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Periodical volume

Full text: BUNDmagazin Issue 2016,2

BUNDmagazin

Friends of the Earth Germany
www.bund.net

2/2016

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland

Fledermaus flieg!

FORUM

»Das haben wir doch immer schon gesagt!«
Nicht selten ist das unsere Reaktion darauf,
wenn eine Umweltsauerei für kurze Zeit
doch einmal die Zeitungen und TV-Kanäle
erobert. So hat es die Fachleute des BUND
nicht gewundert, als im letzten Herbst der
systematische Betrug mit Abgaswerten bei
VW, Mitsubishi und Co. öffentlich wurde.
Wer es wissen wollte, war hier längst misstrauisch geworden. Der BUND hatte schon
Jahre zuvor realistischere Messverfahren
gefordert, ohne Erfolg.
Oder denken wir an den Super-GAU von
Tschernobyl. Der Schock war damals groß.
Doch nur wer an die absolute Beherrschbarkeit der Atomkraft geglaubt hatte, konnte
vollkommen überrascht sein. Alle, die früh
vor der Möglichkeit eines solchen Unfalls
gewarnt hatten, bekamen hingegen die
traurige Gewissheit, mit ihrem Widerstand
im Recht gewesen zu sein.
Was nützt alles Recht-haben, was nützt das
beste Argumente, wenn es nicht ausreichend
Gehör findet? Wenn die, die vom Status quo
profitieren, Mittel und Wege finden, um Politik und Öffentlichkeit in Sicherheit zu wiegen?
(Und das tun sie fast immer.) Wenig nützt es.
Deshalb hat der BUND ein Kampagnenteam
zusammengestellt. Es soll unsere Argumente
schlagkräftiger machen, mehr Menschen für
unsere Anliegen mobilisieren und die Politik
noch gezielter zum Handeln auffordern.
Zum Auftakt haben wir uns Glyphosat vorgeknöpft. Es ist das meistverbreitete Pflanzengift der Welt. Und ein Paradebeispiel dafür,
wie man hohe Umweltrisiken unter den
Tisch kehrt, um interessierten Kreisen – hier:
der Agrarindustrie – noch für einige weitere
Jahre ihr einträgliches Geschäft zu sichern.
So lange, bis jegliche biologische Vielfalt auf
unseren Äckern derart gründlich eliminiert
ist, dass sich diese Form der Landwirtschaft
ihrer eigenen – und unser aller – Grundlagen
beraubt hat. Schon in wenigen Tagen soll
Glyphosat für weitere fünfzehn Jahre EU-weit
zugelassen werden. Protestieren Sie mit uns!
Argumentativ richtig liegen: schön und gut.
Doch um die Erde besser schützen zu können,
wollen wir uns häufiger durchsetzen.

4

I N HALT

Leserbriefe / Impressum

MAGAZI N
6

Kurznachrichten

KOMMENTAR
10 Energiewende: rasch, aber richtig!
TITELTH EMA
12 Fledermaus flieg!
13 Gesellige Nachtschwärmer
15 Die größten Gefahren
17 Interview mit Andreas Zahn
18 Schutzprojekte des BUND
20 Grüner Wall im Westen
Seite 12: Fledermaus flieg!
Fledermäuse sind Überlebenskünstler mit faszinierenden
Eigenschaften – und gefährdet.
Viele BUND-Gruppen engagieren sich für ihren Schutz.

AKTION
24 Gemeinsam gegen Glyphosat
26 GEO-Tag der Artenvielfalt
GUT LEBEN
27 Wie Bisphenol A vermeiden?
ZU R ZEIT

Stock/LKN-SH

Liebe Leserinnen und Leser,

28 Die Kuh als Klimakiller?
30 Turbulenter Abschied vom Öl
31 Widerstand gegen TTIP + CETA
NATU RA 2000
32 Sylter Außenriff
AKTIV
34 Neues aus dem BUND
38 Internationales

Seite 32: Meeresschutz
Deutschlands größtes Schutzgebiet liegt westlich von Sylt.
Noch wird hier wie überall in
der Nordsee intensiv gefischt.
Womöglich nicht mehr lange …

40 Die junge Seite
MEDI EN

Viel Spaß beim Lesen dieses BUNDmagazins
wünscht Ihr

44 Neu und interessant
PERSÖN LIC H

Severin Zillich, Redaktion

46 Ingo Valentin
[2-16] BUNDmagazin

3

FORUM

Titel der
Ausgabe 1/16

Stadtplanung, Diesel, E-Autos …
Das Drama der deutschen Stadtplanung ist, dass sie dem falschen Paradigma folgt. Sie stellt sich städtische
Straßen idealiter wie Autobahnen
vor. So sind wir in Berlin geplagt von
doppelspurigen Straßen, Abbiegespuren nach links und rechts, riesigen Kreuzungen, absurden Tunneln
und Autobahnen mitten in der Stadt.
Städte, die sehr viel größer und
wohlhabender sind und viel mehr
Autos haben (wie London und Paris),
haben ihre Stadtplanung kaum nach
den Bedürfnissen des Autoverkehrs
ausgerichtet. Wenn Sie von Mautlösungen sprechen, ist das letztlich
nur eine Verbreiterung der Abgabenbasis. Es ist immer so viel Verkehr
da, wie Straßen dafür bereitstehen.
Wir brauchen einen radikalen
Rückbau des Straßensystems. Wir
müssen aufhören, den Stadtraum
dem Autoverkehr zu opfern. Wenn
es weniger Spuren und Parkraum
gibt, gibt es von allein weniger Autos.
Carsten Eggers, Berlin

IMPRESSUM
Das BUNDmagazin ist die Mitgliederzeitschrift
des BUND und erscheint viermal im Jahr.
Herausgeber: Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland e.V. (BUND) – Friends of the Earth
Germany, Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin
V.i.S.d.P.: Yvonne Weber
Redaktion: Severin Zillich, ִ (0 30) 2 75 86-4 57,
Fax -4 40, redaktion@bund.net, www.bund.net/
bundmagazin
Gestaltung, Produktion: Claudia Gunkel (Produktionsleitung), Marc Venner (Grafik, Layout)
Titelbild 2/16 (20. Jahrgang): Braunes Langohr,
iStock.com/Barry Sutton

4

BUNDmagazin [2-16]

Das neue BUNDmagazin ist wirklich das beste seit Langem. Ihr Titelthema freut mich besonders. Regierung und Autolobby nehmen jährlich rund 10 000 Tote durch Atemwegserkrankungen in Kauf, nur um
Profite zu sichern. Dazu passte eine
ZDF-Sendung, wonach Diesel-Pkw
von VW und BMW, Mercedes und
Renault im Echtbetrieb das 2,6- bis
6,6-fache an Stickoxiden ausstießen.
(Weil sich in Deutschland niemand
traute, testete man in der Schweiz.)
Damit dürften die meisten Diesel
nicht mehr in die Innenstadt. Rote
Plakette und Ende – Umweltzone
gerettet. Mal sehen, wann Verkehrsminister Dobrindt einknickt.
Machen wir Druck!
Mit dem neuen Heft beweist der
BUND erneut, bei allen aktuellen
Themen hochprofessionell am Ball
zu sein, von Agrosprit bis zur Zerstörung unserer Lebensgrundlage.
Respekt und weiterhin viel Erfolg!
Ulrich Wilk, Garbsen
Sie diskreditieren die Dieselfahrer
mit unsachlichen Argumenten. So
schreiben Sie, die »Dieselsubvention« verleite zum Vielfahren. Doch
eine geringere Mineralölsteuer ist
keine Subvention. Diesel-Pkw sind
in der Anschaffung teurer, und man
zahlt in der Regel eine höhere KfzSteuer. Auch kauft man keinen
Diesel, um mehr fahren zu können.
Eher umgekehrt: Man muss viel fahren und kauft deshalb einen Diesel.
Das einzige, was ich wirklich überprüfen kann, ist der Verbrauch, und
der spricht für den Diesel.
Interessant wäre gewesen, auch
auf die Verkaufspolitik der Auto-

Verlag: Natur & Umwelt Verlags-GmbH, Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin
Mitgliederservice: ִ (0 30) 2 75 86-479, Fax -4 40,
mitgliederservice@bund.net
Bezugspreis: für Mitglieder im Beitrag enthalten,
für Nichtmitglieder 20 Euro pro Jahr.
Anzeigenverwaltung: Ruth Hansmann, Runze &
Casper Werbeagentur GmbH, ִ (0 30) 2 80 181 45, Fax: -4 00, hansmann@runze-casper.de.
Es gilt der Anzeigentarif Nr. 24.
Druck: Brühlsche Univ’druckerei GmbH & Co KG
Papier: 100% Recycling, glänzend gestrichen
Spenden: Der BUND benötigt für seine Arbeit
über die Mitgliedsbeiträge hinaus Unterstützung.
Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Bitte über-

konzerne hinzuweisen: So hatte ich
vor ca. 15 Jahren den Eindruck, dass
VW den Drei-Liter-Lupo vor allem
deshalb auf den Markt gebracht hat,
um zu beweisen, dass den keiner
will. In den VW-Autohäusern wurde
massiv abgeraten, dieses Auto zu
kaufen; Probefahrten waren nicht
möglich, man hätte ihn »blind« bestellen müssen. Ähnliches habe ich
auch aus neuerer Zeit gehört.
Burkhard Karrenbrock, Bullay
Der BUND träumt von der CO2freien Mobilität durch Elektroautos
– und erwähnt nur im Nachsatz,
dass die Energie dafür aus erneuerbaren Quellen kommen muss. Ein
Traum ist es, da erneuerbare Energie für den Verkehr absehbar nicht
zur Verfügung steht. Die Atommeiler werden abgeschaltet (Gott sei
Dank), Gaskraftwerke nicht gebaut
(weil unrentabel), und der Ausbau
der Windkraft wird durch das EEG
gedeckelt. Wer zusätzliche Verbraucher elektrischer Energie generiert
(eine Million E-Autos), muss sich
die verfügbare Energie aus Kohlekraftwerken zurechnen lassen. EAutos sind also echte Klimakiller.
Vorteile bieten derzeit nur
Hybridantriebe und E-Autos in
Großstädten durch die Vermeidung
von Schadstoffen und den (gegenüber Dieselfahrzeugen) besseren
Wirkungsgrad im Stadtverkehr.
Hier sollten sie Verwendung finden
für den öffentlichen Nahverkehr,
für Taxis, Botenfahrzeuge, Polizei
und Verwaltung. Die Infrastruktur
bräuchte dann auch nicht flächendeckend zu sein.
Heiner Dietrich, Oranienburg

weisen Sie Ihre Spende auf das Konto der Bank
für Sozialwirtschaft: IBAN: DE24 3702 0500 0008
2802 02, BIC: BfS WDE33. Danke! (siehe hierzu:
www.bund.net/spenden)
Copyright: Alle Beiträge und Abbildungen sind
urheberrechtlich geschützt. Nachdruck oder
sonstige Verwertung nur mit schriftlicher Einwilligung des Verlags.
Druckauflage: 182 082 Exemplare (IVW 1/2016);
in der Natur + Umwelt: 134 597 Ex. (IVW 1/2016)
Beilagen: Dieses BUNDmagazin enthält in Teilen
seiner Auflage eine Beilage der Zeitschrift
»Natur erleben!«.
Das BUNDmagazin 3/16 erscheint am 13. August.

Anzeige

Mein Vorschlag: Starten Sie in einer mittelgroßen Stadt mit
einer konzentrierten Plakataktion und dem Slogan: »Autofahren tötet« (durch Luftverschmutzung, Flächenversiegelung, Naturzerstörung, Verkehrstote, CO2 etc.). Fordern Sie
weiter, dass Autos zum Beispiel auf der Fahrertür mit
Schriften und Bildern versehen werden müssen, die über
die Gefahren des Autofahrens aufklären.
Reinhard Krause, Bremerhaven

Zur Asylpolitik
Eine uneingeschränkte Willkommenskultur für »Geflüchtete« steht im Widerspruch zu einer nachhaltigen globalen
Flüchtlingspolitik. Es muss unser oberstes Anliegen sein,
Fluchtursachen zu bekämpfen und eine möglichst große
Anzahl hilfsbedürftiger Menschen zu erreichen. Es ist die
teuerste Lösung, Flüchtlinge nach Deutschland einzuladen.
Mit demselben Geld könnten vor Ort drei- bis viermal mehr
Menschen erreicht werden!
Eine unbegrenzte Willkommenskultur ist nur ein Alibi
für unser schlechtes Gewissen. Ändern wir unsere Politik
und helfen wir vor Ort. Dann helfen wir den Menschen
wirklich und erreichen viel mehr!
Dierk Wagenschein, Müden/Aller
Bitte reihen Sie sich doch nicht in die Koalition der Willigen
ein. Es war schon im September 2015 klar – mit den Kommentaren aus der Wirtschaft: »Die Flüchtlinge werden uns
ein zweites Wirtschaftswunder bescheren« –, dass nur das
Geschäft angekurbelt werden soll und das Geld endlich im
Lande bleibt. Den unheiligen Glauben, dass nur mit immer
weiterem Wachstum unsere Welt besser wird, unterstützt
doch Ihr Kommentar indirekt.
Sicher stimmen Ihre Aussagen zur Ausbeutung vieler
Länder durch unser Wirtschaftssystem. Aber noch mehr
Flüchtlinge aufzunehmen macht vielleicht ein gutes Gewissen, trägt aber nichts zur Lösung bei.
Reinhardt Link, Rheinfelden

Atomkraft
Sie schreiben sachgemäß über die Folgen der Unglücke in
Tschernobyl und Fukushima. Doch unterschlägt auch der
BUND die erste Atomkatastrophe, die die Menschheit vor
über 35 Jahren in den USA traf: den Unfall des Reaktors in
Three Mile Island.
Rolf Schäfer, Herzogenrath

Saubere Energie
Jetzt wechseln und 25 €-Strombzw. Gasgutschrift erhalten:
www.naturstrom.de/energie16

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BUND-Waldreport
Die Bilder aus Ihrem Waldreport erinnern mich fatal an
verwüstete Tropenwaldgebiete. Leider sieht es so auch in
Thüringen aus, sogar in Schutzgebieten. Unser Holz wächst
nicht im Baumarkt, sondern in Polen, Sibirien, Nordeuropa
… Wir sollten nicht nur urwaldvernichtende Länder kritisieren, sondern auch darauf achten, was vor unserer Haustür abgeht. Der BUND tut das.
Andreas Rietschel, Rudolstadt
Die Redaktion freut sich über jede Zuschrift, behält sich aber
Kürzungen vor. Eine erweiterte Auswahl von Leserbriefen
finden Sie unter Ǡ www.bund.net/bundmagazin– etwa vier
Wochen nach Erscheinen der neuen Ausgabe.

Öko-Stromtarif
naturstrom

sehr gut
Spezial Energie 2015

NATURSTROM AG
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Fotowettbewerb

Alleen verbinden

U

nter dem Motto »Alleen verbinden« startet am 1. Mai der
diesjährige Fotowettbewerb zur
»Allee des Jahres«. Wie grüne Adern
ziehen sich Alleen durch unsere Kulturlandschaft, verknüpfen bebautes
Land und freie Natur, vernetzen
wertvolle natürliche Lebensräume
in der oft öden Agrarsteppe, verbinden Dörfer und Kulturdenkmäler.
»Eine Wanderung oder Radtour
unter dem grünen Dach der Alleen
ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis.
Halten Sie Ihr Motiv in Bildern fest«,
rät Katharina Brückmann, BUNDExpertin für den Schutz der Alleen.
Die Besonderheit einer Allee
kann sich in ihrer Geschichte, ihrer
Struktur oder Artenvielfalt zeigen.
Schicken Sie Ihr schönstes Foto
(digital oder als Papierbild) mit kurzem Kommentar an die Geschäftsstelle des BUND in Schwerin. Einsendeschluss ist der 16. September.

Wolfgang Schielke

MAGAZI N

Dieses Bild einer Allee an einer alten Pflasterstraße zwischen Greifswald und
Stralsund gewann im vergangenen Jahr den zweiten Platz.

Aus allen Motiven wird eine Jury
die »Allee des Jahres« küren – und
am 20. Oktober zum »Tag der Allee«
öffentlich präsentieren. Ein Kontaktformular zum Hochladen Ihrer Fotos
finden Sie unter Ǡ www.bund-mv.de,
Projekt Alleenschutz.
Ihre Fotos können Sie zudem an
katharina.brueckmann@bund.net

senden, oder an den BUND Mecklenburg-Vorpommern, Wismarsche
Str. 152, 19053 Schwerin. KontaktTelefon: (03 85) 52 13 39-0.

Aussterben bedroht. In den vernetzten Gräben einer Modellregion
des BUND bei Salzwedel fühlt sie
sich wohl: die Vogel-Azurjungfer.

zuständige Wasserverband konnte
schon mit ins Boot geholt werden.

Mehr zu dem Wettbewerb und eine
Übersicht der eingesendeten Fotos:
Ǡ www.allee-des-jahres.de

Die Zahl

705 Azurjungfern

A

uch nach über 25 Jahren Einsatz für das Grüne Band können sich die Aktiven des BUND
darauf verlassen: Es bietet immer
wieder schöne Überraschungen!
Die jüngste ist blau-schwarz gemustert und in Deutschland vom

6

BUNDmagazin [2-16]

Diese Libelle gehört zu den Tierarten, für deren Erhaltung die EU
besondere Schutzgebiete fordert.
Darum haben Fachleute im Auftrag
des BUND Sachsen-Anhalt die Gräben auf einer Länge von 150 Kilometern systematisch untersucht.
Maximal 705 Individuen konnten
sie feststellen – und damit das
bedeutendste Vorkommen der Art
in Sachsen-Anhalt. Nun soll die
Pflege der Gräben an die ökologischen Ansprüche der Azurjungfer
angepasst und diese bald noch
deutlich häufiger werden. Dann
wäre das bundesweit nördlichste
Vorkommen der Art gesichert. Der

Zugute kommt den Libellen auch,
dass der BUND seinen Flächenbesitz in dieser Region deutlich
ausweiten konnte*. Über 70 Hektar
– ungefähr hundert Fußballfelder –
wurden am Grünen Band erworben.
Hier sind die Gräben vor einer
Überdüngung durch Nährstoffe
aus der Landwirtschaft sicher. Das
garantiert die nötige Wasserqualität
und fördert zum Beispiel die Berle:
Auf diesem Doldenblütler legt die
Vogel-Azurjungfer ihre Eier ab.
Ǡ www.gruenesband.info

* in dem Projekt »Lückenschluss
Grünes Band«, gefördert vom Bundesprogramm Biologische Vielfalt

KURZ & GUT
»Only bad news is good news« heißt es, vor allem schlechte Nachrichten erregen also unsere Aufmerksamkeit.
Doch positive Neuigkeiten aus unserem Verband und dem Umwelt- und Naturschutz tun einfach gut. Ein paar
aus jüngster Zeit haben wir für Sie ausgewählt.

Ǡ Der BUND hat die Zahl seiner UnterstützerInnen ein weiteres Mail aus-

Ǡ Immer mehr Deutsche kaufen Bioprodukte: 2015 stieg der Umsatz deut-

lich um elf Prozent – und verzeichnete das erste zweistellige Wachstum
seit 2008. Mehr Bioware wurde offenbar besonders in Supermärkten und
Discountern abgesetzt. Viele hatten letztes Jahr ihr Sortiment erstmalig
um Produkte wie Milch, Mehl oder Speiseöl in Bioqualität erweitert.

bio-markt.info

bauen können. 2015 stieg sie um knapp fünf Prozent auf 564 727. Die Zahl
unserer Mitglieder und Spender erreichte damit einen neuen Höchststand.
Zu verdanken ist diese Entwicklung vor allem dem vielfältigen und erfolgreichen Einsatz unserer Gruppen vor Ort.

Ǡ Im Leipziger Auwald hat der BUND Sachsen jüngst Wildkatzen entdeckt.

H. Neumann

Mithilfe von Fotofallen und Lockstöcken konnte er einen kleinen Bestand
der scheuen Art nachweisen: das zweite derzeit bekannte Vorkommen in
Sachsen. Der Lebensraum – ein Wald im Stadtgebiet Leipzig mit vielen
Natur- und Landschaftsschutzgebieten – gehört zu den größten intakten
Auenwäldern Mitteleuropas. »Wir sind selbst überrascht von dieser Nachricht«, erklärte der Landesvorsitzende Felix Ekardt.
Ǡ Schottland hat den Kohleausstieg bereits geschafft: Am 24. März ging

der letzte Block des Kohlekraftwerks »Longannet« im Norden Edinburghs
vom Netz. Seitdem produziert Schottland – nach über hundert Jahren –
erstmals keinen Strom mehr mit klimaschädlicher Kohlekraft. Longannet
war mit 2 400 Megawatt das größte Kohlekraftwerk Europas, als es 1969
den Betrieb aufnahm.

Peabody. Der US-amerikanische Konzern mit Sitz in St. Louis hatte jahrelang den Klimawandel und damit seine gesellschaftliche Verantwortung
geleugnet. Auf Milliardenverluste in jüngster Zeit folgte nun der Bankrott.
Weltweit beklagen Kohlekonzerne inzwischen hohe Defizite.

Nick Jaussi

Ǡ Dazu passt der Konkurs des weltweit größten privaten Kohlekonzerns

Edersee aus der Forstverwaltung gelöst und als Sonderbehörde direkt dem
Umweltministerium unterstellt. Damit ist der Nationalpark endlich dort
angesiedelt, wo er als Premium-Schutzgebiet auch hingehört. Der BUND
Hessen hatte dies schon zur Gründung des Nationalparks 2004 gefordert.
Teile seiner Buchenwälder zählen zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Nationalpark

Ǡ Der Hessische Landtag hat die Verwaltung des Nationalparks Kellerwald-

Ǡ Nach dem Erfolg vom letzten Jahr gibt es in diesem Sommer eine neue

Ǡ Dünen und Trockenrasen: Die Sandachse Franken beherbergt von Bamberg über Nürnberg bis Weißenburg viele bedrohte Arten. Mithilfe auch des
BUND konnten seit dem Jahr 2000 über 500 Hektar Sandlebensräume gesichert werden. Eine Koordinationsstelle soll nun die Schutzarbeit bündeln.

W. Dötsch

Auflage des Elbe-Aktions-Camps! Vom 1. bis 7. August können Jugendliche
zwischen 16 und 20 Jahren praktischen Naturschutz mit Abenteuern am
Fluss verbinden. Während des Camps wollen wir z.B. den Auen-Lehrpfad
erweitern und Biberburgen besuchen; zudem gemeinsam kochen, in der
Elbe baden und anderes mehr. Kosten fallen nur für An- und Abreise an.
Interesse an einem der 15 Plätze? Siehe: Ǡ www.bund.net /aktionscamp
(im Rahmen des BfN-geförderten Projekts »Lebendige Auen für die Elbe«)

[2-16] BUNDmagazin

7

MAGAZI N

Saisonstart

Was tun für Schmetterlinge?

H

flickr/Hans Peter Gera

äufig bieten Parks und Gärten
unseren Schmetterlingen keinen geeigneten Lebensraum mehr.
Dabei können sie zu Oasen in einer
zunehmend lebensfeindlichen Umwelt werden. Gestalten auch Sie Ihre
Umgebung falterfreundlich!

Mehr darüber, wie Sie in Ihrem
Garten aktiv werden können, erfahren Sie unter Ǡ www.bund.net/
schmetterling und in unserer Broschüre »Schmetterlinge schützen«.
Das Wissen über diese vielfältige
Tiergruppe helfen Sie zu erweitern,
indem Sie die Schmetterlinge beobachten und zählen und Ihre Daten
notieren: Ǡ www.naturgucker.de/
faltertage.
Damit Sie auch erkennen, was
dort umherflattert, bietet Ihnen der
BUND gratis eine Bestimmungshilfe
für 25 verbreitete Arten – darunter
den prächtigen Trauermantel (Foto).
Sollten noch weitere Falter Ihren
Garten besuchen – immerhin gibt
es bundesweit etwa 3 700 Arten –,
empfiehlt Ihnen der BUND aus dem
Haupt-Verlag »Schmetterlinge entdecken, beobachten, bestimmen«.
Dieses Buch stellt die 150 häufigsten
tagaktiven Falter vor und ist auch als
App erschienen.

Gewinnen Sie eines von zehn Bestimmungsbüchern! Schreiben Sie
uns auf Ǡ www.bund.net/bestimmt
oder per Postkarte an den BUND,
Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin,
Stichwort »Bestimmt«. Unsere Publikationen erhalten Sie über bundladen@bund.net, Tel. (0 30) 2 75 86-4 80.
Ǡ www.bund.net/publikationen

Ökotipp

Keine Kohle für Klimasünder!

J. Farys

O

Protest zum globalen Klima-Aktionstag am 29.11. in Berlin.

8

BUNDmagazin [2-16]

b Unternehmen, Kommunen
oder Privatpersonen: Wer Geld
anlegt, also in Aktien, Anleihen oder
andere Vermögensanlagen investiert,
finanziert oft unwissentlich klimaschädliche Konzerne. Der BUND
empfiehlt Kapitalanlagen genau
unter die Lupe zu nehmen und jene
aufzulösen, die noch auf Kohle, Öl
und Gas setzen.
Ein Trend der Zeit: Immer mehr
Initiativen fordern, nicht länger in
fossile Energien zu investieren und
stattdessen erneuerbare zu fördern.
Diese Bewegung ist unter dem
Schlagwort »Divestment« bekannt
geworden. Vor allem große Anleger –
also Städte, Gemeinden und Institutionen wie Kirchen, Stiftungen oder
Universitäten – sollen dazu bewegt
werden, unökologische Investitionen
zurückzuziehen.
Um die Erderwärmung auf unter
zwei Grad zu begrenzen, müssen

dauerhaft fast 90 Prozent der globalen Kohlereserven unangetastet
bleiben. Und dazu etwa ein Drittel
der Öl- und die Hälfte der Erdgasvorkommen.
Die Divestment-Bewegung hat
die 200 klimaschädlichsten Unternehmen der Welt ermittelt, unter
ihnen RWE und BASF. Allein deren
Vorräte an fossilen Brennstoffen zu
nutzen, hieße fünfmal mehr Kohlendioxid auszustoßen, als weltweit
noch in die Atmosphäre gelangen
darf.
Als erste deutsche Stadt beschloss
Münster Ende 2015, sich von seinen
RWE-Aktien zu trennen. Wer die
Divestment-Bewegung unterstützen
will, stößt online auf viele ähnliche
Initiativen aus anderen Städten und
Gemeinden.
Weitere Ökotipps des BUND finden
Sie hier: Ǡ www.bund.net/oekotipps

Gerettete Landschaft

Otmar Fugmann

Seit 1989 setzt sich der BUND für das
Grüne Band ein. Der Todesstreifen an
der einstigen innerdeutschen Grenze
wurde zu einer Achse des Lebens.
An der thüringisch-bayerischen Grenze
ging jüngst das Naturschutzprojekt
»Grünes Band Rodachtal – Lange Berge
– Steinachtal« an den Start. Sein Ziel:
127 Kilometer der Lebenslinie für die
Zukunft zu sichern.

Umsetzung der Energiewende

KOMMENTAR

Rasch, aber richtig!
Seit Ende April ist der Klimavertrag von Paris nun unterzeichnet. Doch statt dessen Ziele zügig
umzusetzen, legt die Bundesregierung der Energiewende Steine in den Weg. Auch einige Bundesländer erschweren den Klimaschutz – weil sie, auf Kosten von Natur und Anwohnern, den Ausbau
der erneuerbaren Energien nicht richtig planen.

N

ach den Landtagswahlen ist vor den Wahlen. Dies
ist sicherlich eine gute Überschrift für das Jahr
2016 – gerade mit Blick auf den Klimaschutz. Im Herbst
werden der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern und
das Abgeordnetenhaus in Berlin neu gewählt. 2017 folgen die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, Saarland und Schleswig-Holstein und schließlich im Herbst

Gabriel verhindern, dass die erneuerbaren Energien
bis 2025 mehr als 45 Prozent unseres Stromes erzeugen
– vorgeblich, um Zeit für den nötigen Netzumbau zu
gewinnen. In Wahrheit würde er damit den Energiekonzernen die gewünschte Bestandsgarantie für ihre
schädlichen Kohlekraftwerke liefern. Mit bürokratischen Hürden für Kleininvestoren wie Bürgerinnen und
Genossenschaften soll die dezentrale Energiewende in
Bürgerhand zusätzlich ausgebremst werden. Klar ist:
So wird Deutschland seinen internationalen Verpflichtungen für den Klimaschutz nicht gerecht!

J. Farys

Nun kommt es auf Bundestag und Bundesländer an,
diese Beerdigung des deutschen Klimaschutzes zu verhindern. Wir als BUND wenden uns derzeit direkt an
die MinisterpräsidentInnen der Länder, damit gerade
sie sich weiter für eine naturverträgliche Energiewende
in Bürgerhand einsetzen. Kurz vor dem Druck dieses
Beitrags kam die erfreuliche Nachricht, dass die Länder
im Bundesrat eine Initiative des BUND aufgegriffen
und weitgehende Ausnahmen für die Bürgerenergiegenossenschaften gefordert haben. Auch wenn an den
Regelungen im Detail noch zu feilen wäre, konnten wir
als BUND hier schon Verbesserungen erkämpfen.

die Bundestagswahl. Hier stehen alle Parteien vor der
Frage: Wollen sie den Pariser Klimavertrag – unterzeichnet am 22. April von 165 Ländern in New York –
ernsthaft umsetzen? Oder wollen sie es weiter bei
Schönwetterzielen belassen?
Dabei kommt dem Erneuerbare-Energien-Gesetz
als Fundament der Energiewende in Deutschland eine
zentrale Bedeutung zu. Doch statt den Weltklimavertrag von Paris zum Anlass zu nehmen, die notwendige
Energiewende zu beschleunigen, legt die Große Koalition ihr Steine in den Weg. Klimaschutz? Hat für diese
Bundesregierung keinen Vorrang.
So plant das von Vizekanzler Gabriel geführte Wirtschaftsministerium die bisherige Einspeisevergütung
für erneuerbare Energien abzuschaffen. Auch will

10

BUNDmagazin [2-16]

Gleichzeitig wird die Energiewende auch von einzelnen Landschaftsschützern in Misskredit gebracht. So
behaupten inzwischen viele »Anti-Windkraftkämpfer«,
der Ausbau der Windkraft könne die weltweiten CO2Emissionen gar nicht reduzieren. Oder sie bestreiten
den menschengemachten Klimawandel gleich ganz.
Derartige Auslassungen haben mit Fakten nichts mehr
zu tun. Sie sind wohl eher als emotionale Antwort auf
massive Fehlplanungen in den Ländern und Gemeinden zu verstehen.
Tatsächlich erfolgt der Bau neuer Windkraftwerke in
bestimmten Bundesländern ohne landesplanerische
Steuerung, geprägt vorrangig von den wirtschaftlichen
Interessen der Betreiber und Grundeigentümer. Der
BUND fordert schon lange ein Ausbauprogramm, das
hohen Anforderungen an den Naturschutz genügt und
die immer wieder erkennbaren Konflikte mit den
Anwohnern löst.
Im November beschlossen die Bundesdelegierten
des BUND nach intensiver Debatte ein Konzept, das
die Energiewende mit einer Offensive für mehr Land-

Anzeige

schafts- und Naturschutz kombiniert. Kernpunkte der
Initiative sind der Ausstieg aus der Atomenergie und
Braunkohleverstromung – und unsere Forderung an
die Länder, dem Ausbau der Erneuerbaren einen naturschutzfachlich und raumplanerisch klaren Rahmen zu
geben, mit konkreten Energie- und Flächenszenarien.
Gleichzeitig fordert der BUND die staatlichen Mittel
für den Naturschutz im nächsten Jahrzehnt zu verfünffachen: um auch über den Schutz von Mooren, alten
Wäldern etc. zum Klimaschutz beitragen zu können.
Als ein Kernpunkt des BUND-Konzeptes fordern wir
die schon begonnene Erdverkabelung auszuweiten auf
bestehende Freileitungen; und nicht mehr benötigte
Leitungen zu entfernen. Dies soll helfen, die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch erneuerbare
Energien zu kompensieren.
Wir sind uns sicher: Würden Bund und Länder endlich einen gesteuerten Ausbau der erneuerbaren Energien eng in eine solche Naturschutzinitiative einbinden,
ließen sich viele lokale Konflikte vermeiden – und
trotzdem das dringend nötige Tempo beim Klimaschutz
erreichen. Daher, liebe Leser, werden wir als BUND in
den kommenden Monaten weiter eine Doppelrolle
wahrnehmen, und dies als einziger deutscher Umweltverband: Wir kämpfen dafür, die Energiewende engagiert fortzuführen – und pochen dabei auf verbindliche
und für uns nicht verhandelbare Leitplanken des
Naturschutzes!
Olaf Bandt und Hubert Weiger
Olaf Bandt ist Bundesgeschäftsführer »Politik und Kommunikation«, Hubert Weiger Vorsitzender des BUND.

[2-16] BUNDmagazin

11

I like my
Girokonto
Wie muss eine Bank sein, damit man sie liken
kann? Konsequent grün, fair und transparent!
Das ist die erste sozial-ökologische Bank.
www.gls.de

A. Zahn (2)

TITELTH EMA

Mausohren bilden große Kolonien auf Dachböden. Sie sind damit stark auf unser Wohlwollen angewiesen.

Fledermaus flieg!
Fledermäuse beflügeln unsere Phantasie. Als Geschöpfe der Nacht waren sie
früher eher schlecht angesehen. Heute ist das zum Glück anders: Viele Menschen
– auch und gerade im BUND – tun etwas für ihren Schutz. Der Imagewandel hat
dazu beigetragen, dass sich einige heimische Arten deutlich erholen konnten.
Viele andere gelten weiter als gefährdet. Wie und wo leben unsere Fledermäuse?
Und womit können wir ihnen helfen? Lesen Sie unser Titelthema!

12

BUNDmagazin [2-16]

Die Welt der Fledermäuse

Gesellige Nachtschwärmer
Fledermäuse haben sich vor Jahrmillionen auf die nächtliche Insektenjagd spezialisiert. So konnten
sie weltweit die unterschiedlichsten Lebensräume erobern. Auch in Deutschland sind sie verbreitet
und leben häufig in direkter Nachbarschaft mit uns.

E

in dunkles Etwas flattert im Dämmerlicht. Kurz
taucht es in den Schein einer Laterne. Und ist dann
rasch und lautlos wieder unseren Blicken entzogen.
Flüchtige Eindrücke – mehr dürften die meisten Menschen kaum je erfahren von der Welt der Fledermäuse.
Nach der nächtlichen Jagd verschwinden sie in ihren
Verstecken – um gänzlich unsichtbar zu werden.
Sie leben im Verborgenen. Ihre Rufe sind für uns
meist unhörbar. Und im Flug sind sie kaum einer
bestimmten Art zuzuordnen. All dies macht die Fledermäuse zu großen Unbekannten unserer Tierwelt.

In Bäumen und Gebäuden
Dabei leben nicht wenige Fledermäuse ganz in
unserer Nähe. Von den 25 heimischen Arten gilt fast die
Hälfte als Kulturfolger. Unsere Häuser dienen ihnen als
Quartier, dauerhaft oder zu bestimmten Jahreszeiten.
Sie kriechen unter Verschalungen, hinter Fensterläden,
in Mauerfugen. Oder sie ziehen in Dachstühlen ihre
Jungen groß. Zu den häufigen Arten in unserer Nachbarschaft zählen Zwerg- und Breitflügelfledermaus
sowie Große und Kleine Bartfledermaus.

Noch mehr heimische Arten leben im Wald. Abendsegler und Braunes Langohr, Bechstein-, Fransen- oder
Rauhautfledermaus nutzen alte Bäume als Quartier. In
ihren Höhlen und Spalten finden sie Schutz.
Was sind das für Tiere, mit denen wir nicht selten
unter einem Dach leben? In vieler Hinsicht ungewöhnliche Tiere, so viel steht fest.

Tiere der Superlative
Fledermäuse bevölkern schon seit über 50 Millionen
Jahren unsere Erde. Als sehr alte und hoch spezialisierte Tiergruppe halten sie eine ganze Reihe von Rekorden. So sind Fledermäuse die einzigen Säugetiere, die
aktiv fliegen können. Ihre Flughaut spannt sich von
den Hand- zu den Fußgelenken und den Schultern,
zwischen den stark verlängerten Fingern und zwischen
den Beinen.
Zudem wissen sie sich bei völliger Dunkelheit zu
orientieren, durch ein akustisches Radar mit Ultraschalllauten. Nicht nur Hindernisse, sondern auch
kleinste Beutetiere reflektieren die Schallwellen und
werden so im Jagdflug aufgespürt.

Ein Großer Abendsegler in seinem Tagesversteck. Diese Art verunglückt neuerdings relativ häufig an Windrädern.

[2-16] BUNDmagazin

13

TITELTH EMA

Fledermäuse sind meist klein und leicht. Die thailändische Schweinenasen-Fledermaus gilt mit ihren
zwei Gramm gar als leichtestes Säugetier der Welt.
Noch immer kaum schwerer als ein Stück Würfelzucker
ist die heimische Zwergfledermaus. Ihr Mindestgewicht:
3,5 Gramm. Trotzdem sind Fledermäuse relativ langlebig, manche Arten werden über 30 Jahre alt.
Dank ihrer vielfältigen Spezialisierung sind Fledermäuse fast weltweit verbreitet. Mit Ausnahme der
Antarktis konnten sie alle Kontinente erobern. Auf
zahllosen Inseln – zum Beispiel Neuseeland – stellten
sie ursprünglich die einzigen Säugetiere.
Fledermäuse bilden auch die weitaus größten Ansammlungen von Säugetieren. So schätzt man die Zahl
der Tiere, die allabendlich aus einer einzigen Höhle in
Texas schwärmen, auf 20 Millionen.

Sozial und nachtaktiv
Alle bei uns vorkommenden Fledermäuse sind
nachtaktiv und ernähren sich von Insekten und Spinnen. Als hochsoziale Tiere leben die meisten Arten in
Gruppen zusammen. Zur Fortpflanzung in ihren
Wochenstuben wie auch im Winterquartier halten die
Tiere oft engen Körperkontakt. Dabei können mehrere
Arten gemeinsam auftreten.
Ihre hohe Lebenserwartung ist schon deshalb nötig,
weil Fledermäuse jedes Jahr nur ein bis (seltener) zwei
Junge gebären. Die niedrige Fortpflanzungsrate führt
dazu, dass Fledermäuse rasch seltener werden, wenn
negative Umwelteinflüsse – wie Pestizide oder falsch
geplante Windräder – ihre Sterblichkeit erhöhen.

Wo zu sehen?
Fledermäuse sind ganz überwiegend in den Tropen
verbreitet. Die meisten der weltweit knapp tausend
Arten kommen rund um den Äquator vor. Nach Norden
zu wird ihre Artenzahl immer geringer. Auch in Deutschland ist der Süden etwas artenreicher als der Norden.
Arten wie die Wimper- und Alpenfledermaus sind in
der Regel nur südlich der Mainlinie zu finden.
Abgesehen davon: Wo lassen sich bei uns besonders
gut Fledermäuse beobachten? Vor allem dort, wo sie
viel Nahrung finden. Insektenreiche Orte sind Gewässer in Waldnähe, vielgestaltige Waldränder und
Hecken, auch Parks und Viehweiden.
Im Lichtkegel der Straßenlaternen machen Fledermäuse ebenfalls leichte Beute. Wer allerdings mehr
erkennen will als einen flüchtigen Schatten, muss sich
ExpertInnen anschließen. Der BUND bietet vielerorts
Fledermausführungen an (siehe Seite 18/19). Erfahren
Sie hier mehr über die Arten in Ihrer Nachbarschaft –
wie sie leben, was sie gefährdet und was wir für ihren
Schutz tun können.
Severin Zillich

Thomas Stephan

Ein Großes Mausohr wird begutachtet: Ist der
Flügel noch heil?
Zum Schutz vor
Tollwut sollten
Fledermäuse
möglichst nur
mit Handschuhen
berührt werden!

Wird im Spätsommer die Nahrung knapp, suchen
sich unsere Fledermäuse ein passendes Winterquartier.
Arten wie der Abendsegler können sich dafür weit über
tausend Kilometer von ihrem Sommerlebensraum entfernen. In Höhlen, Stollen oder Gewölben, mitunter
auch in Holzstapeln oder hinter Wandverkleidungen
suchen sie Schutz vor Feinden, um bei stark reduzierter
Körpertemperatur in Winterschlaf zu fallen.

14

BUNDmagazin [2-16]

T. Stephan

A. Zahn (2)

Zu den Raritäten unserer Tierwelt zählen (von links):
Kleine Hufeisennase, Mops- und Nymphenfledermaus.

Fledermäuse in Gefahr

Schutzbedürftig
Den Fledermäusen ging es in Deutschland schon einmal schlechter. Und doch bleiben sie anfällig,
viele Arten sind weiterhin bedroht. Was vor allem bringt sie in Bedrängnis?

N

ur fünf der 26 heimischen Fledermausarten gelten vorläufig als ungefährdet. Über fünf weitere
Arten wissen wir noch zu wenig, um einschätzen zu
können, ob und wie stark sie bedroht sind. Die restlichen 16 Arten verteilen sich auf alle Gefährdungsklassen: von der Vorwarnliste (wie Großes Mausohr,
Abendsegler) bis zu »Vom Aussterben bedroht« (Nymphenfledermaus, beide Hufeisennasen). Als verschollen
gilt bei uns die Langflügelfledermaus.
Wie viele Fledermäuse einst in Sommernächten
durch die Lüfte jagten, ist heute kaum mehr vorstellbar.
Verlässliche Angaben zu ihrer Häufigkeit in vorindustrieller Zeit gibt es nicht. Wer sich aber erinnert, wie viel
mehr Insekten früher an Kühlergrills und Windschutzscheiben klebten, mag eine Ahnung davon bekommen,
wie ungleich reicher einmal unsere gesamte Tierwelt
gewesen sein muss.

Historisches Tief
Schon der Raubbau an den Wäldern muss den Fledermäusen einst stark zugesetzt haben. So war um das
Jahr 1800 nur noch ein Viertel Deutschlands von Wald
bedeckt – heute ist es wieder ein Drittel. Die halboffene,
mosaikartig und extensiv genutzte Kulturlandschaft
aber bot den Insektenjägern mit Sicherheit noch reichlich Nahrung.
Einen historischen Tiefpunkt erreichte die Zahl der
Fledermäuse wohl erst in den 1960er und 70er Jahren.
Giftige Holzschutzmittel sorgten damals bei allen
gebäudebewohnenden Arten für immense Verluste.

Zudem wurden Insektengifte wie das heute verbotene
DDT in großem Stil über die Felder verteilt. Auch hatten die Fledermäuse keinen guten Ruf; viele ihrer
Quartiere wurden daher illegal »wegsaniert«.
Erst in den 80er und 90er Jahren scheinen sich die
meisten Arten etwas zu erholen. Weil nun gezielt etwas
für ihren Schutz getan wird und bestimmte Pestizide
verboten sind. Und weil sich die Öffentlichkeit bewusster wird, wie schlecht es um die Zukunft der Fledertiere
steht. Seitdem ist die Mehrzahl der Arten offenbar stabil geblieben (siehe das folgende Interview), wenngleich
auf niedrigem Niveau.

Weiterhin gefährdet
Für eine Entwarnung ist es jedenfalls zu früh.
Unverändert sind Fledermäuse vielen Gefahren ausgesetzt. Was macht ihnen heute das Leben schwer?
➾Verlust natürlicher Lebensräume
Je einförmiger und intensiver wir Wald und Flur nutzen, desto seltener finden Fledermäuse dort Nahrung.
Noch immer werden Wiesen in Äcker umgebrochen,
breiten sich Mais und Raps aus, verarmt die Restnatur
außerhalb der Schutzgebiete im Sprühnebel von Pestiziden und Gülle. Noch immer werden Hecken und
Streuobstwiesen gerodet und zu wenige alte Bäume im
Wald geduldet. Noch immer verschwinden 70 Hektar
pro Tag (!) unter Beton und Asphalt. Auf großer Fläche
ist die biologische Vielfalt auf dem Rückzug, und mit ihr
insektenreiche Jagdgründe für unsere Fledermäuse.

[2-16] BUNDmagazin

15

TITELTH EMA

➾ Insektengifte
Im Zuge der Industrialisierung
der Landwirtschaft werden immer
mehr Insektizide und Pflanzengifte
versprüht – übrigens auch in den
Gärten. Die Nahrung der Fledermäuse wird damit vielerorts knapp.
Zudem kann sich die Agrochemie in den langlebigen
Tieren anreichern, ihr Kommunikations- und Lernvermögen stören, ihr Immunsystem schwächen und zu
weniger Nachwuchs führen. Indirekt ermöglichen Pestizide erst Agrarwüsten wie den intensiven Maisanbau
– ein für Fledermäuse völlig wertloser Lebensraum.
➾Windkraft
Mit dem Ausbau der Windkraft steigt die Gefahr,
dass Fledermäuse an Rotorblättern verunglücken. Am
häufigsten scheinen Abendsegler, Rauhaut-, Zweifarbund Zwergfledermaus betroffen, und regelmäßig auch
seltenere Arten wie Kleinabendsegler oder Nordfledermaus. Am konfliktträchtigsten sind Gebiete in Küstennähe, Wälder, Gewässer und Höhenzüge. In der Agrarsteppe gibt es ebenfalls ein Kollisionsrisiko – entlang
von Zugrouten oder in Quartiernähe.
Die höchsten Verluste werden in milden und trockenen Spätsommernächten registriert, nach Auflösung
der Wochenstuben und zur Zugzeit mancher Arten. Die
Verluste sind oft schwer zu quantifizieren. An einzelnen
Windrädern ohne Abschaltmechanismus (siehe Interview) wurde eine Vielzahl von Schlagopfern belegt.
➾ Quartierverlust
Die Forstwirtschaft gesteht unseren Bäumen nur ganz ausnahmsweise ein Alter zu, in dem sie Höhlen und damit Quartiere für Fledermäuse ausbilden. Und viele dieser
Quartierbäume fallen jedes Jahr der
Säge zum Opfer: aus Unkenntnis,

Gedankenlosigkeit und Profitstreben – oder zur »Verkehrssicherung« am Straßenrand.
Auch jede Altbausanierung kann zum Verlust von
Tagesverstecken, Wochenstuben- und Winterquartieren führen, desgleichen der Verschluss von Höhlen und
Stollen, die Sprengung alter Bunker oder die Wiederinbetriebnahme alter Eisenbahntunnel. Aller gesetzliche
Schutz bleibt unwirksam, wenn die dort lebenden
Tiere nicht rechtzeitig entdeckt werden. Fledermauskästen an Bäumen oder Gebäuden sind kein echter Ersatz.
➾ Straßenverkehr
Die meisten Insekten fliegen
niedrig. Entsprechend jagen viele
Fledermausarten in Bodennähe. Wo
Straßen durch nahrungsreiche
Feuchtgebiete und Wälder führen
oder ihre traditionellen Flugschneisen kreuzen, kann ihnen das zum Verhängnis werden.
Autos mit hohem Tempo werden von Fledermäusen
meist nicht rechtzeitig wahrgenommen. So verunglücken jedes Jahr viele Tausend Tiere an Landstraßen.
➾ Störungen
Auch wenn die meisten Störungen (etwa durch das boomende
Geocaching) heute unabsichtlich
erfolgen, bleiben sie ein Risiko. Vor
allem während des Winterschlafs
reagieren Fledermäuse darauf sehr
empfindlich. Um Herztätigkeit, Stoffwechsel und
Atmung wieder in Schwung zu bringen, benötigen die
Tiere viel Energie – so viel wie für 20 Tage Tiefschlaf.
Wiederholte Störungen können die Reserven der Tiere
vorzeitig erschöpfen, die Tiere verhungern dann.
Auch für ihre Wochenstuben sind Fledermäuse auf
störungsfreie Quartiere angewiesen. Weibchen und ihre
Jungtiere sollten ganz in Ruhe gelassen werden.
sz

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Bechsteinfledermaus retten …

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16

BUNDmagazin [2-16]

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Interview

Es kann rasch wieder kritisch werden …
Andreas Zahn koordiniert den Schutz der Fledermäuse in Südbayern. Er zählt und erforscht sie,
bildet ehrenamtliche Artenschützer aus, berät Bürger und Behörden und entwickelt Programme
für besonders gefährdete Arten. Zudem ist er in der BUND-Kreisgruppe Mühldorf am Inn aktiv.

Agrarlandschaft und Wälder werden immer stärker genutzt, mehr und mehr Gebäude saniert und Windräder
errichtet: Was heißt das für unsere Fledermäuse?
Derzeit sehe ich für die heimischen Fledermäuse gar
nicht so schwarz – zumindest legen unsere Zahlen das
nicht nahe. Die meisten Arten, deren Entwicklung wir
in Bayern überprüfen können, halten seit etwa 25 Jahren ihr Niveau oder haben zugenommen. Und die zwei
Hufeisennasen-Arten, deren Zahl besonders dramatisch
gesunken war, vermehren sich sogar deutlich.
Woran liegt das?
Positiv wirkt sich heute die deutlich niedrigere Giftbelastung aus. In den 60er/70er Jahren hatten Agrarund Holzschutzpestizide viele Arten stark dezimiert.
Was seither zum Schutz der Fledermäuse getan wurde,
scheint tatsächlich zu fruchten. So hat sich dank intensiver Öffentlichkeitsarbeit das Bild der Fledermäuse
geändert. Arten an Gebäuden werden nicht mehr automatisch vertrieben, Hausbesitzer freuen sich über die
harmlosen Untermieter und holen sich Rat, was sie zu
beachten haben. Beim Umbau öffentlicher Gebäude
und Kirchen werden meist Experten hinzugezogen.
Unter den heimischen Arten haben wir ja ein paar ausgesprochene Kulturfolger, die wirklich auf unser Wohlwollen und dauernde Betreuung angewiesen sind.
Gezielter Schutz ist also weiterhin nötig?
Auf jeden Fall, zumal bestimmte Faktoren für manche Arten rasch wieder kritisch werden können. Etwa,

wie Sie richtig gesagt haben, die intensivere Nutzung
der Wälder, seitdem Brennholz wieder etwas wert ist.
Oder die Tatsache, dass unsere Agrarlandschaft immer
insektenärmer wird und Arten wie die Zwergfledermaus
seltener werden, offenbar weil es ihr an Nahrung fehlt.
Nicht zu vergessen der Ausbau der Windkraft.
Was können wir tun, damit alle heimischen Fledermausarten eine Zukunft bei uns haben?
Zum einen brauchen wir in unseren Wäldern mehr
Inseln mit ungenutztem Altholz, damit Fledermäuse
genug natürliche Quartiere finden und nicht am Tropf
der Nistkästen hängen. Nur mit dem Schutz einzelner
Höhlenbäume ist es nicht getan.
Dann benötigen wir wieder mehr extensiv genutzte
Wiesen und Weiden, auch im Ökolandbau. Und größere
Flächen für die Natur, wo sich zum Beispiel der Biber
austoben darf – da entstehen ganz tolle Lebensräume.
Aufmerksam müssen wir bei der Gebäudedämmung
bleiben, ihr fallen weiter Quartiere zum Opfer. Handwerker und Architekten müssen gut geschult werden,
um die rechtlichen Vorgaben umsetzen zu können.
Um die Verluste von Fledermäusen an Windrädern
erträglich zu halten, brauchen wir ein bundesweites
Konzept. Bedroht scheinen vor allem Arten, die sich
nicht gut zählen lassen, da wissen wir noch zu wenig.
Letztlich müssen wir akzeptieren und durchsetzen,
dass Windräder häufiger abgeschaltet werden, wenn
viele Fledermäuse unterwegs sind. Die Betreiber wehren sich da oft noch vehement, was auf berechtigte Kritik aus Naturschutzkreisen stößt. Der Energiewende
leisten sie damit einen Bärendienst.
Können wir selbst auch den Fledermäusen helfen?
Sicherlich. Als Hausbesitzer können wir Quartiere
von Fledermäusen erhalten oder neu schaffen. Unsere
Gärten sollten wir möglichst naturnah und giftfrei
gestalten. Mehr noch können wir beim Einkauf tun:
Lebensmittel aus ökologischem Landbau kaufen und –
im Kontakt mit Direktvermarktern – durchaus einmal
nachfragen, was die für den Naturschutz tun. Neue
Hecken, Obstwiesen, Weiher oder Brachen entstehen ja
nicht allein dadurch, dass man auf Gift verzichtet.
Und natürlich kann sich jeder ehrenamtlich an dem
Schutz der Fledermäuse beteiligen. Und uns im BUND
darin unterstützen, politischen Druck auszuüben, etwa
für mehr Vielfalt und alte Bäume im Wald …
Interview: Severin Zillich

[2-16] BUNDmagazin

17

Andreas Zahn in
Aktion: bei einer
Führung (li.) und
auf der »Jagd« (o.).

1

Dortmund

Münster

Hannover
Beinahe täglich bekommt das Fledermauszentrum Hannover neue
Patienten. Über einen Notruf sind Renate Keil und andere ExpertInnen Tag und Nacht erreichbar. Sie bergen Tiere, die sich in Wohnräume verirrt haben, verlassene Jungtiere und verletzte Fledermäuse. Im Zentrum werden sie medizinisch überprüft, bei Bedarf
gesund gepflegt und wieder ausgewildert. Über 250 Tiere gelangten so 2015 zurück in die Freiheit.
Und das BUND-Zentrum leistet
noch mehr. Es beantwortet Anfragen aller Art, informiert über
heimische Arten und bietet eine
persönliche Bürgerberatung. Die
Umweltbildung ist ein Schwerpunkt: Regelmäßig wird zu Vorträgen, Seminaren und Führungen eingeladen. Interessierte
Schulklassen erhalten einen Themenkoffer, ein Kinderaktionsteam entwickelt Angebote für die
Jüngsten. Im Spätsommer findet
ein großes Fledermausfest statt.
Nicht zu vergessen die Geländearbeit – der Schutz von Höhlenbäumen, die Suche nach Opfern
von Windrädern etc. – und eine
vielseitige politische Lobbyarbeit
in der Region. Ein eigener Onlineshop bietet diverse Artikel an.
Hinter all dem steht die AG FleOsnabrück
dermäuse mit rund 60
Aktiven.
Ǡ www.bund-fledermauszentrum-hannover.de

Sie leben im Verborgenen und sind für Laien nicht leicht zu
bestimmen. Doch um den Schutz der Fledermäuse bemühen
sich etliche BUND-Gruppen: engagiert und sehr vielseitig.
Diese Karte zeigt eine Auswahl ihrer Aktivitäten.

R. Keil (2)

Hannover

8

Bremen

1

Hamburg

Kiel

5

2
Weitere Schutzprojekte
5 Neubrandenburg: Erfassung und Betreuung von Quartieren,

Berlin

Frankfurt (Oder)
Vor gut 30 Jahren entdeckten Frankfurter Naturschützer eines der
größten deutschen Winterquartiere. In der Ruine einer Brauerei
fanden sie Hunderte Fledermäuse: Großes Mausohr (Foto), Wasserund Fransenfledermaus sowie weitere geschützte Arten. Die unterirdischen Gewölbe mit ihren unzähligen Rissen und Spalten hatten
die Tiere angelockt. Mithilfe der Behörden gelang es, den drohenden
Abriss zu verhindern. Doch diente
die Ruine als Abenteuerspielplatz
und Lager für Zigarettenschmuggler,
wildernde Katzen lauerten den Fledermäusen auf. Norbert Bartel und
seine Mitstreiter vom örtlichen
BUND sorgten für die Sicherung der
Ruine. Fenster wurden vergittert und
Zäune gesetzt, die Katzen wanderten
ins Tierheim. Damit zog Ruhe ein.
Rostock
Gut für die 1 500 bis 2 400 Fledermäuse von 13 Arten, die hier im Winter
bislang erfasst wurden.
Die BUND-Aktiven helfen bei der
weiter nötigen Sicherung der Ruine,
sie kontrollieren das Quartier laufend
und zählen die Überwinterer. Das
Brauereigelände steht heute unter
nationalem und europäischem
Naturschutz. Ǡ www.bund.net/
Ostquellbrauerei

Magdeburg

7

2

Der Einsatz der Gruppen zeigt übrigens Wirkung.
Vom Schutz ihrer Quartiere oder beispielsweise
der Rettung geschwächter Tiere profitieren die
gefährdeten Säuger ganz unmittelbar.

Wo der BUND Fledermäuse schützt

Bernd Heuer

Karte: ubahnverleih/fotolia · Infografik: Marc Venner

Saarbrücken

3

Freiburg

12

Stuttgart

11

4

Nürnberg

München

Augsburg

4

Erfurt

6

9

Umweltbildung, Exkursionen. Ǡ www.bund-neubrandenburg.de
Leipzig
6 Hohe Schrecke: Schutz alter Laubwälder mit vielen Höhlenbäumen,
Erfassung der Fledermäuse. Ǡ www.bund.net/hohe_schrecke
Axel Kramer: Führungen, Bau von Nistkästen, Beratung
7 Ostholstein, Dresden
von Hausbesitzern etc. Ǡ www.bund-ostholstein.de
8 Bremen: Quartierberatungen, Umweltbildung, Exkursionen.
Ǡ www.bund-bremen.net/fledermaeuse
9 Waldkraiburg, Mühldorf, Wasserburg: Erfassung von Abendseglern
mit Monitoringprogramm. Ǡ www.muehldorf.bund-naturschutz.de
10 Rhein-Sieg-Kreis: Anlage von Quartieren, Exkursionen, Betreuung
der größten Mausohr-Wochenstube in NRW etc. Ǡ www.bund-rsk.de
11 Bad Kissingen: Umweltbildung, Pflege verletzter Tiere, Quartierschutz, Erfassung. Ǡ www.bad-kissingen.bund-naturschutz.de
12 Gottmadingen: Naturschutzzentrum, Spezialversand, Ausstellungsverleih, bundesweiter Terminkalender. Ǡ www.all-about-bats.net

Forchheim
Seit 2009 beteiligt sich die BUND-Kreisgruppe
Forchheim (Oberfranken) an einem großen
Gemeinschaftsprojekt zur Erforschung der Fledermausfauna im Landkreis. Hierbei kommen
»Batcorder« zum Einsatz, deren Prototyp der BUND-Aktive Friedrich Oehme (Foto) mit entwickelt hat. Der frühere Professor für Elektronik leitet das Projekt mit zehn Partnerorganisationen,
darunter Staatsforst, Jägerschaft und Bauernverband. In keinem deutschen Landkreis weiß man
nun wohl genauer Bescheid, wo sich welche Fledermausarten wann aufhalten. 18 Arten konnte
die Kreisgruppe bisher akustisch nachweisen, darunter Raritäten wie Nymphen- und Wimperfledermaus oder Kleine Hufeisennase. Ständig liefert das Projekt neue Erkenntnisse – etwa zur
Unterscheidung nah verwandter Arten und zu den Lebensgewohnheiten der Tiere. Oder zu bislang unbekannten Sommer- und Winterquartieren, die dann gezielt geschützt werden können.
Der lokale Arbeitskreis des BUND ist darüber hinaus vielfältig aktiv.
Ǡ www.forchheim.bund-naturschutz.de/ak-fledermaus/fmm

Würzburg

Frankfurt/Main

Karlsruhe

Mainz

Heidelberg
1994 startete der BUND Heidelberg sein Projekt »Fledermäuse
suchen Freunde«. Es sollte dazu
dienen, die in Heidelberg noch
vorkommenden Fledermäuse
samt ihrer Lebensräume besser
zu schützen.
Seitdem hat sich viel getan. So ist das Umweltzentrum der Kreisgruppe unter Geschäftsführerin Brigitte Heinz (Foto) zur wichtigsten regionalen Anlaufstelle geworden – für alle Fragen rund um die
Fledermäuse. Der BUND berät Haus- und Gartenbesitzer, bietet
kostenlose Hilfe vor Ort an und wirbt für den Schutz der Tiere.
Außerdem kontrolliert und reinigt er Sommer- und Winterquartiere und betreut 250 Fledermauskästen im Stadtwald. Verletzte und
geschwächte Tiere werden wieder aufgepäppelt. Auch sammelt
der BUND alle Fledermausmeldungen und analysiert den Bestand.
Das Quartierangebot wird stetig erhöht, und die Lebensräume der
Fledermäuse werden aufgewertet – im Dialog mit der Stadt, die
den BUND dabei finanziell unterstützt. Die vielen Menschen, die
sich von der Begeisterung für die Fledermäuse anstecken lassen,
zeigen der Kreisgruppe, dass sie mit ihrer Arbeit auf dem richtigen
Weg ist. Ǡ www.bund-heidelberg.de/fledermaeuse

3

Bonn

Koblenz

10

Trier

Aachen

Köln

Düsseldorf

Halle

Johannes Mohr

TITELTH EMA

Biotopverbund

Wahlheimat Westwall
Seit den 70er Jahren bemüht sich der BUND darum, den »Grünen Wall im Westen«
zu erhalten – als Refugium für selten gewordene Tiere und Pflanzen. Besonders
Fledermäuse wissen die Vielzahl alter Bunker zu schätzen.

Z

wei ehrenamtliche Naturschützer steigen in einen
versteckt liegenden Stollen am ehemaligen Westwall. Das Licht ihrer Taschenlampen flackert an den
Wänden entlang, von oben tropft es. Plötzlich fliegen
den beiden gleich mehrere Fledermäuse dicht um die
Ohren. Da hilft nur eins: ducken. Doch nun sind sie
sicher – sie sind auf ein Quartier gestoßen!
In den letzten Jahrzehnten ist entlang des einstigen
Westwalls ein wichtiger Biotopverbund entstanden.
Speziell Fledermäusen bietet die ehemalige Angriffsund Verteidigungslinie der Nazis einen attraktiven
Lebensraum. Auf mehr als 600 Kilometern Länge reihen sich etwa 15 000 alte Stollen und Bunkerruinen.
Häufig finden Fledermäuse in ihrem Inneren ideale
Bedingungen vor: zwei bis neun Grad Celsius und eine
Luftfeuchtigkeit von 70 bis 98 Prozent. Mindestens
zehn Fledermausarten konnten bisher nachgewiesen
werden. Zum Schutz von Großem Maus- und Braunem
Langohr, Fransen- und Zwergfledermaus ist besondere
Rücksicht geboten.

20

BUNDmagazin [2-16]

Denkmal- und Naturschutz
Die größte Gefahr droht den Zufluchtsorten durch
die »Verkehrssicherung«. Einen Abriss versucht der
BUND möglichst immer zu verhindern. Etwa durch
Gitter und Zäune, die uns Menschen vor Unfällen
schützen, tierische Bewohner aber nicht ausschließen.
Das Ausmauern zerstörter Außenwände kann ebenfalls
hilfreich sein – und frostfreie Innenräume schaffen, für
überwinternde Fledermäuse und andere Tierarten.
An der Decke befestigte Lochsteine sorgen für zusätzlichen Unterschlupf. Zumal sich die Tiere bei Kontrollen hier viel einfacher entdecken lassen als in den
tiefen Mauerrissen, die bei der Sprengung der Bunker
entstanden sind.
Der BUND hat in Rheinland-Pfalz verschiedenste
Maßnahmen zur Sicherung der Ruinen erprobt. Hier
wie in Baden-Württemberg steht der Grüne Wall flächendeckend unter Denkmalschutz. Anders im Saarland: Dort kämpft der BUND weiter dafür, alle Ruinen
als Denkmale auszuzeichnen. Auch in Nordrhein-

Markus Thies

Viele Bunkerruinen hat der BUND bereits für Fledermäuse gesichert. Lochsteine bieten zusätzliche Nischen.

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Westfalen gilt das noch nicht lückenlos. Langfristig
strebt der BUND einen Naturschutz-Status für den Wall
an: zum Beispiel als »Nationales Naturmonument«.

Viele Mitbewohner
Die Relikte des Westwalls bieten übrigens nicht nur
Flugsäugern ein Obdach. Regelmäßig besuchen auch
Füchse, Dachse, Wildkatzen, Marder und Mäuse die
Ruinen. In ihrem Schutz ziehen viele Arten ihre Jungen
groß. Rund ums Jahr ist also mit tierischen Bewohnern
zu rechnen.
Das Projektbüro des BUND in Trier sammelt alle
Beobachtungen seltener und geschützter Arten, egal
ob Fledermaus, Wildkatze oder Orchidee: Lassen Sie
uns wissen, wenn Sie etwas Besonderes gesehen haben!
Speziell während der Fledermaus-Schutzzeit von Oktober bis März ist das Betreten der Ruinen nicht erlaubt.
Auch außerhalb dieser Zeit sollte es unterbleiben, um
die dort lebenden Tiere nicht zu stören.
Eva-Maria Altena

… leitet das Projektbüro in Trier:
Tel. (0651) 4 84 55, eva-maria.altena
@bund-rlp.de, Ǡ gwiw.bund-rlp.de

[2-16] BUNDmagazin

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Pflanzengift Glyphosat

AKTION

Wachsende Bedenken
Die Bedenken waren größer als vermutet. Überraschend musste die EU die Wiederzulassung
von Glyphosat vertagen. Für unsere Umwelt und die Artenvielfalt steht viel auf dem Spiel.

D

ie Zulassung für Glyphosat verlängern, ohne Auflagen und für die nächsten 15 Jahre – so hatte sich
die EU-Kommission das gedacht. Tatsächlich sah es so
aus, als ginge die Abstimmung Anfang März glatt über
die Bühne. Denn von den Mitgliedstaaten hatte allein
Schweden im Vorfeld Bedenken angemeldet – weil es
Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend einstuft,
wie die Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation.
Alle anderen Länder schienen mit der von deutschen
Behörden vorgegebenen Richtung einverstanden.

Auch in Deutschland rumort es: Umweltministerin
Barbara Hendricks dringt darauf, die Bedenken hinsichtlich der biologischen Vielfalt in der Genehmigung
zu formulieren. Damit will sie ermöglichen, dass Mitgliedstaaten den Glyphosateinsatz nach der Zulassung
beschränken können. Agrarminister Christian Schmidt
hingegen sieht – in großer Einigkeit mit den Glyphosatherstellern – keinerlei Probleme und verwahrt sich
gegen Restriktionen.
Dass Ministerin Hendricks bei Glyphosat klare
Kante zeigt, hat gute Gründe: Kein Mittel wird so viel
gespritzt. In Deutschland landen 5 000 bis 6 000 Tonnen
pro Jahr auf rund 40 Prozent der Ackerfläche – etwa
drei Millionen Hektar. Der Grund: Glyphosat ist billig
und einfach anzuwenden. Und es wirkt so breit wie
kein anderer Unkrautkiller. Als »Totalherbizid« tötet es
alle Pflanzen – und zählt so zu den Hauptverantwortlichen dafür, dass immer mehr Arten aus unserer Agrarlandschaft verschwinden. Wo es gespritzt wird, wächst
kein Kraut mehr. Und wo kein Kraut mehr wächst, finden Insekten wie die Wildbienen oder Vögel wie die
Feldlerche keine Nahrung mehr. Sie sterben aus.

14. April: Der BUND protestiert gegen die Wiederzulassung
von Glyphosat bei der Konferenz der Agrarminister von Bund
und Ländern in Mecklenburg-Vorpommern.

Deutschland fungiert als Berichterstatter für die gesamte EU – und hatte dem meistgenutzten Pestizid der
Welt wiederholt einen Freispruch erster Klasse erteilt.
Fachlich fundierte Hinweise auf mutagene, krebserzeugende, reproduktions- oder fruchtschädigende
Eigenschaften gäbe es nicht. Und auch keine Hinweise
auf eine hormonelle Wirksamkeit. Die Risiken für die
Umwelt seien ebenfalls vertretbar.

Dass Minister Schmidt auf stur schaltet, kommt
ebenfalls nicht von ungefähr. Geht es doch um Grundsätzliches: Welche Landwirtschaft mit welchen Kollateralschäden akzeptiert unsere Gesellschaft? Während
die Auswüchse der industriellen Tierhaltung schon
länger auf Kritik stoßen, rückt nun zunehmend der industrielle Ackerbau in den Blick.
Die Kernfrage lautet: Wollen wir weiter einen Ackerbau mit immer mehr Pestiziden – und dafür ein großflächiges Artensterben billigend in Kauf nehmen? Und
wollen wir ein Agrarsystem gutheißen, das den Pestizidherstellern glänzende Gewinne einträgt, der Allgemeinheit aber hohe Umweltkosten aufbürdet?
Für den BUND lautet die Antwort: nein. Zumal es
Alternativen gibt. Nicht Spritzen mit Glyphosat oder
anderen Pestiziden – sondern Pflügen und Grubbern.
Das sei weitgehend kostenneutral, sagt eine Studie des
Julius-Kühn-Instituts. Ihr Auftraggeber: Agrarminister
Christian Schmidt.
Heike Moldenhauer
Jörg Farys

J. Farys

Pflügen statt spritzen

Überraschend vertagt
Umso überraschender war, dass etliche Mitgliedstaaten der Kommissionsvorlage nicht folgen wollten.
Die Abstimmung wurde auf die vorletzte Maiwoche
vertagt – um Änderungsvorschläge aus den Mitgliedstaaten berücksichtigen zu können.

24

BUNDmagazin [2-16]

… ist die Expertin des BUND für
Glyphosat und Gentechnik.

Protestieren Sie jetzt!
Schon in wenigen Tagen entscheidet sich die Zukunft des meistgenutzten Pflanzengifts der Welt.

Unsere Kampagne gegen das Pflanzengift Glyphosat läuft auf Hochtouren. In den kommenden
Tagen bereits will die EU-Kommission über seine
Wiederzulassung entscheiden.
Deutschland hat als Berichterstatter erheblichen
Einfluss auf die Zulassung. Bundesagrarminister
Christian Schmidt muss die deutschen VerbraucherInnen ernst nehmen und in Brüssel mit
»Nein« stimmen! Da dort womöglich am 18. Mai
entschieden wird: Werden Sie sofort aktiv!
Machen Sie deutlich, dass Sie die Allgegenwart
von Glyphosat nicht länger tolerieren – weder in
Ihren Lebensmitteln und Ihrem Körper, noch auf
dem Acker.
Unterstützen Sie unsere Protestaktion unter

Ǡ www.bund.net/gegen-glyphosat
Oder richten Sie sich direkt an Christian Schmidt,
per Brief oder Telefon – z.B. mit diesen Zeilen:
Sehr geehrter Herr Minister Schmidt,
bitte übernehmen Sie die Verantwortung für
eine Landwirtschaft ohne Gefahren für Mensch
und Natur. Sorgen Sie dafür, dass Deutschland

gegen eine Wiederzulassung des Pflanzengiftes
Glyphosat stimmt. Ich möchte kein Glyphosat
auf dem Acker, im Getreide, in Mehl, Brot und
Bier und im eigenen Körper.
Mit freundlichen Grüßen (…)
Adressat: Christian Schmidt, Bundesministerium
für Ernährung und Landwirtschaft, 11055 Berlin.
Tel. (0 30) 1 85 29-0, Fax: (0 30) 1 85 29-42 62

Das Wichtigste in Kürze
• Das Pflanzengift Glyphosat kommt auf ungefähr
40 Prozent der deutschen Ackerfläche zum Einsatz.
• Glyphosat zerstört die biologische Vielfalt und führt
laut WHO wahrscheinlich zu Krebs beim Menschen.
• Die EU-Pestizidgesetze und das Zulassungsverfahren
von Glyphosat sind auf die Interessen der Chemieindustrie zugeschnitten.
• Marktführer: Monsanto mit dem Produkt »Roundup«
• Agrarminister Schmidt und seine Behörden lassen
die kritische Distanz zu den Herstellern vermissen.
• 70 Prozent der Deutschen sprechen sich laut einer
YouGov-Umfrage dafür aus, Glyphosat zu verbieten.

[2-16] BUNDmagazin

25

AKTION

H. Sticht

Glanrinder in
einem EichenHutewald auf
der Bergischen
Heideterrasse.

GEO-Tag der Artenvielfalt

Inventur in der Heide
er BUND ist erneut exklusiver Partner beim
GEO-Tag der Artenvielfalt, zum dritten Mal
in Folge. Das Motto diesmal: Biotopverbund – wie
steht es um das Wegenetz der Tiere und Pflanzen?
Wie gut sind Deutschlands Lebensräume vernetzt?

D

räume zwischen Ruhr und Sieg: ein kleinräumiges
Mosaik von Trocken-, Sand- und Feuchtheiden,
von Heidemooren, Moorwald, Eichen-Birkenwald
und nährstoffarmen Weihern. Mehr als 25 Naturschutzgebiete schützen seltene Pflanzen- und
Tierarten wie Gagelstrauch und Glockenheide,
Sonnentau und Heidenelke, Große Moosjungfer
und Zauneidechse.
Speziell für Kinder gibt es spannende Angebote
zum Thema Biotopverbund – im Infozentrum
Altenrath, im Turmhof, in der Dellbrücker Heide
und im Bilderbuchmuseum Troisdorf.

D. Damschen

Überall in Deutschland werden rund um den
GEO-Tag Veranstaltungen stattfinden. Machen
Sie mit! Laien oder Experten, Kinder oder Erwachsene – sie alle sind eingeladen sich zu beteiligen:
ob am 19. Juni an der Hauptveranstaltung oder
an einer der vielen Aktionen andernorts.
Am 18. und 19. Juni sind Expertinnen und Naturliebhaber wieder aufgerufen, die Natur unter die
Lupe zu nehmen – und in bestimmten Gebieten
binnen 24 Stunden möglichst viele Pflanzen und
Tiere zu entdecken. Die Hauptveranstaltung findet dieses Jahr auf der Bergischen Heideterrasse
bei Burg Wissem statt, in Troisdorf bei Bonn.

Oder organisieren Sie selbst eine Exkursion –
gehen Sie auf Entdeckungstour, zum Beispiel mit
Ihrer BUND-Gruppe. Suchen Sie nach bekannten
und unbekannten Arten vor Ihrer Haustür. Erleben
Sie die Natur, hautnah und zum Anfassen.

Sie verbindet auf etwa 50 Kilometern Länge und
nur wenigen Kilometern Breite vielfältige Lebens-

Eine Übersicht aller Veranstaltungen finden Sie
unter Ǡ www.geo.de/artenvielfalt

26

BUNDmagazin [2-16]

Mehr dazu unter Ǡ www.bund.net/geotag

Bisphenol A

GUT LEBEN

Tückischer Dauerbrenner
Die umstrittene Chemikalie Bisphenol A (BPA) begegnet uns in unzähligen Alltagsprodukten. Sie kann
unser Hormonsystem stören und krankhafte Fehlentwicklungen auslösen. Wie ihr aus dem Weg gehen?

A

n die vier Millionen Tonnen BPA werden jedes Jahr
weltweit hergestellt, Deutschland ist europäischer
Marktführer. BPA dient vor allem als Grundstoff für die
Herstellung von Polycarbonat und Epoxidharzen.
Gebunden im Hartplastik Polycarbonat findet sich
der Stoff in Tupperware, Plastikschüsseln, Handys, CDs
und Spielzeug wieder, in Zahnfüllungen, Brillen, Kühlschrankfächern, Motorradhelmen oder Dialysegeräten.
In Epoxidharzen kommt er zum Einsatz bei der Innenbeschichtung von Konserven- und Getränkedosen, in
Flaschendeckeln, industriellen Getränke- und Nahrungsmittelbehältern sowie bei der Sanierung maroder
Wasserleitungen. Bei Thermopapier dient BPA als Entwickler und landet ungebunden mit bis zu drei Gewichtprozent auf Kassenbons, Parktickets, Fahrkarten,
Kofferetiketten oder Kontoauszügen.
Nicht zuletzt dank Recherchen des BUND sind
zumindest BPA-haltige Schnuller praktisch vom Markt
verschwunden. Babyfläschchen aus Polycarbonat sind
seit 2011 EU-weit verboten.

Kunststoffbehältern, vor allem keine Babynahrung.
• Innen beschichtete Konservendosen können BPA
enthalten. Vor allem für Säuglinge und Kinder gilt
also: nichts aus Konserven!
• Benutzen Sie nur Babyflaschen und -tassen, die als
BPA-frei gekennzeichnet sind. Vorsicht: Als BPA-frei
vermarktete Dosen können ähnlich gefährliche Bisphenole enthalten (wie BPS)!
• Lassen Sie Kinder nicht mit Kassenbons, Fahrkarten,
Parktickets u.ä. spielen.
• Werfen Sie Kassenbons und andere Thermopapiere
nicht in die Recyclingtonne.
• Lagern Sie Lebensmittel in Glas-, Keramik- oder Edelstahlbehältern.
• Falls es Kunststoff sein muss: Weichen Sie auf relativ
sicheres Polyethylen (PE, Recyclingcode 2 und 4) oder
Polypropylen aus (PP, Recyclingcode 5).
• Fragen Sie Ihren Zahnarzt, ob Kunststofffüllungen
BPA enthalten. Es gibt Alternativen!
Manuel Fernandez

Wie gefährlich ist BPA?

… ist Mitarbeiter des BUND-Chemieteams. Ǡ www.bund.net/bisphenol-a

BPA kann wie das Hormon Östrogen wirken und
den Austausch von Botenstoffen im Körper stören.
Besonders anfällig sind Föten und Kleinkinder. BPA ist
allgegenwärtig und im Blut und Urin von über 90 Prozent aller Menschen nachweisbar. Belegt sind negative
Folgen schon bei geringer Dosis. Hormonelle Schadstoffe wie BPA werden in Verbindung mit Diabetes Typ 2,
Übergewicht, Lern- und Verhaltensstörungen bei Kindern, Unfruchtbarkeit bei Männern sowie Prostataund Brustkrebs gebracht: allesamt Erkrankungen, die
besorgniserregend zugenommen haben.
Die europäische Lebensmittelbehörde fährt bei BPA
einen Schlingerkurs: 2007 erhöhte sie die tolerierbare
tägliche Dosis von 10 auf 50 Mikrogramm, um sie 2015
»vorsorglich« auf 4 Mikrogramm zu senken. Während
Frankreich BPA in Materialien verbot, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, erkennt das deutsche
Bundesinstitut für Risikoforschung (wie die EU) »keine
Gefahr für den Verbraucher«.

Wie können Sie die Belastung mit BPA minimieren?
• Vermeiden Sie Kunststoffprodukte mit dem Kürzel PC
(für Polycarbonat) und dem Recyclingcode 7.
• Weich-PVC mit dem Recyclingcode 3 kann geringe
Dosen BPA enthalten, dazu hohe Konzentrationen an
Weichmachern (ebenfalls hormonschädlich).
• Erhitzen Sie Lebensmittel oder Flüssigkeiten nie in

Valentin Hoff

Wie BPA vermeiden?

[2-16] BUNDmagazin

27

Landwirtschaft und Klimaschutz

ZU R ZEIT

Die Kuh als Klimakiller?
Klimaschutz tut Not! Auch die Landwirtschaft kann dazu beitragen. Zum Beispiel,
indem sie wieder mehr Tiere auf die Weide stellt, statt sie mit Kraftfutter zu mästen.

N

ach der UN-Klimakonferenz Ende 2015 in Paris
hatte Hubert Weiger für den BUND erklärt: »Die
Diskrepanz zwischen dem in Paris vereinbarten Ziel und
der tatsächlichen Klimapolitik der Staaten ist riesig.«
Groß war die Erleichterung, dass der Klimagipfel überhaupt stattgefunden hatte. Und dass alle 196 Staaten beschlossen hatten, die globale Erwärmung mit verbindlichen Klimaschutzzielen auf 1,5 Grad zu begrenzen.
Um die deutschen Klimaziele zu erreichen, muss
auch die Landwirtschaft ihren Beitrag leisten. Denn die
hat gemäß Weltagrarbericht großes Potenzial, um den
Klimawandel zu beschränken. Der BUND fordert ihren
nationalen Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 um 60
Prozent zu verringern.

Klimakiller Lachgas

Alena Badurova

Anita Idel und
Christian Rehmer

Im Jahr 2014 war die Landwirtschaft für 7,3 Prozent
aller deutschen Treibhausgase verantwortlich. Zu den
wichtigsten Quellen zählen Kohlendioxid-Emissionen
aus der landwirtschaftlichen Nutzung entwässerter
Moore, Lachgas-Emissionen aus der Düngung und Umsetzung von Stickstoff sowie Methan-Emissionen aus
der Tierhaltung. Methan ist 25-mal so klimaschädlich
wie CO2, Lachgas sogar 300-mal! Rechnet man Importfuttermittel und die Düngerproduktion in diese Bilanz
mit ein, steigt der Anteil auf rund 12 Prozent der deutschen Treibhausgase.
Veränderungen der Landnutzung wie die Moorentwässerung oder der Umbruch von Grünland führen

zum Abbau von Kohlenstoffspeichern. Umgekehrt kann
der Boden auch als Senke wirken. Dann nimmt er mehr
CO2 auf, als er gleichzeitig abgibt.
Damit unsere Landwirtschaft klimaverträglicher
wird, müssen wir an vielen Stellschrauben drehen.
Notwendig ist ein Verzicht auf synthetischen Stickstoffdünger und die Hochleistungstierzucht. Im Gegenzug
brauchen wir mehr Ökolandbau und geschlossene
Nährstoffkreisläufe. Als Symbol einer klimaschädlichen
Landwirtschaft steht allerdings ganz überwiegend die
Kuh am Pranger. Denn sie rülpst Methan. Und so verbreitet sich als gängige Fehleinschätzung: »Die Kuh ist
ein Klimakiller.«
Doch das stimmt nicht. Die Kuh kann, wenn sie auf
der Weide gehalten wird, sehr positiv zum Klimaschutz
beitragen. In die Bilanz darf nicht nur die Emission von
Klimagasen eingehen, sondern auch deren natürliche
Speicherung im Boden. Da lohnt sich ein Blick weg
vom Maul und Hintern der Kuh, hin zur genaueren
Betrachtung dessen, was unter den Klauen des Tieres
passiert: auf der Weide.

Grasen für den Klimaschutz
Mit nachhaltiger Beweidung kann Kohlenstoff im
Boden gespeichert werden. Dabei sind die Rinder viel
mehr als wandelnde Düngerverteiler. Indem sie Gras
fressen, lösen sie einen Wachstumsimpuls in den
Pflanzen aus. Dieses Wachstum betrifft nicht nur die
oberirdischen Pflanzenteile, sondern auch die Wurzeln
im Boden. Und wenn Böden wachsen, stammt die Biomasse dazu aus der Luft. Stichwort Photosynthese:
Pflanzen nehmen mithilfe von Sonnenenergie CO2 auf;
die Voraussetzung dazu ist oberirdisches Blattgrün, das
Chlorophyll.
Aus den Wurzeln von heute wird der Humus von
morgen. Eine Tonne Humus im Boden entzieht der
Atmosphäre 1,8 Tonnen CO2. Da Gras bereits bei Temperaturen von etwa fünf Grad wächst, ist die Vegetationsperiode von Dauergrünland deutlich länger als
die von Waldökosystemen oder Ackerland. Dank nachhaltiger Beweidung entstanden die fruchtbarsten Ebenen der Erde – die Prärie Nordamerikas, die südamerikanische Pampa, die Schwarzerdeböden der Ukraine
oder die Magdeburger Börde.

Moor im Nationalpark Harz. Die Bewirtschaftung ehemaliger
Moorböden ist besonders klimaschädlich.

28

BUNDmagazin [2-16]

C. Rehmer

Kühe auf der Ostsee-Insel Hiddensee.

Weidehaltung fördern
Das riesige Potenzial nachhaltiger Beweidung aber
wird unterschätzt. Im Gegenteil, viel zu viele Kühe werden im Stall mit Kraftfutter zu Nahrungskonkurrenten
des Menschen gemacht. Doch die Fütterung mit Mais,
Getreide und Soja ist nicht artgemäß. Als Verwerter von
Raufutter vermögen sie Gräser und Kräuter auf Wiesen
und Weiden zu verdauen und in Energie umzuwandeln.
Statt diese geniale Eigenschaft zu nutzen, gibt man
ihnen Kraftfutter. Über 70 Prozent des von EU-Landwirten genutzten Eiweißfutters werden importiert –
vor allem aus Südamerika. Dort fallen Regenwälder der
Motorsäge zum Opfer, Grasland wird in Ackerfläche
umgewandelt. So aber wird im Boden gespeicherter
Humus abgebaut und CO2 freigesetzt.
Zudem führt Überweidung zum Verlust von Wurzelbiomasse. Wird das Gras zu stark heruntergefressen,
bedienen sich die Graspflanzen an der gespeicherten
Energie in ihren Wurzeln. Ist dann oberirdisch wieder
genug Blattgrün vorhanden, kann die Photosynthese
neu starten. Daher ist ein gutes Beweidungsmanagement immens wichtig.
Der BUND fordert die Bundesländer auf, die Weidehaltung im Rahmen ihrer Agrarprogramme zu fördern.
Zudem muss die Umwandlung von Wiesen und Weiden zu Ackerland stärker als bisher reglementiert werden. Denn neu angelegtes Grünland kann den Verlust
traditioneller Wiesen und Weiden nicht ersetzen. Auch
die Forschung muss sich dem Grünland stärker widmen. Nicht nur mit Blick auf den Klimaschutz, sondern
auch zur Erhaltung der biologischen Vielfalt.
Fazit: Der Klimakiller ist nicht die Kuh – sondern
immer der Mensch.

Anita Idels Buch »Die Kuh ist kein
Klima-Killer« erscheint im Sommer
bei Metropolis in sechster Auflage.

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Anita Idel und Christian Rehmer
Die Tierärztin Anita Idel ist aktiv im BUND-Arbeitskreis
Landwirtschaft, Christian Rehmer leitet die Agrarpolitik
der Bundesgeschäftsstelle.

[2-16] BUNDmagazin

29

Energiewende

ZU R ZEIT

Turbulenter Abschied vom Öl
Viele Jahre lagen die Ölpreise über 100 Dollar je Barrel. Der Absturz auf zeitweise
unter 30 Dollar wurde erst als Konjunkturprogramm gefeiert. Doch zunehmend
zeigen sich die Nachteile des absurden Preisverfalls.
Ein »Road Train« in Australien transportiert Öl. Speziell der
Verkehrssektor ist bislang fast völlig vom Öl abhängig.

Die angebliche US-Energierevolution war keine: Die
USA haben über all die Jahre weiter viel Öl importiert.
Doch auf den Rohstoffmärkten genügen kleine Überoder Unterangebote, um die Preise trudeln zu lassen.
Der heftige Preisverfall seit Sommer 2014 war Teil eines
generellen Trends auf den Rohstoffmärkten. Als Erklärung bieten sich die Lage der Weltwirtschaft und der
Einbruch des Wachstums in China an.

fishki.net

Kostbare Zeit vergeudet

A

nfang 2016 kippte die Stimmung. Diverse Bedenken wurden laut: Wie wirkt sich der niedrige Ölpreis auf die wirtschaftliche Lage der Ölunternehmen
aus? Auf die politische Stabilität in den Förderländern,
auf Klimaschutz und Umwelt, das Gelingen der Energiewende, die dringende Abkehr von fossiler Energie?
Zwar sind die Preise seit März wieder etwas gestiegen.
Doch wird es auf den Ölmärkten turbulent bleiben –
was auch den nötigen Wandel zu einer nachhaltigen
Entwicklung stark beeinflusst.
Fossiles Öl ist eine nicht-erneuerbare Ressource.
Seit etwa zehn Jahren ist das Fördermaximum des konventionellen Öls erreicht, der »Peak Oil«. Derzeit wird
so viel davon verbraucht wie nie zuvor – und auch in
Zukunft nicht mehr. Vermehrt im Angebot ist in den
letzten Jahren allein unkonventionelles Öl, vor allem
gefracktes »Light Tight Oil« aus den USA.

Die Frackingblase platzt
Der Frackingboom in den USA hat drei Ursachen:
die Aufhebung des gesetzlichen Gewässer- und Gesundheitsschutzes für die Öl- und Gasförderung unter
George Bush 2005; die hohen Öl- und Gaspreise in den
Folgejahren; und die Politik des billigen Geldes und die
Finanzierung der expansiven Förderung durch Kredite.
Nur deshalb, und weil die Firmen nicht für die Verwüstungen haften, die ihre Ölförderung vor Ort anrichtet,
konnte sich in den USA eine Frackingblase bilden. Die
niedrigen Ölpreise – durch Fracking mit verursacht –
bringen diese Blase gerade zum Platzen.

30

BUNDmagazin [2-16]

Was bedeuten die Preisturbulenzen für die nötige
Energie- und Mobilitätswende? Die hohen Preisausschläge nach oben und unten haben gezeigt, wie wichtig die deutsche Reform der Ökosteuer war: Sie hat die
Preisausschläge für Kraftstoffe gedämpft. Langfristig
braucht es hohe Energiepreise – als Signal, Ressourcen
sparsam zu verbrauchen und das Klima zu schützen.
Wegen des Preisverfalls wird deutlich weniger in die
Erkundung und Förderung von Öl investiert und somit
weniger Öl gefördert werden. Gut so: Je weniger gefördert wird, umso besser für das Klima. Mit starken Preisschwankungen ist weiter zu rechnen. Ein Preisniveau,
mit dem beide Seiten gut leben können – Wirtschaft
und Konsumenten wie auch die Ölindustrie –, gibt es
nicht mehr. Bei Barrelpreisen unter 90-100 US-Dollar
lohnt es nicht zu investieren. Preise darüber sind für
große Teile der Wirtschaft zu viel.
Niemand weiß, wie sich die Ölpreise auf kurze Sicht
entwickeln. Zu viele Faktoren spielen da eine Rolle –
etwa die Förderung im Iran, Entwicklungen in Krisengebieten wie Nordafrika, der Eigenverbrauch in Ländern wie Saudi-Arabien, die Lage der Weltwirtschaft …
Was wir aber wissen können: Uns erwarten turbulente
Zeiten. Die Frackingblase hat viel kostbare Zeit vergeudet – Zeit, um den Verkehr von seiner Ölabhängigkeit
zu lösen und eine postfossile Mobilität zu fördern.
Umso dringlicher ist es, jetzt rasch umzuschalten. Der
neue Bundesverkehrswegeplan sendet dafür leider
kein passendes Signal.
Martin Held und Jörg Schindler
Martin Held war bis Ende 2015 Studienleiter an der
Evangelischen Akademie Tutzing. Jörg Schindler ist
Autor von Büchern wie »Postfossile Mobilität« und »Öldämmerung«.

Handelsabkommen

Der Protest geht weiter!
Trotz vieler Kritik zeigt sich die EU entschlossen, die transatlantischen Handelsabkommen TTIP
und CETA zügig zu besiegeln. Der BUND wird seinen Widerstand deshalb noch verstärken.

»

O

bama und Merkel kommen: TTIP & CETA stoppen
– für einen gerechten Welthandel!« Unter diesem
Motto gingen am 23. April in Hannover 90 000 Menschen gegen die geplanten Handelsabkommen der EU
mit den USA (TTIP) und Kanada (CETA) auf die Straße.
Anlass war der Besuch von Barack Obama. Gemeinsam
mit Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnete er die
Industriemesse in Hannover. Beide nutzten die Messe
zur Propaganda für TTIP. Wir haben dafür gesorgt, dass
dies nicht ohne Widerspruch blieb.

Der BUND will noch mehr Kommunen dafür gewinnen
und unterstützt Aktive, dies von ihren Gemeinderäten
zu fordern.
Ein Schwerpunkt der Aktionen im Herbst werden
regionale Demonstrationen sein. Mit unseren Bündnispartnern rufen wir für den 24. September – mitten
in der Startphase der Ratifizierung von CETA – zu
Demonstrationen in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt,
München/Nürnberg und Stuttgart auf: gegen TTIP und
CETA, für einen gerechten Welthandel!

Heiße Phase
Zur Demonstration hatte der BUND gemeinsam mit
einem breiten Bündnis aufgerufen – mit Gewerkschaften sowie Verbänden aus der Umwelt-, Entwicklungsund Sozialpolitik, mit Organisationen für Demokratie
und Kultur, Bürger- und Verbraucherrechte. Der
BUND-Vorsitzende Hubert Weiger fand zum Auftakt
klare Worte: TTIP und CETA stellen Profitinteressen
über das Allgemeinwohl. Standards, die dem Schutz
von Mensch und Umwelt dienen, werden als Handelshemmnis abgestempelt. Und mit dem GentechnikKapitel des CETA-Vertragstextes wird das Vorsorgeprinzip der EU ausgehebelt. Beide Abkommen müssen
deshalb gestoppt werden!
Die Auseinandersetzung tritt dieses Jahr in die heiße
Phase. Kanadas Regierung und die EU-Kommission haben ihre Nachverhandlungen zu CETA am 29. Februar
beendet und möchten das Abkommen nun ratifizieren.
Und das TTIP-Abkommen wollen die Verhandlungsführer noch in der Amtszeit von Obama – also bis zum
Jahresende – in seinen Grundzügen festzurren. Wir
müssen unseren Protest daher noch verstärken!

Kommunaler Widerstand
Um die nächsten Schritte des Widerstands zu diskutieren, fand am 26. und 27. Februar eine Aktionskonferenz in der Universität Kassel statt. Rund 500 Aktive aus
dem In- und Ausland nahmen daran teil – aus der
Landwirtschaft, aus kleinen und mittelgroßen Unternehmen, aus Gewerkschaften und Kulturverbänden,
aus der Umwelt- und Verbraucherschutz- und der
Jugendbewegung. Dazu aufgerufen hatte das Bündnis
»TTIPunfairHandelbar« mit dem BUND und anderen
Partnern.
Viele regionale Initiativen stellten ihre Aktivitäten vor
und nutzten die Konferenz, um sich weiter zu vernetzen. Vorangetrieben werden sollen die Aktivitäten auf
kommunaler Ebene. Rund 300 deutsche Kommunen
haben schon Beschlüsse gegen TTIP und CETA gefasst.

Anfang 2017 planen wir mit den Verbündeten einen
großen Kongress, auf dem wir unsere Alternativen in
der Wirtschafts- und Handelspolitik diskutieren wollen.
Auch Sie sind herzlich dazu eingeladen!
Ernst-Christoph Stolper und Maja Volland

E.-C. Stolper ist Sprecher des BUNDArbeitskreises »Internationale Umweltpolitik«, M. Volland die TTIPExpertin der Bundesgeschäftsstelle.
Ǡ www.bund.net/ttip

[2-16] BUNDmagazin

31

Bunter Protest
für faire Handelsbeziehungen.

Das Sylter Außenriff ist der wichtigste deutsche
Lebensraum des
Schweinswals.

mauritius images/Bluegreen

NATU RA 2000

Sylter Außenriff

Bald mit mehr Leben erfüllt?
Vor über elf Jahren hat Deutschland seine sechs wertvollsten Meeresflächen fernab der Küste unter
europäischen Schutz gestellt. Nun sollen sie den rechtlichen Status von Naturschutzgebieten erhalten.
Werden den Papieren damit endlich auch Taten folgen? Ein Blick ins Sylter Außenriff.

N

ur was man gut kennt, will man auch schützen ...
Dieser Leitsatz der Naturpädagogik wird zu Recht
oft zitiert. Doch wie nähert man sich einem Meeresreservat? Einem Gebiet wie dem Sylter Außenriff, inmitten der Deutschen Bucht gelegen? Von der Westküste Sylts aus müsste man den Blick weit übers Wasser
schweifen lassen. Irgendwo hinterm Horizont, etwa 20
Kilometer entfernt, beginnt eines der schutzwürdigsten
deutschen Meeresgebiete. Wie nun einen Eindruck von
der Vielfalt dort draußen gewinnen? Von artenreichen
Sandbänken und – wie es heißt – geradezu farbenprächtigen Riffen?
Da hilft nur eines: auf Tauchstation zu gehen. Biologen haben es getan. Ihre Bilder schickt der BUND seit
Jahren auf Wanderschaft, im Rahmen einer Ausstellung.
Im Meeresschutzbüro in Bremen vermitteln die Großformate einen ersten Eindruck davon, wie bunt und
verletzlich marine Lebensräume sind.

Reich an Robben und Walen
Für deren Schutz hat das FFH-Gebiet »Sylter Außenriff« immense Bedeutung. Mit 5 314 Quadratkilometern
ist es Deutschlands größtes Schutzgebiet überhaupt.
Seine Riffe sind für die küstenferne Nordsee einmalig.
In acht bis 48 Metern Tiefe siedeln Schwämme und
Seenelken, Korallen, Muscheln und Krebse – wenn sie
nicht schon in den Schleppnetzen der vielen Kutter gelandet sind. Auch ziehen noch größere Fischschwärme
über die Flanken des Elbe-Urstromtals. Und mit ihnen
Tausende Seehunde und etliche Kegelrobben.
Höchsten Wert hat das Außenriff für den bedrohten
Schweinswal: Nirgendwo ist er häufiger vor unseren
Küsten zu beobachten – bei der Jagd und bei der Fortpflanzung. Das Außenriff überschneidet sich zudem
mit dem EU-Vogelschutzgebiet »Östliche Deutsche
Bucht«. Arten wie Stern- und Prachttaucher verbringen
hier das Winterhalbjahr.

Umweltkommissar muss handeln!
Unter dem Vorwand des Bürokratieabbaus plante
die EU-Kommission einen »Fitnesscheck« des europäischen Naturschutzes. Über 520 000 NaturschützerInnen protestierten letztes Jahr dagegen, darunter viele
BUND-Mitglieder. Mit Erfolg: Das Europaparlament als
höchstes demokratisches Gremium der EU fordert nun
die Kommission auf, die Natura 2000-Richtlinien zu
erhalten und ihre Umsetzung zu stärken.
Alle Untersuchungen zeigen, dass die FFH- und Vogelschutz-Richtlinie das richtige Werkzeug sind, um den
Naturschutz in Europa voranzubringen. Sie zeigen, vor

32

BUNDmagazin [2-16]

welchen finanziellen Herausforderungen der Naturschutz steht; und wie negativ sich die Subventionen
auswirken, die die EU speziell an die Landwirtschaft,
an Verkehr und Energieproduktion vergibt.
Der BUND will erreichen, dass EU-Umweltkommissar
Vella noch vor der Sommerpause einen Schlussstrich
unter den »Fitnesscheck« zieht. Doch besonders die
Lobby der Forst- und Agrarwirtschaft übt weiterhin
Druck auf die EU-Kommission aus, um die Richtlinien
von Natura 2000 aufzuweichen.
Ǡ www.bund.net /natura2000

Deutschlands größtes Schutzgebiet liegt westlich
von Sylt in der Nordsee. Zur Hälfte ist das FaunaFlora-Habitat-Gebiet zusätzlich als Vogelschutzgebiet »Östliche Deutsche Bucht« ausgewiesen.

Dänemark

Geschützt nur auf dem Papier

Fischerei begrenzen

Die nötige Initiative dazu hat Deutschland lange
Jahre verweigert – bis der BUND gemeinsam mit Verbündeten Klage gegen die Bundesregierung erhob.
Und das mit Erfolg: Zumindest für die Meeresschutzgebiete der Nordsee haben Umwelt- und Agrarressort
seitdem Regelungen entworfen – die sie nun »möglichst bald« EU-weit abstimmen wollen.

Hoffnungsschimmer
Einige Jahre aber werde das sicher noch dauern, so
Nadja Ziebarth. Wenigstens 50 Prozent der Natura 2000Gebiete in Nord- und Ostsee müssten frei von Fischerei
und jeder menschlichen Nutzung sein, fordert sie. Nur
so könnten sie als Refugien für bedrohte Arten und
Lebensräume dienen. Ob das Umweltministerium dem
folgt, werden die nächsten Monate zeigen. Bis 2017 will
es für alle sechs Schutzgebiete Managementpläne entwickeln: Wegweiser zu den Schutzzielen in unseren
Meeresreservaten.
Nach Jahren des Nichtstuns leuchtet also ein Silberstreif am Horizont – auch über dem Sylter Außenriff. Es
bewegt sich etwas im Meeresschutz, noch rechtzeitig
hoffentlich, um die potenzielle Vielfalt der Sandbänke
und Riffe in die Zukunft zu retten. Gelingt dies, hätte
auch der BUND-Arbeitskreis »Meeresschutz« ganze
Arbeit geleistet. Seine vielen ehrenamtlichen Mitglieder
sind ungemein aktiv und stärken die Arbeit des Bremer
Fachbüros mit Rat und Tat.
Severin Zillich

Sven Gust

Wie weit die heutige Praxis von den Schutzzielen
abweicht, macht ein Beispiel deutlich: »Fischbestände
in natürlicher Bestandsdichte und Verbreitung« fordert
das Bundesamt für Naturschutz im Sylter Außenriff.
Von diesem Ziel ist die überfischte Nordsee (wie auch
die Ostsee) meilenweit entfernt. Nur strikte Grenzen
für die Fischerei würden hier helfen. Die aber müssen
auf EU-Ebene beschlossen werden, in Abstimmung
mit allen betroffenen Mitgliedstaaten.

Deutschland

Bettina Balnis

So wertvoll dieses Ökosystem, so wertlos bisher sein
Schutzstatus. Eine unverbindliche Abmachung, keine
Windparks im Gebiet zu genehmigen – das war bislang
alles, so BUND-Expertin Nadja Ziebarth: »Im Sylter
Außenriff wird – wie in all unseren Meeresreservaten –
flächendeckend viel zu viel gefischt. Unzählige Schiffe
sind hier unterwegs. Dazu werden Sand und Kies gefördert und militärische Manöver abgehalten.« Kein
Wunder, dass die einmaligen Riffe und Sandbänke leiden und der Schweinswal auf dem Rückzug ist.
Auch die EU weiß, dass das Schutzgebiet bisher nur
auf dem Papier steht. Sie droht Deutschland wegen
Untätigkeit bereits mit Strafzahlungen. Das Umweltministerium bemüht sich nun, das Außenriff und die
übrigen küstenfernen Natura 2000-Flächen mit Verordnungen in deutsches Recht zu überführen. Am »Wie«
aber scheiden sich die Geister.
In einer Stellungnahme der Umweltverbände, die
Nadja Ziebarth mit verfasst hat, heißt es: »Die Verordnungen lassen die massive Übernutzung der Meere
weiter zu und werden den EU-Verpflichtungen nicht
gerecht. Sie müssen gründlich überarbeitet werden.«
Fatal sei besonders, dass die »Nutzerressorts« – das für
die Fischerei zuständige Agrar- und das Verkehrsministerium – eine Art Vetorecht erhalten sollen, zulasten des
federführenden Umweltministeriums.

[2-16] BUNDmagazin

33

Zu den bunten
Bewohnern des
Außenriffs zählen
Seeanemonen
und Hummer.

AKTIV

Energieeffizienz

Plastikmüll

Weniger Energie verpulvern!

Tütenlos glücklich

Z

wei der bislang erfolgreichsten
Effizienzinstrumente sind der
EU zu verdanken – Ökodesign und
Energielabel. Durch die Umsetzung
der Ökodesignstandards und die EUweite Kennzeichnung des Energieverbrauchs könnte jeder Haushalt
ab 2020 durchschnittlich 465 Euro

untersucht, vom Fernseher bis zur
Glühlampe. Über 40 Prozent der
Geräte waren falsch gekennzeichnet,
ein Fünftel trug gar kein Energielabel. Im Projektzeitraum besserte
sich die Situation etwas – ein Erfolg.
In Deutschland waren nur 15 Prozent der Geräte falsch gelabelt.

M

Stromkosten pro Jahr sparen. Vorausgesetzt, alle Haushaltsprodukte
sind korrekt gekennzeichnet.
Weil das noch nicht überall so ist,
werden in der EU über zehn Milliarden Euro Haushaltsgeld und etwa
100 Milliarden kWh Energie pro Jahr
verpulvert. Was der Leistung von 30
Kohlekraftwerken entspricht …
Hier setzte das EU-weite Projekt
»MarketWatch« an (in Deutschland
»MarktChecker«). In den letzten
drei Jahren wurden 737 Geschäfte
und Onlineshops auf korrekte Kennzeichnung hin überprüft und mehr
als hunderttausend Haushaltsgeräte

Bei Klimaanlagen, Öfen oder
Dunstabzugshauben wird das Label
gern mal vergessen, bei Fernsehern
auch durchs Preisschild verdeckt.
Nachholbedarf haben besonders
Verbrauchermärkte, die Elektrogeräte als Palettenware verkaufen.
Im Onlinehandel bilden manche
schwarzen Schafe die Effizienzklasse
in falscher Farbe oder deutlich kleiner als den Preis ab.
Verbraucher und unabhängige
Organisationen können helfen, die
Regelverstöße im Handel aufzudecken. Eine Anleitung dazu finden
Sie unter Ǡ www.is.gd/leitfaden

indestens sechs von zehn
Tüten sollen ab 1. Juli kostenpflichtig werden. Dies hat der Handelsverband HDE mit dem Umweltministerium vereinbart. Doch sind
nur 260 Unternehmen beteiligt.
Bäcker, Apotheken oder auch Tankstellen fühlen sich nicht verpflichtet.
Der BUND hält das vorgelegte
Konzept noch nicht für ausgereift.
Denn echtes Engagement sieht anders aus als diese freiwillige Selbstverpflichtung. Die nämlich entlässt
die Politik aus ihrer Verantwortung –
und gestattet es den Unternehmen,
Gebühren einzustreichen.

50 Cent pro Tüte
Der BUND plädiert für eine verbindliche Gebühr von mindestens
50 Cent auf alle Einwegtüten, und
das unabhängig von Material und
Wandstärke. So wäre auch eine
Weitergabe der Gebühr an Sozialoder Umweltprojekte möglich, als
Ausgleich für die schädlichen Tüten.
Jede/r Deutsche erzeugt pro Jahr
über 200 Kilogramm Verpackungsmüll – ein trauriger Europarekord!
Eine denkbare Lösung sind bepfandete Mehrwegsysteme: Standarddosen für Wurst und Käse oder Taschen und Körbe, die in allen Läden
zurückgegeben werden können.

20 Jahre Normungsarbeit

Einfluss nehmen!

N

icht immer regelt der Staat,
was er regeln sollte. Aus politischem Kalkül wird so manches
auf die lange Bank geschoben,
sei es gesellschaftlich noch
so wünschenswert. Doch
Veränderungen lassen sich
auch auf anderem Wege
erreichen. Etwa dadurch,
dass man Normen fortentwickelt.
Normen bestimmen unseren
Alltag. Sie beschreiben zum Beispiel, wie ökologische Produkte
gestaltet und gekennzeichnet werden sollen. Um die laufende Aktualisierung von Normen besser beeinflussen zu können, gründete der

34

BUNDmagazin [2-16]

BUND mit
anderen Umweltverbänden
ein Koordinierungsbüro als übergeordnete Interessenvertretung. Seit nunmehr 20 Jahren
unterstützt es ehrenamtliche Fachleute darin, den Schutz von Natur,
Umwelt und Gesundheit in wichtigen Normen zu verankern: bei The-

men wie Nanotechnologie, Umweltmanagement, Sicherheit in elektromagnetischen Feldern
oder Energieeffizienz.
Um ein möglichst breites Themenspektrum abzudecken,
sucht das Koordinierungsbüro ständig nach ExpertInnen.
Sind Sie Fachfrau/Fachmann für
ein Umweltthema und würden die
Interessen der Umweltverbände
gerne in einem Normungsgremium
vertreten? Dann nehmen Sie bitte
Kontakt zu uns auf!
Marion Hasper, Telefon (030) 27586476, marion.hasper@bund.net,
Ǡ www.knu.info

Mehr als 2 300 BUND-Gruppen
sind vielfältig engagiert

Demo gegen
Massentierhaltung

Sie errichten Zäune für Amphibien,
pflegen Streuobstwiesen, bieten Entdeckungstouren durch die heimische
Natur für Jung und Alt oder initiieren
Demos gegen eine geplante Massentierhaltung in der Region: BUNDGruppen machen die Arbeit unseres
Verbandes greifbar. Ihre Aktionen und
Veranstaltungen verbinden aktive
Mitglieder mit Leuten, die sich für den
Umwelt- und Naturschutz begeistern.

Außerdem erhält jede BUND-Gruppe
den ersten Jahresbeitrag ihrer neu
gewonnenen Mitglieder!
Vermerken Sie dazu bitte auf jedem
Mitgliedsantrag gut leserlich den
Namen Ihrer BUND-Gruppe.
Wir drücken Ihnen die Daumen und
wünschen Ihrer Gruppe viel Erfolg
und einen aktionsreichen Sommer!

Deshalb rufen wir dazu auf: Nutzen
Sie dieses einmalige Potenzial und
machen Sie aus Interessenten Ihrer
Arbeit neue BUND-Mitglieder!

Streuobstwiese

Jede Gruppe, die dieses Jahr zehn
neue Mitglieder gewinnt, erhält einen
50 Euro-Gutschein für Werbematerial
aus dem BUNDladen.

Gutschein
50 Euro
Gutschein
50 Euro
Gutschein
kauf
für einen Ein
en
im BUNDlad

kauf
für einen Ein
en
im BUNDlad

für einen Einkauf
im BUNDladen

Bitte geben Sie den Gutscheincode in das dafür
vorgesehene Feld beim Bestellvorgang im Warenkorb ein:

klj2ff425d0e33bfc6dda690cb918ed30

50 Euro

Nach vollständiger Bezahlung des Gutscheins wird dieser von uns innerhalb der regelmäßigen gesetzlichen Verjährung von 3 Jahren (Fristbeginn mit dem Ende des
Ausstellungsjahres) nach folgenden Maßgaben in Zahlung genommen: Eine Verrechnung ist nur mit dem Warenpreis, nicht mit Zusatzkosten wie Versandkosten möglich. Der Gutschein kann nur für einen Bestellvorgang genutzt weren, ein evt. Restwert verfällt. Eine Barauszahlung auch von Teilbeträgen ist nicht möglich.

Exkursion Tagebau

BUNDjugend NRW

Demo fü r die
Energiewende

Haben Sie noch Fragen?
Telefon: (0 30) 2 75 86-479,
E-Mail: mitgliederservice@bund.net
www.bund.net/gruppen_werben_mitglieder

bitte wenden ➔

Geworben durch BUND-Gruppe:
Antwort
Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland e.V.
Mitgliederverwaltung
Am Köllnischen Park 1
10179 Berlin

Intelligente Stromnetze

AKTIV

Zwang zum Einbau?
er Bundestag plant ein Gesetz,
um ab 2020 in allen deutschen
Haushalten die Voraussetzung für
eine »intelligente« Steuerung des
Stromnetzes zu schaffen. Doch
»Smart Grid« (wie der englische
Begriff lautet) könnte mehr schaden
als nützen. Zwar sollen neue Stromzähler helfen Energie zu sparen.
Doch die Übermittlung, umfangreiche Verarbeitung und Speicherung
der Daten dürfte die erwartete Einsparung von fünf Prozent wieder
zunichtemachen oder ins Gegenteil
verkehren. Hinzu kommen die
Kosten für die nötige Infrastruktur.
Die Bundesregierung erlaubt ab
2020 überall Zähler einbauen zu
lassen. Der Bundesrat lehnt die
Möglichkeit eines gesetzlichen
Zwangs dazu ab und hält die Kosten für ungerechtfertigt. Die Mehrheit der Deutschen ist gleicher Meinung: Laut einer Umfrage halten
70 Prozent eine Zwangssteuerung
der Stromversorgung mittels »intelligenter« Messsysteme für falsch.

Funk oder Kabel?
Übermittelt werden könnten die
Messdaten per Funk oder Kabel.
Doch Funkstrahlung wirkt bereits
alltäglich auf uns ein. Auch wenn

die Grenzwerte eingehalten werden,
gibt es deutliche Hinweise auf gesundheitliche Risiken.
Das geplante Gesetz würde zusätzliche Strahlungsquellen in den
Wohnbereich rücken: ein Problem

netz des Elektrizitätslieferanten
oder das hausinterne Stromnetz, ist
das nicht unproblematisch. Denn
dann strahlt hochfrequenter Elektrosmog über alle Stromleitungen
im Haus ab. Nur durch geschirmte
Kabel ließe sich dieser Effekt
mindern. Unbedenklich dagegen wäre eine Übertragung
per Ethernet-LAN, FestnetzDSL oder Glasfaser.

Recht auf Wahl

con rad .de

D

vor allem für Menschen, die sensibel auf elektromagnetische Felder
reagieren. Die Daten werden auch
nachts übertragen, wenn unser
Organismus empfindlicher auf die
Strahlung reagiert.
Auch wenn die Daten zwischen
smartem Stromzähler und Zentrale
nicht per Mobilfunk übermittelt
werden, sondern über das Verteil-

Ich wurde geworben

Der BUND fordert daher im
geplanten Gesetz generell eine
Wahlmöglichkeit zu verankern.
Nicht nur im Hinblick darauf,
wie Daten übertragen werden –
sondern auch, ob die digitalen
Stromzähler überhaupt im eigenen Haushalt installiert werden
sollen. Nicht zuletzt der Datenschutz wirft hierbei noch viele
Fragen auf.
Wilfried Kühling
… engagiert sich als Vorsitzender des
Wissenschaftlichen Beirats für einen
wirkungsvollen Immissionsschutz.
Eine ausführliche Stellungnahme
des BUND finden Sie unter Ǡ www.
bund.net/pdf/digitale-energiewende

Wenn Sie sich für eine Familienmitgliedschaft entschieden haben, tragen Sie
bitte die Namen Ihrer Familienmitglieder hier ein. Jede Stimme zählt!

Ja, ich mache mich für den Natur- und Umweltschutz stark
und werde jetzt BUND-Mitglied. Ich wähle folgenden Jahresbeitrag:
(mind. 50 €) ..................................................................
Ȝ Einzelmitglied
Ȝ Familienmitgliedschaft
(mind. 65 €) ..................................................................
Ȝ Ermäßigt (nach Selbsteinschätzung) (mind. 16 €) ..................................................................
(einmalig mind. 1 500 €) ..................................................................
Ȝ Lebenszeitmitglied
Zahlungsweise: Ȝ jährlich Ȝ halbjährlich Ȝ vierteljährlich

Name/Geburtsdatum

Name/Geburtsdatum

Name/Geburtsdatum

Ja, ich zahle per Einzugsgenehmigung
und spare damit Papier- und Verwaltungskosten. Bitte ziehen Sie den
Betrag ab dem ___________ bis auf Widerruf von meinem Konto ein.

Name/Vorname

Straße
KontoinhaberIn
PLZ/Ort
IBAN
Beruf

Geburtsdatum
Datum

Telefon

Bank

E-Mail

Unterschrift (bei Minderjährigen Unterschrift des/der Erziehungsberechtigten)

Ihre persönlichen Daten werden ausschließlich für Vereinszwecke elektronisch erfasst und – ggf. durch
Beauftragte des BUND e.V. – auch zu vereinsbezogenen Informations- und Werbezwecken verarbeitet
und genutzt. Eine Weitergabe an Dritte findet nicht statt.

Klaus Roth-Stielow †

Freund und Berater
F. Heidecke (2)

B

Goitzsche-Wildnis

Auf Fotopirsch

D

ieses Jahr bietet der BUND auf
seinen Wildnisflächen in der
Goitzsche bei Bitterfeld zwei neuartige Fotoworkshops an. Vom 16.
bis 19. Juni gibt es erstmals einen
Workshop zur besten Libellenzeit.
Neben der einmaligen Landschaft
werden wir speziell diese faszinierenden Insekten ins Bild rücken. Bei
über 48 im Gebiet lebenden Arten
ist für reiche Auswahl gesorgt!
Der zweite Workshop – vom 30.
September bis 3. Oktober – hat das
Thema Zugvögel zum Schwerpunkt.

Für einige Stunden werden wir aus
Tarnzelten fotografieren können.
In der übrigen Zeit wird der Herbst
optimale Lichtverhältnisse liefern,
um mit den Kameras die farbenprächtigsten Orte in der Goitzsche
einzufangen.
Während der Workshops besteht
jederzeit die Möglichkeit, sich Tipps
und Anregungen zu holen. An den
Abenden können wir unsere Erfahrungen austauschen und gemeinsam Ihre besten Fotos sichten.
Anmeldung und detaillierte Infos:
Falko Heidecke, Tel. (01 79) 1 45 46 31,
falko.heidecke@bund-stiftung.de,
Ǡ www.goitzsche-wildnis.de

is ins hohe Alter war sein Rat
geschätzt: Ende Januar verstarb
Klaus Roth-Stielow aus Balingen bei
Stuttgart mit 95 Jahren. Der erfahrene Jurist und Richter a.D. stand dem
BUND jahrzehntelang als Berater
zur Seite. Wie kaum einer verstand
er es, rechtliche Möglichkeiten für
den Umwelt- und Naturschutz zu
nutzen. Mit seinem ehrenamtlichen
Einsatz gab er uns Rechtssicherheit
und erweiterte unseren politischen
Aktionsraum.
Schon in den 1970er Jahren beriet
Klaus Roth-Stielow Bürgerinitiativen
im Widerstand gegen das geplante
Atomkraftwerk Wyhl. Später half er
dem BUND bei vielen Aktivitäten,
etwa im Kampf gegen die Schwarzwald- und die Bodenseeautobahn.
Auch bei »Stuttgart 21« wusste er
uns noch zu unterstützen. Wir werden ihn als hochkompetenten Juristen und verehrten Freund in dankbarer Erinnerung behalten.

Tschernobyl und Fukushima

D

er deutsche Atomausstieg ist
beschlossen. Doch noch sind
acht Atomkraftwerke in Betrieb.
Und in jedem Reaktor kann es zu
schweren Unfällen mit unkontrollierbaren Folgen kommen. Darauf
hat der BUND mit vielen Aktivitäten
rund um die Jahrestage der Atomkatastrophen von Tschernobyl und
Fukushima hingewiesen.
Mit einer Studie haben wir große
Sicherheitsprobleme in den deutschen Atomkraftwerken und Zwischenlagern dokumentiert. Speziell
weisen wir auf das drängende und
völlig ungelöste Problem von Terroranschlägen auf Atomanlagen hin.
Außerdem haben wir einen Kinospot produziert und eine Unterschriftenaktion gestartet. Auf einer
Konferenz in Berlin mit dem ehemaligen japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan diskutierte der
BUND die Folgen der zwei Reaktor-

katastrophen für die Bevölkerung.
Hubert Weiger reiste im März zudem nach Japan, um dem langjährigen und engen BUND-Partner
»Friends of the Earth Japan« seine
Unterstützung beim Atomausstieg
vor Ort zuzusichern.
Ebenfalls im März verhandelte
das Bundesverfassungsgericht in
Karlsruhe die Verfassungsbeschwerden von RWE, Eon und Vattenfall
gegen das Atomausstiegsgesetz von
2011. Der BUND war beigeladen.
Schon 2013 hatten wir zu den Beschwerden kritisch Stellung bezogen.
Klaus Brunsmeier und Thorben
Becker fuhren für den BUND nach
Karlsruhe. Den AKW-Betreibern
geht es um Schadensersatz in Milliardenhöhe. Nach der Verhandlung
erscheint es zum Glück sehr unwahrscheinlich, dass die Konzerne
mit ihrer Beschwerde Erfolg haben
werden.

Gustavo Alàbiso

Atomare Gefahr nicht verdrängen

Am 15. März protestierte der BUND vorm Bundesverfassungsgericht gegen die Milliardenforderungen der Atomkonzerne.

Mehr dazu: Ǡ www. bund.net/atom und
Ǡ www.atomkraft-muss-geschichte-werden.de

[2-16] BUNDmagazin

37

I NTER NATIONAL

Wird dieser Fjord bald
zur Giftmülldeponie?

Trauer in Honduras

Mord an Aktivistin

S

Førdefjord in Norwegen

Protest gegen Umweltskandal

D

er Førdefjord gehört zu den
längsten Meeresarmen an der
pittoresken Westküste Norwegens.
Hier erschließt sich dem Betrachter
das Panorama einer monumentalen
Wasser- und Gebirgslandschaft.
Dieser Fjord droht nun zerstört zu
werden. Gemeinsam mit lokalen
Gruppen kämpft der BUND-Partner
»Friends of the Earth Norwegen«
gegen ein riesiges Bergbauprojekt,
das die Regierung letztes Jahr genehmigte. Trotz großer öffentlicher
Proteste plant sie den Fjord in eine
Giftmülldeponie umzuwandeln.
Der Abraum und kontaminierte
Abfälle aus der Förderung von Titan
sollen ungefiltert in den Fjord gekippt werden: über einen Zeitraum
von 50 Jahren insgesamt 250 Millionen Tonnen!
Dieses Bergbauprojekt wäre fraglos ein ökologisches, soziales und
touristisches Desaster für die Region.
Mehr als 2 000 Aktivisten haben deshalb im Februar die Maschinen des

38

BUNDmagazin [2-16]

Bergbauunternehmens »Nordic
Mining« besetzt. Um Testbohrungen
für den Titanabbau zu verhindern,
waren auch unsere Verbündeten
vor Ort. Ihr Vorsitzender Lars Haltbrekken bekräftigte, mit aller Macht
gegen den »größten Umweltskandal
in der norwegischen Geschichte«
aufbegehren zu wollen.
Auch der Jugendverband der
Friends of the Earth will seinen
Widerstand fortsetzen: »Diese Giftmülldeponie bedeutet den Tod des
Førdefjords. Sie ist ein Verbrechen
gegen die Umwelt, die biologische
Vielfalt und die Fischerei«, entrüstet
sich Ingrid Skjoldvær (auf dem Foto
links), die ebenfalls an der Blockade
teilnahm. Nordic Mining kündigte
bereits an, eine millionenschwere
Klage gegen alle Blockierer anzustrengen.

Mehr dazu unter Ǡ www.foei.org
und Ǡ naturvernforbundet.no

ich einsetzen für Umwelt und
Menschenrechte – das kann in
bestimmten Weltregionen lebensgefährlich sein. So wurde am 2. März
in Honduras die Umweltaktivistin
Berta Cáceres ermordet. Sie kämpfte vor allem gegen das Staudammprojekt Agua Zarca am Río Gualcarque. Es bedroht Anbauflächen und
die Wasserversorgung der lokalen
Bevölkerung. Hinter dem Projekt
steht ein internationales Konsortium, Siemens liefert die Turbinen.
Die 43-jährige Cáceres trat für die
Rechte der indigenen Bevölkerung
ein. 2015 erhielt sie deshalb den
renommierten »Goldman Environmental Prize«. Doch das schützte
sie ebenso wenig wie die Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung.
In der Hauptstadt Tegucigalpa
demonstrierten nach dem Mord
Tausende gegen die Gewalt, der Aktivisten für Umwelt und Menschenrechte ausgesetzt sind. Honduras
zählt hier zu den gefährlichsten
Ländern: Allein 2012 und 2013 sollen 234 Menschen ihr Engagement
mit dem Leben bezahlt haben.
Der BUND-Partner »Friends of
the Earth Mexico« unterstützt mit
einer Petition das Vermächtnis von
Berta Cáceres. Und setzte sich für
die sichere Ausreise ihres Mitarbeiters Gustavo Castro ein, der das
Attentat nur knapp überlebte.
Zur Petition: Ǡ www.internationalrivers.org/resources/11239

Steinkohle für Deutschland

»Es geht um Leben oder Tod«
Kohletagebau
in Kolumbien –
Raubbau u.a. für
deutschen Strom
und schottische
Staatspensionen.

Auf einer Europareise protestierten zwei betroffene Partner des
BUND gegen das
Investment. Ĭ

Sebastian Rötters

er größte Steinkohle-Tagebau
Lateinamerikas liegt im Norden
Kolumbiens, in der Provinz Guajira.
»Cerrejon«, so sein Name, frisst sich
seit Jahrzehnten in die Landschaft,
bis in 250 Meter Tiefe. Seinetwegen
hat man schon mehrere Tausend
Menschen gewaltsam umgesiedelt:
die indigenen Wayuú sowie afrokolumbianische Gemeinden, Nachfahren der Sklaven. Der Tagebau
beraubte sie ihrer wirtschaftlichen
Lebensgrundlage, ihrer Kultur und
Identität. Trotz der milliardenschweren Einnahmen von Cerrejon
ist die Region bitterarm, der Profit
wird jenseits des Atlantiks verbucht.
Um über die fatalen Folgen des
riesigen Tagebaus zu informieren,
reiste im letzten Oktober Danilo
Urrea durch Europa. Er ist BergbauExperte von »CENSAT Agua Viva«,
dem kolumbianischen Partner des
BUND im Netzwerk Friends of the
Earth. Begleitet wurde er von Samuel Arregoces. Seine afrokolumbianische Gemeinde wartet nach 15 Jahren immer noch auf angemessenen
Ersatz für ihr zerstörtes Dorf. Auf
öffentlichen Veranstaltungen und

in vielen Gesprächen in Schweden,
Deutschland, England und Schottland berichteten sie von massiver
Umweltzerstörung und schweren
Menschenrechtsverletzungen durch
den Kohleabbau. Auch die Aktionärsversammlung von BHP-Billiton
in London stand auf ihrer Agenda.
Der britisch-australische BergbauMulti hält ein Drittel der Anteile am
Tagebau, genauso wie Anglo-American (GB) und Glencore (Schweiz).

Urrea. Und würde besonders die
indigene Bevölkerung treffen. »Wir
sind hier in Europa, um eine Solidaritätskampagne anzustoßen, für das
Volk der Wayuù in Guajira. Der Kohletagebau darf nicht weiter vergrößert werden. Für die Konzerne geht
es lediglich darum, die Kohle unter
den Flüssen auszubeuten. Für die
ansässigen Menschen und ihre
Gemeinden aber geht es um Leben
oder Tod.«
Jochen Schüller

Was hat das mit uns zu tun?
Ein großer Teil der Kohle wird
nach Deutschland verschifft: 2011
war Kolumbien der größte Lieferant
von Steinkohle für deutsche Kraftwerke. Das Land liefert ein Viertel
der importierten Kohle, über zehn
Millionen Tonnen pro Jahr. Dieser
Import hält sich bis heute auf
hohem Niveau.
Auch deshalb soll der verheerende Tagebau nun ausgeweitet werden.
Der Fluss Bruno und einige kleinere
Wasserläufe plant man dafür umzuleiten. Dies wäre das Ende für
den Wasserkreislauf und die Natur
in der Region, befürchtet Danilo

Colin Hattersley/FOES

D

[2-16] BUNDmagazin

39

Vielfalt verbindet

DI E J U NGE SEITE

Früchte sammeln und einkochen, zusammen gärtnern, Räder
reparieren, syrische Kinder in bayerische Gruppen aufnehmen …
Die BUNDjugend engagiert sich für geflüchtete Menschen.

D

as Feld ist schon abgeerntet? Von wegen! Wer sich
bückt und sucht, findet noch etliche Kartoffeln:
Am Ende werden es stolze 150 Kilo sein. »Dass Unmengen guter Lebensmittel verkommen, ist ein Skandal«,
ärgert sich Felix Becker. Der 26-Jährige und seine Mitstreiter von der BUNDjugend Soest in NRW schütteln
auch die gemeindeeigenen Obstbäume, die voller
Äpfel und Zwetschgen hängen. Später füllt sich ein
Glas nach dem anderen: mit Kompott, Chutney und
Marmelade. Das besondere an der Aktion: Neben den
üblichen Aktiven sind auch minderjährige Asylsuchende aus der nahen Notunterkunft dabei.

Zur Hilfe aufgefordert
»Menschen fliehen vor Kriegen. Oder weil sie zu
Hause keine Perspektive mehr haben: Dazu hat unsere
Agrarpolitik und unser klimaschädlicher Lebensstil mit
beigetragen«, so Felix Becker. Deshalb habe die BUNDjugend – unabhängig von den Fluchtursachen – die
Aufgabe, Geflüchteten zu helfen, wie andere Jugendverbände auch. »Wir müssen die Menschen, die zu uns
kommen, einbinden. Da unterscheiden wir uns nicht
von einem Sportverein.«
So hat er auch ein Fest für Einheimische und Flüchtlinge sowie einen Workshop zum Thema Flucht und
Vertreibung organisiert. »In den Medien ist man ja
ständig mit diesem Thema konfrontiert. Das belastet
und ermüdet irgendwann«, meint Miriam Kamp, eine 20-jährige Teilnehmerin. »Ich freue mich mit Gleichaltrigen

40

BUNDmagazin [2-16]

in Kontakt zu treten. Da merkt man schnell: Die haben
ganz ähnliche Bedürfnisse wie du und ich.«

Radeln und gärtnern
In Magdeburg dreht die BUNDjugend ein großes
Rad. »Wir haben eine Fahrradwerkstatt eingerichtet.
Dort zeigen wir den Leuten, wie sie ihre Räder wieder
flottbekommen«, erzählt Jeske Hagemann von »soliRADisch«. Gegen einen Obolus gibt es Werkzeug und
Ersatzteile, um Fahrräder straßentauglich zu machen.
Viele Magdeburger haben auch abgelegte Räder im
Keller oder Hof stehen. »soliRADisch« holt sie bei den
Spendern ab, bringt sie auf Vordermann und übergibt
sie an Asylsuchende. Das Team hat schon über 300
Räder eingesammelt, repariert und verteilt – bis Jahresende sollen es 1 000 sein. Die Magdeburger wünschen
sich eine dauerhafte Werkstatt mit Lager. Ein Solidaritätskonzert soll das nötige Geld einspielen. Das Publikum wird auf zwei Rädern kommen, klar – im Rahmen
einer eigens geplanten Fahrraddemo.

Gemüse statt Kräutertee
Dass eine Containerunterkunft im Berliner Stadtteil
Zehlendorf grüner geworden ist, hat ebenfalls mit der
BUNDjugend zu tun. Der 18-jährige Moritz Neumann
hat Berliner Jugendliche und junge Geflüchtete zusammengebracht, um aus alten Paletten Hochbeete zu
bauen und Gemüse anzupflanzen. »Urban Gardening
passt zu uns. Außerdem kann man super gemeinsam
gärtnern: Sprachbarrieren spielen da keine Rolle.«

Modellprojekt
Mit Fluchtursachen und Asylpolitik
beschäftigt sich die bayerische BUNDjugend schon seit Jahren. Um Kindergruppenleiterinnen die Integration von
Flüchtlingen zu erleichtern, startete sie
ein Modellprojekt: »In Nürnberg gibt es
zehn Kindergruppen. Die könnten noch
jeweils zwei bis vier Kinder aufnehmen«, erläutert Lioba Degenfelder. Eine
Testphase soll zeigen, wie Begegnungen
möglich und Flüchtlingskinder und
deren Eltern für ihre neue Umwelt sensibilisiert werden können.
»Wir haben in Nürnberg schon früher
Menschen mit Migrationshintergrund
eingebunden«, erklärt die Bildungsreferentin der bayerischen BUNDjugend.
Spätaussiedler wurden mit russischsprachigen Flyern angesprochen. Seit
Jahren beteiligen sich an einem Umweltaktionstag der Religionen auch zwei

Moscheen. Und bei einem interkulturellen Heilkräuterfest treffen Menschen
aus aller Welt zusammen.
Mit dem Modellprojekt in Nürnberg
sollen Flüchtlingskinder nun die Natur
so wie ihre deutschen Altersgenossen
erleben können. Da die Teilnehmerzahl
begrenzt ist, sind Aktionen für weitere
Flüchtlingsfamilien geplant: Erntefeste
auf dem Acker, der Besuch eines Biohofs
oder Imkers. Erfolge und auch Schwierigkeiten in der Arbeit mit den Familien
sollen dokumentiert werden, damit andere Gruppen daraus lernen können.

Mit Lamas durch die Rhön, auf dem
Kanu durch Polen oder im Zelt an
der Ostsee – die Landesverbände der
BUNDjugend haben für jede Altersgruppe spannende Angebote, um die
Ferienzeit abwechslungsreich zu gestalten. In thematischen Camps lernst
du nicht nur neue Leute kennen, sondern erwirbst auch spielerisch neues
Wissen. Sei’s beim Bauernhof-UmweltCamp, dem Eine-Erde-Camp in Hessen
oder dem deutsch-ägyptischen Jugendaustausch. Termine und Hintergrundinformationen findest du unter
Ǡ www.bundjugend.de/ferienzeit

Meister der Integration
»Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede, etwa beim Essen«, erzählt
Lioba Degenfelder. Doch das erste Feedback aus Franken sei positiv. »Die Jungen und Mädchen sind Meister der Integration. Wenn die im Wald unterwegs
sind, ist es gar nicht so wichtig, wer hier
im Ort und wer in Syrien aufgewachsen
ist. Die Kinder sind oft einfach happy,
dass sie jetzt noch mehr Kinder zum
Spielen haben.«
Text: Helge Bendl, Fotos: BUNDjugend
Ǡ www.bundjugend.de/flucht-migration

Du bist nicht allein
Du möchtest gern etwas für die Umwelt tun, weißt aber nicht mit wem?
Dann frag doch mal bei deinem Landesverband nach, ob es bereits eine
Gruppe in deiner Nähe gibt. Unter
Ǡ bundjugend.de/landesverbaende
findest du seine Anschrift. So kannst
du andere engagierte junge Menschen
kennenlernen und gemeinsam an
umweltpolitischen Themen arbeiten.
Falls du selbst eine Gruppe gründen
möchtest, findest du Unterstützung
in der Bundesgeschäftsstelle in Berlin.
Wende dich dort am besten an Susi
(susi.hammel@bundjugend.de) und
bestelle dir unsere Broschüre für
Gruppen: »Einfach machen!« unter
Ǡ www.bundjugend.de/shop
Ǡ www.bundjugend.de

[2-16] BUNDmagazin

41

DI E I N FOSPALTE DER BU N DJ UGEN D

Freizeiten und Camps
Zwar lieferte der Herbst nicht genug
Spinat, Bohnen und Zwiebeln, um für
alle 20 Teilnehmer ein Essen zu kochen.
Doch für ein paar Runden Kräutertee
reichte die Ernte. Damit mehr angebaut
werden kann, soll die nutzbare Fläche
jetzt deutlich erweitert werden.

Marktplatz
Ferien
Deutschland
Ostseenähe in Holstein
FeWos auf Bauernhof in ruhiger Lage.
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Hund. T (0 43 65) 75 82
www.langenfelder.de/hof-suedblick
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Straßburg, Wandern, Mountainbiken,
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www.klosterhof-abtsberg.de

Frankreich

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T (0 40) 73 50 90 61
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Süd-Frankreich
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Räder u. Reitmögl., T (00 33) 4 75 94 95 51

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innerhalb der alten Stadtwälle.
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42

BUNDmagazin [2-16]

Italien
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Hunde willk. T (+41 79) 2 08 98 02
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TOSCANA zw. Lucca/Florenz
Casa Rustica f. 2 – 6 P. Südterrasse, Traumblick, Pool, 3.300 qm Garten, ruhig, ab 40
Euro/Tag, www.casarustica-lampo.de
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Toskana für 6 bzw. 8 Pers. Natursteinhaus
auf Ausläufer der Küstenberge, kein Tourismustrubel, dafür seltene Pflanzen und
Tiere. Sicht auf Insel Elba. T (0 17 11) 44 49 32
heivoruta-serretto@online.de

Österreich
Auszeit am Millstätter See
100 m über dem glitzernden Wasser, Ruhelage am Wald: 2 moderne Fewos mit
traumhaftem Panoramablick; Wanderwege vom Haus; Strandbad + Badehaus fußläufig; im Winter Ski; Yoga-Studio im Haus;
spez. Yogawochen zum Herbst, Jahreswechsel, Fasching + Ostern:
T (0043(0)6 64) 2 83 68 97
www.fewo-weinleiten.at +
www.yoga-weinleiten.at

Sibirien
Sibirien, Kasachstan
Kirgisien, Tadshikistan. Exkursionen mit
folgenden Themen: Fauna, Flora, Geologie,
Land- und Forstwirtschaft, Land + Leute,
Wandern,
m.tschirnhaus@uni-bielefeld.de

Spanien
Andalusien
Kl. Ferienhaus auf Finca im Olivenhain am
Naturpark Axarquìa bietet Ruhe und Erholung, für Wanderer ein Paradies.
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Suche
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Marktplatz
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Was aus ihrem Ich (der Seele) wird,
erzählt der Prophet Jakob Lorber!
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Anlässen des Lebens, auch transkonfessionell, z. B. für Migranten.
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Konflikt statt Konsens!

MEDI EN

Mit ihrer »Kritik der Grünen Ökonomie« rufen
Barbara Unmüßig, Lili Fuhr und Thomas Fatheuer dazu auf, die globale Transformation radikal anzugehen. Da sich das Klima erwärme
und die biologische Vielfalt schwinde, seien all
jene Konzepte gefährlich, die das Wachstumsdogma nicht fundamental in Frage stellten.
Wer glaubt, er könne zur Arbeit weiter allein
im eigenen Auto fahren und müsse nur auf ein
Elektroauto umsteigen, wird keine Freude an
dem Buch haben. Die AutorInnen verweisen
auf die fehlenden Ressourcen der Erde, um
einen solchen Lebensstil aufrechtzuerhalten.

Geschickt zeigen sie, dass auch Klimaschützer immer wieder Lösungen akzeptieren, die anderweitig zum Problem werden.
So könne die Aufforstung von Wald, um CO2
zu binden, dem Anbau von Lebensmitteln
Fläche entziehen. Die »grüne« Ökonomie sei
ein weiterer Versuch, ökonomische Lösungen
für ökologische Probleme anzubieten, die nur
der Staat mit Gesetzen, Steuern und Verboten
lösen könne. Eine Rückkehr zur »politischen
Ökologie« erfordere, weniger auf Konsens zu
setzen und Konflikte und Brüche zu suchen.
Dieses Buch kommt zur rechten Zeit.

Thomas Fatheuer, Lili Fuhr, Barbara Unmüßig: Kritik der grünen Ökonomie, 2015. 192 Seiten, 14,95 €, oekom

Plastik – nein danke
»Plastikfasten« ist eine echte Herausforderung.
Um beispielsweise in den fast sieben Wochen
zwischen Aschermittwoch und Ostern möglichst keine Produkte aus oder mit Kunststoff
zu konsumieren, ist logistische Unterstützung
sehr hilfreich. »Besser leben ohne Plastik«
kommt da wie gerufen.
Anneliese Bunk und Nadine Schubert bieten eine Fülle von Hintergrundwissen zur Allgegenwart der Plastikwelt. Und sie geben uns
zahlreiche Hinweise für Alternativen. Anhand
vieler praktischer Tipps demonstrieren sie,
wie wir im täglichen Leben Plastik einsparen
oder ersetzen können.

Für Produkte, die heute kaum noch ohne
Plastik erhältlich sind – wie die Wasch- und
Reinigungsmittel für Bad und Küche –, präsentieren die Autorinnen einfache Anleitungen
zum Selbermachen. Wunderbar ist die reichhaltige Auswahl an Rezepten für plastikfreie
Knabbereien und Süßigkeiten, allesamt leicht
umzusetzen. Die 112 Seiten halten somit, was
sie versprechen. Wer sie verinnerlicht, dürfte
einem Leben ohne Plastik (oder zumindest
mit deutlich weniger Plastik) einen gewaltigen
Schritt näherkommen.
Siehe auch: Ǡ www.bund.net/plastikfasten

Anneliese Bunk, Nadine Schubert: Besser leben ohne Plastik, 2016. 112 Seiten, 12,95 €, oekom

Vielfalt auf dem Rückzug
Der stumme Frühling ist nicht mehr so fern.
Zumindest in weiten Teilen unserer Agrarlandschaft singt heute keine Feldlerche oder
Goldammer mehr, sind Rebhuhn, Kiebitz und
Braunkehlchen längst verschwunden. Dieser
Negativtrend hält an: Jede zweite Art unserer
Agrarvögel ist in den letzten Jahren seltener
geworden. Betroffen sind gerade häufige und
weit verbreitete Arten wie Stieglitz oder Baumpieper. Dies dokumentiert der aktuelle Statusbericht »Vögel in Deutschland«, jüngst vorgestellt vom Bundesamt für Naturschutz und
dem Dachverband Deutscher Avifaunisten.
Demnach trägt vor allem die industrialisierte Landwirtschaft Schuld daran, dass sich
die Lage der 248 heimischen Brutvogelarten

seit Ende der 1990er Jahre spürbar verschlechtert hat. Jede dritte bei uns brütende Vogelart
erlitt seitdem Bestandsrückgänge.
Der neue Bericht spiegelt wider, wie es um
den Arten- und Naturschutz in Deutschland
und Europa bestellt ist. Und er liefert gute
Argumente für den Naturschutz vor Ort.
Warum vermögen die 742 Europäischen
Vogelschutzgebiete bislang kaum die Erwartungen zu erfüllen? Wie wirkt sich der Klimawandel auf unsere Brutvögel aus? Warum gelten auch überwinternde Wasservögel derzeit
als besonders gefährdet? Auf diese und viele
weitere Fragen liefert »Vögel in Deutschland«
überzeugende Antworten. Der Download ist
kostenlos!

Vögel in D. 2014. Download gratis: Ǡ www.dda-web.de; Bezug der Druckausgabe (74 Seiten, 9,80 € plus
Versandkosten) über den DDA-Schriftenversand, Tel. (02 51) 2 10 14 00, schriftenversand@dda-web.de

44

BUNDmagazin [2-16]

63 Antworten
Das Jugendbuch »Iss was?!« der Heinrich-BöllStiftung zeigt, wie die heutige Tierhaltung und
unser Fleischkonsum verknüpft sind mit globalen Umweltproblemen, mit Ungerechtigkeit
und Hunger. Interessante Infografiken regen
dazu an, weiter zu forschen. Die Zielgruppe
»Jugendliche« wird hier sehr ernst genommen.
Das Besondere: Sie hat an der Entstehung des
Buches mitgewirkt.
Die Autorin und Graphikerin Gesine Grotrian kommt ganz ohne romantische Bauernhofbilder aus. Sie räumt mit der Illusion auf,

dass konventionelles Fleisch von glücklichen
Hoftieren stammt. Was hat das Fleisch mit
uns zu tun? Ihr Buch bietet 63 Antworten für
alle, die es wissen wollen. Auch Erwachsene
werden hier dazulernen: Hätten Sie etwa gewusst, wie viele Lebensmittel heute Schwein
enthalten? Oder wo ein Huhn als Sparkasse
dient?
»Iss was?!« gibt es gedruckt (sehr günstig)
oder zum Download (gratis: Ǡ www.boell.de).
Als Material zum Beispiel für den Unterricht
ist das Buch ausdrücklich zu empfehlen!

Gesine Grotrian: Iss was?! Tiere, Fleisch & Ich, 2016. 140 Seiten, 3 €, Heinrich-Böll-Stiftung

Entdecken, staunen, ausprobieren
Für diesen Taschenführer haben die Umweltpädagogen des BUND in Bayern tief in ihre
Schatzkiste gegriffen. Der Ausflugsbegleiter
im Westentaschenformat beschreibt Naturphänomene, die es zu entdecken und zu bestaunen gilt. Ob beim Familienspaziergang,
im Urlaub oder mit einer Kindergruppe: Die
»Trickkiste Natur« steht jedem offen.

Wonach duftet es an Weihnachten im Wald?
Wie viele Regenwürmer fördern im Boden die
Humusbildung? Oder: Wie kommt man in den
Genuss eines Brennnesselbonbons?
40 Phänomene werden mit Zeichnungen
und Text vorgestellt, ergänzt um Fotos und
Hintergrundinfos. Fast immer lässt sich dabei
etwas ausprobieren. Auf in die Natur!

Schmelzfeuer
Die windsichere Gartenfackel
zum Kerzenrecyceln

Natur und Kultur
Die Elbe bietet eine wunderbare Vielfalt: Ihre Auwälder und Auwiesen,
Strände und Seitenarme sind die Heimat von uralten Baumriesen und Seeadlern. Im Wasser des Stroms spiegeln sich aber auch Bauwerke von tausend Jahren Siedlungsgeschichte – Klöster, Dome, Kirchen, Schlösser und
Burgen. Wer diese einmalige Landschaft in all ihren Facetten entdecken
möchte, sollte den neuen Elbe-Reiseführer unbedingt dabeihaben.
Der BUND-Elbe-Experte Ernst Paul Dörfler erzählt von Urelbe und Steinzeit, von Germanen und Slawen, Treidlern
und Flößern. Fachkundig beschreibt er die
vielen Großschutzgebiete, die Flora und
Fauna und die Gefährdung dieses besonderen Natur- und Kulturraums. Vom Elbsandsteingebirge bis zum Stauwehr Geesthacht
bei Hamburg in drei Abschnitte unterteilt,
erläutert das Buch die kulturellen Sehenswürdigkeiten und die besten Orte, um Natur
zu erleben und Tiere beobachten zu können.
Hinweise zu Unterkünften und Gastronomie,
zu Museen, Rad- und Kanuverleih ergänzen
die Kapitel.

Zu bestellen bei
www.bundladen.de

Katalog und Bestellung:
Tel. 09563-2028
www.denk-keramik.de

Ernst Paul Dörfler: Die Elbe – Vom Elbsandsteingebirge bis nach Geesthacht, 2016. 368 Seiten,
16,95 €, Trescher

[2-16] BUNDmagazin

45

®

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BUND Naturschutz: Trickkiste Natur – 40 Naturwunder vor deiner Haustür, 2016.
90 Seiten, 9,95 €, oekom; Bezug: www.bundladen.de/trickkiste; Versandkosten bei
telefonischer Bestellung (0 30/2 75 86-4 80): 2,60 €, über den Shop: 5,90 €

Kein Dreck. Lebensgrundlage!

PERSÖN LIC H

Ingo Valentin ist seit zehn Jahren Sprecher des
BUND-Arbeitskreises »Bodenschutz/Altlasten«.
Wie kommt man zu einem solchen Amt, und was
ist so wichtig an diesem Thema?

Sehr verdienstvoll war der Wettbewerb »BodenWertSchätzen« des Rates für Nachhaltige Entwicklung.
Hubert Weiger hatte es in der Jury gar nicht leicht, die
besten der vielen engagierten Projekte auszuwählen.
Meine Sorge ist nun, dass die Aufmerksamkeit nach
diesem Jahr rasch verpufft. Sie müssen wir am Leben
erhalten und weiterentwickeln, mit einfachen Botschaften wie: »Nur auf gesunden Böden können gesunde Lebensmittel wachsen.«

Für viele sei der Boden vor allem der »Dreck unter den
Schuhen«, beklagte jüngst ein Positionspapier, das der
BUND mit unterzeichnet hat. Was ist Boden sonst?
Ganz viel: Er ist unsere Lebensgrundlage. In und auf
ihm wachsen über 90 Prozent aller Lebensmittel, eine
30 Zentimeter dicke Schicht, die die ganze Welt ernährt.
Zudem ist der Boden ein vielfältiger Lebensraum,
wichtig für den Wasserkreislauf und das Klima.
Auch moniert das Papier die verbreitete Unkenntnis der
Bedeutung von Böden. Wie ließe sich das ändern?
Man muss Bewusstsein schaffen, am besten schon bei
Kindern: Boden ist nicht Dreck, sondern ein wertvoller
Lebensraum, der diverse Funktionen erfüllt. Dieses
Anliegen muss viel stärker in die Lehrpläne kommen.
Was sind die Top 3 der Bodenkiller?
Zum einen beanspruchen Verkehr und Siedlungsbau
immer mehr Fläche – gerade in Deutschland, aber auch
weltweit. Die großen Ballungsräume sind ja meist dort
entstanden, wo die Böden fruchtbar sind. Allein bei
uns gehen jeden Tag 70 Hektar verloren, die nicht mehr
für den Anbau von Lebensmitteln bereitstehen.
Dann wird die Landwirtschaft selbst mehr und mehr
zum Problem. Weil sie mit immer größeren Maschinen
und mehr Chemie auf Dauer ihre Grundlage zerstört.
Als Drittes ist wohl die zunehmende Bodenerosion
zu nennen, hervorgerufen durch den Klimawandel –
mit mehr Dürren, Stürmen und Starkregen –, aber auch
durch eine falsche Bewirtschaftung.
2015 war das UN-Jahr des Bodens. Hat es was gebracht?
Ja und nein. Es gab zahllose Aktionen dazu, auch auf
internationaler Ebene. Mit dem »Bodenatlas« hatte der
BUND als Mitherausgeber gleich im Januar einen tollen
Aufschlag gemacht: Viele Graphiken veranschaulichen
darin den Zustand der Böden, europa- und weltweit.

46

BUNDmagazin [2-16]

Immerhin haben jüngst über 200 Organisationen eine
europäische Bürgerinitiative gestartet …
Richtig, und der BUND ist dabei. Wir fordern eine EUGesetzgebung für den Bodenschutz. Bislang gibt es
dafür kaum Grundlagen. Deutschland hat ein Gesetz,
betont darin aber stark die Altlasten, weniger die Erhaltung und die Funktionen des Gemeingutes Boden.
Ein echter Fortschritt ist, dass gleich drei der neuen
Nachhaltigkeitsziele der UN ausdrücklich auch für den
Schutz des Bodens plädieren.
Sie beschäftigen sich seit 26 Jahren im Umweltamt Düsseldorf mit dem Bodenschutz. Und das fesselt Sie so, dass
Sie dieser Aufgabe zusätzlich Ihre Freizeit widmen?
Es ist schon beeindruckend, wenn man jeden Tag miterlebt, welch riesiger Aufwand dahintersteckt, Altlasten zu beseitigen und Böden zu sanieren. Gleichzeitig
gehen jeden Tag natürlich gewachsene Böden verloren.
Eigentlich müssten wir bei Bedarf viel häufiger auf bereits genutzte Flächen zugreifen. Das war mein Ansporn,
1997 dem Arbeitskreis des BUND beizutreten.
Vogelfans haben immer ein Fernglas dabei – und Sie
einen Spaten, um seltene Bodentypen zu entdecken?
(Lacht) Nein, ich bin ja kein klassischer Bodenkundler.
Ich frage mich eher angesichts alter Industriestandorte,
welche Altlasten da wohl schlummern.
Worauf achten passionierte Bodenschützer im Alltag?
Als Familie kaufen wir bevorzugt Lebensmittel aus regionalem Biolandbau. Auch maßvoller Fleischkonsum
trägt zum Schutz der Böden bei – vor allem in Südamerika, wo das Kraftfutter für Deutschlands Schweine
und Kühe auf Regenwaldböden wächst. Ein wenig Fläche sparen wir übrigens auch: indem wir ein altes, nur
vier Meter breites Stadthaus bewohnen.
Interview: Severin Zillich
Wer sich am Arbeitskreis Bodenschutz beteiligen will, melde sich
gerne bei ingo.valentin@bund.net; Ǡ www.bodenschutz.bund.net

Was bleibt,
wenn wir gehen?
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