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Full text: Werkblatt Issue 16.2018,98

werkblatt 98 Campusmagazin studierendenWERK BERLIN W NICHT BIS STU EI RT E N A W N E T H H N AC September/Oktober 2018 16. Jahrgang : G N U R E I Z N DIENFINA N E N A L P T Z JET ! AM 20. SEPTEMBER IST Foto: Dmitri Mikitenko/Shutterstock.com TAG DER STUDIENFINANZIERUNG www.werkblatt.de INTRO/INHALT LIEBE STUDIERENDE, noch sind es hochsommerliche 32 Grad und es ist wenig los in den Einrichtungen des studierendenWERKs BERLIN. Das wird sich aber in Kürze ändern: Ab Mitte September füllen sich die Campusse der Hochschulen zusehends, die Studierenden kehren an die Hochschulen zurück, organisieren ihren Stundenplan, bereiten sich auf das neue Semester vor. Den Studienanfänger*innen unter ihnen widmen wir diese Ausgabe des werkblattes. Wir wissen, dass vor jedem Studienbeginn sehr viele Fragen stehen. Kann ich das bezahlen? Wo soll ich wohnen? Welchen Beitrag wir vom studierendenWERK Berlin leisten können, damit Sie alle einen gelungenen Start in ein erfolgreiches Studium bewältigen können, dazu soll dieses Heft einen Überblick geben. Unsere duale Studentin Miriam Schacker stellt Ihnen – gewissermaßen von Studierender zu Studierenden - das studierendenWERK auf den Seiten 4 bis 7 noch einmal umfassend vor. Am 20. September ist Tag der Studienfinanzierung. Zahlreiche Stiftungen und Beratungsstellen werden ihr Angebot in der Hardenbergstraße 34 vorstellen. Nutzen Sie die Chance und informieren Sie sich! Das Thema Studienfinanzierung haben wir auch zum Schwerpunkt dieses Heftes gemacht. Welche Unterstützung Ihnen das studierendenWERK dabei bieten kann, dass erfahren Sie auf den Seiten 12 bis 15. Aber auch alle anderen Themen und Tipps lege ich Ihnen gerne ans Herz. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre der 98. Ausgabe des werkblattes. Ihre Petra Mai-Hartung Geschäftsführerin des studierendenWERKs BERLIN VERANSTALTUNGEN DES STUDIERENDENWERKS BERLIN WER IST DAS STUDIERENDENWERK BERLIN? CAMPUS TALK 16–17 Diesmal mit Ellen Krüger 4–7 EINE OASE IM SÜDOSTEN BERLINS 18–19 8–9 SCHMECKEN LASSEN! BEI ALLEM WAS ICH MACHE, FRAGE ICH MICH: WIE KANN ICH DAS GEFÜHL AM BESTEN ABBILDEN? Julia Engelmann im werkblatt-Interview 20–21 10 LITERATURBEILAGE Nach dem Bart wird nicht mehr gefragt. DIE QUITTE 11 EIN BISSCHEN CASH FÜR‘S STUDIUM DER GUTE RAT Eine Frage der Klasse, Lohnsteuer für Studierende 12–13 KFW-KREDIT IM STUDIUM 22 16 KULTURTIPPS Freizeittipps neben dem Studium 23–25 17 RAUS AUS DER RUHE, REIN IN DIE RUHE 10 TIPPS Zeit- und Selbstmanagement 15 26 START INS WINTERSEMESTER WER IST DAS STUDIERENDENWERK BERLIN? Von Miriam Schacker Hallo, herzlich willkommen in deinem neuen Studium. Ich heiße Miriam und bin duale Studentin im studierendenWERK BERLIN. Bestimmt hast du viele Fragen rund um dein Studium hier in Berlin. So ging es mir jedenfalls, als ich vor drei Jahren meine Zulassungsbescheinigung in den Händen hielt und dann meine ersten Kurse besuchte. Von der werkblatt-Redaktion habe ich den Schreibauftrag, dir das studierendenWERK BERLIN mit seinen Angeboten vorzustellen. Zwar habe ich nicht jedes Angebot selbst in Anspruch genommen, durch die Arbeit hier kenne ich mich jedoch schon ganz gut aus und kann dir den einen oder anderen Tipp mit auf den Weg geben. Das erste, woran ich mich im Zusammenhang mit dem Begriff „Studierendenwerk“ erinnern kann, ist die lila-farbene Tür direkt neben der Mensa an der Technischen Universität und das Logo der Jobvermittlung. Doch es steckt noch viel mehr hinter dem Begriff „Studierendenwerk“. Laut Studierendenwerksgesetz ist seine Aufgabe die „soziale, gesundheitliche, wirtschaftliche und kulturelle Betreuung der Studierenden“ in Berlin. Das klang für mich anfangs irgendwie unverständlich. Was bedeutet das konkret? Das studierendenWERK BERLIN kooperiert mit insgesamt 21 Hochschulen in Berlin, darunter die staatlichen und einige private Hochschulen. Ein kleiner Teil deines Semesterbeitrags geht im Sinne eines Sozialbeitrags an das studierendenWERK, dafür kannst du dessen Angebote in Anspruch nehmen. MEIN ERSTER TIPP: Nutze diese Angebote! Viele davon, wie das Essen in der Mensa oder das Wohnen im Studentenwohnheim, sind für Studierende sehr günstig. Einige, wie beispielsweise die soziale oder psychologische Beratung oder das eine oder andere Kulturevent, sind für dich sogar kostenlos. 4 Start ins Wintersemester MENSEN UND CAFETERIEN Alle Fotos dieses Artikels: Sandra Neumann DAS STUDIERENDENWERK BERLIN Eine meiner ersten Aha-Effekte in Bezug auf die Mensa an meiner Hochschule war, dass sie nicht von der Hochschule selbst, sondern vom studierendenWERK betrieben wird. Ich selbst gehe nur ein- bis zweimal wöchentlich dort essen, aber das tue ich sehr gern, vor allem wegen des vielfältigen Angebotes und obwohl es zur Mittagszeit oft sehr voll ist. Für jeden Geschmack ist eigentlich immer etwas dabei. In der Mensa Hardenbergstraße mag ich die Suppen besonders. Hast du dir schon deine MensaCard besorgt? Sie wird hier zum bargeldlosen Bezahlen benutzt. Bei einigen Unis ist die MensaCard auch schon im Studierendenausweis integriert, das heißt dann Campus Card. MEIN TIPP: Denk immer dran, dass die Automaten zum Aufladen der Karte keine Münzen annehmen! Du kannst natürlich auch den Autoload-Service in Anspruch nehmen, um deine Karte automatisch durch das Lastschriftverfahren über dein Bankkonto aufladen zu lassen. MELDUNGEN UND BERICHTE WOHNEN Ich bin in Berlin aufgewachsen und musste mir keine Gedanken darüber machen, wo ich während des Studiums wohne. Bei einigen Freunden, die von woanders her kommen, zum Beispiel aus einer anderen Stadt in Deutschland, war das etwas anders. Dass es schwer ist, in Berlin eine bezahlbare Unterkunft zu finden, ist allgemein bekannt. Den Studierenden hilft das studierendenWERK: Es betreibt 33 Studentenwohnheime in ganz Berlin, oft in Hochschulnähe und mit guter Verkehrsanbindung. Für einen Platz bewerben kannst du dich ausschließlich online über das Wohnheimportal. MEIN TIPP: Schau unbedingt auch nach Alternativen! Die Bewerberliste des studierendenWERKS ist sehr lang. Rechne also mit einer Wartezeit von einem bis zu mehreren Semestern. Zu Alternativen berät das neue InfoCenter. STUDIENFINANZIERUNG Was haben das BAföG-Amt und das studierendenWERK gemeinsam? Genau, sie gehören zusammen. Noch so ein Aha-Effekt, den ich hatte, als ich den ersten BAföG-Antrag stellte. Es war – zugegeben – etwas kompliziert, ihn auszufüllen. Jetzt weiß ich, dass man Fragen dazu beim zuständigen Sachbearbeiter stellen kann. Falls du keinen Anspruch auf BAföG hast, weil zum Beispiel deine Eltern zu viel verdienen, gibt es beim studierendenWERK Experten in der Sozialberatung, die dir gern verschiedene Wege der Finanzierung darlegen. Es gibt ja schließlich auch unter anderem Studienkredite, vielfältige Studierendenjobs oder Stipendien. MEIN TIPP: Schaue doch beim Tag der Studienfinanzierung am 20. September 2018, von 10 bis 16:30 Uhr, in der Mensa Hardenbergstraße vorbei! Dort können deine Fragen rund um die Finanzierung deines Studiums sicherlich beantwortet werden. Außerdem kannst du deinen BAföG-Antrag direkt vor Ort ausfüllen. Start ins Wintersemester 5 START INS WINTERSEMESTER BERATUNGSSTELLEN JOBVERMITTLUNG Es gibt nicht nur die Sozialberatung bei finanziellen und sozialrechtlichen Fragen sondern auch eine psychologisch-psychotherapeutische Beratung zum Beispiel bei persönlichen Konfliktoder Belastungssituationen im Studium oder im Privatleben. Im studierendenWERK ist jemand für dich da, wenn du zum Beispiel mit Prüfungsangst, Einsamkeit oder Stress zu kämpfen hast. Das Schreibzentrum unterstützt dich rund um das Thema kreatives und wissenschaftliches Schreiben, was ich super finde, weil es da manchmal zu wenig Hilfe von der Hochschule gibt. Das studierendenWERK berät auch bei Fragen zu einem barrierefreien Studium und Studienalltag. Das tolle an den verschiedenen Beratungen ist, dass sie für uns Studierende kostenlos sind. Die Mehrheit der Studierenden, die ich kenne, verdienen sich im Studium durch einen Nebenjob etwas dazu. Die Jobvermittlung war eines der ersten Angebote, die ich vom studierendenWERK BERLIN kannte. Falls auch du noch einen Job brauchst, findest du aktuelle Stellenausschreibungen für kurzfristige und dauerhafte Studierendenjobs in der Jobdatenbank auf der Homepage des studierendenWERKs. MEIN TIPP: Es gibt auch Gruppenangebote und -veranstaltungen, falls du nicht allein zu einer Beratung gehen und dich mit anderen austauschen möchtest. 6 Start ins Wintersemester MEIN TIPP: Die Jobvermittlung vermittelt nicht nur Jobs, sondern bietet auch regelmäßig Trainings und Workshops für Studierende an, zum Beispiel Bewerbungstrainings oder Workshops zum Thema Zeitmanagement. Bei einem Training zur Kommunikation im Arbeitsleben habe ich schon teilgenommen und fand es sehr hilfreich, weil es mir nicht nur später im Beruf, sondern auch jetzt schon in meinem Praktikum nützlich ist. Besonders praktisch finde ich auch Trainings rund um die Steuererklärung, denn ohne Hilfe könnte ich die nicht machen. KINDERTAGESSTÄTTEN KULTUR UND INTERNATIONALES Das Angebot des studierendenWERKs an kulturellen Events ist sehr vielfältig. Weil ich selber unglaublich gern kreativ bin, aber mir manchmal die Motivation, der Anstoß oder der Raum dazu fehlt, bin ich begeistert, was das studierendenWERK alles an Events anbietet. Ich kann selbst aktiv werden, zum Beispiel in Zeichen- oder Schauspielkursen, oder mir die Kunst anderer Studierender, beispielsweise in Aufführungen oder Ausstellungen, ansehen. Zu MixIt! habe ich es leider noch nicht geschafft, obwohl es mir sehr empfohlen wurde und ich mir vor allem die Abschlussveranstaltung am Jahresende ansehen möchte, an dem nochmal alle Gewinner der verschiedenen MixIt!-Abende des Jahres gegeneinander antreten. Das studierendenWERK bringt außerdem in vielen Events Studierende aus verschiedenen Kulturen und Ländern zusammen und organisiert zum Beispiel „Food+Culture“-Abende oder CultureTrips. MEIN TIPP: Schaue mal in den Kulturkalender auf der Website des studierendenWERKs! Dort findest du eine Übersicht über alle anstehenden Veranstaltungen. Vielleicht sehen wir uns ja bei dem nächsten Event. Hättest du gedacht, dass das studierendenWERK sogar Kitas für Kinder von Studierenden hat? Davon wusste ich auch nichts, bevor ich hier als duale Studentin angefangen habe. Ich habe noch keine Kinder, bin aber begeistert, dass sich das studierendenWERK selbst darum kümmern würde. Es gibt bereits sieben hochschulnahe Kitas des studierendenWERKs in Berlin für Kinder von 0 Jahren bis zum Schuleintritt, zum Beispiel an der Freien Universität oder der Beuth Hochschule für Technik. So kannst du dein Kind tagsüber, wenn du Vorlesungen besuchst, dort unterbringen. MEIN TIPP: Wenn du einen Platz für dein Kind in einer Kita des studierendenWERKs möchtest, musst du dich online dafür vormerken lassen. Unter diesem Link findest du das Anmeldeformular: www.stw.berlin/kitavormerkung Zur Autorin: Miriam Schacker studiert BWL an der Beuth-Hochschule im dualen Studium und absolviert ihre Pflichtpraktika in der Unternehmenskommunikation des studierendenWERKS BERLIN Start ins Wintersemester 7 REPORTAGE EINE OASE IM SÜDOSTEN BERLINS Foto: Miriam Schacker Get the Mensa-Feeling: Das werkblatt schickt studentische Gastro-Tester*innen über den Campus, die uns in ihrer „Mensa-Kritik“ Eindrücke von der jeweiligen Einrichtung vermitteln. Heute ist Miriam Schacker zu Besuch in der Mensa „Oase“ Adlershof. Einmal vom Zoo bis nach Adlershof zu fahren ist wie eine kleine Reise. Eine Reise mitten durch das Herz Berlins, vorbei am Reichstag, dem Hauptbahnhof und dem Fernsehturm, immer an der Spree entlang. Tritt man aus dem S-Bahnhof Adlershof und läuft die Straße hinunter, sieht man einige größere Baustellen. Es entstehen dort ein großer Bürokomplex der Allianz Versicherung und ein nagelneues Campus-Hotel. Man kommt vorbei am Erwin-Schröder-Zentrum, einem auffälligen dunkelgrauen Gebäude, und weiß so, dass man den Campus der Humboldt-Universität zu Berlin erreicht hat. rade vorlesungsfreie Zeit. Deshalb ist die Mensa leer und ich muss nicht lange anstehen. Der Koch am Aktionsstand ist freundlich und gut gelaunt. Dort gibt es heute ein Gericht mit dem langen Titel „würziger Couscous mit französischem Gemüse und gebackenen Kichererbsenbällchen an Yofudip mit frischen Kräutern“. Schwer zu merken, aber es macht neugierig und sieht auch wirklich sehr appetitlich aus. Als Dessert gibt es an diesem Tag unter anderem eine Zitronencreme. Schön sommerlich! An der Kasse wird freundlich „Guten Appetit“ gewünscht. Direkt an der Rudower Straße steht das „Johann von NeumannHaus“ mit der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Dass dort eine Mensa des studierendenWERKs zu finden ist, sieht man nicht direkt auf den ersten Blick. Tatsächlich kann sie anfangs wirklich schwer zu finden sein, wenn man noch nie dort gewesen ist. Keine großen Schilder oder sonstige Hinweise deuten von außen darauf hin, dass sich hier die Mensa „Oase“ Adlershof für den Campus der HU an diesem Standort befindet. Nur ein kleines Schild am Haupteingang des Gebäudes lässt es erahnen. Durch die Tür und geradeaus oder durch einen der Hintereingänge die Treppe hinauf: Wenn man diese Etappe gegangen ist, sieht man schon die Glasfront mit dem Schriftzug „Oase“ und den Eingang zur Mensa im ersten Stock. Man hört das vertraute Klappern von Geschirr und das Murmeln der Besucher, die in ihrer Mittagspause die warmen und kalten Speisen und Getränke genießen, die hier täglich von Montag bis Freitag angeboten werden. Im ersten Moment könnte man vermuten, dass der Speisesaal etwas klein ist. Geht man jedoch nach rechts durch eine Tür, entdeckt man noch einen zweiten Raum, in dem man einen Platz finden, sein Tablett zum Abräumen auf eines der beiden Bänder stellen kann und eine Treppe hinunter zur Coffeebar, die zur Mensa gehört, führt. Noch dahinter befindet sich sogar noch ein Raum, der gerade ziemlich leer ist. In der Vorlesungszeit ist das wohl anders. Die Einrichtung überrascht mit hellen modernen Möbeln und aufeinander abgestimmten Farben, alles in rot, weiß, orange und dunkelgrau. Das sieht so gar nicht nach einer typischen und tristen Mensa aus, wie manche sie vielleicht noch von früher kennen. Einerseits gibt es große weiße Tische mit gemütlichen Lederhockern, Sitzbänken und modern designten Stühlen. Auf der anderen Seite gibt es bequeme Holztische- und Stühle. Metallgitter mit eingewebten Bändern dienen als Raumtrenner und erzeugen gemütliche Nischen im Raum. Es ist ein heißer Tag Anfang August und die Sonne scheint. Eine Oase, so wie man sie sich vorstellt, bei solch einer trockenen Hitze ist jetzt genau das richtige. Der Name weckt Erwartungen: Man träumt von einer kühlen Briese, grünen Palmen und einem Teich mit klarem Wasser mitten in der Wüste. Teich und Palmen gibt es hier zwar nicht, aber beim Eintreten wirkt der Raum hell und wunderbar kühl. War man schon in der einen oder anderen Mensa des studierendenWERKs, kennt man das Aussehen der Theken und den Ablauf bei der Auswahl und beim Bezahlen der Speisen und Getränke. Man nimmt sich ein Tablett, schaut auf die Bildschirme, was es gerade im Angebot gibt, füllt sich seinen Teller mit dem, worauf man Appetit hat, und lässt den Betrag an der Kasse von der MensaCard abbuchen. Das Essen schmeckt gut und ist genau das Richtige bei den Temperaturen: Sommerlich leicht und frisch. Es ist auch eine ordentliche Portion, die auf jeden Fall satt macht. Die Atmosphäre in der Mensa ist sehr angenehm, weshalb ich gerne noch einen Moment verweile. Wer noch etwas Zeit für einen Kaffee oder ein Stück Kuchen hat, kann die Treppe hinunter in die Coffeebar gehen, welche genau so gemütlich und modern eingerichtet ist. Hier gibt es bequeme Sessel und Sofas. Im Theken- und Kassenbereich der Mensa ist es relativ eng. Links und rechts findet man die warmen Gerichte, in der Mitte ist die Theke mit den Salaten, Getränken und Desserts. Ein Glück ist ge- Letztendlich macht die Mensa ihrem Namen alle Ehre. Tatsächlich eine kleine Oase in der Wissenschafts- und Universitätslandschaft des Ortsteils Adlershof! 8 Reportage Das Highlight sind die Lampen im Stil von sich öffnenden Blüten, die von der Decke hängen und dem Ganzen dann doch etwas „Oasen-haftes“ geben. Fotos: Miriam Schacker FLORINA, 24 PATRICK, 29 Studiert Geografie an der HU im 6. Semester Studiert Physik im Mono-Bachelor an der HU im 8. Semester Wie oft isst du in der Woche in der Mensa? Manchmal fast täglich und zu manchen Zeiten eher selten Wie oft isst du in der Woche in der Mensa? Ein- bis zweimal in der Woche Was isst du hier am liebsten? Gemischte Salate Was isst du hier am liebsten? Vegetarisches Was kannst du einem Erstsemestler für den Besuch in der Mensa mit auf den Weg geben? Manchmal finde ich die Speisen etwas zu salzig. Wer das nicht so mag, sollte erstmal ausprobieren, was ihm schmeckt. Was kannst du einem Erstsemestler für den Besuch in der Mensa mit auf den Weg geben? In der Vorlesungszeit ist es hier zwischen 12 und 13 Uhr ziemlich voll. Besser ist es außerhalb der Stoßzeiten essen zu gehen. Reportage 9 MENSEN IM STUDIERENDENWERK SCHMECKEN LASSEN! 57 Mensen und Cafeterien betreibt das studierendenWERK in ganz Berlin. Sie bieten Frühstück, eine umfangreiche Mittagsversorgung und Snacks für zwischendurch. Den „älteren Semestern“ wird es vielleicht auffallen: Ab dem 1. Oktober treten in unsere Einrichtungen einige Veränderungen in Kraft: DREI-PREIS-SYSTEM WIRD AUF ALLE EINRICHTUNGEN AUSGEDEHNT serer Speisen nachhaltig sind und höheren ökologischen Standards entsprechen als konventionelle Erzeugnisse, erweitern wir Anfang Oktober unser Speiseleitsystem um zwei neue Icons. Das studierendenWERK ist – der Name lässt es ja schon vermuten – vor allem für Studierende da. Ihnen bieten wir – so will es auch das Studierendenwerksgesetz – in unseren Speisebetrieben gesundes Essen zu einem vernünftigen Preis. Daneben dürfen wir auch Hochschulangehörige versorgen und, wenn es dann noch die Kapazitäten zulassen, auch externe Gäste. Und so ist auch unser Preis-System gestrickt: Studierende konsumieren bei uns zum günstigsten – weil subventionierten – Preis. Die Preise für Hochschulangehörige und für Gäste dagegen müssen kostendeckend sein, sie bezahlen also jeweils etwas mehr. Bislang war das in den Cafeterien nicht so. Hier galt, obwohl einige Einrichtungen sogar eine Mittagsversorgung angeboten haben, ein Preis für alle. Das ändern wir ab dem 1. Oktober 2018: Dann werden aus zahlreichen Cafeterien Mensen, die ihr Angebot ebenfalls zum Dreipreis-System anbieten. Konkret werden das die folgenden Standorte sein: FU Rechtswissenschaft, FU Wirtschaftswissenschaften, FU Pharmazie, FU Ihnestraße, FU Koserstraße, TU Marchstraße, TU Ackerstraße, UDK Lietzenburger Straße, TU Architektur, TU „Skyline“, UDK „Jazz-Café“ und HfM „Neuer Marstall“ Einfach mal reinschauen! LEBENSMITTEL AUS NACHHALTIGER ERZEUGUNG - Verzicht zum Beispiel auf Gentechnik, leicht löslichen mineralischen Dünger und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, - artgerechte Tierhaltung, - umweltschonende Landwirtschaft, - Schonung der Böden und des Grundwassers sowie - möglichst regionaler Einkauf. Rechtes Logo: Nachhaltigkeit spielt auch bei unserem Fischangebot eine große Rolle. Das neue Siegel für Fischgerichte aus nachhaltiger Fischerei zeigt unseren Gästen, dass wir mit Lieferanten zusammenarbeiten, die Fischbestände, -arten und Meere mit ihren Ökosystemen schonen. Foto: Jana Judisch Wir wollen nicht nur, dass es den Studierenden gut geht, sondern auch der Umwelt. Deshalb legen wir Wert darauf, dass so viele unserer Lebensmittel wie möglich aus nachhaltigem Anbau stammen. Um unseren Gästen transparent zu machen, welche der Zutaten un- Linkes Logo: Gerichte mit diesem Siegel enthalten Zutaten, bei deren Herstellung und Erzeugung unter anderem auf folgende Standards geachtet wird: 12 Reportage DIE QUITTE Dieses seit vielen tausend Jahren kultivierte Obst hat hierzulande inzwischen fast an Bedeutung verloren. Die Quitte ist ein Kernobst, dem Apfel und der Birne ähnlich. Leider sind die in unseren Regionen angebauten Sorten zum Rohverzehr nicht geeignet, was der Grund dafür sein könnte, dass die Quitte in Supermärkten kaum zu finden ist. In Mitteleuropa wurde das ursprünglich aus dem Kaukasus stammende Obst im 9. Jahrhundert bekannt und angebaut. Der Anbau findet vorrangig in Weinanbaugebieten statt, da die zur Familie der Rosengewächse stammende Pflanze es gern warm hat. Aufgeschnitten verströmt die Frucht einen intensiven, der Zitrusfrucht ähnlichen Duft. Darum wurden Quitten früher gern – ähnlich wie Orangenschalen - im Wärmefach des Kachelofens abgelegt. Im September und Oktober sind die Quittenfrüchte erntereif und zählen damit zum regional spätesten Obst. Da Quitten sehr fest und holzig sind und viele Gerbstoffe beinhalten, durch die ein bitterer Geschmack herbeigeführt wird, sind sie für den Rohverzehr bedeutungslos. In wärmeren Ländern jedoch ist das anders, hier wachsen wetter- und wärmebedingt auch Sorten, die als rohes Obst essbar sind. Aber egal ob roh oder weiterverarbeitet – die Quittenfrucht strotzt nur so vor gesunden Inhaltsstoffen. Der Vitamin-C-Gehalt ist höher als bei Äpfeln, sie enthalten weiterhin sehr viel Kalium, das unseren Blutdruck positiv beeinflusst und die Arbeit von Herz, Nerven und Muskeln unterstützt. Natrium, Eisen, Fluor und Zink sind ebenfalls enthalten. Bedeutungsvoll ist außerdem das Pektin, welches als Ballaststoff nicht nur hilft, den Cholesterinspiegel zu senken, sondern auch Schadstoffe bindet und damit bei der Entgiftung des Körpers hilft. Pektin wirkt als Antioxidans und vernichtet die freien Radikale, die unsere Zellen schädigen. Nach der Ernte erfolgt die Weiterverarbeitung der Quitten zu Marmelade, Gelee, Mus und Kompott. Besondere regionale Bedeutung kommt allerdings der Saftherstellung zu, womit die Apfelsaftproduktion unterstützt wird. Auch Liköre, Wein und Perlwein werden aus Quitten hergestellt.Gebacken eignen sich Quittenfrüchte als süße Beilage zu herzhaften Speisen. Wer auf einem Markt Quitten kauft oder sie selbst pflückt, sollte wissen, dass sie empfindlich auf Berührungen reagieren. Die leicht entstehenden Druckstellen fördern einen schnellen Verderb der Früchte. Bei einer kühlen und dunklen Lagerung bei ca. 2° C sind Quitten 2 Monate haltbar. Sie enthalten 38 kcal auf 100 Gramm und damit deutlich weniger als die gleiche Menge eines Apfels. Bei der Verarbeitung muss unbedingt darauf geachtet werden, den der Schale anhaftenden Flaum zu entfernen. Dieser enthält sehr viele Bitterstoffe, die sich sonst geschmacklich auf die Weiterverarbeitung auswirken. Dazu reicht es aus, die Schale intensiv mit einem Tuch abzureiben. Verschiedenste Rezepte sind online zu finden von Quittenbrot bis Quittenkuchen. Wir wünschen guten Appetit. Die Quitte 11 Foto: Hans_Pixaby.com DIE QUITTE STUDIENFINANZIERUNG Das neue Semester startet! Für alle Studienanfänger gilt es nun, die gefühlten 1000 Fragen zu sortieren, die im Kopf herumschwirren: Eine der ersten dieser Fragen dreht sich darum, wie der Lebensunterhalt im Studium verdient werden soll. Der Tag der Studienfinanzierung hilft, sich einen komprimierten Überblick zu verschaffen. Welche Möglichkeiten gibt es, das Studium finanzieren? Wie geht das mit dem BAföG? Und wenn es kein BAföG gibt, dann vielleicht einen Studienkredit? Wenn ja, welchen? Wie sieht es aus mit einem Nebenjob? Gibt es irgendwo ein Stipendium? Wie finanziere ich das Auslandssemester? Auf diese und weitere Fragen gibt es Antworten beim Tag der Studienfinanzierung am 20. September 2018 im Foyer der Mensa Hardenbergstraße. Verschiedene Stiftungen und Stipendiengeber sowie Bereiche des studierendenWERKs Berlin sind von 10 bis 16:30 Uhr mit Info-Ständen vor Ort, um über verschiedene Finanzierungswege während des Studiums zu informieren. Das BAföG-Amt berät und hilft beim Ausfüllen des BAföG-Antrags. Daneben gibt es Vorträge zu verschiedenen Themen wie BAföG, Stipendien- und Förderprogramme für Inlandsstudien und Auslandssemester sowie Studienkredite. Alle diejenigen, die an dem Tag nicht vorbei kommen können, haben die Möglichkeit, ihre Fragen via Facebook zu stellen. Ein Sachbearbeiter beantwortet alle Fragen kompetent und sofort. 2. NUR DIE HÄLFTE MUSS ZURÜCK GEZAHLT WERDEN. Innerhalb der Regelstudienzeit (Förderungshöchstdauer) erhalten Sie die Förderung je zur Hälfte als rückzahlungsfreien Zuschuss und zur Hälfte als unverzinsliches Darlehen. Das unverzinsliche Darlehen wird fünf Jahre nach dem Ende der Regelstudienzeit fällig und in Mindestraten von 105 Euro monatlich abzutragen. Für die vorzeitige Rückzahlung werden sogar Erlasssummen eingeräumt. 3. MONATLICHE FÖRDERUNG 735 EURO Dieser Förderhöchstsatz gilt für Studierende, die nicht mehr bei den Eltern wohnen. Er enthält einen pauschalen Mietzuschlag von 250 Euro und ggf. den Zuschlag für die eigene Krankenversicherung bzw. die Pflegeversicherung. Für Studierende, die noch zuhause wohnen, gibt es maximal 537 Euro. Für Studierende mit Kindern kann es noch einen extra Zuschlag geben. 4. MINIJOB KÜRZT DIE FÖRDERUNG NICHT FÜNF DINGE, DIE MAN ZUM BAFÖG WISSEN SOLLTE: Für die Berechnung, ob und wieviel BAföG-Förderung zusteht, wird neben dem eigenen Einkommen auch das Einkommen der Eltern, Ehegatt*innen oder eingetragenen Lebenspartner*in herangezogen. Was viele aber nicht wissen: Aus einem Nebenjob als Arbeitnehmer z.B. Minijob bleiben Einnahmen von bis zu 450 Euro brutto monatlich anrechnungsfrei. Haben Sie z. B. in der Zeit von 04/2018 - 03/2019 insgesamt nicht mehr als 5.400 Euro brutto verdient, wird die Förderung nicht gekürzt. Haben Sie mehr verdient, wird der übersteigende Betrag durch 12 dividiert und von der Förderung abgezogen. 1. ONLINE GEHT ES BESSER. 5. BERATUNG GIBT ES IN DER BEHRENSTRASSE* Wir empfehlen allen Studierenden, den Antrag über das BAföG-Online Portal (www.berlin-bafoeg.de) auszufüllen. Dieses bietet unschlagbare Vorteile! Das System hilft aktiv mit: Alle Angaben werden sofort auf Plausibilität und Vollständigkeit überprüft. Es gibt sofort eine Liste mit Unterlagen, die dem Antrag noch hinzugefügt werden müssen, die Daten können für Folgeanträge gespeichert werden und wer schon die eID-Funktion auf dem Personalausweis hat, muss nicht mal mehr ausdrucken und unterschreiben! Notwendige Unterlagen lassen sich bequem, sicher und quittiert über das Online-Portal hochladen. Wenn Sie Studierende*r an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Berliner Hochschule sind, dann ist das studierendenWERK BERLIN als Amt für Ausbildungsförderung Ihr Ansprechpartner. Besuchen Sie uns in der Behrenstr. 40/41, 10117 Berlin! Gerne steht das BAföG-Team für alle Fragen persönlich zur Verfügung. Beratungszeiten: Dienstag 10 bis 12.00 Uhr und 13.30 bis 15.30 Uhr Donnerstag 15.00 bis 18.00 Uhr Schauen Sie doch mal vorbei! Das studierendenWERK freut sich auf Sie. 12 Studienfinanzierung * und am 20. September beim Tag der Studienfinanzierung * in der Behrenstraße. Fotos: fotolia.com / Picture-Factory EIN BISSCHEN CASH FÜRS STUDIUM KFW-KREDIT IM STUDIUM KfW-KREDIT IM STUDIUM Wie finanziere ich mein Studium? Eine Antwort auf diese Frage ist der Studienkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Für viele Studierenden, die einen Kredit in Anspruch nehmen müssen, kommt dieses Darlehen wegen seiner vergleichsweise niedrigen Zinsen infrage. Die Jobvermittlung des studierendenWERKs BERLIN informiert, hilft bei der Antragstellung und ist Ansprechpartner rund um diese Finanzierungsvariante. „Leider gibt es bei den Anfragen zur Studienfinanzierung immer wieder Irritationen über die unterschiedlichen Kreditangebote der KfW“, berichtet Hansjörg Edling von der Jobvermittlung des studierendenWERKs BERLIN. Grundsätzlich gibt es drei Angebote: Das „BAföG-Bankdarlehen“, eine Studienförderung innerhalb des BAföGs, den „Bildungskredit“ und den „KfW-Studienkredit“. Der Bildungskredit muss anders als der Studienkredit über das Bundesverwaltungsamt beantragt werden und ist für die Studienabschlussphase gedacht. „Wir können dazu nur in sehr begrenztem Rahmen beraten, denn in erster Linie sind wir für den KfWStudienkredit zuständig.“ Hier fungiert das studierendenWERK BERLIN als Vertriebspartner. „Banken und Sparkassen sind zwar ebenfalls Vertriebspartner, aber viele Studierende kommen lieber zu uns.“ Der KfW-Studienkredit hat einige Besonderheiten: Die Finanzierung ist unabhängig vom eigenen Einkommen oder dem Einkommen der Eltern. „Sicherheiten sind nicht erforderlich. So braucht man keine Bürgschaft“, betont Edling. Außerdem lässt sich das Darlehen mit dem BAföG oder anderen Bildungskrediten kombinieren. „Sowohl die Tilgung als auch die Auszahlung sind flexibel. So sind Auszahlungsbeträge zwischen 100 und 650 Euro pro Monat möglich.“ Der effektive Jahreszins liegt bei 3,55 Prozent. Allerdings ist auch dieser Kredit an verschiedenen Voraussetzungen gebunden: „Berechtigt sind nur deutsche Staatsbürger und deren Ehe- oder eingetragene Lebenspartner oder EU-Bürger mit mindestens dreijährigem permanenten Aufenthalt in der Bundesrepublik.“ Auch sogenannte Bildungsinländer - also Studierende nichtdeutscher oder EU-Staatsangehörigkeit, die ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland oder an einer deutschen Schule im Ausland erworben haben - können den KfW-Kredit erhalten. Ob ein Studierender einen Studienkredit bekommt, hängt auch davon ab, wo er studiert. „Vollständig im Ausland absolvierte Studiengänge oder Studiengänge an Berufsakademien werden nicht gefördert“, berichtet Edling. „Das Studium muss an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule in Deutschland absolviert werden.“ Außerdem gelten für den KfW-Studienkredit Altersgrenzen: „Das Mindestalter ist 18 Jahre, das Höchstalter 44 Jahre.“ Über alle Voraussetzungen für einen KfW-Studienkredit informiert die Jobvermittlung detailliert. Wenn es grundsätzlich darum geht, eine passende Studienfinanzierung zu finden oder einen Überblick über sämtliche Finanzierungsarten zu bekommen, ist die Sozialberatung des studierendenWERKs BERLIN der richtige Ansprechpartner. [Anja Schreiber] SO FUNKTIONIERT DIE ANTRAGSTELLUNG FÜR EINEN KFW-KREDIT: 1. SCHRITT: Studierende stellen einen Antrag unter → www.kfw.de (Suchbegriff: „KfW-Studienkredit (174)“). Sie generieren dort ein Darlehensangebot, speichern dieses und drucken es aus. Wichtig: Das „Rahmensdarlehensvertragsangebot“ dürfen sie noch nicht unterschreiben! 2. SCHRITT: Dieses „Rahmensdarlehensvertragsangebot“ legen sie einem Vertriebspartner vor. Dieser prüft dann unter anderem die personenbezogenen Daten und die persönliche Antragsberechtigung. Schließlich unterschreiben der Studierende und der Vertriebspartner das Vertragsangebot, das dann per Post an die KfW verschickt wird. Zuständig dafür beim StudierendenWERK ist die Jobvermittlung, Hardenbergstaße 34. 3. SCHRITT: Die KfW entscheidet über den Kreditvertrag. 4. SCHRITT: Wenn ein Kreditvertrag zustande kommt, wird für die Studierenden ein persönlicher Account eingerichtet, über den dann meist alle weiteren Transaktionen mit der KfW abgewickelt werden. WEITERE INFORMATIONEN UNTER: → www.kfw.de/inlandsfoerderung/ Privatpersonen/Studieren-Qualifizieren 14 Ernährungstipp Fotos: 123rf.com / subbotina → www.stw.berlin/beratung/themen/ studienfinanzierung-im-überblick.html 10 TIPPS Knapp drei Viertel der Berliner Studierenden sind erwerbstätig ... so die Zahlen der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks von 2016. Diese Doppelbelastung von Job und Studium lässt sich nur schultern, wenn das Zeit- und Selbstmanagement stimmt. Deshalb haben wir für Euch zehn wichtige Tipps zusammengestellt. #1 TO-DO-LISTEN FÜHREN Wer Studium und Job unter einen Hut bringen muss, verliert leicht den Überblick über seine vielfältigen Verpflichtungen. Deshalb ist es sinnvoll, alle Aufgaben und Termine zu notieren. To-do-Listen eignen sich hierfür besonders. Hier solltest Du alles aufschreiben, was Du erledigen musst: von der Mail an den Professor über den Arzttermin und die Referatsvorbereitung bis hin zu Deinem Dienstplan. #2 TOOLS UND APPS NUTZEN Es gibt viele Tools, Apps und Programme, die Dich beim Management Deiner Projekte und der Organisation Deines Alltags unterstützen. Dazu gehören etwa Trello oder Asana. Auch Evernote oder Wunderlist können Dir beim Aufgabenmanagement helfen. Nutze einfach das Tool, das zu Dir passt. Wichtiger als die Wahl der App ist ohnehin ihre konsequente Anwendung! #3 PRIORITÄTEN SETZEN Allein mit dem Aufschreiben der Aufgaben ist es aber nicht getan. Denn oft bleiben wichtige Arbeiten liegen. Um das zu verhindern, solltest Du bei allen Aufgaben klären, welche Priorität sie haben. Dafür kannst Du etwa die Eisenhower-Methode nutzen. Der USPräsidenten Dwight D. Eisenhower empfahl, Aufgaben nach den Kriterien Wichtigkeit und Dringlichkeit zu bewerten. Ist eine Aufgabe zum Beispiel sowohl wichtig als auch dringlich, ist sie sofort zu erledigen. #4 TAGES-, WOCHEN- UND SEMESTERPLÄNE ERSTELLEN Wer viel zu tun hat, sollte sich Zeit für die Planung seiner Arbeit nehmen. Es macht Sinn, abends den kommenden Tag mit allen Terminen und Aufgaben zu planen. Um größere Projekte wie Prüfungen oder Abschlussarbeiten erfolgreich zu bewältigen, wird es Dir helfen, wenn Du auch wochen-, monats- oder semesterweise planst. #5 GROSSES IN KLEINE SCHRITTE EINTEILEN Gerade wenn Du durch Job und Studium schon im Alltag voll beschäftigt bist, sind für Dich wahrscheinlich große Projekte wie die Bachelor-Thesis eine besondere Herausforderung. Hier kann Dir die sogenannte Salami-Taktik helfen: Große Projekte zerlegst Du dabei in möglichst kleine und überschaubare Teilaufgaben. #6 REALISTISCH SEIN, PUFFERZEITEN EINPLANEN Bei der Planung verfallen viele in einen zu großen Optimismus. Sie glauben zum Beispiel, dass es bei der Prüfungsvorbereitung keinerlei Störungen geben wird, und packen ihre Tage mit Aufgaben voll. Besser ist es dagegen, ausreichend Pufferzeiten für unvorhersehbare Ereignisse und Arbeiten einzuplanen. #7 AUS ERFAHRUNG LERNEN Wie viel Puffer Du brauchst, ist individuell verschieden. Wer ein kleines Kind hat, muss sicher mehr Zeit ei als jemand ohne Nachwuchs. Mach Dir bei der Planung Deine Erfahrung zunutze: Wenn Du weißt, dass Du an den Tagen, an denen Du jobbst, nicht mehr effektiv lernen kannst, solltest Du dies unbedingt berücksichtigen! #8 ÄHNLICHE AUFGABEN IM BLOCK ABARBEITEN Manche Arbeiten lassen sich effizient gestalten. Wer zum Beispiel seine Mails nicht unmittelbar dann beantwortet, wenn sie ankommen, sondern später im Block bearbeitet, spart Zeit. Bündele also ähnliche Aufgaben und reserviere dafür in Deiner Planung bestimmte Zeiten. #9 ZEITFRESSER IDENTIFIZIEREN Jeder hat so seine Zeitfresser ... ob Instagram, YouTube oder Netflix. Wichtig ist, dass Du diesen auf die Spur kommst und sinnvolle Gegenmaßnahmen einleitest. Du könntest Dir zum Beispiel eine „stille Stunde“ verordnen und dann Dein Handy ausschalten. #10 PAUSEN MACHEN Zur Planung gehört nicht nur das Organisieren der Arbeit, sondern auch der Freizeit. Genehmige Dir - gerade auch in stressigen Zeiten - mindestens einen freien Tag pro Woche. Sorge dafür, dass auch in der Vorbereitung auf Prüfungen Dein Sozialleben nicht zu kurz kommt. [Anja Schreiber] 10 Tipps 15 Fotos: Pixabay.com / Bru-nO ZEIT- UND SELBSTMANAGEMENT KALENDER VERANSTALTUNGEN DES STUDIERENDENWERKS BERLIN Das studierendenWERK BERLIN bietet im Herbst zahlreiche Veranstaltungen und Workshops, die dich im Studium unterstützen können. Welche, verraten wir hier: September 28th, 10 AM – 12 AM 03. – 07. September 2018, jeweils 10.00 bis 18:26 Uhr Foto: Jana Judisch SCHREIBMARATHON Für alle Studierenden, die sich an ihrem Schreibtisch nicht konzentrieren können, bietet das studierendenWERK den Schreibmarathon! Egal ob Haus-, Bachelor- oder sonstige Arbeit: Beim Schreibmarathon können Studierende täglich von 10:00 bis 18:26 Uhr an ihren Texten arbeiten. Betreut wird der fünftägige Marathon von ausgebildeten studentischen Schreibberater*innen, die für Fragen und individuelle Beratungen zur Verfügung stehen. WLAN (Eduroam) ist vorhanden. Der Unkostenbeitrag beträgt 5,- Euro. www.stw.berlin/schreibmarathon Foto: falco_pixabay.com ENGLISH LECTURE: BASIC KNOWLEDGE ON TAX RETURN Working students can learn in which cases it is advisable to make a tax return and in which cases it is even mandatory. The lecture answers the following questions:tax liability in Germany Dead lines for your tax return - requirements and schedule -tax relevant costs - study fees as advertisement costs - self-employment for students - support for questions and problems Registration for that lecture: www.stw.berlin/trainings Freitag, 05.10.2018, 09-16 Uhr SCHREIBWERKSTATT BEWERBUNGSUNTERLAGEN Freitag, 14.09.2018 | 10:00 -14.30 Uhr Im Workshop „Wissenschaftlicher Sprachstil“ beschäftigen wir uns mit fächerübergreifenden Grundlagen von Wissenschaftssprache. Dafür werden generelle Kriterien und typische Formulierungsmuster erarbeitet. Durch Detailanalyse von Satzbeispielen werden die Teilnehmenden außerdem für unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten und stilistische Stolperfallen sensibilisiert. Anmeldung unter schreibberatung@stw.berlin 16 Auf der Sonnenterrasse der Normalität Foto: berwis_pixelio.de Foto: picjumbo_com Pixabay WORKSHOP „WISSENSCHAFTLICHER SPRACHSTIL“ „Deshalb bin ich genau richtig für den Job“: Im Anschreiben müssen Bewerber*innen ihre persönliche Qualifikation und Motivation zu Papier bringen. „Wer bin ich?“ „Was kann ich?“ und „Warum möchte ich das bei diesem Arbeitgeber machen?“ sind die zentralen Fragen, die in einem Anschreiben beantwortet werden sollen. Die Schreibwerkstatt baut Schreibblockaden ab und macht Lust auf die Erstellung von Anschreiben, die sich vom allgemeinen Mainstream absetzen. Anmeldung unter www.stw.berlin/trainings Donnerstag, 25.10.2018 Mittwoch, 17.10.2018 OTTILIES CAFÉ IM OKTOBER: STUDIUM FERTIG UND DANN!? – TIPPS UND TRICKS FÜR DEN EINSTIEG INS BERUFSLEBEN FÜR STUDENTINNEN Foto: falco_pixabay.com GRUNDWISSEN STEUERERKLÄRUNG Steuerpflichtige Studierende erfahren in diesem Training, wann es sich lohnt eine Steuererklärung abzugeben und wann man dazu verpflichtet ist. Die Veranstaltung beschäftigt sich unter anderem mit folgenden Fragen: Das Studium ist (fast) vorbei, das Arbeitsleben hat noch nicht so richtig begonnen. Wie gelingt der Sprung in die Arbeitswelt? Praktika, direkter Berufseinstieg, Auslandsaufenthalt? Was macht man in der Übergangszeit? Wovon soll man leben? - Welche Kosten sind steuerlich absetzbar? - Wie ist eine Steuererklärung zu erstellen? - Welche Belege müssen aufbewahrt werden? - Welche Fristen gilt es zu beachten? - Wo bekomme ich Unterstützung? Das Training vermittelt darüber hinaus Grundwissen zur Kombination aus einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis und einer selbständigen Tätigkeit. Alle wichtigen Informationen zum Thema Berufseinstiegsstrategien, sowie zu den finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten in der Zeit zwischen Uni und Berufseinstieg gibt es im Oktober im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ottilies Café“. Anmeldung unter www.stw.berlin/trainings Als Referent*innen konnten Sabine Dietzsch vom Hochschulteam Bundesagentur für Arbeit Berlin Süd und Jens Kubla, Teamleiter im Jobcenter Tempelhof-Schöneberg gewonnen werden. Freitag 12.10.2018, 13 – 17 Uhr ARBEITS- UND SOZIALVERSICHERUNGSRECHT FÜR STUDIERENDE Die kostenfreie Veranstaltung findet am Mittwoch, 17.10.2018 von 15 bis 17 Uhr in der Coffeebar HU, Kaminzimmer „c.t.“ statt. Foto: STW Berlin Foto: Rainer Sturm_pixelio.de ART WEEK BERLIN 2018 LIVING / LEAVING Alle Fragen rund ums Jobben neben dem Studium werden in diesem Training beantwortet. Inhalt des Trainings: - Arbeitsverhältnis und selbständige Beschäftigung - SV-Pflicht von Arbeitsverhältnissen, Studierendenprivileg, geringfügige Beschäftigung - Arbeitserlaubnis für Studierende aus Nicht-EU-Staaten (§ 16 Abs. 3 AufenthG) - Job-Arten: Minijob, bezahltes Praktikum, Jobs als HiWi, Arbeit auf Abruf - Arbeitsvertrag - Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und Anspruch auf Urlaub - Mutterschutz - Was tun bei ausbleibendem Lohn und Kündigung - Anspruch auf Arbeitszeugnis - Steuerrechtliche Grundlagen Anmeldung unter www.stw.berlin/trainings Wut, Euphorie, Stress, oder das Gefühl niemals anzukommen - was geht es jungen Studierenden in der gentrifizierten Großstadt? Das könnt ihr in der Ausstellung Living / Leaving erleben. Studierende aus Berliner Hochschulen haben sich künstlerisch mit dem Thema auseinandergesetzt. Eindrucksvoll wird es nicht zuletzt wegen des außergewöhnlichen Ausstellungsortes: ein leerstehendes Parkhaus. Vernissage 26.09.2018, 18:00 Uhr OPEN GALLERY 27.09.-30.09.2018 12:00-18:00 Uhr KUNSTRAUM Potsdamer Straße Parkhaus im Hof, Eingang zwischen den 10785 Berlin Hausnummern 65 – 67, Auf der Sonnenterrasse der Normalität 17 18 Campus Talk Foto: Jana Judisch CAMPUS TALK ELLEN KRÜGER HEUTE MIT In unserer regelmäßigen Reihe „Campus-Talk“ kommen wir mit Personen aus der Berliner Hochschullandschaft ins Gespräch. In der heutigen Ausgabe: Ellen Krüger, Leiterin des neuen Informationsangebots IC Studi@Home... Frau Krüger, wir haben lange Jahre gemeinsam beim „Werkblatt“ gearbeitet, nun sitzen Sie uns gegenüber. Was hat Sie an der neuen Position gereizt? Das ist tatsächlich etwas Neues für mich nach zehn Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens. Ich freue mich darauf, mit dem InfoCenter ein Angebot aufbauen zu können, das es in dieser Form im studierendenWERK BERLIN überhaupt noch nicht gab. Meine beiden neuen Kolleginnen und ich können viele eigene Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten in das Projekt einbringen. Vielleicht erzählen Sie uns kurz noch von Ihrem beruflichen Werdegang! Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zur Werbekauffrau bei der AOK fürs Land Brandenburg gemacht. Da ging es für mich irgendwann nicht weiter, und die Branche Öffentlichkeitsarbeit hatte mir schon immer gut gefallen. Ich absolvierte also ein Studium an der design akademie berlin – Diplom Kommunikationsmanagement. Wie kamen Sie dann zum studierendenWERK BERLIN? In eine Agentur wollte ich nicht, und so bin ich dann irgendwie hier gelandet, mit einer halben Stelle in der Öffentlichkeitsarbeit. Mit einer einer zweiten halben Stelle habe ich ab 2013 die InfoPoints aufgebaut – auch ein Projekt, das es vorher nicht gegeben hatte. Was kann das neue InfoCenter – und was werden die Studierenden davon haben? Vielleicht kurz zur Ausgangslage auf dem Wohnmarkt: Wir betreuen aktuell 167.000 Studierende an 21 Hochschulen, haben aber nur 9.500 Wohnheimplätze zu vergeben. Der Run auf die Plätze ist also groß, die Wartezeiten liegen inzwischen bei einem bis drei Semestern. Mit dem IC Studi@Home, wie das Center offiziell heißen wird, wollen wir den Service für die Studierenden auch auf die Unterstützung bei der Suche auf dem freien Wohnmarkt ausweiten. Wie wird das Angebot genau aussehen? Studierende mussten sich mit ihren Bewerbungen und Fragen bislang an drei verschiedene Wohnheimverwaltungen wenden. Mit dem InfoCenter werden wir ihnen eine zentrale Anlaufstelle für die Wohnungssuche bieten. Wir zeigen einen Überblick über den Anbietermarkt, wir klären auf, worauf geachtet werden muss und schauen, inwieweit wir dabei helfen können, wenn schon nicht im studierendenWERK, dann andernorts eine Wohnung zu finden. Gegenzug Wohnraum anbieten möchten. Diese können ihre freien Zimmer in unserer Onlinebörse anbieten. Wie wird das InfoCenter konkret aussehen? Das InfoCenter wird ganz barrierefrei hier im Eingangsbereich der Mensa TU Hardenbergstraße eingerichtet. Studierende finden hier von 10 bis 17 Uhr Ansprechpartner*innen, die sie beraten und die ihnen bei Bedarf beim Wohnheimantrag helfen. Wir gehen aktuell mit mir als Leitung und zwei Kolleginnen an den Start, werden aber zusätzlich auf Unterstützung aus den Wohnheimverwaltungen kriegen. Und der Start wird wann sein? Allerspätestens Mitte September. Ich bin aber optimistisch, dass wir vielleicht sogar schon ein paar Tage eher aufmachen. Was ist über dieses Angebot vor Ort hinaus noch geplant? Wir werden auf verschiedenen Infotagen vertreten sein und dann dort beraten. Am 19. September findet ja auch der Tag des Wohnens hier im Freiraum in der Hardenbergstraße 35 statt. Da wird unser neues Angebot natürlich auch eine wichtige Rolle spielen. Ein weitere Idee sind kleine Café-Runden: Diese können zum Beispiel als Art Speed-Dating für Wohnungssuchende veranstaltet werden. Studierenden sollen die Möglichkeit haben, untereinander Kontakt zu knüpfen und sich auf ihre WG-Eignung zu „beschnuppern“. Wenn man Budgets zusammenschmeißen kann, sucht es sich ja durchaus besser. Was wünschen Sie sich persönlich für das Projekt? Vor allem einen reibungslosen Ablauf, aber nicht zuletzt auch eine bessere Unterstützung der Studierenden. Und da wir unsere Beratung auf Deutsch, Englisch und Russisch anbieten, muss ich nun mein Englisch verbessern und habe dafür einen Kurs belegt. Let’s hope for the best! (lacht) Zum Abschluss eine persönliche Frage: Was waren bislang Ihre schönsten Momente in der Zeit am studierendenWERK BERLIN? Das waren vor allem die Betriebsfeste, die ich für mehrere hundert Mitarbeiter*innen organisiert habe. Die ganze Veranstaltungsschiene hat mir einfach schon immer am meisten Spaß gemacht, und ich freue mich, dass ich auch künftig in diesem Bereich aktiv sein kann. [Friedrich Reip] Sie haben Strategien zu zusätzlichen Angeboten angesprochen. Wie sehen diese aus? Wir streben Kooperationen mit städtischen Wohnungsbaugesellschaften ebenso an wie mit privaten Investoren. Darüber hinaus betreiben wir zwei Kampagnen: Bei „Fairteilen“ können Studierende ihren Wohnraum unter bestimmten Bedingungen mit anderen Studierenden teilen und zahlen dafür lediglich einen Aufpreis von 60 Euro für die zusätzlichen Betriebskosten. Die Kampagne „Fairmieten“ richtet sich vor allem an die privaten Anbieter auf dem Berliner Wohnraummarkt. Menschen wie du und ich, die ein Zimmer frei haben, die vielleicht auch mal Hilfe in der Wohnung brauchen und im IC Studi@Home Hardenbergstraße 34 10623 Berlin Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10-17 Uhr E-Mail: wohnen@stw.berlin Hotline: 030 / 93939 8888 Campus Talk 19 Julia Engelmann im werkblatt-Interview MUSIKINTERVIEW Womit hast du eigentlich zuerst angefangen, Schreiben oder Schauspielen? „Mit beidem gleichzeitig. Ich habe schon als Grundschülerin Theater gespielt, gemalt und Geschichten geschrieben. Es gab sozusagen nicht die erste Liebe. Es fängt immer mit Gedanken und Gefühlen an – die Ausdrucksform ist unterschiedlich. Ich habe auch recht früh angefangen Klavierunterricht zu nehmen und Tanztheater zu machen.“ Wie bist du vom Theater zum TV gekommen? „Ich bin damals über SchülerVZ auf Castings für Film- und Fernsehproduktionen aufmerksam geworden. Bis dahin dachte ich, man wird in die Branche irgendwie reingeboren, z. B. wenn die eigenen Eltern Schauspieler sind. Mit 15 habe ich dann angefangen auf unterschiedlichste Castings zu gehen. Und mit dem für „Alles was zählt“ hat es dann geklappt. Ich hatte gerade das Abi gemacht und habe mich gefragt, wo geht es jetzt hin? Und dann hatte ich plötzlich meinen ersten Job. Ein Riesenglück und ein Umzug in eine neue Stadt. Ich fand das superspannend.“ Was hat dich nach gut zwei Jahren bewogen aus der Serie auszusteigen? „Ich wollte einfach wahnsinnig gerne an die Uni und habe angefangen Psychologie zu studieren. Aber ehe ich mich‘s versah, hatte ich plötzlich drei Bücher geschrieben und war auf Tour. Erst gab es ein Semester Pause, dann wurden drei draus und schließlich habe ich das Studium ad Acta gelegt. Denn ich war ständig auf Tour und meine Freunde plötzlich schon im Master.“ Wie bist du auf Psychologie gekommen? Wolltest du die ungewöhnlichen Verhaltensweisen von Künstlern endlich verstehen? „Menschen mit ungewöhnlichen Verhaltensweisen gibt es ja auch außerhalb des Show-Geschäftes. Meine Mutter ist Psychologin und ich interessiere mich stark für alles, was mit Denken, Fühlen und Handeln zu tun hat. Warum bin ich so? Und warum sind die anderen so? Das waren für mich schon immer große Fragen. Das wird auch immer so bleiben. Meine Mutter hatte ihr Studium absolviert, als ich schon älter war. Deshalb habe ich da viel von mitbekommen.“ Die Medien haben dich gehypt, aber teils auch fies kritisiert. Wie gehst du damit um? „Ich denke, diesen Mechanismus gibt es überall in unterschiedlichen Härtegraden. Ich bin da mit mir und den Dingen, die ich sage und schreibe im Reinen. Außerdem habe ich einen gesunden Blick darauf, wessen Feedback mir viel bedeutet. Letztlich spiegelt es wieder, wie unterschiedlich Menschen Dinge empfinden. Und wie unterschiedlich Menschen mit Dingen umgehen. Ich mag Kritik, wenn sie wertschätzend und konstruktiv ist. Ansonsten finde ich: Jedem das seine.“ Nutzt du beim Schreiben von Büchern und Songs unterschiedliche Herangehensweisen? „Bei allem, was ich mache, frage ich mich: Wie kann ich das Gefühl am besten abbilden? Alles ist der Versuch, mein Innenleben nach außen zu kehren. Es sichtbar und greifbar zu machen. Da ist das richtige Baugefühl ein gutes Werkzeug. Alles, was es sonst noch braucht, ist dann der nächste Schritt. Bei der Musik habe ich die meisten Songs z. B. mit Songwritern zusammen geschrieben. Die kennen sich mit Instrumenten und der Produktion besser aus. Das ist natürlich etwas anderes, als solo Texte zu schreiben.“ Ein Tipp für uns Studierende: Wie gehst du als Vielschreiberin mit Schreibblockaden um? „Das ist ja schon eine philosophische Frage: Was ist eine Schreibblockade? Gibt es die wirklich? Ist es eher einer Frage der Disziplin oder des Perfektionismus? Bei mir gibt es einfach Tage, an denen mir nichts Gutes einfällt. Dann zwinge ich mich auch nicht dazu. Dass würde ich auch jedem raten, der eine Hausarbeit schreibt. Ansonsten gucke ich oft in alte Notizen. Oder ich wechsele vom einem Text zu anderen, wenn es beim ersten nicht vorangeht. Manchmal höre ich auch einfach ein Lied, das mich inspiriert oder gehe spazieren. Am Ende einer Abgabefrist kommt aber natürlich auch bei mir Stress auf.“ Im Studium hat man durch die Lehrveranstaltungen ja eine feste Struktur. Ist es als Künstlerin schwer, sich selbst eine Struktur zu schaffen? „Es fällt mir leicht, weil ich all die Dinge, die ich mache, sehr sehr gerne mache. Aber natürlich ist es auch wichtig Routinen zu haben, wie z. B. ein Morgenritual, weil das Gehirn vom dauernden Entscheidungen treffen schnell müde wird. Das findet sich dann auch in meinem Alltag wieder. Aber alles in allem, klappt das mit dem Strukturieren ziemlich gut.“ [Interview: Dirk M. Oberländer] AKTUELLES ALBUM: Poesiealbum AKTUELLES BUCH: Keine Ahnung, ob das Liebe ist? YOUTUBE-VIDEO VOM POETRY SLAM AN DER UNI BIELEFELD: www.kurzlink.de/engelmann TOURTERMINE: → www.juliaengelmann.de Foto: Ben Wolf Die 26-jährige Bremerin ist ein mediales Multitalent. Bereits zu Schulzeiten spielte sie in ihrer Heimatstadt Theater und schaffte direkt nach dem Abitur den Sprung in die TV-Schauspielerei. In der RTL-Serie „Alles, was zählt“ spielte sie zwei Jahre die Rolle der Franziska Steinkamp. Noch größere Popularität brachte ihr allerdings ein Auftritt bei einem studentischen Poetry-Slam-Auftritt in Bielefeld. Die Lesung ihres Textes „One Day/ Reckoning Song“ wurde auf Youtube über vier Millionen mal abgerufen. Inzwischen tourt die Künstlerin höchst erfolgreich mit Lesungen und als Singer-Songwriterin durch die Republik. Im werkblatt erzählt Julia, wie sie mit Schreibblockaden umgeht und wie es sich anfühlt von der Presse bejubelt, aber auch verrissen zu werden. Julia Engelmann im Interview 21 LITERATURBEILAGE NACH DEM BART WIRD NICHT MEHR GEFRAGT Morten Debald Ich gehe immer zum türkischen Frisör. Bei mir in Kreuzberg gibt es einige davon. Sie machen alle ihren Job. Früher war ich auch bei anderen Frisören, bis ich verstand, dass es ihnen nicht reicht, nur die Haare abzuschneiden, die zu viel sind. Sie müssen am Ende immer noch herumtüfteln, bis sie es wieder vermurkst haben. In den türkischen Salons sitzen genug Männer, die darauf warten, dass ihnen der Bart geschnitten wird, da hat keiner die Zeit, um auch nur ein Haar mehr abzuschneiden, als verlangt. Es gibt drei Stühle. In der Mitte sitzt ein Mann, dessen Genetik oder Lebensführung ihn alt erscheinen lässt, allerdings entlarven seine selbstverliebten Blicke in den Spiegel seine Jugendlichkeit. Der Mann links von ihm sieht auch in den Spiegel, allerdings gedankenverloren, als hätte er vergessen was er sich dort eigentlich ansehen wollte. Seine Augen folgen der Schere ohne jede Spannung. Ganz rechts sitzt ein älterer Herr, dessen Bauch weiter reicht, als die Armlehne. Er atmet schwer, aber beständig. Ihn könnte gleichermaßen ein wochenlang vergessener Blick in den Spiegel oder auch eine entkräftete Ehefrau hierher geschickt haben. Sein Schnitt ist der leichteste. Seine Tonsur soll einfach nicht so zerfranst daherkommen. Ein knappes Dutzend gezielter Schnitte mit der Schere reicht aus. Er legt zehn Euro auf den Tresen und sagt etwas Einsilbiges auf Türkisch. Ein Ausspruch, der heute anscheinend keine Erwiderung erfordert. Der Ladeninhaber nickt mich auf den Stuhl und ich setze mich in den dürftigen Haarüberschuss meines Vorgängers. Ich bekomme das Papier an den Hals gesteckt und den Frisierumhang umgelegt. Die Augenbrauen des Barbiers fragen mich im Spiegel was getan werden soll. »An den Seiten 9 mm, kleiner Übergang und oben nur ein bisschen.« »Spitzen also.« »Ja, nicht zu viel.« Er stößt etwas aus, das in diesem Kontext nur als Bestätigung ausgelegt werden kann. Eine Ablehnung wäre schließlich auch absurd. Ich bin froh, da ich ihn bereits kenne und weiß, dass ich in guten Händen bin. Er ist heute sehr sparsam mit seinen Worten, denn der Fernseher redet unermüdlich. Ich verstehe nur Erdoğan, Assad, Suriye, undPKK‘lı teröristler, doch den Rest der Geschichte kenne ich schon aus der Presse. rer Lesungen Wer seine Texte auf einer unse unter sich kann hte, vorstellen möc r anmelden. dafü r ultu lin/k -ber .stw www 22 Literaturbeilage Der Frühling erreicht allmählich Berlin. Draußen präsentiert die erste Frau bereits ein Kleid, und der Fernseher hat allerlei Ausdauer beim Erzählen seiner Geschichten von Erdogan, Assad, Suriye und den PKK‘lı teröristler. Morten Debald studiert Europäische Literaturen und Sprachen an der HumboldtUniversität zu Berlin. Er arbeitet als Autor und Dozent für Deutsch als Fremdsprache in Berlin und Bolgna. Foto: flicKr.com / Heinz Bunse ter: Die Termine im Wintersemes 6. November 2018 4. Dezember 2018 5. Februar 2019 HU „c.t.“, jeweils 19 Uhr in der Coffebar in Universitätsstr. 8, 10117 Berl Er hält den Spiegel schwunglos hinter meinen Kopf. Der Winkel stimmt nicht und ich kann eigentlich nichts erkennen, nicke seine Arbeit aber trotzdem ab. Ich lege meine zehn Euro auf den Tresen und greife nach meiner Jacke. Foto: Morten Debald NOR MALITÄT IM KAMINZ IMMER DER er der Nor mal ität“ mm inzi Kam „Im e reih Mit der Lese einmal monatlich nen r*in Auto bieten wir studenti sche n tlicht en bere its Texte veröffen eine Lese bühne. Eini ge hab iere. Prem eine es ist ere and ode r öffe ntlich gele sen, für DER KULTUR-TIPPS GUTE RAT EINE FRAGE DER KLASSE LOHNSTEUER FÜR STUDIERENDE Fotos: Pixabay.com / falco Das Thema Lohnsteuer ist für viele Studierende eine „terra incognita“ - ein unbekanntes Land. Die Jobvermittlung des studierendenWERKs BERLIN lässt sie dabei nicht allein und bietet Beratung und Trainings unter anderem zum Thema Steuer- und Sozialversicherungsrecht an. „Manche Studierende glauben, sie müssten keine Steuern zahlen, weil sie studieren. Doch das ist ein Irrtum“, betont Hansjörg Edling von der Jobvermittlung. „Denn für sie gilt das Steuerrecht genauso wie für alle anderen.“ Deshalb sei es wichtig, sich frühzeitig zu informieren. Nur wer das Steuerrecht kennt, ist in der Lage, die Steuerlast schon im laufenden Jahr zu verringern. Zwar kann sich jeder im Zuge einer Steuererklärung zu viel gezahltes Geld vom Staat zurückholen. Allerdings ist das erst nachträglich möglich. und an die Einhaltung bestimmter wöchentlicher Arbeitszeiten während der Vorlesungszeit geknüpft. „Nur ordentlich Studierende können von dieser Versicherungsfreiheit profitieren. Wer dagegen ein Promotions- oder Teilzeitstudium absolviert oder sich im Urlaubssemester befindet, der ist kein ordentlich Studierender.“ Auch Studienkollegiaten oder Teilnehmer an Deutschkursen sind voll versicherungspflichtig ... genauso wie sogenannte Langzeitstudierende jenseits des 25. Fachsemesters. „Der Lohnsteuerabzug ist grundsätzlich von der Lohnsteuerklasse abhängig. Die verschiedenen Klassen haben unterschiedliche monatliche Steuerfreibeträge“, erklärt Edling. „Die Steuerklasse 1 hat zurzeit einen Freibetrag von 1.029,49 Euro, die Steuerklasse 6 dagegen nur von 0,83 Euro. In dieser Klasse muss man quasi vom ersten Euro an Steuern zahlen.“ Ordentlich Studierende dürfen außerdem während der Vorlesungszeit nur maximal 20 Stunden in der Woche arbeiten, berichtet Edling weiter. Jobbten sie mehr, seien sie im Sinne des Gesetzes nur noch nebenberuflich Studierende. Dann fallen Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an. „Deshalb müssen die Arbeitgeber natürlich wissen, ob ihr Mitarbeiter ein ordentlich Studierender ist oder nicht. Auch die Anzahl der Beschäftigungsverhältnisse und ihr Umfang muss ein Jobbender dem Unternehmen mitteilen“, so Edling. Sein Appell lautet: „Machen Sie auf jeden Fall wahrheitsgemäße Angaben!“ [Anja Schreiber] Das Problem vieler Studierender ist, dass sie nicht nur ein Beschäftigungsverhältnis haben, sondern mehrere. „Sie können aber nicht mehrere Jobs gleichzeitig über die gleiche Lohnsteuerklasse abrechnen. Ist jemand zum Beispiel Single und hat zwei Jobs, kommt für einen der beiden Jobs nur die ungünstige Steuerklasse 6 infrage“, berichtet Edling. Er empfiehlt Studierenden, das Hauptbeschäftigungsverhältnis über die Steuerklasse 1 abzurechnen und den kleineren Job über die Klasse 6. In jedem Fall lohne es sich, bei der Jobvermittlung nachzufragen, welche Steuerklasse für wen gilt und welche Gestaltungsspielräume der Einzelne hat. Klassen 1 und 4: z. Zt. 1.029,49 Euro (für Ledige bzw. Verheiratete mit etwa gleichem Verdienst) Klasse 2: z. Zt. 1.225,08 Euro (für Alleinerziehende) „Außerdem kann ein Arbeitgeber immer nur den für die jeweilige Lohnsteuerklasse gültigen Tages- oder Monatsfreibetrag zugrunde legen“, so Edling. „Der Jahresfreibetrag spielt dabei keinerlei Rolle, da dieser nur vom Finanzamt im Rahmen einer Lohnsteuererklärung bei der Steuerneuberechnung für das gesamte Jahreseinkommen angewandt werden kann.“ Mit dem Steuerbescheid kann es dann zur Rückzahlung von zu viel gezahlten Steuern kommen. Edling empfiehlt, sich auch mit dem Thema Sozialversicherung vertraut zu machen. „Grundsätzlich sind alle Studierenden rentenversicherungspflichtig. Eine Versicherungsfreiheit besteht aber für die Bereiche Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung“, betont Edling. Allerdings ist diese Befreiung an den Studierendenstatus Klasse 3: z. Zt. 1.952,82 Euro (für Verheiratete mit wesentlich größerem Einkommen als der Ehepartner) Klasse 5: z. Zt. 107,08 Euro (für Verheiratete mit wesentlich geringerem Einkommen als der Ehepartner) Klasse 6: z. Zt. 0,83 Euro (für ein weiteres Arbeitsverhältnis neben dem Hauptarbeitsverhältnis) Mehr Informationen über die Beratungs- und Trainingsangebote der Jobvermittlung des studierendenWERKs BERLIN gibt es unter: www.stw.berlin/jobben.html Kulturtipps Der gute Rat 23 23 KULTUR-TIPPS CALL: KUNST AUF DER FASSADE Wir suchen eine*n Künstler*in, der/die eine ca. 500 m² große Hauswand eines Studierendenwohnheims künstlerisch inszenieren möchte. Gesucht wird ein Entwurf, der auf das Wohnheim aufmerksam macht und die soziale Komponente des Wohnens in einem Gebäude betont, in dem über 500 Studierende aus verschiedensten Fachbereichen und Ländern zusammenleben. Go wild, Platz gibt es genug! Einsendeschluss ist der 26.10.2018 Informationen zur Bewerbung findet ihr unter: https://www.stw.berlin/kultur EXTREM BUNT…. DIE HIGHLIGHTS ZUM SEMESTERSTART Für alle Neuberliner und internationale Studierende haben wir die neue englischsprachige Eventreihe „Get Together“ ins Leben gerufen. Von Rallyes über Pub Quiz und Karaoke Abende: jedes Semester erwartet euch eine andere spannende Zusammenstellung interaktiver Events. Spaß und gemeinsame Erlebnisse stehen dabei an erster Stelle - und ganz nebenbei lernt ihr neue Leute kennen. Großer Willkommensauftakt ins Semester wird aber wie immer der mittlerweile schon legändere Festivalabend food&culture: Welcome to Berlin. Wir haben wieder die besten studentischen Acts zusammengetrommelt. Also lasst euch mitreißen, denn euch erwartet ein grandioses Bühnenprogramm mit Tanz, Musik, Performance und vielen Aktionen Drumherum. Und natürlich gibt es typisches Berliner Essen! Im neuen Semester warten außerdem wieder jede Menge CultureTrips auf euch: Fotosafaries, Erkundungen in den Berliner Unterwelten, oder Spannung im Escape Room - gemeinsam entdeckt man Berlin am besten. Und bei unseren CultureTrips zu besonders günstigen Preisen. Auch unser Kursprogramm ist wieder prall gefüllt. Es gibt Zeichen-, Voguing-, Theaterkurse und den größten Popchor Berlins. Zum Semesterstart könnt ihr neu einsteigen, Anmeldungen sind ab sofort möglich. CALL FOR ARTISTS: MIX IT! TALENTE 2018 Ende des Jahres findet wieder die große Mix it! Nacht der Talente statt, in welcher alle Gewinner*innen aus jeder Kategorie nochmals auftreten. Falls ihr es verpasst habt, euch anzumelden oder ihr euer Talent zu keiner Kategorie dazuzählen konntet, dann bewerbt euch für Mix it! Open Stage am 15.11. Hier gibt es keine Vorgaben! Wenn ihr eine Bühne speziell für schauspielerische und artistische Acts sucht, dann tretet bei Mix it! Acting & Varieté am 1.11. auf. Wer vom Publikum als Gewinner*in gewählt wird, erhält 200 Euro und qualifiziert sich automatisch für das Finale, die große „Mix it! - Nacht der Talente“ am 13.12.2018. Infos zu den Events und Calls findet ihr im Web: stw.berlin/kultur auf Facebook: https://de-de.facebook.com/StW.Bln/ oder ihr abonniert unseren Kulturnewsletter auf unserer Webseite. KULTUR-TIPPS Foto: anyotherband.bandcamp.com Monarch Skalitzer Str. 134 10999 Berlin  www.anyotherband.bandcamp.com Sich über Politik lustig zu machen, ist ein schmaler Grat. Oft überholt die Realität das kabarettistische Programm. Oder noch schlimmer, der Mensch auf der Bühne kommt als besserwissender Wanderprediger daher. Beide Fehler vermeidet Anny Hartmann zum Glück perfekt. Souverän gelingt es der Künstlerin, selbst komplexe politische Zusammenhänge in drei Sätzen zu erklären und aus den Widersprüchen im politischen Alltag intelligente und teils auch bittere Gags zu generieren. Dabei hat es der studierten Wirtschaftswissenschaftlerin vor allem die Finanzpolitik angetan. Selten hat jemand unterhaltsamer über Steuern, bedingungsloses Grundeinkommen und Renten geredet und gelästert. Dabei interagiert sie mit ihrem Publikum und beantwortet auch spontane Fragen oder Zurufe souverän. Derzeit tourt die brillante Analytikerin mit ihrem Programm NoLobby ist perfect durch die Lande. Komische wie kompetente Nachhilfe in Sachen Wirtschaft und Gesellschaft gibt es vom 18.-20.10. im Mehringhoftheater. Billets kosten ab 14 Euro (ermäßigt). Mehringhoftheater Gneisenaustr. 2a 10961 Berlin  www.annyhartmann.de Ausgewählt von: Dirk M. Oberländer Illustration: Ulrich Scheel Bei der Band Any other fällt es schwer, die Füße mehr als ein paar Takte still zu halten. Das liegt zum einen an der gekonnt tanzbaren Mischung aus Indierock mit einer guten Prise modernisiertem 90er-Sound. Dazu gesellen sich die eindrucksvolle Stimmer der 24-jährigen Frontfrau Adele Nigro und intelligentes Songwriting. Natürlich geht es um (un-)erfüllte Sehnsüchte, Liebe und die Frage wo das mit dem (zwangläufigen) Älterwerden enden soll? Der Bandname ist in gewisser Weise biographisch. Denn nachdem sich ihre letzte Band aufgelöst hatte, musste Adele entscheiden, ob und wie sie weiter Musik machen möchte. Nach einem Soloalbum hat die Italienerin wieder Bandmitstreiter gewonnen und so tourt das Trio durch Europa. Die italienische Musikpresse zieht schon parallelen zum Frühwerk von Alanis Morissette. Keine schlechte Referenz. Auf jeden Fall erleben wir großartige Musik in einem kleinen, feinen Club. Lasst euch die Chance nicht entgehen, am 18.9. ab 20:30 Uhr im Monarch vielleicht den Beginn einer großen Popkarriere zu erleben. Tickets kosten rund 14 Euro. LOBBY CONTROL Foto: Wolfgang Michel BEWEGUNGS GARANTIE Kulturtipps 25 XXX RAUS AUS DER RUHE, REIN IN DIE RUHE Wenn eine Fünfjährige ihre alte Kita-Leiterin beim gemeinsamen Frühstück fragt, was diese denn später einmal werden wolle, dann hat das den betörenden Charme unschuldiger, kindlicher Neugier, der Viktoria Schiegl 48 Jahre lang das Berufsleben versüßt hat. „Es waren die täglichen Geschichten und Kindersprüche, die mich meine Arbeit in der Kita sehr gerne haben machen lassen“, bestätigt die Erzieherin. Überhaupt habe ihr die Arbeit mit Menschen Freude gemacht, auch mit den Kolleginnen und Kollegen, den Eltern und allem, was noch zum Kita-Betrieb dazu gehört. Die Lebendigkeit der Kinder aber sei das größte Geschenk, der Spaß und die Freude, die das tägliche Miteinander mit ihnen machen. 1970 ist die Viktoria Schiegl aus Süddeutschland nach Berlin gekommen, hat zunächst einige Jahre als Erzieherin in Kinderläden gearbeitet. 1975 stieß sie dann zum Team des Vereins Kita TU, der 1978 vom studierendenWERK BERLIN übernommen und zur Kita Marchstraße umorganisiert wurde. Hier kümmern sich heute 20 Erzieherinnen und zwei Wirtschaftskräfte IMPRESSUM um 112 Kinder. Fast idyllisch ist es hier „draußen“, denn obwohl nur wenige Gehminuten vom Ernst-Reuter-Platz entfernt, ist es bemerkenswert ruhig. Kaninchen und Eichhörnchen tummeln sich hier, vom hektischen Betrieb der Großstadt ist wenig zu spüren. Bezugspersonen“, ergänzt die Erzieherin. Das bietet ein weit größeres Erfahrungsspektrum an Persönlichkeitsfacetten und Beziehungen, als ein einzelnes Gruppenleiterteam bieten kann. Und das wiederum ist für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder sehr vorteilhaft. Doch die „Kita an der Technischen Universität Berlin“, wie sie offiziell heißt, hat noch einen weiteren Vorzug: Sie ist in einem außerordentlich prächtigen Gebäude zu Hause. 1991 hat die Kita die Villa March bezogen, den ehemaligen Wohnsitz des erfolgreichen Keramikers und Töpfermeisters Ernst March. Bei der Gelegenheit wurde auch eine weitere große Neuerung umgesetzt: Das pädagogische Konzept der Kita wurde reformiert: „Wir sind von Gruppenarbeit zu offener Arbeit übergegangen“, erklärt Viktoria Schiegl. Das neue Konzept hat den großen Vorteil, dass die Kinder sich nicht nur innerhalb einer Gruppe kennenlernen, sondern gruppenübergreifend. „Außerdem haben die Kinder es in der offenen Arbeit nicht nur mit den Leitern ihrer Gruppe zu tun, sondern mit deutlich mehr Die Arbeit hat Viktoria Schiegl so viel Freude gemacht, dass sie dreimal bereit war, ihren Rentenbeginn zu verschieben und zu helfen, Engpässe in Erzieherteams zu überbrücken. Nun soll es das aber gewesen sein. Dass sie mit dem beschlossenen Abschied gemischte Gefühle erlebt, ist kein Wunder, nach so vielen Jahren mit Herz und Seele bei der Arbeit. „Aber ich freue mich auch auf die Ruhe und Freiheit der Rente“, gibt die 67-Jährige offenherzig zu. Ihren Posten der Leitung jedenfalls kann sie beruhigt abgeben: Den übernimmt ihre Kollegin, die langjährige stellvertretende Leiterin Silvia Schmidt. Und als freiberufliche Fortbildnerin will sie ihre Erfahrung der Erzieherwelt weiterhin zur Verfügung stellen. Druck: ARNOLD group – Großbeeren, Am Wall 15, Das werkblatt erscheint in Berlin. Das werkblatt liegt an den 14979 Großbeeren | Berliner Hochschulen aus. Namentlich gekennzeichnete [Andreas Monning] Herausgeber: studierendenWERK BERLIN und CAMPUSdirekt Kontakt: werkblatt, Hardenbergstr. 34, 10623 Berlin, Beiträge geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Deutschland GmbH | V.i.S.d.P.: Jana Judisch | Redaktion: Jana Tel.: (030) 939 39 - 7203,  Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: Judisch und Miriam Schacker | Anzeigen: CAMPUSdirekt Deutschland GmbH, Gestaltung: genauso.und.anders° graphical wellness | Kurfürstendamm 52, 10707 Berlin, Satz und Layout: Stephan König, genauso.und.anders° Peter Oberndorfer, graphical wellness | Tel.: 030/93 66 88 99-0 | 26 redaktion@werkblatt.de |  www.werkblatt.de Foto: Jana Judisch Die Kita Marchstraße der Technischen Universität (TU) feiert dieses Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum. Beim Fest-Akt ist Viktoria Schiegl noch dabei, zum Ende des Jahres verabschiedet sich die Leiterin dann aber endgültig in den verdienten Ruhestand.
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