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Volume H. I-III

Full text : Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Ausgabe XXII.1872 (Public Domain)

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P.  Laspeyres,  Die  Baudenkmale  Umbriens.

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ihre  Entstehung  zu  danken  haben;  denn  das  eine  derselben,
links,  ist  blind,  und  nur  das  zur  Rechten  liegende  dient  als
Eingang  in  den  Palast.  Dem  Eintretenden  öffnet  sich  zunächst
eine  große  Durchfahrt,  deren  Tonnengewölbe  von  dem  vielgenannten ­
  Cristofano  Gherardi  mit  Gemälden  geschmückt  ist.
Von  hier  nimmt  die  breite  bequeme  Treppe  zum  Hauptgeschofs
ihren  Anfang;  gerade  aus  aber  gelangt  man  in  eine  grofse
offene  Halle,  welche  im  Erdgeschofs  die  Mitte  der  Hinterfront
des  Palastes  emnimmt,  ein  angenehmer  wegen  seiner  nördlichen ­
  Lage  kühler  Aufenthaltsort,  von  dem  aus  man  durch
die  funfbogige  Arcadenstellang  auf  Säulen  den  Blick  in  den
rückwärts  sich  öffnenden  Garten  ungehindert  geniefsen  kann.

No.  27.  Querschnitt  des  palazzo  Vitelli  a  porta  S.  Euidio
zu  Cittk  di  Caatello.
Durchfahrt  und  Halle  bilden  die  Corridorverbindung  für
die  Räumlichkeiten  des  Erdgeschosses,  deren  Eintheilung  von
geringem  Interesse  ist,  da  dieselbe  durchaus  keinen  Rückschluß ­
  auf  die  Anordnung  der  Gemächer  im  Hauptgeschoß
erlaubt.  Man  steigt  die  breiten  Stufen  der  sanft  geneigten
Treppe  hinan;  das  geräumig  entwickelte  Zwischenpodest  gewährt ­
  einen  erfreulichen  Rubepunkt  und  zugleich  durch  die
großen  Fenster  mit  Balustrade  die  Aussicht  in’s  Freie.  Einen
ebenso  angenehmen  Buhepunkt  erwartet  man  auch  am  oberen
Ende  der  Treppe,  bevor  man  in  die  Festsäle  eintritt,  allein
man  sieht  sich  bitter  getäuscht;  auf  einem  dunklen  engen
Treppenabsätze  öffnet  man  eine  grofse  Thür  und  gelangt  direct ­
  in  einen  riesenhaften  Saal,  welcher  die  ganze  Breite  des
Hauses  umfaßt,  und  mit  seiner  Höhe  durch  die  beiden  oberen
Stockwerke  reicht  (siehe  No.  27).  In  neuerer  Zeit  ist  dieser
öde  Raum  durch  eine  Zwischenwand  in  zwei  Zimmer  getheilt,
und  bei  dieser  Veranlassung  ist  auch  die  alte  Decke  durch
«ine  darunter  gespannte  schlecht  bemalte  Leinewand  dem
Auge  entzogen.  Die  Wände  reden  in  großen  jetzt  schon  fast
unkenntlich  gewordenen  Frescogem&iden  sehr  geringen  Werthes
von  den  Großthaten  der  Vitelli.  Selbst  für  die  aufsergewöhnlichen
  Maafse  des  Raumes  sind  diese  gigantischen  Menschenund
  Pferdeleiber,  Werke  des  Malers  Prospero  Fontana,  viel
zu  übertrieben  groß.  An  der  dem  Treppenzugang  gegenüberliegenden ­
  Langwand  steht  ein  gewaltiger  Kamin,  dessen  dorisches
mehrfach  verkröpftes  Gebälk  von  zwei  großen  mit  Stierköpfen
gezierten  Consolen  getragen  wird,  üeber  dem  Gebälk  folgt

ein  sehr  hoher  Aufbau  an  der  Wand  mit  dem  üppig  ausgebildeten ­
  Wappen  der  Vitelli.  Aus  diesem  Hauptversammlungs-Ra
  ume  führen  nach  vier  Richtungen  bin  kleinere  Flugelthüren
in  die  übrigen  Gemächer  des  Geschosses,  so  daß  durch  den
großen  Saal  alle  Zimmer  zu  einem  einzigen  Festlocale  vereinigt ­
  werden,  wobei  die  Anordnung  sämmtlicher  Thüren  in
einer  geraden  Flucht  dafür  Sorge  trägt,  daß  man  die  Großartigkeit ­
  dieser  Repräsentationsräume  in  vorteilhaftester  Weise
übersehen  bann.  Die  neben  der  Treppe  Hegenden  beiden
Gruppen  von  Zimmern  haben  angenehm  wohnliche  Verhältnisse. ­
  Auf  der  entgegengesetzten  Seite  des  Eintrittssaales  ist
der  Versuch  gemacht,  mittelst  eines  zweiten  kleineren  Saales
einen  Uebergang  von  den  Maaßverbältnissen  des  Hauptraumes
zu  den  bescheideneren  Abmessungen  der  sich  anschließenden
Zimmer  herzustellen.  Es  ist  deshalb  dem  zweifenstrigen  Saale,
welcher  unmittelbar  auf  den  Empfangssaal  folgt,  die  gleiche
durch  beide  Obergeschosse  reichende  Höhe  gegeben  worden.
Hier  wie  in  allen  folgenden  Zimmern  sind  die  Wände  nur
weiß  getüncht;  man  bemerkt  überall  unter  den  Deckengesimsen
  die  Haken  zum  Aufhängen  der  damals  üblichen  Teppiche. ­
  Ein  großer  schön  gezeichneter  Kamin,  in  pepetino
aasgeführt,  ziert  diesen  Saal,  dessen  alte  hölzerne  Cassettendecke
  ebenfalls  erhalten  ist.  Die  bald  größeren  bald  kleineren ­
  quadratischen  Cassetten  enthalten  Rosetten,  die  oblongen
Füllungen  dagegen  mythologische  Bilder.  Die  Cassettirung
ist  nicht  tief  genug,  um  bei  der  beträchtlichen  Hohe  des
Raumes  und  bei  der  reichlichen  Lichtfülle,  welche  die  doppelte
Fensterreihe  spendet,  eine  gute  kräftige  Wirkung  hervorzubringen. ­

Von  den  anderen  Räumlichkeiten  ist  wenig  zu  sagen;  in
ihren  Abmessungen  sind  sie  einander  ziemlich  gleich,  und  nur
in  der  Construction  und  Decoration  der  Decken  finden  sich
wesentliche  Abweichungen.  Die  Zimmer  an  der  westlichen
Ecke  des  Palastes  sind  mit  reich  stuckirten  Spiegelgewölben
mit  Stichkappen  gewölbt,  welche  dem  bei  diesem  Bau  als
Decorateur  sehr  lebhaft  betheiligten  Cristofano  Gherardi  zugeschrieben ­
  werden.  Die  Farben  sind  ungemein  lebendig  und
recht  harmonisch  gestimmt,  das  Ornament  zierlich,  die  Figuren
elegant  und  zart  gezeichnet;  es  sind  Decken  von  prächtiger
Erscheinung,  Die  hieran  sich  anschließenden  Zimmer  an  der
Südecke  sind  nicht  gewölbt,  sondern  zeigen  tiefe  hölzerne
Cassettendecken  mit  Unterzogen.  Die  farbige  Decoration  derselben ­
  ist  jedoch  grob  und  ohne  Werth.  Dafür  zeichnen  sich
diese  Räume  durch  hohe  gemalte  Friese  zwischen  den  Fenstersturzen ­
  und  der  Decke  aus,  Jünglinge  darstellend,  die  buntgewirkte ­
  Teppiche  Zurückschlagen,  hinter  welchen  weite  Landschaften ­
  sichtbar  werden.
Die  Thüren  sind  im  ganzen  Hauptgeschoß  unter  einander
gleich  in  Größe  und  Profilirung.  Sie  entsprechen  den  beiden
kleinen  Thüren,  welche  im  Durchschnitt  No.  27  zu  sehen
sind,  und  sie  tragen  auf  dem  Friese  das  Wappen  der  Vitelli
an  flatternden  Bändern  aufgehängt.
Es  kann  nicht  geleugnet  werden,  daß  für  glänzende
Festlichkeiten  die  Disposition  des  Hauptgescbossee  eine  zusammenhängende ­
  Kette  schöner  Räume  darbot,  und  wohl
mögen  sich  bei  solchen  Gelegenheiten  außer  dem  empfindlichen ­
  Mangel  eines  Vorplatzes  an  der  Treppe  die  Fehler  der
Anlage  sehr  wenig  fühlbar  gemacht  haben.  Die  Vemachläßigung
  einer  passenden  Corridorverbindung  findet  man  in
jenen  Zeiten  zu  häufig  in  den  Häusern  der  Großen,  aß  daß
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