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Architekten-Verein zu Berlin. Mittbettungen aus gehaltenen Vorträgen.
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Versammlung am 8. October 1864.
Vorsitzender: Hr. Afsmann. Schriftführer: Hr. Wiedenfeld.
Eine dem Fr »gekästen entnommene Frage:
1) Welche Wasserstands-Differenzen treten durch Ebbe
und Fluth in der Elbe bei Hamburg ein?
2) Welche Differenz kommt überhaupt zwischen den
Wasserständen der Nord* und Ostsee vor?
3) Wie heifst and wo erhält man die kleine Schrift:
Ueber den projectirten Canal in Schleswig-Holstein von Gebr.
Christensen?
wird von den Herren Schwabe und Jacob dahin beantwortet,
dafs über die Frage ad 1 in einem Aufsatze der Hannöverscheu
Bauzeitung Aufschluß gegeben werde; die Frage ad 2
sei erst durch die jetzt in der Ausführung begriffenen Nivellements
noch zu losen. In der Bearbeitung des Canalprojectes
durch den Ingenieur Hansen sei diese Differenz zu 3 Fufs
angenommen worden. — Wegen des dritten Theils der Frage
wird Herr Ernst Erkundigungen eluziehen.
Demnächst macht der Vorsitzende darauf aufmerksam,
dafs das Mitnahmen von im Lesezimmer aasliegenden Journalen,
das nach einer Anzeige des Bibliothekars in der jüngsten
Zeit öfter vorgekommen, durchaus unstatthaft sei, und
ersucht er die Mitglieder solches zu unterlassen, auch die mitgenommenen,
jetzt vermifsten Journale baldigst zurückzubringen.
Herr Homer machte darauf einige Mittheilungen über die
Elisabeth-Westbahn von Wien nach Salzburg und Fassau.
Im August 1855 erhielt der prenfsische Commerzienrath
Lindheim die Concession zu den Vorarbeiten; es bildete sich
alsdann im Jahre 1856 eine Actiengesdlschaft, deren Statuten
am 21. Juli desselben Jahres genehmigt wurden. Die technische
Leitung wurde dem k. Rath Geifseler übertragen. Die
Arbeiten begannen demnächst im August. Die ganze Länge
beträgt 42 Meilen. Die Gesellschaft erwarb am 1. Januar
1857 die Bahnen Linz-Budweis und Linz-Gemunden; am
19. November 1858 wurde die Strecke Wien-Linz, am 1. September
1859 die Linie Linz-Laubach und endlich im Juni
1860 die ganze Strecke bis Salzburg eröffnet.
Bald hinter Wien fuhrt die Bahn durch den Wiener Wald.
Durch die Aussicht auf Schönbrunn und die schöne Umgebung
gewährt die Fahrt einen reichen Genuß Vermittelst einer
eisernen Gitterbrücke geht die Bahn über den Ort Penzig
weg und an vielen Landhäusern vorbei nach Huttendorf, einem
beliebten Ort für die Sommerausflüge der Wiener, und steigt
von hier ans dann in das Gebirge. Bei Weidlingaü ist die
Bahn durch einen bedeutenden Felseneinschnitt geführt, ln
starken Steigungen gelangt man nach Prefsbanm und nach
Eeckawinkel, von wo starke Gefälle und scharfe Curven nach
Neu-Lengenbach führen. In dieser Strecke liegen 2 Tunnel
und 2 Viaducte, deren erster 162 Klafter, der andere 130
Klafter lang ist; zwischen beiden Tunneln fuhrt die Babn auf
einem 81 Fufs hohen Damm über eine Schlucht. Der Viaduct
über den Eich graben ist 43 Klafter lang, 14 Klafter hoch,
gewölbt. Der zweite Viaduct bei Neu-Lengenbach ist 91 Klafter
lang, 10 Klafter hoch. Von der Bahn aus sieht man hier
das reizend gelegene Schlofs Lengenbach des Fürsten Liechtenstein.
Von Pettenbrunn ab steigt die Bahn wieder an;
nach Durchführung einer scharfen Curve hat man hier eine
herrliche Aussicht auf die Öberösterreichische Alpenkette, den
Semmering, Schneeberg, den Oetscher u. s. w.
Bei St. Pölten fuhrt die Bahn über den Traisenflufs mittelst
einer Gitterbrucke von 8 Oeffnungen zu 13| Klafter Lichtweite,
durchsetzt bei Prinzendorf demnächst in einem 36 Fufs
tiefen Einschnitte die nur niedrige Wasserscheide und geht
dann mittelst einer 40 Klafter langen Brücke von 3 Oeffnungen
über die Pielach. An vielen Schlössen» und Burgen
vorbei und durch einen 153 Klafter langen Tunnel fuhrt die
Bahn demnächst nach Kloster Melk. Man überblickt beim
Austritt aus dem Tunnel die prachtvoll gelegene Abtei und
das schöne Donauthal. Die eher einem Palaste als einem
Kloster ähnliche Benedictiner-Ablei ist von 1702 bis 1736 erbaut;
sie hat eine reiche Bibliothek von 30000 Bünden und
eine Gemäldesammlung.
Der Vortragende brach hiermit seinen Bericht ab, die
Fortsetzung für einen anderen Abend zusagend.
Herr Balthasar referirte demnächst über die Denkschrift
„Die Correction des Rheins von Basel bis zur grofsherzoglich
hessischen Grenze.“ Es scheint dieselbe lediglich von dem
Standpunkte aus verfafst zu sein, an competenter Stelle weitere
Baugelder flüssig zu machen, wenigstens liegt eine Darstellung
und Beürtheilung der ausgefuhrten Arbeiten vom technischen
Gesichtspunkte eingestandenermaßen, nicht in der Absicht
des Verfassers. Die Schrift bat für den Techniker daher nur
geringeres Interesse, nur insofern, als hin und wieder Angaben
über Umfang und Zweck der Bauten darin zerstreut sind.
Die Correctionsarbeiten im Großherzogthum Baden umfassen
die Strecke von Basel bis zur hessischen Grenze. Wetter
oberhalb sind größere zusammenhängende Arbeiten wegen
des engen Felsbettes nicht erforderlich gewesen. Die corrigirte
Strecke wird in zwei Abschnitten von Basel bis zur
Pfalz und von hier bis zur hessischen Grenze betrachtet.
Vordem beschränkten sich die Flughäuten allein auf den Schutz
der Ufer gröfstentheils seitens der Gemeinden und nur selten
von Seiten des Staates, und hatten nur geringen Erfolg.
Der badische Oberst Tulla regte 1817 zuerst die Idee an,
durch ein gleichmäßiges und einheitliches Vorgehen der beiderseitigen
Uferstaaten eine Fixirung des Flußlaufes anzubahnen.
Man begann im folgenden Jahre zuerst in dieser
Weise auf der Strecke von Neuburg bis Dettenheim. Die
Arbeiten sind bis heute weitergefuhrt worden und noch nicht
vollendet.
Ganz verwildert war das Strombett auf der 28 Meilen
langen Strecke längs der französischen Grenze. Der Strom
hat Wer bei einem Gefälle von y-yV? bis tjVö «ine Geschwindigkeit
von 12 bis 8 Fuß bei Hochwasser und fuhrt dabei
250000 Cubikfufs und bei Mittelwasser etwa 50000 Cubikfuß
pro Secunde ab.
Hier ist die Länge des Stromes von 28,6» Meilen im Jahre
1838 bis auf 24,ss Meilen im Jahre 1861 abgekürzt worden.
In dieser Länge sind auf badischer Seite auf 17,66 Meilen
Länge die Uferbauten ausgeführt. Aus den alten Rinnsalen
des Stromes sind ca. 25000 Morgen nutzbares Land gewonnen
worden * £ hiervon ist bereits der Cultur übergeben, weitere f
aber dem Wasser schon abgerungen.
Seit den letzten 20 Jahren ist der Wasserspiegel um nicht
weniger als 5 Fuß gesenkt worden, wodurch für die Bodencultur
unermeßliche Vortheile erzielt worden sind, die erst
dann ihren Abschluß erhalten werden, wenn die durch diese
Senkung möglich gewordene Correction der in den Rhein hier
mundenden Nebenflüsse ausgeführt sein wird.
Zur Vollendung der ganzen Correction sollen an der
Grenze des 300 Fuß breiten Vorlandes nach und nach Schutzdeiche
aufgeführt resp. etwa vorhandene in diese Entfernung
gerückt werden.
, Die längs der französischen Grenze in den Jahren 1838
bis 1861 aufgewendeten Kosten betragen für Baden 8229577
Gulden, wovon 9,6 pCt. aus Beiträgen der Gemeinden gedeckt