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Periodical volume

Full text: Newsletter Issue 19.2000

Zentrum für Antisemitismusforschung

Nr. 19

NEWS LETTER

JULI 2000

Die Kraft der Erinnerung
von Barbara Distel In Auschwitz hat man vor vier Monaten, in Buchenwald, Ravensbrück, Sachsenhausen, Bergen-Belsen, Dachau, Neuengamme und Mauthausen im Laufe der letzten Wochen der 55. Wiederkehr des Tages der Befreiung der Konzentrationslager durch alliierte Truppen gedacht. Noch einmal haben sich mehrere tausend ältere und auch sehr alte Menschen aus Ost- und Westeuropa, vereinzelt auch aus Israel, den USA und Australien zu diesem Anlaß auf den Weg an die Orte gemacht, an denen sie Schreckliches durchlitten hatten, wo sie ihre Familienangehörigen, ihre Freunde und oft Gesundheit und Lebenskraft verloren haben. Viele von ihnen sind inzwischen krank und gebrechlich, mancher mußte noch in letzter Minute die geplante Reise absagen. Die Erinnerungen der Überlebenden an die Jahre der Verfolgung haben jedoch im Laufe der vergangenen Jahrzehnte nichts von ihrer Kraft verloren. Sie können auch heute noch, ganz besonders an den Orten des Geschehens mit unerwarteter, ja überwältigender Heftigkeit hervorbrechen. Unabhängig von den unterschiedlichen Lebenswegen und Erfahrungen der Zurückgekehrten während der letzten 55 Jahre, verbindet sie noch immer das Ausgeliefertsein an diese Erinnerungen, an Alpträume und Schreckensbilder, die plötzlich aus dem Gedächtnis auftauchen und die das inzwischen gelebte halbe Jahrhundert Lebenszeit auslöschen. Trotzdem ist der heutige Blick der ehemaligen KZ-Häftlinge auf die Welt und auch auf die eigene Person durch die Lebenserfahrung der Nachkriegszeit geprägt. Und diese wurde entscheidend von der Region bestimmt, in die die Überlebenden nach der Befreiung zurückkehren konnten oder die gewählt oder zufällig zur neuen Heimat oder zum neuen Aufenthaltsort wurde. Gemeinsam sind den Überlebenden die nicht verheilten körperlichen und seelischen Verletzungen, der andauernde Schmerz über die unwiederbringlichen Verluste und das, was Jean Améry die Zerstörung des Weltvertrauens genannt hat. Seit den politischen Umwälzungen in Osteuropa und dem darauf folgenden Eintritt der überlebenden Opfern aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion in das Blickfeld der westlichen Öffentlichkeit, ist jedoch in zunehmenden Masse deutlich geworden, daß nach 1945 nicht nur eine zweigeteilte Welt des kalten Krieges entstand, sondern auch eine Zweiteilung der Chancen für ein neues Leben nach der Katastrophe. Gewiß, die Zurückgekehrten stießen auch in den westlichen Ländern auf Desinteresse und Unverständnis, selbst in Israel, wo der Vorwurf des fehlenden Widerstandes gegen den Judenmord die Überlebenden erneut verletzte und viele von ihnen für lange Jahre davon abhielt, über ihre persönliche Verfolgungsgeschichte zu berichten. Die Situation in Deutschland - ob in der Bundesrepublik oder in der DDR - war auf besondere Weise kompliziert, vor allem in den ersten Jahren nach Ende des Krieges, als, wie der Titel eines Filmes aus dieser Zeit lautete, „die Mörder unter uns“ (waren). Aber nur in der Sowjetunion wurden die nach Hause zurückkehrenden Überlebenden der nationalsozialistischen Konzentrationslager von Anfang an von ihrer Regierung als potentielle Landesverräter betrachtet und dementsprechend behandelt. Wir wissen noch immer wenig über die Überprüfungsproze-

2 duren, denen alle Heimkehrer, auch Kinder unterzogen wurden. Aber eine Vielzahl von Berichten über verweigerte Ausbildungsmöglichkeiten, verhinderte Berufswahl und über zahllose Fälle fortgesetzter Inhaftierung und Zwangsarbeit lassen ein nahezu flächendeckendes Bild von erneutem Leid und fortwährender Diskriminierung erkennbar werden. Heute leben die ehemaligen Häftlinge der nationalsozialistischen Konzentrationslager als alte Menschen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion in bitterer Armut und zumeist ohne medizinische Betreuung. Sie sind zu Bittstellern gegenüber dem deutschen Staat geworden und viele verbinden ihre letzte Hoffnung auf materielle Hilfe mit der angekündigten Stiftung zur Entschädigung von Zwangsarbeit für Nazideutschland. Und der erste Ort an den sich diese Hoffnung richtet, sind oftmals die Gedenkstätten, die eine ständig steigende Zahl von Bittbriefen erreichen. Die ukrainischen, russischen, weißrußischen und baltischen Überlebenden können sich den Stolz nicht leisten, mit dem der französische Präsident des Comité International de Dachau am 29.April dieses Jahres erklärte: „Ich war niemals Gehaltsempfänger der Firma Mercedes. Ich habe erst Jahrzehnte später erfahren, daß ich für die Firma Mercedes geschuftet habe. Aber ich war kein Mercedes-Arbeiter. Ich war ein Kombattant, den man zur Sklavenarbeit gezwungen hat und ich würde niemals einen Pfennig von dem Geld nehmen, mit dem man sich von dieser Schuld freikaufen will.“ So bezeugen die Gedenkstätten nicht nur die Geschichte des an diesen Orten verübten Terrors bis zur Befreiung der Lager. Die aktuelle Diskussion zeigt wieder einmal, daß dort auch die Spätfolgen ins Blickfeld geraten, die unsere Gesellschaft noch immer stärker belasten, als man gemeinhin wahrhaben will. Vor fünf Jahren war anläßlich der 50. Jahrestage der Befreiung der Konzentrationslager noch eine erheblich größere Zahl ehemaliger Häftlinge als heute gesundheitlich in der Lage in die Gedenkstätten zu fahren. Die breite öffentliche Aufmerksamkeit und das intensive Interesse von Seiten der Politik und der Medien an den Gedenkveranstaltungen erweckten damals den Eindruck, als wäre in der Bundesrepublik Deutschland schließlich ein breiter gesellschaftlicher Konsens über die Notwendigkeit der Erinnerung an die NS-Verbrechen erreicht worden, für die die Gedenkstätten eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe wahrnehmen. Doch im Gegensatz zu den Veranstaltungen des Jahres 1995 fanden die Feierlichkeiten in diesem Frühjahr nur geringe öffentliche Resonanz. Die Berichterstattung in den Medien war spärlich, Fernsehnachrichten waren auf kurze Bildsequenzen beschränkt. Und es gab sehr viel weniger hochrangige Politiker, die den Überlebenden ihre Referenz erwiesen und ihre Verpflichtungen aus dem Jahr 1995 erneut bekräftigten. Helmut Morlok, der Architekt der internationalen Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz, meint, das Wichtigste an der Gedenkstätte Auschwitz sei das, was nicht zu sehen ist. Dies gilt für Dachau und für die anderen Orte, an denen es nationalsozialistische Lager und Folterstätten gegeben hat, sicherlich in ähnlicher Weise. Ich möchte diesen Gedanken dahingehend ergänzen, daß die Bedeutung dieses „Nicht Sichtbarem“ erst erkennbar werden kann, wenn der Ort in Zusammenhang mit der Geschichte der Opfer gebracht wird. Ihnen verdanken wir die Essenz unseres Wissen über die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Dieses Wissen zusammenzutragen, zu bewahren und an die nächsten Generationen weiterzugeben bleibt eine Herausforderung, die sich an die Gedenkstätten ebenso richtet, wie an andere Bildungseinrichtungen, einschließlich der Universitäten. Wenn ich mich heute für die hohe Auszeichnung der Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Berlin bei allen bedanke, die an der Entscheidung für diese Verleihung mitgewirkt haben, so habe ich das Gefühl, ich tue dies auch stellvertretend für die Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau, die gehofft hatten, daß ihre Geschichte nicht in Vergessenheit geraten würde. Die meisten von ihnen, die in den Jahrzehnten nach dem Krieg für dieses Ziel gekämpft haben, sind inzwischen gestorben. Auch ihnen gilt diese Ehrung, die ich mit großer Freude entgegen nehme. Rede, gehalten anläßlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Berlin am 18. Mai 2000 an die Leiterin der Gedenkstätte Dachau, Barbara Distel.

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Jahrbuch für Antisemitismusforschung 9 (2000)
Der neunte Band des Jahrbuchs für Antisemitismusforschung widmet sich in seinem Schwerpunkt Rechtsextremismus und Jugendgewalt insbesondere der Situation in den neuen Bundesländern. Bernd Wagner bietet in seiner Studie einen Überblick über die verschiedenen Facetten rechtsextrem orientierter Gewalt, die in einer völkisch gestimmten, durch soziale Umstände determinierten Bevölkerung artikuliert werden. Innerhalb der Jugendszene - besonders in den neuen Bundesländern – hat sich eine rechts-orientierte Gegenkultur entwickelt, die Stadtteile zu „befreiten Zonen“ erklärt, Jugendclubs besetzt und sich identitätsstiftender Medien vor allem der Skinhead-Konzerte und des Internets bedient. Ähnliche Strukturen konstatiert Markus Mathyl auch für das Rußland der Nachperestrojka-Periode. Die Studie zum Antisemitismus unter Jugendlichen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen geht der Frage nach, inwieweit in Bezug auf judenfeindliche Stereotypen Unterschiede zwischen Ost und West auszumachen sind, die eine stärkere Disposition und Anfälligkeit der ostdeutschen Jugendlichen für rechtsextreme Weltbilder bestätigen könnte. Das Ergebnis empirischer Forschung lautet, daß in Brandenburg der Prozentsatz geäußerter antisemitischer Vorurteile nahezu doppelt so hoch liegt wie in NordrheinWestfalen, bei den männlichen Befragten steht ein Anteil von 36,7% einem von 16,8% gegenüber. Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen einmal mehr, daß rechtsextreme Orientierung vor allem ein Männerproblem darstellt. So äußern etwa 15,3% der männlichen Brandenburger Jugendlichen Verständnis für Schändungen jüdischer Friedhöfe, weibliche Jugendliche hingegen stimmen nur zu 6,7% zu, in Nordrhein-Westfalen liegt der Anteil bei 6,3% bzw. 2,1%. Welche Folgen solche Einstellungen haben können, zeichnet Gerhard Kümmel methodisch reflektiert und exemplarisch anhand des biographischen Interviews mit einem Jugendlichen nach, der durch familiäre Dispositionen und gruppendynamische Prozesse in die rechtsorientierte Gewaltszene geriet. Den Überlegungen zur Verwendung des Terminus Antisemitismus bzw. der Suche nach alternativen Begrifflichkeiten, judenfeindliche Stereotypen im wissenschaftlichen Kontext zusammenzufassen, schließen sich die bisher in Deutschland unbekannten Forschungsergebnisse von Milton Shain über antisemitische Stereotypenbildung in Süd-Afrika an. Literaturwissenschaftlichen Zugang zur Stereotypenbildung beim Judenbild eröffnen die Beiträge zur Ahasver-Gestalt in der englischen Romantik sowie zur Problematik des literarischen Zeugnisses in der polnischen und deutschen Holocaust-Literatur. Barbara Breysach zeigt anhand verschiedener publizierter Beispiele aus Polen und Deutschland, wie Zeitzeugen sich in die Pflicht genommen sehen, stellvertretend für die Ermordeten Zeugnis abzulegen. Die Analyse ausgewählter Texte macht deutlich, welche Möglichkeiten literarische Formen bieten, um die Grenzen der Authentizität bewußt zu machen. Der Betrachtung der Folgen des Holocaust in der Opferperspektive stehen die Studien gegenüber, die sich mit dem Wissen über den Genozid an den Juden in der deutschen Gesellschaft und der Erinnerung der Täter beschäftigen. Karl-Heinz Reuband weist in seinem Beitrag darauf hin, daß Umfragen zum Kenntnisstand über den Völkermord in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit weder von Historikern noch von Sozialwissenschaftlern ausreichend zur Kenntnis genommen worden seien. Neben autobiographischen Quellen und NS-Dokumenten bieten Umfragen eine wesentliche Grundlage, um die in den letzten Jahren in der Forschung, aber auch in der Öffentlichkeit immer wieder gestellte Frage nach dem Wissen um den Völkermord an den Juden zu beantworten. Durch Auswertung repräsentativer Umfragen kommt Reuband zu dem Ergebnis, daß rund ein Drittel der Bevölkerung der damaligen Generation vor Kriegsende bereits Kenntnisse über den Holocaust besaß. Ebenso wie die Frage nach dem Wissen über den Holocaust beschäftigen die Öffentlichkeit - und hier vor allem und zunächst die Medien – immer wieder Quellen aus dem Täterkreis der Nationalsozialisten, deren Veröffentlichung die Medienwelt, die damit stets neueste Erkenntnisse zur NS-Zeit verheißt, in Wallungen geraten läßt. Magnus Brechtken hat die in letzter Zeit als „Entdeckungen“ gefeierten Nachkriegsäußerungen von Adolf Eichmann in Bezug auf den „Madagaskar-Plan“ untersucht. Der Vergleich mit Aussagen anderer Funktionäre dokumentiert den zweifelhaften Wert solcher Quellen, die vielmehr apologetische Statements und Erinnerungskonstruktionen sind als daß sie einen historischen Erkenntniswert haben.

4 Der Beitrag über „American Jewish Bystanders“ schließlich gibt einen Einblick in die bisher in der Holocaust-Forschung weitgehend ausgeblendete Diskrepanz zwischen Wissen und Verstehen. In den Kontext des Völkermords gehört auch der Besprechungsessay zur Edition des Dienstkalenders von Heinrich Himmler, dem „Architekten des Genozids“. Wie umstritten die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit auch in Japan ist, zeigt der Beitrag von Hiromi Igari über eine Schulbuchkontroverse. Sie hat sich an der Vermittlung von Geschichtsbildern entzündet und läßt gleichzeitig nationalistische Strömungen erkennen. Jean-Paul Sartres Feststellung, Antisemitismus habe mit den Juden und ihrer Geschichte nichts zu tun, Judenfeindschaft werde immer dann virulent, wenn die nichtjüdische Gesellschaft mit sozialen Mißständen konfrontiert sei, ist längst in die Vorurteilsforschung eingegangen. Grundsätzlich ist Antisemitismusforschung eine interdisziplinäre Anstrengung, in deren Mittelpunkt Insuffizienzen der Mehrheitsgesellschaft stehen, nicht die jüdische Minderheit, die als solche Gegenstand disziplinärer Aufmerksamkeit von Historikern, Judaisten, Religionswissenschaftlern usw. ist. Der Vergleich der Interpretationen des Phänomens der Judenfeindschaft bei Hannah Arendt und Jean-Paul Sartre macht erkenntnistheoretische Dimensionen der Vorurteilsforschung an zwei exemplarischen Deutungsmustern sichtbar. Wolfgang Benz Jahrbuch für Antisemitismusforschung 9 (2000), hrsg. v. Wolfgang Benz, Frankfurt a.M. 2000 (Campus Verlag, DM 38.-) Markus Meckl erhält den Prix de la Fondation Auschwitz 1999/2000 für sein Buch „Helden und Märtyrer“ Der Warschauer Ghettoaufstand ist ein zentrales Symbol im öffentlichen Gedenken an die Ermordung der europäischen Juden und gilt als das Sinnbild für jüdischen Heroismus. Die Geschichte der Rezeption des Aufstandes ist die Geschichte der Kreation dieses Heldensymbols und dessen Aneignung für partikulare Interessen. Die Vereinnahmung des Warschauer Ghettoaufstandes zeigt, daß damit immer ein Blick auf das Ereignis verbunden ist, dessen formale Kriterien wichtiger als das vergangene Geschehen selbst sind. Markus Meckl, Helden und Märtyrer. Der Warschauer Ghettoaufstand im öffentlichen Gedenken, Berlin 2000 (Metropol Verlag, Reihe Dokumente, Texte, Materialien, DM 34.-)

Reihe „Lebenszeugnisse“
„Ich bin Berlinerin. Ich will nirgendwo anders leben.“ Dorothee Fliess im Gespräch mit Wolfgang Benz Zeit: 1. September 2000, 20.00 Uhr Ort: Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestr. 125, 10115 Berlin Dorothee Fliess, die in Berlin als Tochter des bekannten jüdischen Rechtsanwalts und Notars Julius Fliess eine glückliche und behütete Kindheit erlebt hatte, mußte seit Juni 1941 als kaum Zwanzigjährige bei der Firma Ehrich&Graetz in Berlin-Treptow Zwangsarbeit verrichten. Am 29. September 1942 gelangte sie zusammen mit ihren Eltern und anderen Verfolgten, insgesamt 14 Personen, in einer atemberaubenden Rettungsaktion aus Berlin in die Schweiz. Initiator des „Unternehmens 7“ war Hans von Dohnanyi, der seit Herbst 1939 im Amt Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht arbeitete. Als er 1941 von Massenmorden an Juden erfuhr, faßte er den Entschluß, wenigstens einige wenige von der Deportation bedrohte Freunde in das neutrale Ausland in Sicherheit zu bringen und wurde darin von Wilhelm Canaris, Chef der Abwehr sowie Hans Oster, Leiter der Zentralabteilung, unterstützt. Frau Fliess blieb nach dem Krieg in Basel, wo sie bis heute als Gymnasiallehrerin tätig ist.

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Mond über der Uhlandstraße Rachel Ron im Gespräch mit Wolfgang Benz Zeit: 26. Oktober 2000, 20.00 Uhr Ort: Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestr. 125, 10115 Berlin Aus der Sicht eines jungen Mädchens erzählt Rachel Ron die Lebensgeschichte einer assimilierten jüdischen Familie im Berlin der dreißiger Jahre. Aufgewachsen in der Uhlandstraße, erlebt sie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten den plötzlichen, gegen sie und ihre Familie gerichteten Wandel der Mitmenschen. Obwohl sich die selbstbewußte Rachel nicht einschüchtern lassen will, beeinträchtigen die politischen Verhältnisse auch das Familienleben. Rachel hört die Gespräche der Eltern von einer düsteren Zukunft in Berlin. Auf ihre bange Frage, ob der Mond nur über der Uhlandstraße scheine, tröstet der Vater die Zwölfjährige. Die Familie beschließt zu emigrieren. Der „Mond über der Uhlandstraße“ wird für Rachel auf ihrem weiteren Lebensweg, der die Familie nach Palästina führt, zur Hoffnung in schwerer Zeit. Rachel Ron, Mond über der Uhlandstraße, Berlin 2000 (Bibliothek der Erinnerung, Bd. 7, Metropol Verlag, DM 28.-)

Forum für Exil- und Migrationsliteratur
Vom 28.-30. September 2000 findet in der Französischen Friedichstadtkirche (Franz. Dom) das Forum für Exil- und Migrationsliteratur statt. Gemeinsam mit der Evangelischen Akademie zu Berlin wird die gemeinnützige Kulturagentur Akanthus Verlagen aus dem In- und Ausland, Buchhandlungen und Organisationen ein Forum bieten, ihre aktuellen Arbeitsschwerpunkte und neuesten Veröffentlichungen aus dem Sachbuch- und Belletristikbereich in der Französischen Friedrichstadtkirche sowie im neuen Tagungszentrum der Evangelischen Akademie zu präsentieren. Das Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin beteiligt sich zusammen mit dem Berliner Metropol Verlag am Rahmenprogramm: 30. September 2000, 14.00 Uhr, Französischen Friedichstadtkirche Nach einer Einführung von Dr. Mona Körte liest Peter Widmann aus dem Erinnerungsbericht Totenkopf und Zebrakleid. Ein Berliner Jude in Auschwitz von Erwin Tichauer (Reihe des Zentrums für Antisemitismusforschung, Bibliothek der Erinnerung, Band 5, Metropol Verlag, Berlin 2000, DM 32.-). Informationen bei Akanthus, Kulturmanagement, Palisadenstr. 48, 10243 Berlin, Dr. Gabriele Mittag, Tel.: 030/42282327 bzw. unter www.akanthus.de.

IN EIGENER SACHE Die immer spärlicher fließenden Finanzmittel der öffentlichen Hand machen es erforderlich, Sie um Ihre Mithilfe zu bitten. Werden Sie Mitglied im „Verein der Freunde und Förderer des Zentrums für Antisemitismusforschung e.V.“! Der Förderverein vergibt Doktorandenstipendien, beteiligt sich mit Zuschüssen an Projekten des Zentrums für Antisemitismusforschung und unterstützt Ankäufe von Archivmaterialien und Sammlungen. Mitglied können Sie bereits mit einem jährlichen Beitrag von 60.- DM werden. Unsere Freunde und Förderer erhalten als Dankeschön jedes Jahr eine Publikation des Zentrums für Antisemitismusforschung und werden regelmäßig über alle Veranstaltungen informiert. Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt, Spenden sind steuerlich absetzbar. Bankverbindung: HypoVereinsbank, BLZ: 100 208 90, Ktnr.: 522 0 101 241 (Beitrittsformular unter Tel.: 030/314-21397)

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Arabisch-islamische Judenfeindschaft
Eine internationale Konferenz des Zentrums für Antisemitismusforschung Die Entstehung von Feindbildern im Konflikt um Palästina 6.-8. September 2000
Technische Universität Berlin, Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin, Hörsaal H 3010 Judenfeindschaft und Antisemitismus begleiten die christlich-abendländische Geschichte seit ihrer Frühzeit. Das Zentrum für Antisemitismusforschung hat sich entsprechend mit diesem Phänomen in der neueren europäischen Geschichte befaßt und zu aktuellen Entwicklungen nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Staaten Mittel- und Osteuropas eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Tagungen veranstaltet. Es hat sich gezeigt, daß vor allem in der westeuropäischen radikalen Linken und in der Politik der früheren Ostblockstaaten, die für die arabische Seite im Nahostkonflikt Partei ergriffen, eine ideologisch überhöhte schroffe Ablehnung Israels (Antizionismus) anzutreffen war, die sich oft weltverschwörerischer antismeitischer Stereotypen bediente. Primär haben sich Orientalisten und israelische Antisemitismusforscher mit den extremen Formen der Feindschaft gegenüber Israel und den Juden befaßt. Dabei wurde sichtbar, wie sehr der arabische Antizionismus europäische Traditionen des Antisemitismus rezipiert hat und weiterverbreitet. Inzwischen besteht über Internet bereits ein Netzwerk zwischen der europäischen Rechten und arabischen Antizionisten. Die Tagung wird erstmals in Deutschland und Europa Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Disziplinen (Islamwissenschaft, Geschichte, Politikwissenschaft, Soziologie) und Ländern zusammenführen, um sich mit der Entwicklung eines antijüdischen/anti-israelischen Feindbildes in der arabischen Welt im Zusammenhang des Palästinakonflikts seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zu befassen. Komplewmentär wird die Herausbildung eines anti-arabischen Feindbildes auf seiten der Zionisten/Israelis in die Analyse einbezogen, um den Zusammenhang von Konflikt und Feindbild in seiner historischen Genese und seinen Formen zu verstehen. In der Anlage finden Sie das Konferenzprogramm mit Hinweisen zur Anmeldung.

IMPRESSUM Verantwortlich: Prof. Dr. Wolfgang Benz Redaktion: Dr. Juliane Wetzel Adresse: Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin Ernst-Reuter-Platz 7, 9. OG. D-10587 Berlin Tel: (030) 314-21397 bzw. (030) 314-23154 Fax: (030) 314-21136 e-mail: wetz0154@mailszrz.zrz.TU-Berlin.de Abdruck gegen Belegexemplar
        
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