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Periodical volume

Full text: Konjunkturbericht Issue 2011

Konjunkturbericht
Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage Herbst 2011

Inhalt

Gesamtwirtschaft	5 Geschäftsklima 	 Geschäftslage und Geschäftserwartungen 	 Beschäftigungspläne 	 5 6 8

Investitionspläne	9 Exporterwartungen	10

Branchenbetrachtung	11 Industrie	11 Handwerk	12 Bauindustrie	15 Handel	16 Dienstleistungsgewerbe	17 Gastgewerbe und Touristik	 18

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Geschäftsklima
Erste Abkühlung seit drei Jahren
150 140 130 120 110 100 90 80 70 0 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
87 136 123 127 139

Der Geschäftsklimaindikator ist das geometrische Mittel der Salden aus Geschäftslage und Geschäftserwartungen. Er errechnet sich als Quadratwurzel aus dem Produkt beider Salden. Wenn beide Salden gleich null sind, nimmt der Indikator den neutralen Wert 100 an. Das geometrische Mittel gilt als „konservativer“ Durchschnitt, weil stets der niedrigere Saldo stärker gewichtet wird. jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

Nach der raschen Erholung im Jahr 2009 und dem kräftigen Aufschwung im vergangenen Jahr, kühlt sich das Geschäftsklima der Berliner Wirtschaft im Herbst 2011 wieder ab. Der Konjunkturklimaindex fällt von seinem Rekordstand vor vier Monaten um zwölf Punkte auf 127 Zähler und trübt sich somit erstmalig seit drei Jahren gegenüber der Vorumfrage ein. Gleichwohl liegt der Index noch immer deutlich über dem Zehnjahresschnitt von 108 Punkten. Der Befragungszeitraum der aktuellen Umfrage im September 2011 war geprägt von permanenten Turbulenzen an den Finanzmärkten, Verschuldungsproblemen und der negativen Korrektur von Wachstumsprognosen. Dennoch ist die Stimmung in einzelnen Branchen der Berliner Wirtschaft sogar noch besser als zur Vorumfrage. So steigt der Klimaindex des Handwerks auf einen neuen Rekordstand von 112 Punkten, acht Zähler mehr als im Frühjahr. Höhere Indexwerte sind lediglich für den Herbst 1991 und das Frühjahr 1992 aufgrund von Sondereffekten im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung erreicht worden. Auch im Gastg­ewerbe hellt sich das Klima auf, der Index gewinnt sieben Punkte gegenüber der Vorumfrage hinzu und liegt aktuell bei überdurchschnittlich guten 130 Zählern. Die im Berichtszeitraum erneut

gewachsenen Gästezahlen in der Hauptstadt machen sich positiv bemerkbar. Die Stimmung in der Industrie ist noch immer sehr gut und nur wenig zurückhaltender als zur Jahresmitte: Der Klimaindex verlor nur vier Punkte und kommt aktuell auf 130 Zähler – deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von 110 Zählern. Auf ähnlich hohem Niveau, gleichwohl gegenüber der Vorumfrage stärker eingetrübt, ist die Stimmung im Dienstleistungsgewerbe, dessen Klimaindex 19 Zähler verliert und auf 132 Punkte zurückgeht. In der Bauindustrie beträgt der Index aktuell 135 Zähler. Mit 125 Punkten nur knapp unter dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft liegt der Index der Touristikbranche. Hingegen deutlich zurückhaltender als in der Gesamtwirtschaft ist die Stimmung im Handel, dessen Klimaindex im Herbst auf 114 Punkte gegenüber 131 zur Vorumfrage im Frühjahr fällt.

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Geschäftslage und Geschäftserwartungen
Geschäfte laufen gut – Zuversicht schwindet
50 40 30 20 10 0
Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der aktuellen und der erwarteten Geschäftslage jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres
-2 36 39 30 17 16 32 40 46

-10 -20 -30 -40 2001 Lage 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
-23

2009

2010

2011

Erwartungen

Die Geschäfte in den meisten Unternehmen Berlins laufen im Herbst 2011 nach wie vor gut. Gleichwohl hegt die Wirtschaft zunehmend Zweifel, ob dies auch in den kommenden Monaten der Fall sein wird. So verliert der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Erwartungen gegenüber der Vorumfrage im Frühjahr die Hälfte seines Wertes und zählt aktuell nur noch 16 Punkte. Ihre Einschätzungen zur laufenden Geschäftslage korrigieren die Unternehmen dagegen verhältnismäßig moderat nach unten. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der laufenden Geschäfte sinkt um sechs Zähler gegenüber dem Frühjahr und beträgt im Herbst 40 Punkte. Dies ist der zweitbeste Wert seit Beginn der Umfrage. Das sonst eher zurückhaltend gestimmte Hand­ werk überrascht zur aktuellen Umfrage mit positiven Rekordwerten. Entgegen der langsam abflauenden Geschäfte in der Gesamtwirtschaft verbessert sich der Saldo so kräftig wie seit 1991 nicht mehr auf 24 Zähler, den höchsten Wert seit Beginn der Umfrage. Dass die Berliner Handwerksbetriebe auch weiterhin mit guten Geschäften rechnen, zeigt der Saldo der Erwartungen, der sich gegenüber der Vorumfrage nur um einen Zähler verringert. Zwar liegt dessen Niveau mit aktuell zwei Punkten unter dem der

Gesamtwirtschaft, gleichwohl deutlich über dem langfristigen Durchschnitt des Handwerks von minus 18 Punkten. Die Unternehmen in Industrie und Gastgewerbe sind deutlich weniger zuversichtlich als noch im Frühjahr. Gleichwohl ziehen die laufenden Geschäfte beider Branchen im Berichtszeitraum nochmals kräftig an. In der Industrie steigt der Saldo der Geschäftslage zur aktuellen Umfrage um drei Punkte auf 51 Zähler, den höchsten Wert seit Jahresbeginn 2007. Die Branche profitiert von den guten Auftragseingängen des Frühjahrs. Eine zunehmende Zahl von Unternehmen rechnet jedoch damit, dass sich dieser Aufwärtstrend nicht weiter fortsetzt. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Erwartungen fällt gegenüber dem Frühjahr um zehn Punkte auf zwölf Zähler zur aktuellen Umfrage. Dem Gast­ gewerbe beschert die weiter wachsende Zahl der Hauptstadttouristen gute Geschäfte. So gewinnt der Saldo der laufenden Geschäfte gegenüber dem Frühjahr 21 Zähler hinzu und beträgt im Herbst 36 Punkte. Mit wachsender Zurückhaltung werden aber auch in Hotellerie und Gastronomie die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate beurteilt. Der Erwartungssaldo beträgt aktuell 25 Punkte, fünf Punkte weniger als vor vier Monaten. Ein immer noch guter

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Frühjahr 2010 Geschäftslage gut befriedigend schlecht Saldo aus gut und schlecht Geschäftserwartungen besser gleichbleibend schlechter Saldo aus besser und schlechter 31 % 51 % 18 % 13 31 % 54 % 15 % 16

Herbst 2010 Frühjahr 2011

Herbst 2011

39 % 52 % 9 % 30 30 % 57 % 13 % 17

53 % 39 % 7 % 46 39 % 53 % 7 % 32

49 % 43 % 9 % 40 30 % 55 % 14 % 16
Abweichungen der Anteilssummen von 100 sind Rundungen der Prozentangaben geschuldet.

Wert, der aber hinter den Spitzenwerten früherer Umfrageergebnisse zurückbleibt. Nach wie vor überwiegend gut, aber nicht mehr überschwänglich, beurteilen die Berliner Dienstleister die laufende Geschäftstätigkeit. Der Saldo der aktuellen Geschäftslage verringert sich auf hohem Niveau um zwölf Punkte und beträgt im Herbst 46 Zähler. Dagegen trüben sich die Erwartungen in der Dienstleistungsbranche zur aktuellen Umfrage sehr kräftig ein, der Saldo fällt auf 19 Punkte, nachdem er im Frühjahr noch 45 Punkte zählte. Die Berliner Händler verzeichnen zum Teil bereits im Berichtszeitraum der aktuellen Umfrage schlechtere Geschäfte als im Frühjahr. Der Saldo der Geschäftslage beträgt nur noch 23 Punkte nach 41 Punkten im Frühjahr. Grund für diese deutlich schlechteren Einschätzungen dürfte nicht zuletzt das zögerliche Wachstum des Umsatzes in den vergangenen Monaten sein. Die Geschäftsaussichten in der Branche lassen vorerst keine Trendwende erkennen. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Erwartungen bricht gegenüber der Vorumfrage im Frühjahr um 15 Punkte ein beträgt aktuell noch sechs Zähler. Den Touristikunternehmen bescheren die im Berichtszeitraum weiter ansteigenden Gästezahlen überwiegend gute oder zufriedenstellende

Geschäfte. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der Geschäftslage beträgt zur aktuellen Umfrage 35 Punkte. Die Erwartungen der Unternehmen sind dagegen verhaltener, der Saldo aus zuversichtlichen und pessimistischen Aussichten zählt im Herbst 16 Punkte. Die Bauindustrie der Hauptstadt konnte im Berichtszeitraum von guten Geschäften im Wohnungsund gewerblichen Bau profitieren. Der Saldo zur Einschätzung der laufenden Geschäfte zählt 35 Punkte, ähnlich wie im vergangenen Herbst. Überraschend zuversichtlich sind auch die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate, der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Einschätzungen beträgt aktuell 35 Punkte, deutlich mehr als vor einem Jahr.

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Beschäftigungspläne
Geringerer Personalaufbau geplant
30 25 20 15 10 5 0 -5
Saldo aus zunehmenden und abnehmenden Beschäftigungsplänen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres
10 10 18 28

-10 -15 -20 -25 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
-19

2009

2010

2011

Im Herbst korrigieren viele Unternehmen die sehr guten Beschäftigungspläne des Frühjahrs deutlich nach unten. Der Saldo aus expansiven und zurückgehenden Beschäftigungsplänen beträgt aktuell zehn Punkte und damit 18 Zähler weniger als noch vor vier Monaten. Damals erreichte der Saldo den höchsten Stand seit Beginn der Umfrage. Der Anteil der Befragten, die ihre Belegschaft zu erweitern beabsichtigen, ist von 36 Prozent auf 22 Prozent zurückgegangen. Ihren Personalbestand verringern wollen zwölf Prozent der Befragten, fünf Prozentpunkte mehr als im Frühjahr. Wenn auch eine deutliche Korrektur stattgefunden hat, so sind die aktuellen Beschäftigungspläne nach wie vor expansiver als im langfristigen Durchschnitt. In der Berliner Industrie sind die Personalpläne besser als in anderen Branchen. Der Beschäftigungssaldo beträgt aktuell 15 Punkte und ist gegenüber der Vorumfrage um moderate sieben Zähler zurückgegangen. Selbst vor dem Hintergrund abgeschwächter Wachstumsaussichten will ein Viertel der Befragten zusätzliches Personal einstellen. Lediglich ein Zehntel geht von Entlassungen aus. Vom Niveau her nur geringfügig niedriger, zählt der Saldo im Dienstleis­ tungsgewerbe aktuell 13 Punkte. Gegenüber dem Frühjahr ist er allerdings um 25 Punkte

gefallen. Neues Personal einzustellen plant immer noch ein Viertel der befragten Dienstleister, zur Umfrage im Frühjahr berichteten 44 Prozent von expansiven Personalplänen. Der Saldo der Personalpläne im Handel büßt vier Zähler ein und zählt zur aktuellen Umfrage fünf Punkte. Ebenfalls zurückhaltend haben sich die Beschäftigungspläne im Berliner Gastgewerbe entwickelt. Der Saldo zählt aktuell nur vier Punkte, im Frühjahr waren es 21 Zähler, im vergangenen Herbst 27 Punkte. Hinsichtlich der Beschäftigung ist das Berliner Handwerk optimistisch. Aktuell beabsichtigen 15 Prozent der Handwerksbetriebe Personal einzustellen, gegenüber 14 Prozent in denen Personalabbau zu erwarten ist. Saisonbedingt und auf Grund des zu erwartenden Mangels an Fachkräften fällt der Saldo gegenüber dem Frühjahr von plus sieben auf plus einen Zähler. Negativ wird der Saldo in der Berliner Touristikbranche - sechs Prozent der Befragten planen die Belegschaft zu verringern, nur drei Prozent wollen sie erweitern.

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Investitionspläne
Investitionsneigung geht zurück
20 15 10 5 0 -5 -10 -15 -20 -25 -30 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
-25 6 7 17

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Saldo aus zunehmenden und abnehmenden Investitionsplänen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

2009

2010

2011

Im Herbst 2011 sind die Investitionsabsichten in der Berliner Wirtschaft, wenn auch noch zuversichtlich, so doch erheblich zurückhaltender als im Frühjahr. Der Saldo der Investitionspläne beträgt aktuell sieben Punkte und damit acht Zähler weniger als vor vier Monaten; aber noch immer deutlich mehr als der Zehnjahresschnitt von minus vier Punkten. Der Saldo geht ausschließlich zurück, da sich der Anteil expansiver Investitionspläne von 27 Prozent zur Umfrage im Frühjahr auf 20 Prozent im Herbst vermindert. Hingegen legt der Anteil jener Unternehmen, die ihre Investitionsvolumina in den kommenden Monaten zu senken beabsichtigen, nur um einen Prozentpunkt auf 13 Prozent zu. Die Zahlen lassen also kein deutliches Abflauen der Investitionstätigkeit der Berliner Wirtschaft erwarten, wohl aber stärkere Zurückhaltung bei der Ausweitung von Investitionsprojekten. In der Industrie Berlins sinkt der Investitionssaldo um 18 Zähler und beträgt aktuell 13 Punkte. Dieser Wert liegt über dem langfristigen Durchschnitt. Gleichwohl zeigt die Entwicklung, dass die Unternehmen dem zu erwartenden Produktionswachstum wieder engere Grenzen setzen als zur Vorumfrage. Zum Einen waren die Auftragseingänge im Berichtszeitraum nicht mehr ganz so expansiv wie noch im Frühjahr, zum Anderen

reagieren auch die Berliner Industrieunternehmen verstärkt auf Wachstumswarnungen für die kommenden Quartale. Im Dienstleistungs­ gewerbe sind die Investitionspläne, wie die übrigen Zukunftsindikatoren auch, zur aktuellen Umfrage erheblich zurückhaltender als noch im Frühjahr. Auch hier ist das Bild vor allem durch den abnehmenden Anteil expansiver Investitionspläne bestimmt, der von 25 Prozent auf 17 Prozent zurückgeht. Sehr erfreulich entwickeln sich die Investitionsabsichten dagegen im Handel. Obwohl nur wenig mehr Unternehmen ihre Investitionsausgaben zu steigern beabsichtigen, geht der Anteil abnehmender Investitionspläne von 20 Prozent im Frühjahr auf nunmehr elf Prozent zurück. Der Investitionssaldo steigt von sieben auf 18 Punkte. Im Berliner Handwerk trüben sich die Investitionsabsichten gegenüber dem Frühjahr wieder ein, der Saldo beträgt aktuell minus 20 Punkte, sechs Zähler weniger als vor sechs Monaten. Gleichwohl sind die Investitionspläne besser als im Herbst des Vorjahres, als der Saldo minus 24 Punkte zählte.

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Exporterwartungen
Leichter Rückgang auf moderatem Niveau
60 50 40
32

30 20 10
Saldo aus zunehmenden und abnehmenden Exporterwartungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres
19 19 16

0 -10 -20
-22

-30

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

Moderate Zuversicht bestimmt auch im Herbst 2011 die Exportaussichten der Berliner Unternehmen. Gegenüber der Vorumfrage werden sie nur vorsichtig nach unten korrigiert. Der Saldo verringert sich um drei Punkte auf aktuell 16 Zähler. Der Anteil negativer Exporteinschätzungen steigt von vier auf acht Prozent. Mit zunehmenden Ausfuhren rechnen 24 Prozent der Unternehmen, ähnlich viele wie zur Vorumfrage. Die noch immer verhältnismäßig guten Aussichten erwachsen nicht zuletzt aus der positiven Entwicklung der Exportaufträge im Berichtszeitraum. So gingen zwischen Mai und Juli des laufenden Jahres 6,3 Prozent mehr Aufträge ein als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Verhältnismäßig gute Exportaussichten sehen die Produzenten von Investitionsgütern: 40 Prozent der Befragten rechnen damit, dass ihre Ausfuhren in den kommenden Monaten zulegen werden. Zwölf Prozent erwarten sinkende Exporte. In der äußerst exportorientierten Investitionsgüterproduktion sind diese Werte eher durchschnittlich; im Exportboom zum Jahresbeginn 2008 erwarteten zwei Drittel der Unternehmen steigende Ausfuhren. Doch derartige Euphorie ist vor dem Hintergrund der aktuellen, permanenten Unsicherheit über die Entwicklung wichtiger Volkswirtschaften nicht zu erwarten.

Die Produzenten von Vorleistungsgütern schätzen die Exportaussichten etwas verhaltener ein als die Investitionsgüterproduzenten. Gleichwohl rechnen auch hier nach wie vor mehr Unternehmen mit zunehmenden als mit zurückgehenden Exporten. Auffällig ist, dass trotz der guten Auftragseingänge aus dem Ausland im ersten Halbjahr 2011 die Exporterwartungen deutlich hinter denen der Jahre 2006 bis 2008 zurück bleiben. Das Vertrauen in das Wachstum der Exportmärkte hat sich während des Aufschwungs 2010 und 2011 nicht vollständig erholt. Die aktuellen, wachstumsgefährdenden Risiken im Euro- und im Dollarraum wirken der Vertrauensbildung weiter entgegen.

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Industrie
Geschäfte verbessern sich weiter
Industrie Geschäftsklima Veränderung zur Vorumfrage Geschäftslage* Geschäftserwartungen* Beschäftigungspläne* Investitionspläne* Exporterwartungen* Frühjahr 2010 112 13 21 3 -8 -2 12 Herbst 2010 Frühjahr 2011 119 7 20 18 8 9 19 134 15 48 22 22 31 19 Herbst 2011 130 -4 51 12 15 13 16
* Saldo aus gut und schlecht, besser und schlechter bzw. zunehmend und abnehmend.

Die Stimmung der Berliner Industrie kühlt gegenüber dem Frühjahr nur wenig ab – der Geschäftsklimaindikator verliert vier Punkte und beträgt aktuell 130 Zähler. Ursache dieses leichten Rückgangs ist die Eintrübung der Geschäftsaussichten in vielen Industrieunternehmen, während die laufenden Geschäfte sogar noch besser bewertet werden als im Frühjahr. Der Saldo der Geschäftslage aus positiven und negativen Einschätzungen legt um drei Punkte auf 51 Zähler zu. Dahinter stehen gut ausgelastete Produktionskapazitäten und bei vielen Unternehmen weiterhin zulegende Exporte. Die Ertragslage ist gegenüber der Vorumfrage stabil, ein knappes Drittel der Befragten berichtet von gestiegenen, ein Fünftel von gesunkenen Erträgen. Diese erfreuliche Entwicklung dürfte noch einige Zeit anhalten, da sich die Auftragseingänge zu Beginn des laufenden Jahres sehr positiv entwickelt haben. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate jedoch trüben sich erheblich ein. Der Saldo aus positiven und negativen Geschäftsaussichten beträgt aktuell zwölf Punkte und verliert zehn Zähler gegenüber der Vorumfrage. Nicht zuletzt die im aktuellen Berichtszeitraum wieder langsamer steigenden Auftragseingänge illustrieren die Gründe für die schwindende Zuversicht: Im Herbst berichten 32 Prozent der Un-

ternehmen von gestiegenen Auftragseingängen, im Frühjahr waren es noch 54 Prozent. Entsprechend trüben sich auch die Umsatzerwartungen ein. Die abnehmende Zuversicht unter den Berliner Industrieunternehmen wird flankiert von einer zurückhaltenderen Investitions- und Personalplanung. Der Saldo der Investitionspläne – gebildet aus expansiven und zurückgehenden Investitionsabsichten – fällt gegenüber der Vorumfrage um 18 Zähler auf 13 Punkte. Auch die Investitionsmotive sind weniger wachstumsorientiert. Aktuell planen 39 Prozent der Industrieunternehmen ihre Produktionskapazitäten auszuweiten, dem stehen 48 Prozent im Frühjahr gegenüber. In Rationalisierungsmaßnahmen zu investieren, planen hingegen 51 Prozent, vor vier Monaten war es noch ein Drittel der Befragten. Die Personalpläne in der Branche zeigen, dass sich der Beschäftigungsaufbau in der Berliner Industrie voraussichtlich auch in den kommenden Monaten fortsetzen wird. Dessen Tempo dürfte sich aber verringern. Aktuell ist in 26 Prozent der Industrieunternehmen Personalaufbau geplant, neun Prozentpunkte weniger als im Frühjahr. Allerdings verkleinert sich auch der Anteil Entlassungen planender Unternehmen von 13 Prozent im Frühjahr auf aktuell zehn Prozent.

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Handwerk
Berliner Handwerk in Hochstimmung
Handwerk Geschäftsklima Veränderung zur Vorumfrage Geschäftslage* Geschäftserwartungen* Beschäftigungspläne*
* Saldo aus gut und schlecht, besser und schlechter bzw. zunehmend und abnehmend

Frühjahr 2010 91 8 -12 -6 2 -19

Herbst 2010 Frühjahr 2011 102 11 10 -5 -9 -24 104 2 6 3 7 -14

Herbst 2011 112 8 24 2 1 -20

Investitionspläne*

Zum fünften Mal in Folge ist eine Verbesserung des Geschäftsklimaindex des Berliner Handwerks zu vermelden. Der Index, der als Stimmungsindikator sowohl die aktuellen Einschätzungen der Geschäftsergebnisse der letzten sechs Monate als auch die Erwartungen der Betriebe für die kommenden sechs Monate einschließt, erreicht aktuell 112 Punkte und liegt damit um zehn Punkte über dem Vorjahreswert und um acht Punkte über dem Ergebnis aus dem Frühjahr. Nur im Herbst 1991 und im Frühjahr 1992 sind noch bessere Werte erreicht worden. Diese resultierten jedoch zweifelsfrei vor allem aus Sondereffekten im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung. Das Berliner Handwerk befindet sich gegenwärtig auf einem stabilen wirtschaftlichen Aufwärtstrend. Dies kommt vor allem in den sehr guten Bewertungen der Betriebe zu ihren aktuellen Geschäftsergebnissen zum Ausdruck. 36 Prozent der Betriebe haben sie als gut beurteilt, 52 Prozent als befriedigend und zwölf Prozent als schlecht. Folglich ist der Saldo aus guten und schlechten Urteilen mit 24 Punkten im Plus. In den letzten 19 Jahren gab es kein besseres Ergebnis. Zum ersten Mal wird wieder der Bestwert datiert vom Herbst 1991 erreicht. Das Berliner Handwerk erfreut sich gegenwärtig an einer sehr zufriedenstellenden Auftragslage und steigenden Umsätzen. So ergab die Umfrage einen neuen positiven Rekordwert für den Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Auftragsein-

gängen. Die aktuelle Umfrage ergab ein Plus von 22 Punkten. Die bisherige Bestmarke lag bei 15 Punkten, erreicht im Herbst 2010. Die gute Auftragslage führt dazu, dass die Betriebsressourcen im Durchschnitt zu 86 Prozent ausgelastet wurden. Ein Jahr zuvor lag der Auslastungsgrad bei 83 Prozent. 29 Prozent aller Handwerksbetriebe haben von gestiegenen Umsätzen berichtet, 19 Prozent von gesunkenen. Demzufolge sind die Umsatzzahlen für 52 Prozent der Betriebe konstant geblieben. In diesem Ergebnis finden sich gleich zwei neue Bestwerte – die mit Abstand höchste Quote für das Segment der positiven Urteile und zugleich den besten Saldowert aus gestiegen und gesunkenen Umsatzzahlen seit Anfang 1991. Hauptmotor dieser Entwicklung sind vor allem das Bauhandwerk und das Handwerk für den gewerblichen Bedarf. Zum ersten Mal in der Konjunkturberichterstattung knackt der branchenspezifische Geschäftsklimaindex der Gruppe der personenbezogenen Dienstleistungen die 100-Punkte-Marke. Die gute wirtschaftliche Situation hat dazu geführt, dass 26 Prozent aller Handwerksbetriebe ihre Belegschaft vergrößert haben. Aus der Sicht des Frühjahrs hatten dies lediglich 15 Prozent für möglich gehalten. Mit Ausnahme des Nahrungsmittelgewerbes ist in allen übrigen Handwerksgruppen die Zahl der Beschäftigten größer geworden. Insofern überrascht es nicht, dass in drei Viertel aller Handwerksbetriebe zurzeit keine of-

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fenen Stellen zu finden sind. Überdurchschnittlich hoch ist jedoch der Anteil der Betriebe, die offene Stellen gemeldet haben, im Nahrungsmittelgewerbe. 90 Prozent aller offenen Stellen in diesem Bereich sind unbesetzte Ausbildungsplätze. Die Berliner Handwerksbetriebe sind optimistisch, dass sie auch in den kommenden sechs Monaten mehrheitlich gute Geschäfte tätigen werden. 82 Prozent haben dies jedenfalls in ihren Erwartungshaltungen zum Ausdruck gebracht. Die Prognose der Betriebe zur Entwicklung der Auftragseingänge, der Umsätze und der Beschäftigung in den nächsten sechs Monaten bekräftigen dies.

Reichweite der Aufträge ist nochmals um eine halbe auf 7,2 Wochen angewachsen. Entsprechend positiv war auch die Entwicklung der Umsätze und der Beschäftigung. Das Handwerk für den gewerblichen Bedarf findet nun endgültig zu alter Stärke zurück. Die Herbstumfrage ergab eine durchschnittliche Reichweite der Aufträge von neun Wochen und einen durchschnittlichen Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten von 89 Prozent. Aufgrund der stark verbesserten Auftragslage wurde mehr Personal eingestellt als noch aus der Sicht des Frühjahrs zu erwarten war. Zu diesem Zeitpunkt sahen zwölf Prozent der Betriebe Chancen für Personaleinstellungen. Im Herbst 2011 haben nun erfreulicherweise 28 Prozent davon berichtet, dass sie ihre Belegschaft vergrößert haben. In 13 Prozent der Betriebe ist die Zahl der Beschäftigten gesunken. Aufgrund des Mangels an Fachkräften ist eine stärkere Zunahme der Beschäftigung in dieser Handwerksgruppe jedoch nicht möglich gewesen. Ein Drittel der Betriebe haben offene Stellen insbesondere für Vollzeitbeschäftigte, die bisher nicht besetzt werden konnten. Die Betriebe sind äußerst zuversichtlich, dass sich der wirtschaftliche Aufwärtstrend weiter fortsetzen wird. Die Prognosen der Betriebe haben jedenfalls für alle Indikatoren positive Salden ergeben. Aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage und der sehr zuversichtlichen Erwartungshaltungen ist der branchenspezifische Geschäftsklimaindex auf 116 Punkte gestiegen. Er liegt damit um fünf Punkte über dem Vorjahreswert und um 37 Punkte über dem Stand vom Herbst 2009. Die Verluste aufgrund des wirtschaftlichen Einbruchs in den Jahren 2008 und 2009 sind damit mehr als kompensiert. Der Geschäftsklimaindex erreicht einen neuen absoluten Höchststand. Der bisherige Rekord stammte aus dem Jahr 2007. Für das Kraftfahrzeuggewerbe ist der wirtschaftliche Erholungsprozess noch nicht so richtig in Fahrt gekommen. Es berichten immer noch mehr Betriebe von einer gesunkenen als von einer gestiegenen Nachfrage nach ihren Leistungen. Gleiches gilt für die Umsätze. Die Prognosen der Betriebe zu der anvisierten Auftragslage und den damit verbundenen Umsatzsteigerungen aus dem Frühjahr haben sich nicht erfüllt. Für 45 Prozent der Betriebe ist der Auftragsbestand nach wie vor zu klein. Im Vergleich zum Vorjahr hat dieser Anteil somit um sieben Punkte und im Vergleich zum Frühjahr um zehn Punkte zugenommen. Das führt dazu, dass der Geschäftsklimaindex

Handwerksgruppen
Das handwerkliche Bauhauptgewerbe befindet sich gegenwärtig in einer konjunkturellen Hochphase. Der branchenspezifische Geschäftsklimaindex klettert im Herbst 2011 auf 119 Punkte und verbessert sich damit um elf Punkte gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert und um 17 Punkte gegenüber dem Stand im Frühjahr 2011. Der Vergleich zu den übrigen Handwerksgruppen zeigt: Das Geschäftklima ist im Bauhauptgewerbe zurzeit am besten. Die Geschäftsergebnisse sind von 47 Prozent der Betriebe als gut eingeschätzt worden. Lediglich für jeden zehnten Bauhandwerker waren sie schlecht. Der Saldo liegt demzufolge mit 37 Punkten im Plus. Das ist einer neuer Positivrekord. Die gute Auftragslage hat dazu geführt, dass die Baukapazitäten in den letzten sechs Monaten im Durchschnitt zu 91 Prozent ausgelastet wurden. Deutlich mehr Betriebe – als aus der Sicht des Frühjahrs erwartet – haben Personal eingestellt. Für die kommenden Monate rechnen die Betriebe jedoch eher damit, dass der Aufschwung an Dynamik verlieren wird. Auch das Ausbaugewerbe ist eine kräftige Stütze des konjunkturellen Aufwärtstrends im Berliner Handwerk. Für 39 Prozent der Betriebe waren die Geschäftsergebnisse gut. Ein Jahr zuvor lag diese Quote bei 28 Prozent. Der Anteil der Betriebe mit schlechten Geschäften hat sich dagegen fast halbiert auf aktuell neun Prozent. Seit dem Frühjahr 2010 ist der Entwicklungspfeil des branchenspezifischen Geschäftsklimaindex ständig aufwärtsgerichtet. Im Herbst 2011 erreicht er den Stand von 115 Punkten und liegt damit um 13 Punkte über dem Vorjahrestand und um elf Punkte über dem Frühjahrswert. Die Umfrage ergab einen durchschnittlichen Auslastungsgrad der betrieblichen Ressourcen von 91 Prozent. Im Herbst 2010 lag er noch bei 86 Prozent. Die

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im Vergleich zum Herbst 2010 zwar fünf Punkte gewinnt, aber im Vergleich zum Frühjahr zwölf Punkte verliert. Als besonders positiv ist daher die Entwicklung der Beschäftigung zu bewerten. Immerhin liegt ein positiver Beschäftigungssaldo von 21 Punkten vor. Hintergrund dürften die Anstrengungen des Kraftfahrzeuggewerbes sein, trotz der nicht ganz einfachen Bedingungen jungen Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen. Ansonsten ist der Anteil der Betriebe mit offenen Stellen in diesem Handwerksbereich zurzeit mit Abstand am geringsten. Die Umfrage ergab für das Nahrungsmittelgewerbe keinen eindeutigen Entwicklungstrend. Bei der Nachfrage halten sich positive und negative Urteile sowohl bei den aktuellen Bewertungen als auch bei den Erwartungshaltungen die Waage. Die erhoffte Belebung der Nachfrage ist ausgeblieben. Daher war die Umsatzentwicklung deutlich schwächer als erwartet. Immerhin sind im Frühjahr 43 Prozent der Betriebe davon ausgegangen, dass sie im Herbst von Umsatzsteigerungen berichten werden; lediglich jeder zehnte prognostizierte schrumpfende Umsatzzahlen. Die Auswertung der Herbstumfrage ergab nun: Nur für 27 Prozent der Betriebe haben sich die Erwartungen erfüllt, sie haben ihre Umsätze steigern können. Niedrigere Umsatzzahlen mussten dagegen 31 Prozent hinnehmen. All dies führte dazu, dass der Geschäftsklimaindex des Nahrungsmittelhandwerks sowohl zum Vorjahr als auch zum Frühjahr verliert. Mit 96 Punkten erreicht er den niedrigsten Stand innerhalb des Berliner Handwerks und liegt mit vier Punkten unter dem Stand vom Herbst 2010 und mit 14 Punkten unter dem Stand vom Frühjahr 2011. Aus den Prognosen der Betriebe für die Entwicklung in den kommenden sechs Monaten sind keine Indizien zu finden, die eine Veränderung der gegenwärtigen Lage bewirken könnten. Der Geschäftsklimaindex für das handwerkliche Gesundheitsgewerbe steigt zwar im Vergleich zum Vorjahr um drei auf 98 Punkte, verliert jedoch im Vergleich zum Frühjahr drei Punkte. Nachfrage und Umsätze finden keinen stabilen Trend. Die Erwartungen der Betriebe an eine steigende Nachfrage und damit günstigeren Umsätzen blieben zum großen Teil unerfüllt. Die wirtschaftlichen Ergebnisse hinken den Erwartungshaltungen hinter her. Trotzdem bleiben die Betriebe zuversichtlich, dass der Durchbruch vielleicht in den kommenden sechs Monaten geschafft werden könnte.
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Zum ersten Mal in der Konjunkturberichterstattung erreicht der Geschäftsklimaindex der Gruppe der Handwerke für personenbezogene Dienstleistungen die 100-Punkte-Marke. Sowohl die Bewertung der aktuellen Geschäftsergebnisse als auch die Erwartungshaltungen bewirken dies. Der Saldo aus guten und schlechten Urteilen zur Bewertung der aktuellen Geschäftsergebnisse ist aktuell mit vier Punkten im Plus. Einen Positivsaldo hat es bisher noch nie gegeben. Der Saldo bei den Erwartungshaltungen liegt zwar aktuell noch mit vier Punkten im Minus, aber das ist der niedrigste Negativsaldo aller Zeiten. Aus den Prognosen der Betriebe zur Entwicklung der Nachfrage und der Umsätze in den kommenden sechs Monaten spricht sehr viel Zuversicht. Für alle drei Indikatoren – Nachfrage, Umsatz und Beschäftigung – sind positive Salden ermittelt worden. Auch das hat es bisher nicht gegeben.

Bauindustrie
Bautätigkeit zieht weiter an
Bauindustrie Geschäftsklima Veränderung zur Vorumfrage Geschäftslage* Geschäftserwartungen* Beschäftigungspläne* Investitionspläne* Frühjahr 2010 134 22 35 34 9 -13 Herbst 2010 Frühjahr 2011 127 -7 36 19 29 16 107 -20 33 -13 27 -19 Herbst 2011 135 28 35 35 6 1
* Saldo aus gut und schlecht, besser und schlechter bzw. zunehmend und abnehmend

In der Berliner Bauindustrie herrscht im Herbst 2011 aufgehellte Stimmung. Der Geschäftsklimaindex beträgt 135 Punkte und liegt über dem Niveau des Vorjahres. Die Unternehmen berichten zur aktuellen Umfrage überwiegend von guten laufenden Geschäften. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der aktuellen Geschäftstätigkeit beträgt 35 Punkte und bewegt sich deutlich über dem langfristigen Durchschnitt der Branche. Die Bauwirtschaft ist zudem recht zuversichtlich, auch in den kommenden Monaten gute Geschäfte zu machen. Der Saldo optimistischer und pessimistischer Erwartungen zählt zur aktuellen Umfrage 35 Punkte. Für die gute Lage im aktuellen Berichtszeitraum zeichnet nicht zuletzt der sich gegenüber dem Vorjahr gut entwickelnde Wohnungsbau verantwortlich. Auch aus dem gewerblichen Tiefbau kommen positive Impulse. Im öffentlichen Bau hingegen sind deutliche Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Die guten Geschäftserwartungen werden unter anderem durch die recht gute Auftragsentwicklung im Berichtszeitraum stimuliert. Die Investitionsabsichten der Bauunternehmen hellen sich gegenüber der Vorumfrage im Frühjahr wieder etwas auf. Der Saldo aus expansiven und zurückgehenden Investitionsplänen lag da-

mals im negativen Bereich und zählt zur aktuellen Umfrage einen Punkt. Das Niveau zur Umfrage im Herbst 2010 wird jedoch nicht wieder erreicht. Dies gilt auch für die Beschäftigungspläne, deren Saldo zur aktuellen Umfrage sechs Punkte gegenüber 29 Zählern im Herbst 2010 beträgt.

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Handel
Konsumklima kühlt ab
Handel Geschäftsklima Veränderung zur Vorumfrage Geschäftslage* Geschäftserwartungen* Beschäftigungspläne*
* Saldo aus gut und schlecht, besser und schlechter bzw. zunehmend und abnehmend.

Frühjahr 2010 117 31 22 12 5 -2

Herbst 2010 Frühjahr 2011 123 6 21 25 19 6 131 8 41 21 9 7

Herbst 2011 114 -17 23 6 5 18

Investitionspläne*

Die Stimmung des Berliner Handels ist im Herbst 2011 deutlich verhaltener als im Frühjahr und zu Jahresbeginn. Der Indikator des Geschäftsklimas sinkt von 131 Punkten zur Jahresmitte auf aktuell 114 Zähler. Obwohl weniger Unternehmen als noch vor vier Monaten von einer verschlechterten Ertragslage berichten, trübt sich die Einschätzung der allgemeinen Geschäftslage deutlich ein. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen beträgt aktuell 23 Zähler und hat sich damit um 18 Punkte gegenüber der Vorumfrage verringert. Auch der Optimismus der Berliner Händler lässt nach, der Erwartungssaldo zählt aktuell sechs Punkte gegenüber 21 Punkten zur Vorumfrage. Dennoch ist der Anteil pessimistisch eingestellter Händler mit 15 Prozent weiterhin gering, zur Vorumfrage waren es 13 Prozent. Es sind vor allem die von einer gleichbleibenden Entwicklung ausgehenden Unternehmer, die aktuell das Bild des Berliner Handels prägen. Ihr Anteil beträgt 65 Prozent, zwölf Prozentpunkte mehr als im Frühjahr. So lassen die Umsatzerwartungen der Händler sogar eine eher positive Entwicklung vermuten. Mehr als ein Drittel der Befragten rechnet damit, in den kommenden Monaten mehr umzusetzen, zur Vorumfrage waren es 26 Prozent. Auch die Investitionspläne haben einen

eher optimistischen Ton, nur noch elf Prozent der Händler planen ihr Investitionsvolumen zu reduzieren, dem steht ein Fünftel zur Umfrage im Frühjahr gegenüber. Die Investitionsmotive sind überraschend deutlich auf eine steigende Geschäftstätigkeit ausgerichtet: 45 Prozent der Unternehmer beabsichtigen in Kapazitätserweiterungen zu investieren, vor vier Monaten betraf dies nur 28 Prozent der Befragten. Der Berliner Handel scheint demnach nicht von einer erheblichen Verschlechterung der Konsumlaune in der Hauptstadt auszugehen, antizipiert aber die Verunsicherung der Konsumenten in der zweiten Jahreshälfte 2011. Die Personalpläne entwickeln sich zurückhaltender, gleichwohl sie mehrheitlich noch immer expansiv sind. Der Anteil Einstellungen beabsichtigender Unternehmen beträgt 17 Prozent, zwölf Prozent der Unternehmen rechnen damit, ihre Belegschaft verringern zu müssen. Der resultierende Saldo von fünf Punkten unterschreitet den der Vorumfrage um vier Zähler.

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Dienstleistungsgewerbe
Geschäftsaussichten trüben sich ein
Dienstleistungsgewerbe Geschäftsklima Veränderung zur Vorumfrage Geschäftslage* Geschäftserwartungen* Beschäftigungspläne* Investitionspläne* Frühjahr 2010 117 11 16 17 7 1 Herbst 2010 Frühjahr 2011 125 8 35 16 12 4 151 26 58 45 38 19 Herbst 2011 132 -19 46 19 13 7
* Saldo aus gut und schlecht, besser und schlechter bzw. zunehmend und abnehmend

Die Stimmung der Berliner Dienstleister ist noch immer sehr gut, jedoch nicht mehr so euphorisch wie noch zur Vorumfrage im Frühjahr. Der Indikator des Geschäftsklimas gibt um 19 Zähler nach und beträgt aktuell 132 Punkte. Die Abkühlung des Geschäftsklimas ist überwiegend den weniger zuversichtlichen Geschäftsaussichten geschuldet. Die Einschätzungen des laufenden Geschäfts werden im Vergleich zur Vorumfrage verhältnismäßig moderat nach unten korrigiert. Die Geschäftslage in der sehr heterogenen Branche entwickelt sich zur aktuellen Umfrage unterschiedlich. Während unter den überwiegend personenbezogenen Dienstleistungsunternehmen der Anteil guter Einschätzungen der Geschäftslage gegenüber der Vorumfrage noch zunimmt, geht er bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern ebenso wie bei Verkehrsunternehmen zurück. Einer ähnlichen Entwicklung folgt auch die Ertragslage, die sich bei rund der Hälfte der personenbezogenen Dienstleister verbessert, während sie im Finanz- und Versicherungssowie Verkehrsgewerbe gegenüber der Vorumfrage nachgibt. Zeichnen die Einschätzungen der laufenden Geschäfte im Herbst ein vielschichtiges Bild, sind deutlich abnehmende Erwartungen in der gesamten Branche zu finden. Obgleich noch

immer über ein Drittel der Unternehmen mit guten Geschäften in den kommenden Monaten rechnet und lediglich 16 Prozent pessimistisch gestimmt sind, verringert sich der Erwartungssaldo markant um 26 Punkte auf aktuell 19 Zähler. Vor allem Unternehmen des Verkehrs, des Finanz- und Versicherungsgewerbes sowie der unternehmensnahen Dienstleister sind deutlich weniger optimistisch als noch im Frühjahr. Auch die Umsatzerwartungen werden nach unten korrigiert. Vor diesem Hintergrund verringert sich der Anteil der Unternehmen, die Stellenaufbau planen, gegenüber der Vorumfrage von 44 auf 25 Prozent. Zwölf Prozent beabsichtigen den Personalbestand zu verringern. Auch die Investitionsplanung wird der schwindenden Zuversicht angepasst. Nur noch 17 Prozent der Unternehmen sehen Spielraum für steigende Investitionsausgaben in den kommenden Monaten. Im Frühjahr war es noch ein Viertel der befragten Dienstleister. Der Saldo aus expansiven und abnehmenden Investitionsvorhaben verringert sich von 19 auf sieben Punkte.

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Gastgewerbe und Touristik
Lage weiter verbessert
Gastgewerbe Geschäftsklima Veränderung zur Vorumfrage Geschäftslage* Geschäftserwartungen* Beschäftigungspläne*
* Saldo aus gut und schlecht, besser und schlechter bzw. zunehmend und abnehmend.

Frühjahr 2010 123 51 28 18 6 32

Herbst 2010 Frühjahr 2011 154 31 56 53 27 60 123 -31 15 30 21 11

Herbst 2011 130 7 36 25 4 12

Investitionspläne*

Das Berliner Gastgewerbe profitiert von den weiter gestiegenen Gästezahlen. Gegenüber der Umfrage im Frühjahr hellt sich die Stimmung des Gastgewerbes im Herbst wieder auf. Der Geschäftsklimaindikator steigt um sieben Zähler auf 130 Punkte. An die sehr guten Werte des vergangenen Herbstes reicht er aktuell aber nicht heran. Die Geschäftslage vieler Unternehmen verbessert sich gegenüber der Jahresmitte, der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen gewinnt im aktuellen Berichtszeitraum 21 Punkte hinzu und beträgt 36 Zähler. Dahinter stehen die in vielen Unternehmen wieder besseren Umsätze, zudem berichten mehr Beherbergungsbetriebe als zur vorangegangenen Umfrage von gestiegener Zimmerauslastung. Hinzugefügt werden muss, dass der Sommer – auch im weniger saisonabhängigen Städtetourismus – die meisten Gäste in die Hauptstadt lockt. Die Erwartungen trüben sich etwas ein, der Anteil der optimistisch gestimmten Unternehmen verringert sich von 38 Prozent auf ein Drittel gegenüber der Vorumfrage vor vier Monaten. Gleichwohl stagniert der Anteil negativer Erwartungen bei sieben Prozent. Der Saldo verringert sich daher lediglich von 30 auf 25 Punkte. Der weiterhin guten Entwicklung des Berlin-Tourismus vertrauen also auch im Herbst 2011 die meisten

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Unternehmen des Gastgewerbes. Der Saldo der Beschäftigungspläne bleibt folgerichtig mit vier Zählern im positiven Bereich. Es planen auch weiterhin mehr Unternehmen, Personal aufzubauen als zu vermindern. Gleichwohl ist dies ein deutlicher Rückgang zum 21 Punkte zählenden Saldo der Vorumfrage. Die Investitionspläne bleiben im Gegensatz dazu stabil, der Saldo aus expansiven und zurückgehenden Investitionsplänen beträgt zwölf Punkte gegenüber elf Punkten zur Vorumfrage. Die Berliner Touristikun­ ternehmen zeigen sich in guter Verfassung, der Geschäftsklimaindex zählt aktuell 125 Punkte. 42 Prozent der Unternehmen schätzen ihre Geschäftslage als positiv ein, lediglich acht Prozent berichten von schlechten Geschäften. In der Berliner Touristikbranche ist zur aktuellen Umfrage ein Drittel der Befragten für die kommenden Monate optimistisch gestimmt, 17 Prozent erwarten dagegen schlechtere Geschäfte. Nach Einschätzung der Unternehmer verlangt die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate kaum Anpassungen des Personalbestandes, 91 Prozent der Befragten planen, die Zahl ihrer Mitarbeiter nicht zu verändern. Die Investitionspläne sind ebenfalls eher stabil, 15 Prozent der Befragten planen ihre Investitionsausgaben in den kommenden Monaten zu steigern, 13 Prozent beabsichtigen, diese zu verringern.

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