „Umbuchungspraxis“ zu überdenken und auf ein Umbuchen der vorfinanzierten Honorare zu verzichten. Dazu ist
es notwendig, dass bei Einstellen der Baumaßnahme in den Haushaltsplan die Höhe
der vorfinanzierten Honorarbeträge für diese Maßnahme erfasst und dieser Betrag in
den Erläuterungen zu der Baumaßnahme aufgenommen wird. Somit würden neben
den jetzt schon aufgeführten Baunebenkosten auch die Ausgaben benannt werden,
die aus dem Honorartitel bereits geleistet wurden. Bei den den Baumaßnahmen zuzuweisenden Haushaltsmitteln sind die schon verausgabten Honorarmittel zu berücksichtigen. Auf eine Umbuchung zu Lasten des Bautitels kann so verzichtet und aufwändige Buchungsvorgänge mit dem damit verbundenen Verwaltungsaufwand vermieden werden.
Das Finanzministerium teilt nicht die Auffassung des Landesrechnungshofes, dass
„das 1995 eingeführte Verfahren der Gesamtveranschlagung und Rückführung von
vorfinanzierten Honoraren geändert werden muss. Die Vorteile, d. h. die frühzeitige
Kenntnis über die Honorarbedarfe und Honorarentwicklung ist für eine Haushaltssteuerung unverzichtbar. Die in der Vergangenheit z. T. über den Haushaltsansatz
hinaus überraschend festgestellte höhere Haushaltsmittelinanspruchnahme bedeutet,
dass ohne Rückkoppelung Honorarbedarfe aus dem Pauschaltitel abgerufen worden
sind. Hier sollte die haushaltsrechtliche Verfahrenssicherheit Vorrang haben vor ei-

104
ner Vermeidung eines sicherlich unbedeutenden Aufwandes. Das Finanzministerium
wird die Anregungen des Rechnungshofes weiter verfolgen, soweit diese eine Vereinfachung von Abläufen und eine Verminderung des Verwaltungsaufwandes ermöglichen.“
Der Landesrechnungshof begrüßt die Bestrebungen des Finanzministeriums, den mit
dem derzeitigen Verfahren verbundenen Verwaltungsaufwand zu mindern. Er hat mit
seiner Prüfbemerkung jedoch nicht in Frage stellen wollen, dass im Haushaltsplan
der Gesamtfinanzierungsbedarf einer Baumaßnahme einschließlich der Honorarausgaben dargestellt werden muss. Die sowohl vom Finanzministerium als auch vom
Landesrechnungshof angestrebten Ziele – Klarheit und Sicherheit bei der Veranschlagung der Bauausgaben einschließlich Honorarkosten – lassen sich jedoch auch
erreichen, wenn der Empfehlung des Landesrechnungshofes gefolgt wird.
Der vom Finanzministerium dargestellte Vorteil, wonach durch die praktizierte Umbuchung frühzeitig Kenntnisse über Honorarbedarfe und Honorarentwicklungen erlangt würden, kann unter Berücksichtigung der tatsächlich durchgeführten Umbuchungspraxis nicht überzeugen.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

105

Hochbaumaßnahmen des Landes
– Sanierung des Straßenbauamtes Stralsund –

Durch die in den Jahren 1994/1995 durchgeführte Große Baumaßnahme hatten Bauleistungen
der Haushaltsjahre 1992/1993 zum Teil (rd.
160.000 DM) (rd. 81.800 €) keinen Bestand mehr.
Die Beauftragung und Vergütung von Prüfingenieuren erfolgte auf der Basis der Regelungen für
die Finanzbauverwaltung des Bundes, obwohl
hierfür landesrechtliche Vorschriften anzuwenden gewesen wären.
Das Landesbauamt hat teilweise gegen die Vergabevorschriften der VOB verstoßen. Bei einer
unbegründeten Vergabe an den zweitgünstigsten
Bieter wurden Mehrkosten in Höhe von rd.
68.000 DM (rd. 34.770 €) in Kauf genommen.
Die Vernachlässigung von wirtschaftlichen Aspekten beim Einbau von Fenstern und Türen
führte zu rd. 32.000 DM (rd. 16.360 €) Mehrausgaben.
Eindringendes Niederschlagswasser verursachte
im Eingangsbereich Gebäudeschäden. Der behindertengerechte Zugang zum Gebäude wurde
aufwändig und über das normgerechte Maß hinaus geplant und ausgeführt. Die Überdachung
des Haupteinganges bietet keinen vollkommenen
Schutz vor Wind und Niederschlag.

106
(179)

Der Landesrechnungshof hat aus dem Kapitel 1206 Hochbaumaßnahmen des Landes/Wirtschaftsministerium den Titel 712.16 „Sanierung des Verwaltungsgebäudes,
Straßenbauamt Stralsund“ stichprobenweise geprüft.
Das ehemalige Gebäude der Bereitschaftspolizei sollte kurzfristig als Verwaltungsgebäude für das Straßenbauamt hergerichtet werden. Eine Bestandserfassung zeigte,
dass das Gebäude nur durch eine Große Baumaßnahme im Sinne der Richtlinie für
die Durchführung von Bauaufgaben des Landes im Zuständigkeitsbereich der Landesbauverwaltung (RL Bau) für eine dauerhafte Nutzung instand gesetzt werden
konnte. Das Finanzministerium erkannte das Baubedürfnis am 30.11.1992 an.

Mittelbewirtschaftung
(180)

Bereits im Januar 1992 beantragte das Straßenbauamt als hausverwaltende Dienststelle für Grundinstandsetzungs- und Bauunterhaltungsmaßnahmen Haushaltsmittel.
Das Wirtschaftsministerium wies hierfür insgesamt Mittel in Höhe von 699.000 DM
(357.393 €) zu (9.3./10.7.1992). Zum Zeitpunkt der Mittelbereitstellung war die Große Baumaßnahme bereits beantragt. Um eine wirtschaftliche Verwendung der
Haushaltsmittel zu gewährleisten, hätte die Entscheidung über die Große Baumaßnahme abgewartet werden müssen. Der Landesrechnungshof hält den Einsatz von
Haushaltsmitteln in Höhe von 300.243,04 DM (153.511,83 €) für Bauunterhaltungsmaßnahmen an einem Gebäude, das ohne größere Baumaßnahmen nicht seiner
endgültigen Nutzung zugeführt werden kann, grundsätzlich für nicht sinnvoll.

(181)

Durch die Grundinstandsetzung gemäß Abschnitt D der RL Bau sollte das Gebäude
zumindest in Teilen bezugsfertig gemacht werden. Das Landesbauamt bestätigte,
dass das Gebäude auf Grund seiner Struktur und Substanz mit verhältnismäßig geringem Aufwand und niedrigen Mitteln zu einem Verwaltungsgebäude umgebaut
werden konnte. In den Haushaltsjahren 1992/1993 wurden hierfür Mittel in Höhe
von 273.737,86 DM (139.959,95 €) verausgabt.
Mit diesen Mitteln konnte das Gebäude jedoch nicht so weit hergerichtet werden,
dass es bezugsfertig wurde. Der Landesrechnungshof hält auch diese Grundinstandsetzung zu einem Zeitpunkt, an dem die Große Baumaßnahme bereits beantragt bzw.
genehmigt war, für unwirtschaftlich.

107
Die Große Baumaßnahme führte dazu, dass Baumaßnahmen in Höhe von rd.
160.000 DM (rd. 81.800 €) der Bauunterhaltung sowie der Grundinstandsetzung keinen Bestand mehr hatten (z. B. Sanierung der Heizungsanlage und Einbau von
Rauchschutztüren).
Das Finanzministerium beurteilt den Sachverhalt in seiner Stellungnahme in gleicher
Weise. Es gibt jedoch zu bedenken, dass bei der Würdigung die damalige Situation
der Unterbringung des Straßenbauamtes Stralsund zu berücksichtigen sei. Nach Anerkennung des Baubedürfnisses für eine Große Baumaßnahme seien die begonnenen
Maßnahmen abgeschlossen und bei der Umsetzung der HU-Bau berücksichtigt worden. Zur Verkürzung der Gesamtbauzeit sei von einer provisorischen Belegung des
Gebäudes abgesehen worden.
Nach Auffassung des Finanzministeriums sei innerhalb eines äußerst kurzen Zeitraumes eine sehr wirtschaftliche Unterbringung dieser Dienststelle erreicht worden.
Es bestätigt „eine Reihe formaler Nachteile, die durch den Landesrechnungshof festgestellt wurden“. Diese seien durch das Landesbauamt bereits ausgewertet.
Der Landesrechnungshof verkennt nicht die damalige schwierige Situation. Er hält
jedoch seine Bemerkungen insoweit aufrecht, als es möglich gewesen wäre, die Entscheidung über die Große Baumaßnahme abzuwarten. Hierdurch hätte vermieden
werden können, dass Bauleistungen, die im Zuge der Großen Baumaßnahme keinen
Bestand mehr haben, ausgeführt wurden.

Einhaltung der Verwaltungsvorschriften
(182)

Das Landesbauamt verwendete für die Vergütung der Leistungen des Prüfingenieurs
die Vertragsmuster der Richtlinie für die Durchführung von Baumaßnahmen des
Bundes im Zuständigkeitsbereich der Finanzbauverwaltung (RB Bau) unter zu
Grunde legen der Leistungsbilder der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Nach RL Bau Abschnitt K 12 Nr. 3 ist jedoch für die Vergütung der Leistungen des Prüfingenieurs die Landesverordnung über die Gebühren und Auslagen
für Amtshandlungen der Bauaufsicht (Baugebührenordnung – BauGO –) zu Grunde
zu legen.
Der Landesrechnungshof sieht in der Anwendung dieser Gebührenordnung auch eine
erhebliche Verwaltungsvereinfachung.

108
Das Ministerium teilt mit, dass die BauGO als landesrechtliche Vorschrift bisher
nicht angewendet worden sei, weil sie nur für Amtshandlungen der Bauaufsicht als
Kostenschuldner gelte. Eine vertragliche RB Bau-Regelung zur Prüfgebühr auf der
Grundlage der anrechenbaren Kosten und der Honorarzone nach HOAI analog zum
Tragwerksplaner werde als richtig angesehen. Zur Zeit würden Vergleichsrechnungen für beide Berechnungsverfahren durchgeführt. Sollten die Vergleichsrechnungen
ergeben, dass das derzeitige vertragliche Verfahren für das Land ungünstiger sei,
werde das Ministerium prüfen lassen, ob eine Umstellung der Honorarverträge für
Prüfer auf die BauGO formal und inhaltlich der sinnvollere Weg sei.
Der Landesrechnungshof nimmt die Stellungnahme der Verwaltung zur Kenntnis. Da
die Landesverwaltung bei Baumaßnahmen der öffentlichen Hand die Aufgaben der
Bauaufsichtsbehörde wahrnimmt, ist nach seiner Auffassung die BauGO die landesrechtliche Vorschrift, deren Anwendungspflicht in der RL Bau Abschnitt K 12 Nr. 3
festgeschrieben ist. Anderenfalls würde der Prüfingenieur abhängig vom Auftraggeber für die gleiche Leistung unterschiedlich honoriert.
Der Landesrechnungshof wird die Erörterungen fortsetzen.
(183)

Das Landesbauamt verwendete im Vergabeverfahren nicht die Formblätter des Vergabehandbuches für die Durchführung von Bauaufgaben des Bundes im Zuständigkeitsbereich der Finanzbauverwaltung (VHB). Protokolle über Vergabeentscheidungen bei Zuschlagserteilung an den Nichtmindestbietenden waren nicht vorhanden.
Hierdurch ging die Transparenz der Vergabeverfahren verloren. Auch fehlte die gemäß VHB notwendige Zustimmung der Oberfinanzdirektion (OFD) zu Vergabeentscheidungen mehrfach. Darüber hinaus waren die in der RL Bau festgeschriebenen
Aufbewahrungsfristen für die Bauakten nicht eingehalten.
Der Landesrechnungshof wies darauf hin, dass die Unterlagen vollständig und prüffähig sein müssen. Ein sachkundiger Dritter muss jederzeit in der Lage sein, sich den
Vorgang nach Aktenlage zu erschließen.
Das Ministerium teilt mit, dass seit Juni 1999 auf die Verwendung der Formblätter
des VHB Teil III und damit auf die Einhaltung der notwendigen Formvorschriften
geachtet werde. Das Fehlen der notwendigen Zustimmungen der OFD zu Vergabeentscheidungen werde bestätigt. Auf die bestehende Erlasslage werde durch die Vorgesetzten allerdings regelmäßig hingewiesen.

109
Der Landesrechnungshof nimmt die Stellungnahme zur Kenntnis und erwartet, dass
zukünftig zeitnah in geeigneter Weise die Einhaltung der Erlasse überprüft wird.

Verstöße gegen die VOB
(184)

Die Vergabeentscheidung im Rahmen der Öffentlichen Ausschreibung der Leistung
„Abbrucharbeiten“ war nicht VOB-konform, da der Architekt in der Wertung der
Angebote nicht hinreichend belegte, dass der preisgünstigste Bieter nicht die nach
§ 25 Nr. 2 Abs. 1 VOB/A notwendige Eignung und Sicherheit für die Erfüllung der
vertraglichen Verpflichtung besitzt. Darüber hinaus war der Nachweis, dass der
zweitgünstigste Bieter das annehmbarste Gebot vorgelegt hatte, nicht nachvollziehbar erbracht. Das Landesbauamt hätte dem Vergabevorschlag nicht ungeprüft folgen
dürfen. Durch die Vergabe an den zweitgünstigsten Bieter entstandene Mehrausgaben in Höhe von 68.349,33 DM (34.946,46 €).
Das Ministerium teilt mit, dass hinsichtlich der Nachvollziehbarkeit der Entscheidungsfindung der Einschätzung des Landesrechnungshofes gefolgt werde. Bei künftigen Entscheidungen werden die Hinweise beachtet.

(185)

Das Landesbauamt unterlief den Grundsatz der Öffentlichen Ausschreibung bei vielen Vergaben dadurch, dass es Nachträge mit erheblichem Auftragswert, zum Teil
als Anschlussaufträge, nach Beschränkter Ausschreibung oder freihändig vergab.
Bei einigen Nachtragsleistungen handelte es sich um eigenständige Leistungen, die
vorhersehbar waren und bei sorgfältiger Planung bereits Bestandteil des Hauptauftrages hätten sein müssen (z. B. Erd-, Drän- und Abdichtungsarbeiten). Aus den
vorliegenden Bauakten war keine Begründung zum Nachtrag ersichtlich.
Ein nicht mit dem freiberuflich Tätigen abgestimmter, unsachgemäßer Eingriff des
Landesbauamtes in einen Ausschreibungstext führte zu Mängeln im Leistungsverzeichnis (Abbrucharbeiten). Diese Vorgehensweise machte zwei erhebliche Nachträge erforderlich. Die Leistungen dieser Nachträge wurden freihändig vergeben und
damit dem Wettbewerb entzogen.
Das Ministerium teilt mit, dass erst nach Freilegen des Sockelbereiches (Erd-, Dränund Abdichtungsarbeiten) die Notwendigkeit von Abdichtungsarbeiten und die Be-

110
arbeitung der Fundamentbankette in diesem Bereich hätte erkannt werden können.
Aus zeitlichen Gründen sei daraufhin eine Freihändige Vergabe erfolgt.
Das Ministerium teilt weiterhin mit, dass Teile des Leistungsverzeichnisses Abbrucharbeiten durch den Bearbeiter des Landesbauamtes versehentlich gelöscht worden seien, sodass sie als Nachtrag beauftragt werden mussten. Die vom Landesrechnungshof gegebenen Hinweise würden berücksichtigt.
Die Stellungnahme des Finanzministeriums zeigt, dass die Ermittlung der Leistungen
im Gewerk Erd-, Drän- und Abdichtungsarbeiten nicht im gebotenen Umfang erfolgte, da es versäumt wurde, den baulichen Zustand des Gebäudes vor Ausschreibung
hinreichend genau zu erfassen.

Ausführung der Baumaßnahmen
(186)

Das Landesbauamt beachtete bei der Ausführung des Gebäudes in einigen Bereichen
die wirtschaftlichen Aspekte nicht im möglichen Umfang. Ein Beispiel hierfür ist der
Einbau von Innentüren mit einem Glasausschnitt in Form eines „Bullauges“. Auch
bestand keine Notwendigkeit 26 Fenster mit Kämpfer einzubauen (Mehrkosten rd.
11.600 DM) (rd. 5.930 €). Einsparungen in Höhe von rd. 20.800 DM (rd. 10.630 €)
hätten sich durch den Einbau einflügeliger Dreh-Kipp-Fenster statt der verwendeten
zweiflügeligen Drehfenster ergeben.
Der Haupteingang des Straßenbauamtes sollte behindertengerecht gestaltet werden.
Um den vorhandenen Höhenunterschied des angrenzenden Geländes zum Eingang
Erdgeschoss zu überbrücken, wurde der Zugang in Form einer Rampe ausgebaut.
Der Landesrechnungshof ist der Auffassung, dass die gewählte Lösung größer und
aufwändiger ist, als es zur Erfüllung der eigentlichen Aufgabe erforderlich gewesen
wäre. Im Hinblick auf den sparsamen Umgang mit Haushaltsmitteln hätte der behindertengerechte Zugang auf das unbedingt erforderliche Maß reduziert werden müssen.
Das Ministerium teilt mit, dass eine eher zurückhaltende Gestaltung dieses Dienstgebäudes vorläge. Die Wahl der Fensterformate und -ausbildung orientiere sich beispielsweise an der ursprünglichen Ausformung dieses schlichten Zweckbaus. Die
günstigen Erstellungskosten würden die Ausgewogenheit zwischen wirtschaftlichen
und gestalterischen Aspekten bestätigen.

111
Das Ministerium teilt weiterhin mit, dass die multifunktionale Nutzung des Hauptzuganges die Grundlage für die Planung und Ausführung gebildet hätte.
Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Auffassung. Auch die nach Meinung des
Finanzministeriums „günstigen Erstellungskosten“ hätten, bei Verzicht auf eine besondere Gestaltung des „schlichten Zweckbaus“, noch weiter reduziert werden können.
(187)

Der Eingangsbereich (Flur) des Sockelgeschosses am Süd-Ost-Giebel des Gebäudes
liegt fast niveaugleich zum angrenzenden Gelände. Die befestigte Zuwegung zum
Eingang hat ein z. T. starkes Gefälle zum Gebäude. Die vorhandenen Regenwassereinläufe sind nicht in der Lage bei starkem Regen das anfallende Niederschlagswasser abzuleiten. Es wird durch den Eingang ins Gebäude gedrückt. Die hierdurch bisher entstandenen Schäden am Gebäude (Fußbodenbelag, Durchfeuchtung der Flurwände) sind erheblich.
Die Überdachung des Haupteinganges am Nord-West-Giebel besteht aus einer leichten Stahlkonstruktion mit Plexiglasabdeckung ohne Windschutz. Sie bietet keinen
hinreichenden Schutz vor Wind und Niederschlag. Darüber hinaus haben sich Risse
im Beton an den Befestigungspunkten der Stützen gebildet, deren Ursache zu ermitteln ist, um eine Gefährdung der Standsicherheit der Konstruktion auszuschließen.
Das Ministerium teilt mit, dass durch starke Höhenunterschiede angrenzender Flächen außerhalb der Landesliegenschaft weiteres Regenwasser bei starkem Niederschlag zugeführt werde. Die vorhandene Rinne hätte diese Regenwassermengen
nicht mehr aufnehmen können, sodass inzwischen ein Obereinlauf eingebaut worden
sei, der das Eindringen von Regenwasser am Eingangsbereich verhindere.
Der begrenzte Witterungsschutz am Haupteingang werde für ausreichend angesehen.
Die Verankerungen werden zur Zeit überprüft, eine Gefährdung der Standsicherheit
werde nicht befürchtet.
Der Landesrechnungshof bezweifelt weiterhin, dass der „begrenzte“ Witterungsschutz der Überdachung des Haupteinganges, bei böigem Wind ausreichend ist.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

112

Ausstellung von Bescheinigungen für steuerliche Zwecke
im Landesamt für Denkmalpflege

Das Landesamt für Denkmalpflege hat etliche
fehlerhafte Bescheinigungen für steuerliche Zwecke ausgestellt. Werden rechtswidrige Bescheinigungen nicht zurückgenommen, führt dies für die
Dauer des möglichen Abschreibungszeitraumes
nicht nur zu teilweise erheblichen ungerechtfertigten Steuervorteilen bei den Eigentümern, sondern auch zu Steuerausfällen für das Land.
Die vom Landesamt für Denkmalpflege erhobenen Verwaltungsgebühren waren unangemessen
niedrig und wurden erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung geltend gemacht.

(188)

Der Staat fördert denkmalpflegerische Maßnahmen nicht nur durch Zuwendungen,
sondern auch durch steuerliche Vergünstigungen. Nach §§ 7 i, 10 f und 11 b Einkommensteuergesetz (EStG) können Eigentümer von Baudenkmalen im Sinne des
Gesetzes zum Schutz und zur Pflege der Denkmale im Lande Mecklenburg-Vorpommern für Herstellungs-, Anschaffungs- und Erhaltungskosten Steuervergünstigungen über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren in Anspruch nehmen. Die Maßnahmen müssen nach Art und Umfang zur Erhaltung des Gebäudes als Baudenkmal
oder zu seiner sinnvollen Nutzung erforderlich gewesen und in Abstimmung mit der
zuständigen Behörde durchgeführt worden sein. Der Steuerpflichtige kann die erhöhten Absetzungen nur in Anspruch nehmen, wenn er dem Finanzamt durch eine Bescheinigung des in Mecklenburg-Vorpommern zuständigen Landesamtes für Denkmalpflege (Landesamt) die Voraussetzungen und die Höhe der geltend gemachten
Aufwendungen nachweist.
Der Landesrechnungshof hat im Jahr 2000 15 % der im Haushaltsjahr 1999 ausgestellten Bescheinigungen des Landesamtes geprüft; diese betrafen 22 Einzelfälle.

113

Bescheinigungsverfahren
(189)

Die Prüfung führte lediglich in einem der geprüften Einzelfälle nicht zu Beanstandungen. Bei der überwiegenden Anzahl der in die Prüfung einbezogenen Bescheinigungen hat der Landesrechnungshof zumindest Zweifel an deren Richtigkeit, in etlichen Fällen waren sie fehlerhaft. Beispielsweise zeigte sich:
− Das die fachliche Prüfung der Anträge dokumentierende „Beurteilungsblatt“ wies
Mängel auf, da zu grundlegenden Voraussetzungen einer Bescheinigung für steuerliche Zwecke wie Erforderlichkeit der Maßnahmen und Abstimmung der Maßnahmen bei Planänderungen bisher keine Aussagen vorgesehen waren. Damit
blieb nicht nur offen, ob das Landesamt alle notwendigen Prüfungen überhaupt
durchgeführt hat. Gleichzeitig ist zweifelhaft, ob alle Bescheinigungen zu Recht
erteilt wurden.
Das Landesamt hat das Beurteilungsblatt inzwischen überarbeitet. Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Bildungsministerium) hat darauf hingewiesen, aus den bislang fehlenden Angaben dürfe nicht darauf geschlossen
werden, die notwendigen Prüfungen seien nicht durchgeführt worden.
− Das Landesamt hat in mehr als der Hälfte der geprüften Einzelfälle in den Bescheinigungen die Baumaßnahmen nicht eindeutig beschrieben. Dies erschwert es
dem Finanzamt, die bescheinigten Kosten im Hinblick auf ihre Absetzbarkeit zu
qualifizieren.
Das Bildungsministerium hat eingeräumt, in einzelnen Fällen seien die Baumaßnahmen in der Bescheinigung nicht hinreichend präzise beschrieben worden. Antragsformulare und Muster für Prüfungsvermerke seien jedoch geändert worden.
Damit sei zukünftig sicher gestellt, dass Maßnahmen und Gewerke in der Bescheinigung detaillierter genannt werden.
− Die Bescheinigung darf nur erteilt werden, wenn die Baumaßnahme vor Beginn
der Arbeiten mit dem Landesamt abgestimmt wurde. Ob dies geschah, hat das
Landesamt in den Akten nur lückenhaft fest gehalten. Der Landesrechnungshof
hat in 57 % der geprüften Vorgänge zumindest Zweifel, ob diese vorherige Abstimmung erfolgte. Damit blieb in vielen Fällen offen, ob das Landesamt rechtswidrige Bescheinigungen erteilte, weil Abstimmungen gar nicht oder zu spät erfolgten.

114
Das Landesamt hat die vom Landesrechnungshof angeführten Fälle geprüft und
schließt „nach dem derzeitigen Prüfungsstand“ für vier dieser Fälle nicht aus,
dass Maßnahmen bereits vor der Abstimmung begonnen worden sind. Künftig
werde das Abstimmungsverfahren in den Akten festgehalten werden.
− Das Landesamt versäumte generell zu dokumentieren, inwiefern die bescheinigten
Aufwendungen erforderlich waren, das Gebäude als Baudenkmal zu erhalten oder
sinnvoll zu nutzen.
Auch das Bildungsministerium ist der Auffassung, die Erforderlichkeit der Maßnahme sei zu dokumentieren und verweist darauf, dass das Beurteilungsblatt überarbeitet worden ist.
− Der Landesrechnungshof konnte den Akten nur in drei der geprüften Fälle entnehmen, dass sich das Landesamt überhaupt mit der Frage der Erforderlichkeit
der Baumaßnahmen im steuerrechtlichen Sinne auseinander gesetzt hat. In anderen Fällen konnte der Landesrechnungshof insbesondere nicht erkennen, dass die
Aufwendungen dazu dienten, eine unter denkmalschutzrechtlichen Gesichtspunkten vertretbare wirtschaftliche Nutzung des Baudenkmals zu ermöglichen. Daher
war nicht auszuschließen, dass das Landesamt nicht hinreichend zwischen der
denkmalrechtlichen Zulässigkeit einer Baumaßnahme und deren Bescheinigungsfähigkeit differenziert hat und auch Aufwendungen bescheinigte, die nicht im Sinne des EStG erforderlich waren, sondern lediglich die wirtschaftliche Nutzung des
Denkmals steigern sollten, etwa durch Ausbauten.
Das Bildungsministerium hält diese Feststellung des Landesrechnungshofes für
unzutreffend. Es verweist auf die große Zahl von Baudenkmalen, die noch in
Stand zu setzen seien. Diverse Gebäude wie Schlösser, Gutshäuser, landwirtschaftliche Bauten und technische Denkmale könnten nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form genutzt werden. Daher seien auch in den vom Landesrechnungshof geprüften Fällen Nutzungsänderungen offenkundig erforderlich für die
Erhaltung und sinnvolle Nutzung des Denkmals und damit bescheinigungsfähig.
− Das Landesamt hat in einigen Fällen Aufwendungen zu Unrecht als begünstigt
bescheinigt, z. B. für einen Teppich und eine Satellitenanlage.
Das Bildungsministerium hat mitgeteilt, nach dem „derzeitigen Stand“ der noch
nicht abgeschlossenen Nachprüfung seien Aufwendungen fehlerhaft bescheinigt
worden. Die sei nicht zuletzt auf den enormen Bearbeitungsdruck zurückzuführen.

115
− Das Landesamt prüfte nicht selbst, ob die Antragsteller Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln erhalten haben, die nicht zu steuerrechtlichen Vergünstigungen führen können. Vielmehr verließ es sich auf die Angaben der Antragsteller.
Das Landesamt will zukünftig nach Ablauf des Haushaltsjahres einen Abgleich
mit den Förderlisten „in Frage kommender Zuwendungsgeber“ vornehmen.
(190)

Die Vielzahl der zum Teil gravierenden Feststellungen macht deutlich, dass das Landesamt die zu beachtenden steuerrechtlichen Vorschriften nach Aktenlage bisher
nicht einheitlich und zutreffend angewandt und auch rechtswidrige Bescheinigungen
ausgestellt hat. Diese führen für die Dauer der möglichen Abschreibung nicht nur zu
teilweise erheblichen ungerechtfertigten Steuervorteilen bei den Eigentümern, sondern auch zu Steuerausfällen für das Land. Der Landesrechnungshof hat die Erwartung geäußert, dass das für die Fachaufsicht zuständige Bildungsministerium das
Landesamt veranlasst zu prüfen, inwieweit eine (Teil-)Rücknahme rechtswidriger
Bescheinigungen geboten ist. Soweit bisher ausgestellte Bescheinigungen, die nicht
Gegenstand des Prüfungsverfahrens waren, noch finanzielle Auswirkungen haben,
muss das Landesamt auch diese unter Berücksichtigung der Feststellungen des Landesrechnungshofes auf ihre Rechtmäßigkeit prüfen. Zu prüfen ist auch, wer für einen
eingetretenen Schaden haftet.

(191)

Das Bildungsministerium hat die Prüfung der vom Landesrechnungshof betrachteten
Einzelfälle veranlasst. Das Landesamt hat ganz überwiegend ausgeführt, die Bescheinigungen seien ordnungsgemäß erteilt worden und die Höhe der bescheinigten
Ausgaben nicht zu korrigieren.
Da im Geschäftsbereich des Ministeriums keine entsprechend vorgebildeten Mitarbeiter vorhanden seien, bemühe es sich um eine personelle Unterstützung durch die
Steuerverwaltung. Erst dann könnten die bisher ausgestellten Bescheinigungen, die
nicht Gegenstand der Prüfung waren, auf ihre Rechtmäßigkeit geprüft und Fragen
der Aufhebung und des Schadenersatzes betrachtet werden. Im Übrigen werde die
Schulung der mit der Ausstellung der Bescheinigungen befassten Mitarbeiter verstärkt werden.

(192)

Der Landesrechnungshof wird die Erörterung der geprüften Einzelfälle fortsetzen
und dabei besonders betonen, dass die einschlägigen Bescheinigungsrichtlinien zur
steuerlichen Förderung von Denkmalpflegeleistungen ausdrücklich fordern, wegen

116
des Tatbestandsmerkmals der Erforderlichkeit einen strengen Maßstab anzulegen.
Aufwendungen, die ausschließlich auf Wirtschaftlichkeitsüberlegungen beruhen,
können danach nicht in die Bescheinigung aufgenommen werden. Dass das Landesamt diese Frage bisher mit der gebotenen Intensität geprüft hat, konnte der Landesrechnungshof den Akten nicht entnehmen. Das Landesamt hat zwar im Anschluss
an die Prüfungsmitteilung die Erforderlichkeit der Maßnahmen, auch von Ausbauten,
begründet. Hinweise auf Prüfungen und Begründungen fanden sich in den Akten jedoch ebensowenig wie auf jetzt nachgeschobene Angaben zu den notwendigen Abstimmungen und deren Terminen.

Verwaltungsgebühren
(193)

Für die Bescheinigungen konnte das Landesamt auf der Grundlage der Verordnung
über Verwaltungsgebühren im Geschäftsbereich der Kultusministerin vom 22. November 1993 lediglich Gebühren zwischen 6 DM (3,07 €) und 35 DM (17,90 €) erheben. Tatsächlich verlangte es in Abhängigkeit von der Höhe der bescheinigten
Aufwendungen Gebühren zwischen 10 DM (5,11 €) und 35 DM (17,90 €).
Die Verwaltungsgebühren hat das Landesamt grundsätzlich nicht zusammen mit den
Bescheinigungen, sondern mit erheblicher zeitlicher Verzögerung erhoben. In den
Haushaltsjahren 1998 und 1999 stellte es die Gebührenbescheide überwiegend drei
bis vier Monate, teilweise sogar erst sechs Monate nach Erteilung der Bescheinigung
aus.

(194)

Die Verwaltungsgebühren sind nicht nur im Vergleich zu den Gebühren anderer
Bundesländer entschieden zu niedrig. Nach § 3 Verwaltungskostengesetz des Landes
Mecklenburg-Vorpommern (VwKostG M-V) sind Gebührensätze so zu bemessen,
dass zwischen der den Verwaltungsaufwand berücksichtigenden Höhe der Gebühr
einerseits und der Bedeutung, dem wirtschaftlichen Wert oder dem sonstigen Nutzen
der Amtshandlung für den Kostenschuldner andererseits ein angemessenes Verhältnis besteht. Die Gebühren für die Bescheinigungen stehen in keinem Verhältnis zum
erforderlichen Aufwand, den das Landesamt mit einem bis anderthalb Arbeitstagen
für die fachliche Beurteilung sowie mit zwei bis drei Arbeitstagen für die verwaltungsmäßige Prüfung einschätzt.

117
Nach dem Haushaltsgrundsatz der Wirtschaftlichkeit sind Einnahmen rechtzeitig und
vollständig zu erheben (§ 34 Abs. 1 LHO), denn jede Einnahme vermindert den Kreditbedarf des Landes. Dem trägt auch § 14 Abs. 1 VwKostG M-V Rechnung, wonach die Entscheidung über die Kosten, soweit möglich, zusammen mit der Sachentscheidung ergehen soll. Das Landesamt hat es ohne erkennbaren Grund unterlassen,
die Gebühren direkt bei der Erteilung der Bescheinigungen zu erheben.
Der Landesrechnungshof hat das Bildungsministerium gebeten, Schadensersatzansprüche auch unter diesen Gesichtspunkten zu prüfen.
(195)

Das Bildungsministerium hat mitgeteilt, es werde die geplante Gebührenerhöhung
„nach erfolgter Abstimmung mit den beteiligten Ressorts umgehend in Kraft setzen.“
Die Gebühren würden inzwischen zusammen mit der Bescheinigung erhoben. Die
Erhebung von Schadenersatzansprüchen werde im Ministerium geprüft.

(196)

Der Landesrechnungshof hatte das Ministerium bereits im März 2000 auf die zu
niedrigen Gebührensätze aufmerksam gemacht. Er erwartet, dass die Verordnung mit
Gebührensätzen, die den Anforderungen des § 3 VwKostG M-V genügen, nunmehr
unverzüglich in Kraft gesetzt wird.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

118

Haushalts- und Wirtschaftsführung einer Studentenschaft

Die Haushalts- und Wirtschaftsführung einer
Studentenschaft litt an einer Vielzahl von Mängeln, die zum Teil schwer wiegende Verstöße gegen das Haushaltsrecht darstellen.
Der Landesrechnungshof erwartet, dass die
Rechtsaufsichtsbehörden künftig mit der gebotenen Sorgfalt und Intensität prüfen und aufsichtsrechtlich einschreiten, wenn hierfür Anlass besteht.

(197)

Die an einer Hochschule immatrikulierten Studenten bilden nach § 74 Abs. 1 Landeshochschulgesetz (LHG) die Studentenschaft als rechtsfähige Teilkörperschaft der
Hochschule. Diese vertritt die Gesamtheit der Studenten, nimmt die Interessen der
Studenten wahr und wirkt bei der Erfüllung der Aufgaben der Hochschule mit. Ihr
obliegt bei der Verbesserung der Lehre mitzuwirken, für die wirtschaftliche Förderung und die sozialen Belange der Studenten einzutreten, die hochschulpolitischen
und fachlichen Belange zu vertreten und zu hochschulpolitischen Fragen Stellung zu
nehmen, die geistigen und kulturellen Interessen der Studenten zu unterstützen, den
Studentensport zu fördern, die politische Bildung und das staatsbürgerliche Verantwortungsbewusstsein der Studenten zu fördern sowie die überregionalen und internationalen Studentenbeziehungen zu pflegen, § 74 Abs. 2 LHG.
Die Studentenschaft erhebt von ihren Mitgliedern Beiträge zur Finanzierung ihrer
Aufgaben. Für ihr Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen sind gemäß § 77 Abs. 3
Satz 4 LHG die für das Land geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden. Der
Rektor der Hochschule und das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
(Bildungsministerium) üben nach § 74 Abs. 3 LHG die Rechtsaufsicht über die Studentenschaft aus.

(198)

Nach § 77 Abs. 3 Satz 5 LHG unterliegt die Haushalts- und Wirtschaftsführung der
Studentenschaft der Prüfung durch den Landesrechnungshof. Der Landesrechnungshof hat diese bei der Studentenschaft der Universität Rostock für die Haushaltsjahre

119
1997 und 1998 geprüft. Das Haushaltsvolumen betrug im Jahre 1997
rd. 1,7 Mio. DM (rd. 869.196 €) und belief sich im Jahre 1998 auf rd. 1,8 Mio. DM
(rd. 920.325 €).
Die Prüfung hat insbesondere, aber nicht nur für das Jahr 1997 zur Feststellung einer
Vielzahl von Mängeln geführt, die zum Teil schwer wiegende Verstöße gegen das
Haushaltsrecht darstellen. Diese hat der aufsichtsführende Rektor der Hochschule
nur zu einem kleinen Teil gerügt, obwohl sie schon bei einer nur stichprobenweisen
Prüfung offensichtlich waren.

Verstöße gegen das Haushaltsrecht
(199)

Für den Haushaltsplan 1997 hat die Studentenschaft nicht die gemäß § 77 Abs. 2
Satz 2 LHG notwendige Genehmigung des Rektorates eingeholt.

(200)

Die Studentenschaft hat die Rechnungslegungen erst mit erheblicher Verspätung
erstellt. Die Rechnungslegung 1997 musste der Rektor mehrfach anmahnen, bevor
die Studentenschaft sie mit einer Verspätung von mehr als eineinhalb Jahren vorgelegt hat. Die Rechnungslegung 1998 hat sie dem Rektor erst über ein halbes Jahr
nach dem Haushaltsende zugeleitet. Die Rechnungslegungen waren unvollständig;
sie enthielten Fehler bei der Darstellung von Einnahmen und Ausgaben. Das Studentenparlament hat den Geschäftsführer des Jahres 1997 entlastet, obwohl zu diesem
Zeitpunkt eine ordnungsgemäße Rechnungslegung nicht vorgelegen hatte.

(201)

Die Studentenschaft hat insbesondere 1997 nicht dafür gesorgt, dass die Belege den
haushaltsrechtlichen Anforderungen entsprachen: Zahlungsanordnungen waren unvollständig, Zahlungen waren nicht hinreichend begründet, auf Belegen hat die Studentenschaft den Zahlungsbetrag unzulässig geändert, die zahlungsbegründenden
Unterlagen waren in sich widersprüchlich und Zahlungsempfänger haben sich Geld
selber angewiesen.

(202)

Die Studentenschaft hat nicht zwischen Anordnungs- und Auszahlungsbefugnis getrennt. In einer Vielzahl von Fällen wurden Zahlungen unnötig über die Barkasse abgewickelt. Die Studentenschaft hat das Kassenlimit grundsätzlich wesentlich überschritten. Sie hat unvermutete Kassenprüfungen überhaupt nicht durchgeführt.

120
(203)

Die Studentenschaft hat die zum Nachweis über das bewegliche Vermögen vorgeschriebenen Bestandsverzeichnisse nicht geführt. Der Verbleib einiger Geräte, Bücher und Videos blieb ungeklärt.

(204)

Die Studentenschaft hat ihren Willen bekundet, die festgestellten Mängel zu beseitigen und hat im Einzelnen dargestellt, welche Maßnahmen sie insoweit bisher ergriffen hat. Insbesondere will sie sich weiter bemühen, den Verbleib aller Gegenstände
zu klären und auch der Frage nachgehen, welche strafrechtlichen Konsequenzen zu
ziehen sind.

Fehlende Regelungen
(205)

Die Studentenschaft hat Aufwandsentschädigungen gezahlt, ohne hierfür zuvor eine
allgemein gültige, schriftliche Regelung getroffen zu haben. Der Landesrechnungshof hat daher Zweifel, ob die im Einzelnen sehr unterschiedlich hohen Aufwandsentschädigungen nach den gleichen Kriterien gezahlt wurden und ob Missbrauch und
persönliche Begünstigung auszuschließen sind.
Die Studentenschaft hat auch Darlehen gewährt, ohne deren Voraussetzungen zuvor
festgelegt zu haben. Sie hat die Rückzahlung der Darlehen unzureichend überwacht
und bestehende Rückforderungsansprüche nicht festgestellt.
Die Studentenschaft hat erklärt, sie sei noch damit befasst, das System der Aufwandsentschädigungen zu überarbeiten und wolle auch die Vergabe von Darlehen
neu regeln. Noch offene Darlehensfälle würden jetzt zeitnah geprüft.

Fehlendes Mandat der Studentenschaft
(206)

Die Studentenschaft hat Ausgaben geleistet, bei denen kein Zusammenhang zu ihren
gesetzlichen und satzungsmäßigen Aufgaben besteht.
Beispielsweise hat sie 250 DM (127,82 €) gespendet für ein Klagverfahren eines
Dritten, in dem es um ein Müllkonzept für den Hochschulstandort ging. Die Studentenschaft hat sich zudem mit 2.000 DM (1.022,58 €) an den Ausgaben für die
Brandmeldeanlage einer fremden Kultureinrichtung beteiligt und eine an diese gerichtete Rechnung über Saalmiete in Höhe von 805 DM (411,59 €) übernommen. Zur
Mitfinanzierung einer noch zu erarbeitenden Fahrradkarte hat die Studentenschaft

121
ein Darlehen von 2.500 DM (1.278,23 €) und einen nicht rückzahlbaren Zuschuss
von weiteren 2.500 DM (1.278,23 €) gewährt.
(207)

Die Studentenschaft hat zur Rechtfertigung der Ausgaben u. a. auf entsprechende
Beschlüsse des Studentenparlamentes verwiesen. Der Rektor der Universität und das
Bildungsministerium haben erklärt, die Auffassung der Studentenschaft nicht stützen
zu können. Sie haben aber auch zu bedenken gegeben, bei einer allzu restriktiven
Handhabung könnten manche Aktivitäten der Studentenschaft unterbleiben.

(208)

Der Landesrechnungshof hält an seinen Bedenken fest. Beschlüsse des Studentenparlamentes ändern nicht die Rechtslage. Ausgaben, bei denen kein Zusammenhang zu
den gesetzlichen Aufgaben der Studentenschaft nach § 74 Abs. 2 LHG besteht, sind
unzulässig und lösen gemäß § 77 Abs. 4 LHG eine persönliche Ersatzpflicht des Veranlassers aus.
Der Landesrechnungshof hat den Rektor und das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur um Äußerung gebeten, welche Schlussfolgerungen nun konkret
gezogen werden sollen.

Mängel beim Verkauf des Internationalen Studentenausweises
(209)

Die Studentenschaft der Universität verkauft im fremden Auftrag Wertmarken für
den Internationalen Studentenausweis. Über den Verkauf hat sie nur unzureichend
Buch geführt. Der Landesrechnungshof hat Differenzen im Markenbestand festgestellt. Der Verbleib von mindestens 46 Wertmarken zu einem Betrag von insgesamt
690 DM (352,79 €) ist unklar. Verkaufserlöse in Höhe von 590 DM (301,66 €) hat
die Studentenschaft nicht gebucht. Damit blieb offen, ob das Geld überhaupt der Studentenschaft zur Verfügung stand. Die Studentenschaft hat zudem nicht benötigte
Wertmarken nicht rechtzeitig zurückgegeben. Dadurch ist ein Schaden in Höhe von
270 DM (138,05 €) entstanden.
Die Studentenschaft will den Hinweisen des Landesrechnungshofes folgen, ist aber
noch mit der Prüfung der einzelnen Feststellungen befasst.

122

Schlussfolgerungen
(210)

Der Landesrechnungshof hatte den Rektor der Universität und das Bildungsministerium um eine abgestimmte Äußerung gebeten, wie die Beanstandungen ausgeräumt
werden und wer für den eingetretenen Schaden haftet. Er hat auch um Prüfung gebeten, welche (straf-) rechtlichen Konsequenzen aus dem ungeklärten Verbleib von Geräten, Büchern, CDs und Videos gezogen werden.
Der Landesrechnungshof hat seine Erwartung deutlich gemacht, dass die Rechtsaufsichtsbehörden, der Rektor der Hochschule und das Bildungsministerium, die Rechnungslegung der Studentenschaft künftig mit der gebotenen Intensität und Sorgfalt
prüfen und im Übrigen aufsichtsrechtlich einschreiten, wenn hierfür Anlass besteht.
Der Landesrechnungshof sieht eine Ursache für seine Feststellungen auch in den unzureichenden haushaltsrechtlichen Kenntnissen der mit den Verwaltungsgeschäften
betrauten Studenten. Durch einen ständigen Wechsel der Zuständigkeiten waren zudem bereits vorhandene Kenntnisse der Studentenvertreter nicht weitergegeben worden. Die Prüfungsfeststellungen sprechen dafür, dass die Studentenschaft die Haushalts- und Wirtschaftsführung auch künftig nicht ohne verwaltungsmäßige Hilfe des
Rektors wird bewältigen können. Der Landesrechnungshof hat daher auch gebeten
zu prüfen, ob der Studentenschaft ein Leitfaden zur Verfügung gestellt werden muss,
in dem ausgehend vom Haushaltsrecht die Anforderungen an die Haushalts- und
Wirtschaftsführung praxisnah dargestellt werden.

(211)

Der Rektor der Universität und das Bildungsministerium haben erklärt, die haftungsrechtlichen Fragen seien noch nicht geklärt. Sie haben aber bereits zugesagt, die
Haushalts- und Wirtschaftsführung der Studentenschaft künftig mit der gebotenen
Sorgfalt zu prüfen und gegebenenfalls die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.
Die Rechtsaufsichtsbehörden gehen davon aus, dass künftig Wiederholungen der
aufgezeigten Fehler vermieden werden können, auch, weil der Studentenschaft inzwischen ein Leitfaden über die Haushalts-, Wirtschafts- und Kassenführung zur
Verfügung gestellt wurde. Der Rektor hat angekündigt, die Rechtsaufsicht künftig
sehr viel „engmaschiger“ ausüben zu wollen. Das Bildungsministerium will sich im
Rahmen seiner Rechtsaufsicht über den Fortgang und den Erfolg der von der Studentenschaft angekündigten Maßnahmen informieren.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

123

Finanzhilfen für Schulen in freier Trägerschaft

Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und
Kultur hat es für ausreichend gehalten, wenn ein
Schulträger im Antrag erklärte, er sei gewillt und
in der Lage, den Fördersatz steigernde Angebote
zu verwirklichen, diese aber nicht näher bezeichnete.
Das Ministerium hat Tatbestandsmerkmale gegen ihren Wortlaut ausgelegt.

(212)

Für die personelle, materielle und finanzielle Sicherstellung einer Schule in freier
Trägerschaft ist nach § 127 Abs. 1 Schulgesetz für das Land Mecklenburg-Vorpommern (SchulG M-V) ihr Träger verantwortlich. Nach der Rechtsprechung des
Bundesverfassungsgerichts folgt aus dem Grundrecht des Art. 7 Abs. 4 Grundgesetz
(GG) nicht nur die Freiheit, Schulen in privater Trägerschaft zu errichten, sondern
auch die Pflicht des Staates, das private Ersatzschulwesen neben dem öffentlichen
Schulwesen zu fördern und in seinem Bestand zu schützen. Dass private Ersatzschulen generell hilfsbedürftig seien, sei ein „empirisch gesicherter Befund“. In welcher
Weise der Gesetzgeber dieser Pflicht nachkommt, schreibt das GG nicht vor.

(213)

Im Rahmen der damit eingeräumten Gestaltungsfreiheit gewährt das Land gemäß
§§ 127 Abs. 2 und 4, 128 SchulG M-V Trägern von Ersatzschulen Finanzhilfe zu den
Kosten der Lehrer und des Personals mit sonderpädagogischer Aufgabenstellung als
Personalkostenzuschüsse. Nach den gesetzlichen Bestimmungen liegt die Finanzhilfe
mindestens bei 60 % der Kosten für Personal an einer vergleichbaren öffentlichen
Schule. Dieser Prozentsatz konnte bis Dezember 1999 in Abhängigkeit vom pädagogischen Konzept der Schule grundsätzlich auf höchstens 90 % steigen. Seit dem
1.1.2000 beträgt der gesetzliche Höchstsatz regelmäßig 85 %. Für bestimmte Förderschulen und Schulen mit Förderklassen konnte und kann dieser sogenannte „Personalkostensatz“ auch 100 % betragen.
Nach § 127 Abs. 4 Satz 2 SchulG M-V sind für diesen Personalkostensatz maßgeblich ein besonderes pädagogisches Konzept oder eine besondere weltanschauliche

124
oder religiöse Prägung der Erziehung und des Unterrichts, die inhaltliche Erweiterung oder Vertiefung des Angebotes von Schulen in öffentlicher Trägerschaft oder
schulische Angebote für Schüler, die wegen besonderer persönlicher Merkmale von
einer Schule in öffentlicher Trägerschaft nicht in vergleichbarer Weise gefördert
werden können.
Das damalige Kultusministerium hat von der dahingehenden Verordnungsermächtigung in § 131 Nr. 5 SchulG M-V Gebrauch gemacht und Höhe, Ermittlung und Verfahren der Finanzhilfe für Ersatzschulen in der Verordnung für Schulen in freier Trägerschaft (PSchVO M-V) näher geregelt und in § 6 dieser Verordnung bestimmt, wie
der Personalkostensatz zu bestimmen ist. Gemäß § 6 Abs. 1 der PSchVO M-V liegt
dieser Prozentsatz bei mindestens 60 % der Kosten für Lehrer und Personal mit sonderpädagogischer Aufgabenstellung an einer vergleichbaren öffentlichen Schule. Er
erhöht sich in der Regel um 5 % für die Erfüllung zweier der in Absatz 2 beispielhaft
aufgeführten Umstände sowie um jeweils 5 % für jeden weiteren in Absatz 2
genannten Umstand bis zu der o. g. Obergrenze.
In der Bewilligungspraxis betrugen die Prozentsätze für allgemein bildende Ersatzschulen grundsätzlich 90 %, entsprachen also dem möglichen Höchstsatz. Demgegenüber lagen die Prozentsätze für berufliche Schulen grundsätzlich zwischen 60 %
bis 75 %, also eher im unteren Bereich.
Zur Förderung von Ersatzschulen wurde für 1998 Finanzhilfe in Höhe von zusammen rd. 30,1 Mio. DM (rd. 15,4 Mio. €) und für 1999 von insgesamt
rd. 35,3 Mio. DM (rd. 18 Mio. €) als Personalkostenzuschüsse gezahlt.
(214)

Darüber hinaus kann der Schulträger einer genehmigten Ersatzschule gemäß
§ 130 SchulG M-V für notwendige Baumaßnahmen nach Maßgabe des Haushaltsplanes und der für Schulen in freier Trägerschaft geltenden Bestimmungen vom Land
einen Zuschuss erhalten. Seit 1999 ist ein entsprechender Zuwendungstitel im Haushaltsplan des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Bildungsministerium) nicht mehr vorgesehen. Gleichwohl müssen freie Schulträger ihre Investitionen und sonstigen Sachkosten nicht alleine tragen. Sie haben nach § 129 SchulG
M-V gegen den „zuständigen“ öffentlichen Schulträger einen Anspruch auf Erstattung von Sachkosten, zu denen auch Aufwendungen gehören, die zur Schaffung, Unterhaltung und zur Nutzung der Schulgebäude und -anlagen erforderlich sind.

125
(215)

Dem Landesrechnungshof ging es bei seiner Prüfung darum festzustellen, ob das
Bildungsministerium die Finanzhilfe nach § 127 SchulG M-V gemäß den Regeln des
SchulG M-V und der PSchVO M-V bewilligt und damit den Grundsatz vom Vorrang
des Gesetzes beachtet hat. Er hat insbesondere untersucht, ob für 16 allgemein bildende und berufliche Schulen in freier Trägerschaft die gesetzlichen Voraussetzungen für die für 1998 und 1999 geleisteten Zahlungen vorlagen und ob das Ministerium die Finanzhilfe korrekt berechnet hat.

Übernahme der Personalkosten statt Finanzhilfe
(216)

Das Ministerium hat für vier berufliche Schulen an Klinika, deren Träger Gesellschaften mit beschränkter Haftung sind, keine Finanzhilfe gewährt, sondern Schulleiter, Stellvertreter und Lehrer als Landesbedienstete im Stellenplan geführt und die
Personalkosten übernommen. Mit drei der vier Schulträger hat es dies vertraglich
vereinbart; die freien Schulträger haben sich lediglich verpflichtet, die Personalausgaben für Lehrkräfte der Fachpraxis zu „refinanzieren“. Die Unterzeichnung eines
vergleichbaren Vertrages mit dem vierten Schulträger ist zurückgestellt worden, um
die Rechtslage zu prüfen und Gespräche mit den Krankenkassen zu führen.
Da es sich bei den vier beruflichen Schulen nicht mehr um öffentliche Schulen, sondern vielmehr um Schulen in freier Trägerschaft handelt, durfte das Ministerium die
Personalkosten, z. B. für 57 Lehrer im Jahr 1999, nicht übernehmen. Vielmehr wäre
nach Genehmigung der Ersatzschulen nur Finanzhilfe nach §§ 127, 128 SchulG M-V
zu gewähren gewesen, soweit die Kosten nicht nach § 17 Abs. 4a Krankenhausfinanzierungsgesetz im Pflegesatz zu berücksichtigen sind.

(217)

Der Landesrechnungshof hat seine Erwartung geäußert, dass das Bildungsministerium rechtmäßige Verhältnisse herstellt sowie feststellt, ob ein Schaden entstanden ist
und wer ggf. dafür haftet.

126

Ermittlung des Personalkostensatzes
(218)

Für die konkrete Berechnung der Finanzhilfe ist neben der tatsächlichen Schülerzahl,
die nach § 128 Abs. 2 SchulG M-V und § 9 Abs. 1 PSchVO M-V zu berücksichtigen
ist, der Schülerkostensatz nach § 128 Abs. 1 SchulG M-V und § 8 PSchVO M-V
maßgeblich. Der Schülerkostensatz ergibt sich aus einer Vergleichsberechnung, in
der für jede Schule gesondert ermittelt wird, welche Personalausgaben pro Schüler
an einer vergleichbaren Schule in öffentlicher Trägerschaft für Lehrer und Personal
mit sonderpädagogischer Aufgabenstellung entstehen würden. In diese Berechnung
gehen die an öffentlichen Schulen geltenden Bestimmungen zu den Lehrerstunden
pro Klasse oder Kurs, zu den Pflichtstunden pro Lehrer und zu der Anzahl der Schüler pro Klasse oder Kurs ebenso ein wie die für die Veranschlagung im Landeshaushaltsplan vorgegebenen Beträge für entsprechendes Personal im Angestelltenverhältnis.
Die Höhe der Finanzhilfe bestimmt sich zudem nach dem schon oben angeführten
Personalkostensatz gemäß § 127 Abs. 4 SchulG M-V, § 6 PSchVO M-V. Wie bereits
dargestellt, erhöht dieser sich in Abhängigkeit vom „pädagogischen Konzept“ der
Schule, regelmäßig in 5 %-Schritten.
Die finanzielle Bedeutung dieser 5 %-Schritte ist für die einzelnen Ersatzschulen
sehr unterschiedlich, da sich auch die Schülerkostensätze sowie die Schülerzahlen
erheblich unterscheiden. Beispielsweise lagen die zusätzlichen Beträge 1999 pro
Schule und Jahr, die einer Erhöhung des Personalkostensatzes um 5 % entsprechen,
bei den vom Landesrechnungshof geprüften allgemein bildenden Schulen zwischen
rd. 5.200 DM (rd. 2.659 €) und rd. 60.000 DM (rd. 30.678 €). Bei den geprüften beruflichen Ersatzschulen lagen diese Beträge pro Schule und Jahr zwischen rd.
7.400 DM (rd. 3.784 €) und rd. 38.300 DM (rd. 19.582 €), betrachtet man die Schule
mit ihren verschiedenen Bildungsgängen und Fachrichtungen in ihrer Gesamtheit.
Betrachtet man Bildungsgänge und Fachrichtungen je für sich, lagen die Beträge an
einer beruflichen Ersatzschule sogar zwischen rd. 1.500 DM (rd. 767 €) und rd.
53.100 DM
(rd. 27.150 €).

(219)

Das Bildungsministerium darf gesetzliche Leistungen nur gewähren, wenn und soweit die Anspruchsvoraussetzungen dafür vorliegen.

127
Das Bildungsministerium hat es bei der Bestimmung des Personalkostensatzes jedoch schon für ausreichend gehalten, wenn der Schulträger über besonders qualifiziertes Personal verfügte oder die notwendigen baulichen Voraussetzungen geschaffen hatte, um die von ihm geplanten Angebote zu Gunsten beispielsweise einer gemeinsamen Bildung behinderter und nicht behinderter Kinder oder zu Gunsten von
Kindern fremder Muttersprache durchzuführen, diese Angebote aber nicht weiter bezeichnet hat. In diesen und anderen Fällen ist das Ministerium davon ausgegangen,
die Erklärungen der Antragsteller, das im Genehmigungsverfahren bestätigte pädagogische Konzept und die im Bildungsministerium vorhandenen Gesamtkenntnisse über die einzelnen Schulen rechtfertigten nach eingehender Prüfung die Annahme,
dass die notwendigen Angebote auch tatsächlich gemacht würden.
Der Landesrechnungshof ist der Auffassung, dass es nicht ausreichend sein kann,
wenn der Schulträger erklärt, er sei gewillt und in der Lage, einzelne, den Fördersatz
steigernde Angebote zu verwirklichen. Vielmehr muss es darauf ankommen, dass die
Schule diese Angebote aktenkundig beschreibt und auch tatsächlich umsetzt. Für diese Lesart spricht auch der Wortlaut des § 6 Abs. 2 PSchVO M-V, der nicht auf Möglichkeiten, sondern auf Fakten abstellt. Insoweit vorhandene Informationen sind in
den Akten festzuhalten.
(220)

Im Rahmen des Verwaltungsverfahrens hat das Bildungsministerium nach § 24
Abs. 1 VwVfG M-V den Sachverhalt von Amts wegen zu ermitteln. Das Ministerium bestimmt Art und Umfang seiner Ermittlungen und bedient sich nach § 26 Abs. 1
VwVfG M-V der Beweismittel, die es nach pflichtgemäßem Ermessen zur Ermittlung des Sachverhaltes für erforderlich hält. Das Bildungsministerium muss, bevor es
eine Entscheidung über die Höhe des Personalkostensatzes treffen kann, sämtliche
entscheidungserheblichen Tatsachen und Umstände so weit aufklären, dass es sich
über deren Vorliegen oder Nichtvorliegen mit der erforderlichen Gewissheit eine eigene Überzeugung bilden kann.
Der Landesrechnungshof ist sich bewusst, dass vom Einzelfall abhängig ist, ob das
Ministerium sich mit plausiblen Angaben von Antragstellern zufrieden geben kann
oder ob über deren Angaben Beweis zu erheben ist. In der Prüfung hat sich aber gezeigt, dass das Ministerium nur für berufliche Schulen vom Antragsteller überhaupt
Nachweise dafür verlangt, dass die im pädagogischen Konzept genannten Angebote
tatsächlich durchgeführt werden. Soll der Fördersatz steigen, weil die Schule z. B.

128
besondere Angebote für Schüler fremder Muttersprache macht, würde zu belegen
sein, wie viele solcher Schüler die Schule besuchen und in welchem (Stunden-) Umfang ihnen besondere Angebote gemacht würden. Für allgemein bildende Schulen
erkannte das Ministerium demgegenüber die Förderkriterien im Rahmen des Bewilligungsverfahrens schon an, wenn der Antragsteller im pädagogischen Konzept Maßnahmen aufgeführt hat. Ob und in welchem Umfang eine solche Maßnahme dann tatsächlich durchgeführt wurde, hat das Ministerium zunächst nicht geprüft. So reichte
für die Bewilligung die Angabe im pädagogischen Konzept, Fördermaßnahmen für
ausländische Schüler zu planen. Das Ministerium berücksichtigte dies unabhängig
davon, ob überhaupt ein ausländischer Schüler die Ersatzschule besuchte.
Das Bildungsministerium hat ausgeführt, es könne nicht in jedem Fall auf die tatsächliche Inanspruchnahme der einzelnen schulischen Angebote abstellen. Maßstab
könne nur sein, ob ein entsprechendes Angebot vorgehalten würde, da die Inanspruchnahme von der Aufnahme an ihm interessierter Schüler abhängig sei. Schulische Angebote müssten auch vorgehalten werden, wenn am Stichtag entsprechende
Schüler die Schule gar nicht besuchten.
Auch bestärkt durch die Praxis des Ministeriums bei der Förderung beruflicher Schulen hält es der Landesrechnungshof demgegenüber nicht für vertretbar, nur darauf
abzustellen, ob Angebote, die die Finanzhilfe steigern, vorgehalten werden. Nehmen
Schüler diese Angebote überhaupt nicht wahr, entstehen dem Land unnötig hohe
Ausgaben, denen keine Leistungen der Schulträger gegenüberstehen.
(221)

Die Prüfung hat zudem ergeben, dass das Bildungsministerium Tatbestandsmerkmale
des § 6 Abs. 2 PSchVO M-V gegen ihren Wortlaut ausgelegt und damit
Besonderheiten der Schulen und deren spezielle Angebote jedenfalls an dieser Stelle
seiner Prüfung zu Unrecht berücksichtigt hat. Beispielsweise hat es „volle
Halbtagsschulen“ als Ganztagsschulen angesehen und schon dann ein zwei- oder
mehrsprachiges Erziehungs- und Unterrichtsprinzip als verwirklicht angesehen,
wenn die Schüler „Möglichkeiten zum Spracherwerb“ hatten, weil ausländische
Schülergruppen die Schule besuchten.
Das Bildungsministerium verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass § 6 Abs. 2
Nrn. 1 bis 10 PSchVO M-V keine abschließende Aufzählung enthalte und es daher

129
möglich sei, besondere Umstände, die dort nicht speziell genannt seien, zu berücksichtigen.
Der Landesrechnungshof hat darauf hingewiesen, dass die nicht abschließende Aufzählung es nicht erlaubt, den eindeutigen Wortlaut von § 6 Abs. 2 Nrn. 1 bis 10
PSchVO M-V zu ignorieren. Das Ministerium kann Besonderheiten auch ohne
Rückgriff auf diese Bestimmungen berücksichtigen, soweit diese sich in dem durch
§ 127 Abs. 4 Satz 2 SchulG M-V abgesteckten Rahmen bewegen.

Bearbeitungsdauer
(222)

Freie Schulträger decken einen ganz erheblichen Teil ihrer Personalkosten über die
Finanzhilfe des Landes, auf die sie einen Rechtsanspruch haben.
Nach Aktenlage hat das Bildungsministerium bei allgemein bildenden Ersatzschulen
die geprüften Finanzhilfebescheide für 1998 durchschnittlich erst über vier Monate
nach dem Stichtag für die Antragstellung abgesandt, die Bescheide für 1999 erst
nach durchschnittlich rd. fünf Monaten. Die Finanzhilfebescheide für die in die
Stichprobe einbezogenen beruflichen Schulen wurden 1998 durchschnittlich erst rd.
sechs Monate nach dem Stichtag abgesandt. Die Bescheide für 1999 gingen erst nach
durchschnittlich rd. neun Monaten ab.

(223)

Das Bildungsministerium hat darauf hingewiesen, dass wegen der unvollständigen
Anträge und der anzustellenden Modellrechnungen die Bescheide in der Regel frühestens drei Monate nach dem Termin für die Antragstellung abgesandt werden können. Das Ministerium gewährleiste jedoch, dass alle Ersatzschulträger über Abschlagszahlungen die erforderlichen Finanzmittel erhielten. Lediglich 1999 habe es
„aufgrund der unklaren Rechtslage (Schulgesetzänderung, Änderung der Privatschulverordnung)“ im Hinblick auf die Höhe des Abschlages Probleme gegeben.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

130

Querschnittsprüfung der Abfindungen
nach dem Sozialtarifvertrag bei der Medizinischen Fakultät der ErnstMoritz-Arndt-Universität Greifswald

Die Zahlung von Abfindungen an Mitarbeiter des
Klinikums der Ernst-Moritz-Arndt-Universität
Greifswald veranlasst den Landesrechnungshof
anhand von geprüften Beispielsfällen und weiteren Berechnungen zu der Annahme, dass es zu
Überzahlungen

in

Höhe

von

mindestens

128.000 DM (65.445,36 €) gekommen ist.
Die Qualität der Personalaktenführung hat sowohl die Arbeit des Landesrechnungshofes beeinträchtigt, als auch im Klinikum zu vermeidbarer
Mehrarbeit geführt.
Bei der Zahlung von Abfindungen kommt es darauf an, ob dem konkreten Zahlungsempfänger
Ansprüche zustehen und nicht auf eine generelle
Betrachtungsweise.

(224)

Der Stellenplan des Klinikums der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald wurde
1992 von 2.800 auf 2.481 Planstellen und Stellen im Zuge des Übernahmeverfahrens
reduziert. Um die Vorgaben des Stellenplans zu realisieren, konnte das Klinikum
beim Stellenabbau auf die Regelung des Sozialtarifvertrages vom 6. Juli 1992
(AmtsBl. M-V, S. 911) zurückgreifen. Dessen § 2 Abs. 1 Buchstabe a sieht vor, dass
ein Arbeitnehmer, dessen Arbeitsverhältnis gekündigt wird, weil er wegen mangelnden Bedarfs nicht mehr verwendbar ist (betriebsbedingte Kündigung), eine Abfindung erhält, die letztlich den Betrag von 10.000 DM (5.112,92 €) nicht überschreiten
darf.
Im Verlauf der Jahre 1993 bis 1996 war eine weitere Reduzierung von 254 Stellen
erforderlich, von 1997 bis einschließlich 2000 waren erneut Personaleinsparungen

131
notwendig geworden. Hierfür konnte auf den Änderungstarifvertrag Nr. 1 zum Sozialtarifvertrag vom 25. April 1994 (AmtsBl. M-V, S. 630) zurückgegriffen werden,
der den Beschäftigten finanzielle Anreize bot, zur Beendigung ihrer Arbeitsverhältnisse Auflösungsverträge mit dem Klinikum zu schließen. In einem solchen Fall gilt
die Höchstgrenze von 10.000 DM (5.112,92 €) nicht mehr, vielmehr ist die Abfindung auf das siebenfache der letzten Monatsvergütung bzw. des letzten Monatslohns
zzgl. der allgemeinen Zulage bzw. des Sozialzuschlags festgelegt.
Nach den beiden o. g. Regelungswerken wurden in den Jahren 1992 bis 2000 in rund
500 Fällen Abfindungen gezahlt.
(225)

Im Rahmen einer Querschnittsprüfung zur Zahlung von Abfindungen hat sich der
Landesrechnungshof nach Untersuchungen im Bereich der Universitätsklinik Rostock (vgl. Jahresbericht 1999 Tzn. 364 ff.) und der Waldarbeiter (vgl. Jahresbericht
2000 Tzn. 246 ff.) nunmehr der Universitätsklinik Greifswald (Klinikum) zugewandt
und rund 250 Akten ausgewertet.
In seiner Prüfungsmitteilung teilte er dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft
und Kultur (Bildungsministerium) mit, dass in etwa 30 % aller Fälle zu hohe Abfindungen bewilligt worden seien und führte Beispielsfälle auf.

Zahlung von Abfindungen aus anderen als betriebsbedingten
Gründen/Qualität der Personalaktenführung
(226)

Der Landesrechnungshof beanstandete u. a., dass Abfindungen an Mitarbeiter gezahlt worden waren, bei denen keine betriebsbedingten Kündigungen hätten ausgesprochen werden können, sondern bei denen gesundheitliche oder persönliche Gründe – wie Umzug, Aufnahme eines Studiums oder anderweitige berufliche Tätigkeiten
– für die Beendigung der Arbeitsverhältnisse ursächlich waren.

(227)

In seiner Antwort auf die Prüfungsmitteilung erläuterte das Bildungsministerium,
dass es sich in jedem Fall um Mitarbeiter gehandelt habe, die durch Reorganisation
der Verwaltung vom Personalabbau betroffen gewesen seien und bei denen gesundheitliche und andere persönliche Gründe nachrangig gewesen seien. Die gesundheitlichen Gründe seien irrtümlich in den Text der Auflösungsverträge übernommen
worden.

132
(228)

Die ursprünglichen Beanstandungen des Landesrechnungshofes hätten vermieden
werden können, wenn die zur Abfindungszahlung führenden Gründe bereits zur Zeit
der örtlichen Erhebungen nachvollziehbar in den Akten dokumentiert und mehr
Sorgfalt in die Ausfertigung der Auflösungsverträge gelegt worden wäre. Der Landesrechnungshof hat aber bei seinen örtlichen Erhebungen feststellen müssen, dass
die Personalaktenführung noch verbesserungsbedürftig ist. Das gilt auch, wenn berücksichtigt wird, dass die Richtlinien über die Führung von Personalakten (VV zu
§§ 100 bis 107 Landesbeamtengesetz M-V) erst Ende 1994 in Kraft traten und seither eine Veränderung zu verzeichnen ist und obendrein das Klinikum aus Gründen
der Arbeitsökonomie davon abgesehen hatte, Akten von bereits ausgeschiedenen
Mitarbeitern umzuordnen. Schlecht geführte Personalakten führen nicht nur bei den
geprüften Dienststellen zu vermeidbarer Mehrarbeit, sondern erschweren auch die
Prüfungstätigkeit des Landesrechnungshofes.

Zahlung von Abfindungen bei Rentenansprüchen
(229)

§ 2 Abs. 7 des Sozialtarifvertrages legt fest, dass sich die Abfindung verringert,
wenn die Anzahl der Monate bis zum Rentenbeginn geringer ist als die ansonsten für
die Berechnung der Höhe der Abfindung maßgebliche Anzahl der Beschäftigungsjahre. Dann wird die Abfindung nur für die Monate bis zum Rentenbeginn gewährt.
Hierbei ist zu beachten, dass der Rentenanspruch unabhängig von der tatsächlichen
Stellung des Rentenantrags entsteht, sobald die in den jeweiligen Vorschriften des
Sozialgesetzbuches VI bzw. des Rentenüberleitungsgesetzes genannten Voraussetzungen für eine Rentenzahlung vorliegen.
Die Nichtbeachtung dieser Vorschriften hat zu Überzahlungen von ca. 30.000 DM
(ca. 15.339 €) geführt.

(230)

Ferner haben gemäß § 2 Abs. 7 des Sozialtarifvertrags Arbeitnehmer,
− die unmittelbar im Anschluss an die Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine
Rente beanspruchen können oder
− die bereits eine Rente beziehen und deren Arbeitsverhältnis nur im Rahmen des
„Hinzuverdienstes“ (bis zu 400 DM (204,52 €) monatlich) besteht,
keinen Anspruch auf Abfindungszahlungen.

133
Hierzu rechnen Altersrenten und Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Rentenantrag bereits gestellt wurde. Die Voraussetzungen gelten als erfüllt, sobald der Anspruch auf eine Rente entsteht.
(231)

Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass an sieben ausgeschiedene Arbeitnehmer Abfindungen in Höhe von 13.693,91 DM (7.001,59 €) gezahlt wurden, obwohl
diese schon seit Jahren eine Erwerbsunfähigkeitsrente erhielten. Grundlage für die
Berechnung der Abfindungen bildete der Hinzuverdienst, der arbeitsvertraglich vereinbart worden ist.
In einem weiteren Fall sind entgegen § 2 Abs. 7 des Sozialtarifvertrages einer
60-jährigen Arbeitnehmerin 19.239,26 DM (9.836,88 €) gezahlt worden, obwohl für
sie bereits ein Anspruch auf Altersrente für Frauen nach Vollendung des 60. Lebensjahres bestand.

(232)

Das Bildungsministerium hat die Auffassung vertreten, es könne kein Arbeitnehmer
gezwungen werden, in Rente zu gehen.
Dabei übersieht es aber, dass es nach § 2 Abs. 7 des Sozialtarifvertrages nicht darauf
ankommt, ob die Rente tatsächlich bezogen wird, sondern nur darauf, ob der bloße
Anspruch auf Zahlung einer Rente besteht.

Ermittlung der Beschäftigungszeit
(233)

Die Höhe der Abfindung richtet sich nach der Beschäftigungszeit gemäß § 19
BAT-O bzw. § 6 MTArb-O.
Beschäftigungszeit ist die Zeit, die der Arbeitnehmer bei demselben Arbeitgeber
nach Vollendung des 18. Lebensjahres in einem Arbeitsverhältnis zurückgelegt hat.
Bei der Ermittlung der Beschäftigungszeit sind Vordienstzeiten zu berücksichtigen,
soweit der Arbeitnehmer dies beantragt. Dem Arbeitnehmer ist das Ergebnis über die
Anerkennung der Vordienstzeiten und die Festsetzung der Beschäftigungszeit mitzuteilen.

(234)

Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass sich in vielen Fällen keine Anträge auf
Anerkennung der Vordienstzeiten in den Personalakten befanden. In die Berechnung

134
der gezahlten Abfindungssumme wurden aber nach Aktenlage Vordienstzeiten einbezogen.
Während der örtlichen Erhebungen konnte nicht festgestellt werden, ob die entsprechenden Anträge nicht gestellt wurden oder in dieser Zeit nicht auffindbar waren.
Der Landesrechnungshof hat anhand der in den Personalakten vorgefundenen Personaldaten die Anzahl der den Abfindungsberechnungen zugrunde liegenden Beschäftigungsjahre überprüft und in diesen Fällen keine Differenzen festgestellt. Die angegebenen Beschäftigungsjahre sind insoweit für die weiteren Berechnungen korrekt
zugrunde gelegt worden.
In anderen Fällen wurde jedoch festgestellt, dass die Beschäftigungszeiten falsch ermittelt und festgesetzt wurden. Dies hatte zur Folge, dass 4.257,25 DM (2.176,70 €)
an Abfindungen zu viel gezahlt wurden.
(235)

Das Bildungsministerium hat mitgeteilt, dass das Klinikum die Fehler eingeräumt
und die Bearbeiter im Dezernat Personalwesen belehrt habe.

Unzulässige Berücksichtigung der vermögenswirksamen Leistungen
(236)

Nach § 2 Abs. 2 des Sozialtarifvertrages berechnet sich die Abfindung nach der letzten Monatsvergütung, ohne dass die durch den Arbeitgeber auf Antrag gewährten
vermögenswirksamen Leistungen mit einbezogen werden dürfen.
Das Klinikum hat diese Tatsache nicht beachtet und die vermögenswirksamen Leistungen von 13 DM (6,65 €) monatlich auch zur Grundlage der Berechnung der Abfindungen gemacht. Dies findet seine Erklärung darin, dass in der Regel dem Personalsachbearbeiter, der die Abfindungen zu berechnen und festzusetzen hatte, von der
Gehaltsstelle handschriftlich lediglich eine Summe mitgeteilt wurde, aus der nicht zu
erkennen war, wie sie sich zusammensetzte. Um dies aber herauszufinden, waren
von den Prüfern des Landesrechnungshofes vollständige Vergütungs- bzw. Lohnberechnungen durchzuführen. In allen Fällen stellte sich heraus, dass die
vermögenswirksamen Leistungen in die Abfindungsberechnung mit einbezogen
worden waren. Daher hat der Landesrechnungshof Grund zu der Annahme, dass die
vermögenswirksamen Leistungen in Höhe von monatlich 13 DM (6,65 €) bei der
überwiegenden Anzahl der Abfindungsempfänger in die den

135
Anzahl der Abfindungsempfänger in die den Abfindungsberechnungen zugrunde liegenden Monatsvergütungen bzw. Monatstabellenlöhne eingerechnet wurden.
Wenn auch die einzelnen Beträge der Überzahlungen verhältnismäßig gering erscheinen, so ergibt sich doch bei einer Hochrechnung auf die überwiegende Mehrzahl der Abfindungsempfänger eine Überzahlung von rd. 25.000 DM (rd. 12.782 €).
(237)

Auch hier hat das Bildungsministerium das Fehlverhalten des Klinikums zugestanden und über von dort ergangene Anweisungen an die Personalsachbearbeiter berichtet.

Regressprüfungen
(238)

Zu allen Fällen, in denen es zu Überzahlungen gekommen ist, hat das Bildungsministerium mitgeteilt, das Klinikum habe die vom Landesrechnungshof geforderten Regressprüfungen durchgeführt und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es an der erforderlichen Schuldform (Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit) fehle.

Generelle Bemerkungen
(239)

Das Bildungsministerium hat mitgeteilt, das Klinikum habe sich aufgrund der ständigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts veranlasst gesehen, im Falle von
Kündigungen eine weitergehende Sozialauswahl zu treffen, die es in der Regel verbietet, Arbeitnehmer mit langer Beschäftigungszeit und hohem Lebensalter zu kündigen. Gerade in diesem Arbeitnehmerkreis habe aber vorwiegend das vermeintliche
Kündigungspotenzial gelegen. Um langwierige Kündigungsverfahren zu vermeiden,
sei Mitarbeitern in Personalgesprächen nahe gelegt worden, das Arbeitsverhältnis
gegen Abfindungszahlung im gegenseitigen Einvernehmen zu lösen. Einziges Ziel
der Klinikumsleitung sei ein schneller Vollzug des Personalabbaus und damit die
Verwirklichung der Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit beim Vollzug des Wirtschaftsplanes gewesen. Hierbei sei zu berücksichtigen gewesen, dass
auch mit Arbeitnehmern, die im Zuge des Übernahmeverfahrens eine Stelle bekommen hätten, Personalgespräche geführt worden seien, um die Erfolgsquote der „freiwillig“ Ausscheidenden zu erhöhen, da nunmehr der Zweit- bzw. Drittplatzierte auf
der Liste die vakante Stelle einnehmen konnte. Durch diese Maßnahme seien die Ab-

136
findungszahlungen oder Kündigungsnotwendigkeiten lediglich personenbezogen
umverlagert worden. Ein Schaden sei nicht entstanden, da die Maßnahme als Ganze
erforderlich geblieben sei.
Mit dieser Betrachtungsweise verkennt das Bildungsministerium nach Auffassung
des Landesrechnungshofes, dass der Sozialtarifvertrag nur demjenigen Zahlungen
zukommen lassen will, in dessen Person – und in keiner anderen – die Anspruchsvoraussetzungen konkret vorliegen.

137

Beschaffung und Vorratshaltung von medizinischem Bedarf
im Klinikum der Universität Rostock

Das Klinikum hat bei Beschaffungen grobe Verstöße gegen das Vergabe- und Wettbewerbsrecht
begangen. So sind an eine Firma rechtswidrig
Leistungen

im

Umfang

von

jährlich

rd.

4 Mio. DM (rd. 2 Mio. €) vergeben worden.
Die Vorratshaltung liegt über dem Erforderlichen. Dadurch sind im Jahre 1999 liquide Mittel
in Höhe von rd. 6,7 Mio. DM (rd. 3,4 Mio. €) unnötig gebunden worden.

(240)

Der Landesrechnungshof hat die Beschaffung und Vorratshaltung von medizinischem Bedarf im Klinikum Rostock geprüft. Die Beschaffungsangelegenheiten werden grundsätzlich durch zentrale Stellen bearbeitet. Der Landesrechnungshof hat seine örtlichen Erhebungen weitestgehend auf die Beschaffungsstellen der Zentralapotheke (Umsatz im Jahr 1999 rd. 63,3 Mio. DM (rd. 32,4 Mio. €)) und das Dezernat
Beschaffung (Umsatz im Jahr 1999 rd. 12 Mio. DM (rd. 6,1 Mio. €)) beschränkt. Insgesamt betrug der Aufwand für den medizinischen Bedarf im Jahr 1999
rd. 79 Mio. DM (rd. 40,4 Mio. €).
Die Sachverhaltsermittlung war in Teilbereichen (einzelne Beschaffungsmaßnahmen) wegen teilweise nicht vorhandener, unvollständiger sowie nicht aussagefähiger
Akten nur eingeschränkt möglich.

Unwirtschaftliche Beschaffungen
(241)

Die Zentralapotheke ist zuständig für die Versorgung des Klinikums mit Arzneimitteln, Medizinprodukten und Labordiagnostika. Ausschreibungen hat sie grundsätzlich nicht durchgeführt. Sie weist im Jahr 1999 bei diesen Sortimenten einen Umsatz
von rd. 63,3 Mio. DM (rd. 32,4 Mio. €) aus. Hierfür sind 24.480 Einzelaufträge er-

138
teilt worden. Der durchschnittliche Auftragswert betrug damit rd. 2.600 DM (rd.
1.329 €).
Die Auswertung der tatsächlichen Aufträge einer ausgewählten Woche ergab, dass
bei rd. 62 % der Auftragswert unter 800 DM (409,03 €) lag. In Einzelfällen sind gleiche Artikel mit Einzelaufträgen am selben Tag bestellt worden.
Der Landesrechnungshof hält die praktizierte Auftragserteilung für unwirtschaftlich.
Die hohe Bestellhäufigkeit bei gleichzeitig geringer Auftragshöhe hat einen unangemessenen Arbeitsaufwand bei der Bearbeitung der Bestellungen, der Warenlieferungen und der Rechnungsbearbeitung zur Folge. Allein durch die tägliche Zusammenführung der Aufträge an ein und dieselbe Firma ließe sich die Anzahl der Aufträge
deutlich verringern.
Das Klinikum hat mitgeteilt, dass auf der Basis des Prüfberichtes Aktivitäten und
ers-te Schlussfolgerungen mit genereller Wirksamkeit, und zwar:
„Neustrukturierung der Beschaffung des medizinischen Bedarfs mit Zielstellung der
Zentralisierung einschl. Logistik und Lager ...
Schaffung eines effizienten Logistik-/ Lagerkonzeptes mit Schwerpunkten Zentrallager/ Modulsystem ...“ getroffen wurden.

Bonusvereinbarungen
(242)

Das Klinikum hat mit Lieferanten Bonusvereinbarungen, und zwar auch in Form von
Naturalrabatten, geschlossen.
Der Landesrechnungshof hat Bedenken, ob die Objektivität der getroffenen Beschaffungsentscheidungen auf Grund von Bonusvereinbarungen gewahrt wurde und die
Möglichkeit der bewussten bzw. unbewussten Bevorzugung einzelner Lieferanten
ausgeschlossen werden kann.
Er vertritt die Auffassung, dass grundsätzlich ein Endpreis ohne Bonus zu vereinbaren ist.
Insbesondere Naturalrabatte sollten im Hinblick auf die Korruptionsvermeidung ausgeschlossen werden.
Das Klinikum hat in seiner Stellungnahme dieser Auffassung nicht widersprochen.

139

140

Verstöße gegen das Vergaberecht
Vergabe Sterilisationsleistungen
(243)

Das Klinikum vergab im Januar 1995 nach einer Beschränkten Ausschreibung Sterilisationsleistungen mit einem Jahresauftragswert in Höhe von rd. 2,1 Mio. DM
(rd. 1,1 Mio. €) an die Firma X. Es hat seine Entscheidung zu Gunsten der Firma X,
die das höchste Angebot abgegeben hatte, damit begründet, dass die Firma X das
höchste Management know how und nachgewiesenes Erfahrungswissen sichere.
Das Klinikum hat mit der Firma X einen Vertrag „zum Betrieb der zu errichtenden
Zentralen Sterilisationsabteilung (ZSVA) im Gebäude der Chirurgie“ geschlossen.
Die Vertragslaufzeit begann am 1.4.1995. Sie beträgt fünf Jahre und verlängert sich
um weitere fünf Jahre, sofern keine Kündigung erfolgt. Der Vertrag hat einen Wertumfang von jährlich rd. 2,1 Mio. DM (rd. 1,1 Mio. €).
Bis zum Jahr 1998 erhielt der vorgenannte (Grund-) Vertrag insgesamt vier Nachträge, die entweder nicht oder erst wesentlich später als der Leistungsbeginn unterschrieben wurden. Sie hatten insgesamt einen Wertumfang von jährlich
rd. 1,5 Mio. DM (rd. 0,8 Mio. €).
Als kompetenter Ansprechpartner der Firma X ist auch Herr W. benannt worden.
Herr W. ist gleichzeitig Geschäftsführer der Planungs- und Beratungsfirma Y. Diese
hatte für das Klinikum im Vorfeld eine „Gesamtkonzeption der Aufbereitung von
Sterilgütern in der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock (interimistische
und endgültige Lösung)“ erarbeitet.
Der Landesrechnungshof hat die Beschränkte Ausschreibung wegen zahlreicher Verstöße gegen das Haushaltsrecht des Landes und gegen das Vergaberecht beanstandet
(z. B. keine europaweite Ausschreibung / Vergabe von Nachträgen ohne Ausschreibung).
Der Landesrechnungshof hat bei diesem Sachverhalt Zweifel, ob mit der vom Klinikum getroffenen Vergabeentscheidung zugunsten der Firma X, unter Berücksichtigung aller Umstände, das wirtschaftlichste Angebot in rechtlich einwandfreier Weise
festgestellt worden ist. Auch sind Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Mitbewerbern nicht auszuschließen.

141
Darüber hinaus hat der Landesrechnungshof bei den Nachträgen zum Grundvertrag
die fehlende Rechtssicherheit beanstandet.
Das Klinikum hat mitgeteilt, dass zukünftig alle Dienstleistungen gemäß VOL/A
nach den Bestimmungen der EG-Dienstleistungsrichtlinie 92/50 EWG vergeben
werden. ,,Kurzfristig hat das Klinikum mit der Firma X eine Reduzierung des Pauschalbetrages für das Jahr 2000 in Höhe von 300,0 TDM (153,4 T€) und für 2001 in
Höhe von 500 TDM (255,7 T€) ergebniswirksam verhandelt. Bis Dezember 2001
wird die Dienstleistungskonzeption für die Sterilisationsleistungen überarbeitet und
beginnend ab 2002 umgesetzt.“

Ausschreibung „Logistikcenter“ und Betreiben eines Modulsystems
(244)

Das Klinikum hat unter Inanspruchnahme einer externen Firma eine europaweite
Ausschreibung zur Errichtung eines „Logistikcenters“ vorgenommen.
Von den insgesamt sieben eingegangenen Angeboten wurden allein fünf Angebote
wegen fehlender rechtsverbindlicher Unterschrift gemäß § 23 Abs. 1 lit. b VOL/A
nicht geprüft.
Letztendlich blieb zur Bewertung nur das Angebot der Firma X übrig. Hierbei handelt es sich um dieselbe Firma, die bereits schon die Sterilisationsleistungen für das
Klinikum erbringt.
Die Ausschreibung wurde gemäß § 26 Nr. 1 lit. c VOL/A aufgehoben, da sie kein
wirtschaftliches Ergebnis gehabt hatte.
Für den Landesrechnungshof war der gesamte Vergabevorgang nicht nachvollziehbar. Trotz der Inanspruchnahme eines externen Unternehmens genügten die Unterlagen nicht immer der Form und dem Inhalt einer ordnungsgemäß dokumentierten
Ausschreibung.
Der Landesrechnungshof konnte auch nicht erkennen, dass die zusätzlich entstandenen Kosten in Höhe von rd. 138.300 DM (rd. 70.712 €) für die Inanspruchnahme der
externen Firma zur Vornahme der Ausschreibung gerechtfertigt waren.

(245)

Nach Aufhebung der Ausschreibung „Logistikcenter“ hat das Klinikum in Freihändiger Vergabe der Firma X einen Auftrag für die Vorplanung und Durchführung von

142
Probeläufen zur Direktbelieferung der Stationen der Klinik der Inneren Medizin erteilt.
Mit Schreiben vom 16.9.1999 bot die Firma X das Betreiben eines Modulsystems für
einen Abschlag von 22.000 DM (11.248,42 €) zuzüglich Mehrwertsteuer an. Ein
schriftlicher Vertrag über die Annahme des Angebotes konnte nicht vorgelegt werden.
Erst aus der Rechnungslegung war ersichtlich, dass es sich bei dem Abschlag um einen monatlichen Betrag handelt. Mindestens in einem Fall ist nicht der Betrag von
22.000 DM (11.248,42 €), sondern der Betrag von 22.500 DM (11.504,07 €) zuzüglich Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt und vom Klinikum gezahlt worden.
Der Landesrechnungshof hat beanstandet, dass die Auftragsvergabe ohne Ausschreibung erfolgte und dass kein schriftlich geschlossener Vertrag vorlag. Bereits im
Grundvertrag mit der Firma X aus dem Jahr 1995 zur Vergabe der Sterilisationsleistungen sind Optionen für weitere Leistungen (u. a. Betrieb des Lagers für MedicalProdukte und andere Hilfsmittel für die Pflege) enthalten. Vor diesem Hintergrund
kann der Landesrechnungshof nicht ausschließen, dass ein Wettbewerb bewusst nicht
stattfinden sollte.
Insgesamt erbrachte die Firma X jährlich Leistungen in Höhe von rd. 3,9 Mio. DM
(rd. 2 Mio. €) [2,1 Mio. DM und 1,5 Mio. DM (Tz. 243) sowie 0,3 Mio. DM
(Tz. 245)], ohne dass hierfür ordnungsgemäße Ausschreibungsverfahren durchgeführt wurden.
Das Klinikum hat mitgeteilt: „Die Feststellung ist richtig. Im Rahmen eines komplex
angelegten Projektes wird die Thematik Logistikcenter/ Modulsystem bis 2001 überarbeitet. Die damit verbundenen externen Dienstleistungen werden gemäß VOL/A
unter Beachtung der EU-Dienstleistungsrichtlinie ausgeschrieben. ... Kurzfristig
werden die bestehenden vertraglichen Beziehungen mit der Firma X inhaltlich und
finanziell anhand eines genau definierten Leistungsumfangs angepasst.“

Vorratshaltung
(246)

Die Vorräte an medizinischem Bedarf der Jahre 1998 und 1999 ergeben eine mögliche Deckung von 1,8 bzw. 2,0 Monaten.

143
Der Landesrechnungshof hat beanstandet, dass das Klinikum Beschaffungen über
den tatsächlichen Bedarf hinaus vorgenommen hat.
Nach der Beschaffungsordnung des Klinikums haben sich die Beschaffungen an einem überschaubaren Zeitraum von grundsätzlich einem Monat zu orientieren. Hieran
hat sich das Klinikum nicht gehalten. Dadurch sind Mittel in Höhe von
rd. 6,7 Mio. DM (rd. 3,4 Mio. €) gebunden worden.
Das Klinikum hat mitgeteilt: „Die getroffenen Feststellungen sind richtig. Die seit
1998 relativ gleichbleibend hohe Bevorratung wird für das laufende Jahr nicht mehr
akzeptiert.“ Der Lagerbestand vor Ort werde insgesamt auf maximal 1/12 reduziert.

Stationsbestände
(247)

Nach Ermittlung des Landesrechnungshofes reicht der rechnerische Stationsvorrat
für den gesamten medizinischen Bedarf des Klinikums im Durchschnitt für 1,6 Monate. Für die Sortimente Medizinprodukte und Labordiagnostika reichen die Vorräte
im Durchschnitt für 2,3 bzw. sogar für 3,5 Monate. Innerhalb von drei Jahren haben
sich z. B. die Stationsbestände an Labordiagnostika von rd. 1,9 Mio. DM (rd. 1 Mio.
€) auf 2,8 Mio. DM (1,43 Mio. €) erhöht.
Der Landesrechnungshof hat die überhöhte Vorratshaltung auf den Stationen beanstandet. Er hält einen Bestandsabbau für erforderlich, um die Höhe der gebundenen
Mittel zu reduzieren.
Das Klinikum hat die Richtigkeit der Feststellungen bestätigt und ferner mitgeteilt,
dass die vorgesehene Reduzierung der hohen Lagerbestände insgesamt die direkte
Vorratshaltung vor Ort mit einschließt.

Leukoreduktionssystem
(248)

Die Zentralapotheke hat für die Abteilung Transfusionsmedizin über eine sogenannte
Planungsvorgabe für ein halbes Jahr ab August 1999 die wöchentliche Lieferung von
90 Leukoreduktionssystemen veranlasst.
Die mangelhafte Prüfung der Notwendigkeit des Bedarfs vor der Bestellung führte
zu einem deutlich überhöhten Bestand. Er betrug laut Inventur vom Dezember 1999
in der Abteilung Transfusionsmedizin 636 Stück.

144
Der Landesrechnungshof hat beanstandet, dass durch die mangelhafte Bedarfsprüfung zeitweise liquide Mittel in Höhe von rd. 200.000 DM (rd. 102.258 €) gebunden
waren.
Das Klinikum hat mitgeteilt: „Grundsätzlich wird im Rahmen der Beschaffung und
Lagerung von medizinischem Bedarf die Zielstellung verfolgt, den Lagerbestand zu
optimieren und die damit verbundene Kapitalbindung abzubauen. ...
Anforderungsschwankungen an Thrombozytenkonzentraten werden jetzt kurzfristiger
zwischen Anwender und Zentralapotheke bewertet.“

Unzulässige Medikamentenversorgung durch die Zentralapotheke
für ambulante Leistungen
(249)

Die Zentralapotheke hat in großem Umfang Arzneimittel für ambulante Patienten
beschafft und gegenüber der zuständigen Krankenkasse abgerechnet.
Der Landesrechnungshof hat die Versorgung von ambulanten Patienten mit Arzneimitteln durch die Zentralapotheke beanstandet.
Gemäß § 14 Abs.4 Satz 2 des Gesetzes über das Apothekenwesen vom 20. August
1960 (BGBl. I S. 697) in der Fassung der Bekanntmachung der Neufassung des Gesetzes über das Apothekenwesen vom 15.Oktober 1980 (BGBl. I S. 1993) dürfen
Arzneimittel nur an die einzelnen Stationen und andere Teileinheiten zur Versorgung
von Personen, die in dem Krankenhaus vollstationär, teilstationär, vor- oder nachstationär behandelt oder ambulant operiert werden, sowie an Personen abgegeben werden, die im Krankenhaus beschäftigt werden.
Das Klinikum hat mitgeteilt: „Die komplexe Betreuung von Patienten, die Vernetzung von stationären und ambulanten Leistungen macht diesen Kompromiss notwendig, zumal dieser auch vom Gesetzgeber erkannt wurde und eine Änderung der
Rechtslage unmittelbar vorbereitet wird. ...
Sollte es mittelfristig zu keiner Novellierung der gesetzlichen Grundlagen kommen,
wird das Universitätsklinikum die zur Zeit geltenden Rechtsgrundlagen zur Anwendung bringen.“
Das Klinikum wird aber zu beachten haben, dass geltendes Recht bis zu seiner Außerkraftsetzung Anwendung finden muss.

145
Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur hat mitgeteilt, dass die Ausführungen des Klinikums grundsätzlich mitgetragen werden und davon ausgeht, dass
die Anmerkungen des Landesrechnungshofes zukünftig Beachtung finden werden.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

146

Neubau von Studentenwohnheimen in Stralsund und Greifswald

Die vom Studentenwerk Greifswald beauftragte
Architekten- und Ingenieurgemeinschaft (Architekt) hat ohne Nachweis Fahrtkosten in Höhe von
mindestens 78.650 DM (40.213,11 €) abgerechnet.
Dabei kam es zu erheblichen Überzahlungen.
Der Architekt minderte sein Honorar auf Grund
von Wiederholungsbauten nicht im erforderlichen Umfang; schätzungsweise wurde ein um rd.
87.000 DM (rd. 44.480 €) überhöhtes Honorar gezahlt.
Gegen die Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB) wurde mehrfach verstoßen, sodass
dem Studentenwerk finanzielle Nachteile entstanden sind.
Der Landesrechnungshof hat dem Ministerium
für Bildung, Wissenschaft und Kultur empfohlen
zu prüfen, ob das Studentenwerk die umfangreichen Aufgaben eines Bauherrn – selbst bei Einschaltung eines freiberuflich Tätigen – so wahrnehmen kann, dass zukünftig bereitgestellte
Haushaltsmittel wirtschaftlich und sparsam eingesetzt werden.

Allgemeines
(250)

Der Landesrechnungshof hat im Bereich des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft
und Kultur (Bildungsministerium) die Vergabe von Darlehen und Zuschüssen für die
Sanierung, Modernisierung und den Neubau von Studentenwohnheimen geprüft.
Bauherr für den Neubau von 18 Wohnheimen mit 308 Plätzen in Stralsund Holzhausen (1992 bis 1995) und sieben Wohnheimen mit 218 Plätzen in Greifswald Flei-

147
scherwiese (1994 bis 1998) war das Studentenwerk Greifswald. Mit der Planung und
Bauüberwachung war eine Arbeitsgemeinschaft von Architekten und Ingenieuren
beauftragt.
Gegenstand der Prüfung der Zuwendungsbauten war die Beantragung und Bewilligung von Zuwendungen, der Abschluss der Architektenverträge einschließlich der
Honorarabrechnungen sowie die Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung der Bauleistungen.

Nebenkosten: Nicht prüfbare Abrechnung der Fahrtkosten
(251)

Bauherr und Architekt haben gemäß § 7 HOAI im Einheits- Architektenvertrag außer einer Nebenkostenpauschale von 7 % des Nettohonorars für fast alle Bauabschnitte der Baumaßnahmen in Stralsund und in Greifswald zusätzlich wie folgt die
Erstattung von : „Fahrkosten 1 Hin- u. Rückfahrt (Geschäftsort) / Stralsund / Dipl.Ing. Pauschal 550 DM“ bzw. „Fahrtkosten DB 2. Kl. 1 Hin- u. Rückfahrt (Geschäftsort) / Greifswald / Ing. Pauschal 550 DM“ vereinbart.
Weder für die Anzahl der Fahrten noch für die Höhe der Fahrtkosten war ein Nachweis vereinbart.
Für den Zeitraum von 1992 bis 1997 rechnete der Architekt insgesamt 143 Fahrten
zu je 550 DM (281,21 €) mit 78.650 DM (40.213,11 €) ohne Nachweis ab. Um die
Richtigkeit der Kostenerstattung prüfen zu können, forderte der Landesrechnungshof
einen tabellarischen Nachweis. Das Bildungsministerium legte im Mai und im Juli
2000 jeweils unterschiedliche Nachweise vor, die einer Prüfung nicht standhielten.
Der Landesrechnungshof stellte Differenzen in der Anzahl der Reisen zu den verschiedenen Reisezielen sowie Überschneidungen bei Reisen vom Geschäftsort zu
den einzelnen Baustellen fest. Zur Höhe der Fahrtkosten wurde keine Aussage gemacht.
Um die Widersprüche aufzuklären, bat der Landesrechnungshof im November 2000
um eine Besprechung mit dem Bildungsministerium und dem Zuwendungsempfänger. In dieser Besprechung teilte der Zuwendungsempfänger mit, er habe mit der
Klärung der offenen Fragen einen Rechtsbeistand beauftragt. Ein Ergebnis liege
noch nicht vor. In der anhängigen Klage beim Landgericht Stralsund behält sich das
Studentenwerk hierzu eine Klageerweiterung vor. Im Übrigen bestand Einigkeit dar-

148
in, dass für die Abrechnung der Nebenkosten das Erstattungsprinzip gilt. Das setzt
voraus, dass abgerechnete Nebenkosten als Auslagen auch tatsächlich entstanden
sind.
Da die Vertragsparteien dies nicht berücksichtigten, ergeben sich unnötige Mehrausgaben in Höhe von rd. 35.800 DM (rd. 18.300 €). Bei Benutzung von üblichen DBAngeboten, wie der Bahn-Card, würden sich die Einsparungsmöglichkeiten nahezu
verdoppeln.

Nebenkosten: Versand und Gebühren für Vergabeunterlagen
(252)

Für die Vergabeunterlagen hat der Architekt von den Bietern gemäß den Bekanntmachungen (Öffentliche Ausschreibung) Entschädigung je Los zwischen 20 DM
(10,23 €) und 50 DM (25,57 €) erhalten. Bei mindestens einem Bauabschnitt (BA)
verlangte der Architekt zusätzlich die Erstattung der Auslagen für Porto bei Postversand.
Die Vereinnahmung der Entschädigungen für die Bereitstellung der Vergabeunterlagen nach § 20 Nr. 1 VOB/A durch den Architekten stellt eine Doppelvergütung dar.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes sind Kosten für die Vervielfältigung
der Leistungsverzeichnisse bereits durch die Nebenkosten nach § 7 HOAI abgegolten.
Die Einnahmen für die Bereitstellung der Leistungsverzeichnisse für beide Baumaßnahmen sollten daher festgestellt und vom Architekten zurückgefordert werden.
Das Bildungsministerium teilte mit, dass die Architekten- und Ingenieurgemeinschaft zur Deckung ihrer Kosten für das Sichten der Anforderungen, Vervielfältigen,
Adressieren, Kuvertieren und Porto eine Schutzgebühr erhoben habe. Für den 3. BA
Fleischerwiese seien für sechs Leistungsbereiche allein über 200 Exemplare Vergabeunterlagen versandt worden. Die Architekten hätten Annoncenkosten in Höhe von
22.000 DM (11.248,42 €) für Veröffentlichungen ohne Ersatz durch den Bauherren
getragen. Die vereinnahmten Schutzgebühren seien insofern sicher nicht kostendeckend gewesen.
Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Kritik und verweist auf die Höhe der Nebenkosten von rd. 136.900 DM (rd. 70.000 €) (7 % des Nettohonorars). Der Grund-

149
satz des Erstattungsprinzips ist nicht gewahrt. Das Studentenwerk hat zugesagt, diesen Komplex erneut zu prüfen.

Honorarminderung bei Wiederholungsbauten
(253)

Das in vier BA errichtete Studentendorf Holzhausen, dem drei Gebäudetypen zu
Grunde liegen, umfasst 18 Wohngebäude. Hierfür wurden drei Honorarverträge mit
dem Architekten abgeschlossen. Die falsch ermittelte Anzahl der Wiederholungsbauten führte zu einer Überzahlung von rd. 87.000 DM (rd. 44.480 €), weil § 22 Abs. 2
und 4 HOAI nicht ausreichend berücksichtigt wurde.
Dem Studentenwerk wurde empfohlen, die Honorarabrechnungen insgesamt zu überprüfen, da die Bestimmungen der §§ 20 bis 23, 27 und 32 HOAI sinngemäß auch
für den Teil IX “Leistungen bei der Technischen Ausrüstung“ gelten (vgl. § 69
Abs. 7 HOAI).
Das Bildungsministerium bemerkte in seiner Stellungnahme: „Der Honorarvertrag
wurde kurz nach Planungsbeginn im August 1992 gegenseitig unterschrieben. Er
entspricht der HOAI, auch dem § 22.
Die Forderungen sind auf der Grundlage dieses Vertrages ermittelt, beziehen sich
aber, auch für die Wiederholungen, auf den einzelnen Bauabschnitt ... .“
Des Weiteren gab das Bildungsministerium die Meinung des Architekten wieder.
Der Architekt verwies auf die gewährten Nachlässe von 30 % bzw. 28 % und erklärte, bei Anwendung des § 22 Abs. 4 HOAI über alle Bauabschnitte wären die Honorare nicht auskömmlich.
Der Landesrechnungshof sieht die Unauskömmlichkeit der Honorarverträge bei Berücksichtigung aller Wiederholungsbauten nicht. Der vereinbarte 30 %ige Nachlass
ist darin begründet, dass bei Fertighäusern der Hersteller Teile der Entwurfs- und
Ausführungsplanung sowie der Bauüberwachung übernimmt.
Das Studentenwerk hat mit Datum vom 9.3.2001 Klage beim Landgericht Stralsund
zur Geltendmachung zivilrechtlicher Ansprüche gegen die Architekten auf Erstattung von 122.582,09 DM (62.675,23 €) erhoben.
Der Landesrechnungshof wartet den Ausgang des Gerichtsverfahrens ab.

150

Verstöße gegen Bestimmungen der VOB
(254)

Der Architekt hat den Leistungsverzeichnissen seine Besonderen Vertragsbedingungen vorgeheftet, in denen die VOB vielfach abbedungen wurde.
Insbesondere sollten die Bestimmungen des § 22 VOB/A (Eröffnungstermin) keine
Anwendung finden und die Vergabe der Bauleistungen nach freiem Ermessen erfolgen. Außerdem wurde der Bauleitung beispielsweise das Recht eingeräumt, Änderungen in den Ausführungen vorzunehmen oder Arbeiten und Lieferungen ganz oder
teilweise aus dem Angebot herauszuziehen und anderweitig zu vergeben.
Das Bildungsministerium nahm wie folgt Stellung:
„Wegen der Dringlichkeit der Maßnahme wurde – und dies ausschließlich im
1. Bauabschnitt des Studentendorfes Holzhausen – kein Eröffnungstermin gem. § 22
VOB/A durchgeführt. Dieses Verfahren war mit den Prüfbehörden abgestimmt
(s. Schreiben Finanzministerium vom 1.9.1992).
Danach wurden bei allen übrigen Vergaben (2. BA Holzhausen und Fleischerwiese
1. - 3. BA) stets Eröffnungstermine gem. VOB/A bekannt gegeben und durchgeführt.
Die Holzmontagebauweise mit Raumzellen wurde für Holzhausen u. a. gewählt, um
die dringend benötigten Wohnheimplätze in möglichst kurzer Bauzeit schaffen zu
können. Diese Teilfertigbauweise integriert im Hauptgewerk ‘Holzmontagebau’
auch Leistungen anderer Lose (z. B. Dachdeckerarbeiten, Fliesenarbeiten, Bodenbelagarbeiten usw.). Um eine möglichst wirtschaftliche (kostenminimale) Lösung zu erreichen, behielt sich der Bauherr durch Vereinbarung der Nr. 22 in den ‘Besonderen
Vertragsbedingungen’ für den Fall, dass Teilleistungen aus den Angeboten der
Raumzellenhersteller wesentlich günstiger durch Dritte (kleine und mittlere Unternehmen) angeboten wurden, das Recht vor, eben diese an den preiswürdigeren Bieter zu vergeben und dazu nötigenfalls aus dem Auftrag ’Holzmontagebau’ herauslösen zu können.“
Dazu wird bemerkt:
− Die vom Architekten als Nr. 3 und 22 zum Vertragsbestandteil erklärten Besonderen Vertragsbedingungen waren und sind VOB-widrig und entsprachen auch nicht
den möglichen Verfahrensweisen auf Grund der zur damaligen Zeit erlassenen
Ausnahmeregelungen.

151
− Der Landesrechnungshof kann nicht erkennen, dass das Finanzministerium mit
Schreiben vom 1.9.1992 seine Zustimmung zum Verzicht auf den Eröffnungstermin im Rahmen des Ausschreibungs- und Vergabeverfahrens zum 1. BA Stralsund-Holzhausen erteilt hat. Vielmehr stimmte das Finanzministerium einer „Öffentlichen Ausschreibung nach Losen mit freihändiger Vergabe“ bei Einhaltung
der Ausnahmeregelungen zu.
Ebenso wenig kann aus dem o. g. Schreiben die Zustimmung abgeleitet werden,
wonach die Vergabe nach freiem Ermessen erfolgen kann bzw. die Bauleitung berechtigt war, Leistungen ganz oder teilweise aus den Angeboten herauszuziehen
und anderweitig zu vergeben.
Der Landesrechnungshof hat das Bildungsministerium um erneute Stellungnahme
gebeten.

Preisnachlass für Anschlussauftrag
(255)

Auf Antrag des Studentenwerkes stimmte das Finanzministerium im Juli 1993 zu,
die Häuser des 1. BA/B als Anschlussauftrag zum 1. BA/A freihändig zu vergeben.
Das Finanzministerium begründete seine Entscheidung mit der Eilbedürftigkeit und
der architektonischen Einheit der Gebäude. Es verband diese Zustimmung jedoch mit
der Forderung eines Preisnachlasses von 2 bis 3 % unter Berücksichtigung des offiziellen Kostensteigerungsindizes. Der Anschlussauftrag wurde im August 1993 freihändig in Höhe von 1.628.412,65 DM (832.594,17 €) erteilt.
Der Landesrechnungshof stellte die Entscheidung in Frage. Auch konnte er nicht
nachvollziehen, ob der Forderung, 2 bis 3 % Preisnachlass, entsprochen wurde und
vermisste den Vergabevermerk gemäß § 30 Abs. 1 VOB/A.
Dazu teilte das Bildungsministerium mit:
„Der Lieferant der Holzraumzellen hatte für den 1. BA/A einen pauschalen Preisnachlass gewährt. Er erklärte sich bereit, die Häuser des 1. BA/B auf der gleichen
Preisbasis zu liefern und zu montieren. Wie mit der Bauabteilung des Finanzministeriums abgestimmt, wurde eine Kostenerhöhung von 3 % im Rahmen des Kostensteigerungsindex vereinbart.
Darüber hinaus verpflichtete sich der AN, als zusätzliche Leistung die fünf erforderlichen Brandgiebel ohne gesonderte Berechnung für die Angebotsendsumme zu er-

152
erstellen. Der Wert dieser Leistung betrug pro Giebel ca. DM 8.250 (einschl.
MwSt.), für fünf Häuser also ca. DM 41.000.
Bezugssumme ist hier der im beigefügten Schreiben des AN vom 9.7.93 angegebene
Angebotspreis von DM 1.612.285 (einschl. MwSt.). Die vom Landesrechnungshof
angeführte Auftragssumme umfasste die Kosten zusätzlicher Fahrradunterstände.“
Dazu stellt der Landesrechnungshof fest:
Die Begründung des Bildungsministeriums ist nicht nachvollziehbar, weil
− die Ausführung der Brandgiebel sowie
− die Errichtung der Fahrradunterstände
bereits Bestandteil des Auftrages 1. BA/A war. Damit können diese Leistungen nicht
als Begründung für Mehrkosten bzw. als Nachweis für einen ausgehandelten Preisnachlass dienen.

Freihändige Vergabe nach Öffentlicher Ausschreibung
(256)

Der Bauherr hat während der Zuschlagsfrist keinen Auftrag erteilt. Nach Ablauf der
Zuschlagsfrist trat die Firma T. vom Angebot zurück. Der Architekt teilte dem Bauherrn mit, dass eine Firma S. bereit sei, den Auftrag zu gleichen Konditionen auszuführen.
Kritisiert wurde, dass der Auftrag in Höhe von rd. 358.000 DM (rd. 183.000 €) freihändig an die Firma S. vergeben wurde, obwohl sie nicht Teilnehmer am Wettbewerb war. Die Aufhebung der Ausschreibung war nicht aktenkundig. Gemäß § 55
Abs. 1 LHO wären die Leistungen öffentlich auszuschreiben gewesen.
Das Bildungsministerium nahm dazu Stellung:
„Alle Firmen wurden von den Architekten darüber informiert, dass es zu einer Verzögerung des Baubeginns kommt. ...
Die Bindefrist lief auf Grund des verzögerten Baubeginns ab, sodass die Firma vom
Vertrag zurücktreten konnte. Die Firma T. ging in Konkurs und die Fa. S., die eine
enge Zusammenarbeit mit Firma T. hatte, bewarb sich darum, den Auftrag zu den
selben Konditionen zu übernehmen. Die Leistungsstärke der Firma wurde überprüft.
Der Sachverhalt wurde der OFD mitgeteilt. Hierzu gab es keinerlei Einschränkungen.“

153
Dazu bemerkt der Landesrechnungshof:
Mit der Stellungnahme des Bildungsministeriums einschließlich der nachgelieferten
Unterlagen wurde nicht der Nachweis erbracht, dass das Vergabeverfahren für Los 6
ordnungsgemäß aufgehoben wurde. Allein der Hinweis, dass der Sachverhalt der
OFD mitgeteilt wurde und es hierzu keinerlei Einschränkungen gegeben habe, ist
nicht ausreichend.
Ein wesentlicher Grundsatz der Vergabe, wonach der Wettbewerb die Regel sein
soll, wurde nicht beachtet (§ 2 Nr. 1 VOB/A). Eine erneute Öffentliche Ausschreibung hätte dem Rechnung getragen.

Höhere Auftragssumme durch Losteilung
(257)

Das Los 2 – Erd-, Grundleitungs-, Fundament- und Straßenbauarbeiten – des
2. BA/A wurde nicht an den Mindestfordernden vergeben, sondern nach der Verdingungsverhandlung unzulässigerweise geteilt und an zwei Bieter vergeben. Dabei sind
Einheitspreise zum Nachteil des Auftraggebers verändert worden. Die geteilte Vergabe führte zu einer um rd. 34.000 DM (rd. 17.380 €) höheren Auftragssumme.
Hierzu teilte das Bildungsministerium mit:
„Bei der Prüfung des Angebotes wurde festgestellt, dass aus fachlicher Sicht die Angebotspreise an verschiedenen Stellen nicht auskömmlich sein konnten. Dies bezog
sich auf die Verbauarbeiten und auf die Lohnarbeiten. Diese lagen weit unter dem
Mindestlohn. Nach VOB/A § 2 ist das Angebot auf die Angemessenheit zu überprüfen. Die angegebenen Preise waren jedoch nicht angemessen. Das Angebot hätte
somit ausgeschlossen werden können. Um die Unerfahrenheit der Firma nicht auszunutzen und um ihr eine Chance zu geben, wurden Teilleistungen beauftragt und die
irrtümlichen Preise korrigiert.
Dass das Angebot nicht nach Losen aufgeteilt wurde, ist ein Versäumnis, da sich bei
der Rückgabe der Angebote herausstellte, dass es in den Firmen unterschiedliche
Schwerpunkte zwischen Straßen- und Rohbauarbeiten gab. Dies ist aus den Angeboten ersichtlich. Wäre es zu keiner Aufteilung der Titel gekommen, so hätte die Firma X den Zuschlag zu einem wesentlich höheren Preis erhalten und dies hätte einen
wirtschaftlichen Nachteil bedeutet ...“
Hierzu wird festgestellt:

154
Der Architekt hat unzulässigerweise das mit 485.506,83 DM (248.235,70 €) submittierte Angebot um 14.173,23 DM (7.246,66 €) durch Einheits-Preisänderungen auf
499.680,06 DM (255.482,36 €) erhöht. Das so festgestellte Angebot wäre immer
noch das preisgünstigste gewesen. Der Zuwendungsgeber sollte prüfen, wie hoch der
Schaden durch die Einheitspreiserhöhung bei der Abrechnung geworden ist. Die Regressfrage ist zu klären.
Selbst das hochgerechnete Angebot von rd. 500.000 DM (rd. 255.650 €) unterschreitet den nach Teilung des Loses tatsächlich erreichten Betrag von 266.681,10 DM
(136.351,88 €) + 252.137,74 DM (128.915,98 €) = 518.818,84 DM (265.267,86 €)
um rd. 19.000 DM (rd. 9.700 €).
Der wirtschaftliche Nachteil ist durch die Teilung des Loses entstanden. Der Zuwendungsgeber sollte auch hier den Schaden ermitteln und die Regressfrage prüfen.
(258)

Auf Grund der Prüfungsfeststellungen äußerte der Landesrechnungshof Zweifel, ob
das Studentenwerk seine Aufgaben als fachkundiger Bauherr vorschriftenkonform
erledigen kann. Es bat den Zuwendungsgeber zu prüfen, ob zukünftige Baumaßnahmen weiterhin in der Regie des Studentenwerkes ausgeführt werden sollten.
Dazu teilte das Bildungsministerium mit:
− um fachliche und praktische Defizite auszugleichen, sei mit der Planung und
Durchführung ein besonders erfahrener Architekt beauftragt worden,
− eingeräumt wurden Verstöße gegen die VOB und die ZBau,
− durch ein Vier-Punkte-Programm sollten die Mängel im Studentenwerk für die
Zukunft ausgeschlossen werden,
− der Umfang und die Schwere der festgestellten Defizite seien nach Auffassung
des Ministeriums jedoch nicht so durchgreifend, dass dem Studentenwerk die
Eignung als fachkundiger Bauherr aufzutreten, abgesprochen werden müsste.

155
Hierzu bemerkt der Landesrechnungshof:
Die vorliegenden Stellungnahmen (Bildungsministerium und Studentenwerk) haben
die Zweifel an der Eignung des Studentenwerkes Greifwald als fachkundigen Bauherrn noch nicht gänzlich ausgeräumt, da zu vielen Prüfungsfeststellungen die Meinung des Architekten unkritisch und unkommentiert wiedergegeben wurde.
Dennoch bleibt festzustellen, dass das Studentenwerk Fehler eingeräumt hat und
durch die Einleitung entsprechender Maßnahmen offenbar gewillt ist, bei künftigen
Baumaßnahmen die Bauherrenfunktion verantwortungsgerecht wahrzunehmen.
Der Landesrechnungshof verkennt nicht die Absicht des Studentenwerkes, die in den
Prüfungsfeststellungen aufgezeigten Mängel künftig auszuschließen. Dennoch behält
sich der Landesrechnungshof ggf. vor, weitere Baumaßnahmen im Bereich des Studentenwerkes zu prüfen. Dies wurde dem Bildungsministerium mitgeteilt.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

156

Bauunterhaltung im Rahmen des Kleinen Baufonds an der
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Im Zeitraum 1992 bis 1998 stellte das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur für den
Hochschulbereich

der

Ernst-Moritz-Arndt-

Universität rd. 3,88 Mio. DM (rd. 1,98 Mio. €)
Bauunterhaltungsmittel im Rahmen des sogenannten Kleinen Baufonds zur Verfügung. Diese
zweckgebundenen Mittel konnte die Universitätsverwaltung als hausverwaltende Dienststelle
eigenständig für kleinere, dringende Instandsetzungsarbeiten einsetzen.
Ab dem Jahre 1993 erhöhte das Finanzministerium die Ausgabemittel für den Kleinen Baufonds
von 8 % auf 20 % der Bauunterhaltungsmittel.
Die Universitätsverwaltung beauftragte die vom
Landesbauamt benannten Zeitvertragspartner in
der Regel freihändig. Die Auftragnehmer rechneten ihre Leistungen ab, ohne die angebotenen
Preisnachlässe zu beachten. Dies führte in nur
zwei Gewerken zu

Mehrausgaben von rd.

262.000 DM (rd. 134.000 €).
Der Einbau und Verbleib von im Handkauf erworbenen Materialien war nicht in jedem Falle
nachweisbar.
Der Landesrechnungshof schlägt vor, die Mittel
des Kleinen Baufonds für die hausverwaltenden
Dienststellen wieder auf die ursprünglichen 8 %
zu begrenzen und die Differenz sowie den Reservefonds der Oberfinanzdirektion den Landesbauämtern direkt zuzuweisen.

157

Allgemeines
(259)

Der Landesrechnungshof hat im Geschäftsbereich des Ministeriums für Bildung,
Wissenschaft und Kultur (Bildungsministerium) die Unterhaltung der Grundstücke
und baulichen Anlagen der Ernst-Moritz-Arndt-Universität geprüft. Der Gesamtetat
des Kleinen Baufonds für den Zeitraum 1992 bis 1998 (Medizinischer Bereich und
Hochschulbereich) betrug rd. 5,39 Mio. DM (rd. 2,76 Mio. €), davon anteilig
rd. 3,88 Mio. DM (rd. 1,98 Mio. €) für den geprüften Bereich.
Gemäß Abschnitt C Nr. 3.2.3 der „Vorläufigen Richtlinie für die Durchführung von
Bauaufgaben des Landes Mecklenburg-Vorpommern“ (RL Bau) können hausverwaltende Dienststellen kleinere, dringende Instandsetzungsarbeiten, die sich ohne technische Sachkunde beurteilen lassen und die Struktur eines Gebäudes nicht verändern,
in eigener Verantwortung ausführen lassen (Kleiner Baufonds). Dabei handelt es sich
um Maßnahmen wie das Ausbessern und Einsetzen schadhafter Schlösser, das Ersetzen zerbrochener Fensterscheiben, das Gangbarhalten von Türen und Fenstern, das
Ausbessern kleiner schadhafter Stellen an Wänden, Decken, Fußbodenbelägen, Türen und Fenstern und andere Instandsetzungsarbeiten.

(260)

Die Universitätsverwaltung betreut 126 landeseigene und 28 körperschaftseigene
Gebäude für universitäre Zwecke.
Der überwiegende Teil der Gebäude stammt aus der Gründerzeit bzw. wurde noch
früher errichtet. Viele Gebäude unterliegen dem Denkmalschutz. Zu Beginn der
90er Jahre bestand ein erheblicher Sanierungsbedarf, da entsprechende Maßnahmen
in den vorangegangenen Jahrzehnten nur unzureichend durchgeführt wurden.
Der bauliche Zustand der meisten Liegenschaften (Gebäude) hätte eine Instandsetzung bzw. Herrichtung nur im Rahmen einer Kleinen bzw. Großen Baumaßnahme
nach Abschnitt D bzw. E der RL Bau in Verantwortung des zuständigen Landesbauamtes erfordert. Die kurzfristige Ausführung aller für dringend notwendig erachteten
Maßnahmen war wiederum nicht möglich, da die jährlichen Haushaltsmittel begrenzt
und der Planungsvorlauf nicht vorhanden waren.
Die Universitätsverwaltung hat deshalb vermeintlich unaufschiebbare, dringende Instandhaltungsmaßnahmen in eigener Regie durchgeführt.

158

Allgemeine Bestimmungen zur Bauunterhaltung gemäß RL Bau
(261)

Die Zuweisung der Ausgabemittel für die Bauunterhaltung erfolgt durch das Fachministerium bei der Gruppe 519 seines Kapitels. Es wies bis 1993 unmittelbar zur
Bewirtschaftung
− den hausverwaltenden Dienststellen 8 % der Ausgabemittel als Kleinen Baufonds,
− den zuständigen Landesbauämtern 70 % der Ausgabemittel,
− der technischen Aufsichtsbehörde (OFD) 22 % der Ausgabemittel als Reserve zu.
Ab 1993 änderte das Finanzministerium auf Wunsch der Ressorts mit Zustimmung
des Landesrechnungshofes mehrfach den Verteilerschlüssel. Seit 1995 gilt folgende
Regelung bis auf Widerruf:
− hausverwaltende Dienststelle 20 % der Ausgabemittel als Kleiner Baufonds,
− zuständige Landesbauämter 70 % der Ausgabemittel,
− technische Aufsichtsbehörde (OFD) 10 % der Ausgabemittel als Reserve.
Der Landesrechnungshof knüpfte seine letzte Zustimmung an die Bedingung, dass
das Finanzministerium die Einhaltung der eigenen Vorgaben (Abschnitt C der
RL Bau) durch wiederkehrende Erfolgskontrollen überwacht und bei Wegfall der
Regelungsvoraussetzungen vom Widerrufsvorbehalt Gebrauch macht. Diese Erfolgskontrolle konnte nicht nachgewiesen werden.
In seiner Stellungnahme teilte das Finanzministerium allgemein mit, dass es gemeinsam mit dem Bildungsministerium der Auffassung sei, dass die Prüfungsfeststellungen des Landesrechnungshofes Anlass gegeben haben, „... die Einweisung und die
Fortbildung der Bediensteten bei der Übertragung von Aufgaben zu intensivieren
und zu verbessern. Dazu zählen auch Erfolgskontrollen nach der Einführung von
neuen Verfahrensabläufen.“
Der Landesrechnungshof erwartet, dass zukünftig entsprechende Erfolgskontrollen
durchgeführt werden und er regelmäßig über die Ergebnisse informiert wird.

159
Zulässigkeit der durchgeführten Bauleistungen
(262)

Bei einem Großteil der durch Firmen ausgeführten Aufträge handelte es sich um
Baumaßnahmen, für die ein erheblicher technischer Sachverstand erforderlich war.
Dazu gehörten z. B. die Installation von Elektro-, Sanitär- und Heizungsanlagen, aber auch Arbeiten an Dachstühlen, umfangreiche Maler- und Anstricharbeiten, für
die z. T. noch künstlerischer Sachverstand erforderlich war. Dies widersprach den
Regelungen des Abschnittes C der RL Bau.
Das Finanzministerium teilte mit, dass wegen der rechtlich bedeutsamen Wirkungen
und Konsequenzen die Universität aufgefordert werde, zukünftig die Vorschriften
einzuhalten. Es betonte in seiner Stellungnahme zum Jahresbericht, dass ausschließlich das fachlich zuständige Ressort gefordert sei, die zugesagten Regelungen zu
treffen und deren Einhaltung zu überwachen.

Ordnung der Akten
(263)

Ausweislich der Haushaltsüberwachungslisten (HÜL) wurden in den Jahren 1992 bis
1998 rd. 2.630 Rechnungen bearbeitet und jahrgangsweise abgelegt. Diese Ablageart
ließ eine liegenschaftsweise Prüfung nicht zu. Es konnte deshalb z. B. nicht geprüft
werden, ob die Anstrichsfristen nach K 3 der RL Bau eingehalten wurden.
Dazu teilte das Finanzministerium mit, dass die Universität auf dem Erlasswege angewiesen werde, ab sofort die Baurechnungen, auch rückwirkend, liegenschaftsweise
abzulegen. Dem Bildungsministerium sei bis zum 30.4.2001 Vollzug zu melden.
Das Ergebnis ist dem Landesrechnungshof mitzuteilen.

Kostenkontrolle
(264)

Die Universitätsverwaltung gab im Zeitraum 1992 bis 1998 im Rahmen des Kleinen
Baufonds jährlich zwischen rd. 390.000 DM (rd. 199.400 €) und rd. 760.000 DM (rd.
388.600 €) für den Hochschulbereich aus.
Auftragslisten wurden nicht geführt. Dadurch wurden zeitweise vertragliche Verpflichtungen eingegangen, deren finanzielle Absicherung aus Landesmitteln nicht jederzeit sichergestellt war. Die Universitätsverwaltung nutzte deshalb ihren Körper-

160
schaftshaushalt, um festgestellte Überschreitungen bei der betreffenden Haushaltsstelle auszugleichen.
Das Finanzministerium teilte mit, dass die Universität ab sofort Auftragslisten zu
führen habe.
Der Forderung des Landesrechnungshofes wurde damit entsprochen.

Vergabe von Bauleistungen
(265)

Aus Gründen der Verwaltungsvereinfachung schreibt das Landesbauamt regelmäßig
wiederkehrende Unterhaltungsarbeiten jährlich nach § 6 Nr. 2 VOB/A öffentlich aus.
Die im Wege des Auf- und Abgebotsverfahrens erzielten Ausschreibungsergebnisse
teilt das Landesbauamt den hausverwaltenden Dienststellen mit. Auf der Grundlage
der vom Landesbauamt abgeschlossenen Rahmenverträge sind die hausverwaltenden
Dienststellen berechtigt, entsprechende Einzelaufträge mit den Zeitvertragspartnern
abzuschließen.
Abweichend hiervon vergab die Universitätsverwaltung alle Bauleistungen – im Einzelfall bis 58.000 DM (29.700 €) – freihändig ohne formgerechte Auftragsschreiben.
Vergleichsangebote wurden nicht eingeholt. Vom Landesbauamt abgeschlossene
Zeitverträge wurden nicht berücksichtigt. Gleichwohl hat die Verwaltung die Zeitvertragspartner beauftragt. Diese rechneten ihre Leistungen entsprechend den Leistungsverzeichnissen – Zeitvertrag – ab, berücksichtigten jedoch nicht die mit dem
Landesbauamt vertraglich vereinbarten Abgebote, die der Universitätsverwaltung
bekannt waren.
Bei nur zwei geprüften Gewerken, Maler- und Fußbodenbelagsarbeiten, stellte der
Landesrechnungshof vermeidbare Mehrausgaben in Höhe von rd. 262.000 DM
(rd. 134.000 €) fest.
Dazu teilte das Finanzministerium mit, dass die Universität aufgefordert werde, die
Vorschriften für Vergaben, Beauftragungen und Abnahmen von Bauleistungen zwingend einzuhalten.
Bezüglich der festgestellten Mehrausgaben von rd. 262.000 DM (rd. 134.000 €) sei
die Universität zunächst zur Stellungnahme aufgefordert worden.

161
Insbesondere werde festzustellen sein, in welchem Umfang finanzielle Nachteile für
das Land entstanden und welche Konsequenzen daraus zu ziehen seien.
Der Landesrechnungshof wartet das Ergebnis der Prüfung ab.

Handkauf und Verwendung von Materialien
(266)

Ein unbestimmter Personenkreis kaufte in unterschiedlichen Baumärkten ohne Bestellscheine bzw. schriftliche Aufträge Baumaterialien vom Pinsel bis hin zur kompletten Haustür.
Der Verbleib der im Handkauf erworbenen Materialien konnte nicht in jedem Fall
nachgewiesen werden. Da das notwendige Fachpersonal für den Einbau der Materialien nicht immer zur Verfügung stand, wurden Konzessionsbedingungen nicht berücksichtigt.
Das Finanzministerium teilte mit, dass die Universität aufgefordert werde, unverzüglich Regelungen zu Handkäufen zu erlassen und deren Einhaltung zu kontrollieren.
Des Weiteren werde sie aufgefordert, nur Material zu beschaffen, das durch entsprechend qualifiziertes Personal verarbeitet werden kann.
Der Landesrechnungshof sieht damit seine Forderungen als erfüllt an.

Zusammenfassung
(267)

Die Universitätsverwaltung wählte bei ihrer Arbeitsweise den vermeintlich einfachen, aus ihrer Sicht unkomplizierten Weg der direkten Beauftragung von Firmen,
häufig von Firmen, mit denen man ohnehin schon seit Jahren zusammenarbeitete.
Das Vergeben von Bauleistungen außerhalb der vom Landesbauamt geschlossenen
Zeitverträge führte in der Regel zu höheren Preisen. Bei Einhaltung der Wettbewerbsregeln hätte mit den Haushaltsmitteln deutlich mehr in der Bauunterhaltung
bewirkt werden können.
Auf Grund der festgestellten Mängel bei der Verwendung der Bauunterhaltungsmittel des Kleinen Baufonds empfiehlt der Landesrechnungshof dem Finanzministerium, die Höhe der Mittel für die hausverwaltende Dienststelle zukünftig auf die ursprünglich festgelegten 8 % zu begrenzen. Dies sollte zumindest für die geprüfte U-

162
niversität zutreffen. Es wird vorgeschlagen, die Differenz von 12 % dem zuständigen
Landesbauamt als sachkundige Dienststelle zusätzlich zur Verfügung zu stellen.
Gleichzeitig sollte geprüft werden, ob der Reservefonds bei der OFD, z. Z. 10 %,
aufgelöst und die Mittel den Landesbauämtern direkt zugewiesen werden sollten.
Um einen effektiveren und wirtschaftlicheren Einsatz der Haushaltsmittel zu ermöglichen, schlägt der Landesrechnungshof vor, den Landesbauämtern die Bauunterhaltungsmittel nicht ressortweise, sondern pauschal zuzuweisen und sie ausschließlich
nach baufachlichen Gesichtspunkten zu verwenden.
Die festgestellten Verstöße, die zu nicht unwesentlichen Haushaltsmehrbelastungen
führten, machen deutlich, dass eine Erweiterung der in Abschnitt C der RL Bau aufgeführten zulässigen Maßnahmen zu weiteren vermeidbaren Ausgaben führen würde.
In seiner Stellungnahme teilte das Finanzministerium mit, dass die Anregung des
Landesrechnungshofes aufgegriffen werde, die Zuweisungspraxis bei den Bauunterhaltungsmitteln zu vereinfachen. Der Hinweis des Landesrechnungshofes, die Bauunterhaltungsmittel nicht mehr ressortweise, sondern pauschal den Landesbauämtern
zuzuweisen, setze eine Änderung der Veranschlagung voraus. Dies erscheine zum
gegenwärtigen Zeitpunkt nicht durchsetzbar. Allerdings bestünden vergleichbare
Überlegungen.
Mit Erlass vom 5.4.2001 reduzierte das Finanzministerium die Mittel des Kleinen
Baufonds ab sofort auf 10 % und löste den Reservefond bei der OFD Rostock auf.
Diese Mittel wies das Finanzministerium den Landesbauämtern als sachkundige
Dienststellen direkt zu.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

163

Landwirtschaftliche Fachschulen

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zwei landwirtschaftliche Fachschulen.
Die landwirtschaftliche Fachschule Güstrow ist
organisatorisch mit der Beruflichen Schule des
Landkreises Güstrow verbunden, Schulträger ist
das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft,
Forsten und Fischerei.
Der vom Landkreis Güstrow zu zahlende Schullastenausgleich 1998/1999 wurde nicht richtig berechnet.
Die Kantinenpreise wurden ohne schriftliche
Preiskalkulationen festgesetzt. Die Mittagsmahlzeiten für die Schüler werden erheblich subventioniert.
Das Ministerium sollte prüfen, ob durch die
Schaffung einer zentralen Verwaltung für beide
landwirtschaftlichen Fachschulen Einsparungen
beim Verwaltungsaufwand erzielt werden können.

(268)

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zwei landwirtschaftliche Fachschulen in Güstrow (mit einer Nebenstelle in Zierow) und in Neubrandenburg.
Die landwirtschaftlichen Fachschulen haben folgende Aufgaben:
− Fachschulausbildung zum
„Staatlich geprüften Techniker für Agrarwirtschaft“,
„Staatlich geprüften Wirtschafter - Landbau“,
− Durchführung der Vorbereitungslehrgänge für die Meisterprüfung und des Meisterprüfungsverfahrens zum „Landwirtschaftsmeister“,

164
− Koordinierung und Durchführung von Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen,
− Ausbildungsberatung gemäß Berufsbildungsgesetz vom 14.August1969 (BGBl. I,
S. 1112), zuletzt geändert am 25.August1998 (BGBl. I, S. 596).
Die landwirtschaftliche Fachschule Güstrow ist zusätzlich die überbetriebliche Ausbildungsstätte für den Gartenbau. In diesem Bereich werden seit 1996 Auszubildende
des Berufs Gärtner (Garten- und Landschaftsbau) aus dem ganzen Land unterrichtet.
Träger dieser Ausbildung ist das Ausbildungsförderwerk des Garten- und Landschaftsbaus (Augala). Es erstattet zusammen mit den betroffenen Ausbildungsbetrieben die Ausbildungskosten.
(269)

Die landwirtschaftliche Fachschule Güstrow hat in der Regel je Schuljahr ca.
100 Fachschüler und zeitweise ca. 800 Lehrlinge in der überbetrieblichen Ausbildung Gartenbau. In der landwirtschaftlichen Fachschule Neubrandenburg wurden
zum Schuljahr 1999/2000 in drei Ausbildungsrichtungen 49 Fachschüler neu zugelassen. Dies ist nach Angaben des Ministeriums die höchste Immatrikulationsrate seit
1990.
Die Schülerzahlen beider landwirtschaftlichen Fachschulen im Schuljahr 1998/1999
ergeben sich aus der folgenden Tabelle:

Fachschulausbildung
Weiterbildungskurse (z .B.)
Klauenpflege,
Pflanzenschutz,
Berufs- und Arbeitspädagogik Tierschutztransport,
aktuelle betriebswirtschaftliche
Fragen
Überbetriebliche Ausbildung Gartenbau
Vorbereitung Prüfung
Gartenbaumeister
Meisterprüfungsverfahren
Hauswirtschaft/Landwirtschaft

landwirtschaftliche Fach-

landwirtschaftliche Fach-

schule Güstrow

schule Neubrandenburg

11 Klassen 100 Schüler
45 Kurse

510 Teilnehmer

60 Kurse

840 Lehrlinge
35 Meisteranwärter

2 Kurse

Tab. 20: Anzahl der Schüler an den landwirtschaftlichen Fachschulen

6 Klassen

73 Schüler

10 Kurse

141 Teilnehmer

2 Kurse 39 Meisteranwärter

165
Die Ist-Ausgaben des Landes für die landwirtschaftlichen Fachschulen betrugen für
das Jahr 1999 insgesamt 7.818.179, 73 DM (3.997.371,82 €), darunter Personalausgaben in Höhe von 5.286.214,33 DM (2.702.798,47 €).
(270)

In die landwirtschaftliche Fachschule Güstrow ist seit 1992 als selbständiger Bereich
die Berufliche Schule für Wirtschaft und Verwaltung des Landkreises Güstrow integriert.
An der Beruflichen Schule des Landkreises Güstrow erhalten ca. 300 Schüler in
15 Klassen eine Vollzeitausbildung am Fachgymnasium Wirtschaft und Technik, an
der Fachoberschule Wirtschaft und Verwaltung und an der Höheren Berufsfachschule Wirtschaft.
Im Rahmen der dualen Ausbildung (Lehrvertrag mit einem Ausbildungsbetrieb) wird
ca. 700 Schülern der Ausbildungsberufe Verwaltungsfachangestellter, Fachangestellter für Bürokommunikation, Bürokaufmann, Steuerfachangestellter, Justizangestellter und Kaufmann im Einzelhandel in 33 Klassen Berufsschulunterricht erteilt.

Schulträgerschaft
(271)

Schulträger der Beruflichen Schule des Landes Mecklenburg-Vorpommern – Fachschule für Landwirtschaft – in Güstrow ist das Land Mecklenburg-Vorpommern,
vertreten durch das Ministerium (§103 Abs. 1 Nr. 4 SchulG M-V), und zwar auch für
die Berufliche Schule für Wirtschaft und Verwaltung des Landkreises Güstrow
(§ 103 Abs. 2 SchulG M-V).
Die Berufliche Schule für Wirtschaft und Verwaltung des Landkreises Güstrow ist
seit 1992 in die landwirtschaftliche Fachschule Güstrow integriert. Die landwirtschaftliche Fachschule und die Berufliche Schule haben eine gemeinsame Schulleitung. Beide Schulen nutzen die gesamte Liegenschaft. Die Liegenschaft ist Eigentum
des Landes.
Die organisatorische Verbindung der beiden Schulteile unter gemeinsamer Schulleitung hat sich bewährt.

(272)

Das Ministerium ging bisher davon aus, dass für beide Teile getrennte Schulträgerschaften bestanden, da es sich nicht um verbundene Schulen im Sinne des SchulG
M-V handele. Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur sieht in der

166
Benennung „Berufliche Schule des Landkreises Güstrow ...“ einen Widerspruch zur
Trägerschaft und empfiehlt in der Benennung der Schule exakt die Trägerschaft auszuweisen.

Schullastenausgleich
(273)

Gemäß § 115 SchulG M-V ist der Landkreis Güstrow dem Land zur Zahlung des
Schullastenausgleichs verpflichtet. Zwischen dem Landkreis Güstrow und der landwirtschaftlichen Fachschule Güstrow besteht zum Schullastenausgleich eine Vereinbarung vom Juni 1992. Diese Vereinbarung wurde seitdem weder dem SchulG M-V
noch der Verordnung zur Berechnung der Schulkostenbeiträge und zum Verfahren
des Schullastenausgleichs sowie der Internatsunterbringungskosten der Schulen in
Landesträgerschaft (Schullastenausgleichsverordnung Landesschulen – SchLAVOLS
M-V) vom 1.12.1998 (GVOBL. M-V S. 943 ff.) angepasst. Anhand der dem Schullastenausgleich 1998/1999 zugrunde gelegten umlagefähigen Ausgaben der landwirtschaftlichen Fachschule Güstrow hat der Landesrechnungshof festgestellt, dass z. B.
die Personalausgaben für die Küchenkräfte nicht einbezogen wurden, obwohl diese
auch nach der bestehenden Vereinbarung einzubeziehen waren.
Das Land hat damit die Schulkostenbeiträge nicht in der vorgeschriebenen Höhe geltend gemacht und auf Grund der Nichtberücksichtigung von Personalausgaben war
der zu erstattende Betrag zu gering angesetzt.
Eine Anpassung an die geltenden Verordnungen ist dringend geboten.

(274)

Inzwischen hat sich der Landkreis Güstrow bereit erklärt, für das Haushaltsjahr 2000
zusätzlich einen Betrag in Höhe von 102.300 DM (52.305,16 €) und für das Jahr
2001 in Höhe von 55.000 DM (28.121,05 €) zu zahlen. Die Vereinbarung über den
Schullastenausgleich wurde am 2. Februar 2001 abgeschlossen. Im Gegensatz zur
Feststellung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur (s. Tz. 272)
wird dort allerdings als Schulträger der Beruflichen Schule „Johann Heinrich von
Thünen“ für Wirtschaft und Verwaltung mit Fachgymnasium der Landkreis Güstrow
bezeichnet.

Kantinenbetrieb an den landwirtschaftlichen Fachschulen

167
(275)

Die landwirtschaftlichen Fachschulen betreiben für die Schüler, Lehrlinge und Lehrgangsteilnehmer Kantinen in Güstrow und in Neubrandenburg.
Die Preise für das Mittagessen betragen für Schüler 3,70 DM (1,89 €). Für
Angestellte, Gäste und die Auszubildenden der überbetrieblichen Ausbildungsstätte
Gartenbau in Güstrow werden 6,00 DM (3,07 €) je Essen berechnet.
Eine schriftliche Preiskalkulation war zum Zeitpunkt der Prüfung weder in den
landwirtschaftlichen Fachschulen noch im Ministerium vorhanden.
Zwischenzeitlich hat das Ministerium Preiskalkulationen für das Mittagessen für
beide landwirtschaftlichen Fachschulen vorgelegt. Danach fallen mindestens Ausgaben für ein Mittagessen in Güstrow in Höhe von 11,45 DM (5,85 €) und in Neubrandenburg von 17,46 DM (8,93 €) an.
Bei rd. 36.000 Essen im Jahr in Güstrow bedeutet dies eine Mindestsubvention in
Höhe von 196.200 DM (100.315,47 €) und in Neubrandenburg bei rd. 14.800 Essen
in Höhe von 169.608 DM (86.719,19 €).

(276)

Es ist zweifelhaft, ob der Schulträger verpflichtet ist, die Schüler, Lehrlinge und
Lehrgangsteilnehmer mit Essen zu versorgen, denn § 39 SchulG M-V ist nicht einschlägig, er gilt nur für die allgemein bildenden und nicht für die beruflichen Schulen. Außerdem ist § 39 Abs. 2 SchulG M-V eine Soll-Vorschrift.
Der Zuschuss des Landes allein für die Schüler der Beruflichen Schule in Höhe von
7,75 DM (3,96 €) (Güstrow) bzw. 13,76 DM (7,04 €) (Neubrandenburg) je Essen ist
eine Subvention, für die weder eine gesetzliche Grundlage noch eine wirtschaftliche
Notwendigkeit besteht.
Noch weniger ist die Subventionierung des Essens für Gäste und die Auszubildenden
der überbetrieblichen Ausbildungsstätte Gartenbau gerechtfertigt.
Ein wirtschaftlicher Betrieb der Kantinen wird nicht gewährleistet.

(277)

Das Ministerium hält weiter eine Verpflichtung des Schulträgers gemäß § 39 SchulG
M-V für gegeben. Es vertritt die Auffassung, dass auch der Zuschuss in der genannten Höhe vertretbar sei, da z. B. ein Preis von 3,70 DM (1,89 €) dem Preisniveau anderer Schulen entspricht. Die tatsächlich entstehenden Kosten könnten von den Kantinennutzern nicht aufgebracht werden. Das Ministerium beabsichtigt, auf Anregung

168
des Landesrechnungshofes, zur Kostensenkung die für die Versorgung erforderlichen
Dienstleistungen auszuschreiben.

Zentralisierung der Verwaltung der beiden landwirtschaftlichen
Fachschulen
(278)

Der Landesrechnungshof hat das Ministerium um Prüfung gebeten, ob eine zentrale
Verwaltung für die landwirtschaftlichen Fachschulen Güstrow und Neubrandenburg
– zweckmäßigerweise in Güstrow – Einsparungen bringen könnte.
Mit nur einer landwirtschaftlichen Fachschule in Mecklenburg-Vorpommern – auch
mit mehreren Standorten – könnten eine
− bessere Bewirtschaftung der Haushaltsmittel,
− Reduzierung des Verwaltungsaufwandes,
− bessere Koordinierung der Berufsberatung,
− Entlastung des Ministeriums von nichtministeriellen Aufgaben
und weitere Synergieeffekte erreicht werden.
Der Landesrechnungshof hat im Übrigen darauf hingewiesen, dass der in den nächsten Jahren zu erwartende dramatische Rückgang der Schülerzahlen sicher auch Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Fachschulen haben dürfte. Es ist zweifelhaft,
ob nach den Jahren 2005/2006 noch ausreichend Fachschüler für zwei landwirtschaftliche Fachschulen vorhanden sein werden. Das Ministerium sollte sich deshalb
schon jetzt auch unter diesem Gesichtspunkt mit der Frage einer Zusammenlegung
der landwirtschaftlichen Fachschulen Güstrow und Neubrandenburg auseinander setzen.

(279)

Das Ministerium ist der Meinung, dass durch eine Zusammenlegung der Verwaltung
der beiden landwirtschaftlichen Fachschulen keine Einsparungen erreicht werden
können. Der ab 2005/2006 beginnende Schülerrückgang werde sich für die beruflichen Schulen frühestens in den Jahren 2009/2010 auf den Bereich der landwirtschaftlichen Fachschulen auswirken und für diesen Fall würden rechtzeitig Schritte
in Bezug auf eine weitere Konzentration geprüft.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

169

Organisation der Querschnittsfunktionen als
Führungsinstrumentarium im Justizministerium

Der Landesrechnungshof hat bei der Fortsetzung
seiner Querschnittsprüfung der Organisation der
Querschnittsfunktionen als Führungsinstrumentarium in der Landesverwaltung auch im Justizministerium Defizite festgestellt. Insbesondere
wurden Mängel in der Aufbauorganisation der
Personal- und Organisationsreferate aufgezeigt.

(280)

Der Landesrechnungshof untersucht zurzeit im Rahmen einer Querschnittsprüfung in
den obersten Landesbehörden die organisatorische Zuordnung und die Aufgabenerledigung der Querschnittsaufgaben (u. a. Innerer Dienst, Haushalt, Organisation, Informationstechnik und Personalwesen). Einen Schwerpunkt bildet dabei die Frage
des Zusammenwirkens der mit den Querschnittsaufgaben betrauten Organisationseinheiten im Hinblick auf ihre Funktion als Führungsinstrumentarium.
Über die Ergebnisse dieser Untersuchung im Ministerium für Bildung, Wissenschaft
und Kultur und im Ministerium für Arbeit und Bau hat der Landesrechnungshof in
den Tzn. 381 bis 411 seines Jahresberichtes 1999 und in den Tzn. 370 bis 381 seines
Jahresberichtes 2000 berichtet.
Die Prüfung wurde im Justizministerium fortgesetzt.

Personalwesen
(281)

Das Justizministerium hatte die Querschnittsfunktion Personalwesen auf sechs Referate in der Allgemeinen Abteilung (Abteilung 1) aufgeteilt. Diese Aufteilung des
Personalwesens hatte eine Reihe von Nachteilen, u. a. wurde durch den erhöhten Abstimmungsaufwand zwischen den Referaten die Funktion des Personalwesens als
Führungsinstrumentarium erschwert.

170
Der Landesrechnungshof war der Auffassung, dass die z. Z. der Prüfung bestehende
Organisation des Personalwesens im Justizministerium weder zweckmäßig noch
wirtschaftlich war.
Er hielt es für geboten, die sechs Referate, die mit der Querschnittsfunktion Personalwesen betraut sind, nach Maßgabe der Gemeinsamen Geschäftsordnung I der Ministerien des Landes Mecklenburg-Vorpommern (GGO I) vom 11. Dezember 1996
(AmtsBl. M-V S. 1193) zu einer Referatsgruppe zusammenzuführen.
(282)

Das Justizministerium teilt die Auffassung des Landesrechnungshofes hinsichtlich
der Notwendigkeit der Bildung einer Referatsgruppe „Personal“.

Personalentwicklungskonzept
(283)

Das Justizministerium hat im März 1998 beschlossen, dass Beförderungsämter im
richterlichen und staatsanwaltlichen Dienst, die mit Verwaltungsaufgaben verbunden
sind, nur noch solchen Bewerbern verliehen werden sollen, die sich neben ihrer juristischen Qualifikation auch die erforderlichen organisatorischen Fähigkeiten und Führungsqualitäten angeeignet und diese unter Beweis gestellt haben. Das Konzept sieht
u. a. eine Verwaltungserprobung im Justizministerium vor, die mindestens zwei bis
drei Jahre dauern soll. Das Konzept enthält Ansätze eines Personalentwicklungskonzeptes; es erstreckt sich jedoch nicht auf den gesamten Geschäftsbereich des Justizministeriums. Darüber hinaus hat der Landesrechnungshof kein systematisches Personalentwicklungskonzept für das Ministerium und den gesamten nachgeordneten
Bereich mit einem darauf abgestimmten Fortbildungskonzept bei seinen örtlichen
Erhebungen vorgefunden.
Der Landesrechnungshof begrüßt grundsätzlich die Erprobung von Führungskräften
in der Justizverwaltung. Er hält es jedoch für erforderlich, dass das Justizministerium
darüber hinaus ein systematisches Personalentwicklungskonzept und ein darauf abgestimmtes Fortbildungskonzept für das gesamte Ressort erarbeitet.

(284)

Das Justizministerium sieht die Notwendigkeit eines systematischen Personalentwicklungskonzeptes in gleicher Weise und vertritt die Auffassung, dass es bereits für
große Bereiche vorliegt. Es bedarf jedoch in Teilbereichen noch einer schriftlichen
Fixierung.

171

Bewirtschaftung des Stellenplanes
(285)

Das Justizministerium hat die Aufgabe „Bewirtschaftung des Stellenplanes” dem
Bereich Personalwesen zugewiesen. Die Ansiedlung der Stellenbewirtschaftung in
den Personalreferaten birgt nach Auffassung des Landesrechnungshofes die Gefahr
in sich, dass Personalbedarfe ermittelt werden, ohne dass vorher die Aufgaben kritisch überprüft und die Organisation optimiert wurde.
Der Landesrechnungshof empfiehlt dem Justizministerium, von der Alternative der
§§ 9 und 12 GGO I Gebrauch zu machen und die Bewirtschaftung des Stellenplans
dem Organisationsreferat zu übertragen.

(286)

Das Justizministerium führte hierzu aus, dass die Personalbedarfsberechnung in Abstimmung mit den anderen Bundesländern erfolge. Soweit ihm darüber hinaus Spielräume für organisatorische Veränderungen und Personalbedarfsberechnungen verbleiben, liege die Federführung für derartige Projekte bei dem Querschnittsreferat
Organisation. Außerdem hat das Justizministerium zugesichert, dass das Organisationsreferat ausreichend bei der Bewirtschaftung des Stellenplans beteiligt wird.

Organisation, Informationstechnik, Innerer Dienst
(287)

Das Justizministerium hatte die Querschnittsfunktionen Organisation, Informationstechnik und Innerer Dienst auf vier Referate in der Abteilung 1 aufgeteilt. Von den
vier Referaten nahmen jeweils drei die Funktionen Organisation und Informationstechnik wahr. Die damalige Aufbauorganisation hatte eine Reihe von Nachteilen,
u. a. wurde durch den erhöhten Abstimmungsaufwand die Funktion der Organisation
und der Informationstechnik als Führungsinstrumentarium erschwert.
Der Landesrechnungshof war der Auffassung, dass die z. Z. der Prüfung bestehende
Aufbauorganisation hinsichtlich der o. a. Querschnittsfunktionen weder zweckmäßig
noch wirtschaftlich war. Er hielt es für geboten, die vier Referate nach Maßgabe der
GGO I zu einer Referatsgruppe zusammenzuführen.

(288)

Das Justizministerium teilt die Auffassung des Landesrechnungshofes hinsichtlich
der Notwendigkeit der Bildung einer Referatsgruppe „Organisation, Informationstechnik und Innerer Dienst“.

172

Steuerung und Koordinierung
(289)

Grundlage für eine effektive und effiziente Verwaltung muss die systematische Steuerung ihrer Aufgaben sein (vgl. Jahresbericht 1999 Tz. 398 und Jahresbericht 2000
Tz. 376). Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass im Justizministerium keine
abteilungsübergreifenden Steuerungs- und Koordinierungsfunktionen angesiedelt
sind, die die Aufgaben Erfolgskontrolle und Aufgabenkritik wahrnehmen.
Der Landesrechnungshof empfiehlt, diese Aufgaben der Steuerung und Koordinierung einer Organisationseinheit außerhalb der Fachabteilungen zuzuweisen. Im Justizministerium wäre aus Sicht des Landesrechnungshofes eine Zuordnung einer mit
Steuerungs- und Koordinierungsaufgaben betrauten Stelle zu den Stabsstellen sachgerecht.

(290)

Das Justizministerium geht davon aus, dass seine bisherigen Instrumentarien zur
Steuerung und Koordinierung ausreichen.

Abteilung Justizvollzug, Soziale Dienste, Gnadenwesen
(291)

In der Abteilung Justizvollzug, Soziale Dienste, Gnadenwesen (Abteilung 2) des
Justizministeriums sind insgesamt drei Referate angesiedelt, die Aufgaben in den Bereichen Organisation, Personalwesen und Informationstechnik wahrnehmen.
Der Landesrechnungshof bezweifelt, dass die Ansiedlung dieser Querschnittsfunktionen außerhalb der Abteilung 1 gerechtfertigt ist. Er hat das Justizministerium gebeten zu prüfen, ob eine Ansiedlung dieser Querschnittsfunktionen in den vorhandenen
Referaten der Abteilung 1 wirtschaftlicher wäre.

(292)

Das Justizministerium verweist auf eine bereits durchgeführte Untersuchung und
behält seine bisherige Organisationsform bei.

(293)

Die Abteilung 2 des Justizministeriums hat am 9.6.2000 mit dem Staatssekretär eine
Zielvereinbarung geschlossen. In dieser sind die Funktionen der Abteilung 2, ihre
Dienstleistungen sowie ihre Organisation beschrieben. Des Weiteren wurden Erfolgskriterien definiert, die den Grad der Zielerreichung messen sollen. Zum 15. Juni
eines jeden Jahres sollen die Erhebungen anhand der Erfolgskriterien ausgewertet
werden.

173
Der Landesrechnungshof hat grundsätzlich den Abschluss der Zielvereinbarung begrüßt, da sie ein wichtiges Führungsinstrumentarium darstellen kann. Weiterhin hat
er eine Reihe von organisatorischen Hinweisen zu der Zielvereinbarung gegeben.

Weitere Feststellungen
(294)

Im Rahmen seiner Prüfung sind dem Landesrechnungshof weitere organisatorische
Mängel aufgefallen, die in keinem unmittelbaren Bezug zum Prüfungsthema standen.
Im Einzelnen handelte es sich um Feststellungen zu den Referatsgrößen gemäß
§ 8 GGO I, zu erteilten Zeichnungsbefugnissen gemäß § 32 GGO I und zu Mängeln
im Geschäftsverteilungsplan des Justizministeriums.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

174

Sondervermögen Krankenhausfinanzierung aus Mitteln
der Krankenhausbenutzer

Die Verwaltung der Benutzerentgelte als Sondervermögen im Landeshaushalt ist zu überdenken.
Bei der Verwaltung der Mittel hat das Sozialministerium haushaltsrechtlich unzulässige Umbuchungen vorgenommen und Zinsen auf das Sondervermögen unzutreffend ausgewiesen.

(295)

Zur schnellen und nachhaltigen Verbesserung des Niveaus der stationären Versorgung der Bevölkerung in dem in Artikel 3 des Einigungsvertrages genannten Gebiet
und zur Anpassung an das Niveau im übrigen Bundesgebiet beteiligen sich die Benutzer der Krankenhäuser in den Jahren 1995 bis 2014 durch einen Investitionszuschlag am Krankenhausinvestitionsprogramm (Art. 14 Gesundheitsstrukturgesetz).
Dieser Zuschlag betrug zunächst täglich 8 DM (4,09 €) und beläuft sich seit dem
Jahr 1998 auf 11 DM (5,62 €).
Zwischen dem Land und den Beteiligten nach § 18 Abs. 1 Satz 2 Krankenhausfinanzierungsgesetz ist unter dem 13.10.1994 vereinbart worden, dass das Land für die
Verwaltung dieser Benutzerbeiträge „ein Sondervermögen nach § 26 Abs. 2 der
Landeshaushaltsordnung“ bildet.
Der Landesrechnungshof hat die Verwaltung des Sondervermögens geprüft und die
folgenden wesentlichen Feststellungen getroffen:

Abführung der Benutzerbeiträge durch die Krankenhäuser
(296)

Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass die Mehrzahl der Krankenhäuser die
Benutzerbeiträge nicht vollständig und fristgerecht an das Land abgeliefert hat. So ist
der in der Vereinbarung vorgesehene monatliche Zahlungsrhythmus im Jahr 1996
nur von sieben, im Jahre 1997 nur von acht und im Jahr 1998 nur von sechs der 38
einzahlenden Krankenhäuser eingehalten worden.

175
Das Sozialministerium hat über Jahre hinweg geduldet, dass sich Krankenhäuser zu
Lasten des Sondervermögens liquide Mittel beschafften.
(297)

Das Sozialministerium ist gebeten worden zu berichten, wie sichergestellt werden
soll, dass zukünftig dem Land die Benutzerbeiträge für Krankenhausinvestitionen so
vollständig und zeitnah wie möglich zur Verfügung stehen.
Das Sozialministerium hat dem Landesrechnungshof noch nicht berichtet.

(298)

Ob die Krankenhäuser Benutzerbeiträge auch in der zutreffenden Höhe abgeliefert
haben, konnte der Landesrechnungshof nicht prüfen, denn ihm steht hinsichtlich der
Erhebung und Abführung der Benutzerbeiträge ein originäres Prüfungsrecht nicht zu.
Da auch das Sozialministerium als die mittelverwaltende Stelle insofern Prüfungsrechte nicht besitzt, besteht hier ein prüfungsfreier Raum. Der Landesrechnungshof
hält es für unverzichtbar, dass die Beteiligten in Mecklenburg-Vorpommern dem Sozialministerium ein Prüfungsrecht einräumen.

(299)

Das Sozialministerium hat dem Landesrechnungshof zugestimmt, dass es nach der
Rechtslage im Hinblick auf die Erhebung und Abführung der Mittel durch die Krankenhäuser einen prüfungsfreien Raum gibt. Es hat erklärt, dass es nicht erkennen
kann, „dass mit einer Ergänzung der Vereinbarung um ein Prüfungsrecht des Sozialministeriums eine rechtliche Verpflichtung für die Krankenhäuser begründet würde. ... Wirksam könnten derartige Prüfungen lediglich durch bilaterale Absprachen
des Landes oder eines der Beteiligten mit den Krankenhäusern begründet werden.“
Es hielte es für wünschenswert, „wenn auf der Basis zukünftiger Veränderungen der
Vereinbarung derartige Absprachen von der Krankenhausgesellschaft MecklenburgVorpommern e.V. mit den Krankenhäusern getroffen würden.“

(300)

Die Mitteilung des Sozialministeriums, wie es dafür sorgen wird, dass zukünftig keine prüfungsfreien Räume vorhanden sind, steht noch aus.

Haushaltsrechtlich unzulässige Umbuchungen
(301)

Sondervermögen sind vom übrigen Vermögen getrennt zu halten. Das bedeutet, dass
ein Sondervermögen auch getrennt vom Landeshaushalt zu verwalten ist.

176
Das Sozialministerium hat gleichwohl jährlich Millionen-Beträge von dem Sondervermögen auf Haushaltstitel im Landeshaushalt gebucht und umgekehrt. Damit hat
es die Trennung des Sondervermögens vom Haushalt de facto aufgehoben. Das Ministerium hätte beachten müssen, dass hinsichtlich des Sondervermögens nur Zuführungen und Ablieferungen zulässig sind. Diese müssen vorher im Haushalt veranschlagt sein. Das ist hier jedoch nicht der Fall.
Das Sozialministerium hat erklärt, dass es keine Umbuchungen mehr vorgenommen
habe. Gleichwohl ist es mit den Beteiligten der Auffassung, „dass die Einheitlichkeit
des Programms nach Art. 14 Gesundheitsstrukturgesetz Umbuchungen zwischen
Haushalt und Sondervermögen zulässt und im Einzelfall solche Umbuchungen unausweichlich sind.“
(302)

Der Landesrechnungshof teilt diese Auffassung nicht. Die Einheitlichkeit des Investitionsprogramms gemäß Art. 14 Gesundheitsstrukturgesetz kann das bestehende
Haushaltsrecht nicht außer Acht lassen.

Zinserträge
(303)

Aus der Begründung zu dem Gesetz über das Sondervermögen „Krankenhausfinanzierung aus Mitteln der Krankenhausbenutzer“ ergibt sich, dass durch die Anlage der zeitweilig nicht benötigten Mittel Zinsen erwirtschaftet werden sollten, die
zusätzlich für den Zweck des Sondervermögens zur Verfügung stehen (Drs. 2/199,
S. 30).
Das Sozialministerium hat für das Sondervermögen kein gesondertes Konto errichtet,
sondern bedient sich eines Kontos der Landeshauptkasse. Das bedeutet, dass das
Sondervermögen letztlich nicht anders behandelt wird als Haushaltsmittel des Landes auch. Von einer verzinslichen Anlage kann mithin nicht die Rede sein. Vielmehr
muss das Finanzministerium den Guthabenbestand des Sondervermögens täglich
feststellen. Für den sich jeweils ergebenden Betrag werden mit dem aktuellen Guthabenzins des Landes bei der Landeszentralbank die zu vergütenden Zinsen ermittelt
und entsprechend dem Sondervermögen gutgeschrieben.
Der Landesrechnungshof hat festgestellt, dass der tatsächliche Guthabenbestand
nicht immer mit dem vom Finanzministerium ermittelten übereinstimmt, z. B. weil
Einzahlungen zunächst auf ein Verwahrkonto des Landes gebucht worden sind. Die

177
Art, wie das Land das Sondervermögen verwaltet, lässt eine präzise Zinsberechnung
mithin nicht zu.
(304)

„Das Sozialministerium teilt die Auffassung des Landesrechnungshofes, dass die
Benutzerbeiträge gesondert zu bewirtschaften sind.“ Es „wird gemeinsam mit dem
Finanzministerium prüfen, inwieweit durch eine Änderung der Vereinbarung eine
Optimierung der Zinseinnahmen für die Benutzerbeiträge realisiert werden kann.“
Das Sozialministerium hat dem Landesrechnungshof das Ergebnis der Prüfung noch
nicht mitgeteilt.

Neuordnung
(305)

Nach den getroffenen Feststellungen ist die Verwaltung der Benutzerentgelte als
Sondervermögen im Landeshaushalt nicht unproblematisch. Der Landesrechnungshof hat deshalb das Sozialministerium gebeten zu prüfen, ob für das Sondervermögen ein eigenes Konto zu eröffnen ist und eine Verwaltung strikt außerhalb des Landeshaushaltes erfolgen muss oder ob das Sondervermögen aufgelöst und die Benutzerbeiträge direkt im Haushalt bewirtschaftet werden können.

(306)

Das Sozialministerium hat erklärt, dass es die Bedenken des Landesrechnungshofes
hinsichtlich der Veranschlagung der Benutzerbeiträge als Sondervermögen teilt und
gleichzeitig mitgeteilt, dass die Beteiligten eine Veranschlagung der Mittel im Haushalt strikt abgelehnt haben. Es hält daher im Einvernehmen mit den Beteiligten die
Vereinnahmung der Benutzerbeiträge durch die Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern für wünschenswert. Es wird nach Abstimmung mit dem Finanzministerium wegen der dann unausweichlichen Einrichtung eines eigenen Kontos
außerhalb der Landesverwaltung für die Benutzerbeiträge mit den Beteiligten eine
Änderung der Vereinbarung erarbeiten.
Das Sozialministerium hat bislang dem Landesrechnungshof zum Stand der Dinge
noch nicht berichtet.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

178

Schnittstelle zwischen dem HKR-Verfahren
ProFiskal und dem IT-Verfahren Informationssystem für die
Arbeitsmarktpolitik (ISAP)

In Zusammenhang mit seiner ständigen begleitenden Prüfung des HKR-Verfahrens ProFiskal
hat der Landesrechnungshof auch das vorgeschaltete

Informations-

und

Bearbeitungs-

verfahren für die Arbeitsmarktpolitik und dessen
Schnittstelle zu ProFiskal unmittelbar nach dessen Freigabe geprüft.
In der praktischen Anwendung der ISAP-Module
„Antragsverfahren“ und „Kassenverfahren/Budgetierung“ wurden erhebliche Mängel, Fehler
und Sicherheitsrisiken bei der IT-gestützten Bearbeitung von Zuwendungsanträgen, der Anordnung von Zahlungen und der Übergabe der Dateien an das HKR-Verfahren ProFiskal festgestellt.
Das Finanzministerium muss dafür sorgen, dass
es insbesondere bei IT-Verfahren mit Schnittstelle zum HKR-Verfahren ProFiskal seiner Gesamtverantwortung zur Gewährleistung der Integrität von ProFiskal gerecht wird.

(307)

Im Rahmen seiner ständigen begleitenden Prüfung des HKR-Verfahrens ProFiskal
(siehe Jahresbericht 1997, Tzn. 491 bis 497) hat sich der Landesrechnungshof mit
der Problematik der Schnittstellen zwischen ProFiskal und vorgeschalteten ITVerfahren befasst.

179
(308)

Er hat im Mai 2000 mit der Prüfung des IT-Verfahrens Informationssystem für die
Arbeitsmarktpolitik (ISAP) einschließlich dessen Schnittstelle zum HKR-Verfahren
ProFiskal begonnen.
Bei dem vom Sozialministerium bzw. Ministerium für Arbeit und Bau (Arbeitsministerium) entwickelten IT-Verfahren ISAP handelt es sich um ein EDV-Programm für die Arbeitsmarktpolitik, mit dem „alle relevanten Daten ... vom Antragsverfahren über die Bescheiderteilung und die Haushaltsführung bis hin zur Verwendungsnachweisprüfung und zur Abrechnung der ESF-Mittel gegenüber Brüssel“ erfasst, bearbeitet und ausgewertet werden können. Die mit Hilfe von ISAP berechneten Zahlungen werden über eine Schnittstelle zum HKR-Verfahren ProFiskal angeordnet.
Die Prüfung des ISAP-Verfahrens war deshalb bedeutsam, weil mit diesem IT-Verfahren erstmals im Bereich der Landesverwaltung große Mengen Auszahlungsanordnungen als Sammeldateien online an ProFiskal zur Zahlbarmachung übersandt werden.

(309)

Der Landesrechnungshof hat im zweiten Halbjahr 2000 in den Versorgungsämtern
Neubrandenburg, Rostock und Schwerin, die seit Oktober 1999 bzw. März 2000 mit
Hilfe von ISAP Zuwendungsanträge bearbeiten und Zahlungen anordnen, örtliche
Erhebungen durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt war ISAP erst teilweise eingeführt
und in Betrieb, sodass sich die Prüfung im Wesentlichen auf die Module „Antragsverfahren“ und „Kassenverfahren/Budgetierung“ beschränkte.

(310)

Soweit die Erhebungen die praktische Anwendung des ISAP-Verfahrens zur Unterstützung der Bearbeitung von Zuwendungsanträgen, zur Anordnung von Zahlungen
und zur Übergabe der Dateien an das HKR-Verfahren ProFiskal betrafen, waren erhebliche Mängel und Fehler festzustellen:
− Das IT-Verfahren ISAP bzw. einzelne seiner Module waren nicht ordnungsgemäß
freigegeben. Bei den dem Finanzministerium als „Freigabe des EDV-Systems
ISAP für den Produktivbetrieb“ vorgelegten Bescheinigungen handelte es sich lediglich um Testprotokolle.
− Die Kennworte für die Anmeldung und den Zugang zum Verfahren ISAP – über
die Schnittstelle auch zu ProFiskal – entsprachen mit nur drei Ziffern nicht dem

180
Sicherheitsstandard von ProFiskal; die Kennworte wurden auch nicht in bestimmten Abständen gewechselt.
− Die Zugangs- und Zugriffskontrolle war im ISAP-Verfahren nicht gewährleistet;
Zugänge und Zugriffe wurden nicht protokolliert.
− Der Softwarehersteller – eine Privat-GmbH – hatte online uneingeschränkte Zugriffsmöglichkeiten auf alle Teile des ISAP-Verfahrens. Er griff im Rahmen des
Fehlermanagements u. a. regelmäßig durch Stornierungen bzw. Anordnungen von
Beträgen in das Verfahren ein.
− Veränderungen der Dateien wurden – wenn diese außerhalb der sogenannten Aktionen durchgeführt worden sind – nicht dokumentiert und waren somit nicht
nachvollziehbar.
− Die in der Dienstanweisung über die Anordnungsbefugnis im Bereich Arbeitsmarktförderung vom 2.12.1999 für das Versorgungsamt Neubrandenburg festgelegten Befugnisse zur Feststellung der rechnerischen und sachlichen Richtigkeit
und Anordnung der Zahlungen sowie deren Freigabe spiegelten sich im Verfahrensablauf nicht wider.
− In den Versorgungsämtern Rostock und Schwerin fehlten Dienstanweisungen über die Anordnungsbefugnis im Bereich Arbeitsmarktförderung.
− In den über die Schnittstelle an ProFiskal zu übergebenen Auszahlungsdateien
konnten alle Anordnungsfelder geändert werden. Der Zugriff auf diese Dateien
war nicht hinreichend eingeschränkt.
Die von ISAP an ProFiskal täglich zu übertragenden Auszahlungsdateien waren
weder durch Kontrollsummen abgesichert, noch wurden sie dokumentiert.
− Der Abgleich von finanziellen Daten zwischen ProFiskal und ISAP erfolgte lediglich einmal monatlich auf Grundlage von mit ISAP erstellten Statistiken, obwohl
dies nach der Dienstanweisung über die Anordnungsbefugnis wöchentlich erfolgen sollte. Von der Richtigkeit der ISAP-Statistiken konnte auf Grund der zurzeit
noch auftretenden häufigen Fehler nicht ohne weiteres ausgegangen werden.
(311)

Außerdem wurde bei der IT-gestützten Vorgangsbearbeitung ein unzureichendes
Antwortzeit-Verhalten festgestellt; im Versorgungsamt Neubrandenburg z. B. traten
in Einzelfällen systembedingte Wartezeiten von bis zu 15 % der Gesamtbearbei-

181
tungszeit eines Vorganges auf. Verzögerungen bei der Bearbeitung ergaben sich
auch daraus, dass bereits gespeicherte Antragsdaten in verschiedene Dokumente
(z. B. Prüf- und Bearbeitungsvermerke) nicht oder nur unvollständig automatisch
eingelesen wurden. Dies machte zeitaufwändige Ergänzungen notwendig.
(312)

Weil auf Grund des Standes der Einführung des ISAP-Verfahrens noch die Möglichkeit bestand, Verfahrensfehlentwicklungen gegen zu steuern und weil bei der Klärung von Schnittstellenproblemen wegen der Gefährdung der Kassensicherheit zudem Eile geboten war, hat der Landesrechnungshof bereits vor Abschluss der örtlichen Erhebungen das Arbeitsministerium und das Finanzministerium über diese
Feststellungen informiert.

(313)

In der Folge hat das Arbeitsministerium – in Abstimmung mit dem Finanzministerium – Probleme geklärt bzw. Maßnahmen zur Beseitigung von Fehlern oder zur
Gewährleistung der Datensicherheit eingeleitet.
Es hat zugleich „unter Berücksichtigung der komplizierten Einführungssituation und
der hohen Belastung, die sich daraus für alle Beteiligten ergibt“, den Landesrechnungshof um Aussetzung der Prüfung gebeten.

(314)

Der Landesrechnungshof hat angesichts der festgestellten inhaltlichen, organisatorischen und personellen Probleme, vor denen das Arbeitsministerium bei der Einführung des ISAP-Verfahrens steht, die eigentliche Prüfung des IT-Verfahrens ISAP am
21.12.2000 für einen noch unbestimmten Zeitraum ausgesetzt, nachdem wesentliche
Beanstandungen zur Verfahrenssicherheit geklärt waren.

(315)

Das Finanzministerium hat die Aufrechterhaltung seiner Einwilligung in das Verfahren ISAP am 28.11.2000 an die Bedingung geknüpft, dass das Arbeitsministerium
bis zum 31.12.2000
− einen automatisierten Datenabgleich zwischen den an ProFiskal übergebenen und
den von ProFiskal übernommenen Dateien realisieren wird;
− die Dienstanweisungen bezüglich der Befugnisse zur Feststellung der rechnerischen und sachlichen Richtigkeit und zur Anordnung der Zahlungen überarbeiten
wird.

182
Da am 2.1.2001 die Forderungen des Finanzministeriums nicht vollständig erfüllt
waren, hat es seine Einwilligung in den Einsatz des ISAP-Verfahrens zurückgezogen
und die Auszahlungen über die Schnittstelle ISAP – ProFiskal unterbrochen.
(316)

Das Arbeitsministerium hat mit Schreiben vom 8.1. und 30.1.2001 weitere Unterlagen vorgelegt und um „Freigabe der ISAP–ProFiskal–Verbindung im Haushaltsjahr
2001“ gebeten.
Das Finanzministerium hat – im Einvernehmen mit dem Landesrechnungshof – am
16.2.2001 nach Nr. 2.2 der Anlage 2 zu den VV zu § 79 LHO (HKR-ADV-Bestimmungen) in den Einsatz von Teilen des ISAP-Verfahrens vorbehaltlich der Vorlage
folgender Unterlagen bis zum 17.4.2001 eingewilligt:
− qualifizierte Freigabe des Verfahrens unter Angabe aller Module bzw. Verfahrens-teile in ihrer jeweiligen Programmversion,
− Zusammenfassung der Vorkehrungen gegen Verlust und unbefugte Veränderungen von Daten, ggf. in einem Sicherheitskonzept,
− Ergänzung der Dienstanweisungen um Festlegungen zu den Aufbewahrungsfristen für Informationen und Unterlagen gem. Anlage zu den VV zu § 71 LHO.

(317)

Der Landesrechnungshof wird – auf der Grundlage des jetzigen Standes der örtlichen
Erhebungen – seine Feststellungen und Beanstandungen zur Planung, Vorbereitung,
Einführung und Anwendung des IT-Verfahrens ISAP in Kürze dem Arbeitsministerium mitteilen.

(318)

Das Arbeitsministerium hat darauf hingewiesen, dass „bei der Einführung eines
solch komplizierten Systems das Auftreten von Softwarefehlern unvermeidlich ist.“
Die Probleme seien „zwischenzeitlich ... geklärt bzw. ... Maßnahmen zur Beseitigung
von Fehlern oder zur Gewährleistung der Datensicherheit eingeleitet worden.“

(319)

Die Ergebnisse der Prüfung des IT-Verfahrens ISAP, insbesondere auch der Schnittstelle zum HKR-Verfahren ProFiskal geben Veranlassung, die besondere Verantwortung des Finanzministeriums im Einwilligungsverfahren nach Nr. 2.2 der Anlage 2
zu den VV zu § 79 LHO hervor zu heben.
Es ist damit zu rechnen, dass IT-Verfahren, mit deren Hilfe Haushaltsmittel bewirtschaftet, Kassenanordnungen erteilt oder Beträge zahlbar gemacht werden sowie

183
Buch geführt oder Rechnung gelegt wird, zukünftig mit einer Schnittstelle zum
HKR-Verfahren ProFiskal ausgestattet werden. Ordnungsmäßigkeit und Sicherheit
dieser Verfahren berühren deshalb in einem wachsenden Maße die Verfahrenssicherheit von ProFiskal und letztendlich die Kassensicherheit.
(320)

Das Finanzministerium ist für die Gewährleistung von Ordnungsmäßigkeit und Sicherheit des HKR-Verfahrens ProFiskal verantwortlich. Es darf sich deshalb auch
nicht unter Verweis auf die Verantwortung der zuständigen Ministerien für die Wirtschaftlichkeit, Ordnungsmäßigkeit und Sicherheit der IT-Verfahren und insbesondere
für die Richtigkeit der Programme darauf zurück ziehen, im Einwilligungsverfahren
lediglich zu prüfen, ob die Ressorts die Erfüllung der Mindestanforderungen nach
Nr. 3 HKR-ADV-Best zugesichert haben.

(321)

Aus der dem Finanzministerium obliegenden besonderen Sorgfaltspflicht ergibt sich,
dass es sich im Einwilligungsverfahren nach Anlage 2 der VV zu § 79 LHO nicht
nur darauf beschränken darf abzugleichen, ob das zuständige Ressort die Verfahrensunterlagen des vorgelagerten IT-Verfahrens komplett vorgelegt hat und ob diese
– gemessen an den Mindestanforderungen nach Nr. 3 – schlüssig sind.
Vielmehr muss angesichts der angetroffenen grundlegenden Probleme bei Einführung dieser IT-Verfahren erwartet werden, dass sich das Finanzministerium frühzeitig an Verfahrenstests beteiligt und dass es – über die Plausibilität hinaus – prüft, ob
die besonderen Anforderungen an Ordnungsmäßigkeit und Sicherheit der Schnittstellenverfahren erfüllt sind.

(322)

Dies setzt voraus, dass die Ressorts das Finanzministerium rechtzeitig über IT-Vorhaben nach Nr. 1 HKR-ADV-Best in Kenntnis setzen und ihm die Unterlagen für das
Einwilligungsverfahren so frühzeitig übermitteln, dass es sowohl an Tests teilnehmen, die Unterlagen prüfen und damit ggf. die Gestaltung der Verfahren beeinflussen kann.
Das Finanzministerium muss dafür die notwendigen personellen Ressourcen zur
Verfügung halten.

184

Prüfung der Hansestadt Rostock

Die Finanzlage der Hansestadt Rostock ist angespannt. Der Haushaltsplan 2001 ist nicht ausgeglichen. Die Verschuldung hat sich gegenüber
1994 weiter erhöht.
Die Struktur der Verwaltung und des Haushalts
muss der veränderten Einwohnerzahl weiter angepasst werden.
Die wirtschaftliche Betätigung der Hansestadt
muss durch das Beteiligungscontrolling kritisch
begleitet werden.
Gebührenanpassungen wurden nicht im erforderlichen Maß vorgenommen.
Die Abfallgebühren sind fehlerhaft berechnet
worden.

(323)

Der Landesrechnungshof hat die Hansestadt Rostock geprüft. Prüfungsschwerpunkte
waren die Haushalts- und Finanzwirtschaft, die kostenrechnenden Einrichtungen, die
Verwaltungsorganisation, das Personalwesen und das Beschaffungswesen. Ein weiterer Prüfungsgegenstand war die Prüfung der Abfallbeseitigung, die im Rahmen einer Querschnittsprüfung auch bei anderen Versorgungsträgern durchgeführt wurde
(vgl. Tzn. 335, 336).
Die Prüfung hatte im Wesentlichen folgende Ergebnisse:

Haushalts- und Finanzwirtschaft
(324)

Die allgemeine Haushalts- und Finanzlage der Hansestadt Rostock ist angespannt.
Die stabile Haushaltssituation der Jahre 1995 und 1996 besteht nicht mehr, lediglich
durch lang andauernde Haushaltssperren in den Jahren 1997 und 1998 konnten ausgeglichene Jahresabschlüsse erreicht werden.

185
Der Haushalt 1999 wies infolge Mindereinnahmen bei den Finanzzuweisungen und
erheblichen Mehrbelastungen bei unabweisbaren Ausgaben einen Fehlbedarf von
37 Mio. DM (18,9 Mio. €) aus. Gemäß § 43 Abs. 3 KV M-V hätte deshalb von der
Bürgerschaft ein Haushaltssicherungskonzept beschlossen werden müssen. Das ist
nicht geschehen, obwohl die mittelfristige Finanzplanung bis 2002 für alle Jahre
Fehlbedarfe ausweist und die Verwaltung ein entsprechendes Konzept vorgelegt hat.
Auch durch den ausgeglichenen Nachtragshaushalt 1999 wurde die Finanznot der
Hansestadt Rostock nicht beseitigt. Soweit bisher absehbar, wird zwar auch das
Haushaltsjahr 2000 ohne Fehlbetrag abschließen, dennoch konnte für 2001 kein ausgeglichener Haushalt aufgestellt werden.
Ein Haushaltssicherungskonzept muss von der Bürgerschaft beschlossen werden,
wenn ein Haushaltsausgleich nicht erreicht werden kann. Es ist eine wesentliche
Voraussetzung für die Wiedergewinnung einer stabilen Finanzlage.
Ein langfristig gesicherter und geordneter Haushalt ist für die Schaffung eines dauerhaften und echten Finanzspielraums unabdingbar. Dafür müssen vorhandene Reserven in der Haushaltswirtschaft genutzt, die Verwaltungsstruktur optimiert und der
Personalbestand dem Bedarf weiter angepasst werden. Weiterhin muss die Ausgabenstruktur des Verwaltungshaushaltes der veränderten Einwohnerzahl und der damit verbundenen schlechteren Finanzausstattung Rechnung tragen. Bei freiwilligen
Leis-tungen sollten unter Ansatz strenger Maßstäbe Prioritäten gesetzt und noch vorhandene Einnahmemöglichkeiten ausgeschöpft werden.
(325)

Am Ende des Haushaltsjahres 1999 beliefen sich die Schulden der Hansestadt Rostock aus Krediten auf rd. 272,9 Mio. DM (rd. 139,5 Mio. €), dazu kommen
rd. 14,1 Mio. DM (rd. 7,2 Mio. €) aus Vorgängen, die Kreditaufnahmen wirtschaftlich gleichkommen (Leasingverträge). Damit hat sich die Verschuldung gegenüber
199412 um rd. 73,3 Mio. DM (rd. 37,5 Mio. €) erhöht. Dementsprechend ist auch der
Schuldendienst von rd. 12,2 Mio. DM (rd. 6,2 Mio. €) um rd. 10 Mio. DM
(rd. 5,1 Mio. €) (rd. 82 %) auf rd. 22,2 Mio. DM (rd. 11,4 Mio. €) gestiegen.
Die Hansestadt Rostock sollte weitere Kredite nur sehr zurückhaltend aufnehmen.

12

letzte Prüfung des Landesrechnungshofes

186
Die Hansestadt Rostock wendet ein, dass sie im Vergleich zu Städten entsprechender
Größenordnung eine geringere Pro-Kopf-Verschuldung ausweist, die sich von
1.568 DM (802 €) 1998 auf 1.388 DM (710 €) 1999 reduziert hat.
(326)

Bis Ende 1999 hatte die Hansestadt Rostock Bürgschaften für Kredite in Höhe von
rd. 167,8 Mio. DM (rd. 85,8 Mio. €) übernommen und damit indirekt ihre wirtschaftliche Betätigung ohne das dafür eigentlich notwendige Kapital erheblich ausgedehnt.
Das kommunale Bürgschaftsrisiko muss auf ein Minimum begrenzt werden. Außerdem sollten gemäß § 19 Abs. 3 Nr. 2 GemHVO der allgemeinen Rücklage Mittel zugeführt werden, um bei einer Inanspruchnahme aus Bürgschaften die laufende Aufgabenerfüllung nicht zu beeinträchtigen.
Die Hansestadt Rostock hat ihre Geschäftsanweisung für die Übernahme von Bürgschaften überarbeitet, um das Bürgschaftsrisiko auf ein Minimum zu begrenzen.

(327)

Die Hansestadt Rostock hat in den letzten Jahren sehr hohe Haushaltsausgabereste
im Vermögenshaushalt in die Folgejahre übertragen. Ende 1999 waren dies
rd. 97 Mio. DM (rd. 50 Mio. €). Bei einzelnen Vorhaben erfolgte diese Übertragung
über mehrere Haushaltsjahre. Haushaltsausgabereste sind im neuen Haushaltsjahr
zusätzliche Ausgabeermächtigungen. Deren Deckung muss, wenn keine ausreichenden Haushaltseinnahmereste vorhanden sind, aus Einsparungen des laufenden Haushaltsjahres erfolgen.
Die Hansestadt Rostock führt hierzu aus, dass Deckungsquellen in jedem Fall vorhanden sind und eine Deckung nicht aus Einsparungen des laufenden Haushaltsjahres vorgenommen werden musste.
Gleichwohl sind Investitionen nach dem Grundsatz der Kassenwirksamkeit (§ 6
Abs. 1 GemHVO) nicht mit dem Gesamtbetrag, sondern mit der jeweiligen Jahresrate zu veranschlagen. Im Übrigen sind Verpflichtungsermächtigungen auszubringen.
Danach dürfen insbesondere Ausgaben für Baumaßnahmen erst nach vollständiger
Vorlage der Planungsunterlagen und Kostenberechnung in nur der tatsächlich benötigten Höhe veranschlagt werden (§ 9 Abs. 3 GemHVO).

187
(328)

Die Jahresrechnungen 1997 und 1998 sind falsch.
Um 1997 ein ausgeglichenes Rechnungsergebnis des Gebührenhaushaltes Abfallbeseitigung mit einem kleinen Überschuss von rd. 0,2 Mio. DM (rd. 0,1 Mio. €) zu erhalten, wurden vor Erstellung des Jahresabschlusses Benutzungsgebühren für die
Abfallbeseitigung in Höhe von rd. 2,4 Mio. DM (rd. 1,2 Mio. €) zum Soll gestellt,
ohne dass hierfür entsprechende Gebührenbescheide ergingen. Bemerkenswert ist,
dass auch kein Rechtsgrund für derartige Gebührenbescheide bestand. Gleichzeitig
wurde ein entsprechender Kasseneinnahmerest gebildet und in das Folgejahr 1998
übertragen.
Durch diese Maßnahmen sollte offensichtlich der Eindruck eines ausgeglichenen
Gebührenhaushaltes erweckt werden.
Dieses Verfahren wurde 1998 fortgesetzt, folglich ist auch der Jahresabschluss 1998
falsch. Da für die Deckung des Kasseneinnahmerestes Gebührenschuldner nicht vorhanden waren, erfolgte eine Entnahme aus der Gebührenausgleichsrücklage. Weil
aber der Bestand der Gebührenausgleichsrücklage nicht ausreichte, wies das Rücklagenkonto einen Minusbetrag aus.
Diese Entnahme aus der Rücklage war unzulässig. Jahresabschlüsse müssen wahr
und in sich schlüssig sein. Der Gebührenhaushalt 1997 hätte einen Fehlbetrag ausweisen müssen.
Die Hansestadt Rostock hat die Hinweise des Landesrechnungshofes inzwischen berücksichtigt.

Wirtschaftliche Betätigung
(329)

Das Beteiligungscontrolling hat das finanzielle Engagement der Hansestadt Rostock
vor dem Hintergrund der angespannten Finanzlage nicht mit der nötigen Konsequenz
kritisch begleitet. Das im April 2000 eingeführte Finanzcontrolling zur Steuerung der
Beteiligungsunternehmen muss durchgesetzt und ständig aktualisiert werden.
Darüber hinaus sollten Vertreter der Hansestadt in den Organen der Unternehmen
konsequent Einfluss nehmen, um das Verhältnis der Zuschusszahlungen zu den
Gewinnanteilen zu verbessern.

188
Wirtschaftliche Unternehmen sind nach § 75 Abs. 1 KV M-V so zu führen, dass der
öffentliche Zweck erfüllt wird. Sie sollen einen Ertrag für den Haushalt der Stadt
abwerfen. Darüber hinaus sollen Rücklagen gebildet und das Eigenkapital angemessen verzinst werden. Diese Forderungen wurden bisher nicht erfüllt.
Bis 1998 flossen von den Beteiligungsunternehmen weniger als 1 % der Zuschüsse
als Leistungen an die Stadt zurück. Erst 1999 zeigte sich eine Veränderung. Die Zuschüsse reduzierten sich auf rd. 21,6 Mio. DM (rd. 11 Mio. €), die Rückflüsse („Gewinnanteile“) der Hansestadt Rostock erhöhten sich auf rd. 5,4 Mio. DM
(rd. 2,8 Mio. €), das sind 25,0 % der geleisteten Zuschüsse. Die Verringerung des
Zuschussbedarfes ist insbesondere durch Einsatz von Erlösen aus Anteilsverkäufen
ermöglicht worden.
Die Hansestadt Rostock weist darauf hin, dass die Entwicklung auch ohne diese
Sondereinflüsse positiv ist, die sich insbesondere in den Zahlen des Jahres 2000
widerspiegelt. Im Haushaltsjahr 2000 war nur noch ein Zuschuss von rd. 40,1
Mio. DM (rd. 20,5 Mio. €), 1998 rd. 40,7 Mio. DM (rd. 20,8 Mio. €), erforderlich.
Demgegen-über war 2000 jedoch eine Gewinnabführung von rd. 12,6 Mio. DM (rd.
6,4 Mio. €) zu verzeichnen.
(330)

Die Hansestadt Rostock ist im Jahr 2003 Gastgeberin der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA). Für das Gesamtvorhaben IGA sind Aufwendungen einschließlich
der Zuschüsse für Investitionen von rd. 322,8 Mio. DM (rd. 165 Mio. €) erforderlich.
Ein Finanzierungskonzept für alle die IGA betreffenden Finanzvorgänge konnte bisher nicht vorgelegt werden. Angesichts der angespannten finanziellen Lage ist ein
solches Finanzkonzept, das den Zuschussbedarf auf ein für den Haushalt der Hansestadt tragbares Maß begrenzt, unbedingt erforderlich.
Inzwischen wurde zur Sicherstellung der Finanzierung der Vorbereitung, Durchführung und Abwicklung der IGA 2003 ein Darlehensvertrag zwischen der Hansestadt
Rostock und der IGA Rostock 2003 GmbH abgeschlossen, der am 20.12.2000 vom
Innenministerium als Rechtsaufsichtsbehörde genehmigt wurde.
Ergänzend wurde eine Zahlungsvereinbarung zur Regelung der Beantragung und
Zahlung der finanziellen Mittel abgeschlossen.

189
(331)

Seit dem 3.4.1998 ist das „Klinikum Südstadt Rostock“ ein Eigenbetrieb der Hansestadt Rostock.
1998 hat das Klinikum entgegen dem ausgeglichenen Wirtschaftsplan erstmals mit
einem Fehlbetrag von rd. 2,3 Mio. DM (rd. 1,2 Mio. €) abgeschlossen, 1999 betrug
der Fehlbetrag rd. 1,8 Mio. DM (rd. 0,9 Mio. €). Diese Entwicklung setzt sich fort,
auch das Jahr 2000 wird mit einem Fehlbetrag abschließen und der Wirtschaftsplan
2001 weist einen Fehlbedarf von 2 Mio. DM (1,02 Mio. €) aus.
Nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz werden die Krankenhäuser wirtschaftlich durch öffentliche Fördermittel für die Investitionskosten und die Pflegesätze gesichert.
Die Hansestadt Rostock muss darauf hinwirken, dass die Verluste des Klinikums
soweit wie möglich minimiert werden. Die Beteiligungsverwaltung sollte hierfür
Vorgaben entwickeln und die Kosten- und Einnahmeentwicklung kontinuierlich analysieren. Außerdem sollte geprüft werden, ob durch Veräußerung an einen privaten
oder freien Träger bessere wirtschaftliche Ergebnisse erreicht werden können.
Die Hansestadt Rostock hat eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit der Überführung des Klinikums in eine andere Eigentumsform befasst.

Kostenrechnende Einrichtungen
(332)

Die kostenrechnenden Einrichtungen einschließlich der Straßenreinigung haben mit
Ausnahme des Rettungsdienstes Verluste erwirtschaftet. Sie belasteten den städtischen Haushalt 1997 mit rd. 42,9 Mio. DM (rd. 21,9 Mio. €), 1998 mit rd.
42,2 Mio. DM (rd. 21,6 Mio. €) und 1999 mit rd. 39,4 Mio. DM (rd. 20,1 Mio. €).
Gemäß § 6 Abs. 1 Kommunalabgabengesetz soll das Gebührenaufkommen die voraussichtlichen Kosten der Einrichtung decken. So weit der Gebührenhaushalt des abgelaufenen Jahres eine Unter- oder Überdeckung aufweist, kann diese zwar gemäß
§ 6 Abs. 2 KAG in einem Zeitraum von drei Jahren ausgeglichen werden. Wenn dies
nicht möglich ist, sind Gebührenanpassungen notwendig. Diese sind nicht in dem erforderlichen Maß erfolgt.
Auch die Entwicklung der Ausgaben bei den kostenrechnenden Einrichtungen ist unter Berücksichtigung der Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit kritisch

190
zu prüfen. Außerdem muss der Grundsatz der Einnahmebeschaffung gemäß § 44
Abs. 2 KV M-V mehr Beachtung finden.
Die Hansestadt Rostock wird prüfen, inwieweit die 1996 getroffenen Festlegungen
zu den kostenrechnenden Einrichtungen überarbeitet bzw. ergänzt werden müssen.
Zur Einführung der Kosten- und Leistungsrechnung wird eine Geschäftsanweisung
erarbeitet, die die Grundsätze der Betriebsabrechnung und alle damit im Zusammenhang stehenden Fragen enthalten soll.
(333)

Das Volkstheater Rostock betreibt die Sparten Musiktheater, Tanztheater, Schauspiel/Puppentheater und Norddeutsche Philharmonie. Unter Berücksichtigung der
Zuweisungen des Landes betrug 1998 der Zuschuss je Besucher des Volkstheaters
durchschnittlich 266,96 DM (136,49 €).
Die Bürgerschaft hat trotz der schlechten Finanzlage die Weiterführung aller Sparten
beschlossen. Um die Aufwendungen für das Theater weiter finanzieren zu können,
muss ein Konzept zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit entwickelt werden. Dabei
darf auch der größte Ausgabeblock, die Personalausgaben, nicht außer Betracht bleiben. Die personalintensivste Einrichtung ist die Norddeutsche Philharmonie. Sie ist
als
A-Orchester mit 102 Musikerstellen eingestuft. Neun dieser Stellen unterliegen einer
Besetzungssperre, die Norddeutsche Philharmonie ist also faktisch ein B-Orchester.
Die Einstufung als A-Orchester hat auch erhöhte Personalaufwendungen für die Mitglieder von Chor und Ballett zur Folge. Durch eine Umstufung könnten langfristig
Personalausgaben eingespart werden. Bereits im Jahresbericht 1995 (Tz. 269) wurde
auf diese Situation hingewiesen.
Die Hansestadt Rostock wird die Stellenbemessung und die Entwicklung der Personalausgaben am Volkstheater Rostock u. a. zum Gegenstand eines noch zu beschließenden Haushaltskonsolidierungskonzeptes machen.

(334)

Zum Prüfungszeitpunkt hatte die Hansestadt Rostock noch neun städtische Kindertageseinrichtungen. Der Zuschussbedarf ist sehr hoch. Nur eine Kindertagesstätte erreichte einen Kostendeckungsgrad von rd. 60 %. Die freien Träger arbeiten wesentlich kostengünstiger. Die Gründe dafür liegen vor allem im Bereich der Personalkosten, die weit höher als die Regelkosten sind. Hier spiegelt sich ein offensichtlicher
Stellenüberhang wider.

191
Zwischenzeitlich hat die Bürgerschaft beschlossen, die für die Deckung des Bedarfes
an Kinderbetreuungsplätzen erforderlichen sechs kommunalen Kindertageseinrichtungen und Horte bis 30.6.2001 in freie Trägerschaft zu überführen. Außerdem ist
die Schließung von zwei nicht ausgelasteten Kindertagesstätten beschlossen worden.

Abfallwirtschaft
(335)

Die Hansestadt Rostock bedient sich zur Durchführung der Abfallentsorgung überwiegend der Eigengesellschaft Stadtentsorgung Rostock GmbH. Entgelte für in Anspruch genommene Fremdleistungen sind gemäß § 6 Abs. 2 KAG grundsätzlich betriebsbedingt und nur dann ansatzfähig, wenn sie für die Leistungserbringung erforderlich sind.
Die in die Gebührenkalkulation eingestellten Leistungsentgelte der Stadtentsorgung
Rostock GmbH waren auf Grund erhöhter Abschreibungen von rd. 4,8 Mio. DM
(rd. 2,5 Mio. €) zu hoch. Darüber hinaus waren Gewinnaufschläge zur langfristigen
Sicherung des Unternehmens vereinbart, die nicht erforderlich waren und zu einer
Mehrbelastung von rd. 9,3 Mio. DM (rd. 4,8 Mio. €) führten.
Insgesamt wurde von 1994 bis 1999 ein überhöhter Betrag von rd. 14,1 Mio. DM
(rd. 7,3 Mio. €) auf die Gebührenzahler abgewälzt.
Die Hansestadt führt in ihrer Stellungnahme aus, dass die Leistungsentgelte der
Stadtentsorgung Rostock GmbH seit der Kalkulation 2000 auf angemessenen Abschreibungssätzen beruhen. Eine Rückforderung für die in der Vergangenheit zu
hoch geleisteten Entgelte von der Stadtentsorgung Rostock GmbH wird unter Berücksichtigung bereits an die Hansestadt ausgeschütteter Gewinne geprüft.
Die Hansestadt hält die mit der Stadtentsorgung Rostock GmbH vereinbarten kalkulatorischen Gewinne für angemessen.
Die Stadtentsorgung Rostock GmbH ist in der kommunalen Abfallentsorgung nur
geringen wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt. Bei einer Eigengesellschaft sind
Gewinnaufschläge zur langfristigen Sicherung des Unternehmens nicht notwendig.
Es fehlt an der gebührenrechtlichen Erforderlichkeit.

(336)

Erst seit Inkrafttreten des KAG konnten Benutzungsgebühren erhoben und damit erst
für die ab 1991 deponierten Abfälle Rücklagen für die Rekultivierung und Nachsor-

192
ge von Deponien gebildet werden. Gebühren dürfen nur an den Kosten bemessen
werden, die dem jetzigen Benutzer auch zum Vorteil gereichen. Insofern hätten die
Kos-ten der Nachsorge, die auf die vor Inkrafttreten des KAG deponierten Abfallmengen entfallen, bei der Ermittlung der notwendigen Rückstellungen außer Betracht bleiben müssen. Die Hansestadt Rostock hat Kostenansätze auch für die Abfallmengen aus den Jahren 1976 bis 1990 gebildet und damit seit 1991
rd. 26,9 Mio. DM (rd. 13,8 Mio. €) zu viel an Gebühren erhoben.
Nach Auffassung der Hansestadt sind die Rückstellungen in dieser Höhe rechtens, da
weder das KAG noch das AbfAlG derartige Festlegungen enthalten. Die Hansestadt
verkennt, dass gemäß § 6 Abs. 2 Satz 2 KAG die nach betriebswirtschaftlichen
Grundsätzen ansatzfähigen Kosten zu berücksichtigen sind. Die Kosten müssen sich
daher auf eine bestimmte Rechnungsperiode beziehen und leistungsbezogen sein.
Dagegen sind Aufwendungen für die Rekultivierung und Nachsorge zurückliegender
Rechnungsperioden kein leistungsbezogener Wertverzehr und keine Kosten der laufenden Rechnungsperiode, mithin keine Kosten im betriebswirtschaftlichen Sinne.

Verwaltungsorganisation
(337)

Die Bürgerschaft der Hansestadt Rostock versteht sich als örtliches Parlament, als
Organ der Legislative, das der hauptamtlichen Verwaltung mit dem Oberbürgermeister an der Spitze gegenübersteht.
Das kommunale Verfassungsrecht versteht unter kommunaler Selbstverwaltung jedoch die gemeinschaftliche Verantwortung von Gremien der Selbstverwaltung und
der hauptamtlichen Verwaltung für die Regelung gebietsbezogener Aufgaben zum
Wohle der örtlichen Gemeinschaft. Sie stellt sich somit als institutionelle Einheit dar,
in der beide Bereiche gemeinsam, nicht konkurrierend, ihre öffentlichen Aufgaben
erfüllen.
Das richtige kommunalverfassungsrechtliche Selbstverständnis von Bürgerschaft und
Verwaltung ist eine Grundvoraussetzung für ein effektives Zusammenwirken aller
Beteiligten.
Durch Klarstellung der Rechtslage und andere geeignete Maßnahmen sollte – auch
gegenüber der Öffentlichkeit und den Medien – darauf hingewirkt werden, dass der
falsche Eindruck über die Stellung der kommunalen Organe ausgeräumt wird.

193
(338)

Aufgrund der Hauptsatzung wurden neben dem Hauptausschuss neun beratende Ausschüsse gebildet.
Zur Straffung der Ausschussarbeit könnten artverwandte Aufgaben in den Ausschüssen zusammengefasst und ihre Anzahl reduziert werden.
Nach der nächsten Kommunalwahl wird der Oberbürgermeister den zuständigen
Gremien empfehlen, hierüber zu befinden.

(339)

Die Hansestadt Rostock gliedert sich in 31 Ortsteile. Es wurden gemäß § 42
Abs. 1 KV M-V 19 Ortsbeiräte als Ortsteilvertretungen gebildet.
Es liegt im Ermessen der Stadt, ob und in welcher Anzahl Ortsteilvertretungen gebildet werden. Eine Verpflichtung hierzu besteht nicht.
Die Einrichtung von insgesamt 19 Ortsteilvertretungen ist sehr großzügig und mit einer erheblichen Belastung für die Stadt verbunden. Städte mit vergleichbarer Einwohnerzahl, aber auch größere Städte, haben in der Regel sehr viel weniger Ortsteilvertretungen. Die Hansestadt sollte prüfen, ob die Zahl der Ortsteilvertretungen deutlich reduziert werden kann. Sinnvoll erscheint eine Anpassung an die Zahl der Ortsamtsbereiche.
Die Hansestadt Rostock sieht in der jetzigen Anzahl von 19 Ortsteilvertretungen bereits eine Zusammenfassung. Eine Änderung des derzeitigen Zustandes ist nicht beabsichtigt.
Die 31 Ortsteile der Hansestadt Rostock sind zu acht Ortsamtsbereichen zusammengefasst worden, in denen sich jeweils ein Ortsamt befindet.
Ortsämter sollen bürgernahe Außenstellen der Verwaltung sein. Neben den gesetzlichen Pflichtaufgaben sind sie zuständig für die allgemeine Beratung und Information
der Einwohner und Einwohnerinnen. Sie nehmen Anregungen und Beschwerden der
Einwohner und Einwohnerinnen entgegen. Neben den Ortsämtern bestehen auch
noch zwei Außenstellen der Stadtverwaltung für das Einwohnerwesen, zwei für die
Sozialhilfe außerhalb geschlossener Einrichtungen und sechs Außenstellen mit Sozialarbeitern des Jugendamtes für Aufgaben der Erziehungshilfe.
Die Aufgabenbereiche der Ortsämter sollten mit dem Ziel erweitert werden, für publikumsintensive Verwaltungsangelegenheiten im gesamten Stadtgebiet acht ortsnahe
Bürgerbüros zu bilden.

194
Es ist jedoch unverständlich, dass andere Außenstellen der Verwaltung, wie z. B.
Teile der Meldebehörde oder Aufgabenbereiche aus dem Sozial- oder Jugendamt,
nicht in die Bürgerbüros integriert werden sollen.
Die Hansestadt Rostock wird mit der geplanten Umsetzung der Konzeption, Ortsamt
2000, Aufgaben des Einwohnerwesens in die Ortsämter integrieren. Die Übertragung
weiterer publikumswirksamer Fachaufgaben in die Ortsämter ist konkret geplant.
(340)

Die Verwaltung der Hansestadt gliedert sich in sechs Senatsbereiche, fünf werden
von Beigeordneten geleitet. Einem Geschäftsbereich steht der Oberbürgermeister
vor.
Angesichts der stetig sinkenden Einwohnerzahlen (202.025 Einwohner, Stand
30.6.2000) ist damit zu rechnen, dass die Zahl von 200.000 Einwohnern unterschritten wird. Wenn dies eintritt und die Amtszeit der Beigeordneten abgelaufen ist, stehen der Hansestadt neben dem Oberbürgermeister nur noch vier Beigeordnete zu
(§ 40 Abs. 4 KV M-V). Dann müssen auch die Senatsbereiche auf fünf reduziert
werden.
Weiterhin werden straffere Stellenpläne erforderlich und ein verringerter Rahmen bei
der Stellenbewertung anzuwenden sein. Bei Überlegungen zur künftigen Verwaltungstruktur sollte dies schon jetzt berücksichtigt werden.
Die künftige Senatsstruktur wird zu gegebener Zeit von der Bürgerschaft beraten
werden. Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung steht auch die Verwaltungsstruktur
und Stellenbewertung auf dem Prüfstand.

(341)

Die Hauptsatzung sieht die Bestellung eines/r hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten, Ausländerbeauftragten und Behindertenbeauftragten vor. Organisatorisch
sind die sogenannten „Büros“ der Beauftragten dem Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters zugeordnet. Der Gleichstellungs- und dem Behindertenbeauftragten sind
laut Stellenplan 1,5 Sachbearbeiterstellen zugewiesen, dem Ausländerbeauftragten
lediglich eine. Es ist vorgesehen, auch hier eine Erhöhung auf 1,5 Sachbearbeiterstellen vorzunehmen.
Mit Ausnahme der Gleichstellungsbeauftragten (§ 41 KV M-V) bestehen für die Bestellung von Beauftragten für bestimmte Aufgaben in der Kommunalverwaltung keine zwingenden Gründe.

195
Angesichts der finanziellen Situation ist nicht ersichtlich, warum die zuständigen Fachämter nicht in der Lage sein sollen, die Aufgaben dieser Beauftragten selbst zu erledigen.
Die bereits 1994 ausgesprochene Empfehlung, die Aufgaben der Ausländerbeauftragten sowie des Behindertenbeauftragten auf die zuständigen Fachämter zurück zu
übertragen und auf die Bestellung derartiger Beauftragter zu verzichten, wird mit
Nachdruck wiederholt. Die entsprechenden Sachbearbeiterstellen können gestrichen
werden.
Die Hansestadt Rostock wird im Zusammenhang mit der Haushaltskonsolidierung
auch die Organisationsbereiche der Ausländer- und Behindertenbeauftragten mit dem
Ziel eines Stellenabbaus überprüfen. Ob künftig auf den Ausländer- bzw. Behindertenbeauftragten verzichtet werden soll, blieb offen.

Stellenbewertung
(342)

Die Höhe der Personalausgaben wird von der richtigen Eingruppierung bzw. Einstufung der Mitarbeiter beeinflusst. Sie liegen bei der Hansestadt Rostock in der Regel
an der Obergrenze des für Städte der derzeitigen Gemeindegrößenklasse liegenden
Rahmens. Das Innenministerium hat bereits mehrfach auf einige seiner Ansicht nach
zu hohe Bewertungen hingewiesen und eine Überprüfung gefordert. Trotzdem kam
es zu keiner Änderung der kritisierten Stellenbewertungen.
Eine Überprüfung der Eingruppierungen bzw. Einstufungen der Mitarbeiter der
Verwaltung ist notwendig. Dies gilt vor allem dann, wenn durch verwaltungsorganisatorische Maßnahmen Umstrukturierungen in den Fachämtern erforderlich werden,
die wiederum Auswirkungen auf die Stellenbewertungen haben können. Aber auch
die ständig sinkende Einwohnerzahl hat Auswirkungen auf die Stellenbewertung,
denn die Hansestadt Rostock wird in absehbarer Zeit einer anderen Gemeindegrößenklasse angehören, die nur einen geringeren Rahmen für die Stellenbewertung und
Stellenbemessung zulässt.
Die Hansestadt Rostock vertritt die Auffassung, dass durch den kontinuierlichen
Stellenabbau in den letzten Jahren Aufgaben an wenigen Stellen gebündelt werden
mussten, womit häufig eine höhere Wertigkeit der Stellen verbunden war, sodass aus
diesem Grund nicht von einer überhöhten Bewertung ausgegangen werden kann. Sie

196
räumt ein, dass die Überprüfung der Eingruppierungen bzw. Einstufungen ein fortlaufender Prozess ist und festgestellte überhöhte Bewertungen korrigiert werden.

Vergabe von Lieferungen und Leistungen nach VOL
(343)

Bei der Prüfung von Vergabeverfahren für Lieferungen und Leistungen wurden
Form- und Verfahrensfehler festgestellt.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

197

Prüfung der Zweckverbände Studieninstitut
für kommunale Verwaltung in Mecklenburg und in Vorpommern

Die Studieninstitute in Mecklenburg und in Vorpommern haben die Aufgabe, die Dienstkräfte
der Landkreise, Städte, Gemeinden und Gemeindeverbände in ihrem Verbandsgebiet aus- bzw.
fortzubilden.
Bestrebungen zu einem Zusammenschluss sollten
mit Nachdruck fortgesetzt und zum Abschluss
gebracht werden. Darüber hinaus sollte geprüft
werden, ob durch eine Zusammenlegung der
kommunalen Studieninstitute mit der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege Rationalisierungseffekte erreicht werden
können.

(344)

Der Landesrechnungshof hat die Zweckverbände
− Studieninstitut Mecklenburg mit Sitz in Malchin und
− Studieninstitut Vorpommern mit Sitz in der Hansestadt Greifswald
geprüft. Untersucht wurden vor allem die Organisation, die Haushalts- und Finanzwirtschaft, das Personalwesen und die Aufgabenerfüllung.

(345)

Die Zweckverbände haben die Aufgabe, die Dienstkräfte der Landkreise, Städte,
Gemeinden und Gemeindeverbände in ihren Verbandsgebieten aus- und fortzubilden. Hierfür wurden Studieninstitute in Malchin (für Mecklenburg) und in Greifswald (für Vorpommern) gegründet, die die Grundlagenfortbildung in Form von Angestelltenlehrgängen I und II und Fortbildungsseminare einschließlich hausinterner
Seminare anbieten.
Weiterhin sind die Studieninstitute zuständige Stelle im Sinne des § 84 Abs. 1 und 2
Berufsbildungsgesetzes, sie haben damit für den Ausbildungsberuf Verwaltungsan-

198
gestellte/r die Kammerfunktion. Sie führen die Berufsausbildungsverzeichnisse, beraten die Kommunen in Fragen der Ausbildung, bereiten die Auszubildenden im
Rahmen der dienstbegleitenden Unterweisung auf die Zwischen- und Abschlussprüfung vor, nehmen die Prüfungen ab und führen Lehrgänge für Ausbilder durch und
nehmen die Prüfungen nach der Ausbilder-Eignungsverordnung ab.
(346)

An der Fachhochschule des Landes für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in
Güstrow werden neben der Laufbahnausbildung für den gehobenen Dienst Beamte
des mittleren Dienstes für die Kommunal- und Landesverwaltung und vergleichbare
Verwaltungsfachangestellte für die Landesverwaltung ausgebildet. Außerdem ist sie
für die Fortbildung der Beamten und Angestellten des Landes zuständig.

(347)

Der Bedarf an Angestelltenlehrgängen I und II war in den ersten Jahren sehr hoch,
seit 1995 bzw. 1996 sinkt die Nachfrage nach dieser Anpassungsfortbildung:
Studieninstitut Mecklenburg
Jahr

Studieninstitut Vorpommern

Angestellten-

Angestellten-

Angestellten-

Angestellten-

lehrgang I

lehrgang II

lehrgang I

lehrgang II

Anzahl

Teil-

Anzahl

nehmer

Teil-

Anzahl

nehmer

Teil-

Anzahl

nehmer

Teilnehmer

1993

25

700

0

0

3

85

3

59

1994

30

840

10

260

7

161

2

45

1995

27

756

8

208

9

226

4

95

1996

13

346

10

260

5

121

1

23

1997

13

257

7

147

7

168

1

13

1998

11

240

5

107

3

91

6

149

Tab. 21: Teilnahme an den Angestelltenlehrgängen I und II

Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

199
(348)

Bei den Fortbildungsseminaren war eine steigende Nachfrage zu verzeichnen:
Studieninstitut Meck-

Studieninstitut Vor-

lenburg

pommern

Jahr

Mecklenburg

Fortbildungsseminare
Anzahl Teilnehmer

Anzahl

Studieninstitut Studieninstitut
Vorpommern

Auszubildende
Teilnehmer

Verwaltungsfachangestellte

1995

98

2.138

77

1.872

105

49

1996

148

2.968

111

2.284

132

55

1997

160

3.666

103

2.452

119

73

1998

170

3.161

144

3.346

114

71

Tab. 22: Teilnahme an Fortbildungsseminaren

Die Zahl der Auszubildenden war bis 1998 an beiden Studieninstituten rückläufig.
Bemerkenswert ist, dass die Kommunalverwaltungen deutlich über den eigenen Bedarf hinaus ausbilden.
(349)

Der Umfang der Verwaltungshaushalte der Studieninstitute hat sich wie folgt entwickelt:
Studieninstitut Mecklenburg
Jahr
1993

1994

1995

1996

1997

1998

Studieninstitut Vorpommern

Einnahmen
in DM
in €
3.213.900,52

Ausgaben
in DM
in €
3.213.900,52

Einnahmen
in DM
in €
906.653,59

Ausgaben
in DM
in €
906.653,59

1.643.241,24

1.643.241.24

463.564.62

463.564,62

3.720.593,97

3.720.593,97

904.678,23

904.678,23

1.902.309,49

1.902.309,49

462.554,63

462.554,63

2.984.991,16

2.984.991,16

1.018.463,86

1.018.463,86

1.526.201,75

1.526.201,75

520.732,30

520.732,30

2.641.026,49

2.641.026,49

936.241,20

936.241,20

1.350.335,40

1.350.335,40

478.692,52

478.692,52

1.891.425,62

1.891.425,62

1.118.773,44

1.118.773,44

967.070,56

967.070,56

572.019,78

572.019,78

1.734.414,23

1.734.414,23

1.165.360,19

1.165.360,19

886.791,91

886.791,91

595.839,20

595.839,20

Tab. 23: Entwicklung der Verwaltungshaushalte der Studieninstitute

200
Das Studieninstitut Mecklenburg finanziert sich im Wesentlichen (rd. 70 %) durch
die Institutsgelder, das heißt Entgelte, die von den entsendenden Körperschaften für
die Teilnehmer an den Aus- und Fortbildungsveranstaltungen zu entrichten sind und
der Verbandsumlage (rd. 26 %).
Der Finanzbedarf des Studieninstitutes Vorpommern wird fast vollständig (rd. 91 %)
aus der Verbandsumlage gedeckt.
Die Personalausgaben bildeten den größten Ausgabeblock. Bei beiden Instituten betrugen 1998 die Personalausgaben rd. 73,8 % bzw. 64,8 % an den Gesamtausgaben
im Verwaltungshaushalt. Zum Zeitpunkt der Prüfung waren bei den Studieninstituten
insgesamt 15 Planstellen vorhanden, die auch besetzt waren. Inzwischen sind beim
Studieninstitut Mecklenburg zwei Planstellen abgebaut.
(350)

Die Vermögenshaushalte haben nur einen geringen Umfang, sie werden im Wesentlichen durch Entnahmen bzw. Zuführungen zur allgemeinen Rücklage bestimmt und
dienen vornehmlich der Finanzierung des Erwerbs von Ausstattungsgegenständen.

(351)

Es ist zweifelhaft, ob das bestehende System der Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Mecklenburg-Vorpommern noch zweckmäßig und
wirtschaftlich sinnvoll ist. Es erfordert von allen Beteiligten erhebliche finanzielle
Aufwendungen, die vermutlich bei einer Konzentration deutlich reduziert werden
könnten, ohne Umfang und Qualität der Aus- und Fortbildung zu beeinträchtigen.

(352)

Die Landesregierung hat in einem Konzept über Kosten senkende Strukturmaßnahmen im öffentlichen Dienst (Drs. 2/2297 vom 4.2.1997) u. a. die Erarbeitung von
Vorstellungen zur künftigen Nutzung der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung
und Rechtspflege in Güstrow sowie des angegliederten Verwaltungsinstitutes vorgeschlagen. In einem Positionspapier der Landesregierung zur Umsetzung Kosten senkender Strukturmaßnahmen vom 20.8.1996 wurde empfohlen, die Studieninstitute
für kommunale Verwaltung mit der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und
Rechtspflege zusammenzulegen.

(353)

Diese Vorschläge der Landesregierung, aber auch der rückläufige Bedarf an Angestelltenlehrgängen, haben intensive Diskussionen über die künftige Entwicklung der
Studieninstitute für kommunale Verwaltung ausgelöst.

201
(354)

Die mittelfristige organisatorische Entwicklung der beiden Studieninstitute war
mehrfach Gegenstand von Beratungen der Verbandsversammlungen beider Zweckverbände sowie der kommunalen Spitzenverbände. Hierbei wurde deutlich, dass
auch die kommunale Seite eine Fusion der beiden Studieninstitute grundsätzlich für
möglich hält.
Alle Beteiligten erachteten es zunächst für notwendig, dass folgende grundlegende
Punkte untersucht bzw. geklärt werden:
− genaue Analyse des Ist-Zustandes in den Studieninstituten,
− Festlegung der Anforderungen an ein zukünftiges Studieninstitut,
− Erarbeitung eines Finanzierungskonzeptes auf dieser Grundlage und
− Festlegung des Personalbedarfs für ein gemeinsames Studieninstitut.
Eine 1998 gebildete Arbeitsgruppe, die aus Vertretern der Mitglieder der Zweckverbände, den Studienleitern der Institute und Vertretern der Landesverbände bestand,
sollte sich mit dieser Problematik befassen.

(355)

Der Abschlussbericht dieser Arbeitsgruppe liegt inzwischen vor. Erarbeitet wurde
ein Modell eines gemeinsamen Studieninstitutes mit zehn Stellen. Die Finanzierung
sollte durch Umlagen und Entgelte für Lehrveranstaltungen erfolgen.
Mit dem Innenministerium wurden 1999 verschiedene Modelle für die Bildung eines
gemeinsamen kommunalen Studieninstitutes und rechtliche Probleme einer Fusion
erörtert.

(356)

Danach ist die Problematik offenbar nicht weiter verfolgt worden, obwohl nicht zuletzt im Hinblick auf die angespannte Finanzlage der Kommunen und des Landes alle Möglichkeiten der Rationalisierung auch im Bereich der Aus- und Fortbildung genutzt werden sollten. Es ist zweifelhaft, ob eine Zusammenlegung der Studieninstitute ernsthaft gewollt ist.
Die Zusammenlegung der Studieninstitute in Mecklenburg und in Vorpommern sollte mit Nachdruck weiter verfolgt werden. Darüber hinaus sollte mittelfristig auch die
Fusion der kommunalen Studieninstitute mit der Fachhochschule für öffentliche
Verwaltung und Rechtspflege zu einer von Land und Kommunen gemeinsam getragenen Einrichtung für die Aus- und Fortbildung in der öffentlichen Verwaltung des
Landes Mecklenburg-Vorpommern angestrebt werden.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

202

Kalkulation und Erhebung von Abfallgebühren

Der Landesrechnungshof hat in den Hansestädten Rostock13 und Stralsund und in den Landkreisen Güstrow und Nordwestmecklenburg die
Erhebung und Kalkulation von Abfallgebühren
geprüft und dabei Kalkulationsfehler aufgedeckt,
die insgesamt zur Veranschlagung überhöhter
Müllgebühren in Millionenhöhe führten.

Prüfungsgegenstand
(357)

Die Landkreise und kreisfreien Städte sind nach §§ 3 Abs. 1 Abfallwirtschafts- und
Altlastengesetz für Mecklenburg-Vorpommern (Abfallwirtschaftsgesetz – AbfAlG
M-V), 13 Abs. 1 Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der
umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen (Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz – KrW-/AbfG) öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger. Sie erheben für ihre
Leistungen der Abfallentsorgung Gebühren. Grundlage hierfür sind das Kommunalabgabengesetz (KAG) und die jeweilige Abfallgebührensatzung des Entsorgungsträgers. Der Landesrechnungshof prüfte die Abfallgebührensatzungen, die Gebührenkalkulationen und die mit Dritten vereinbarten Entsorgungsverträge.

Auftragsvergabe
(358)

Die Durchführung der Entsorgungsaufgaben ist teilweise auf gemischt wirtschaftliche Unternehmen, d. h. Gesellschaften, bei denen neben dem kommunalen Aufgabenträger auch ein Privater beteiligt ist, übertragen worden.
Dies geschah ohne förmliches Vergabeverfahren gemäß § 29 Gemeindehaushaltsverordnung (GemHVO). Der Verzicht wurde damit begründet, dass die Gründung
einer Eigengesellschaft mit der entsprechenden Aufgabenübertragung im Rahmen
der Or-

13

siehe Tzn. 335, 336 (Prüfung der Hansestadt Rostock)

203
ganisationsgewalt der Kommune erfolgt sei und somit ein – eine Ausnahme rechtfertigender – Umstand gemäß § 29 GemHVO vorgelegen habe. In den Entsorgungsverträgen wurden teilweise keine Regelungen zur Anwendung der Verordnung
PR Nr. 30/53 über die Preise bei öffentlichen Aufträgen vereinbart. Das aus dem
Kostenüberschreitungsverbot (§ 6 Abs. 1 Satz 2 KAG) abgeleitete gebührenrechtliche Prinzip der Erforderlichkeit der Kosten hat zur Folge, dass durch die Gebühren
nur die wirtschaftlich erforderlichen Kosten gedeckt werden dürfen. Der Nachweis
darüber, dass nur die erforderlichen Aufwendungen in die Gebührenkalkulation eingeflossen sind, ist bei einem fehlenden förmlichen Vergabeverfahren dann geführt,
wenn der geschlossene Vertrag den Vorschriften des Preisprüfungsrechts entspricht
(OVG Greifswald, Urteil vom 25.2.1998, Az. 4 K 8/97).
Die Entsorgungsverträge müssen sich deshalb bei einem Verzicht auf ein förmliches
Vergabeverfahren an den Bestimmungen des Preisprüfungsrechts messen lassen.
Andernfalls kann die Gebührenkalkulation allein aus diesen Gründen rechtswidrig
sein.

Entsorgungsentgelte
(359)

Der Landkreis Nordwestmecklenburg hat die – an die Entsorger zu zahlenden – Entgelte als Festpreise vereinbart. Sie werden unabhängig von der Anzahl der eingesammelten Müllgefäße und damit unabhängig vom tatsächlichen Aufwand der Entsorgungsunternehmen gezahlt.
Bemühungen der Gebührenzahler, durch die Reduzierung des vorzuhaltenden Abfallbehältervolumens die persönliche Gebührenbelastung zu mindern, führten zu sinkenden Gebühreneinnahmen. Dagegen blieben die an die Entsorger zu zahlenden
Pauschalentgelte unverändert. Es bestand somit kein ausgewogenes Verhältnis zwischen den an die Abfallentsorgungsunternehmen zu zahlenden Entgelten und den
Gebühreneinnahmen.

Prognosen
(360)

Bei der Ermittlung der Gesamtkosten für die Deponierung sind Prognosen über das
zu deponierende Abfallaufkommen notwendig. Dabei liegt es nahe, der Kalkulation
die im Vorjahr entsorgten Mengen zu Grunde zu legen.

204
Beim Landkreis Güstrow wurde in den Kalkulationen von den Vorjahren abweichende Mengen in Ansatz gebracht, ohne dass diese Abweichungen näher erläutert
wurden. Sie standen sogar im Gegensatz zur allgemeinen Tendenz sinkender Abfallmengen. Das so erhöht prognostizierte Siedlungsabfallaufkommen führte 1999 zu
einem kalkulierten „Mehraufwand“ von rd. 750.000 DM (rd. 383.469 €) und damit
zu überhöhten Gebühren.
Die Schwierigkeiten bei der Abschätzung der Entwicklung von Abfallmengen sind
offenkundig. Bei Anwendung größtmöglicher Sorgfalt hätte aber die Entwicklung
der Abfallmengen realistischer prognostiziert werden können.

Preissteigerungen
(361)

Für 1998 und 1999 wurden beim Landkreis Güstrow pauschale Preissteigerungen der
Entsorgungsunternehmen in die Gebührenkalkulation eingearbeitet, obwohl keine
Erhöhung der Vergütung angekündigt worden war.
Damit wurde ein „Mehraufwand“ von rd. 1,5 Mio. DM (rd. 0,77 Mio. €) veranschlagt und festgesetzt, der die Gebührenschuldner in diesen zwei Jahren zusätzlich
belastet hat.

Kalkulationszeitraum
(362)

Die Hansestadt Stralsund hat die Gebührenkalkulation seit 1992 nicht verändert, obwohl sich die Kostensituation in der Abfallentsorgung grundlegend geändert hat. Es
wurde verkannt, dass die Gebührenkalkulation auf zeitnahen und verlässlichen
Grunddaten beruhen muss.
Die Gebührenkalkulation ist auf einen überschaubaren Zeitraum zu begrenzen,
grundlegende Veränderungen sind umgehend zu berücksichtigen.

Kalkulatorische Kosten
(363)

Zu den kalkulatorischen Kosten, die als Aufwand in den Benutzungsgebühren zu
berücksichtigen sind, gehören Abschreibungen und eine angemessene Verzinsung
des aufgewandten Kapitals (§ 6 Abs. 2 KAG).

205
− Abschreibungen dienen der Bereitstellung von Mitteln für die spätere Erneuerung
der Anlagen und damit der Substanzerhaltung des Anlagevermögens.
− Das aufgewandte Kapital ist angemessen zu verzinsen.
Alle geprüften Landkreise und kreisfreien Städte haben auf eine vollständige Veranschlagung der kalkulatorischen Kosten verzichtet. Die Hansestadt Stralsund hat
es – vermutlich auf Grund fehlender Anlagennachweise – versäumt, für Investitionen
in Höhe von 8 Mio. DM (4,09 Mio. €) Abschreibungen und eine angemessene Verzinsung in die Kalkulation einzustellen. Auf Grund dieser Tatsache wurde eine Kostendeckung verfehlt.
(364)

Eine Prüfung der Angemessenheit der Abschreibungen und der Verzinsung war in
den überwiegenden Fällen nicht möglich, da die nach § 36 Abs. 2 GemHVO notwendigen Anlagennachweise nicht geführt wurden oder nicht der notwendigen Form
entsprachen.

Verwaltungskostenerstattung
(365)

Werden Leistungen anderer Verwaltungseinheiten für die Abfallentsorgung in Anspruch genommen, sind die entstandenen Kosten gemäß § 6 Abs. 2 KAG in der Gebührenkalkulation zu berücksichtigen. In Betracht kommen dabei u. a. der Personalund Sachaufwand der sog. Kern- oder Querschnittsämter.
Nachvollziehbare Berechnungsgrundlagen zur Ermittlung dieser Verwaltungskostenumlage konnten in den meisten Fällen nicht vorgelegt werden.

Überdeckungen
(366)

Auch auf Grundlage einer sorgfältig durchgeführten Gebührenkalkulation lassen sich
Über- oder Unterdeckungen nicht vermeiden. Soweit ein Überschuss entstanden ist,
soll dieser gemäß § 19 Abs. 4 Ziffer 3 GemHVO einer Sonderrücklage zugeführt
werden. Diese Mittel dienen gemäß § 6 Abs. 2 KAG dem Ausgleich künftiger Unterdeckungen im Gebührenhaushalt. Der Landkreis Güstrow hat in der Vergangenheit
erhebliche Überschüsse erzielt und einer Sonderrücklage zugeführt. Diese hatte am
31.12.1999 einschließlich der aufgelaufenen Zinsen einen Bestand von
rd. 6,7 Mio. DM (3,42 €).

206
Die stetige Ansammlung von Überschüssen in dieser Größenordnung widerspricht
dem Äquivalenzprinzip. Gebühren dürfen nur an den Kosten bemessen werden, die
für die öffentlichen Einrichtung erforderlich sind und dem jetzigen Benutzer auch
zum Vorteil gereichen.
Die Erzielung nachhaltiger und dauernder Überschüsse durch Gebühren ist unzulässig. Angesichts der angesammelten Überschüsse ist zu prüfen, ob die Abfallgebühren
gesenkt werden können.

Deponienachsorge
(367)

Nach Ende der Betriebszeit von Deponien sind Maßnahmen der Rekultivierung und
über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren Nachsorgemaßnahmen notwendig.
Die dafür nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen ansatzfähigen Kosten sind während der Betriebszeit einer Deponie als Rücklage anzusammeln.
Bei den Hansestädten Rostock und Stralsund wurden Investitionen zur Sicherstellung
des Weiterbetriebs der Deponien aus laufenden Rückstellungen für künftige Rekultivierungs- und Nachsorgeaufwendungen bestritten.
Es wurde versäumt, für diese Investitionen Abschreibungs- und Verzinsungsbeträge
zu veranschlagen und die dadurch refinanzierten Mittel der Rücklage zuzuführen.
Erst seit Inkrafttreten des KAG konnten Benutzungsgebühren erhoben und damit erst
für die ab 1991 deponierten Abfälle Rücklagen für die Rekultivierung und Nachsorge von Deponien gebildet werden. Gebühren dürfen nur an den Kosten bemessen
werden, die dem jetzigen Benutzer auch zum Vorteil gereichen. Insofern hätten die
Kos-ten der Nachsorge, die auf die vor Inkrafttreten des KAG angedienten Abfallmengen entfallen, bei der Ermittlung der notwendigen Rückstellungen außer Betracht bleiben müssen. Bei den Hansestädten Stralsund und Rostock wurden Rücklagen auch für die vor 1991 deponierten Abfälle gebildet. Diese Praxis widerspricht
dem Verursacherprinzip und war deshalb rechtswidrig (vgl. Erlass des Umweltministeriums vom 28.9.1993).

Erlöse aus der Deponiebewirtschaftung

207
(368)

Als Eigentümer einer Mülldeponie hat der Landkreis Nordwestmecklenburg die Bewirtschaftung an ein Abfallentsorgungsunternehmen übertragen, an dem er auch
selbst mit 30 % beteiligt ist. Die Mehrheitsbeteiligung von 70 % wird von einer dem
öffentlich-rechtlichen Bereich nicht verbundenen Unternehmensgruppe gehalten.
Auf eine detaillierte Abrechnung bestimmter Deponieerlöse wurde verzichtet. Die
vertraglichen Regelungen mit dem Deponiebewirtschafter sind danach den gestiegenen Müllmengen und damit den Mehreinnahmen nicht angepasst worden. Das Unternehmen bildete für „mögliche Abführungsverpflichtungen an den Landkreis“
Rückstellungen. Ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen ermittelte auf Grund der Erlöse für nicht andienungspflichtigen Abfall einen Rückstellungsbedarf von rd. 4,2 Mio.
DM (rd. 2,1 Mio. €). In dieser Höhe stand dem Landkreis ein Erstattungsanspruch
zu.
Das Entsorgungsunternehmen verfasste unter Begleitung des Wirtschaftsprüfungsunternehmens eine von den Gesellschaftern – also auch vom Landrat – unterzeichnete
„Erklärung“ mit dem Inhalt, dass diese Mittel nicht direkt an den Landkreis ausgekehrt, sondern zur Stärkung des Eigenkapitals der Gesellschaft deren Kapitalrücklage zugeführt werden sollte. Jeweils ein Drittel sollte für die
− Rekultivierung der Deponie Degtow (rd. 1,4 Mio. DM / rd. 0,7 Mio. €),
− für den Bau der geplanten Umschlagstation (rd. 1,4 Mio. DM / rd. 0,7 Mio. €) und
− zur „freien Verwendung“ (rd. 1,4 Mio. DM / rd. 0,7 Mio. €)
verwendet werden.
Durch diese Abrede sind dem Landkreis zustehende Mittel von rd. 4,2 Mio. DM
(rd. 2,1 Mio. €) in der Gesellschaft verblieben.
Der Landkreis führte in seiner Stellungnahme dazu aus: Eine Auszahlung der Mittel
(im Wege der Gewinnausschüttung) hätte für den Landkreis wesentliche steuerliche
Nachteile gehabt.
Das Entsorgungsunternehmen habe im Übrigen bestimmungsgemäß über die Mittel
verfügt.
Der Landkreis verkennt, dass das Entsorgungsunternehmen zu Lasten der Jahresergebnisse für die Summe eine Rückstellung „für mögliche Abführungsverpflichtungen an den Landkreis Nordwestmecklenburg“ gebildet hatte. Bei Inanspruchnahme

208
des Entsorgungsunternehmens durch den Landkreis wäre unter Auflösung dieser
Rückstellung – mangels einer Gewinnausschüttung – keine steuerliche Belastung
entstanden, insbesondere nicht auf der Empfängerseite.
Zudem hätten die angesammelten Rückstellungen ausschließlich – und nicht nur in
Höhe von rd. 1,4 Mio. DM (rd. 0,7 Mio. €) – für die Rekultivierung und Nachsorge
der kreiseigenen Deponie eingesetzt werden müssen.
Für die Umschlagstation bestand durch den Kreistag lediglich ein Planungsauftrag.
Soweit die Zahlungen für die Müllumschlagstation über die Planungsleistungen hinausgingen, waren diese Ausgaben von rd. 1 Mio. DM (rd. 0,5 Mio. €) nicht durch
die Beschlusslage des Kreistages gedeckt.
Es bestand auch keine Veranlassung, dem Entsorgungsunternehmen rd. 1,4 Mio. DM
(rd. 0,7 Mio. €) zur „freien Verwendung“ zu überlassen.
Für den Landkreis bestand nach Maßgabe der vertraglichen Grundlagen nach alledem keine Veranlassung, das Entsorgungsunternehmen – im Ergebnis den Mehrheitsgesellschafter – an den erzielten rd. 4,2 Mio. DM (rd. 2,1 Mio. €) zu beteiligen.
Der Landkreis Nordwestmecklenburg muss sicherstellen, dass auch die über die Planungsleistungen der Müllumschlagstation hinausgehenden Mittel von rd. 1 Mio. DM
(rd. 0,5 Mio. €) und die dem Entsorgungsunternehmen zur „freien Verfügung“ gestellten Mittel von rd. 1,4 Mio. DM (rd. 0,7 Mio. €) für Zwecke der Rekultivierung
und Nachsorge der kreiseigenen Deponie eingesetzt werden.
Der Landkreis ist nach seiner Stellungnahme zum Jahresberichtsbeitrag nunmehr der
Auffassung, dass ihm nicht der Gesamtbetrag von rd. 4,2 Mio. DM (rd. 2,1 Mio. €)
allein zugestanden habe. Es müsse berücksichtigt werden, dass der Deponiebetreibergesellschaft für die Akquisitionsbemühungen ein angemessenes Entgelt habe zugebilligt werden müssen, das im Wesentlichen dem Mehrheitsgesellschafter zugute
kommen sollte. Die geschlossene Vereinbarung berücksichtige die Zielvorstellung
angemessen. In dieser Auffassung sehe er sich auch durch das Votum der begleitenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bestätigt.
Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Auffassung. Die Regelung über die Verwendung der dem Landkreis zustehenden 4,2 Mio. DM (2,1 Mio. €) hat zu überaus
hohen und wirtschaftlich unangemessenen Vorteilen für den privaten Mehrheitsgesellschafter geführt.

209
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat zwischen der Gesellschaft und dem Landkreis lediglich moderiert, nicht aber dessen Interessen wahrgenommen.
Die Prüfungsverfahren sind teilweise noch nicht abgeschlossen.

210

Veräußerung kommunaler Krankenhäuser

Veränderte Marktbedingungen und Haushaltszwänge veranlassen kommunale Träger zunehmend, ihre Krankenhäuser zu veräußern. Bei der
Untersuchung zweier Veräußerungsfälle stellte
der Landesrechnungshof fest, dass die Verkaufsverhandlungen nicht professionell geführt worden sind. Damit war nicht sichergestellt, dass bei
den Veräußerungen die Marktwerte erzielt wurden. Trotzdem hat das Innenministerium als
Kommunalaufsichtsbehörde die entsprechenden
Verträge genehmigt.
Das

Innenministerium

überarbeitet

seinen

Durchführungserlass zur Veräußerung kommunalen Vermögens auf Grund dieser Prüfungsfeststellungen des Landesrechnungshofes.

(369)

Der Landesrechnungshof hat die Umstände untersucht, die zur Ermittlung der beim
Verkauf zweier kommunaler Krankenhäuser an private Trägergesellschaften vereinbarten Kaufpreise geführt haben.
Ausgangspunkt beider Prüfungsverfahren ist § 57 Kommunalverfassung (KV M-V).
Nach Abs. 1 dieser Vorschrift darf kommunales Vermögen grundsätzlich nur zum
„vollen Wert“ (Verkehrswert) veräußert werden. Bei besonderem öffentlichen Interesse kann von dieser Wertvorgabe abgewichen werden. Die zuständige Rechtsaufsichtsbehörde – in diesen beiden Fällen infolge der Trägerschaft der Landkreise das
Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern – muss die Veräußerung von Eigenbetrieben oder Beteiligungen an wirtschaftlichen Unternehmen genehmigen (§ 57
Abs. 3 Nr. 4 KV M-V). Ergänzt wird diese Rechtsnorm durch einen "Durchführungserlass zum Genehmigungsverfahren nach § 57 Abs. 3 KV M-V i. V. mit § 20
KV DVO und § 58 KV M-V", vom Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern
am 24.2.2000 erlassen (AmtsBl. M-V, Seite 607).

211

Krankenhaus Güstrow
(370)

Der Landkreis Güstrow als alleiniger Gesellschafter hat mit Wirkung vom 1.1.1999
seinen Geschäftsanteil im Nennwert von 50.000 DM (25.565 €) nach Teilung in
20.000 DM- (10.226 €) und 30.000 DM-Anteile (15.339 €) an zwei dem Gemeinnützigkeitsrecht verpflichtete Trägerunternehmen in Schwerin und Berlin verkauft. Der
Kaufpreis betrug zusammen 50.000 DM (25.565 €). Zu dem Zeitpunkt, als der Landesrechnungshof diesen Fall aufgegriffen hat, hatte das Innenministerium den Kaufund Übertragungsvertrag vom 22.2.1999 am 4.10.1999 bereits genehmigt.
Die Verhandlungen zwischen dem Landkreis Güstrow und den beiden jetzigen Trägerunternehmen bezüglich des Unternehmenswertes und eines daraus abgeleiteten
angemessenen Kaufpreises sind ohne ein Unternehmenswertgutachten geführt worden. Erst im Zuge des Genehmigungsverfahrens hat der Landrat des Landkreises
Güstrow auf Veranlassung des Innenministeriums die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die den Jahresabschluss 1998 der GmbH geprüft hatte, mit der Erstellung eines Unternehmenswertgutachtens beauftragt. Aus Gründen der Kostenersparnis wurde nur ein Kurzgutachten erstellt. Dieses Gutachten vom 25.6.1999 hat – unter Berücksichtigung einschränkender Vorgaben des Auftraggebers – auf der Grundlage
des Jahresabschlusses 1998 einen Unternehmenswert von rd. 2.477.000 DM
(rd. 1.266.470 €) ermittelt.

(371)

Der Auftraggeber, der Landkreis Güstrow, hat diese Wertermittlung unter Hinweis
auf verschiedene Risiken, die den beiden neuen Trägerunternehmen bei der Fortführung des Krankenhausbetriebes möglicherweise noch drohen könnten, nachdrücklich
in Frage gestellt. Es ist aber nicht zu erkennen, dass die benannten bzw. behaupteten
Risiken dem Grunde und der Höhe nach auch nur ansatzweise quantifiziert unterlegt
wurden.
Bemerkenswert ist, dass die Argumente gegen den gutachterlichen Unternehmenswert nicht – wie wohl zu erwarten gewesen wäre – von den beiden Erwerberinnen,
sondern vom Veräusserer selbst und zudem in nicht substantiierter Form vorgebracht
wurden.
Der Gutachter hat unter Beachtung allgemein anerkannter Grundsätze zur Unternehmensbewertung (vom Institut der Wirtschaftsprüfer herausgegebene „Grundsätze
zur Durchführung von Unternehmensbewertungen – IDW S1“) praxisgerecht gear-

212
beitet. Nach Auffassung des Landesrechnungshofes könnte auf der Basis der dort angesetzten Faktoren bei gleichwohl noch vorsichtiger Wertung konkreter und realistischer Einzelrisiken für dieses Unternehmens auch ein Unternehmenswert von
rd. 3,8 Mio. DM (rd. 1,9 Mio. €) angenommen werden.
(372)

Warum das Innenministerium bei dieser Sachlage den Kauf- und Übertragungsvertrag vom 22.2.1999 ohne ergänzende Aufklärung genehmigt hat, lässt sich für den
Landesrechnungshof nicht nachvollziehen. Auch wenn Krankenhäuser vom Grundsatz her im Rahmen vorgegebener Budgets nach dem Prinzip der Kostendeckung arbeiten müssen, rechtfertigt dies nicht den Verkauf zum Nennwert des ausgewiesenen
gezeichneten Kapitals.
Bei einer Bilanzsumme von rd. 230 Mio. DM (rd. 117,6 Mio. €) war die Gesellschaft
mit dem Mindeststammkapital von 50.000 DM (25.565 €) erheblich unterkapitalisiert. Wenn die ausgewiesenen Kapital- und Gewinnrücklagen zum 31.12.1998 von
zusammen rd. 4.815.000 DM (rd. 2.461.870 €) dazugerechnet werden, wäre damit
die Eigenkapitalquote zwar von 0,2% auf 2,0% gestiegen, der Eigenkapitalausweis
wäre damit aber immer noch unzureichend. Bei dieser Größenordnung wäre aber
zumindest eine Vergleichbarkeit mit dem Unternehmenswert festzustellen gewesen,
der von dem beauftragten Gutachter ermittelt wurde.
Als Rechtfertigung für den geringen Kaufpreis lässt sich auch nicht anführen, dass
die beiden neuen Trägerunternehmen, die bundesweit im Bereich der Sozial- und
Gesundheitsdienste arbeiten, gemeinnützig sind. Sie werden ihre Kaufentscheidung
nach betriebs- und finanzwirtschaftlichen Überlegungen ausgerichtet haben. Mit
großer Wahrscheinlichkeit darf angenommen werden, dass mit dem Kreiskrankenhaus Güstrow kein unmittelbar insolvenzgefährdetes Unternehmen in die jeweiligen
Konzernverbände aufgenommen werden sollte.
Wirtschaftlich betrachtet hat der Landkreis den neuen gemeinnützigen Trägern des
Krankenhauses in Höhe der Differenz zum Marktwert einen Vermögenswert unentgeltlich zugewendet.

213

Kreiskrankenhaus Pasewalk
(373)

Zur Vorbereitung der beabsichtigten Privatisierung des Kreiskrankenhauses Pasewalk hat ein förmliches Ausschreibungsverfahren stattgefunden, an dem sich insgesamt 16 Bieter mit durchaus unterschiedlichen Angeboten beteiligt haben. Nach einem intensiven Auswahlverfahren wurde mit der A-Kliniken GmbH am 12.9.2000
ein Kauf-, Betriebsüberlassungs- und Personalüberleitungsvertrag geschlossen. Der
dabei vereinbarte Kaufpreis in zweistelliger Millionenhöhe lag knapp zehn Millionen
DM unter dem Angebot eines anderen Bieters. Die Entscheidung zu Gunsten der AKlini-ken GmbH begründete sich – so der Vortrag des Landrates des Kreises UeckerRan-dow – vorrangig darauf, dass nach Rekonstruktion des Hauses im Rahmen bereits abgeschlossener Planungen und unter Einsatz der vom Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern zugesagten Fördermittel die Kontinuität der regionalen Krankenhausversorgung zugesichert wurde. Der unterlegene Konkurrent habe weder einen Nachweis seiner medizinischen Leistungsfähigkeit erbringen noch ein medizinisches Konzept vorlegen können.

(374)

Der Landkreis Uecker-Randow hat im Zuge des nach § 57 KV M-V gebotenen Genehmigungsverfahrens den Standpunkt vertreten, dass sich der Verkehrswert dieses
Objektes aus dem förmlichen Angebots- und Zuschlagsverfahren ergeben habe. Diese Schlussfolgerung sei zum einen dadurch gerechtfertigt, dass bei dem begrenzten
Markt für Objekte dieser Art immerhin 16 Angebote eingegangen seien. Zum anderen habe die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die den Jahresabschluss des Eigenbetriebes geprüft hatte, in einer gutachterlichen Stellungnahme bestätigt, dass sich angesichts der in der Vergangenheit aufgelaufenen Verluste ein positiver Unternehmenswert nicht feststellen ließe, wenn von unveränderter Unternehmensfortführung
ausgegangen werde.

(375)

Der Landesrechnungshof hat dieser Argumentation entgegengehalten, dass der Unterschied zwischen dem nach der gutachterlichen Stellungnahme fehlenden Unternehmenswert und dem vereinbarten Kaufpreis außerordentlich hoch und damit im
Ergebnis nicht nachvollziehbar sei. Die Erwerberin müsse dem Unternehmen
tatsächlich einen nicht unerheblichen Wert beigemessen haben. Ob dieser Kaufpreis
damit aber angemessen sei, ließe sich ohne ein Unternehmenswertgutachten, das ggf.

214
auch andere Umstände berücksichtige, die von der ersten gutachterlichen Stellungnahme nicht aufgenommen wurden, abschließend und objektiv nicht überprüfen.
(376)

Das Angebot des unterlegenen Bewerbers ist vom Verkäufer nicht hinreichend auf
seine Belastbarkeit geprüft worden. Dieses Konzept sah vor, mit dem Krankenhaus
Pasewalk eine Geriatrie zu verbinden. Hinter diesem Bewerber steht eine finanzkräftige Unternehmensgruppe, die bereits auf dem Sektor der Gesundheitspflege und Seniorenbetreuung tätig ist. Allerdings betrieb sie nach Vortrag des Landkreises
Uecker-Randow zum damaligen Zeitpunkt noch kein eigenes Krankenhaus. Bei dieser Sachlage ist diesem Bewerber der Aufbau eines neuen Geschäftszweiges, der
auch den Betrieb eines Krankenhauses einschließt, durchaus zuzutrauen.
Trotz aller Bedenken hat der Landesrechnungshof dem Innenministerium geraten,
die Genehmigung zu erteilen. Ausschlaggebend waren dafür zwei Gründe:
− Ungeklärte Verhältnisse hätten zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten für das
Krankenhaus geführt.
− Die Verweigerung der Genehmigung wäre mit einem Prozessrisiko verbunden
gewesen.

Schlussfolgerungen
(377)

Verkaufsverfahren für kommunale Krankenhäuser dürfen künftig allein im Wege
eines Ausschreibungsverfahrens erfolgen, sie müssen professionell gehandhabt und
transparent dargestellt werden. Folgende Regeln sollten dabei zumindest beachtet
werden:
− Sämtliche Entscheidungen müssen transparent dokumentiert werden, sodass sie
sich nicht nur gegenüber der Aufsichtsbehörde, sondern auch im Falle von Beschwerden Dritter oder in Prozessen transparent darstellen lassen.
− Der Projektablauf muss vorher klar festgelegt werden.
− Die Ziele der Privatisierung müssen von vornherein klar definiert sein.
− Der Unternehmenswert muss vorher intern festgelegt werden. Diese Wertermittlung wird in der Regel nur durch ein Unternehmensgutachten nach dem in Tz. 371
genannten IDW Standard möglich sein.

215
− In dem Ausschreibungsverfahren müssen genügend potenzielle Bewerber zu Angeboten veranlasst werden, damit der notwendige Wettbewerbsdruck entsteht. Der
Wettbewerbsdruck muss während des gesamten Verkaufsverfahrens aufrecht erhalten bleiben, um Absprachen zwischen Bewerbern zu Lasten des Veräusserers
möglichst auszuschalten.
− Im Zuge vergleichender Auswahlkriterien und im Wege der Entscheidungsfindung zu Gunsten des endgültigen Erwerbers sollte vorab mit möglichst allen seriösen Bewerbern verhandelt werden, um auf dieser Ebene die fachlichen Kompetenzen und die finanziellen Potenzen feststellen zu können.
− Der Einsatz professioneller Beratung bei Vorhaben dieser Art ist unerlässlich,
weil die Verhandlungsführer der Verkäuferseite angesichts der Einmaligkeit derart bedeutender Vorgänge in der Regel über die notwendige Erfahrung schwerlich
verfügen dürften. Auf die Höhe der Beratungskosten kann durch die Vereinbarung
erfolgsabhängiger Honorare Einfluss genommen werden.
Das Innenministerium arbeitet zurzeit an der Änderung des unter Tz. 369 genannten
Durchführungserlasses.

Stellungnahmen der Verwaltung
(378)

Das Innenministerium stimmt bezüglich des Krankenhauses Güstrow mit dem Landesrechnungshof überein, dass der Landkreis Güstrow zu den von ihm behaupteten
finanziellen Risiken trotz mehrfacher Aufforderung belastbare Unterlagen nicht vorgelegt hat. Gleichwohl habe sich das Ministerium zur Genehmigung entschlossen,
weil der Landkreis Güstrow durch die Veräußerung von den Belastungen, die der
Krankenhausbetrieb bislang verursacht hatte, künftig freigestellt werden würde.
Hierzu komme der Gemeinnützigkeitsstatus beider Erwerber.
Der Landkreis Güstrow hat die von ihm behaupteten finanziellen Risiken, die – weil
sie von den Erwerbern übernommen wurden – im Ergebnis den Kaufpreis bestimmt
hätten, auch in seiner Stellungnahme zu diesem Jahresberichtsbeitrag nicht einmal
ansatzweise nachvollziehbar unterlegt.
Der Landkreis Uecker-Randow weist bezüglich der Privatisierung des Kreiskrankenhauses Pasewalk darauf hin, dass er sich bei seiner Entscheidungsfindung der Beratung einer renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bedient habe und auch de-

216
ren Rat beim Vertragsabschluss gefolgt sei. Das Innenministerium trägt in dieser Sache vor, dass nach seiner Kenntnis der obsiegende Bewerber ein durchgängig überzeugenderes medizinisches Konzept vorgelegt habe als seine Konkurrenten.
Der Landesrechnungshof hält an seiner Auffassung fest.
Beide Prüfungsverfahren sind abgeschlossen.

217

Überörtliche Prüfung der Landkreise Müritz, Güstrow und
Nordvorpommern im Bereich des Tiefbau- und Ingenieurwesens

In den geprüften Landkreisen sind die Anteile
der Kreisstraßen am Gesamtstraßennetz unterschiedlich. Bei einigen Kreisstraßen hat sich die
Verkehrsbedeutung seit der Einstufung geändert.
Den Landkreisen wurde daher empfohlen zu prüfen, ob für diese Kreisstraßen eine Umstufung zu
beantragen wäre.
Im Rahmen des Prüfungsverfahrens war nicht
nachvollziehbar, warum den drei Landkreisen –
bezogen auf km Kreisstraße – Fördermittel in so
unterschiedlicher Höhe zur Verfügung standen.
Es ist notwendig, eine Richtlinie zu erlassen, die
die Voraussetzungen und den Umfang der Förderung im Einzelnen festlegt.
Obwohl im Bereich Straßenbau ein hoher Investitionsbedarf besteht, nutzten die Landkreise die
in die Haushaltspläne eingestellten jährlichen Investitionsmittel für den Straßenbau im Prüfungszeitraum nur ungenügend. Der Investitionsstau
wird damit immer größer.
In den drei geprüften Landkreisen werden die
Aufgaben der Straßenunterhaltung entweder von
kreiseigenen Straßenmeistereien, von Landesstraßenmeistereien oder von privaten Unternehmen wahrgenommen. Hierbei sind erhebliche
Kostenunterschiede festzustellen, die zu Veränderungen in der Aufgabenwahrnehmung führen
sollten.

218
(379)

Der Landesrechnungshof hat die Aufgabenwahrnehmung der Landkreise bei einzelnen Straßenbaumaßnahmen und im Straßenbetriebsdienst einschließlich Winterdienst
in den Jahren 1996 bis 1999 stichprobenweise geprüft. Die Prüfung erfolgte in den
Landkreisen Müritz, Güstrow und Nordvorpommern.
Die Landkreise sind gemäß § 12 Straßen- und Wegegesetz Mecklenburg-Vorpommern (StrWG M-V) vom 13. Januar 1993 (GVOBl. M-V, S. 42) Träger der Straßenbaulast für die Kreisstraßen. Die mit der Straßenbaulast verbundenen Aufgaben gehören damit zu den Pflichtaufgaben der Landkreise.

Straßennetze in den Landkreisen
(380)

Der Wirtschaftsminister ordnete im Erlass vom 30. Juni 1994 (Amtsbl. M-V S. 714)
mit Wirkung zum 1. Januar 1995 die Eingruppierung der Landes-, Kreis-, Gemeindeund sonstigen öffentlichen Straßen an. Hierdurch ergab sich eine neue Zuordnung
der Straßen:
(Stand: 31.12.2000)

Straßenbaulastträger

Müritz

Güstrow

Nordvorpommern

in km
56,3

in km
–

Autobahn

Bund

in km
42,2

Bundesfernstraßen

Bund

134.5

157

108,8

Landesstraßen

Land

132,5

316

442

Kreisstraßen

Landkreis

276,7

413,4

215,8

Gemeindestraßen

Gemeinde

1.485,9

1.239,5

1.522,3

2.071,8

2.182,2

2.288,9

Gesamtstraßennetz

Tab. 24: Eingruppierung der Landes-, Kreis-, Gemeinde- und sonstigen öffentlichen Straßen

Der Anteil der Kreisstraßen am Gesamtstraßennetz beträgt:
− im Landkreis Nordvorpommern 9,4 %,
− im Landkreis Müritz 13,4 %,
− im Landkreis Güstrow 18,9 % und
− im Bundesdurchschnitt 14,2 %.
Es sind auch Verbindungen als Kreisstraßen eingestuft worden, die heute die Kriterien gemäß § 3 Nr. 2 StrWG M-V nicht mehr erfüllen. Gemäß § 8 Abs. 1 StrWG M-

219
V ist eine Straße in die entsprechende Straßengruppe umzustufen, wenn sich die
Verkehrsbedeutung geändert hat.
Der Landesrechnungshof empfahl daher den Landkreisen zu prüfen, ob für diese
Kreisstraßen eine Umstufung zu beantragen wäre.
Der Landkreis Güstrow teilte mit, er habe bereits im Jahre 1996 die Umstufung einer
Reihe von Kreisstraßen, die nach seiner Auffassung schon im Januar 1995 die Kriterien einer Kreisstraße nicht erfüllten, beantragt. Das Wirtschaftsministerium hätte
diesen Antrag jedoch abgelehnt. Er werde eine erneute Umwidmung beantragen.

Finanzhilfen für den kreiseigenen Straßenbau
(381)

Der Bund gewährt nach dem Gesetz über Finanzhilfen des Bundes zur Verbesserung
der Verkehrsverhältnisse der Gemeinden (GVFG) „den Ländern Finanzhilfen für Investitionen zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse der Gemeinden.“
Das Land stellte den geprüften Landkreisen folgende GVFG-Mittel zur Verfügung:
1996
1997
1998
1999
Gesamt
durchschnittliche
Zuwendungen

Müritz
1.199.000 DM
(613.038,97 €)
2.952.000 DM
(1.509.333,63 €)
1.648.000 DM
(842.609,02 €)
714.000 DM
(365.062,40 €)
6.513.000 DM
(3.330.044,02 €)
23.538 DM/km
(12.034,79 €/km)

Güstrow
1.736.000 DM
(887.602,71 €)
1.793.000 DM
(916.746,34 €)
2.687.000 DM
(1.373.841,28 €)
960.756 DM
(491.226,74 €)
7.176.756 DM
(3.669.417,08 €)
17.377 DM/km
(8.884,72 €/km)

Nordvorpommern
1.396.000 DM
(713.763,47 €)
2.618.000 DM
(1.338.562,15 €)
2.004.000 DM
(1.024.628,93 €)
714.000 DM
(365.062,40 €)
6.732.000 DM
(3.442.016,94 €)
31.196 DM/km
(15.950,26 €/km)

Tab. 25: Finanzhilfen des Bundes zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse der Gemeinden

Auch wenn die Förderung dem absoluten Betrag nach nahezu in gleicher Höhe erfolgte, so ist doch zu berücksichtigen, dass auf Grund der zu betreuenden Kreisstraßenkilometer die Beträge pro km erheblich voneinander abweichen. Der Landkreis
Güstrow erhielt lediglich 56 % der an den Landkreis Nordvorpommern ausgezahlten
Zuwendungen pro km Kreisstraße.
Im Rahmen dieses Prüfungsverfahrens war nicht nachvollziehbar, warum den drei
Landkreisen bezogen auf km Kreisstraße Fördermittel in so unterschiedlicher Höhe
zur Verfügung standen.

220
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes sollte das Wirtschaftsministerium eine
Richtlinie erlassen, die die Voraussetzungen und den Umfang der Förderung im Einzelnen festlegt (VV-K Nr. 1.1 zu § 44 Abs. 1 LHO).
Das Innenministerium schloss sich der Auffassung des Landesrechnungshofes an
und bemerkte, „dass sich eine Förderung durch das Wirtschaftsministerium mit
GVFG-Mitteln auch an den in der Straßenbaulast der jeweiligen kommunalen Körperschaft befindlichen Straßenkilometer orientieren muss. Eine Verteilung zu jeweils
gleichen Teilen benachteiligt die kommunalen Körperschaften, die eine höhere Straßenbaulast zu tragen haben.“
Das Wirtschaftsministerium teilte in seiner Stellungnahme mit:
„Zur Förderung der kommunalen Straßenbauvorhaben wurden vom Wirtschaftsministerium bisher keine Richtlinien erlassen, da die Fördervoraussetzungen und das
Zuwendungsverfahren ausreichend durch das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz
(GVFG) und die Verwaltungsvorschrift zu § 44 LHO beschrieben sind. Zur Förderfähigkeit einzelner Leistungen liegt ein Leitfaden zum GVFG vor. ... Eine auf km
Kreisstraßen bezogene Verteilung ist ungeeignet, da hierbei der ungleiche Bestand
an Gemeindestraßen je Landkreis nicht angerechnet wird.“
Der Landesrechnungshof weist darauf hin, dass das vom Wirtschaftsministerium angeführte GVFG und der Leitfaden zum GVFG Vorschriften sind, die den Umfang
der jährlichen Fördermittel und die Verteilung auf die Länder sowie deren Zweckbindung festlegen. Sie enthalten jedoch keine rechtsverbindlichen Hinweise auf die
Verteilung der Fördermittel im Land.
In der Stellungnahme zum Jahresbericht teilt das Wirtschaftsministerium nunmehr
mit, dass eine entsprechende Richtlinie erarbeitet wird.

Investitionen im Straßenbau
(382)

In den Haushaltsjahren 1996 bis 1999 verausgabten die Landkreise nahezu den gleichen Betrag für Baumaßnahmen an Kreisstraßen:

221
Müritz
Eingestellt
Verausgabt

Güstrow

Nordvorpommern

rd. 15 Mio. DM

rd. 24 Mio. DM

rd. 19 Mio. DM

(rd. 7,7 Mio. €)

(rd. 12,3 Mio. €)

(rd. 9,7 Mio. €)

rd. 13 Mio. DM

rd. 16 Mio. DM

rd. 15 Mio. DM

(rd. 6,6 Mio. €)

(rd. 8,2 Mio. €)

(rd. 7,7 Mio. €)

Tab.: 26: Ausgaben für Baumaßnahmen an Kreisstraßen

Bezogen auf den km Kreisstraße weisen diese Ausgaben erhebliche Unterschiede
auf. So betrugen die Ausgaben des Landkreises Müritz durchschnittlich
rd. 12.000 DM/km (rd. 6.100 €/km), beim Landkreis Güstrow rd. 10.000 DM/km
(rd. 5.100 €/km) und beim Landkreis Nordvorpommern rd. 17.000 DM/km
(rd. 8.700 €/km).
Damit setzte der Landkreis Güstrow im Vergleich zum Landkreis Nordvorpommern
rd. 41 % weniger Finanzmittel bezogen auf sein Kreisstraßennetz ein.
Alle drei Landkreise nutzten die bereitgestellten Haushaltsmittel für Investitionen
nicht vollständig. Der Landkreis Müritz verausgabte durchschnittlich rd. 87 %, der
Landkreis Güstrow rd. 67 % und der Landkreis Nordvorpommern rd. 79 % der bereitgestellten Mittel.
Nach den Angaben aller drei Landkreise sind die jährlich bereitgestellten Mittel für
Investitionen nicht ausreichend. Insofern ist nicht nachvollziehbar, wieso die Mittel
dann nicht vollständig verausgabt werden.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes ist die vollständige Ausschöpfung der
Mittel möglich und notwendig. Es besteht ansonsten die Gefahr, dass der Investitionsstau noch weiter ansteigen wird und es den Landkreisen nicht möglich ist, ihre
Aufgaben als Träger der Straßenbaulast gemäß § 11 Abs. 1 StrWG M-V zu erfüllen.
Nach Aussage der Landkreise könnten die Haushaltsmittel nicht in der notwendigen
Genauigkeit geplant werden, da erst im laufenden Haushaltsjahr die genaue Höhe der
Fördermittel bekannt werde. Um konkret planen zu können, müssten rechtskräftige
Zuwendungsbescheide bereits im Zeitraum der Haushaltsplanung vorliegen. Dies
wird das Wirtschaftsministerium bei der Erarbeitung einer Förderrichtlinie zu berücksichtigen haben.

222

Straßenunterhaltung
(383)

Die Landkreise sind verpflichtet, auf den Kreisstraßen entsprechend ihrer Bedeutung
den Betrieb und die Unterhaltung zu gewährleisten.
− Im Landkreis Müritz wird die Straßenunterhaltung durch private Unternehmen
durchgeführt.
− Der Landkreis Güstrow nimmt seine Aufgaben durch drei kreiseigene Straßenmeistereien wahr.
− Der Landkreis Nordvorpommern hat die Unterhaltungsarbeiten an die Straßenmeistereien des Landes übertragen.
Die Ausgaben für die Unterhaltungsarbeiten betrugen in den Haushaltsjahren 1996
bis 1999:
Landkreis
Haushaltsjahr
1996
1997
1998
1999
Durchschnitt
1996 bis 1999

Müritz
Ausgaben
in DM/km
(in €/km)
7.346,70
(3.756,31)
5.853,08
(2.992,63)
6.613,39
(3.381,37)
5.534,23
(2.829,61)
6.336,85
(3.239,98)

Güstrow
Ausgaben
in DM/km
(in €/km)
10.807,25
(5.525,66)
11.354,10
(5.805,26)
8.347,66
(4.268,09)
8.238,80
(4.212,43)
9.686,95
(4.952,86)

Nordvorpommern
Ausgaben
in DM/km
(in €/km)
6.051,29
(3.093,97)
7.477,82
(3.823,35)
7.477,82
(3.823,35)
7.261,97
(3.712,99)
7.067,23
(3.613,42)

Tab. 27: Ausgaben für Straßenunterhaltung

Der Landkreis Güstrow hat rd. 37 % mehr Ausgaben /km Kreisstraße als der Landkreis Nordvorpommern. Die Ursachen hierfür sieht der Landesrechnungshof aber
nicht ausschließlich darin, dass die Aufgaben durch die kreiseigenen Straßenmeistereien wahrgenommen werden, sondern auch darin, dass je Straßenmeisterei zu wenig
km Straße betreut werden. Laut Maßnahmekatalog „MK 8“ des Bundes in gemeinsamer Abstimmung mit den Ländern betragen die Sollvorgaben für eine wirtschaftliche Straßenmeisterei mindestens 250 km. Demgegenüber betreuen die drei Straßenmeistereien im Landkreis Güstrow deutlich weniger km Kreisstraße (zwischen rd. 97
und 161 km).

223
Im Landkreis Güstrow sind in den drei Straßenmeistereien drei Straßenmeister und
39 Arbeiter für die Betreuung der 415 km Kreisstraßen eingesetzt. Das entspricht
rd. 11 km Kreisstraße pro Straßenwärter und weicht damit um 21 % vom
Bundesdurchschnitt (14 km) ab.
Das Innenministerium schloss sich der Auffassung der Landesrechnungshofes an und
teilte mit: „Die Organisation der Straßenunterhaltung im Landkreis Güstrow wird
durch das Innenministerium als Rechtsaufsichtsbehörde weiter im Auge behalten.“
Der Landkreis wies in seiner Stellungnahme darauf hin , dass er sich z. Z. sowohl mit
einem Personalabbau als auch mit der Reduzierung der Straßenmeistereien von drei
auf zwei beschäftige.
Zwar leistet der Landkreis Müritz die geringsten Ausgaben pro km Kreisstraße, jedoch konnten Leistungen, wie z. B. Reinigen und Instandsetzen von Durchlässen,
Farbmarkierungen und Böschungsmahd, aus finanziellen Gründen nicht durchgeführt
werden. Dies führte – auch nach Auffassung des Landkreises – dazu, dass sich der
Zustand der Straßen verschlechterte.
In seiner Stellungnahme wies der Landkreis daraufhin, dass der richtigerweise dargestellte Rückstau im Bereich der Straßenunterhaltung auch im Haushaltsjahr 2001
nicht abgebaut werden könne, da die Haushaltssituation eine Steigerung der Finanzmittel nicht zuließe.
(384)

Gemäß § 58 Abs. 1 StrWG M-V kann das Land „die Aufgaben des Baus, der Unterhaltung und der Verwaltung der Kreisstraßen von den Trägern der Straßenbaulast
übernehmen.“
Die von den Landkreisen zu erstattenden Ausgaben pro km Kreisstraße für die bereits vom Land übernommenen 914 km Kreisstraße entwickelten sich von 4.132 DM
(2.112,66 €) in 1996 auf 3.989 DM (2.039,54 €) in 1999.
In diesem Pauschalbetrag für Straßenunterhaltung und Winterdienst sind die Kosten
für Maßnahmen, die über die Erfüllung der Grundaufgaben hinausgehen, wie z. B.
Deckenerneuerungen und Anpflanzungen, nicht enthalten.
Auf Grund der Prüfungsergebnisse hält der Landesrechnungshof die Wahrnehmung
der Grundaufgaben durch Straßenmeistereien und der darüber hinausgehenden Leis-

224
tungen durch private Unternehmen für die derzeit geeignetste Form der Straßenunterhaltung.
Das Innenministerium schloss sich der Auffassung des Landesrechnungshofes an
und teilte in seiner Stellungnahme mit, dass der Kreistag des Landkreises Müritz am
21.2.2001 beschlossen habe, die Straßenunterhaltung auf die Straßenbauverwaltung
des Landes zu übertragen. Entsprechende Verhandlungen würden unverzüglich aufgenommen.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

225

IV. Sonstige Äußerungen des Landesrechnungshofes

Norddeutscher Rundfunk
Betriebliche Altersversorgung

Beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) verfügen
mehr als 14 Jahre nach Vereinbarung von Regelungen zum Abbau der Überversorgung immer
noch rd. 82 % aller Rentner über eine Nettogesamtversorgung, die – teilweise erheblich – über
100 % des jeweiligen Nettovergleichseinkommens
hinausgeht.
Die beim NDR für noch rd. 43 % der Mitarbeiter
geltenden Besitzstandsregelungen können teilweise dazu führen, dass bis zur Mitte dieses Jahrhunderts Betriebsrenten gezahlt werden, die zu
einer Nettogesamtversorgung von 100 % des jeweiligen Nettovergleichseinkommens führen.
Zur Sicherstellung der Finanzierung von Versorgungsansprüchen der Mitarbeiter halten auch die
Rechnungshöfe die Bildung eines Sondervermögens für erforderlich. Die Höhe darf sich jedoch
nicht nur an den nach steuerlichen oder handelsrechtlichen Vorschriften gebildeten Rückstellungen orientieren. Für die Ermittlung des notwendigen Sondervermögens sind vielmehr außerhalb
der Bilanz Wertveränderungen zu berücksichtigen.

226
Den Erwartungen der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten
(KEF) zum Umfang der Zuführungen zum Sondervermögen aus Rundfunkgebührenmitteln ist
nicht in vollem Umfang entsprochen worden.

(385)

Der NDR gewährt seinen Mitarbeitern eine betriebliche Altersversorgung auf Grund
von Tarifverträgen.
Für Mitarbeiter, die vor dem 1.1.1993 unbefristet beim NDR eingestellt worden sind,
gilt die Versorgungsvereinbarung (VersV) des NDR in der zuletzt durch Tarifvertrag
vom 13. März 1997 geänderten Fassung. Hierbei handelt es sich um ein Gesamtversorgungssystem, das sich in Teilen an der Zusatzversorgung für Arbeitnehmer des
öffentlichen Dienstes nach dem Satzungsrecht der Versorgungsanstalt des Bundes
und der Länder (VBL) orientiert. Der Zweck eines solchen Versorgungssystems liegt
darin, dem Mitarbeiter bei Eintritt des Versorgungsfalls eine bestimmte, am letzten
Arbeitseinkommen orientierte Gesamtversorgung zu garantieren. Diese setzt sich im
Grundsatz zusammen aus der Rente aus der gesetzlichen Sozialversicherung und der
Rente aus der betrieblichen Altersversorgung. Die Höhe der Betriebsrente ist abhängig von der Höhe der Sozialrente. Kürzungen bei den Leistungen in der gesetzlichen
Rentenversicherung werden durch eine höhere Betriebsrente aufgefüllt.
Für Mitarbeiter, die nach dem 31.12.1992 beim NDR unbefristet eingestellt worden
sind, gilt der ARD/NDR Versorgungstarifvertrag (VTV) vom 23. Juni 1997. Wesentlich ist hierbei eine einheitliche Geltung innerhalb der ARD sowie eine Abkopplung
von der gesetzlichen Rentenversicherung durch feste Rentenbeträge pro Vergütungsgruppe und damit eine Abkehr vom Gesamtversorgungssystem.

(386)

Die Rechnungshöfe der am Staatsvertrag über den NDR beteiligten Länder prüfen
die Wirtschaftsführung des NDR gemäß § 34 Abs. 1 Staatsvertrag über den Norddeutschen Rundfunk (NDR-StV) gemeinsam.
Die Rechnungshöfe der Länder Freie und Hansestadt Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben unter Federführung des Landesrechnungshofes Mecklenburg-Vorpommern und im Benehmen mit dem Niedersächsischen

227
Landesrechnungshof 1999 die betriebliche Altersversorgung des NDR geprüft. Der
nachfolgende Beitrag ist zwischen den beteiligten Rechnungshöfen abgestimmt.
Die Prüfung hatte im Wesentlichen folgende Ergebnisse.

Stand und Entwicklung des Versorgungsniveaus
(387)

In den 70er und 80er Jahren führte die im Verhältnis zu den Rentnern höhere Belastung der Arbeitnehmer mit Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern sowie der parallele Anstieg der Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung insbesondere bei
Gesamtversorgungssystemen vermehrt zur Überversorgung der Rentner, d. h. zu einer Gesamtaltersversorgung, die – teilweise weit – über das letzte Nettoarbeitseinkommen hinaus reichte.
Feststellungen zur Überversorgung sind bereits im Jahr 1982 bei einer Prüfung der
betrieblichen Altersversorgung des NDR durch die Rechnungshöfe getroffen worden.14

(388)

Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) liegt eine Überversorgung dann vor, wenn die Nettogesamtversorgung 100 % des Nettoarbeitseinkommens überschreitet. Bei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sieht das BAG wegen der überwiegenden Finanzierung durch Gebühren und der Verpflichtung zur Beachtung des Grundsatzes der Wirtschaftlichkeit (§§ 12, 13 RStV) seit seinem Urteil
vom 3.9.1991 – 3 AZR 369/90 – BAGE 68, S. 248 Versorgungsleistungen, die das
letzte Arbeitseinkommen überschreiten, als gesetzeswidrig an, deren Abbau auf
Grund der Verpflichtung zu wirtschaftlichem und sparsamem Handeln zwingend geboten und gerechtfertigt ist.
Darüber hinaus betrachtet es das BAG als einen wichtigen versorgungs- und sozialpolitischen Grundsatz, dass das Versorgungseinkommen angemessen hinter dem
letzten verfügbaren Arbeitseinkommen (Nettobezüge) zurückbleiben sollte (BAG
Urteil vom 12.3.1996 – 3 AZR 963/94 – DB 1997, S. 939).
Versorgungstarifverträge dürfen zum Nachteil der Berechtigten geändert werden,
wenn sie nicht in unentziehbare Besitzstände oder eigentumsgleiche Rechte eingreifen und das verfassungsrechtlich geschützte Vertrauen der Arbeitnehmer in den

14

vgl. z. B. Jahresbericht des Rechnungshofes der Freien und Hansestadt Hamburg 1984, Tzn. 314 - 336, ins-

228
Fortbestand der ursprünglichen tariflichen Regelung sowie den Grundsatz der
Verhältnismäßigkeit nicht verletzen (vgl. BAG Urteil vom 24.4.1990 –
3 AZR 259/88 – BAGE 64, S. 327).
(389)

Um künftig das Entstehen von Überversorgung zu vermeiden, wurde die VersV 1985
geändert. Es wurde eine Obergrenze der Nettogesamtversorgung (Netto-Obergrenze)
eingeführt, die in Abhängigkeit von der Beschäftigungsdauer 80 %, 85 % oder 90 %
des Nettovergleichseinkommens beträgt. Für Mitarbeiter, die nach dem 31.12.1983
unbefristet eingestellt wurden, ist seitdem eine Überversorgung ausgeschlossen.

(390)

Für Berechtigte, die vor dem 1.1.1985 Versorgungsbezüge erhalten haben, und für
Mitarbeiter, deren ruhegeldfähige Beschäftigungszeit vor dem 1.1.1984 begonnen
hat, wurden im Hinblick auf den Abbau vorhandener bzw. die Vermeidung künftiger
Überversorgung aus Gründen des Vertrauensschutzes in der VersV Besitzstandsregelungen vereinbart.

(391)

Nach der Rechtsprechung des BAG ist es ausgeschlossen, die bereits gezahlte Betriebsrente in ihrem absoluten Betrag zu verringern. Wohl aber kann zum Abbau einer Überversorgung in die Rentendynamik eingegriffen werden. Es ist zulässig, bei
allgemeinen Erhöhungen der Gehälter die Erhöhung der Rente so lange auszusetzen,
bis die Überversorgung abgebaut ist (BAG Urteil vom 24.4.1990 – 3 AZR 259/88 –
BAGE 64, S. 327; BAG Urteil vom 24.8.1993 – 3 AZR 313/93 – DB 1994, S. 891).
Eine entsprechende, für alle Rentner gleichermaßen geltende Regelung ist erst seit
1997 in der VersV des NDR vereinbart.
Darüber hinaus werden seit 1997 die NDR-Renten nach der VersV allein entsprechend der Steigerung des jeweiligen Nettovergleichseinkommens erhöht. Die Dynamisierung der NDR-Rente ist von der Entwicklung der Rente aus der gesetzlichen
Rentenversicherung und damit von der Gesamtversorgung abgekoppelt.

(392)

Um sich einen Überblick über Stand und Entwicklung des Abbaus der Überversorgung zu verschaffen, haben die Rechnungshöfe die Datenbestände von 2.303 Rentenfällen, die der NDR für die zum 1.5.1999 durchgeführte Anpassung der Renten gebildet hatte, ausgewertet. Das Ergebnis ist in der nachfolgenden Grafik dargestellt.

bes. Tzn. 323 und 324

229

Anzahl der Rentenfälle

Abb. 19: Höhe des Versorgungssatzes bei den NDRRentnern
600

488

500
400
300
200

172

235

273

459

345
242
60

100

29

0
bis
bis
bis
bis
bis
bis
bis
bis
über
90 % 100 % 110 % 120 % 130 % 140 % 150 % 160 % 160 %
des jeweiligen Nettovergleichseinkommens

(393)

Beim NDR fallen mehr als 14 Jahre nach Vereinbarung von Regelungen zum Abbau
der Überversorgung immer noch 2.131 Rentner (rd. 92,5 %) unter die Besitzstandsregelungen und erzielen eine Nettogesamtversorgung von mehr als 90 % des jeweiligen Nettovergleichseinkommens. 1.896 Rentner (rd. 82,3 %) verfügen sogar über eine Nettogesamtversorgung, die – teilweise erheblich – über 100 % des jeweiligen
Nettovergleichseinkommens hinausgeht.
Demgegenüber wurden bei der VBL bereits zum Stichtag 31.12.1997 nur noch
rd. 33,4 % der Rentner überversorgt.

(394)

Der nach wie vor hohe Anteil an überversorgten Rentnern beim NDR ist vor allem
auf die 1985 vereinbarten, im Vergleich zur VBL wesentlich großzügigeren Besitzstandsregelungen des NDR zurückzuführen, nach denen es u. a. möglich war, durch
Ableistung weiterer Beschäftigungsjahre noch in die Überversorgung hineinzuwachsen.

(395)

In Zusammenarbeit mit dem NDR, der VBL und der Bundesversicherungsanstalt für
Angestellte (BfA) wurden im Rahmen der Prüfung die erzielbaren Rentenbezüge
nach der VersV sowie zum Vergleich fiktiv nach den Regelungen der VBL für einen
Musterfall für jede Vergütungsgruppe der Vergütungsordnung des NDR errechnet.
Als Anhalt diente dabei ein Arbeitnehmer, der am 1.4.1999 mit 65 Jahren in den Ruhestand trat, verheiratet ist und der Steuerklasse III angehört.
Hierbei haben sich insbesondere bei den Besitzstandsregelungen nach der VersV
zum Teil erheblich höhere Renten als nach den VBL-Regelungen ergeben.

230
(396)

Zum Stichtag 31.12.1998 fielen noch 1.636 von 3.780 Arbeitnehmern mit Versorgungsanwartschaften unter die Besitzstandsregelungen, das sind rd. 43,3 %. Davon
gilt
− für die insgesamt 725 vor dem 1.1.1974 unbefristet eingestellten Arbeitnehmer eine pauschal erhöhte Netto-Obergrenze von insgesamt 100 % des jeweiligen Nettovergleichseinkommens und
− für die insgesamt 911 nach dem 31.12.1973 aber vor dem 1.1.1984 unbefristet
eingestellten Arbeitnehmer eine pauschal erhöhte Netto-Obergrenze von insgesamt 93,75 % des jeweiligen Nettovergleichseinkommens.
Die angeführten Pauschalen sollen nach der VersV als Ausgleich für etwaig gezahlte
Mehrarbeitsvergütungen, Mehrarbeits- und Zeitzuschläge dienen und können, soweit
solche Ansprüche von den Arbeitnehmern tatsächlich individuell erworben wurden,
zu einem berechtigten Ergebnis führen. Allerdings können die Pauschalen auch zu
ungerechtfertigten Rentenerhöhungen führen, entweder weil tatsächlich individuell
keine oder nur geringere Ansprüche auf diese zusätzlichen Leistungen erworben
wurden oder weil generell – so bei den Beschäftigten in den höheren Vergütungsgruppen – tarifvertraglich gar kein Anspruch auf diese Leistungen besteht.

(397)

Für die im ersten Spiegelstrich genannte Gruppe von Arbeitnehmern bedeutet dies,
dass beispielsweise ein Mitarbeiter mit Dienstantritt beim NDR im Jahr 1973 im Alter von 30 Jahren (Geburtsjahr 1943) bei Erreichen der Regelaltersgrenze von 65
Jahren im Jahr 2008 nach den bestehenden Regelungen noch einen Anspruch auf
Versorgungsleistungen auf der Grundlage der pauschal erhöhten Netto-Obergrenze
von 100 % besitzt. Die NDR-Renten würden entsprechend der durchschnittlichen
Lebenserwartungen für Männer und Frauen für weitere ca. 15 bis 20 Jahre bis zum
Jahr 2028 gezahlt werden. Die Zahlungsdauer könnte sich um Zeiten für Hinterbliebenenversorgung verlängern. Da beim NDR auch noch jüngere Mitarbeiter – allerdings zu einem geringeren Teil – unter diese Besitzstandsregelungen fallen, die beispielsweise erst im Jahr 1953 geboren worden sind und bereits sehr früh im Alter von
20 Jahren vom NDR beschäftigt wurden, könnten Rentenzahlungen für diese Arbeitnehmer sowie für etwaige Hinterbliebene noch viele Jahrzehnte bis 2035 oder 2040
anfallen. Dies hat zur Folge, dass vom Beginn des Abbaus der Überversorgung im
Jahr 1985 bis zum Auslaufen dieser Besitzstandsregelungen voraussichtlich 50 Jahre

231
oder noch länger erhöhte Rentenzahlungen auf der Basis einer Netto-Obergrenze von
100 % geleistet werden.
(398)

Für die Gruppe der Arbeitnehmer mit einer pauschal erhöhten Netto-Obergrenze von
93,75 % werden sich die Versorgungsleistungen des NDR wegen des niedrigeren
Lebensalters dieser Mitarbeiter um rd. zehn Jahre weiter in die Zukunft verlagern
und bis in die Jahre 2045 bis 2050 als Sonderregelung Bestand haben.

(399)

Demgegenüber wird der neue innerhalb der ARD einheitlich geltende VTV die Höhe
der NDR-Renten und das Versorgungsniveau auf Grund der Abkopplung von der gesetzlichen Rentenversicherung deutlich absenken.

Empfehlungen der Rechnungshöfe zur weiteren Absenkung
der Versorgungsleistungen
(400)

Die Rechnungshöfe haben dem NDR empfohlen, die Besitzstandsregelungen zu ändern und eine Absenkung der geltenden Obergrenzen der Nettogesamtversorgung in
Angriff zu nehmen.

(401)

Die Rechnungshöfe haben darüber hinaus vorgeschlagen,
− entsprechend den nach dem Gesetz zur Reform der gesetzlichen Rentenversicherung (Rentenreformgesetz 1992 – RRG 1992) vom 18. Dezember 1989 vorgesehenen Kürzungen der Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung bei Inanspruchnahme der vorgezogenen Altersrente zusätzlich – wie z. B. bei anderen
Rundfunkanstalten oder im VTV geregelt – NDR-eigene Versorgungsabschläge
einzuführen, die wegen der längeren Bezugsdauer sachlich gerechtfertigt sind,
− eine Eigenbeteiligung der Arbeitnehmer an der betrieblichen Altersversorgung
vorzusehen, wie z. B. bei der VBL oder im Ruhegeldgesetz der Freien und Hansestadt Hamburg geregelt,
− das Anwachsen künftiger Versorgungsansprüche zu reduzieren, z. B. durch Streckung des für die Erreichung der Höchstversorgung (Netto-Obergrenze von 90 %)
notwendigen Zeitraums von bislang 25 auf 40 Beschäftigungsjahre wie bei der
VBL oder durch Festschreibung der Besitzstände zu einem bestimmten Stichtag
und Errechnung der künftigen Versorgungszuwächse nach dem VTV.

232
Der NDR hat diese Vorschläge teilweise in die Tarifrunden eingebracht.

Sicherung der Ansprüche aus Versorgungszusagen
(402)

Die Verpflichtungen aus Versorgungszusagen des NDR an seine Mitarbeiter sind
durch Bildung von angemessenen Rückstellungen nach staatsvertraglichen, handelsund steuerrechtlichen Vorgaben in der Bilanz zu passivieren. Die Pensionsrückstellung zum 31.12.1998 beläuft sich auf 1,439 Mrd. DM (735,7 Mio. €).
Eine stichprobenweise Prüfung der versicherungsmathematischen Berechnungen
durch die Rechnungshöfe hat in Einzelfällen zu abweichenden Feststellungen bei den
jährlichen Rückstellungen geführt. Diese sind vom NDR aufgegriffen und berichtigt
worden.

(403)

Der NDR hat zur Sicherung der Ansprüche der Mitarbeiter aus Versorgungszusagen
Finanzmittel in angemessener Höhe einem Sondervermögen zuzuführen (§ 31 Abs. 5
Satz 2 NDR-StV).
Die Finanzordnung für den NDR konkretisiert diese Verpflichtung dahingehend,
dass in Höhe von 40 % der nach versicherungsmathematischen Grundsätzen zu ermittelnden Pensionsrückstellungen dieses Sondervermögen zusätzlich der Zweckbindung für die Erfüllung der Versorgungsansprüche unterliegt.

(404)

Das aus Wertpapieren und Rückdeckungsversicherungen bestehende Sondervermögen (Deckungsstock) des NDR ist in der Bilanz am 31.12.1998 mit 851 Mio. DM
(435,1 Mio. €) ausgewiesen. Dies entspricht einem Deckungsgrad von 59,1 % im
Verhältnis zu den gebildeten Pensionsrückstellungen.

(405)

Der NDR strebt an, das Sondervermögen in gleicher absoluter Höhe wie die nach
versicherungsmathematischen Grundsätzen ermittelten Pensionsrückstellungen zu
bilden.
Die Rechnungshöfe halten dies nicht für erforderlich, weil das in der Bilanz nach
handelsrechtlichen Grundsätzen aktivierte Sondervermögen niedriger ausgewiesen
wird, als die tatsächlich für die Finanzierung der Altersversorgung zur Verfügung
stehenden Mittel betragen. So sind insbesondere durch langfristige Anlagen der liquiden Mittel aus der Altersversorgung Renditen zu erwirtschaften, die nicht uner-

233
heblich über der bei der Berechnung der Pensionsrückstellung berücksichtigten Verzinsung von 6 % liegen. Hieraus ergibt sich, dass ein nominal wesentlich geringeres
Sondervermögen ausgewiesen werden kann.
Die Rechnungshöfe halten es darüber hinaus für erforderlich, dass zu jedem Stichtag
außerhalb des Bilanzansatzes zusätzlich die stillen Reserven des Sondervermögens
erfasst werden. Durch den Ansatz z. B. des Kurswertes für die Wertpapiere des NDR
am 31.12.1998 ergeben sich höhere Finanzierungsmöglichkeiten von 147 Mio. DM
(75,2 Mio. €). Darüber hinaus sind die Auswirkungen unterschiedlicher Bewertungsgrundsätze zwischen den Bilanzansätzen der Rückdeckung bei einer Versicherung
sowie den Pensionsrückstellungen zu neutralisieren mit der Folge, dass ein geringeres Sondervermögen als in Höhe der gebildeten Pensionsrückstellungen zur Finanzierung der Altersversorgung benötigt wird.
Der NDR stellt dazu insgesamt fest, dass die Berücksichtigung der „stillen Reserven“ im Sinne der Rechnungshöfe sich mit seinen Vorstellungen einer soliden Finanzpolitik nicht decke.
Die Rechnungshöfe sehen sich in Übereinstimmung mit der KEF und halten an ihrer
Auffassung fest.
Die Rechnungshöfe fordern des weiteren, dass das in der Bilanz ausgewiesene nicht
notwendige Betriebsvermögen mit in die Betrachtung einbezogen wird. So können
beim NDR vorhandene vermietete Liegenschaften im ersten Schritt rechnerisch, im
zweiten Schritt durch die Realisierung und Erfassung der Veräußerungsgewinne im
Sondervermögen Berücksichtigung finden. Darüber hinaus besteht für den NDR die
Möglichkeit, das durch die Innenfinanzierung in der Vergangenheit gebildete betriebsnotwendige Anlagevermögen in die Sicherung der Versorgungsansprüche mit
einzubeziehen. Die Rechnungshöfe haben dazu den NDR gebeten zu untersuchen, ob
in ausgesuchten Fällen die Umwandlung in liquide Mitteln wirtschaftlich ist.
(406)

Die KEF hatte bis 1992 für die Bemessung der Rundfunkgebührenhöhe grundsätzlich nur die kassenwirksamen Aufwendungen anerkannt. Den ARD-Anstalten waren
Zuführungen zu den Deckungsstöcken (Sondervermögen) zugebilligt, soweit dies erforderlich war, um 50 % der laufenden Rentenzahlungen aus den Erträgen der Deckungsstöcke zu finanzieren.

234
Diese liquiditätsorientierte Methode hat die KEF modifiziert und mit Wirkung ab
1993 Elemente einer betriebswirtschaftlichen Planungsmethode integriert. Danach
sollen anstelle des Betrages für die Bildung eines Deckungsstocks und für die laufenden Pensionszahlungen „... künftig die Aufwendungen für die Altersversorgung in
Höhe der Beträge als wirksam für den Finanzbedarf berücksichtigt werden, die voll
steuerpflichtigen Unternehmen ertragssteuerlich als Aufwand anerkannt werden“
(9. KEF-Bericht, Tz. 233). Dies hatte zur Folge, dass der Rückstellungszuwachs sich
gebührenerhöhend auswirkte. Die KEF ging dabei von der Erwartung aus, dass die
Anstalten diese zusätzlichen Mittel dem Deckungsstock zuführen würden.
(407)

Die Rechnungshöfe haben festgestellt, dass der NDR im Zeitraum von 1993 bis 1998
insgesamt rd. 224 Mio. DM (rd. 114,5 Mio. €) entgegen den Erwartungen der KEF
nicht dem Sondervermögen zugeführt hat. Tatsächlich hat sich das Sondervermögen
in dem Zeitraum – statt um rd. 419 Mio. DM (rd. 214,2 Mio. €) – nur um
rd. 195 Mio. DM (rd. 99,7 Mio. €) erhöht.
Der NDR teilt dazu mit, dass er aufgrund anderer Berechnungsweisen zu der Auffassung komme, in diesem Zeitraum rd. 112 Mio. DM (rd. 57,3 Mio. €) Überdeckung
erzielt zu haben.
Die Rechnungshöfe halten an ihrer Auffassung fest. Sie würden insoweit eine Präzisierung der Berechnungsmethode durch die KEF begrüßen.

(408)

Nach Umstellung auf die modifizierte Planungsmethode argumentierte die ARD gegenüber der KEF, sie behandele die ARD und das ZDF, das bereits eine 100-prozentige Deckung seiner Pensionsrückstellungen durch Deckungsstöcke erreicht hatte,
ungleich. Danach würde sich für die ARD-Anstalten eine Deckungslücke von
3,6 Mrd. DM (1,8 Mrd. €) ergeben, die geschlossen werden müsse.
Die KEF folgte diesem Argument und lässt ab 1997 auch bei der ARD die Bildung
eines Deckungsvermögens in Höhe von 100 % der Pensionsrückstellungen zu.

(409)

Der aus der Anerkennung der Deckungslücke resultierende zusätzliche Finanzbedarf
zur Aufstockung des Deckungsvermögens auf 100 % der Rückstellungswerte wurde
im Einvernehmen mit den ARD-Anstalten auf 20 Jahre verteilt und mit einem Rundfunkgebührenanteil von 0,48 DM (0,25 €) berücksichtigt (vgl. 12. KEF-Bericht,

235
Tzn. 132 ff). Die KEF und die Rundfunkanstalten haben diesbezüglich vereinbart,
dass die hierdurch zufließenden Erträge dem Sondervermögen zugeführt werden.
Die Prüfungsfeststellungen der Rechnungshöfe beim NDR belegen, dass die Aufrechterhaltung der Frist von 20 Jahren beim NDR für die Schließung der Deckungslücke nicht erforderlich zu sein scheint.
Der NDR weist darauf hin, dass die Schließung der Deckungslücke aus seiner Sicht
noch lange nicht erreicht sei, sodass Mutmaßungen darüber, ob die seinerzeit angenommene Zeitspanne zuträfe, derzeit nicht weiterführen würden.
Die Rechnungshöfe halten an ihrer Auffassung fest.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

236

IT-Ressortplanung und Haushaltsplanung (MG 59)

Bei der Planung des IT-Vorhabens Informationssystem für die Arbeitsmarktpolitik (ISAP)
haben das Sozialministerium bzw. das Arbeitsministerium grundlegende IT-Planungsgrundsätze nicht beachtet.
Die Koordinierungs- und Beratungsstelle der
Landesregierung für Informations- und Telekommunikationstechnik in der Landesverwaltung (LKSt) hat nicht beachtet, dass für das ITVorhaben ISAP keine Kosten für die Programmierung ausgewiesen wurden.
Das Finanzministerium hat bei der Aufstellung
des Haushaltsplanes auch Ausgaben für dieses
IT-Vorhaben zugelassen, die im IT-Ressortplan
nicht vorgesehen, in ihrer Verwendung und Höhe
überwiegend unbestimmt und nicht in einer
Maßnahmegruppe 59 veranschlagt waren.

(410)

Im Zusammenhang mit der Prüfung des IT-Vorhabens Informationssystem für die
Arbeitsmarktpolitik (siehe Tz. 308) hat der Landesrechnungshof geprüft, inwieweit
dieses Vorhaben in der IT-Ressortplanung 1998 bis 2001 des Sozialministeriums
bzw. (ab 2000) des Arbeitsministeriums enthalten war, welche Auswirkungen die
fachliche Prüfung dieser Pläne durch das Innenministerium – LKSt – hatte und inwieweit sich die Angaben der IT-Ressortpläne in den Einzelplänen 10 „Sozialministerium“ bzw. 15 „Ministerium für Arbeit und Bau“ der Landeshaushaltspläne
1988 bis 2001 widerspiegelten.

(411)

Gemäß Nr. 2.1 der IT-Richtlinien M-V vom 14. April 1999 15(AmtsBl. M-V S. 462)
planen die obersten Landesbehörden den IT-Einsatz in ihrem Geschäftsbereich in ei-

15

siehe auch Nr. 3.1.1 der IT-Richtlinie vom 7. Juli 1993 (AmtsBl. M-V S.1298), gültig bis zum 3.Mai 1999

237
gener Zuständigkeit unter Beachtung der ‘IT-Planungsgrundsätze’ und des ‘ITStrukturrahmens’. Sie haben die eingeführten Anwendungen und geplanten Vorhaben jährlich in einem IT-Ressortplan zusammenzustellen. Die IT-Ressortpläne sind
dem Innenministerium zur Stellungnahme aus fachlicher Sicht vorzulegen.
Das Finanzministerium hat in Haushaltsrunderlassen 1998 bis 2001 (jeweils
Nr. 4.1.6, letzter Absatz ) ausdrücklich bestimmt, dass Anmeldungen von ITVorhaben zum Haushalt ohne die fachliche Stellungnahme der LKSt bei der Aufstellung des Haushaltsplan-Entwurfs nicht berücksichtigt werden. Damit sollte sichergestellt werden, dass im Haushalt nur Mittel für solche Vorhaben bereit gestellt werden, die zuvor in den IT-Ressortplan aufgenommen und von der LKSt fachlich geprüft wurden.
(412)

In den IT-Ressortplänen der Jahre 1998 bis 2000 haben das Sozialministerium bzw.
Arbeitsministerium für IT-Maßnahmen im Bereich der Arbeitsmarktförderung lediglich folgende Ausgaben ausgewiesen:
Mittelverwendung
Softwarepflege
AQMV/AMV und Programmerweiterungen *)
Hardwarewartung
AQMV/AMV
Hardwareerweiterung
AQMV/AMV
Hardwarebeschaffung
(ISAP)
Datenfernübertragung
und Oracle-Lizenzen
ISAP-Softwareentwicklung

1998
- in DM (€)136.000
(69.536)

1999
- in DM (€)112.000
(56.944)

2000
- in DM (€)112.000
(56.944)

–

12.000
(6.136)
–

30.000
(15.339)
–
–

–

754.000
(385.514)
–

–

–

42.500
(45.730)
–

75.000
(38.347)
–

Tab. 28: Ausgaben für IT-Maßnahmen im Bereich der Arbeitsmarktförderung
*) diese Ausgaben betreffen das von ISAP abzulösende IT-Altverfahren

(413)

Für die Finanzierung der Planung und Programmierung des Informationssystems für
die Arbeitsmarktpolitik (ISAP) wurden einschließlich Projektmanagement bisher
rd. 4 Mio. DM (rd. 2,04 Mio. €) ausgegeben. Diese Ausgaben sind in den IT-Ressortplänen nicht enthalten. Statt dessen wurde 1999 lediglich vermerkt, dass das Verfahren ISAP durch eine Anpassung der Lösung von Nordrhein-Westfalen entwickelt
wird. Die Finanzierung sollte aus den Mitteln der Arbeitsmarktförderung erfolgen.

238
Im IT-Ressortplan 2000 heißt es dann, dass „das Programmsystem (ISAP) i. w. vom
Land NRW übernommen“ wird.
(414)

Das Innenministerium – LKSt – hat im Rahmen der fachlichen Prüfung nicht beanstandet, dass Näheres zu der sog. Anpassungsprogrammierung des aus NordrheinWestfalen übernommenen Verfahrens einschließlich der damit verbundenen Kosten
im IT-Ressortplan nicht ausgewiesen worden ist. Es hat sich vielmehr zu den vom
Sozialministerium/Arbeitsministerium dargestellten IT-Verfahren – darunter ISAP –
jährlich gleichlautend wie folgt geäußert:
„Die Ihrerseits geplanten IT-Anwendungen und IT-Vorhaben entsprechen hinsichtlich des Aufbaus den Vorgaben der IT-Planungsgrundsätze sowie hinsichtlich der
technischen Aussagen den im IT-Strukturrahmen festgelegten Standards.“

(415)

Das Innenministerium – LKSt – hat bei der fachlichen Prüfung der IT-Ressortpläne
trotz deutlicher Hinweise nicht beanstandet, dass insbesondere für ISAP keine Programmierungskosten ausgewiesen wurden.
Es ist auch zweifelhaft, ob die Bestätigung der LKSt, dass die ISAP-Planung den
Vorgaben der IT-Planungsgrundsätze entsprach, korrekt war. Der LKSt lagen nämlich wesentliche, für die Beurteilung der Einführung eines neuen Verfahrens nach der
IT-Planungsrichtlinie notwendige Unterlagen zum ISAP-Verfahren (vgl. Nr. 2.1.4
IT-Planungsgrundsätze) überhaupt nicht vor.

(416)

Das Sozialministerium kannte die Kosten für die Planung, Programmierung und Einführung von ISAP, denn diese waren in einem Vermerk des Ministeriums vom
5.9.1997 auf 2,1 Mio. DM (1,07 Mio. €) – ohne die Kosten für die Hardware – beziffert worden.
Trotzdem haben das Sozialministerium bzw. das Arbeitsministerium die Entwicklungskosten für die Software in den IT-Ressortplanungen 1999 und 2000 nicht ausgewiesen.

(417)

Im IT-Ressortplan 2001 des Arbeitsministeriums und übereinstimmend damit im
Haushaltsplan 2001 sind bei Titel 1503 535.02 „Schaffung und Aufrechterhaltung
der IT-Infrastruktur für die Arbeitsmarktförderung“ 177.000 DM (90.499 €) veranschlagt. Wofür dieser Betrag im Einzelnen vorgesehen ist, ergibt sich aus dem ITRessortplan nicht.

239
Aus den Planungsunterlagen des Arbeitsministeriums folgt, dass diese Mittel für
ISDN-Verbindungen (25.000 DM / 12.782 €), Geschäftsbedarf (22.000 DM /
11.248 €), ergänzende Ausstattung und Ersatzbeschaffung (10.000 DM / 5.113 €)
und Softwarepflege ISAP (120.000 DM / 61.355 €) vorgesehen sind.
(418)

Der IT-Ressortplan 2001 enthält keinen Hinweis darauf, dass dieser Betrag
(177.000 DM / 90.499 €) aus Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds mit
300.000 DM (153.388 €) aufgestockt werden soll (s. Titel 1503 535.05 „Schaffung
der erforderlichen Infrastruktur zur Umsetzung des ESF“). Laut Erläuterungen zu Titel 1503 535.05 sind diese Mittel „veranschlagt zur Komplementärfinanzierung von
IT-Maßnahmen im Bereich der Arbeitsmarktförderung (vgl. Titel 535.02, MG 02).“
Wofür die zusätzlichen 300.000 DM (153.388 €) bei der Schaffung und Aufrechterhaltung der IT-Infrastruktur für die Arbeitsmarktpolitik verwendet werden sollen,
wurde nicht geklärt.

(419)

Das Arbeitsministerium hat die Nichterwähnung der ESF-Mittel für ISAP in seinen
IT-Ressortplänen damit erklärt, dass es sich um Haushaltsmittel handle, für welche
bei der Haushaltsplanung nicht die gleichen Grundsätze wie für Landesmittel gelten.

(420)

Die Zuweisungen aus dem ESF fließen dem Land als Einnahmen zu (s. Titel
1503 287.02 „Zuweisungen aus dem reformierten europäischen Sozialfonds“ und
1503 287.03 „Zuweisungen aus dem ESF 2000 bis 2006“). Sie werden also über den
Landeshaushalt bewirtschaftet und sind deshalb genauso zu behandeln wie die „normalen“ Finanzmittel des Landes.
Sie bei der IT-Ressortplanung außer Acht zu lassen, widerspricht dem Grundsatz der
Vollständigkeit und Klarheit von Planungen.

(421)

Im Übrigen würde die Auffassung des Arbeitsministeriums dazu führen, dass ein ITVorhaben im Vorbereitungs- und Planungsstadium nicht mehr als einheitliches Gesamtverfahren, sondern je nach Finanzierungsquellen und -anteilen zukünftig in Teilen zu betrachten und zu bewerten wäre. Dies widerspricht dem in Nr. 2.2.3.7 IT-Planungsgrundsätze verankerten Grundsatz der Vollkostenbetrachtung. Dort wird unter
Bezugnahme auf die LHO ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine Darstellung
der Kosten für Hardware, Software, Wartung/Pflege, Beratung/Erstellung, Ausbildung usw. erforderlich ist.

240
(422)

Das Finanzministerium hat sich bei der Aufstellung des Haushalts nicht an seinen
eigenen Aufstellungserlass gehalten; es hätte nur Ausgaben für die IT-Maßnahmen
berücksichtigen dürfen, die vom Innenministerium – LKSt – fachlich geprüft wurden.

(423)

Das Finanzministerium hat bei der Aufstellung des Haushaltsplans 2001 Ansätze für
IT-Ausgaben zum ISAP-Verfahren zugelassen, die in der IT-Ressortplanung des Ministeriums für Arbeit und Bau für das Jahr 2001 nicht vorgesehen waren:
HaushaltsIT-Ressortplan
Haushaltsplan
titel
1503 533.02 nicht enthalten (!) Teilbetrag von 3.500,0 TDM
(1.789,5 T€)
Ausgaben aufgrund von
Werkverträgen oder anderen
Auftragsformen

Bemerkungen

Laut Erläuterungen im HHPlan sind die Mittel „u. a“
für die „Softwareerweiterung ISAP“ vorgesehen.
Die Höhe der hierfür vorgesehenen Mittel ist nicht ausgewiesen.
1503 533.05 nicht enthalten (!) Teilbetrag von 3.300,0 TDM Laut Erläuterungen im
Haushaltsplan handelt es
(1.687,3 T€)
sich um Mittel für die
Ausgaben aufgrund von
Werkverträgen oder anderen „Komplementärfinanzierung
von Werkverträgen zur UmAuftragsformen
setzung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen ...(vgl.
Titel 533.02, MG 02)“.
1503 535.02 177,0 TDM
Laut Erläuterungen im HH177,0 TDM
Schaffung der erforderlichen Plan vorgesehen für:
(90,5 T€)
– Verbrauchsmaterial
Infrastruktur zur Umsetzung
Schaffung und
Aufrechterhaltung arbeitsmarktpolitischer Maß- – Datenverbindungen
– Wartung, Reparatur
der IT-Infrastruk- nahmen
– Softwarepflege ISAP
tur für die Arbeitsmarktförderung
1503 535.05 nicht enthalten (!) 300,0 TDM
Laut Erläuterungen im HHPlan veranschlagt zur
(153,4 T€)
Schaffung der erforderlichen „Komplementärfinanzierung
im Bereich der ArbeitsInfrastruktur zur Umsetzung
marktförderung (vgl. Titel
des ESF
535.02, MG 02)“.
Tab. 29: Differenzen zwischen den Ansätzen im IT-Ressortplan und den Planansätzen im Haushalt

Trotz der deutlichen Differenzen zwischen den Ansätzen des IT-Ressortplanes und
den Planansätzen wurden diese mit dem Haushalt verabschiedet.
(424)

Weitere bei der Planung der Ausgaben für ISAP festgestellte Mängel waren:
− Mittel, die für „Ausgaben aufgrund von Werkverträgen oder anderen Auftragsformen“ (Titel 1503 533.02) vorgesehen sind, werden im Haushaltsplan 2001 we-

241
der erläutert noch der Höhe nach spezifiziert. In den Erläuterungen werden vier
Maßnahmen lediglich als Positionen unter anderen und ohne Angabe der jeweils
dafür vorgesehenen Finanzmittel genannt. Darüber hinaus bleibt offen und somit
dem Arbeitsministerium überlassen, welche weiteren Maßnahmen aus diesem Titel mit welchen Beträgen finanziert werden sollen.
− Dem Finanzministerium lagen bei den Planberatungen keine weiterführenden Begründungen der für Werkverträge vorgesehenen Mittel in Höhe von insgesamt
6,8 Mio. DM (3,48 Mio. €) vor. Gleichwohl hat es dies letztlich ohne Weiteres
hingenommen.
− Die Ausgaben für das IT-Vorhaben ISAP wurden nicht – wie im Haushaltsrunderlass Nr. 4.1.6 grundsätzlich gefordert – als ressortinterner IT-Bedarf in einer (gesonderten) MG 59 der Einzelpläne 10 „Sozialministerium“ bzw. 15 „Arbeitsministerium“ geplant, sondern bei jeweils zwei Titeln in Maßnahmegruppe 02
(Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen des Landes insbesondere im Rahmen von
AQMV) und in Maßnahmegruppe 05 (ESF 2000 bis 2006) veranschlagt.
(425)

Das Finanzministerium hat seine Verantwortung nach § 28 LHO bei der Prüfung der
Voranschläge von Ausgaben für das IT-Vorhaben ISAP nicht konsequent wahrgenommen. Es hat zugelassen, dass das Arbeitsministerium gegen Planungsgrundsätze
der LHO (insbesondere Vollständigkeit und Klarheit) sowie gegen Bestimmungen
der Haushaltsrunderlasse und der IT-Planungsgrundsätze verstoßen hat.

(426)

Das Arbeitsministerium hat mitgeteilt, dass es einen „Verstoß gegen die Grundsätze
der Vollständigkeit und Klarheit des Haushaltes“ bei der ISAP-Planung nicht erkenne. Alle Haushaltsansätze für die Entwicklung von ISAP seien im Haushalt des Einzelplanes 15 und in den Planaufstellungsdokumenten enthalten. Zu beachten sei
auch, dass die Finanzierung von ISAP zu unterschiedlichen Teilen aus Landes- bzw.
ESF-Mitteln erfolge.

242
(427)

Das Innenministerium – LKSt – hat ausgeführt, dass bei der Prüfung des vorgelegten
IT-Ressortplanes des Arbeitsministeriums angesichts der darin ausgewiesenen Kosten für die Pflege und Weiterentwicklung der Software für ISAP kein Grund bestand
anzunehmen, Programmierungsleistungen seien davon nicht abgedeckt. Der LKSt
könne auch nicht vorgehalten werden, dass nicht alle für die Prüfung notwendigen
Unterlagen vorgelegen hätten. Die LKSt könne nicht erkennen, ob ihr Unterlagen
vorenthalten werden. Sie müsse vielmehr davon ausgehen, dass „ihr alle einschlägigen Informationen zur Verfügung gestellt werden“. Ohne diese Vertrauensbasis sei
eine Zusammenarbeit zwischen der LKSt und den Ressorts nicht möglich.

243

Förderung und Trägerschaft öffentlicher beruflicher Schulen

Der Landesrechnungshof hat den Landtag und
die Landesregierung zu den Auswirkungen der
Trägerstruktur der weiterführenden Schulen auf
die kommunale Finanzplanung beraten. Das
Land fördert weiterhin die Modernisierung von
beruflichen Schulen mit ungewisser Zukunft.

(428)

Der Landesrechnungshof hat dem Landtag und der Landesregierung am 26.1.2001
eine Beratung gemäß § 88 Abs. 3 LHO zu den Auswirkungen der Trägerstruktur der
weiterführenden Schulen auf die kommunale Finanzplanung vor dem Hintergrund
der Bevölkerungsentwicklung in den nächsten Jahren zugeleitet (Drs. 3/1842). Darin
wurde nachdrücklich auf die wachsende Bedeutung der kreisübergreifenden Zusammenarbeit und Planung bei den weiterführenden Schulen hingewiesen. Insbesondere
Investitionsentscheidungen in weitere Gymnasien und Berufsschulstandorte werden
in der Zukunft zu nicht ausgelasteten Kapazitäten führen. Außerdem wurde empfohlen zu prüfen, ob die Verantwortlichkeit für die Schulentwicklungsplanung und die
Schulträgerschaft im Bereich der weiterführenden Schulen auf die Planungsregionen
oder das Land verlagert werden können. Die Landesregierung hat die Beratung als
hilfreich begrüßt.

(429)

Die Oberbürgermeister- und Landrätekonferenz hat am 13.11.2000 darum gebeten,
„jegliche Investitionen in Berufsschulen seitens des Landes zu stoppen, um die Bemühungen um kreisübergreifende Kooperationen nicht zu gefährden und Unsicherheiten bei der Planung vor Ort zu verhindern.“ Dennoch sind seitdem zwei Zuwendungsbescheide zur Sanierung beruflicher Schulen übergeben worden, nämlich zur
Modernisierung der beruflichen Schule der Landeshauptstadt Schwerin – Wirtschaft
und Verwaltung – über 18,74 Mio. DM (9,58 Mio. €) am 1.2.2001 und zur Erweiterung, Umbau und Modernisierung der beruflichen Schule des Landkreises Parchim
(zweiter Bauabschnitt) über 10,43 Mio. DM (5,33 Mio. €) am 2.3.2001.

(430)

Die Zuwendungen zur Sanierung der beruflichen Schule des Landkreises Parchim
werden zurzeit vom Landesrechnungshof geprüft. Schon nach erster Durchsicht der

244
Unterlagen ist erkennbar, dass bei dieser Förderentscheidung die Aspekte der rückläufigen Schülerzahlen und der kreisübergreifenden Abstimmung unzureichend berücksichtigt worden sind. Entscheidungen zur Schwerpunktbildung der beruflichen
Schulen der Region nach Berufsfeldern sind weder von den Schulträgern noch vom
Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur getroffen worden. Außerdem ist
gegenwärtig die Gesamtfinanzierung der Investitionsmaßnahme nicht gesichert. Der
Landkreis Parchim ist mit einem Schuldenstand von 96,8 Mio. DM16 (49,49 Mio. €)
der landesweit am höchsten verschuldete Landkreis.
(431)

Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur teilt im Schreiben vom
8.12.2000 an das Wirtschaftsministerium mit, es sei „eindeutig erkennbar, dass in
den Planungsregionen Vorpommern und Mecklenburgische Seenplatte auf lange
Sicht ausreichend Berufsschulkapazitäten verfügbar sind und nur noch in Einzelfällen Investitionen für Abrundungsvorhaben erforderlich sind“. Dennoch werden auch
in diesen Regionen Investitionen für berufliche Schulen geplant.

(432)

Der Landesrechnungshof hält es dringend für erforderlich zu prüfen, ob die Verantwortlichkeiten für Schulentwicklungsplanung und Schulträgerschaft der weiterführenden Schulen auf die Planungsregionen oder das Land verlagert werden können.
Die dazu erforderlichen Schritte sind bisher nicht unternommen worden.

16

Quelle: Haushaltsplan des Landkreises Parchim für das Haushaltsjahr 2001

245

Fischverarbeitungszentrum Sassnitz-Mukran

Im Zusammenhang mit dem Investitionsvorhaben Fischverarbeitungszentrum Sassnitz-Mukran
hat das Landwirtschaftsministerium gegenüber
den finanzierenden Banken am 6.7.2000 Erklärungen abgegeben, die auf eine Gewährleistung
des Landes hinauslaufen. Gem. Art. 65 Abs. 1
Verf. M-V bzw. § 39 Abs. 1 LHO hätten diese
Erklärungen einer der Höhe nach bestimmten
Ermächtigung der Landesregierung durch Gesetz bedurft. Auch auf schriftliche Aufforderung
des Landesrechnungshofes hat das Landwirtschaftsministerium keine gesetzliche Grundlage
für die Gewährleistung vom 6.7.2000 benannt.

(433)

Seit Ende des Jahres 2000 werden Pläne zur Errichtung eines Fischverarbeitungszentrums in Sassnitz-Mukran mit einem Investitionsvolumen von insgesamt
ca. 170 Mio. DM (ca. 86,9 Mio. €) umgesetzt. Im Fischverarbeitungszentrum werden
voraussichtlich etwa 150 Arbeitsplätze vorwiegend im Niedriglohnsektor entstehen.

(434)

Die baulichen Anlagen des Fischverarbeitungszentrums sollen auf einer Spülfläche
im Hafengebiet von Sassnitz-Mukran errichtet werden. Diese Spülfläche wird einschließlich einer vom Fischverarbeitungszentrum zu nutzenden Umschlagskaje von
einer mehrheitlich im Eigentum der Stadt Sassnitz stehenden kleinen Kapitalgesellschaft mit einem Kostenaufwand von voraussichtlich ca. 26 Mio. DM
(ca. 13,3 Mio. €) aufgespült bzw. gebaut. Dieses Vorhaben wird vom Land mit Zuwendungen in Höhe von mindestens 17 Mio. DM (8,7 Mio. €) gefördert.
Die Produktionsgebäude, Betriebsvorrichtungen und Außenanlagen des Zentrums
(Gesamtinvestitionskosten ca. 71 Mio. DM (ca. 36,3 Mio. €)) werden von einer Eigengesellschaft der Stadt Sassnitz errichtet. Für den Bau dieser Anlagen hat das Land
Zuwendungen in Höhe von mindestens 58,4 Mio. DM (29,9 Mio. €) bewilligt.

246
Von den Fördermitteln für die beiden kommunalen Gesellschaften in Höhe von insgesamt mindestens 75,4 Mio. DM (38,6 Mio. €) stammen nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums rund 50 Mio. DM (25,6 Mio. €) aus dem EU-Programm FIAF.
(435)

Der zukünftige Betreiber des Fischverarbeitungszentrums wird das Kühlhaus errichten sowie die technische Ausrüstung des Zentrums beisteuern. Hierfür wird voraussichtlich ein finanzieller Aufwand in Höhe von rd. 73 Mio. DM (rd. 37,3 Mio. €) entstehen, von dem ca. 33 Mio. DM (ca. 16,9 Mio. €) aus Landes-, Bundes- und EUFördertöpfen kommen.

(436)

Spülfläche und Produktionsgebäude, Betriebsvorrichtungen und Außenanlagen werden von den kommunalen Gesellschaften auf Grundlage langfristiger Miet- bzw.
Nutzungsverträge dem Betreiber des Fischverarbeitungszentrums zur Verfügung gestellt. Die Ansprüche der kommunalen Gesellschaften auf Zahlung von Mietzins
bzw. Nutzungsentgelt gegen den Betreiber sind für die gesamte Vertragslaufzeit zum
Zwecke der Finanzierung der Vorhaben vorab an das das Projekt finanzierende Bankenkonsortium veräußert worden.

(437)

Der Landesrechnungshof hat, wie im Jahresbericht 2000 vom 6.7.2000 ausgeführt
(vgl. Tz. 537), die beteiligten Landesbehörden, die Stadt Sassnitz und deren kommunale Gesellschaften mehrfach auf die mit dem Projekt verbundenen rechtlichen,
finanziellen und wirtschaftlichen Risiken hingewiesen.

(438)

Nach Redaktionsschluss des Jahresberichts 2000 übersandte die konsortialführende
Bank mit Schreiben vom 5.7.2000 die Verträge über den Ankauf der Mietzins- und
Nutzungsentgeltforderungen an das Landwirtschaftsministerium zwecks Zuleitung
an die Verkäufer dieser Forderungen, die kommunalen Unternehmen. Die Weiterleitung der Vertragsentwürfe an die Gesellschaften – und damit im Ergebnis auch den
Abschluss der vorgesehenen Forderungskaufverträge – machte die Bank u. a. von der
Abgabe folgender Erklärungen durch das Landwirtschaftsministerium abhängig:
„Das Landwirtschaftsministerium hat alle erforderlichen Abstimmungen mit der EU
zur Gewährung der Zuschüsse für das o. g. Projekt vorgenommen. Soweit erforderlich wurde durch die EU der beabsichtigten Förderung zugestimmt. Vorgenanntes

247
gilt gleichlautend für die Zuschüsse aus dem Wirtschaftsministerium MecklenburgVorpommern.“
Mit Schreiben vom 6.7.2000 an das Landwirtschaftsministerium modifizierte die
Bank offenbar aufgrund von zwischenzeitlichen Verhandlungen die abzugebende
Erklärung wie folgt:
„Das Landwirtschaftsministerium hat alle erforderlichen Abstimmungen mit der EU
zur Gewährung der Zuschüsse für das o. g. Projekt vorgenommen. Soweit erforderlich wird nach den vorliegenden Erkenntnissen durch die EU der beabsichtigten
Förderung zugestimmt werden. Es herrscht Einvernehmen darüber, dass eine Durchführung der im Entwurf vorliegenden Forderungskaufverträge zwingend die Gewährung der Zuschüsse bedingt.“
Das Landwirtschaftsministerium gab die geforderte Erklärung mit Schreiben vom
gleichen Tage an die Konsortialführerin ab.
(439)

Nach Einschätzung des Landesrechnungshofes hat das Landwirtschaftsministerium
mit seiner Erklärung vom 6.7.2000 nicht nur eine unverbindliche Information zum
Stand der Verhandlungen über das Projekt Fischverarbeitungszentrum SassnitzMukran mit den zuständigen Dienststellen der EU gegeben. Schon der Umstand,
dass die finanzierenden Banken diese Erklärung im Ergebnis zur zwingenden Voraussetzung der Vertragsabschlüsse und der Durchführung dieser Verträge mit den
kommunalen Gesellschaften gemacht haben, belegt für alle seinerzeit Beteiligten erkennbar die verbindliche Rechtsnatur der geforderten Auskunft. Das Landwirtschaftsministerium hat nach Auffassung des Landesrechnungshofes mit Schreiben
vom 6.7.2000 gegenüber den Banken die Gewährleistung bzw. Garantie dafür übernommen, dass mit einer Beanstandung des Projekts bzw. dessen vorgesehener Finanzierung durch die EU wegen Verletzung europarechtlicher, insbesondere beihilferechtlicher Vorschriften nach seiner Kenntnis nicht gerechnet werden müsse. Der
Forderung der Banken nach Abgabe einer entsprechenden Garantieerklärung durch
das Landwirtschaftsministerium lag offenbar die zutreffende Erwägung zugrunde,
dass eine Rückforderung (oder Nichtauszahlung) der Fördermittel durch die Europäische Kommission wegen Verstoßes gegen europarechtliche Vorschriften die Entwertung der zu verkaufenden Mietzins- und Nutzungsentgeltforderungen zur Folge haben würde.

248
(440)

Sollte die EU wegen Verletzung europäischen Rechts eine Rückabwicklung des Projekts verlangen und durchsetzen, so dürfte dem Land eine Verpflichtung zur Bedienung der Mietzins- und Nutzungsentgeltforderungen entstehen, wenn sich herausstellen sollte, dass im Zeitpunkt der Abgabe der Garantieerklärung vom 6.7.2000 die
Annahme, die EU werde keine rechtlichen Bedenken gegen die beabsichtigte Förderung erheben, nicht oder nicht ausreichend durch entsprechende Tatsachen – insbesondere Zusicherungen o. ä. der EU – gerechtfertigt war.

(441)

Die Übernahme von Garantien oder sonstigen Gewährleistungen, die zu Ausgaben in
künftigen Haushaltsjahren führen können, bedarf nach Art. 65 Abs. 1 der Verf. M-V
bzw. § 39 Abs. 1 LHO einer gesetzlichen, der Höhe nach bestimmten Ermächtigung.
Hierauf hat der Landesrechnungshof das Landwirtschaftsministerium, weitere beteiligte Ministerien und die Staatskanzlei mit Schreiben vom 10.7. und 13.7.2000 aufmerksam gemacht. Das Landwirtschaftsministerium hat die Aufforderung des Landesrechnungshofes mit Schreiben vom 13.7.2000, die gesetzliche Grundlage für die
Garantieerklärung vom 6.7.2000 zu benennen, nicht beantwortet.

(442)

Die Landesregierung behält sich eine Stellungnahme im Rahmen der Ausschussberatungen vor.

Die Bestimmungen zur Befangenheit sind beachtet worden.
Vom Senat des Landesrechnungshofes beschlossen am 18. Mai 2001.

Tanneberg
Präsident
        
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