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Periodical volume

Full text: Newsletter Issue 20.2000

News Letter 20: Oktober 2000 Arabisch-islamische Judenfeindschaft Die Entstehung von Feindbildern im Konflikt um Palästina
Eine Konferenz des Zentrums für Antisemitismusforschung
von Götz Nordbuch

In den kontroversen Diskussionen während der internationalen Konferenz zur Entstehung von Feindbildern im Konflikt um Palästina, die das Zentrum vom 6.-8. September 2000 in der TU Berlin veranstaltete, wurde mehrfach jene Befürchtung deutlich, die von Joel Beinin exemplarisch in seinem Vortrag geäußert wurde: die „Verlagerung der Verantwortung für den Antisemitismus des 20. Jahrhunderts aus Europa und Deutschland, wo sie im wesentlichen hingehört, in die arabische Welt“. Angesichts der Gefahr einer „Beförderung negativer Vorstellungen über die Araber, welche in Israel und dem Westen vorherrschen“, stehe eine solche Tagung daher in der Verantwortung, die wechselseitigen Feindbilder im Kontext des Konfliktes zu untersuchen, in welchem den antijüdischen Stereotypen der arabischen Bevölkerung antiarabische der jüdisch-israelischen Bevölkerung gegenüberständen. Die im Titel der Tagung hervorgehobene Frage nach dem Entstehungszusammenhang von Konflikt und Feindbild wurde dabei in den meisten Vorträgen nur am Rande gestreift. Anknüpfend an die Studien von Yehoshafat Harkabi und Bernard Lewis aus den 70er und 80er Jahren wies Beinin in seinem Vortrag zur Situation der jüdischen Bevölkerung in Ägypten seit den 30er Jahren darauf hin, daß „das Anwachsen des Antisemitismus in Ägypten und der arabischen Welt eine Konsequenz, und keine Ursache, des arabisch-israelischen Konfliktes“ sei. Eine andere Erklärung, in der endogene, und damit nicht allein konfliktbedingte Ursachen antisemitischen Denkens im arabisch-islamischen Kontext berücksichtigt werden, wurde dagegen im Vortrag von Gudrun Krämer über den Status der Juden im vorkolonialen Palästina deutlich. Im Unterschied zur langen Tradition des christlichen Antijudaismus, der sich nicht zuletzt in zahllosen Pogromen manifestierte, beschrieb sie die Situation der jüdischen Bevölkerung in islamischen Gesellschaften als ein Nebeneinander von Protektion und Unterordnung. Der ambivalente Status der Juden unter islamischer Herrschaft, deren Verhältnis zur jüdischen Minderheit von Krämer als beneign contempt charakterisiert wurde, förderte danach allerdings auch in diesem Kontext die Entstehung antijüdischer Stereotypen. Die überwiegend auf das 20. Jahrhundert bezogenen Vorträge zur inhaltlichen Spezifik arabischer Einstellungen gegenüber Juden machten demgegenüber eine zunehmende Diskrepanz zwischen konkreten Stereotypen und den in den islamischen Quellen enthaltenen Zuschreibungen deutlich. Die Verkehrung der Juden in den Wahrnehmungen der arabischen Bevölkerung von einer schwachen und erniedrigten Gemeinschaft zu einer Bedrohung für den Islam wurde dabei von den Referenten mit unterschiedlichen historischen Zäsuren in Verbindung gebracht. Während Adel Manna betonte, daß sich entsprechende Wahrnehmungen als Bedrohung für den Raum des Nahen Ostens erst seit den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg durchzusetzen begannen, verwies beispielsweise Beinin auf die Bedeutung des Krieges von 1948 und die Staatsgründung Israels für die Formierung und Etablierung populärer Bedrohungsängste. Die Vorträge über antijüdische Ausschreitungen und Einstellungen im Algerien der 30er und 40er Jahre (Richard Ayoun), im bathistischen Irak (Amatzia Baram) sowie zu den spezifischen Ausprägungen der Positionen der Palästinenser (Hillel Frisch), der Hamas (Andrea Nüsse) und der Hizballah (Esther Webman) schienen dabei einen Hinweis Werner Bergmanns zu bestätigen, der in seiner Einführung zur Tagung anmerkte, daß „die Aktualisierung der Judenfeindschaft [...] zumeist den Eskalationsphasen des Konfliktes“ folge. Holocaust-Leugnungen, Vergleiche der Juden mit den Nationalsozialisten und die Erklärung moderner, als problematisch wahrgenommener Entwicklungen mit jüdischen Verschwörungen ließen sich dabei als spezifischer Ausdruck dieser Feindschaft mit bestimmten gesellschaftlichen Konstellationen in Verbindung bringen. Die Dynamik der Formen und Inhalte dieser Feindschaft veranschaulichte schließlich diese Veränderungen des antijüdischen Verhaltens und Denkens in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten. Unbeantwortet blieb dagegen allerdings auch hier die Frage nach den Ursachen der in ihren Facetten herausgearbeiteten Phänomenologie antijüdischen Denkens. So blendeten die in einigen Referaten vorgenommenen Beschreibungen der Stereotypen als ‚Versatzstücke des europäischen Antisemitismus‘ bzw. als ‚Importe aus Europa‘ die komplexeren ideologischen Dimensionen dieses Denkens aus. Die suggerierte Beliebigkeit und instrumentelle Verwendung der Stereotypen im Konflikt mit Israel wurde insofern durch die Vorträge Esther Webmans und Henner Fürtigs, der zur Bedeutung antijüdischer Haltungen in der Islamischen Revolution im Iran referierte, infragegestellt. Anders als in den Untersuchungen von Harkabi und Lewis, die von einer vornehmlich konfliktbedingten Entstehung antijüdischer Stereotypen ausgingen und damit zu der Annahme gelangten, antisemitische Äußerungen würden nach der Lösung des Konfliktes ihre Funktion verlieren und aus den öffentlichen Kontroversen verschwinden, wurde hier auf die Zentralität dieses Denkens in den Ideologien Khommenis und der Hizballah hingewiesen. Ähnlich wie Muhammad Muslih, der in seinen Ausführung zur Entwicklung des palästinensischen Nationalismus die ideologische Bedeutung des Antizionismus hervorhob, wiesen auch Webman und Fürtig daraufhin, daß gerade der grundsätzlichen Ablehnung des Zionismus und der Existenz des israelischen Staates eine konstituierende Rolle in den jeweiligen Weltanschauungen zukommt. Angesichts der Diskussionen um die Konfliktbedingtheit antijüdischen Denkens und die vielfach vermutete Oberflächlichkeit der Feindbilder erstaunten einige der Referate zu antiarabischen Einstellungen in der israelischen Bevölkerung durch Darstellungen, in denen gerade die ideologischen Kontinuitäten entsprechender Stereotypen hervorgehoben wurden. So arbeitete beispielsweise Nur Masalha in seinem Vortrag zum Bild der Bevölkerung Palästinas in der zionistischen Bewegung die ideologischen Bestandteile heraus, welche sich vor dem Hintergrund der europäischen kolonialen Expansion im 19. Jahrhundert als kolonialistisches Denken im Zionismus manifestierten. Ebenso wie Zvi Schuldiner, der anti-arabische Positionen in der Bewegung der Siedler untersuchte, verwies auch Ehud Sprinzak in seinem Vortrag über rechte orthodoxe Gruppierungen auf deren gewaltbereiten Rassismus gegenüber der palästinensischen Bevölkerung. Im Unterschied zu Masalha, der die Kontinuität rassistischer Positionen bis zur heutigen israelischen Politik in den Vordergrund stellte, machte Sprinzak einen inhaltlichen Wandel der Einstellungen nach der Besetzung der Westbank deutlich. Der vorherige Konsens unter den Rabbinern über den Status der arabischen Bevölkerung als alien strangers verlor sich danach in den Forderungen nach einer rassistischen Vertreibungspolitik durch ultra-orthodoxe Rabbiner aus der Siedlerbewegung Gush Emunim. Trotz der zahlreichen und aussagekräftigen Vorträge zu einzelnen Ausprägungen der historischen und aktuellen Feindbilder zeigte sich in der Gesamtschau der Tagung die Problematik einer inhaltlichen Gegenüberstellung antijüdischer und antiarabischer Vorstellungen in der Region des Nahen Ostens. Gerade aufgrund der Abstraktion von grundsätzlichen Unterschieden zwischen rassistischen und antisemitischen Ideologien wurde der komplexe Hintergrund von Feindbildern häufig lediglich angerissen. Der von den Veranstaltern der Tagung unternommene Versuch einer interdiziplinären Annäherung an den Gegenstand hätte daher letztlich durch allgemeinere Diskussionen zur Entstehung und Funktion von Feindbildern in antisemitischen und rassistischen Ideologien profitieren können. Der abschließende Vortrag Juliane Wetzels zu virtuellen Verbindungen der internationalen Rechten mit arabischen Antizionisten führte die Notwendigkeit einer solchen Klärung vor Augen. Ihre Dokumentation wechselseitiger Verweise im Internet aus dem Spektrum der europäischen Rechten und radikal arabisch-islamischer Gruppierungen machte die unterschiedlichen und sich z.T. widersprechenden Annahmen über deren Bedeutung erneut sichtbar. Die Diskussion um die von Wetzel aufgezeichneten gemeinsamen Bezugnahmen auf antisemitische Motive und Darstellungen veranschaulichte damit abschließend die Vielzahl der offenen Fragen, mit deren Formulierung die zu diesem Thema erstmalig stattfindende Konferenz bereits einiges zur Beantwortung beitrug.

Friedhofsschändungen in Deutschland Auf die soeben erschienene Publikation von Adolf Diamant „Geschändete jüdische Friedhöfe in Deutschland 1945-1999“ wurde in zahlreichen Tageszeitungen hingewiesen. Bei dieser Dokumentation handelt es sich um die Wiederauflage der bereits 1982 erschienenen Chronik „Jüdische Friedhöfe in Deutschland – eine Bestandsaufnahme“, die um ein Register mit Friedhofsschändungen der Jahre 1982 bis 1999 ergänzt wurde. Bedauerlicherweise wurden die aus der früheren Chronik stammenden Angaben für die Jahre 1945 bis 1981 nicht überarbeitet, so daß die Zahl der Friedhofsschändungen in Diamants Register weitaus geringer ausfällt, als die dem Zentrum für Antisemitismusforschung vorliegenden Fälle von Übergriffen auf jüdische Friedhöfe. So gibt Diamant z.B. für das Jahr 1950 zehn Übergriffe an, wir haben Kenntnis von 18 Fällen. Ähnliches gilt für das Jahr 1947, für das die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes zwölf Schändungen verzeichnet, Diamant hingegen nur einen Übergriff im hessischen Londorf aufführt. Leider fehlen auch in einigen Fällen Hinweise auf erfolgreiche Täterermittlung. So konnte z.B. die Friedhofsschändung in Bamberg 1965 schon wenige Wochen später aufgeklärt und der Täter gefaßt werden. Dies trifft auch auf den friesischen Ort Schortens zu; zwei junge Männer wurden nach einer Schändung 1960 wegen Störung der Totenruhe zu Haftstrafen verurteilt. In beiden Fällen verzeichnet Diamant in der Täterrubrik „unbekannt“. Demnach kann der These von Diamant, es habe weit mehr Schändungen jüdischer Friedhöfe als die von ihm verzeichneten gegeben, uneingeschränkt zugestimmt werden. Für den sogenannten Nachtrag, also das Register von 1982 bis 1999, fällt auf, daß die Rubrik „Täter“ für die Jahre 1992 und 1993 insgesamt wegfällt, für den Zeitraum von 1994 und 1996 aber wieder erscheint und hier als Täter in jedem Fall Neonazis genannt werden. Dies macht den Eindruck, als seien die Schändungen für diese Jahre insgesamt aufgeklärt, was jedoch nicht den Tatsachen entspricht. Von 1997 bis 1999 entfällt wiederum die Täterrubrik. In der Einleitung des Verfassers werden für das Jahr 1964 insgesamt 91 Schändungen angegeben, im Jahresüberblick sind für 1964 (S. 35) aber nur neun Übergriffe mit Ortsangabe aufgelistet. Diese herausragende Zahl von angeblich 91 Schändungen hätte durch eine sorgsamere Lektorierung vermieden werden können. Insgesamt aber zeigt Adolf Diamant mit dieser Chronik, wie fast schon alltäglich die Übergriffe auf jüdische Friedhöfe in Deutschland sind. Seine Korrespondenz mit den jüdischen Landesverbänden, den einzelnen Kommunalverwaltungen und seine Presserecherche sind in eine beachtliche Sammlung eingeflossen, die das Zentrum für Antisemitismusforschung im Sommer diesen Jahres erwerben konnte. Die Materialien von Adolf Diamant dienen als Basis für das Forschungsprojekt „Friedhofsschändungen in Deutschland“ in unserem Hause, das nicht nur eine Chronik der Friedhofsschändungen vorlegen, sondern auch die Erfassung der Täter und ihrer Motive zum Gegenstand hat. Marion Neiss, deren Magisterarbeit aus dem Jahr 1992 die Friedhofsschändungen des 18. und 19. Jahrhunderts zum Thema hatte, wird die einzelnen Epochen, beginnend mit dem 19. Jahrhundert, die Zeit der Weimarer Republik und die beiden deutschen Staaten der Nachkriegszeit, auf Friedhofsschändungen untersuchen. Angesichts der zunehmenden Überfälle auf „Fremde“ beschränken sich die überregionalen Tages-zeitungen zumeist auf kurze Hinweise bei Friedhofsschändungen. Hier ist die Berichterstattung der Regionalzeitungen weit ausführlicher, daher bitten wir die Leser des Newsletters, dieses Forschungsprojekt zu unterstützen und uns entsprechende Artikel ihrer Lokal- und Kreiszeitungen zu übersenden.

NEUERSCHEINUNGEN Visuelle Darstellungen von Juden zwischen 1850 und 1900

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tauchen vermehrt antijüdische Vorstellungen auf, die als Erzählungen, Berichte und Vermutungen auch in Bildmedien weitergegeben werden. So können zeitgenössische Betrachter in den Illustrationen der Zeit ohne Schwierigkeiten Figuren als Juden identifizieren. Wie entstehen visuelle Formeln, die das angeblich zweifelsfreie Erkennen „des Jüdischen“ vorgeben? Michaela Haibl setzt sich mit den Bildern auseinander und beschreibt Bildinhalte, Kontexte und Vorstellungswelten. Drei unterschiedliche populäre Bildmedien des 19. Jahrhunderts dienen als Untersuchungsgegenstand: Bilderbogen, Witzblätter und illustrierte Zeitschriften. Michaela Haibl, Zerrbild als Stereotyp. Visuelle Darstellungen von Juden zwischen 1850 und 1900, Berlin 2000 (Metropol Verlag, Reihe Dokumente, Texte, Materialien, DM 42.-)

Antisemitische Propaganda in der Presse des Bundes der Landwirte während des Ersten Weltkriegs Der 1893 gegründete „Bund der Landwirte“ (BdL) hatte in erster Linie das Ziel, mittelständische Bauern ideologisch in das konservative Lager zu integrieren. Dazu bediente sich der Verband von Anfang an antisemitischer Methoden, die er geschickt in seine alltägliche publizistische Arbeit einzubinden verstand. Die detaillierte Untersuchung der BdL-Presse verdeutlicht, daß antisemitische Äußerungen im fraglichen Zeitraum zum Normalfall wurden. Elke Kimmel, Methoden antisemitischer Propaganda im Ersten Weltkrieg. Die Presse des Bundes der Landwirte, Berlin 2000 (Metropol Verlag, Reihe Dokumente, Texte, Materialien, DM 38.-)

VERANSTALTUNGEN Reihe „Lebenszeugnisse“ Zeitfunken – Biographie einer Familie Karin Friedrich im Gespräch mit Wolfgang Benz

Zeit: 27. November 2000, 20.00 Uhr Ort: Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestr. 125, 10115 Berlin Karin Friedrich verfolgt die Spur ihrer weiblichen Vorfahren zurück bis in die siebte Generation. Von der Französischen Revolution über das „Dritte Reich“ bis in die Gegenwart reihen sich Frauengestalten. Die sich gegen Autoritäten und Despoten wehrten und oft ihr Leben ohne den „Mann an ihrer Seite“ führten. Da ist Mimi, deren Mann von Schmugglern erschossen wird, Adéle, die ihrem Mann nach Amerika folgt und als Witwe nach Frankreich zurückkehrt. Ihre Tochter Hélène geht 1871 in Paris auf die Barrikaden gegen die Preußen, später jedoch mit einem preußischen Rittmeister nach Berlin-Friedrichshagen und wird Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei. Schließlich ist da Karin Friedrichs Mutter Ruth, die den Nationalsozialismus früh durchschaut und die Gruppe „Onkel Emil“ gründet, einen Helferkreis für jüdische Freunde und politisch Verfolgte. Karin wächst in diesem Kreis als Akteurin und Mitwisserin auf und lernt, daß Auflehnung und Widerstand vor allem in der Tat liegen. Die Autorin Karin Friedrich, 1925 in Berlin geboren, war Schauspielerin am Hebbel-Theater, Journalistin und Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung in München und engagiert sich heute in der „Weißen Rose Stiftung“ und im Arbeitskreis „miteinander leben- Pro Asyl“. Karin Friedrich, Zeitfunken. Biographie einer Familie, München 2000 (C.H. Beck Verlag, DM 39.90)

Totenkopf und Zebrakleid Wolfgang Benz und Jürgen Matthäus sprechen über die Aufzeichnungen Erwin R. Tichauers

Zeit: 14. Dezember 2000, 20.00 Uhr Ort: Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestr. 125, 10115 Berlin Am 23. Februar 1943 wird Erwin Tichauer im Rahmen der sogenannten Fabrik-Aktion verhaftet und von Berlin nach Auschwitz deportiert. Er arbeitet in den Kohlengruben des Außenlagers Jawischowitz und später bei den Weichsel-Union-Werken. Nach der Befreiung durch die Alliierten lebt er einige Monate im Displaced Persons Camp Feldafing, bis er mit seiner Frau Helen nach Australien auswandert. Sein beruflicher Werdegang führt ihn in die USA, wo er als Professor für Biomechanik in New York lehrt. Dort stirbt er, 76jährig, am 4. Mai 1996. Erwin Tichauer zeichnete seine Erinnerungen bereits zwei Jahre nach der Befreiung auf. Detailliert beschreibt er die Hoffnung und Verzweiflung seiner Leidensgenossen im Konzentrationslager, die Begegnung der Opfer mit den Tätern und den Versuch einiger Häftlinge, das Krematorium in Auschwitz zu sprengen. Um den Häftlingsalltag möglichst lebendig abzubilden, wählte Tichauer die Form eines mit fiktionalen Elementen durchsetzten Erlebnisberichtes. Jürgen Matthäus, der 1999 als Gastprofessor am Zentrum für Antisemitismusforschung lehrte und Historiker am United States Holocaust Memorial Museum in Washington ist, erhielt das Manuskript von Helen Tichauer, die mehrere vergebliche Versuche unternahm, die Erinnerungen ihres Mannes zu publizieren. Matthäus edierte die Aufzeichnungen und versah sie mit einem Nachwort. Erwin R. Tichauer, Totenkopf und Zebrakleid. Ein Berliner Jude in Auschwitz, Berlin 2000 (Bibliothek der Erinnerung Bd. 5 , Metropol Verlag, DM 32.-)

Filmreihe "Sinti und Roma im europäischen Film"

Zusammen mit dem Berliner Kino Arsenal (in den neuen Räumen am Potsdamer Platz) veranstaltet das Zentrum für Antisemitismusforschung im November und Dezember 2000 eine Reihe mit Spielfilme aus den Jahren 1935 bis 1997 über Sinti und Roma. Die Auswahl an Filmen aus der UdSSR, der Tschechoslowakei, der DDR, aus Frankreich, Rumänien und Deutschland dient nicht nur dazu, den Blick auf Typisierungen, für Fremd- und Selbstbeschreibungen sowie für die verwendeten ästhetischen Mittel zu schärfen. Es gilt auch den Oberbegriff Sinti und Roma, durch den eine so nicht existierende homogene Gruppe konstruiert wird, zu hinterfragen. Das Programm finden Sie im Anhang an diesen Newsletter. Termine (Beginn 6. November 2000): im November – Montags um 17.00 Uhr im Dezember – Montags um 19.30 Uhr Ort: Freunde der deutschen Kinemathek e.V.: Arsenal im Filmhaus/2. Untergeschoß Potsdamer Str. 2 (Potsdamer Platz) 10785 Berlin

Hagen Fleischer (Athen) als Gastprofessor am Zentrum für Antisemitismusforschung

Hagen Fleischer, der Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Athen lehrt, nimmt im Wintersemester 2000/2001 den von der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und der HypoVereinsbank finanzierten Lehrstuhl der Gastprofessur am Zentrum für Antisemitismusforschung ein. Die Vorlesung „Griechenland unter deutscher Okkupation, 1941-1944/45“ wird sich mit den Strukturen der Besatzungsverwaltung, ihrer Propagandaund Kulturpolitik, aber auch mit Kollaboration und Widerstand der griechischen Seite befassen. Thematisiert werden zudem das „Kriegserbe“ und die kollektive Erinnerung an die Okkupationszeit. Auf eine breitere Basis gestellt und vertieft werden sollen diese Fragen in einem ergänzenden Seminar über „Europa unter nationalsozialistischer Besatzung“, das einerseits die Besatzungspolitik und andererseits die Reaktion der jeweiligen Bevölkerung in den verschiedenen Territorien vergleichend untersucht. Hagen Fleischer wurde 1944 in Wien geboren und studierte Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin. 1978 siedelte er nach Griechenland über und arbeitete als Korrespondent für verschiedene deutsche Zeitungen. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter war er Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Athen, unterrichtete von 1981 bis 1991 an der Universität Kreta und gehörte 1987/88 der internationalen Historikerkommission zum „Fall Waldheim“ an. Seit 1992 lehrt Hagen Fleischer an der Universität Athen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der nationalsozialistischen Besatzungspolitik in Europa. Zusammen mit Loukia Droulia publizierte er 1999 im Metropol Verlag Berlin „Von Lidice bis Kalavryta. Widerstand und Besatzungsterror“. Vorlesung: ab 24. Oktober, Dienstags 10.00-12.00, Telefunkenhochhaus, Ernst-Reuter-Platz 7, Raum 909 Seminar: ab 24. Oktober, Dienstags 14.00-16.00, Telefunkenhochhaus, Ernst-Reuter-Platz 7, Raum 909

IMPRESSUM
Verantwortlich: Prof. Dr. Wolfgang Benz Redaktion: Dr. Juliane Wetzel Adresse: Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin Ernst-Reuter-Platz 7, 9. OG. D-10587 Berlin Tel: (030) 314-21397 bzw. (030) 314-23154 Fax: (030) 314-21136 e-mail: wetz0154@mailszrz.zrz.ZU-Berlin.de Abdruck gegen Belegexemplar
        
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