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Periodical volume

Full text: Newsletter Issue 42.2012

Zentrum für Antisemitismusforschung
Nr. 42 NEWSLETTER In eigener Sache
Seit über einem Jahr ist kein Newsletter des Zentrums für Antisemitismusforschung erschienen. Wir wollen nun die Tradition wieder aufnehmen und über Konferenzen, öffentliche Veranstaltungen und Neuerscheinungen des Instituts berichten. Nachdem Prof. Dr. Wolfgang Benz im März 2011 in den Ruhestand verabschiedet wurde, hat im Juni 2011 Prof. Dr. Stefanie SchülerSpringorum die Leitung des Zentrums für Antisemitismusforschung übernommen. Mit der neuen Leitung verbunden sind auch die Neubesetzungen dreier wissenschaftlicher Mitarbeiterstellen.

Mai 2012

Zentrum für Antisemitismusforschung unter neuer Leitung
Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum ist in Hamburg, Göttingen und München aufgewachsen und hat von 1982 bis 1988 Mittlere und Neuere Geschichte, Ethnologie und Politikwissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen sowie ein Semester an der Universität Barcelona studiert. Die jüdische Geschichte war in allen drei Fächern ein Schwerpunkt ihres Studiums, das sie im Sommer 1988 mit einer Magisterarbeit zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Königsbergs/Pr. im Spiegel von Autobiographien abschloss. Gefördert durch die Friedrich-Ebert-Stiftung und das ImmanuelKant-Stipendium setzte sie diese Arbeit in den nächsten Jahren fort und erschloss umfangreiche Quellenbestände zur Königsberger jüdischen Geschichte in Archiven in Deutschland, den USA und Israel. Für ihre Dissertation, mit der sie im Jahre 1993 an der Ruhr-Universität Bochum bei Helga Grebing und Hans Mommsen mit summa cum laude promoviert wurde, erhielt sie 1994 den Preis der Universität Bochum. Anschließend arbeitete sie unter Reinhard Rürup als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung „Topographie des Terrors“ in Berlin zur Erstellung der Ausstellung „Jüdische Geschichte in Berlin“, die am 8. Mai 1995 im Centrum Judaicum eröffnet wurde. In den folgenden drei Jahren stand die Geschichte der nicht-zionistischen deutsch-jüdischen Jugendbewegung im Zentrum ihrer Recherchen, aus denen mehrere Aufsätze, eine Ausstellung im Haus der Wannseekonferenz und, in Zusammenarbeit mit Knut Bergbauer und Sabine Fröhlich, die Biographie des Berliner Rechtsanwalts Hans Litten hervorgegangen sind. Für dieses Projekt erhielt sie mit Unterstützung von Wolfgang Benz auch ein Kurzzeitstipendium der Axel-Springer-Stiftung. Daneben arbeitete sie als Lehrbeauftrage am Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der TU Berlin bei Karin Hausen und blieb der TU zudem durch ein bei Reinhard Rürup angesiedeltes Habilitationsprojekt zur Geschichte der Legion Condor verbunden, das aus ihrem zweiten Arbeitsschwerpunkt, der modernen spanischen Geschichte, hervorgegangen ist. Im Jahre 2001 wurde Stefanie Schüler-Springorum zur Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg berufen, das sie fast zehn Jahre lang leitete. In dieser Zeit beschäftigte sie sich vor allem mit der deutsch-jüdischen Historiographie-Geschichte sowie der Vermittlung der deutsch-jüdischen Vergangenheit in Museen, Gedenkstätten und Ausstellungen und schloss zudem ihr Forschungsprojekt zur Legion Condor ab. Sie ist seit 15 Jahren Mitherausgeberin der Zeitschrift WerkstattGeschichte, deren Redaktion sie einige Jahre angehörte, sowie, seit einem Jahr, im Vorstand des diese Zeitschrift tragenden

2 Vereins für Kritische Geschichtsschreibung. Seit 2009 ist sie Sprecherin des Wissenschaftlichen Beirats der Gedenkstätte Neuengamme; seit 1997 Mitglied der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft des Leo Baeck Instituts in der Bundesrepublik Deutschland, seit 2010 deren Vorsitzende. Im Juni 2011 hat sie die Leitung des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin übernommen. In ihrem Bewerbungsvortrag hatte sie bereits jene drei großen Themenfelder benannt, die die Arbeit des ZfA auch in Zukunft prägen bzw. bereichern sollen. Zum einen wird die Frage nach Unterschieden und Ähnlichkeiten zwischen dem Antisemitismus auf der einen und verschiedenen Formen von Fremdenfeindlichkeit auf der anderen Seite auch in den nächsten Jahren öffentliche Debatten bestimmen. Das ZfA wird sich bemühen, diese Debatte gewissermaßen auf „historische Füße“ zu stellen und international vergleichende Arbeiten in diesem Bereich vor allem zum 19. Jahrhundert anzuregen – zu diesem Zweck wurde zunächst zusammen mit Kolleginnen aus verschiedenen europäischen Ländern ein Antrag auf die Gründung eines Forschungsnetzwerks gestellt. Zum anderen soll dem Zusammenhang von Antisemitismus und Gewalt weiter nachgegangen werden, der – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Erfahrung des Holocaust – häufig als selbstverständlich vorausgesetzt wird, bislang jedoch selten in kulturgeschichtlich inspirierten Mikro/Lokalstudien untersucht worden ist. Das soeben von der Einstein-Stiftung Berlin bewilligte, von Werner Bergmann und Ulrich Wyrwa konzipierte Doktorandenkolleg setzt hier ein und wird diese Thematik, europäisch vergleichend, für den Zeitraum 1916-1923 bearbeiten. Als neuen Schwerpunkt schließlich wird Stefanie Schüler-Springorum geschlechtergeschichtliche Fragestellungen in die Erforschung der Geschichte des Antisemitismus einbringen und sich dafür einsetzen, dass eine solche Perspektive künftig auch in den anderen Themenfeldern, die am ZfA bearbeitet werden, fruchtbar gemacht wird.

Neue Wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Marcus Funck
Seit Oktober 2011 arbeitet der Historiker Marcus Funck als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Antisemitismusforschung. Nach dem Studium der Neueren und neuesten Geschichte, Soziologie und Literaturwissenschaft in Freiburg, Berlin und in Kanada war er von 1994 bis 1996 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Stiftung Topographie des Terrors in den Ausstellungsprojekten „Berlin 1945“ und „Die Olympischen Spiele 1936“ beschäftigt. In den Jahren 1997 bis 1999 arbeitete er in einem von Prof. Dr. Heinz Reif geleiteten Forschungsprojekt „Elitenwandel in der Modernisierung“, das sich den Beziehungen zwischen adligen und bürgerlichen Führungsschichten in Deutschland zwischen 1800 und 1945 widmete. Von 1999 bis 2003 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Lehrauftrag am Institut für Geschichte und Kunstgeschichte der TU Berlin, wo er 2003 mit einer Arbeit über „Adel in den preußisch-deutschen Offizierkorps 1860 bis 1935“ mit Auszeichnung promoviert wurde. Nachdem er von 2003 bis 2006 eine wissenschaftliche Assistenz am Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften an der Universität Marburg innehatte, wechselte er als DAAD Visiting Assistant Professor an die York University in Toronto, wo er unter anderem am Canadian Centre for German and European Studies arbeitete. Neben seinen bisherigen Forschungsfeldern befasst Marcus Funck sich gegenwärtig mit Annäherungen und Abgrenzungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen gesellschaftlichen Führungsschichten im Berlin des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Münden soll dies in eine sozial- und kulturgeschichtlich orientierte Lokalstudie der Beziehungsgeschichte nichtjüdischer und jüdischer (Groß-) Bürger vom frühen 19. bis ins 20. Jahrhundert. Mehr als ein Restbestand aus seiner Tätigkeit in Kanada ist die Beschäftigung mit Fragen um die Themenkomplexe „Wanderungsbewegungen – Minderheiten – Integration“, die ebenfalls in die Arbeit am ZfA einfließen soll. Neben den Aufgaben in Forschung und Lehre wird Marcus Funck sich insbesondere in der Wissensvermittlung an eine breite Öffentlichkeit engagieren und hier vorzugsweise die Nutzungsmöglichkeiten „neuer Medien“ erkunden.

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Dr. Achim Rode
Achim Rohde studierte Islamwissenschaft, Geschichte und Ethnologie an den Universitäten Hamburg, Birzeit und Tel Aviv. Im Jahr 2006 promovierte er an der FU Berlin im Fach Islamwissenschaft mit einer Studie zu „State-Society Relations in Ba’thist Iraq. Facing Dictatorship“ (London /New York: Routledge, 2010). Seit 2002 ist Rohde Lehrbeauftragter am Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg. Von 2006 bis 2010 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Georg-EckertInstitut für internationale Schulbuchforschung (Braunschweig) und dort u.a. zuständig für die Entwicklung eines israelisch-palästinensischen Geschichtsbuches, das die Geschichte des Nahostkonflikts aus zwei konkurrierenden Perspektiven behandelt (vgl. http://lernen-aus-dergeschichte.de/Lernen-und-Lehren/content/8467). Anfang 2011 ging Rohde als Gastwissenschaftler ans Centrum für Nah- und Mitteloststudien der Universität Marburg, wo er sich insbesondere am Aufbau des dortigen Documentation and Research Center Iraq (DARCI) beteiligte. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZfA ab April 2012 wird er seine Arbeiten zur Geschichte der deutschsprachigen Orientalistik mit Blick auf eine eventuelle Vergleichbarkeit von Antisemitismus und Orientalismus (im Sinne Edward Saids) weiterentwickeln. Darüber hinaus wird Rohde sich am Ausbau des ZfA-Forschungsprofils zu Islamophobie in europäischen Gesellschaften beteiligen sowie Forschungen zur Thematik jüdisch-muslimischer Beziehungen im Nahen und Mittleren Osten in Geschichte und Gegenwart anregen, die den in jüngster Zeit oft diskutierten ‚islamischen Antisemitismus‘ in einen erweiterten Kontext einbetten.

Marija Vulesica
Marija Vulesica ist seit April 2012 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung. Sie wurde 1978 in Berlin geboren, studierte Geschichte, Ost- und Südosteuropäische Geschichte sowie Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. 2011 wurde sie zur Doktorin der Philosophie mit einer Dissertation über die Formierung des politischen Antisemitismus in den Habsburger Kronländern Kroatien und Slawonien an der Technischen Universität Berlin promoviert. Neben der Geschichte des Antisemitismus und des Holocaust gehört auch die Jüdische Geschichte in Südosteuropa zu ihren Forschungsschwerpunkten. In ihrem Post-Doc Projekt widmet sie sich insbesondere der Erforschung des politischen Zionismus in den ehemals jugoslawischen Ländern seit 1900 bis zum Zweiten Weltkrieg.

Neues Forschungskolleg
Der Erste Weltkrieg und die Konflikte der europäischen Nachkriegsordnung (1914-1923) oder Die Radikalisierung des Antisemitismus in Europa. Im Juli 2012 wird am Zentrum für Antisemitismusforschung unter Leitung von Prof. Werner Bergmann in Kooperation mit Prof.Uwe Puschner von der Freien Universität und Prof. Jörg Baberowski von der Humboldt-Universität ein neues, von der Einstein-Stiftung finanziertes europäisches Doktorandenkolleg über die Radikalisierung des Antisemitismus in Europa eröffnet. Die wissenschaftliche Leitung wird bei Prof. Ulrich Wyrwa liegen. Das Forschungsprojekt knüpft an das erfolgreich abgeschlossene Doktorandenkolleg zum Antisemitismus in Europa von 1879 bis 1914 am Zentrum für Antisemitismusforschung an. In Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Kooperationspartnern in den verschiedenen Ländern werden in dem Kolleg sechs vergleichende und auf die transnationalen Prozesse und gegenseitigen Verflechtungen hin konzentrierte Dissertationsprojekte über Ungarn, Polen, Serbien/Jugoslawien, Rumänien, Frankreich und Belgien entstehen. Darüber hinaus wird ein Post-Doc-Projekt die komplexe Situation in Russland und der entstehenden Sowjetunion untersuchen. Den Abschluss des Gesamtprojektes soll eine von Ulrich Wyrwa zu verfassende europäische Gesamtdarstellung bilden, in die insbesondere eine vertiefte Darstel-

4 lung der besonderen Entwicklungen in Deutschland und Österreich eingehen wird. Zudem werden die drei, das Projekt beantragenden Universitäten im Jahr 2014 in Berlin eine internationale Konferenz über die Radikalisierung des Antisemitismus in Europa ausrichten. Der Erste Weltkrieg hatte mit seinen sozialen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und mentalen Erschütterungen fundamentale Folgen für die gesellschaftliche Entwicklung in Europa, die bis in die Gegenwart hineinreichen. Das Ergebnis des Krieges war der Zusammenbruch des ‚alten’ Europa des 19. Jahrhunderts und das Ende der globalen politischen und wirtschaftlichen Hegemonie Europas. In Russland löste der Krieg eine Revolution aus, die die europäische Geschichte des gesamten 20. Jahrhunderts prägte; in Deutschland führten Krieg und Revolution zum Sturz des Kaiserreiches sowie zum Ende aller deutschen Dynastien, und in Mitteleuropa kam es zum Zusammenbruch der Habsburgermonarchie. Letzterem folgte die problematische Gründung neuer Nationalstaaten in einem multinationalen Raum. Der Erste Weltkrieg hatte zudem „eine neue Epoche hemmungsloser Gewaltpolitik“ zur Folge. Zu den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges gehörte auch die Radikalisierung des Antisemitismus, die zu einer antisemitischen Durchdringung der europäischen Gesellschaften und zu einer neuen gewalttätigen antisemitischen Praxis führte. Anlässlich des bevorstehenden 100. Jahrestages des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges soll in dem Forschungsprojekt diese Radikalisierung des Antisemitismus in Europa unter systematisch vergleichender Perspektive untersucht werden. Ziel des Forschungsprojektes ist es, die europäischen Dimensionen in der Herausbildung des extremen Antisemitismus am Beginn des ‚Zeitalters der Extreme’ zu analysieren. Dabei soll sowohl nach den spezifischen Ausprägungen und jeweiligen nationalen Besonderheiten des extremen Antisemitismus, als auch nach den Gemeinsamkeiten und dem politischen Transfer sowie der gegenseitigen Verflechtung in diesem Radikalisierungsprozess gefragt werden.

Lange Nacht der Wissenschaften 2012
„Integration und Ausgrenzung - aus der Arbeit des Zentrums für Antisemitismusforschung“ Das Zentrum für Antisemitismusforschung nimmt auch in diesem Jahr an der Langen Nacht der Wissenschaften teil. Am 2. Juni zwischen 17.30 Uhr und Mitternacht präsentieren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZfA aktuelle Forschungsprojekte und stehen den Besuchern zu Gesprächen und Diskussionen zur Verfügung. Programm 17.45-18.00 Uhr 18.00-18.30 Uhr 18.30-19.00 Uhr Begrüßung und Einführung Reaktionen auf den Antisemitismusbericht des unabhängigen Expertenkreises, Miriam Bistrovic Beseitigung eines Zeugen der Krankenmorde. Die Ermordung des Gendarmeriemeisters a.D. Jakob Küchle im KZ Sachsenhausen, Winfried Meyer Der Kindersucharchiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen, Verena Buser Antisemitismus, Rassismus und Rechtsterrorismus am Beispiel des "NSU", Rainer Erb Judenfeindliche Alltagspropaganda von 1880 bis 1945, Carl-Eric Linsler "Das neue Europa unter deutschem Adler" - Selbstund Fremdbilder in der nationalsozialistischen Auslandspropaganda, Svetlana Burmistr Arabisch-jüdische Begegnungen in der Musik Nordafrikas, Mechtild Gilzmer

19.15-19.45 Uhr 19.45-20.15 Uhr 20.30-21.00 Uhr 21.00-21.30 Uhr

21.45-22.15 Uhr

5 22.15-22.45 Uhr Der schwäbische Heimatdichter Karl Götz und die Juden. Texte und Kontexte 1931-1981, Frank Görlich Das Tagebuch Friedrich Kellners aus der NS-Zeit. Eine Lesung, Bernward Dörner Rebell oder Volksheld, Geisteskranker oder Freiheitskämpfer? Louis Riel und die umstrittenen Grundlagen der Minderheitenrechte in Kanada, Marcus Funck

23.00-23.30 Uhr 23.30-00.00 Uhr

Die Veranstaltung findet in der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin, Fasanenstrasse 88, 10623 Berlin, Raum BIB 014 statt.

NEUERSCHEINUNGEN
Das neue Jahrbuch für Antisemitismusforschung
Das Zentrum für Antisemitismusforschung lud im Januar 2011 zu einer Bestandsaufnahme der Bekämpfung des Antisemitismus ein. „Prävention und Abwehr von Antisemitismus — Möglichkeiten, Aktivitäten, Desiderate“ lautete der Titel der Konferenz, die in der Stiftung Topographie des Terrors in Berlin stattfand. Experten aus Wissenschaft und Praxis diskutierten in der Konferenz die bisherigen Ergebnisse des Engagements von Politik und Zivilgesellschaft. Gefragt wurde danach, wie die Präventionsarbeit zu bewerten ist und wie sie sich öffentlich auswirkt bzw. welches Selbstverständnis den Trägern der Präventionsarbeit zugrundeliegt. Die Beiträge des Schwerpunktes „Prävention“ in diesem Jahrbuch dokumentieren die Referate und Diskussionen der Tagung. Grundsätzliche und strukturelle Probleme der Prävention durch Bildungsarbeit sind in den Aufsätzen von Wolfram Stender, Heike Radvan und Werner Dreier thematisiert. Formen der Abwehr im internationalen Kontext werden von Norbert Hinterleitner mit dem Schwerpunkt Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie Europäische Union und von Kathrin Meyer mit einer Darstellung der Ziele und Aufgaben der „Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Remembrance, and Research“ präsentiert. Drei Beiträge sind der Praxis gewidmet: Patrick Siegele und Judith Steinkühler berichten über Erfahrungen aus Fortbildung für Pädagogen, Jan Krebs und Petra Schlie stellen ein Ausstellungsprojekt vor und Jutta Weduwen beschreibt die Erfolge des Aneignungs- und Annäherungsprozesses, den Frauen mit Migrationshintergrund in Berlin-Neukölln im Umgang mit nationalsozialistischer Geschichte erlebt haben. Die übrigen Beiträge dieses Jahrbuchs gehören zu den Themenfeldern Juden und Judenfeindschaft, Rechtsextremismus und Antiziganismus. Jahrbuch für Antisemitismusforschung 20 (2011), Metropol Verlag Berlin (€ 21.-)

Handbuch des Antisemitismus Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart Band 4: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen
Im vierten Band dieses auf sieben Bände angelegten Handbuchs werden Ereignisse, legislative und administrative Akte der Diskriminierung sowie Affären, Skandale und Kontroversen thematisiert. In 207 Artikeln werden Anlass, Hintergrund und Wirkung der Manifestation von Judenhass erläutert, aber auch Beispiele von Prävention und Abwehr gezeigt. Behandelt werden u.a. AntisemitenKongresse im 19. Jahrhundert, die „Protokolle der Weisen von Zion“, Schächtverbot-Debatten, die

6 „Verschwörung“ der Kremlärzte, Volkspredigten im Mittelalter, der Fall Jenninger, die WalserBubis-Debatte und vieles mehr. Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, im Auftrag des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin, Bd. 4. Ereignisse, Dekrete, Kontroversen, hrsg. v. Wolfgang Benz, in Zusammenarbeit mit Werner Bergmann, Johannes Heil, Juliane Wetzel, Ulrich Wyrwa, Redaktion Brigitte Mihok, Berlin 2011 (Verlag de Gruyter, € 119,95)

Kinder und Jugendliche im Konzentrationslager
Über Kinder und Jugendliche in nationalsozialistischen Konzentrationslagern ist nur wenig bekannt. Wenn sie den Mordaktionen entkamen, konnten sie, wie in Sachsenhausen, Opfer medizinischer Experimente werden. Im Lagerkomplex Auschwitz überlebten einige der jüngsten Häftlinge in Maurerschulen. Sie ergriffen immer wieder selbst Maßnahmen, um Massenselektionen und Missbrauch zu entkommen. Kinder und Jugendliche aus Bergen-Belsen berichteten nach dem Krieg eindrücklich über ihr Leben unter den Bedingungen der KZ-Haft. Die Studie rekonstruiert erstmals Lebens- und Erfahrungswelten Minderjähriger in den drei zentralen Konzentrationslagern Sachsenhausen, Auschwitz und Bergen-Belsen und gibt einen umfassenden Einblick in das Schicksal der jüngsten KZHäftlinge. Verena Buser, Überleben von Kindern und Jugendlichen in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Auschwitz und Bergen-Belsen, Berlin 2011 (Reihe Geschichte der Konzentrationslager 1933– 1945, Band 13; Metropol Verlag, € 22.-)

Lettland unter deutscher Besatzung 1941–1944
Die Reaktion der Bevölkerung des Baltikums auf die nationalsozialistische Besetzung (1941–1944) war stark von der vorangegangenen traumatischen Erfahrung der sowjetischen Okkupation geprägt. Bei der Verfolgung, Ausbeutung und Ermordung der Juden Lettlands arbeiteten Besatzer und Einheimische oft Hand in Hand. Zwang und Abhängigkeit ebenso wie Antisemitismus und das Streben nach persönlicher Bereicherung machten Letten zu Mittätern. Die Studie zeichnet Täterstrukturen und -profile nach, diskutiert Ursachen und Motive der Kollaboration angesichts der Gewalt der deutschen Okkupationspolitik und bietet Deutungsmuster an. Katrin Reichelt, Lettland unter deutscher Besatzung 1941–1944. Der lettische Anteil am Holocaust, Berlin 2011 (Reihe Dokumente-Texte-Materialien, Band 78, Metropol Verlag € 24.-)

Klischees im frühen historischen Lernen
Die nationalsozialistische Judenverfolgung ist ein Kernthema des historischen Lernens in der Grundschule und in Klasse 5 und 6, auch wenn dies nicht den curricularen Vorgaben entspricht. Die Alltagspräsenz des Themas, Fragen der Schüler und die Bedeutung, die Lehrende dem Holocaust für die historische Sinnbildung beimessen, führen zu vielfältiger Unterrichtspraxis. Die pädagogische Intervention kreist dabei um den Völkermord an den europäischen Juden und wirft beständig die Frage der altersgemäßen Vermittlung und der Vermeidung einer stereotypen Darstellung von Juden auf. Isabel Enzenbach untersucht Unterrichtskonzeptionen und -praxis zu diesem und den angrenzenden Themen jüdische Geschichte, Zweiter Weltkrieg, Nationalsozialismus und Antisemitismus. Die Studie liefert am Berliner Beispiel empirische Befunde, die die Bedeutung des zeitge-

7 schichtlichen Lernens für die Grundschule und die geschichtsdidaktischen Herausforderungen in der Migrationsgesellschaft belegen. Isabel Enzenbach, Klischees im frühen historischen Lernen. Jüdische Geschichte und Gegenwart, Nationalsozialismus und Judenfeindschaft im Grundschulunterricht (Reihe Dokumente-TexteMaterialien, Band 79; Metropol Verlag, € 24.-)

Eine Dresdner Jüdin erzählt
Johanna Krause, Tochter einer ungarischen Jüdin und eines deutschen Fabrikanten, wird 1935 zusammen mit ihrem nichtjüdischen Mann Max wegen Verstoßes gegen die Rassengesetze verhaftet und später zur Zwangsarbeit gezwungen. Sie ist bereits im achten Monat schwanger, als die Nazis ihr Kind abtrieben und Johanna sterilisierten. Ihr Leidensweg führt sie durch drei Konzentrationslager, ehe sie nach dem Krieg nach Dresden zurückkehrt, um ihren Mann zu suchen. Das Ehepaar Krause engagiert sich in den 50er-Jahren beim Aufbau der DDR, bis zu dem Tag, an dem Johanna feststellt, dass der neue Parteisekretär kein anderer ist als der SS-Offizier, der versucht hatte, sie zu vergewaltigen und zu ertränken. Bei dem Versuch, ihn anzuklagen, wird sie abermals, diesmal von der DDR-Obrigkeit, verfolgt. Johanna ist fortan antisemitischen Attacken ausgesetzt und kommt zusammen mit ihrem Mann erneut ins Gefängnis. "Zweimal verfolgt" ist das Ergebnis zahlreicher Gespräche, die Carolyn Gammon und Christiane Hemker mit Johanna Krause bis zu deren Tod 2001 führten. Johanna Krause, Zweimal verfolgt. Eine Dresdner Jüdin erzählt. Aufgezeichnet von Carolyn Gammon und Christiane Hemker, 2. Auflage, Berlin 2011 (Reihe Bibliothek der Erinnerung, Band 13; Metropol Verlag, € 18.-)

Alltagskultur des Antisemitismus im Kleinformat
Auf Briefkästen, Schaufenstern und Liebesbriefen, in Telefonzellen und S-Bahnhöfen, überall klebten sie: kleine antisemitische Marken und Zettel. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verbreitet, in der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus populäres Medium der Selbstmobilisierung, spiegeln die Kleinformate die ganze Themenpalette antisemitischer Propaganda. Der wissenschaftlichen Forschung war dieses selten archivierte Medium bisher kaum zugänglich. Das Buch zeigt mehr als 300 Siegel-, Briefverschluss-, Schatz-, Reklame- und Textmarken der Privatsammlung Haney, erschließt sie medienhistorisch und stellt sie in den Kontext ihrer Zeit. Isabel Enzenbach · Wolfgang Haney (Hrsg.), Vignetten der Sammlung Wolfgang Haney ab 1880, Berlin 2012 (Metropol Verlag, € 19.-)

Jüdisches Leben in Bolivien
Zwischen 1850 und 1930 ließen sich nur wenige Ausländer in Bolivien nieder, vermutlich zwischen vier- und fünftausend Menschen insgesamt. Ende der 1930er-Jahre setzte dann eine Einwanderungswelle ein, die innerhalb weniger Jahre sieben- bis achttausend vom nationalsozialistischen Regime Verfolgte nach Bolivien verschlug. Die meisten von ihnen waren Juden. Die Emigranten bildeten bald die größte ausländische Kolonie in dem Andenstaat. León E. Bieber schildert die Umstände ihrer Ankunft, Schwierigkeiten und Erfolge ihrer ökonomischen und soziokulturellen Integration sowie Reaktionen der Aufnahmegesellschaft. Er

8 würdigt den Beitrag, den die Immigranten zur Entwicklung Boliviens leisteten, und geht der Frage nach, warum viele der Exilierten das Land bald wieder verließen. León E. Bieber, Jüdisches Leben in Bolivien. Die Einwanderungswelle 1938–1940, Berlin 2012 (Reihe Dokumente-Texte-Materialien, Band 84; Metropol Verlag, € 24.-)

Ideologische Schulung der NSDAP-Funktionäre
Mit dem Begriff „weltanschauliche Schulungen“ bezeichneten die Nationalsozialisten parteiinterne Instruktions- und Indoktrinationsmaßnahmen. Tausende NSDAP-Funktionäre durchliefen zwischen 1933 und 1945 Lehrgänge, deren Ziel die Schaffung einer fanatischen, von der NSIdeologie vollkommen überzeugten Führungselite war. Mithilfe dieser auf den Nationalsozialismus eingeschworenen „Garanten der Bewegung“ sollte dessen Herrschaft verteidigt und ausgebaut werden. Phillip Wegehaupt widmet sich einem bisher kaum erforschten Gebiet der Geschichte des Dritten Reichs. Er beschreibt Aufbau und Funktionsweise des NSDAP-Schulungsapparats, analysiert Lehrpläne und Schulungsmaterial und geht der Frage nach, welche Funktion den Parteischulungen bei der ideologischen Vorbereitung des Holocaust zukam. Phillip Wegehaupt, „Wir grüßen den Haß!“ Die ideologische Schulung und Ausrichtung der NSDAP-Funktionäre im Dritten Reich (Reihe Dokumente-Texte-Materialien, Band 82; Metropol Verlag, € 19.-)

Neue Reihe: Studien zum Antisemitismus in Europa

„Prag ist nunmehr antisemitisch“
Wie in anderen europäischen Staaten entstand auch in den böhmischen Ländern ausgangs des 19. Jahrhunderts ein moderner Antisemitismus. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung erklärte die Juden, denen man die Schuld an gesellschaftlichen Missständen zuschrieb, zu Feinden der tschechischen Nation. Michal Frankl legt nun eine erste Gesamtdarstellung zur Geschichte des tschechischen Antisemitismus am Ende des 19. Jahrhunderts vor. Er stellt die verbreitete Reduzierung des tschechischen Antisemitismus auf den Nationalitäten-Konflikt zwischen Tschechen und Deutschen infrage, deutet ihn gegen die vorherrschende Geschichtsschreibung in Tschechien als akutes gesellschaftliches und politisches Phänomen und beschreibt seinen weltanschaulichen und organisatorischen Aufstieg vor dem Hintergrund antisemitischer Bewegungen in Europa. Michal Frankl, „Prag ist nunmehr antisemitisch“. Tschechischer Antisemitismus am Ende des 19. Jahrhunderts, Berlin 2011 (Reihe Studien zum Antisemitismus in Europa, Bd. 1, hrsg. v. Werner Bergmann/Ulrich Wyrwa; Metropol Verlag, € 24.-)

Lebenszeugnisse im Literaturforum
Ihr habt es aber schön hier! - Als West-Korrespondent in der DDR Wolfgang Benz im Gespräch mit Peter Pragal Peter Pragal verlegte 1974 als erster unter den akkreditierten westdeutschen Korrespondenten seinen Wohnsitz in die DDR-Hauptstadt. Er zog mit Frau und Kindern von München nach Ost-Berlin. Um das Leben der Menschen im sozialistischen deutschen Staat realistisch schildern zu können, versuchten die Pragals sich so gut es ging in die Gesellschaft zu integrieren, machten in der DDR Urlaub und schickten ihre Kinder in den Kindergarten bzw. auf die Polytechnische Oberschule. In

9 seinem Buch erzählt Peter Pragal von seinem insgesamt zwölf Jahre währenden DDR-Alltag: wie er und seine Frau Bücher schmuggelten, worüber sie mit den neuen Freunden und Bekannten stritten und wie sie diverse Arten von Spitzeln unterscheiden lernten. Peter Pragal, geboren 1939 in Breslau, hat Publizistik und Politologie studiert und die Deutsche Journalistenschule absolviert. In den Siebziger- und Achtzigerjahren arbeitete er insgesamt zwölf Jahre lang als DDR-Korrespondent für die Süddeutschen Zeitung und den "Stern" in OstBerlin. Seit 2004 lebt er als freier Journalist in Berlin. Peter Pragal, Ihr habt es aber schön hier! Als West-Korrespondent in der DDR, Piper Verlag, München 2011. Ort: Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestr. 125, 10115 Berlin, U-Bahnhof Naturkundemuseum oder Oranienburger Tor Zeit: 31. Mai 2012 20.00 Uhr Von Hitler vertrieben, von Stalin verfolgt - Der Jazzmusiker Eddie Rosner Wolfgang Benz im Gespräch mit Gertrud Pickhan und Maximilian

Preisler

In der Geschichte des europäischen Jazz war Eddie Rosner, Jahrgang 1910, eine Ausnahmegestalt. In Berlin machte er bereits in jungen Jahren als Mitglied der "Weintraub Syncopators" Karriere. Als Jude in Deutschland ab 1933 nicht mehr sicher, führte ihn ein unruhiges Leben durch ganz Europa. 1939 landete er schließlich in der Sowjetunion, wo er als "Westimport" im Zweiten Weltkrieg schnell zu einem Superstar mit eigenem Jazzorchester wurde. Nach Kriegsende wurde er jedoch als Verräter gebrandmarkt und zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt. Aber auch als Gulag-Häftling machte Rosner Musik und konnte nach Stalins Tod in Moskau an seinen alten Ruhm anknüpfen, bis er schließlich 1973 nach (West-)Berlin zurückkehrte. Rosners Charisma, seine Energie und die Liebe zur Musik ließen ihn zwei Diktaturen überstehen. Er starb 1976. Die Osteuropa-Historikerin Gertrud Pickhan und der Musikjournalist Maximilian Preisler zeichnen in ihrem Buch das bewegte Leben Rosners nach. Gertrud Pickhan ist seit 2003 als Professorin an der FU Berlin tätig und forscht über die historische Kulturlandschaft Ost- und Ostmitteleuropas. Maximilian Preisler hat Amerikanistik und Politologie studiert. Er lebt als freier Journalist und Autor in Berlin. Gertrud Pickhan/Maximilian Preisler, Von Hitler vertrieben, von Stalin verfolgt. Der Jazzmusiker Eddie Rosner, be.bra Verlag, Berlin 2010. Ort: Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestr. 125, 10115 Berlin, U-Bahnhof Naturkundemuseum oder Oranienburger Tor Zeit: 28. Juni 2012 20.00 Uhr Kontakt: Yasemin Shooman, Tel: 030/ 314-25467, shooman[at]mail.tu-berlin.de

Konferenzen
Tagungsreihe Blickwinkel - Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft Ein Kooperationsprojekt der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA e.V.) und des Zentrums für

10 Antisemitismusforschung der TU Berlin mit freundlicher Unterstützung durch das Fritz Bauer Institut Frankfurt/Main. Gefördert im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Antisemitismus, Rassismus, Islamfeindlichkeit – Migrationsgesellschaft, Konkurrenzen, Bildungsstrategien: Diese Stichworte prägen zunehmend die gesellschaftliche, wissenschaftliche und pädagogische Auseinandersetzung mit Vorurteilen und mit ausgrenzenden Denk- und Deutungsmustern. Vielfach schwankt die Diskussion zwischen Eifer und Orientierungslosigkeit, zwischen eindeutigen Positionen und Differenziertheit. Die Tagungsreihe „Blickwinkel. Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft“ beleuchtet aktuelle Analysen, diskutiert innovative Bildungsansätze und setzt diskurskritische Akzente. Drei thematisch fokussierte Veranstaltungen in Berlin, Frankfurt/Main und Köln bieten ein Forum für Wissenschaft und pädagogische Praxis. Und Raum für Austausch und Vernetzung. Nachdem in der ersten Konferenz der Reihe im Oktober 2011 in Berlin der Fokus auf dem Thema "Bildungswelt Lebensraum" lag, stand Anfang Mai 2012 in Frankfurt a.M. der „Bildungsansatz Alltagskultur“ auf dem Programm. Im engen Austausch von Wissenschaft und Bildungspraxis wurden Schnittstellen von Alltagskulturen und Antisemitismus analysiert und die Potenziale präventiv-pädagogischer Konzepte diskutiert. Der dritte Teil der Tagungsreihe wird sich mit dem „Bildungszugang Gender“ beschäftigen, also mit Antisemitismus und Geschlecht bzw. Geschlechterverhältnis. Die Tagung findet am 29./30. Oktober 2012 in Köln statt. Ein detailliertes Programm sowie die Anmeldemodalitäten werden ab Ende Juni über die Webseite des Zentrums für Antisemitismusforschung zugänglich sein.

Vorankündigung Konferenz 8. November 2012 Ungarn: Antisemitismus, Roma-Feindlichkeit und Demokratie?
Die Konferenz beschäftigt sich mit den politischen Entwicklungen in Ungarn und deren Auswirkungen auf Minderheiten. Diskutiert werden Geschichtsmythen, Antisemitismus und RomaFeindlichkeit sowie Einschränkungen der Meinungsfreiheit und die daraus folgenden Gefahren für die Demokratie. Weitere Details sowie das Programm werden ab Sommer auf der Webseite des Zentrums für Antisemitismusforschung zur Verfügung stehen.

Sektion auf dem 49. Deutschen Historikertag, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Schuld – Sühne – Recht. Gerechtigkeitsvorstellungen, Rachephantasien und juristische Interventionen um 1945/46 Leitung: Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum/PD Dr. Ulrike Weckel Die unmittelbare Nachkriegszeit hat in den letzten Jahren wieder verstärkt historiographische Aufmerksamkeit gefunden. Allerdings kranken nicht wenige dieser Annäherungen daran, dass sie die Vergangenheit durch das Prisma heutigen Wissens und mit moralisierendem Gestus beurteilen. Unsere geplante Sektion setzt hier an und möchte stattdessen die zeitgenössischen Akteure selbst, ihre Wahrnehmungen, Phantasien und Handlungsspielräume in den Blick nehmen. Dabei geht es zunächst um die Frage, welches Bild sich jüdische Opfer noch während des mörderischen Geschehens und gleich nach der Befreiung von den Tätern und ihren Taten machten und welche Vorstel-

11 lungen von Gerechtigkeit, Rache oder Sühne sie entwickelten. In einem zweiten Schritt sollen die konkreten Handlungsoptionen untersucht werden, die jüdische Organisationen als nichtstaatliche Gruppierungen besaßen. Welche Versuche und Interventionsmöglichkeiten gab es auf jüdischer Seite, nicht nur „gehört“ zu werden, sondern sich aktiv selbst für die juristische Ahndung der Verbrechen und/oder für Restitution einzusetzen. Und schließlich: Welche Resonanz fand dies in der deutschen Nachkriegsgesellschaft, in der bereits Angst vor „jüdischer Rache“ grassierte? Wir möchten mit dieser Sektion die Schuldfrage auf neue Weise historisieren und damit zugleich eine (selbst-)kritische Diskussion über Funktionen des Moralisierens in der Erforschung der NSNachgeschichte anregen. Referenten: Chair: Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum (Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin/Vorsitzende der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft des Leo Baeck Instituts in der Bundesrepublik Deutschland) Prof. Dr. Mark Roseman (Indiana University, Bloomington): Zwischen Rache und Schweigen. Zum Täterbild der Opfer Dr. des. Elisabeth Gallas (Simon Dubnow-Institut, Leipzig): Recht und kulturelles Erbe. Hannah Arendt und die Initiativen der Jewish Cultural Reconstruction nach dem Zweiten Weltkrieg Dr. Laura Jockusch (Hebrew University, Jerusalem): Ein Anwalt der Opfer? Der Jüdische Weltkongress und das Problem jüdischer Interessenvertretung bei den Nürnberger Prozessen PD Dr. Ulrike Weckel (Ruhr-Universität Bochum): Phantasien über „jüdische Rache“ in Nachkriegsdeutschland: Latentes Unrechtsbewusstsein oder eine weitere Variante von Antisemitismus? Kommentar: Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Michael Stolleis (Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte) (Zeit: 28. September 2012, 9.15 – 13.00)

IMPRESSUM Verantwortlich: Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum Redaktion: Dr. Juliane Wetzel Adresse: Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin Ernst-Reuter-Platz 7, 9. OG. D-10587 Berlin Tel: (030) 314-21397 bzw. (030) 314-23154 Fax: (030) 314-21136 http://zfa.kgw.tu-berlin.de e-mail: wetz0154@mailbox.TU-Berlin.de Abdruck gegen Belegexemplar
        
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