Publication:
1888
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-13610557
Path:

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H. Garbe, Der Weichselhafen Brahemünde und die Canalisirung der TJnterbrahe.
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1. Am Höhenrande lag das Erdreich durchschnittlich 0,8 m
niedriger als an den Ufern, sodafs die geringste Menge von
Erdarbeiten entstand;
2. die freien Oeffnungen des Hafens zwischen dem Höhen
rande und den Deichenden erhielten nur geringe Länge, was
für die sichere Lage der Hölzer im Hafen zur Zeit des Hoch
wassers in Rücksicht auf Wellenschlag, Strömung und Eisgang
günstig war;
3. das breite Vorland des Deiches bildete den werthvollsten
Theil der Gesamtfläche;
4. die Hochwasseratrömtmg der Weichsel wird am wenigsten
beschränkt, sodafs auch der Deich eine sehr sichere Lage
erhält;
5. bei gröfseren Beschädigungen des Deiches durch den Eis
gang bildet das Vorland den besten Ersatz in nächster Nähe;
6. durch Hinausschiebung des Deiches ist eine künftige Ver-
gröfsenmg der Hafentläche unschwer zu erreichen.
Der Aufsenhafen.
Der Aufsenhafen mufste, um zu jeder Zeit, also auch
bei den niedrigen Weichselständen zugänglich zu sein, sehr tief
ausgehoben werden, sodafs es erwünscht schien, ihn auf das
geringste Fläehenmafs, nämlich auf 9 ha, einzuschränken. Dies
war auch recht wohl thunlich, da er nicht etwa eine Zufluchts-
statte für die sich auf der Weichsel befindenden Hölzer bei
herannahendem Hochwasser, vielmehr ein Sammelbecken vor der
Schleuse bilden soll, in welches die vor der Brahe eintreffenden
und nach dem Canale bestimmten Hölzer sofort einlaufen kön
nen, um dann ohne erheblichen Aufenthalt nach dem Binnen
hafen, bezw. den Lagerflächen in der Brahe weiter befördert
zu werden. Ohne ein solches Sammelbecken würde kein ununter
brochener Betrieb an der Hafenschleuse möglich sein. Der
Aufsenhafen zerfällt in zwei Theile, in eine tiefe, die Hafen-
strafse bildende Fahrrinne, welche selbst bei dem niedrigsten
Weichselstande von —0,52 m am Uszke-Pegel noch die erfor
derliche Tiefe für die Kähne, d. i. 1,25 m bietet und daher
auf Ord. 14,5 m ausgehoben ist. Diese Fahrrinne ist an der
Deichseite hergeatellt, weil dort die Erde in nächster Nähe abzu-
lagorn war und auch befürchtet werden mufste, dafs tiefe
Einschnitte am Höhenrande zu gefährlichen Abrutschungen des
selben, wie solche sowohl an der Brahe bei Brahnau als an
der Weichsel bei Deutsch-Fordon früher eingetreten sind, Ver
anlassung geben könnten. Die Hafenstrafse war ursprünglich
in 16 m Sohlbreite und mit zweifachen Böschungen gedacht,
sodafs sieh selbst bei Kleinwasser noch eine 21 m breite Was
serfläche bilden konnte. Bei der Ausführung ist die Sohlbreite
jedoch auf 13,8 m mit dreifachen Böschungen eingeschränkt, da
die unteren Schichten so weich waren, dafs zweifache Böschun
gen unter dem Einflüsse des benachbarten Deichkörpers, welcher
die weiche Unterlage zusammenprefste und an einzelnen Strecken
Verschiebungen und Auftreibungen der Böschung und Sohle
herbeiführte, nicht zu halten waren. In Rücksicht auf diese
Gefahr war von Anfang an ein 4 m breiter Absatz in der Höhe
von Ord. 11 m, etwas Über dem gewöhnlichen Sommerwasser,
und ein zweiter, 8 ra breiter Absatz in Höhe von Ord. 8,8 m,
dem gewöhnlichen Hochwasser, in Aussicht genommen.
Die Sohle der eigentlichen Aufsenhafenfläche ist in Höhe
von Ord. 12,9 m, mithin 1,6 m höher als die Sohle der Aulseu-
hafenstrafae, gelegt worden. Die Höhenlage entspricht einem
Waaserstande von etwa — 0,15 m am Uszke-Pegel, sodafs die
FlÖfse noch bei einem Wasserstande von -f- 0,35 m an diesem
Pegel die genügende Waaserfciefe finden. Ein niedrigerer Was-
serstand tritt in den Monaten April, Mai und Juni, in denen
gröfsere Mengen von Flölsen vor der Brahe ankommen, nicht
ein, und falls derselbe ausnahmsweise in den späteren Monaten
sich zeigt, so genügt alsdann die Hafenstrafse allein. Am
Höhenrande ist neben dem Aufsenhafen ein 5 m breiter Weg
in Höhe von Ord. 9,5 m angelegt, der bei den gewöhnlichen
Hochwasserständen noch wasserfrei ist; die zweifache Böschung
desselben hat in der Höhe von Ord. 11 m noch einen 1 m
breiten Absatz erhalten, um Rutschungen zu verhüten und einen
schmalen Leinpfad für die kleinen Wasserstände zu besitzen.
Die Hafenmündung schliefst sich an das einbuchtende
Weichselufer; sie ist am Höhenrande mit einem Faschinen
grundbette eingefafst und an der Hafenstrafse mit einer 8 m
breiten Mole, welche nur wenig vor dem, zum Schutze des
Weichselufers, sowie zur Verbesserung dieses Stromes seitens
der Weichselstrombau-Verwaltung erbauten Parallelwerke vor
springt. Die Mole ist ringsum von Faschinen-Grundbetten
eingefafst, welche durch Sinkstücke und Senkfaschinen vor
Unterspülung gesichert sind. Der eigentliche Körper der
Mole ist von Erde geschüttet, abgepflastert und bildet den
Auslauf des Hafendeichs, welcher mit einer Neigung von 1:18
bis zur Mole ahfällt.
Der Binnenhafen.
Auch der Binnenhafen, welcher sich von der Hafen
schleuse bis zur Brahe erstreckt, zerfällt in die tiefere, sich
längs des Deiches hinziehende Hafenstrafse und in die höher
gelegene Hafenfläche. Die Sohle der Hafenstrafse ist so niedrig
gelegt worden, dafs sie den Kähnen selbst bei ganz geöffnetem
Wehre und beim niedrigsten Stande der Brahe noch genügende
Wassertiofe bietet. Der unter jener Voraussetzung in der Brahe
zu erwartende niedrigste Wasserspiegel hat eine Ord. von 11,4 m;
di© Sohle der Hafenstrafse ist noch 1,3 m niedriger, auf Ord.
12,7m gelegt. Die Sohlbreite ist zu 11 m, die Böschungen
sind zweifach angenommen, sodafs sich bei Kleinwasser eine
Wasserspiegelbreite von 16 m bildet, die in Rücksicht darauf,
dafs sie nur zur Zeit der Ausbesserung des Wehres oder im
Winter bei sehr schwachem Verkehr entsteht, ausreichend ist
Vor der Schleuse ist jedoch eine Verbreiterung der Sohle bis
auf 82 m vorgenommen. An der Deichseite ist in Rücksicht
auf den benachbarten Deichkörper in der Höhe von Ord. 10,6 m,
d. i. 1,2 m unter dem Stauspiegel, ein 4 m breiter Absatz zur
Ausführung gebracht.
Die Binnenhafenfläche selbst ist am Höhenrand 0,8 m und
an der Hafenstrafse 0,9 m unter den gewöhnlichen Stauspiegel
des unteren Wehres, mithin auf Ord. 10,2 bezw. 10,3 m gelegt
worden. Die FlÖfse haben gewöhnlich nur 0,3 m, selten bis
0,5 m Tiefgang. Jene Halse schienen erforderlich, um auch
bei etwas gesenktem Stauspiegel, welcher bei höheren Brahe-
wasserstanden ausnahmsweise zur Verhütung einer Ueberachwem-
mung der oberhalb gelegenen Wiesen wohl eintreten kann, noch
genügende Tiefe zu behalten. Die Wege an beiden Seiten sind
8 m breit, 0,5 bis 0,7 m über dem Stauspiegel angelegt und
beiriest.
Die Begrenzung des Hafens ist am Höhenrande so aus
geführt, dafs sie eine möglichst geradlinige wurde und tiefere
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