Publication:
1882
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-13620810
Path:

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Der Holborn - Viaduct in London.
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nen Trägern gebildet. Bei Farringdon Street enden sie
mit verticalen Schächten, welche nach der Strafte zu mit
greisen Doppelthtiren, je einer dichten hölzernen und einer
durchbrochenen eisernen Thür, geschlossen sind. |
Die Ventilation findet statt: 1) entweder durch Oeff-
nung der Holzthüren in Farringdon Street, sowie ähnlicher
bei Shoe Lane befindlichen Thüren und der an beiden Enden
angelegten schachtartigen Oeffnungen, welche ähnlich wie
die Reinigungsschächte der Canalisationen hergestellt sind.
2) Als continuirüche Ventilatoren wirken die 30 cm weiten
gemauerten Röhren, welche auf die Bürgersteige ausmünden,
sowie die Ventilationsrohre, welche mit den Laternenpfählen
in Verbindung stehen. 3) Endlich hatte man in Aussicht
genommen, Röhrenleitungen aus den „subways“ bis in die
Nähe von Hauskaminen und längs derselben bis über die
Dächer der anliegenden Häuser zu führen. Da sich jedoch
die sonstige Ventilation als ausreichend erwies, um die nur
sehr selten in lästiger Weise sich fühlbar machenden Gase
zu entfernen, ist die letzterwähnte Methode nicht zur An
wendung gelangt.
Die „subways“ sind nur auf eine kurze Strecke mit
natürlichem Lichte, das durch Linsengläser einfällt, welche
man in den Ventilationsrohren angebracht hat, nothdürftig
beleuchtet. Dagegen ist eine ausreichende Anzahl von Gas
lichtern vorgesehen.!
Mit den Rohrlagergängen des Viaductes sind die nach
Charterhouse Street, St. Andrews Street und Snow Hill f(ih~
renden „subways“, welche gleichfalls 2, 3 m Höhe und 3, 65 m
Weite haben, in unmittelbare Verbindung gebracht.
Die Wasserrohren Jlagern auf gufteisernen Stühlen,
welche direct auf den Sandsteinplatton stehen. Die Gas
rühren, früher 2, jetzt, nachdem sich die beiden Gasfabri- 1
ken (City of London und Great Central Gas Comp.) vereinigt j
haben, nur noch 1, lagern auf gufteisernen Wandconsolen,
welche an den Aufsenseiten der Gänge angebracht sind. An |
den gegenüberliegenden Seiten sind gulseiserne Consolen zur
Aufnahme der Telegraphenkabel angebracht. Man hat neuer
dings auch die für die elektrische Beleuchtung nothwendigen
Drahtleitungen in den „subways“ angelegt. Die Wasser
rohren haben 35 cm, die Gasröhren 25 cm Durchmesser,
Sie sind übrigens genau so construirt, wie bei der gewöhn
lichen Verlegungsweise üblich ist. Da sie erheblich leichter
controllirt und reparirt werden können, treten nur sehr selten |
Undichtigkeiten auf. Für die Hausanschlüsse sind an passenden |
Stellen Oeffnungen in der Seitenwand des Tunnelgangs frei |
gelassen. {
Im unteren Theile der Tunuelgänge sind die Abfuhr- !
canäle angebracht, welche im Allgemeinen dem natür- |
liehen Hange des Bodens folgen und Ln die beiden Sammel
canäle ausmünden, welche an der Stelle des ehemaligen
Fleet River unter Farringdon Street sich binziehen. Die
Abfuhrcanäle liegen unmittelbar neben den inneren Wänden
der Tunnelgänge, damit die aus den Strafteugullics abfallen- |
den Röhren nur wenig aus der verticalen Richtung gelenkt
zu werden brauchen. Ein gepflasterter Fuftsteig nimmt den
freigelasseoen Theil der Breite des Tunnelganges ein. Na
türlich ist der Höhenabstand zwischen diesem Fuftsteig und
dem Boden der darüberliegenden „subways“ ein variabeler;
nach den Enden hin hört daher die Gangbarkeit vollstän
dig auf.
Dieser untere Theil der Tunnelgänge wird durch qua
dratische Schächte und Röhren veutilirt, welche in den
äufseren Wänden der Tunuelgänge vertical aufsteigen und
unter den Bürgersteigen, senkrecht umgebogen, in die be
nachbarten Häuser geleitet sind, an deren Brandmauern sie
durch Röbronleitungen bis über Dach verlängert werden. Das
Längsgefälle der Abfuhrcanäle beträgt 1 : 120 bis 1 : 13,
so daft überall eine selbstthätige Reinhaltung erfolgt.
Die Eingänge liegen in gleicher Höhe mit dem Straften-
pflaster sowohl auf Farringdon Street als auf Shoe Lane.
An beiden Enden des Viaductes sind aufterdem noch Em
steigeschächte seitwärts der Canäle angebracht, um die Ven
tilation befördern und die Instandhaltung erleichtern zu
können.
Die Strafsengullies sind mit gufseisernen Wasserver
schlüssen und Sandfängern versehen, aus denen von Zeit zu
Zeit der aufgesammelte Strafsenkoth entfernt werden rauft.
Die Abfallschächte bestehen aus Thonröhren, welche in das
Ziegelmauerwerk der Tunnelgangwände eingemauert sind.
An ihrem unteren Ende münden sie in eine steile Schräge,
auf welcher das Strafsenwasser direct in die Canäle fliefst.
Um das Rücktreten schlechter Luft aus dem unteren Theile
der Tunnclgänge in die Strafte zu verhindern, sind die Aus-
trittsüffnungen mit gufteisernen, sehr dicht schliefsenden
Klappen abgesperrt, welche nur so lange offen stehen, als
eine ihr Eigengewicht überwiegende Wasserschicht im Ab-
fallrohre steht, nach deren Abflufs sie wieder ventilartig
zurückfallen.
Eine gröfsere Anzahl von Hausanschlüssen wurde sofort
beim Neubau vorgesehen, um nicht nachträglich langwierige
Aufbruchsarbeiten nöthig zu machen. Der gröfste Theil der
selben ist bereits in Benutzung genommen. Sie bestehen
aus Thonröhren, welche mit mäfsigem Gefälle von der Haus
seite her dicht unter dem Fufssteig in den Abfuhrcanal
münden. Mit Klappen sind sie deshalb nicht geschlossen,
weil sie in unmittelbarem Zusammenhänge mit den, bis über
Dach führenden Steigeröhren stehen.
Zwischen den Tunnelgängen und den angrenzenden Ge
bäuden liegen in 3 Etagen über einander Reihen von klei
nen Kellorgowölben, etwa 3 m weit und 2 n m tief,
deren unterste Reihe nicht benutzt, sondern mit Erde zu
gefüllt ist, während die mittlere Reihe theilweise, die obere
aber, die auch allein auf der ganzen Viaductlängo oder doch
auf ihrem gröfsten Theile vorhanden ist, durchweg von den
anliegenden Hauseigenthümem Benutzung gefunden hat. In
London und den meisten englischen Städten sind nämlich
die Bürgersteige unterkellert. Meistens dient die sogenannte
„area“ als Aufbewahrungsort für die Kohlen, welche von
der Strafte aus durch verschlioftbare, schachtartigo Oeff
nungen eingeschüttet werden. Die Beleuchtung der Keller
räume erfolgt in verschiedener Weise, neuerdings vielfach
durch prismatische Glaslinsen, deren obere Seiten in glei
cher Flucht mit der Oberfläche der Bürgersteige liegen.
Westlich von Shoe Lane muftte beim Bau des Viaduc
tes ein Theil vom Kirchhofe der Andreasgemeinde (St. Än-
drew’s Churchyard) weggenommen werden. An dieser Stelle
sind statt der Kellergewölbe kräftige, verticalstehende Ge
wölbebogen eingespannt, welche sich gegen kleine, mit den
Pfeilern der inneren Tonnengewölbe correspondirende Pfeiler
stützen.
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