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Full text: Jahresbericht Issue 1998

LANDESRECHNUNGSHOF MECKLENBURG-VORPOMMERN

JAHRESBERICHT 1998

über die Prüfung
der Haushalts- und Wirtschaftsführung
und
der Haushaltsrechnung 1996

Neubrandenburg, den 13. Mai 1998

2
Inhaltsverzeichnis
Tzn.

Band 1
I.

Einleitung

1.

Vorbemerkungen

1-

2

2.

Haushaltslage des Landes

3-

6

3.

Innerstaatliche Umsetzung des Vertrages von Maastricht

7 - 13

4.

Veräußerung von Staatsvermögen

14 - 16

5.

Die Kosten- und Leistungsrechnung in der
öffentlichen Verwaltung

17 - 28

6.

Sondervermögen

29 - 31

7.

Beachtung des Vergaberechts

32 - 33

8.

Koordinierung des Einsatzes von Informationstechnik

34 - 38

9.

Neuordnung der Finanz- und Bauverwaltung

39 - 40

II.

Bemerkungen zur Haushaltsrechnung und zum
Haushaltsvollzug 1996

41 - 86

III.

Wirtschaftliche Betätigung der Gemeinden und
Gemeindeverbände

1.

Betriebsführung für Entsorgungsbetriebe (Abwasser/Abfall)

87 - 94

2.

Übertragung von Geschäftsanteilen an der Schweriner Grund
GmbH – Rettungsaktion der Landeshauptstadt Schwerin zur
Abwendung der drohenden Gesamtvollstreckung dieser
Gesellschaft

95 - 109

3
Inhaltsverzeichnis
Tzn.

Band 2
IV.

Prüfungsfeststellungen
Querschnittsprüfungen

1.

Zuständigkeit des Landtages beim Abschluß von
Staatsverträgen und Verwaltungsabkommen

110 - 122

Einzelplan 04 – Geschäftsbereich des Innenministeriums
2.

Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege

123 - 153

Einzelplan 05 – Geschäftsbereich des Finanzministeriums
3.

Bearbeitung von Anträgen auf Investitionszulage

154 - 172

Einzelplan 06 – Geschäftsbereich des Ministeriums für
Wirtschaft
4.

Prüfung der Ausgaben des Landes für den Um- und Ausbau von
Landesstraßen sowie für die Beschaffung von Verkehrsschildern

173 - 185

Einzelplan 07 – Geschäftsbereich des Kultusministeriums
5.

Förderung von Forschungsvorhaben

186 - 212

6.

Vergütungen für Lehraufträge, Gastvorlesungen und Vergütungen
für studentische Hilfskräfte bei den Fachhochschulen Wismar,
Neubrandenburg und Stralsund

213 - 241

7.

Zuwendungen des Landes für den Sportstättenbau

242 - 252

Einzelplan 08 – Geschäftsbereich des Ministeriums für
Landwirtschaft und Naturschutz
8.

Organisation des Landesveterinär- und
Lebensmitteluntersuchungsamtes

253 - 272

4

Einzelplan 09 – Geschäftsbereich des Ministeriums für
Justiz und Angelegenheiten der Europäischen Union
9.

Aufgabenerfüllung in den Grundbuchämtern der Amtsgerichte
Ludwigslust, Neustrelitz und Schwerin

273 - 314

Einzelplan 10 – Geschäftsbereich des Sozialministeriums
10.

Gutachten zur Krankenhausplanung in Mecklenburg-Vorpommern

315 - 322

11.

Zuwendungen für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen des Landes

323 - 356

12.

Gebührenerhebung des Landeshygieneinstitutes

357 - 366

13.

Leistungen für Opfer von Gewalttaten

367 - 375

14.

Zuwendungen für den Neubau eines Alten- und Pflegeheimes

376 - 382

Einzelplan 13 – Geschäftsbereich des Ministeriums für
Bau, Landesentwicklung und Umwelt
15.

Zuwendungen für Investitionen zur Stillegung und
Gefahrenabwehr von Deponien

383 - 391

16.

Zuschüsse des Landes zur Förderung der Wasserversorgung

392 - 395

Überörtliche Kommunalprüfung
17.

Prüfung der Organisation und Personalwirtschaft der
neugebildeten Landkreise

396 - 408

18.

Prüfung der Genehmigungen für kommunale
Grundstücksverkäufe

409 - 420

V.

Sonstige Äußerungen des Landesrechnungshofes

1.

Zweite Privatisierung der MTW Schiffswerft GmbH, Wismar,
und der Volkswerft GmbH, Stralsund

421 - 424

5
Abkürzungsverzeichnis
a. a. O.
AbfAlG M-V
AbfG
ABM
Abs.
AFG
allg.
AmtsBl. M-V
AMV
ANBest-K
ANBest-P
AO
apl.
ARGUS-GB 2.30Art.
Aufl.
AV-Jap
Az.
BAT-O
Bd.
BEZ
BfH
BFH/NV
BGBl.
BMBF
BQG
BRKG
BStBl
Buchst.
BVerfGE
BvS
bzw.
ca.
d. h.
DM
Drs.
e. V.
EBM
EDV
EFG
EG
Epl.
EU
evtl.
f./ff.
FAG
FHöVuR
FM
FStrG
GBO
gem.
GemHVO

am angegebenen Ort
Abfallwirtschafts- und Altlastengesetz für Mecklenburg-Vorpommern
in der Fassung vom 4. August 1992
Bundesgesetz über die Vermeidung und Entsorgung von Abfällen
(Abfallgesetz – AbfG) vom 27. August 1986
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme
Absatz
Arbeitsförderungsgesetz
allgemein
Amtsblatt für Mecklenburg-Vorpommern
Arbeit für Mecklenburg-Vorpommern
Allgemeine Nebenbestimmungen für Zuwendungen zur Projektförderung an
kommunalen Körperschaften
Allgemeine Nebenbestimmungen für Zuwendungen zur Projektförderung
Abgabeordnung
außerplanmäßig
Software-Version für Grundbuchämter für das Anwendungssystem
zur Rechtspflege bei Gerichten und Staatsanwaltschaften
Artikel
Auflage
Allgemeine Vertragsbedingungen für die Jahresabschlußprüfung kommunaler
Wirtschaftsbetriebe
Aktenzeichen
Bundesangestelltentarifvertrag-Ost
Band
Bundesergänzungszuweisung
Beauftragter für den Haushalt
Sammlung amtlich nicht veröffentlichter Entscheidungen des Bundesfinanzhofes
Bundesgesetzblatt
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie
Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft mbH
Bundesreisekostengesetz
Bundessteuerblatt
Buchstabe
Bundesverfassungsgerichtsentscheidungen
Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderausgaben
beziehungsweise
circa
das heißt
Deutsche Mark
Drucksache
eingetragener Verein
Einheitlicher Bewertungsmaßstab für ärztliche Leistungen
Elektronische Datenverarbeitung
Entscheidungen der Finanzgerichte
Europäische Gemeinschaft
Einzelplan
Europäische Union
eventuell
folgende/fortfolgende
Gesetz über den Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern vom 23. Juni 1993
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege
Finanzministerium
Bundesfernstraßengesetz zuletzt geändert am 18. Juni 1996, BGBl. I S. 1452
Grundbuchordnung
gemäß
Landesverordnung über die Aufstellung und Ausführung des Haushaltsplanes der
Gemeinden des Landes Mecklenburg-Vorpommern (Gemeindehaushaltsverordnung)

6
GfBU
GG
ggf.
GKV

GmbH
GmbHG
GOÄ
GVO

GVOBl. M-V
HBFG
HGB
HGr.
HGrG
HH-Jahr
HH-Rest
Hj.
HKR
HOAI
HRG
HVA-StB
i. A.
i. d. R.
i. S.
i. V. m.
IfG
IGSF
IM
IMA-IT
IT
ITC
KAV M-V
Kfz
KHG
KPG
KSchG
KStG
KV DDR
KV M-V
kw
l/E.d
LaVeLua-GebVO
LFA
LHG
LHO
lit.
LKHG
LKSt
LM
LNOG
LP
LSP
lt.

Gesellschaft für Betriebsberatung, Sicherheits- und Umweltfragen
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
gegebenenfalls
Finanzstärkungsgesetz: Gesetz zur Stärkung der Finanzgrundlagen der
gesetzlichen Krankenversicherung in den neuen Ländern
(GKV-Finanzstärkungsgesetz - GKVFG) vom 24. März 1998, BGBl I S. 526
Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung
Gebührenordnung für Ärzte
Verordnung über den Verkehr mit Grundstücken – in der Fassung der
Bekanntmachung vom 3. August 1992 (BGBl. I S. 1477) und in der Fassung des
Artikels 15 § 1 des Gesetzes vom 20. Dezember 1993 (BGBl. S. 2182, 2221), zuletzt
geändert durch Artikel 2 des Gesetzes vom 4. Juli 1995 (BGBl. I S. 895, 896)
Gesetz- und Verordnungsblatt für Mecklenburg-Vorpommern
Gesetz über die Gemeinschaftsaufgabe „Ausbau und Neubau von Hochschulen“
Handelsgesetzbuch
Hauptgruppe
Haushaltsgrundsätzegesetz
Haushaltsjahr
Haushaltsrest
Halbjahr
Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen
Honorarordnung für Architekten und Ingenieure
Haushaltsrechtsgesetz
Vergabehandbuch im Straßen- und Brückenbau
im Auftrag
in der Regel
im Sinne
in Verbindung mit
Investitionsförderungsgesetzes Aufbau Ost
Institut für Gesundheits-System-Forschung GmbH Kiel
Innenministerium
Interministerieller Ausschuß für Informations- und Telekommunikationstechnik
Informationstechnik
Innovations- und Trendcenter
Kommunaler Arbeitgeberverband Mecklenburg-Vorpommern
Kraftfahrzeug
Krankenhausgesetz
Kommunalprüfungsgesetz
Kündigungsschutzgesetz
Körperschaftsteuergesetz
Kommunalverfassung der Deutschen Demokratischen Republik
Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern
künftig wegfallend
Liter pro Einwohner und Tag
Landesordnung über Verwaltungsgebühren für das Landesveterinär- und
Lebensmitteluntersuchungsamt des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Länderfinanzausgleich
Landeshochschulgesetz
Landeshaushaltsordnung Mecklenburg-Vorpommern vom
3. Februar 1994, GVOBl. M-V S. 186
littera
Landeskrankenhausgesetz
Landeskoordinierungs- und Beratungsstelle für Informations- und
Telekommunikationstechnik
Ministerium für Landwirtschaft und Naturschutz
Landkreisneuordnungsgesetz
Leistungsphase
Leitsätze für Preisermittlung aufgrund von Selbstkosten
laut

7
LVL
LwaG
max.
mbH
MG
Mio.
Mrd.
mtl.
M-V
Nr./Nrn.
o. a.
o. g.
OEG
OFD
ÖGDG M-V
OGr.
PAR
PC
Pkt.
POD
POM
Pro
fiskal
RB Bau
rd.
Rz.
S.
SGB
sonst.
StAUN
Stck.
StGB
StrWG M-V
StVO
Tab.
TASI
TDM
TVG
Tz./Tzn.
u. a.
üpl.
UStG
usw.
VE
Verf. M-V
vgl.
VOB/A und VOB/B
VOL/A
VV
VVDStL
VV-K
VwKostG MV
VwVfG
VZOG
WBG
WGS
z. B.
z. T.

Landesveterinär- und Lebensmitteluntersuchungsamt Mecklenburg-Vorpommern
Wassergesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern
maximal
mit beschränkter Haftung
Maßnahmegruppe
Millionen
Milliarden
monatlich
Mecklenburg-Vorpommern
Nummer/Nummern
oben angegeben
oben genannt
Gesetz über die Entschädigung für die Opfer von Gewalttaten
Oberfinanzdirektion
Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst im Land Mecklenburg-Vorpommern
Obergruppe
Programm zur Aufstellung der IT-Ressortpläne
Personalcomputer
Punkt
Projekt- und Objektdesignierung
Projekt- und Objektmanagement
automatisiertes Verfahren des Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesens
Richtlinien für die Durchführung von Bauaufgaben des Bundes
rund
Randzahl
Seite
Sozialgesetzbuch
sonstige
Staatliches Amt für Umwelt und Natur
Stück
Strafgesetzbuch
Straßen- und Wegegesetz Mecklenburg-Vorpommern
Straßenverkehrsordnung
Tabelle
Technische Anleitung zur Verwertung, Behandlung und sonstigen Entsorgung von
Siedlungsabfällen
Tausend DM
Tarifvertragsgesetz
Textzahl/Textzahlen
unter anderem
überplanmäßig
Umsatzsteuergesetz
und so weiter
Verpflichtungsermächtigung
Verfassung des Landes Mecklenburg-Vorpommern
vergleiche
Verdingungsordnung für Bauleistungen Teil A und B
Verdingungsordnung für Leistungen – ausgenommen Bauleistungen – Teil A
Verwaltungsvorschrift
Veröffentlichungen der Vereinigung der deutschen Staatsrechtslehrer
Verwaltungsvorschriften über Zuwendungen zur Projektförderung an Gemeinden,
Kreise, Ämter und Zweckverbände (kommunale Körperschaften)
Verwaltungskosten Mecklenburg-Vorpommern
Verwaltungsverfahrens- und Zustellungsgesetz des Landes MecklenburgVorpommern
Vermögenszuordnungsgesetz
Weiterbildungsgesetz
Wohnungsgesellschaft mbH
zum Beispiel
zum Teil

8
z. Z.
ZBau
Ziff.
ZV

zur Zeit
Baufachliche Ergänzungsbestimmungen zu § 44 Abs. 1 LHO
Ziffer
Zwangsversteigerung

9

I. Einleitung

Vorbemerkungen
(1)

Der Landesrechnungshof legt hiermit seinen Jahresbericht 1998 dem Landtag vor
und unterrichtet gleichzeitig die Landesregierung (Art. 67 Abs. 2 Verf. M-V). Der
Jahresbericht enthält Ergebnisse über die Prüfung der Ordnungsmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der Haushalts- und Wirtschaftsführung der öffentlichen Verwaltung
des Landes, der kommunalen Körperschaften und der übrigen landesunmittelbaren
juristischen Personen des öffentlichen Rechts, die für die Entscheidung des Parlaments über die Entlastung der Landesregierung von Bedeutung sind (Art. 67 Abs. 3
Verf. M-V). Die Bemerkungen zur Haushaltsrechnung beziehen sich auf die Prüfung
der Haushaltsrechnung 1996 (Drs. 2/3405 vom 18. Dezember 1997).

(2)

Aufgrund des Umfangs der umfassenden und lückenlosen Prüfungskompetenz des
Landesrechnungshofes nach Art. 68 Abs. 3 Verf. M-V muß sich der Landesrechnungshof auf Stichproben beschränken und von der Möglichkeit Gebrauch machen,
Prüfungen nach seinem Ermessen einzugrenzen und Rechnungen ungeprüft zu lassen
(§ 89 Abs. 2 LHO).
Im Rahmen der verfassungsmäßig garantierten Unabhängigkeit entscheidet der Senat
des Landesrechnungshofes sowohl über die Auswahl der Prüfungsthemen als auch
über die Darstellung von Prüfungsergebnissen im Jahresbericht. Die Feststellungen
im Jahresbericht sind somit nicht die Zusammenfassung aller Prüfungsergebnisse des
Zeitraumes zwischen zwei Jahresberichten. Hier kann es zu zeitlichen Abweichungen
durch den gewählten Prüfungszeitraum oder z. B. die Zahl der geprüften Dienststellen bei Querschnittsprüfungen kommen. Darüber hinaus ist es auch möglich, daß den
Beanstandungen und Anregungen des Landesrechnungshofes bereits im Verlaufe des
Prüfungsverfahrens Rechnung getragen wird und sich somit eine Darstellung im Jahresbericht erübrigt. Verallgemeinerungen in bezug auf die Haushalts- und Wirtschaftsführung der einzelnen Ressorts in Abhängigkeit von ihrer Erwähnung im Jahresbericht sind nicht möglich.

10

Haushaltslage des Landes
(3)

Die finanzwirtschaftliche Entwicklung in den Haushaltsjahren 1991 bis 1997 wurde
ausführlich im Jahresbericht 1997 Tzn. 3 bis 9 erörtert. Die dort und auch in den vorangegangenen Jahresberichten dargestellten finanziellen Probleme und die Notwendigkeit, nach Lösungen zur Bewältigung der komplizierten Finanzsituation des Landes zu suchen, bestehen unverändert fort.

(4)

Mecklenburg-Vorpommern steht jedoch nicht allein vor finanziellen Problemen. Die
prognostizierten Steuerausfälle führen auch in den alten Ländern z. T. zu einer erhöhten Nettoneuverschuldung, wodurch künftig die finanziellen Spielräume weiter eingeschränkt werden. Mit den Haushaltsplänen für 1998 bleiben – bis auf BadenWürttemberg mit einer 2,1 %igen Steigerung des Haushaltsvolumens – alle Länder
unter der durch den Finanzplanungsrat als Obergrenze anvisierten jährlichen Ausgabensteigerung von 2 %. Alle neuen Länder sowie Berlin und Hamburg reduzieren ihr
Ausgabevolumen im Vergleich zum Vorjahr.
Steuerdeckungsquote
Baden-Württemberg
Bayern
Bremen
Hamburg
Hessen
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Schleswig-Holstein
Durchschnitt der alten
Flächenländer
Berlin
Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern1
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Thüringen
Durchschnitt neue Länder

KreditZinsPersonalfinanzierungs- ausgaben- ausgabenquote
quote
quote

Investitions
quote

73,7
76,2
58,1
66,3
76,7
74,3
76,3
70,2
67,5
71,6
73,3

4,4
4,1
19,9
9,4
4,9
6,6
8,3
8,7
18,4
8,5
8,0

6,4
3,9
14,8
10,8
9,1
10,9
9,2
9,3
14,6
12,5
9,5

41,7
42,0
33,4
34,5
46,3
42,0
40,1
41,1
39,6
40,3
41,6

9,4
15,9
14,4
10,7
12,4
11,4
10,7
12,1
11,2
10,9
11,8

38,9
45,5
49,0
49,6
44,5
46,1
46,9

11,6
8,3
8,5
3,6
10,6
8,1
7,8

8,9
7,2
5,5
4,1
6,6
5,5
5,8

32,9
25,4
26,2
29,3
25,7
25,2
26,4

14,0
24,0
25,8
30,2
25,9
25,8
26,3

Tabelle 1: Kennziffern der Länderhaushalte 1998, Quelle: Finanzministerien der Länder aus
Handelsblatt vom 16.3.1998

1

Angabe für Mecklenburg-Vorpommern aktualisiert auf den Stand Haushaltsplan 1998

11
Im Vergleich der Kennziffern der Länderhaushalte 1998 zeigt sich, daß die neuen
Länder erheblich niedrigere Steuerdeckungs- und Personalausgabenquoten als die alten Flächenländer ausweisen. Die Investitionsquoten sind hingegen etwa doppelt so
hoch. Das ist dem Nachholbedarf der neuen Länder geschuldet und nur aufgrund der
besonderen Förderung durch Bund und EU möglich. So finanziert MecklenburgVorpommern Investitionsausgaben in Höhe von 3,6 Mrd. DM u. a. mit speziellen Investitionseinnahmen in Höhe von 2,0 Mrd. DM. Allein aus Zuweisungen der EU für
investive Zwecke erhält Mecklenburg-Vorpommern 1998 noch 484,7 Mio. DM. Bereits im Haushaltsjahr 2000 wird jedoch mit 158,3 Mio. DM nur noch etwa ein Drittel dieses Betrages zur Verfügung stehen. Ähnlich verhält es sich mit den anderen Investitionseinnahmen, so daß Mecklenburg-Vorpommern in absehbarer Zeit das Investitionsvolumen auf ein Drittel verringern muß. Damit reduziert sich auch die Kreditobergrenze erheblich.
Mecklenburg-Vorpommern muß in den nächsten Jahren – wie alle neuen Länder –
die Haushaltsstruktur völlig ändern und das Haushaltsvolumen deutlich absenken.
Die mittelfristige Finanzplanung 1997 bis 2001 weist dementsprechend für das
Haushaltsjahr 2001 ein Haushaltsvolumen in Höhe von 13,8 Mrd. DM aus, das gegenüber dem Ist 1996 um 1,1 Mrd. DM reduziert ist. Aber auch mit diesem Haushaltsvolumen wäre Mecklenburg-Vorpommern noch weit entfernt vom Modellhaushalt, der auf der Basis der Haushalte der alten Flächenländer ermittelt wird. Der Modellhaushalt 1997 lag bei 9,4 Mrd. DM. Die Überhöhung der Haushalte der neuen
Länder ist nur durch die hohen Zuweisungen möglich gewesen. Es war beabsichtigt,
die neuen Länder für einen befristeten Zeitraum finanziell besserzustellen. Sie sollten
in die Lage versetzt werden, die Verwaltung aufzubauen und eine leistungsfähige Infrastruktur zu schaffen. Außerdem muß in diesem Zusammenhang auch beachtet werden, daß die neuen Länder wegen der extremen Steuerschwäche ihrer Gemeinden in
weit höherem Maße für diese Sorge tragen müssen. Wurden im Jahr 1996 im Durchschnitt aller Bundesländer 1.239 DM je Einwohner an Gemeinden zugewiesen, waren
es z. B. in Mecklenburg-Vorpommern 2.598 DM je Einwohner2.

2

siehe Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, DIW Berlin, Wochenbericht 07/98

12
(5)

Dem Ziel der befristeten Besserstellung dienen die aufgrund des Solidarpaktes (Ergebnis der Klausurtagung des Bundeskanzlers mit den Regierungschefs der Länder
und den Partei- und Fraktionsvorsitzenden vom 11. bis 13. März 1993) für den Zeitraum 1995 bis 2004 getroffenen Regelungen des Länderfinanzausgleichs (LFA).
Mecklenburg-Vorpommern erhält aus dem Länderfinanzausgleich und den
dargestellten Bundesergänzungszuweisungen nach der gegenwärtigen Regelung
folgende Beträge:
1997

1998

1999

2000

2001

- Beträge in Mio. DM Steuern
LFA

5.898,9

6.062,0

6.276,0

6.599,0

6.998,0

875,6

843,0

915,0

928,0

947,0

BEZ
davon:
FeBEZ3
PolBEZ4
SoBEZ5

1.974,0

1.988,0

2.016,0

2.034,0

2.055,0

331,0
164,0
1.479,0

345,0
164,0
1.479,0

373,0
164,0
1.479,0

391,0
164,0
1.479,0

412,0
164,0
1.479,0

Summe

8.748,5

8.893,0

9.207,0

9.561,0

10.000,0

Tabelle 2: Entwicklung der Einnahmen Mecklenburg-Vorpommerns aus Steuern, LFA und BEZ:
Ist 1997, Haushaltsplan 1998, 1999 bis 2001 lt. mittelfristiger Finanzplanung

In § 11 des Gesetzes über den Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern (FAG)
vom 23. Juni 1993 (BGBl. I S. 944) sind die Bundesergänzungszuweisungen – u. a.
auch die Sonderbedarfs-BEZ (SoBEZ) zum Abbau teilungsbedingter Sonderlasten –
geregelt.
Diese Vorschrift enthält einen Überprüfungsvorbehalt: „Die Zuweisungen nach
Satz 1 werden im Jahre 1999 im Falle einer wesentlichen Abweichung von den zugrunde gelegten Erwartungen von Bund und Ländern gemeinsam überprüft.“ Damit
stehen rd. 75 % der Bundesergänzungszuweisungen für Mecklenburg-Vorpommern
unter dem Vorbehalt einer Überprüfung.
Darüber hinaus wird bereits heute insbesondere von den Ländern Baden-Württemberg und Bayern eine Reform des LFA angestrebt.

3
4

5

Fehlbetrags-Bundesergänzungszuweisung
Sonderbedarfs-Bundesergänzungszuweisung wegen überdurchschnittlich hoher Kosten politischer Führung und
der zentralen Verwaltung
Sonderbedarfs-Bundesergänzungszuweisung zum Abbau teilungsbedingter Sonderlasten

13
(6)

Mecklenburg-Vorpommern muß also davon ausgehen, daß spätestens ab dem Haushaltsjahr 2005 erhebliche Mindereinnahmen für den Landeshaushalt zu erwarten
sind. Um auch unter den veränderten finanziellen Bedingungen über finanzielle
Spielräume vor allem für Investitionen zu verfügen, muß Mecklenburg-Vorpommern
seine Bemühungen zur Veränderung der Haushaltsstruktur erheblich intensivieren.
Von existentieller Bedeutung ist dabei insbesondere die Entwicklung der Personalausgaben. Auf diese Problematik hat der Landesrechnungshof bereits mehrfach in
seinen Jahresberichten hingewiesen. Im Jahresbericht 1996, Tz. 10 wurde dargestellt,
daß die damals aktuelle Stellenausstattung mit 28,4 Stellen je 1.000 Einwohner weit
über dem Durchschnitt der westlichen Flächenländer (22 Stellen je 1.000 Einwohner)
lag. Aus der mittelfristigen Finanzplanung 1997 bis 2001 ist zu entnehmen, daß die
Regierung für 2001 eine Stellenausstattung von 25,3 Stellen je 1.000 Einwohner anstrebt und Mecklenburg-Vorpommern damit immer noch über dem Durchschnitt liegen wird. In absoluten Zahlen heißt das, daß die Sollstellenzahl von 50.279 Stellen
1997 auf 46.050 Stellen Ende Dezember 2001 reduziert werden soll.
Die kostensenkenden Strukturmaßnahmen sollen lt. Stellenplanentwurf 1998 zu Einsparungen von 231 Stellen führen. Im Stellenplanentwurf 1998 waren lediglich
88 Stellen mit einem kw-Vermerk bis zum Jahr 2001 versehen. Für 59 Stellen wird
davon ausgegangen, daß die Stellen erst nach 2001 wegfallen können und für 108
Stellen wurde kein Termin ausgewiesen.
Angesichts des in der mittelfristigen Finanzplanung dargestellten Zieles der Regierung, die Stellenzahl „mittelfristig“ – aber später als 2001 – auf 37.792 zu reduzieren, erscheinen die gegenwärtig geplanten Schritte als zu klein. Während für die Jahre 1997 bis 2001 ein Stellenabbau von insgesamt rd. 4.200 Stellen geplant ist, sollen
im Zeitraum danach – „Mittelfristig > 2001“– mehr als 8.000 Stellen abgebaut werden. Sieht man vom Lehrerbereich ab, so sollen dabei nach 2001 396 Stellen und
nach 2005 144 Stellen wegfallen.
Der Landesrechnungshof kann sich angesichts der Zahlen außerhalb des Lehrerbereiches des Eindrucks nicht erwehren, daß die Notwendigkeit, Stellen abzubauen, zwar
vordergründig erkannt worden ist, faktisch aber deren Realisierung gleichsam als

14
Bugwelle vor sich hergeschoben wird, die erst dann verebbt, wenn die natürliche
Fluktuation einsetzt. Anders ist es nicht erklärbar, wenn die Realisierung von kwVermerken in den Stellenplänen einzelner Ministerien teilweise erst in den ersten
Jahren des nächsten Jahrtausends oder gar erst nach dem 31.12.2010 einsetzen soll.
In diesem Zusammenhang verweist der Landesrechnungshof auch auf seine Ausführungen in Tz. 14 des Jahresberichtes 1996.
Die Landesregierung muß mit großer Konsequenz alle Möglichkeiten zur Personaleinsparung nutzen. Es darf dabei keine Tabuthemen geben.

Innerstaatliche Umsetzung des Vertrages von Maastricht6
– Konvergenzkriterium Defizitobergrenze –
(7)

Am 2.5.1998 entscheidet der Europäische Rat der Staats- und Regierungschefs endgültig über den Teilnehmerkreis der Europäischen Währungsunion ab dem 1.1.1999.
Aufgrund der Empfehlung der Europäischen Kommission, die Währungsunion mit
elf Teilnehmerländern, darunter auch Deutschland, zu beginnen, kann schon vor diesem Termin von einer Beteiligung Deutschlands ausgegangen werden.
Die Teilnehmerstaaten legten im Maastrichter Vertrag fest, daß die dort vereinbarten
Kriterien einzuhalten sind.7 Die Bundesrepublik Deutschland als föderativer Staat ist
somit verpflichtet, u. a. die Einhaltung des vorgegebenen Haushaltsdefizits von nicht
mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) durch ihre einzelnen staatlichen Ebenen insgesamt zu gewährleisten. Es bedarf daher einer Koordinierung der
öffentlichen Defizitpolitik zwischen den Haushalten des Bundes (einschließlich der
Sozialversicherungssysteme) und denen der Länder (einschließlich ihrer Kommunen).

6
7

Vgl. auch Jahresbericht des Landesrechnungshofes 1997, Tzn. 18 bis 32.
Die Maastricht-Kriterien lauten nach Art. 109 j i. V. m. Art. 104 c Abs. 2 EG-Vertrag und dem Protokoll über
das Verfahren bei einem übermäßigen Defizit bzw. dem Protokoll über die Konvergenzkriterien nach Artikel
109 j des Vertrages zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft:
−= Haushaltsdefizit von nicht mehr als 3 % des Bruttoinlandsproduktes
−= Staatsverschuldung von nicht mehr als 60 %
−= Inflationsrate nicht höher als 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten Länder
−= langfristige Zinsen nicht höher als zwei Prozentpunkte über dem Durchschnittsniveau der drei Teilnehmerländer mit den niedrigsten Zinsen
−= Währung muß mindestens zwei Jahre innerhalb der Bandbreiten des Europäischen Währungssystems gelegen haben

15
Lösungsvorschläge der Länder
(8)

Die Länder haben – im Gegensatz zum Bund – noch keinen einheitlichen Lösungsvorschlag für eine Aufteilung der gesamtstaatlichen Defizitobergrenze und möglicher
Sanktionen vertikal zwischen dem Bund und der Ländergesamtheit sowie horizontal
unter den einzelnen Ländern. Die Finanzministerkonferenz der Länder hat im Mai
1996 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die hierzu ein Ergebnis erarbeiten soll. Einigkeit
besteht unter den Ländern über folgende Eckpunkte:
−= Es wird eine verbindliche Regelung zur innerstaatlichen Aufteilung des zulässigen
Defizits als Orientierungsgröße für die Haushaltspolitik des Bundes und der Länder getroffen.
−= Die innerstaatliche Defizitverteilung zwischen Bund und allen Ländern erfolgt im
Verhältnis 40:60 (statt 50:50, wie vom Bund vorgeschlagen).
−= Die horizontale Aufteilung des Defizitlimits soll langfristig durch einen objektiven (z. B. Einwohner) und zukunftsorientierten (degressiver Defizitabbau) Schlüssel bestimmt werden. Durch eine Übergangsregel wird der unterschiedlichen Ausgangssituation (Ist-Defizite) der einzelnen Länder Rechnung getragen.
−= Sanktionen sollen vorrangig auch am Verursacherprinzip orientiert sein.

(9)

Es sind von der Arbeitsgruppe vier Modelle vorgeschlagen worden. Sie alle beruhen
zur Aufteilung des zulässigen Defizits unter den Ländern auf einem Mischschlüssel
aus den Elementen
−= Finanzierungsdefizit der letzten fünf oder drei Jahre (Anteil zwischen 75 % und
50 %, der in manchen Modellen langfristig abgebaut werden soll) und
−= Einwohner, nach den Regeln des Länderfinanzausgleichs gewichtet (Anteil zwischen 25 % und 50%).
Je nach Modell wäre Mecklenburg-Vorpommern für das Haushaltsjahr 1997 ein maximal zulässiges Defizit zwischen 1.493 Mio. DM und 1.976 Mio. DM zugestanden
worden.
Die Aufteilung einer Sanktion orientiert sich in den meisten Modellen zum einen an
der Höhe der Defizitüberschreitung von Bund und Ländern und zum anderen bei der
Aufteilung der Sanktion unter den Ländern an der Einwohnerzahl der Länder.

16
Bewertung
(10)

Durch die Orientierung des Mischschlüssels in der Übergangsphase am Finanzierungsdefizit können die finanzschwächeren Länder, u. a. Mecklenburg-Vorpommern,
zunächst noch notwendige Investitionen tätigen und haben die Möglichkeit, in der
Übergangszeit ihre Haushalte zu konsolidieren. Mit Ende der Übergangsregelung
müssen die finanzschwächeren Länder ihre ihnen überproportional zugestandenen
Defizite abgebaut haben und haben dann nur noch einen eingeschränkteren Handlungsrahmen für Investitionen. Eine möglichst hohe und langwährende Gewichtung
des Schlüsselelements Finanzierungsdefizit ist daher für finanzschwache Länder
günstig. Unabhängig von dem zugestandenen Defizit ist aber zu beachten, daß aus
Defiziten Schulden und Zinslasten entstehen. Die Tilgung der Schulden und die Zinsen müssen in ihrer Höhe für die Länder tragbar und tilgbar bleiben. Übermäßig hohe
Schuldenstände verhindern andere Ausgaben durch hohe Zins- und Tilgungslasten
und begründen eine finanzpolitische Verwundbarkeit bei einem Anstieg der z. Z. sehr
geringen Zinssätze.
Frühestens nach fünf Jahren (nach dem Jahr 2004) soll die Übergangsregelung erneut
überdacht werden. In diesem Jahr läuft auch der Solidaritätspakt für die neuen Bundesländer ab. Ab diesem Zeitpunkt werden sich die finanziellen Relationen unter den
Ländern ändern und in diesem Zusammenhang kann sich auch eine Neuregelung der
Defizitaufteilung anbieten.

(11)

Überschreitet die Bundesrepublik insgesamt ihr zulässiges Defizit, drohen ihr Sanktionen, die eine Höhe zwischen 7 und 15 Mrd. DM betragen können. Aufgrund der
Höhe der Sanktionen ist eine reine Verursacherorientierung bei der Sanktionstragung
schwierig. Wenn beispielsweise nur zwei Länder die Defizitüberschreitung verursacht haben, werden sie eine Sanktion in dieser Dimension nicht tragen können. Drei
der Modelle sehen daher auch eine Aufteilung zumindest eines Teils der Sanktion
unter allen Ländern vor, wenn die Länder insgesamt ihr zugestandenes Defizitlimit
überschritten haben.
Die Modelle schlagen unabhängig von der Art der Sanktionsaufteilung für Haushaltsnotlagen von Ländern Härteregelungen vor. In solchen Fällen sollen die übrigen
Länder und der Bund oder nur der Bund die Sanktionen tragen.

17
(12)

Unabhängig von der Wahl eines bestimmten Modells müssen sich Bund und Länder
mit Eintritt in die dritte Stufe der Europäischen Währungsunion auf eine geringere
Handlungsfreiheit in ihrer Defizitpolitik und somit in ihrem Ausgabevolumen einrichten. Die Schuldenstandsquote Deutschlands lag 1997 bei 61,3 % des Bruttoinlandproduktes und damit über dem Referenzwert. Während in den Jahren 1994 bis
1998 insbesondere Privatisierungserlöse anfielen bzw. anfallen werden, sind solche
Einnahmen nach 1998 in größerem Umfang nicht mehr zu erwarten. Die Defizitquote
muß daher in den nächsten Jahren deutlich niedriger gehalten werden, um den Referenzwert der Schuldenstandsquote von 60 % zu erreichen.

(13)

Ab 1. Januar 1999 kann jedermann für den bargeldlosen Zahlungsverkehr den EURO
verwenden, wenn Zahlender und Zahlungsempfänger einverstanden sind. Es gilt der
Grundsatz: „Kein Zwang, aber auch keine Behinderung für die Verwendung von
EURO“.
Vor allem Unternehmen der Wirtschaft werden sehr bald ihre Buchführung auf
EURO umstellen und ihre Jahresabschlüsse in EURO vorlegen. Ein offenes Problem
ist z. Z. noch die Frage, von welchem Zeitpunkt ab die Finanzverwaltung Steueranmeldung und Steuererklärungen in EURO akzeptieren wird. Es sollte sichergestellt
werden, daß zumindest für die Bereiche der Umsatzsteuer und der Lohnsteuer Steuervoranmeldungen und Steuererklärungen in EURO schon zum 1.1.1999 erfolgen
können. Dies hängt allerdings nicht allein von Mecklenburg-Vorpommern ab.

Veräußerung von Staatsvermögen
(14)

Die derzeit hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte einerseits und sinkende
Steuereinnahmen andererseits lassen Regierungen und Parlamente nach zusätzlichen
Einnahmequellen suchen. Dabei gerät neben der Kreditaufnahme die Veräußerung
von Staatsvermögen, insbesondere in Form von Grundvermögen, immer mehr ins
Blickfeld. Auch wenn sie für Mecklenburg-Vorpommern bislang noch nicht praktische Bedeutung erlangt hat, so gilt für sie gleichwohl Folgendes:

18
Folgen der staatlichen Kreditaufnahme und der Vermögensveräußerung
für den Vermögensbestand des Staates
(15)

Während die staatliche Kreditaufnahme sowohl haushaltsrechtlich als auch verfassungsrechtlich geregelt und begrenzt wird, finden sich Normen über die Vermögensveräußerung auf Bundesebene und überwiegend auch auf Landesebene lediglich in
den entsprechenden Haushaltsordnungen. Eine Bedeutung, die eine verfassungsrechtliche Diskussion bzw. Einordnung rechtfertigen würde, ist der Vermögensveräußerung durch die öffentliche Hand offenbar bisher nicht beigemessen worden. Dennoch
stehen beide haushaltsrechtlichen Instrumente nicht beziehungslos nebeneinander,
sondern weisen gewisse Gemeinsamkeiten auf. Beide wirken auf den zukünftigen
Bestand des Staatsvermögens.
Die Wirkung der staatlichen Kreditaufnahme auf den Vermögensbestand ist nicht
unbedingt sofort erkennbar. Zunächst steht dem vom Staat aufgenommenen Kredit
wegen der grundsätzlichen Bindung an die Höhe der im Haushaltsplan veranschlagten Investitionen ein Vermögensgegenstand gegenüber. Investitionsgüter unterliegen
jedoch einem Werteverzehr. Dieser schreitet i. d. R. schneller voran als die Abzahlung des Kredites, so daß sich letztlich mit jedem Kredit langfristig gesehen der
Vermögensbestand tatsächlich verringert. Davon abgesehen kann sich der Wert, den
eine Investition für die nachfolgende Generation hat, letztlich auch durch geänderte
gesellschaftliche oder politische Wertvorstellungen erheblich wandeln und sich insoweit auf den Vermögensbestand auswirken. Somit führen die jährlich durch die öffentliche Hand aufgenommenen Kredite nicht nur zu einer zunehmenden Verschuldung, sondern auch zu einer kontinuierlichen Verminderung des staatlichen Vermögens.
Das Staatsvermögen, insbesondere in Form des Verwaltungsvermögens, bildet die
sachliche Grundlage für die staatliche Aufgabenerfüllung. Bestimmungen zum
Schutz des Staatsvermögens sind auf Bundes- bzw. Länderebene in der Bundeshaushaltsordnung bzw. in den Landeshaushaltsordnungen niedergelegt. Danach dürfen
Vermögensgegenstände grundsätzlich nur dann veräußert werden, wenn sie zur Erfüllung staatlicher Aufgaben in absehbarer Zeit nicht benötigt werden. Derzeit gibt es
in einigen Ländern jedoch Bestrebungen dahingehend, daß die Veräußerung von bebauten und unbebauten Grundstücken auch dann ermöglicht werden soll, wenn diese

19
Voraussetzungen nicht vorliegen, sie also in absehbarer Zeit noch benötigt werden.
Die Einnahmen aus der Veräußerung von Grundstücken und grundstücksgleichen
Rechten sollen dann nicht nur zum Erwerb von gleichen Vermögensgegenständen
verwandt werden, sondern auch der Deckung laufender Ausgaben dienen. Dies hätte
jedoch zur Folge, daß sich der Vermögensbestand der öffentlichen Hand weiter verringert. Hinzu kommt, daß der Staat die Nutzung der tatsächlich benötigten Gegenstände finanzieren muß. Das bedeutet z. B., daß ein verkauftes, aber noch benötigtes
Gebäude vom neuen Eigentümer angemietet werden muß. Somit tritt zur Verringerung des Vermögensbestandes noch die Belastung zukünftiger Haushalte. Gälte zudem das Prinzip der Objektbezogenheit der öffentlichen Kredite, so würde in jedem
einzelnen Veräußerungsfall der Vermögensgegenstand lastenfrei veräußert, während
der Kredit in voller Höhe zu Lasten der öffentlichen Hand weiter laufen würde.

Verfassungsrechtliche Probleme im Zusammenhang
mit der Veräußerung von Staatsvermögen
(16)

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen staatlichen Kreditaufnahmepraxis könnte
eine Veräußerung öffentlichen Vermögens in größerem Umfang unter Verwendung
der Verkaufserlöse für laufende Haushaltsausgaben faktisch so wirken, als ob die
Kredite ursprünglich unter Überschreitung der Kreditobergrenze aufgenommen worden wären. Das könnte letztlich zu einer Aushöhlung bzw. Umgehung der Regelung
von Art. 115 GG bzw. analoger verfassungsrechtlicher Regelungen der Länder führen. Des weiteren stellt die Veräußerung von Staatsvermögen bei bestehender erheblicher Verschuldung – sofern die Erlöse nicht zur Schuldentilgung oder zum Erwerb
gleichwertiger Vermögensgegenstände verwendet werden – eine erhebliche Gefährdung des Privatvermögens eines jeden einzelnen Bürgers dar. Da der Staat keine Sicherheiten für die von ihm aufgenommenen Kredite einräumt, haftet er nach Aufzehrung des öffentlichen Vermögensbestandes letztlich mit seinen Steuereinnahmen für
die Tilgung der Schulden. Mit anderen Worten, wenn das öffentliche Vermögen aufgezehrt bzw. wesentlich vermindert wird, muß letztlich ein Durchgriff auf den Bürger erfolgen, und zwar entweder im Wege einer Steuererhöhung oder über eine Geldentwertung. Das Eigentum eines jeden Bürgers ist jedoch durch Art. 14 GG geschützt. Insofern könnte Art. 14 GG eine Schranke für die Veräußerung von öffentlichem Vermögen unter den dargestellten Bedingungen darstellen. Des weiteren kann

20
die oben dargestellte Vermögensveräußerung letztlich zu einer Verletzung des Demokratieprinzips führen, da eine zunehmende Verschuldung der öffentlichen Hand
auf die Handlungsfreiräume zukünftiger Parlamente und Haushaltsgesetzgeber wirkt
und diese nachhaltig einschränken kann. Wann eine solche Vermögensäußerung tatsächlich gegen das in Art. 20 Abs. 1 und 2 GG niedergelegte Demokratieprinzip verstößt, hängt von einer näheren Ermittlung des Sachverhaltes und auch von einer sorgfältigen Analyse der öffentlichen Vermögensverhältnisse und der Staatsverschuldung
unter Berücksichtigung auch wirtschaftswissenschaftlicher Gesichtspunkte ab.
Im übrigen würde ein Parlament, welches die Möglichkeit eröffnet, daß der Staat sich
dessen entledigt, was er zur Wahrnehmung seiner ja zum Teil auch in der Verfassung
niedergelegten Aufgaben noch benötigt, den Grundsatz der Bindung an das Gemeinwohl verletzen. Danach ist jeder Abgeordnete und Amtsträger verpflichtet, mit seiner
ganzen Kraft zum Wohle der Menschen zu handeln. Diese Dienstfunktion wäre jedoch außer acht gelassen, wenn im Ergebnis parlamentarischer Entscheidungen nicht
mehr gesichert ist, daß staatliche Aufgaben auf Dauer in ausreichendem Maße wahrgenommen werden können.
Insgesamt hält der Landesrechnungshof die Veräußerung von Staatsvermögen für den
Fall, daß der Erlös nicht zur Schuldentilgung oder zum Erwerb gleicher Vermögensgegenstände, sondern konsumtiv eingesetzt wird, verfassungsrechtlich im höchsten
Maße für bedenklich. Eine Veräußerung von Gegenständen, die für staatliche Zwecke noch benötigt werden, gefährdet überdies die Wahrnehmung staatlicher Aufgaben.

Die Kosten- und Leistungsrechnung in der öffentlichen Verwaltung
(17)

Aufgrund der Finanznot der öffentlichen Haushalte wird derzeit in vielen Bereichen
diskutiert, wie die öffentliche Verwaltung wirtschaftlicher gestaltet werden kann, um
durch einen effizienteren Mitteleinsatz die Aufgaben zu erfüllen. Verschiedene Modernisierungskonzepte sehen z. B. vor, durch eine beweglichere Haushaltswirtschaft
die Sach- und Finanzverantwortung zusammenzuführen und so die Eigenverantwortung und Motivation der Mitarbeiter zu stärken.

21
(18)

Die Einführung der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) in die öffentliche Verwaltung wird mit dem Ziel einer optimalen Ressourcensteuerung und -kontrolle und der
Ausbildung eines Kostenbewußtseins verfolgt. Durch sie kann die erforderliche
Transparenz z. B. über die Kosten der einzelnen Leistungen sowie die tatsächliche
Finanz- und Vermögenslage der öffentlichen Hand geschaffen werden.
Die KLR wurde daher in die Wirtschaftlichkeitsbestimmungen des Haushaltsgrundsätzegesetzes (§ 6 Abs. 3 HGrG) wie folgt aufgenommen:
„In geeigneten Bereichen soll eine Kosten- und Leistungsrechnung eingeführt werden.“
Die Betonung liegt hierbei auf geeignete Bereiche. Die Einführung einer KLR erfordert zusätzliche Ressourcen. Diese sind nur dann vertretbar, wenn dadurch Einsparungen erzielt werden, die den Aufwand übersteigen. Letztlich unterliegt auch die
KLR dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und darf nicht zum Selbstzweck werden.
Es ist daher ratsam, die konkrete Ausgestaltung dieses Steuerungsinstruments in Pilotprojekten zu erproben und in enger Zusammenarbeit mit dem Bund und den anderen Ländern geeignete Bereiche für die Einführung der KLR festzulegen. Nur so
können beträchtliche Fehlinvestitionen vermieden werden.

(19)

Die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern beabsichtigt, die standardisierte
KLR der Bundes-Finanzverwaltung als „offenen Landesstandard“ zur Anwendung zu
empfehlen. Zunächst wird die KLR als Pilotprojekt in der Landesbauverwaltung
schrittweise eingeführt.

(20)

In der öffentlichen Verwaltung werden derzeit in zahlreichen Modellprojekten verschiedene Bewirtschaftungsmethoden erprobt. Bisher wurde die Teilnahme an einem
solchen Projekt nicht von der Einführung einer KLR oder anderer geeigneter Informations- und Steuerungssysteme abhängig gemacht. Das birgt die Gefahr in sich, daß
das Etatrecht des Parlaments verletzt wird und bedarfsgerechte Mittelzuweisungen,
Leistungsvergleiche sowie Erfolgskontrollen nur eingeschränkt möglich sind. Die
Einführung flexibler Bewirtschaftungsverfahren, insbesondere der Budgetierung,

22
muß daher immer mit der Einführung geeigneter Informations- und Steuerungsinstrumente verbunden werden. Das Haushaltsrechts-Fortentwicklungsgesetz vom
22. Dezember 1997 (BGBl. I S. 3251), mit dem die rechtliche Grundlage für eine
effizientere öffentliche Haushaltswirtschaft ohne Beeinträchtigung des parlamentarischen Budgetrechts und bei Erhaltung der Vergleichbarkeit der öffentlichen Haushalte geschaffen wurde, hat diese Forderung jetzt festgeschrieben. So heißt es in dem
neu in das Haushaltsgrundsätzegesetz (HGrG) eingefügten § 6 a Abs. 1:
„Die Einnahmen, Ausgaben und Verpflichtungsermächtigungen können in Rahmen
eines Systems der dezentralen Verantwortung einer Organisationseinheit veranschlagt werden. Dabei wird die Finanzverantwortung auf der Grundlage der Haushaltsermächtigung auf die Organisationseinheiten übertragen, die die Fach- und
Sachverantwortung haben. Voraussetzung sind geeignete Informations- und Steuerungsinstrumente, mit denen insbesondere sichergestellt wird, daß das jeweils verfügbare Ausgabevolumen nicht überschritten wird. Art und Umfang der zu erbringenden Leistungen sind durch Gesetz oder den Haushaltsplan festzulegen.“
(21)

Der Landesrechnungshof hat bereits im Jahresbericht 1997 (Tzn. 10 bis 17) über die
neuen Steuerungsmodelle und deren Auswirkungen berichtet. Die KLR sowie die
Budgetierung dürfen nicht als alleinige Alternative zur derzeitigen Kameralistik gesehen werden. Das Haushaltsrecht enthält in seiner derzeitigen Ausprägung viele
Möglichkeiten, Verwaltung wirtschaftlicher und effizienter zu gestalten. Sie müssen
nur genutzt werden.

Ziele einer Kosten- und Leistungsrechnung
(22)

Die Ziele, die mit der KLR verfolgt werden, sind:
−= Transparenz von Kosten und Leistungen,
−= Controlling, d. h. Planung, Steuerung und Kontrolle von Kosten und Leistungen,
also u. a. auch Veränderungen von Leistungen oder Arbeitsabläufen,
−= Ermittlung und Verrechnung inner- und zwischenbehördlicher Leistungen,
−= Unterstützung der Haushaltsplanung, Kompatibilität zwischen KLR- und HKRVerfahren und

23
−= Nutzung der Ergebnisse zu Vergleichen mit anderen Partnern für Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen
sowie
−= Prüfung der Möglichkeiten der Privatisierung und
−= Ermittlung kostendeckender Gebühren und Entgelte.
(23)

Aus den angestrebten Zielen und deren Ausprägungen ergeben sich die Struktur des
Rechnungswesens und der Genauigkeitsanspruch an die Ergebnisse des Rechnungswesens. Dabei muß sich die Verwaltung insbesondere überlegen, welche Informationen wirklich erforderlich sind. Nur so können aufwendige Verfahren, die zu unnötigen Detailinformationen führen, vermieden werden. Viele Ziele können auch
−= mit der Kameralistik ohne eine Produktorientierung (beispielsweise Aufgabenveränderungen, -verringerungen oder Straffung von Abläufen) oder
−= durch einfache Erweiterungen bzw. Zusatzinstrumente (beispielsweise reichen in
vielen Fällen auch Kostenschätzungen mit Hilfe von Personalzeiterfassungen und
durchschnittlichen Pauschalwerten)
erreicht werden.
Über all dem darf nicht vergessen werden, daß auch die beste KLR unwirksam bleibt,
wenn es an einer strikten Ausgabedisziplin mangelt.

Einheitliche Standards der Kosten- und Leistungsrechnung
in der öffentlichen Verwaltung
(24)

Als Bewertung der erbrachten Leistungen einer Verwaltung bilden sich nicht wie auf
dem Wettbewerbsmarkt Preise. Die Bewertung muß daher mit Hilfe anderer Kriterien erfolgen. Wertvoll sind hierbei Vergleiche von Ergebnissen der KLR zwischen
verschiedenen Organisationseinheiten. Die Vergleiche können sowohl innerhalb von
Behörden, zwischen Behörden eines Landes als auch zwischen Behörden verschiedener Länder stattfinden. Wichtigste Vergleichspartner für Mecklenburg-Vorpommern
sind andere Länder. Sie besitzen eine ähnliche Aufgabenstruktur und haben somit
ähnliche Anforderungen an die KLR. Insgesamt dürften die Länder im wesentlichen

24
identische Zielvorstellungen haben. Die Unterschiede im Verwaltungsaufbau und der
-aufgaben werden jedoch abweichende Schwerpunktsetzungen hervorrufen.
Grundlegend für die Vergleichbarkeit von Ergebnissen der KLR und für übergeordnete Steuerungszwecke ist die Entwicklung von gemeinsamen Standards, die vergleichbare Kennzahlen liefern. Diese gemeinsamen Standards müssen in der Anfangsphase der Einführung einer KLR bestimmt werden, um eine starke Auseinanderentwicklung von KLR-Verfahren in den einzelnen Gebietskörperschaften zu
vermeiden.

Einführung einer Kosten- und Leistungsrechnung
in der Landesverwaltung
(25)

Die öffentliche Verwaltung plant, die KLR zunächst als behördeninternes Steuerungsinstrument zu nutzen. Hierfür wird eine produkt- und wettbewerbsorientierte
KLR angestrebt.

(26)

Die KLR wird sich auf Aufgabenzuschnitte in der Aufbauorganisation und damit
auch auf die Ablauforganisation einer Behörde auswirken. Ausgangspunkt der KLR
in der öffentlichen Verwaltung ist die Definition von Produkten. Produkte sind Leistungen eines Fachbereiches in einer Verwaltung, die außerhalb des Fachbereiches
benötigt werden (z. B. Angebot von Fortbildungskursen für die eigene Behörde und
andere Behörden). Bei der Bildung von Produkten ist auf eine eindeutige Zuordnung
der Verantwortung für die Produkte zu bestimmten Organisationseinheiten zu achten.
Damit führen Produktbildungen häufig zu organisatorischen Veränderungen. Orientiert man sich bei der Produktbildung eng an der bestehenden Aufbauorganisation,
besteht die Gefahr von Reibungsverlusten. Gerade bei der vom Land vorgesehen flexiblen Plankostenrechnung ist es wichtig, daß der Produktleiter die Verantwortung
für Kosten, Leistung und Qualität in einer Person trägt und daß in Kostenstellen8 nur
Arbeitsplätze und Maschinen zusammengefaßt werden, deren Kostenstruktur annähernd gleich ist. Mit der Einführung der KLR und Nutzung ihrer Ergebnisse wird
sich somit langfristig die Aufbauorganisation ändern.
Von den Mitarbeitern wird unternehmerisches Denken und Handeln erwartet. Neben

8

Eine Kostenstelle bildet ab, in welchen Bereichen einer Behörde die Kosten anfallen, z. B. Fortbildungsreferat,
Pressestelle.

25
einer Änderung des Aufgabenzuschnitts ergibt sich so oft auch eine Änderung der
Anforderungen an das Führungsverhalten von Vorgesetzten.
(27)

Während die Privatwirtschaft das Ziel hat, den (monetären) Gewinn zu maximieren,
verfolgt die öffentliche Verwaltung mit ihrer Arbeit nicht vorrangig monetäre Ziele.
Sie erfüllt ihren öffentlichen Auftrag, der auf Verfassung und weiteren Rechtsvorschriften sowie politischen Zielen beruht. Ihren Leistungen stehen oft keine direkten
Entgelte gegenüber. Die Leistungen und ihre Qualität müssen über Indikatoren gemessen werden anstatt über monetäre Größen. Kennziffern oder Indikatoren, die die
Qualität widerspiegeln, die Meßbarkeit, zeitnahe und wirtschaftliche Erfaßbarkeit
und Beeinflußbarkeit durch den Produktverantwortlichen gewährleisten, sind noch
nicht ausreichend definiert. Die Verbindung zur (monetären) Kostenrechnung ist daher schwierig, aber unerläßlich, um eine Bewertung der Kosten vornehmen zu können.

(28)

Auch trügt die Vorstellung, daß die Ressourcen einer öffentlichen Verwaltung äußerst flexibel für sich kurzfristig ändernde Aufgabenschwerpunkte einsetzbar sind:
Mitarbeiter einer Behörde, die die wichtigste Ressource einer Behörde sind, können
nicht frei auf jede beliebige Stelle gesetzt werden (qualitative wie auch soziale Probleme würden auftreten). Sicherlich kann man aber „Springer“ einsetzen. Das sind
flexible Arbeitskräfte, die so qualifiziert sind, daß sie je nach Erfordernis an allen oder bestimmten Arbeitsplätzen einer Behörde eingesetzt werden können.

Sondervermögen
(29)

Bei den Überlegungen zur Umstrukturierung des Haushaltes in Mecklenburg-Vorpommern sollten auch die Sondervermögen des Landes nicht völlig außer acht gelassen werden.
Das Land verfügt gegenwärtig über folgende Sondervermögen:

26
Sondervermögen

Geregelt durch:

Haushaltsplan/Wirtschaftsplan

Finanzierung durch:

Grundstock
Kapitel 7201

§ 64 Abs. 6 LHO
VV Nr. 8 zu § 64 Abs. 6 LHO

– über den Grundstock werden Grundstückskäufe
und -verkäufe des Landes abgewickelt
– Haushaltsplan wird als Anlage zum Epl. 11 dem
Landtag zur Beschlußfassung vorgelegt

§ 64 Abs. 6 LHO:
– Einnahmen aus Veräußerungen von Grundstücken
und grundstücksgleichen Rechten sind einem Sondervermögen zuzuführen

Sondervermögen
„Lotto-Toto“

Gesetz zur Umwandlung von Lotto und Toto in eine
Staatslotterie vom 10. April 1991 (GVOBl. S. 146)

§ 4 Wirtschaftsplan
– wird vom FM aufgestellt, besteht aus Erfolgs- und
Finanzplan; wird dem Landtag zur Beschlußfassung
vorgelegt (§ 4 Abs. 3)
§ 7 Rechtsanwendung
LHO ist entsprechend anzuwenden

Erlöse und Erträge
§ 4 Wirtschaftsplan
– Deckungsmittel für Investitionen ergeben sich aus
Anlageänderung und aus der Finanzwirtschaft des
Sondervermögens

Kommunaler Aufbaufonds
Mecklenburg-Vorpommern

gem. § 16 Finanzausgleichsgesetz (FAG) vom
1. Juni 1993 (GVOBl. S. 618); zuletzt geändert
12. Juli 1995 (GVOBl. S. 294)

§ 16 Abs. 3 FAG
– IM erstellt einen Wirtschaftsplan und eine
Jahresrechnung
– Kreditermächtigung vorhanden, Ausgabe der
Darlehen oder Zuschüsse für investive Maßnahmen

– § 6 Abs. 1 Nr. 8 FAG
Zuweisung des Landes (jährlich 30 Mio. DM)
– Zins- und Tilgungsleistungen für Darlehen

Sondervermögen „Ausgleichsabgabe nach dem
Schwerbehindertengesetz“
Kapitel 7301

gem. § 11 Abs. 5 Schwerbehindertengesetz in der
Neufassung vom 26. August 1986 (BGBl. I S. 1421),
zuletzt geändert 5. Oktober 1994 (BGBl. I S. 2911),
Gesetz veröffentlicht unter Art. 4 HRG 94 vom
2. Februar 1994 (GVOBl. M-V S. 178)

– Haushaltsplan wird als Anlage zum Epl. 10 dem
Landtag zur Beschlußfassung vorgelegt

– Ausgleichsabgaben nach Schwerbehindertengesetz

Sondervermögen „Krankenhausfinanzierung aus Mitteln
der Krankenhausbenutzer“;
Kapitel 8609

Art. 14 Abs. 3 Gesundheitsstrukturgesetz vom
21. Dezember 1992 (BGBl. S. 2266/2326),
Gesetz veröffentlicht unter Art. 2 HRG 95 vom
27. Juni 1995 (GVOBl. M-V S. 281)

§ 4 Abs. 2 Verwaltung
– Haushaltsplan wird als Anlage zum Epl. 10 dem
Landtag zur Beschlußfassung vorgelegt

– Mittel nach Art. 14 Gesundheitsstrukturgesetz:
d. h., Gelder werden von den Krankenkassen und
priv. Krankenversicherungen je Krankenhaustag
eines Versicherten gezahlt

Sondervermögen „Unternehmenshilfe- und Beteiligungsfonds“

Gesetz veröffentlicht unter Art. 2 Gesetz zur Änderung – nur über die Höhe der Zuweisung aus dem
des Haushaltsrechts vom 20. Dezember 1994 (GVOBl. deshaushalt
– 1994
50.000.000 DM
S. 1056), geändert durch Art. 4 HRG 95 vom 27. Juni
– 1995
erhöht auf 65.000.000 DM
1995 (GVOBl. M-V S. 281), Art. 2 HRG 96 vom 12.
– 1996
erhöht auf 83.440.000 DM
Januar 1996 (GVOBl. M-V S. 1) und 2. Nachtrag zum
Haushaltsplan 1996

Landwirtschaftssondervermögen

Landwirtschaftssondervermögensgesetz vom
8. März 1993 (GVOBl. S. 170)
Darlehen werden gem. „Richtlinie für die Gewährung
von öffentlichen Darlehen aus dem Landwirtschaftssondervermögen“ (AmtsBl. M-V Nr. 47/94 vom
1.6.1994) ausgereicht
Gesetz geändert durch Art. 3 HRG 95 vom
27. Juni 1995 (GVOBl. M-V S. 281) und Art. 3
HRG 96 vom 12. Januar 1996 (GVOBl. M-V S. 1)

Tabelle 3: Rechtsgrundlagen und Beziehungen der Sondervermögen zum Haushalt

§ 4 Wirtschaftsplan
– wird vom LM aufgestellt
– besteht aus Erfolgs- und Finanzplan
– Wirtschaftsplan wird dem Landtag zur
Beschlußfassung vorgelegt (§ 4 Abs. 3)

Lan-

§ 2 Inhalt und Zweck
– Zuweisungen aus dem Landeshaushalt
– Zins- und Tilgungsleistungen

§ 1 Bildung, Umfang und Rechtsstellung
– Nettoverkaufserlöse ehemaliger Landesdomänen
und landeseigener Liegenschaften
– Landverkauf und Zuführung auf 135 Mio. DM
begrenzt
– Einnahmen aus Verkauf werden im Landeshaushalt
eingestellt und als Ausgabe dem Sondervermögen
zugeführt
– Zinseinnahmen und Darlehensrückflüsse

27
Die Sondervermögen und Rücklagen werden außerhalb des Haushaltes geführt. Ihre
Einnahmen und Ausgaben sowie die Bestände sind nach § 85 Abs. 1 Nr. 2 LHO als
Übersichten der Haushaltsrechnung beizufügen. Diese „Schattenhaushalte“ existieren
neben dem Haushalt. Selbst in dem Fall, daß für Sondervermögen9 Kredite aufgenommen werden können, wird diese Kreditaufnahme nicht in die Ermittlung der verfassungsrechtlich geregelten Kreditobergrenze einbezogen. In den Haushaltsplänen
erscheinen für die Sondervermögen und Rücklagen jedoch geplante Zuführungen
bzw. Entnahmen.
Aus der Tabelle 3 ist ersichtlich, daß die Sondervermögen für ganz unterschiedliche
Aufgaben gebildet werden. Die Bildung von Sondervermögen kann auch durch Bundesgesetz vorgeschrieben sein, wie das Sondervermögen „Krankenhausfinanzierung
durch die Krankenhausbenutzer“. Die Sondervermögen, die Mecklenburg-Vorpommern zur Erfüllung „freiwilliger“ Aufgaben gebildet hat, sollten jedoch auf ihre Notwendigkeit und darauf, ob sich das Land diese Aufgabe auch weiterhin leisten kann,
untersucht werden. Dabei müßte insbesondere geprüft werden, wie sich die Geldströme zwischen Haushalt und Sondervermögen entwickeln.
Der Vermögensbestand der Sondervermögen und der Rücklage wird in der Haushaltsrechnung wie folgt ausgewiesen:
Endbestände
- in Mio. DM 1995

1996

339,4

156,2

1,2

0,6

Kommunaler Aufbaufonds Mecklenburg-Vorpommern

93,0

126,3

Sondervermögen „Ausgleichsabgabe nach dem
Schwerbehindertengesetz“

18,9

9,7

Sondervermögen „Krankenhausfinanzierung aus Mitteln der
Krankenhausbenutzer“

16,5

5,2

Sondervermögen „Unternehmenshilfe- und Beteiligungsfonds“

26,4

27,8

Landwirtschaftssondervermögen

35,4

19,4

530,8

345,0

94,4

152,2

Grundstock
Sondervermögen „Lotto-Toto“

Summe Sondervermögen
Bürgschaftssicherungs- und Schuldendienstrücklage

Tabelle 4: Bestände der Sondervermögen und Rücklagen jeweils per 31.12. des Jahres

9

betrifft den „Kommunalen Aufbaufond Mecklenburg-Vorpommern“

28
(30)

Die Richtigkeit der in der Haushaltsrechnung ausgewiesenen Zahlen ist zweifelhaft.
So ist anzunehmen, daß die Vermögensbestände der Sondervermögen „Unternehmenshilfe- und Beteiligungsfonds“ und „Landwirtschaftssondervermögen“ in der
Haushaltsrechnung zu gering ausgewiesen sind.
Dem „Unternehmenshilfe- und Beteiligungsfonds“ wurden seit seiner Einrichtung im
Haushaltsjahr 1994 bis Ende 1996 insgesamt rd. 83,4 Mio. DM aus dem Landeshaushalt zugewiesen. In der „Übersicht über das Vermögen und die Schulden des
Landes Mecklenburg-Vorpommern“ – Stand Ende Haushaltsjahr 1996 – (Kurzfassung der Haushaltsrechnung S. 438) ist ein Bestand für diesen Fonds in Höhe von
27.789.267,40 DM angegeben. Laut „Übersichten über die Einnahmen und Ausgaben
sowie den Bestand an Sondervermögen und Rücklagen“, die ebenfalls mit der Haushaltsrechnung (S. 334 f.) vorgelegt wurden, betrug das Nettovermögen des „Unternehmenshilfe- und Beteiligungsfonds“ zum Ende des Haushaltsjahres
79.822.137,40 DM.
Dem „Landwirtschaftssondervermögen“ wurden in den Haushaltsjahren 1993 bis
Ende 1996 rd. 97,4 Mio. DM aus dem Landeshaushalt zugeführt.
Der Endbestand wird in den o. g. Vermögensübersichten (S. 316 ff. bzw. S. 438) mit
19.336.710,30 DM ausgewiesen. Aus vom Ministerium für Landwirtschaft und Naturschutz vorgelegten Unterlagen geht hervor, daß das Sondervermögen zum Ende
des Haushaltsjahres 1996 über einen Bestand von mehr als 100 Mio. DM verfügte.
Für den „Kommunalen Aufbaufonds Mecklenburg-Vorpommern“, der bis 1996
120 Mio. DM aus dem Landeshaushalt erhalten hat, wird ein Endbestand von
126.315.162,46 DM ausgewiesen.
Alle drei Fonds vergeben für unterschiedliche Zwecke Darlehen. Ihre Bestände werden in der Vermögensübersicht des Landes unterschiedlich – nur beim „Kommunalen
Aufbaufonds Mecklenburg-Vorpommern“ einschließlich der Forderungen aus Darlehen – dargestellt. Für die beiden anderen Fonds werden dem Parlament mit der
Haushaltsrechnung keine Informationen zur Entwicklung des Vermögens vorgelegt.
Der Landesrechnungshof hält es für notwendig, daß die Darstellung der Fonds einheitlich erfolgt. Es ist davon auszugehen, daß die Vermögensübersicht auf S. 438 der

29
Kurzfassung zur Haushaltsrechnung 1996 das Sondervermögen nicht richtig darstellt.
Dem Parlament können damit unter Umständen notwendige Informationen für Entscheidungen über weitere Zuführungen an die Sondervermögen aus dem Landeshaushalt fehlen.
(31)

Im Haushaltsjahr 1996 wurde mit dem 2. Nachtrag zum Haushaltsplan beschlossen,
dem „Grundstock“ 200 Mio. DM zu entnehmen. In den Erläuterungen hieß es dazu:
„Die Entnahme aus dem Grundstock ist zur teilweisen Kompensation der Haushaltsverschlechterung erforderlich. Der Bestand des Grundstocks beträgt z. Z.
340 Mio. DM, so daß 140 Mio. DM dem Grundstock für geplante Grundstücksankäufe verbleiben. Es wird davon ausgegangen, daß der Grundstock durch verstärkte
Verkaufsbemühungen mittelfristig wieder aufgefüllt werden kann.“
Der „Grundstock“ ist nach § 64 Abs. 6 LHO ein Sondervermögen, dem alle Einnahmen aus Grundstücksverkäufen des Landes zuzuführen sind. Die Mittel des Grundstocks sind grundsätzlich nur zum Erwerb von Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten zu verwenden. Nach § 64 Abs. 6 Satz 3 LHO ist es zwar möglich,
Ausnahmen durch den Haushaltsplan zuzulassen, es handelt sich hier jedoch ausdrücklich um eine Ausnahmeregelung. Bei einer Entnahme von mehr als der Hälfte
des Bestandes des „Grundstocks“ handelt es sich um einen erheblichen Eingriff. Den
Erläuterungen zufolge gingen die dem Sondervermögen im Haushaltsjahr 1996 entnommenen 200 Mio. DM in die allgemeinen Deckungsmittel des Haushaltes ein und
dienten somit weder dem Erwerb Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten
noch der Schuldentilgung. Auch in den Haushaltsjahren 1997 und 1998 waren bzw.
sind Entnahmen aus dem Grundstock in Höhe von insgesamt 109 Mio. DM vorgesehen.
Das Finanzministerium begründet die Entnahmen in Höhe von insgesamt
309 Mio. DM damit, daß dem Grundstock in den Jahren 1991, 1993 und 1994 insgesamt 320 Mio. DM aus dem Landeshaushalt zugeführt worden sind, um den Grundstock finanziell handlungsfähig zu machen. Inzwischen sei der Grundstock durch
Verkäufe nicht mehr benötigter Liegenschaften finanziell derart ausgestattet, daß er
seine „Schulden“ an das Land zurückzahlen könne, ohne seine Handlungsfähigkeit
einzubüßen.

30
Dieser Argumentation kann der Landesrechnungshof nicht uneingeschränkt folgen.
Die Zuführungen in den Haushaltsjahren 1991, 1993 und 1994 wurden nach den Erläuterungen nicht als Darlehen, sondern als „Zuführung ... zur Aufstockung des Sondervermögens“ ausgewiesen, wonach eine Rückführung der Mittel in den laufenden
Haushalt nicht vorgesehen war.

Beachtung des Vergaberechts
(32)

Wirtschaftliches und sparsames Verwaltungshandeln erfordert auch, daß die Verwaltung bei der Vergabe von Leistungen die vorhandenen Vergabevorschriften anwendet. Der Landesrechnungshof hat bisher in all seinen Jahresberichten Verstöße gegen
die Vergabevorschriften – insbesondere das Abweichen vom Grundsatz der Öffentlichen Ausschreibung – aufgezeigt. Mit diesen Problemen haben sich auch der Finanzausschuß und der Landtag im Zusammenhang mit der Entlastung der Landesregierung wiederholt befaßt. In der 59. Sitzung des Landtages am 23.4.1997 wurde im Zusammenhang mit der Entlastung der Landesregierung mit der Annahme der Entschließung entsprechend der Ziffer 5 der Beschlußempfehlung des Finanzausschusses
(Drs. 2/2507) folgendes beschlossen:
„Die Landesregierung wird ersucht,...
−= für den Bereich des Beschaffungswesens der Landesverwaltung darauf hinzuwirken, daß
• erkennbar wird, nach welchen Kriterien der jeweilige Bedarf ermittelt wird,
• insbesondere folgende haushalts- und vergaberechtliche Vorschriften beachtet
werden:
Vermeidung verdeckter Haushaltsüberschreitungen und
Befolgung des Grundsatzes der öffentlichen Ausschreibung,...
−= bei Vergabeverfahren standortpolitische Aspekte nur zu berücksichtigen, wenn sie
im Einklang mit dem Vergaberecht stehen.“

(33)

Daß diese Forderungen noch nicht generell umgesetzt wurden, belegen die Feststellungen des Landesrechnungshofes im vorliegenden Jahresbericht und in laufenden
Prüfungsverfahren. In diesem Zusammenhang nicht nachzuvollziehen ist z. B. die
Argumentation eines Ministeriums im Zusammenhang mit der Freihändigen Vergabe

31
eines Auftrages:
“Im übrigen liegt der Auftragswert mit 150.000 DM unterhalb des EU-Schwellenwertes. Anwendbar ist also lediglich Abschnitt 1 der VOL/A, der nach wie vor die
rechtliche Qualität einer Dienstanweisung hat. Man kann ... daher auf dem Standpunkt stehen, daß durch die Zustimmung von ... M (des Ministers) zur Freihändigen
Vergabe ... die allgemeine Dienstanweisung VOL/A, 1. Abschnitt, durch eine speziellere Dienstanweisung ersetzt wurde.“
Nach VOL/A ist ein Rückgriff auf die Beschränkte Ausschreibung und die Freihändige Vergabe nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen („soll nur“) möglich. Aus
dem Wort „soll“ geht die regelhafte Verpflichtung zur Öffentlichen Ausschreibung
hervor, ein Abweichen ist nur aus zwingenden Gründen möglich. Allein die Zustimmung des Ministers kann nicht als zwingender Grund angesehen werden oder, wie
oben behauptet, die VOL/A außer Kraft setzen. Das ist schon deshalb nicht möglich,
weil mit § 55 LHO der Grundsatz der Öffentlichen Ausschreibung landesrechtlich
eindeutig geregelt ist und mit VV Nr. 2.1.2 zu § 55 LHO die Anwendung der VOL/A
zwingend vorgeschrieben ist. Die Behörden müssen mittels systematischer Anwendung der vergaberechtlichen Vorschriften erreichen, daß immer das wirtschaftlichste
Angebot genutzt wird.

Koordinierung des Einsatzes von Informationstechnik
(34)

Bereits 1997 hat der Landesrechnungshof auf Mängel in der Koordinierung des
IT-Einsatzes hingewiesen und eine wesentliche Verbesserung der Koordinierungstätigkeit des Innenministeriums als „Landeskoordinierungs- und Beratungsstelle für
Informations- und Telekommmunikationstechnik (LKSt)“ gefordert (Jahresbericht
1997 Tzn. 43 bis 47). Seitdem ist jedoch keine positive Entwicklung erkennbar gewesen, vielmehr ist auf seiten der LKSt durch personelle Veränderungen eine Situation eingetreten, die nicht einmal die Wahrnehmung der Aufgaben im bisherigen
Umfang möglich macht.

(35)

Für die Koordinierung des Einsatzes der Informationstechnik innerhalb der Landesverwaltung wurde aufgrund der Richtlinien für den Einsatz von Informations- und
Telekommunikationstechnik (IT) in der Verwaltung des Landes MecklenburgVorpommern (Erlaß des Innenministeriums vom 22. April 1992, AmtsBl. M-V

32
S. 706) aus den für den IT-Einsatz zuständigen Referenten der Ressorts der Interministerielle Ausschuß für Informations- und Telekommunikationstechnik
(IMA-IT) gebildet. Der Landesrechnungshof hat an den Sitzungen des IMA-IT mit
beratender Stimme teilgenommen und dabei den Eindruck gewonnen, daß sich der
IMA-IT u. a. aufgrund der mangelhaften Kooperationsbereitschaft seiner Mitglieder
im wesentlichen mit Formalien beschäftigt und zu einer effektiven Koordinierung
nicht in der Lage ist.
(36)

Folgende Mängel der Koordinierung sind insbesondere hervorzuheben:
−= Ein IT-Gesamtplan, der u. a. in Zeiten knapper werdender Haushaltsmittel eine
Grundlage für die Festlegung von IT-Prioritäten auf Landesebene sein kann, wurde bisher vom Innenministerium nicht erstellt, obwohl dieser gem. Nr. 3 der
IT-Planungsgrundsätze bereits Mitte 1995 vorliegen sollte.
−= Das vom Innenministerium erstellte Programm zur Aufstellung der IT-Ressortpläne „PAR“ wird immer noch nicht landesweit angewendet. Die für die
IT-Planung und Haushaltsaufstellung für das Haushaltsjahr 1999 erforderlichen
Änderungen im Programm „PAR“ sind bisher nicht erfolgt. Auf den Jahresbericht
1997 Tzn. 137 bis 144 wird hingewiesen.

(37)

Der Landesrechnungshof sieht nach wie vor in einer wirksamen Koordinierung eine
Grundvoraussetzung für einen wirtschaftlichen Einsatz der Informationstechnik in
der Verwaltung des Landes. Durch den Jahrtausendwechsel und die Einführung des
Euro sind weitere Koordinierungstätigkeiten erforderlich. Die Landesregierung sollte
daher prüfen, ob – ähnlich wie in anderen Ländern – eine gesetzliche Grundlage für
die Koordinierung gefunden werden kann.

(38)

Das Innenministerium teilt hierzu mit, daß die LKSt ihre Aufgaben aufgrund der derzeitigen personellen Ausstattung nur sehr eingeschränkt wahrnehmen kann. Im Hinblick auf die vom Kabinett beschlossene Wiederbesetzungssperre sei der personalwirtschaftliche Handlungsspielraum begrenzt.
Der Landesrechnungshof nimmt die Stellungnahme des Innenministeriums zur
Kenntnis. Er weist jedoch darauf hin, daß die Landesregierung und das Innenministerium im Hinblick auf die herausragende Bedeutung der IT-Koordinierung dafür zu
sorgen haben, daß die notwendigen Ressourcen bereitgestellt werden.

33

34

Neuordnung der Finanz- und Bauverwaltung
(39)

Der Bund wird die Bundesaufgaben der Oberfinanzdirektion neu ordnen. Es ist eine
Straffung der Bundesabteilungen der Oberfinanzdirektion vorgesehen. Entsprechende
Überlegungen sollte die Landesregierung auch zu Art und Umfang der Landesaufgaben der Oberfinanzdirektion Rostock anstellen. In Betracht kommen dabei in erster
Linie zwei Lösungsansätze:
−= Aufgaben im Landesbereich könnten zusammen mit anderen Ländern auf der Ebene der Oberfinanzdirektionen wahrgenommen werden. Gegebenenfalls müßten
dafür die entsprechenden Rechtsgrundlagen geschaffen werden (Finanzverwaltungsgesetz).
−= Die Aufgabenverteilung zwischen Oberfinanzdirektion und Finanzministerium
könnte überdacht werden.

(40)

Im Zusammenhang mit der Neuordnung der Verwaltung auf der Ebene der Oberfinanzdirektion könnte ebenfalls untersucht werden, inwieweit z. B. durch entsprechende Änderungen in der Aufgaben- und Verantwortungszuordnung die derzeitige
Struktur der staatlichen Hochbauverwaltung „schlanker“ zu gestalten wäre.

35

36

II. Bemerkungen zur Haushaltsrechnung
und zum Haushaltsvollzug 1996

(41)

Rechtsgrundlage für die Rechnung des Haushaltsjahres 1996 ist Art. 67 Abs. 1
Verf. M-V i. V. m. § 114 Abs. 1 Landeshaushaltsordnung (LHO). Danach hat die Finanzministerin dem Landtag über alle Einnahmen und Ausgaben sowie über die Inanspruchnahme von Verpflichtungsermächtigungen jährlich Rechnung zu legen. Die
Rechnung für das Haushaltsjahr 1996 mit der Vermögensübersicht wurde dem Landtag fristgemäß vor Ende des Folgejahres mit der Drs. 2/3405 vom 18. Dezember
1997 vorgelegt.

Vollständigkeit
(42)

Die finanziellen Gesamtergebnisse der Haushaltsführung sind in
−= einem kassenmäßigen Abschluß gem. § 82 LHO
(Ist-Ergebnisse ohne Haushaltsreste),
−= einem Haushaltsabschluß gem. § 83 LHO
(Ist-Ergebnisse zuzüglich Haushaltsreste) und
−= einer Gesamtrechnung
(Soll-Ist-Vergleich, Einzelplanabschlüsse, Zusammenstellung nach Gruppen und
Einzelplänen, Gesamtabschluß) dargestellt.
Die Haushaltsrechnung für das Haushaltsjahr 1996 enthält alle Angaben, die nach
§§ 80 ff. LHO erforderlich sind.

Übereinstimmung mit den Kassenbüchern
(43)

Bei der stichprobenweisen Prüfung durch den Landesrechnungshof wurden keine
Abweichungen zwischen den in der Haushaltsrechnung aufgeführten Beträgen und
den in den Büchern nachgewiesenen Beträgen festgestellt.

37

Ordnungsmäßigkeit der Belege
(44)

Der Landesrechnungshof hat bei seinen Prüfungen – bis auf wenige Ausnahmen –
keine Beträge festgestellt, die nicht ordnungsgemäß belegt waren.

Grundlagen der Haushaltsführung 1996
(45)

Grundlagen der Haushaltsführung des Landes waren im Haushaltsjahr 1996
−= das Gesetz zur Schaffung und Änderung haushaltsrechtlicher Bestimmungen
(Haushaltsrechtsgesetz 1996 – HRG 96) vom 12. Januar 1996,
−= das Gesetz über die Feststellung eines 1. Nachtrages zum Haushaltsplan für das
Haushaltsjahr 1996 (Erstes Nachtragshaushaltsgesetz 1996) vom 24. Mai 1996
und
−= das Gesetz über die Feststellung eines 2. Nachtrages zum Haushalt für das Haushaltsjahr 1996 (Zweites Nachtragshaushaltsgesetz 1996) vom 17. Juni 1996.

Haushaltsplan 1996
(46)

Der Haushaltsplan 1996 und die Nachträge zum Haushaltsplan 1996 weisen in Einnahmen und Ausgaben Ansätze von jeweils
14.547.686.300,00 DM
sowie Verpflichtungsermächtigungen von
3.952.353.000,00 DM
aus.
Das Haushalts-Soll 1996 erhöhte sich gem. § 17 Haushaltsgesetz 1996 in Einnahmen
und Ausgaben um
525.000,00 DM
auf
14.548.211.300,00 DM.

38
Damit lag das Soll der Einnahmen und Ausgaben um jeweils rd. 129,9 Mio. DM
bzw. rd. 1 % unter den entsprechenden Beträgen des Haushaltsjahres 1995.
Die Verpflichtungsermächtigungen erhöhten sich gem. § 17 Haushaltsgesetz 1996
um
39.750.000,00 DM
auf
3.992.103.000,00 DM.
Die nachfolgende Übersicht stellt die Zusammensetzung des Haushalts-Solls und des
Gesamt-Solls einschließlich der Verpflichtungsermächtigungen dar.

Zusammensetzung des Haushalts-Solls
und des Gesamt-Solls 1996
(47)

Rechtliche Grundlage

Einnahmen

Ausgaben

- in DM -

- in DM -

Verpflichtungsermächtigungen
- in DM -

2

3

4

14.529.167.800,00

14.529.167.800,00

3.530.477.000,00

Gesetz über die Feststellung
des 1. Nachtrages zum Haushaltsplan vom 24. Mai 1996

+ 190.000.000,00

+ 190.000.000,00

+ 150.000.000,00

Gesetz über die Feststellung
des 2. Nachtrages zum Haushaltsplan vom 17. Juni 1996

- 171.481.500,00

- 171.481.500,00

+ 271.876.000,00

14.547.686.300,00

14.547.686.300,00

3.952.353.000,00

+ 525.000,00

+ 525.000,00

+ 39.750.000,00

14.548.211.300,00

14.548.211.300,00

3.992.103.000,00

+ 1.162.542.421,41

+ 1.192.344.250,40

1

1 Haushaltsrechtsgesetz 1996
vom 12. Januar 1996

2 Summe der veranschlagten
Mittel
3 Einwilligungen der Finanzministerin in zusätzliche
Einnahmen und Ausgaben,
die als Änderung des Haushalts-Solls gelten
gem. § 17 des Haushaltsgesetzes 1996 Abs. 1 und 2
4 Haushalts-Soll 1996
5 aus dem Haushaltsjahr 1995
übertragene Reste
Vorgriffe auf Ausgaben des
Haushaltsjahres 1997
6 Gesamt-Soll

-3.700.000,00
15.710.753.721,41

15.736.855.550,40

Tabelle 5: Zusammensetzung des Haushalts-Solls und des Gesamt-Solls 1996

3.992.103.000,00

39
Die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben im Gesamt-Soll (Tab. 5, Zeile 6)
resultiert aus der unterschiedlichen Höhe der aus dem Haushaltsjahr 1995 übertragenen Reste sowie aus Vorgriffen auf Ausgaben des Haushaltsjahres 1997.

Abschlußbericht
(48)

Der Landesrechnungshof hat den kassenmäßigen Abschluß und den Haushaltsabschluß nach §§ 82 und 83 LHO als Bestandteil der Haushaltsrechnung
stichprobenweise auf rechnerische Richtigkeit und Plausibilität geprüft. Die
Prüfungen haben keine wesentlichen Beanstandungen ergeben.

(49)

Der kassenmäßige Abschluß gem. § 82 LHO (Ist-Ergebnisse ohne Haushaltsreste)
weist in Einnahmen und Ausgaben für das Haushaltsjahr 1996 mit
15.009.544.587,12 DM
ein ausgeglichenes Ergebnis aus. Der Ausgleich wurde durch einen im Haushaltsplan
bei Kapitel 1103 MG 01 „Kreditaufnahmen“ ausgebrachten Haushaltsvermerk zugelassen, wonach die Finanzministerin in Anwendung des § 72 Abs. 6 LHO u. a. am
Anfang des folgenden Haushaltsjahres eingehende Einnahmen aus Krediten noch zugunsten des abschließenden Haushaltsjahres buchen oder umbuchen lassen darf.
Dementsprechend wurden zu Beginn des Haushaltsjahres 1997 aufgenommene Kredite von 614,5 Mio. DM zugunsten des Haushaltsjahres 1996 umgebucht.

(50)

Zum Bestandteil des kassenmäßigen Abschlusses gehört auch die der Ermittlung des
Finanzierungssaldo dienende Finanzierungsrechnung. Diese stellt sich wie folgt
dar:
Summe der Ist-Einnahmen
mit Ausnahme der Einnahmen aus Krediten
vom Kreditmarkt, Entnahmen aus Rücklagen,
Fonds und Stöcken sowie Rücklagen und
Einnahmen aus kassenmäßigen Überschüssen

12.724.098.778,15 DM

Summe der Ist-Ausgaben
mit Ausnahme der Ausgaben zur Schuldentilgung am Kreditmarkt, Zuführungen an
Rücklagen, Fonds und Stöcken und Ausgaben zur Deckung kassenmäßiger Fehlbeträge

14.876.916.850,08 DM

40
Der in der Haushaltsrechnung 1996 nachgewiesene Finanzierungssaldo beträgt somit
- 2.152.818.071,93 DM.
Zur Deckung des Finanzierungsdefizits wurden folgende Mittel bereitgestellt:
Finanzierungsmittel
Einnahmen aus Krediten vom
Kreditmarkt

2.044.751.612,46 DM

Ausgaben zur Schuldentilgung
am Kreditmarkt

0,00 DM

Nettoneuverschuldung
am Kreditmarkt

2.044.751.612,46 DM

Ausgaben zur Deckung kassenmäßiger Fehlbeträge

0,00 DM

Einnahmen aus kassenmäßigen
Überschüssen

0,00 DM

Entnahmen aus Rücklagen usw. 240.694.196,51 DM
108.066.459,47 DM

Zuführungen an Rücklagen usw. 132.627.737,04 DM
Finanzierungsmittel insgesamt

2.152.818.071,93 DM

Damit schließt der Haushalt mit einem kassenmäßigen Jahresergebnis von 0,00 DM
ab.
(51)

Der Haushaltsabschluß nach § 83 LHO (Ist-Ergebnisse zuzüglich Haushaltsreste)
hat somit folgendes Ergebnis:
Haushaltsjahr

1996

1995

kassenmäßiges Jahresergebnis

0,00 DM

0,00 DM

kassenmäßiges Gesamtergebnis

0,00 DM

0,00 DM

+ 21.414.380,03 DM

+ 21.072.746,65 DM

- 4.687.448,96 DM

- 26.101.828,99 DM

rechnungsmäßiges Jahresergebnis
rechnungsmäßiges Gesamtergebnis

41
Das rechnungsmäßige Jahresergebnis für 1996 von rd. 21,4 Mio. DM entspricht der
Differenz zwischen den im Rechnungsjahr 1996 zu verzeichnenden Mindereinnahmen in Höhe von 13,3 Mio. DM (einschließlich Reste) und den Minderausgaben in
Höhe von 34,7 Mio. DM (einschließlich Reste und Vorgriffe).
Der als rechnungsmäßiges Gesamtergebnis für das Haushaltsjahr nachgewiesene
Fehlbetrag von rd. 4,7 Mio. DM resultiert aus der Differenz der aus dem Haushaltsjahr 1995 und der in das Haushaltsjahr 1997 übertragenen Einnahme- und Ausgabereste und der Vorgriffe auf Ausgaben des Haushaltsjahres 1997:
Einnahmereste

687.883.997,27 DM

Ausgabereste

800.804.058,81 DM

Saldo

- 112.920.061,54 DM

Vorgriffe

+ 108.232.612,58 DM
-

(52)

4.687.448,96 DM

Die nachfolgende Übersicht zeigt, wie sich die Einnahmen und Ausgaben im Haushaltsjahr 1996 gem. Gruppierungsplan verteilen. Zum Vergleich wird auch das Haushalts-Soll und das Ist-Ergebnis der Haushaltsrechnung 1996 dem Ist-Ergebnis des
Jahres 1995 gegenübergestellt.

42

Zusammenfassende Darstellung von Einzelergebnissen
der Haushaltsrechnung 1996

- Mio. DM -

Erfüllung
Ist 96 zum
Soll 96
- in % -

Entwickl.
Ist 96 zum
Ist 95
- in % -

5.844,0

5.820,9

99,6

- 0,6

800,7

846,0

805,2

95,2

0,6

BEZ

1.967,6

1.993,0

1.980,4

99,4

0,7

Übrige laufende Einnahmen

1.579,5

1.773,4

1.874,7

105,7

18,7

Summe der bereinigten
laufenden Einnahmen

10.205,4

10.456,4

10.481,3

100,2

2,7

Spezielle Investitionseinnahmen

1.659,8

2.073,3

2.242,8

108,2

35,1

11.865,2

12.529,7

12.724,1

101,6

7,2

6,5

217,4

240,7

110,7

3.603,0

2.144,5

1.800,6

2.044,8

113,6

- 4,7

14.016,2

14.547,7

15.009,5

103,2

7,1

3.373,7

3.607,3

3.493,3

96,8

3,5

395,0

534,8

532,8

99,6

34,9

6.281,2

6.545,5

6.685,5

102,1

6,4

0,0

-130,0

0,0

0,0

0,0

10.049,9

10.557,6

10.711,6

101,5

6,6

3.932,2

3.942,6

4.165,3

105,6

5,9

13.982,2

14.500,2

14.876,9

102,6

6,4

34,0

47,5

132,6

279,4

289,9

Gesamtausgaben

14.016,2

14.547,7

15.009,5

103,2

7,1

Finanzierungssaldo

- 2.116,9

- 1.970,5

- 2.152,8

109,3

1,7

Einnahmen/Ausgaben

Ist 95

Soll 96

Ist 96

- Mio. DM -

- Mio. DM -

5.857,6

Einnahmen
Steuern u. steuerähnliche Abgaben
Länderfinanzausgleich

Bereinigte Gesamteinnahmen
Besondere Finanzierungs
einnahmen
Netto-Kreditaufnahme
Gesamteinnahmen
Ausgaben
Personalausgaben
Zinsen
Sach- u. Fachausgaben
Globale Minderausgabe
Bereinigte laufende Ausgaben
Investitionsausgaben
Bereinigte Gesamtausgaben
Besondere Finanzierungsausgaben

Tabelle 6: Jahresabschluß 1996 (Soll-Ist-Vergleich)

(53)

Das nach der Haushaltsrechnung in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichene
Gesamtvolumen von 15.009,5 Mio. DM lag mit 461,8 Mio. DM bzw. 3,2 % über
dem veranschlagten Soll von 14.547,7 Mio. DM und mit rd. 1 Mrd. bzw. 7,1 % über
dem entsprechenden Vorjahresergebnis. Damit ist das Ziel der alten mittelfristigen
Finanzplanung bis zum Jahr 2000 jeweils ein Haushaltsvolumen von bis zu
rd. 14,7 Mrd. DM auszuweisen, nicht erreicht worden.

43
Die im Vergleich zu den Haushaltsansätzen 1996 höheren Ist-Einnahmen/-Ausgaben
sind insbesondere im Zusammenhang mit dem Abbau der erheblichen Haushaltsreste, die in den beiden vorangegangenen Haushaltsjahren gebildet wurden, zu sehen.
(54)

Die Anteile der verschiedenen Einnahmearten an den Gesamteinnahmen stellen sich
wie folgt dar:

Abb. 1: Struktur der Einnahmen 1996
Besondere
Finanzierungseinnahmen
Netto2%
Kreditaufnahme
14%
Steuern
39%
Spezielle
Investitionseinnahmen
15%

übrige laufende
Einnahmen
12%
Bundesergänzungszuweisungen
13%

(55)

Länderfinanzausgleich
5%

Die bereinigten Gesamteinnahmen, d. h., die um Einnahmen aus der Aufnahme
von Krediten, um Entnahmen aus Rücklagen und um haushaltstechnischen Verrechnungen (besondere Finanzierungseinnahmen) verminderten Gesamteinnahmen, beliefen sich im Haushaltsjahr 1996 auf 12.724,1 Mio. DM. Gegenüber dem Jahresergebnis von 1995 sind sie um 7,2 % gestiegen.

(56)

Die Einnahmen aus den Mecklenburg-Vorpommern verbleibenden Steuern von
5.820,9 Mio. DM machen den größten Anteil der Einnahmen Mecklenburg-Vorpommerns aus. Sie sind jedoch gegenüber dem Vorjahr um 36,7 Mio. DM bzw. 0,6 % gesunken. Auch das Haushalts-Soll wurde mit 23,1 Mio. DM bzw. 0,4 % unterschritten. Ebenfalls verringerte sich im gleichen Zeitraum ihr prozentualer Anteil an den
Gesamteinnahmen des Landes von 41,8 % auf 38,8 %.

44
Das Aufkommen nach Steuerarten und die Veränderungen gegenüber dem Haushaltsjahr 1995 sind aus der folgenden Zusammenstellung ersichtlich:

Steuerart

Gruppierungsnummer

Ist-Einnahmen
1995
- in DM -

Ist-Einnahmen
1996
- in DM -

Differenz zum
Vorjahr
- in DM -

Gemeinschaftsteuern
und Gewerbesteuerumlage

01

5.401.323.675,23

5.332.278.422,97

- 69.045.252,26

Lohnsteuer

011

1.651.000.562,67

1.084.552.228,88

- 566.448.333,79

Veranlagte Lohnsteuer

012

- 173.042.774,15

- 190.627.134,70

- 17.584.360,55

Steuern vom Ertrag

013

26.717.192,27

28.182.850,65

1.465.658,38

Körperschaftsteuer

014

- 4.691.477,66

32.311.464,47

37.002.942,13

Umsatzsteuer

015

3.486.726.523,35

3.909.949.677,80

423.223.154,45

Einfuhrumsatzsteuer

016

357.470.251,63

406.021.732,02

48.551.480,39

Gewerbesteuerumlage

017

11.789.616,50

12.185.136,00

395.519,50

Zinsabschlagsteuer

018

45.353.780,62

49.702.467,85

4.348.687,23

Landessteuern

05-06

456.250.764,55

487.013.861,08

30.763.096,53

Vermögensteuer

051

0,00

0,00

0,00

Erbschaftsteuer

052

4.073.853,24

3.247.656,11

- 826.197,13

Grunderwerbsteuer

053

136.241.149,12

162.899.356,29

26.658.207,17

Kraftfahrzeugsteuer

054

252.952.298,31

254.765.948,07

1.813.649,76

Totalisatorsteuer

055

3.534,20

3.980,91

446,71

Rennwettsteuer

056

0,00

0,00

0,00

Lotteriesteuer

057

21.844.017,28

24.758.214,58

2.914.197,30

Sportwettsteuer

058

0,00

0,00

0,00

Feuerschutzsteuer

059

10.154.842,95

11.962.415,00

1.807.572,05

Biersteuer

061

30.708.833,73

28.610.051,54

- 2.098.782,19

Sonstige

069

272.235,72

766.238,58

494.002,86

5.857.574.439,78

5.819.292.284,05

- 38.282.155,73

Steuern gesamt
Tabelle 7: Aufkommen nach Steuerarten

An Landessteuern vereinnahmte das Land Mecklenburg-Vorpommern im Haushaltsjahr 1996 rd. 487,0 Mio. DM. Das entspricht einem Zuwachs von 30,8 Mio. DM
bzw. 6,7 % gegenüber 1995. Die Mehreinnahmen sind im wesentlichen auf die Zunahme der Einnahmen aus der Grunderwerbsteuer zurückzuführen.

45
(57)

Die Einnahmen aus steuerähnlichen Abgaben liegen mit 8,7 Mio. DM um
2,4 Mio. DM bzw. 21,5 % unter dem Haushalts-Soll und mit rd. 5,5 Mio. DM unter
dem Ergebnis des Vorjahres. Die Einnahme aus der Spielbankabgabe beträgt
rd. 1,6 Mio. DM (rd. 1,4 Mio. DM unter dem Soll).

(58)

Die Steuerdeckungsquote als das Verhältnis der Steuereinnahmen und steuerähnlichen Abgaben zu den bereinigten Gesamtausgaben reduzierte sich von 41,9 % im
Haushaltsjahr 1995 auf 39,1 % im Haushaltsjahr 1996. Maßgeblich dafür ist die Zunahme der bereinigten Gesamtausgaben bei gleichzeitig gesunkenen Steuereinnahmen und steuerähnlichen Abgaben.
Die nachfolgende Tabelle zeigt die Entwicklung und den prozentualen Anteil der
Einnahmen aus Steuern und steuerähnlichen Abgaben an den bereinigten Gesamtausgaben von 1991 bis 1997 (Steuerdeckungsquote).

Haushaltsjahr

bereinigte Gesamtausgaben

Ist
- Mio. DM -

Entwicklung zum
Vorjahr
- Mio. DM -

-%-

Steuereinnahmen

Ist
- Mio. DM -

Steuerdeckungsquote

Entwicklung zum
Vorjahr
- Mio. DM -

-%-

1.978,3

-%-

1991

10.406,3

19,0

1992

11.105,2

698,9

6,7

3.045,3

1.067,0

53,9

27,4

1993

12.532,0

1.426,8

12,9

3.209,7

164,4

5,4

25,6

1994

13.333,4

801,4

6,4

3.705,1

495,4

15,4

27,8

1995

13.982,2

648,8

4,9

5.857,6

2.152,5

58,1

41,9

1996

14.876,9

894,7

6,4

5.820,9

- 36,7

- 0,6

39,1

1997

14.292,7

- 584,2

- 3,9

5.898,9

78,0

1,3

41,3

Tabelle 8: Entwicklung der Steuereinnahmen und Steuerdeckungsquote

(59)

Im Rahmen des bundesstaatlichen Finanzausgleichs flossen dem Land Mecklenburg-Vorpommern im Haushaltsjahr 1996 Mittel in Höhe von 2.785,6 Mio. DM
(Vorjahr 2.768,3 Mio. DM) aus dem Länderfinanzausgleich und den Bundesergänzungszuweisungen zu. Der Anteil dieser Einnahmen an den bereinigten Gesamteinnahmen beträgt 21,9 %.

46
(60)

Bei den übrigen laufenden Einnahmen (Verwaltungseinnahmen und Einnahmen
aus Zuweisungen und Zuschüssen) sind gegenüber dem Haushalts-Soll Mehreinnahmen von 101,3 Mio. DM bzw. 5,7 % und im Vergleich zum Vorjahr Mehreinnahmen
von 18,7 % zu verzeichnen.
Die Verwaltungseinnahmen wuchsen von 490,8 Mio. DM im Haushaltsjahr 1995 auf
524,2 Mio. DM im Haushaltsjahr 1996. Das bedeutet eine Steigerung zum Vorjahr
um 6,8 %.

(61)

Die speziellen Investitionseinnahmen weisen gegenüber der veranschlagten Summe
von 2.073,3 Mio. DM ebenfalls Mehreinnahmen in Höhe von 169,5 Mio. DM bzw.
8,2 % aus.
Die Netto-Kreditaufnahme war für den Haushalt 1996 mit 1.800,6 Mio. DM veranschlagt worden. Gegenüber dem Vorjahresergebnis von 2.144,5 Mio. DM wurde das
Niveau der Neuverschuldung um 343,9 Mio. DM zurückgeführt. Tatsächlich lag die
Netto-Kreditaufnahme nach Abschluß des Haushalts 1996 mit 2.044,8 Mio. DM um
244,2 Mio. DM bzw. 13,6 % noch über der nach dem Haushaltsplan vorgesehenen
Neuverschuldung. Somit wurde das für 1996 gesteckte Ziel, die Netto-Kreditaufnahme gegenüber 1995 um ca. 0,3 Mrd. DM abzusenken, nicht erreicht.
Abb. 2: Netto-Kreditaufnahme

Soll
Ist

Mio.DM

(62)

4.000
3.500
3.000
2.500
2.395,1
2.000
1.500
1.000
977,9
500
0
1991

3.976,9
3.303,1
2.407,2

2.144,5

2.708,6

2.044,8
1.485,3

2.105,0
1.550,0

905,8

1992

1993

1994
Haushaltsjahr

1995

1.800,6

1996

1.513,1

1997

47
(63)

Für die Einhaltung der Kreditermächtigung ergibt sich aus der Haushaltsrechnung
1996 folgendes Bild:
Nach dem Haushaltsplan waren
Kreditaufnahmen von

1.800.599.400,00 DM

vorgesehen.
Dazu kam eine fortgeltende Ermächtigung von

696.348.013,30 DM

aus dem Vorjahr.
Der Gesamt-Ermächtigungsrahmen betrug damit

2.496.947.413,30 DM

im Haushaltsjahr 1996.
Dem stehen Kreditaufnahmen von insgesamt

2.044.751.612,46 DM

gegenüber, so daß der Kreditrahmen für 1996 nur mit rd. 82 % ausgeschöpft wurde.
Es verbleibt somit eine Restkreditermächtigung von 452.195.800,84 DM für das Folgejahr.
(64)

Nach Art. 65 Abs. 2 Verf. M-V und § 18 Abs. 1 LHO dürfen die Einnahmen aus
Krediten die Summe der im Haushaltsplan veranschlagten Ausgaben für eigenfinanzierte Investitionen grundsätzlich nicht überschreiten.
Im Haushaltsplan 1996 waren veranschlagt:
Investitionsausgaben

3.942,6 Mio. DM

vermindert um
−= Einnahmen aus Zuweisungen
für Investitionen aus dem öffentlichen Bereich,
OGr. 33

1.593,3 Mio. DM

−= Beiträge und sonstige Zuschüsse für Investitionen,
OGr. 34

480,0 Mio. DM

eigenfinanzierte Investitionsausgaben

1.869,3 Mio. DM

Netto-Kreditaufnahme

1.800,6 Mio. DM

Die veranschlagte Netto-Kreditaufnahme unterschreitet die eigenfinanzierten Investitionen lt. Haushaltsplan damit um 68,7 Mio. DM.

48
Zum Haushaltsvollzug ist festzuhalten:
Investitionsausgaben

4.165,3 Mio. DM

vermindert um
−= Einnahmen aus Zuweisungen
für Investitionen aus dem öffentlichen
Bereich, OGr. 33

1.634,5 Mio. DM

−= der Beiträge und sonstige Zuschüsse
für Investitionen, OGr. 34

608,3 Mio. DM

Investitionen netto

1.922,5 Mio. DM

Netto-Kreditaufnahme

2.044,8 Mio. DM

Die Einnahmen aus Krediten liegen somit im Haushaltsvollzug 1996 über den Ausgaben für eigenfinanzierte Investitionen. Damit wird die Kreditobergrenze (vgl.
Art. 65 Abs. 2 Verf. M-V und § 18 Abs. 1 LHO) im Haushaltsvollzug 1996 erstmalig
überschritten, d. h., konsumtive Ausgaben in Höhe von 122,3 Mio. DM werden kreditär finanziert.
Der Landesrechnungshof hat sich im Rahmen seines Jahresberichtes 1996 (Tzn. 11
und 12) eingehend mit der Überschreitung der Kreditobergrenze im Haushaltsvollzug
befaßt und seine Ansicht dargelegt, daß die Verfassungsregelung zur Kreditobergrenze nicht nur für die Haushaltsplanaufstellung relevant ist, sondern auch für den
Haushaltsvollzug. Auch das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil vom
18. April 1989 (BVerfGE Bd. 79 S. 342, 343) klargestellt, daß die „Befugnis zur
ausnahmsweisen Überschreitung der Kreditobergrenze“ dem Haushaltsgesetzgeber,
nicht aber der Exekutive übertragen ist.
Da das Parlament eine Entscheidung zur Überschreitung der Kreditobergrenze nicht
getroffen hat, ist der Landesrechnungshof der Auffassung, daß die im Haushaltsgesetz 1996 enthaltene Kreditermächtigung nur für Investitionen in Anspruch genommen werden durfte.
Die Landesregierung wird im Entlastungsverfahren für das Haushaltsjahr 1996 dem
Parlament zu erläutern haben, welche Gründe für die Überschreitung der Kreditobergrenze beim Haushaltsvollzug maßgebend waren.

49
(65)

Die Kreditfinanzierungsquote (Anteil der Netto-Kreditaufnahme am Kreditmarkt
an den bereinigten Gesamtausgaben) ist in Mecklenburg-Vorpommern von 9,4 % im
Haushaltsjahr 1991 auf 20,3 % im Haushaltsjahr 1994 angestiegen und ist auf 10,4 %
im Haushaltsjahr 1997 abgesenkt worden.

Haushaltsjahr

Ist
1991

Ist
1992

Ist
1993

Ist
1994

Ist
1995

Ist
1996

Ist
1997

Netto-Kreditaufnahme
- in Mio. DM -

977,9

905,8

2.105,0

2.708,6

2.144,5

2.044,8

1.485,3

Bereinigte
Gesamtausgaben
- in Mio. DM -

10.406,3

11.105,2

12.532,0 13.333,4 13.982,2

14.876,9

14.292,7

Kreditfinanzierungsquote
- in % -

9,4

8,2

13,8

10,4

16,8

20,3

15,3

Tabelle 9: Entwicklung der Netto-Kreditaufnahme und Kreditfinanzierungsquote

(66)

Die Anteile der verschiedenen Ausgabearten an den Gesamtausgaben stellen sich wie
folgt dar:
Abb.3: Struktur der Ausgaben 1996
Personalausgaben
24%

Investitionsausgaben
28%

Zinsen
4%

sonst. Sach- u.
Fachausgaben
17%

kommunaler
Finanzausgleich
17%
sächliche
Verwaltungsausgaben
4%

gesetzliche
Sozialleistungen
6%

50
(67)

Die bereinigten Gesamtausgaben (ohne Ausgaben zur Tilgung von Krediten, Zuführungen zu den Rücklagen sowie haushaltstechnische Verrechnungen) sind gegenüber dem Vorjahr um 894,7 Mio. DM bzw. 6,4 % auf 14.876,9 Mio. DM gestiegen.
Auch gegenüber dem Haushalts-Soll ist eine Zunahme von 376,7 Mio. DM bzw.
2,6 % zu verzeichnen.

(68)

Der Finanzierungssaldo (Differenz zwischen bereinigten Einnahmen und bereinigten Ausgaben) von 2.152,8 Mio. DM hat das für 1996 erwartete Finanzierungsdefizit
von 1.970,5 Mio. DM um 182,3 Mio. DM bzw. 9,3 % überschritten. Gegenüber dem
Vorjahr ist das Finanzierungsdefizit um 35,9 Mio. DM bzw. 1,7 % gestiegen.
Der Finanzierungssaldo hat sich in den Haushaltsjahren von 1991 bis 1997 wie folgt
entwickelt:
Abb. 4: Finanzierungssaldo
1991

1992

-977,8

-894,9

1993

1994

1995

1996

1997

0

Mio. DM

-500
-1000
-1500

-2500
-3000

(69)

-1.483,3

-2000
-2.046,2

-2.117,0

-2.152,8

-2.611,4

Ein beträchtlicher Teil der Ausgaben entfällt, wie schon in den Vorjahren, auf die
Personalausgaben. Diese sind mit 3.493,3 Mio. DM (ohne Reste) im Vergleich zum
Vorjahr um 119,6 Mio. DM bzw. 3,5 % gestiegen. Gegenüber der Entwicklung von
1994 zu 1995 (9,7 %) ist der Anstieg der Personalausgaben jedoch erheblich geringer. Das Haushalts-Soll von 3.607,3 Mio. DM (ohne Reste) wurde dagegen um
114,1 Mio. DM bzw. 3,2 % unterschritten.

51
Die nachstehende Übersicht zeigt den Vergleich der Gesamt-Ist-Personalausgaben zu
den Gesamt-Soll-Personalausgaben 1996 nach Einzelplänen.

Einzelplan

Soll* 96
Gesamt-Soll
Rest Vorjahr
96

Ist 96
HH-Rest

Gesamt-Ist
96

Entwicklung
Gesamt-Ist zum
Gesamt-Soll 96

- in TDM -

- in TDM -

26.681,7
0,0

26.681,7

24.370,8
0,0

24.370,8

- 2.310,9

- 8,7

8.622,5
0,0

8.622,5

7.643,4
0,0

7.643,4

- 979,1

- 11,4

03 Ministerpräsident,
Staatskanzlei

12.299,4
0,0

12.299,4

11.340,2
0,0

11.340,2

- 959,2

- 7,8

04 Innenministerium

469.267,7
0,0

469.267,7

455.784,1
0,0

455.784,1

- 13.483,6

- 2,9

05 Finanzministerium

272.314,2
73,0

272.387,2

236.249,0
79,8

236.328,8

- 36.058,4

- 13,2

06 Wirtschaftsministerium

102.832,8
0,0

102.832,8

100.522,0
0,0

100.522,0

- 2.310,8

- 2,3

1.958.252,2 1.959.184,4 2.014.154,3
932,2
3.344,1

2.017.498,4

58.314,0

3,0

01 Landtag
02 Landesrechnungshof

07 Kultusministerium

- in TDM - - in TDM -

08 Ministerium f. Landw.
u. Naturschutz

286.577,4
123,8

286.701,2

258.939,2
88,0

259.027,2

- 27.674,0

- 9,7

09 Ministerium für Justiz
u. Angelegenh. der EU

248.773,3
1,6

248.774,9

220.336,3
11,0

220.347,3

- 28.427,6

- 11,4

10 Sozialministerium

63.929,1
381,3

64.310,4

62.414,6
31,9

62.446,5

- 1.863,9

- 2,9

11 Allgemeine
Finanzverwaltung

52.996,0
0,0

52.996,0

22.488,6
0,0

22.488,6

- 30.507,6

- 57,6

13 Ministerium f. Bau,
Landesentw. u. Umwelt

88.589,6
500,0

89.089,6

79.041,5
150,7

79.192,2

- 9.897,4

- 11,1

3.591.135,9 3.593.147,8 3.493.284,0
2.011,9
3.705,5

3.496.989,5

- 96.158,3

- 2,7

Gesamt

Tabelle 10: Soll-Ist-Vergleich nach Einzelplänen
* einschließlich Soll-Umsetzungen während des HH-Jahres 1996
Abweichungen durch Runden der Einzelwerte

Nur im Kultusministerium ist das Soll im Haushaltsvollzug überschritten worden.
Nach Einschätzung des Finanzministeriums ist die Überschreitung auf die im Planungszeitraum (Herbst 1994) noch nicht ausreichend sicheren Planungsdaten für den
Schulbereich zurückzuführen.
(70)

-%-

- in TDM -

Auch die Personalausgabenquote (Anteil der Personalausgaben an den bereinigten
Gesamtausgaben) war leicht rückläufig. Sie verringerte sich im Vergleich zum Vor-

52
jahr von 24,1 % auf 23,5 %. Auch die gem. Haushalts-Soll angestrebte Quote von
24,9 % ist demnach leicht unterschritten worden.
Die folgende Darstellung zeigt die Entwicklung und den prozentualen Anteil der Personalausgaben an den bereinigten Gesamtausgaben von 1991 bis 1997 (Personalausgabenquote).

Haushaltsjahr

bereinigte Gesamtausgaben

Ist
- Mio. DM -

Personalausgaben

Entwicklung
zum Vorjahr
- Mio. DM -

-%-

Ist

Personalausgabenquote

Entwicklung zum
Vorjahr

- Mio. DM -

- Mio. DM -

-%-

2.327,0

-%-

1991

10.406,3

22,4

1992

11.105,2

698,9

6,7

2.713,0

386,0

16,6

24,4

1993

12.532,0

1.426,8

12,9

2.892,3

179,3

6,6

23,1

1994

13.333,4

801,4

6,4

3.075,2

182,9

6,3

23,1

1995

13.982,2

648,8

4,9

3.373,7

298,5

9,7

24,1

1996

14.876,9

894,7

6,4

3.493,3

119,6

3,6

23,5

1997

14.292,7

- 584,2

- 3,9

3.566,1

72,8

2,1

25,0

Tabelle 11: Entwicklung der Personalausgaben und Personalausgabenquote

(71)

Die im Haushaltsjahr 1996 für Kredite zu zahlenden Zinsen von 532,8 Mio. DM lagen um 137,8 Mio. DM bzw. 34,9 % über denen des Vorjahres. Die Entwicklung der
Zinsausgaben in den Haushaltsjahren von 1991 bis einschließlich 1997 stellt sich wie
folgt dar:

Haushaltsjahr Ist 91

Ist 92

Ist 93

Ist 94

Ist 95

Ist 96

Ist 97

Soll 98

Zinsausgaben
- in Mio. DM -

3,4

47,7

134,0

238,3

395,0

532,8

652,2

771,7

Bereinigte
Gesamtausgaben
- in Mio. DM -

10.406,3 11.105,2 12.532,0 13.333,4 13.982,2 14.876,9 14.292,7 14.088,3

Zinsausgabenquote
- in % -

0,04

0,4

1,1

Tabelle 12: Zinsausgaben und Zinsausgabenquote

1,8

2,8

3,6

4,6

5,5

53
(72)

Die Zinsausgabenquote (Anteil der Zinsausgaben an den bereinigten Gesamtausgaben) zeigt die haushaltswirtschaftliche Belastung durch auf Kreditaufnahmen beruhenden Zinsverpflichtungen. Sie ist von 0,04 % im Haushaltsjahr 1991 auf 3,6 % im
Haushaltsjahr 1996 angestiegen. Im Haushaltsjahr 1997 liegt sie bei 4,6 %.

(73)

Im Bereich der Sach- und Fachausgaben sind erstmals im Haushaltsjahr 1996
140 Mio. DM bzw. 2,1 % über den Haushaltsansatz hinaus geleistet worden. Als Ursache sind hier die erhöhten Ausgaben für die Gesetzlichen Sozialleistungen zu nennen, die das Haushalts-Soll von 845,2 Mio. DM um 85,5 Mio. DM bzw. 10,1 % überschritten haben.

(74)

Die Ausgaben für Investitionen lagen im Haushaltsjahr 1996 mit 4.165,3 Mio. DM
um 222,7 Mio. DM bzw. 5,6 % über dem Haushalts-Soll. Gegenüber dem Vorjahresergebnis von 3.932,2 Mio. DM sind sie um 233,1 Mio. DM bzw. 5,9 % gestiegen.
Die Entwicklung der einzelnen Investitionsausgabenbereiche (ohne Reste) zum Vorjahr ist aus nachstehender Tabelle zu ersehen:

Bereich

Gruppierung

Ist 1995
in

Ist 1996
in

Entwicklung Ist 96
zum Ist 95 in

Mio. DM

Mio. DM

Mio. DM

%

Hochbau

71-74

189,4

226,8

37,4

19,8

Tiefbau

75-79

210,9

231,6

20,7

9,8

Erwerb von beweglichen Sachen

81

142,9

178,9

36,0

25,2

Erwerb von unbewegl. Sachen

82

21,8

24,3

2,5

11,5

Erwerb von Beteiligungen

83

35,2

33,2

- 2,0

- 5,7

Darlehen an öffentlichen Bereich

85

0,0

0,0

0,0

0,0

Darlehen an sonstige Bereiche

86

653,3

656,0

2,7

0,4

Inanspruchnahme aus
Gewährleistungen

87

6,0

60,4

54,4

906,7

Zuweisungen für Investitionen an
öffentlichen Bereich

88

1.303,1

1.395,6

92,5

7,1

Zuschüsse für Investitionen an
sonstige Bereiche

89

1.369,6

1.358,5

- 11,0

- 0,8

Investitionsausgaben gesamt
davon: Baumaßnahmen
Investitionsförderung

7-8
7
8

3.932,2
400,3
3.531,9

4.165,3
458,4
3.706,9

233,1
58,1
175,0

5,9
14,5
5,0

Tabelle 13: Investitionsausgaben
Abweichungen in den Summen durch Runden der Einzelwerte

54
Die Ausgaben für kommunale Investitionsmittel stiegen gegenüber dem Vorjahr um
6,1 Mio. DM oder 4,0 % auf 157,3 Mio. DM und lagen um 20,3 Mio. DM über dem
Haushalts-Soll.
Im Vorjahresvergleich stiegen auch die Ausgaben für Baumaßnahmen um
58,1 Mio. DM bzw. 14,5 %. Sie überschritten das veranschlagte Soll um
12,2 Mio. DM bzw. 2,7 %.
Die Ausgaben für die sonstigen Investitionen erhöhten sich von 3.380,7 Mio. DM auf
3.549,5 Mio. DM bzw. 5,0 % im Vergleich zum Haushaltsjahr 1995.
(75)

Die Investitionsquote (Anteil der Investitionsausgaben an den bereinigten Gesamtausgaben) blieb mit 28,0 % gegenüber dem Haushaltsjahr 1995 (28,1 %) fast unverändert. Gegenüber dem Haushalts-Soll von 27,2 % erhöhte sie sich um rd. 1 %.

Globale Minderausgaben
(76)

Im Haushaltsplan 1996 (einschließlich Nachtragshaushalte) waren „Globale Minderausgaben“ in Höhe von 253.800.000,00 DM veranschlagt worden und zwar:
im Einzelplan 11 „Allgemeine Finanzverwaltung“
−= bei Titel 1108 462 01 in Höhe von

60.000.000,00 DM

−= bei Titel 1108 972 01 in Höhe von

3.000.000,00 DM

−= bei Titel 1108 549 01 in Höhe von

20.000.000,00 DM

−= bei Titel 1111 972 01 in Höhe von

150.000.000,00 DM

Gesamt:

233.000.000,00 DM

im Einzelplan 12 „Hochbaumaßnahmen des Landes“
−= bei Titel 1211 712 01 in Höhe von
Veranschlagte globale Minderausgaben insgesamt

20.800.000,00 DM
253.800.000,00 DM

Alle Einsparverpflichtungen sind nach Darstellung des Finanzministeriums erbracht
worden.

55
Der Landesrechnungshof behält sich aufgrund der stichprobenweisen Prüfung des
Rechnungsjahres 1996 vor, die Umsetzung der Einsparverpflichtungen erneut aufzugreifen oder weitgehend zu untersuchen, soweit er dies infolge neuer Erkenntnisse
für erforderlich hält.

Hauswirtschaftliche Sperren
(77)

Zur Wahrung des Haushaltsgleichgewichts zwischen Einnahmen und Ausgaben sah
sich das Finanzministerium veranlaßt, haushaltswirtschaftliche Sperren in Höhe von
62.617.750,00 DM für das Haushaltsjahr 1996 zu verhängen. Während des Haushaltsjahres sind Sperren in Höhe von 31.309.650,00 DM aufgehoben worden.
Die ausgesprochenen Sperren verteilen sich wie folgt auf die entsprechenden Einzelpläne:
Einzelplan

Gesperrte
Ansätze
- in DM -

Entsperrte Ansätze
- in DM -

01

Landtag

0,00

0,00

02

Landesrechnungshof

0,00

0,00

03

Ministerpräsident, Staatskanzlei

0,00

0,00

04

Innenministerium

164.700,00

0,00

05

Finanzministerium

2.556.500,00

564.500,00

06

Wirtschaftsministerium

25.839.700,00

1.496.700,00

07

Kultusministerium

9.517.850,00

8.591.450,00

08

Ministerium für Landwirtschaft und Naturschutz

1.082.000,00

0,00

09

Ministerium für Justiz u. Angelegenheiten der EU

300.000,00

0,00

10

Sozialministerium

657.000,00

657.000,00

11

Allgemeine Finanzverwaltung

20.500.000,00

20.000.000,00

12

Hochbaumaßnahmen des Landes

2.000.000,00

0,00

13

Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Umwelt

0,00

0,00

62.617.750,00

31.309.650,00

Gesamt
Tabelle 14: Ausgesprochene Sperren

Haushaltsüberschreitungen
(78)

In der Haushaltsrechnung 1996 sind überplanmäßige und außerplanmäßige Ausgaben
einschließlich Vorgriffe in Höhe von 164.687.787,17 DM ausgewiesen. Das entspricht einem Anteil von 1,1 % (Vorjahr rd. 0,3 %) des Haushalts-Solls. Im einzelnen
verteilen sich die Überschreitungen wie folgt:

56
Überplanmäßige und außerplanmäßige Ausgaben
mit Einwilligung nach § 37 Abs. 1 und 7 LHO

150.786.380,53 DM

ohne Einwilligung der Finanzministerin

10.303.935,53 DM

sonstige Überschreitungen

3.597.471,11 DM

Von diesen insgesamt ausgewiesenen
Überschreitungen der Ausgabeansätze in Höhe von

164.687.787,17 DM

entfielen auf
überplanmäßige Ausgaben

54.786.339,33 DM

außerplanmäßige Ausgaben

1.068.835,26 DM

Vorgriffe

108.832.612,58 DM

Nach Angaben des Finanzministeriums sind alle Mehrausgaben durch Einsparungen/Minderausgaben sowie durch Einnahmen und Mehreinnahmen gedeckt.
Die über- und außerplanmäßigen Ausgaben einschließlich der Vorgriffe sind gegenüber dem Vorjahr (38,4 Mio. DM) um 126,3 Mio. DM bzw. 328,9 % angestiegen.
Die Steigerung zum Vorjahr ist insbesondere zurückzuführen auf eine Zunahme der
Vorgriffe um 105,1 Mio. DM und der überplanmäßigen Ausgaben um
22,2 Mio. DM. Dagegen sind die außerplanmäßigen Ausgaben um rd. 1 Mio. DM zurückgegangen.
Den Anstieg der Haushaltsüberschreitungen im Haushaltsjahr 1996 insgesamt um
126,3 Mio. DM schätzt der Landesrechnungshof als zu hoch ein, da wie auch schon
in den Haushaltsjahren 1993 und 1994 ein Ausmaß erreicht worden ist, das als Beeinträchtigung des Etatrechts des Parlaments zu sehen ist.
Aus nachfolgender Übersicht ist die Entwicklung der überplanmäßigen und außerplanmäßigen Ausgaben einschließlich der Vorgriffe an den Ist-Ausgaben in den
Haushaltsjahren von 1991 bis 1996 dargestellt.
Haushaltsjahr
Ist-Ausgaben
- in Mio. DM üpl./apl. Ausgaben
u. Vorgriffe
- in Mio. DM Anteil
- in % -

1991

1992

1993

1994

1995

1996

10.406,4 11.116,3 12.600,1 13.478,2 14.016,2 15.009,5
56,4

96,6

180,9

182,6

38,4

164,7

0,6

0,9

1,4

1,4

0,3

1,1

Tabelle 15: Entwicklung der Haushaltsüberschreitungen
Abweichungen in den Angaben durch Runden

57
Die über- und außerplanmäßigen Ausgaben sind danach von 56,4 Mio. DM im
Haushaltsjahr 1991 auf 182,6 Mio. DM im Haushaltsjahr 1994 gestiegen. Im Haushaltsjahr 1995 war erstmals ein Rückgang um 144,2 Mio. DM bzw. 79 % zum Vorjahr zu verzeichnen. Ihr Anteil an den Ist-Ausgaben im Haushaltsjahr 1991 von
0,6 % stieg auf 1,4 % in den Haushaltsjahren 1993 und 1994, sank dann auf 0,3 % im
Haushaltsjahr 1995 und erhöhte sich im Haushaltsjahr 1996 auf 1,1 %.
Die erforderliche vorherige Zustimmung der Finanzministerin (vgl. § 37 Abs. 1
LHO) zu den über- und außerplanmäßigen Ausgaben lag i. d. R. vor. Aus der Haushaltsrechnung ergibt sich aber, daß diese Einwilligung in sechs (Vorjahr 41 Fälle)
von insgesamt 60 Fällen mit einem Ausgabevolumen von 10,3 Mio. DM (Vorjahr
8,6 Mio. DM) nicht vorliegt. Damit ist zwar die Anzahl der Fälle weiter rückläufig,
ihr betragsmäßiger Umfang jedoch nicht (vgl. Tabelle 16).
Die überplanmäßigen Ausgaben sowie ihre Verteilung auf die Einzelpläne sind in
nachstehender Übersicht zusammengestellt:
Epl.

üpl./apl. Ausga- davon ohne Einben
willigung des FM
- in DM - in DM -

Vorgriffe

zusammen

- in DM -

- in DM -

Anzahl der
Fälle ohne
Einwilligung

01

395,52

0,00

0,00

395,52

0

02

0,00

0,00

0,00

0,00

0

03

1.405,69

887,00

0,00

1.405,69

1

04

13.328.427,42

0,00

0,00

13.328.427,42

0

05

23.311,19

0,00

0,00

23.311,19

0

06

9.233.358,00

0,00

0,00

9.233.358,00

0

07

2.735.821,12

67.229,53

0,00

2.735.821,12

4

08

1.227.942,69

0,00

600.000,00

1.827.942,69

0

09

6.410,44

0,00

0,00

6.410,44

0

10

1.249.786,07

0,00

0,00

1.249.786,07

0

11

16.855.389,26

0,00

0,00

16.855.389,26

0

12

11.190.819,60

10.235.819,00

0,00

11.190.819,60

1

13

2.107,59

0,00

108.232.612,58

108.234.720,17

0

55.855.174,59

10.303.935,53

108.832.612,58

164.687.787,17

6

Gesamt

Tabelle 16: Über- und außerplanmäßige Ausgaben nach Einzelplänen

Aus der obigen Tabelle ist ersichtlich, daß Vorgriffe in Höhe von
108.232.612,58 DM beim Einzelplan 13 „Ministerium für Bau, Landesentwicklung
und Umwelt“ ausgewiesen werden. Vorgriffe von über 107,8 Mio. DM werden davon alleine beim Kapitel 1310 „Wohnungswesen, Wohnungsbauförderung und Städ-

58
tebau“ nachgewiesen. Im einzelnen erfolgten Vorgriffe im Kapitel 1310 bei folgenden Titeln:
MG

Titel

Soll 96

Vorgriff auf
Soll 97

Soll 97

- in Mio. DM -

Anteil des
Vorgriffs am
Soll 97

Vorgriff* auf
Soll 98

- in % -

- in Mio. DM -

MG 08

863 16

79,5

15,0

60,5

24,8

40,0

MG 11

863 18

92,0

40,0

87,7

45,6

25,0

863 23

20,4

30,0

94,1

31,9

50,0

893 04

57,3

19,3

26,6

72,7

0,0

893 12

9,5

3,5

22,4

15,6

0,0

258,7

107,8

291,3

37,0

0,0

Gesamt

Tabelle 17: Vorgriffe im Kapitel 1310
* vorbehaltlich der Haushaltsrechnung 1997

Verdeckte Haushaltsüberschreitungen
(79)

Die vorläufige Gewinn- und Verlustrechnung 1996 der Medizinischen Fakultät der
Universität Rostock weist aufgrund der Jahresfehlbeträge 1993 bis 1995 den Bilanzverlust 1995 in Höhe von 32.593.488,76 DM aus.
Das Kultusministerium verfügte daraufhin im Mai 1996 Bewirtschaftungsmaßnahmen, die zum Defizitausgleich und zur Stabilisierung der Haushaltslage an der Medizinischen Fakultät beitragen sollten. So verhängte das Kultusministerium u. a. eine
Haushaltssperre im Finanzplan in Höhe von 5 Mio. DM für investive Kosten. Unabhängig davon hatte der Klinikumsvorstand bereits im März 1996 eine interne Sperre
im Finanzplan in Höhe von 6 Mio. DM verfügt. Des weiteren wurde eine nicht
zweckgebundene Kapitalrücklage in Höhe von 5.883.549,60 DM aufgelöst, und das
Kultusministerium beantragte zur Deckung des verbleibenden Bilanzverlustes im
November 1996 Verstärkungsmittel in Höhe von 9.730.907,22 DM. Das Finanzministerium stimmte diesem Antrag mit Schreiben vom 27.11.1996 zu und stellte Verstärkungsmittel in Höhe von 9.731.000,00 DM bereit. Zusätzlich wurden bereits im
Oktober für den laufenden Betrieb Verstärkungsmittel für das Haushaltsjahr 1996 in
Höhe von 3.112.500,00 DM bewilligt. Durch die bewilligten Verstärkungsmittel erhöhte sich somit der Landeszuschuß zum laufenden Betrieb im Haushaltsjahr 1996
von 52.915.000,00 DM auf 65.758.500,00 DM.

59
Aus der vorläufigen Gewinn- und Verlustrechnung 1996 der Medizinischen Fakultät
der Universität Rostock wird ersichtlich, daß die 9.731.000,00 DM nicht in voller
Höhe zur Deckung des Bilanzverlustes aus den Vorjahren verwendet wurden. Lediglich ein Betrag in Höhe von 3.614.150,99 DM, das entspricht dem ausgewiesenen
Jahresüberschuß 1996, wurde zur Verlustdeckung der Vorjahre herangezogen. Die
restlichen 6.116.849,01 DM wurden zur Deckung von Ausgaben des laufenden Betriebs im Haushaltsjahr 1996 verwendet. Zur Deckung der Verluste aus Vorjahren
wurden dagegen Minderausgaben im Finanzplan in Höhe von 10.360.047,90 DM, die
aufgrund der verfügten Bewirtschaftungsmaßnahmen entstanden, herangezogen.
Mit der Deckung der Verluste aus Vorjahren durch Minderausgaben im Finanzplan
wurden Ausgabemittel nicht für den veranschlagten Zweck verwendet. Das verstößt
gegen den Grundsatz der sachlichen Bindung (§ 45 Abs. 1 LHO sowie §§ 71, 81
LHO) und führte zu einer verdeckten Haushaltsüberschreitung in Höhe von
10.360.047,90 DM beim Titel 682 02 „Zuschuß des Landes zum laufenden Betrieb
des Medizinischen Fakultät der Universität Rostock“ und damit zu einer Verletzung
des Etatrechts des Parlaments (Art. 61 Abs. 1 Verf. M-V).
Auch widerspricht es dem Grundsatz der Haushaltsklarheit und -wahrheit, wenn Mittel zur Verlustabdeckung vorangegangener Jahre als Betriebszuschuß des laufenden
Haushaltsjahres ausgewiesen werden. Zur Sicherung des Etatrechts des Parlaments
sollten Haushaltsmittel zur Deckung von Verlusten vorangegangener Jahre künftig
bei einem gesonderten Titel veranschlagt werden.

Bildung von Haushaltsresten
(80)

Beim Abschluß der Haushaltsrechnung für das Haushaltsjahr 1996 sind folgende
Reste in das Haushaltsjahr 1997 übertragen worden:
−= Einnahmereste

687.883.997,27 DM

−= Ausgabereste

692.571.446,23 DM

Somit ergibt sich ein Überschuß der Ausgabereste von

4.687.448,96 DM.

60
Nach 1994 und 1995 war es auch im Haushaltsjahr 1996 nicht möglich, die Einnahmereste in gleicher Höhe wie die Ausgabereste zu bilden. Allerdings ist festzustellen,
daß sich die Deckungslücke zwischen Einnahme- und Ausgaberest weiter verringert
hat. Dennoch belastet die Deckung der Ausgaben im Rahmen der Inanspruchnahme
der gebildeten Haushaltsreste den Haushalt 1997.
Die Tabellen 18 und 19 zeigen, wie sich die Haushaltsreste in den letzten Jahren
entwickelt und wie sich die Ausgabereste auf die verschiedenen Ausgabearten verteilt haben.
Haushaltsjahr

Ausgabereste

Einnahmereste

- in Mio. DM -

- in % des Haushaltsvolumens

- in Mio. DM -

1991

688,3

6,6

688,3

1992

824,6

7,4

824,6

1993

1.131,9

9,0

1.131,9

1994

1.317,3

9,8

1.203,8

1995

1.188,6

8,5

1.162,5

1996

692,6

4,6

687,9

Tabelle 18: Entwicklung der Ausgabe- und Einnahmereste

Haupt-

Ausgabearten

gruppe

Ist 1995
Ausgaben
in
Mio. DM

4

Personalausgaben

5

sächl. Verwaltungsausgaben u. Schuldendienst

6

Zuweisungen u. Zuschüsse für laufende Zwecke

7

Ist 1996

Reste
in
Mio. DM

Ausgaben
in
%

Mio. DM

Reste
in
Mio. DM

%

3.373,7

2,0

0,1

3.493,3

3,7

0,1

945,2

30,1

3,2

1.132,5

23,4

2,1

5.731,1

96,0

1,7

6.085,8

113,4

1,9

Baumaßnahmen gesamt

400,3

94,2

23,5

458,4

70,9

15,5

8

Investitionen ohne Baumaßnahmen

3.531,9

966,3

27,4

3.706,9

481,1

13,0

9

Besondere Finanzierungsausgaben

34,0

0,0

0,0

132,6

14.016,2

1.188,6

8,5

15.009,5

Gesamt

Tabelle 19: Gliederung der Ausgabereste

0,07
692,6

0,1
4,6

61

Verpflichtungsermächtigungen und deren Inanspruchnahme
(81)

Die Verpflichtungsermächtigungen (VE)
wurden im Haushaltsplan 1996 in Höhe von

3.952.353.000,00 DM

veranschlagt.
Zusätzliche Verpflichtungsermächtigungen
gem. § 17 Abs. 1 des Haushaltsgesetzes 1996:

+ 39.750.000,00 DM

Summe der Verpflichtungsermächtigungen
des Haushaltsjahres 1996 insgesamt:

3.992.103.000,00 DM.

Im Haushaltsjahr 1996 sind
Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von

55.950.000,00 DM

gesperrt worden.
Von den Sperren waren folgende Einzelpläne betroffen:
−= Epl. 05 „Wirtschaftsministerium“
−= Epl. 12 „Hochbaumaßnahmen des Landes“
Im Laufe des Haushaltsjahres 1996 sind insgesamt

51.000.000,00 DM
4.950.000,00 DM
2.599.382.648,81 DM

an Verpflichtungen zu Lasten der Folgejahre
(1997 bis 2000) eingegangen worden.
Damit sind Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von 65,1 % in Anspruch genommen worden.
Die eingegangenen Verpflichtungen verteilen sich auf die einzelnen Hauptgruppen
wie folgt:
HGr. 4 Personalausgaben
HGr. 5 Sächliche Verwaltungsausgaben

90,6 TDM
46.630,9 TDM

HGr. 6 Zuwendungen mit Ausnahme für
Investitionen
HGr. 7 Ausgaben für Baumaßnahmen

369.291,1 TDM
205.938,5 TDM

HGr. 8 Ausgaben für sonstige Investitionen und
Investitionsförderungsmaßnahmen

1.977.431,5 TDM

HGr. 9 Besondere Finanzierungsausgaben

0,0 TDM

62
Im Jahresvergleich stellt sich die Entwicklung der Verpflichtungsermächtigungen
wie folgt dar:
Haushaltsjahr
veranschlagte VE
- in Mio. DM eingegangene Verpflichtungen
- in Mio. DM Inanspruchnahme
- in % -

1991
2.419,8

1992
4.032,4

1993
4.475,4

1994
4.986,5

1995
4.231,9

1996
3.992,1

888,9

1.279,6

2.075,6

2.720,2

2.924,1

2.599,4

36,7

31,7

46,4

54,6

69,1

65,1

Tabelle 20: Entwicklung der Verpflichtungsermächtigungen im Jahresvergleich

Die ausgebrachten Verpflichtungsermächtigungen sind zwar im Haushaltsjahr 1996
gegenüber dem Vorjahr erneut zurückgeführt worden, das Volumen ist aber nach
Auffassung des Landesrechnungshofes immer noch zu hoch. Dafür spricht auch der
Umstand, daß nur rd. 65 % (Vorjahr 69,1 %) der veranschlagten Verpflichtungsermächtigungen in Anspruch genommen wurden.
Angesichts der gegenwärtigen Finanzlage Mecklenburg-Vorpommerns sollte in den
kommenden Haushaltsjahren die Notwendigkeit des Eingehens von Zahlungsverpflichtungen für kommende Haushaltsjahre noch mit größerer Sorgfalt geprüft werden.
Über- und außerplanmäßige Verpflichtungsermächtigungen sind in der Haushaltsrechnung 1996 mit 6.616.258,74 DM ausgewiesen. Für alle Überschreitungen der
Verpflichtungsermächtigungen lagen lt. Haushaltsrechnung die Einwilligungen der
Finanzministerin vor.
Die Inanspruchnahme der über- und außerplanmäßigen Verpflichtungsermächtigungen verteilt sich wie folgt auf die Einzelpläne:
Einzelplan

Betrag der
üpl./apl. VE
- in DM -

fällig in
1997
- in DM -

fällig in
1998
- in DM -

Landesrechnungshof
überplanmäßige VE
0,00
0,00
0,00
außerplanmäßige VE
262.258,74
262.258,74
0,00
Ministerium für Landwirtschaft
und Naturschutz
überplanmäßige VE
0,00
0,00
0,00
außerplanmäßige VE
3.400.000,00 2.600.000,00 800.000,00
Justizministerium
überplanmäßige VE
0,00
0,00
0,00
außerplanmäßige VE
354.000,00
275.000,00 79.000,00
Sozialministerium
überplanmäßige VE
0,00
0,00
0,00
außerplanmäßige VE
2.600.000,00 2.600.000,00
0,00

fällig in
1999
- in DM -

fällig in
2000
- in DM -

0,00
0,00

0,00
0,00

0,00
0,00

0,00
0,00

0,00
0,00

0,00
0,00

0,00
0,00

0,00
0,00

63
Gesamt
überplanmäßige VE
außerplanmäßige VE
Summe insgesamt

0,00
0,00
0,00
6.616.258,74 5.737.258,74 879.000,00
6.616.258,74 5.737.258,74 879.000,00

0
,00
0,00
0,00

0,00
0,00
0,00

Tabelle 21: Inanspruchnahme der VE nach Einzelplänen

Vermögen und Schulden des Landes
(82)

Die Vermögensübersicht weist für die dargestellten Haushaltsjahre folgende Bestände aus:
Übersicht über das Vermögen und die Schulden des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Stand: Ende 1995

saldierte Zu- und
Abgänge

Stand: Ende 1996

Entwicklung

2

3

4

5

1

A.

Vermögen

I.

Liegenschaftsvermögen
- in m² Verwaltungsvermögen

1.648.002.989

131.664.102

1.779.667.091

8,0

Allg. Grundvermögen

15.329.501

1.926.261

17.255.762

12,6

1.663.332.490

133.590.363

1.796.922.853

8,0

Summe I.
II.

- in % -

Kapitalvermögen
- in DM Darlehensforderungen

1.640.298.611,90

576.780.460,93

2.217.079.072,83

35,2

Rücklagen

111.192.876,43

41.011.241,78

152.204.118,21

36,9

Sondervermögen

530.775.170,00

- 185.727.905,03

345.047.264,97

- 35,0

339.399.427,67

- 183.242.320,09

156.157.107,58

- 54,0

93.022.224,42

33.292.938,04

126.315.162,46

35,8

35.372.349,95

- 16.035.639,65

19.336.710,30

- 45,3

7.959.784,13

- 206.569,55

7.753.214,58

- 2,6

146.298.200,00

27.785.240,00

174.083.440,00

19

2.436.524.642,46

459.642.468,13

2.896.167.110,59

19

Schulden aus
Kreditmarktmitteln

7.810.000.000,00

1.997.005.000,00

9.807.005.000,00

25,6

sonst. Schulden

1.031.782.595,68

47.751.612,45

1.079.534.208,14

4,7

davon:
innere Schulden
Kassenkredite

580.782.595,68
451.000.000,00

- 81.248.387,54
129.000.000,00

499.539.208,14
580.000.000,00

- 14,0
28,6

8.841.782.595,68

2.044.756.612,46

10.886.539.208,14

23,1

darunter:
- Grundstock
- Kommunaler
Aufbaufonds
- Landwirtschaftssondervermögen
Reinvermögen der
Landesbetriebe
Beteiligungen (unmittelbare)
Summe II.
vermögen
B.

- in % -

Kapital-

Schulden

Summe Schulden

64
Übersicht über das Vermögen und die Schulden des Landes Mecklenburg-Vorpommern

1

C.

Stand: Ende 1995

saldierte Zu- und
Abgänge

Stand: Ende 1996

Entwicklung

2

3

4

5

596.127.074,80

2.869.103.027,86

26,2

Sicherheitsleistungen und Gewährleistungen
Bürgschaften

2.272.975.953,06

Tabelle 22: Vermögen und Schulden des Landes

(83)

Das Kapitalvermögen setzt sich zusammen aus den Darlehensforderungen, den
Rücklagen, den Sondervermögen, dem Reinvermögen der Landesbetriebe und dem
Wert der unmittelbaren Beteiligungen.
Das Kapitalvermögen stieg von 2.436.524.642,46 DM im Haushaltsjahr 1995 auf
2.896.167.110,59 DM im Haushaltsjahr 1996.
Die ausgeprägtesten Steigerungen waren, wie auch schon im Vorjahr (49,5 %), bei
dem Vermögen des Landes aus Darlehensforderungen mit 35,2 % zu verzeichnen.
In den Rücklagen des Landes wurden 1996 mit 152.204.118,21 DM 41,0 Mio. DM
mehr verwaltet als noch 1995 (111,2 Mio. DM).
Das Sondervermögen reduzierte sich dagegen von 530.775.170,00 DM um
185,7 Mio. DM auf 345.047.264,97 DM (vgl. dazu jedoch Tz. 29).
Die Bürgschaftssicherungs- und Schuldendienstrücklage erhöhte sich von
94.403.679,92 DM im Haushaltsjahr 1995 auf 152.204.118,21 DM im Haushaltsjahr
1996. Damit betrug die Rücklage 1996 rd. 5,3 % der am Ende des Haushaltsjahres
1996 übernommenen Bürgschaften.

(84)

Die eingegangenen Eventualverbindlichkeiten (Sicherheitsleistungen und Gewährleistungen) werden in der Übersicht über das Vermögen und die Schulden des Landes
entsprechend den Forderungen des Parlaments in Gegenüberstellung zu den Ermächtigungen dargestellt.

(85)

Den Ermächtigungen für die Übernahme von Bürgschaften und Rückbürgschaften (ohne Freistellungen) von 4.648.835.000,00 DM stehen übernommene
Bürgschaften und Rückbürgschaften von 2.869.103.027,86 DM (Vorjahr
2.272.975.953,06 DM) gegenüber. Der Bürgschaftsrahmen wurde danach mit
rd. 62 % ausgeschöpft.

65
Der Umfang der neu eingegangenen Bürgschaften und Garantien hat sich damit im
Vergleich zum Haushaltsjahr 1995 (2.273 Mio. DM) um 596,1 Mio. DM erhöht, was
einer Steigerungsrate von rd. 26,2 % entspricht.

66
Die tatsächliche Inanspruchnahme des Landes aus Bürgschaften betrug:
Ausfallzahlungen insgesamt bis zum 31.12.95

7.084.096,29 DM

Ausfallzahlungen 1996

35.286.999,71 DM

Gesamtausfallzahlungen

42.371.096,00 DM.

Nach Auffassung des Landesrechnungshofes bergen die übernommenen Bürgschaftsverpflichtungen erhebliche Risiken. Es muß damit gerechnet werden, daß der
Landeshaushalt künftig in wesentlich stärkerem Maße als in den vorangegangenen
Jahren belastet wird.
Die Schulden des Landes setzen sich aus den fundierten Schulden und den sonstigen
Schulden zusammen. Sie sind im Haushaltsjahr 1996 mit 10.886,5 Mio. DM um
2.044,8 Mio. DM bzw. 23,1 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Die Schulden des Landes aus Kreditmarktmitteln und kreditähnlichen Rechtsgeschäften, d. h. die fundierten Schulden, erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr um
1.997 Mio. DM bzw. 25,6 % und stiegen auf 9.807 Mio. DM.
Die sonstigen Schulden (inneren Schulden und Kassenkredite) erhöhten sich ebenfalls gegenüber dem Vorjahr und stiegen von 1.031.782.595,68 DM auf
1.079.534.208,14 DM.
Die folgende Grafik verdeutlicht die kontinuierlich steigenden Schulden des Landes
seit 1991:
Abb. 5: Schuldenentwicklung
15.540,90

16.000
14.000
12.000
10.886,6
Mio. DM

(86)

10.000
8.000
6.697,3
6.000
4.000
2.000
0
1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

Haushaltsjahr
* Haushaltsplan 1998
** gem. Finanzplan 1997 bis 2001

1998* 1999** 2000** 2001**

67
Die Schulden des Landes sind in Folge der Ausweitung der Netto-Kreditaufnahme in
nur vier Haushaltsjahren von 977,9 Mio. DM im Haushaltsjahr 1991 auf
6.697,3 Mio. DM im Haushaltsjahr 1994 gestiegen. Ihr Anstieg hat sich zum Ende
des Haushaltsjahres 1996 deutlich verlangsamt. Sie werden aber trotz einer geplanten
Verringerung der jeweiligen Neuverschuldung im Haushaltsjahr 2001 den beachtlichen Stand von 15.540,9 Mio. DM erreichen. Die finanzwirtschaftlichen Auswirkungen dieser immer noch zu hohen Verschuldung sind eine zunehmende Belastung des
Haushalts durch den Schuldendienst, durch Zins und Tilgungen.
Im Rahmen des Schuldendienstes waren im Haushaltsjahr 1996
Zinsen in Höhe von

532,8 Mio. DM

zu zahlen.
Das bedeutet gegenüber den Zinsausgaben
im Haushaltsjahr 1995 von

395,0 Mio. DM

eine Mehrausgabe von

137,8 Mio. DM.

Die Entwicklung des Schuldendienstes (Zins- und Tilgungsleistungen) bis 1998 stellt
sich wie folgt dar:
Abb. 6: Schuldendienst

Zinsen
Tilgung

1200

Mio. DM

1000
800
600
400
200
0
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999* 2000* 2001*

Haushaltsjahr
* gem. Finanzplan 1997 bis 2001

Zur Sicherung der Gestaltungsfähigkeit des Haushalts des Landes ist in noch stärkerem Maße als bisher strenge Ausgabendisziplin notwendig. In allen Bereichen muß
wirtschaftlich und sparsam verfahren werden. Die noch vorhandenen Möglichkeiten
zur Verbesserung der Haushaltslage, insbesondere durch weitere Einsparungen, sind
zu nutzen.

68

69

III. Wirtschaftliche Betätigung der Gemeinden
und Gemeindeverbände

Betriebsführung für Entsorgungsbetriebe (Abwasser/Abfall)

Betriebe für die Abfallentsorgung und Abwasserbeseitigung in öffentlich-rechtlicher Organisationsform haben – entgegen den Vorschriften der
Gemeindehaushaltsverordnung und der VOL –
Leistungen für die technische und kaufmännische
Betriebsführung

grundsätzlich

nicht

ausge-

schrieben.
Die mit der Betriebsführung der Entsorgungsbetriebe beauftragten Unternehmen legen ihren
Entgeltberechnungen überwiegend die Selbstkosten zugrunde, denen ein Gewinnaufschlag hinzugerechnet wird und die sodann um die gesetzliche
Umsatzsteuer erhöht werden.
Da die Umsatzsteuer von den Entsorgungsbetrieben nicht als abzugsfähige Vorsteuer geltend gemacht werden kann, ergeben sich insoweit Zusatzkosten. Allein bei 12 ausgewählten Betrieben
ergaben sich dadurch Mehrkosten von insgesamt
mehr als 1 Mio. DM, die durch eine modifizierte
Organisationsstruktur vermieden werden könnten.

70
Die mit den Jahresabschlußprüfungen beauftragten Abschlußprüfer haben diesen wirtschaftlichen Vorgängen mutmaßlich nicht in allen Fällen
genügend Aufmerksamkeit gewidmet. Die Prüfungsberichte enthalten zu dieser Problematik in
der Regel keine Ausführungen.

(87)

Die den Kommunen gesetzlich zugewiesenen Pflichten zur Abwasserbeseitigung
(§ 40 Abs. 1 Satz 1 LWaG; § 2 Abs. 2 KV M-V) und zur Abfallentsorgung (§ 3
Abs. 1 Satz 1 AbfAlG M-V) werden in Mecklenburg-Vorpommern grundsätzlich von
Eigenbetrieben und Zweckverbänden wahrgenommen.
Zweckverbände sind nach der Kommunalverfassung Mecklenburg-Vorpommern
(§ 150 Abs. 1) Körperschaften des öffentlichen Rechts ohne Gebietshoheit. Eigenbetriebe stellen ein Sondervermögen der Kommune ohne eigene Rechtspersönlichkeit
dar (§ 64 KV M-V).
Eigenbetriebe und Zweckverbände unterliegen nach den Bestimmungen des Abschnitts III Kommunalprüfungsgesetz (KPG) der Jahresabschlußprüfung. Der Landesrechnungshof ist dabei für die Bestellung des Jahresabschlußprüfers, die Begleitung der Prüfungsverfahren sowie die Freigabe der Prüfungsberichte zuständig. Er
nimmt diese Aufgaben zur Zeit für 20 Eigenbetriebe und 36 Zweckverbände wahr.

Ausschreibung von Betriebsführungsverträgen
(88)

Mehrere Zweckverbände und Eigenbetriebe bedienen sich zur Erfüllung der ihnen
obliegenden Aufgaben eines sogenannten „Betriebsführungsunternehmens“. Diese
übernehmen auf der Grundlage von Betriebsführungsverträgen die technische
und/oder die kaufmännische Betriebsführung. Als Betriebsführungsunternehmen treten in der Regel privatrechtlich organisierte Unternehmen (kommunale Eigengesellschaften – überwiegend in der Rechtsform der GmbH – und andere Dritte) auf. Erklärtes Ziel des Einsatzes von Betriebsführungsunternehmen ist es, deren unternehmerisches Know-how, insbesondere deren technische Erfahrung und betriebswirtschaftliche Kenntnisse, zur höchstmöglichen Kostenüberwachung und -reduktion zu

71
nutzen, um damit im Ergebnis zumindest eine Stabilisierung der Gebührensätze zu
erreichen.
Öffentliche Auftraggeber sind bei der Vergabe von Aufträgen – also auch von Aufträgen für Betriebsführungsleistungen – nach § 29 Gemeindehaushaltsverordnung
(GemHVO) in Verbindung mit § 2 der Verdingungsordnung für Leistungen (VOL/A)
grundsätzlich zur Ausschreibung verpflichtet. Leistungen auch dieser Art sind danach
in der Regel im Wettbewerb zu vergeben (§ 1 Abs. 1 VOL/A). Dem Landesrechnungshof ist gegenwärtig kein Fall bekannt, in dem die Eigenbetriebe und Zweckverbände ordnungsmäßige Ausschreibungen vorgenommen und auf der Grundlage der
dabei gewonnenen Erkenntnisse das Betriebsführungsunternehmen ausgewählt haben.

Entgelte der Betriebsführungsunternehmen
(89)

Die Betriebsführungsunternehmen rechnen entsprechend den vertraglichen Vereinbarungen ihre Leistungen gegenüber den Eigenbetrieben und Zweckverbänden auf der
Basis ihrer Selbstkosten und unter Hinzurechnung eines 3%igen bis 5%igen Gewinnaufschlags ab. Hinzu kommt die gesetzliche Umsatzsteuer mit ihrem Regelsteuersatz.
Die Selbstkosten werden nach den „Leitsätzen für die Preisermittlung aufgrund von
Selbstkosten“ (LSP vom 21.11.1953 Nr. 4 Abs. 3 – Bundesanzeiger 1953 Nr. 244)
als die Summe der der zu erbringenden Leistung zuzurechnenden Kosten zuzüglich
eines kalkulatorischen Gewinnaufschlags definiert.
Mit den Vereinbarungen, die Leistungsentgelte auf der Basis der beim Betriebsführungsunternehmen anfallenden Kosten bzw. Aufwendungen zu berechnen, sind die
entsorgungspflichtigen Einrichtungen das Risiko eingegangen, daß für die betriebsführenden Unternehmen Anreize fehlen, die Kostenarten- und Kostenstellenrechnungen nach strikt betriebswirtschaftlichen Grundsätzen auszurichten und damit im Ergebnis die übernommenen Aufgaben sparsam und wirtschaftlich zu erfüllen. Ohne
Einflußnahme auf die ansatzfähigen und damit überwälzbaren Kosten durch die entsorgungspflichtigen Einrichtungen selbst kann zumindest nicht ausgeschlossen werden, daß infolge der Weiterbelastung sämtlicher Kosten bzw. Aufwendungen die betriebsführenden Unternehmen nicht nur ausgeglichene Ergebnisse zu erzielen imstande sind, sondern auch noch Jahresüberschüsse erwirtschaften können. Solcher-

72
maßen erwirtschaftete Gewinne können zwar über Gewinnausschüttungen der kommunalen Gebietskörperschaften in ihren Stellungen als Gesellschafter des Betriebsführungsunternehmens zugute kommen, allerdings anteilig auch privaten Anteilseignern. Für Ausschüttungen bleibt nur der Gewinn nach Abzug einkommens- und ertragsabhängiger Steuern (Körperschaftsteuer und Solidaritätszuschlag sowie Gewerbeertragsteuer) übrig. Diese Steuerbelastungsquote muß mit rd. 50 % angenommen
werden. Ob und ggf. in welchem Ausmaß diese Beteiligungserträge gebührensenkend
wirken, vermag der Landesrechnungshof derzeit nicht zu beantworten.

Nach dem bisherigen Erkenntnisstand hat der Landesrechnungshof Zweifel, ob und
inwieweit die eingesetzten Betriebsführungsunternehmen ihre Entgelte strikt kostenverursachend und damit aufgabenorientiert ermitteln und inwieweit sich die entsorgungspflichtigen Körperschaften in jedem Fall bezüglich der Entgelte für die Betriebsführungsunternehmen eigene Mitentscheidungsrechte haben zugestehen lassen
und diese auch effektiv wahrgenommen werden. In einigen Betriebsführungsverträgen, die dem Landesrechnungshof vorgelegen haben, fehlen eindeutige Regelungen
darüber, welche Kosten durch Entgelte für die Betriebsführung auf die entsorgungspflichtigen Körperschaften umgelegt werden können und welche nicht umlagefähigen Aufwendungen von dem Betriebsführungsunternehmen selbst zu tragen sind.

(90)

Ob mit dem Einsatz von Betriebsführungsunternehmen das erklärte Ziel der Ausschöpfung aller Möglichkeiten der Stabilisierung, wenn nicht gar der Reduzierung
der Entsorgungsgebühren, tatsächlich erreicht werden kann, ist nach den bisherigen
Erkenntnissen des Landesrechnungshofes zu bezweifeln. Synergieeffekte können
durchaus in den Fällen denkbar sein, in denen ein Betriebsführungsunternehmen die
Aufgabenerfüllung gleichzeitig für mehrere Zweckverbände übernommen hat und
damit zumindest in der Lage sein dürfte, bestimmte Arbeiten zweckverbandsübergreifend zu bündeln. Kostensenkende und damit gebührensenkende Auswirkungen
können sich aber von der Struktur her nicht in den Fällen einstellen, in denen ein Betriebsführungsunternehmen ausschließlich für einen Zweckverband tätig ist.

Sofern das von verschiedenen Betriebsführungsunternehmen eingesetzte Personal
von den Eigenbetrieben und Zweckverbänden bzw. Rechtsvorgängern übernommen

73
wurde, erschließt sich dem Landesrechnungshof nicht, warum die kaufmännische
und/oder technische Betriebsführung durch diese zwischengeschalteten Betriebsführungsunternehmen und mit eben diesem Personal effizienter und insbesondere kostengünstigerer als durch den Zweckverband selbst erfüllt werden kann.

Vermeidbare Umsatzsteuerbelastung
(91)

Die betreffenden Entsorgungsbetriebe für Abwasser bzw. Abfall verfügen in der Regel nicht über einen eigenen Personalbestand. Er wird vom Betriebsführungsunternehmen gestellt. In Einzelfällen ist das Personal ursprünglich von den Zweckverbänden und Eigenbetrieben selbst beschäftigte Personal mit dem Wirksamwerden des
Betriebsführungsvertrags, vom Betriebsführungsunternehmen übernommen worden,
in Einzelfällen auch erst danach.

(92)

Die Tätigkeiten der betriebsführenden Unternehmen stellen steuerbare Umsätze dar
(§ 1 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG), die der zur Zeit 16%igen Umsatzbesteuerung (§ 12
Abs. 1 UStG) unterliegen. Bemessungsgrundlage ist das Betriebsführungsentgelt
(§ 10 Abs. 1 UStG). Sowohl der Abwasserbereich mit der Abwasserentsorgung als
auch der Abfallbereich mit der Abfallentsorgung sind als hoheitliche Aufgaben der
entsorgungspflichtigen Eigenbetriebe und Zweckverbände nicht vorsteuerabzugsberechtigt (§§ 2 Abs. 3 und 15 Abs. 2 UStG in Verbindung mit § 4 Abs. 3 KStG).

Neben anderen Kostenelementen enthält das Betriebsführungsentgelt u. a. auch den
Erstattungsanspruch für die Personalkostenanteile, die direkt und indirekt für den
Abwasser- bzw. Abfallbereich entstanden sind, zu einem geringen Teil auch andere
Kosten, wie etwa öffentliche Abgaben, Gebühren und Versicherungsleistungen. Diese Teile des Betriebsführungsentgelts sind vom Prinzip her nicht umsatzsteuerbelastet, müssen aber infolge der bestehenden Betriebsführungsverhältnisse mit der vollen
Umsatzsteuer belastet werden. Grundsätzlich wird der Gebührenzahler mit diesen
Zusatzkosten aus den so entstehenden nichtabzugsfähigen Vorsteuerbeträgen belastet.
Der Landesrechnungshof hat festgestellt, daß diese Verfahrensweise bei ausgewählten zwölf Betrieben insgesamt zu mehr als 1 Mio. DM pro Jahr Mehrbelastung führt,
deren Einbeziehung in die Berechnungsgrundlage für die Gebühren allerdings in der

74
Regel rechtlich zulässig ist. Dabei hat der Landesrechnungshof jeweils auf die Zahlen
des letzten von ihm freigegebenen Jahresabschlußberichtes zurückgegriffen:

75

Körperschaft

Abwasserzweckverband Fahlenkamp

Betriebsführungsunternehmen
Stadtwerke
Ludwigslust-Grabow
GmbH

100

1.152

90

781

80

5.405

125

-„-

2.149

59

-„-

4.579

124

-„-

5.122

94

1.040

100

12.375

110

3.070

48

1.583

40

1.812

50

Trink- und Abwasserzweckverband UeckerRandow

Randow-Wasser-GmbH
Pasewalk

Wasser- und Abwasserzweckverband
Demmin/Altentreptow

GKU-Gesellschaft für
kommunale Umweltdienste mbH OstmecklenburgVorpommern, Altentreptow

Zweckverband Wasserversorgung und
Abwasserbehandlung
Anklam
Wasser- und Abwasserverband Ueckermünde

geschätzte
Einsparung
- in TDM -

3.623

Müritz-Elde-Wasser
Zweckverband für
kommunale Wasserver- GmbH
sorgung und Abwasserbeseitigung „MüritzElde-Wasser“ Röbel

Zweckverband Wasserver- und Abwasserentsorgung Strasburg

Umsatzerlöse
Abwasser/Abfall
- in TDM -

Abwasserzweckverband Sude-Schaale

Aqua-Service und Wasserbeschaffungsverband
Sude-Schaale

Landkreis Ostvorpommern – EAW Eigenbetrieb Abfallwirtschaft
Wolgast

Ver- und Entsorgungsgesellschaft OVP mbH

Abwasserzweckverband Hagenow und
Umlandgemeinden

Stadtwerke Hagenow
GmbH

Zweckverband Abwasserverband MarlowBad Sülze

Wasser und Abwasser
GmbH Boddenland

Stadt Barth
– Abwasserbetrieb –

Wasser und
Abwasser GmbH Boddenland

Gesamt
Tabelle 23: Geschätzte Einsparungen der Betriebsführungsunternehmen

1.020

76
Sofern die höheren Entsorgungsgebühren nicht durchsetzbar sind oder nicht erhoben
werden, müssen die Verluste der entsorgungspflichtigen Einrichtungen aus dem
kommunalen Hoheitshaushalt ausgeglichen werden (§ 8 Abs. 6 Eigenbetriebsverordnung). Sie treffen dann den steuerzahlenden Bürger.
Der Landesrechnungshof hat den Zweckverbänden und Eigenbetrieben empfohlen,
die derzeitigen Regelungen der Betriebsführungsverträge für die Sparten Abwasser
und Abfall zu überprüfen. Bei allen Kostenarten, bei denen allein durch die Überwälzung mittels der Betriebsführungsentgelte zusätzlich nichtabzugsfähige Umsatz-/
Vorsteuer anfällt (also insbesondere im großen Kostenblock der Personalaufwendungen sowie auch sonstigen nichtvorsteuerbelasteten Kosten, wie Versicherungsprämien, Gebühren und Steuern), sollten die Vertragsgestaltungen dahingehend geändert
werden, daß die entsorgungspflichtigen Körperschaften mit diesen Kosten direkt und
nicht über Betriebsführungsentgelte belastet werden.
(93)

Einige der betroffenen kommunalen Körperschaften haben insbesondere darauf hingewiesen, daß die Synergieeffekte durch gemeinsame Betriebsführungen größer als
die vermeidbaren Belastungen mit Umsatzsteuer seien.
Konkrete und nachvollziehbare Berechnungen über erreichte Synergieeffekte liegen
dem Landesrechnungshof nicht vor. Daß sie eintreten können, wird vom Landesrechnungshof nicht bestritten. Solche Effekte können indessen erreicht werden, ohne die
zusätzliche Belastung mit Umsatzsteuer in Kauf zu nehmen, etwa durch zeitweilige
Überlassung von Personal gegen Kostenerstattung.

Ungenügende Hinweise in den Jahresabschlußprüfungsberichten
(94)

Im Rahmen der Jahresabschlußprüfung nach Abschnitt III KPG schließt der Landesrechnungshof im Namen und für Rechnung der zu prüfenden Einrichtung einen Vertrag über die Vornahme der Prüfung mit einem Wirtschaftsprüfer ab (§ 14 Abs. 1).
Die Anforderungen an Jahresabschlußprüfungen werden durch bundes- und landesrechtliche Vorschriften (§§ 238 ff. HGB; Abschnitt III KPG; §§ 53 und 54 HGrG;
§§ 68 ff KV M-V; Allgemeine Vertragsbedingungen für die Jahresabschlußprüfung
kommunaler Wirtschaftsbetriebe – AV-Jap) bestimmt. Darüber hinaus hat der Fachausschuß für kommunales Prüfungswesen – KFA – des Instituts der Wirtschafts-

77
prüfer – IdW – in seiner Stellungnahme „KFA 1/1990“ (Richtlinien für den Bericht
über die Jahresabschlußprüfung bei kommunalen Wirtschaftsbetrieben) umfangreiche
und detaillierte Arbeitsgrundlagen und Orientierungshilfen gegeben.
Nach Ziff 4.5 dieser Richtlinien (Ordnungmäßigkeit der Geschäftsführung und wirtschaftliche Verhältnisse) sind „wirtschaftlich bedeutende Sachverhalte“ hervorzuheben.
In den vorliegenden Jahresabschlußprüfungsberichten der Jahre 1994 bis 1996 der
benannten Betriebe lassen sich sowohl Hinweise
−= auf die Praxis der Entgeltberechnungen als auch
−= auf vermeidbare Mehrkosten im Zusammenhang mit dem Betriebsführungsentgelt
in der Regel nicht finden.
Der Landesrechnungshof hat die Abschlußprüfer, die Rechtsaufsichtsbehörden und
die geprüften Betriebe insbesondere auf die Vermeidbarkeit der aus nichtabziehbaren
Vorsteuern entstehenden Mehrkosten aufmerksam gemacht.

78

Übertragung von Geschäftsanteilen an der Schweriner Grund GmbH
– Rettungsaktion der Landeshauptstadt Schwerin zur Abwendung der
drohenden Gesamtvollstreckung dieser Gesellschaft

Bei der SCHWERINER GRUND Grundstücksverwaltungs- und -entwicklungsgesellschaft mbH
(SCHWERINER

GRUND)

waren

bis

zum

31.12.1996 Verluste von rd. 23 Mio. DM
aufgelaufen.

Dem

Aktivvermögen

von

rd. 35,3 Mio. DM standen Rückstellungen und
Verbindlichkeiten von rd. 43,5 Mio. DM gegenüber. Der nicht durch Eigenkapital gedeckte
Fehlbetrag der SCHWERINER GRUND betrug
damit rd. 8,1 Mio. DM. Die Gesellschaft war damit erheblich überschuldet.
Obwohl sich die wirtschaftliche Fehlentwicklung
der SCHWERINER GRUND bereits im Jahre
1994 abzeichnete, haben die Organe der Gesellschaft – Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung – keine durchgreifenden Verbesserungen herbeigeführt.
Die Landeshauptstadt Schwerin (Beteiligungsverwaltung) hat ebenfalls nicht zeitgerecht reagiert,
um die Schieflage der Gesellschaft abzuwenden.
Zur Vermeidung der Gesamtvollstreckung der
SCHWERINER GRUND hat die Landeshauptstadt Schwerin 98 % ihrer gehaltenen Geschäftsanteile im Oktober 1996 an die WGS Wohnungsgesellschaft Schwerin mbH (WGS) unentgeltlich
übertragen. Die WGS wird in einem erheblichen

79
Maße Finanzmittel aus ihrer Wohnungswirtschaft einsetzen müssen, um die erwirtschafteten
Verluste der SCHWERINER GRUND auszugleichen.
Das Innenministerium hat die unentgeltliche Anteilsübertragung

von

der

Landeshauptstadt

Schwerin auf die WGS genehmigt, dabei hat sie
einen Unternehmenswert der SCHWERINER
GRUND nach einem Ertrags- und Liquidationswert mit je 0,00 DM zugrunde gelegt. Angesichts
des akuten Finanzbedarfes der SCHWERINER
GRUND und der Überschuldung der Gesellschaft
auf den 31.12.1996 in Höhe von über 8 Mio. DM
ist dies nicht nachvollziehbar.

(95)

Die Landeshauptstadt Schwerin hat im Dezember 1992 die SCHWERINER GRUND
Grundstücksverwaltungs- und -entwicklungsgesellschaft mbH gegründet und mit einem Stammkapital von 2 Mio. DM ausgestattet.
Gegenstand des Unternehmens ist die Aufschließung, die Bebauung, der Handel sowie Miet- und Pachtgeschäfte von bzw. mit Grundstücken zum Zwecke der Förderung der Stadtentwicklung, der Infrastruktur, des Fremdenverkehrs und der gewerblichen Wirtschaft in Schwerin. Von der Möglichkeit, Unternehmen mit vergleichbarer
Aufgabenstellung zu gründen, zu erwerben oder sich an solchen Unternehmen zu
beteiligen, hat die Gesellschaft mit der Gründung der Hotel Fritz Reuter Betriebsgesellschaft mbH am 9.6.1994 Gebrauch gemacht. Dieses Tochterunternehmen hat auf
der Basis eines – allerdings schriftlich nicht fixierten – Pachtverhältnisses mit der
SCHWERINER GRUND das Hotel Fritz Reuter ab 1.7.1994 betrieben. Der Geschäftsbetrieb wurde zum 31.10.1995 eingestellt. Dem Mutterunternehmen
SCHWERINER GRUND ist die Gesellschaft durch einen Organschafts- und Ergebnisabführungsvertrag verbunden.

80
Infolge der Sacheinlage der Hotelanlage Fritz Reuter in Zippendorf im Dezember
1993 zum geschätzten Verkehrswert von 35 Mio. DM wurde – nach Abzug des an
die Treuhandanstalt zu zahlenden Kaufpreises von 5,25 Mio. DM – in der Bilanz
zum 31.12.1993 zusätzlich eine Kapitalrücklage (§ 272 Abs. 2 HGB) von
29,75 Mio. DM ausgewiesen.
(96)

Im Laufe des Jahres 1995 trat die Überschuldung der Gesellschaft ein. Mutmaßlich
mit Beginn der Prüfung des Jahresabschlusses 1995, Anfang August 1996, spätestens
jedoch Mitte Oktober 1996, müssen der Geschäftsführung und der Landeshauptstadt
Schwerin als Gesellschafterin die bilanzielle und mangels ausreichender stiller Reserven auch materielle Überschuldung der SCHWERINER GRUND und die drohende Zahlungsunfähigkeit mit der Gefahr einer Gesamtvollstreckung endgültig bewußt
geworden sein. Am 21.6.1996 hat wegen des Verlustes von mehr als der Hälfte des
Stammkapitals eine außerordentliche Gesellschafterversammlung stattgefunden (§ 49
Abs. 3 GmbHG). Ein Protokoll dieser Versammlung wurde entgegen § 18 Abs. 2 des
Gesellschaftsvertrages nicht gefertigt. Angesichts dieser Situation hat die Landeshauptstadt Schwerin 98 % ihres 100 %igen Geschäftsanteils mit Übertragungs- und
Abtretungsvertrag vom 22.10.1996 auf die städtische WGS unentgeltlich übertragen
und sie dabei gleichzeitig verpflichtet, die Liquidität der neuen Tochtergesellschaft
künftig sicherzustellen. Damit war das erklärte Ziel erreicht, unter allen Umständen
die Eröffnung eines Gesamtvollstreckungsverfahrens zu verhindern.

(97)

Auf die mit dieser Transaktion verbundenen Gefahren für den Hoheitshaushalt der
Landeshauptstadt Schwerin und die WGS hat der Landesrechnungshof bereits im
Rahmen der überörtlichen Prüfung der Landeshauptstadt Schwerin im Herbst 1996
(vgl. Jahresbericht 1997 Tz. 424) hingewiesen. Nachdem die Berichte des Abschlußprüfers über die Prüfungen der Jahresabschlüsse der SCHWERINER GRUND und
der Tochtergesellschaft Hotel Fritz Reuter Betriebsgesellschaft mbH bis einschließlich 1996 seit dem 29.12.1997 vollständig vorliegen und inzwischen nach den Bestimmungen des Abschnitts III KPG ausgewertet werden konnten, ist der Landesrechnungshof nunmehr in der Lage, zur wirtschaftlichen Entwicklung beider
Unternehmen Stellung zu nehmen. Er sieht sich dabei in seiner bisherigen Einschätzung bestätigt.

81
(98)

Die bis zum 31.12.1996 aufgelaufenen Verluste von rd. 22,98 Mio. DM (davon
3,195 Mio. DM aus der Übernahme der Verluste der Tochtergesellschaft Hotel
Fritz Reuter) haben das gesamte Eigenkapital der SCHWERINER GRUND, nämlich
das gezeichnete Kapital (Stammkapital) von 2 Mio. DM und die seit der Gründung
durch Wertkorrekturen und Neuaufstockungen mit insgesamt 12.286.950 DM zur
Verfügung stehende Kapitalrücklage, verbraucht. Die Gesellschaft war darüber hinaus gezwungen, zu diesem Bilanzstichtag einen „nicht durch Eigenkapital gedeckten
Fehlbetrag“ (§ 268 Abs. 3 HGB) von 8.120.610 DM auszuweisen.
Dem Aktivvermögen von 35.338.718 DM stehen damit Rückstellungen und Verbindlichkeiten von 43.459.328 DM gegenüber. Der Grad der Überschuldung der Gesellschaft beträgt damit – gemessen an der Bilanzsumme – rd. 19 %.

(99)

Dieses bezüglich der Vermögens-, Ertrags- und insbesondere Finanzlage außerordentlich besorgniserregende Bild ist darauf zurückzuführen, daß es der Gesellschaft
seit ihrer Gründung nicht gelungen ist, aus ihren Sparten
−= Hausbewirtschaftung (Vermietung der Grundstücke Magdeburger Straße 20 in
Schwerin und im Gewerbegebiet in Schwerin-Süd),
−= Erschließung und Verkauf von Gewerbegrundstücken,
−= Verkauf von sonstigen Grundstücken und
−= Beteiligungswirtschaft (Hotel Fritz Reuter Betriebsgesellschaft mbH)
positive Betriebsergebnisse zu erzielen. Besonders herausragend ist hierbei das Ergebnis des Geschäftsjahres 1995 mit einem Jahresfehlbetrag von rd. 18,7 Mio. DM.
Im wesentlichen handelt es sich bei diesen Verlusten um
−= überhöhte Anschaffungskosten für Immobilien mit der Folge außerplanmäßiger
Abschreibungen,
−= unzureichende Verkaufserlöse aus Grundstücksverkäufen (z. B. Verkauf des
Grundstücks „Pierre Semard“ erheblich unter dem vollen Wert mit einem Mindererlös von mehr als 1 Mio. DM),
−= unzureichende Mieterträge aus zumindest zwei Objekten,
−= bislang ausgebliebene Verkaufserlöse im Gewerbegebiet Lankow II und

82
−= hohe Aufwendungen bei der Tochtergesellschaft Hotel Fritz Reuter u. a. im Zusammenhang mit Abfindungen an Arbeitnehmer und insbesondere an den Geschäftsführer sowie den Erwerb von Gegenständen der Büroeinrichtung und eines
teuren Pkw’s der Mercedes-Benz Aktiengesellschaft

(100)

(Anschaffungskosten Februar 1995

57.888,93 DM

Erlös März 1996

29.130,43 DM).

Offensichtlich ist die Geschäftsführung ihren Berichterstattungspflichten gegenüber
dem Aufsichtsrat nachgekommen, hat jedoch entgegen einer Geschäftsanweisung des
Aufsichtsrats vom 2.3.1993 die mittelfristigen Finanzplanungen nicht erstellt. Auch
der Abschlußprüfer hat auf diese Unterlassung wiederholt hingewiesen. Die Protokolle über die Gesellschafterversammlungen und die Aufsichtsratsitzungen haben
dem Abschlußprüfer nach seinen Bekundungen in den Prüfungsberichten nicht vollzählig vorgelegen.
Ob die drei Organe der SCHWERINER GRUND und der Hotel Fritz Reuter Betriebsgesellschaft mbH – Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung – die ihnen nach Gesetz und Gesellschaftsvertrag obliegenden Kompetenzen und Rechte sach- und zeitgerecht mit dem Ziel durchgreifender Verbesserungen
genutzt haben, kann den jährlichen Berichten über die Abschlußprüfungen allerdings
nicht entnommen werden. In den Prüfungsberichten 1995 und 1996 der SCHWERINER GRUND finden sich jedoch teils deutliche, teils mit der berufstypischen Zurückhaltung formulierte Hinweise auf die sich stetig und insbesondere 1995 dramatisch verschlechternde Situation der Gesellschaft.

(101)

Offensichtlich war die bis August 1995 aus zwei nebenberuflich tätigen Verwaltungsbeamten der Landeshauptstadt Schwerin bestehende Geschäftsführung überfordert. Auch Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung haben nach dem bisherigen
Erkenntnisstand erst zu dem Zeitpunkt Aktivitäten entfaltet, als die Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft unmittelbar bevorstand und damit die Eröffnung eines Gesamtvollstreckungsverfahrens drohte. Die Landeshauptstadt Schwerin mit ihrer Beteiligungsverwaltung hat ebenfalls nicht rechtzeitig reagiert, um die Schieflage der
Gesellschaft abzuwenden. Da, wie dargestellt, ein Protokoll der außerordentlichen
Gesellschafterversammlung vom 21.6.1996 nicht gefertigt wurde, konnten dazu weitere Einzelheiten nicht ermittelt werden.

83
(102)

Die Mehrheit aller Beteiligten war sich bei der Beseitigung der aktuellen Finanznot
der Gesellschaft offensichtlich einig, daß die laufenden und begonnenen Geschäftsfelder im gesamtstädtischen Interesse fortgeführt werden müßten. Die insbesondere
zur Weiterentwicklung der Gewerbegebiete Hofacker und Lankow erforderlichen Finanzmittel wurden aber von den bisher engagierten Kreditinstituten nicht mehr ausgereicht. Angesichts der angespannten Haushaltslage der Landeshauptstadt Schwerin
konnte der Eintritt der Alleingesellschafterin in diese Finanzierungslücke ernsthaft
nicht einmal diskutiert werden.

(103)

Mit der Transaktion der Anteilsübertragung auf die WGS ist die Ende Oktober 1996
drohende Gefahr einer Gesamtvollstreckung zwar zunächst gebannt worden. Das finanzielle Risiko, das von der SCHWERINER GRUND ausgeht – nämlich der notwendige Ausgleich der Überschuldung von 8.120.610 DM, die reale Wiederherstellung zumindest des gezeichneten Kapitals von 2 Mio. DM und der Ausgleich der
mutmaßlich auch noch entstehenden Verluste – ist damit noch nicht beseitigt. Es
wurde lediglich vom Hoheitshaushalt der Landeshauptstadt Schwerin auf die WGS
übertragen. Seitens des Landesrechnungshofes bestehen erhebliche Bedenken, ob
diese Aufgabenerfüllung mit dem Gesellschaftszweck einer städtischen Wohnungsgesellschaft in Einklang zu bringen ist. Sie soll vor allem Daseinsvorsorge durch
Wohnraum für sozial schwächer gestellte Schichten der Bevölkerung zu günstigen
Mietpreisen leisten. Die WGS wird nämlich im Ergebnis Finanzmittel aus ihrer
Wohnungswirtschaft in erheblichem Umfang einsetzen müssen, um die erwirtschafteten Verluste in der SCHWERINER GRUND auszugleichen.

(104)

Das Innenministerium hat die unentgeltliche Anteilsübertragung auf die WGS am
20.12.1996 nach § 57 Abs. 3 Nr. 4 KV M-V als oberste Rechtsaufsichtsbehörde genehmigt. Grundlage für diese Entscheidung war insbesondere ein formloses Schreiben einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vom selben Tag (!), mit dem im Ergebnis
mitgeteilt wird, daß ein folgendes schriftliches Gutachten den jeweiligen Unternehmenswert der SCHWERINER GRUND im Ertrags- und Liquidationswert mit je
0,00 DM beziffern wird. Das Gutachten liegt bis heute im Innenministerium nicht
vor. Das Innenministerium hat dem Landesrechnungshof mit Schreiben vom
9.4.1998 mitgeteilt, daß es nunmehr die Landeshauptstadt Schwerin um Übersendung
des Gutachtens gebeten hat.

84
(105)

Der Landesrechnungshof vermag die Genehmigung der Anteilsübertragung angesichts des akuten Finanzbedarfs und der Vermögenslage der SCHWERINER
GRUND nicht nachzuvollziehen.
Die Erkenntnisse, die der Landesrechnungshof aus seinen bisherigen Prüfungen gewonnen hat, werden derzeit mit dem Oberbürgermeister der Landeshauptstadt
Schwerin, dem Innenministerium (Kommunalaufsicht) und den Geschäftsführungen
der beteiligten Unternehmen erörtert.

(106)

Die Landeshauptstadt Schwerin und die SCHWERINER GRUND sahen sich angesichts der Komplexität des zu prüfenden Sachverhalts außerstande, bis zum Redaktionsschluß des Jahresberichts eine Stellungnahme abzugeben.

(107)

Der Landesrechnungshof bemerkt dazu:
Die vom Abschlußprüfer testierten Jahresabschlußprüfungsberichte bis einschließlich
1996 lagen der SCHWERINER GRUND Ende November 1997 vor. Die Darstellung
des Landesrechnungshofes zur wirtschaftlichen Situation der SCHWERINER
GRUND beruht auf den Ausführungen des Abschlußprüfers.

(108)

Das Innenministerium hat dazu u. a. folgendes mitgeteilt:
„Eine wirkliche Alternative zur Übernahme der Schweriner Grund GmbH-Anteile
durch die WGS bestand aus hiesiger Sicht nicht.
Der Gesellschafter der SCHWERINER GRUND GmbH, die Landeshauptstadt
Schwerin, war zur finanziellen Unterstützung der in Bedrängnis geratenen Gesellschaft nicht in der Lage. Ein Antrag zur Gesamtvollstreckung hätte aber den Rückgriff der Gläubiger auf die Landeshauptstadt zur Folge gehabt, da diese eine Bürgschaft von 30 Mio. DM zugunsten der Gesellschaft eingegangen war. Insofern war
die Übertragung der Gesellschaftsanteile auf die – im Gegensatz zur Landeshauptstadt – leistungsfähigere WGS bei allen zu erwartenden Verlusten eine wirtschaftlich
nachvollziehbare Entscheidung.“

85
(109)

Der Landesrechnungshof bemerkt dazu:
Nach den dem Landesrechnungshof vorliegenden Prüfungsberichten ist die Höhe der
Bürgschaft nicht nachvollziehbar. Darüber hinaus wäre – nach aller Voraussicht nach
Verwertung des Aktivvermögens der SCHWERINER GRUND (lt. Bilanz zum
31.12.1995 rd. 37 Mio. DM) – in einem Insolvenzverfahren die Inanspruchnahme der
Landeshauptstadt aus den Bürgschaften mit einem sehr viel geringeren Risiko behaftet gewesen.
Die Bürgschaften hätten angesichts der finanziellen Leistungsfähigkeit der Landeshauptstadt Schwerin in dieser Höhe nicht vom Innenministerium als Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt werden dürfen. Jedenfalls wäre es erforderlich gewesen, die
Genehmigungen unter restriktiven Auflagen zu erteilen, wie etwa zeitliche Befristung
und eine Risikovorsorge durch Bildung von Rücklagen im Vermögenshaushalt der
Landeshauptstadt Schwerin.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

86

IV. Prüfungsfeststellungen

Zuständigkeit des Landtages beim Abschluß
von Staatsverträgen und Verwaltungsabkommen

Ein Staatsvertrag unter Beteiligung des Landtages ist nach Auffassung des Landesrechnungshofes u. a. immer dann erforderlich, wenn Leistungen des Landes versprochen werden, die im
Haushaltsplan noch nicht vorgesehen sind, und
auch dann, wenn Bürger durch die Vereinbarung
in ihren Rechten betroffen werden.

(110)

Nach Art. 47 Abs. 2 Verf. M-V bedürfen Staatsverträge, die Gegenstände der Gesetzgebung betreffen, der Zustimmung des Landtages in Form eines Gesetzes. Eine
ähnliche Regelung sah bereits § 5 Abs. 2 Satz 1 des Vorläufigen Statuts für das Land
Mecklenburg-Vorpommern vor. Grundsätzlich sind Vereinbarungen zwischen Bundesländern, die die Bürger dieser Länder in ihren Rechten berühren, Staatsverträge
und unterliegen schon deswegen parlamentarischer Zustimmung (BVerwGE 74, 139,
140 f; Schneider, Verträge zwischen Gliedstaaten im Bundesstaat, VVDStL, Heft 19,
1963, S. 9; vgl. auch Köttgen, Die Organisationsgewalt, VVDStL, Heft 16, 1958,
S. 154 ff., S. 175 ff.). Bei Verträgen zwischen Ländern, in denen Leistungen vereinbart werden, ist die Zustimmung durch die entsprechenden Parlamente erforderlich,
wenn das Land sich zu Leistungen verpflichtet, die in den Haushalten erst bereitgestellt werden müssen, also ohne daß hierzu vorher bereits ein Spielraum bestand (Jarass/Pieroth, Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, 3. Aufl. 1995, Rz. 8
zu Art. 59, Bernhard, § 174: Verfassungsrecht und völkerrechtliche Verträge, S. 571
bis 597, in: Isensee/Kirchhof (Herausgeber), Handbuch des Staatsrechts VII, 1992,
Rz. 15; Sachs/Streinz, Grundgesetzkommentar, 1996, Rz. 34 zu Art. 59).

87
Der Landesrechnungshof hat bei der Prüfung einiger zufällig ausgewählter Vereinbarungen zwischen Mecklenburg-Vorpommern und anderen Ländern in den Bereichen
des Innenministeriums, des Ministeriums für Justiz und Angelegenheiten der Europäischen Union und des Sozialministeriums festgestellt, daß gegen die o. g. Grundsätze
verstoßen wurde:

Abkommen über die einheitliche Ausbildung der Anwärter für den höheren Polizeivollzugsdienst und über die Polizei-Führungsakademie (Bekanntmachung des Innenministers vom 26.06.1992/AmtsBl. M-V S. 801 ff.)
und Zusatzabkommen zum Abkommen über die Aufgaben und Finanzierung der Wasserschutzpolizei-Schule (Bekanntmachung des Innenministeriums vom 26.06.1992/AmtsBl. M-V S. 811)
(111)

Die Polizei-Führungsakademie ist eine gemeinsame Bildungs- und Forschungsstätte
des Bundes und der Länder. Sie ist eine Einrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen, dessen Innenminister die Dienstaufsicht zusteht, während die Fachaufsicht die
Innenminister/-senatoren gemeinsam ausüben und sich hierzu eines Kuratoriums bedienen, in dem alle Länder vertreten sind. Das Kuratorium erläßt eine Prüfungsordnung. Die Finanzierung sieht Leistungen des Bundes und der Länder vor.

(112)

Dieses Abkommen betrifft Gegenstände der Gesetzgebung und hätte deshalb als
Staatsvertrag der parlamentarischen Zustimmung bedurft. Es regelt nämlich in der
Weise Gegenstände der Gesetzgebung, als hierin Kompetenzen auf dem Bereich des
Ausbildungs- und Prüfungswesens auf eine Stelle außerhalb des Landes – nämlich
das Kuratorium – übertragen werden, ohne daß hierfür eine gesetzliche Ermächtigung
oder eine solche aufgrund eines Gesetzes besteht. Der zur Zeit des Abschlusses geltende § 16 Abs. 3 1. Beamtenrechtsregelungsgesetz sah vor, daß der Innenminister
durch Rechtsverordnung Vorschriften über die Ausbildung und Prüfung der Polizeivollzugsbeamten erläßt – aber nicht eine Stelle außerhalb des Landes.

(113)

Für das Zusatzabkommen zum Abkommen über die Aufgaben und Finanzierung der
Wasserschutzpolizei-Schule gilt entsprechendes wie für das vorstehend genannte.

(114)

Das Innenministerium vertritt zu beiden Abkommen eine andere Rechtsauffassung.

88

89

Vereinbarungen über die Bildung eines gemeinsamen Prüfungsamtes in
Berlin zur Abnahme der Eignungsprüfung für die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft
(115)

Durch Bundesgesetz zur Umsetzung einer Richtlinie des Rates der EG ist vorgesehen, daß Staatsangehörige von EG-Mitgliedsstaaten, die in ihrem Heimatland eine
entsprechende Vorbildung erworben haben, sich nach Ablegen einer besonderen Eignungsprüfung in der Bundesrepublik Deutschland als Rechtsanwalt niederlassen dürfen. Das Gesetz läßt außerdem zu, daß mehrere Bundesländer durch Vereinbarung
gemeinsame Prüfungsämter bilden dürfen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern ist
Partner einer Vereinbarung zwischen mehreren Bundesländern, nach der das Justizprüfungsamt in Berlin gemeinsames Prüfungsamt im Sinne des genannten Bundesgesetzes ist.

(116)

Die Vereinbarung sieht eine Kostenbeteiligung durch die vertragsschließenden Bundesländer vor. Mittlerweile werden diese Kosten von allen beteiligten Bundesländern
zu gleichen Teilen getragen. Mit Beschluß vom 18. Mai 1993 hatte seinerzeit das
Kabinett dem Abkommen zugestimmt.
Haushaltsmittel wurden aber erst 1994 in den Haushalt eingestellt. Damit ist die Landesregierung eine Vereinbarung eingegangen, die für die Zukunft den Landtag hinsichtlich der Bereitstellung der erforderlichen Mittel den Haushalt gebunden hat. Insofern bedeutete der Abschluß des Abkommens ohne Beteiligung des Landtages einen Eingriff in seine Budgethoheit.

(117)

Das Ministerium für Justiz und Angelegenheiten der Europäischen Union vertritt
hierzu eine andere Rechtsauffassung.

90

Verwaltungsabkommen über ein gemeinsames Krebsregister vom
21./23. Dezember 1994 (Bekanntmachung des Sozialministerium vom
24.07.1995/AmtsBl. M-V S. 162)
(118)

Nach § 3 des Abkommens nimmt der Berliner Senat die Aufsicht über das in Berlin
geführte Krebsregister wahr. Laut § 7 finanzieren die beteiligten Länder das Register
nach einem Einwohnerschlüssel.

(119)

Nach Art. 70 Abs. 2 Satz 1 Verf. M-V werden Organisation, Zuständigkeit und Verfahren der öffentlichen Verwaltung durch Gesetz oder aufgrund eines Gesetzes geregelt. § 3 des Abkommens, der die Regelung über die Aufsicht enthält, ist jedoch eine
Vorschrift unterhalb der vorbezeichneten Ebene, ohne daß hierfür eine gesetzliche
Ermächtigung oder eine solche aufgrund eines Gesetzes ersichtlich wäre.

(120)

Das Abkommen verlagert die Zuständigkeit des Landes auf eine Behörde außerhalb
des Landes. Hierdurch wird der Bürger in seinen Rechten berührt. Um etwa seine
nach § 9 Abs. 1 Krebsregister vorgesehenen Auskunftsrechte wahrzunehmen, hat
sich der Patient an eine Stelle außerhalb von Mecklenburg-Vorpommern zu wenden.

(121)

Das Sozialministerium hat die bislang dem Abschluß eines Staatsvertrages entgegenstehenden Hindernisse erläutert und darauf hingewiesen, daß mit der Landtagsdrucksache 2/3546 der Entwurf eines Gesetzes, durch das der Staatsvertrag ratifiziert werden solle, dem Landtag vorgelegt worden ist.

(122)

Nach Auffassung des Landesrechnungshofes sollte sich die Landesregierung – soweit
noch nicht geschehen – um eine nachträgliche Zustimmung zu den genannten Abkommen bemühen und im verstärkten Maße Art. 47 Abs. 2 der Verf. M-V beachten.

91

Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege

Die Kalkulationen der Ausbildungsgebühren erfaßten die Kosten weder vollständig noch richtig.
Die derzeit geltende Ausbildungsgebühr beruht
nicht auf aktuellen Berechnungsdaten. Die Erarbeitung

der

Verwaltungsfachhochschulgebüh-

renverordnung dauerte außerdem rd. zweieinhalb Jahre. Dies hat bezogen auf die Ausbildungsgebühr

zu

Einnahmeverlusten

von

rd. 406.000 DM geführt.
Bereits Mitte 1994 wurde festgestellt, daß die geltenden Mieten für die Unterkunft in elf Wohnheimen der Fachhochschule nicht annähernd kostendeckend sind. Gleichwohl wurden sie bis zum
1.2.1997 nicht erhöht.
Durch grobe Fehler bei der Vergabe der Gebäude- und Glasflächenreinigung im Dezember 1991
ist bis zum Ende der Vertragslaufzeit am
31.1.1998 ein Schaden von rd. 977.000 DM entstanden.

Prüfungsgegenstand
(123)

Der Landesrechnungshof prüfte in der Zeit vom Oktober 1996 bis Januar 1997 im
Geschäftsbereich des Innenministeriums die Haushaltsführung der Fachhochschule
für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege (FHöVuR). Ausgehend von der Rechnungslegung 1995 wurden in die Betrachtung auch die Haushaltsjahre 1991 bis 1997
einbezogen.

92
Schwerpunkt hierbei waren die Prüfung der vollständigen und rechtzeitigen Erhebung der Einnahmen, die ordnungsgemäße Bewirtschaftung der sächlichen Verwaltungsausgaben, insbesondere die der Liegenschaft, sowie die Einhaltung vergaberechtlicher Bestimmungen bei der Ausschreibung von Dienstleistungs- sowie Kaufverträgen bei Investitionen.
Der Landesrechnungshof führt als Ergebnis seiner Prüfung folgendes aus:

Ausbildungsgebühren
Kosten bei der Gebührenbemessung
(124)

Die FHöVuR war auf der Grundlage der Gebührenordnung für die Fachhochschule
für öffentliche Verwaltung Güstrow seit dem 1.1.1993 berechtigt, für die bei ihr
durchgeführte Ausbildung eine Benutzungsgebühr vom jeweils entsendenden
Dienstherren – wie Landkreise, Gemeinden, Ämter oder Zweckverbände des Landes
Mecklenburg-Vorpommern – zu erheben. Die Ausbildungsgebühr betrug bis zum
31.12.1994 ermäßigt 435 DM und ab 1.1.1995 621 DM pro Monat und Auszubildenden.
Gebührensätze sind gem. § 24 Verwaltungskostengesetz Mecklenburg-Vorpommern
(VwKostG M-V) so zu bemessen, daß das Gebührenaufkommen die Kosten der laufenden Verwaltung und Unterhaltung der öffentlichen Einrichtung nicht übersteigt
und in der Regel decken soll. Dabei sind die nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen ansatzfähigen Kosten zu berücksichtigen.
Der noch bis 31.1.1997 erhobene Ausbildungsgebührensatz von 621 DM pro Teilnehmer und Monat wurde seinerzeit ermittelt, indem nicht die Kosten, sondern die
Ausgaben – Ansätze der Titel des Haushaltsjahres 1992 des Kapitels 0411 „Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege“ zugrunde gelegt wurden
(zum Zeitraum ab 1.2.1997 siehe noch Tzn. 130 bis 132 „Kalkulation der Ausbildungsgebühr“). Pauschal wurden dabei die Ansätze der betroffenen Investitionstitel
nur mit 10 % berücksichtigt und eine Summe für den Bereich Fortbildung abgezogen. Der sich daraus ergebende Betrag wurde durch zwölf Monate und durch eine
fiktive Anzahl von 1.200 Beamtenanwärtern und Auszubildenden dividiert. Anzumerken ist, daß diese Anzahl nie erreicht wurde.

93
(125)

Da insgesamt keine weitergehenden Berechnungen zur nachvollziehbaren Prüfung
vorlagen, ist der Landesrechnungshof der Auffassung, daß die Bemessung dieser
Ausbildungsgebühr nicht die Anforderungen des § 24 VwKostG M-V erfüllte. Er
bemängelt außerdem, daß die Ausbildungsgebührenhöhe vier Jahre, d. h. bis Februar
1997, gültig war und der aktuellen Kostenentwicklung in dieser Zeit nicht angepaßt
wurde.
Zudem mußte der Landesrechnungshof feststellen, daß auch noch bei der Erarbeitung
der neuen Gebührenverordnung für die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung
und Rechtspflege (Verwaltungsfachhochschulgebührenverordnung) Unsicherheiten
bei der Ermittlung von Gebührensätzen auf Kostenbasis bestanden.

(126)

Das Finanzministerium will der Anregung des Landesrechnungshofes, eine Anleitung
als Hilfestellung für die Kalkulation von Benutzungsgebühren zu erarbeiten, folgen.
Das Innenministerium teilte mit, daß es den Ausführungen des Landesrechnungshofes grundsätzlich folgt.

Erarbeitungsdauer der neuen Gebührenverordnung
(127)

Die Verwaltungsfachhochschulgebührenverordnung, mit deren Erarbeitung bereits
im August 1994 begonnen wurde, trat erst am 1.2.1997 in Kraft. Der Ausbildungsgebührensatz beträgt seitdem 1.337 DM. Erhoben wird davon im Regelfall nur ein ermäßigter Satz von 65 % (rd. 869 DM).
Der Landesrechnungshof beanstandet, daß ein Zeitraum von rd. zweieinhalb Jahren
für die Erarbeitung einer Gebührenverordnung angesichts der Kostenentwicklung
und der strukturellen Veränderungen in der FHöVuR entschieden zu lang ist. Dies
gilt auch vor dem Hintergrund, daß schwierige Abstimmungsprozesse mit allen Betroffenen bezüglich der Höhe der Ausbildungsgebühr stattfanden.
Nach Berechnungen des Landesrechnungshofes hätte die FHöVuR bei Inkrafttreten
der neuen Gebührenverordnung in 1995 Ausbildungsgebühren in Höhe von etwa
76.000 DM für das Haushaltsjahr 1995 bzw. von etwa 330.000 DM für das Jahr 1996
mehr einnehmen können.

(128)

Das Innenministerium vertritt die Auffassung, daß ein Inkrafttreten der Gebührenverordnung bereits im Haushaltsjahr 1995 schon aus Gründen der bestehenden Betei-

94
ligungspflichten nicht erreichbar gewesen wäre. Insofern teilt es nicht die Einschätzung des Landesrechnungshofes bezüglich der seit dem Haushaltsjahr 1995 möglichen Mehreinnahmen.
(129)

Der Landesrechnungshof stellt abschließend fest, daß durch den langen Bearbeitungszeitraum Einnahmeverluste in beträchtlicher Höhe in Kauf genommen wurden.
Aufgrund dieses Vorgehens wurde gegen den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit verstoßen (§ 7 LHO). Auch für die Einnahmeerhebung gilt die Verpflichtung zur wirtschaftlichen und sparsamen Haushaltsführung. Die Verwaltung ist danach nicht nur
verpflichtet, alle Einnahmequellen auszuschöpfen, sondern auch laufend Möglichkeiten der Einnahmeverbesserungen zu prüfen und diese im Rahmen der Zumutbarkeit
und Verhältnismäßigkeit geltend zu machen.

Kalkulation der Ausbildungsgebühr
(130)

Die Kalkulationsgrundlage für die seit 1.2.1997 gültige Ausbildungsgebühr waren
wiederum nicht die Kosten, sondern im wesentlichen das Ergebnis der Haushaltsrechnung 1993. Bei der Ermittlung dieser Gebühr wurde versucht, alle Kostenpositionen, die mit der Durchführung der Ausbildung nicht im Zusammenhang standen,
herauszurechnen bzw. abzugrenzen. Die Ausbildungsgebühr wurde jedoch nicht wie
geplant bereits in 1995, sondern erst ab Februar 1997 erhoben. Die bis dahin eingetretenen strukturellen Veränderungen innerhalb der FHöVuR, die für eine Kostenabgrenzung wichtig gewesen wären, hätten in einer Neuberechnung berücksichtigt werden müssen. Dies ist jedoch nicht geschehen.

(131)

Aufgrund seiner Feststellungen im Prüfbericht hatte der Landesrechnungshof gefordert, daß der Ausbildungsgebührensatz der Verwaltungsfachhochschulgebührenverordnung neu kalkuliert wird. Dabei sollten Anteile für die Bewirtschaftung von Leerständen wie ungenutzte bzw. nicht erschlossene Räume in der Liegenschaft und auch
Anteile für nicht ganz ausgelastete Kapazitäten voll zu Lasten des Landes gehen. Es
ist ebenfalls zu überlegen, ob es für die Gebührenschuldner systematisch richtig ist,

95
anteilige Kosten dafür mit zu tragen, daß seinerzeit eine große Liegenschaft als Fachhochschulstandort gewählt wurde. Dadurch kann z. B. das Verwaltungspersonal der
Fachhochschule mit etwa 750 m² in den Lehrgebäuden I und II für ca. 40 Mitarbeiter
überdurchschnittlich viel Büroflächen nutzen.
(132)

Das Innenministerium hat zugesagt, in einer neuen Kalkulation den Forderungen des
Landesrechnungshofes zu entsprechen. Dies trifft insbesondere auf Kostenabgrenzungen und zeitnahe Kostenerfassung zu.

Unterbringungsgebühren
(133)

Dadurch, daß die Höhe der Ausbildungsgebühr strittig war, verzögerte sich das Inkrafttreten der Gebührenverordnung, die auch andere Gebührentatbestände berücksichtigen sollte. So konnte, wie nachfolgend dargestellt, die geplante Unterbringungsgebühr, die die nicht kostendeckenden Mietzahlungen ablösen sollte, erst ab
1.2.1997 erhoben werden. Folgende Mieten galten bereits seit 1991:
Beamtenanwärter/Auszubildende 60 DM/mtl. i. d. R. im Zweibettzimmer;
Mitarbeiter/Gäste

80 bzw. 100 DM/mtl. im Einzel- bzw.
Zweibettzimmer;

Tagesmiete/Gäste

10 DM (incl. Bettwäsche/Reinigung).

Seit Inkrafttreten der neuen Verwaltungsfachhochschulgebührenverordnung am
1.2.1997 werden die monatlichen Unterbringungsgebühren mit einer Spanne von
85 DM bis 195 DM für ein Zweibettzimmer und 150 DM bis 360 DM für ein Einbettzimmer je nach Raumgröße und Ausstattung erfaßt. Die Tagessätze für die Gästeeinbettzimmer betragen am ersten Nutzungstag 27,50 DM und jeden weiteren Tag
10 DM.
(134)

Bereits Mitte 1994 wurde durch die Berechnungen für den Entwurf einer neuen Verwaltungsfachhochschulgebührenverordnung festgestellt, daß die Mieten nicht annähernd kostendeckend sind. Die Betriebskosten waren stark gestiegen, insbesondere
die Abwassergebühren, Hausreinigungskosten sowie die anteiligen Bewachungskosten. Außerdem wurden die Wohnheime zwischen 1993 und 1996 komplett neu möbliert. Der Landesrechnungshof beanstandet daher, daß die Mieten für die Unterbringung bis 1997 nicht erhöht wurden.

96
Für das Land sind dadurch Einnahmeverluste entstanden. So hätte z. B. ein Beamtenanwärter im gut ausgestatteten Zweibettzimmer in den sanierten Wohnheimen 4 oder
9 ab 1995 statt 60 DM monatlich 195 DM zahlen müssen. Für die Nutzung eines neu
möblierten Einzimmer-Appartements, z. B. für Fachhochschul-Mitarbeiter in den
Wohnheimen 10 oder 11, hätten statt 80 DM bereits 250 DM gezahlt werden müssen.
Somit wurde auch hier gegen den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit verstoßen, der
u. a. fordert, daß laufend alle Möglichkeiten der Einnahmeverbesserung geprüft und
im Rahmen der Zumutbarkeit und Verhältnismäßigkeit geltend gemacht werden.
(135)

Das Innenministerium folgt den Ausführungen des Landesrechnungshofes, daß eine
Gebührenanpassung für sanierte Wohnungen frühzeitiger hätte vorgenommen werden
müssen. Es will die Vorstellungen des Landesrechnungshofes über die Höhe der
Zimmermieten im Zuge der Neukalkulation der Gebührenverordnung überprüfen.

(136)

Die festangestellten Dozenten und Mitarbeiter der FHöVuR, die im Wohnheim untergebracht waren, hatten dadurch, daß sie eine geringe, nicht kostendeckende Miete
zahlten und außerdem das volle Trennungsgeld bezogen, ungerechtfertigte finanzielle
Vorteile. Bis zum Inkrafttreten der neuen Verwaltungsfachhochschulgebührenverordnung im Haushaltsjahr 1997 wäre hier nach Auffassung des Landesrechnungshofes die amtlich unentgeltliche Unterbringung verbunden mit der Kürzung des Trennungsgeldes um den Übernachtungsanteil für das Land wirtschaftlicher gewesen.

(137)

Das Innenministerium führt dazu aus, daß die Feststellungen des Landesrechnungshofes zutreffen.

Ausschreibung und Vergabe
(138)

Dem Abschluß von Verträgen über Lieferungen und Leistungen muß gem. § 55
Abs. 1 LHO eine Öffentliche Ausschreibung vorausgehen, sofern nicht die Natur des
Geschäftes oder besondere Umstände eine Ausnahme rechtfertigen. Bei dem Abschluß von Verträgen ist gem. § 55 Abs. 2 LHO nach einheitlichen Richtlinien zu
verfahren. Dabei ist insbesondere die VOL/A anzuwenden. Hiermit soll sichergestellt

97
werden, daß die Vergaben den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit
entsprechen, die Prinzipien der Chancengleichheit und der Gleichbehandlung gewahrt bleiben und die Vergabevorgänge nachvollziehbar sind, so daß dem Verdacht
von ungerechtfertigten Bevorzugungen und von Manipulationen von vornherein vorgebeugt wird.
An der FHöVuR wurden Fehler bei der Einhaltung der Vergabevorschriften gemacht.
Der Landesrechnungshof führt dazu folgendes aus:

Gebäude- und Glasflächenreinigungsvertrag
(139)

Die FHöVuR schrieb im Jahr 1991 die Leistungen für Unterhalts- sowie Glas- und
Rahmenreinigung öffentlich aus. Die Unterhaltsreinigung umfaßt lt. Leistungsbeschreibung im wesentlichen die Reinigung der Fußbodenfläche (abhängig vom Fußbodenbelag), der Einrichtungsgegenstände (Staub- und Feuchtwischen, Leeren von
Abfallbehältern), der Decken und Wände (einschließlich Beleuchtungskörper) sowie
der sanitären Anlagen. An der Ausschreibung beteiligten sich 40 Unternehmen. Es
wurden 37 Angebote gewertet, drei waren verspätet eingegangen.
Aufgrund dieser Ausschreibung wurde zwischen einer ortsansässigen Firma und der
FHöVuR am 20.12.1991 ein Gebäude- und Glasflächenreinigungsvertrag geschlossen.

(140)

Der Landesrechnungshof hat den Gebäude- und Glasflächenreinigungsvertrag überprüft, obwohl die Vergabe bereits sechs Jahre zurück lag und somit in die Aufbauphase der FHöVuR fiel. Kleinere Vergabefehler wären daher aufgrund der Unerfahrenheit von Mitarbeitern verständlich und zu erwarten gewesen, so daß auf eine eingehende Überprüfung durchaus hätte verzichtet werden können. Hier sind jedoch
Fehler gemacht worden, deren finanzielle Folgen sich noch bis Januar 1998 auswirkten.
Aus den wenigen vorhandenen Unterlagen, die das Vergabeverfahren dokumentieren,
war aber zu entnehmen, daß bei Zuschlagserteilung das Angebot der ortsansässigen
Firma für die Reinigung von Fußbodenflächen bei monatlich 23.301,05 DM für eine

98
Grundfläche von 29.446 m² bei einem Quadratmeterpreis von 0,79 DM lag. Der Vertrag vom 20.12.1991 wurde jedoch über 33.636,24 DM für eine geringere Grundfläche von 27.706 m² bei einem Preis von 1,21 DM/m² abgeschlossen. Somit stellte sich
für den Landesrechnungshof zumindest die Frage, wie die erstaunliche Preiserhöhung
von monatlich 10.335,19 DM bzw. von 0,42 DM/m² entstanden sein könnte.
Bei der Überprüfung wurden daraufhin schwerwiegende Vergabeverstöße insbesondere bei der Ermittlung der zu reinigenden Fußbodenfläche festgestellt:
−= Die Leistungsbeschreibung war mangelhaft, so daß die Bieter die Beschreibung
unterschiedlich auslegten. Damit war die Vergleichbarkeit der abgegebenen Angebote nicht möglich.
−= Das falsch berechnete Angebot der ortsansässigen Firma wurde von der FHöVuR
nicht auf rechnerische Richtigkeit geprüft.
−= Die Ausschreibung wurde trotz fehlerhafter Leistungsbeschreibung nicht aufgehoben.
−= Die FHöVuR führte Nachverhandlungen über Änderungen des Angebotes und des
Preises durch.
−= Reinigungsleistungen, die nicht Bestandteil des Vertrages waren und zusätzlich
erbracht wurden, hätten ausgeschrieben werden müssen.
Dadurch, daß doch ein Vertrag abgeschlossen wurde, sind über die Laufzeit bis zum
31.1.1998 rd. 977.000 DM an Mehrausgaben entstanden.
(141)

Im Laufe des Prüfungsverfahrens reichte die FHöVuR einen Vermerk nach, in dem
sie wie folgt Stellung genommen hat:
−= Wenn man bedenke, wie oft die Grundfläche gereinigt werde, sei der Quadratmeterpreis auch bei heutigen Verhältnissen akzeptabel.
−= Vermutlich seien Nachverhandlungen geführt worden, die die Differenz zwischen
dem Angebots- und dem Vertragspreis erklären.
−= Der vom Landesrechnungshof ermittelte Schaden reduziere sich auf weit unter
10.000 DM, da die ortsansässige Firma über den Vertrag hinaus erhebliche Mehrleistungen erbracht habe.

99
Das Innenministerium nimmt die Stellungnahme der FHöVuR zum Vertrag über die
Gebäude- und Glasflächenreinigung, insbesondere zum möglichen Schaden für das
Land, zur Kenntnis. Es folgt den Ausführungen des Landesrechnungshofes über unstatthafte Nachverhandlungen.
(142)

Der Landesrechnungshof kann sich jedoch nach eingehender Prüfung den von der
FHöVuR dargelegten Gegenargumenten nicht anschließen. Ihm ist durchaus bewußt,
daß die FHöVuR das Vorliegen eines Schadens mit der Begründung abstreitet, daß
den Mehrausgaben entsprechende Gegenleistungen gegenüber stehen sollen. Dann
bleiben aber immer noch die Gründe für die Nachverhandlung und für die freiwillig
erbrachten unentgeltlichen Mehrleistungen offen. Da diese Leistungen nicht mit ausgeschrieben wurden, kann auch nicht dargelegt werden, welcher Preis angemessen
wäre. Insofern ist es reine Spekulation zu behaupten, daß der Wert der Mehrleistungen der Schadenshöhe entspräche. Der Landesrechnungshof bekräftigt hier noch
einmal seine Auffassung, daß die Ausschreibung hätte aufgehoben werden müssen.
Da dies nicht geschehen ist, hätte das von der ortsansässigen Firma abgegebene Angebot Vertragsgrundlage sein müssen.
Das gesamte Vergabeverfahren mit der Vielzahl von Fehlern und Ungereimtheiten
entspricht nicht den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit. Die anfangs erwähnten Prinzipien von Chancengleichheit und Gleichbehandlung wurden
nicht gewahrt. Die Vergabevorgänge waren nur schwer nachvollziehbar. Worauf die
Fehler im Vergabeverfahren letztlich zurückzuführen sind, kann der Landesrechnungshof im Rahmen seiner Prüfungsmöglichkeiten nicht beurteilen.

(143)

Das Innenministerium stimmt mit dem Landesrechnungshof darin überein, daß die
festgestellten Vergabemängel bei der Ausschreibung der Gebäude- und Glasflächenreinigung im Haushaltsjahr 1991 zutreffen und das gesamte Vergabeverfahren nicht
den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit entsprach. Es vertritt jedoch
gleichwohl die Auffassung, daß diese Mängel und Unzulänglichkeiten nicht losgelöst
von der Aufgabenvielfalt und den damit aufgetretenen Problemen in der Aufbauphase der öffentlichen Verwaltung in Mecklenburg-Vorpommern betrachtet werden dürfen.
Die Leistungen der Gebäude- und Glasflächenreinigung wurden im September 1997
europaweit neu ausgeschrieben.

100
Beschaffungen
(144)

Neben der Vergabe von Dienstleistungen überprüfte der Landesrechnungshof auch
den Titel 0411 812 01 „Erwerb von Geräten, Ausstattungs- und Ausrüstungsgegenständen“ im Zeitraum von 1993 bis 1995. Dabei wurden alle Vorhaben in die Prüfung
einbezogen, die den Betrag von 25.000 DM wesentlich überschritten.
Die Beschaffungsvorgänge der FHöVuR bis 1994 zeigten z. B. folgende Mängel:

(145)

Aus einigen Vergabevorgängen der Jahre 1993 und 1994 war aufgrund der Aktenlage
nicht eindeutig ersichtlich, ob z. B. förmliche Ausschreibungsverfahren zugrunde lagen oder Leistungsbeschreibungen erstellt wurden. Außerdem waren die einzelnen
Verfahrensschritte bei der Durchführung von Ausschreibungen nur teilweise dokumentiert. Dies betraf z. B. Beschaffungen mit einem Gesamtvolumen von über
200.000 DM für Fernsehgeräte, Satellitenantennen, Teppichboden, Vorhänge und einen S-VHS-Videoschnittplatz.

(146)

Im Zusammenhang mit dem Aufbau des Medienzentrums wurden Ende 1993 Einzelausrüstungen im Gesamtwert von 34.672,50 DM beschafft. Alle Geräte bzw. Ausrüstungen wurden annähernd zum gleichen Zeitpunkt beim gleichen Bieter freihändig
erworben.
Die Aufträge hätten zu einem einheitlichen Vergabevorgang zusammengezogen werden müssen, um ein förmliches Ausschreibungsverfahren zu ermöglichen. Eine unwirtschaftliche Zersplitterung des Auftrags hätte vermieden werden können.

(147)

Bei der Beschaffung eines S-VHS-Videoschnittplatzes, bestehend aus mehreren Geräteelementen für insgesamt 44.689 DM, wurde 1994 durch Preisvergleich zwischen
fünf Anbietern entschieden. Da keine Leistungsbeschreibung erstellt worden war,
wurden Angebote abgegeben, die nicht miteinander vergleichbar waren.
Zu jeder vorgesehenen Beschaffungsmaßnahme gehört eine klare Beschreibung, die
die gewünschte Leistung so eindeutig und erschöpfend beschreibt, daß alle Anbieter
sie im gleichen Sinne verstehen müssen und die Angebote miteinander verglichen
werden können.

101
(148)

Die FHöVuR bestellte 1.520 m² Fußbodenbelag für einen Preis von 44.615,98 DM
im Rahmen einer Freihändigen Vergabe als Nachbestellung. Dabei überschritt sie die
Beschaffungssumme des ersten Auftrages um 138 %. Ähnlich verhielt es sich mit einer weiteren Beschaffung, bei der für Büromöbel zuerst 74.188,80 DM und bei der
Nachbestellung ohne erneute Ausschreibung 25.573,24 DM (34,5 %) aufgewandt
wurden.
Nachbestellungen sollten nach vergaberechtlichen Vorschriften insgesamt 20 % des
Wertes der ursprünglichen Leistung nicht überschreiten.

(149)

Das Innenministerium teilte mit, daß es den Ausführungen des Landesrechnungshofes zu den Mängeln der Vergabeverfahren für Investitionen folgt.

(150)

Nach Feststellungen des Landesrechnungshofes hat sich die Qualität des Beschaffungswesens an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege im
Laufe des geprüften Zeitraums verbessert, was sich insbesondere in Vorgängen der
jüngeren Zeit widerspiegelte.

Medienzentrum
(151)

Das Ziel des Aufbaus des Medienzentrums in der FHöVuR bestand im wesentlichen
darin, den Lehr- und Unterrichtsbetrieb mit audiovisuellen Mitteln wirkungsvoll zu
unterstützen. Der Aufbau dauerte mehrere Jahre und ist seit Ende 1996 nach Beendigung erforderlicher baulicher Maßnahmen sowie der schrittweisen Vervollkommnung der technischen Ausrüstungen weitestgehend abgeschlossen.
Realisiert wurden die Einspielmöglichkeiten von Videos in vier Lehrkabinette und
die Möglichkeit der Videogroßbildprojektion über Videowand. Über ein Monitorsystem wurden auf den Fluren der FHöVuR an sechs Stellen täglich Informationen in
einer Programmschleife gesendet.
Für die potentiellen Benutzer des Videokabinetts standen drei Videoschnittplätze für
die Anfertigung von Lehr- und Demonstrationsfilmen zur Verfügung.
Die Gesamtanlage des Medienzentrums hat einen Schätzwert von über 200.000 DM.

102
(152)

Nach Feststellungen der Landesrechnungshofes wurden alle anderen Zielvorstellungen, die mit dem Aufbau des Medienzentrums verbunden waren, nicht oder nur teilweise verwirklicht. So entstand bis zum Abschluß der Prüfung auf der Anlage kein
einziger Lehrfilm. Die Schnittplätze wurden für den geplanten Zweck nicht benutzt.
Es bestanden lediglich Vorstellungen für die Durchführung von zwei Videoprojekten.
Dazu sollten seitens des Lehrkörpers inhaltliche Anregungen kommen, die, um sie
praktisch auszuführen, zur Fertigung entsprechender Drehbücher hätten führen müssen. Da diese jedoch nicht vorgelegt wurden, konnte das Medienzentrum nicht eingesetzt werden.
Auch das Monitorsystem rechtfertigte nicht den technischen und finanziellen Aufwand. Während der örtlichen Erhebungen kam das gesendete Programm z. B. über
die Ausstrahlung des Mensaspeisenplanes, des Veranstaltungsplanes der Stadt Güstrow, Übersichten zu laufenden Bildungskursen im Hause oder dem Faschingsveranstaltungstermin am 11.11. nicht hinaus.
Der Landesrechnungshof sieht es als einen Verstoß gegen den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit an, wenn ein eingerichtetes Medienzentrum nicht genutzt wird.

(153)

Während des Prüfungsverfahrens wurde seitens der FHöVuR versichert, entsprechende Schulungen zur Benutzung des Medienzentrums durchzuführen.
Das Medienzentrum wird lt. Mitteilung des Innenministeriums jetzt durch die Fachbereiche zweckentsprechend genutzt und zunehmend ausgelastet.

103

Bearbeitung von Anträgen auf Investitionszulage

Die Finanzämter müssen die Bearbeitung von
Anträgen auf Investitionszulage in qualitativer
Hinsicht deutlich verbessern. Bearbeitungsfehler
materiell-rechtlicher Art waren im wesentlichen
auf mangelnde Sorgfalt bei der Ermittlung der
Bemessungsgrundlagen, oftmals auch auf Unsicherheiten in der Rechtsanwendung zurückzuführen. Intensive, bedarfsorientierte Fortbildungsmaßnahmen für Sachgebietsleiter, Sachbearbeiter und Außenprüfer sind unabdingbar.
Mehrfach wurden Investitionszulagen gewährt,
obwohl nicht wirksam unterschriebene Anträge
vorlagen.
Enthalten die Anträge unrichtige oder unvollständige Angaben, kann eine Strafverfolgung wegen Subventionsbetrugs in Betracht kommen. Die
Bußgeld- und Strafsachenstellen sind in einer
nicht unbeträchtlichen Anzahl von Fällen nicht
eingeschaltet worden, obwohl ein hinreichender
Verdacht auf eine Straftat oder eine Ordnungswidrigkeit bestand.
Angesichts der Mißbrauchsanfälligkeit muß die
Prüfung der Investitionszulage durch die Außendienste in einigen Finanzämtern intensiviert werden.

104
Die von der Oberfinanzdirektion Rostock vorgegebenen Bearbeitungsfristen werden nicht von allen Finanzämtern eingehalten. Eine über Gebühr
verzögerte Festsetzung und Auszahlung der Investitionszulagen widerspricht dem Willen des
Gesetzgebers, die Eigenkapitalbasis der begünstigten Unternehmen möglichst rasch zu stärken.

(154)

Der Aufbauprozeß in den neuen Ländern und Berlin wird durch verschiedene steuerliche Maßnahmen unterstützt. Betriebliche Investitionen in diesem Fördergebiet werden unter bestimmten Voraussetzungen durch die Gewährung von Investitionszulagen subventioniert. Die 16 Finanzämter des Landes Mecklenburg-Vorpommern haben für die Jahre 1990 bis 1996 auf der Grundlage von etwa 160.000 Anträgen Investitionszulagen in Höhe von insgesamt rd. 1,87 Mrd. DM festgesetzt. Die Deckung erfolgt aus den Einnahmen an Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer.

(155)

Begünstigte Investitionen sind die Anschaffung und die Herstellung von neuen abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens,
−= die mindestens drei Jahre zum Anlagevermögen eines Betriebs oder einer Betriebsstätte im Fördergebiet gehören, dort auch verbleiben und
−= in jedem Jahr zu nicht mehr als 10 % privat genutzt werden.
Ausgeschlossen sind geringwertige Wirtschaftsgüter i. S. des § 6 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes, Luftfahrzeuge und Personenkraftwagen.
In Abhängigkeit von Investitionsbeginn und -abschluß beträgt die Investitionszulage
in den geprüften Zeiträumen 12 %, 8 % oder 5 % der jeweiligen Bemessungsgrundlage. Unter bestimmten Voraussetzungen kommt jedoch auch eine Begünstigung von
10 % oder 20 % in Betracht.

(156)

Der Landesrechnungshof hat die Bearbeitung von Anträgen auf Investitionszulage im
Rahmen einer Querschnittsprüfung in den Finanzämtern Hagenow, Malchin, Neubrandenburg, Parchim und Rostock I untersucht. Geprüft wurden 510 Investitionszulagenakten mit insgesamt 1.477 Anträgen. Dabei wurden die folgenden wesentlichen
Feststellungen getroffen:

105

Allgemeine rechtliche Fehler bei der Antragsbearbeitung
(157)

Durch Versäumnisse der Finanzämter bei der materiell-rechtlichen Prüfung der Anträge wurden Investitionszulagen in erheblichen Größenordnungen zu Unrecht gewährt, insbesondere für:
−= Wirtschaftsgüter, die im Zeitpunkt der Anschaffung nicht mehr neu waren;
−= geringwertige Wirtschaftsgüter;
−= Wirtschaftsgüter, die durch Vermischen oder Verbinden mit bereits im Unternehmen vorhandenen Wirtschaftsgütern ihre Eigenschaft als selbständiges bewegliches Wirtschaftsgut verloren haben (hierbei handelte es sich um Reparaturen, Erweiterungen oder Erneuerungen);
−= Gebäude oder Gebäudebestandteile, die nicht als Betriebsvorrichtungen (und damit per definitionem als bewegliche Wirtschaftsgüter) zu behandeln sind;
−= immaterielle Wirtschaftsgüter (insbesondere Software);
−= Preisnachlässe (Skonti, Rabatte oder ähnliches).

(158)

Mit einer sorgfältigeren Prüfung der Anträge und Belege hätte der weit überwiegende
Teil der fehlerhaften Festsetzungen vermieden werden können. Zu häufig wurden
Hinweise, die eine Investitionszulage hätten ausschließen müssen, schlichtweg übersehen. Davon wiesen manche indirekt („Vorführgerät“, „gekauft wie besehen“, „Baujahr ...“), andere sogar direkt auf die Unzulässigkeit einer Begünstigung hin („Skonto
DM ...“, „Software“). Nicht Unkenntnis der Rechtslage, sondern überwiegend mangelnde Aufmerksamkeit auf Seiten der Sachbearbeiter hat in diesen Fällen manchem
Unternehmer zu Subventionen verholfen, die ihm nicht zustehen. Dies wäre – fast
immer ohne ins Gewicht fallenden Mehraufwand – vermeidbar gewesen. Sachgebietsleiter, Sachbearbeiter und Außenprüfer müssen ihre Kenntnisse des Investitionszulagenrechts im Rahmen praxis- und bedarfsorientierter Fortbildungsmaßnahmen
vertiefen und festigen. Der Landesrechnungshof hat zur Kenntnis genommen, daß eine erste Schulungsmaßnahme bereits angelaufen ist. Dies darf aber keine Einzelaktion bleiben.

106
(159)

Die Größenordnungen der vom Landesrechnungshof zu beanstandenden Festsetzungen reichen von – im Einzelfall – weniger ins Gewicht fallenden Beträgen wegen der
Begünstigung von Skontoabzügen bis hin zu Beträgen jenseits der Million, z. B. wegen der unzulässigen Förderung der Erweiterung eines Fernwärme- und Wasserversorgungsnetzes.

Eigenhändige Unterschrift
(160)

Die Gewährung einer Investitionszulage ist antragsgebunden. Ein Antrag auf Investitionszulage ist nur wirksam, wenn er vom Anspruchsberechtigten oder seinem gesetzlichen Vertreter innerhalb der Antragsfrist (30. September des Folgejahres) eigenhändig unterschrieben worden ist. Auf diese eigenhändige Unterschrift kann
nicht verzichtet werden, da die im Antragsvordruck geforderten Erklärungen mit
strafrechtlicher Bedeutung i. S. des § 264 des Strafgesetzbuches (Subventionsbetrug)
für den Anspruchsberechtigten nur von ihm selbst abgegeben werden können. Die eigenhändige Unterschrift soll den letztlich Verantwortlichen zur Kontrolle der Zulageberechtigung der einzelnen Wirtschaftsgüter veranlassen und ihm die Bedeutung
der in dem Antrag enthaltenen Wissenserklärung bewußt machen. Der Anspruchsberechtigte oder – insbesondere bei juristischen Personen – sein gesetzlicher Vertreter
verpflichten sich außerdem, das Finanzamt zu benachrichtigen, sofern innerhalb von
drei Jahren nach der Anschaffung die Anspruchsvoraussetzungen für die Wirtschaftsgüter nicht mehr vorliegen oder wenn sich die Anschaffungs- oder Herstellungskosten nachträglich ändern. Mit der eigenhändigen Unterschrift soll der Anspruchsberechtigte oder sein gesetzlicher Vertreter die Verantwortung für die Richtigkeit der Angaben in dem Antrag übernehmen. Dies umfaßt auch die strafrechtliche
Verantwortung (so auch das Thüringer Finanzgericht in seinem rechtskräftigen Urteil
vom 10. Juli 1997, EFG 1997 S. 1553).

(161)

In einer großen Zahl von Fällen sind Investitionszulagen gewährt worden, ohne daß
wirksam unterschriebene Anträge vorgelegen hätten, darunter auch solche, bei denen
dieser gravierende Mangel trotz durchgeführter Außenprüfung unbeanstandet blieb.
Unter den vom Landesrechnungshof insoweit zu bemängelnden Fällen waren besonders häufig Anträge von Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) zu finden,
die von anderen als den gesetzlichen Vertretern (das sind allein die Geschäftsführer)

107
unterschrieben worden waren. So wurde zugunsten einer GmbH für die Jahre 1992
und 1993 eine Investitionszulage in Höhe von insgesamt rd. 3,1 Mio. DM festgesetzt,
obwohl nicht die Geschäftsführer, sondern der Leiter des Finanz- und Rechnungswesens die Anträge unterzeichnet hatte. Die für die Jahre 1990 bis 1993 durchgeführte
Betriebsprüfung führte hinsichtlich der Investitionszulage nicht zu Beanstandungen.
Aber auch Prokuristen, kaufmännische Leiter, Betriebsleiter, Steuerberater und Steuerbevollmächtigte sowie sonstige Beauftragte („i. A.“) konnten allein mit ihrer Unterschrift versehene – und damit unwirksame – Anträge auf Investitionszulage erfolgreich bei den Finanzämtern einreichen. Da die Unterschriftsmängel entweder offensichtlich waren oder anhand der Akten regelmäßig leicht hätten festgestellt werden können, ist der Schluß zu ziehen, daß die Finanzämter dem Erfordernis der wirksamen Unterschrift nicht die nötige Beachtung geschenkt haben. Dies ist besonders
deswegen unverständlich, weil die Bedeutung und Wirkung der Unterschriftsleistung
in mehreren Verwaltungsanweisungen behandelt werden und bereits Gegenstand verschiedener Urteile zum Investitionszulagenrecht waren.
(162)

Trotz nicht wirksamer Antragstellung erfolgte Festsetzungen sind – sofern verfahrensrechtliche Gründe sowie der Grundsatz von Treu und Glauben dem nicht entgegenstehen – aufzuheben. Dies dürfte in nahezu allen insoweit betroffenen Fällen geboten sein, in denen die Festsetzung der Investitionszulage unter dem Vorbehalt der
Nachprüfung i. S. des § 164 Abs. 1 der Abgabenordnung erfolgt ist. Die Investitionszulage ist grundsätzlich nebst Zinsen zurückzufordern. Dabei ist zu beachten, daß der
Grundsatz von Treu und Glauben nur in Ausnahmefällen greifen kann, weil der einer
Steuerfestsetzung beigefügte Vorbehalt der Nachprüfung in aller Regel das Entstehen
eines für die Bindung nach Treu und Glauben notwendigen Vertrauenstatbestandes
verhindert. Eine Ausnahme hiervon kann grundsätzlich nur dann gelten, wenn die
Voraussetzungen einer bindenden Zusage vorliegen (vgl. Beschluß des Bundesfinanzhofs vom 14. August 1997, BFH/NV 1998 S. 83).
Der Antragsteller und der gesetzliche Vertreter können sich auch nicht auf Unkenntnis berufen: Sowohl in den Erläuterungen zum Antrag auf Investitionszulage als auch
unter der für die Unterschrift vorgesehenen Zeile ist ausdrücklich darauf hingewiesen, wer den Antrag zu unterschreiben hat. Im übrigen hat der Bundesfinanzhof in
seinem Urteil vom 16. Juli 1997, BStBl. 1998 II S. 31, erneut bestätigt, daß für das

108
Finanzamt keine Pflicht besteht, den Antragsteller auf Mängel seines kurz vor Ablauf
der Ausschlußfrist gestellten Antrags hinzuweisen.
(163)

Der Bundesfinanzhof hat allerdings in seinem Beschluß vom 14. August 1997,
a. a. O., die Ansicht vertreten, daß in der Rechtsprechung und im Schrifttum nicht
hinreichend geklärt ist, ob und unter welchen Voraussetzungen die Unterzeichnung
eines Investitionszulagenantrags durch einen aufgrund rechtsgeschäftlich erteilter
Vertretungsmacht Bevollmächtigten ausreicht. Er verweist auf zwei anhängige Verfahren: In einem Fall hat ein Buchhalter (Az. der Revision III R 5/97), in einem anderen der Steuerberater (Az. der Revision III R 26/97) unterschrieben. Daraus kann jedoch nicht der Schluß gezogen werden, daß die – vermeintlich – unklare Rechtslage
für die hier in Rede stehenden Fälle nur den generellen Verzicht auf jede Rückforderung zur Folge haben könne. Es könnte aber in Erwägung gezogen werden, die in
vergleichbaren Fällen anhängigen Rechtsbehelfsverfahren ruhen zu lassen (§ 363
Abs. 2 AO).

(164)

Der Landesrechnungshof verkennt nicht die wirtschaftlichen Folgen einer konsequenten Umsetzung seiner Feststellungen zur Unterschriftsproblematik. Die insoweit
eindeutige Gesetzeslage und die einschlägige Rechtsprechung lassen jedoch eine
Aufweichung der bewußt eng gezogenen Anspruchsgrenzen schon aus Gründen der
Steuergerechtigkeit nicht zu. Sollten bei der Verfolgung berechtigter Ansprüche Insolvenzen drohen, können die Finanzämter in Einzelfällen aus persönlichen Billigkeitsgründen Stundung gewähren oder auf die Rückforderung der Investitionszulage
sogar ganz oder teilweise verzichten. Ein schutzwürdiger Vertrauenstatbestand – und
damit die Anwendung der Grundsätze von Treu und Glauben – könnte ausnahmsweise dann angenommen werden, wenn das Finanzamt den deutlich vor Ablauf der Antragsfrist eingegangenen Antrag auch noch innerhalb der Antragsfrist bearbeitet hat.
Im übrigen wird die Finanzverwaltung die Entscheidungen in den beiden in Tz. 163
genannten Revisionsverfahren zu beachten haben.

Falsche Vordrucke
(165)

Der Antrag auf Investitionszulage ist nach amtlichem Vordruck zu stellen. Anträge,
die diesem Erfordernis nicht entsprechen, sind grundsätzlich unwirksam. Als Ausnahme kann gelten, wenn die Abweichungen vom amtlichen Vordruck für die jewei-

109
lige Festsetzung offensichtlich nicht relevant oder „auf einen Blick“ feststellbar sind,

110
wie z. B. nur die Veränderung der Jahreszahl. Die gesetzlichen Grundlagen für die
Investitionszulage erfuhren seit 1990 jedoch zahlreiche, zum Teil gravierende Änderungen. Berührt waren die persönlichen und sachlichen Anspruchsvoraussetzungen,
die am Investitionsbeginn und/oder Investitionsabschluß orientierten Investitionszeiträume sowie die Vomhundertsätze. Dementsprechend mußten auch die Vordrucke
Jahr für Jahr angepaßt werden. Die Fülle der nahezu jährlich neu zu beachtenden Änderungen ist hinreichend sicher nur anhand des für den jeweiligen Zeitraum gültigen
Vordrucks zu bewältigen. Ohne Vordruckunterstützung ist die Gefahr, einen falschen
der in Frage kommenden Vomhundertsätze (20, 12, 10, 8, 5 oder 0) anzuwenden, zu
groß. Erkenntnisse aus der Querschnittsprüfung bestätigen dies. Um vermeidbare
Hemmungen des Verfahrensablaufs auszuschließen und Fehlbegünstigungen zu verhindern, ist die Verwendung des für den jeweiligen Jahrgang vorgesehenen Antragsformulars unabdingbar. So hat das Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern mit
rechtskräftigem Urteil vom 10. Dezember 1996, EFG 1997 S. 431, entschieden, daß
bei Verwendung eines handschriftlich abgeänderten Formulars für 1993 kein wirksamer Antrag für 1994 vorliegt. Bestätigung findet diese Auffassung durch das Urteil
des Bundesfinanzhofs vom 16. Juli 1997, a. a. O. Derartige Verstöße beanstandeten
die Finanzämter nicht in jedem Fall. In einem geprüften Fall führte die Verwendung
eines handschriftlich geänderten 1994er Vordrucks für das Antragsjahr 1995 zunächst zur Gewährung einer Investitionszulage von 20 % (rd. 178.000 DM), obwohl
eine Begünstigung nur mit einem Satz von 5 % hätte erfolgen dürfen. Einer später
vorgenommenen Änderung dürfte der Erfolg wegen des zwischenzeitlich eröffneten
Gesamtvollstreckungsverfahrens versagt bleiben.
(166)

Die von der Oberfinanzdirektion Rostock getroffenen Ausnahmeregelungen, wonach
die Verwendung älterer Vordrucke bis zur Auslieferung der Neuauflagen nicht zu beanstanden ist, dürfen nach Ansicht des Landesrechnungshofes nur in Ausnahmefällen
Anwendung finden. Sie sollten auf die Fälle beschränkt werden, in denen der Zeitraum zwischen zulässiger (und möglicher) Festsetzung und dem Vorliegen der Neuauflage mutmaßlich mehr als drei Monate betragen wird. Dies kann zutreffen bei
Unternehmen mit einem vom Kalenderjahr abweichenden Wirtschaftsjahr, die eine
Investitionszulage schon kurze Zeit nach Ablauf des Wirtschaftsjahres beantragen

111
wollen. Die Prüfung hat gezeigt, daß derartige Fälle äußerst selten sind. In allen anderen Fällen sollten „Alt-Vordrucke“ nicht mehr ausgegeben werden. Die Steuerverwaltung muß vielmehr Sorge dafür tragen, daß die Vordrucke für das jeweilige Antragsjahr in den Finanzämtern schnellstmöglich zur Verfügung stehen. Die Oberfinanzdirektion Rostock hat bereits mitgeteilt, daß sie bestrebt ist, dieser Forderung
nachzukommen.
(167)

Hat das Finanzamt die Bearbeitung eines nicht für das jeweilige Jahr vorgesehenen
Vordrucks widerspruchslos noch deutlich vor Ablauf der Ausschlußfrist aufgenommen, ist dies nicht den Antragstellern anzulasten. In diesen Fällen ist ein nicht zu
verkennender Vertrauenstatbestand geschaffen worden, der – bei Beachtung der
Grundsätze von Treu und Glauben – nicht zur Versagung des Anspruchs führen darf.

Strafrechtliche Bedeutung
(168)

§ 9 Investitionszulagengesetz verweist auf § 264 StGB (Subventionsbetrug). Angesichts der evidenten Mißbrauchsanfälligkeit ist sicherzustellen, daß die Finanzämter
jedem Verdacht auf Subventionsbetrug konsequent nachgehen und in geeigneten Fällen die Bußgeld- und Strafsachenstelle einschalten. Nach den Feststellungen des
Landesrechnungshofes besteht insoweit in nahezu allen geprüften Finanzämtern
Handlungsbedarf. Nicht zuletzt wegen der nicht zu unterschätzenden präventiven
Wirkung erwartet der Landesrechnungshof ein rechtzeitiges und entschlossenes Handeln. Gerade der Umstand, daß der weit überwiegende Anteil der Anspruchsberechtigten steuerlich beraten ist, führt zu der wünschenswerten Verbreitung der Erkenntnis, daß sich die Finanzämter nicht mit jedem zweifelhaften Antrag zufriedengeben.

Außenprüfung
(169)

In einigen Finanzämtern konzentrierten sich die Investitionszulagen-Sonderprüfungen auf verjährungsbedrohte Fälle mit einer festgesetzten Investitionszulage
von 30.000 DM und mehr. Darüber hinaus wurden vielfach keine weiteren Untersuchungen zur Feststellung der Prüfungswürdigkeit vorgenommen. Die Querschnittsprüfung zeigte jedoch, daß der Erfolg von Außenprüfungen durch die Finanzämter
oftmals – insbesondere in Unternehmen der Baubranche – wegen drohender Gesamt-

112
vollstreckungsverfahren gerade von deren Aktualität bestimmt wird. Dabei soll nicht
unerwähnt bleiben, daß – nachdem schon die Innendienste manch unberechtigte Forderung zurückgewiesen hatten – die Außenprüfer der Finanzämter in den Jahren
1991 bis 1996 aufgrund von etwa 3.400 durchgeführten Prüfungen unrechtmäßig
festgesetzte Investitionszulagen in Höhe von insgesamt rd. 58,4 Mio. DM zurückfordern konnten. Dabei wurde die Anzahl der Außenprüfungen von 136 in 1991 auf
1.489 im Jahre 1996 gesteigert. In den Jahren 1995 und 1996 ergab sich ein durchschnittlicher Rückforderungsbetrag von rd. 10.000 DM je Prüfung. Rückforderungen
waren jedoch vielfach nicht mehr zu realisieren, weil die betroffenen Unternehmen
zwischenzeitlich illiquide geworden waren. Besser als das Vertrauen auf die abschließende Kontrolle durch die Außenprüfung ist daher eine sorgfältigere Erstbearbeitung durch den Innendienst. Das heißt nicht, daß jeder Antrag und die dazugehörigen Belege akribistisch und unter Außerachtlassung des Anspruchs einer möglichst
zeitnahen Festsetzung geprüft werden muß. Eine sorgfältige Prüfung des Antrags und
ein rascher Abschluß der Bearbeitung schließen einander keineswegs aus. Die Erfüllung der wesentlichen Anspruchsvoraussetzungen muß aber in jedem Falle sichergestellt sein.

Bearbeitungszeiten
(170)

Das vom Gesetzgeber mit der Investitionszulage verfolgte Ziel kann optimal nur erreicht werden, wenn die Zulagen den Betrieben möglichst rasch zugute kommen.
Dies bedingt, daß die Anträge zügig bearbeitet und die Investitionszulagen zeitnah
festgesetzt und ausgezahlt werden. Die Bearbeitungszeiten sind jedoch vielfach noch
zu lang. Die Finanzämter sind angewiesen, die Bearbeitung der Anträge auf Investitionszulage spätestens zwei Monate nach Eingang aufzunehmen und spätestens sechs
Monate nach Eingang abzuschließen. Sie sind wohl überwiegend in der Lage, den
größten Teil der Fälle binnen drei Monaten abschließend zu bearbeiten. Während die
maximale Bearbeitungsdauer in drei Finanzämtern nur gelegentlich überschritten
wurde, benötigten zwei Finanzämter für die Bearbeitung einer nennenswerten Zahl
von Fällen jedoch mehr als sechs Monate. Eines davon konnte sogar mehr als ein
Drittel aller dort geprüften Fälle erst nach Ablauf dieser Frist abschließen. Negativbeispiele, wie im Falle einer Aktiengesellschaft, die auf die Auszahlung der Investiti-

113
onszulagen für die Jahre 1993 und 1994 in Höhe von insgesamt rd. 4,6 Mio. DM jeweils länger als 18 Monate warten mußte, gehören aber doch zu den Ausnahmen.
Der Landesrechnungshof hat zur Kenntnis genommen, daß die Oberfinanzdirektion
Rostock seine Beanstandungen auch insoweit aufgegriffen hat. Sie hat die Finanzämter bereits angewiesen, die Rückstände binnen kurzer Frist abzubauen.

Stellungnahme des Finanzministeriums
(171)

Das Finanzministerium stimmt in seiner Stellungnahme vom 5. März 1998 den Feststellungen und Schlußfolgerungen des Landesrechnungshofes im wesentlichen zu. Es
hat wie oben dargestellt, bereits weitgehend die notwendigen Maßnahmen ergriffen,
um die festgestellten Mängel in Zukunft zu vermeiden. Im Hinblick auf das Fehlen
eigenhändiger Unterschriften (Tzn. 160 bis 164) weist es darauf hin, daß nach seiner
Auffassung ein größerer Spielraum für Einzelfallentscheidungen vorhanden sei, als
ihn der Landesrechnungshof annimmt.
Im übrigen weist das Finanzministerium darauf hin, daß nicht zuletzt dieses Prüfungsverfahren zu verstärkten Bemühungen um die Aus- und Fortbildung in der Finanzverwaltung Anlaß gibt. In einem mittelfristigen Zeitraum von ca. fünf Jahren
soll das Niveau der alten Bundesländer erreicht werden.

(172)

Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Auffassung zum Fehlen eigenhändiger
Unterschriften. Weitergehende Billigkeitsmaßnahmen dürften nach der Rechtslage
nur in Betracht kommen, sofern der Bundesfinanzhof in den beiden in Tz. 163 genannten Revisionsverfahren seine Rechtsauffassung ändert. Im übrigen wird die
Steuerverwaltung darauf zu achten haben, daß bei der nicht unerheblichen Anzahl
von Investitionszulageanträgen mit nicht eigenhändiger Unterschrift Steuerpflichtige
in allen Bundesländern gleich behandelt werden.
Der Landesrechnungshof begrüßt es, daß das Finanzministerium durch Aus- und
Fortbildung das Niveau der Steuerverwaltungen in den alten Bundesländern mittelfristig erreichen will. Er wird diese Maßnahmen kritisch prüfend begleiten.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

114

Prüfung der Ausgaben des Landes
für den Um- und Ausbau von Landesstraßen sowie
für die Beschaffung von Verkehrsschildern

Das Wirtschaftsministerium veranschlagt die
Haushaltsmittel für den Um- und Ausbau von
Landesstraßen in der Titelgruppe 63 Kapitel 0604 „global“ (rd. 60 Mio. DM jährlich), obwohl die voraussichtlichen Kosten der veranschlagten Tiefbaumaßnahmen im Einzelfall über
750.000 DM liegen. Dies entspricht nicht den
haushaltsrechtlichen Vorschriften.
Die im Zusammenhang mit einem Brückenneubau notwendige Behelfsbrücke wurde acht Monate länger als erforderlich vorgehalten, was zu
Mehrausgaben in Höhe von rd. 260.000 DM führte.
In einem Straßenbauamt lagen für die überwiegende Anzahl der beschafften Verkehrsschilder
erforderliche verkehrsrechtliche Genehmigungen
der Straßenverkehrsbehörden nicht vor.
Die Auftragserteilung der Beschilderungen erfolgte bis 1994 fast ausschließlich freihändig, so
daß rd. 4,9 Mio. DM dem Wettbewerb entzogen
wurden.
Einzelne Mitarbeiter erteilten freihändig Aufträge in Höhe bis zu rd. 245.000 DM, ohne hierfür
unterschriftsbefugt zu sein.

115
Die Bestandsführung der für rd. 5,3 Mio. DM beschafften Beschilderungen war unzureichend, so
daß deren Verbleib nicht gänzlich nachvollzogen
werden konnte.
Das Land trägt nach dem Straßen- und Wegegesetz Mecklenburg-Vorpommern bei Um- und
Ausbaumaßnahmen an Kreuzungen von Landesstraßen mit Kreis- oder Gemeindestraßen die Gesamtausgaben. Bei Bundesstraßen hingegen erfolgt nach dem Bundesfernstraßengesetz eine
Kostenteilung

nach

den

angeschlossenen

Fahrbahnbreiten. Dieses Kostenteilungsprinzip
sollte angestrebt werden, um eine einheitliche
gesetzliche Regelung zu erreichen und Ausgaben
für Landesstraßen zu senken.

Um- und Ausbau von Landesstraßen
nach Maßgabe des Straßenbauplanes
(173)

Die Veranschlagung von Maßnahmen zur „Wertverbesserung“ von Landesstraßen ist
in der Titelgruppe (TG) 63 bei Kapitel 0604 unter der Bezeichnung „Um- und Ausbau von Landesstraßen nach Maßgabe des Straßenbauplanes“ im Landeshaushalt
vorgesehen. Unter dieser Zweckbestimmung sind auch die Maßnahmen veranschlagt,
die nach dem Investitionsförderungsgesetz Aufbau Ost (IfG) gefördert werden. Von
1993 bis 1996 standen in dieser TG rd. 220 Mio. DM zur Verfügung.
Eine wesentliche Grundlage für die wirtschaftliche Gesamtentwicklung und Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen in allen Teilen des Landes bildet der Erschließungsgrad und die Funktionsfähigkeit des Straßennetzes. Die Baumaßnahmen
an den Landesstraßen sind vor allem auf die Erhaltung, den Um- und Ausbau der
vorhandenen Substanz, die Verbesserung der Befahrbarkeit, die Erhöhung der Verkehrssicherheit und die Gewährleistung ausreichender Tragfähigkeit gerichtet. Rund
40 % der Landesstraßen befinden sich in einem baulichen Zustand, der kurzfristig
Maßnahmen zur Instandsetzung bzw. Erneuerung erfordert.

116

Veranschlagung der Haushaltsmittel
(174)

Das Wirtschaftsministerium veranschlagt die Haushaltsmittel für den Um- und Ausbau von Landesstraßen in der Titelgruppe 63 Kapitel 0604 „global“ (rd. 60 Mio. DM
jährlich), obwohl die voraussichtlichen Kosten der veranschlagten Tiefbaumaßnahmen im Einzelfall über 750.000 DM liegen.
Gemäß Nr. 9.10.1 der Haushaltstechnischen Richtlinien des Landes MecklenburgVorpommern (HRL) sind jedoch Tiefbaumaßnahmen mit Kosten von mehr als
750.000 DM im Einzelfall nach Maßnahmen zu veranschlagen. Die Zusammenfassung mehrerer Maßnahmen unter einer Zweckbestimmung ist zu vermeiden.
Der Landesrechnungshof wies darauf hin, daß das derzeit praktizierte Verfahren dieser Forderung nicht entspricht. Aus Gründen der Nachvollziehbarkeit und der Klarheit der Haushaltsansätze sind zukünftig auch Tiefbaumaßnahmen mit Kosten von
mehr als 750.000 DM einzeln zu veranschlagen.
Das Finanzministerium teilte nach Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium
hierzu mit:
„Der Hinweis des Landesrechnungshofes ist berechtigt; Punkt 9.10.1 HRL wurde
bisher nicht berücksichtigt. Diese Vorgehensweise war einvernehmlich darin begründet, daß bei der Aufstellung der Haushaltspläne der Mitteleinsatz für die konkreten Straßenbaumaßnahmen nicht hinreichend genau bestimmt werden konnte. Ein
weiterer Beweggrund bestand darin, die notwendige Flexibilität bei der Mittelbewirtschaftung zu gewährleisten. Nach Einschätzung des Finanzministeriums war die
o. g. Vorgehensweise in den ersten Jahren unumgänglich. In den Beratungen zu den
jeweiligen Haushaltsplänen im Wirtschaftsausschuß des Landtages ist für die Beratungen auf Anforderung der Straßenbauplan für das Jahr herangezogen worden. Mit
dem Haushalt 1999 soll dem Punkt 9.10.1 HRL weitgehend Rechnung getragen werden. ...“
„... In den Erläuterungen bzw. als Anlage zu dem Titel werden die Einzelmaßnahmen
mit Gesamtkosten über 750 TDM konkret dargestellt. ...
Hinsichtlich der Verbindlichkeit der Erläuterungen gilt § 16 Haushaltsgesetz. Damit
kann auch eine hinreichende Flexibilität im Vollzug gewährleistet werden.
Das Finanzministerium wird die HRL in diesem Punkt bei der ohnehin erforderlichen Überarbeitung entsprechend anpassen. ...“

117
Bis zu einer Änderung der HRL wäre – nach Auffassung des Finanzministeriums –
eine schriftliche Einigung zwischen Finanzministerium und Wirtschaftsministerium
ausreichend.
Der Landesrechnungshof hält die beabsichtigte Vorgehensweise des Finanzministeriums und des Wirtschaftsministeriums ohne vorherige Änderung der haushaltsrechtlichen Bestimmungen nicht für möglich.

Um- und Ausbau einer Klappbrücke
(175)

Die Leistungen der mit 3,5 Mio. DM im Straßenbauplan veranschlagten Klappbrücke
wurden öffentlich ausgeschrieben. Die einzuhaltende Angebotsfrist war mit 21 Kalendertagen so kurz, daß von den 14 Bewerbern lediglich drei ein Angebot einreichten. Das niedrigste Angebot lag mit rd. 1,1 Mio. DM (rd. 30 %) über den von der
Verwaltung ermittelten Kosten. Die Leistungen wurden schließlich für
rd. 4,6 Mio. DM in Auftrag gegeben.
Der Landesrechnungshof beanstandete die unzureichende Angebotsfrist und sah hierin einen Verstoß gegen § 18 Nr. 1 VOB/A, wonach für die Bearbeitung und Einreichung der Angebote eine ausreichende Angebotsfrist vorzusehen ist.
Bei der Bemessung der Angebotsfrist wäre insbesondere zu berücksichtigen gewesen, daß es sich bei der geplanten Klappbrücke um eine sehr anspruchsvolle technische Lösung handelte, die spezialisierte Subpartner erforderte.
Die kurze Angebotsfrist gewährleistete nach Auffassung des Landesrechnungshofes
keinen ordnungsgemäßen Wettbewerb.
Das Wirtschaftsministerium teilte mit:
„... Bei der Bearbeitung des Bauwerksentwurfes haben sich, insbesondere nach Vorlage des abschließenden Baugrundgutachtens ..., die Kosten des Bauwerksentwurfs
auf eine Gesamtsumme von 4,693 Mio. DM erhöht. ...
Der Zuschlag erfolgte auf das günstigste Angebot mit einer Summe von
4.581.126,52 DM.
Damit erfolgte der Zuschlag auf ein Angebot, das ca. 3 % unter den Kosten des
Bauwerksentwurfes lag. ...“

118
Nach Mitteilung des Wirtschaftsministeriums wurde die kurze Angebotsfrist gewählt,
da nach dem Brückenprüfbericht ein schnellstmögliches Handeln geboten war.
Bei Beachtung der Bestimmungen der HRL wäre die Abweichung um 1,1 Mio. DM
von den veranschlagten Kosten nicht ohne nochmalige Beteiligung des Landtages
möglich gewesen. Der Landesrechnungshof erwartet, daß zukünftig die Etathoheit
des Landtages entsprechend beachtet wird.
Der Argumentation des Wirtschaftsministeriums, daß aufgrund der schnelleren Abnahme der Tragfähigkeit der Brücke Dringlichkeit geboten war, kann so nicht gefolgt
werden. Es lag zwar eine zu beachtende Progression der 1992 festgestellten Brückenschäden vor, aber eine etwa vier Wochen längere Angebotsfrist wäre von der Schadensfeststellung 1992 bis zur Submission 1994 im Zeitablauf unerheblich gewesen.
Der Landesrechnungshof erwartet in Zukunft, daß angemessene Angebotsfristen vorgesehen werden, um einen ausreichenden Wettbewerb und wirtschaftliche Angebote
zu gewährleisten.
(176)

Nach den Ausschreibungsunterlagen sollte der Auftragnehmer der Klappbrücke die
Prüfung der Ausführungsunterlagen beauftragen. Er hatte somit diese Leistung als
Nebenleistung zu tragen und in die Preise seines Angebotes einzurechnen. Das Straßenbauamt erteilte jedoch einen gesonderten Auftrag für diese Prüfung an ein Ingenieurbüro und zahlte hierfür rd. 63.000 DM.
Der Landesrechnungshof beanstandete die vom Land doppelt getragene Prüfleistung
und bat um dienstrechtliche Prüfung.
Das Wirtschaftsministerium teilte in seiner Stellungnahme mit, daß in der Baubeschreibung der Klappbrücke irrtümlich der Auftragnehmer als beauftragende Stelle
für den Prüfingenieur genannt sei. Dieses Verfahren sei grundsätzlich unüblich und
daher auch vom Auftragnehmer nicht kalkuliert worden.
Der Landesrechnungshof nimmt die Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums zur
Kenntnis. Er bleibt jedoch bei seiner Auffassung, daß nach den vorliegenden
Ausschreibungs- und Vertragsbedingungen der Auftragnehmer der Brücke die Prüfingenieurleistung zu beauftragen und somit zu tragen hatte. Da das Straßenbauamt
diese Prüfleistung in Auftrag gab, entstand dem Land ein Schaden von
rd. 63.000 DM.

119
(177)

Für die Umleitung des Kfz-Verkehrs während der Bauphase der Klappbrücke wurde
eine Behelfsbrücke mehr als acht Monate über den vertraglich vereinbarten Fertigstellungstermin der Klappbrücke vorgehalten. Dies war zum einen darauf zurückzuführen, daß die Verkehrsübergabe der Klappbrücke fünf Monate nach dem vereinbarten Termin erfolgte und zum anderen, daß die Behelfsbrücke darüber hinaus noch
drei weitere Monate vorgehalten wurde. Insgesamt führte dies zu Mehrausgaben von
rd. 260.000 DM.
Der Landesrechnungshof bat um Prüfung, ob die Ausgaben (rd. 155.000 DM) für die
fünfmonatige Vorhaltezeit dem Unternehmer in Rechnung gestellt werden können.
Zur dreimonatigen Vorhaltezeit bat er um Stellungnahme.
Das Wirtschaftsministerium teilte mit:
Bei den Abbrucharbeiten der alten Brücke und bei den Rammarbeiten seien unvorhersehbare Hindernisse angetroffen worden, die einen erheblichen Zeitverzug verursachten, der nicht aufgeholt werden konnte. Dieses hätte nicht der Auftragnehmer der
Klappbrücke zu vertreten gehabt.
Darüber hinaus seien unnötige Ausgaben dem Land nicht entstanden, da der weitere
Einsatz der Behelfsbrücke Voraussetzung für den Ausbau der Landesstraße im innerstädtischen Bereich war. Eine innerörtliche Umleitung wäre nicht möglich gewesen.
Unmittelbar nach Fertigstellung dieser Straßenbaumaßnahme sei mit dem Rückbau
der Behelfsbrücke begonnen worden.
Der Landesrechnungshof nimmt die Stellungnahme zur Kenntnis.
Die Besonderen Vertragsbedingungen der Klappbrücke legten die Verkehrsfreigabe
zum 30.11.1995 fest. Hierzu erläutert 3.2.2 der Baubeschreibung (Vertragsbestandteil):
„Sollten sich im Bauablauf Verzögerungen ergeben, die unter Umständen auch
durch den Auftraggeber zu vertreten sind, ist der Auftragnehmer verpflichtet, durch
zusätzliche Maßnahmen Terminverzüge wieder aufzuholen.“
Nach dieser vertraglichen Regelung ist der Auftragnehmer verpflichtet, die Aufwendungen zu tragen, die durch eine Fristverlängerung entstehen.

120
Zukünftig sind parallele Baumaßnahmen so vorzubereiten und durchzuführen, daß
die erforderlichen Sperr- und Umleitungszeiten auf das unbedingt notwendige Maß
reduziert werden können.
(178)

Bei der Klappbrücke wurden Kontrollprüfungen des Straßenbauamtes für die nicht
unerhebliche Stahlmenge der Brückenplatte und der Schweißnähte nicht durchgeführt. Nach Nr. 3.1 (26) des Vergabehandbuches im Straßen- und Brückenbau
(HVA-StB) hat das Straßenbauamt die Einhaltung der vertraglichen Anforderungen
durch Kontrollprüfungen der ausgeführten Leistungen zu überwachen.
Der Landesrechnungshof beanstandete, daß das Straßenbauamt Kontrollprüfungen
nicht durchführte und somit die vertraglichen Anforderungen der zu erbringenden
Leistungen nicht überprüft hat.

Ungenügende Nachweise für erbrachte Leistungen
(179)

Nachweise für Leistungen (Wiegescheine, Lieferscheine, Aufmaße, Bautagebücher)
wurden nicht korrekt geführt. Der Auftragnehmer hat gem. § 14 VOB/B i. V. m.
Nr. 3.2 HVA-StB seine Leistungen prüfbar abzurechnen und die für die Abrechnung
notwendigen Nachweise entsprechend dem Baufortschritt gemeinsam und rechtzeitig
mit dem Auftraggeber vorzunehmen. Die Nachweise der Leistungen legen Sachverhalte verbindlich fest und werden durch Unterschriften zu Urkunden.
Der Landesrechnungshof beanstandete, daß Leistungen auf der Grundlage unvollständiger Nachweise anerkannt wurden. Die Bauherrenfunktion wurde nicht im notwendigen Umfang erfüllt.

Ausgabenteilung an Kreuzungen
(180)

Beim Um- und Ausbau (Erneuerung) an höhengleichen, vorhandenen Kreuzungen
von Landesstraßen mit Kreis- oder Gemeindestraßen hat das Land als Verursacher
die Gesamtausgaben zu übernehmen (§ 38 Abs. 3 StrWG M-V). Bei Bundesstraßen
hingegen erfolgt eine Kostenteilung nach den angeschlossenen Fahrbahnbreiten der
Baulastträger (§ 12 Abs. 2, 3 und 3a FStrG).
Der Landesrechnungshof regte daher an, darauf hinzuwirken, das Straßen- und Wegegesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern dem Bundesfernstraßengesetz an-

121
zugleichen. Damit würde zum einen eine einheitliche gesetzliche Regelung bei Bund
und Land erreicht werden, zum anderen würden die Ausgaben, insbesondere bei
Ortsdurchfahrten, für die Landesstraßen geringer.
Das Wirtschaftsministerium teilte mit:
„Der in Arbeit befindliche Referentenentwurf einer Novelle des Straßen- und Wegegesetzes Mecklenburg-Vorpommern (StrWG M-V) sieht eine Angleichung an das
Recht des Bundes und der übrigen Bundesländer vor.“

Beschaffungen von Verkehrsschildern und Vorwegweisern
durch ein Straßenbauamt
(181)

In das Prüfungsverfahren wurden auch die bis 1994 durchgeführten Beschaffungen
von Verkehrsschildern und Vorwegweisern für Bundes- und Landesstraßen bei einem
Straßenbauamt einbezogen. Da das Land gem. Art. 104 a Abs. 5 GG für eine ordnungsgemäße Verwaltung in der Auftragsverwaltung gegenüber dem Bund zu haften
hat, waren zur Beurteilung des Verwaltungshandelns auch Beschaffungsverfahren für
den Bund einzusehen.

Verkehrsrechtliche Anordnung von Beschilderungen
(182)

Die Kreisordnungsbehörden als Straßenverkehrsbehörden sind gem. § 44 StVO
i. V. m. § 2 Zuständigkeitsverordnung Straßenverkehr Mecklenburg-Vorpommern
die für die verkehrsrechtliche Anordnung von Beschilderungen zuständigen Behörden. Für die überwiegende Anzahl der Verkehrsschilder und Vorwegweiser liegen
entsprechende Anordnungen der Straßenverkehrsbehörden nicht vor. Die verkehrsrechtliche Notwendigkeit konnte somit nicht nachvollzogen werden.
Das Wirtschaftsministerium wurde gebeten zu prüfen, ob bei Fehlen der verkehrsrechtlichen Notwendigkeit dienstrechtlich relevante Tatbestände vorliegen.
Das Wirtschaftsministerium teilte mit:
„... Da es sich nicht um Aufstellung von Schildern an neuen Standorten mit neuen
Wegweisungen, sondern nur um Ersatz der vorhandenen desolaten Schilder handelte,
war auch keine Anordnung gemäß Zuständigkeitsverordnung vom 01.07.1991 durch
die Kreisordnungsbehörde erforderlich. ...“

122
Der Landesrechnungshof folgt nicht der Stellungnahme. In den Jahren 1991 bis 1994
wurden insbesondere die Wegweisungen durch Aufstellung von neuen Schildern und
Vorwegweisern verbessert.
Da die Vorwegweiser nach neuen Vorschriften aufzustellen und zu beschriften waren, mußten auch für „Ersatz“ grundsätzlich Anordnungen von den Kreisordnungsbehörden eingeholt werden.

Vergabe von Beschilderungen
(183)

Die Vergaben von Beschilderungen an Bundes- und Landesstraßen erfolgte bis 1994
bei weit über 90 % der Aufträge freihändig, so daß rd. 4,9 Mio. DM dem Wettbewerb
entzogen wurden.
Das Straßenbauamt hat bei Abschluß von Verträgen die Bestimmungen des
§ 55 LHO und die Vergabevorschriften anzuwenden. Durch die Freihändige Vergabe
wurden diese Vorschriften nicht beachtet und es konnte nicht gewährleistet werden,
daß die Leistungen wirtschaftlich vergeben wurden.
Das Wirtschaftsministerium wird zu prüfen haben, ob in diesem Zusammenhang
dienstrechtlich relevanten Tatbeständen nachzugehen ist.
Das Wirtschaftsministerium teilte mit:
„... Der Amtsvorstand, der das Straßenbauamt bis November 1993 leitete, hat der
Einhaltung der neuen Vergabevorschriften nicht die erforderliche Bedeutung beigemessen und sein Hauptaugenmerk auf die Verbesserung der Verkehrsbedingungen
auf Bundes- und Landesstraßen gelegt. Es ist daher zu etlichen Verstößen gegen die
Vergabebestimmungen gekommen. Das Wirtschaftsministerium prüft zur Zeit, ob
dienstrechtlich relevante Tatbestände geahndet werden müssen. Mit dem Wechsel
der Amtsvorstände änderte sich der Dienstablauf dahingehend, daß erstmals ein mit
den neuen Vorschriften langjährig vertrauter Beamter die Dienstaufsicht führte. Es
werden regelmäßig Schulungen durchgeführt und Aufträge nur noch nach den Regularien der VOB/VOL vergeben. ...“

Auftragserteilung ohne Unterschriftsbefugnis

123
(184)

Einzelne Mitarbeiter erteilten – ohne unterschriftsbefugt zu sein – freihändig Aufträge in Höhe bis zu rd. 245.000 DM. Somit wurde gegen § 56 der Geschäftsordnung
des Straßenbauamtes verstoßen.

124
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes wurde die Auftragserteilung ohne entsprechende Befugnis u. a. dadurch begünstigt, daß die Fach- und Dienstaufsicht nicht
im notwendigen Umfang erfolgte.
Das Wirtschaftsministerium wurde um Prüfung gebeten.
Das Wirtschaftsministerium teilte mit:
„... Das Wirtschaftsministerium hat diese Beanstandung des Rechnungshofes zum
Anlaß genommen, und wird die Unterschriftsbefugnis der verschiedenen Ebenen der
Straßenbauämter landeseinheitlich regeln. ...“

Bestandsführung der Beschilderungen
(185)

In den Haushaltsjahren 1991 bis 1994 wurden bei einem Straßenbauamt
rd. 5,3 Mio. DM für die Beschilderung und Vorwegweiser von Bundes- und Landesstraßen verausgabt. Eine Bestandsführung der Vorwegweiser konnte nicht vorgelegt
werden. Für Verkehrsschilder werden lediglich „Verkehrszeichentabellen“ geführt.
Weder Veränderungen, Erneuerungen, noch der Verbleib der beschafften Schilder
kann durch die praktizierte Bestandsführung nachvollzogen werden.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

125

Förderung von Forschungsvorhaben

Das Kultusministerium leistete unnötige Ausgaben in Höhe von 142.117,02 DM, weil es bei der
Beschaffung von Großgeräten die Finanzierungsmöglichkeiten

der Rahmenvereinbarung

Forschungsförderung nicht genutzt hat.
Das Kultusministerium hat einer Universität Mittel in Höhe von 190.900 DM für die Beschaffung
eines Großgerätes bewilligt, dessen Auslastung
der Wissenschaftsrat als nicht gegeben ansah. Die
Hochschule hat das Gerät beschafft, es war bei
weitem nicht ausgelastet.
Das Kultusministerium hat dem Landesförderinstitut Aufgaben zur Förderung von Forschungsvorhaben übertragen, obwohl dadurch kein erkennbarer wirtschaftlicher Vorteil für das Land
erzielt wird. Das Landesförderinstitut hat einen
Teil der ihm übertragenen Aufgaben nicht erfüllt.
Das Kultusministerium hatte keine mit dem Finanzministerium und dem Landesrechnungshof
abgestimmte Förderrichtlinie erlassen, die Zuwendungsverfahren litten an erheblichen Mängeln.
Ein Wissenschaftler hat im Verwendungsnachweis Ausgaben geltend gemacht, die entweder
nicht zuwendungsfähig oder nicht ordnungsgemäß belegt waren.

126
(186)

Der Landesrechnungshof hat stichprobenweise Zuwendungen und Zuweisungen zur
Förderung von Forschungsvorhaben (Titel 0710 681 01 MG 04) geprüft, die das Kultusministerium in den Jahren 1994 bis 1996 bewilligt hat.

Unnötige Ausgaben
(187)

Nach der „Rahmenvereinbarung zwischen Bund und Ländern über die gemeinsame
Förderung der Forschung nach Art. 91 b GG“ beteiligt sich der Bund u. a. an den Investitionskosten von Forschungseinrichtungen, die überregionale Bedeutung besitzen. Mit diesen Mitteln kann auch die Beschaffung von Geräten vorgenommen werden.
In Mecklenburg-Vorpommern befinden sich vier derartige Forschungseinrichtungen,
die allgemein als Institute der „Blauen Liste“ bezeichnet werden. Zwei Instituten hat
das Kultusministerium zur Beschaffung von Geräten – darunter ein Gerät zur Messung von optischen Wellenlängen – Zuwendungen in Höhe von insgesamt
284.234,04 DM gewährt.
Die Geräte sollten nicht für einzelne abgegrenzte Vorhaben, sondern für die allgemeinen Forschungsaufgaben der Institute beschafft werden. Wären deshalb – wie
rechtlich möglich – die Ausgaben im Rahmen der gemeinsamen Forschungsförderung finanziert worden, hätte das Land die Ausgaben nicht in voller Höhe tragen
müssen. Ausgaben für das Land in Höhe von insgesamt 142.117,02 DM wären bei
einer Mitfinanzierung durch den Bund nicht angefallen.

(188)

Das Kultusministerium weist darauf hin, im Bereich der Forschung sei es üblich,
ergänzend auch einzelne abgegrenzte Projekte zu fördern. Bei den genannten Vorhaben handele es sich um solche originären Projektförderungen. Das ergäbe sich aus
der Themenstellung und der Tatsache, daß international abgestimmte Meßkampagnen zu bestimmten Zeitpunkten durchgeführt wurden. Die Einbindung dieser Aktivitäten in die gemeinsame Forschungsförderung sei zeitlich und sachlich nicht möglich gewesen.

127
(189)

Der Landesrechnungshof hält an seiner Auffassung fest. Aus den Akten ergibt sich
gerade nicht, daß die Geräte für zeitlich und inhaltlich abgegrenzte Vorhaben beschafft werden sollten. Vielmehr sollten danach die Geräte die Untersuchungsmöglichkeiten und die Speicherkapazität des einen Institutes bzw. die experimentelltechnische Basis des anderen Institutes erweitern. Den Akten ist auch nicht zu entnehmen, daß das Kultusministerium überhaupt geprüft hat, ob die Geräte im Rahmen
der gemeinsamen Forschungsförderung hätten beschafft werden können.

Beschaffung eines Großgerätes gegen das Votum
des Wissenschaftsrates
(190)

Das Kultusministerium bewilligte einer Universität mit Bescheid vom 5.12.1994 eine
„Zuwendung“ in Höhe von 190.900 DM zur Beschaffung eines Analysegerätes mit
Zubehör. Ein derartiges Gerät hatte die Universität bereits 1993 zur Aufnahme in den
Rahmenplan (§ 3 Nr. 4 HBFG) beim Kultusministerium angemeldet. Der Wissenschaftsrat empfahl mit Schreiben vom 26.9.1994 nicht die Aufnahme und begründete
seine Entscheidung damit, daß das Gerät weder durch die Forschungsprojekte noch
durch die Ausbildung und Lehre im erforderlichen Maße ausgelastet werden könne.
Eine 50 %ige Bundesbeteiligung war damit ausgeschlossen.
In einer internen Stellungnahme des Kultusministeriums vom 26.10.1994 zum Förderantrag heißt es u. a.: „Ein Vergleich des diesbezüglichen Antrages der Universität
vom 23.9.1993 mit dem vorliegenden Antrag läßt den Schluß zu, daß nun unter Umgehung der Prüfinstanzen ... dieses Gerät in Kombination mit weiteren Geräten beschafft werden soll. Ich kann somit diesem Antrag nicht zustimmen.“
Trotzdem hat das Kultusministerium die „Zuwendung“ zur Beschaffung des Analysegerätes bewilligt.

(191)

Das Kultusministerium erklärt hierzu, daß sich das Projekt deutlich von HBFGVorhaben unterscheide. Auf der Grundlage des HBFG würden lediglich Maßnahmen
in Lehre und Forschung (ohne Wirtschaftsbezug) unterstützt. Das Projekt der angewandten Forschung habe eine zusätzliche starke Transferkomponente gehabt: Durch
den Transfer der Projektergebnisse in kleinere und mittlere Unternehmen sollten diese in die Lage versetzt werden, neue wettbewerbsfähige Produkte zu entwickeln.
Letztlich sollten auf diese Weise in Mecklenburg-Vorpommern Arbeitsplätze gesi-

128
chert bzw. geschaffen werden.
Das erhebliche Landesinteresse ergäbe sich zudem aus der Tatsache, daß das BMBF
seine Förderung des Projektes „Technologietransferstelle Biotechnologie“ in Höhe
von rd. 1,2 Mio. DM von einer Kofinanzierung des Kultus- und Wirtschaftsministeriums abhängig gemacht hatte.
(192)

Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Beanstandung. Das Kultusministerium
hatte das Gerät zum HBFG-Verfahren angemeldet und ging also seinerzeit selbst davon aus, daß es sich um eine Maßnahme der Forschung und Lehre handelte. Aus den
Akten ergab sich nicht, daß das BMBF eine Förderung des Projektes „Technologietransferstelle Biotechnologie“ von der Anschaffung des Analysegerätes abhängig
gemacht hätte.

(193)

Die Universität beschaffte das Gerät und hat dabei weder eine Öffentliche noch eine
Beschränkte Ausschreibung durchgeführt. Sie hat auch nicht aktenkundig gemacht,
warum bei einem so hohen Auftragsvolumen von einer Ausschreibung abgesehen
worden ist.

(194)

Das Kultusministerium hat die Beanstandungen des Landesrechnungshofes anerkannt. Die Hochschulen seien nochmals darauf hingewiesen worden, daß alle Beschaffungen, die im Rahmen des Forschungsförderungsprogramms ausgeführt werden, über die Beschaffungsstelle der Hochschule abgewickelt werden.

(195)

Mit dem aus der „Zuwendung“ beschafften Analysegerät können mehr als
1.000 Proben pro Tag bei der Fragmentanalyse und 20 Proben pro Tag für die Sequenzierung erreicht werden. Der „Zuwendungsempfänger“ läßt für die Nutzung des
Gerätes ein „Benutzerhandbuch“ führen. Aus diesen Aufzeichnungen geht hervor,
daß das Gerät 1995 an 83 Tagen nur für durchschnittlich 7,9 Proben pro Tag und
1996 an 34 Tagen für durchschnittlich 9,2 Proben pro Tag genutzt wurde. Damit war
das Gerät bei weitem nicht ausgelastet. Die skeptische Einschätzung des Wissenschaftsrates hat sich voll bestätigt. Das bedeutet, daß das Land nicht nur die Beschaffungskosten voll getragen hat, sondern auch, daß das Kultusministerium mit der gesamten Ausgabe gegen § 7 LHO verstoßen hat.

129
(196)

Das Kultusministerium hat hierzu erklärt, das hochspezialisierte Gerät zur Identifizierung von Erbmaterial sei für eine effiziente molekulare biologische Forschung unabdingbar. Es sei allein in der Forschung nicht auslastbar wie eine Produktionsmaschine. Zur Gewährleistung einer höchstmöglichen Auslastung sei das System Bestandteil des Großgeräteparks der Technologietransferstelle Biotechnologie, die damit für alle molekularbiologisch arbeitenden Einrichtungen der Universität die Nutzung des Gerätes als Dienstleistung anbiete. Alle sieben Hochschulinstitute hätten
dies 1997 in Anspruch genommen. Gegenwärtig würden weitere Möglichkeiten des
Einsatzes des Gerätesystems im Transferbereich geprüft. Das Kultusministerium betont, eine forschungs- und transferbedingte Notwendigkeit des Gerätes könne nicht
dadurch in Frage gestellt werden, daß es quantitativ nicht ausgelastet ist.

(197)

Der Landesrechnungshof hält es für geboten, daß das Kultusministerium vor einer
Förderentscheidung nicht nur prüft, ob eine forschungs- und transferbedingte Notwendigkeit besteht. Angesichts der angespannten Haushaltssituation des Landes kann
nicht nur entscheidend sein, ob eine Anschaffung wünschenswert ist. Auch für den
als Sachverständigen fungierenden Wissenschaftsrat war die erwartete Auslastung
des Analysegerätes Grundlage seiner Entscheidungen. Der Landesrechnungshof wird
sich vom Kultusministerium über die Auslastung des Gerätes im Jahre 1997 berichten lassen. Nach seiner Auffassung kann es letztlich nicht im Interesse des Landes
sein, quasi „auf Vorrat“ ein Gerät zu finanzieren, das – sei es im Bereich von Lehre
und Forschung, sei es im Transferbereich – auch nicht annähernd ausgelastet ist.

Übertragung von Aufgaben an das Landesförderinstitut
(198)

Das Kultusministerium hat Ende 1995 dem Landesförderinstitut die Durchführung
von Aufgaben zur Förderung von Forschungsvorhaben in Mecklenburg-Vorpommern
übertragen. Insbesondere sollte es die Antragsunterlagen und die Verwendungsnachweise prüfen und dem Kultusministerium einen Entscheidungsvorschlag machen.
Das Landesförderinstitut ist jedoch nicht berechtigt, im Rahmen der übertragenen
Aufgaben Verwaltungsakte zu erlassen oder öffentlich-rechtliche Verträge abzuschließen.

130
Für die Zeit vom 1.9.1995 bis zum 31.3.1996 sollte das Landesförderinstitut eine
„Gebühr“ in Höhe von insgesamt 204.800 DM erhalten; danach sollte bis zum
31.12.1996 ein Bearbeitungsentgelt auf der Grundlage von Kosten in Höhe von
192.487 DM je Mitarbeiter und Jahr gezahlt werden.
(199)

Das Kultusministerium hat die Aufgaben auf das Landesförderinstitut übertragen,
obwohl es selbst im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsberechnung festgestellt hatte,
daß die Übertragung an das Landesförderinstitut annähernd doppelt so teuer ist wie
die Erfüllung der Aufgaben durch zwei zusätzliche Mitarbeiter im Kultusministerium.

(200)

Das Kultusministerium verweist darauf, seiner Berechnung der entstehenden Ausgaben habe keine Vollkostenrechnung zugrunde gelegen. Eine solche sei aber Grundlage der Berechnung der Entgelthöhe des Landesförderinstitutes gewesen. Insofern seien beide Berechnungen nicht vergleichbar. Aus ihnen ließe sich nicht ableiten, daß
durch die Übertragung höhere Ausgaben entstanden sind. Zudem hätten zusätzliche
Mitarbeiter nicht eingestellt werden können, da freie und besetzbare Stellen nicht zur
Verfügung gestanden hätten.

(201)

Der Landesrechnungshof entnimmt der Äußerung des Kultusministeriums, daß die
Wirtschaftlichkeitsberechnung einen wirtschaftlichen Vorteil für das Land nicht begründen konnte, wenn Vollkosten und Ausgaben verglichen wurden. Die Berechnung
verliert zudem zusätzlich an Aussagekraft, wenn der geplanten Übertragung eine
nach Auffassung des Ministeriums nicht realistische Alternative gegenübergestellt
wurde.
Der Landesrechnungshof erwartet, daß dem Landesförderinstitut Aufgaben nur noch
dann übertragen werden, wenn dadurch ein Kostenvorteil für den Landeshaushalt
entsteht.
Vor einer solchen Entscheidung ist auch nachvollziehbar zu prüfen, ob die Aufgaben
nicht durch vorhandenes Personal, ggf. nach Umorganisation, erledigt werden können bzw. wie viele Stellen durch Wegfall der Arbeit einzusparen sind.

(202)

Der Landesrechnungshof hat ferner festgestellt, daß nur in zwei der von ihm geprüften sieben Förderfälle des Jahres 1994 im Kultusministerium Vermerke zur inhaltlichen Verwendungsnachweisprüfung vorlagen. Aus diesen Vermerken war nicht zu

131
erkennen, daß das Landesförderinstitut an der Prüfung beteiligt gewesen ist.
Bei allen ausgewählten Förderfällen des Jahres 1995 enthielten die Unterlagen bis
Ende Juni 1996 lediglich einen Prüfvermerk dazu, ob der Termin zur Vorlage des
Verwendungsnachweises eingehalten wurde, ob ein Sachbericht und ein zahlenmäßiger Nachweis sowie Belege vorhanden sind und ob der Verwendungsnachweis unterschrieben ist. Die Vermerke wurden in jedem Fall durch Mitarbeiter des Kultusministeriums erstellt.
Das Landesförderinstitut hat also die zweckentsprechende Verwendung der Zuwendung nicht geprüft. Es hat damit die ihm übertragenen Aufgaben nicht erfüllt.
(203)

Das Kultusministerium teilt nicht die Auffassung des Landesrechnungshofes. Nur für
einen Übergangszeitraum sei die Verwendungsnachweisprüfung im beiderseitigen
Einvernehmen zwischen dem Landesförderinstitut und dem Kultusministerium aufgeteilt worden, da sie teilweise Projekte betraf, die vor der Auftragsvergabe an das
Institut in die Wege geleitet wurden.

(204)

Der Landesrechnungshof hält an seiner Auffassung fest. Nach den Vereinbarungen
mit dem Landesförderinstitut hatte dieses die Verwendungsnachweisprüfungen vorzunehmen, ohne daß „alte“ Projekte ausgenommen gewesen wären.

Fehlende Förderrichtlinie
(205)

Für die Vergabe von Zuwendungen zur Förderung von Forschungsvorhaben hatte das
Kultusministerium bisher keine mit dem Finanzministerium und dem Landesrechnungshof entsprechend abgestimmte Förderrichtlinie erlassen und veröffentlicht. Die
Vergabe erfolgte vielmehr in den Jahren 1994 bis 1996 nur auf der Grundlage interner Festlegungen, obwohl in den Erläuterungen zu dem Titel 0710 681 01 MG 04
(Förderung von Forschungsvorhaben und Modellversuchen) bis 1995 ausdrücklich
Richtlinien angekündigt waren. Mit acht Zuwendungen im Jahr 1994, 13 Zuwendungen im Jahr 1995 und 37 Zuwendungen im Jahr 1996 hat das Förderprogramm auch
im Laufe der Zeit einen Umfang an Fallzahlen erreicht, der einen Verzicht auf Förderrichtlinien nicht geraten erscheinen läßt.

(206)

Das Kultusministerium hat dem Landesrechnungshof mit Schreiben vom 9.3.1998
eine mit dem Finanzministerium abgestimmte Förderrichtlinie vorgelegt.

132

Mängel in den Zuwendungsverfahren
(207)

Bei der Antragsprüfung, der Bewilligung und der Kontrolle der Verwendung der Zuwendungen hat der Landesrechnungshof zahlreiche Verstöße gegen die Verwaltungsvorschriften zu § 44 Abs. 1 LHO festgestellt, die teilweise die bereits früher im
Rahmen von Zuwendungsprüfungen getroffenen Feststellungen bestätigen (vgl. z. B.
Nachtrag zum Jahresbericht 1995), teilweise aber auch darüber hinausgehen, wie
z. B.:
−= Die Prüfung der Verwendungsnachweise ist weitgehend unterblieben.
−= Ein Zuwendungsempfänger hat Mittel für Anschlußprojekte erhalten, ohne daß
das Kultusministerium die zweckentsprechende Verwendung der Mittel des vorhergehenden Projektes geprüft hat.

(208)

Das Kultusministerium erkennt die Feststellungen des Landesrechnungshofes im
wesentlichen an. Es habe die Mängel aber bereits abgestellt bzw. werde die Hinweise
künftig beachten. Insbesondere solle durch Straffung des Verfahrens gewährleistet
werden, daß die Verwendungsnachweisprüfung unverzüglich erfolgen kann.

Forschungsvorhaben eines Wissenschaftlers
(209)

Das Kultusministerium hat einem Wissenschaftler 1995 eine Zuwendung in Höhe
von 199.000 DM gewährt. Anders als in allen anderen vom Landesrechnungshof geprüften Fällen hat es bei diesem Forschungsvorhaben eine Zuwendung zu den Personalausgaben für einen Wissenschaftler in Höhe der Bezüge der Vergütungsgruppe
I BAT-O gewährt. In anderen Fällen wurden Personalausgaben für Wissenschaftler
maximal in Höhe der Bezüge der Vergütungsgruppe II a BAT-O bewilligt. Der Landesrechnungshof konnte den Akten nicht entnehmen, inwiefern im Rahmen dieses
Projektes an den Wissenschaftler höhere Anforderungen zu stellen waren, die eine
um drei Stufen höhere Vergütungsgruppe rechtfertigen.

133
(210)

Das Kultusministerium erklärt, der Wissenschaftler werde tarifgerecht vergütet. Der
Aufgabenbereich stelle höchste Anforderungen und sei nur zu erfüllen, wenn eine
hervorragende wissenschaftliche Qualifikation vorhanden ist. Das anspruchsvolle
und mit internationaler Dimension konzipierte Modellvorhaben weise einen in diesem Maße herausragenden Schwierigkeits- und Bedeutungsgrad auf. Der mit der Projektleitung betraute Wissenschaftler besitze die zu fordernde herausragende wissenschaftliche Qualifikation und Befähigung.

(211)

Der Landesrechnungshof hält es für erforderlich, Abweichungen von der sonstigen
einheitlichen Verwaltungspraxis in den Akten nachvollziehbar zu begründen. Im übrigen bezweifelt er, daß es allen anderen Projekten an einer anspruchsvollen und internationalen Dimension fehlte.

(212)

Der Landesrechnungshof hat den Verwendungsnachweis geprüft und festgestellt, daß
der Zuwendungsempfänger Ausgaben geltend gemacht hat, die nicht zuwendungsfähig bzw. nicht belegt sind. Dabei handelt es sich insbesondere um
−= Ausgaben außerhalb des Bewilligungszeitraums in Höhe von insgesamt
6.703,97 DM,
−= Ausgaben für die Gründung und Arbeit eines Vereins, für ein anderes Projekt und
für eine Reise nach Barcelona, die von der Zweckbestimmung der Zuwendung
nicht gedeckt waren, in Höhe von insgesamt 4.087,57 DM,
−= nicht ordnungsgemäß belegte Ausgaben in Höhe von insgesamt 1.946 DM.
Der Zuwendungsempfänger hat zudem nach seinen eigenen Angaben Mehrausgaben
dieses Projektes in Höhe von 5.928,75 DM mit Fördermitteln, die für ein anderes
Forschungsprojekt bestimmt waren, finanziert.
Das Kultusministerium will die Ausführungen des Landesrechnungshofes im Rahmen der Verwendungsnachweisprüfung berücksichtigen.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

134

Vergütungen für Lehraufträge, Gastvorlesungen und
Vergütungen für studentische Hilfskräfte bei den
Fachhochschulen Wismar, Neubrandenburg und Stralsund

Bei einer Querschnittsprüfung der Vergütungen
für Lehraufträge, Gastvorträge, Gastvorlesungen
und studentische Hilfskräfte bei den drei Fachhochschulen des Landes hat der Landesrechnungshof erhebliche Mängel festgestellt, die auf
nicht eindeutig gefaßten Vorschriften und auf
mangelhafter Ausbildung oder nachlässiger Arbeitsweise einzelner Mitarbeiter beruhten.
Die Landesregierung hat den Landtag mit der
Landtagsdrucksache 2/3303 über die Höhe der
Lehrauftragsvergütung falsch unterrichtet.

Der Landesrechnungshof hat die folgenden wesentlichen Feststellungen getroffen:

Unterschiedliche Dauer der Vorlesungszeiten
(213)

Die Fachhochschulen haben ihre Vorlesungszeiten unterschiedlich geregelt. Dadurch
haben sich in den drei Fachhochschulen für das Sommersemester 1996 unterschiedlich lange Vorlesungszeiten ergeben.
Das Kultusministerium hatte dazu zunächst ausgeführt, die unterschiedlichen Vorlesungszeiten seien innerhalb des Studienjahres ausgeglichen worden, so daß für alle
Fachhochschulen dieselbe Anzahl an Vorlesungswochen erreicht worden sei.

135
Nach den Feststellungen des Landesrechnungshofes war dies jedoch keineswegs der
Fall. Aus den Vorlesungsverzeichnissen der drei Fachhochschulen ergaben sich auch
für das gesamte Studienjahr 1996/97 immer noch unterschiedliche Vorlesungszeiten:
Fachhochschule

SommerSemester 1996

WinterSemester 96/97

Gesamt
Studienjahr 96/97

Stralsund

10.3. bis 11.7.

16.9. bis 31.1.

36 Wochen

Neubrandenburg

17.3. bis 11.7.

23.9. bis 31.1.

34 Wochen

Wismar

10.3. bis 19.7.

23.9. bis 15.2.

38 Wochen

Tabelle 24: Vorlesungszeiten Studienjahr 1996/97

(214)

Der Landesrechnungshof hat gefordert, die Vorlesungszeiten der Fachhochschulen zu
vereinheitlichen. Er hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß die Vereinheitlichung der Vorlesungszeit eine Ungleichbehandlung der ordentlichen Professoren hinsichtlich der innerhalb der Regellehrverpflichtung zu leistenden Lehrveranstaltungsstunden ausschließen würde.

(215)

Das Kultusministerium hat daraufhin geantwortet, die Kultusministerkonferenz gehe
derzeit bei Fachhochschulen von einer durchschnittlichen Vorlesungszeit von 36
Wochen aus. Dabei folge sie der Erkenntnis, daß die Zahl der Vorlesungswochen
entscheidend von der in der Studien- und Prüfungsordnung festgelegten Anzahl der
in einem Studiengang zu absolvierenden Semesterwochenstunden abhängig ist.
Das Kultusministerium wolle jedoch eine einheitliche Festlegung, wie vom Landesrechnungshof gefordert, prüfen.

Lehrauftragsvergütungen
(216)

Maßgebend für Vergabe und Vergütung von Lehraufträgen sind die Vorläufigen
Richtlinien über Lehraufträge und Lehrauftragsvergütungen für die Fachhochschulen
des Landes Mecklenburg-Vorpommern (Vorläufige Richtlinien) vom 1. April 1992
i. d. F. vom 23. März 1993.

136
Vergabe der Lehraufträge
(217)

Lehraufträge dürfen nur vergeben werden, soweit ein Lehrbedarf besteht, der nicht
durch andere, insbesondere nicht durch eine im Rahmen des Hauptamtes auszuübende Lehrtätigkeit der für das betreffende Fachgebiet vorhandenen Lehrkräfte gedeckt
werden kann (§ 2 der Vorläufigen Richtlinien).
Vor dem Abschluß der Verträge mit den Lehrbeauftragten haben die Hochschulverwaltungen u. a. die Notwendigkeit zur Vergabe der einzelnen Lehraufträge zu prüfen.
Sie können ihrem Prüfauftrag jedoch häufig nicht nachkommen, weil ihnen die dazu
benötigten Unterlagen nicht zur Verfügung stehen.
Gleichwohl wurden gelegentlich Lehraufträge vergeben, obwohl die Möglichkeit bestand, hauptamtliches Personal einzusetzen.
Der Landesrechnungshof hat daher die Entwicklung eines Verfahrens für die Genehmigung von Lehraufträgen gefordert, das die Hochschulverwaltungen in die Lage
versetzt, ihrer Prüfpflicht insbesondere hinsichtlich der Auslastung des hauptamtlichen Personals zu genügen.

(218)

Das Kultusministerium hat geantwortet, die Prüfung der Einhaltung der Lehrverpflichtung obliege dem jeweiligen Fachbereich im Rahmen der Organisation der Studiengänge und der Abnahme der Prüfungen. Eine Prüfung der Verwaltung über die
Notwendigkeit eines Lehrauftrages könne sie aufgrund des nach § 11 Abs. 3 Landeshochschulgesetz (LHG) regelmäßig zu erstellenden Lehrberichts vornehmen. Es
müsse bezweifelt werden, ob weitere Kontrollinstrumente notwendig sind, um eine
Prüfung zu ermöglichen.
Dem kann der Landesrechnungshof nicht folgen. Der Kanzler einer Fachhochschule
in seiner Eigenschaft als Beauftragter für den Haushalt (BfH) nach § 9 LHO ist verantwortlich für die Ausführung des Haushaltsplanes der Fachhochschule; hierbei hat
er auch darüber zu wachen, daß die Einnahmen und Ausgaben nach den für die
Haushalts- und Wirtschaftsführung geltenden Vorschriften und Grundsätzen bewirtschaftet werden. Insbesondere hat er darauf hinzuwirken, daß die Grundsätze der
Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit (§ 7 LHO) beachtet werden (vgl. VV Nr. 3.3.1 zu
§ 9 LHO). Diese Aufgaben kann der BfH nur erfüllen, wenn er rechtzeitig bei allen
Maßnahmen mit finanziellen Auswirkungen beteiligt wird. Es reicht keinesfalls aus,

137
ihn auf den i. d. R. nur in zweijährigem Rhythmus – nachträglich – zu erstellenden
Lehrbericht zu verweisen.
Der Landesrechnungshof hält es nach wie vor für geboten, ein Verfahren für die Genehmigung von Lehraufträgen zu entwickeln, das die Hochschulverwaltungen und
den BfH in die Lage versetzt, ihren Prüfpflichten nachzukommen.

Vergabe von Lehraufträgen an hauptamtliche Professoren
(219)

In zwei Fällen wurden Lehraufträge an hauptamtliche Professoren der eigenen Fachhochschule vergeben und honoriert. Die Lehrveranstaltungen waren dem Hauptamt
der Professoren zuzuordnen. Insgesamt wurden 52 Stunden mit 2.126,80 DM zusätzlich vergütet.
Eine finanzielle Entschädigung für Mehrarbeit im Hauptamt war nicht zulässig.
Das Kultusministerium hat die Fehler, deren Ursprünge im Jahr 1993 liegen, eingeräumt.

Zweckwidrige Verwendung von Haushaltsmitteln
(220)

Eine Fachhochschule hat Haushaltsmittel für Lehrveranstaltungen verwendet, die
nach Auffassung des Landesrechnungshofes nicht als „Ergänzung des Lehrangebotes“ einer Fachhochschule i. S. von § 2 Abs. 1 der Vorläufigen Richtlinien angesehen
werden konnten:
−= Mit einem Sportlehrer wurde in einem Lehrauftrag vereinbart, den Studenten „zur
Förderung der Lernfähigkeit die ‘Asiatischen Methoden – Karate Do’“ zu vermitteln.
= Der Begründung der Fachhochschule, daß hierdurch das zulässige Lehrangebot
hervorragend ergänzt werde, konnte der Landesrechnungshof nicht folgen. Bei
dieser Veranstaltung handelte es sich nicht um eine Ergänzung des Lehrangebotes,
weil sie keine Verbindung mit den angebotenen Studiengängen erkennen läßt.
Vielmehr war es ein Freizeitsportangebot, das möglicherweise aus dem der Fachhochschule zur Verfügung stehenden Sportfonds teilfinanziert werden konnte. In
keinem Falle aber war die Höhe der aus Haushaltsmitteln gezahlten Vergütung zu
rechtfertigen. Anstelle einer Stundenvergütung für einen Professor hätte nach dem

138
Erlaß des Kultusministeriums zur Erstattung der Kosten für die Hochschulsportförderung vom 31. August 1995 allenfalls die Vergütung für einen Trainer und
Übungsleiter gezahlt werden dürfen. Der Schaden für das Land betrug
rd. 5.000 DM.
= Das Kultusministerium hat sich in seiner Antwort die Argumentation der Fachhochschule zu eigen gemacht. Es führt aus, die Fachhochschule habe den KarateLehrgang im Rahmen der den Hochschulen als gesetzliche Pflichtaufgabe nach
§ 3 LHG obliegenden Sportförderung angeboten. Die Höhe der Vergütung sei gerechtfertigt gewesen, weil es sich bei dem gewonnenen Karatelehrer um einen
Großmeister gehandelt habe, dessen Qualifikation mit der eines Europameisters zu
vergleichen gewesen sei.
= Dazu bemerkt der Landesrechnungshof: Selbst wenn es sich bei dem durchgeführten Karate-Lehrgang um eine Maßnahme im Rahmen der Sportförderung nach
§ 3 LHG handelte, wäre ausschließlich der o. g. Erlaß anzuwenden gewesen.
−= Ein Lehrbeauftragter hat im Rahmen eines Werkvertrages zwei Lehrgänge „Führung und Verantwortung auf See“ durchgeführt. An den Lehrgängen haben neben
anfänglich 27 Studenten auch zehn Mitarbeiter der Fachhochschule teilgenommen. Die Studenten stellten im Verlaufe des Lehrgangs ihre Teilnahme ein, so daß
der Lehrgang nur noch für die Mitarbeiter der Fachhochschule weitergeführt wurde.
= Nach Auffassung des Landesrechnungshofes hätte hier eine anteilige Erstattung
der Kosten durch die Mitarbeiter erfolgen müssen. Der Landeshaushalt wurde
zweckwidrig mit rd. 7.300 DM belastet. Das Etatrecht des Landtages wurde verletzt.
= Das Kultusministerium ist auch in diesem Fall der Argumentation der Fachhochschule gefolgt; diese Lehrgänge seien ebenfalls im Rahmen der Sportförderung
nach § 3 LHG durchgeführt worden. Die Sportförderung an Hochschulen beziehe
sich im übrigen nicht nur auf die Studenten, sondern auch auf die anderen Mitglieder der Hochschule. Auch die Anzahl der teilnehmenden Studenten sei kein
Kriterium; keine Lehrveranstaltung könne abgebrochen oder eingestellt werden,
wenn die Studenten die Veranstaltung zwischendurch verließ und nur noch Dozenten und/oder Mitarbeiter zurückblieben.

139
= Der Landesrechnungshof bezweifelt nach wie vor, daß es sich bei Lehrgängen, in
deren Rahmen der „Sportboot-Führerschein“ (d. h. Fahrerlaubnis für Motorboote)
erworben wurde, um Veranstaltungen im Rahmen der Hochschulsportförderung
handelte. Vor dem Hintergrund der seit Jahren äußerst angespannten Haushaltslage kann eine derartig weite Auslegung des Begriffs „Hochschulsportförderung“
nicht mehr nachvollzogen werden.

Durchführung von Blockveranstaltungen
(221)

Die Fachhochschulen führten Blockveranstaltungen durch, in denen Lehrbeauftragte
ein Themengebiet in komprimierter Form – teilweise an einem Wochenende – abhandelten. Bei einer Fachhochschule wurden diese Veranstaltungen häufig von Freitag bis Sonntag in einem Umfang von bis zu 16 Lehrveranstaltungsstunden täglich
durchgeführt.
Der Landesrechnungshof hat die Auffassung vertreten, daß die Konzentration der
Lehrenden und Studierenden über eine derartig lange, ununterbrochene Unterrichtszeit nicht in dem Umfange erhalten bleibt, wie sie für den Lernerfolg wünschenswert
wäre. Er hat deshalb empfohlen, Lehraufträge in Blockveranstaltungen nur in dem
Umfang zu vergeben, der den gewünschten Lernerfolg gewährleistet und die dafür
eingesetzten Haushaltsmittel effizient nutzt.

Vergütung
(222)

Die Vorläufigen Richtlinien sehen in § 6 unterschiedliche Vergütungssätze vor für
−= Lehrbeauftragte mit herausragender Bedeutung,
−= Lehrbeauftragte, die ein wissenschaftliches Studium abgeschlossen haben und
Lehraufgaben eines Professors wahrnehmen,
−= Lehrbeauftragte als Lehrkräfte für besondere Aufgaben mit wissenschaftlicher
Ausbildung oder entsprechender Qualifikation und
−= andere Lehrbeauftragte.

140
(223)

Zum Zeitpunkt der örtlichen Erhebungen erhielten Lehrbeauftragte, die die Voraussetzungen für ihre Bestellung im Beitrittsgebiet erworben haben, nur 80 % der Vergütung, die für einen Lehrbeauftragten mit Ausbildung in einem Altbundesland gezahlt werden konnte.
Der Landesrechnungshof hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß die
Landesregierung die in der Kleinen Anfrage Drs. 2/3231 enthaltene Frage Nr. 1 „Ist
es richtig, daß bei Vergütungssätzen für freie Lehraufgaben zwischen Honorarkräften aus den alten und neuen Bundesländern unterschieden wird? Wenn ja, in welcher
Weise, in welchen Bildungsbereichen, und aus welchem Grund?“ falsch beantwortet
hat. In der Drs. 2/3303 führt die Landesregierung nämlich entgegen der in § 6 der
Vorläufigen Richtlinien enthaltenen Regelung aus, eine „...Unterscheidung zwischen
Honorarkräften aus alten und neuen Bundesländern erfolgt in der Regel nicht“. Der
Landesrechnungshof hat dies beanstandet.

(224)

Das Kultusministerium hat geantwortet, aus seiner Sicht sei die Kleine Anfrage nicht
falsch beantwortet worden; denn die Formulierung „in der Regel“ weise darauf hin,
daß Ausnahmen möglich seien. Eine solche Ausnahme bilde die Lehrauftragsvergütung im Hochschulbereich.
Dieser Auffassung kann der Landesrechnungshof nicht folgen. Eine vom Kultusministerium erlassene Regelung, die verbindlich für den gesamten Hochschulbereich
des Landes gilt, kann nicht als „Ausnahme“ bezeichnet werden.
Der Landesrechnungshof hält es für erforderlich, die Antwort gegenüber dem Landtag richtigzustellen.

(225)

Im Gegensatz zu den drei Fachhochschulen im Bereich des Kultusministeriums gewährt die der Aufsicht des Innenministeriums unterstehende Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege für alle Lehraufträge eine einheitliche Stundenvergütung von 40 DM. Sie unterscheidet weder zwischen den unterschiedlichen
Qualifikationen der Lehrbeauftragten noch nach dem Erwerb der Qualifikation in den
alten oder neuen Bundesländern.

(226)

Nach Abschluß der örtlichen Erhebungen hat das Kultusministerium die Vorläufigen
Richtlinien durch Erlaß vom 17. September 1997 dahingehend geändert, daß die

141
Vergütungen für Lehraufträge mit Wirkung vom 1. 9. 1997 dem derzeitigen Tarifniveau (Ost) – das sind 85 % – angepaßt wurden.
(227)

Die Fachhochschulen haben außerdem eine gegenüber den Volkshochschulen bestehende ungünstige Wettbewerbssituation beklagt, die durch deutlich höhere Honorarsätze für Lehrkräfte gekennzeichnet sei.
Der Landesrechnungshof hat daher angeregt, etwaige Ungereimtheiten im Verhältnis
zu den Vergütungen an Volkshochschulen zu bereinigen.

(228)

Das Kultusministerium hat geantwortet, im Rahmen ohnehin anstehender Gespräche
zur Höhe der Lehrauftragsvergütungen auf der Ebene der zuständigen Fachministerkonferenzen würden auch bestehende Ungleichgewichte im Verhältnis zu den Volkshochschulen auszugleichen sein.

(229)

Die Lehrbeauftragten müssen vor Erteilung eines Lehrauftrages ihre Lehrbefähigung
und persönliche Eignung durch Zeugnisse nachweisen. Diese Vorgabe wurde nicht
immer beachtet. Dadurch wurden zu hohe Sätze an Stundenvergütungen gezahlt.
So wurde einem Lehrbeauftragten, der eine Ausbildung als Koch und Restaurantfachmann nachwies, eine Stundenvergütung von 40,90 DM gezahlt. Seiner Ausbildung entsprechend hätte ihm jedoch nur eine Stundenvergütung von 22,60 DM zugestanden. Der Lehrbeauftragte wurde mit rd. 3.500 DM überzahlt.
In einem weiteren gleichgelagerten Fall betrug die Überzahlung rd. 3.400 DM.

(230)

Das Kultusministerium hat geantwortet, diese vom Landesrechnungshof aufgegriffenen Fehler seien durch eine Verkettung von Unzulänglichkeiten seitens der Hochschulverwaltung, des beantragenden Fachbereichs und des Lehrbeauftragten selbst
aufgetreten. Das Ministerium werde diesen Vorgang zum Gegenstand einer fachaufsichtsrechtlichen Prüfung nach § 121 Abs. 3 LHG machen.

Erstattung der Reisekosten
(231)

Neben der Lehrauftragsvergütung werden den Lehrbeauftragten nach Maßgabe des
§ 7 der Vorläufigen Richtlinien die entstandenen Fahrkosten und sonstigen Mehraufwendungen erstattet.

142
Die Regelungen des § 7 sahen zur Abgeltung der Reise- und Aufenthaltskosten einen
„Pauschalbetrag bis zur Höhe eines Tagegeldes der Reisekostenstufe B des Bundesreisekostengesetzes (BRKG) für den Vorlesungstag zuzüglich der Kosten für eine Eisenbahnfahrt in der 1. Klasse“ vor. Seit dem 1.1.1997 enthält das BRKG jedoch keine Unterteilungen in Reisekostenstufen mehr; das Tagegeld bestimmt sich vielmehr
nur noch nach den Vorschriften des § 4 Einkommensteuergesetz. Diese Änderung
war bis zum Ende der örtlichen Erhebungen nicht in die Vorläufigen Richtlinien eingeflossen.
(232)

Bei der Abrechnung der Reisekosten ist aufgefallen, daß Lehrbeauftragte häufig aus
großer Entfernung anreisen und gerade diese Abrechnungen vielfach fehlerhaft waren. In etlichen Fällen wurden die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit
nicht beachtet.

(233)

Bei zwei Fachhochschulen erfolgte die Abrechnung der Reisekosten nicht in allen
Fällen nach der kostengünstigsten Variante.
Mögliche Fahrpreisermäßigungen wurden nicht immer ausgenutzt. Ein vom Landesrechnungshof durchgeführter Kostenvergleich für das Wintersemester 1995/1996 und
das Sommersemester 1996 hat ergeben, daß z. B. nur dadurch, daß die BahnCard
nicht genutzt worden war, allein bei einer Fachhochschule Haushaltsmittel in Höhe
von rd. 11.000 DM unnötigerweise ausgegeben wurden.

(234)

An einen Lehrbeauftragten wurden Reisekosten von insgesamt rd. 15.000 DM gezahlt, obwohl er in der Umgebung des Ortes der Hochschule wohnte und damit keinen Anspruch auf eine Erstattung hatte.
Die Zahlungen erfolgten, obwohl der Lehrbeauftragte der Fachhochschule seinen
Wohnort mitgeteilt und in seinen Abrechnungsunterlagen keine Reisekostenerstattungen gefordert hatte.
Der Lehrbeauftragte hat sich inzwischen zur Rückzahlung bereit erklärt.

(235)

Die Ursache für die festgestellten Mängel lag teilweise in der nicht ausreichenden
Kenntnis der entsprechenden Vorschriften, teilweise auch in der Oberflächlichkeit
der Bearbeitung.

143
Darüber hinaus waren die Bestimmungen des § 7 der Vorläufigen Richtlinien aufgrund ihres nicht eindeutigen Wortlauts dazu angetan, die Fachhochschulen bei
durchweg gleichen Sachverhalten zu unterschiedlichsten Abrechnungen zu bringen.
Sie haben auch die festgestellten Bearbeitungsfehler begünstigt.
(236)

Mit seinem Erlaß vom 17. September 1997 hat das Kultusministerium auch die Abrechnung der Reisekosten dem geänderten Reisekostenrecht angepaßt. Der Erlaß
sieht nunmehr die getrennte Abrechnung der Reisekosten – nämlich Tagegeld, Übernachtungsgeld und Fahrkosten – vor.
Hinsichtlich der Abrechnung der Fahrkosten verweist der Erlaß nur auf § 5 BRKG.
Diese Vorschrift regelt jedoch nur die Fahrkostenerstattung für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Eine Regelung für die Erstattung von Fahrkosten bei Benutzung privater Kraftfahrzeuge fehlt jedoch.
Diese Regelungslücke birgt die Gefahr weiterer Fehler in sich.
Der Landesrechnungshof hat deshalb empfohlen, künftig anstelle detaillierter Einzelregelungen, die im übrigen häufig anzupassen wären, pauschal auf die einschlägigen
Vorschriften des Reisekostenrechts zu verweisen.

(237)

Der Landesrechnungshof hat das Kultusministerium und die Fachhochschulen aufgefordert, die aufgezeigten Mängel abzustellen und Fehlzahlungen unter Beachtung der
einschlägigen Bestimmungen zu berichtigen. Soweit überzahlte Beträge nicht mehr
zurückerstattet und damit finanzielle Schäden für das Land nicht mehr ausgeglichen
werden können, hat er gefordert, die Regreßfrage zu prüfen.
Außerdem hat der Landesrechnungshof eine gründliche Schulung des mit der Bearbeitung befaßten Personals sowie eine straffere Dienstaufsicht gefordert.

(238)

Das Kultusministerium hat die Feststellungen des Landesrechnungshofes im wesentlichen bestätigt. Es hat zugesagt, durch verstärktes Kontrollieren und organisatorische Verbesserungen bei den Arbeitsabläufen im Personaldezernat und in der Zusammenarbeit mit den Fachbereichen werde für Abhilfe gesorgt.

144

Vergütung von Gastvorträgen und Gastvorlesungen
(239)

Maßgebend für die Vergütung von Gastvorträgen und Gastvorlesungen ist die Richtlinie über die Vergütung von Gastvorträgen und Gastvorlesungen vom 29. Dezember
1995 (AmtsBl. M-V 1996 S. 82). Hiernach werden die Vergütungen als Pauschalen
in unterschiedlicher, von der Entfernung zwischen Wohnort des Vortragenden und
dem Hochschulort abhängiger Höhe gewährt. Bei den Pauschalen handelt es sich um
Höchstsätze. Die Fachhochschulen haben dadurch den Spielraum, je nach Qualifikation oder Bedeutung des Vortragenden über die Honorare zu verhandeln.
Nach den Feststellungen des Landesrechnungshofes hat jedoch lediglich eine Fachhochschule regelmäßig eine Abstufung der Honorare unter Berücksichtigung von
Qualifikation oder Bedeutung des Vortragenden vorgenommen; die anderen beiden
Fachhochschulen haben die jeweiligen Höchstsätze regelmäßig voll ausgeschöpft.

Beschäftigung studentischer Hilfskräfte
(240)

Nach § 58 Abs. 3 LHG und Abschnitt B Nr. 3 der Richtlinien über die Beschäftigung
und Arbeitsbedingungen wissenschaftlicher und studentischer Hilfskräfte an den
Hochschulen des Landes Mecklenburg-Vorpommern vom 6. Juni 1995 –Az VII 320–
(AmtsBl. M-V S. 647) kann eine studentische Hilfskraft i. d. R. nur dann eingestellt
werden, wenn sie das Grundstudium abgeschlossen hat.
In einer Fachhochschule stellte der Landesrechnungshof fest, daß von 69 abgeschlossenen Arbeitsverträgen eines Fachbereiches 25 studentische Hilfskräfte bei Aufnahme der Tätigkeit ihr Grundstudium noch nicht beendet hatten.
Der betroffene Fachbereich hat dazu erklärt, die Einstellung einer studentischen
Hilfskraft sei i. d. R. nur dann sinnvoll, wenn sie wegen des erheblichen Vorbereitungsaufwandes und der notwendigen Einarbeitungszeit dem Professor über zwei
Semester zur Verfügung stehe.
Das Grundstudium wird nach dem dritten Semester abgeschlossen. Das fünfte Semester ist als Praxissemester angelegt, in dem sich die Studenten nicht an der Fachhochschule befinden.

145
Bei Beachtung der Richtlinie wären nur Studenten des vierten Semesters als Hilfskräfte verfügbar gewesen. Studenten höherer Semester zeigen für die Tätigkeit kein
Interesse, weil sie sich bereits auf ihre Diplomprüfungen vorbereiten.
Dem Landesrechnungshof erschien diese Argumentation schlüssig. Er hat daher angeregt, den Fachhochschulen die Möglichkeit zu eröffnen, nicht nur in Ausnahmefällen besonders geeignete Studenten auch vor Beendigung des Grundstudiums als studentische Hilfskräfte zu beschäftigen.
(241)

Der Landesrechnungshof hat gefordert, die Vorschriften – soweit noch nicht geschehen – zu überarbeiten und den Bedürfnissen der Fachhochschulen anzupassen.
Das Kultusministerium hat zugesagt, eine entsprechende Änderung der Vorschriften
zu prüfen.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

146

Zuwendungen des Landes für den Sportstättenbau

Die Richtlinien für den Sportstätten- und Sporthallenbau sind in einigen Punkten durch das Kultusministerium zu überarbeiten. So sollte beispielsweise das bestehende Kumulierungsverbot
aus wirtschaftlichen und praktischen Gründen
überdacht werden.
Durch das Kultusministerium ist die Rückforderung

einer

Zuwendungen

in

Höhe

von

353.000 DM für einen Sportplatzneubau zu prüfen, da diese Maßnahme unberechtigter Weise
gefördert wurde.
Die Zuwendungsempfänger haben mehrfach die
Bestimmungen der VOB nicht beachtet und damit gegen die Nebenbestimmungen der Zuwendungsbescheide verstoßen.
Die für den Bau einer Mehrzwecksporthalle abgeschlossenen Ingenieur- und Architektenverträge waren zu überarbeiten, da diese für den Zuwendungsempfänger ungünstige Honorarvereinbarungen enthielten.

(242)

Der Landesrechnungshof hat im Geschäftsbereich des Kultusministeriums das Zuwendungsverfahren für den Bau von Sportstätten des Breitensports der Haushaltsjahre 1992 bis 1995 (Kapitel 0728 Titel 883 61 „Baumaßnahmen –Sportstättenbau –
Breitensport“ und Titel 883 02 „Sporthallenprogramm“) stichprobenweise geprüft. In
diesem Prüfungsverfahren wurde insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit
die baufachlichen Nebenbestimmungen der Bewilligungsbescheide und die Bestimmungen der VOB, VOL und HOAI sowie die einschlägigen DIN-Vorschriften Beachtung fanden.

147

Richtlinien
(243)

Das Land Mecklenburg-Vorpommern gewährt gemäß den „ Grundsätzen für die öffentliche Sportförderung des Landes Mecklenburg-Vorpommern“ vom 24. Juni 1991
(AmtsBl. M-V S. 515) und nach Maßgabe der „Richtlinien zur Förderung des Sportstättenbaus in Mecklenburg-Vorpommern“ (Erlaß des Kultusministers vom 13. Dezember 1991, AmtsBl. M-V 1992 S. 19) Zuwendungen für
−= den Neubau, die Erweiterung und den Umbau,
−= die Modernisierung und Instandsetzung
von Sportstätten sowie deren Erstausstattung mit Sportgeräten.
Seit dem 1. 3. 1994 sind speziell für den Bau von Sporthallen die „Richtlinien zur
Förderung des Baues von Sporthallen in Mecklenburg-Vorpommern“ (Erlaß der Kultusministerin vom 25. Februar 1994, AmtsBl. M-V S. 239, zuletzt geändert durch Erlaß der Kultusministerin vom 20. Februar 1996, AmtsBl. M-V S. 274) anzuwenden.
Gegenstand der Förderung sind
−= die Instandsetzung, die Modernisierung und der Umbau,
−= der Erweiterungs- und Ersatzbau von Sporthallen und
−= die damit im Zusammenhang stehende Beschaffung von Sportgeräten.
Die Förderung erfolgt als Anteilfinanzierung mit bis zu 50 % der zuwendungsfähigen
Ausgaben.

(244)

Die 1994 errichtete Sporthalle mit einer Zuschauertribüne für ein Gymnasium wurde
mit Schulbaufördermitteln in Höhe von 1,3 Mio. DM und Fördermitteln für den
Sportstättenbau in Höhe von 428.500 DM bezuschußt.
Die Richtlinien zur Förderung des Sportstättenbaues lassen nach Nr. 4.6 eine Kumulierung mit anderen Fördermitteln des Landes grundsätzlich nicht zu.
Da für den Landesrechnungshof Ausnahmetatbestände, die ein Abweichen von der
Bestimmung des Kumulierungsverbotes rechtfertigen würden, nicht ersichtlich waren, wurde das Kultusministerium aufgefordert zu prüfen, ob die zusätzliche Bewilligung der Sportstättenfördermittel zulässig war oder ob die Zuwendung zurückzufordern ist.

148
Das Kultusministerium erklärte, um den Wettkampfsport zu ermöglichen, habe man
von der Ausnahmemöglichkeit des Kumulierungsverbotes Gebrauch gemacht und
habe den über die Bemessungswerte der Schulbaurichtlinien herausgehenden Mehrbedarf bezuschußt. In den Schulbaurichtlinien von 1992 bestände zwar die Ausnahmemöglichkeit der Finanzierung von Mehrflächen, in der Praxis würde aber die Anerkennung des Raumprogrammes strikt nach der Klassenstärke bemessen. Eine
Rückforderung käme insofern nicht in Betracht.
Der Landesrechnungshof hat diesen Sachverhalt zum Anlaß genommen und das Kultusministerium gebeten, das Kumulierungsverbot nach Nr. 4.6 der Sportstättenrichtlinien sowie Nr. 5.6 der Sporthallenrichtlinien aus wirtschaftlichen und praktischen
Gründen zu überdenken, da insbesondere bei Sporthallen eine Trennung der Nutzung
(Schul- bzw. Breitensport) auch im Hinblick auf die fehlenden Sporthallen kaum
möglich erscheint.
Zwischenzeitlich wurde die Streichung des Kumulierungsverbotes bei der Überarbeitung der Sportstättenrichtlinien durch das Kultusministerium zugesagt.
(245)

Bei der Förderung des Neubaus einer Mehrzwecksporthalle wurden durch das Kultusministerium 500.000 DM für die Zuschauertribüne als zuwendungsfähige Ausgaben anerkannt. Nach Auffassung des Landesrechnungshofes lassen die Richtlinien
zur Förderung des Baues von Sporthallen eine Förderung der Ausgaben für Zuschauertribünen nicht zu.
Das Kultusministerium erklärte dazu, daß es in den 1994 erarbeiteten Richtlinien für
die Förderung des Baues von Sporthallen in Mecklenburg-Vorpommern irrtümlich
versäumt worden sei, die Bemessungsrichtwerte für Zuschauertribünen aus den
"Richtlinien zur Förderung des Sportstättenbaues in Mecklenburg-Vorpommern" aus
dem Jahre 1991 zu übernehmen. Intern seien die Pauschalansätze für Zuschauertribünen aus den ursprünglichen Sportstättenrichtlinien weiter verwendet worden.
Der Landesrechnungshof erwartet eine zeitnahe Ergänzung und Überarbeitung der
Richtlinien. Angesichts der knappen Haushaltsmittel gibt der Landesrechnungshof
jedoch zu bedenken, daß das vorrangige Ziel der Sporthallenförderung nicht die Förderung des Wettkampfsportes und die damit in Zusammenhang stehenden Förderung
des Tribünenbaues, sondern die Versorgung mit nutzbarer Sportfläche ist. Bei künftigen Bewilligungen ist dies verstärkt zu beachten.

149

Unberechtigte Förderung einer Maßnahme
(246)

Das Kultusministerium gewährte 1992 einer Gemeinde für den Neubau eines Sportplatzes eine Zuwendung in Höhe von 353.000 DM. Zusätzlich wurden durch das Sozialministerium für den Sportplatzneubau im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme Fördermittel gewährt (vgl. Jahresbericht 1997, Tz. 328).
Den maßnahmebezogenen Einnahmen von rd. 2,9 Mio. DM standen Ausgaben in
Höhe von rd. 2,6 Mio. DM gegenüber.
Der Landesrechnungshof beanstandete, daß die Gemeinde bei der Antragstellung
dem Kultusministerium einen Finanzierungsplan vorlegte, in dem die Gesamteinnahmen und -ausgaben für die Maßnahme „Sportplatzneubau“ nicht vollständig dargestellt waren. Die Gemeinde hat damit gegen die Bestimmungen der VV-K Nr. 3.1
zu § 44 Abs. 1 LHO verstoßen.
Die Zuwendungsgeber haben gem. VV-K Nr. 1.4 zu § 44 Abs. 1 LHO vor Bewilligung Einvernehmen u. a. über die zu finanzierende Maßnahme, die Finanzierungsart
und die Höhe der Zuwendung herbeizuführen, wenn für den selben Zweck Zuwendungen ausnahmsweise von mehreren Stellen des Landes bewilligt werden. Dies
wurde nicht beachtet.
Der Zuwendungsempfänger konnte somit den Zuwendungsbescheid durch Angaben
erwirken, die in wesentlicher Beziehung unrichtig bzw. unvollständig waren. Das
Kultusministerium wurde daher aufgefordert zu prüfen, ob gem. VV- K Nr. 8.2.2 zu
§ 44 Abs. 1 LHO der Zuwendungsbescheid ganz oder teilweise zurückzunehmen ist.
Das Kultusministerium ist den Beanstandungen grundsätzlich beigetreten.
Zur Vermeidung unzumutbarer Härten werde geprüft, ob in Abstimmung mit dem
Finanzministerium eine Stundung bzw. teilweiser Erlaß des Rückforderungsbetrages
möglich sei.
Das Innenministerium weist darauf hin, daß zunächst auf die geforderte Rückzahlung
der Fördermittel verzichtet werden sollte, da die Gemeinde gegenwärtig mit
rd. 2 Mio. DM Fehlbeträgen belastet sei. Ein Haushaltsausgleich sei in den nächsten
vier Jahren angestrebt. Eine Rückzahlung des Zuschusses zum jetzigen Zeitpunkt
könne eine Gefährdung der kommunalen Pflichtaufgaben nach sich ziehen.

150
Der Landesrechnungshof hält es für gerechtfertigt, die finanzielle Situation der Gemeinde durch eine Stundung oder teilweisen Erlaß des Rückforderungsbetrages entsprechend zu berücksichtigen.

Vergabeverstöße
(247)

Bei der Prüfung der Vergabeunterlagen für die Sanierung eines Sportplatzes wurde
eine Reihe von Verstößen gegen die VOB festgestellt. So erfolgte beispielsweise:
−= eine Beschränkte Ausschreibung, obwohl hierfür die Ausnahmetatbestände nach
§ 3 Nr. 3 Abs. 1 VOB/A nicht vorlagen,
−= eine wesentliche Mengenänderung nach Ausschreibung der Leistung aufgrund unzureichender Planung des Vorhabens, so daß erhebliche Leistungen nicht dem
Wettbewerb unterlagen (§ 9 Nr. 1 und § 16 Nr. 1 VOB/A),
−= eine unzureichende Prüfung der Angebote (§ 23 Nr. 2 VOB/A) sowie der Rechnungsbelege durch den Auftraggeber (§ 14 Nr. 1 und § 16 Nr. 1 VOB/B).
Das Kultusministerium erklärt in seiner Stellungnahme: „ ... Der Bestimmungszweck
ergibt sich jeweils aus dem materiellen Förderzweck des Förderprogrammes in Verbindung mit § 23 LHO. Es kommt dabei nicht auf die entfernteren Zwecke an, wie sie
sich z. B. aus der VOB ergeben (Sicherung des Wettbewerbs) ... Die Zuwendung
wurde ... nicht aus vergabepolitischen Gründen, sondern wegen des staatlichen Interesses der Förderung des Sportstättenbaues gewährt. ...
Eine Rückforderung kommt regelmäßig nur insoweit in Betracht, als die Verletzung
von Vergaberichtlinien zu einer Verteuerung des Vorhabens und damit zu einer Vergrößerung des staatlichen Zuschußbedarfs geführt hat. ... “
Dies sei im konkreten Fall nicht geschehen.
Der Landesrechnungshof bemerkt, daß durch die Wahl der Beschränkten Ausschreibung der erforderliche Wettbewerb gem. § 2 Nr. 1 VOB/A in unzulässiger Weise
eingeschränkt wurde.
Der Landesrechnungshof sieht nur durch einen fairen und ordnungsgemäßen Wettbewerb nach VOB/A angemessene Preise – im Sinne des Auftraggebers auf der Basis
der sparsamen Verwendung der Haushaltsmittel – und damit ein für den Auftraggeber wirtschaftliches Bauen gewährleistet. Infolge der Wettbewerbsbeschränkung

151
kann daher das Kultusministerium auch nicht feststellen, ob ein wirtschaftliches Ergebnis erreicht worden ist.

152
Die Stellungnahme des Kultusministeriums macht deutlich, daß auch bei den Zuwendungsgebern die gesetzliche Verpflichtung zur Anwendung der Bestimmungen
der VOB nicht ausreichend bekannt ist. Der Landesrechnungshof hält es daher für
dringend erforderlich, daß hierauf nochmals aufmerksam gemacht wird.
Des weiteren wird eine verantwortungsvollere Kontrolle der Einhaltung der Nebenbestimmungen durch den Zuwendungsgeber – angesichts immer knapper werdender
Haushaltsmittel – durch den Landesrechnungshof nachdrücklich erwartet.
(248)

Die Rohbauarbeiten (Los I) einer Mehrzwecksporthalle wurden öffentlich ausgeschrieben. Für die ausgeschriebenen Leistungen gingen elf Angebote ein. Entsprechend der Empfehlung des eingeschalteten Ingenieurbüros wurde mit den fünf preisgünstigsten Anbietern jeweils ein Bietergespräch geführt. Dazu wurden Leistungen
mit einem Wertumfang von rd. 20 bis 24 % der Angebotsendsumme herausgelöst
und insbesondere durch Leistungen mit geänderten Mengenansätzen ersetzt. Nach
Wertung der geänderten Angebote erhielt der ursprünglich zweitgünstigste Bieter den
Auftrag.
Auch bei Los Rohbau II wurden mit den preisgünstigsten Bietern Bietergespräche
nach dem Eröffnungstermin geführt, in deren Ergebnis das Los Rohbau II in zwei
Aufträge aufgeteilt und an zwei Auftragnehmer vergeben wurde. Zugleich wurden
diese beiden Firmen aufgefordert, zu bestimmten Positionen neue Einheitspreise zu
bieten.
Die mit den Bietern im Zeitraum nach Eröffnungstermin und vor Auftragserteilung
geführten „Gespräche“ überschreiten jedoch deutlich den in § 24 VOB/A angegebenen zulässigen Umfang von Bietergesprächen und haben zu ungesunden Begleiterscheinungen i. S. von § 2 Nr. 1 VOB/A geführt. Zusätzlich wurde mit der nachträglichen Aufteilung der Leistung in zwei Lose gegen die Bestimmungen des § 17 Nr. 1
Abs. 2 f. VOB/A verstoßen.
Aufgrund der Schwere des Eingriffes war das ganze Vergabeverfahren in Frage zu
stellen.
Das Innenministerium (Kommunalaufsicht) schloß sich den Feststellungen des Landesrechnungshofes an, wonach die Vergabe der Rohbauarbeiten außerhalb eines nach
vergaberechtlichen Regelungen durchgeführten Verfahrens erfolgt sei. Es habe nicht
der Nachweis geführt werden können, daß der Zuschlag gem. § 25 Nr. 3 Abs. 3
Satz 2 VOB/A auf das jeweils annehmbarste Angebot erteilt worden sei.

153
Der Landesrechnungshof weist darauf hin, daß nur unter Beachtung der starken Einschränkungen statthafter Bietergespräche der Wettbewerbsgrundsatz – gleiche Bedingungen für alle Bieter – aufrechterhalten werden kann, sowie ungesunde Begleiterscheinungen i. S. des § 2 Nr. 1 VOB/A vermieden werden können. Sollten sich
unstatthafte Bietergespräche in der Praxis durchsetzen, so ist zu erwarten, daß die
Bieter dies künftig in ihrer Kalkulation berücksichtigen werden.

Architekten- und Ingenieurleistungen
(249)

Für den Bau einer Mehrzwecksporthalle erfolgte die Grundlagenermittlung (Grundleistung der Leistungsphase 1, § 15 HOAI), die Vorbereitung und Mitwirkung bei der
Vergabe sowie die Objektüberwachung (Grundleistung der Leistungsphasen 6 bis 8,
§ 15 HOAI) durch das beauftragte Ingenieurbüro unter Mitwirkung des Bauamtes;
eine Kürzung der festgesetzten prozentualen Bewertung der Grundleistungen wäre
erforderlich gewesen.
In der Stellungnahme an das Innenministerium teilte die Gemeinde mit, daß mit den
beiden Büros nachverhandelt worden sei. Für die Mitwirkung in den Leistungsphasen
(LP) 6 bis 8 sei im Wege einer Zusatzvereinbarung erreicht worden, daß die LP 9
vom Auftragnehmer zusätzlich übernommen und die Vergütung als Ausgleich für die
Prozentminderung entfallen werde.

(250)

Dem Statiker wurde die Grundleistung der LP 5 nach § 64 HOAI mit 42 % des Honorars übertragen. Da jedoch keine Schalpläne in Auftrag gegeben wurden, war gem.
§ 64 Abs. 2 Ziffer 1 HOAI diese LP mit 26 % zu bewerten. Die Prozentsätze der
LP 5 hätten gekürzt werden müssen.
Auch die Vergabe von Besonderen Leistungen bei der Tragwerksplanung für die
LP 6 bis 8 nach § 64 HOAI hätte zu einer Kürzung der Bewertung der Grundleistungen für Gebäude in den LP 6 bis 8 nach § 15 HOAI führen müssen, da hierdurch der
Arbeitsaufwand – insbesondere bei der Vorbereitung und Mitwirkung der Vergabe –
reduziert wurde.
Die Gemeinde hat daraufhin mit dem Architekturbüro für die LP 4 bis 8 der Tragwerksplanung eine Zusatzvereinbarung getroffen, in deren Ergebnis das ursprünglich
vertraglich festgelegte Honorar von 119.790,00 DM auf 102.677,14 DM reduziert
werden konnte.

154
(251)

Den abgeschlossenen Ingenieur- und Architektenverträgen lagen weder die durch die
Architektenkammer herausgegebenen Einheitsarchitektenverträge noch die Musterverträge der RBBau zugrunde. Die vom Bauamt selbst verfaßten Verträge wiesen einige weitere Unausgewogenheiten aus.
Der Landesrechnungshof empfahl, künftig die Musterverträge der RBBau mit den
dazugehörenden Allgemeinen Vertragsbedingungen zu nutzen, da hierin z. B. bereits
eine Minderung der Prozentsätze durch die Mitwirkung der Bauverwaltung im Rahmen ihrer Bauherrenfunktion berücksichtigt wird.
Die Gemeinde erklärte in ihrer Stellungnahme an das Innenministerium, daß aufgrund der Hinweise zu den Verträgen diese sofort korrigiert worden seien. Für künftige gemeindliche Vorhaben würden die Musterverträge konsequent angewandt werden.
Das Innenministerium schloß sich den Feststellungen des Landesrechnungshofes an
und empfahl in seiner Mitteilung an die Gemeinde die Anwendung der Musterverträge der RBBau.

(252)

Die Prüfungsergebnisse zeigen, daß auf der Ebene der kommunalen Zuwendungsempfänger noch immer ein erhebliches Defizit im Wissen um die richtige Anwendung der Bestimmungen der VOB und HOAI besteht. Der Landesrechnungshof hält
es daher für erforderlich – nicht zuletzt angesichts immer knapper werdender Haushaltsmittel – verstärkt auf die Einhaltung entsprechender Vorschriften durch die zuständige technische Verwaltung zu achten.
Das Innenministerium sollte prüfen, wie in geeigneter Weise die Mitarbeiter der
kommunalen Zuwendungsempfänger weiterhin geschult werden können; hierbei sind
auch die Landkreise als mögliche zuständige technische Verwaltung nach ZBau zu
berücksichtigen (vgl. Jahresbericht 1995 Tz. 248).
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

155

Organisation des Landesveterinär- und
Lebensmitteluntersuchungsamtes

In den Dienstgebäuden des Landesveterinär- und
Lebensmitteluntersuchungsamtes MecklenburgVorpommern (LVL) sind umfangreiche Bau- und
Sanierungsmaßnahmen erforderlich.
Vor Beginn weiterer Baumaßnahmen sollte geprüft werden, ob durch Auflösung der Außenstellen und Zusammenfassung der labortechnischen
Untersuchungen ggf. auch durch die Vergabe von
Laborleistungen

Rationalisierungseffekte

er-

reicht werden können.
Das LVL hat bei der Gebührenerhebung den
Ermessensspielraum nicht ausgeschöpft.
Die Gebührensätze sind zu überprüfen und anzupassen.
In den Jahren 1991 bis 1997 wurden kostenpflichtige Leistungen des LVL für Dritte in Höhe
von insgesamt 350.745,83 DM von den Gebührenschuldnern nicht bezahlt.
Die Bestimmungen über die Vergabe von Leistungen (VOL/A) wurden nicht immer beachtet.

(253)

Das LVL hat seinen Dienstsitz in Rostock und Außenstellen in Schwerin und Neubrandenburg, an allen drei Standorten befinden sich Laboreinrichtungen.
Von den 266 Mitarbeitern des LVL sind etwas mehr als 50 % in Rostock und je 65
an den beiden anderen Standorten beschäftigt. Gebäude und Laboreinrichtungen der
Dienststellen des LVL sind in schlechtem baulichen Zustand. Eine weitere Nutzung
ist auf Dauer nur nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen möglich.

156
(254)

Der Landesrechnungshof hält es für geboten, daß vor weiteren Investitionsentscheidungen geprüft wird, ob durch eine Zusammenfassung aller Aufgaben des LVL in
Rostock oder an einem anderen Ort ein Rationalisierungseffekt mit der Folge der
Einsparung von Haushaltsmitteln erzielt werden kann.
Die Kosten für die notwendigen Baumaßnahmen wurden bisher auf ca. 29 Mio. DM
geschätzt:
Rostock
Schwerin-Neumühle

7,7 Mio. DM
13,9 Mio. DM

Neubrandenburg

7,5 Mio. DM

Durch eine Konzentration auf Rostock ließen sich vermutlich erhebliche Mittel einsparen und zwar auch dann, wenn das Dienstgebäude in Rostock vergrößert werden
muß.
(255)

Das LVL verfügt in Rostock, Schwerin und Neubrandenburg über Labors mit hochwertiger Labortechnik. Für einige Aufgabenkomplexe finden die Laboruntersuchungen zentral in Rostock statt. Für andere Bereiche werden die Untersuchungen aber in
allen drei Dienststellen durchgeführt.

(256)

Das Ministerium für Landwirtschaft und Naturschutz hält die dezentrale Laborstruktur für unverzichtbar. Auf die Vorhaltung von dezentraler Untersuchungskapazität für
bestimmte Lebensmittel- und pathologische Untersuchungen könne nicht verzichtet
werden. Es werde jedoch angestrebt, Aufgaben am Standort Rostock zu konzentrieren.

(257)

Der Landesrechnungshof hält dies nicht für zwingend. Bei der derzeitigen Organisationsstruktur können z. B. Personal und hochwertige Labortechnik nicht immer flexibel und optimal genutzt werden, durch lange Wege entstehen Reibungsverluste und
bei immer wieder auftretenden Spitzenbelastungen (z. B. Seuchenausbrüche) kann
das Amt weniger flexibel reagieren.
Im übrigen dürfte auch im Hinblick auf den Bau der A 20 und die sich damit ständig
verbessernde Infrastruktur und die modernen Kommunikationsmöglichkeiten die
Vorhaltung von dezentraler Laborkapazität zumindest mittelfristig nicht mehr erforderlich sein. Rostock dürfte nach Fertigstellung der A 20 von allen Landesteilen genauso schnell erreichbar sein wie z. Z. Neubrandenburg oder Schwerin.

157
(258)

Für die Laborleistungen erhebt das LVL Gebühren aufgrund der Landesverordnung
über Verwaltungsgebühren für das Landesveterinär- und Lebensmitteluntersuchungsamt des Landes Mecklenburg-Vorpommern (LaVeLua-GebVO) vom 13. Oktober
1992 (GVOBl. M-V 1992 S. 618) und zusätzlicher Regelungen mit Erlaß.
Die Gebührensätze sind seit 1992 nicht mehr überprüft worden.

(259)

Der Landesrechnungshof hat deshalb Zweifel, ob die Gebühren noch kostendeckend
sind und hält nicht zuletzt im Hinblick auf die angespannte Haushaltslage des Landes
eine regelmäßige Überprüfung der Gebührensätze für erforderlich (§ 3 VwKostG M-V).

(260)

Die Tarifstellen der Anlage zur Gebührenordnung für das LVL bezeichnen vielfach
lediglich einen Gebührenrahmen, innerhalb dessen dann die Gebühr abhängig von
Umfang, Aufwand oder Schwierigkeitsgrad der Untersuchungen festzusetzen ist. Das
LVL hat aber 1995 in seinen Gebührenbescheiden i. d. R. ohne nähere Begründung
nur die Mindestgebühr gefordert.
Durch die Rahmensätze wird der Behörde ein Ermessensspielraum eingeräumt, dessen Nichtausnutzung die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit
(§ 7 LHO) verletzt.

(261)

Das Ministerium weist daraufhin, daß das LVL bei der Ausübung des Ermessens
angehalten sei, die angespannte finanzielle Lage der Landwirte zu berücksichtigen.
Außerdem solle vermieden werden, daß die Landwirte aus Kostengründen weniger
Untersuchungen veranlassen und deshalb wesentliche epidemiologische Erkenntnisse
nicht mehr gewonnen werden könnten. Zum Jahreswechsel 1997/1998 seien einige
Einzelgebühren angehoben worden.

(262)

In den Haushaltsjahren 1991 bis 1997 sind gebührenpflichtige Leistungen des LVL
für Dritte in Höhe von insgesamt 350.745,83 DM trotz entsprechender Gebührenbescheide nicht bezahlt worden, es handelt sich dabei um 1.120 Einzelforderungen von
5 DM bis über 11.000 DM.

(263)

Forderungen des Landes sind also über Zeiträume von bis zu fast sechs Jahren nicht
abschließend bearbeitet worden.

158
(264)

Das Ministerium ist der Auffassung, daß die nachgeordneten Dienststellen in diesem
Verfahren nur für die richtige Sollstellung verantwortlich seien. Danach gehe die Zuständigkeit für die Erzielung der Einnahmen (bei öffentlich-rechtlichen Forderungen)
an die jeweilige Landesbezirkskasse über.

(265)

Der Landesrechnungshof hat das Ministerium gebeten, gemeinsam mit dem Finanzministerium nach einer Lösung zum Abbau der offenen Forderungen zu suchen. Dies
ist offensichtlich noch nicht geschehen.

(266)

Bei der Beschaffung von Laborgerät und Kraftfahrzeugen hat das LVL die VOL/A
nicht beachtet. Ohne Leistungsbeschreibung wurde ein eingeschränkter Bewerberkreis erkundet, mündliche Angebote eingeholt und dann formlos freihändig vergeben. Die Auftragsberatungsstelle wurde nicht eingeschaltet. Eine Dokumentation des
Verfahrens erfolgte nicht.
Bei den örtlichen Erhebungen wurde den Mitarbeitern des Landesrechnungshofes
vom zuständigen Dezernatsleiter erklärt, „daß bei fast allen Beschaffungen so verfahren werde. Eine Begründung für die Vergabeart erfolge aus Zeitgründen nicht.“
Das Ministerium für Landwirtschaft und Naturschutz hat diese Verstöße gegen die
Vergabebestimmungen offenkundig hingenommen.

(267)

Das Ministerium ist der Auffassung, daß es keine schwerwiegende Verstöße gegen
die Vergabevorschriften gegeben habe, es hat insbesondere die Kritik bei der Aktenführung zu Beschaffungsmaßnahmen zurückgewiesen. Ein Vorgang zu einer beanstandeten Beschaffung sei z. B. bei einem Wasserrohrbruch vernichtet worden.

(268)

Der Landesrechnungshof kann dieser Argumentation nicht folgen. Das LVL konnte
den Mitarbeitern des Landesrechnungshofes bei den örtlichen Erhebungen keinen
einzigen vollständigen und in sich abgeschlossenen Vorgang zur Ausschreibung und
Vergabe von Leistungen entsprechend der VOL vorlegen.

(269)

Bereits in seinem Jahresbericht 1994 (Tzn. 33 ff.) hatte der Landesrechnungshof ein
Gesamtkonzept für das Laborwesen innerhalb der Landesverwaltung gefordert. Inzwischen liegt das „Gutachten der Gesellschaft für Betriebsberatung, Sicherheitsund Umweltfragen (GfBU) – zur Stufe I des Konzeptes der künftigen Organisation
der Labore in der Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommern“ vom Oktober 1997
vor.

159
Zur weiteren Planung wird auf den „Bericht der Landesregierung über das weitere
Vorgehen zur Erarbeitung eines Konzeptes zur zukünftigen Organisation der Labore
in der Landesverwaltung“ vom 8. Dezember 1997 (Drs. 2/3362) verwiesen.
(270)

In diesem Rahmen hat das Ministerium für Landwirtschaft und Naturschutz 1996 ein
Laborkonzept für das LVL erarbeitet. In ihm wird festgestellt, daß Personal und Geräte des LVL ausgelastet sind. Es wird aber auch darauf hingewiesen, daß mittelfristig weitere Aufgaben im Bereich der Lebensmitteluntersuchung anfallen werden.
Darüber hinaus war 1995/1996 die Schweinepestdiagnostik Schwerpunkt der Tätigkeit des LVL und führte zu erheblichen Mehrbelastungen.
Die Einsparungsmöglichkeiten im Personalbereich seien nun erschöpft und ein weiterer Personalabbau sei deshalb nicht zu vertreten.

(271)

Der Landesrechnungshof verkennt nicht, daß die Erfüllung von hoheitlichen Aufgaben i. d. R. nur durch staatliche und amtlich überwachte Untersuchungen garantiert
werden kann. Dennoch sollte geprüft werden, ob und ggf. wie im Interesse einer
schlanken Verwaltung Laborleistungen an private Unternehmer vergeben werden
können.

(272)

Das Ministerium für Landwirtschaft und Naturschutz hat dazu mitgeteilt, daß das
Gutachten der GfBU berücksichtigt werde, Privatisierungsmöglichkeiten würden geprüft.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

160

Aufgabenerfüllung in den Grundbuchämtern der Amtsgerichte
Ludwigslust, Neustrelitz und Schwerin

Die Mitarbeiter der Grundbuchämter leisteten
teilweise unnötige Doppelarbeit und nutzten bestehende Rationalisierungsmöglichkeiten nicht
immer aus.
Die Mitarbeiter akzeptierten die zur Verfügung
stehende Software teilweise noch nicht hinreichend und setzten sie deshalb nicht immer ein.
Sie nahmen Schulungsmöglichkeiten nicht wahr.
Die uneinheitliche Führung von Statistiken führte zu Ungenauigkeiten bei den Angaben über die
Höhe der Rückstände. Dadurch waren die Aussagen bei der Beantwortung zweier parlamentarischen Kleiner Anfragen hinsichtlich der Entwicklung der Bestände landesweit nicht vergleichbar.
Die Fehler in den Statistiken hatten ferner zur
Folge, daß der Mitteleinwerbung zum Abbau der
Rückstände in den Jahren 1994 bis 1996 falsche
Zahlen zugrunde lagen.

Prüfungsgegenstand
(273)

Die wirtschaftlichen Aktivitäten in den neuen Bundesländern führen nach wie vor zu
einer verstärkten Antragstellung auf Eintragungen von Eigentumswechsel, Auflassungsvormerkungen und Grundpfandrechten. Darüber hinaus sind als Gründe für den
derzeitigen Anstieg der Grundbuchsachen beispielsweise der Eigenheimbau in den
Wohngebieten, die zusätzlichen Anträge der BvS, die Sanierungsvermerke der Städte
sowie die Notwendigkeit, öffentliche Leitungswege in das Grundbuch einzutragen,
zu nennen.

161
Ziel der Prüfung war es, vor diesem Hintergrund Empfehlungen zur Verbesserung
der Arbeitsabläufe und zu einer Verringerung des Arbeitsaufwandes für die einzelne
Sache auszusprechen und auf diesem Wege zum Abbau der Rückstände zu gelangen.

Organisatorische Einbindung der Grundbuchämter in die Amtsgerichte
und allgemeine Darstellung der Bearbeitung eines Antrags
auf Grundbucheintragung
(274)

Die Grundbuchämter sind Abteilungen der Amtsgerichte. Sie unterstehen jeweils
dem Direktor des Amtsgerichtes und haben keine eigene ausschließlich für Grundbuchangelegenheiten vorgesehene Leitung.
Ein Antrag auf Eintragung in das Grundbuch kann dem Grundbuchamt auf dem
Postweg zugeleitet, während oder außerhalb der Sprechzeiten in der Geschäftsstelle
abgegeben oder in den Gerichtsbriefkasten eingeworfen werden. Die Zuständigkeit
der Grundbuchabteilung (Geschäftsstelle, Rechtspfleger und Eintrager) innerhalb des
Grundbuchamtes richtet sich für Grundbuchverfahren nach der Rechtspflegergeschäftsverteilung, die der Direktor des Amtsgerichtes verfügt. Er kann im Rahmen
seiner Organisationsgewalt die Rechtspflegergeschäftsverteilung frei gestalten. Häufig knüpft sie an die Gemarkung an, in der das Grundstück liegt, auf den sich der Antrag bezieht. Der Antrag wird durch die zuständige Geschäftsstelle mit seinen
Stammdaten registriert und den Grundakten der betreffenden Grundbuchblätter zugeordnet. Dort wurde er bisher gemäß Aktenordnung im Ordnungsnummernverzeichnis
mit Datum des Antrags unter der dort freien laufenden Ordnungsnummer und zusätzlich mit einer Antragsinhaltsbeschreibung in Kurzform registriert. Mit Einführung
von ARGUS-GB 2.30 (ARGUS ist das Anwendungssystem zur Rechtspflege bei Gerichten und Staatsanwaltschaften, ARGUS-GB 2.30 ist dessen Software-Version für
Grundbuchämter) werden unter Betätigung der Eingabefunktion „Antragseingang“
unter Einschluß der funktionellen Zuständigkeit, Antragsinhalt in Kurzform, Daten
des Antragseingangs und auch des Antrags und des Antragstellers nebst Aktenzeichen unter der freien fortlaufenden Ordnungsnummer zu dem betroffenen Grundbuchblatt registriert. Es wird automatisch ein Ordnungsnummernvorblatt ausgedruckt, das dem Antrag vorgeheftet wird.

162
Der Rechtspfleger prüft nunmehr die materielle Rechtslage bezüglich des Antrags.
Anträge, denen ein nicht behebbares Eintragungshindernis entgegensteht, sind sofort
zurückzuweisen. Läßt es sich beseitigen, wird die Zurückweisung des Antrags angekündigt, sofern das Hindernis nicht binnen einer in der Verfügung gesetzten (auf Antrag verlängerbaren) Frist behoben wird. Sodann verfügt der Rechtspfleger nach Behebung des Problems die Eintragung des gewünschten Rechts oder der Rechtsänderung und zugleich die zu erhebenden Gerichtskosten. Dies geschieht zumeist handschriftlich. Diese Verfügung geht in den dafür vorgesehenen Fällen in die Statistik
ein, in das sogenannte Tagebuch, das von der Geschäftsstelle geführt wird, und bedeutet, daß der Vorgang erledigt ist. Diese Handhabung ist bundeseinheitlich. An die
Verfügung muß sich jedoch noch die faktische Eintragung anschließen. Sie wird von
den Eintragerinnen, die auch als Kanzleikräfte bezeichnet werden, vorgenommen. Ob
die Rechtspflegerverfügung und die Eintragung in das Grundbuch korrekt sind und
mithin auch übereinstimmen, ergibt eine von Rechtspfleger und Kanzleikraft gemeinsam durchgeführte Korrekturlesung. Der Grundbucheintrag wird sodann vom
Rechtspfleger (und in Schwerin zusätzlich von einer Eintragerin) unterzeichnet. Eine
Nachricht über die erfolgte Eintragung wird von den Eintragerinnen gefertigt und
dem Antragsteller und den sonstigen Beteiligten zugesandt. Die Kostenrechnung
wird an die Landesbezirkskasse und den Kostenschuldner gesandt und eine Kopie zu
den Akten genommen.

Feststellungen zu den Geschäftsstellen
Sprechzeiten
(275)

Die Sprechzeiten für den Publikumsverkehr sind bei den geprüften Grundbuchämtern
unterschiedlich geregelt. Allen Sprechzeitenregelungen ist jedoch gemeinsam, daß
sie vom Publikum nicht eingehalten werden. Abgesehen von der während der gesamten Dienstzeit des Amtsgerichtes zulässigen Annahme von Anträgen werden auch
Anfragen außerhalb von Sprechzeiten gestellt. Dieser Umstand führt zu einer nicht
unerheblichen Behinderung bei der Erfüllung der übrigen Aufgaben der Geschäftsstelle.

163
(276)

Der Landesrechnungshof empfiehlt, daß die Geschäftsstellen der Amtsgerichte nicht
länger als drei Stunden täglich von montags bis freitags geöffnet sein sollten. Dies
wäre nach Ansicht des Landesrechnungshofes trotz auf den ersten Blick bestehender
Bedenken bürgerfreundlich, weil dadurch dem Interesse der Antragsteller an einer
zügigen Erledigung der Sache selbst gedient ist.
Das Ministerium wird die Anregungen des Landesrechnungshofes aufgreifen, meint
aber, damit würde das eigentliche Problem, daß Sprechzeitenregelungen vom Publikum nicht eingehalten werden, nicht gelöst.
Demgegenüber geht der Landesrechnungshof davon aus, daß langfristig eine Gewöhnung des Publikums an die Sprechzeitenregelung erfolgen wird.

Posteingangsbücher in den Grundbuchämtern
der Amtsgerichte Ludwigslust und Schwerin
(277)

Eingehende Anträge werden durch die Geschäftsstellen in den Grundakten der betreffenden Grundbuchblätter registriert. Darüber hinaus werden alle Anträge in einer
Bewegungskartei erfaßt. Mit ihrer Hilfe ist es jederzeit möglich, einen Vorgang aufzufinden.
Fast dieselben Angaben enthält ein daneben manuell geführtes Posteingangsbuch, das
im Grundbuchamt des Amtsgerichts Schwerin zwar offiziell schon im April 1996
abgeschafft wurde, faktisch aber noch im Mai 1997 bis zur Einführung der "ServerClient-Software ARGUS-GB 2.30“ benutzt wurde. In Ludwigslust wurde bei den örtlichen Erhebungen im März/April 1997 noch die Führung von Posteingangsbüchern
festgestellt.
Zwischenzeitlich soll es – den Angaben des Ministeriums zufolge – keine Posteingangsbücher mehr geben.

(278)

Der Landesrechnungshof hält das Posteingangsbuch unter dem Gesichtspunkt der
Doppelarbeit für überflüssig und begrüßt seine Abschaffung.

164
Verteilung der Anträge auf die Rechtspfleger nach Zuständigkeiten
im Grundbuchamt des Amtsgerichts Ludwigslust
(279)

Im Zeitpunkt der örtlichen Erhebungen ergaben sich zwar für die Geschäftsstellenverwalterinnen in Ludwigslust die Zuständigkeiten nach Gemarkungen, für die
Rechtspfleger und Eintragerinnen aber nach der Endziffer der Nummer, die der Antrag im Posteingang erhalten hatte. Das bedeutet faktisch, daß jede Geschäftsstellenverwalterin mit jedem einzelnen Rechtspfleger sowie mit unterschiedlichen Eintragerinnen zusammenarbeiten mußte (vgl. Anlage 1).
Nach Ansicht des Landesrechnungshofes sollte eine Geschäftsstellenverwalterin jedoch nur mit einem bzw. einer festen Anzahl von Rechtspflegern, für die sie ausschließlich zuständig ist, zusammenarbeiten und die entsprechenden Vorgänge überwachen.
Das Ministerium weist darauf hin, daß zwischenzeitlich eine Organisationsentwicklung in Richtung mehr personelle Zuordnung der Eintrager und Geschäftsstellenverwalter zu den Rechtspflegern stattgefunden habe, die vom Ministerium im Januar
1996 mit Frist zum 1.6.1997 veranlaßt worden sei (vgl. Anlage 2) und im Prüfungszeitraum deshalb noch nicht überall abgeschlossen worden sein könne.
Insbesondere sollten die Fristensachen der genauen Beobachtung und Überwachung
unterliegen. Bei der Vielzahl der durch eine einzige Geschäftsstellenverwalterin zu
bedienenden Rechtspfleger im Grundbuchamt des Amtsgerichts Ludwigslust erforderte dies besondere Sorgfalt. Es mangelte aber den Geschäftsstellen an der erforderlichen Übersicht. Dadurch entstanden nicht nur Reibungsverluste, sondern es „verschwanden" ganze Grundbuchakten vorübergehend. Zum Beispiel wurden während
der örtlichen Erhebungen (März/April 1997) in Anwesenheit der Beauftragten des
Landesrechnungshofes Vorgänge aus dem Jahre 1993 wiedergefunden, in denen noch
nicht einmal eine Zwischenverfügung vermerkt war.

(280)

Der Direktor des Amtsgerichts Ludwigslust weist darauf hin, daß es seit der Einführung von ARGUS-GB 2.30 eine funktionierende Fristenkontrolle gebe. Gleichwohl
ist festzustellen, daß zunächst noch neben der Aktenkontrolle durch ARGUSGB 2.30 an der Fristenkontrolle über sogenannte Fächer festgehalten wurde, die nach
Fristen geordnet sind. Dies hat das Ministerium mit Problemen der Übergangsphase

165
erklärt. Es hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß die Prüfung des
Landesrechnungshofes mit der Einführungsphase von ARGUS-GB 2.30 zusammengefallen sei und alle Funktionalitäten eines komplexen Programms erst nach und
nach erschlossen würden.

Fächer in den Geschäftsstellen des Grundbuchamtes
im Amtsgericht Schwerin
(281)

Die Geschäftsstellenverwalterinnen ordnen alle Vorgänge in sogenannte Fächer. Im
Laufe der Zeit ist die Zahl dieser Fächer, die eigentlich der Übersicht dienen sollen,
immer größer geworden. Den größten Umfang nehmen die Hängeregistraturen für
Grundbuchanträge und bereits verfügte Grundbucheintragungen ein. Hier sind die
Vorgänge nach ihren Eingangsdaten geordnet und werden auch so abgearbeitet.
Vorgänge, die vom Rechtspfleger bereits bearbeitet wurden, aber mit einer Zwischenverfügung auf ihre Weiterbearbeitung warten, werden in der Geschäftsstelle für
die Wiedervorlage in sogenannten Fristenfächern überwacht. Die Fristenüberwachung wurde von den Geschäftsstellenverwalterinnen unterschiedlich vorgenommen.
Einige nutzen für die Fristenüberwachung die moderne Technik. ARGUS-GB 2.30
hält ein PC-Programm zur Fristenüberwachung vor, die von jedem vernetzten PCNutzer eingesehen werden kann. Es ist sogar vorgesehen, daß täglich ein Ausdruck
der jeweils fälligen Fristensachen angefertigt werden kann. Andere Geschäftsstellenverwalterinnen haben ihr altes System beibehalten, indem sie je nach Datum der
Wiedervorlage in den Fristenfächern Nr. 0 bis 9 nachsehen. Im Fach Nr. 1 liegen beispielsweise die Fristen vom 1., 11., 21. und 31. eines jeden Monats. Wegen der räumlichen Enge in den Geschäftsstellen lagen aber bei einer Geschäftsstellenverwalterin
alle Termine mit der Endziffer 9 im Fach gemeinsam mit denen der Endziffer 4.
Weitere Fächer wurden auf Wunsch einiger Rechtspfleger in den Geschäftsstellen
angelegt. Weiterhin sind in jeder Geschäftsstelle Fächer für die Schreibkräfte (für
Eilsachen, Schriftwechsel und erledigte Anträge) und für die Rechtspfleger (Posteingang zum und vom Rechtspfleger) eingerichtet. Darüber hinaus gibt es noch Postausgangsfächer für den Wachtmeister, für die Notare, für die Landesbezirkskasse und
andere.

166
(282)

Der Landesrechnungshof empfiehlt, die vorzuhaltenden Fächer in den Geschäftsstellen möglichst zu verringern, um die Arbeit der Geschäftsstellenverwalterinnen zu erleichtern. Für die Überwachung der Fristen sollte unbedingt die moderne Technik
genutzt werden. Insbesondere im Vertretungsfall kann bei diesem z. Z. bestehenden
individuell geprägten Ablageverfahren kaum die Übersicht gewahrt werden.
Das Ministerium teilt die Einschätzung des Landesrechnungshofes und weist darauf
hin, daß es mit der Einführung von ARGUS-GB 2.30 in der ersten Jahreshälfte darauf hingewirkt habe, daß eine doppelte Fristenkontrolle, z. B. über sogenannte Fristenfächer oder zusätzliches Schriftwerk, nicht mehr stattfände.

Weitergabe der Anträge an die Rechtspfleger
beim Grundbuchamt des Amtsgerichtes Ludwigslust
(283)

Die vorläufige Geschäftsanweisung hinsichtlich der Behandlung von Grundbuchsachen in Mecklenburg-Vorpommern sieht vor, daß die Geschäftsstelle dem Rechtspfleger einen Antrag mit den Grundbuchakten nach Eingang vorlegt. Die Geschäftsstellenverwalterinnen in Ludwigslust hängten zum Zeitpunkt der örtlichen Erhebungen die Anträge samt Akte in ihrem Büro in eine Hängeregistratur, ohne daß
die Rechtspfleger diese zuvor gesehen hatten und über die eingegangenen Anträge in
Kenntnis gesetzt worden waren.
Den Rechtspflegern war somit das Ermessen genommen, Vorgänge ihrem Rang nach
einzustufen. Darüber hinaus hatte der einzelne Rechtspfleger zu keinem Zeitpunkt
einen Überblick über den Antragseingang und den damit verbundenen Rückstau der
Anträge in seinem eigenen Dezernat. Damit ist ein Verstoß gegen die o. g. Geschäftsanweisung festzustellen. Außerdem ist auch davon auszugehen, daß Unwissenheit um den tatsächlichen Abarbeitungsstand der Anträge Irritationen herbeigeführt haben muß.
Das Ministerium räumt das vorschriftswidrige Verhalten ein, meint jedoch, es handele sich dabei um einen Einzelfall. Um sicherzustellen, daß die Anträge pflichtgemäß
dem Rechtspfleger vorgelegt werden, hat der Amtsgerichtsdirektor lt. Mitteilung des
Ministeriums im Nachgang an die örtlichen Erhebungen die Pflicht zur Aktenvorlage
ausdrücklich im Geschäftsverteilungsplan zum Geschäftsgang vom 20.5.1997 geregelt.

167
Führung von Tagebüchern und Statistiken
(284)

Die Führung von Tagebüchern (hierzu vgl. bereits Tz. 274) und Statistiken ist Aufgabe der Geschäftsstellen. Hierbei wurden in mehrfacher Hinsicht Fehler gemacht.

Zuständigkeit für die Führung des Tagebuches
(285)

Die Tagebuchstatistik, die die verfügten – wenn auch noch nicht tatsächlich fertigen
– Eintragungen erfaßt, wurde nicht von den dafür eigentlich zuständigen Geschäftsstellen, sondern von den Rechtspflegern geführt. Zweck der komplizierten Statistiken
ist es auch, die Dienstaufsicht über die Arbeit der Rechtspfleger zu ermöglichen. Dadurch, daß die Rechtspfleger diese Statistiken selber führten, wurde dieser Zweck
verfehlt.
Der Landesrechnungshof fordert die Führung der Tagebuchstatistik durch die hierfür
zuständige Stelle.
Das Ministerium hat den Sachverhalt bestätigt und die Tätigkeit der Rechtspfleger als
Hilfestellung bezeichnet, die vorübergehend für die noch nicht ausreichend fortgebildeten Geschäftsstellenmitarbeiter bei einigen Grundbuchämtern erforderlich gewesen
sei. Es teilt die Bewertung des Landesrechnungshofes und weist darauf hin, daß seit
September 1997 – also nach Abschluß der örtlichen Erhebungen des Landesrechnungshofes – die Tagebücher von der Geschäftsstelle geführt würden.

Statistik in Grundbuchangelegenheiten
(286)

Die einschlägigen Erlasse des Ministeriums regeln insbesondere, daß eine Eintragungsverfügung auch dann nur einmal im Tagebuch einzutragen ist, wenn sie aus
mehreren Einzelanordnungen besteht und mehrere Eintragungen in das Grundbuch
zur Folge hat.
In den Grundbuchämtern der Amtsgerichte Schwerin und Ludwigslust waren bis Mitte 1996 Unregelmäßigkeiten bei der Führung der Statistik in Grundbuchangelegenheiten, insbesondere der Statistik über Bestand, Eingänge und Erledigungen von Anträgen und Ersuchen auf Grundbucheintragung festzustellen. Diese beruhten auf der
uneinheitlichen Zählung der Katastermitteilungen und auf der „Hamburger Zählweise“. Dies bedeutet, daß ein Antrag, der mehrere Grundbücher berührt, entgegen den

168
Vorschriften auch mehrfach gezählt wird. Dies gilt insbesondere für die Umwandlung in Wohneigentum bzw. Teilungserklärungen, einem häufigen Vorgang in den
neuen Bundesländern, oder auch dann, wenn z. B. mehrere Erben einen Grundbuchberichtigungsantrag stellen. Diese Zählweise erhöhte auf diese Weise bis Mitte 1996
die Anzahl der erledigten und zu erledigenden Vorgänge.
(287)

Diese falsche Zählweise hat letztlich noch weitere Konsequenzen:
Durch den Vergleich der Eingangs- und Abgangsstatistik wird auch der Stand des
Rückstaus festgestellt. Fehler in der Zählweise beeinflußten damit den Stand der
Rückstände. Daher sind die Rückstände der Grundbuchämter regelmäßig geringer als
statistisch ausgewiesen.
Im Januar, Februar und März des Jahres 1996 wurde die Zählweise korrigiert und dadurch die Statistik "bereinigt". So reduzierten sich beispielsweise im Grundbuchamt
des Amtsgerichts Schwerin die Anfangsbestände der Eingänge im Februar 1996 von
20.798 auf 9.879, mithin um 10.919, im Grundbuchamt des Amtsgerichts Ludwigslust im März 1996 von 7.504 auf 5.132, mithin um 2.372, sowie im Grundbuchamt
des – vom Landesrechnungshof allerdings nicht geprüften – Amtsgerichts Rostock
im Januar 1996 von 7.123 auf 3.277, mithin um 3.846, wie aus der Grundbuchstatistik 1996 des Oberlandesgerichts von Januar, Februar und März 1996 hervorgeht.
Damit erfolgte allein bei diesen drei Grundbuchämtern eine Reduktion der Bestände
in Höhe von 17.137. Sie wurden in der Statistik als Erledigungen geführt (vgl.
a. a. O.), obwohl es offen geblieben ist, ob es sich dabei um eine Bereinigung der
„Hamburger Zählweise“, eine Korrektur der Zählung der Katastermitteilungen oder
tatsächliche Erledigung gehandelt hat.
Allerdings ist nicht in allen Gerichten die „Hamburger Zählweise“ angewandt worden. Damit beruhen die Aussagen über den Stand des Rückstaus in den Landtagsdrucksachen 2/1365 und 2/2555 nicht auf einheitlichen Grundlagen. Wie sich aus ihnen darüber hinaus ergibt, beziehen sich die Zahlenangaben auf mehrere Jahre und
nicht nur auf kürzere Zeitabschnitte.
Der Landesrechnungshof beanstandet die Führung ungenauer und uneinheitlicher
Statistiken.

169
(288)

Das Ministerium hat die der Erlaßlage widersprechende „Hamburger Zählweise“ in
den Grundbuchämtern Ludwigslust und Schwerin – hier längstens bis Mitte 1996 –
bestätigt. Es geht aber davon aus, daß die Richtigkeit der Statistiken nur in einer zu
vernachlässigenden Größe von der Beseitigung der „Hamburger Zählweise“ abhängig
gewesen sei. Die Korrekturen der Statistiken hätten in erster Linie auf Inventuren
(körperlichen Bestandsaufnahmen) beruht, mit denen Ungenauigkeiten in der Statistikführung ausgeglichen worden seien. Entgegen der Auffassung des Landesrechnungshofes habe es daher parlamentarische Anfragen zur Höhe der Rückstände im
Grundbuchbereich (Landtagsdrucksache 2/2555 und 2/1365) richtig beantwortet.
Ferner weist es darauf hin, daß es in der Landtagsdrucksache 2/2555 insoweit Einschränkungen gemacht habe, als daß es dort ausgeführt habe, daß die statistischen
Angaben zum Jahr 1995 nicht hinreichend zuverlässig erschienen. In diesem Jahr habe eine Bereinigung der statistischen Angaben um die Katasteramtsmitteilungen
stattgefunden. Außerdem seien Unregelmäßigkeiten in der statistischen Erfassung
ausgeräumt worden.
Die Landtagsdrucksache 2/1365 habe den Hinweis enthalten, daß für Schwerin und
Ludwigslust aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Auszählung nur ungenaue
Zahlen vorgelegen hätten.
Auf alle Fälle liege mit der flächendeckenden Einführung von ARGUS-GB 2.30 ein
Instrument für die zuverlässige Ermittlung der Bestände in Grundbuchsachen vor.

(289)

Der Landesrechnungshof sieht hierin keinen Grund, von seinen ursprünglichen Beanstandungen abzugehen. Trotz der Einschränkungen in der Landtagsdrucksache
2/2555 bleibt er wegen des unzuverlässigen Zahlenmaterials bei dem Vorwurf der
uneinheitlichen und damit nicht vergleichbaren Übersicht zur Entwicklung der Bestände 1995/1996. Die Bereinigung der Statistik Anfang des Jahres 1996, die eine Erledigung impliziert, obgleich dadurch ein tatsächlicher Abbau der Rückstände nicht
stattgefunden hat, wird nämlich nicht erwähnt.
Auch die Landtagsdrucksache 2/1365 geht nicht auf die „Hamburger Zählweise“ ein,
sondern nennt als einzigen Grund für die Ungenauigkeiten bezüglich der Grundbuchämter der Amtsgerichte Schwerin und Ludwigslust „die noch nicht abgeschlossene
Auszählung“.

170
In der Stellungnahme des Ministeriums zum Entwurf des Jahresberichtsbeitrages
wies es darauf hin, daß die Kleine Anfrage auf der Landtagsdrucksache 2/1365 bereits am 14.3.1996 beantwortet worden sei. Auf die „Hamburger Zählweise“ habe das
Ministerium noch nicht eingehen können, weil diese erst bei einer Überprüfung bis
Mitte März festgestellt und dem Ministerium mit Bericht vom 29.5.1996 erstmals
mitgeteilt worden sei. Die Antwort der Kleinen Anfrage erfolgte nach den seinerzeit
vorliegenden Erkenntnissen.
Nach den Erlassen bezüglich Grundbuchangelegenheiten und zur Führung der Tagebücher war dem Ministerium allerdings schon seit Anfang 1993 bekannt, daß statistische Ungenauigkeiten vorlagen und eine unrealistische Zählweise stattfand. Unter
Berücksichtigung dieses Umstandes beanstandet der Landesrechnungshof gleichwohl, daß es erst Mitte März 1996 zu einer Überprüfung der Statistik gekommen ist,
mit der die „Hamburger Zählweise“ dem Ministerium zur Kenntnis gebracht wurde.

Übernahme von Grundbucheintragungen und Aufgaben
bei der Erstellung von Kostenrechnungen durch die Geschäftsstellen
(290)

Die gesetzlich zugewiesenen Aufgaben der Urkundsbeamten der Geschäftsstellen
sind in § 12 c Abs. 2 Ziff. 1 bis 5 Grundbuchordnung (GBO) geregelt. Nach den örtlichen Erhebungen besteht der Eindruck, daß die Urkundsbeamten in den Grundbuchämtern der Amtsgerichte Neustrelitz und Ludwigslust lediglich Tätigkeiten nach
Ziff. 1, nämlich das Fertigen und Beglaubigen von Grundbuchauszügen, ausführen.
Alle weiteren Grundbucheintragungen verfügen die Rechtspfleger.
Der Urkundsbeamte der Geschäftsstelle hat jedoch nach § 12 c Abs. 2 Ziff. 1
bis 5 GBO die Kompetenz, in den Grundbüchern Vermerke für Zwangsversteigerungen und Konkurse, Katasterveränderungen und Namensberichtigungen usw. selbst
einzutragen. Diese Eintragungen sind mit seiner Unterschrift rechtswirksam und bedürfen nicht der Bearbeitung durch einen Rechtspfleger.

(291)

Nach Auffassung des Landesrechnungshofes bestehen in den Geschäftsstellen Reserven auf der Grundlage der den Urkundsbeamten nach § 12 c Abs. 2 Ziff. 1 bis 5 GBO
gesetzlich zugewiesenen Aufgaben. Künftig könnten hierdurch Rechtspfleger und
Eintragerinnen ggf. entlastet werden. Allerdings sollten zuvor hinreichende Schulungsmaßnahmen durchgeführt werden.

171
Das Ministerium teilt die Einschätzung des Landesrechnungshofes und verweist darauf, daß die Bediensteten sich noch nicht geeignet und hinreichend geschult fühlten.
Nunmehr will das Oberlandesgericht noch im Haushaltsjahr 1998 mit geeigneten
Fortbildungsmaßnahmen beginnen.
(292)

Zur Entlastung von Rechtspflegern und Kanzleikräften sollte ferner untersucht werden, ob den Geschäftsstellen Aufgaben im Zusammenhang mit der Erstellung von
Kostenrechnungen übertragen werden könnten.
Das Ministerium verweist darauf, daß die Verhältnisse in den einzelnen Grundbuchämtern unterschiedlich seien, jedoch sei im Grundbuchamt des Amtsgerichtes Neustrelitz die Erstellung von Kostenrechnungen durch Mitarbeiter der Geschäftsstelle
schon möglich. Im übrigen geht es davon aus, daß im Zuge der strukturellen Veränderungen der Justizaufgaben Verlagerungen ohnehin notwendig werden würden.

Feststellungen zu den Rechtspflegern und Eintragerinnen
Schreiben von Verfügungen
(293)

In den geprüften Grundbuchämtern ist es nicht allgemein üblich, daß die Rechtspfleger für das Schreiben von Verfügungen oder Zwischenverfügungen ihren PC nutzen
und diese Schriftstücke selbst schreiben.
Dadurch, daß die Verfügungen handschriftlich erstellt werden, ist die Fehlerquote
wegen mangelnder Lesbarkeit der Schrift hoch. Dies führt zu umfangreichen Nachbesserungen, da eine Grundbuchberichtigung wegen des Urkundscharakters des
Grundbuches sehr aufwendig ist. Dazu gehört nämlich das erneute Schreiben der Berichtigungsverfügung durch den Rechtspfleger und das erneute Eintragen der Verfügung in das Grundbuch, das Röten des falschen Textes, das weitere gemeinsame Korrekturlesen der Berichtigung sowie das Unterzeichnen der Berichtigung.

(294)

Bei einer entsprechenden Unterweisung sollten nach Auffassung des Landesrechnungshofes die Rechtspfleger in die Lage versetzt werden, die Funktionen ihres PC
(integrierte Formblätter und Textbausteine) zu nutzen und ihre Verfügungen, Zwischenverfügungen und kurze Briefe selbst zu schreiben. Dadurch könnten die Eintrager die gedruckten Verfügungen stets gut lesen, was bedeutet, daß es keine Rückfra-

172
gen wegen unleserlicher Handschriften gibt. Sie wären darüber hinaus von sonstiger
Schreibarbeit entlastet und hätten mehr Arbeitszeit für das Schreiben der regulären
Grundbucheintragungen zur Verfügung, zumal sie ihren Auskünften zufolge vorrangig mit Eilsachen und Zwischenverfügungen zu tun und kaum noch Zeit zur Abarbeitung der laufenden Grundbucheintragungen haben.
Das Ministerium vertritt dieselbe Auffassung wie der Landesrechnungshof und verweist auf seine bisherigen Fortbildungsbemühungen.

Verwendung von Vordrucken
(295)

Für die Erarbeitung von Verfügungen, Zwischenverfügungen und Kostenrechnungen
nutzen die Rechtspfleger im Normalfall Formulare, in die sie handschriftliche Eintragungen machen. Sie bemängelten, daß diese Formulare nicht ausreichend zur Verfügung stünden. Etwa im Jahr 1991 sei ihnen ein Satz Vordrucke ausgehändigt worden,
von denen sie sich bei Bedarf wiederholt Kopien anfertigten, worunter aber die Qualität der Formulare leide. Einige Rechtspfleger haben im Laufe der Zeit diese Vordrucke nach eigenen Vorstellungen verändert, andere benutzen Vordrucke, die von
Aus- und Fortbildungen oder von ihren vorherigen Arbeitsstellen stammen. Diese unterschiedlichen Formulare wurden besonders nachdrücklich von den Mitarbeitern im
Schreibdienst bemängelt. Sie hätten insbesondere Rückfragen, wenn ihnen im Aushilfs- oder Vertretungsfall ungewohnte Vordrucke zur Abschrift vorgelegt würden.

(296)

Nach Einschätzung des Landesrechnungshofes geht durch das einzelne Kopieren von
Formularen bereits wertvolle Arbeitszeit verloren. Die Rückfragen der Schreibkräfte,
sobald ein Vordruck nicht aus sich heraus verständlich ist, sind ein weiterer vermeidbarer Arbeitszeitverlust. Im Hinblick auf den Abbau der Rückstände sollten alle
Möglichkeiten zur Arbeitszeiteinsparung genutzt werden. Daher sollte jeder Rechtspfleger ein eigenes Interesse an einer schnellen, reibungslosen Verfahrensweise bei
den Grundbucheintragungen haben. Dazu dienen anerkanntermaßen einheitliche
Formulare. Wenn diese ausreichend und leserlich zur Verfügung gestellt werden
würden, könnten die Rechtspfleger ihre Arbeitszeit für das Kopieren – noch dazu
schlecht lesbarer – Formulare einsparen.
Dazu gehört es auch, wenn sich auf Initiative der Amtsgerichtsdirektoren die Rechtspfleger auf einheitliche Formulare verständigen könnten, die sie dann nur noch aus-

173
schließlich verwenden. Daß so etwas möglich ist, hat das Amtsgericht Neustrelitz gezeigt. Damit wäre die Übergangszeit bis zum vollständigen Einsatz von IT ausgefüllt.
Das Ministerium bezeichnet die Forderung des Landesrechnungshofes nach Verwendung von Formularen als berechtigt und verweist darauf, daß es in Zusammenarbeit
mit der Landesjustizverwaltung Schleswig-Holstein ein „Normtexthandbuch“ erarbeitet habe, das in der Entwurfsfassung seit September 1997 zur Verfügung stehe.

Anzahl der Unterschriften bei Grundbucheintragungen
(297)

Im Grundbuchamt Schwerin werden alle Grundbucheintragungen zweimal unterschrieben, von der Eintragerin (1. Unterschrift) und vom Rechtspfleger (2. Unterschrift). Hingegen unterschreiben in Neustrelitz und Ludwigslust nur die Rechtspfleger. Dies steht im Einklang mit der Rechtslage in Mecklenburg-Vorpommern. Nach
§ 144 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 und 4 GBO i. V. m. § 2 Abs. 4 Gesetz über die Führung der
Grundbücher vom 14. Juni 1991 (GVOBl. M-V S. 215) besteht eine Alleinzuständigkeit des Rechtspflegers für die Eintragung, ohne daß es der Unterschrift eines weiteren Bediensteten bedarf. Hieraus ließe sich ableiten, daß die Unterschrift des
Eintragers unter die Grundbucheintragung überflüssig ist – es sei denn, sie wird aus
Sicherheitsgründen für erforderlich gehalten.

(298)

Der Landesrechnungshof ist der Ansicht, daß die zweite Unterschriftsleistung einen
vermeidbaren Mehraufwand verursacht, der durch Verzicht wegfallen könnte. In diesem Zusammenhang fällt besonders ins Gewicht, daß der kurzen und knappen Unterschriftsleistung ein zeitaufwendiger Vergleich zwischen Rechtspflegerverfügung und
Eintragung ins Grundbuch vorausgeht, der von Rechtspflegern und Eintragern angestellt werden muß.
Das Ministerium teilt die Einschätzung des Landesrechnungshofes und weist obendrein darauf hin, daß mit der Einführung des elektronischen Grundbuchs die zweite
Unterschrift und das Korrekturlesen von Rechtspflegern und Eintragern ohnehin

174
entfallen werde, da die Eintragung dann vom Rechtspfleger selbst vorgenommen
werden würde. Derzeit sollte jedoch im Interesse, Haftungsansprüche vom Land abzuwenden, die Problematik des Korrekturlesens im Einzelfall angemessen berücksichtigt werden.

Verfügung von Kostenrechnungen
(299)

Den Rechtspflegern obliegt es, in ihrer Eigenschaft als Kostenbeamte im Anschluß
an die Verfügung der Grundbucheintragung die Kostenrechnungen zu verfügen.

(300)

Auch dies sollte nach Auffassung des Landesrechnungshofes mittels PC geschehen.
Auf diesem Weg wird nämlich verhindert, daß der Rechtspfleger zunächst handschriftlich eine Verfügung erstellt, sich bei der Berechnung möglicherweise irrt, die
Schreibkraft maschinell die Verfügung bearbeitet und dabei die Rechenfehler nicht
korrigiert.
Das Ministerium pflichtet dem Landesrechnungshof bei und weist auf die zwischenzeitlich intensive Nutzung des Kostenmoduls ARGUS-GB 2.30 hin.

(301)

Darüber hinaus sollte in Erwägung gezogen werden, die Kostenrechnungen vollständig von den Rechtspflegern am PC erstellen zu lassen. Andernfalls würde das Kostenrechnungsprogramm von ARGUS-GB 2.30 zu wenig genutzt.
Hier strebt das Ministerium eine technische Lösung im Rahmen der Anbindung an
das Profiskal Verfahren an unter dem Hinweis, daß die vollständige Erstellung der
Kostenrechnung durch den Rechtspfleger am PC derzeit unwirtschaftlich sei.

Führung zusätzlicher Statistiken durch die Eintragerinnen
(302)

Aufgabe der Eintragerinnen ist es u. a., Statistiken über die erledigten Eintragungsanträge zu führen und zusätzlich die jeweils älteste nicht erledigte Rechtspflegerverfügung zu notieren. Darüber hinaus erstellen sie jedoch aus eigenem Antrieb Statistiken
über die Anzahl der Beschlüsse, Kostenrechnungen usw., weil sie meinen, daß hieraus Leistungsvergleiche abgeleitet würden.

175
(303)

Der Landesrechnungshof fordert, diese zuletzt genannten zusätzlichen und nicht vorgeschriebenen Statistiken nicht weiterzuführen. Sie belasten nur unnötig die Arbeitszeit der Mitarbeiter.
Das Ministerium bestätigt die Feststellung des Landesrechnungshofes und verweist
auf einen Erlaß – der nach Abschluß der örtlichen Erhebungen ergangen ist –, wonach Statistik und Auswertungen, die von ARGUS-GB 2.30 nicht erstellt werden, bei
den Amtsgerichten nicht mehr zu führen seien.

Einsatz von Informationstechnologie
(304)

An mehreren Stellen wurde bereits auf die Möglichkeit hingewiesen, mittels des Einsatzes von IT zu Verbesserungen in den Arbeitsabläufen zu gelangen (vgl. Tzn. 282,
294, 300, 301). Der mangelnde Einsatz im Rechtspflegerbereich fällt dabei besonders
auf:
So hat im Grundbuchamt des Amtsgerichts Ludwigslust ein Rechtspfleger eine
Schreibmaschine und die übrigen jeweils einen PC, und zwar seit über drei Jahren.
Sie sind jedoch größtenteils ungenutzt. Bislang haben die meisten Rechtspfleger noch
keine Schulung für die Arbeit am PC gehabt. Dies hätte umgehend veranlaßt werden
müssen. Dieses Versäumnis wurde durch den Amtsgerichtsdirektor bestätigt.

(305)

Der Landesrechnungshof beanstandet, daß die Schulung nicht durchgeführt worden
ist. Er hält es für einen schwerwiegenden Fehler, IT anzuschaffen und sie dann nicht
zu nutzen.
Das Ministerium hat im Prüfungsverfahren zunächst auf die bislang angebotenen
Fortbildungsmaßnahmen verwiesen und eingeräumt, daß Rechtspfleger von den Angeboten nicht immer Gebrauch gemacht haben. Das erkläre sich dadurch, daß insoweit das Freiwilligkeitsprinzip gelte.
Die letztgenannte Aussage veranlaßt den Landesrechnungshof ganz grundsätzlich zu
betonen, daß sowohl Beamte als auch Angestellte des öffentlichen Dienstes zur Fortbildung verpflichtet sind. Das ergibt sich ausdrücklich aus § 1 Abs. 1 i. V. m. § 6 der
bis zum 31.12.1996 geltenden Bewährungsanforderungsverordnung MecklenburgVorpommern vom 19. November 1991 (GVOBl. M-V S. 444), der Begründung zu
§ 58 Landesbeamtengesetz Mecklenburg-Vorpommern in der Landtags-Drs. 1/2350

176
sowie der Kommentierung zu der Parallelvorschrift zu § 58 Landesbeamtengesetz
Mecklenburg-Vorpommern im Bundesbeamtengesetz sowie aus der Kommentierung
zu der Parallelvorschrift im BAT-O.
In seiner Stellungnahme zum Entwurf dieses Jahresberichtsbeitrags hat das Ministerium jedoch letztlich die Rechtsauffassung des Landesrechnungshofes geteilt. Der
„Ausbildungspflicht“ der Beschäftigten sei das Ministerium in den vergangenen Jahren auch im Vergleich zu anderen Ressorts der Landesverwaltung in besonderer Weise nachgekommen. Den Pflichtveranstaltungen nach der Bewährungsanforderungsverordnung sei im vorgeschriebenen Maße entsprochen worden. Gleichwohl könnten
nicht alle fachlichen Defizite durch Fortbildung zur gleichen Zeit behoben werden.
Im übrigen werde darauf hingewiesen, daß nach allgemeinen Personalführungsgrundsätzen und personalwirtschaftlichen Überlegungen der Erfolg einer Fortbildungsmaßnahme gesichert werden könne, wenn die Teilnahme auf freiwilliger Basis
des Fortzubildenden erfolgt. Eine notfalls auch disziplinar durchgesetzte Teilnahme
an einer Fortbildungsveranstaltung könne keinen durchgreifenden Ausbildungserfolg
bringen. In Geschäftsbereichen mit langandauernder Arbeitsbelastung und damit verbundener Überbelastung der eingesetzten Mitarbeiter könne die Verpflichtung zur
Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen nur mit dem nötigen personalführenden
"Fingerspitzen"-Gefühl durchgesetzt werden, zumal eine entlastende Vertretung während der Teilnahme an der Fortbildungsveranstaltung nur begrenzt sicherzustellen
wäre.
Der Landesrechnungshof wird dem Bereich der Fortbildung innerhalb des Ministeriums, der schon in der Vergangenheit Gegenstand von Bemerkungen im Jahresbericht
1995 war (siehe Tzn. 212 bis 216 und auch den Beschluß des Landtags auf
Drs. 2/1921), auch in Zukunft Beachtung schenken.
(306)

In allen geprüften Grundbuchämtern äußerten die Eintragerinnen, daß sie mit ihrer
PC-Hardware und dem ARGUS-GB 2.30-Programm Probleme hätten. Hierüber hat
der Landesrechnungshof das Ministerium im einzelnen informiert und hierzu die
Auffassung vertreten, daß die subjektive Unzufriedenheit in den Grundbuchämtern
als Hindernis bei der Arbeitsbewältigung nicht unterschätzt werden dürfe und unbedingt zu beseitigen sei.

177
Das Ministerium hat die Einschätzung der Eintragerinnen mit den „normalen“ Umstellungsschwierigkeiten bei der Einführung von ARGUS-GB 2.30 erklärt, die genau
z. Z. der örtlichen Erhebungen des Landesrechnungshofes vorgenommen worden sei.

Personalbedarfsberechnung
(307)

Die Personalbedarfsberechnung in der ordentlichen Gerichtsbarkeit (Kapitel 0902 –
Gerichte und Staatsanwaltschaften) erfolgt für alle Laufbahnen ausschließlich nach
dem Bundespensenschlüssel. Es gibt damit keine gesonderte Personalbedarfsermittlung für Rechtspfleger und Folgebereich in den Grundbuchämtern, wie es auch keinen gesonderten Stellenplan für ein Grundbuchamt gibt. Nach dem Bundespensenschlüssel werden die einzelnen Dienstgeschäfte im Rechtspflegerbereich, wie Testamentseröffnungen, Erbscheinerteilungen, Eigentumsänderungen und Löschungen im
Grundbuch, bewertet und ermittelt, welche Anzahl von Rechtspflegern zur Bewältigung der insgesamt im Rechtspflegerbereich anfallenden Dienstgeschäfte innerhalb
eines Jahres benötigt wird. Dabei wird unterstellt, daß der eingehende Geschäftsanfall in angemessener Zeit erledigt wird. Der so errechnete Bedarf an Beamten des gehobenen Dienstes ist Grundlage der jährlichen Stellenplananmeldungen. Kleinste
mögliche Einheit für die Stellenzuweisung ist somit das Amtsgericht. Dem Direktor
eines jeden Amtsgerichtes obliegt es, die ihm zur Dienstleistung zugewiesenen – tatsächlich eingesetzten – Rechtspfleger so in den einzelnen Abteilungen des Gerichts
einzusetzen, daß die jeweiligen Aufgaben erfüllt werden können. Wesentlich für die
Aufgabenerfüllung ist somit die tatsächliche Personaleinsatzsteuerung.

(308)

Der Bundespensenschlüssel berücksichtigt im Grundbuchbereich jedoch – abweichend von anderen Geschäftsbereichen – nicht die eingegangenen Anträge/Vorgänge,
sondern ermittelt den Personalbedarf auf der Grundlage der Erledigungen. Der ausschließlich an der Erledigung orientierte Personalbedarf berücksichtigt somit nicht,
daß in den Grundbuchämtern der neuen Bundesländern erhöhte Antragszahlen zu bearbeiten sind. Hinzu kommt noch der Umstand, daß die Rechtspfleger in den Grundbuchämtern der neuen Bundesländern aufgrund ihres Ausbildungsstandes nicht über
die Leistungsfähigkeit eines erfahrenen Rechtspflegers aus den alten Bundesländern
verfügen und teilweise noch kein ganzes Rechtspflegerpensum nach Bundespensenschlüssel erreichen.

178
(309)

Unter Zugrundelegung des Bundespensenschlüssels ist auch zu ersehen, ob die eingesetzten Rechtspfleger jeweils ein ganzes Pensum schaffen oder aber nicht. Der ausschließlich an der Erledigung orientierte Personalbedarf nach Bundespensenschlüssel
vernachlässigt jedoch den tatsächlich vorhandenen Geschäftsanfall einschließlich der
unerledigten Rückstände und die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der tatsächlich
eingesetzten Rechtspfleger. Wegen der o. g. Gründe besteht gerade in den neuen
Bundesländern ein erheblicher Mehrbedarf. Der an sich notwendige Personalmehrbedarf kann allerdings nicht abgedeckt werden, denn es stehen zum einen Haushaltszwänge entgegen, zum anderen gibt es auf dem Arbeitsmarkt keine ausgebildeten
Rechtspfleger, die geeignet sind, eingestellt zu werden.
Es war daher von Anfang an erklärter Wille des Ministeriums und des Präsidenten
des Oberlandesgerichts Rostock, im Einvernehmen mit den Präsidenten der Landgerichte die Grundbuchabteilung eines jeden Amtsgerichts zu Lasten der anderen Abteilungen des Amtsgerichts vorübergehend überproportional auszustatten, d. h., innerhalb des Amtsgerichts galt es, Personal umzusetzen.
Mit dieser internen Personaleinsatzsteuerung in den Grundbuchämtern wich das Ministerium vom Bundespensenschlüssel ab. Zur Ermittlung eines rückstandsorientierten Personalbedarfs geht es davon aus, daß ein Rechtspfleger im Jahr durchschnittlich 2.400 Ordnungsnummern erledigt. Pro Rechtspfleger bedarf es eines Folgepersonals von 1,4 Grundbucheintragern und 0,7 Geschäftsstellenmitarbeitern. Letzteres
wiederum entspricht dem Bundespensenschlüssel.

(310)

Dieses vom Ministerium vorgegebene interne Instrument der Personalsteuerung wurde aber in den Amtsgerichten für die interne Personalverteilung nach den jeweiligen
Bedürfnissen abgewandelt. Ein Vergleich der tatsächlichen Eingänge (Ordnungsnummern) ergab, daß in allen geprüften Grundbuchämtern mehr Rechtspfleger gegenüber der Vorgabe eingesetzt wurden.
Das Ministerium begründete die Personalverteilung innerhalb des Amtsgerichts Neustrelitz damit, daß der Einsatz der Rechtspfleger für andere Tätigkeiten berücksichtigt
werden mußte. Insoweit wird ihr Einsatz auch nur anteilig bei der internen Personaleinsatzsteuerung in Ansatz gebracht. Tatsächlich gab es im Grundbuchamt des
Amtsgerichtes Neustrelitz keine Rückstände im Rechtspflegerbereich, dafür aber im
Schreibbereich. Der Mehreinsatz im Grundbuchamt des Amtsgerichtes Ludwigslust

179
wurde mit Sollabminderungen, langer Krankheit von Rechtspflegern und örtlichen
Besonderheiten begründet. Auch im Grundbuchamt des Amtsgerichtes Schwerin gaben besondere Bedingungen den Ausschlag für den erhöhten Personaleinsatz. Der
Amtsgerichtsdirektor glich das Nichterreichen der Vorgabe durch den Mehreinsatz
von Rechtspflegern aus. Er stellte nach eigenen Überprüfungen anhand einer Hochrechnung erledigter Ordnungsnummern dividiert durch den Ist-Bestand seiner
Rechtspfleger fest, daß bis September 1997 nur 2.002 Ordnungsnummern geschafft
seien. Er wies darüber hinaus darauf hin, daß damit das laufende Geschäft, aber nicht
die Rückstände bewältigt werden könnten. Dazu wären weitere Rechtspflegerstellen
erforderlich.
Das Ministerium wies darauf hin, daß die Hilfsmeßzahl von 2.400 Ordnungsnummern pro Rechtspfleger und Jahr eine anhand von Erfahrungswerten – unabhängig
von der konkreten Situation des einzelnen Grundbuchamtes – als Durchschnitt aller
Grundbuchämter des Landes zu einem bestimmten Zeitpunkt ermittelte Größe sei.
Dieser Durchschnittswert habe vorübergehenden, der Veränderung unterliegenden
Charakter.
Im Gegensatz zum Landesrechnungshof vertritt das Ministerium die Auffassung, daß
die variable Handhabung der Hilfsmeßzahl Anerkennung verdiene. Soweit, wie vom
Landesrechnungshof festgestellt, Grundbuchämter überproportional mit Personal
ausgestattet seien, sei das den auch volkswirtschaftlich bedeutsamen Aufgaben der
Grundbuchämter geschuldet und zu Lasten anderer Abteilungen des Amtsgerichtes
erfolgt.
Die Anwendung der Hilfsmeßzahlen diene ausschließlich der internen Personaleinsatzsteuerung, während die Personalbedarfsberechnung ausschließlich nach dem
Bundespensenschlüssel erfolge. Auch werde durch die Anwendung der Hilfsmeßzahlen auf die konkreten Bedingungen des jeweiligen Grundbuchamtes – wie beim
Grundbuchamt des Amtsgerichtes Schwerin – geradezu offengelegt, daß Rechtspfleger die landesdurchschnittlich ermittelten Ordnungszahlen nicht bewältigen.
(311)

Der Landesrechnungshof sieht in der Abweichung von den vom Ministerium vorgegebenen Zahlen die Gefahr, daß immer der vorhandene Personalbedarf legitimiert
werden kann und verdeckt wird, daß die Rechtspfleger weder die ihnen landesweit
vorgegebenen Ordnungsnummern noch das Pensum nach Bundespensenschlüssel

180
bewältigen. Der Abbau von Rückständen ist aber nur möglich, wenn zumindest die
Durchschnittszahl, bei extremen Bedingungen sogar mehr als diese, erreicht werden.

Maßnahmen zum Abbau der Rückstände
(312)

Zum Abbau der Rückstände wurden zusätzlich entweder Sondereinsätze geleistet
oder Akten an Rechtspfleger in den Altländern versandt.
Das hat den Landesrechnungshof zu der Frage veranlaßt, ob das Ministerium im Wege des Kostenvergleichs geprüft hat, statt dessen ggf. bezahlte Überstunden anzuordnen.
Im Hinblick auf die Langfristigkeit der erforderlichen Maßnahmen zum Abbau der
Rückstände erscheint dem Ministerium das Instrument der Anordnung von Mehrarbeit bzw. Überstunden wenig geeignet, da ansonsten zeitlich verlagerte Fehlzeiten
auftreten würden, denn Überstunden seien in erster Linie durch Freizeitausgleich abzugelten.
Damit ist das Ministerium aber nicht auf § 78 Abs. 4 letzter Satz Landesbeamtengesetz Mecklenburg-Vorpommern eingegangen. Hiernach können dann, wenn ein Freizeitausgleich aus zwingenden dienstlichen Gründen nicht möglich ist, Beamte in Besoldungsgruppen mit aufsteigenden Gehältern für einen Zeitraum bis zu 40 Stunden
im Monat nach Maßgabe des Besoldungsrechts eine Vergütung erhalten. Vergleichbares gilt im Angestelltenbereich nach § 17 Abs. 5 letzter Satz i. V. m. § 35 Abs. 3
2. Unterabsatz BAT-O.

(313)

Zum Abbau der Rückstände warb das Ministerium in der Maßnahmegruppe 06 im
Kapitel 0901 in den Haushaltsjahren 1994 1,5 Mio. DM, 1995 2,2 Mio. DM und
1996 950.000 DM ein. Hierbei ging es davon aus, daß es aus Organisations- und Kapazitätsgründen ohnehin nicht vorgesehen war, die Rückstände in dem jeweiligen
Haushaltsjahr abzubauen. Vor diesem Hintergrund sei für die Veranschlagung der
Haushaltsmittel die „Hamburger Zählweise“ ohne Bedeutung gewesen. Die Situation
der Grundbuchämter habe Sondermaßnahmen unabhängig von der konkreten Höhe
der unerledigten Anträge erfordert. Es hätte keinen Sinn gemacht, die Höhe der veranschlagten Haushaltsmittel aus den Rückstandszahlen abzuleiten.

181
Gleichwohl ist der Landesrechnungshof der Ansicht, daß die Höhe der Rückstände
als politisches Druckmittel nicht unerhebliche Bedeutung für die Mitteleinwerbung
hat. Die Rückstandshöhe unterstreicht nämlich die Dringlichkeit der Mitteleinwerbung: Beispielsweise wirken 17.000 unerledigte Anträge überzeugender als etwa 5.000. Insoweit ist auch hier die Richtigkeit von Statistiken von Bedeutung.
(314)

Während sich die Aktenversendung im Amtsgericht Schwerin und die Wochenendeinsätze im Amtsgericht Neustrelitz bewährt haben, gab es Probleme im Grundbuchamt des Amtsgerichts Ludwigslust. Dort gestaltete sich die Aktenversendung derart,
daß insbesondere die leicht zu bearbeitenden Akten "en masse" an fünf verschiedene
Rechtspfleger in den alten Bundesländern versandt wurden. Diese wurden von den
Rechtspflegern bearbeitet, d. h., es wurden Verfügungen erstellt. Dies alles geschah
handschriftlich. Die Akten nebst Verfügung wurden sodann dem Grundbuchamt
Ludwigslust zurückgesandt, um dort von den Eintragerinnen geschrieben zu werden.
Wegen der handschriftlichen Verfügung war die Eintragung ins Grundbuch z. T. mit
Fehlern behaftet. Nach Aussage des Direktors des Amtsgerichtes Ludwigslust sind in
Einzelfällen – je nach bearbeitendem Rechtspfleger – Nacharbeiten bei bis zu 50 %
der im Wege der Aktenversendung erledigten Verfahren notwendig gewesen; jedoch
gilt dies keineswegs für alle von auswärtigen Rechtspflegern erledigten Verfahren.
Deswegen kam es zu Nachbesserungen, die z. T. von den Rechtspflegern und Eintragerinnen vor Ort vorgenommen werden mußten. Dies alles führte zu einem erheblichen Rückstau.
Die Anträge galten zwar statistisch als erledigt, da sie bereits verfügt worden sind.
Tatsächlich lagen sie jedoch auf Halde in den Büros der Eintragerinnen. Je nach
Rücksendung der versandten Akten lagen diese also in ihrem Arbeitspensum in
Rückstand hinter der Statistik. Dieser Zustand ist auch als Schwäche der Statistik anzusehen.
Nach Hinweis des Ministeriums besteht diese bemängelte Schwäche der Statistik mit
Einführung von ARGUS-GB 2.30 nicht mehr.
Neben dem Schreiben der Grundbucheintragungen lasen die Eintrager noch zusätzlich Korrektur der auswärtig verfügten Eintragungen. Dies geschah entweder mit den
Rechtspflegern vor Ort oder auch mit den dafür angereisten amtsfremden Rechtspflegern. Entsprechend hatten auch die amtsangehörigen Rechtspfleger bei der Akten-

182
versendung Mehrarbeit zu leisten, denn sie wurden darüber hinaus sowohl hinsichtlich der Lesbarkeit der Verfügungen als auch der rechtlichen Würdigung der
Verfügungen von den Eintragerinnen befragt. Die Lesbarkeit der Verfügungen ist im
Laufe der

183
Zeit mit dem Einsatz von einer kleineren Anzahl von Rechtspflegern eher gewährleistet worden, denn so hatten die Eintragerinnen die Möglichkeit, mit dem Schriftbild vertraut zu werden. Mehrarbeit gab es auch für die Geschäftsstellen aufgrund
dieser Aktionen, da diese den Aktenversand zu überwachen und zu bearbeitende Akten teilweise auch zu fotokopieren hatten.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

184
Anlage 1
Aufbauorganisation im Grundbuchamt Ludwigslust zum Zeitpunkt der örtlichen Erhebungen

Geschäftsstelle 1

Geschäftsstelle 2

Geschäftsstelle 3

Geschäftsstelle 4

Geschäftsstelle 5

Gemarkungen A

Gemarkungen B

Gemarkungen C

Gemarkungen D

Gemarkungen E

Rechtspfleger 1
90% GB
10% IT
Endziffern 0, 1

Rechtspfleger 2
100% GB
Endziffern 3, 5

Rechtspfleger 3
80% GB
20% PersV
Endziffern 7, 8

Rechtspfleger 4
75% GB
25%ZV
Endziffern 4, 6

Rechtspfleger 5
75% GB
25% ZV
Endziffern 2, 9

Kanzleikraft 1

Kanzleikraft 2

Kanzleikraft 3

Kanzleikraft 4

Kanzleikraft 5

Endziffern 0, 3

Endziffern 1, 5

Endziffern 2, 7

Endziffern 4, 8

Endziffern 6, 9

185
Anlage 2
Aufbauorganisation im Grundbuchamt des Amtsgerichtes Ludwigslust nach den örtlichen Erhebungen
Service-Einheiten 1

Untergruppe 1

Untergruppe 2

Rechtspfleger 1

Rechtspfleger 2

Geschäftsstelle 1

Service-Einheiten 2

Rechtspfleger 3
50%
50%
SE 1
SE 2

Rechtspfleger 4
50%
50%
SE 1
SE 2

Geschäftsstelle 2

Untergruppe 1

Untergruppe 2

Rechtspfleger 5

Rechtspfleger 6

Geschäftsstelle 3

Geschäftsstelle 4

Eintrager 4

Eintrager 5

Kostenbeamter
50%
50%
SE 1
SE 2

Eintrager 1

SE
GB
IT
PersV
ZV

Service-Einheit
Grundbuchsachen
Informationstechnik
Personalvertretungsangelegenheiten
Zwangsvollstreckung

Eintrager 2

Eintrager 3
50%
50%
SE 1
SE 2

186

Gutachten zur Krankenhausplanung
in Mecklenburg-Vorpommern

Der Landesrechnungshof beauftragte das Institut
für Gesundheits-System-Forschung GmbH Kiel
(IGSF) mit der Erstellung eines Gutachtens zur
Krankenhausplanung

in

Mecklenburg-

Vorpommern. Der Landesrechnungshof hat mit
diesem Gutachten das Sozialministerium bei seiner Aufgabe, Krankenhauspläne für die Jahre
1998 und 2000 zu erstellen, beraten.
Das Sozialministerium hat das Gutachten den an
der Krankenhausplanung beteiligen Organisationen nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt,
obwohl dies im Rahmen einer engen Zusammenarbeit geboten war.
Das Gutachten wurde für die Aufstellung des
Krankenhausplanes 1998 und wird für die Erarbeitung des Krankenhausplanes 2000 vom Sozialministerium mit herangezogen.

(315)

Gemäß § 23 Abs. 1 Landeskrankenhausgesetz (LKHG) mußte das Sozialministerium
zum 1.1.1998 einen neuen Krankenhausplan für Mecklenburg-Vorpommern aufstellen.
Zur Unterstützung der Planungsarbeit hat der Landesrechnungshof im Rahmen seiner
Aufgabe, die Landesregierung und einzelne Minister zu beraten, vom Institut für Gesundheits-System-Forschung GmbH in Kiel (IGSF), einem Fachinstitut auf dem Gebiet der Krankenhausplanung, ein Gutachten zur Krankenhausplanung in Mecklenburg-Vorpommern erstellen lassen.

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Gegenstand des Gutachtens ist ein Vorschlag für eine bedarfsgerechte, wirtschaftliche und leistungsfähige Krankenhausstruktur in Mecklenburg-Vorpommern.
Der Landesrechnungshof hat sich dieses Gutachten zu eigen gemacht und dem Sozialminister und den sonst beteiligten Ministerien als Beratungsunterlage vorgelegt.

Erstellung des Gutachtens
(316)

Das IGSF wurde im November 1996 mit der Erstellung des Gutachtens beauftragt.
Es wurden die beteiligten Ministerien, die Landesverbände der Krankenkassen, die
Verbände der Ersatzkassen, der Landesausschuß des Verbandes der privaten Krankenversicherung, die Krankenhausgesellschaft des Landes, die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, die Kassenärztliche Vereinigung, die Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern, die Verbände der Krankenhausdirektoren und der Leitenden
Krankenhausärzte und die kommunalen Spitzenverbände unterrichtet.
Das IGSF hat zunächst in umfangreichen örtlichen Erhebungen sowie in Gesprächen
mit den betroffenen Ressorts und den oben angeführten Institutionen die notwendigen Daten erhoben.

(317)

Bei der Erstellung des Gutachtens hat es sich von folgenden Gesichtspunkten leiten
lassen:
Als Maßstab hat sich das IGSF für die Krankenhausplanung an den gesetzlichen
Grundlagen §§ 109, 110 SGB V bzw. § 8 KHG orientiert. Danach dürfen Krankenhäuser in den Krankenhausbedarfsplan eines Landes nur aufgenommen werden,
wenn sie auf Dauer die Gewähr dafür bieten, daß sie bedarfsgerecht, leistungsfähig
und wirtschaftlich sind.
Das Sozialministerium kritisiert in diesem Zusammenhang, daß die bereits getätigten
Investitionen in den einzelnen Krankenhäusern nicht berücksichtigt wurden.
Für die Krankenhausplanung sind die bereits getätigten Investitionen jedoch kein
Kriterium. Daher war es sachgerecht, daß das IGSF die Investitionen bei der Ermittlung des Planbettenbedarfs zunächst nicht berücksichtigt hat. Im nächsten Schritt erfolgte die Verteilung der Betten nach Fachgebieten auf einzelne Standorte. Hier hat
das IGSF bei Auswahlentscheidungen zwischen gleichwertigen Standorten, von de-

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nen einer aufgrund des erforderlichen Bedarfs aus dem Krankenhausplan ausscheiden
mußte, als zusätzliches Kriterium den Investitionsstand herangezogen.
Ein Krankenhaus sollte im Regelfall zumindest die Abteilungen Innere Medizin und
Chirurgie haben, die jeweils eine Abteilungsgröße von 70 Betten besitzen sollten.
Insgesamt ergibt sich so eine Krankenhausmindestgröße von 140 Betten.
Die bestehende Krankenhausstruktur in Mecklenburg-Vorpommern war zugrunde zu
legen. Kriterien wie die Bevorzugung von zentralen Orten als Krankenhausstandort,
Wohnortnähe oder eine maximale Entfernung von 25 bis 30 km bis zum nächsten
Krankenhaus sind einbezogen worden, ebenso ein ausgewogenes medizinisches Angebot in den einzelnen Regionen.
Für die Kostenstruktur von Krankenhäusern ist nicht mehr die Bettenanzahl ausschlaggebend, sondern die erbrachten Leistungen des Krankenhauses und die Größe
der Funktionsbereiche (z. B. Operationsbereiche, Labore usw.) sind maßgeblich. Ein
Bettenabbau ohne Schließung von Standorten und ohne Konzentration von bestimmten Leistungsangeboten an ausgewählten Standorten reicht daher für eine wirtschaftliche Krankenhausstruktur nicht aus. Zu beachten ist auch, daß sehr kleine Krankenhäuser höhere Gesamtkosten je Behandlungsfall haben, die niedrigsten Kosten entstehen in Krankenhäusern mit ca. 250 Betten.
Bei einer günstigen Krankenhausstruktur werden Investitionen ausschließlich in bedarfsnotwendige Krankenhäuser gelenkt. Durch eine derartige Krankenhausstruktur
werden auch die allgemeinen Krankenhauskosten und damit auch die Lohnnebenkosten günstig beeinflußt. Die Kosten unwirtschaftlicher Krankenhäuser müssen von den
Versicherten der Krankenkassen über die Pflegesätze finanziert werden und bedingen
somit hohe Krankenkassenbeiträge. Die allgemein für notwendig erachtete Senkung
der Lohnnebenkosten zur Erhöhung des Beschäftigtenniveaus wird durch eine ungünstige Krankenhausstruktur verhindert. Unwirtschaftliche Krankenhäuser kosten
damit aufs Ganze gesehen Arbeitsplätze und erhalten sie nicht.
Arbeitsmarktpolitische Aspekte haben bei der Erstellung des Gutachtens bewußt keine Rolle gespielt. Dies erklärt sich dadurch, daß sie bei der Krankenhausplanung als
einer rechtlich geprägten Fachplanung keine Rolle spielen dürfen. Bei den Parametern, die für die Krankenhausplanung von Bedeutung sind, haben Bundes- und Lan-

189
desgesetzgeber beim Erlaß von Krankenhausgesetzen die Frage des Erhalts von Arbeitsplätzen nicht mit einbezogen.

190

Ergebnis des Gutachtens
(318)

Das IGSF hat für Mecklenburg-Vorpommern einen Bedarf von 11.094 Betten errechnet. Das sind rd. 2.000 Betten weniger, als der Krankenhausplan vom
8. Dezember 1992 (AmtsBl. M-V S. 1555 ff.) für den 31.12.1997 vorgesehen hat.
Der errechnete Bettenbedarf wurde auf die Fachgebiete und dann auf Krankenhausabteilungen verteilt. Dabei wurden zur Gewährleistung einer ausreichenden medizinischen Versorgung bestimmte Mindestgrößen für die einzelnen Abteilungen
zugrunde gelegt.
Das Gutachten schlägt vor, daß von den bisherigen 39 Krankenhäusern zehn (Alternativlösung elf) Häuser aus dem Krankenhausplan ausscheiden und daß die erforderlichen Krankenhausbetten auf 28 bzw. 29 leistungsfähige Krankenhäuser verteilt
werden. Insgesamt ergibt sich damit eine Krankenhausstruktur aus großen und kleinen Krankenhäusern mit einem Netz von Spezialeinrichtungen. Sie sind über das
ganze Land verteilt und nicht nur auf die Standorte Rostock, Greifswald, Neubrandenburg und Schwerin konzentriert.10
Das Sozialministerium erklärt, es sei verpflichtet, Krankenhäuser in den Krankenhausplan aufzunehmen, wenn sie in ihrem Einzugsbereich die bestehenden Bedarfe
abdecken, d. h., wenn sie entsprechend ausgelastet sind. Ein Überangebot an Betten
gebe es zur Zeit nicht.
Das Sozialministerium und der Landesrechnungshof stehen in ständiger Diskussion
über die Parameter künftiger Krankenhausplanungen.

Beratung der Landesregierung
(319)

Mit dem Gutachten, dessen Ergebnisse er sich zu eigen gemacht hat, hat der Landesrechnungshof das Sozialministerium und die Landesregierung bei ihrer Aufgabe, den
zum 1.1.1998 vorzulegenden Krankenhausplan zu erstellen, beraten (§ 88 Abs. 3 LHO).
Der Landesrechnungshof hat das Gutachten im September 1997 nur dem Sozialministerium und den sonst beteiligten Ressorts zugeleitet. Er wollte dadurch die Planungskompetenz der Landesregierung, insbesondere aber des Sozialministeriums wahren.

10

Von den 39 Krankenhäusern sind schon drei aus dem Krankenhausplan ausgeschieden, ein Krankenhaus soll
im Jahr 1999 folgen. Diese Häuser werden damit nicht mehr vom Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert. Ein

191
Aufgrund des starken öffentlichen Interesses an dem Gutachten hat sich der Landesrechnungshof gleichzeitig damit einverstanden erklärt, daß das Sozialministerium das
Gutachten dem Landtag und den an der Krankenhausplanung beteiligten Stellen weiterleitet.
Da das Sozialministerium bis Anfang Oktober nicht bereit war, das Gutachten zu
veröffentlichen, hat der Landesrechnungshof das Gutachten in einer Pressekonferenz
der Öffentlichkeit vorgestellt und es dem Landtag und den Planungsbeteiligten zugeleitet.

Fehlende Information der Planungsbeteiligten
(320)

An der Krankenhausplanung sind die Landesverbände der Krankenkassen, die Verbände der Ersatzkassen, der Landesausschuß des Verbandes der privaten Krankenversicherung, die Krankenhausgesellschaft des Landes und die kommunalen Landesverbände sowie die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern beteiligt. Nach § 27
Abs. 2 Landeskrankenhausgesetz (LKHG) hat der Sozialminister mit den Beteiligten
eng zusammenzuarbeiten. Zu einer vertrauensvollen, engen Zusammenarbeit gehört
eine umfassende Information der Beteiligten; deshalb dürfen ihnen auch krankenhausspezifische Daten, die sie im Rahmen ihrer Mitwirkung an Krankenhaus- und
Investitionsplanung benötigen, übermittelt werden. Die aktuellen Daten und Erkenntnisse des Gutachtens wären für die Planungsbeteiligten eine wichtige Entscheidungsgrundlage gewesen. Dies haben sie sowohl gegenüber dem Sozialministerium als
auch gegenüber dem Landesrechnungshof deutlich gemacht. Dennoch hat ihnen das
Sozialministerium den Inhalt des Gutachten vorenthalten. Die Planungsbeteiligten
sind also für ihre Entscheidungsfindung zum Krankenhausplan nicht ausreichend informiert worden.

Der neue Krankenhausplan
(321)

Bei der Krankenhausplanung hat der Sozialminister Einvernehmen mit den unmittelbar Beteiligten anzustreben (vgl. § 27 Abs. 1 LKHG). Unter anderem wegen der unzureichenden Information der Planungsbeteiligten konnte zum Entwurf des neuen

Krankenhaus wurde in ein „Integratives Gesundheitszentrum“ umgewandelt. Darüber hinaus bestehen in Mecklenburg-Vorpommern noch drei Tageskliniken und ein Neurologisches Zentrum.

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Krankenhausplans kein Einvernehmen des Sozialministers mit den übrigen Planungsbeteiligten erreicht werden. Die Verbände der Krankenkassen und der Ersatzkassen stimmten dem Entwurf des Krankenhausplanes nicht zu. Trotzdem wurde der
Krankenhausplan am 18.11.1997 vom Kabinett gebilligt. Der Sozialminister machte
von seinem Letztentscheidungsrecht Gebrauch und setzte den Krankenhausplan zum
1.1.1998 für die Dauer von zwei Jahren in Kraft (AmtsBl. M-V S. 201 ff.).
Trotz der unzureichenden Auseinandersetzung mit dem Gutachten spiegeln sich einige seiner Erkenntnisse in dem neuen Krankenhausplan wider. Das Sozialministerium
erklärte dazu, daß allerdings aufgrund der Kürze der Zeit zwischen dem Erhalt des
Gutachtens und dem Erlaß des Krankenhausplanes das Gutachten für diesen Krankenhausplan nicht in allen Einzelheiten behandelt werden konnte.
(322)

Am 1.1.2000 soll ein neuer Krankenhausplan in Kraft treten. Die Erkenntnisse des
Gutachtens zur Krankenhausplanung sollen bei der Aufstellung dieses Planes für jeden einzelnen Krankenhausstandort mit herangezogen werden. Das Sozialministerium will dazu das Gutachten in seinen Einzelheiten auswerten.
Auch die sonstigen Planungsbeteiligten haben erklärt, daß die Ergebnisse des Gutachtens für ihre weiteren Überlegungen zur Krankenhausplanung großes Gewicht haben.
Der Landesrechnungshof wird den Fortgang der Krankenhausplanung weiter verfolgen. Der Krankenhausplan für das Jahr 2000 muß das Ziel haben, die knappen öffentlichen Mittel möglichst sparsam einzusetzen und gleichzeitig eine optimale aber
wirtschaftliche medizinische Versorgung der Bevölkerung sicher zu stellen. Hierzu
gehört auch, daß durch Investitionen, die aus öffentlichen Mitteln gefördert werden,
keine unnötigen Folgekosten verursacht werden. Denn diese Kosten müssen über
Pflegesätze, also letztendlich von den Versicherten und ihren Arbeitgebern getragen
werden.
Die großen finanziellen Probleme der Krankenversicherungen in den neuen Ländern
und ihre Auswirkungen auf die Krankenhausplanung verdeutlicht das GKV-Finanzstärkungsgesetz vom 24. März 1998. Zur Defizitentwicklung der Krankenversicherungen trug auch eine überproportionale Steigerungsrate bei den Kosten der Krankenhausbehandlung bei. Zur Lösung der Probleme soll der für die Jahre 1999 bis
2001 geltende Risikostrukturausgleich zwischen den Krankenversicherungen im ge-

193
samten Bundesgebiet beitragen (für 1999 begrenzt auf einen Transfer von maximal 1,2 Mrd. DM von den West- an die Ost-Krankenkassen) sowie die Möglichkeit,
Darlehensaufnahmen in den neuen Ländern 1998 auch nachträglich zu gestatten.
Für diese Hilfen werden von den Krankenkassen Einsparbemühungen erwartet. Ebenso werden von den Landesregierungen
−= „ein weiterer und verstärkter Abbau von Überkapazitäten in der stationären Versorgung u. a. durch Schließung bzw. Zusammenlegung ganzer Einheiten (Abteilungen, Krankenhäuser),
−= Unterstützung von an dem Grundsatz der Beitragsstabilität orientierten Budgetverhandlungen im Krankenhausbereich, ...
−= Anpassung der Rettungsdienstgesetze ... (und Voraussetzungen für) im Bereich
des Krankentransports/Rettungsdienstes ... wirtschaftliche Entgelte “
gefordert (vgl. Begründung zum Gesetzentwurf des GKV-Finanzstärkungsgesetz,
Bundestags-Drs. 13/9377).
Die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen.

194

Zuwendungen für arbeitsmarktpolitische
Maßnahmen des Landes

Ein Zuwendungsempfänger hat die im Rahmen
von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen auch mit
Landeszuschüssen

in

Höhe

von

mehr

als

2 Mio. DM rekonstruierten Schiffe nach Fertigstellung entgegen der Zweckbindung nicht für die
Jugendsozialarbeit in Mecklenburg-Vorpommern
eingesetzt. Ein Schiffseigner hat sich für die Nutzung des Schiffes „Chartergebühren“ zahlen lassen.
Das Sozialministerium hat diese sowie die im
Jahresbericht 1997 genannten Verstöße gegen
das Zuwendungsrecht durch
−= eine unzureichende Antragsprüfung,
−= nicht hinreichend bestimmte Bescheide,
−= unzulässige Vorauszahlungen von Mitteln,
−= oberflächliche Kontrolle der Mittelverwendung
begünstigt und die Verstöße letztlich auch nicht
beanstandet.

(323)

Der Landesrechnungshof hat dem Sozialministerium weitere Mitteilungen über die
Prüfung bei ausgewählten Maßnahmeträgern des Landesprogramms „Arbeit für
Mecklenburg-Vorpommern“ (AMV) vorgelegt, nachdem er in einem ersten Teil zunächst die Prüfungsergebnisse bei vier Zuwendungsempfängern mitgeteilt hatte (siehe Jahresbericht 1997 Tzn. 290 bis 331).

195
(324)

Der dem Sozialministerium vorgelegte zweite Teil der Prüfungsmitteilung umfaßt die
Ergebnisse der örtlichen Erhebungen bei fünf anderen Zuwendungsempfängern sowie
die sich insgesamt aus der Prüfung ergebenden Feststellungen zur Förderpraxis des
Sozialministeriums.

(325)

Besonderes Gewicht haben die Prüfungsergebnisse bei einem Verein für Erlebnispädagogik sowie die zusammengefaßten Feststellungen zur Förderpraxis des Sozialministeriums. Im Folgenden wird zuerst über die wesentlichen Feststellungen bei dem
geprüften Verein berichtet und sodann über die Beanstandungen, die aufgrund der
Prüfung bei den insgesamt neun Zuwendungsempfängern gegen das Sozialministerium als der für die Zuwendungsgewährung verantwortlichen Stelle zu richten waren.

Verein für Erlebnispädagogik
(326)

Der Verein hat von 1991 bis 1994 24 Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Rahmen
des Projekts „Restaurierung von ... (Schiffen) für die sozialpädagogische Jugendarbeit“ durchgeführt. Er hat dafür auch sogenannte Sachkostenzuschüsse des Sozialministeriums in Höhe von rd. 2 Mio. DM erhalten. Da die zu restaurierenden Schiffe
nicht im Eigentum des Vereins standen, sondern einzelnen Vorstandsmitgliedern des
Vereins gehörten, fand an den privaten Schiffen eine Wertsteigerung mit öffentlichen
Mitteln statt. Eine Förderung dieser Projekte im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) bzw. des Landesprogramms AMV war nur dadurch möglich geworden, daß der Verein bereits mit der Antragstellung zusicherte, die Schiffe nach
Fertigstellung „in der Jugendarbeit in den neuen Bundesländern“ einzusetzen und
die Schiffe „den Zielen der Jugendhilfe und Jugendpflege“ entsprechend zu nutzen.
Der Landesrechnungshof hat insbesondere beanstandet, daß der Verein
−= das Arbeitsamt und das Sozialministerium bei Antragstellung über den tatsächlichen Einsatz der Schiffe im unklaren gelassen und die drei fertiggestellten Schiffe
entsprechend auch nicht wie im Zuwendungsantrag angegeben eingesetzt hat,
−= dem Eigner des zuerst fertiggestellten Schiffes „Chartergebühren“ vertraglich zugesichert hat,
−= in ABM gefertigte Schiffsausrüstungen an Dritte übergeben hat bzw. solche Ausrüstungen verschwunden sind.

196
Einsatz der Schiffe
(327)

In den ABM-Anträgen zur Schiffsrestaurierung, deren Angaben für die Bewilligung
der Zuschüsse des Sozialministeriums zu den Sachausgaben nach Nr. 2 a AMV entscheidend waren, hat der Verein gegenüber dem Arbeitsamt das öffentliche Interesse
an den Arbeiten im wesentlichen damit begründet, daß „das fertige Schiff ... in der
Jugendarbeit in den neuen Bundesländern eingesetzt (wird) und ... in seiner Nutzung
den Zielen der Jugendhilfe und Jugendpflege (entspricht)“. Diesen speziellen späteren Einsatz hat der Verein für alle vier zu restaurierenden Schiffe zugesagt.
Die ausdrückliche Berufung von zwei Vorstandsmitgliedern des Vereins auf ihre
Vorkenntnisse und Erfahrungen über den seit 1983 durchgeführten Einsatz eines anderen Schiffes im Bereich einer norddeutschen Stadt hat den Eindruck erweckt, daß
die Mitglieder des Vereinsvorstandes in der Lage sind, die Schiffe für den genannten
Zweck kostendeckend einzusetzen.
Bereits die Einsatzplanungen des Vereins für das erste seinerzeit noch im Bau befindliche Schiff wichen jedoch von dem in den Zuwendungsanträgen zugesicherten Einsatz für die Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit ab und waren statt dessen auf die Vorbereitung von bezahlten Abenteuer-, Urlaubs- und Expeditionsfahrten gerichtet.
Tatsächlich hat der Verein die drei fertiggestellten Schiffe auch annähernd ausschließlich für bezahlte Abenteuer-, Urlaubs- und Expeditionsfahrten sowie für Tagesfahrten und Regatten eingesetzt. Ein Einsatz der Schiffe, wie ihn der Verein in
den Zuwendungsanträgen zugesichert hat, fand nur in wenigen Fällen statt.
So war das zuerst fertiggestellte Schiff in den Jahren 1992 und 1993 von den jährlich
durchgeführten rd. 17 Törns auf jeweils nur einer Fahrt von durchschnittlich elf
Bordtagen für sozial benachteiligte Jugendliche bzw. Schwerbeschädigte eingesetzt.
Das zweite Schiff hat der Verein in den Jahren 1994, 1995 und 1996 bei jährlich rd.
28 durchgeführten Törns ebenfalls nur jeweils einmal für Fahrten von durchschnittlich acht Bordtagen für sozial benachteiligte Jugendliche eingesetzt. Das dritte Schiff,
das laut Antragstellung einen „erheblichen Beitrag für die Jugendsozialarbeit in
Mecklenburg-Vorpommern“ leisten sollte, ist nicht für diesen Zweck eingesetzt worden.

197
Der Landesrechnungshof hat beanstandet, daß der Verein die Schiffe nicht entsprechend dem Zuwendungszweck eingesetzt hat.
Der Verein wendet dagegen ein, daß er in einer norddeutschen Stadt anerkannter
Träger der freien Jugendhilfe sei, der ständig freizeitpädagogische/erlebnispädagogische Arbeit mit Jugendlichen durchführe. Er räumt ein, daß „der Anteil der
Jugendlichen aus Mecklenburg-Vorpommern sowohl bei Jugendhilfe, als auch bei
Jugendpflegemaßnahmen erschreckend gering“ sei. Der „geringe Einsatz der Schiffe
in der Jugendpflege“ sei nicht durch den Verein zu verantworten, sondern liege „an
der mangelnden Beteiligung der Jugendämter des Landes MecklenburgVorpommern“.
Die Schiffe seien „sehr wohl überwiegend in der Jugendhilfe eingesetzt“ worden,
wenn auch nahezu ausschließlich mit Teilnehmern „aus dem Westen“. Über den beabsichtigten satzungsmäßigen Einsatz der Schiffe habe der Verein die Zuschußgeber
nicht „im unklaren gelassen“.
Diese Einwände verkennen, daß der Landesrechnungshof nicht die Einhaltung der
Satzungsbestimmungen des Vereins, sondern ausschließlich die Erfüllung des Zuwendungszwecks geprüft hat. Nach eigener Darstellung in den Zuwendungsanträgen
wollte der Verein die in ABM fertiggestellten Schiffe „in der Jugendarbeit in den
neuen Bundesländern“ einsetzen. Dieses ist jedoch, wie nunmehr vom Verein selbst
eingeräumt, nicht in dem zu erwartenden Maße geschehen. Das hat den Verein jedoch nicht davon abgehalten, bei der Beantragung von Zuwendungen für das dritte
und das vierte Schiff am 7.6.1993 und 9.6.1993 jeweils gegenüber den Zuwendungsgebern zu behaupten: „Durch die Restaurierung dieses ... Schiffes in einen einsatzfähigen Zustand kann ein erheblicher Beitrag für die Jugendsozialarbeit in Mecklenburg/Vorpommern geleistet werden. Beispielhaft zu sehen ist der Einsatz unseres ersten Schiffes ..., der einen erheblichen Beitrag in der Jugend-/Sozialarbeit Mecklenburg/Vorpommerns darstellt“.

198
Chartergebühren
(328)

Der Verein hat mit dem Eigner des in ABM zuerst fertiggestellten Schiffes im Oktober 1992 (rückdatiert auf den 1.1.1991) einen Chartervertrag abgeschlossen. Darin
sind
−= mit dem Schiffseigner Chartergebühren in Höhe von 30 % des Umsatzes aus dem
Schiffsbetrieb, jedoch monatlich mindestens ein „fixer Anteil“ in Höhe von
2.500 DM vereinbart,
−= Ansprüche des Schiffskonstrukteurs durch die Zahlung eines einmaligen Erfolgshonorars in Höhe von 30.000 DM berücksichtigt.
= Aus diesem Chartervertrag hat der Schiffseigner gegenüber dem Verein Forderungen in Höhe von rd. 177.000 DM geltend gemacht. Aus der später durchgeführten
Vercharterung des Schiffes an einen speziell dazu gegründeten Schiffsbetriebsverein in den Jahren 1995 und 1996 hat er Chartergebühren in Höhe von
rd. 128.000 DM auch tatsächlich eingenommen.
= Der Konstrukteur hat die vertraglich vereinbarten 30.000 DM erhalten.
= Abgesehen von diesen Zahlungen hat der Schiffseigner, der zugleich auch Vorstandsmitglied des Vereins war, als Stammkraft für das Projekt Schiffsrestaurierung über den Verein ein aus Zuwendungen des Landes MecklenburgVorpommern finanziertes Gehalt bezogen. Der Konstrukteur war zugleich Vereinsvorsitzender und bezog ebenfalls als Stammkraft des Projektes Schiffsrestaurierung über den Verein ein aus Zuwendungen des Landes MecklenburgVorpommern finanziertes Gehalt.
= Der Landesrechnungshof hält die auf der Grundlage der Charterverträge vorgesehenen bzw. vorgenommenen Zahlungen an den Schiffseigner und den Schiffskonstrukteur für bedenklich.
= Der Verein wendet ein, daß das „tatsächliche Abschlußdatum des Chartervertrages für das ...(erste Schiff) ... zwischen den beteiligten Parteien strittig“ sei. Der
Verein selbst habe dem Schiffseigner jedoch keine Chartergebühr gezahlt, sondern
habe die vom Schiffseigner erhobenen Charterforderungen nicht anerkannt und
habe diesbezüglich vor Gericht Recht bekommen. Die Charterzahlungen des anderen, für den Schiffsbetrieb dieses Schiffes zuständigen Vereins an den Eigner

199
würden nicht in diesen Bericht gehören. Die Zahlung von 30.000 DM an den
Schiffskonstrukteur sei nicht zu beanstanden, denn dieser Betrag läge noch
114.000 DM unter der „branchenüblichen Entlohnung eines Konstruktionsbüros“. Insofern habe der Verein „noch deutlich Geld gespart“.

Der Landesrechnungshof bleibt dabei, daß die Charterzahlungen an den Schiffseigner in jedem Fall gemeinnützigkeitsschädlich waren, worüber aber letztlich das
zuständige Finanzamt zu entscheiden hat. Es ist auch nicht verständlich, warum
der Schiffskonstrukteur für seine Tätigkeit im Rahmen des Projektes Schiffsrestaurierung sowohl als Stammkraft als auch als Konstrukteur entlohnt wurde. Der
Verein verkennt überdies, daß er seinen Verpflichtungen zum zweckentsprechenden Einsatz der Schiffe nicht dadurch ledig wurde, daß Dritte den Einsatz derselben managten. Da der Verein insofern beim Zuwendungsgeber nach wie vor als
Zuwendungsempfänger in der Pflicht steht, muß er sich auch die Charterzahlungen dieser Dritten an den Eigner zurechnen lassen.

Verbleib von in ABM gefertigten Schiffsausrüstungen
(329)

Bei der Übergabe des ersten in ABM rekonstruierten Schiffes an einen eigens dafür
gegründeten Schiffsbetriebsverein im Juni 1992 fehlten zwei laut Abnahmegutachten
eines Schiffssachverständigen vom 18.5.1992 zur Schiffsausrüstung gehörende „Rettungsboote aus Holz mit Rudern und Segeln (Neubauten)“. Der Verein hatte diese
Rettungsboote im Rahmen von ABM hergestellt.
Andere in ABM gefertigte Schiffsausrüstungen, so einen hölzernen Großmast, einen
hölzernen Besanmast und eine Breitfock, hat der Verein an Träger von Traditionsschiffen übergeben.
Der Landesrechnungshof hat den Verein um Aufklärung, insbesondere auch über den
Verbleib der in ABM gefertigten o. g. Schiffsausrüstungen, gebeten.
Der Verein räumt ein, daß „die zur geplanten Schiffsausrüstung gehörenden Rettungsboote aus Holz bei der Schiffsübergabe 1992 fehlten“. Diese Boote seien jedoch
nicht in ABM gefertigt, sondern eines davon sei von einem „eigenfinanzierten Auszubildenden unter Anleitung eines in ABM beschäftigten Bootsbaumeisters gebaut“
worden. Eines der „erstellten Boote“ liege seit 1993 „im Lager des Vereins und sei

200
jederzeit zu besichtigen“. Richtig sei die Darstellung des Landesrechnungshofes „in
Bezug auf die hergestellten und an andere Träger übergebenen Ausrüstungen (Masten und Breitfock)“. Der Vorgang sei vom „Zuschußgeber Arbeitsamt ... überprüft
und für schadlos befunden worden“.
Die Darstellung des Vereins läßt darauf schließen, daß er seinerzeit ABM-Mittel
teilweise zweckfremd eingesetzt hat. Der Landesrechnungshof kann nach wie vor
nicht erkennen, warum das erste in ABM gebaute und ausgerüstete Schiff ohne die
beiden hölzernen Rettungsboote ausgeliefert wurde, die laut Gutachten des Schiffssachverständigen vom 18.5.1992 zur Ausrüstung dieses Schiffes zählten.

Sozialministerium
(330)

Das Sozialministerium hat bei den vom Landesrechnungshof geprüften Zuwendungsempfängern ganz unterschiedliche Projekte gefördert. Es hat acht Zuwendungsempfängern als Projektförderungen insbesondere Zuschüsse zu den ABM-Sachkosten
nach Nr. 2 a AMV, Personalkostenzuschüsse für Stammkräfte nach Nr. 3 AMV und
Zuschüsse zu Modellversuchen nach Nr. 12 AMV gewährt. Bei einem weiteren Zuwendungsempfänger hat es Projekte zur Weiterbildungsberatung gefördert und dazu
Personal- und Sachkostenzuschüsse nach Nr. 5 AMV gewährt.
Die bei den Zuwendungsempfängern festgestellten Mängel und Rechtsverstöße hat
das Sozialministerium teilweise durch seine Förderpraxis begünstigt. Das gilt insbesondere für die Bewilligung und Abrechnung der Sachkostenzuschüsse nach
Nr. 2 a AMV (seit dem 1.1.1996 Nr. 13 AQMV) und für die festgestellten Mängel
bei
−= einem Verein für Erlebnispädagogik,
−= einem Verein zur Wirtschaftsförderung,
−= einem Verein zur Förderung der Weiterbildungsberatung,
−= einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft und
−= einer Gemeinde.

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Sachkostenzuschüsse
(331)

Die Arbeitsämter fördern die Durchführung von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
durch Gewährung von Personalkostenzuschüssen nach § 91 AFG, seit 1.1.1998 nach
§ 264 SGB III. Sie gewähren den Trägern der ABM auch Sachkostenzuschüsse nach
§ 96 AFG / § 266 SGB III, soweit das Land sich in gleicher Höhe und zu vergleichbar günstigen Bedingungen beteiligt. Die Höhe der auf der Grundlage von
Nr. 2 a AMV, seit 1.1.1996 Nr. 13 AQMV, zu gewährenden Sachkostenzuschüsse
des Landes richtet sich jeweils nach einem Prozentsatz des „förderungsfähigen Arbeitsentgeltes“ der in der ABM Beschäftigten.
Das Sozialministerium hat von 1991 bis 1995 rd. 15.000 Anträge auf Gewährung von
Sachkostenzuschüssen nach Nr. 2 a AMV bearbeitet und Sachkostenzuschüsse in
Höhe von insgesamt rd. 281 Mio. DM bewilligt.
Es hat dabei i. d. R. keine eigene Antrags- und Verwendungsnachweisprüfung durchgeführt, sondern sich auf die entsprechenden Prüfungshandlungen des Arbeitsamtes
verlassen und auf der Grundlage der von diesen festgestellten „förderfähigen Sachkosten“ die jeweiligen Zuwendungsbescheide und „Schlußbescheide“ erstellt.
Der Landesrechnungshof hat bemängelt, daß das Sozialministerium keinen Gebrauch
von der in § 96 Abs. 2 Satz 2 AFG, seit dem 1.1.1998 in § 370 Abs. 3 SGB III, vorgesehenen Möglichkeit gemacht hat, die diesbezüglichen Landesmittel für ABM der
Bundesanstalt für Arbeit bzw. den Arbeitsämtern zuzuteilen und von diesen verwalten zu lassen. Eine entsprechende, durch Verwaltungsvereinbarung an die Arbeitsämter übertragene Bewirtschaftung der Landesmittel für ABM hätte zu einer schnelleren
Verfügbarkeit der Mittel für Sachkosten beim Träger der ABM und zudem zu einer
deutlichen Reduzierung des Verwaltungsaufwandes beim Sozialministerium geführt.
Die Träger der ABM hätten es dann nur mit einer Bewilligungsbehörde zu tun gehabt, wodurch sich auch ihr Verwaltungsaufwand entsprechend reduziert hätte.
Das Sozialministerium wendet sich gegen diese Beanstandung und spricht sich für die
Beibehaltung der Bewirtschaftung durch das Versorgungsamt Schwerin aus. Es verweist zunächst auf seinen, ihm durch die Kann-Bestimmung des § 370 Abs. 3 SGB III
eingeräumten Ermessensspielraum. Zudem stünden der vom Landesrechnungshof
„angesprochenen Reduzierung des Verwaltungsaufwandes des Sozialministeriums und
beim Träger folgende Argumente gegenüber“:

202
−= die „Übertragung der Landesmittel für ABM zu Beginn des Haushaltsjahres an
die Arbeitsverwaltung würde erhebliche Zinsmehrbelastungen für das Land verursachen“;
−= es lasse die vom Landesrechnungshof „vorgeschlagene Lösung ...wesentliche
Landesinteressen außer acht“, nämlich die Prüfung der Notwendigkeit und Angemessenheit der Mittelbewilligung aus Landessicht, die Wahrung der Gleichbehandlung und die maßnahmebezogene Mittelauszahlung.
Das Sozialministerium gibt weiterhin zu bedenken, daß „die Buchungssystematik der
Bundesanstalt für Arbeit erheblich von der des Landes“ abweiche und „insofern ...
die Arbeitsämter im Land nicht in der Lage“ seien, die „Landesmittel den Haushaltstiteln des Landes entsprechend zu bewirtschaften“.
Der Landesrechnungshof vermag diese Argumentation des Sozialministeriums und
auch die Gründe und Erwägungen nicht nachzuvollziehen.
In der abzuschließenden Verwaltungsvereinbarung wäre selbstverständlich zu regeln,
daß die Landesmittel den Arbeitsämtern nicht im voraus, sondern nur nach dem jeweiligen Bedarf zur Verfügung gestellt werden. Auf buchungstechnische Fragen
kommt es dann auch nicht mehr an.
Angesichts der bei der Prüfung angetroffenen Praxis des Sozialministeriums, die
ABM-Sachkostenzuschüsse i. d. R. ohne eigene Prüfung und allein auf der Basis der
Prüfungshandlungen der Arbeitsämter zu bewilligen, kann sich das Sozialministerium nicht auf eine mangelnde Berücksichtigung wesentlicher Landesinteressen bei der
Bewilligung durch die Arbeitsämter berufen.

Verein für Erlebnispädagogik
Einsatz der Schiffe
(332)

Der Verein hat, wie oben dargestellt, in seinen Zuwendungsanträgen die Nutzung der
fertigen Schiffe für die Jugendarbeit zugesagt. Daraufhin hat das Sozialministerium
dem Verein Zuwendungen zur Rekonstruktion der Schiffe in Höhe von insgesamt
rd. 2 Mio. DM bewilligt, ohne allerdings die Zweckbindung der Schiffe besonders zu
sichern.

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Der Landesrechnungshof hat das beanstandet. Darüber hinaus hat er das Sozialministerium gebeten zu prüfen, ob die in Rede stehenden Zuwendungsbescheide zu widerrufen und die Zuwendungen des Landes zurückzufordern sind, weil der Verein die
Schiffe von Anfang an nicht so einsetzte, wie er es in den Zuwendungsanträgen beschrieben hat. Auch ohne besondere Absicherung in den Zuwendungsbescheiden ist
dieser zugesicherte Einsatz der Schiffe Grundlage für die Gewährung der Zuwendungen geworden.

Erfolgskontrolle
(333)

Das Sozialministerium ist zu keiner Zeit der Frage nachgegangen, ob der Verein die
mit öffentlichen Mitteln hergestellten Schiffe auch tatsächlich für die Jugendarbeit
und nicht zur Gewinnerzielung einsetzt. Nur durch einen solchen Einsatz für die Jugendarbeit ließ sich aber das öffentliche Interesse an der Förderung begründen und
vor allem auch aufrechterhalten. Mit der Fertigstellung der Schiffe war der Zuwendungszweck nicht erreicht, es kam vielmehr darauf an, auch darauf zu achten, daß die
Schiffe so eingesetzt werden, wie es der Verein bei der Antragstellung zugesichert
hat. Das galt um so mehr, als in den Zuwendungsbescheiden selber präzise Regelungen hierüber fehlten.
Dieses Versäumnis hatte erhebliche Auswirkungen, denn hätte sich das Sozialministerium von Anfang an Nachweise über den Einsatz des ersten Schiffes vorlegen lassen, wären jedenfalls die Fehler, die bei diesem Schiff gemacht worden sind, bei den
nachfolgenden drei Schiffen nicht wiederholt worden.
Das Sozialministerium wendet gegen diese Darstellung ein, daß es sich mit Schreiben vom 12.7.1994 an das Finanzministerium gewandt, diesem seine „Zweifel an der
Absicherung der tatsächlichen gemeinnützigen Nutzung der ... rekonstruierten Schiffe“ mitgeteilt und dieses gebeten habe, „in der zuständigen Steuerverwaltung bei der
steuerlichen Prüfung Augenmerk auf die Pflicht zur gemeinnützigen Nutzung dieser
Schiffe“ zu richten.
Der Einwand verkennt, daß es sich bei den Feststellungen des Landesrechnungshofes
zunächst um zuwendungsrechtliche Probleme handelt und nicht so sehr um steuerrechtliche Fragen.

204
Das Sozialministerium hatte aus zuwendungsrechtlicher Sicht in seiner Eigenschaft
als Zuwendungsgeber zu prüfen, ob der mit der Zuwendung beabsichtigte Zweck erreicht worden ist. Es hatte dazu nach VV Nr. 11.1.3 zu § 44 Abs. 1 LHO ggf. eigene
örtliche Erhebungen durchzuführen. Dabei hätte es nicht schlechthin einen gemeinnützigen Einsatz der Schiffe, sondern die zuwendungsgerechte Verwendung der
Schiffe für die Jugendsozialarbeit in Mecklenburg-Vorpommern zu prüfen gehabt.
Der Landesrechnungshof hat beanstandet, daß diese Prüfung unterblieben ist.

Beschaffung von Schiffssicherheitstechnik
(334)

Das Sozialministerium hat dem Verein für Erlebnispädagogik am 9.1.1992 sowie
2.9.1993 Sachkostenzuschüsse in Höhe von 72.800,00 DM bzw. 34.585,85 DM zur
Beschaffung von Schiffssicherheitstechnik für die im Rahmen von ABM rekonstruierten privaten Schiffe bewilligt.
Der Landesrechnungshof hat diese Sonderförderungen beanstandet. Diese waren für
die Durchführung der ABM nicht erforderlich, sondern dienten ausschließlich der Sicherung des Schiffseinsatzes für die Jugendsozialarbeit. Das Sozialministerium durfte die Sonderzuwendung nicht aus Mitteln für das Landesprogramm AMV gewähren
und hatte den Antrag demzufolge abschlägig zu bescheiden. Es hätte den Verein und
auch den Schiffseigner zunächst auf den Einsatz eigener Mittel orientieren und sie
auf Fördermöglichkeiten des für die Jugendhilfe und Jugendsozialarbeit zuständigen
Kultusministeriums hinweisen müssen.
Das Sozialministerium verweist in diesem Zusammenhang auf die Schwierigkeiten
der Aufbauphase und zitiert aus einem Antwortschreiben des Sozialministeriums an
den Verein vom 26.10.1992, wonach „hier ... vorrangig eher Schlüsse aus betriebswirtschaftlichen Kostenrechnungen zu ziehen oder für den Betrieb der Schiffe maßgebliche Kostenträger (Jugendhilfe o. ä.) heranzuziehen“ wären.
Das Schreiben des Sozialministeriums wirft erst recht die Frage auf, weshalb es trotz
dieser Erkenntnisse die in Rede stehenden Zuwendungen bewilligt hat.

205

Wirtschaftsfördernder Verein
Sonderförderung eines Modellprojektes
(335)

Das Sozialministerium hat mit 2,6 Mio. DM ein Modellprojekt des Vereins nach
Richtlinie Nr. 12 des Landesprogramms AMV gefördert. Das Modellprojekt hatte der
Verein in vier Teilprojekte untergliedert, die ausnahmslos der Wirtschaftsförderung
dienten:
1. Projekt- und Objektmanagement (POM)
−= Akquisition und Koordinierung von Investoren;
−= Begleitung von Investoren, Gemeinden und Existenzgründern bei Ansiedlungsvorhaben;
−= Standortauswahl für interessierte Zielgruppen;
2. Projekt- und Objektdesignierung (POD)
−= Rechnergestützte Erfassung von Planungs- und Projektdaten;
−= Modellierung und Designierung von Objekten;
3. Regionenmarketingdiversifikation (RMD)
−= Rechnergestützte Erarbeitung und Austausch regionaler Grunddaten;
−= Erarbeitung von Branchenmixinformationen;
−= Herausgabe eigener Informationsmittel;
−= Darstellung und Präsentation auf regionalen und überregionalen Foren;
4. Innovations- und Trendcenter (ITC)
−= Standortaufbau des ITC;
−= Etablierung eines Strategie- und Marketingoffices (SMO) als Voraussetzung
für die Ermittlung, Begleitung, Befähigung und Transferierung von Modellvorhaben;
−= Zentrale der Regionendarstellung und Regionenvermarktung.

206
Der Landesrechnungshof hat beanstandet, daß – obwohl in den Richtlinien des AMV
kein Platz für Maßnahmen der Wirtschaftsförderung ist – das Projekt in erster Linie
auf die Förderung der Unternehmensansiedlung in der Region gerichtet war. Darum
hat der Landesrechnungshof das erhebliche Landesinteresse an der Förderung des
Modellprojektes aus der Sicht des Landesprogramms AMV angezweifelt. Dem eigentlichen Ziel des Programms, nämlich die Förderung von arbeitsmarktpolitischen
Maßnahmen, sind mit der Förderung dieses Modellprojektes 2,6 Mio. DM entzogen
worden.
Das Sozialministerium sieht in der Verknüpfung von wirtschaftspolitischen mit arbeitsmarktpolitischen Förderansätzen ein Ziel der Politik der Landesregierung und
führt aus, daß die „Förderung eines Technologie-, Innovations- und Gründerzentrums dazu genutzt werden (sollte), möglichst viele neue Arbeitsplätze zu schaffen“.
Das sei „ein Ziel, das bei (der Förderung) von Technologiezentren nicht unmittelbar
im Vordergrund ... steht“. Aufgrund des Aufbaus des Innovationsparkes seien dann
auch durch „eine Kombination wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischer Förderansätze mehrere hundert Arbeitsplätze entstanden“.
Diese Stellungnahme berücksichtigt nicht, daß der Verein bereits nach seiner Satzung
in erster Linie wirtschaftsfördernd tätig wird und daß die dem Modellversuch zugrunde liegende Förderrichtlinie auf besondere arbeitsmarktpolitische Maßnahmen
gerichtet war, die von Gesellschaften und Vereinen zur Beschäftigungsförderung
durchgeführt werden sollten.
Aufgrund seiner Prüfungsfeststellungen ist für den Landesrechnungshof nicht nachvollziehbar, daß durch diese Maßnahme mehrere hundert Arbeitsplätze entstanden
sein sollen.

Sicherung der Gesamtfinanzierung
(336)

Das Sozialministerium hat dem Antrag des Vereins auf Förderung des o. g. Modellprojektes entsprochen, obwohl die Gesamtfinanzierung nicht abschließend gesichert
war. Der eingereichte Finanzierungsplan wies auch Zuwendungen des Bundes sowie
Eigenmittel des Vereins jeweils in Millionenhöhe aus. Darüber hinaus waren Einnahmen in Höhe von mehr als 4,5 Mio. DM als „sonstige Finanzierung“ angegeben.
Einzelheiten zu der Verbindlichkeit der Einnahmen hat der Verein nicht mitgeteilt.

207
Der Landesrechnungshof hat beanstandet, daß das Sozialministerium nicht geprüft
hat, ob die geplanten Bundesmittel mindestens verbindlich zugesagt worden sind,
was sich hinter der „sonstige(n) Finanzierung“ verbirgt sowie woher der laut Satzung
gemeinnützig tätige Verein die im Finanzierungsplan ausgewiesenen Eigenmittel in
Millionenhöhe beschaffen will.

Zweckbindung von Gegenständen
(337)

Der Verein hat im Rahmen der Förderung des Modellprojektes ITC, wie im Finanzierungsplan vorgesehen, hochwertige Gegenstände, darunter umfangreiche Computerund Kopiertechnik, beschafft. Allein die beschafften inventarisierungspflichtigen
Gegenstände beliefen sich schließlich auf 45 Positionen mit einen Gesamtwert von
rd. 1,4 Mio. DM.
Der Landesrechnungshof hat beanstandet, daß das Sozialministerium in den Zuwendungsbescheid keine über den Maßnahmezeitraum von zwei Jahren hinausgehende
Zweckbindung für die aus Zuwendungen beschafften Gegenstände aufgenommen hat
und somit der Verein nach Ende der Maßnahme in seiner Verfügung über diese Gegenstände frei war.
Zum Zeitpunkt der örtliche Erhebungen des Landesrechnungshofes war ein Teil der
Gegenstände bereits nicht mehr vorhanden.

Abrechnung auf Nettobasis
(338)

Das Sozialministerium hat dem Verein für das Modellprojekt ITC eine Zuwendung
in Höhe von 2,6 Mio. DM auf der Basis von Brutto-Preisen bewilligt, davon für Personalausgaben 610.700 DM und für Sachausgaben 1.989.300 DM. Vom Verein hat
das Sozialministerium eine Erklärung zur Vorsteuerabzugsberechtigung nicht abgefordert. Im Rahmen der Verwendungsnachweisführung hat das Sozialministerium die
zuwendungsfähigen Ausgaben reduziert und den Zuschuß des Landes auf
2.480.571,90 DM festgesetzt. In diesem Betrag sind Sachausgaben in Höhe von
1.850.979,50 DM enthalten. Das Sozialministerium hat bei der abschließenden Berechnung der zuwendungsfähigen Ausgaben unbeanstandet hingenommen, daß der

208
Verein die Sachausgaben auf der Basis von Netto-Preisen abgerechnet hat. Damit ist
bei der Abrechnung unberücksichtigt geblieben, daß der Verein die Vorsteuer, die er
für diesen Betrag vom Finanzamt erstattet bekommen hat, nicht an das Sozialministerium abgeführt hat.
Der Landesrechnungshof hat das Sozialministerium um Prüfung gebeten, ob es den
Vorsteuerbetrag zurückfordern wird.

Zweckwidrige Mittelverwendung
(339)

Das Sozialministerium hat bei der Verwendungsnachweisführung des Vereins Ausgaben des Modellprojektes ITC als zuwendungsfähig anerkannt, die nach Auffassung
des Landesrechnungshofes jedoch keinen Bezug zur Maßnahme hatten. Von besonderem Gewicht waren folgende Ausgaben, die im Jahresbericht 1997 in den Tzn. 294
bis 307 im einzelnen dargestellt sind:
Textzahl im Jahresbericht 1997

Bezeichnung der beanstandeten Ausgaben

Betrag
- in DM -

294

Mietzins für Gewerberaum

96.286,86

295

Einbau einer Heizung

44.948,80

296

Mietzins Montagehalle

21.454,71

297

EDV-Dienstleistungen

22.705,00

298

„Vereinbarungsleistungen“

34.000,00

299

Beratungsleistungen

47.000,00

300

ungenehmigte Überschreitung der für Dienstreisen
bewilligten Ausgaben

54.286,64

301

Dienstreisen mit Luftfahrzeugen

68.015,32

302

Schulungen in Süddeutschland und in der Schweiz

14.975,55

303

Reisen des Vereinsvorsitzenden

17.016,65

304

Dienstreisen ohne hinreichende Zweckangabe

8.280,78

305

Telefonkarten

6.700,00

306

Eigenanteile an einer Beschäftigungsmaßnahme nach §
249 h AFG

307

Leistungen nach Maßnahmeende

294 - 307

Summe

311.992,48
46.107,37
793.770,16

Tabelle 25: Beanstandete zweckwidrige Ausgaben des Modellprojekts ITC

Der Landesrechnungshof hat das Sozialministerium aufgefordert zu prüfen, ob die
Mittel zu erstatten sind.

209
Unwirtschaftliche Mittelverwendung
(340)

Das Sozialministerium hat bei der Verwendungsnachweisführung des Vereins Ausgaben des Modellprojektes ITC als zuwendungsfähig anerkannt, die nach Auffassung
des Landesrechnungshofes jedoch, weil unwirtschaftlich, nicht oder nicht in vollem
Umfang zuwendungsfähig waren.
Von besonderem Gewicht waren Ausgaben für folgende Zwecke, die im Jahresbericht 1997 in den Tzn. 308 bis 313 im einzelnen dargestellt sind:
Textzahl im
Jahresbericht
1997

Bezeichnung der unwirtschaftlichen Ausgaben

308

Büromaterialien

309

Geräte und Ausrüstungen

310

Büromöbel

311

Kfz-Ausrüstungen

312

Mietgeräte

313

Versicherungen

Tabelle 26: Beanstandete unwirtschaftliche Ausgaben des Modellprojekts ITC

Der Landesrechnungshof hält die Ausgaben für unwirtschaftlich und somit zumindest
teilweise nicht für zuwendungsfähig.

Doppelabrechnungen
(341)

Bei der Verwendungsnachweisführung über das Modellprojekt ITC hat das Sozialministerium Sachausgaben als zuwendungsfähig anerkannt, die der Verein auch gegenüber dem Arbeitsamt in parallel laufenden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen abgerechnet hat (siehe Jahresbericht 1997 Tz. 316). Dabei handelt es sich um Ausgaben
für den Unterhalt von Kraftfahrzeugen des Vereins in Höhe von insgesamt
10.139,17 DM, die der Verein doppelt abgerechnet hat.
Der Landesrechnungshof hat außerdem festgestellt, daß der Verein in vier Fällen
Ausgaben für Dienstreisen abgerechnet hat, obwohl die dienstreisenden Personen
sich zu diesem Zeitpunkt gemäß den Angaben auf anderen Reisekostenabrechnungen

210
noch auf einer weiteren Dienstreise befunden haben müssen. Der Landesrechnungshof hat die Höhe der auf diese Weise doppelt abgerechneten Reisekosten nicht ermittelt. Eine Bezifferung wird erst möglich sein, wenn der Verein zu jedem der vier Fälle im einzelnen dargestellt hat, welche der Dienstreisen tatsächlich nicht durchgeführt
worden sind.
Der Landesrechnungshof hat das Sozialministerium gebeten, die Rückforderung der
doppelt abgerechneten Ausgaben zu prüfen.

Fehlende Erfolgskontrolle
(342)

Das Sozialministerium hat den Verwendungsnachweis des Vereins für das Modellprojekt ITC geprüft, indem es nur eine Plausibilitäts- und Zahlenkontrolle durchgeführt hat.
Der Landesrechnungshof hat das beanstandet und ausgeführt, daß der Sinn von Modell- und Pilotprojekten insbesondere in deren über den Einzelfall hinausgehenden
Innovativität und Modellhaftigkeit liegt und somit ohne eine hinreichende Erfolgskontrolle die diesbezüglichen Erkenntnisse nicht genutzt werden können. Die Ausgaben für ein Modellprojekt sind vertan, wenn die Maßnahme nach Abschluß nicht analysiert und bewertet wird, um die Einsichten zu gewinnen, die man sich von der Förderung des Modellvorhabens versprochen hat.
Zudem hat der Landesrechnungshof beanstandet, daß infolge der nicht durchgeführten Bewertung der Maßnahme die Förderung der Nachfolgeprojekte des Vereins
nicht in Frage gestellt wurde, denn bei ordnungsgemäßer Evaluation hätte bereits der
nicht zu übersehende unzureichende Erfolg des Modellprojektes auch eine Fortsetzung von Teilprojekten ausgeschlossen.
Eine ähnliche Beanstandung hatte der Landesrechnungshof auch bei den Modellversuchen zur Entwicklung, zum Bau und zur Erprobung von Flachgewässerentschlammungsanlagen zu erheben (siehe unten Tzn. 348 bis 353), wo das Sozialministerium
die in diesem Fall ableitbaren Erfahrungen für eine wirtschaftliche und zweckmäßige
Förderung zukünftiger Ausgründungsvorhaben nicht gewonnen und folglich auch
nicht genutzt hat.
Das Sozialministerium räumt ein, daß „in vergleichbaren Versuchen künftig die
Wirtschaftlichkeits- und Erfolgskontrolle optimiert werden muß“.

211

Verein zur Weiterbildungsberatung
(343)

Der Verein, den leitende Beamte des Sozialministeriums 1991 gegründet haben, um
Weiterbildungsinformation und -beratung in Mecklenburg-Vorpommern anzubieten,
finanziert seine Personal- und Sachausgaben ausschließlich aus Zuwendungen des
Landes. Das Sozialministerium hat für die Projekte
−= Betreiben der Weiterbildungsdatenbank für Mecklenburg-Vorpommern,
−= Einrichtung und Unterhaltung von Weiterbildungsberatungsstellen
allein von 1993 bis 1995 34 Zuwendungen nach Nr. 5 AMV (Weiterbildungsberatung) bewilligt. Die dem Verein bis einschließlich 1995 vom Land zur Verfügung gestellten Mittel belaufen sich auf rd. 5,5 Mio. DM.

Vollfinanzierung
(344)

Nach § 16 Abs. 1 Satz 2 Weiterbildungsgesetz Mecklenburg-Vorpommern vom
28. April 1994 (WBG - M-V, GVOBl. S. 555) können in den Landkreisen und kreisfreien Städten Weiterbildungsberatungsstellen eingerichtet werden. Das Interesse des
Landes an der Einrichtung von Weiterbildungsberatungsstellen hat Ausdruck in § 16
Abs. 2 WBG - M-V gefunden, wonach das Land Zuschüsse zu den für hauptamtliche
Weiterbildungsberater anfallenden Personalkosten gewährt und zudem Zuschüsse zu
den „Sachkosten der Beratungsstellen“ bewilligen kann.
Das WBG - M-V hat die Weiterbildungsberatung nicht als Angelegenheit des Landes
bestimmt und auch offen gelassen, ob die Weiterbildungsberatung als eigene Aufgabe von freien Trägern durchgeführt wird oder als übergemeindliche Aufgabe i. S. von
§ 89 KV M-V. In der Weiterbildungsberatung sind gegenwärtig in MecklenburgVorpommern sowohl kommunale als auch Weiterbildungsberatungsstellen von freien
Trägern tätig.
Der Verein führt als freier Träger die Weiterbildungsberatung mit 15 fest eingestellten Mitarbeitern in verschiedenen Regionen des Landes durch.
Der Landesrechnungshof hat die vom Sozialministerium praktizierte Vollfinanzierung der im Verein für die Weiterbildungsberatung erforderlichen Personal- und
Sachausgaben beanstandet, denn eine Vollfinanzierung ist nach § 16 Abs. 2 WBG M-V nicht gewollt. Der Gesetzgeber hat Zuschüsse zu den genannten Ausgaben vor-

212
gesehen, nicht aber die vollständige Übernahme der Ausgaben.
Da an der Beratung ihrer Bürger über die Weiterbildungsangebote durchaus auch ein
Interesse der Städte und Gemeinden besteht, ist es folgerichtig, daß sich auch die
Kommunen an der Finanzierung der Beratungsstellen beteiligen.

Interessenkollision
(345)

In einem Bericht zur Prüfung der Vergabe von Landesmitteln vom 6.2.1995 hatte der
Landesrechnungshof beanstandet, daß der Vorsitzende des Vereins gleichzeitig Leiter
des für die Zuwendungsgewährung zuständigen Ressorts im Sozialministerium ist.
Der Landesrechnungshof hat dazu ausgeführt, daß nach § 20 Abs. 1 Nr. 5 Verwaltungsverfahrens- und Zustellungsgesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern vom
23. April 1993 (GVOBl. M-V S. 482) in einem Verwaltungsverfahren für eine Behörde nicht mehr tätig werden darf, wer bei einem Beteiligten als Mitglied im Vorstand tätig ist. Das Sozialministerium hat sich der Beanstandung angeschlossen und
bis zum „Erlaß der notwendigen Rechtsverordnungen“ zur weiteren Umsetzung des
Weiterbildungsgesetzes eine interimsweise Lösung des Problems angekündigt.
Der Landesrechnungshof hat festgestellt, daß die angekündigte Rechtsverordnung
nach § 19 Nr. 5 WBG - M-V bislang nicht verabschiedet worden ist und die vom
Landesrechnungshof beanstandete Interessenkollision in ähnlicher Weise fortbesteht.
Zwar ist der Vereinsvorsitzende inzwischen nicht mehr Leiter der in Rede stehenden
Abteilung des Sozialministeriums. Nunmehr ist jedoch als stellvertretender Vorsitzender des Vereins und damit als Vorstandsmitglied eine Person im Vereinsregister
ausgewiesen, die im Sozialministerium als stellvertretender Leiter dieser Abteilung
tätig ist.
Das Sozialministerium sieht die Gefahr einer Interessenkollision nach § 20 Abs. 1
Nr. 5 VwVfG M-V als „kaum mehr gegeben“ und kündigt deren weitere Reduzierung an. Der in Rede stehende stellvertretende Abteilungsleiter sei an Förderungen
des Vereins nicht beteiligt gewesen. Es sei zudem beabsichtigt, „die Vereinsmitgliedschaft des stellvertretenden Vorsitzenden zu beenden“.
Der Landesrechnungshof hält es auch nach dieser Einlassung weiterhin für problematisch, daß die Mitgliedschaft des in Rede stehenden, zu 100 % aus Mitteln des AMV

213
finanzierten Vereins, sich nunmehr bereits seit mehreren Jahren überwiegend aus leitenden Beamten des Sozialministeriums zusammensetzt.

Gewährung eines Darlehens
(346)

Das Sozialministerium hat dem Verein als Zuwendung nach Nr. 5 AMV ein als
„zinslosen Betriebsmittelzuschuß“ bezeichnetes Darlehen in Höhe von 218.500 DM
bewilligt. Der Verein hat die Zuwendung zur Überbrückung einer zeitweiligen Liquiditätsschwäche verwendet. Die Rückzahlung des zinslos gewährten Darlehens war im
Zuwendungsbescheid zum 30.6.1994 festgesetzt. Das Sozialministerium hat die
Rückzahlung des Darlehens wiederholt gestundet. Das Darlehen hat der Verein letztlich erst am 17.8.1995 zurückgezahlt.
Der Landesrechnungshof hält die Gewährung der genannten Zuwendung für unzulässig, weil die auf diese Weise bereitgestellten Landesmittel lediglich dazu dienten, eine zeitweilige Liquiditätsschwäche des Vereins zu überbrücken.
Ein Darlehen konnte das Sozialministerium auf der Grundlage der AMV-Richtlinien
nur gewähren, um damit direkt arbeitsmarktpolitische bzw. Maßnahmen zur Weiterbildungsberatung zu finanzieren.
Der Landesrechnungshof, der ähnliche Darlehensgewährungen bisher nicht festgestellt hat, sieht in der beanstandeten Zuwendung einen Zusammenhang mit der o. g.
Interessenverflechtung.
Das Sozialministerium tritt dieser Beanstandung entgegen und verweist auf die andernfalls eingetretene Zahlungsunfähigkeit des Vereins. Es sei ein „besondere(s)
Landesinteresse an der Gewährung des Darlehens ... evident“ gewesen, weil „im
Falle des Zusammenbruchs des Vereins ... neben einem erheblichen immateriellen
Schaden auch ein großer materieller Schaden wegen der verloren gegangenen Aufbaukosten eingetreten (wäre)“.
Für den Landesrechnungshof ist die Zulässigkeit dieser Förderung aus Mitteln des
AMV weiterhin fraglich. Zudem ist es schwer denkbar, wie ein Zuwendungsempfänger bei einem ordnungsgemäß durchgeführten Zuwendungsverfahren zahlungsunfähig werden kann. Überdies bleibt offen, ob der Grundsatz der Gleichbehandlung der
Zuwendungsempfänger vom Sozialministerium gewahrt worden ist.

214
Unzulässige Mittelauszahlung
(347)

Das Sozialministerium hat in den Zuwendungsbescheiden an den Verein ausdrücklich auf die Auszahlungsmodalitäten gem. Nr. 1.4 ANBest-P hingewiesen, wonach
vom Zuwendungsempfänger nur soviel Mittel angefordert werden dürfen, als sie innerhalb von zwei Monaten nach Auszahlung für fällige Leistungen benötigt werden.
Der Verein hat jedoch unmittelbar nach Bestandskraft der Bescheide regelmäßig jeweils den vollen Zuwendungsbetrag angefordert. Die angeforderten Mittel hat das
Sozialministerium sodann innerhalb einer Woche an den Verein ausgezahlt, obwohl
sich aus dem jeweiligen Zuwendungszweck und auch aus dem Finanzierungsplan
deutlich ergab, daß die angeforderten Mittel vom Verein nicht innerhalb von zwei
Monaten nach Auszahlung für fällige Leistungen ausgegeben werden können. Der
Landesrechnungshof hat festgestellt, daß der Verein auf diese Weise allein bei den
drei geprüften Maßnahmen mehr als 100.000 DM Landesmittel vorzeitig und somit
vorschriftswidrig erhalten hat.
Der Landesrechnungshof sieht auch hierin eine Auswirkung der genannten Interessenüberschneidung. Er hat das Sozialministerium darauf hingewiesen, daß nach
VV Nr. 8.2.4 zu § 44 Abs. 1 LHO ein Widerruf der Zuwendung mit Wirkung für die
Vergangenheit in Betracht kommt, soweit der Zuwendungsempfänger die Zuwendung nicht alsbald nach Auszahlung für fällige Zahlungen verwendet hat.

Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft
(348)

Eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (BQG) hat Arbeiten zur Entwicklung, zum Bau und zur Erprobung von Flachgewässerentschlammungsanlagen
durchgeführt, die letztlich auf die Ausgründung eines Flachgewässersanierungsunternehmens gerichtet waren. Die BQG hat diese Maßnahme in mehrere Einzelprojekte
geteilt und jeweils im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen durchgeführt.
Die BQG hat für die Maßnahme Fördermittel von der Europäischen Gemeinschaft,
vom Bund und vom Land in Höhe von insgesamt rd. 6 Mio. DM erhalten (siehe Jahresbericht 1997 Tzn. 319 bis 326).

215
Zuschuß zu den Sachausgaben
(349)

Das Sozialministerium hat die Einzelprojekte
−= Errichtung einer Testanlage zur Flachgewässersanierung,
−= Erprobung des Servicebetriebes: Klärung und Sauerstoffanreicherung von Flachgewässern und
−= Entschlammung des Schloßsees B.
durch Gewährung von anteiligen Zuschüssen zu den Sachausgaben gefördert.
Dabei reichte die für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen vorgesehene Regelförderung
der Sachausgaben nach Nr. 2 a AMV nicht aus, um das erforderliche Material zu beschaffen und somit die Projekte durchführen zu können. Das Sozialministerium hat
deshalb weitere Zuschüsse zu den Sachausgaben im Wege der Ausnahmeförderung
nach Nr. 2 a (2) AMV bzw. der Modellförderung nach Nr. 12 b AMV bewilligt.
Der Landesrechnungshof hat beanstandet, daß das Sozialministerium die drei o. g.
Einzelprojekte voneinander losgelöst gefördert und jedes wie eine abgeschlossene
Fördermaßnahme behandelt hat. Es hat in jedem dieser Fälle die Ausnahmeförderung
damit begründet, daß mit der Ausgründung des Flachgewässersanierungsunternehmens Arbeitsplätze geschaffen werden.
Das Sozialministerium hat mit dem ersten Projekt „Errichtung einer Testanlage zur
Flachgewässersanierung“ ein Vorhaben vorschriftswidrig anfinanziert, denn es war
erkennbar, daß allein mit der Herstellung der Testanlage noch keine Unternehmensausgründung vorbereitet werden konnte. Somit war die Gesamtfinanzierung des Vorhabens noch nicht überschaubar und auch noch nicht gesichert.

Rücklagen und Zinsgewinne
(350)

Das Sozialministerium hat bei der Verwendungsnachweisprüfung unberücksichtigt
gelassen, daß die BQG über erhebliche Rücklagen aus Zuwendungen der öffentlichen
Hand verfügte, die sie zum Teil angelegt, zum Teil aber auch auf einem Geschäftskonto geführt hat. Eine Rückforderung dieser Mittel ist deshalb unterblieben.
Die BQG hat von 1993 bis 1995 in der genannten Weise Zinseinnahmen in Höhe von
164.519,72 DM erzielt. Da es sich bei den Zuwendungen des Landes um Anteilfinanzierungen gehandelt hat, hätten diese Eigenmittel für die anteilige Finanzierung

216
von Maßnahmen verwendet und die Zuschüsse des Landes entsprechend verringert
werden müssen. Soweit sich die Zinserträge infolge der Einzahlung aller Zuwendungsmittel auf ein Konto nicht einer bestimmten laufenden Zuwendungsmaßnahme
zuordnen ließen, hätte der Zuwendungsempfänger diese Mittel bei späteren Projekten
als Eigenmittel einzusetzen gehabt.
Das Sozialministerium hätte dies erkennen können, wenn es im Rahmen der Verwendungsnachweisführung stichprobenweise die Jahresabschlußberichte der Beschäftigungsgesellschaften eingesehen hätte.

Einvernehmen zwischen den Zuwendungsgebern
(351)

Mit dem jeweiligen Zuwendungsantrag hat die BQG dem Sozialministerium mitgeteilt, daß sich weitere Zuwendungsgeber an der Finanzierung des Projektes beteiligen.
Der Landesrechnungshof hat beanstandet, daß es das Sozialministerium unterlassen
hat, das Einvernehmen der beteiligten Zuwendungsgeber i. S. von VV Nr. 1.5 zu
§ 44 Abs. 1 LHO herzustellen, und es deshalb zur Bestimmung von unterschiedlichen Finanzierungsarten, Maßnahmezeiträumen und Nebenbestimmungen durch die
einzelnen Zuwendungsgeber gekommen ist.
Das hat dazu geführt, daß die BQG jeweils nach den für sie günstigsten Bestimmungen verfahren ist und sich bei Beanstandungen des Landesrechnungshofes auch auf
diese abweichenden Regelungen berufen hat.

Unzulässige Mittelauszahlung
(352)

Der Landesrechnungshof hat beanstandet, daß die BQG durch unzulässige Mittelanforderung allein in zwei der geprüften Zuwendungsmaßnahmen insgesamt mehr als
240.000 DM vorzeitig und somit vorschriftswidrig erhalten hat (siehe Jahresbericht
1997 Tz. 324). Das Sozialministerium hat diese unzulässige Anforderung von Zuwendungen unbeanstandet gelassen und somit in Kauf genommen, daß dem Landeshaushalt diese Mittel vorzeitig entzogen wurden.
Der Landesrechnungshof hat darauf hingewiesen, daß nach VV Nr. 8.2.4 zu
§ 44 Abs. 1 LHO ein Widerruf der Zuwendung mit Wirkung für die Vergangenheit in

217
Betracht kommen kann, soweit der Zuwendungsempfänger die Zuwendung nicht alsbald nach Auszahlung für fällige Zahlungen verwendet hat.

Übereignung von Gegenständen an
das Ausgründungsunternehmen
(353)

Das Sozialministerium hat im Zuwendungsbescheid für das Projekt „Errichtung einer
Testanlage zur Flachgewässersanierung“ als besondere Nebenbestimmung festgelegt,
daß „bei Ausgründung ... die Investitionen grundsätzlich zum Buchwert zu erstatten
(sind), sofern ein Restwert besteht“.
Der Landesrechnungshof hat beanstandet, daß die BQG dem ausgegründeten Unternehmen eine Entschlammungsanlage mit einem Buchwert von
rd. 750.000 DM sowie weitere Geräte und Materialien, deren Buchwert nicht festgestellt werden konnte, unentgeltlich übergeben hat. Für die Entschlammungsanlage hat
die BQG auch noch zwei Jahre nach der Übereignung die Ausgaben für die Maschinen- und Kaskoversicherung in Höhe von jährlich 16.572,70 DM getragen.
Auch hat die BQG eine zweite gleichwertige Entschlammungsanlage sowie Gegenstände für eine Baustelleneinrichtung mit einem Beschaffungswert von
rd. 100.000 DM an das Ausgründungsunternehmen jeweils zu einem Mietzins vermietet, der nur einem Bruchteil der jährlichen Abschreibungsbeträge entsprach.
Das Sozialministerium hat die weit unterwertige Weitergabe von Gegenständen an
das Ausgründungsunternehmen begünstigt, indem es in den Zuwendungsbescheiden
keine über den Maßnahmezeitraum hinausgehende Bindung der Gegenstände geregelt hat. Auch hat es die Einhaltung der o. g. Nebenbestimmung bei der Verwendungsnachweisführung nicht geprüft.

Gemeinde B.
(354)

Eine Gemeinde hat von Oktober 1991 bis Dezember 1992 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme einen kommunalen Sportplatz errichtet. Das Sozialministerium hat die Maßnahme durch Gewährung eines Sachkostenzuschusses nach
Nr. 2 a AMV in Höhe von 221.634,50 DM gefördert (siehe Jahresbericht 1997
Tzn. 327 bis 331).

218
Überfinanzierung der Fördermaßnahme
(355)

Das Sozialministerium hat vom Arbeitsamt das Ergebnis der Verwendungsnachweisprüfung übernommen, ohne eine eigene Prüfung der Ausgaben sowie eine Erfolgskontrolle durchzuführen. Es hat sich folglich auch nicht mit der Gesamtfinanzierung
der Maßnahme befaßt und somit nicht erkannt, daß die Gemeinde eine Überfinanzierung in Höhe von 302.298,63 DM erzielt hat.
Die Überfinanzierung ist durch eine weitere Zuwendung des Kultusministeriums entstanden. Im Rahmen seiner beim Kultusministerium durchgeführten Prüfung des
Sportstättenbaues hat der Landesrechnungshof darauf hingewiesen, daß der Zuwendungsbescheid ganz oder teilweise zurückzunehmen ist. Das Kultusministerium ist
dem gefolgt (vgl. Tz. 246).

Zweckwidrige Mittelverwendung
(356)

Das Sozialministerium hat durch die ungeprüfte Übernahme der vom Arbeitsamt
mitgeteilten Angaben zu den zuwendungsfähigen Sachausgaben letztlich auch Ausgaben der Gemeinde anerkannt, die nach Auffassung des Landesrechnungshofes jedoch keinen Zweckbezug zur Maßnahme hatten. Das betrifft folgende Ausgaben, die
im Jahresbericht 1997 in den Tzn. 294 bis 307 im einzelnen dargestellt sind:
Textzahl im
Jahresbericht
1997

Bezeichnung der beanstandeten Ausgabe

Betrag
- in DM -

329

Lehrgänge

19.928,28

330

Zaunmaterial

26.034,42

331

Baumaterialien

37.000,00

Gesamt

82.962,70

Tabelle 27: Beanstandete zweckwidrige Ausgaben der Gemeinde

Der Landesrechnungshof hat das Sozialministerium um Prüfung gebeten, ob es Zuwendungsmittel in der genannten Höhe zurückfordert.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

219

Gebührenerhebung des Landeshygieneinstituts

Entgegen der Rechtslage erbringt das Landeshygieneinstitut annähernd die Hälfte seiner Leistungen unentgeltlich. Soweit das Landeshygieneinstitut Gebühren erhebt, sind sie bei weitem
nicht kostendeckend.
Andere Labore bieten ihre Leistungen am Markt
kostengünstiger an als das Landeshygieneinstitut.
Es hätte daher seine Aktivitäten im Bereich
marktgängiger Leistungen weitgehend einstellen
und seine Kapazitäten seit 1993 entsprechend zurückführen müssen.

(357)

Seitdem die dem Landeshygieneinstitut und seinen Außenstellen erteilte Ermächtigung zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung der Bevölkerung nach
1993 schrittweise ausgelaufen ist, hat die Frage Bedeutung gewonnen, inwieweit das
Landeshygieneinstitut mit seinem Leistungsangebot im Wettbewerb zu niedergelassenen Fachärzten für Labormedizin steht und insbesondere, ob in diesem Rahmen die
Gebührenerhebung des Landeshygieneinstituts rechtlich zulässig ist. Es waren Beschwerden niedergelassener Laborärzte bekannt geworden, die durch das Wettbewerbsverhalten des Landeshygieneinstituts ihre Position am Markt beeinträchtigt sahen. Zudem benötigt das Landeshygieneinstitut jährlich erhebliche Verlustabdeckungen aus dem Landeshaushalt.
Auf diesem Hintergrund hat der Landtag den Landesrechnungshof gem. § 88
Abs. 5 LHO ersucht, die Gebührenerhebung im Landeshygieneinstitut zu prüfen.
Der Landesrechnungshof ist diesem Ersuchen nachgekommen und hat die Gebührenerhebung des Landeshygieneinstituts nicht nur im Bereich der im Wettbewerb erbrachten marktgängigen Leistungen geprüft, sondern auch im Bereich der Pflichtaufgaben.

220

Kostendeckung
(358)

Das Landeshygieneinstitut ist seit dem 1.1.1994 ein Landesbetrieb nach § 26 LHO
(§ 1 Abs. 2 i. V. m. § 6 des Betriebsstatuts (AmtsBl. M-V 1994 S. 61)). Es hat für
seine Leistungen Benutzungsgebühren zu erheben (§ 23 VwkostG M-V (GVOBl.
M-V 1991 S. 366) i. V. m. der Verordnung über Gebühren für Leistungen des Landeshygieneinstituts (Gebührenverordnung – GVOBl. M-V 1993 S. 683 und GVOBl.
M-V 1994 S. 650 – seit 1.1.1998 Gebührenverordnung für das Landeshygieneinstitut,
GVOBl. M-V 1997 S. 778)). Die Gebührensätze sind gem. § 24 Abs. 1 Verwaltungskostengesetz so zu bemessen, daß das Gebührenaufkommen die Kosten der laufenden Verwaltung und Unterhaltung des Landeshygieneinstituts in der Regel deckt.
Das Landeshygieneinstitut hat bisher jedoch eine Kostendeckung für seine Leistungen noch nie erreicht:
Jahr
Aufwendungen
Erträge

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

22.067.000 19.628.800 20.078.500 22.036.800 22.457.000 19.045.800 17.125.418
4.898.000 10.988.000

Jahresverlust 17.169.000

5.603.000

9.672.400

7.834.000

6.772,600

5.845.360

8.640.800 14.475.500 12.364.400 14.623.000 12.273.200 11.280.058

Tabelle 28: Jahresverluste von 1991 bis 1997 des Landeshygieneinstituts

Die Verluste erwirtschaftete das Landeshygieneinstitut sowohl im Bereich der freiwilligen Leistungen als auch im Bereich der Pflichtaufgaben. Allerdings sind die
Verluste bei den Pflichtaufgaben höher, denn das Landeshygieneinstitut verzichtet
bei den Pflichtaufgaben weitgehend auf eine Gebührenerhebung.

Freiwillige Leistungen
(359)

Nach § 1 Abs. 3 Satz 2 des Gesetzes über den Öffentlichen Gesundheitsdienst im
Land Mecklenburg-Vorpommern (ÖGDG M-V – GVOBl. M-V 1994 S. 747) ist das
Landeshygieneinstitut berechtigt, über seine gesetzlichen Aufgaben hinaus auch Aufgaben zu übernehmen, die durch Dritte finanziert werden. Im Rahmen dieser zivilrechtlichen Leistungsaustauschverhältnisse erbringt das Landeshygieneinstitut insbesondere Leistungen auf dem Gebiet der Bau- und Städtehygiene, Innenraumhygiene,
Wasser- und Bodenhygiene und Krankenhaushygiene sowie auf dem Gebiet der Mikrobiologie, Virologie, Immunologie, Mykologie und Parasitologie.

221
(360)

Soweit das Landeshygieneinstitut freiwillige Leistungen auf dem Gebiet der Hygiene
erbringt, stellt es diese den Auftraggebern gem. § 2 Abs. 1 Gebührenverordnung (seit
1.1.1998 § 1 Abs. 1 Gebührenverordnung für das Landeshygieneinstitut) nach dem
der Verordnung beigegebenen Gebührenverzeichnis in Rechnung. Mängel bei der
Berechnung und Beiziehung dieser Gebühren hat der Landesrechnungshof nicht festgestellt. Das Gebührenaufkommen deckte jedoch die Kosten der Leistungserbringung
in dem geprüften Zeitraum 1996 nur zu 29,1 % und im 1. Halbjahr 1997 nur zu
26,0 %.
Das seit dem 1.1.1998 geltende Gebührenverzeichnis weist detailliertere Gebührentatbestände aus. Zu einer ins Gewicht fallenden Erhöhung der einzelnen Gebühren ist
es jedoch nicht gekommen. Das Landeshygieneinstitut selber geht aufgrund einer überschlägigen Vergleichsberechnung von einer jährlichen Mehreinnahme in Höhe
von 175.000 DM aus, sofern sich die Auftragslage nicht verändert. Auch das neue
Gebührenverzeichnis wird deshalb nicht zu der durch § 24 Abs. 1 Verwaltungskostengesetz vorgeschriebenen Kostendeckung führen.

(361)

Soweit das Landeshygieneinstitut Leistungen auf dem Gebiet der Mikrobiologie usw.
erbringt, rechnet es diese Leistungen nach einem hauseigenen Tarif ab, der sich an
den Einheitlichen Bewertungsmaßstab für ärztliche Leistungen (EBM – § 87 Abs. 1
und 2 SGB V) anlehnt. Nach § 2 Abs. 2 Gebührenverordnung wären diese Leistungen nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abzurechnen gewesen. Erst die ab
1.1.1998 geltende Gebührenverordnung für das Landeshygieneinstitut läßt in § 1
Abs. 4 auch eine Abrechnung nach dem EBM zu. Das aufgrund dieser Abrechnung
erzielte Gebührenaufkommen deckte die Kosten der Leistungserbringung im Jahr
1996 nur zu 34,1 % und im 1. Halbjahr 1997 nur zu 32,4 %.
Der Landesrechnungshof hat für 17 Abrechnungsnummern des Jahres 1996 – das
sind 110.607 Einzelleistungen und damit annähernd 50 % der Gesamtleistungen – die
nach der GOÄ zu erhebenden und die nach dem hauseigenen EBM tatsächlich erhobenen Gebühren gegenübergestellt. Danach hat das Landeshygieneinstitut aufgrund
des hauseigenen EBM ein Gebührenaufkommen von 1.207.149,58 DM erzielt, während sich aufgrund des üblichen Satzes von 1,15 der GOÄ ein Forderungsbetrag in

222
Höhe von 3.709.711,26 DM ergeben hätte. Daraus errechnet sich ein Minderbetrag
von 2.502.561,68 DM. Rechnet man dieses auf der Grundlage von annähernd 50 %
der Gesamtleistung gewonnene Ergebnis hoch, ergibt das einen rechnerischen Minderbetrag von rd. 5 Mio. DM.
Demnach hat das Landeshygieneinstitut nur 32,5 % der von Rechts wegen in Ansatz
zu bringenden Gebühren geltend gemacht. Bei einer Abrechnung nach der GOÄ hätte
sich rechnerisch, d. h. unter der Voraussetzung eines unveränderten Auftragsvolumens, ein Kostendeckungsgrad von 91,1 % für 1996 und 86,7 % für das 1. Halbjahr
1997 ergeben.
Das Sozialministerium wendet hiergegen ein, die Anwendung des EBM sei auch in
der Vergangenheit nicht unzulässig gewesen, denn § 5 Abs. 1 Nr. 2 der Gebührenverordnung ermögliche die Vereinbarung von Pauschgebühren.
Dem kann der Landesrechnungshof nicht folgen. Die GOÄ deckt alle Leistungen ab,
die auch im EBM enthalten sind. Der EBM kann deshalb nicht als Pauschalgebühr
für die GOÄ angesehen werden. Er trat vielmehr an die Stelle der GOÄ und war deshalb nach der bis zum 31.12.1997 geltenden Rechtslage nicht anzuwenden.

Pflichtaufgaben
(362)

Im Rahmen seiner Pflichtaufgaben erbringt das Landeshygieneinstitut die in § 3
Abs. 4 ÖGDG M-V genannten Untersuchungen, Befunderhebungen und Begutachtungen überwiegend für Gesundheitsämter und, soweit es sich um Belange der Krankenhaushygiene handelt, für Krankenhäuser. Mit der Begründung, es handele sich um
Pflichtaufgaben, erhebt das Landeshygieneinstitut für diese Leistungen keine Gebühren, es sei denn, daß die Gesundheitsämter ihrerseits von Dritten Gebühren erheben
können.
Da die Pflichtaufgaben insgesamt etwa die Hälfte der erbrachten Leistungen darstellen und sich dieser gesamte Tätigkeitsbereich wegen des weitgehenden Gebührenverzichts nicht in dem wirtschaftlichen Ergebnis widerspiegelt, ist das Landeshygieneinstitut dazu übergegangen, für diese unentgeltlich erbrachten Leistungen

223
„kostenfreie Leistungen und Opportunitätserlöse“ (nachfolgend: Opportunitätserlöse)
auszuweisen. Durch diese nur fiktiven Einnahmen erhöht sich der Kostendeckungsgrad erheblich:

Jahr

Kosten
insgesamt

Erlöse
insgesamt

Opportunitätserlöse
insgesamt

- in DM -

- in DM -

- in DM -

1996

18.325.659

5.928.260

1. Hj.
1997

8.172.744

2.446.241

Kostendeckungsgrad
ohne Opportunitätserlöse

Kostendeckungsgrad mit
Opportunitätserlösen

4.764.807

32,5 %

58,6 %

2.298.797

29,9 %

58,0 %

Tabelle 29: ausgewiesene Opportunitätserlöse des Landeshygieneinstituts

Die als Opportunitätserlöse ausgewiesenen unentgeltlichen Beratungs- und Laborleistungen haben sich seit 1995 stark erhöht:
Jahr

unentgeltliche Beratungsleistungen
- in DM -

unentgeltliche
Laborleistungen
- in DM -

Gesamt
- in DM -

1995

1.334.011

1.041.800

2.375.811

1996

3.262.425

1.502.382

4.764.807

1. Hj.
1997

1.507.812

790.985

2.298.797

Tabelle 30: ausgewiesene Opportunitätserlöse 1995 im Vergleich zu 1996 und 1. Hj. 1997

Aus der nachfolgenden Übersicht ist zu ersehen, daß das Landeshygieneinstitut für
das Jahr 1996 46,3 % und für das 1. Halbjahr 1997 49,9 % seiner Leistungen unentgeltlich erbracht hat.
Jahr

Opportunitätserlöse
- in DM -

Umsatzerlöse

Gesamt

- in % -

- in DM -

- in % -

- in DM -

1995

2.375.811

25,6

6.904.000

74,4

9.279.811

1996

4.764.807

46,3

5.524.285

53,7

10.289.092

I. Hj.
1997

2.298.797

49,9

2.303.858

50,1

4.602.655

Tabelle 31: unentgeltliche Leistungen des Landeshygieneinstituts für 1996 und 1. Hj. 1997

224
(363)

Daß das Landeshygieneinstitut seine Pflichtleistungen weitgehend unentgeltlich erbringt, entspricht insbesondere hinsichtlich der Gesundheitsämter und Krankenhäuser
nicht der Rechtslage. In § 31 ÖGDG M-V ist festgelegt: Der Öffentliche Gesundheitsdienst erhebt Gebühren nach den Gebührenverordnungen, die das Sozialministerium und das Landwirtschaftsministerium aufgrund des Verwaltungskostengesetzes
des Landes Mecklenburg-Vorpommern erlassen. Das Landeshygieneinstitut ist gem.
§ 3 Abs. 4 ÖGDG M-V eine Einrichtung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes.
Demnach hat auch das Landeshygieneinstitut die vorgegebenen Gebühren zu erheben. Eine Gebührenfreiheit ist in den einschlägigen Vorschriften nicht vorgesehen.
Für die Zeit vor der Umwandlung des Landeshygieneinstituts in einen Landesbetrieb
galt gem. § 8 Abs. 4 i. V. m. § 8 Abs. 1 Verwaltungskostengesetz sogar ganz ausdrücklich, daß die persönliche Gebührenfreiheit für Amtshandlungen der „Bezirkshygiene-Institute“ keine Geltung hat.
Die Regelung, wonach das Landeshygieneinstitut die vorgegebenen Gebühren zu erheben hat, bewegt sich voll im Rahmen der geltenden Finanzverfassung und Aufgabenverteilung, denn soweit die Gesundheitsämter der Landkreise und kreisfreien
Städte im eigenen Wirkungskreis tätig sind, tragen sie die Kostenverantwortung und
soweit sie im übertragenen Wirkungskreis tätig sind, werden die Kosten der Aufgabenerfüllung durch den allgemeinen Finanzausgleich abgedeckt (§ 3 Abs. 3
Satz 4 ÖGDG M-V). Es wäre auch nicht verständlich, wenn das Land für die Aufgabenerfüllung der Gesundheitsämter im eigenen Wirkungskreis die Kosten trägt und
warum es im übertragenen Wirkungskreis die Kosten sogar doppelt übernehmen soll:
Einmal durch die Kostentragung im Rahmen des Finanzausgleichs und ein zweites
Mal durch unentgeltliche oder auch nicht kostendeckende Leistungserbringung des
Landeshygieneinstituts. Ähnlich verhält es sich mit den Leistungen für die Krankenhäuser. Hier sind die Kosten für die Aufrechterhaltung der Krankenhaushygiene bereits in den Pflegesätzen enthalten.

225

Folgerungen
(364)

Die rechtlich gebotene Neuordnung der Gebührenerhebung durch
−= Einführung kostendeckender Gebührensätze und
−= Gebührenerhebung auch bei den Pflichtaufgaben
wird nicht zur Folge haben, daß das Landeshygieneinstitut nachhaltig höhere Einnahmen erzielt. Die Nachfrage nach den Leistungen des Landeshygieneinstituts wird
vielmehr stark rückläufig sein und voraussichtlich insbesondere auf dem Gebiet der
mikrobiologischen Diagnostik sogar annähernd zum Erliegen kommen. Entsprechend
wird dann auch das Gebührenaufkommen zurückgehen, obwohl es sich nach erheblich höheren Sätzen bemißt.
Auch das Landeshygieneinstitut selbst rechnet damit, daß es höhere Gebühren nicht
durchsetzen kann und daß die bisherigen Auftraggeber eher zu günstigeren Anbietern
abwandern werden, als höhere Gebühren zu akzeptieren. Dies ist im wesentlichen
auch die Ursache dafür, daß das Landeshygieneinstitut seine Leistungen z. T. unentgeltlich und z. T. zu nicht kostendeckenden Gebühren anbietet.
Rechtliche Bedenken gegen eine solche Abwanderung gibt es nicht. Für die freiwilligen Leistungen des Landeshygieneinstituts, die ebenso auch von niedergelassenen
Ärzten für Labormedizin angeboten werden, steht das außer Frage. Soweit das Landeshygieneinstitut Leistungen für die Gesundheitsämter und Leistungen für die
Krankenhäuser auf dem Gebiet der Hygiene erbringt, handelt es sich für das Landeshygieneinstitut zwar um Pflichtaufgaben, allerdings sind die Gesundheitsämter und
Krankenhäuser ihrerseits nicht verpflichtet, mit den erforderlichen Untersuchungen,
Befunderhebungen und Begutachtungen das Landeshygieneinstitut zu beauftragen.
Das Landeshygieneinstitut ist als Serviceeinrichtung konzipiert. Mit einem generellen
Benutzungszwang ist es nicht ausgestattet.

(365)

Zur Durchsetzung einer wirtschaftlichen Haushaltsführung hat der Landesrechnungshof gefordert, zunächst kostendeckende Gebührensätze zu erheben, und in dem Maße, in dem die Nachfrage beim Landeshygieneinstitut zurückgeht, muß eine Verlagerung der im öffentlichen Bereich nicht mehr benötigten Arbeitsplätze auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erfolgen. Dies bedeutet keine Privatisierung, denn die marktgängigen Leistungen des Landeshygieneinstituts sind längst privatisiert. Es geht nur

226
noch darum, daß sich das Sozialministerium den Konsequenzen aus dieser Entwicklung stellt: Da die freien Anbieter wesentlich wirtschaftlicher arbeiten als das Landeshygieneinstitut, muß sich der Staat aus diesem Markt zurückziehen. Die Aufrechterhaltung des Status quo würde den zweckwidrigen Einsatz der vom Parlament bewilligten Mittel prolongieren. Die Mittel bei Kapitel 1012 sind dem Landeshygieneinstitut gem. § 6 LHO nur zur Erfüllung der Aufgaben des Landes zur Verfügung gestellt. Es gehört aber nicht zu den Aufgaben des Landes, marktgängige Leistungen
unter den Erstellungskosten am Markt anzubieten. Auch in der Vergangenheit hat der
Defizitausgleich dem Landeshygieneinstitut stets nur als einer Einrichtung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes gegolten, nicht aber dem Landeshygieneinstitut in
seiner Eigenschaft als Konkurrent niedergelassener Laborärzte.
Das Sozialministerium vertritt hiergegen die Auffassung, es habe bereits auf die veränderte Nachfrage nach Leistungen des Landeshygieneinstitutes u. a. mit massivem
Personalabbau reagiert. Auch würden die Anstrengungen zur Verbesserung der Kosten-Leistungssituation im Rahmen einer Lenkungs- und Projektgruppe fortgesetzt.
Auf die Analyse- und Beratungskapazitäten des Landeshygieneinstituts könne jedoch
aus gesundheitspolitischen Gründen nicht verzichtet werden, z. B. böten private Labore eine Vielzahl aufwendiger Untersuchungen nicht an.
Das Landeshygieneinstitut verursache aber unabweisbare Vorhaltekosten, die nach
wettbewerbsverträglichen Kriterien und unter Außerachtlassung verwaltungskostenrechtlicher Belange sinnvollerweise am Markt erwirtschaftet werden sollten.
Der Landesrechnungshof hat nicht die Auflösung des Landeshygieneinstituts gefordert. Es muß sich aber auf die Tätigkeitsbereiche konzentrieren, die von privaten Anbietern nicht abgedeckt werden. In solchen Monopol-Bereichen lassen sich nach Auffassung des Landesrechnungshofes dann auch durchaus kostendeckende Gebühren
durchsetzen.
Die Frage, ob das Landeshygieneinstitut in der Lage sein wird, jedenfalls einen Teil
seiner Kosten am Markt selber zu erwirtschaften, läßt sich sachgerecht erst entscheiden, wenn Klarheit darüber besteht, welche Untersuchungen das Landeshygieneinstitut weiterhin durchführen muß und welche Kapazitäten dafür erforderlich sind. Im
Rahmen seiner Prüfung hat der Landesrechnungshof jedoch nicht feststellen können,
daß im Sozialministerium in dieser Hinsicht bereits Überlegungen angestellt worden
sind. Sollte allerdings das Landeshygieneinstitut auch nach Rückführung seiner

227
Pflichtaufgaben auf die nicht marktgängigen Leistungen als Anbieter am Markt auftreten, kann dies, anders als das Sozialministerium meint, nicht unter Außerachtlassung verwaltungskostenrechtlicher Belange geschehen.
(366)

Zu der künftigen Gebührenerhebung und Aufgabenstruktur des Landeshygieneinstituts wird sich die Landesregierung aufgrund des Prüfungsberichtes gegenüber dem
Landtag äußern. Bei diesem Jahresberichtsbeitrag geht es darum, daß das Land erhebliche Kosten zu tragen hatte, weil haushalts- und kostenrechtliche Vorschriften
nicht beachtet worden sind. Diese Prüfungsergebnisse hat der Landesrechnungshof
gem. § 97 LHO dem Landtag mitzuteilen.

228

Leistungen für Opfer von Gewalttaten

Bei der Gewährung von Leistungen nach dem
Gesetz über die Entschädigung für Opfer von
Gewalttaten haben die Versorgungsämter
−= für

die

Bearbeitung

der

Anträge

rd. zwei Jahre benötigt,
−= die den Geschädigten wegen der langen Bearbeitungszeit zustehenden Zinsen zum großen
Teil gar nicht oder erst Monate später gezahlt,
−= zu hohe Renten oder Abfindungen gezahlt,
−= Schadensersatzforderungen in Höhe von nur
rd. 2,3 % der gewährten Leistungen realisiert,
−= teilweise Geldleistungen als Sachleistungen gebucht und damit die anteilige Finanzierung
durch den Bund verloren.

(367)

Der Landesrechnungshof hat bei zwei von vier Versorgungsämtern stichprobenweise
die Gewährung von gesetzlichen Leistungen nach dem Gesetz über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten (OEG) vom 11. Mai 1976 (BGBl. I S. 1181) geprüft.
Nach dem Gesetz erhalten Opfer, die durch einen vorsätzlichen, rechtswidrigen tätlichen Angriff einen Gesundheitsschaden erlitten haben, Geld- oder Sachleistungen.

Bearbeitungszeiträume
(368)

Bei den Versorgungsämtern sind seit dem 1.1.1991 bis zum 31.12.1997 rd. 6.700
Anträge zur Anerkennung als Opfer einer Gewalttat und zur Gewährung von Leistungen nach dem OEG gestellt worden. Davon waren rd. 5.000, das sind rd. 75 %,
bearbeitet. Die Versorgungsämter haben somit im Jahresdurchschnitt 714 Anträge

229
bearbeitet. Selbst bei Annahme einer inzwischen beschleunigten Abarbeitung der Anträge ergibt sich aus den noch offenen rd. 1.700 Anträgen und der wachsenden Anzahl neu hinzutretender Anträge, daß die Versorgungsämter für die Entscheidung über einen Antrag eine durchschnittliche Bearbeitungszeit von etwa zwei Jahren
benötigen.
Dies wird durch die festgestellten Bearbeitungszeiten in Einzelfällen bestätigt: Bei
zwölf nach dem Zufallsprinzip ausgewählten und geprüften Akten ergab sich ebenfalls eine durchschnittliche Bearbeitungsdauer von rd. 24 Monaten. Dabei waren die
durchschnittlichen Bearbeitungszeiten bei den beiden geprüften Versorgungsämtern
allerdings unterschiedlich hoch. Bei einem Versorgungsamt waren es rd. 18 und bei
dem anderen rd. 37 Monate.
Der Landesrechnungshof hat beanstandet, daß die Bearbeitungszeiten zu lang sind,
denn bei den Leistungen an die Opfer oder deren Hinterbliebene handelt es sich um
Sozialleistungen, auf die die Betroffenen zum Ausgleich schädigungsbedingter Einschränkungen angewiesen sind. Er hat das Sozialministerium gebeten, geeignete
Maßnahmen zur beschleunigten Bearbeitung der OEG-Anträge zu ergreifen.
(369)

Das Sozialministerium hat ausgeführt, daß es sich „beim Opferentschädigungsgesetz
... um Einzelfälle sehr unterschiedlicher Schwere und Kompliziertheit“ (handle). Dadurch seien auch unterschiedliche Bearbeitungsfristen begründet. Eine Erledigung aller Anträge in einer kurzen Zeit sei schon deshalb nicht möglich, „weil die Prüfung
der Staatsanwaltschaft voranzugehen“ habe. Das Sozialministerium weist zugleich
auf die „Schwierigkeit der Mitwirkung der Antragsteller in Bagatellfällen“ hin.
Im übrigen habe sich die Erledigungsrate inzwischen deutlich verbessert.
Auch der Landesrechnungshof hat festgestellt, daß die Erledigungsrate, die für 1996
erst 55,74 % betrug, für das Folgejahr auf 74,8 % gestiegen ist.
Gleichwohl fällt auf, daß auch bei Anerkennung der vom Sozialministerium benannten Besonderheiten die vom Landesrechnungshof festgestellten Bearbeitungszeiten in
den geprüften Versorgungsämtern erheblich differieren. Während bei den geprüften
Fällen des Versorgungsamtes Schwerin die durchschnittliche Bearbeitungszeit
17,8 Monate betrug, betrug sie beim Versorgungsamt Neubrandenburg 37 Monate.

230

Zinsansprüche
(370)

Neben Sachleistungen haben die Versorgungsämter bisher an die Opfer von Gewalttaten oder deren Hinterbliebene in 95 Fällen Geldleistungen gewährt. Geldleistungen
sind spezielle im Bundesversorgungsgesetz geregelte Leistungen, wie finanzielle Hilfen und Zulagen, Grund- und Ausgleichsrenten, Kranken-, Sterbe- und Bestattungsgeld, die für Geschädigte mit einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von mehr als
25 % gewährt werden.
Infolge der langen Bearbeitungsdauer stehen den Empfängern von Geldleistungen
zugleich Ansprüche auf Verzinsung der Geldleistungen nach § 44 Abs. 1 SGB I zu.
Diese sind von Amts wegen zu berechnen und zu gewähren.
In einem der geprüften Versorgungsämter, das 22 Geldleistungsbescheide erteilt hat,
war zum Zeitpunkt der örtlichen Erhebungen noch in keinem Fall die Zinsleistung
berechnet und entsprechend auch nicht gewährt worden. Das andere geprüfte Versorgungsamt hat lediglich für drei der zwölf Geldleistungsfälle die Zinszahlungen geleistet. Der Landesrechnungshof hat diese drei Zinsbescheide geprüft und dabei
festgestellt, daß zwischen der Zahlung der Geldleistungen und der Zinszahlung
zeitliche Abstände von bis zu 35 Monaten lagen.
Der Landesrechnungshof hat die zu Lasten des Versorgungsberechtigten zögerliche
Zinsgewährung beanstandet.

Höhe der Geldleistungen
(371)

Der Landesrechnungshof hat 21 der genannten 95 Geldleistungsbescheide geprüft
und dabei festgestellt, daß in drei Fällen die Entscheidung dem Grunde oder der Höhe nach fehlerhaft war. Das bedeutet eine Fehlerquote von 14 %. Im einzelnen handelt es sich um
−= die Gewährung einer Grundrente, obwohl nach Aktenlage die gesundheitliche
Schädigung nicht auf die angegebene Gewalttat zurückzuführen war,
−= die rückwirkende Gewährung einer Grundrente, obwohl die Rente wegen einer
Fristversäumung erst ab Antragstellung gezahlt werden durfte,

231
−= die Berechnung der Abfindung für einen Asylbewerber für einen fünfjährigen
Aufenthalt, obwohl Berechnungsgrundlage nur vier Jahre sein konnten.
Die finanziellen Auswirkungen dieser Fehlentscheidungen belaufen sich insgesamt
auf einen Betrag von rd. 6.000 DM.
Der Landesrechnungshof hat als Ursache für die unzulässige Leistungsgewährung eine unzureichende Beachtung aller im OEG geregelten Anspruchsfristen und Tatbestandsvoraussetzungen festgestellt.

Schadensersatzforderungen
(372)

Die Schadensersatzansprüche der Opfer gegen die Gewalttäter gehen bei der Gewährung von Leistungen nach dem OEG kraft Gesetzes auf das Land über. Für die Versorgungsämter hat das Landesversorgungsamt bislang gegenüber Ersatzpflichtigen
Schadensersatzforderungen erst in Höhe von insgesamt rd. 762.000 DM erhoben und
davon nur rd. 155.000 DM realisiert. Das bedeutet, daß die Versorgungsverwaltung
bisher lediglich rd. 11 % der für die Opfer gewährten Leistungen von den Schädigern
zurückgefordert hat. Von diesen erhobenen Forderungen konnte das Landesversorgungsamt bisher aber nur 20,3 % realisieren, das sind rd. 2,3 % des insgesamt gewährten Leistungsbetrages.
Der Landesrechnungshof hat diesen Stand der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen des Landes gegenüber den Gewalttätern als unzureichend beanstandet.

(373)

Das Sozialministerium wendet dagegen ein, daß „die geringe Realisierungsquote vor
allem darauf zurückzuführen sein (dürfte), daß bei den betroffenen Tätern in der Regel ‘nichts zu holen’“ sei.
Für den Landesrechnungshof bleibt damit unbeantwortet, aus welchen Gründen das
Landesversorgungsamt bislang erst rd. 11 % der erbrachten Leistungen geltend gemacht hat.

Buchung von Geldleistungen
(374)

Die für die Opfer von Gewalttaten zu gewährenden Leistungen untergliedern sich in
Geld- und Sachleistungen. Während die Ausgaben für die Sachleistungen das Land

232
allein zu tragen hat, beteiligt sich der Bund mit 40 % an den Geldleistungen. Das
Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung hat in einem Rundschreiben im
einzelnen aufgeführt, welche Leistungen als Geldleistungen anzusehen sind. Hierbei
ist auch das Krankengeld ausdrücklich als Geldleistung benannt. Gleichwohl hat ein
Versorgungsamt eine Krankengeldzahlung in Höhe von insgesamt rd. 45.000 DM bei
den Sachleistungen gebucht.
Der Landesrechnungshof hat beanstandet, daß dem Land durch diesen Fehler die anteiligen Bundesmittel nicht zugeflossen sind. Das bedeutet einen Einnahmeverlust in
Höhe von rd. 18.000 DM.
(375)

Das Sozialministerium hat eingewendet, daß „nach den einschlägigen Rundschreiben des BMA ... das Versorgungskrankengeld erst seit dem 1. Juli 1997 als Geldleistung deklariert (sei)“, was bedeute, „daß vor diesem Zeitpunkt diese Leistungen als
Sachleistungen zu behandeln und zu buchen waren“ und insoweit der weit überwiegende Teil des genannten Betrages „als Sachleistung richtig gebucht“ worden sei.
Diese Darstellung ist durch den Landesrechnungshof so nicht nachvollziehbar, denn
das Landesversorgungsamt hat unter Bezugnahme auf entsprechende Rundschreiben
des BMA bereits mit Schreiben vom 26.8.1992 die vier Versorgungsämter über den
abgestimmten Katalog der Geldleistungen unterrichtet. Unter Nr. 5 der Geldleistungen finden sich: „Versorgungskrankengeld (§§ 16 ff., § 18 Abs. 5 BVG) und Übergangsgeld (§ 26 a BVG)“.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

233

Zuwendungen für den Neubau
eines Alten- und Pflegeheimes

Obwohl die Stadt dem Zuwendungsempfänger
das Baugrundstück zum symbolischen Preis von
1 DM veräußert hatte, wurde ein mit Gutachten
ermittelter Grundstückswert von 831.000 DM als
zuwendungsfähige Ausgabe anerkannt. Die bewilligte Zuwendung war somit um 207.000 DM
zu hoch.
Die Größenangaben für das von der Stadt verkaufte Baugrundstück im Kaufvertrag und im
Verkehrswertgutachten differieren um 1.110 m².
Für eine Teilfläche wurde ein überhöhter Bodenrichtwert angesetzt. Der Wert des Grundstückes
ist daher um 324.000 DM überhöht.
Für das bereitgestellte Baugrundstück sind Ausgaben für die Erschließung in Höhe von
142.000 DM für Leistungen abgerechnet und bezuschußt worden, die offensichtlich nicht im Zusammenhang mit der Baumaßnahme stehen.
Durch die Überschreitung des möglichen Förderhöchstsatzes je Pflegeheimplatz wurden dem Zuwendungsempfänger mindestens 746.000 DM zu
viel an Fördermitteln bewilligt.
Durch den Einbau von Fertignaßzellen anstelle
der kostengünstigeren konventionellen Bauweise
sind Mehrausgaben von ca. 253.000 DM entstanden; die Zuwendungsfähigkeit der Mehrausgaben muß überprüft werden.

234
(376)

Der Landesrechnungshof hat in seiner zweiten Teilprüfung einen weiteren, mit
rd. 4,3 Mio. DM geförderten, Neubau eines Alten- und Pflegeheimes stichprobenweise geprüft (siehe auch Jahresbericht 1997 Tzn. 336 bis 347). Die Bauzeit lag in den
Jahren 1994 und 1995. Zuwendungsempfänger und zugleich Träger der Einrichtung
war ein Landesverband der freien Wohlfahrtspflege (im folgenden Träger).

Grundstückswert
(377)

In den Fördergrundsätzen des Sozialministeriums zur Vergabe von Landesmitteln für
die Modernisierung und Errichtung von Pflegeheimen vom 26. Juni 1992 ist eine
Mindestbeteiligung durch den Träger, den Landkreis und die Stadt von insgesamt
15 % vorgeschrieben. Dieser Forderung kam die Stadt dadurch nach, daß sie dem
Träger das erforderliche Grundstück zur Errichtung des Gebäudes zum symbolischen
Preis von 1 DM verkaufte. Nach einem Wertgutachten, das eine Woche nach Vertragsabschluß vorlag, betrug der Verkehrswert des Grundstückes 831.000 DM. Das
Sozialministerium berücksichtigte im verbindlichen Finanzierungsplan diesen
Grundstückswert als Eigenanteil der Stadt. Gleichwohl erhielt der Zuwendungsempfänger für den Grundstückswert einen Landeszuschuß in Höhe von 207.750 DM.
Der Landesrechnungshof beanstandete, daß das Sozialministerium bei der Einrechnung des ermittelten Grundstückswertes in die zuwendungsfähigen Ausgaben ohne
Rechtsgrundlage gehandelt hat, da nach dem Zuwendungsrecht nur tatsächlich geleistete Ausgaben anerkannt werden können. Der Zuwendungsanteil für das Grundstück
in Höhe von 207.750 DM durfte nicht gewährt werden.
Das Sozialministerium verwies in seiner Antwort vom 30.7.1997 auf seine Stellungnahme vom November 1996 zu einem vorangegangenen Prüfbericht des Landesrechnungshofes mit gleichgelagerten Feststellungen. Danach bleibt der Zuwendungsgeber
bei seiner Auffassung, daß der Grundstückswert gemäß Gutachten in die zuwendungsfähigen Ausgaben eingerechnet werden kann.
Der Landesrechnungshof ist auch weiterhin der Auffassung, daß bei Neu- und Ersatzbaumaßnahmen für Alten- und Pflegeheime entsprechend den Förderungsgrundsätzen nur spezielle Baukosten und nur tatsächlich geleistete Ausgaben zuwendungsfähig sind. Der Grundstückswert fällt nicht darunter.

235
(378)

Die Stadt hat als ihren Eigenanteil an der Gesamtfinanzierung entsprechend dem Finanzierungsplan ein Grundstück eingebracht, dessen Wert mit 831.000 DM beziffert
wurde.
Die Überprüfung ergab, daß
−= eine Flächendifferenz zwischen der angegebenen Grundstücksgröße im Notarvertrag und dem Wertgutachten von 1.110 m2 besteht,
−= ein um 30 DM/m2 überhöhter Bodenrichtwert für eine Teilfläche von 10.820 m2
im Verkehrswertgutachten angenommen wurde,
−= sich daraus eine „Überteuerung“ des Grundstückes von mindestens
30 DM/m2 x 10.820 m2 = 324.000 DM ergibt.
Hierzu teilte das Sozialministerium mit:
„Die festgestellten Abweichungen hinsichtlich der Größe der Grundstücksfläche zwischen Kaufvertrag und Verkehrswertgutachten werden bei der Verwendungsnachweisprüfung geklärt. Grundstückskosten werden nur für die endgültige Größe des
Grundstückes anerkannt. Dazu wird auch eine Aussage der Bauverwaltung im Prüfbericht zum Verwendungsnachweis erwartet.
Grundlage für die Bewilligung war hinsichtlich des Grundstücks das Verkehrswertgutachten eines anerkannten Sachverständigen. Diese Gutachten werden bei der
Förderung grundsätzlich akzeptiert. Eine weitergehende Prüfung solcher Gutachten
durch die Bewilligungsbehörde erfolgt nur, soweit sie offensichtliche Fehler aufweisen.“
Der Landesrechnungshof nahm die Stellungnahme zur Kenntnis und bat, die Größe
des Grundstückes zu klären. Das Wertgutachten sollte durch die OFD Rostock baufachlich überprüft werden. Dies stellt jedoch keine Anerkennung der Grundstücksförderung an sich dar.
In der Stellungnahme vom 15.12.1997 wiederholte das Sozialministerium seine o. g.
Auffassung, daß sowohl die Einbeziehung der Grundstückskosten in die Förderung
als auch der gewählte Weg für die Beteiligung der Stadt zulässig sei. Weiter teilte das
Sozialministerium mit, daß „... Ziffer 4 Pkt. 4 der Förderungsgrundsätze die Grundstückskosten nicht von den zuwendungsfähigen Aufwendungen ausschließt. Eine Spe-

236
zifizierung der zuwendungsfähigen Kostengruppen sei lediglich für die Baukosten erfolgt, nicht jedoch für die übrigen Kostengruppen ...“.
Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Feststellung.
Zum 1. Januar 1996 trat das Gesetz über die Planung und Förderung von Pflegeeinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern (Landespflegegesetz – LPflegeG) vom
21. Februar 1996 (GVOBl. M-V S. 126) in Kraft, wonach gem. § 9 Abs. 1 Satz 2 zu
den betriebsnotwendigen Investitionsaufwendungen nicht die Aufwendungen für den
Erwerb und die Erschließung von Grundstücken gehören.
Das Sozialministerium teilt zwischenzeitlich mit, daß dies auch bei der Neufassung
der Förderrichtlinien berücksichtigt würde.
(379)

Der Träger kaufte ein unerschlossenes Grundstück für 1 DM. In seiner Kostenberechnung ermittelte er Ausgaben für die Erschließung des Grundstückes (Wasser,
Abwasser) von 375.000 DM. Die Landesbauverwaltung erkannte jedoch im Rahmen
ihrer baufachlichen Prüfung nur 75.000 DM für die direkten Anschlüsse an das vorhandene Wasserver- und Entsorgungsnetz als zuwendungsfähig an. Der Träger erteilte dem zuständigen Verband den Auftrag zur Ausführung der o. g. Arbeiten zu einem
vorläufigen Maximalpreis von 345.000 DM. Dieser Betrag wurde dann auch in
Rechnung gestellt, vom Träger bezahlt und in den Verwendungsnachweis aufgenommen.
Dazu stellte der Landesrechnungshof fest:
1. Das Grundstück war lt. Verkehrswertgutachten über einen ca. 150 m langen unbefestigten Weg an das befestigte Wegenetz der Stadt angebunden. Auch nach Fertigstellung und Inbetriebnahme des Alten- und Pflegeheimes war lediglich nur der
unbefestigte Weg vorhanden. Gleichwohl wurden für das Aufnehmen und Wiederherstellen von Straßen- und Gehwegbefestigungen Leistungen im Werte von
rd. 54.500 DM zu Lasten des Heimes abgerechnet.
2. Des weiteren wurden Gesamtausgaben in Höhe von rd. 87.300 DM für die Errichtung von zwei Schmutzwasserpumpwerken, die in erheblicher Entfernung im
Siedlungsgebiet liegen, in Rechnung gestellt.

237
Der Landesrechnungshof hat das Sozialministerium aufgefordert zu überprüfen, ob
diese Leistungen im Zusammenhang mit der Errichtung des Alten- und Pflegeheimes
stehen.
Das Sozialministerium teilte hierzu mit, daß dieser Sachverhalt durch die staatliche
Bauverwaltung im Rahmen der technischen Prüfung des Verwendungsnachweises
geklärt werde.

Höhe der Zuwendungen
(380)

Auf der Grundlage der anerkannten zuwendungsfähigen Ausgaben in Höhe von
rd. 17,2 Mio. DM wurde dem Antragsteller ein Zuschuß in Höhe von
rd. 4,3 Mio. DM bewilligt. Das entspricht einem Förderanteil von 25 %.
Die Förderquote kann nur in Ausnahmefällen bei besonderer Dringlichkeit und erheblichem Landesinteresse bis zu 33 % betragen, höchstens jedoch 50.000 DM je
Pflegeheimplatz bei Neubauten.
Der Landesrechnungshof stellte dazu fest:
Im Vermerk vom 23.2.1994 zum Bewilligungsbescheid hat das Sozialministerium
eine Förderung von 25 % festgelegt. Demzufolge hätte auch der damit verbundene
Höchstförderbetrag von 35.000 DM je Pflegeplatz berücksichtigt werden müssen.
Das ergäbe bei 102 realisierten Pflegeheimplätzen eine Höchstförderung von
rd. 3,5 Mio. DM. Die tatsächlich bewilligte Zuwendung überschreitet diesen Höchstbetrag um 746.500 DM.
Das Sozialministerium erklärte hierzu:
„Die Förderungsgrundsätze vom 26.06.1992 sehen in Ziffer 4.2. die Möglichkeit vor,
bei besonderer Dringlichkeit und erheblichem Landesinteresse bei Pflegeheimen die
Zuwendungen des Landes auf 33 %, höchstens jedoch 50 TDM je Platz bei Neubaumaßnahmen und 35 TDM je Platz bei Modernisierungsmaßnahmen zu erhöhen. Von
dieser Möglichkeit wurde hier Gebrauch gemacht, da ein besonderes Landesinteresse am Ersatz der in sehr schlechtem Zustand befindlichen Heime im Landkreis bestand. Der Landeszuschuß in Höhe von 4.316.500,00 DM liegt deutlich unter dem in
diesem Fall vorgesehenen Höchstbetrag von 5 Mio. DM bei 100 Heimplätzen.“

238
Ausweislich des Antragsprüfungsvermerkes gem. VV Nr. 3.4 zu § 44 Abs. 1 LHO
wurde entgegen des Antrages des Trägers auf 33 % Zuwendung nur der Regelfördersatz von 25 % gewährt.

239
Der Landesrechnungshof bemerkt, daß aus den vorgelegten Akten weder die besondere Dringlichkeit noch das erhebliche Landesinteresse erkennbar ist, um die Erhöhung des Fördersatzes von 25 % auf 33 % zu rechtfertigen.
In der Stellungnahme vom 15.12.1997 teilte das Sozialministerium mit:
„Ergänzend zu der Stellungnahme vom 30.07.1997 ist darauf hinzuweisen, daß in
den Gesamtkosten der Baumaßnahme neben den Kosten für 102 Pflegeplätze die Kosten für zehn Plätze in der Tagespflege enthalten sind. Diese Plätze sind sowohl bei
der baufachlichen Prüfung als auch bei der Bewilligung des Zuschusses berücksichtigt worden.
Da es in der Tagespflege zum Bewilligungszeitpunkt noch kein Angebot in der Region gab, bestand ein besonderes Interesse an der Schaffung dieser Plätze.
Der Tatbestand der Förderung ist im Vorvermerk zum Bewilligungsbescheid angegeben, die schriftliche Begründung des besonderen Interesses ist leider unterblieben.“
Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Feststellung, daß der Förderhöchstbetrag
um 746.500 DM überschritten ist. Nach den Förderungsgrundsätzen ist die Schaffung
von Tagespflegeplätzen nicht Fördergegenstand, so daß die hiermit verbundenen
Ausgaben auch nicht als förderfähig anerkannt werden durften.

Fertignaßzellen
(381)

In dem Alten- und Pflegeheim wurden die Sanitärräume für die Wohneinheiten als
Fertignaßzellen geplant. Im Rahmen der baufachlichen Prüfung wurde der Architekt
aufgefordert, einen Kostenvergleich zwischen Fertignaßzellen und konventionell
hergestellten Sanitärräumen aufzustellen. Der Kostenvergleich fiel mit
rd. 1.074 DM/Stck. (brutto) zugunsten der konventionellen Herstellung aus, was bei
51 einzubauenden Fertignaßzellen bereits zu Mehrausgaben von rd. 54.800 DM geführt hätte. Dies berücksichtigte das Sozialministerium bei der Festsetzung der zuwendungsfähigen Ausgaben nicht.

240
Der Landesrechnungshof stellte dazu fest:
−= Der Architekt hat unterschiedlich große Sanitärräume miteinander verglichen.
−= Bei der Mengenermittlung für die konventionelle Ausführung wurde nicht die
notwendige Sorgfalt angewandt.
Der Landesrechnungshof erstellte daraufhin eine eigene Kostenermittlung für die
konventionelle Ausführung. Auf der Grundlage der selbstermittelten Mengenansätze
und den Einheitspreisen der Schlußrechnungen erhöhte sich die Kostendifferenz auf
198.000 DM.
Der Vergleich der konventionellen Ausführung und der eingebauten 51 Fertignaßzellen führte zu nicht genutzten Einsparungsmöglichkeiten von ca. 253.000 DM. Der
Landesrechnungshof hat das Sozialministerium gebeten zu prüfen, ob die zuwendungsfähigen Ausgaben entsprechend gekürzt werden können.

Behandlung der Prüfungsmitteilung
(382)

Die Prüfungsmitteilung enthält eine Vielzahl von Prüfungsfeststellungen mit bautechnischem bzw. vergaberechtlichem Inhalt.
Zu diesen Textzahlen teilte das Sozialministerium im Rahmen seiner Stellungnahmen mit, daß ohne die entsprechende Zuarbeit der staatlichen Bauverwaltung eine
Stellungnahme nicht möglich sei.
Mit Datum vom 15.1.1998 teilte das Sozialministerium mit:
„Im Nachgang zu meinem Schreiben vom 15.12.1997 kann ich Ihnen mitteilen, daß
das Landesbauamt mit der Prüfung des Verwendungsnachweises und Ihrer Mitteilung begonnen hat, nachdem ihm am 06.01.1998 erste Unterlagen des Trägers der
Maßnahme zugeleitet worden sind. Diese seien allerdings noch unvollständig und
müßten ergänzt werden. Das Landesbauamt gehe davon aus, daß bei einem reibungslosen Verlauf der Ergänzung der Unterlagen und der Prüfung diese bis Mitte
April dieses Jahres abgeschlossen werden könne.
Ich hoffe, Ihnen zu diesem Zeitpunkt die noch fehlende Stellungnahme zu Ihrer Prüfungsbemerkung (siehe Ihr Schreiben vom 02.10.1997) zuleiten zu können.“

241
Die schleppende Bearbeitung der Prüfungsmitteilung wird beanstandet. Insbesondere
vermißt der Landesrechnungshof deutliche Bemühungen des Sozialministeriums, den
Zuwendungsempfänger durch geeignete Maßnahmen zur zeitnahen Vorlage der notwendigen Unterlagen zu zwingen.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

242

Zuwendungen für Investitionen zur Stillegung
und Gefahrenabwehr von Deponien

Die Anwendung der Verdingungsordnung für
Bauleistungen (VOB) durch die Zuwendungsempfänger wurde nicht immer sichergestellt.
Bei über 50 % der abzurechnenden Fördermaßnahmen lagen Verwendungsnachweise nicht zeitgerecht vor. Die Prüfungstiefe war mitunter unzureichend.

(383)

Das Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Umwelt bewilligte im Prüfungszeitraum 1993 bis 1995 Zuschüsse für die Erstellung von Gefährdungsabschätzungen, die Erarbeitung von Auslaufkonzeptionen, Ingenieurleistungen für Sicherungsmaßnahmen, Schließungsplanungen sowie Sicherungs- und Rekultivierungsmaßnahmen an die entsorgungspflichtigen Körperschaften bzw. deren beauftragte Dritte.
Die Ausgaben betrugen bis 1995 jährlich 2 bis 3 Mio. DM.

(384)

Teilweise wurden Maßnahmen gefördert, bei denen aufgrund ungeklärter Eigentumsverhältnisse und ungenügender Bauvorbereitung durch die Zuwendungsempfänger
der jeweilige Zuwendungszweck nicht oder nur teilweise erreicht wurde. Beispielsweise bewilligte das Ministerium im Jahre 1994 eine Zuwendung in Höhe von bis zu
131.000 DM für die Planung und den Bau einer Randdammsicherung einer Deponie.
Auch nach Verlängerung des Bewilligungszeitraumes konnte das Vorhaben nicht begonnen werden, da die erforderlichen Flächen dem Landkreis nicht zur Verfügung
standen. Die bereits ausgezahlten Fördermittel wurden zurückgezahlt.
Das Ministerium teilte dazu mit, daß vor der Bewilligung der Fördermittel durch den
Landkreis bestätigt wurde, die Durchführung des Projektes werde bis Ende 1994 abgeschlossen. Erst im Zuge der Anhörung des Zuwendungsempfängers zur nicht fristgemäßen Verwendung der Fördermittel sei der tatsächliche Grund für die Verzögerung dargestellt worden. Im aktuellen Bewilligungsverfahren werde sichergestellt,

243
daß vor Erteilung des Zuwendungsbescheides die Eigentumsverhältnisse eindeutig
geklärt sind.
Der Landesrechnungshof hält es für erforderlich, daß die Bewilligungsbehörde sich
mit geeigneten Unterlagen das tatsächliche Vorliegen der Zuwendungsvoraussetzungen vor der Bewilligung glaubhaft belegen läßt.
(385)

In einem Fall wurden Planungsleistungen mit 65.000 DM für die Erweiterung einer
Übergangsdeponie mit einem geschätzten Gesamtinvestitionsvolumen von
20,5 Mio. DM bezuschußt. Das Ministerium bewilligte im September 1993 weitere
Fördermittel in Höhe von 47.000 DM, nachdem der Landkreis beschlossen hatte, die
Deponiefläche zu verdoppeln. Es wurde beanstandet, daß diese Nachbewilligung erfolgte, obwohl deren Bedarf im Hinblick auf die Kreisgebietsreform und einer dann
im neuen Kreisgebiet geplanten Deponie nach dem Stand der Technik (TASIgerecht11) zumindest in dieser Größenordnung (41 Mio. DM) zweifelhaft war.
Das Ministerium erklärte dazu, daß zum Zeitpunkt der Förderentscheidung lediglich
unverbindliche Planungen für die o. a. neue Siedlungsabfalldeponie vorlagen. Mit
dem Raumordnungs- und dem Planfeststellungsverfahren sei nur das Gebiet eines
(Alt-)Landkreises als Einzugsbereich für diese Deponie festgelegt worden.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes hätte dennoch berücksichtigt werden
müssen, daß die Entscheidung des damaligen Landkreises u. a. ein Ergebnis der vergeblichen Bemühungen in dieser Region war, die Aufgabe der Abfallentsorgung im
Wege kommunaler Zusammenarbeit einem Zweckverband für Abfallwirtschaft zu
übertragen. Vor diesem Hintergrund und der voraussehbaren Bildung eines Großkreises hätte mit dieser Entscheidung des Ministeriums zur Nachbewilligung von Fördermitteln der „Alleingang“ des Zuwendungsempfängers nicht auch noch unterstützt
werden dürfen.
Von den damals sechs geplanten Deponieabschnitten wurde tatsächlich nur einer realisiert. Nach seiner Verfüllung ist auch nicht geplant, weitere Deponieflächen an diesem Standort zu erschließen.

11

Technische Anleitung zur Verwertung, Behandlung und sonstigen Entsorgung von Siedlungsabfällen

244
(386)

Für die Erarbeitung einer Gefährdungsabschätzung und der Auslaufkonzeption einer
Deponie wurden Fördermittel bewilligt. Die zuwendungsfähigen Ausgaben im Zuwendungsbescheid wurden auf 188.000 DM festgesetzt. Die tatsächlich vereinbarten
Gesamtausgaben im Ingenieurvertrag betrugen nur rd. 78.000 DM aufgrund einer
Änderung des Umfangs der Baumaßnahme. Der Zuwendungsempfänger rief dennoch
80 % der bewilligten Fördermittel ab. Erst mit Vorlage des Verwendungsnachweises,
rund anderthalb Jahre später, wurde diese Tatsache beim für die Prüfung örtlich zuständigen Staatlichen Amt für Umwelt und Natur (StAUN) bekannt.
Das Ministerium erkannte die Beanstandung an und teilte mit, im aktuellen Bewilligungs- und Auszahlungsverfahren werde sichergestellt, daß die Einhaltung der Auflagen frühzeitig kontrolliert werde.
Der Landesrechnungshof hält es für erforderlich, die Überwachung der Einhaltung
der Nebenbestimmungen der Zuwendungsbescheide durch die zuständigen StÄUN
im Interesse einer effektiveren Mittelbewirtschaftung zu intensivieren.

(387)

In einem Fall wurden Rechnungen (rd. 200.000 DM) bezahlt und auf dieser Grundlage Fördermittel abgerechnet, obwohl die Gegenleistungen (Auslaufkonzeption und
Gefährdungsabschätzung für eine Deponie) zu diesem Zeitpunkt nicht vollständig erbracht waren. Der Landesrechnungshof beanstandete hierbei, daß
−= die Bezahlung durch den Landkreis entgegen den Bestimmungen der Gemeindehaushaltsverordnung und ohne die vertraglich vereinbarten Gegenleistungen erhalten zu haben erfolgte und
−= bei der Prüfung des Verwendungsnachweises durch das örtlich zuständige StAUN
die nicht fristgerechte Fertigstellung der geförderten Konzeptionen nicht erkannt
wurde.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes ist zukünftig bei der Prüfung der Verwendungsnachweise eine Abnahme des Fördergegenstandes, d. h. in diesem Fall eine
Bestätigung, daß sämtliche Vertragsleistungen ordnungsgemäß und vollständig erbracht wurden, zu verlangen.
Der betroffene Landkreis und das Ministerium teilten mit, die Bemerkungen des
Landesrechnungshofes würden künftig beachtet.

245
(388)

Ein Zuwendungsempfänger rechnete Bruttoausgaben für die Erstellung einer Handlungs- und Gestaltungskonzeption mehrerer Deponien ab, obwohl er vorsteuerabzugsberechtigt war. Bei der Verwendungsnachweisprüfung im Ministerium wurden
die Gesamtausgaben als zuwendungsfähig bestätigt.
Das Ministerium hat nach erneuter Verwendungsnachweisprüfung den Zuwendungsempfänger zur Rückzahlung der Fördermittel in Höhe von 6.149,24 DM aufgefordert.

(389)

Die Nebenbestimmungen des Zuwendungsbescheides hinsichtlich der Anwendung
der VOB bei Vergaben und Abrechnungen von Baumaßnahmen wurden durch die
Zuwendungsempfänger nicht in erforderlichem Umfang beachtet. Die Bewilligungsbehörde hat dies nicht immer ausreichend überwacht. Bei der Prüfung einer Baumaßnahme hat der Landesrechnungshof festgestellt:
−= Die Angebote wurden nicht gekennzeichnet, und es wurden Änderungen im Submissionsprotokoll vorgenommen, die sich auf die Abgabe von Nebenangeboten
bezogen.
Damit wurde u. a. gegen § 22 Nr. 3 Abs. 2 VOB/A verstoßen.
−= Der Endbetrag der Angebote wurde im Submissionsprotokoll nach der rechnerischen Prüfung nicht gem. § 23 Nr. 4 VOB/A vermerkt.
−= Zwischen Ausschreibung und Abrechnung lt. Schlußrechnung gab es bei einigen
Positionen teilweise Erhöhungen von über 100 %. Der Zuwendungsempfänger hat
§ 9 Nr. 1 VOB/A nicht ausreichend beachtet, wonach die Leistung eindeutig und
erschöpfend zu beschreiben ist. Mengenabweichungen dieser Größenordnungen
deuten auf eine ungenügende Bauvorbereitung hin.
Der Landesrechnungshof wies darauf hin, daß die Einhaltung der Bestimmungen der
VOB, insbesondere hinsichtlich der Vergabe von Bauaufträgen, bei geförderten
Baumaßnahmen von der Bewilligungsbehörde künftig stärker geprüft werden muß.
Das Ministerium stimmte den Feststellungen zu und teilte mit, die Bemerkungen des
Landesrechnungshofes würden im aktuellen Bewilligungsverfahren beachtet, indem
das Vergabeverfahren von den StÄUN kontrolliert werde.

246
(390)

Bei der Bewilligung, Auszahlung und Verwendungsnachweisprüfung zur Oberflächenabdichtung einer Deponie beanstandete der Landesrechnungshof im verwaltungsmäßigen Ablauf:
−= Der Zuwendungsempfänger hatte nur ca. 50 % der beantragten Leistung ausgeschrieben, wodurch sich für die Bewilligung maßgebliche Umstände änderten.
Seinen Mitteilungspflichten nach Nr. 5 ANBest-K gegenüber der Bewilligungsbehörde kam er nicht nach, so daß der Zuwendungsbescheid nicht entsprechend angepaßt wurde.
−= Der Zuwendungsempfänger legte mit der ersten Zahlungsanforderung über 80 %
der bewilligten Fördermittel beim StAUN Leistungsverträge für Bauleistungen zur
Erweiterung der Deponie vor. Aus diesen Unterlagen konnte der Anteil, der sich
auf die Abdichtung des Altbereiches bezog, nicht nachvollzogen werden. Aus diesem Grund konnte das StAUN die Höhe der zuwendungsfähigen Ausgaben nicht
prüfen und hätte sie deshalb nicht anerkennen dürfen.
−= Dem Verwendungsnachweis diente als Grundlage eine Abschlagsrechnung, in der
auch Mengen abgerechnet wurden, die am Ende die tatsächlich eingebauten Mengen lt. Schlußrechnung überschritten. Die Abschlagsrechnung war nicht mit Aufmaßen belegt. Weiterhin wurden Mengen abgerechnet, die dem Zuwendungszweck nicht zugeordnet werden konnten.
Aufgrund der Feststellungen hält es der Landesrechnungshof für erforderlich, daß die
StÄUN als fachtechnisch zuständige Behörde künftig bei Baumaßnahmen stärker auf
die Abrechenbarkeit der ihnen zur Prüfung eingereichten Unterlagen (Leistungsverträge und Verwendungsnachweise) achten. Sie müssen so gestaltet sein, daß eine
eindeutige Zuordnung zur geförderten Maßnahme möglich ist. In diesem Fall hätte
nach Ansicht des Landesrechnungshofes die Möglichkeit bestanden, die Leistungen
zur Oberflächenabdichtung des Altbereiches als Einzellos auszuschreiben und abzurechnen.
Das Ministerium teilte mit, bei der aktuell praktizierten Prüfung der Ausschreibungsunterlagen sowie der Bestätigung der Mittelanforderungen durch die StÄUN könne
davon ausgegangen werden, daß Mitteilungen zu Ausgabenreduzierungen durch die
Zuwendungsempfänger zeitgerecht erfolgen und entsprechende Änderungsbescheide

247
erlassen würden. Der Verwendungsnachweis und mögliche Rückforderungen von
Fördermitteln seien noch nicht abschließend geprüft.
(391)

Die rechtzeitige Vorlage der Verwendungsnachweise durch die Zuwendungsempfänger wurde nicht mit ausreichendem Nachdruck von den hierfür zuständigen Prüfbehörden angemahnt – über 50 % fehlten. Die Prüfungstiefe war in einigen Fällen unzureichend. Beispielsweise wurden Ausgaben den zuwendungsfähigen Ausgaben zugeordnet, obwohl die ihnen zugrundeliegenden Aufträge erst nach Beendigung des
Bewilligungszeitraumes ausgelöst und abgerechnet wurden.
Das Ministerium teilte hierzu mit, es habe nach erneuter Prüfung des Verwendungsnachweises im Rahmen seines Ermessens auch aus sachlichen Gründen auf eine
Rückforderung der hierfür anteilig ausgezahlten Fördermittel verzichtet.
Hinsichtlich einer zeitnahen Prüfung der Verwendungsnachweise wurde mitgeteilt,
daß künftig die StÄUN zur selbständigen Anmahnung aufgefordert seien. Die Abarbeitung der Rückstände werde jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes wurde der Ermessensspielraum durch
das Ministerium überschritten, da eine Anerkennung der Zuwendungsfähigkeit von
nach dem Bewilligungszeitraum entstandenen Ausgaben im o. a. Fall nicht möglich
erscheint. Die Erörterungen hierzu werden fortgesetzt.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

248

Zuschüsse des Landes zur Förderung der Wasserversorgung

In den Haushaltsjahren 1992 bis 1995 betrugen
die Haushaltsansätze der Landesprogramme zur
Förderung von Maßnahmen der Wasserversorgung rd. 93,3 Mio. DM.
Dieser

Ausgabeermächtigung

standen

Ist-Ausgaben von rd. 10,8 Mio. DM gegenüber;
zudem wurden Millionenbeträge durch die Inanspruchnahme von Deckungsfähigkeiten anderweitig verausgabt.
Ein Zuwendungsempfänger wurde im November
1995 angemahnt, die bewilligten 600.000 DM
Fördermittel kurzfristig anzufordern. Die der
Zahlungsanforderung zugrunde gelegten erwarteten Ausgaben in Höhe von 2,4 Mio. DM konnten aufgrund einer nicht rechtzeitig fertiggestellten Zufahrt zum Wasserwerk nicht zeitgerecht
geleistet werden. Ein erheblicher Fördermittelbetrag wurde somit nicht fristgerecht verwendet.
Zur Sicherung der Wasserversorgung wurde
beim Bau eines neuen Wasserwerkes eine Trinkwasserüberleitung aus einem anderen Versorgungsgebiet geplant und realisiert.
Bei

Berücksichtigung

der

tatsächlichen

Verbrauchswerte, der Kapazität des Wasserwerkes und des örtlich vorhandenen Wasserdargebots kann die Versorgung auch ohne Überleitung
gesichert werden.

249
Der Landesrechnungshof schlägt wegen der Bedeutung des Grundwasserschutzes vor, die nach
§ 19 Landeswassergesetz für Wasserfassungen
möglichen Beschränkungen in besonderen Fällen
auch auf Wassereinzugsgebiete auszudehnen.

(392)

In den Jahren 1992 bis 1995 standen dem Ministerium für Bau, Landesentwicklung
und Umwelt rd. 93,3 Mio. DM zur Förderung von Maßnahmen der Wasserversorgung zur Verfügung.
Tatsächlich betrugen die Ist-Ausgaben jedoch lediglich 10,8 Mio. DM, wobei die
jährliche Quote der in Anspruch genommenen Haushaltsmittel zwischen rd. 26 %
und 5 % lag.
So stand im Haushaltsjahr 1993 der Ausgabeermächtigung von rd. 49,3 Mio. DM nur
ein Ausgaben-Ist von rd. 2,7 Mio. DM gegenüber. Von den hieraus resultierenden
Minderausgaben in Höhe von rd. 46,6 Mio. DM wurden rd. 17 Mio. DM über die Inanspruchnahme der Deckungsfähigkeit zusätzlich für Maßnahmen der Abwasserbeseitigung verausgabt.
Die verbliebenen Haushaltsmittel in Höhe von rd. 29,6 Mio. DM wurden zudem
nicht als Haushaltsrest für Maßnahmen der Wasserversorgung, sondern für Maßnahmen der Abwasserbeseitigung in das Folgejahr übertragen.
Der Landesrechnungshof bemerkte hierzu, daß die Höhe der eingeworbenen Haushaltsmittel bis 1995 unrealistisch und weit an einem möglichen Bedarf vorbei geplant
war, wodurch gegen die Bestimmung des § 11 Abs. 2 LHO verstoßen wurde. Nur unter Beachtung des Fälligkeitsprinzips kann gewährleistet werden, daß überhöhte
Haushaltsansätze vermieden werden und das Budgetrecht des Parlaments gewahrt
wird.
Darüber hinaus wurden durch die Inanspruchnahme der Deckungsfähigkeit erhebliche Beträge anders verausgabt, als vom Parlament als voraussichtlicher Bedarf mit
den Haushaltsplänen bewilligt waren (vgl. Jahresbericht 1995 Tz. 62).
Das Ministerium teilte mit, daß seit der Aufstellung des Haushaltes 1996 die Bemerkungen des Landesrechnungshofes beachtet werden und bereits in den Haushaltsjah-

250
ren 1994 und 1995 die Ansätze für die Förderung der Trinkwasserversorgung erheblich reduziert worden seien.
(393)

Das Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Umwelt bewilligte für das Haushaltsjahr 1995 einem Zweckverband 600.000 DM für die Erneuerung und den Umbau eines bestehenden Wasserwerkes.
Die im Juli 1995 bewilligten Fördermittel wurden erst am 24.11.1995 vom Zuwendungsempfänger angefordert, nachdem der Zuwendungsgeber am 21.11.1995 um
Mittelanforderung bis spätestens 30.11.1995 gebeten hatte.
Der Zahlungsanforderung wurden rd. 122.000 DM bereits geleistete zuwendungsfähige Ausgaben für Planungsleistungen sowie zu erwartende Ausgaben in Höhe von
2,4 Mio. DM, die in den nächsten drei Monaten – d. h. bis ca. März 1996 – fällig
werden würden, zugrunde gelegt.
Gemäß Nr. 1.4.1 ANBest-K und VV-K Nr. 7.2 zu § 44 Abs. 1 LHO dürfen Zuwendungen nur soweit und nicht eher angefordert bzw. ausgezahlt werden, als sie voraussichtlich innerhalb von drei Monaten nach Auszahlung für fällige Zahlungen im
Rahmen des Zuwendungszwecks benötigt werden.
Zum Zeitpunkt der Mittelanforderung war aufgrund des Standes der Ausschreibung
und Vergabe des in sieben Lose unterteilten Bauvorhabens offensichtlich, daß Ausgaben von 2,4 Mio. DM bis März 1996 nicht erwartet werden konnten.
Voraussetzung für den Beginn der Arbeiten war der Bau einer neuen Zuwegung
(Los 3), da die bestehende Zufahrt für schwere Baufahrzeuge nicht nutzbar war. Die
Bauleistungen für die Zuwegung wurden im März 1996 ausgeschrieben und Ende
Mai vergeben. Erst als ab August diese Zufahrt möglich wurde, konnte mit den eigentlichen Arbeiten am bestehenden Wasserwerk begonnen werden.
Somit waren die angeforderten und am 15.12.1995 ausgezahlten 600.000 DM in dieser Höhe zu diesem Zeitpunkt nicht gerechtfertigt.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes ist die Zahlungsanforderung durch die
zuständige technische Dienststelle des Zuwendungsgebers nicht ausreichend geprüft
worden. Im Rahmen der während der Bauausführung gem. Nr. 8 ZBau stichprobenweise durchzuführenden Kontrollen sind künftig die zahlungsbegründenden Angaben
intensiver zu prüfen.

251
Der Zuwendungsempfänger hat außerdem gegen die Nr. 5.1.4 ANBest-K verstoßen,
wonach die Bewilligungsbehörde rechtzeitig über nicht fristgerecht verbrauchte Fördermittel zu informieren ist.
Das zuständige Ministerium wurde gebeten zu prüfen, ob möglicherweise vom Zuwendungsempfänger erwirtschaftete Zinsgewinne zurückgefordert werden müssen.
Das Ministerium bestätigte, daß die Mittelanforderung durch das zuständige StAUN
nicht ausreichend geprüft worden sei. Zwischenzeitlich sei sichergestellt, daß künftig
dies vermieden werde.
Im Rahmen der Verwendungsnachweisprüfung werde gewährleistet, daß bei Verstößen gegen die ANBest-K auch die Erhebung von Zinsen in Betracht gezogen werde.
Das treffe auch bei Verstößen hinsichtlich der Vergabeverfahren zu.
Der Landesrechnungshof wartet das Ergebnis der Verwendungsnachweisprüfung seitens des Ministeriums ab. Darüber hinaus geht er davon aus, daß zukünftig der Prüfung der Mittelanforderungen mehr Gewicht beigemessen wird.
(394)

Zur Sicherung der Trinkwasserversorgung wurde beim Bau eines neuen Wasserwerkes eine Überleitung von Trinkwasser aus einem angrenzenden Versorgungsgebiet in
den zweiten Reinwasserbehälter des Wasserwerkes geplant und realisiert.
Für den Zeitraum von 1990 bis zum Jahre 2000 wurde in den Antrags- und Bemessungsunterlagen aufgrund der Betriebserfahrungen des Antragstellers für die Wasserbedarfsentwicklung von 1980 an eine jährliche Zuwachsrate von 2 % in Ansatz gebracht.
−= Wasserbedarf im Jahre 1990: 1.580 m3/d
−= Wasserbedarf im Jahre 1995: 1.740 m3/d
−= Wasserbedarf im Jahre 2000: 1.950 m3/d.
Der für das Jahr 2000 prognostizierte Wasserbedarf von 1.950 m3/d sollte wie folgt
abgesichert werden:
Wasserwerk neu:

Förderung

810 m3/d

Versorgungsgebiet K:

Überleitung

860 m3/d

Versorgungsgebiet S:

Netzeinspeisung

280 m3/d

Bedarfsabsicherung gesamt:

1.950 m3/d.

252
Die Überleitung von Trinkwasser aus einem angrenzenden Versorgungsgebiet in den
zweiten Reinwasserbehälter eines neu errichteten Wasserwerkes stellt eine Sonderlösung dar, die mit erheblichen Kosten für den Anschluß und die Steuerarmaturen sowie laufenden zusätzlichen Energiekosten im Reinwasserpumpwerk verbunden ist.
Dem im Förderantrag vom 10.2.1994 dargestellten Wasserbedarf stand ein nachweislich erheblich geringerer Bedarf gegenüber:
−= Nach hydrologischem Gutachten für die Wasserfassung des Wasserwerkes betrug
der Wasserverbrauch im Jahre 1993 ca. 874 m3/d.
−= Nach dem Generalplan Trinkwasserversorgung Mecklenburg-Vorpommern verringerte sich der Wasserverbrauch der Bevölkerung in den Jahren 1990 bis 1992
von 180 auf 130 l/E.d12.
Nach Angaben des Zweckverbandes wurden in dem entsprechenden Versorgungsgebiet von September 1995 bis August 1996 rd. 200.686 m3 Trinkwasser abgerechnet,
was einem durchschnittlichen Verbrauch von rd. 550 m3/d entspricht.
Bei einem nachgewiesenen durchschnittlichen Wasserverbrauch von 880 m3/d kann
das neue Wasserwerk mit seiner Förderleistung von 810 bis 900 m3/d auch ohne kostenintensive Überleitung die Versorgungssicherheit gewährleisten.
Eine Trinkwasserüberleitung mit gesteuerter Zuflußregelung ist somit zumindest für
einen mittelfristigen Zeitraum nicht erforderlich. Die zusätzlichen Investitionsausgaben von ca. 80.000 DM sieht der Landesrechnungshof als vertan an.
Nach Auffassung des Landesrechnungshofes waren die Ausgangs- und Bemessungswerte kritischer zu prüfen.
Zur Vermeidung der zusätzlichen laufenden Energiekosten bat der Landesrechnungshof zu prüfen, ob die Trinkwasserüberleitung zumindest übergangsweise eingestellt
werden kann.
Das Ministerium stimmt dem Landesrechnungshof insoweit zu, daß bei der Prüfung
der Antragsunterlagen nicht auf den sich allgemein abzeichnenden Rückgang des
Wasserbedarfs hingewiesen wurde. Der Ansatz der Zuwachsrate erscheint im Nachhinein entbehrlich.
Die Kombinationslösung aus Neubau des Wasserwerkes bei Nutzung des verfügba12

l/ E.d = Liter pro Einwohner und Tag

253
ren Wasserdargebotes und Zuführung von Reinwasser aus benachbarten Versorgungsgebieten unter Nutzung der bereits vorhandenen Verbindungsleitungen zur Sicherstellung des prognostizierten Wasserbedarfes werde fachlich nach wie vor als
zweckmäßig beurteilt.

254
Durch die versorgungspflichtige Körperschaft werde geprüft, inwieweit in bedarfsschwachen Zeiten die vom Landesrechnungshof angeregte übergangsweise Einstellung der Trinkwasserzuführung möglich und zweckmäßig sei.
Der Landesrechnungshof hat in erster Linie kritisiert, daß unter Berücksichtigung der
verschiedenen technischen Möglichkeiten zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung die ausgeführte Lösung einer Trinkwasserüberleitung mit freiem Auslauf in den
Reinwasserbehälter die energetisch-unwirtschaftlichste Lösung darstellt. Hierzu enthält die Stellungnahme der Verwaltung keine Aussagen. Im übrigen ist nach Auffassung des Landesrechnungshofes nicht die Sicherstellung des auf falschen Ausgangsdaten ermittelten prognostizierten Wasserbedarfs, sondern lediglich des deutlich geringeren tatsächlichen Wasserbedarfs einschließlich einer zu berücksichtigenden Leistungsreserve zu gewährleisten.
Der Landesrechnungshof kommt aufgrund einer vorliegenden Übersicht der Wasserfördermengen zu der Auffassung, daß bei einer entsprechenden Regie des Wasserwerksbetriebes – Ausnutzung der geschaffenen Wasserwerkskapazitäten – und der
Nutzung der möglichen Netzeinspeisung der tatsächliche Wasserbedarf nicht nur in
der bedarfsschwachen Zeit im wesentlichen abgesichert werden kann.
Daher wird an der angeregten Überprüfung festgehalten.
(395)

Im Zusammenhang mit dem Bau von mehreren Wasserwerken mußte eine größere
Anzahl von Kleinstwasserwerken und Versorgungsanlagen in den Wassereinzugsgebieten der neuen Wasserwerke stillgelegt werden.
Bei diesen hatte das zuständige Gesundheitsamt seit längerem „regelmäßige“ Grenzwertüberschreitungen im Trinkwasser bei Nitrat, Ammonium, Eisen, chemischem
Sauerstoffverbrauch (CSV) und in mikrobiologischer Hinsicht festgestellt; noch Ende des Jahres 1994 wurde auf eine hochgradige hygienische Labilität und auf kaum
mit der notwendigen Konsequenz geschützte Wasserfassungen hingewiesen.
Es war nicht auszuschließen, daß neben technischen Mängeln in den stillgelegten
Wasserwerken Verunreinigungen und damit Wasserschadstoffe über schlecht gewartete Produktionsanlagen und nahe gelegene Brunnen sowie durch die intensive landwirtschaftliche Produktion in den Grundwasserträger gelangen konnten.

255
Um eine Gefährdung des begrenzt vorhandenen Grundwasserdargebots für die Zukunft auszuschließen, regte der Landesrechnungshof an, die nach § 19 Wassergesetz
des Landes Mecklenburg-Vorpommern durch Rechtsverordnung für Wasserschutzgebiete festzusetzenden Verbote und Nutzungsbeschränkungen in besonderen Fällen
auch auf Wassereinzugsgebiete auszudehnen. Gegebenenfalls sollten mit der Landwirtschaft Regelungen zur Verringerung der Austragsmenge von Düngemitteln und
Einschränkungen beim Einsatz von Herbiziden, Pestiziden und Fungiziden in Wassereinzugsgebieten getroffen werden.
Der Landesrechnungshof sieht hierin neben der Qualitätssicherung des Grundwasserdargebotes auch gleichzeitig eine Möglichkeit zur Sicherung einer kostengünstigen
Förderung und Aufbereitung von Trinkwasser, da der Eintrag genannter Schadstoffe
in das Grundwasser nicht mehr mit der technischen Wasseraufbereitung zu entfernen
ist.
Die Feststellung des Landesrechnungshofes, daß eine Gefährdung der begrenzt zur
Verfügung stehenden Grundwasservorräte langfristig durch schlecht gewartete Produktionsanlagen und insbesondere durch die intensive landwirtschaftliche Produktion
nicht auszuschließen sei, wird durch das Ministerium bestätigt.
Seit 1996 würden im Rahmen einer Vereinbarung zwischen dem Ministerium für
Bau, Landesentwicklung und Umwelt und dem Landwirtschaftsministerium Landwirte beraten, die in Wasserschutzgebieten wirtschaften. Hieraus entwickelte Lösungsstrategien könnten zügiger und transparenter in die landwirtschaftliche Praxis
umgesetzt werden und seien vielleicht erfolgsversprechender als Wasserschutzgebietsverordnungen.
Der Landesrechnungshof begrüßt jede Initiative zur Verbesserung des Grundwasserschutzes.
Im Hinblick auf den Schutz von Grundwasservorräten, die der Trinkwasserversorgung dienen, sollte bei der Verknappung von nutzbaren Grundwasservorräten dieser
Aufgabe ein hoher Stellenwert beigemessen werden.
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

256

Prüfung der Organisation und Personalwirtschaft
der neugebildeten Landkreise

Die Verwaltungsstrukturen der neugebildeten
Landkreise entsprechen nicht immer den Anforderungen an eine effiziente Verwaltungsorganisation. Eine weitere Straffung der Verwaltung ist
notwendig. Kreisverwaltungen könnten maximal
in drei Dezernate und 14 Ämter gegliedert werden.
Die Landkreise konnten nach der Gebietsreform
die Anzahl der Stellen in Verwaltung und Einrichtungen erheblich verringern, obwohl nach
dem Gesetz über die Funktionalreform auch neue
Aufgaben, insbesondere das Kataster- und Vermessungswesen, auf die Landkreise übertragen
wurden. Der Stellenabbau wurde hauptsächlich
durch die Zahlung von übertariflichen Abfindungen erreicht.
Trotz des vollzogenen Personalabbaus halten die
Landkreise weiterhin noch zu viel Personal vor.
Der Landesrechnungshof geht davon aus, daß in
den Verwaltungen der Kreise (ohne Einrichtungen) noch über 500 Stellen abgebaut werden
müssen.

257

Vorbemerkungen
(396)

Durch das Landkreisneuordnungsgesetz vom 1. Juli 1993 (GVOBl. M-V S. 631) sind
die Landkreise des Landes Mecklenburg-Vorpommern – mit Ausnahme des Landkreises Rügen – zusammengelegt und auf zwölf Landkreise reduziert worden.
Der Landesrechnungshof hat dies zum Anlaß genommen, zu prüfen, ob und inwieweit die Landkreise die sich daraus ergebenden Möglichkeiten zu Personaleinsparungen genutzt haben.
Die Prüfung der Organisation und Personalwirtschaft der neugebildeten Landkreise
wurde im Rahmen einer Querschnittsprüfung bei allen Landkreisen, mit Ausnahme
der Landkreise Rügen und Ostvorpommern, in der Zeit vom August 1996 bis August
1997 durchgeführt.
Beim Landkreis Rügen ist eine überörtliche Prüfung durch den Landesrechnungshof
bereits 1994 vorgenommen worden. Auch beim Landkreis Ostvorpommern hat bereits 1995 eine überörtliche Prüfung stattgefunden.
Die allgemeine Haushalts- und Finanzlage der Landkreise ist zunehmend angespannt.
Sie sollte die Landkreise veranlassen, ihre Verwaltungsstruktur zu straffen und den
Personalbestand dem jeweiligen Bedarf entsprechend anzupassen.
Alle Landkreise haben das Ergebnis der jeweiligen Prüfung erhalten.

Verwaltungsorganisation
(397)

Die Verwaltungen der Landkreise waren sehr unterschiedlich in Dezernate und Ämter gegliedert. Die Anzahl der Dezernate in den Landkreisen lag bei drei Dezernaten
in den Verwaltungen der Landkreise Bad Doberan und Mecklenburg-Strelitz; vier
Dezernaten in den Verwaltungen der Landkreise Demmin, Müritz, Nordvorpommern, Nordwestmecklenburg und Uecker-Randow sowie fünf Dezernaten in den
Verwaltungen der Landkreise Güstrow, Ludwigslust und Parchim. In allen Landkreisen verfügten die Landräte selbst über kein eigenes Dezernat. Ihnen waren lediglich
einige Organisationseinheiten, insbesondere die Gleichstellungsbeauftragte, sonstige
Beauftragte (z. B. Ausländerbeauftragte), aber auch in Einzelfällen Ämter (häufig das
Rechnungsprüfungsamt) direkt zugeordnet.

258
Die Dezernate werden jeweils von den zwei gewählten Beigeordneten und weiteren
leitenden Mitarbeitern der Kreisverwaltung geführt.
Nach § 117 Abs. 2 KV M-V bzw. § 117 Abs. 3 der Neufassung vom 26.11.1997 ist
den Beigeordneten die Leitung eines Dezernates (oder Amtes, wenn eine Dezernatsgliederung nicht besteht) zu übertragen. In diesem sind sie ständiger Vertreter des
Landrates, dessen fachlicher Weisung sie unterliegen. Dezernenten haben die Aufgabe, den Landrat bei der Führung der Verwaltung zu entlasten, d. h., seine Führungsfunktion für ihr Dezernat zu übernehmen. Dezernenten sollten deshalb nur durch den
Kreistag gewählte Beigeordnete sein. Auf die Bestellung von leitenden Mitarbeitern
der Kreisverwaltung zu Dezernenten sollte verzichtet werden.
Da die KV M-V neben der Wahl des Landrates die Wahl von lediglich zwei Beigeordneten vorsieht, liegt es nahe, eine Aufteilung der Verwaltungsspitze in nur drei
Dezernate vorzunehmen, wobei der Landrat selbst ein Dezernat übernehmen müßte.
Innenministerium und Landkreistag folgen dieser Auffassung nicht:
Das Innenministerium hat in seinen bisherigen Hinweisen zu verwaltungsorganisatorischen und personalrechtlichen Fragen im Zusammenhang mit der Landkreisneuordnung die Bildung von vier Dezernaten empfohlen. Sie gestattet eine flexiblere Gestaltung im Spannungsfeld zwischen politischer Aufgabenfunktion und Verwaltungsmanagement als die vom Landesrechnungshof favorisierte Anzahl von maximal drei
Dezernaten. Einer Interpretation der Kommunalverfassung, wonach sich diese Zahl
aus der Zahl der Wahlbeamten ergeben würde, vermögen Innenministerium und
Landkreistag sich nicht anzuschließen. Vom Landkreistag wird darüber hinaus eingewendet, daß die Fälle der den Landräten übertragenen Aufgaben es nicht erlauben,
ein eigenes Dezernat zu übernehmen.
Der Landesrechnungshof verkennt nicht, daß andere Dezernatsstrukturen rechtlich
zulässig sind und die Landkreise aufgrund ihrer kommunalen Organisationshoheit
letztlich in eigener Verantwortung zu entscheiden haben. Er hält es aber für sachgerecht, wenn Verwaltungsspitze (Landrat und zwei Beigeordnete) und Dezernatsstruktur übereinstimmen. Dies würde dem Wesen der Kommunalverfassung am ehesten
entsprechen, zumal dem Landrat letztlich die Verantwortung für die Leitung der
Verwaltung obliegt, die Beigeordneten ihn bei Abwesenheit vertreten und darüber

259
hinaus in ihrem übertragenen Dezernat die ständigen Vertreter des Landrates unter
seiner fachlichen Leitung sind.
(398)

Die Anzahl der Ämter in den Verwaltungen der einzelnen Landkreise lag zwischen
14 und 21 Ämtern.
Bei dieser sehr unterschiedlichen Ämterstruktur bestehen bei vielen Landkreisen
noch erhebliche Möglichkeiten zur Straffung der Verwaltung durch Zusammenfassung sachverwandter Aufgaben innerhalb größerer Ämter. Insbesondere bieten sich
folgende Bereiche an:
−= Bildung eines einheitlichen Kreisbauamtes durch Zusammenfassung der Aufgaben
Bauverwaltung, Planung, Bauordnung, Hoch- und Tiefbau;
−= Zusammenlegung der Ordnungs- und Straßenverkehrsämter aufgrund bestehender
Sachzusammenhänge;
−= Zusammenfassung der Schulverwaltungs- und Kulturämter zur Vermeidung von
Kleinämtern.
Die Landkreise sind weitgehend bereit, die Anzahl ihrer Ämter zu reduzieren.

(399)

Außerhalb der organisatorischen Gliederung der Verwaltung in Dezernate und Ämter
sind bei vielen Landkreisen für bestimmte Aufgaben besondere Beauftragte bestellt
bzw. einzelne hervorgehobene Mitarbeiter den Landräten bzw. den Dezernenten direkt zugeordnet.
Bestellt waren neben einer Gleichstellungsbeauftragten weitere Beauftragte mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen, z. B. Beauftragte für Landwirtschaft, Ausländerbeauftragte, Behinderten- und Datenschutzbeauftragte oder andere herausgehobene Stellen mit besonderen Aufgabenstellungen.
Mit Ausnahme der Gleichstellungsbeauftragten, der gem. § 118 KV M-V (alte und
neue Fassung) eine kommunalverfassungsrechtliche Sonderstellung eingeräumt wird,
besteht für die Bestellung von Beauftragten für bestimmte Aufgaben in der Kommunalverwaltung kein Bedürfnis. Die Aufgaben von Beauftragten können ebensogut
von den zuständigen Fachämtern wahrgenommen werden. Bei den jetzigen Lösungen
besteht die Gefahr, daß es zu Überschneidungen in der Aufgabenwahrnehmung
kommt.

260
Der Landesrechnungshof empfiehlt deshalb, auf die Bestellung von besonderen Beauftragten zu verzichten.
Diese Empfehlung des Landesrechnungshofes wurde nicht immer akzeptiert.
(400)

Nach alledem empfiehlt der Landesrechnungshof eine Kreisverwaltung lediglich in
drei Dezernate zu gliedern und die Anzahl der Ämter soweit als möglich zu reduzieren. Er hält die Anzahl von 14 Ämtern für völlig ausreichend und empfiehlt, lediglich
folgende Ämter vorzuhalten:
Haupt- und Personalamt, Rechnungsprüfungsamt, Kämmerei, Amt zur Regelung offener Vermögensfragen, Rechts- und Kommunalaufsichtsamt, Schulverwaltungs- und
Kulturamt, Sozialamt, Jugendamt, Gesundheitsamt, Ordnungs- und Straßenverkehrsamt, Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt, Kataster- und Vermessungsamt, Bauamt und Umweltamt.
Das Innenministerium hat in den zuvor erwähnten Hinweisen max. 15 Ämter empfohlen, hält die vom Landesrechnungshof vorgeschlagene Anzahl von 14 Ämtern
gleichwohl für realisierbar.
Soweit Landkreise von herkömmlichen Organisationsformen abweichen wollen und
die Einführung neuer Steuerungsmodelle mit einer Zusammenführung von Fach- und
Ressourcenverantwortung erwägen, bleiben diese Ergebnisse abzuwarten.

(401)

Bedingt durch die Kreisgebietsreform war bei den jeweiligen Landkreisen noch eine
mehr oder weniger stark ausgeprägte dezentrale Unterbringung der Kreisverwaltung
an verschiedenen Standorten sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kreisstadt zu
verzeichnen.
Alle Landkreise beabsichtigen, ihre Verwaltung weitgehend in den Kreisstädten zu
konzentrieren. Hierfür wurden bzw. werden bestehende Gebäude erweitert, saniert
oder auch Verwaltungsneubauten erstellt. Diese beabsichtigte Zentralisierung der
Verwaltung ist grundsätzlich zu begrüßen. Sie bildet eine wesentliche Voraussetzung
für eine künftige langfristig angelegte effektivere Verwaltungsorganisation.
Aufgrund unterschiedlicher freier Finanzspielräume wurden auch alternative Finanzierungs- und Investitionsmodelle gegenüber einer herkömmlichen Kreditfinanzierung (Kommunaldarlehen) gewählt. Soweit zum Zeitpunkt der Prüfung die hierfür erforderlichen Genehmigungsverfahren gem. § 49 Abs. 1 i. V. m. § 120 Abs. 1

261
KV M-V (alte und neue Fassung) durch das Innenministerium noch nicht abgeschlossen waren, geht der Landesrechnungshof davon aus, daß die Wirtschaftlichkeit
dieser Finanzierungsmodelle geprüft worden ist.
(402)

Die Landkreise standen nach der Kreisgebietsreform vor dem Problem, die in den
Altkreisen z. T. sehr unterschiedlich vorhandene Informationstechnik (IT) zusammenzuführen und zu vereinheitlichen, um die Vorteile der Informationstechnik in den
neugebildeten Kreisverwaltungen effektiv zu nutzen.
Zum Prüfungszeitpunkt entsprach der Einsatz der Informationstechnik vielfach noch
nicht den Anforderungen an eine effizient arbeitende Dienstleistungsverwaltung. Ursächlich hierfür waren insbesondere die teilweise noch räumlich sehr zersplitterten
Kreisverwaltungen (vgl. Tz. 401). IT-Konzepte – soweit sie vorlagen – waren nicht
immer fortgeschrieben und deshalb für eine sofortige Umsetzung nicht geeignet.
Demzufolge bestanden Unzulänglichkeiten, z. B. bei der Ausstattung der Mitarbeiter
mit Hardware, bei der Vernetzung der Fachämter und bei der Schulung der Mitarbeiter. Häufig bestanden Probleme bei dem für die Gesamtverwaltung besonders wichtigem HKR13-Verfahren. Aufgrund fehlender unmittelbarer Zugriffsmöglichkeiten seitens der Fachämter ergaben sich vermeidbare Mehrarbeiten bei den Sollstellungen
von Einnahmen und Ausgaben.
Zur Verbesserung der Ablauforganisation hat der Landesrechnungshof den Landkreisen empfohlen, IT-Konzepte zu erstellen bzw. fortzuschreiben und zu optimieren.
Nur dann können sachgerechte Investitionsentscheidungen – insbesondere im Hinblick auf vorgesehene Zentralisierungen der Kreisverwaltungen – getroffen und Mitarbeiter geschult werden.
Alle Landkreise sind bereit, die Ablauforganisation der Informationstechnik zu
verbessern.

Personalwesen
(403)

Die Entwicklung der Planstellen für Verwaltungen und Einrichtungen der neugebildeten und vom Landesrechnungshof im Rahmen einer Querschnittsprüfung geprüften Landkreise stellt sich nach den jeweiligen Stellenplänen wie folgt dar:

13

HKR: Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen

262

Landkreis

Stellen
1994

1

Stellen
1997

Veränderung
1997 zu 1994

2

3

nachrichtlich
Katasteramt ab
1.1.1995

4

5

1

Bad Doberan

566,218

521,010

- 45,208

32,000

2

Demmin

691,500

548,400

- 143,100

36,000

3

Güstrow

880,000

652,130

- 227,870

37,750

4

Ludwigslust

746,075

653,500

- 92,575

47,525

5

Meckl.-Strelitz

590,800

539,300

- 51,500

42,000

6

Müritz

499,470

462,240

- 37,230

28,000

7

Nordvorpommern

872,030

631,040

- 240,990

52,000

8

Nordwestmeckl.

820,470

695,210

- 125,260

47,100

9

Parchim

837,000

634,390

- 202,610

37,700

10

Uecker-Randow

693,000

491,475

- 201,525

35,000

11

gesamt

7.196,563

5.828,695

- 1.367,868

395,075

Tabelle 32: Stellenentwicklung

Danach hat sich 1997 die Anzahl der Stellen im Gesamtbereich (Verwaltung und
Einrichtungen) der Landkreise im Vergleich zum Jahr 1994 insgesamt um
1.367,868 Stellen (19,0 %) von 7.196,563 auf 5.828,695 Stellen verringert.
Bei den Verwaltungen (also ohne Einrichtungen und Betriebe) ist folgende Entwicklung zu verzeichnen:
Landkreis

1

Stellen der
Verwaltung
1994

Stellen der
Verwaltung
1997

Veränderung
1997 zu 1994

nachrichtlich
Katasteramt
ab 1.1.1995

2

3

4

5

1

Bad Doberan

403,235

382,41

- 20,825

32,000

2

Demmin

469,000

434,45

- 34,550

36,000

3

Güstrow

568,000

428,93

- 139,070

37,750

4

Ludwigslust

492,600

482,55

- 10,050

47,525

5

Meckl.-Strelitz

428,200

377,00

- 51,200

42,000

6

Müritz

329,750

351,09

21,340

28,000

7

Nordvorpommern

536,020

448,33

- 87,690

52,000

8

Nordwestmeckl.

491,860

486,04

- 5,820

47,100

9

Parchim

655,000

480,67

- 174,330

37,700

10

Uecker-Randow

458,000

346,05

- 111,950

35,000

11

gesamt

4.831,665

4.217,52

- 614,145

395,075

Tabelle 33: Stellenentwicklung der Verwaltung

263
In der Verwaltung sind bei den Landkreisen insgesamt 614,145 Stellen eingespart
worden. Dieser Abbau konnte trotz Aufgabenübertragungen nach dem Gesetz über
die Funktionalreform vom 5. Mai 1994 (GVOBl. M-V S. 566), insbesondere die Übernahme von 395,075 Stellen der bisher staatlichen Kataster- und Vermessungsämter zum 1.1.1995, erreicht werden.
(404)

Die Gesamtpersonalausgaben der jeweiligen Landkreise nach den Jahresrechnungen des Haushaltsjahres 1996 sind in der nachstehenden Tabelle dargestellt. Sie beliefen sich von 30,999 Mio. DM (im Landkreis Müritz) bis zu 49,782 Mio. DM (im
Landkreis Nordvorpommern).
In der folgenden Tabelle wird außerdem die Relation der Personalausgaben zu den
Sollausgaben der Verwaltungshaushalte aufgezeigt. Hierdurch wird deutlich, daß die
Personalausgaben mit bis zu 27,1 % ein wesentlicher Ausgabefaktor der einzelnen
Verwaltungshaushalte sind.
Landkreis

Sollausgaben
Verwaltungshaushalt
lt. Jahresrechnung
1996
- in DM -

Personalausgaben* gesamt
(einschl. Einrichtungen)
- in DM -

In % des Verwaltungshaushalts

1

2

3

4

1

Bad Doberan

153.957.720,37

32.498.350,95

21,1

2

Demmin

148.971.348,19

33.880.305,84

22,7

3

Güstrow

207.694.132,04

44.100.889,13

21,2

4

Ludwigslust

196.655.908,77

46.459.839,56

23,6

5

Meckl.-Strelitz

159.107.371,44

35.688.002,97

22,4

6

Müritz

114.529.368,21

30.999.091,42

27,1

7

Nordvorpommern

199.836.423,30

49.782.305,75

24,9

8

Nordwestmeckl.

191.013.619,61

46.756.336,92

24,5

9

Parchim

192.098.566,53

37.555.952,16

19,6

10

Uecker-Randow

178.415.772,11

35.401.485,56

19,8

11

gesamt

1.742.280.230,57

393.122.560,26

22,6

Tabelle 34: Personalausgaben im Haushaltsjahr 1996
* bereinigt um: ABM, Lohnkostenzuschuß gem. § 249 g AFG, Auszubildende und Anwärter,
gezahlte Abfindungen

Ein unmittelbarer Vergleich der Personalausgaben der einzelnen Landkreise, wie
auch der Vergleich der jeweiligen Anteile der Personalausgaben am Verwaltungshaushalt, ist jedoch allein nicht aussagefähig. Ein Vergleich der Personalausgaben
kann nur auf die Personalausgaben der Verwaltung beschränkt bleiben, da Art und

264
Umfang der Einrichtungen in den Landkreisen zu unterschiedlich sind. Für diesen
Vergleich sind die Personalausgaben der Verwaltung (Haushaltsjahr 1996) je Einwohner der einzelnen Landkreise errechnet und in der nachstehenden Tabelle aufgeführt:
Landkreis

1

1

Bad Doberan

2

Einwohnerzahl
am 31.3.1996

2

Personalausgaben*
für die Verwaltung
- in DM -

Personalausgaben*
der Verwaltung/Einwohner
- in DM -

3

4

101.796

24.239.792,78

238,12

Demmin

98.931

20.219.842,40

204,38

3

Güstrow

116.272

29.099.984,67

250,28

4

Ludwigslust

126.564

31.435.221,34

248,37

5

Meckl.-Strelitz

86.483

26.021.593,00

300,89

6

Müritz

70.435

22.528.538,55

319,85

7

Nordvorpommern

118.469

31.593.510,11

266,68

8

Nordwestmeckl.

114.504

33.973.922,41

296,71

9

Parchim

107.502

30.702.897,75

285,60

89.369

28.953.028,82

323,97

1.030.325

278.768.331,83

270,56

10

Uecker-Randow

11

gesamt

Tabelle 35: Personalausgaben der Verwaltung im Haushaltsjahr 1996
* bereinigt um: ABM, Lohnkostenzuschuß gem. § 249 h AFG, Auszubildende und Anwärter,
gezahlte Abfindungen

Nach dieser Tabelle betragen die durchschnittlichen Personalausgaben der Verwaltung der zehn geprüften Landkreise 270,56 DM je Einwohner. Bei den einzelnen
Landkreisen differieren diese Beträge aber erheblich. Es besteht eine Spanne von
204,38 DM (Landkreis Demmin) bis zu 323,97 DM (Landkreis Uecker-Randow) je
Einwohner. Diese Angaben beziehen sich auf die Verhältnisse des Haushaltsjahres 1996. Die Gründe für diese Unterschiede sind vielfältig. In erster Linie sind dies
Personalüberhänge in unterschiedlichem Umfang. Auch zu hohe Einstufungen/Eingruppierungen können zu hohen Personalausgaben beitragen. Eine Mitursache kann auch eine ungünstige Altersstruktur der Mitarbeiter sein.
Der Landesrechnungshof hat in den einzelnen Prüfungsmitteilungen entsprechende
Hinweise gegeben.
(405)

Die Qualifizierung der Mitarbeiter ist weitgehend abgeschlossen. Ein großer Anteil der Mitarbeiter hat die Angestelltenlehrgänge I und II absolviert. Der Landes-

265
rechnungshof geht davon aus, daß die z. T. noch notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen zügig abgeschlossen werden. Älteren Mitarbeitern, die keine Gelegenheit zur
Absolvierung der Angestelltenlehrgänge I und II hatten, sollte Gelegenheit zur Fortbildung im Allgemeinen Verwaltungsrecht sowie zur Teilnahme an für die Aufgabenerfüllung notwendigen Fachlehrgänge gegeben werden.
(406)

Zum Zeitpunkt der örtlichen Erhebungen standen 362 Nachwuchskräfte in einem
Ausbildungs- bzw. Anwärterverhältnis.
Deren Anzahl bewegt sich von 13 Nachwuchskräften im Landkreis Parchim bis zu
85 Nachwuchskräften im Landkreis Ludwigslust.
Eine Übernahme der Mitarbeiter nach erfolgreichem Ausbildungsabschluß erfolgt
nur in geringer Anzahl.
Angesichts der personellen Situation bei den Landkreisen wird mit erheblichen Kosten deutlich über den eigenen Bedarf hinaus ausgebildet.
Aufgrund des flächendeckenden Personalabbaus bei den öffentlichen Arbeitgebern,
nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, wird es für nicht übernommene Nachwuchskräfte schwer, in ihrer Fachrichtung einen Arbeitsplatz zu bekommen.
Der Landesrechnungshof hält diese Entwicklung für bedenklich.
Das Innenministerium und der Landkreistag weisen übereinstimmend darauf hin, daß
die über den jeweiligen Bedarf hinaus vorgenommene Ausbildung von Jugendlichen
im Interesse der Verringerung des Ausbildungsdefizits in Mecklenburg-Vorpommern
politisch gewollt ist.

(407)

Im Hinblick auf den eigentlichen Personalbedarf ist die Personalausstattung der
Landkreise trotz des bislang erfolgten Personalabbaus immer noch als großzügig anzusehen. Gemäß den Hinweisen des Innenministeriums14 zu verwaltungsorganisatorischen und personalrechtlichen Fragen im Zusammenhang mit der Landkreisneuordnung ist bei einem Landkreis mit einer Größenordnung von rd. 100.000 Einwohnern
von einer Ausstattung mit 260 Planstellen auszugehen. Sekretärinnen, Schreibkräfte,
Hausmeister und anderes Hilfspersonal sind hiervon ausgenommen.

14

Erlaß vom 19. Oktober 1993, in der Neufassung vom 21. April 1994; nicht veröffentlicht

266
Die genannte Zielvorstellung soll dann erreicht werden, wenn die Verwaltung voll
funktionsfähig ist, Sonderbelastungen entfallen sind und die Mitarbeiter die erforderliche Qualifikation besitzen.
Der Landesrechnungshof hat die Personalausstattung der einzelnen Landkreise
schwerpunktmäßig im Bereich der Verwaltung, stichprobenweise aber auch bei den
Einrichtungen geprüft. Hierbei wurden Personalüberhänge in unterschiedlichem Umfang festgestellt. Der Landesrechnungshof hat den einzelnen Landkreisen die in der
nachstehenden Tabelle aufgelisteten Stelleneinsparungsmöglichkeiten empfohlen. In
Einzelfällen wurde vom Landesrechnungshof angeregt, einigen nicht bis in Detail belegbaren Stelleneinsparungsmöglichkeiten durch eigene Organisationsuntersuchungen im einzelnen nachzugehen.
Landkreis

Verwaltung

Einrichtungen

gesamt

1

2

3

4

1

Bad Doberan

28,50

–

28,50

2

Demmin

65,25

10,75

76,00

3

Güstrow

31,50

14,00

45,00

4

Ludwigslust

48,25

5,00

53,25

5

Meckl.-Strelitz

32,00

2,60

34,60

6

Müritz

45,25

1,50

46,75

7

Nordvorpommern

28,75

20,25

49,00

8

Nordwestmeckl.

68,75

3,00

71,75

9

Parchim

81,27

4,85

86,12

10

Uecker-Randow

61,00

8,00

69,00

11

gesamt

490,52

69,95

560,47

Tabelle 36: Stelleneinsparungsvorschläge des Landesrechnungshofes

Die Landkreise haben die Stelleneinsparungsvorschläge des Landesrechnungshofes
im großen und ganzen angenommen. Sie sind bemüht, ihren Personalbestand dem
Bedarf entsprechend mittelfristig weiter anzupassen.
(408)

Die neugebildeten Landkreise haben im Zeitraum von 1994 bis 1996 in 901 Fällen
Abfindungen in Höhe von insgesamt 27.572.521,93 DM, davon 12.047.791,16 DM
übertariflich, an ausscheidende Mitarbeiter gezahlt.

267
Grundlage für die Zahlung von Abfindungen waren jedoch nicht nur der Tarifvertrag
zur sozialen Absicherung vom 6. Juli 1992, geändert durch Änderungstarifvertrag
Nr. 1 vom 25. April 1994, sondern auch eigene Regelungen der Landkreise. Hierdurch wurden bei allen Landkreisen übertarifliche Leistungen gewährt, da nach Auskunft der Kreisverwaltungen sonst keine Bereitschaft zur freiwilligen Aufgabe der
Arbeitsplätze bestand. Entsprechende Beschlüsse wurden von den jeweiligen Kreistagen gefaßt.
Die Landkreise haben durch die Anwendung eigener Abfindungsregelungen gegen
den Tarifvertrag zur sozialen Absicherung verstoßen. Gemäß § 3 Abs. 1 Tarifvertragsgesetz (TVG) sind die Landkreise als Mitglieder der Tarifvertragspartei Kommunaler Arbeitgeberverband Mecklenburg-Vorpommern e. V. (KAV M-V) tarifgebunden.
Die Landkreise sind gem. § 6 Satz 1 lit. a und d der Satzung des KAV M-V verpflichtet, die geltenden Tarifverträge zu erfüllen, insbesondere tarifvertragliche Bedingungen weder zu unterschreiten noch unmittelbar oder mittelbar zu überschreiten
sowie keine Regelungen in Angelegenheiten zu treffen, für die entsprechende Tarifverträge abgeschlossen sind.
Die Beachtung des Grundsatzes der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit gem. § 43
Abs. 1 i. V. m. § 120 Abs. 1 KV M-V (alte Fassung) erfordert die Einhaltung der tariflichen Vorschriften. Die Zahlung übertariflicher Abfindungen stellt damit auch einen Verstoß gegen geltendes Haushaltsrecht dar. Der Landesrechnungshof verkennt
nicht, daß die Leistungen nach dem Tarifvertrag zur sozialen Absicherung nur bedingt eine Anreizwirkung zur freiwilligen Arbeitsplatzaufgabe ausüben.
Er hält es für zwingend geboten, daß die kommunalen Körperschaften betriebsbedingte Kündigungen aussprechen, sofern der Tarifvertrag zur sozialen Absicherung
nicht ausreicht, um Personal im erforderlichen Maße abzubauen (siehe hierzu im einzelnen Jahresbericht 1997 Tzn. 78 bis 85).
Er hält eine übertarifliche Abfindungszahlung nur in besonderen begründeten, eng
begrenzten Ausnahmefällen, die etwa Vergleichen in Arbeitsgerichtsprozessen entsprechen, für hinnehmbar.

268
Der Landkreistag begründet die Handlungsweise der Landkreise damit, daß die besondere Situation der Landkreisneuordnung es in der Mehrzahl der Fälle geboten erschienen ließ, übertarifliche Abfindungen zu gewähren. Andernfalls hätten über die
Sozialauswahl möglicherweise in erster Linie diejenigen Mitarbeiter aus den Diensten der Landkreise ausscheiden müssen, die als besonders leistungsfähig eingeschätzt
werden, zu deren Aus- und Fortbildung erhebliche Anstrengungen unternommen
wurden und die teilweise erst nach dem demokratischen Neubeginn 1990 zu den von
den ehemaligen Räten des Kreises übernommenen Personal hinzugestoßen sind.

269

Prüfung der Genehmigungen für kommunale Grundstücksverkäufe

Der Landesrechnungshof hat die Genehmigung
kommunaler Grundstücksverkäufe durch die
Landkreise Güstrow, Parchim und Bad Doberan
geprüft und ist dabei vereinzelt auf Genehmigungen für Grundstücksverkäufe unterhalb des Verkehrswertes und mit Schwächen in der Kaufvertragsgestaltung gestoßen.
In zahlreichen Fällen wurden Grundstücksveräußerungen trotz Mängeln in den Veräußerungsverfahren genehmigt.
Noch haben nicht alle Landkreise die vom Innenministerium angeordnete Überprüfung der
von ihnen bzw. ihren Vorgängerkreisen erteilten
Genehmigungen für kommunale Grundstücksverkäufe abgeschlossen.

(409)

Der Landesrechnungshof hat bereits in den Jahresberichten 1995 (Tzn. 287 bis 295),
1996 (Tzn. 368 bis 372) und 1997 (Tzn. 473 bis 485) über seine seit Anfang 1995
stattfindende Querschnittsprüfung der Genehmigungen kommunaler Grundstücksveräußerungen nach der Kommunalverfassung im Landkreis Nordwestmecklenburg
und in der Stadt Neubrandenburg berichtet. Seither hat der Landesrechnungshof Prüfungsmitteilungen über die Genehmigung kommunaler Grundstücksveräußerungen in
den Landkreisen Bad Doberan, Güstrow und Parchim vorgelegt. Dabei ist auch die
Genehmigungstätigkeit der jeweiligen Vorgängerlandkreise einbezogen worden. Es
waren dies bis zum 12.6.1994 für den
−= Landkreis Bad Doberan, die Landkreise Bad Doberan (alt) und Rostock-Land sowie acht Gemeinden aus dem Landkreis Bützow (§ 2 Landkreisneuordnungsgesetz
(LNOG) vom 1.7.1993 (GVOBl. M-V 1993 S. 631 ff.)),

270
−= Landkreis Güstrow, die Landkreise Güstrow (alt) und Teterow sowie Bützow mit
Ausnahme der in den Landkreis Bad Doberan eingegangenen acht Gemeinden
(§ 4 LNOG),
−= Landkreis Parchim, die Landkreise Lübz und Parchim (alt) sowie Schwerin-Land
mit Ausnahme von 24 Gemeinden und Sternberg mit Ausnahme von fünf Gemeinden (§ 8 LNOG).
Im Landkreis Güstrow fehlte insbesondere für die Vorgängerkreise ein einheitlich
geführter Aktenbestand. Die Prüfungstätigkeit der Beauftragten des Landesrechnungshofes wurde dort wesentlich durch die ungeordnete Aktenführung erschwert.
Der Landkreis hat auch diesen Prüfungsbefund zum Anlaß genommen, seinen Aktenbestand zu ordnen.
Die Gemeinden müssen gemeindeeigene Grundstücke zum Verkehrswert veräußern,
soweit nicht ein besonderes öffentliches Interesse Abweichungen zuläßt (§§ 49
Abs. 1 Satz 2 Kommunalverfassung = KV DDR, 57 Abs. 1 Satz 2 KV M-V). Die
Veräußerung dieser Grundstücke ist von der Rechtsaufsichtsbehörde zu genehmigen
(§§ 49 Abs. 3 lit. b KV DDR, 57 Abs. 3 Nr. 2 KV M-V).
§ 8 Abs. 1 lit. a Vermögenszuordnungsgesetz (VZOG, entspricht § 6 der Erstfassung
des VZOG vom 22.3.1991) berechtigt die Gemeinden, Städte und Landkreise auch
zur Verfügung über volkseigene Grundstücke, wenn sie selbst oder ihre Organe oder
die ehemaligen volkseigenen Betriebe der Wohnungswirtschaft im Zeitpunkt der
Verfügung als Rechtsträger des betroffenen Grundstücks eingetragen sind. Derartige
Verfügungen unterliegen seit dem 14.7.1992 gem. § 8 Abs. 1a Satz 1 VZOG nicht
mehr den Vorschriften in bezug auf Verfügungen über eigenes Vermögen der verfügungsbefugten Stelle. Die Genehmigung der Rechtsaufsichtsbehörde ist mithin entbehrlich. Die Pflicht zur Erzielung des Verkehrswertes folgt aus der allgemeinen
Pflicht der Kommunen gem. §§ 34 Abs. 2, 48 Abs. 2 KV DDR, 43 Abs. 1 Satz 1, 56
Abs. 2 KV M-V, 24 Gemeindehaushaltsverordnung, ihr Vermögen wirtschaftlich zu
verwalten i. V. m. § 8 Abs. 4 Satz 2 VZOG. Danach hat der Verfügende den Erlös,
mindestens aber den Wert des Vermögensgegenstandes dem aus einem unanfechtbaren Bescheid über die Vermögenszuordnung hervorgehenden Berechtigten auszukehren (so auch Pkt. B II der "Grundsätze" des Innenministers "zur Anwendung des geänderten VZOG" vom 17.3.1993).

271
Beschlüsse der Gemeindevertretung, die den Verkauf volkseigener Flächen unterhalb
des vollen Wertes vorsehen, ohne daß dafür ein besonderes öffentliches Interesse
vorliegt, sind mithin rechtswidrig. Die Kommunalaufsicht hat dagegen nach pflichtgemäßem Ermessen einzuschreiten (§§ 66 KV DDR, 81 KV M-V).
In den geprüften Landkreisen wurden neben Verkäufen unter dem Verkehrswert auch
Verkaufsfälle vorgefunden, bei denen nach Auffassung des Landesrechnungshofes in
einer Weise gegen Verfahrensvorschriften verstoßen wurde, die es zumindest geeignet erscheinen läßt, einen Grundstücksverkauf unter Wert zu begünstigen.
Die Pflicht der Kommunalaufsicht beschränkt sich bei kommunalen Grundstücksverkäufen nicht darauf, den Erlös des Verkehrswertes zu überwachen. Vielmehr haben
die Kommunen das Recht insgesamt einzuhalten. Gegen Grundstücksverkaufsbeschlüsse, die das Recht verletzen, hat die Kommunalaufsicht nach pflichtgemäßem
Ermessen einzuschreiten. Die Kommunen können keine Genehmigung von Grundstücksverkäufen beanspruchen, die auf rechtswidrigen Verkaufsbeschlüssen oder
sonstigen Verfahrensverstößen beruhen.
−= In allen drei Landkreisen bzw. bei ihren Vorgängern wurden Verkaufsbeschlüsse
vorgefunden, die die zu verkaufenden Grundstücke nicht unter Bezug auf ihre
Liegenschaftskatasterangaben bezeichneten. Die damit eingeleiteten Grundstücksverkäufe wurden jeweils von Vorgängerkreisen der drei geprüften Landkreise genehmigt.
−= In den Landkreisen Bad Doberan und Bützow beteiligten sich in einem bzw. in
drei Fällen Gemeindevertreter an Verkaufsbeschlüssen zu eigenen Gunsten. Die
darauf erfolgten Grundstücksverkäufe wurden am 15.11.1993 von dem Landkreis
Bad Doberan und am 30.9.1993, am 28.10.1993 und am 3.5.1994 von dem Landrat des Kreises Bützow genehmigt.
Der Landkreis Güstrow bemerkt dazu, die damals geltende Verfahrensregelung
des § 22 Abs. 7 KV DDR sei nicht so deutlich gewesen wie die Nachfolgeregelung des § 24 KV M-V.
Der Landesrechnungshof bleibt bei seiner Auffassung, daß bereits § 22
Abs. 7 KV DDR Gemeindevertretungsmitgliedern die Mitwirkung an Entscheidungen verbot, wenn ihnen daraus unmittelbar ein Vorteil erwachsen konnte.

272
−= In zwei Fällen im Landkreis Bad Doberan und in drei Fällen im Landkreis Güstrow wurden fehlerhafte Wertermittlungsverfahren festgestellt. Die betreffenden
Grundstücksverkäufe wurden am 28.12.1993 und am 2.11.1995 von der Kommunalaufsicht des Landkreises Bad Doberan, am 3.12.1993 und am 15.6.1995 von
der Kommunalaufsicht des Landkreises Güstrow und am 3.11.1993 von der
Kommunalaufsicht des Landkreises Teterow genehmigt.
−= In zwei Kaufverträgen aus dem Landkreis Bad Doberan fehlt es an einer ausreichenden Wertabschöpfungsklausel für den Fall des Weiterverkaufs. Diese Verkäufe genehmigte die Kommunalaufsicht des Landkreises Bad Doberan am
28.12.1993 und am 24.2.1995.
−= In vier Fällen aus dem Landkreis Güstrow wurde den Käufern der Kaufpreis gestundet. Dies wurde am 2.3.1994 vom Landkreis Teterow und am 15.8.1994, am
7.3.1995 und am 13.3.1995 von dem Landkreis Güstrow genehmigt.

In den nachstehend benannten Fällen aus den drei Landkreisen sind Grundstücke
unter dem vollen Wert verkauft worden:

Landkreis Bad Doberan
(410)

Die Kommunalaufsicht des Landkreises Bad Doberan genehmigte Grundstücksverkäufe der Gemeinden unter Wert auch, wenn sich der Grundstückskäufer auf keine
vorvertragliche Beziehung zu der Gemeinde aus der Zeit vor dem Beitritt berufen
konnte. Derartige Grundstücksveräußerungen unterhalb des Verkehrswertes genehmigte die Kommunalaufsicht des Vorgängerkreises Rostock-Land regelmäßig, wenn
sie für den Fall des Weiterverkaufes eine Wiederverkaufsbeschränkung, Wertabschöpfungsklausel oder ein Vorkaufsrecht zugunsten der Gemeinde enthielten.
In dem Neubaugebiet der etwa zehn Kilometer südlich von Rostock gelegenen Gemeinde Dummerstorf wurde ohne ausreichende Begründung in sechs Preisstufen
Grundstückspreise zwischen 13,00 DM/m² und 21,50 DM/m² unterschieden. Diesbezügliche Grundstückskaufverträge wurden am 13.6.1995 und am 24.6.1995 vom
Landkreis Bad Doberan genehmigt.

273
Der Landkreis bemerkt dazu, es sei der Gemeinde bei der Verkaufspreisbemessung
darauf angekommen, ihre Aufwendungen für das Neubaugebiet zu erlösen.
Der Landkreis verkennt damit, daß beim Grundstücksverkauf grundsätzlich nicht die
Ausgabe, sondern der volle Wert zu erlösen ist.
Außerdem teilt der Landkreis mit, der Basispreis von 13 DM/m² sei Ortsansässigen
gewährt worden, um Abwanderungstendenzen entgegenzuwirken.
Dies überzeugt angesichts der guten Lage der Gemeinde Dummerstorf zu Rostock
den Landesrechnungshof nicht.
(411)

Die Gemeinde Wittenbeck verkaufte eine Vielzahl von Flächen zum Nachteil des
Gemeindevermögens. Beim Verkauf von Flächen zur Anlage eines Golfplatzes mit
einer Größe von 78.308 m² wurden 46.984,80 DM zu wenig erlöst. In diesem Fall
hatte der Kommunalaufsicht des Landkreises Bad Doberan bereits seit dem
30.3.1993 eine Stellungnahme der Treuhandanstalt für benachbarte Flächen vorgelegen, die zu einem Wert von 3,10 DM/m² kam. Dennoch genehmigte der Landkreis
Bad Doberan am 19.4.1994 der Gemeinde den Verkauf von 78.308 m² für
2,50 DM/m².
Der Landkreis bezieht sich für seine Genehmigungen auf ein zum 10.1.1994 aktualisiertes Wertgutachten.
Der Landesrechnungshof ist dazu der Auffassung, daß das Gutachten wegen des erzielten höheren Vergleichspreises von 3,10 DM/m² unschlüssig ist.
Beim Verkauf des ehemaligen Zeltplatzes der Gemeinde Wittenbeck ist durch ungünstige Vertragsgestaltung ein Schaden von mindestens 682.950 DM entstanden.
Am 10.12.1993 kaufte ein Gemeindevertreter den Zeltplatz für 8 DM/m² von der
Gemeinde. Der Landkreis Bad Doberan genehmigte den Kauf am 28.12.1993. Am
31.3.1995 verkaufte der Erwerber einen 15.700 m² großen Teil des Flurstücks für
51,50 DM/m² zum Zweck der Nutzung als Freizeitanlage weiter. Durch entsprechende Klauseln im Kaufvertrag hätte die binnen der 16 Monate eingetretene Wertsteigerung von 43,50 DM/m² dem Gemeindehaushalt zugeführt werden können.
Der Landkreis Bad Doberan begründet seine Genehmigung mit einem Wertgutachten, das zu dem erlösten Wert gekommen war. Gegen § 49 I 2 KV DDR sei mithin
nicht verstoßen worden.

274
Der Landesrechnungshof bemerkt dazu, daß die Gemeinden gem. § 24 Gemeindehaushaltsverordnung verpflichtet sind, alle Einnahmen rechtzeitig und vollständig
einzuziehen. Dazu zählt auch der Gewinn aus dem Weiterverkauf, wenn dieser bereits beim Verkauf nicht auszuschließen ist. Die Gewinnabschöpfung ist mit einer
Mehrerlösabführungsklausel sicherzustellen. Dies ist unterblieben.

Landkreis Güstrow
(412)

Die Stadt Güstrow übertrug mit der Genehmigung des Landkreises Güstrow vom
19.7.1993 das Eigentum an acht Kinderkrippen unentgeltlich und mit unzureichender
Zwecksicherungsabrede auf drei freie Träger.
Der Landkreis führt dazu aus, es sei vereinbart worden, nicht mehr als Kinderkrippe
genutzte Grundstücke an die Stadt zurückzuübertragen.
Dazu bemerkt der Landesrechnungshof, daß dieser Vertragsteil nicht notariell beurkundet worden ist.
Der Landkreis Teterow verlor bei der Erstellung und der anschließenden Veräußerung des Wohn- und Geschäftshauses, Malchiner Straße 4 bis 8, 1.425.107,30 DM.
Den Bau des dreiteiligen Geschäftshauses im Zentrum Teterows hatte der Rat des
Kreises Teterow am 13.7.1990 mit einem ortsansässigen Bauunternehmen vereinbart.
Der neugebildete Landkreis Teterow hielt an dem Vertrag fest und wandte für die
Bauausführung und den Erwerb von Restitutionsansprüchen 3.025.107,30 DM auf.
Nach der Aktenlage ist unklar, weshalb das Gebäude für nur 1,6 Mio. DM verkauft
wurde. Der Kreis verzichtete zugunsten der Stadt darauf, das Eigentum an dem Baugrundstück zu erwerben. Auf diese Weise bewahrte er sein Recht, den Verkauf des
Grundstücks nach § 49 Abs. 3 lit. b KV DDR zu genehmigen und machte davon am
15.10.1992 Gebrauch. Eine vorübergehende Bewirtschaftung durch den Kreis und
eine sorgfältigere Auswahl der Käufer und Verkaufsbedingungen hätte den Schaden
zumindest erheblich verringert.
Der Landkreis Güstrow teilt dazu mit, die Ausschreibung habe kein höheres Angebot
als 1,6 Mio. DM für das komplett erstellte Gebäude ergeben. Auch habe sein Rechtsvorgänger davon abgesehen, das Eigentum an dem bebauten Grundstück zu erwerben, um Zeitverzögerungen bei der Abwicklung im Grundbuchamt zu vermeiden.

275
Der Landesrechnungshof weist darauf hin, daß nach einem Aktenvermerk des damaligen Wirtschaftsdezernenten bereits kurz vor der Ausschreibung Angebote über
1,8 Mio. DM für das fertiggestellte Gebäude und 1,6 Mio. DM für den Rohbau vorlagen. Aus der Akte ist nicht ersichtlich, daß diese Angebote zurückgezogen worden
wären. Zeitverzögerungen im Eintragungsverfahren hätten mittels einer Investitionsbescheinigung abgekürzt werden können.
(413)

Die Gemeinde Rosenow hat im Jahr 1992 innerhalb des zusammenhängenden Ortsteils zahlreiche Flurstücke bzw. Flurstücksteile in einer Gesamtgröße von 15.296 m²
für 0,30 DM/m² verkauft. Das Beschlußverfahren und einzelne Verkaufsbeschlüsse
waren weder aus den beim Amt Steintanz-Warnowtal noch aus den bei dem Landkreis Güstrow geprüften Akten eindeutig zu rekonstruieren. Die Grundstücksverkäufe wurden 1992 und 1993 vom Landrat des Kreises Bützow genehmigt. Unter den
Grundstückserwerbern befanden sich u. a. die damalige Bürgermeisterin, ihre Stellvertreterin und mindestens drei Gemeindevertreter. Noch kurz vor Inkrafttreten der
Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion hatte die Bürgermeisterin am 26.6.1990 als
Vertreterin der Gemeinde einen notariellen Einheitskaufvertrag unterschrieben, worin
der Kaufpreis einiger nachmals für 0,30 DM/m² verkaufter Flurstücke entsprechend
der preisrechtlichen Unbedenklichkeitsbescheinigung des Rates des Kreises Bützow
– Abt. Finanzen – mit 2 DDR-M/m² angegeben war. Das von ihr selbst für
0,30 DM/m² erworbene Flurstück hat sie inzwischen für 20,16 DM/m² weiterveräußert. Der Käufer hat darauf ein Einfamilienhaus errichtet. Eine weitere im Zusammenhang des Ortsteils gelegene Fläche von 537 m² ist vom Käufer als Bauplatz weiterverkauft worden. Ebenso kam es zu dem Verkauf des 1.700 m² großen Löschteiches der Gemeinde mitsamt der 1.350 m² großen Umringsfläche an einen Gemeindevertreter. Ein weiterer Gemeindevertreter hat sein Wohngrundstück um eine Fläche
in der Größe von 310 m² erweitert, die im Liegenschaftskataster noch als Straße erfaßt ist.
Der Landkreis Güstrow setzt gegenwärtig die Prüfung der Verkaufsfälle fort. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Rostock gegen die damalige
Bürgermeisterin der Gemeinde Rosenow.
Der Landesrechnungshof erwartet insbesondere, daß die Nichtigkeit der Grundstücksverkäufe untersucht wird.

276

Landkreis Parchim
(414)

In zwei Fällen zog sich die untere Kommunalaufsichtsbehörde des Landkreises Parchim am 29.9.1994 und am 13.10.1994 ausdrücklich auf die Genehmigungsfreiheit
der Verkäufe volkseigener Flächen zurück, obwohl aus den ihr vorliegenden Akten
ersichtlich war, daß der Verkauf unter Wert erfolgte.

(415)

Die untere Kommunalaufsichtsbehörde des Landkreises Parchim genehmigte am
7.1.1997 den Verkauf einer Kiesgrube, obwohl ihr aus einem vorangegangenen Genehmigungsverfahren bekannt war, daß ein vergleichbares Grundstück zum doppelten Preis verkauft worden war. Der Schaden beträgt 86.690 DM.
Der Landkreis bemerkt dazu, die veräußerten Flächen seien lediglich als Ausgleichsund Abstandsflächen vorgesehen.
Der Landesrechnungshof weist darauf hin, daß dies dem Wortlaut des Verkaufsbeschlusses widerspricht und im Grundstückskaufvertrag nicht abgesichert worden ist.

(416)

Zahlreiche Grundstücksveräußerungen wurden aufgrund von pauschalen Gemeinderatsbeschlüssen genehmigt, die einen Verkauf von gemeindeeigenen Grundstücken
unter dem jeweiligen Bodenrichtwert zuließen. Diese Beschlüsse ließen eine sachgerechte Preisgliederung für Bau-, Vorder-, Hinter- und Gartenland vermissen. Gemeinderatsbeschlüsse, die zu veräußernde Grundstücke lediglich der Gattung nach
bestimmen (z. B.: „die verpachteten Flächen, die als Gartenland genutzt werden“),
sind ohnedies zu ungenau. Zur Veräußerung von Grundstücken bedarf es grundsätzlich eines Einzelfallbeschlusses der Gemeindevertretung. Damit deren Beteiligungsrecht uneingeschränkt gewahrt wird, muß die Beschlußvorlage hinreichend bestimmt
sein. Dazu zählt die Bezeichnung jedes zu verkaufenden Grundstücks nach Gemarkung, Flur und Flurstück und ein Flurkartenauszug. Ungenaue Beschlußvorlagen
bergen die Gefahr, daß die Gemeindevertretung nicht erkennt, welche Grundstücke
im einzelnen veräußert werden sollen.
Der Landesrechnungshof hat nahe der Landeshauptstadt in den Gemeinden Godern,
Pinnow, Raben Steinfeld und Sukow Verkaufsbeschlüsse vorgefunden, in denen die
zu verkaufenden Grundstücke nur der Gattung nach bestimmt waren. Der ebenfalls
gattungsmäßig beschlossene Verkaufspreis lag bei diesen Gemeinden unter dem Bodenrichtwert.

277
(417)

So beschloß am 26.5.1992 die Gemeindevertretung von Godern den Verkauf von
Gartenland für 5 DM/m². Der Verkauf von Grundstücken an Bungalowbesitzer, die
beabsichtigen, den Bungalow zu einem Wohngebäude auszubauen und ihren ständigen Wohnsitz in Godern einzurichten, sollte zu 12 DM/m² erfolgen. Mit Beschluß
vom 8.3.1994 wurde der Kaufpreis dafür auf 15 DM/m² erhöht. Im März 1994 verkaufte die Gemeinde Godern zu 15 DM/m² neun Bungalowparzellen mit zusammen
8.501 m² in Ortslage. Diese Verkäufe wurden am 14.4.1994 von der Kommunalaufsicht Schwerin-Land genehmigt.
Außerdem verkaufte die Gemeinde Godern im März und April 1994 fünf Ergänzungsflächen zu Wohngrundstücken zwischen 240 und 486 m² als „Gartenland“ für
5 DM/m². Vier Verkäufe genehmigte die Kommunalaufsicht Parchim, einen Verkauf
genehmigte die Kommunalaufsicht Schwerin-Land jeweils im Jahr 1994.
Indessen betrug der Bodenrichtwert zum 31.12.1992 für Wohnbauflächen in geschlossener Ortslage mit vorhandener ortsüblicher Teilerschließung 30 DM/m². Aus
einer Ortsbesichtigung schließt der Landesrechnungshof außerdem, daß die Gemeinde aufgrund der Lage der Flurstücke (Seeblick) durchaus einen über dem Bodenrichtwert liegenden Preis hätte erlösen können.
Die untere Kommunalaufsichtsbehörde ist dagegen der Auffassung, der Preis von
15 DM/m² im Bungalowgebiet sei angemessen, da die Grundstückskäufer Erschließungskosten gesondert zu tragen und so insgesamt den vollen Wert zu entrichten hätten. Dabei wird nicht beachtet, daß sich nach dem Kenntnisstand des Landesrechnungshofes die im Bungalowgebiet vorhandene kaum von der in den Bodenrichtwert
eingegangenen ortsüblichen Teilerschließung unterscheidet. Wegen der hervorgehobenen guten Lage des Bungalowgebiets innerhalb des Ortes rechtfertigt auch ein evtl.
vorhandenes Nutzungsrecht bzw. Pachtvertrag hier keine 50 %ige Reduzierung des
Verkaufspreises auf die erlösten 15 DM/m², weil der Ausgangswert der Grundstücke
in Seenähe mit mehr als 30 DM/m² zu veranschlagen ist.
Ebenso ist bei den für 5 DM/m² als Gartenland verkauften Ergänzungsflächen die
Bebaubarkeit nicht von vornherein auszuschließen.

278
(418)

Die Gemeinde Pinnow beschloß, Pachtland, das in Nutzungsverträgen als Gartenland
bezeichnet wurde, für 6 DM/m² zu verkaufen. Die Gemeindevertretung bekräftigte
dies am 12.9.1994 wie folgt: „Zu einem Wohngrundstück zugepachtetes Gartenland
wird mit 6 DM/m² veräußert, wenn erkennbar ist, daß es in absehbarer Zeit nicht zu
Bauerwartungsland umgewandelt werden kann. Für den Fall, daß es Bauland wird,
tritt eine Nachforderung von 100 % des vereinbarten Kaufpreises in Kraft.“
Zwischen Oktober 1992 und September 1994 verkaufte die Gemeinde Pinnow in
Ortskernlage neun Wohngrundstücksergänzungsflächen zwischen 400 m² und
2.301 m² (Summe: 12.431 m²) zu 6 DM/m². Zwei dieser Verkäufe wurden am
6.10.1994 und am 8.11.1994 von der Kommunalaufsicht des Landkreises Parchim
genehmigt, die übrigen am 22.1.1993, am 13.7.1993 und am 20.7.1993 von dem
Vorgängerkreis Schwerin-Land.
Dabei blieb der Bodenrichtwert zum 31.12.1991 von 25 DM/m² für lagetypische
Baugrundstücke in durchschnittlicher Wohnlage und zum 31.12.1992 von 30 DM/m²
für ortsüblich teilerschlossene Wohnbauflächen unberücksichtigt. Daß die Bebaubarkeit der Grundstücke nicht ausgeschlossen ist, ergibt sich daraus, daß der vorgenannte Verkaufsbeschluß
−= von zu dem Wohngrundstück „zugepachtetem“, also angrenzendem Gartenland
spricht,
−= für den Bebauungsfall eine Nachzahlung von 100 % des Kaufpreises vorsieht und
demnach
−= auch innerhalb des im Zusammenhang bebauten Ortsteils belegene Grundstücke
verkauft worden sind.

(419)

Die Gemeindevertretung von Raben Steinfeld beschloß am 27.4.1992, „Hinterland“
für 25 DM/m² zu verkaufen und bestimmte diese Flächen wie folgt: „Durch Teilung
kann kein neues Grundstück entstehen. Aufgrund der Größe kann das Grundstück mit
zusätzlichen Gebäuden bebaut bzw. vorhandene Bauten erweitert werden.“

279
Zwischen dem 21.11.1994 und dem 2.2.1995 verkaufte die Gemeinde in fünf Fällen
zwischen 93 m² und 1.146 m² große Ergänzungsflächen zu Wohngrundstücken (insgesamt 3.916 m²) zu 25 DM/m². Unter den Grundstückskäufern befand sich der Bürgermeister der Gemeinde; er kaufte am 2.2.1995 eine 500 m² große Ergänzungsfläche.
In allen Fällen verzichtete die Kommunalaufsicht am 2.2.1995, am 6.2.1995, am
7.3.1995 (im Fall des Bürgermeisters) und am 29.6.1995 unter Hinweis auf die Genehmigungsfreiheit des Verkaufes von Volkseigentum ausdrücklich darauf, die Verkäufe zu genehmigen.
Der Bodenrichtwert für lagetypische Baugrundstücke in durchschnittlicher Wohnlage
betrug dagegen schon zum 31.12.1991 50 DM/m² und zum 31.12.1994 178 DM/m².
Die untere Kommunalaufsichtsbehörde steht auf dem Standpunkt, es habe sich bei
den verkauften Flächen um minderwertiges Vorder- oder Hinterland gehandelt. Dabei übergeht sie, daß die Gemeindevertretung das verkaufte Hinterland in ihrem Verkaufsbeschluß selbst als bebaubar wertet. Die verkauften Flächen sind daher für die
Wertermittlung als Bauland anzusehen. Daher hätten für die verkauften Flächen auch
Baulandpreise erlöst werden müssen. Der Verkaufsbeschluß hätte beanstandet werden müssen.
Der Landkreis Parchim trägt vor, die Gemeinden Godern, Pinnow und Raben Steinfeld hätten Grundstücke ohne objektiv meßbaren Wert verkauft. Lediglich der Verkauf an schon vorhandene Grundstückseigentümer sei möglich und sinnvoll gewesen.
Der Landesrechnungshof widerspricht dieser verallgemeinernden Darstellung. Die
beanstandeten Verkaufsfälle betrafen in aller Regel Flächen, die größer als 500 m²
waren. Viele Flächen waren größer als 1.000 m².
Die Gemeindevertretung Sukow beschloß am 13.9.1990, gemeindliche Grundstücksflächen für 8 DM/m² zu verkaufen und hielt daran in einem Einzelfall bis zum
22.8.1994 fest. Zu diesem Preis verkaufte die Gemeinde zwischen dem 3.2.1992 und
dem 11.11.1994 zwei Baugrundstücke und drei Ergänzungsflächen zu Wohngrundstücken zwischen 300 m² und 1.220 m² (insgesamt 3.012 m²) in Ortslage. Ein
Verkauf wurde am 8.10.1992 vom Landkreis Schwerin und drei weitere wurden am

280
22.12.1994 und am 2.2.1995 vom Landkreis Parchim genehmigt. In einem Fall sah
der Landkreis Parchim am 21.9.1994 unter Hinweis auf die Genehmigungsfreiheit
der Veräußerung von Volkseigentum ausdrücklich von der Genehmigung ab. Dabei
blieb außer Acht, daß der Bodenrichtwert für lagetypische Baugrundstücke in durchschnittlicher Wohnlage schon zum 31.12.1991 mit 30 DM/m² beziffert wurde.
Der Landkreis hat den Beanstandungen des Landesrechnungshofes bereits insoweit
Rechnung getragen, als er für die Zukunft Einzelfallverkaufsbeschlüsse von den Gemeinden verlangt.
Die Prüfungsverfahren sind noch nicht abgeschlossen.

Erlaß des Innenministers vom 4.4.1996
(420)

Der Erlaß (vgl. Jahresberichte 1996 Tz. 370; 1997 Tz. 474) verpflichtete die Landräte
als untere Kommunalaufsichtsbehörde, bis zum 30.9.1996 zu prüfen, ob vom
12.6.1994 bis zum 31.12.1995 Grundstücksverkäufe unterhalb des vollen Wertes genehmigt worden sind, um darauf Nachverhandlungen einzuleiten bzw. die betreffende Genehmigung zurückzunehmen. Bis zum 2.5.1997 hatte sich herausgestellt, daß
infolge der Überprüfung keine Genehmigung zurückgenommen worden war. Aus den
jeweils im Januar 1998 mitgeteilten Prüfungsergebnissen des Landesrechnungshofes
zu den Genehmigungen kommunaler Grundstücksverkäufe in den Landkreisen Bad
Doberan, Güstrow und Parchim ergibt sich jedoch, daß im fraglichen Zeitraum in
Einzelfällen Grundstücksverkäufe unterhalb des Verkehrswertes genehmigt worden
sind. Über ein Einschreiten der Landkreise, das auch durch die Einleitung von Nachverhandlungen erfolgen kann, liegen dem Landesrechnungshof bisher keine Nachrichten vor. In den Landkreisen Bad Doberan und Güstrow sind jeweils drei Genehmigungsverfahren betroffen und im Landkreis Parchim Genehmigungsverfahren in
zehn Gemeinden.
In seinem Erlaß schrieb der Innenminister außerdem vor, die zwischen dem 4.6.1992
und dem 11.6.1994 erteilten Genehmigungen bis zum 30.6.1997 entsprechend zu überprüfen. Mit Erlaß vom 8. Juli 1997 verlängerte der Innenminister die Frist bis

281
zum 31.12.1997 und gestattete die stichprobenweise Prüfung in jeder kreisangehörigen Gemeinde. Bis Ende Februar 1998 hatten fünf Landräte beim Innenministerium
beantragt, die Frist für die Überprüfung erneut zu verlängern. Das Innenministerium
hat den betreffenden Landräten für die Überprüfung der erteilten Genehmigungen eine Nachfrist bis zum 30.6.1998 gesetzt.
Soweit die übrigen Landräte im Zuge der Überprüfung Einnahmeverzichte feststellen
konnten, habe dafür ein besonderes öffentliches Interesse vorgelegen. Die für kommunale Grundstücksverkäufe erteilten Genehmigungen hätten nicht zurückgenommen werden müssen.

282

V. Sonstige Äußerungen des Landesrechnungshofes

Zweite Privatisierung der MTW Schiffswerft GmbH, Wismar,
und der Volkswerft GmbH, Stralsund

(421)

Der Landesrechnungshof hat die Landesregierung im Zusammenhang mit den Privatisierungsverträgen für die Volkswerft Stralsund (Landtagsdrucksache 2/3388) und
für die MTW Schiffswerft Wismar (Landtagsdrucksache 2/3475) beraten.
Er hat Landesregierung und Landtag darauf hingewiesen, daß nach seiner Auffassung
beide Vertragswerke nach § 65 Abs. 7 LHO der Zustimmungspflicht des Landtages
unterliegen. Nach dieser Vorschrift dürfen Anteile des Landes an Unternehmen von
besonderer Bedeutung nur mit Einwilligung des Landtags veräußert werden.

(422)

Unternehmensveräußerungen können im Wege einer Anteilsveräußerung (share deal)
oder als „asset deal“ erfolgen. Dabei wird heute in der Praxis immer häufiger dem
„asset deal“ der Vorzug gegeben. Auf den „share deal“ findet § 65 Abs. 7 LHO unbestritten Anwendung. Gleiches muß für den „asset deal“ gelten. Der „asset deal“ unterscheidet sich von dem „share deal“ darin, daß die Beteiligung als solche nicht veräußert wird, wohl aber jegliche Bestandteile des Unternehmens, die für das künftige
operative Geschäft des Erwerbers notwendig sind (assets).
Wirtschaftlich und auch finanzwirtschaftlich sind die Konsequenzen bei der Veräußerung in beiden Fällen gleich. Die Landesbeteiligung scheidet aus dem Landesvermögen aus, beim „share deal“ durch die Veräußerung selbst, beim „asset deal“ durch
die der Veräußerung der „assets“ nachfolgende Abwicklung und Liquidation.

(423)

Für die beiden Werften bedeutete dies insbesondere, daß
−= alle für den Werftbetrieb genutzten technischen Anlagen und Maschinen, Einrichtungen, Betriebs- und Geschäftsausstattungen, Fahrzeuge und sonstige Gegenstände des Sachanlagevermögens,
−= alle den Werftbetrieb betreffenden Patente, Marken, gewerbliche Schutzrechte,
Konzessionen, Lizenzen und Unterlizenzen sowie das Know-how und sonstige
immaterielle Vermögensgegenstände,

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−= die für die Fortführung des Werftbetriebs notwendigen Betriebszulassungen und
Genehmigungen sowie
−= die Verträge mit Lieferanten
unter Ausklammerung der zum Verkaufszeitpunkt bestehenden Verbindlichkeiten
und Risiken veräußert bzw. übertragen wurden.
Bei der Alt-Gesellschaft verblieben dagegen im wesentlichen
−= die noch abzuwickelnden Schiffsneubauverträge,
−= die Finanzierung der von der EU genehmigten Investitionen bis zum Endausbau
der Kompaktwerft,
−= die Finanzierung des Personalabbaus entsprechend einem Unternehmenskonzept
und
−= die Verpflichtungen aus der Finanzierung, die sich aus der Abwicklung abgeschlossener Schiffsneubauverträge ergeben, insbesondere die Erfüllung von Plazierungsgarantien und Reedereiüberschußgarantien sowie die Übernahme stiller
Beteiligungen an verschiedenen Ein-Schiff-Gesellschaften.
Nach Abwicklung der übrig bleibenden Aufgabenbereiche sollen die bisherigen Gesellschaften still liquidiert werden.
(424)

Bei dieser Sachlage konnte der Landesrechnungshof keine durchgreifenden Argumente dafür erkennen, warum das Zustimmungserfordernis des Landtags entbehrlich
sein könnte. Landesregierung und Landtag haben sich der Rechtsauffassung des Landesrechnungshofes nicht angeschlossen. Der Landtag hat beide Vertragswerke zustimmend zur Kenntnis genommen.

Vom Senat des Landesrechnungshofes beschlossen
am 29. April 1998

284
Tanneberg
Präsident
        
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