Publication:
1925
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-13989437
Path:

v. N i d a , Einfluß der Geschütze auf die mittelalterliche Stadtbefestigtmg.
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Abb. 16. Befestigung des Schlusses Salsas in Spanien.
Rauchabzüge und Oeffnungen in den gewölbten Decken, durch welche
die Geschütze mit Winden auf die Plattform gehoben werden konnten.
Später erhielten die niedrigen Bollwerke vor dem Graben entweder
die Form eines Dreiecks oder Fünfecks. Im ersten Falle nannte man
sie Raveline, im andern Lünetten. Das Ravelin ist nur eine zeit
gemäß veränderte Form der Barbakane.
Auf steinerne Türme zur Aufstellung von Geschützen wurde aber
noch nicht verzichtet. Die Türme, welche zur Qeschützvertetdi-
gung dienten und auch unter dem Namen Rondele gehen, erhielten
aber immer größere Mauerstärke und wurden mit der Zeit immer
dicker. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts begann man mit
der Errichtung von Türmen von etwa 15 bis 20 Fuß Durchmesser
und 3—8 m Mauerstärke. Sie hatten eine Höhe bis zu 4 Stockwerken,
von denen die beiden unteren in der Regel von Geschützscharten
durchbrochen waren und zur Aufnahme schwerer Geschütze dienten.
Derartige Türme sind unter dem Namen Batterietürme be
kannt (Abb. 14), Sie waren rund oder halbrund» lagen bald im
Bruche des Mauerumzugs, seltener in der Mitte einer Mauer und
standen nur ausnahmsweise ganz außerhalb des Beringes. Oben
waren sie bald offen, bald durch ein Dach überdeckt. • Die Er
richtung der dicken Türme zur Aufstellung von Geschützen in Bur
gen und Städten beginnt etwa mit dem JahTe 3475. ln Siegmunds-
kron in Tirol dürften sie bald nach 1473, in Magdeburg im Hegau 1479
und auf der Hohkönigsburg 1480 errichtet worden sein.
Noch dickere Türme sind uns unter der Bezeichnung Zwinger
bekannt. Der Zwinger in Goslar ist wohl zwischen 1510 und 1520
entstanden. Bei 24 m Durchmesser und 20 m Höhe hat er 6 m
Mauerstärke. Der Achtermannturm (früher Paulustürm) ist ein
Ueberrest des ehemals durch 4 solcher Zwinger verteidigten Rosen
tores, Der Zwinger in Münster ist 1536 erbaut worden. Einen
solchen Zwinger führen wir auf Abb. 15 unseren Lesern nach einer
Abb,*18. Rondel bei Burg Werl.
Abb. 19,
Abb. 17. Stadt Werl, nach Menan.
Zeichnung von Alfred Dürer vor, aber die vorgenannten übertreffen
ihn an Umfang bei weitem.
Die Zeit der Mauerbefestigung näherte sich ihrem Ende, und an
ihrer Stelle trat mehr und mehr die E r d b e f e s t i g u n g mit
geraden Feuerlinien, die moderne Fortifikation (Abb. 15).
Eine der ältesten Befestigungsanlagen, bei der schon ein moderner
Hauch zu spüren ist, war die des spanischen Schlosses Salsas
(Abb. 16), welche am Ende des 15. Jahrhunderts erstellt wurde.
Die Anlage bildete ein Rechteck, auf dessen Ecken sich vier Türme
— sog. Rondele — von etwa 12 m Dicke über die Kurtinen hin
aus erhoben und in mehreren Geschossen Geschütze aufnahmen. Die
Plattform war von einer gemauerten Brustwehr umgeben, die von
2 Scharten durchbrochen war. Außer den Ecktürmen, welche als
Vorläufer der Bastion« angesehen werden können, lag ein wei
teres, geräumiges» vom Graben allseitig umgebenes Werk nach Art
eines Ravelins vor der,Mitte jeder Kurtine, das auch zur Aufstellung
von Geschützen bestimmt war. Durch eine gewölbte Poterne war
dieses sonst ganz wie eine Bastei eingerichtete Ravclin mit dem
Hofe des Werkes verbunden. Während die Eskarpenmauer fast
senkrecht stand un-d auch die Kontreeskarpe nur wenig geböscht war.
hatten die Türme und Raveline einen geböschten Mauerfuß von etwa
zwei Drittel Anlage.
Die Türme, welche zur Aufnahme von Geschützen bestimmt
waren, wurden immer niedriger und dicker. Auf einer Ansicht der
Stadt Werl von Merlan (Abb. 17) sieht man jm Vordergründe
eine Torbtirg und in einer Ecke der Stadtmauer die von
Mauern umschlossene, 1519 erbaute Burg. An den vier Ecken war
Abb. 20. Mömpelgard, nach Merian.
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