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P. Laspeyres, Die Baudenkmale Umbriens.
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ihre Entstehung zu danken haben; denn das eine derselben,
links, ist blind, und nur das zur Rechten liegende dient als
Eingang in den Palast. Dem Eintretenden öffnet sich zunächst
eine große Durchfahrt, deren Tonnengewölbe von dem vielgenannten
Cristofano Gherardi mit Gemälden geschmückt ist.
Von hier nimmt die breite bequeme Treppe zum Hauptgeschofs
ihren Anfang; gerade aus aber gelangt man in eine grofse
offene Halle, welche im Erdgeschofs die Mitte der Hinterfront
des Palastes emnimmt, ein angenehmer wegen seiner nördlichen
Lage kühler Aufenthaltsort, von dem aus man durch
die funfbogige Arcadenstellang auf Säulen den Blick in den
rückwärts sich öffnenden Garten ungehindert geniefsen kann.
No. 27. Querschnitt des palazzo Vitelli a porta S. Euidio
zu Cittk di Caatello.
Durchfahrt und Halle bilden die Corridorverbindung für
die Räumlichkeiten des Erdgeschosses, deren Eintheilung von
geringem Interesse ist, da dieselbe durchaus keinen Rückschluß
auf die Anordnung der Gemächer im Hauptgeschoß
erlaubt. Man steigt die breiten Stufen der sanft geneigten
Treppe hinan; das geräumig entwickelte Zwischenpodest gewährt
einen erfreulichen Rubepunkt und zugleich durch die
großen Fenster mit Balustrade die Aussicht in’s Freie. Einen
ebenso angenehmen Buhepunkt erwartet man auch am oberen
Ende der Treppe, bevor man in die Festsäle eintritt, allein
man sieht sich bitter getäuscht; auf einem dunklen engen
Treppenabsätze öffnet man eine grofse Thür und gelangt direct
in einen riesenhaften Saal, welcher die ganze Breite des
Hauses umfaßt, und mit seiner Höhe durch die beiden oberen
Stockwerke reicht (siehe No. 27). In neuerer Zeit ist dieser
öde Raum durch eine Zwischenwand in zwei Zimmer getheilt,
und bei dieser Veranlassung ist auch die alte Decke durch
«ine darunter gespannte schlecht bemalte Leinewand dem
Auge entzogen. Die Wände reden in großen jetzt schon fast
unkenntlich gewordenen Frescogem&iden sehr geringen Werthes
von den Großthaten der Vitelli. Selbst für die aufsergewöhnlichen
Maafse des Raumes sind diese gigantischen Menschenund
Pferdeleiber, Werke des Malers Prospero Fontana, viel
zu übertrieben groß. An der dem Treppenzugang gegenüberliegenden
Langwand steht ein gewaltiger Kamin, dessen dorisches
mehrfach verkröpftes Gebälk von zwei großen mit Stierköpfen
gezierten Consolen getragen wird, üeber dem Gebälk folgt
ein sehr hoher Aufbau an der Wand mit dem üppig ausgebildeten
Wappen der Vitelli. Aus diesem Hauptversammlungs-Ra
ume führen nach vier Richtungen bin kleinere Flugelthüren
in die übrigen Gemächer des Geschosses, so daß durch den
großen Saal alle Zimmer zu einem einzigen Festlocale vereinigt
werden, wobei die Anordnung sämmtlicher Thüren in
einer geraden Flucht dafür Sorge trägt, daß man die Großartigkeit
dieser Repräsentationsräume in vorteilhaftester Weise
übersehen bann. Die neben der Treppe Hegenden beiden
Gruppen von Zimmern haben angenehm wohnliche Verhältnisse.
Auf der entgegengesetzten Seite des Eintrittssaales ist
der Versuch gemacht, mittelst eines zweiten kleineren Saales
einen Uebergang von den Maaßverbältnissen des Hauptraumes
zu den bescheideneren Abmessungen der sich anschließenden
Zimmer herzustellen. Es ist deshalb dem zweifenstrigen Saale,
welcher unmittelbar auf den Empfangssaal folgt, die gleiche
durch beide Obergeschosse reichende Höhe gegeben worden.
Hier wie in allen folgenden Zimmern sind die Wände nur
weiß getüncht; man bemerkt überall unter den Deckengesimsen
die Haken zum Aufhängen der damals üblichen Teppiche.
Ein großer schön gezeichneter Kamin, in pepetino
aasgeführt, ziert diesen Saal, dessen alte hölzerne Cassettendecke
ebenfalls erhalten ist. Die bald größeren bald kleineren
quadratischen Cassetten enthalten Rosetten, die oblongen
Füllungen dagegen mythologische Bilder. Die Cassettirung
ist nicht tief genug, um bei der beträchtlichen Hohe des
Raumes und bei der reichlichen Lichtfülle, welche die doppelte
Fensterreihe spendet, eine gute kräftige Wirkung hervorzubringen.
Von den anderen Räumlichkeiten ist wenig zu sagen; in
ihren Abmessungen sind sie einander ziemlich gleich, und nur
in der Construction und Decoration der Decken finden sich
wesentliche Abweichungen. Die Zimmer an der westlichen
Ecke des Palastes sind mit reich stuckirten Spiegelgewölben
mit Stichkappen gewölbt, welche dem bei diesem Bau als
Decorateur sehr lebhaft betheiligten Cristofano Gherardi zugeschrieben
werden. Die Farben sind ungemein lebendig und
recht harmonisch gestimmt, das Ornament zierlich, die Figuren
elegant und zart gezeichnet; es sind Decken von prächtiger
Erscheinung, Die hieran sich anschließenden Zimmer an der
Südecke sind nicht gewölbt, sondern zeigen tiefe hölzerne
Cassettendecken mit Unterzogen. Die farbige Decoration derselben
ist jedoch grob und ohne Werth. Dafür zeichnen sich
diese Räume durch hohe gemalte Friese zwischen den Fenstersturzen
und der Decke aus, Jünglinge darstellend, die buntgewirkte
Teppiche Zurückschlagen, hinter welchen weite Landschaften
sichtbar werden.
Die Thüren sind im ganzen Hauptgeschoß unter einander
gleich in Größe und Profilirung. Sie entsprechen den beiden
kleinen Thüren, welche im Durchschnitt No. 27 zu sehen
sind, und sie tragen auf dem Friese das Wappen der Vitelli
an flatternden Bändern aufgehängt.
Es kann nicht geleugnet werden, daß für glänzende
Festlichkeiten die Disposition des Hauptgescbossee eine zusammenhängende
Kette schöner Räume darbot, und wohl
mögen sich bei solchen Gelegenheiten außer dem empfindlichen
Mangel eines Vorplatzes an der Treppe die Fehler der
Anlage sehr wenig fühlbar gemacht haben. Die Vemachläßigung
einer passenden Corridorverbindung findet man in
jenen Zeiten zu häufig in den Häusern der Großen, aß daß
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