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Literatur.
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digen und tüchtigen Eigenschaften des englischen Nationalcharakters
in dieser Architektur nachgewiesen. Auch hier unterstützen
zahlreiche Abbildungen von Grundrissen, Ansichten,
Durchschnitten und Detailformen auf genügende Weise das
Verständnifs. In’s Einzelne zu gehen wird man uns hier wohl
erlassen.
Vom folgenden Capitel, welches uns nach Deutschland
versetzt, ist erst ein unbedeutender Theil in dieser Lieferung
enthalten. Wir können unsern Bericht über diesen neuen Abschnitt
des vortrefflichen Werkes nicht schliefsen, ohne das
lebhafteste Bedauern darüber auszusprechen, dafs eine plötzlich
eiügctretene Krankheit des hochverehrten Verfassers das
Erscheinen der vorliegenden Abtheilung unterbrochen hat. Hof*
fen und wünschen wir von ganzem Herzen ihm und uns seine
baldige Wiederherstellung und die Vollendung seiner bedeutenden
Arbeit I
Bains et lavoirs publics, Plans, elEvations et de-■
tails de Etablissement eriye ä Bruxelles, rue des tanneurs
et d'autres Etablissements projetes pour diverses
localites par Wynand Janssens, architecte.
Bruxelles. Van der Kolk, editeur. Passage Hubert.
1855.
Wir glauben die Leser unseres Blattes mit um so gröfserem
Rechte auf das Erscheinen des vorliegenden Werkes aufmerksam
machen zu müssen, als die Anlage öffentlicher Waschund
Badehäuser zum Gebrauche der unbemittelteren Classen
in volkreichen Städten sich immer mehr als ein dringendes
Bedürfnis herausgestdlt hat. Dem Vorgänge von London und
anderen englischen Städten folgend, haben sich dieselben in
Paris, Brüssel und in neuester Zeit auch in Berlin Bahn gebrochen,
und die überaus grofse Tbeilnahme, welche sie finden,
beweist, wie sehr es in dem Interesse des allgemeinen
Wohles Hegt, der Errichtung solcher Anstalten den möglichsten
Vorschub zu leisten. Hoffentlich wird die Zeit nicht mehr
fern sein, wo jede etwas bedeutendere Stadt ihren ärmeren
Bewohnern dieses Mittel gewährt, um ihrer physischen und
geistigen Gesundheit zu Hülfe zu kommen. Unter diesen Umständen
hat die Publication der Brüsseler Wasch- und Badehäuser
einen ganz besonderen Werth. Sie giebt Muster zu
dergleichen Anlagen in einem mäfsigen Umfange mit all’ den
Erfahrungen, welche sich neuerdings als günstig bewährt haben,
und zwar in einer Ausführlichkeit der Darstellung, die
jeden Architekten zur selbständigen Durchführung ähnUcher
Gebäude hinlänglich befähigen dürfte.
Die Wasch- und Badeanstalt in der Rue des tanneurs,
deren Grundrifs zuerst mitgetheilt wird, umfafst im Ganzen
37 ßadezellen, und zwar in folgenden Abteilungen;
12 Zellen 1. Classe für Männer,
18 „ 2- „ desgl.
3 „ 1. „ für Frauen,
4 „ 2. n deagl.
Dieses Verhältnis, welches den in England darüber
gemachten Erfahrungen entsprach, zeigte sich jedoch für
Brüssel bald als ein unrichtiges, indem die Benutzung der
Frauen-Bäder in einem viel bedeutenderen Maafsstabe stattfand,
als man gehofft hatte. Demgemäfs wurde die Anzahl
der letzteren auf 17 erhöht, und zwar wurden 10 Bäder 1.
Classe und 7 Bäder 2. Classe für den Bedarf der Frauen eingerichtet.
üeberdies aber wurde Vorsorge getroffen, einige
Zellen zu einer gemeinsamen Benutzung von je zwei Personen
dem Wunsche des Publicuras gemäfs in den Stand zu setzen.
Auch für die 2. Classe der Männerbäder stellte sich eine Vermehrung
als vorteilhaft heraus, was vorzugsweise darin seinen
Grund hatte, dafs die ärmere Volksclasse nur zu bestimmten
, durch ihre Thätigkeit sehr beschränkten Tageszeiten
sich der Bäder bedienen kann, wodurch natürlich alsdann
ein schwer zu .befriedigender Andrang hervorgebracht
wurde.
Im Allgemeinen ist die Anordnung des Grundplanes dergestalt
geordnet, dafs, unter Rücksichtnahme einer vollständigen
Trennung der Eingänge für beide Geschlechter, neben dem
Entree, wo die Billets gelöst werden, sich ein Wartesaal befindet
und von diesem aus, an einem mittleren Oomdox Hegend,
die Badezellen sich anschliefsen. Die Breite des Corridors
ist etwa Fufs; die Zellen haben Fufs Länge und
etwa 5£ Fufs Breite. Die Badewannen, aus starkem Zink gefertigt,
sind in eine Holzverkleidung eingelassen, die sich an
der Rückwand als Bank umherzieht. Ein Spiegel, ein beweglicher
Tisch, ein Kleiderriegel und eine Klingel bilden die
übrige Ausstattung der Zellen, die im Wesentlichen bei den
verschiedenen Classen und Geschlechtern sich gleich bleibt.
Der Unterschied der 1. und 2. Baderclasse besteht hauptsächlich
darin, dafs bei der letzteren nur der Verbrauch eines bestimmten
Quantums vom warmen Wasser gestattet ist, während
der ersteren die Benutzung desselben vollkommen freisteht.
Von dem Eingänge für die Frauenbäder aus gelangt man
durch das gemeinschaftliche Wartezimmer zugleich in den
Waschraum, der im vorliegenden Falle Stände für 40 Wäsche-(
rinnen enthält. Die Stände, durch steinerne Zwischenwände
von Zoll Dicke getrennt, haben einen hölzernen mit Zink
überzogenen Waschtrog, der in zwei Theile getheilt ist, wovon
der eine zum Auswaschen, der andere aber zum Einbücken
der Wäsche dient. Beide Bäume haben Dampf- und
Kaltwasser-Zuleitungen. Die Dampfzuleitung, auf dem Grunde
des Beckens angebracht, erwärmt das Wasser bis zu jedem
beliebigen Grade.
Es wurde zu weit fuhren, die verschiedenen Manipulationen
des Waschens hier genauer zu detailliren; wir bemerken
nur, dafs die Trockenmaschine, die Trockengestelle und der
Platt-Tisch bei der in Rede stehenden Anlage in ein und
demselben Raume sich befinden, wodurch derselbe ein wenig
beschränkt erscheint. Ein Raum für die Dampfmaschine, für
die Kohlen-Niederlage, die Reservoirs und ein geräumiger Hof
beohliefsen das Ganze.
Ein zweiter Grundrifs zeigt die Anordnung einer gleichen
Anstalt für die Gemeinde von St. Josse ten Noode bei Brüssel
von fast demselben Umfange; nur der Raum für die Wäscherinnen
erscheint beschränkter.
Endlich sind zum Schlüsse noch einige Pläne hinzugefügt,
die dem Bedürfnifs kleinerer Städte angepafst sind. Das
Ganze wird durch die in geeignetem Maafsstabe beigegebenen
Durchschnitte und Details aller wesentlichen Theile und Maschinerien
zu vollständiger Klarheit gebracht, und wenn wir
noch die höchst saubere Ausstattung des Werkes in farbigem
Druck rühmend hervorheben, so glauben wir, dasselbe nach
allen Seiten hin mit Recht empfehlen und dem Verfasser unsem
Dank für seine schätzenswerthe Mittheilung abstatten zu
dürfen. E.