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Periodical volume

Full text: Paritätischer Rundbrief Issue 2015,[11/12] November/Dezember

PARITÄTISCHER RUNDBRIEF
NOVEMBER / DEZEMBER 2015

Willkommen in Berlin!

Flüchtlingsengagement unter Paritätischem Dach

Patenschaften

Biffy e.V. kämpft gegen das Aus

Notunterkunft

Engagement der Volkssolidarität

Flucht nach vorn

Flüchtlingskinder bei Freeda

Noteingang
Schutz vor rassistischen Übergriffen in Paritätischen Organisationen
Rassistische und rechtsextreme Taten steigen weiter an. Viele Delikte können verhindert werden, wenn Bürgerinnen und Bürger nicht wegschauen und sich gemeinsam gegen rechte Gewalt stark machen. Um ein Zeichen gegen ­Bedrohung und für Willkommenskultur zu setzen, hat der Paritätische Berlin die ­Noteingangs-Kampagne neu aufgelegt: Ein knallig roter Aufkleber informiert in verschiedenen Sprachen: »Wir bieten Schutz vor rassistischen Übergriffen!« Mitgliedsorganisationen können mit dem Aufkleber im Eingangsbereich deutlich zeigen, dass sie rassistische Verhaltensweisen nicht dulden und potentielle Opfer in der jeweiligen Einrichtung beschützt werden. Beteiligen Sie sich! Setzen sie ein Zeichen! Machen Sie Ihre Organisation zum Noteingang für Geflüchtete und andere bedrohte Menschen! Ein Noteingang-Aufkleber liegt diesem Rundbrief bei. Bestellen Sie weitere Aufkleber per Mail an presse@paritaet-berlin.de

VORWORT

Willkommen in Berlin! Flüchtlingsengagement unter Paritätischem Dach
Sehr geehrte Leserinnen und Leser, liebe Mitglieder, auf der diesjährigen Mitgliederversammlung des Paritätischen Berlin hatten wir die Möglichkeit, an den persönlichen Erfahrungen von zwei geflüchteten Menschen teilzuhaben. Lowricia aus Benin berichtete von ihrer Flucht vor der Gewalt ihrer eigenen Familie. Anas Aldeen aus Syrien schilderte seine täglichen Bemühungen, sich hier gemeinsam mit seiner Familie einzuleben, eine Arbeit und ein neues Zuhause zu finden. Zugleich erzählte er, wie es die deutschen Behörden ihm immer wieder schwer machen, zum Beispiel die nötigen Dokumente zu bekommen – und ihm dadurch Steine in den Weg legen. »Die Zeit für Deutschland ist gekommen, zuzulassen, dass die Flüchtlinge sich für ihre Integration engagieren können«, forderte Anas Aldeen. »Das geht nur durch Zusammenarbeit der anerkannten Flüchtlinge mit der deutschen Regierung. Diese Zusammenarbeit muss auf Treue und Zugehörigkeitsgefühl der Flüchtlinge basieren.« Mit dieser Forderung, vorgetragen in beeindruckendem Deutsch, betonte Anas die Bedeutung von echter Willkommenskultur, von Integration ab dem ersten Tag. Er verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass Geflüchtete bei ihren ersten Schritten im neuen Land begleitet und unterstützt werden – sowohl von Menschen, als auch von Institutionen. Denn das Engagement der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer ist wichtig. Gewiss ist aber, dass bei dieser großartigen Leistung die Nachhaltigkeit nicht außer Acht gelassen werden darf. Und dafür sind die sozialen Organisationen, die Wohlfahrtsverbände, die Stadtteilzentren und viele mehr zuständig – aber eben auch Behörden, Verwaltung und Politik. Es ist ein riesiges Problem, dass derzeit in Berlin viel Geld und Energie lediglich in den Aufbau kurzfristiger Notunterkünfte fließen. Denn so notwendig es ist, den Menschen sofort ein Dach über dem Kopf zu geben, die Zustände in Turnhallen und Lagergebäuden sind auf Dauer unhaltbar. Wenn 1000 oder gar 2000 Menschen in einem einzigen großen Raum untergebracht sind, birgt das einfach zu viel sozialen Sprengstoff. Schließlich bedeutet das für die Menschen, die gerade unter belastenden Umständen nach Deutschland gekommen sind, dass sie nicht einen Moment der Ruhe oder der Privatsphäre finden, die sie so dringend zur Erholung benötigen. Dass es dabei fast unweigerlich zu Konflikten und gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt, kann niemanden überraschen. Ganz zu schweigen von den Bedürfnissen der besonders schutzbedürftigen Geflüchteten, den Kindern und Jugendlichen! Denn wer könnte gewährleisten, dass in einer Massenunterkunft die Sicherheit eines Kindes gewährleistet ist? Wer wäre in der Lage, in einer riesigen Turnhalle eine kindgerechte Umgebung zu schaffen? Wie lässt sich in einem solchen Umfeld wirklich absichern, dass sich nur vertrauenswürdige Menschen um die Kinder kümmern? Auch Flüchtlingskinder  – und gerade sie – haben ein Recht auf geschütztes Aufwachsen, für das eine Notunterkunft keinen Platz bietet. Klar ist, dass kein Bundesland auf die vielen Flüchtlinge vorbereitet war. Das konnte auch nicht erwartet werden, bei den niedrigen Zahlen in den Vorjahren. Nur: In allen anderen Bundesländern lief es dennoch besser als in Berlin. So katastrophale Zustände wie hier vor dem LaGeSo gab es nirNovember / Dezember 2015	

Barbara John ist Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtverbands Berlin. FOTO: GISELA SCHUSTER 

gendwo. Die Folgen dieser armseligen Unterbringungsspolitik müssen nun – neben den Geflüchteten selbst – die gemeinnützigen Träger ausbaden, darunter viele Paritätische Mitglieder. Denn immer mehr von ihnen werden, auch auf Bitte des Senats, zu Betreibern von Not- und Gemeinschaftsunterkünften und nehmen dafür große finanzielle Belastungen auf sich. Zugleich wächst bei vielen Menschen die Sorge, die Neuankömmlinge könnten den »Alteingesessenen« etwas wegnehmen. Werden die Ehrenamtlichen denn nicht an anderer Stelle fehlen, zum Beispiel in der Pflege älterer Menschen? Und wenn derzeit alle Spenden den Flüchtlingen zugutekommen, wird es dann nicht an anderer Stelle knapp, zum Beispiel bei der Obdachlosenhilfe? Der Paritätische sieht das Dilemma, aus dem soziale Ängste entstehen. Und daher müssen wir uns heute so sehr wie noch nie gemeinsam dafür einsetzen, dass es nicht die Schwachen in unserer Gesellschaft sind, die das größte Opfer bringen müssen für die erfolgreiche Eingliederung der neuen Hilfebedürftigen. »Willkommen in Berlin!« lautet der Titel dieses Rundbriefs, in dem wir verdeutlichen, welchen Anteil die Paritätischen Mitglieder an der neuen Willkommenskultur und der nachhaltigen Integration ab dem ersten Tag haben. Bei allen Nöten, die uns in der Stadt bewegen, brauchen wir alle eine erholsame Advents- und Weihnachtszeit. Das wünscht Ihnen von Herzen

Ihre Barbara John
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PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

INHALT

Der Paritätische Berlin in den Sozialen Medien
Den Paritätischen finden Sie auch auf Facebook und Twitter. Wenn Sie tagesaktuelle Nachrichten über uns und unsere Mitglieder erhalten möchten, laden wir Sie ein, uns zu »liken« oder zu folgen:

ParitaetBerlin

Impressum
Herausgeber: Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin Brandenburgische Str. 80, 10713 Berlin Tel. 030 8 60 01-0, Fax 030 8 60 01 110 info@paritaet-berlin.de Geschäftsführung: Oswald Menninger Verantwortlich: Nina Peretz stv. Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Tel. 030 8 60 01 123 rundbrief@paritaet-berlin.de Facebook.com/ParitaetBerlin Twitter.com/ParitaetBerlin paritaet-berlin.de Layout und Satz: unicom werbeagentur gmbh unicom-berlin.de Titelbild: Großes Bild: Al Nadi – Beratung für arabische Frauen, Foto: Al Nadi/NBHS; kleine Bilder: Andrea Brandt von biffy e. V. Berlin (links), Foto: privat; Freiwillige und Bewohner in der Bitterfelder Straße, Foto: Volkssolidarität; Durch regelmäßige Aufgaben Verantwortung übernehmen, Foto: Freeda UG Herstellung: Union Sozialer Einrichtungen gemeinnützige GmbH. Gedruckt auf 100 Prozent chlorfrei gebleichtem Papier. Der Rundbrief hat eine Auflage von 1200 Stück. Der Verteiler umfasst alle Mitglieds­ organisationen der Paritätischen Landesverbände Berlin und Brandenburg. Weitere Adressaten: Gesellschaftliche Institutionen, Verbände, Verwaltung, Einrichtungen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Der Rundbrief erscheint zweimonatig. Bitte senden Sie Pressemitteilungen und Beiträge per Mail an die Redaktion (rundbrief@paritaet-berlin.de). Stellenanzeigen tragen Sie direkt unter paritaet-berlin.de/stellen/stellenangebote.html ein. Sie werden online und, wenn zeitlich sinnvoll (abhängig vom Erscheinungstermin), im Rundbrief veröffentlicht. Der Redaktionsschluss für Ihre Beiträge ist zu Beginn jedes zweiten Monats: Rundbrief 1/2 2016: Zuarbeit bis 5. Januar Rundbrief 3/4 2016: Zuarbeit bis 5. März Rundbrief 5/6 2016: Zuarbeit bis 5. Mai Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Der Rundbrief wird unter paritaet-berlin.de veröffentlicht. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verzichtet die Redaktion auf eine Genderschreibweise. Die Bezeichnung von Personengruppen bezieht die weibliche Form und Trans* jeweils ein.

Kindertagesstätten

Kultur

Im Orange des Berliner Kitabündnisses gingen am 7. Oktober Kitas in der ganzen Stadt für bessere Kinderbetreuung auf die Straße.  Seite 22
6–7	 Gesamtverband ·· Bildbasierte Verständigungshilfe für Geflüchtete ·· Sonderkonditionen bei Einmalprodukten

Kulturelle und künstlerische Vielfalt Paritätischer Mitglieder: Neuer Webauftritt, Rubrik im Seite 24 Rundbrief und eigener Arbeitskreis
17 	 Gesundheit ·· Ganzheitliche Begleitung für Familien mit Frühchen

6 – 10 	 Landesgeschäftsstelle ·· Änderungen bei Mitgliedsorganisationen ·· Weihnachtsgeschenk für bedürftige Familien – Dank an Circus Roncalli und Berliner Tagesspiegel ·· Rahmenvertrag für Arbeitsschutz/Arbeitsmedizin ·· Siegfried Philipp verstorben ·· Martin Hoyer wird stellvertretender Geschäftsführer ·· Jahresempfang und Abschied von Oswald Menninger ·· Zwei neue Kolleginnen stellen sich vor 10 – 12 	 Geschäftsstelle Bezirke ·· Beratungsstellen für die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen ·· Heerstraße Nord e. V. – Gemeinwesenverein hat drei Gründe zum Feiern ·· Jobcenter stellen sich auf Flüchtlinge ein ·· Kooperation von Mitgliedsorganisationen mit Studierenden der HTW ·· Stadtteilzentrum Divan – Interkulturelle Nachbarschaftsarbeit in Charlottenburg ·· Ehrenamt gegen häusliche Gewalt 13 	 Ältere Menschen ·· Seniorentagespflegestätte der Hildegard Gräfin von Koenigsmarck Stiftung feiert 20-jähriges Jubiläum Familie ·· »Der vorgezeichnete Weg?« Tauwetter thematisiert sexualisierte Gewalt gegen Jungen

17 – 21 	 Jugendhilfe	 ·· Beiträge auf dem Blog »jugendhilfe-bewegt-berlin« ·· Fünf Fragen an Andrea Brandt, Koordinatorin des Patenschaftsprogramms von biffy e. V. Berlin ·· Broschüre »Der bezirkliche Jugendhilfeausschuss in der Praxis – von Fall zu Fall« ·· Junge Menschen in die Selbständigkeit führen! Danke an die Deutsche Wohnen 21 – 23 	 Kindertagesstätten ·· Kita Knirpsenbude als berlinweit erste YoBKA©Kita zertifiziert ·· Berlin zeigt sich in Orange – Rückblick auf den Aktionstag des Berliner Kitabündnisses 23 – 24 	 Krankenhäuser ·· Neujahrsempfang: Bundesgesundheitsminister besucht Jüdisches Krankenhaus 24 – 25 	 Kultur ·· Kultur im Paritätischen sichtbar machen: Kulturelle Angebote nutzen und veröffentlichen 25 – 27 	 Menschen mit Behinderungen ·· Perspektivwechsel: Drei Filme über Barrierefreiheit und Inklusion ·· Eigenen Lebensentwurf selbstbestimmt leben. ·· 20 Jahre LfB ·· Fritz-Bernd Kneisel. 50 Jahre Einsatz für die ­Belange hörbehinderter Menschen 27 – 38 	 Schwerpunkt: Migration/Flüchtlinge ·· Fünf Fragen an Dieter Glietsch, Staatssekretär für Flüchtlingsfragen ·· 25 Jahre KKH e. V./KOMKAR-Berlin – Geschäftsführer Aktas verlässt den Verein ·· Paritätisches Flüchtlingsengagement – ­Vernetzungstreffen für Mitgliedsorganisationen ·· Integration der Flüchtlinge ab dem ersten Tag! Paritätischer Berlin fordert Unterbringung, Kinderschutz und Teilhabemöglichkeiten
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14 – 15 	 Ehrenamt ·· Rückblick auf Dankeschön-Brunch Katastrophenschutz und Notfallrettung: Ehrung von Karsten Hackradt, ASB 15 – 16 	 Frauen ·· Umgang mit Depression: Fünf Fragen an Karin Blana, Geschäftsführerin von Silberstreif e. V.
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

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INHALT

NOVEMBER / DEZEMBER 2015

ÄNDERUNGEN

Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Berlin
GrenzKultur gemeinnützige GmbH neue Adresse: Bouchéstraße 75, 12435 Berlin Telefon: 030 54 49 01 50 Telefax: 030 544 90 15 29 cabuwazi.de Die Mitgliedsorganisation ist weiterhin unter den bekannten E-Mail-Adressen erreichbar. Flora e. V. Förderverein für psychosoziale Projekte neue Adresse: Vorbergstraße 11, 10823 Berlin Die Mitgliedsorganisation ist weiterhin unter den bekannten Telefon-/ Faxnummern, E-Mail-Adressen sowie der Homepage erreichbar. bipolaris – Manie & Depression Selbsthilfevereinigung Berlin-Brandenburg e. V. neue Adresse: Tegeler Weg 4, 10589 Berlin Die Mitgliedsorganisation ist weiterhin unter den bekannten Telefonnummern, E-Mail-Adressen sowie der Homepage erreichbar. Interessengemeinschaft ­Künstliche Niere und Trans­ plantation Berlin (IKN) e. V. neue Adresse: c/o Campus Benjamin Franklin Hindenburgdamm 30 // Haus II, 3. Stock, Zimmer 305, 12203 Berlin Telefon neu: 030 450 51 47 14 Die Mitgliedsorganisation ist weiterhin unter den bekannten E-Mail-Adressen sowie der ­Homepage erreichbar.

Migration/Flüchtlinge

Migration / Flüchtlinge

Wie funktioniert die Berliner Flüchtlingspolitik in Zukunft besser? Fragen an Dieter Glietsch, Seite 27 Staatssekretär für Flüchtlingsfragen
·· Jenseits der »Willkommenskultur« – Aktuelle Probleme in der Beratungspraxis ·· »Wir heilen hier und jetzt« – Medizinische Versorgung in der ASB-Notunterkunft Wilmersdorf ·· Echte Willkommenskultur in Berlin fördern. Beirat für Zusammenhalt ist seit einem Jahr im Amt ·· Neue Herausforderungen – bewährte Lösungen. Das Flüchtlingsengagement des Unionhilfswerk ·· Welcome to Rahnsdorf! Ein Besuch in der ­Flüchtlingsunterkunft des Unionhilfswerk ·· Nadeshda bedeutet Hoffnung – Ein Frauenverein macht sich stark für Flüchtlinge ·· Besonders schutzbedürftige Flüchtlinge – Übergangswohnverbund für Regeneration und Stabilisierung ·· Volkssolidarität betreibt Notunterkunft in Marzahn ·· Service: Engagierte Mitglieder ·· Work for Refugees – Arbeitsvermittlung für Flüchtlinge in Berlin ·· Miteinander leben. Der kurdische Elternverein Yekmal ·· Lernort Moschee – Lernort für Flüchtlinge? Gesellschaft für Interkulturelles Zusammenleben e. V. ·· Ein Jahr YouMeWe # Flüchtlingskinder & Kinder von hier e. V. – Ein Erfahrungsbericht ·· Soziale Sicherung – medizinische Versorgung – Prävention. Migrationsarbeit der Berliner Aids-Hilfe e. V. ·· Journey of Hope. Hilfsorganisation IsraAID bietet Unterstützung für soziale Organisationen ·· Flucht nach vorn – Ein Projekt von FREEDA gibt Kindern neues Selbstvertrauen ·· Tio-Weiterbildungsberatung für geflüchtete Frauen ·· Medizinisches Versorgungszentrum: Vorschlag zur medizinischen Soforthilfe für Flüchtlinge ·· RomAs: Fünf Fragen an Andrea Walter-Gröger, AspE e. V. ·· » Kitas: Eine kindgerechte Umgebung abseits der beengten Unterkünfte« Fünf Fragen an Claudia Gaudszun, KITA-Referentin ·· Mentoren für homosexuelle und transgeschlechtliche Flüchtlinge ·· Wilkommensnetzwerk des Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum ufaFabrik
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#steglitzhilft – eine Woge der nachbarschaftlichen Hilfsbereitschaft ermöglicht echte Seite 59 ­Willkommenskultur
·· #steglitzhilft: Ehrenamtliche Helfer heißen Geflüchtete willkommen ·· Willkommen in Zehlendorf! Stadtteilzentrum und Mehrgenerationenhaus Phoenix des Mittelhof e. V. ·· Bildung, Beratung und Treffpunkt für arabische Frauen. 36 Jahre AI Nadi 63 	 64 	 Pflege ·· Neue Serie: Pflege spezial. Schmerz lass nach Recht ·· Versetzungsrecht des Arbeitgebers – Information der Paritätischen Tarifgemeinschaft e.V. Schulbezogene Jugendhilfe ·· Neue Broschüre: mitWirkung – mitErfahrung – mitKreativität. Paritätische Träger der schulbezogenen Jugendhilfe im Bonusprogramm Schule ·· Ein Jahr bei der Stiftung Bildung

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65 – 66 	 Soziales ·· Jubiläums-Scheckheft der Volkssolidarität ·· Kündigungsschutz von Mietverträgen – Klarheit durch gerichtliche Entscheidungen? 67 – 68 	 Straffälligen- und Opferhilfe ·· Fachtagung und 25-Jahr-Feier des Freie Hilfe e. V. ·· Gefangene haben keine Briefkästen – Information und Bildung für Menschen in Haft 69 	 Suchthilfe ·· Alkohol ist gefährlich – ein Heft in leichter Sprache

69 – 70 	 Wettbewerbe und Förderpreise ·· Jetzt bewerben! Wettbewerbe und Förderpreise 71 	 72 	 Fachgruppen und Arbeitskreise Paritätische Akademie Berlin ·· Leitungstätigkeit in der Kinder- und Jugendhilfe

73 – 81 	 Pinnwand 81 	 Paritätisches Bildungswerk Brandenburg 82 – 83 	 Telefonverzeichnis des Paritätischen Berlin
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

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GESAMTVERBAND

First Communication Helper For Refugees
Bildbasierte Verständigungshilfe für Flüchtlinge und Hilfsorganisationen

LANDESGESCHÄFTSSTELLE

Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Berlin

ÄNDERUNGEN

Servicestelle Jugendbeteiligung e. V. neue Adresse: c/o Jugendbüro Mitte Scharnhorststraße 28/29, 10115 Berlin Telefonnummer neu: 030 308 78 45 20 030 308 78 45 24 Faxnummer neu: 030 308 78 45 29 Die Mitgliedsorganisation ist weiterhin unter den bekannten E-Mail-Adressen sowie der Homepage erreichbar. Eventus-Bildung e. V. neue Adresse: Reinickendorfer Straße 11 13347 Berlin neue Telefonnummer: 030 75 63 35 75 neue Faxnummer: 030 75 63 35 76 Die Mitgliedsorganisation ist weiterhin unter den bekannten E-Mail-Adressen sowie der Homepage erreichbar. sbh-service gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung neue Adresse: Niemetzstraße 47/49 12055 Berlin Die Mitgliedsorganisation ist weiterhin unter den bekannten Telefon-/ Faxnummern, E-Mail-Adressen sowie der Homepage erreichbar. Horizonte – für Familien – gemeinnützige Gesellschaft mbH neue Adresse: Tornower Weg 6, 13409 Berlin Die Mitgliedsorganisation ist weiterhin unter den bekannten Telefon-/ Faxnummern, E-Mail-Adressen sowie der Homepage erreichbar.

Kommunikation mit Geflüchteten »per Fingerzeig«

ILLUSTRATION: DER PARITÄTISCHE GESAMTVERBAND

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er Paritätische Gesamtverband hat in Kooperation mit der Künstlerin Gosia Warrink und unterstützt durch die Druckerei Henrich Druck + Medien GmbH 50.000 Exemplare einer bildbasierten Kommunikationshilfe für Flüchtlinge produziert, die derzeit bundesweit an Hilfsorganisationen ausgeliefert werden. Der »First Communication Helper For Refugees« fasst auf zwei DIN A4-Seiten die wichtigsten Bilder zusammen, die für eine einfache Kommunikation »per Fingerzeig« ohne Fremdsprachenkenntnisse erforderlich sind. »Symbole und Fotos überwinden jede Sprachbarriere. Der First Communication Helper hilft durch Bilder, wenn Worte fehlen. Eingeteilt in Kategorien, wie Kleidung, Gesundheit, Nahrung oder Verkehr, können Flüchtlinge schnell das entsprechende Zeichen für die Beschreibung ihres Problems finden und sich durch einen einfachen Fingerzeig auf das Bild jedem verständlich machen«, so die Künstlerin Gosia Warrink, die die Verständigungshilfe, aufbauend auf ihren ErfahPARITÄTISCHER RUNDBRIEF

rungen mit Bildwörterbüchern für Reisende, erfunden hat. »Der First Communication Helper trägt im doppelten Sinne zur Verständigung bei. Es geht darum, akute Bedarfe schnell zu identifizieren, aber auch Berührungsängste auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse abzubauen. Wir geben damit den vielen engagierten Helferinnen und Helfern vor Ort sowie den ankommenden Flüchtlingen eine unkomplizierte Hilfe an die Hand, um miteinander auch ohne Worte ins Gespräch zu kommen«, so Martin Wisskirchen, Leiter Information und Kommunikation beim Paritätischen Gesamtverband. Insgesamt 50.000 Druckexemplare stellt der Paritätische Gesamtverband seinen Mitgliedsorganisationen vor Ort zur Verfügung.
Wissenswertes Die Kommunikationshilfe unterliegt der Creative Commons ­L icense,  darf in unveränderter Form beliebig kopiert und weitergegeben werden und steht unter folgendem Link zum Download bereit: fluechtlingshilfe.de oder migration.paritaet.org/fluechtlingshilfe/arbeitshilfen/fch/
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LANDESGESCHÄFTSSTELLE

Weihnachtsgeschenk für bedürftige Familien
Dank an Circus Roncalli und Berliner Tagesspiegel

GESAMTVERBAND

Rahmenvertragspartner

Sonderkonditionen bei Einmalprodukten
Neuer Partner im Bereich Rahmenverträge für Mitglieder des Paritätischen ist die Firma Papstar. Papstar führt über 5.000 Einmalprodukte und Verbrauchsartikel wie Einmalgeschirr und Serviceverpackungen, Tisch- und Raumdekoration für Professionals und Haushalte sowie Einmalprodukte für Haushalt, Profiküche, Hygiene und Altenpflege. Paritätischen Mitgliedsorganisationen gewährt Papstar, nach vorheriger Registrierung unter papstar-shop.de, einen exklusiven Rabatt in Höhe von 10 Prozent auf die Shop-Artikel. Den Code für die Neukundenregistrierung erhalten Sie von Herrn Bertram: Papstar GmbH Daimlerstrasse 4-8, 53925 Kall Michael Bertram Tel: 02441 83 228 michael.bertram@papstar.de papstar-shop.de Für Rückfragen – auch zu anderen Rahmenverträgen – stehen Ihnen Karsten Härle und Rebecca Neuparth vom Paritätischen Gesamtverband unter einkauf@paritaet.org zur Verfügung. Möchten Sie künftig per Newsletter über Neuigkeiten aus dem Bereich Einkauf & Rahmenverträge informiert werden? Dann senden Sie bitte eine E-Mail mit dem Betreff »Newsletter abonnieren« an rvt@paritaet.org.

Weihnachtszirkus – ein Erlebnis für Kinder

FOTO: SABINE PIEPER, CIRCUS RONCALLI

250 ganz besondere Weihnachtsgeschenke konnte der Paritätische Berlin in diesem Jahr vermitteln. Familien mit geringem Einkommen und Kinder, die ohne Familien aufwachsen, erhielten Eintrittskarten für die Heiligabendvorstellung des Circus Roncalli. Diese Spende wurde durch die Kooperation von Roncalli mit dem Tagesspiegel möglich. Zu den glücklichen Besuchern der Vorstellung zählt in diesem Jahr eine therapeutische Jugend-Wohngruppe, die mit sechs Jugendlichen in Begleitung den Circus besuchen kann. Drei minderjährige Mütter mit Kind und eine Mutter mit zwei Kindern wohnen zur Zeit in einer betreuten Einrichtung. Der Träger kann ihnen nur mit Hilfe der Spende den Besuch

im Zirkus ermöglichen. Der Träger Wildwasser e. V. freut sich ebenfalls über die wunderbare Weihnachts-Einladung. In der Einrichtung wohnen Mädchen, die durch sexuellen Missbrauch traumatisiert sind. Schließlich benannten Stadtteilzentren, Kindertagesstätten und freie Schulen Kinder und Familien mit geringem Einkommen. Der Circus Roncalli ermöglicht all diesen Menschen einen ganz besonderen Heiligabend. Wir danken dem Circus Roncalli und dem Tagesspiegel herzlich für die großzügige Spende und das Vertrauen in unseren Verband. Jedes dritte Kind in Berlin lebt unterhalb der Armutsgrenze und hat nicht die Möglichkeit, an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen.
LANDESGESCHÄFTSSTELLE

Neuer Rahmenvertrag für Arbeitsschutz/Arbeitsmedizin

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wischen der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsschutz/Arbeitsmedizin und dem Paritätischen Berlin e. V. wurde am 12. Oktober 2015 ein neuer Rahmenvertrag geschlossen, der die Gestellung einer Fachkraft für Arbeitssicherheit sowie eines Betriebsarztes für MitgliedsorgaNovember / Dezember 2015	

nisationen des Paritätischen Berlin e.  V. zum Inhalt hat. Dieser Vertrag löst den am 30. Dezember 2009/11. Januar 2010 geschlossenen Rahmenvertrag ab und gilt ab 1. Januar 2016. Die ab dem 1. Januar 2016 neu geschlossenen Verträge der Mitgliedsorganisationen mit der
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

Arge werden nach den angepassten Konditionen des neuen Rahmenvertrages geschlossen. Sämtliche bis 31. Dezember 2015 abgeschlossenen Verträge der Mitgliedsorganisationen mit der Arge behalten nach den bisher geltenden Konditionen uneingeschränkt ihre Gültigkeit.
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LANDESGESCHÄFTSSTELLE

Personelle Veränderung in der Geschäftsführung
Kita-Referent Martin Hoyer wird stellvertretender Geschäftsführer des Paritätischen Berlin

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Langjähriges Vorstandsmitglied des Paritätischen verstorben

Siegfried Philipp 30. Juni 1932 – 27. September 2015

Am 27. September 2015 ist Siegfried Philipp, Träger der Ehrennadel in Gold des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, im Alter von 83 Jahren verstorben. Das Vorstandsmitglied des Johannischen Sozialwerks e. V. hat auch das Gesicht der Berliner Parität maßgeblich mitgeprägt. Als langjähriges Vorstandsmitglied des Paritätischen zwischen 1973 und 1982 und als 1. Landesvorsitzender von 1974 bis 1979 war es Siegfried Philipp, der den Paritätischen Wohlfahrtsverband in der Berliner Öffentlichkeit bekannter machte und der die Geschäftsstelle so ausbaute, dass die Fachaufgaben von Fachreferentinnen und -referenten übernommen werden konnten. Sein Anliegen war es, qualifizierte Dienstleistungen für die Mitglieds­ organisationen zu erbringen und Fachkompetenz in die öffentlichen Debatten zu tragen, aber auch Beratungsleistungen anzubieten, etwa für Menschen mit Behinderung oder für Senioren und ihre Angehörigen. Seine Verdienste um die Wohlfahrtspflege in Berlin und die Menschen, die sie brauchen, sind herausragend. Der Paritätische Berlin wird Siegfried Philipp immer in ehrenvoller und dankbarer Erinnerung behalten.

as Jahr 2016 bringt personelle Veränderungen an der Spitze des Paritätischen mit sich: Geschäftsführer Oswald Menninger geht nach 20 Jahren im Dienst des Paritätischen in den Ruhestand, und seine jetzige Stellvertreterin Dr. Gabriele Schlimper folgt ihm als Geschäftsführerin nach. Die offizielle Verabschiedung von Oswald Menninger wird im Rahmen des Paritätischen Frühjahrsempfangs am 9. März 2016 stattfinden. Als stellvertretenden Geschäftsführer hat der Vorstand des Paritätischen am 30. September den langjährigen Referenten für Kindertagesstätten, Martin Hoyer, bestellt. Martin Hoyer arbeitete zunächst als Erzieher und studierte später an der Alice Salomon Hochschule Sozialpädagogik und Sozialarbeit. Seit 1999 ist der Vater von drei mittlerweile erwachsenen Kindern als Referent für Kindertagesstätten beim Paritätischen Berlin tätig, 2008 übernahm er zusätzlich das Referat Schule. Seit 2013 ist Martin Hoyer außerdem in der Berliner Vertragskommission für Soziales (Kommission 75) in die Verhandlungen eingebunden. Seit dem 1. Oktober werden Claudia Gaudszun und Martin Hoyer im Kitareferat bereits durch die Referentin Stefanie Fried unterstützt. Frau Fried ist Erzieherin und Sozialarbeiterin und war zuletzt im Regionalen Sozialpädagogischen Dienst (RSD) beschäftigt. Ab dem 1. Januar 2016 wird zusätzlich Torsten Wischnewski-Ruschin Referent für den Kita- und Schulbereich und wird Martin Hoyers Aufgaben sukzessive übernehmen. Herr Wischnewski-Ruschin verfügt über eine mehr als zwanzigjährige Berufserfahrung als Geschäftsführer von Trägern der Kinder- und

Neuer stv. Geschäftsführer ab 2016: Martin Hoyer
 FOTO: MARCUS LUTTMER

Jugendhilfe. Außerdem vertrat er den Paritätischen Berlin in zwei Legislaturperioden als stellvertretendes Mitglied im Landesjugendhilfeausschuss Berlin (LJHA). »Auch wenn ich noch bis Ende des Jahres als Kita- und Schulreferent tätig und danach weiterhin ansprechbar bin, möchte ich mich bereits jetzt bei allen Mitgliedern in meinem Referat für die wirklich tolle Zusammenarbeit und das Vertrauen bedanken, das sie mir entgegengebracht haben. Die 16 Jahre Arbeit im Kita-Referat werden für meine zukünftige Tätigkeit im Verband eine wichtige Basis sein«, so Martin Hoyer.

Jahresempfang und Abschied von Oswald Menninger
Bitte merken Sie sich den Termin vor: 9. März 2016

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er Paritätische Jahresempfang 2016 findet am Mittwoch, den 9. März im Umweltforum Auferstehungskirche, Pufendorfstraße 11 in 10249 Berlin-Friedrichshain statt. Ein wichtiger Programmpunkt wird der Abschied von unserem langjährigen Geschäftsführer Oswald Menninger sein. Ab 15 Uhr sind Sie herzlich zum Sektempfang eingeladen, der offizielle Teil beginnt um
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

16 Uhr. Die offizielle Einladung erhalten Sie Ende Januar.

Wissenswertes Kontakt für Rückfragen und Vorschläge: Rita Schmid schmid@paritaet-berlin.de Tel. 030 860 01-183
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GESCHÄFTSSTELLE BEZIRKE

Herzlich Willkommen beim Paritätischen!
Hier stellen wir Ihnen zwei Kolleginnen vor, die im Laufe des vergangenen Jahres neu beim Paritätischen Berlin angefangen haben.
Anna Zagidullin, 32, Bezirksbeauftragte für Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinickendorf und Mitte in der Geschäftsstelle Bezirke seit September 2015 Mit welchen Erwartungen sind Sie zum Paritätischen Berlin gekommen? Nach acht Jahren der niedersächsischen Bildungsarbeit, davon mehr als sechs Jahre im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, habe ich mich sehr darüber gefreut, eine für mich neue Fachrichtung an sozialpolitischen Themen einzuschlagen und mein berufliches Profil zu erweitern. Das ist für mich eine große Chance und Verantwortung zugleich. Ich möchte gern die Arbeit des Paritätischen gewinnbringend mitgestalten. Auf welche Aufgaben freuen Sie sich besonders? Was gehört eher zum Pflichtprogramm? Ich freue mich besonders auf die bezirkliche Arbeit und die Zusammenarbeit mit den Fachreferaten des Paritätischen. Ich bin davon überzeugt, dass das die Gelingensfaktoren für meinen guten Einstieg und für den langfristigen Erfolg unserer gemeinsamen Themen, Projekte und Positionen sind. Ich lasse mich dabei von der Aufgaben- und Themenvielfalt sowie der Nähe zu den Mitgliedsorganisationen leiten. Es ergeben sich auch interessante und sinnvolle Verknüpfungen zu meinen vorherigen beruflichen Aufgabenfeldern. Das neue Hintergrundwissen, insbesondere die neue Daten- und Zahlenlage, eigne ich mir derzeit mit viel Freude an. Was wünschen Sie sich für Ihr erstes Jahr beim Paritätischen? sche mir und gehe fest davon aus, dass meine Bildercollage im Paritätischen weiter wachsen wird. Sind Sie auch neu in die Stadt gekommen, oder haben Sie »nur« den Job gewechselt? Ich habe zusammen mit meiner 11-jährigen Tochter einen kompletten (Perspektiv-)Wechsel und eine große Veränderung in unserem Leben vollzogen. Wir sind neu in Berlin. Meine Tochter ist neu im Gymnasium und ich bin neu in meinem Job. Wir freuen uns auf diese aufregende Veränderung sehr! Wie viele Namen von Kolleginnen und Kollegen konnten Sie sich bereits merken? Verbandsintern konnte ich mir bereits rund 14 Namen merken. Ich arbeite weiter dran. Wo hat man die besten Chancen, Sie nach Dienstschluss anzutreffen? Wir sind mit meiner Tochter eine kleine, aber sehr sportliche Familie. Daher bin ich nach Dienstschluss entweder in der Schwimmhalle (im Wartebereich), in der Eislaufhalle (zu Winterzeiten) oder im Fitnessstudio anzutreffen. Was sollten die neuen Kollegen unbedingt von Ihnen wissen? Ich teile gern mein Wissen und bin ein großer Fan davon, gemeinsam mit anderen neue Ideen zu stiften und etwas Neues in Kooperationsprojekten zu erproben. Auch wenn sie nicht immer alle in gleicher Intensität überzeugen. Was dabei zählt, sind das gemeinsame Tun und die Erkenntnisse im Sinne des lebenslangen Lernens.

Anna Zagidullin

FOTO: PRIVAT

Ich wünsche mir, einen umfassenden Einblick in die Arbeit zu bekommen, mich für den Verband sinnvoll eingebracht und mich als Teamkollegin etabliert zu haben. Dabei erfahre ich eine sehr große Unterstützung meiner Teamkolleginnen und -kollegen in der Geschäftsstelle Bezirke. Was haben Sie in Ihr neues Büro mitgebracht? Ich habe die für mich wichtigen Menschen und Persönlichkeiten in Bildern mitgebracht. Sie haben eine besondere Rolle in meiner beruflichen und persönlichen Entwicklung gespielt und eine Vorbildfunktion für mich übernommen. Ihre »Schule« und ihr Rückhalt helfen mir außerordentlich, mich auf das Wesentliche im Job zu konzentrieren und an bestimmten Arbeitsprozessen weiter dran zu bleiben. Ich wün-

Ewa Mokanska,  56 , Mitarbeiterin am Empfang  in der Landesgeschäftsstelle seit November 2014. Mit welchen Erwartungen sind Sie zum Paritätischen Berlin gekommen? Ich wünsche mir, mit Spaß und Freude hier zu arbeiten – am besten noch bis zur Rente. Ich freue mich auf viele interessante Besucher und berühmte Gäste. Was wünschen Sie sich für Ihr erstes Jahr beim Paritätischen?
November / Dezember 2015	 PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

Ewa Mokanska
FOTO: NINA PERETZ

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GESCHÄFTSSTELLE BEZIRKE

Mein erstes Jahr ist gerade zuende gegangen. Ich hatte mir gewünscht, nach einem Jahr alle Mitarbeiter mit Namen begrüßen zu kennen. Das ist mir gelungen. Was haben Sie in Ihr neues Büro mitgebracht? In mein neues Büro habe ich gute Laune und Süßigkeiten mitgebracht.

Sind Sie auch neu in die Stadt gekommen, oder haben Sie »nur« den Job gewechselt? Ich bin schon im April 1989 nach Berlin gekommen, also kurz vor dem Mauerfall. Jetzt habe ich »nur« den Job gewechselt. Wo hat man die besten Chancen, Sie nach Dienstschluss anzutreffen?

Nach Dienstschluss halte ich mich fast immer zu Hause auf. Ich koche sehr gern und fast jeden Tag – am liebsten Speisen aus meinem Heimatland Polen. Was sollte man unbedingt von Ihnen wissen? Auch wenn mein Deutsch nicht perfekt ist, bedeutet das nicht, dass ich Sie nicht verstehe.

NEUES AUS DER GESCHÄFTSSTELLE BEZIRKE
Beratungsstellen für die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen

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olgende drei Beratungsstellen in Berlin bieten eine unabhängige und kostenfreie Fachberatung zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales an: Zentrale Erstanlaufstelle (ZEA) der Otto Benecke Stiftung Kaiser-Friedrich-Str. 90 10585 Berlin (U-Bhf Bismarckstraße) Tel. 030 34 50 56 90 zea-berlin@obs-ev.de
Wissenswertes Weiterführende Informationen unter berlin.netzwerk-iq.de

Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung des Türkischen B ­ undes in Berlin-Brandenburg e. V. Oranienstraße. 57, 10969 Berlin (U-Bhf Moritzplatz), Tel. 030 23 62 33 25 diploma@tbb-berlin.de Fahrplan Anerkennung beruflicher Abschlüsse des Club Dialog e. V. Standort Mitte: Friedrichstraße 176-179 10117 Berlin Tel. 030 204 48 59

Standort Wedding: Lindower Straße 18, 13347 Berlin Tel. 030 26 34 76 05 anerkennung@club-dialog.de Diese Beratungsstellen geben Informationen zu Ablauf, Kosten und Dauer des Verfahrens und unterstützen bei der Zusammenstellung der notwendigen Unterlagen und Empfehlungen zum Referenzberuf. Die Beratungen finden in unterschiedlichen Sprachen statt: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Russisch, Türkisch, Arabisch, Polnisch etc.

Triple-Fest des Heerstraße Nord e. V.
Gemeinwesenverein hatte im September drei Gründe zum Feiern
m 30. September hat der Gemeinwesenverein Heerstraße Nord e. V. sein »Triple« gefeiert. Das erweiterte Stadtteilzentrum wurde nach Renovierungsarbeiten wiedereröffnet. Damit ist es dem Verein gelungen, ein Gemeinwesen-Zentrum zu schaffen, das einen offenen Bereich zum Ankommen und Kennenlernen, aber auch einen geschlossenen Bereiche für Beratungsund Gruppenangebote vorhält. Hinzu kamen zwei Jubiläen, die weiteren Grund und Anlass zum Feiern gaben: Seit zehn Jahren ist der Gemeinwesenverein Gebietsbeauftragter für das Quartiersverfahren in der Region Heerstraße, und seit 15 Jahren besteht die ambulante Kinder- und Jugendhilfestelle contract.
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Zahlreiche Gäste aus Politik und Verwaltung waren der Einladung gefolgt. Der Bezirksstadtrat für Soziales und Gesundheit, Frank Bewig, und der Bezirksstadtrat für Jugend, Bildung, Kultur und Sport, Gerhard Hanke, sprachen ihre Anerkennung für die in der Vergangenheit geleistete Arbeit aus, überbrachten ihre Glückwünsche und sicherten ihre Unterstützung für die Weiterförderung des Kulturzentrums »Gemischtes« zu. Gabriele Kwiatkowski von der Senatsverwaltung Stadtentwicklung und Umwelt, zuständig für die Spandauer Quartiere, würdigte die gelungene Zusammenarbeit im Quartiersmanagement-Verfahren. Anne Jeglinski vom Paritätischen Berlin sprach im Grußwort die besondere Bedeutung
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

der Stadtteilzentren als Zentrum und Anlaufstelle für alle an. Sie würdigte die Arbeit des Gemeinwesenvereins, der die Funktion als Seismograph stets ernst- und wahrgenommen hat und sich für die Belange der Bewohnerinnen und Bewohner im Quartier eingesetzt hat. Als eine zukünftige Aufgabe und Herausforderung zeigte Anne Jeglinski die Arbeit mit Flüchtlingen, beziehungsweise die »Integration vom ersten Tag an« als einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit der Stadtteilzentren auf. Eine Fotowand gab den vielen Gästen die Möglichkeit, ihr Engagement zu dokumentieren. Kulturell untermalt wurde die Feier mit einem Auftritt vom Kirchenchor und einer Aufführung der Kita »Regenbogen«.
November / Dezember 2015

GESCHÄFTSSTELLE BEZIRKE

Jobcenter stellen sich unterschiedlich auf Flüchtlinge ein

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erliner Jobcenter müssen sich auf einen Zuwachs an Flüchtlingen mit Leistungsberechtigung einstellen. Flüchtlinge mit Anspruch auf ALG II-Bezug können ebenfalls die Förderinstrumente nach diesem Gesetzbuch in Anspruch nehmen, beispielsweise für Arbeitsgelegenheiten (1-Euro-Jobs). Die Berücksichtigung der »neuen« Kundengruppe gelingt den Jobcentern unterschiedlich gut. Besonders problematisch für die Jobcenter bei der Planung der Arbeitsmarktinstrumente 2016 ist die unbekannte Anzahl leistungsberechtigter
Bezirk Mitte Friedrichshain-Kreuzberg Pankow Charlottenburg-Wilmersdorf Spandau Steglitz-Zehlendorf Geburtsdatum Januar Februar März April Mai Juni

Flüchtlinge in den einzelnen Bezirken. Die örtliche Zuständigkeit des Jobcenters richtet sich bei nicht zuständigkeitsbegründenden melderechtlichen Einträgen (also in Gemeinschaftsunterkünften lebenden Menschen) nach dem Geburtsmonat des Leistungsberechtigten (siehe nachfolgenden Auszug aus der AV Zuständigkeit Soziales). Bei der Planung der bezirklichen Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramme 2016 empfiehlt der Paritätische in seiner Beiratstätigkeit den Geschäftsführungen der Jobcenter, die neuen Leistungsberechtigten bei den
Bezirk Tempelhof-Schöneberg Neukölln Treptow-Köpenick Marzahn-Hellersdorf Lichtenberg Reinickendorf

Förderinstrumenten und bei der Unterstützung der Flüchtlingshilfe in den Stadtteilen verstärkt zu berücksichtigen. Möglichkeiten sind etwa der Einsatz von »1-Euro Jobbern« in Kleiderkammern, der Einsatz von Kiezlotsen oder die Öffnung von Arbeitsgelegenheitsmaßnahmen für leistungsberechtigte Flüchtlinge. Wegen der langfristigen Planung der Programme wird leider erst 2017, nach Sammlung von Erfahrungswerten, mit einer systematischen Berücksichtigung von Flüchtlingen bei den Arbeitsmarktinstrumenten zu rechnen sein.
Geburtsdatum Juli August September Oktober November Dezember

Kooperation von Mitgliedsorganisationen mit Studierenden der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW)
us einem Projekt der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin haben sich interessante Kooperationen mit Paritätischen Mitgliedsorganisationen entwickelt. Bachelor-Studenten im dritten Semester des Studiengangs »International Business« sollten in Fünferteams ein reales Projekt bearbeiten und einen Projektbericht mit Budget- und Zeitplan erstellen. Die Idee wurde an die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes weitergegeben. Das Feed­ ack war sehr gut und das Interesse b der Studierenden ebenfalls, so dass sich daraus vier Projekte mit Mitgliedsorganisationen entwickelten. Somit erhalten die Studierenden einen sinnvollen Auftrag und können gleichzeitig etwas entwickeln, was Sie nutzen können. Hier eine Zusammenfassung der Projekte: Stadtteilverein Schöneberg e. V.: »Patchworkmanufaktur – Anfertigung von Patchworkarbeiten auf Bestellung mit einem Internetshop« Schritte zur Realisierung eines Projektes, das Teilnehmerinnen früherer BeNovember / Dezember 2015	

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schäftigungsprojekte (Jobcenter) und weitere Personen auf die Bedingungen des ersten Arbeitsmarktes vorbereiten oder sogar eine dauerhafte Perspektive schaffen soll. SEKIS Selbsthilfekontaktstelle für Charlottenburg-Wilmersdorf: 2. Selbsthilfefestival auf dem Tempelhofer am 9. Juli 2016. 40 Tische, gestaltet und bewirtet von unterschiedlichsten Gruppen und Organisationen der Berliner Selbsthilfelandschaft, laden die Besucher ein, Platz zu nehmen. Bei Getränken oder einem Imbiss lernen sie ganz nebenbei Menschen kennen, die mit viel »Selbsthilfe« ihr Leben in die Hand genommen haben. Beim Kaffee können die Besucher kreativ werden, rätseln was das Zeug hält oder sich auf spielerische Wettkämpfe einlassen Moabiter Ratschlag e. V.: Konzept für ein Mentoren-System rund um Deutschkurse für geflüchtete Menschen in Zusammenarbeit mit der VHS Mitte. Dieses Konzept und die ersten Erfahrungen sollen Mitte November einem größeren Kreis im Rahmen einer VerPARITÄTISCHER RUNDBRIEF

anstaltung vorgestellt werden. Parallel wurden ab Ende Oktober zwei Kurse im Nachbarschaftshaus Stadtschloss Moabit eingerichtet. Mit dem Aufbau des Mentoren-Systems soll zeitnah begonnen werden. Mehrgenerationenhaus Berlin-Reinickendorf, Albatros gGmbH Weiterentwicklung der Website info-compass.eu. Alle eingetragenen Inhalte werden von einem multilingualen Team gelesen und übersetzt. Aktuell liegen Einträge in Arabisch, Albanisch, Serbisch, Englisch und Russisch vor. Dieses Sprachangebot wird kontinuierlich erweitert. Die Website soll weiterentwickelt und gestaltet werden, inhaltlich auch auf andere Bezirke zum Beispiel Charlottenburg ausgedehnt und weiter vermarktet werden, Das Projekt wird in Kooperation mit dem Integrationsbeauftragten des Bezirks Reinickendorf, der Pegasus GmbH und dem Design- und Entwicklungsteam place/ making entwickelt. Es wird inhaltlich unterstützt vom Wir-Netzwerk Reinickendorf, von Albatros gGmbH und Kirchenkreis Reinickendorf.
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GESCHÄFTSSTELLE BEZIRKE

Das Stadtteilzentrum Divan
Interkulturelle Nachbarschaftsarbeit in Charlottenburg

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as interkulturelle Stadtteilzentrum Divan hat am 1. Juli 2015 seine Türen in der Charlottenburger Neh­ ringstraße 8 geöffnet. Die Trägerschaft des Stadtteilzentrums hat das interkulturelle Nachbarschaftszentrum Divan e.  übernommen. Der Verein ist eine V. etablierte Institution im Bezirk Charlottenburg und verfügt über zahlreiche Erfahrungen auf dem Gebiet der interkulturellen Nachbarschaftsarbeit. Zusammen mit den zahlreichen Helferinnen und Helfern, die sich aktiv im Stadtteil engagieren, möchte das interkulturelle Stadtteilzentrum Divan die Bewohnerinnen und Bewohner in der Nachbarschaft dabei unterstützen, selbstbestimmt, informiert und mit einem weltoffenen Blick an gesellschaftlichen Entwicklungen teilzunehmen und diese zu beeinflussen. Um diese Unterstützung innerhalb des Bezirks anbieten zu können, liegt der

Fokus bei der Entwicklung von Angeboten aus den Bereichen Bewegung, Beratung, Bildung, Begegnung und Bürgerschaftliches Engagement. Gegenwärtig gibt es im interkulturellen Stadtteilzentrum Divan eine Vielzahl von Gruppenaktivitäten im Bereich der fünf B‘s. Die fünf B‘s des interkulturellen Stadtteilzentrums Divan Dabei handelt es sich einerseits um etablierte Gruppen in den Räumlichkeiten des interkulturellen Stadtteilzentrums, andererseits wurden neue Angebote geschaffen, unter anderem für Schülerinnen und Schüler sowie geflüchtete Menschen. Momentan wird ein Konzept, um die Koordination von ehrenamtlichen Engagement im bezirklichen Flüchtlingsbereich auszubauen, erstellt. Neben der

Organisation von regelmäßigen Vernetzungstreffen für engagierte Bürger werden im interkulturellen Stadtteilzentrum auch Aktivitäten mit und für geflüchtete Menschen veranstaltet. Dabei sind auch die Kooperationen mit anderen Initiativen im Bezirk von Nutzen. Mit der Flüchtlingsinitiative Klausenerplatz wird unter anderem ein monatliches »Get-together« organisiert. Hier kochen, reden, singen und spielen die Teilnehmer mit geflüchteten Menschen. Das Event ist eine wunderbare Gelegenheit für die Bewohner des Bezirks, in einen aktiven Austausch mit geflüchteten Menschen zu kommen und sich so gegenseitig kennenzulernen.

Wissenswertes Interkulturelles Stadtteilzentrum Divan, Nehringstraße 8, 14059 Berlin, divan-berlin.de

Ehrenamt gegen häusliche Gewalt
Ein Projekt des Stadtteilvereins Tiergarten e. V.

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äusliche Gewalt kommt in den »besten Familien« vor, unabhängig von Bildung, Einkommen, Alter, Geschlecht und Religionszugehörigkeit. Opfer häuslicher Gewalt sind allerdings überwiegend Frauen. Kinder sind von der Gewalt zwischen ihren wichtigsten Bezugspersonen immer mitbetroffen. Sie werden Opfer und Zeuge der Gewalt. Die Gewalthandlungen finden im privaten und familiären Raum statt und spielen sich meist hinter verschlossenen Türen ab. Der Stadtteilverein Tiergarten e. V. hat das Thema aufgegriffen, um es im Rahmen seiner Quartiersarbeit aus seiner Tabuzone zu holen. Mit dem Projekt »Ehrenamt gegen häusliche Gewalt« ist ein Angebot geschaffen, um niedrigschwellig und zeitnah im sozialen und nahen Umfeld auf häusliche Gewalt reagieren zu können. So will der Stadtteilverein die gesellschaftliche Ächtung häuslicher Gewalt fördern das sozial-räumliche Umfeld von Gewaltbetroffenen und Gewaltausübenden für das Problem sensibilisieren und ihre Handlungsmöglichkeiten erweitern Zivilcourage und nachbarschaftlichen Zusammen12	

halt stärken das Klima des Zusammenlebens im Stadtteil verbessern sowie Betroffenen den Zugang zu Unterstützungsangeboten und Beratungsstellen ermöglichen und erleichtern und Täter in ihrem Handeln stoppen und in die Verantwortung nehmen. Im Mittelpunkt des Projektes »Ehrenamt gegen häusliche Gewalt« stehen der Aufbau und die Etablierung einer ehrenamtlichen Aktionsgruppe. Fünf bis zwölf Frauen sollen in Zusammenarbeit mit der »Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen« (BIG e. V.) als erste Ansprechpartnerinnen für Betroffene geschult werden. Zwei Fortbildungsdurchgänge fanden bereits statt, so dass inzwischen acht Frauen für diese verantwortungsvolle Aufgabe zur Verfügung stehen. Die ehrenamtlich tätigen Frauen geben Informationen zu Hilfsangeboten und Beratungsstellen. Gleichzeitig planen sie öffentliche Aktionen und Kampagnen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Um den Frauen der Aktionsgruppe Rückhalt im privaten und öffentlichen Umfeld zu bieten, sind auch männliche Familienangehörige aufgerufen, sich für einen Stadtteil
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

ohne Gewalt zu engagieren. Zudem ist ein Netzwerk mit Bildungsinstitutionen, Religionsgemeinschaften, sozialen Einrichtungen, Kulturszene und lokalem Gewerbe geknüpft. Das Projekt »Ehrenamt gegen häusliche Gewalt« steht unter der Schirmherrschaft von Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke und wird gefördert vom Bundesministerium für Inneres. Darüber hinaus findet das Vorhaben Unterstützung durch eine Begleitrunde mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Verwaltung des Bezirks Mitte, der Polizei und umliegenden Sozial- und Bildungseinrichtungen.

Wissenswertes Projektkoordinatorin: Henrike Krüsmann, Stadtteilverein Tiergarten e. V., Kluckstraße 11, 10785 Berlin, Tel.: 030 39 20 98 21, E-Mail: gegengewalt@stadtteilverein.eu, stadtteilverein.eu
November / Dezember 2015

ÄLTERE MENSCHEN

Unterm Dach der Gräfin
Seniorentagespflegestätte der Hildegard Gräfin von Koenigsmarck Stiftung feiert 20-jähriges Jubiläum

FAMILIE

Fachtagung: »Der vorgezeichnete Weg?«

Tauwetter thematisiert zum Jubiläum sexualisierte Gewalt gegen Jungen

Garten-Idyll der Pflegestätte

FOTO: HILDEGARD GRÄFIN VON KOENIGSMARCK STIFTUNG

ller Anfang ist bekanntlich schwer. So war es auch, als am 11. September 1995 die Seniorentagespflegestätte in der Zehlendorfer Limastraße zum ersten Mal die Türen für pflegebedürftige Seniorinnen und Senioren öffnete. Untergebracht unweit des Schlachtensees, in der rollstuhlgerecht umgebauten Villa der namensgebenden Stifterin Hildegard Gräfin von Koenigsmarck, wird hier seitdem die Lücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung ausgefüllt. Das Angebot richtet sich an pflegende Angehörige, welche durch die Tagespflege bei der täglichen Betreuung entlastet werden. Die Ausrichtung zielt dabei auf ältere Menschen aller Pflegestufen. Die Seniorentagespflegestätte der Hildegard Gräfin von Koenigsmarck Stiftung war seinerzeit eine der ersten Einrichtungen dieser Art im Land Berlin – und die Zahl der Zweifler überstieg die Zahl derjenigen, die von der Idee überzeugt waren bei weitem. Inzwischen existieren über 80 solcher Einrichtungen im Land Berlin und so war der Anlass zur Freude groß, als auf den Tag genau am 11. September 2015 das 20jährige Jubiläum begangen werden konnte. Der Einladung zum Fest folgten nicht nur die Tagesgäste und deren Angehörige, sondern auch ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ehemalige und jetzige Vorstandsmitglieder der Stiftung, frühere und aktuelle ehrenamtliche Helfer sowie die Mitarbeiter der
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Fahrdienste, welche die Gäste täglich bringen und nachmittags abholen. Insgesamt feierten über 100 Gäste und Mitarbeiter, genossen das reichhaltige, vom Kooperationspartner Krankenhaus Waldfriede zubereitete Buffet, freuten sich über die Späße von Clownin Brischitt von den »Roten Nasen e.  und die Musik des Duos »Saite V.« an Saite«. Auch der hauseigene Chor »Immergrün« gratulierte der Tagespflege und dem Team mit einem selbstgedichteten Lied zur Melodie des Schlagers »An der krummen Lanke«. Allenthalben wurde die berechtigte und optimistische Zuversicht geäußert, dass die Seniorentagespflegestätte noch viele weitere Jubiläen begehen wird. Dafür sorgt nicht zuletzt das Team aus Krankenschwestern, Pflegekräften sowie therapeutischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie alle leben den im Leitbild der Stiftung festgehaltenen Grundsatz eines respektvollen und wertschätzenden Umgangs. Die Gäste mit all ihren Charaktereigenschaften und ihren gelebten Erfahrungen stehen im Mittelpunkt der täglichen Arbeit. Alles in allem eine gute Basis für künftige Jubiläen in der Villa im Grünen, so dass für viele ältere Menschen weiterhin die Möglichkeit existiert: »Zu Hause wohnen – in Gemeinschaft leben«.
Wissenswertes Mehr Informationen unter seniorentagespflegestaette.de
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

In der Alten Feuerwache in Kreuzberg fand am 23. Oktober mit Unterstützung des Paritätischen Berlin ein Fachtag zur »Geschlechtskons­ truktionen nach sexualisierter Gewalt gegen Jungen« statt. Anlass war das 20-jährige Bestehen der Anlaufstelle Tauwetter, für Männer* die in Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren. Die Vorsitzende des Paritätischen Berlin, Prof. Barbara John, gratulierte dem langjährigen Mitglied zum 20-jährigen Bestehen. Der unabhängige Beauftrage für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, führte aus, dass die Finanzierung der Fachstellen gegen sexualisierte Gewalt nach wie vor unzureichend sei und bilanzierte die politische Entwicklung seit dem Runden Tisch. Im Plenum und in elf Workshops wurde der Frage nachgegangen, ob es sich wirklich um einen »Vorgezeichneten Weg« handelt, den betroffene Jungen gehen, oder ob es nicht noch etwas anderes gibt, als Macker oder Looser zu werden. Das Ergebnis war eindeutig: Jeder Junge hat seinen eigenen Weg, aber sie sind dabei mit ähnlichen Herausforderungen in Form von Rollenklischees und Zuweisungen konfrontiert. Etwa 100 Teilnehmende verfolgten als Abschluss den Vortrag von Dr. Dirk Bange, der die Entwicklung der letzten 20 Jahre Revue passieren ließ. Beiträge zum Jubiläum sind auch in der Broschüre »Wie wir wurden, was wir sind – ein Rückblick auf die ersten 20 Jahre« zu finden, die über Tauwetter (tauwetter.de) zu beziehen ist. Die Rede des unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs finden Sie unter beauftragter-missbrauch.de/ presse-service/reden

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EHRENAMT

Rückblick auf den elften Dankeschön-Brunch
Der Paritätische Wohlfahrtsverband ehrte am 31. Oktober 2015 freiwillig Engagierte im Hotel Sylter Hof

Dankesworte und gutes Essen im Hotel Sylter Hof

FOTO: MARTIN THOMA

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n bereits schöner Tradition sagte Barbara John, Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Berlin, am 31. Oktober »Danke« für zahlreiche Stunden freiwilligen Engagements. Ihr Dank richtete sich an die hundert Gäste, die zum Dankeschön-Brunch in das Hotel Sylter Hof gekommen waren, aber stellvertretend auch an die tausenden Ehrenamtlichen in Berlin, die sich gemeinsam mit den Hauptamtlichen der Mitgliedsorganisationen des Paritätischen für ein sozialeres Berlin engagieren. Allein in den rund 700 Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Berlin sind über 30.000 Ehrenamtliche aktiv und leisten mit ihrem Einsatz einen immensen Beitrag. Eine herzliche Begrüßung und viel Dank Unmittelbar nach der Begrüßung durch den Hotelmanager Jörg Fritze hieß Barbara John die gut gelaunten Gäste im Sylter Hof in der Kurfürstenstraße in Schöneberg willkommen. Anschließend fand Staatssekretärin Hella Dunger-Löper passende Worte, als sie die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für die Gesellschaft herausstellte. Erst das Engagement mache die Gesellschaft zu dem, was sie ist, so die Beauftragte des Landes Berlin für das Bürgerschaftliche Engagement. Das Buffet bot wieder einmal ein ansprechendes Angebot und reichlich Auswahl. Das Hotelpersonal kümmerte sich aufmerksam um das Wohl der hundert Gäste. Wirtschaft und Wohlfahrt wirken beispielhaft zusammen Markus Bähr, Geschäftsführer des Hotels, nahm vor elf Jahren gern die Idee des Paritätischen Berlin auf, einen Dankeschön-Brunch zugunsten von Ehrenamtlichen zu fördern. Die Räume werden kostenlos zur Verfügung gestellt, das Buffet durch Spenden unterstützt. Das Hotelpersonal konnte gewonnen werden, hier mitzumachen. Der F&B Manager, der
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Restaurantleiter und der Küchenchef sind in all den Jahren mit dem Brunch für Ehrenamtliche vertraut und angenehme Partner dieses Events. Diese Atmosphäre des Willkommens macht aus jedem Brunch ein besonderes Ereignis. Nach dem Zufallsprinzip entsteht eine immer neue Mischung der Gästeliste. So ist dafür gesorgt, dass das gesamte Spektrum der freiwilligen Arbeit in den Mitgliedsorganisationen erfasst ist und die Anwesenden stellvertretend für die rund 30.000 Ehrenamtlichen durch die Einladung geehrt werden. Viele Kontakte sind hier entstanden. Auch Gastgeberin Barbara John, Geschäftsführer Oswald Menninger, seine Stellvertreterin Dr. Gabriele Schlimper, Vorstandsmitglied Dominik Peter und Staatsekretärin Hella Dunger-Löper unterhielten sich gern mit den Gästen. Ehrungen für besonderes Engagement Der Paritätische pflegt die Kultur der Anerkennung und zeichnet jährlich rund 20 Ehrenamtliche mit besonderen Verdiensten für langjähriges Engagement aus. Beim Dankeschön-Brunch wurden deshalb im Verlauf der Veranstaltung drei Ehrennadeln in Gold vergeben. Ausgezeichnet wurden Regina und Heinz Miels, die sich seit 60 Jahren im Gemeinwesen in Pankow sowie im Unionhilfswerk engagieren. Karsten Hackradt, der seit Jahrzehnten ehrenamtlich im Katastrophenschutz für den Arbeiter-Samariter-Bund aktiv ist, wurde geehrt. Derzeit steht für ihn die Versorgung der Flüchtlinge im Vordergrund. Auch in diesem Jahr konnten die Gäste wieder an einer Verlosung teilnehmen. Insgesamt wurden sechs Karten für je zwei Personen für das Theater der ufaFabrik zum Abschluss des Dankeschön-Brunchs verlost. Die glücklichen Gewinnerinnen und Gewinner wurden von Barbara John ausgelost und hielten kurz darauf die Aussicht auf einen besonderen kulturellen Genuss in den Händen. Die Karten sind Spenden des Theaters der ufaFabrik.  VOLKER BERG
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PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

EHRENAMT

Im Einsatz für Katastrophenschutz und Notfallrettung
Ehrung von Karsten Hackradt für sein Engagement beim ASB

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arsten Hackradt war erst 16 Jahre alt, als er im Arbeiter-Samariter-Bund aktiv wurde. Seit Jahrzehnten investiert er seine Zeit und Kraft in die Rettung von Menschenleben – ob in seinem Beruf als Intensiv­ pfleger im Krankenhaus oder im Ehrenamt beim Dienst im Rettungswagen und bei der technischen und planerischen Koordination im Katastrophenfall. Vom Jugendleiter im Ortsverband Wedding führte ihn seine ehrenamtliche Laufbahn im ASB zum Ortsverband Spandau, wo er Zugführer im Sanitätszug und technischer Leiter wurde. Danach war er Rettungsdienstverantwortlicher und stellvertretender Fachdienstleiter für den Krankentransport in Reinickendorf und schließlich Dienstkoordinator im Regionalverband Nordwest. Im Fernmeldezug des Landesverbands engagierte er sich über einen Zeitraum von zehn Jahren. Seit 2012 ist er Fachdienstleiter des Katastrophenschutzes. Karsten Hackradt hilft, wann immer er gebraucht wird. So errichtete er Ende 2014 und Anfang 2015 über die Feiertage mit dem Katastrophenschutz und anderen Fachdiensten des

Gut gelaunt: Karsten Hackradt und Barbara John

FOTO: MARTIN THOMA

ASB Notfallunterkünfte für über 700 Flüchtlinge und fand dabei noch Zeit, weitere Ehrenamtliche zu gewinnen, die den Bewohnerinnen und Bewohnern Deutschkenntnisse vermitteln. Karsten Hackradt ist weit über den ASB hinaus wegen seiner fachlichen Kompetenz und Erfahrung hoch angesehen. Aber auch als eine echte Vertrauensperson und jemand, der stets versucht, die Menschen an einen Tisch zu bringen, wird er geschätzt. Vom ArbeiFRAUEN

ter-Samariter-Bund erhielt er das Ehrenkreuz in Bronze, der Berliner Senat verlieh ihm das Feuerwehr- und Katastrophenschutz-Ehrenzeichen in Silber. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin zeichnet Karsten Hackradt für 34 Jahre fortwährenden ehrenamtlichen Einsatz zum Schutz von Menschenleben und zur Hilfe bei Katastrophen mit der goldenen Ehrennadel aus. Barbara John, Vorstandsvorsitzende des Paritätischen, PETRA ENGEL hielt die Laudatio. 

»Im Nachhinein erleben Frauen die Aufarbeitung als sehr intensive Zeit«
Fünf Fragen an Karin Blana, Geschäftsführerin von Silberstreif e. V.
Karin Blana ist psychosoziale Beraterin für Frauen und eine der Gründerinnen sowie Geschäftsführerin von Silberstreif e. V. Sie hat lange in der Krisenberatung gearbeitet. Der Verein Silberstreif wurde im Mai 2006 von sieben Frauen aus der Krisenarbeit gegründet, im nächsten Jahr ist also zehnjähriges Jubiläum. Die Fragen stellte Nina Peretz. Frau Blana, der Verein Silberstreif ist eine Selbsthilfeorganisation, die Unterstützung in Krisensituationen gibt. Wie darf man sich selbstorganisierte Krisenhilfe vorstellen, welche Angebote machen Sie? Karin Blana: Wir haben überwiegend Selbsthilfegruppen, angeleitete und
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nicht angeleitete, für Frauen mit einer Reaktiven Depression. Bei Bedarf bieten wir auch Einzelberatung an, die aber überwiegend von Frauen angenommen wird, die schon einmal in den Gruppen waren. Silberstreif schließt eine Lücke, zumindest in Berlin. Es gibt meines Wissens bislang keine Organisation, die sich speziell und so niederschwellig für diese Frauen einsetzt. So ist der Verein auch entstanden: Ich war lange in der Krisenarbeit und -beratung tätig und wusste nie, wohin ich die Frauen weitervermitteln konnte, die normale Lebenskrisen zu verarbeiten hatten, Situationen, in denen einfach
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

schmerzhafte Prozesse durchgearbeitet werden müssen. Für die Frauen gab es so gut wie nichts. Die meisten Selbsthilfegruppen in diesem Bereich konzentrieren sich auf schwere Depressionen oder sind oft Kliniken angegliedert. Innerhalb kürzester Zeit nach der Gründung von Silberstreif waren drei Gruppen voll. Für unsere tägliche Arbeit ist der Einsatz Ehrenamtlicher unheimlich wichtig. Insofern bin ich sehr dankbar für jede Ehrenamtliche, die hier her kommt. Oft sind das sehr gut ausgebildete Frauen, die hier ihre Kompetenzen einbringen und den Verein damit auch
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FRAUEN

weiter bringen. Das wäre sonst überhaupt nicht leistbar. Eines Ihrer Schwerpunktthemen ist die Begleitung bei Reaktiven Depressionen. Was sind die Ursachen und Merkmale dieser Form der Depression? Karin Blana: Die Ursachen sind Schicksalsschläge: Trennung oder Scheidung, Jobverlust oder der Auszug der Kinder. Wir haben hier überwiegend kluge, gut ausgebildete Frauen, die ihr Leben gemeistert, oft Familienarbeit und berufliche Karriere unter einen Hut gebracht haben, bis eine einschneidende schmerzhafte Veränderung ihnen die Füße wegreißt. Diese Frauen sind daran gewöhnt, alles zu selbst zu managen, und sind nun erschrocken, dass sie sich plötzlich nicht mehr wiedererkennen: Sie können sich nicht mehr richtig erholen, sind unkonzentriert, verlieren die Nerven, gehen weinend zum Hausarzt. Viele der Frauen haben teilweise noch nie alleine gewohnt, sind vom Elternhaus direkt in die Ehe gegangen und fallen von einem Schock in den nächsten. Die Reaktive Depression ist aber eine akute Situation, sozusagen wie der grippale Infekt, während die schwere Depression die Grippe ist. Nach überstandenem »Infekt« sind die meisten stärker als vorher, weil sie viel über sich gelernt und erfahren haben, ähnlich einem gestärkten Immunsystem. Im Nachhinein erleben die Frauen die Aufarbeitung als sehr intensive Zeit. Der Name »Reaktive Depression« wurde im Übrigen durch eine neue Übersetzung der WHO ersetzt: Den neuen Namen »Anpassungsstörung« finde ich sehr ungeschickt, weil die Frauen denken, sie könnten sich nicht anpassen. Das wirkt natürlich noch einmal wie eine Keule von oben. Wie und mit welchen Methoden können Selbsthilfe-Angebote bei einer Reaktiven Depression unterstützen? Karin Blana: In der Selbsthilfegruppe können die Frauen erst einmal reden, als Gleichgesinnte, die sich verstehen und verstanden fühlen. Im Verbund der Gemeinschaft unterstützen sie sich, trösten und stabilisieren sich langsam wieder, um die Krise schließlich zu überwinden. Wichtig ist auch, dass manche Frauen in den Gruppen schon länger dabei und mit ihrer Aufarbeitung schon weiter fortgeschritten sind als andere. Diese können den
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Frauen helfen und Mut zusprechen, die ganz neu sind, und ihnen begreiflich machen: Das wird schon, irgendwann tut es nicht mehr weh. Gemeinsam gehen sie auch ins Café oder ins Museum, was viele zuletzt vor 30 Jahren allein getan haben. Der Freundeskreis ist dagegen nach einer gewissen Zeit überfordert und hat das Gefühl, zu kurz zu kommen: Die meisten Menschen sehen Freundschaft als ein Geben und Nehmen. Wenn sie in die Position des ausschließlich Gebenden gegenüber der ausschließlich Nehmenden, Bedürftigen kommen,

gleich wieder stabil ist. Langfristig aber sind nach meiner Erfahrung die Frauen die Sieger, weil sie das Ganze aufarbeiten und keine Altlasten mit sich herumtragen. Wie reagiert unsere Gesellschaft, wenn eine Frau an Depressionen leidet? Darf eine Betroffene damit Ihrer Erfahrung nach offen umgehen? Karin Blana: Wünschen würde ich mir, dass es genauso normal ist, eine Reaktive Depression zu haben wie ein gebrochenes Bein oder ein Magenleiden. Das

entsteht auf beiden Seiten ein Gefühl des Unwohlseins: Die Frauen merken, dass sie den Freundeskreis strapazieren und der Freundeskreis signalisiert, »Nun muss auch einmal gut sein«. Es ist aber noch nicht gut. Und die Familie macht sich große Sorgen und versucht, das Leiden der Tochter zu verkürzen. Aber die Tochter braucht Zeit. Also beginnt sie, gegenüber Freunden und Familie zu schweigen und zu lächeln. Sie verkriecht sich zuhause, weint dort allein und kommt in das Rad von Isolation und Depression. Bei einer Reaktiven Depression entstehen, wie bei einem grippalen Infekt Folgeschäden, wenn nicht gehandelt wird. Ihre Beratungs- und Gruppenangebote richten sich speziell an Frauen. Ticken Frauen in Krisensituationen anders als Männer, sind sie anfälliger? Karin Blana: Nein, ich würde nicht sagen, dass Frauen anfälliger für Krisen sind. Aber Frauen bemerken schneller, dass sie Hilfe brauchen. Sie sind meist auch eher in der Lage, sich Hilfe zu suchen und sich zu öffnen. Männer gehen mit Krisen ganz anders um: Sie machen ihre Probleme häufiger mit sich selbst aus und sind in der Regel nicht so mitteilungsfreudig. Deshalb scheint es zunächst bei Frauen schwieriger zu sein, anfangs beneidet jede Frau den Mann, weil dieser die Krise vermeintlich besser wegsteckt, nicht so erschüttert und
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

ist es aber nicht: In der Bevölkerung fehlen Wissen und Informationen. Vieles wird generalisiert und in einen Topf geworfen: Depressionen und Psychosen, Antidepressiva und Neuroleptika, Psychiater und Psychotherapeuten. Und dann wundern sich die Menschen, dass der Psychiater nicht mit ihnen reden möchte. Ich weiß ja auch nicht, welche Krebsarten schlimmer und welche harmloser sind. Neben den gravierenden Informationslücken herrschen natürlich auch Vorurteile und Ängste, was alle seelischen Krankheiten betrifft. Deswegen würde ich davon abraten, sich im Beruf zu outen, ebenso im Jobcenter. Es besteht einfach die Gefahr, dass man in der falschen Schublade landet – auf Dauer nicht belastbar  – , da auch nicht mehr heraus kommt und Nachteile erleidet. Ich würde eher sagen, dass man privat gerade eine anstrengende Situation durchmacht, aber mehr nicht. Denn es ist natürlich gut zu wissen, dass man gerade nicht so belastbar ist, so dass die Kollegen wissen, dass sich eventuelle Fehler nicht aus Dummheit, sondern aus momentaner Überforderung einschleichen, weil gerade bestimmte Dinge verarbeitet werden müssen. Bei Trennungen oder Scheidungen bringt die Gesellschaft üblicherweise mehr Empathie und Akzeptanz auf.
Wissenswertes Mehr unter silberstreif-ev.de
November / Dezember 2015

GESUNDHEIT

Neues Projekt »Früh geborgen«
Ganzheitliche Begleitung für Familien mit Frühchen

LANDESGESCHÄFTSSTELLE

Aufruf zur Benennung: Ehrungen durch den Paritätischen Berlin 2016
Der Paritätische Berlin bietet Mitgliedsorganisationen jährlich die Möglichkeit, Vorschläge für Auszeichnungen einzureichen. Die Geschäftsführenden der Mitgliedsorganisationen können engagierte Ehrenamtliche für eine Auszeichnung mit der Paritätischen Ehrennadel in Silber oder in Gold vorschlagen. Die Voraussetzungen sind: Außergewöhnliches Engagement für ein soziales Thema in Anbindung an eine Mitgliedsorganisation. Die Ehrennadel in Silber setzt ein mindestens 10-jähriges Engagement voraus (Ausnahmen bei jüngeren Menschen in Einzelfällen). Die Ehrennadel in Gold setzt ein mindestens 25-jähriges Engagement voraus. Bitte richten Sie Ihre Vorschläge mit der Betreffzeile »Ehrungen Parität Berlin 2016« bis zum 4. Januar 2016 an presse@paritaet-berlin.de Ergänzend zur ausführlichen Begründung benötigen wir folgende Angaben: Vor- und Zuname, Geburtsdatum, Anschrift und Beruf, ggf. Angaben zu bereits erfolgten Ehrungen oder Auszeichnungen.
JUGENDHILFE

Besonderer Schutz und Begleitung in den ersten Lebensjahren

FOTO: WEG DER MITTE GEM. E.V.

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as Ausbildungs- und Gesundheitszentrum Weg der Mitte e.  in BerV. lin Zehlendorf bietet seit September 2015 das Projekt »Früh geborgen« an. Alle Frühchen-Familien können das Projekt »Früh geborgen« von der Geburt des Kindes bis zur Einschulung als kostenfreie Soforthilfe ohne Antragstellung und Hilfeplan nutzen. Das Weg der Mitte-Projektteam besucht die Familien zuhause und berät zur sicheren Eingliederung in den Alltag. Gemeinsam werden innerfamiliäre Bedürfnisse, Erwartungen und Ressourcen ermittelt. So können Unsicherheiten der Eltern abgebaut, die Hilfe zur Selbsthilfe gefördert werden und sich die Bindung zwischen Eltern und Kind vertiefen. Das stärkt das Selbstwertgefühl und die elterliche Kompetenz und das Kohärenzgefühl, aus dem sich die Resilienz entwickelt, also die Chance, Anforderungen und Stressoren zu bewältigen und sogar gestärkt daraus hervor zu gehen. Lange Klinikaufenthalte können zu Entfremdungen sowohl von den Partnern, als auch von den Geschwisterkindern führen. Das Projekt »Früh geborgen« gibt Impulse zur Beziehungsförderung und familiären Entspannung. Geboten wird außerdem praktische Unterstützung in der Baby- und Kinderpflege und Hilfen im Bereich der Still- und Trageberatung. Zur Förderung der Eltern-Kind-Beziehung steht das Angebot der aufsuchenden ganzheitlichen Babymassage zur Verfügung. Auf Wunsch der Eltern kann eine aktive BeNovember / Dezember 2015	

gleitung zu wichtigen Anlässen (Ämter, Bildungsangebote) erfolgen. Das Projekt »Früh geborgen« gibt Hilfestellung zur Integration der Familien in ihrem sozialen Umfeld. Die Mitarbeiter sehen die Familie als ersten Bildungsort an, stärken die Bildungskompetenzen, beraten bei Bedarf zu Bildungsübergängen (Familie – Kita, Kita– Schule) und begleiten aktiv zur Verbesserung gesellschaftlicher Teilhabe. Ein dreijähriges Recall ermöglicht den Eltern in der jeweiligen Lebenssituation adäquate und weiterführende Hilfsangebote und das Elterntelefon rundet dieses einzigartige Angebot ab. Das erfahrene Team der Sozialen Dienste setzt sich zusammen aus Sozialpädagogen, Erziehern, staatlich anerkannten Familienpflegern, Kinderschutzbeauftragten, sowie beratenden Fachkräften und Elternbegleitern (BMFSFJ). Die Projektkoordinatorin ist selbst Frühchen-Mutter eines Mädchens aus der 26. Schwangerschaftswoche und freut sich, dass dieses rein aufsuchende Angebot Eltern weit über das erste Lebensjahr begleitet und den Familien aktiv und nachhaltig zur Seite steht. »Früh geborgen« ist gefördert von der Aktion Mensch.
Kontakt Sabine Leitner, Projektkoordination »Früh geborgen« Telefon: 030 814 10 68 fruehgeborgen@wegdermitte.de, wegdermitte.de/sozialedienste Weg der Mitte gem. e. V. Ahornstr. 18 14163 Berlin-Zehlendorf
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

Beiträge auf dem Blog »jugendhilfe-bewegt-berlin« in den vergangenen vier Wochen
·	 Hilfen aus einer Hand – auch für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen – Appell für eine inklusive Lösung ·	 10 Jahre »Kontakt« an der Gustav-Langenscheidt-Schule – Aufsuchende Zusammenarbeit mit Eltern in Schöneberg ·	 Vorschlag eines »Landesprogramm Patenschaften für Flüchtlings­ kinder« ·	 Aufnahme unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge im Betreuten Jugendwohnen – Kriterien für eine mittel- und langfristige Aufnahme, vorgelegt vom AK BJW im Paritätischen Berlin Alle Beiträge und noch viel mehr unter jugendhilfe-bewegt-berlin.de Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

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Patenschaften: »Verlässlichkeit ist ein hoher Wert in diesen unbeständigen Zeiten«
Fünf Fragen an Andrea Brandt, Koordinatorin des Patenschaftsprogramms von biffy e. V. Berlin

Andrea Brandt

FOTO: PRIVAT

Andrea Brandt hat das biffy-Patenschaftsprogramm als eines der ersten seiner Art bundesweit aufgebaut. Seit 2001 hat die gebürtige Berlinerin zusammen mit Kolleginnen und Kollegen etwa 1000 Patenschaften in ganz Berlin vermittelt und begleitet. Damit ist sie eine der erfahrensten Koordinatorinnen in Deutschland. Dank ihres Know-hows wird sie immer wieder von Projekten um Beratung gebeten. Sie ist gleichzeitig seit 2004 Leiterin der FreiwilligenAgentur KreuzbergFriedrichshain und dadurch mit allen Aspekten des Freiwilligenmanagements vertraut. Frau Brandt, seit 2004 organisiert biffy Berlin e. V. Patenschaften und blickt damit auf über zehn erfolgreiche Jahre Engagement zurück. Nun ist das Projekt in Gefahr. Wie steht es gerade um die Zukunft von biffy Berlin? Andrea Brandt: Wenn wir keine neue stabile Finanzierung – durch die Bewilligung eines Antrags und höhere Spenden­ einnahmen – hinbekommen,
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sieht es für 2016 nicht gut aus. Seit September arbeiten wir alle bereits ehrenamtlich: eine Koordinatorin und ein Koordinator, unser Kollege der Öffentlichkeitsarbeit und der Vorstand. Das heißt, wir begleiten über 230 aktive Patenschaften, nehmen neue interessierte Familien, Patinnen und Paten auf, vermitteln sie, kümmern uns gemeinsam um finanzielle Perspektiven und unser Fortbestehen ohne Bezahlung. Wir tun das, weil wir uns den biffy-Kindern, den Eltern, Paten und Interessierten verpflichtet fühlen und sie mit ihren Anliegen nicht allein lassen wollen. Außerdem erleben wir jeden Tag, wie viele alleinerziehende Familien unser Angebot brauchen, gerade in Zeiten, in denen die Familienhilfeleistung für die Einzelnen immer weiter gekürzt wird, weil so viele weitere Familien Unterstützungsbedarf haben. Auch deren Hoffnungen wollen wir nicht enttäuschen. Denn mit einer Patenschaft gePARITÄTISCHER RUNDBRIEF

winnen alle Seiten: Die Kinder eine zusätzliche Bezugsperson und Anregungen, die Eltern(teile) eine Atempause im oft so erschöpfenden Alltag, die Patinnen und Paten Erlebnisse und schöne Stunden mit Kindern. Wie könnten wir also ein so wunderbares Angebot einfach sterben lassen, das so viele erfolgreiche Patenschaften hervorgebracht hat, mit denen Kinder über Jahre heranwachsen durften? Wir können aber die viele Arbeit, die damit verbunden ist, nicht dauerhaft ehrenamtlich leisten, denn dann fehlt uns die eigene Lebensgrundlage. Wie genau funktioniert eine Patenschaft, wie wird man Pate oder Patin bei biffy? Andrea Brandt: Ein Pate oder eine Patin engagiert sich zunächst für ein Jahr einmal wöchentlich für ein Kind oder einen Jugendlichen beziehungsweise eine Jugendliche, verbringt und gestaltet
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mit ihm oder ihr Freizeit, je nach dem, was beide interessiert und ihnen Spaß macht. Manche treiben Sport, andere kochen gemeinsam, sind kreativ oder tauschen sich aus. Sie lernen dabei vonund miteinander, entdecken Neues, können sich ausprobieren. Durch die gemeinsamen Aktivitäten entsteht mit der Zeit Verbindung, Vertrauen und Freundschaft. Über 40 Prozent unserer Patenschaften sind heute drei Jahre und älter. Warum? Weil nach einem Jahr viele so »zusammengewachsen« sind, dass sie wissen, was sie einander bedeuten, und ihre Beziehung gerne fortsetzen wollen. Patinnen und Paten werden Menschen, die eine Familie unterstützen möchten, ein Kind ernst nehmen und unsere Rahmenbedingungen erfüllen: An einem Erstgespräch, einem vorbereitenden Workshop und Begleitveranstaltungen teilnehmen und uns regelmäßig über den Verlauf ihrer Patenschaft informieren. Außerdem müssen sie in kniffligen Patenschaftssituationen auch mal zu einem Klärungsgespräch bereit sein. Ziel ist stets, dass alle Seiten miteinander zufrieden sind. Weshalb ist es für die Jugendlichen – und auch für die Paten – so wichtig, dass die Arbeit im Programm langfristig und nachhaltig erfolgen kann? Andrea Brandt: Weil sie kontinuierliche Begleitung mit beständigen Ansprechpersonen brauchen, wie unsere Erfahrung zeigt. Sie bauen über lange Zeit eine Beziehung auf, in der es, wie in allen Beziehungen, auch mal Konflikte gibt. Wenn wir diese mit ihnen bearbeiten und klären können, stabilisiert das die Patenschaften. Wie Studien bestätigen, sind die positiven Wirkungen umso größer, je länger die Beziehungen dauern. Für uns ist es zudem eine wichtige Form der Anerkennung, die Patinnen und Paten in ihrem Engagement zu unterstützen und zu stärken. Viele von ihnen betreuen Kinder mit verschiedenen Problemen. Da ist es notwendig, dass wir den Freiwilligen mit Rat zur Seite stehen und Wege zeigen. Natürlich möchten Familien und Patinnen über ihre persönlichen Empfindungen und Einschätzungen lieber mit einer Person sprechen, die ihnen vertraut ist. Mit permanent wechselnden Ansprechpartnern geht das nicht, dann müssten sie diese sensiblen Situationen ja ständig neuen Personen schildern. Unsere Beständigkeit ist die Voraussetzung für beständige Patenschaften,
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dadurch fühlen sich viele der Beteiligten an unser Team gebunden. Sie wissen, worauf sie sich stützen können, was sie erwarten dürfen und können, nämlich: Dass wir anfangs geduldig suchen, bis die passende Konstellation gefunden ist, ihnen danach zuhören, sie verstehen, ihnen Rat geben. Diese Verlässlichkeit ist doch ein hoher Wert in diesen unbeständigen Zeiten, finde ich. Und es ist schön zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln und von der Zuwendung ihrer Patinnen und Paten profitieren. Neulich schrieb uns ein Mädchen: »Das, was meine Patin für mich bedeutet, ist nicht in Worte zu fassen.« Und ein Junge sagte zu seinem Paten nach ihrem Treffen: »Heute war der schönste Tag in meinem Leben!« Was müsste von Seiten der Politik und Verwaltung passieren, damit ein Patenschaftsprogramm wie biffy langfristig planen und damit erfolgreich arbeiten kann? Andrea Brandt: Ich möchte diese Frage zunächst auf eine gesellschaftliche Dimension erweitern, die uns alle betrifft: Wir alle müssen neu darüber nachdenken, was uns unser Sozialwesen und Gemeinschaft wert sind. Seit Jahrzehnten glauben wir das – leider überwiegend von der Politik – verbreitete Credo, der soziale Bereich sei zu teuer. In der Folge wurde überall in der Kinder- und Jugendarbeit und in der Bildung eingespart, viele Regelfinanzierungen sind gestrichen und nur noch Projekte gefördert worden. Eigentlich hatte Projektförderung mal den Sinn, etwas zu erproben, um es dann, wenn es sich bewährt hat, in ein Regelangebot zu überführen. Bedauerlicherweise reihen sich aber inzwischen endlos Projektfinanzierungen aneinander, die obendrein nur mit größeren Anteilen von Eigenmitteln erreichbar sind. Was das in der Praxis bedeutet, zeigt unser Beispiel biffy Berlin e.  überV. deutlich: Ein kleiner Verein mit hoch engagierten Menschen ist immer wieder existenzbedroht, weil das Eigenkapital nicht ausreicht oder die errungene Projektförderung befristet ist und nach ein bis drei Jahren wieder endet. Obendrein soll für letztere immer wieder ein neuer innovativer Ansatz gefunden werden. Und das, obwohl das bestehende Angebot hoch nachgefragt ist und sich – wie in unserem Fall – über 15 Jahre bewährt hat Die meisten sozialen Träger in unserer Situation beenden ein solches Angebot,
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sobald es nicht mehr finanziert wird, und fangen mit einem neuen Projekt von vorne an. Wir dagegen erhalten die Kontinuität aufrecht, ernten aber Ablehnungen, weil unsere Förderanträge angeblich zu nah am bestehenden Angebot lägen. So kommt es zu der absurden Situation, dass wir einem steigenden Bedarf gegenüberstehen, aber immer wieder ehrenamtlich arbeiten! Wir tragen schon sehr viel bei, finden wir. Viele unserer Patinnen und Paten spenden sogar neben ihrer Zeit auch noch ihr Geld an den Verein. Und obwohl viele Familien mit sehr wenig auskommen müssen, tragen einige auch finanziell etwas bei. Politik und Verwaltung könnten endlich umdenken und ihren Beitrag zu einer Grundfinanzierung unseres Programms leisten. Immerhin beantworten wir einen gesellschaftlichen Bedarf für eine überproportional von Armut betroffene Gruppe: Alleinerziehende und Familien mit Migrationserfahrung. Wir brauchen eine Politik die ihre eigenen Aussagen, Kinder seien unsere Zukunft und das Engagement der Zivilgemeinschaft läge ihr am Herzen, ernst nimmt und konsequent danach handelt. Der Verein startet gerade eine »500 Freunde«-Kampagne. Wie genau können Interessierte unterstützen und helfen, damit es mit diesem erfolgreichen Programm auch in Zukunft weitergeht? Andrea Brandt: Die »500 Freunde«-Kampagne beruht auf einer Modellrechnung: Wenn 500 Menschen uns monatlich 15 Euro spenden, könnten wir unser derzeitiges Jahresbudget inklusive aller Kosten für Koordination, Öffentlichkeitsarbeit und Infrastruktur weitgehend abdecken. Zugleich hätten wir eine Grundlage für Projektanträge, für die wir Eigenmittelanteile nachweisen müssen. Wer also Teil eines fürsorglichen Berliner Netzwerks sein will, das Kinder fördert und Verantwortung verteilt, kann einer von 500 Freunden werden. Dabei hilft uns jeder Betrag. Natürlich sind uns auch alle willkommen, die sich als Pate oder Patin engagieren möchten. Oft haben Interessierte aber auch eigenen Ideen. Wir sind für verschiedenste Formen von Engagement dankbar und ansprechbar.
Wissenswertes Mehr unter biffy-berlin.de

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Broschüre »Der bezirkliche Jugendhilfeausschuss in der Praxis – von Fall zu Fall«
Neue Broschüre des Referates Jugendhilfe

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ernpunkte der Arbeit des Referats Jugendhilfe sind unter anderem, Verbindungen zwischen Theorie und Praxis herzustellen, unsere Mitgliedsorganisationen im Alltag zu unterstützen und Impulse für die Berliner Jugend(hilfe)politik zu geben. Diese Politik wird wesentlich in den Berliner Bezirken (mit)gestaltet und geprägt. Wir verfolgen die Geschehnisse in den einzelnen Bezirken, Regionen und Kiezen. Es bleibt auch nicht aus, die Arbeit der Bezirksverordnetenversammlungen und ihrer Ausschüsse zu beachten und diese kritisch aber konstruktiv zu begleiten. So ist auch der Jugendhilfeausschuss im Fokus unseres Interesses. Mit unserem Forum Jugendhilfeausschüsse, das viermal jährlich stattfindet, bieten wir den Paritätischen Bürgerdeputierten und anderen Kolleginnen mit Bezug zum Paritätischen Berlin in den einzelnen bezirklichen Ausschüssen eine Möglichkeit, sowohl spezielle bezirkliche Interessen gegenüber dem Landes-

ratung Beispiele aus der Praxis der Jugendhilfeausschüsse besprochen. Diese Fallbeispiele legen wir nun gesammelt vor. Begleitet werden die Fallbeispiele durch Bilder aus der Praxis unserer Mitgliedsorganisationen; aus einer Praxis, die sich tagtäglich für und mit jungen Berlinerinnen und Berlinern einsetzt, Bildung, Betreuung und Erziehung in unserer Stadt zu verwirklichen. Wenn diese Broschüre einen kleinen Teil dazu beitragen kann, die Arbeit in den bezirklichen Jugendhilfeausschüssen zu unterstützen, aus der in der Folge eine stärkere Kinder- und Jugendhilfe erwächst, dann freut uns dies zuallererst für die jungen Berlinerinnen und Berliner.  ANDREAS SCHULZ, REFERENT FÜR KINDER- UND JUGENDHILFE verband zu vertreten aber auch Positionen abzustimmen und zu finden, die im besten Falle in die Bezirke zurückwirken. Im Rahmen des Forums haben wir auch mit kompetenter externer BeWissenswertes Die Broschüre finden Sie unter paritaet-berlin.de/verbandskommunikation/publikationen.html. Weiter Informationen zur Jugendhilfe erhalten Sie hier: jugendhilfe-bewegt-berlin.de

Junge Menschen in die Selbständigkeit führen!
Danke an die Deutsche Wohnen

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m Zuge einer Kooperation zwischen dem sozialen Träger »JaKuS – Perspektiven für junge Menschen« und der Immobiliengesellschaft Deutsche Wohnen konnten in den vergangenen Monaten sechs Wohnungen in Hellersdorf an sogenannte Careleaver übergeben werden, also an junge Menschen, die nach der Hilfe durch das Jugendamt eine Wohnung benötigen, um erfolgreich ins Erwachsenenleben zu starten. Frieder Moritz, Geschäftsführer der JaKuS, und Jugend- und Familienstadträtin Juliane Witt bedankten sich am 21. Oktober 2015 im Service Point der Deutsche Wohnen in Hellersdorf für die unkomplizierte Bereitstellung der Wohnungen. Als Schirmherrin des Wohnführerscheins, einer Projektidee aus Marzahn-Hellersdorf, freut sich die Jugendstadträtin über die gelungene Zusammenarbeit mit den Wohnungs20	

Übergabe der Dankesurkunde

FOTO: RESAT ARSEVEN

unternehmen: »Die Deutsche Wohnen hat sich gleich nach dem Start im Bezirk sehr für soziale Projekte eingesetzt und gerade hier in Hellersdorf schnell sichtbar sich engagiert. Dass inzwischen sechs Wohnungen für junge Menschen zur Verfügung gestellt werden konnten,
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klingt einfacher, als es ist. Vom ersten Gespräch bis zum gelingenden Mietvertrag ist es kein einfacher Weg, wenn es nach Jahren der Versorgung in die eigene Lebensführung geht.« »Die erste eigene Wohnung ist für junge Menschen ein wichtiger Schritt,
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um Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Wir möchten unseren Schützlingen dabei helfen und freuen uns über die Unterstützung der Deutsche Wohnen«, erklärt JaKuS-Geschäftsführer Frieder Moritz. Stefanie Steinfurth, Regionalleiterin Ost der Deutsche Wohnen Immobilien Management GmbH, nimmt stell-

vertretend für das Unternehmen den Dank entgegen. Sie beschreibt, warum das Engagement dem Unternehmen als auch ihr persönlich eine Herzenssache ist: »Als größte Wohnungsgesellschaft in Berlin übernehmen wir gesellschaftliche Verantwortung und setzen uns in vielfältiger Weise für junge Menschen ein. Daher unterstützen wir die Arbeit
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der JaKuS gerne und freuen uns über eine Fortsetzung der Kooperation.«

Wissenswertes Mehr Informationen zur JaKuS: jakus.org Mehr zur Deutsche Wohnen finden Sie unter deutsche-wohnen.com

Mit Entspannung und Achtsamkeit besser durch den Alltag
Kita Knirpsenbude als berlinweit erste YoBEKA©-Kita zertifiziert

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uten Morgen, Marike! Schön, dass du da bist!« Lächelnd reicht Janek dem Mädchen neben ihm im Kreis die Klangschale. Marike lässt den Gong ertönen. Die Kinder lauschen dem Klang nach, bevor das nächste Kind begrüßt wird. Dieses liebgewonnene Ritual gehört inzwischen fest zu ihrem Tag in der Kita. Heute sind die Kinder ein wenig aufgeregt und ihre Erzieherin erst recht: Mit einer 45-minütigen praktischen Einheit schließt sie ihre Ausbildung zur YoBEKA©-Trainerin ab. Ihre Prüfung ist zugleich die symbolische Zertifizierung der Kita Knirpsenbude durch das Kinderyoga-Bildungsinstitut yobee-active. YoBEKA© ist die Kombination aus Yoga, Bewegung, Entspannung, Konzentration und Achtsamkeit. Das ganzheitliche Konzept weckt Bewegungsfreude, ermöglicht Ruhe und Stille, fördert Achtsamkeit und Empathie. Es erhöht die Konzentrationsfähigkeit, wirkt aggressionsabbauend und fördert zudem die Sprachentwicklung der Kinder. Es befähigt die Kinder und Mitarbeitenden, den Alltag besser zu bewältigen, und fördert ihre körperliche und seelische Gesundheit. »Bei all dem Stress achtet man am wenigsten auf sich selbst.« 185 Kinder besuchen die Pfefferwerk-Kita Knirpsenbude in Köpenick. Ausgangspunkt für den Wunsch nach einer Veränderung der oft angespannten Arbeitssituation war, dass viele unserer 33 Erzieherinnen und Erzieher immer häufiger an die Grenze ihrer Belastbarkeit gerieten. Der Krankenstand war hoch. Wir stellten außerdem fest, dass auch viele Kinder gestresst und unkonzentriert waren und schwer zur Ruhe kamen. Hier wollten wir ansetzen. So starteten wir im Oktober 2012 mit unserer Teilnahme am Landesprogramm »Gute, gesunde Kita«, das die
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Aspekte Bewegung, Bildung und Gesundheit eng miteinander verknüpft. Als erstes setzten wir uns mit dem Thema Bildung – Gesundheit – Bewegung als einheitlicher Prozess im Kita-Alltag auseinander. Auf einem Fachtag des Landesprogramms wurde das Konzept YoBEKA© vorgestellt. Vermittelt wird YoBEKA© auf zwei Wegen: Zum einen können altersadäquate Erlebniseinheiten über einen Zeitraum von 20 bis 60 Minuten gestaltet werden. Zum anderen können zwei- bis fünfminütige Übungen auf der Basis von Yoga situationsgerecht in den Tagesablauf einfließen. Das traf genau unseren Nerv! »Die Ruhe- und Stilleübungen helfen uns, besonders stressige Situationen zu entspannen.« Am 6. Januar 2014 starteten wir unser Projekt mit einem Gesundheitsfachtag für alle pädagogischen Fachkräfte. Das yobee-active-Team führte uns in das gesundheitsfördernde YoBEKA©-Rhythmisierungsprogramm ein. Wir erlebten eine YoBEKA©-Einheit und durch ein Stressbewältigungstraining, wie es sich anfühlt, vollkommen entspannt zu sein. Von Januar bis Oktober 2014 wurden alle Mitarbeitenden in Rhythmisierungskursen geschult. Sie erlernten die YoBEKA©-Elemente und wurden vom yobee-active-Team bei der Umsetzung im pädagogischen Alltag begleitet. Fünf Mitarbeiterinnen wurden zu Trainerinnen ausgebildet. Außerdem wurden alle Gruppen mit den YoBEKA©-Grundmaterialien ausgestattet. »Ich bin jetzt fit und mach‘ gut mit!« Auch die Neugierde der Eltern hatten wir geweckt. Sie beobachteten ihre Kinder, wie sie Yoga-Übungen ausführten, Verse aufsagten und den äußerst beliebten Schüttel-Rap sangen. Im März 2014
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stellten wir den Eltern mit den Kindern unser Konzept vor. Die Eltern waren begeistert, wollten mehr erfahren. Seit Oktober 2014 bieten wir nun für interessierte Eltern monatlich eine YoBEKA©-Einheit in den Abendstunden an. »Sich während der Arbeitszeit eine Auszeit zu gönnen, ist das Größte!« Die Gesundheitsförderung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollten wir dauerhaft im Fokus behalten. Als ausgebildete YoBEKA©-Stressreduktionstrainerinnen lassen meine Kollegin und ich praktische Entspannungstechniken in den Tagesablauf einfließen und schaffen Wohlbefinden im Alltag. In die Teambesprechungen bauen wir Entspannungsrituale ein. Gemeinsam mit dem gesamten Team lassen wir Gesundheit täglich neu entstehen. Unser Ziel, die erste zertifizierte YoBEKA©-Kita in Berlin zu werden, haben wir erreicht. Es ist uns gemeinsam gelungen, YoBEKA© in unseren Alltag zu integrieren, das Stresslevel unserer Kinder zu reduzieren, die Gesundheit und Zufriedenheit unseres Teams zu stärken und den hohen Krankenstand zu senken. MARTINA BREITMANN, LEITERIN KITA KNIRPSENBUDE
Morgendliches Klangschalenritual
FOTO: PFEFFERWERK STADTKULTUR GGMBH

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Berlin zeigt sich in leuchtendem Orange
Rückblick auf den bunten Aktionstag des Berliner Kitabündnisses

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er sonst so graue 7. Oktober verwandelte sich vielerorts in einen leuchtend orangenen Farbentaumel. Tausende von Kindergartenkindern, begleitet durch ihre Erzieherinnen, Erzieher und engagierte Eltern, zogen durch die Stadt und machten mit vielfältigen Aktionen auf sich aufmerksam. Die Kinder des Pestalozzi-Fröbel-Hauses liefen, unterstützt durch die Fachschule, laut singend durch die Wilmersdorfer Straße. In der INA-Kita Dresdener Straße ließen die Kinder ihre Forderungen auf Ballons in die Luft steigen. Gemeinsame Aktion eines großen Bündnisses Die Aktion war Teil des diesjährigen Kita-Aktionstages, der durch das Berliner Kitabündnis ins Leben gerufen worden ist. Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von 21 Organisationen, darunter Elternvertretungen, Gewerkschaften, große Kitaträger und Kitaverbände. Die Erstunterzeichner vertreten nahezu alle Berliner Kitas in öffentlicher und freier Trägerschaft. Das Bündnis fordert mit der aktuellen Kampagne »Die 3 nächsten Schritte für bessere Kitas in Berlin!« wichtige Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung in Berliner Kitas: Einen verbesserten Personalschlüssel bei Kindern unter drei Jahren, eine verbesserte Leitungsausstattung in den Kitas und einen forcierten Kitaplatzausbau. Über 400 Kindertagesstätten haben sich im Rahmen dieser Kampagne an dem Aktionstag beteiligt Mit orangefarbenen Luftballons, Bannern, Plakaten und Aufklebern zogen die Kinder durch Berlin und fordern damit ganz klar die Aufmerksamkeit ein, die den jüngsten Bewohnerinnen und Bewohnern unserer Stadt zukommen sollte. Zahlreiche politische Akteure unterstützen die Forderungen des Kitabündnisses und waren wie in Reinickendorf und Marzahn-Hellersdorf mit den Kindern gemeinsam unterwegs. Mehr Kita-Personal muss her Die Kita ist nach der Familie erster Lern- und Lebensort und damit ein wesentlicher Ort, an dem frühkindliche Bildung gestaltet und gelebt wird. Im Bundesvergleich steht Berlin an hinte22	

Stark für gute Kita-Betreuung

FOTO: KITA EULENSPIEGEL MITTELHOF E. V.

rer Stelle, wenn es um die Betreuungsqualität im Krippenbereich geht. Auf 5,9 Kinder kommt eine Erzieherin oder ein Erzieher, der Bundesdurchschnitt liegt bei 4,4. Das Aktionsbündnis fordert deshalb eine zeitnahe Verbesserung des Personalschlüssels in Kitas für den Bereich der unter dreijährigen Kinder. Der derzeitige Personalschlüssel in Berliner Kitas für die Altersgruppe 0-2 Jahren liegt bei einer Erzieherin für fünf Kinder. Die Empfehlung der Bertelsmann-Stiftung von 2015 (Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme) sieht eine Verbesserung des Schlüssels von einer Erzieherin für drei Kinder vor. Das Aktionsbündnis hingegen fordert in einem ersten Schritt eine Verbesserung des Personalschlüssels von einer Erzieherin für vier Kinder bei den allerjüngsten – eine moderate Forderung, die von politischer Seite durchaus umsetzbar und auch zu finanzieren wäre. Dieses Anliegen wurde bereits vor dem Aktionstag im Rahmen eines politischen Fachtages am 18. September im Haus der Jugend mit verschiedenen Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik diskutiert. Grundlage der Diskussion bildete besagtes Ländermonitoring der Bertelsmann-Stiftung. Die Studie
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zeigt deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um insbesondere den kleinsten Kindern eine ihrem Bedarf entsprechende Betreuung und Versorgung zukommen zu lassen. Auch Dr. Christa Preissing vom Berliner Kita-Institut für Qualitätsentwicklung äußerte im Pressegespräch zum Aktionstag am 5. Oktober, dass die im verbindlichen Berliner Bildungsprogramm vorgesehene Qualität für die Arbeit mit den Kindern unter drei Jahren aktuell nicht umgesetzt werden könne. Mehr Qualität erfordert mehr Zeit Darüber hinaus richtet das Aktionsbündnis seinen Blick auch auf die vielfältigen Ansprüche und Veränderungen im Kitabereich hinsichtlich der Anforderungen an mehr Qualität. Diese stellen insbesondere die Einrichtungsleiterinnen und -leiter vor große Aufgaben, weshalb das Bündnis sich klar für eine frühere Freistellung der Leitungskraft bei bereits 80 Kindern in einer Einrichtung positioniert. Aktuell erfolgt eine Freistellung erst bei 120 Kindern. Nicht nur die Kita-Leitungen können ihre vielfältigen Aufgaben nicht mehr in der gebotenen Qualität bewältigen, auch die in der täglichen Betreuung eingesetzten Erzieherinnen und
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KINDERTAGESSTÄTTEN

Erzieher äußern ihre Grenzen bezüglich einer qualitativen Arbeit in den Berliner Kitas. Gerade die Versorgung der jüngsten Kinder benötigt Zeit, um eine den individuellen Bedürfnissen und dem Alter entsprechende Betreuung zu gewährleisten. Diese haben die Fachkräfte jedoch meist nicht. Urlaub und Krankheitsvertretung führen mitunter dazu, dass eine Fachkraft mehr als zehn Kleinkinder alleine betreuen muss. Eine qualitative Förderung ist unter solchen Umständen nur noch begrenzt möglich und wird so weder den Bedürfnissen der Kinder oder den Wünschen der Eltern, noch dem eigenen professionellen Anspruch an die Arbeit gerecht. Dass nun dieses Thema in die Öffentlichkeit getragen wird, begrüßen die Fachkräfte. Hoffnungen für die Haushaltsverhandlungen Die Aktionen der Kinder und ihrer Unterstützer wurden überall freudig aufgenommen und erregten viel Aufmerksamkeit. Medien, Presse, Politik und

Verwaltung zeigten Interesse, und so fanden in den Tagen nach dem Aktionstag vermehrt Diskussionen und Austausche an unterschiedlichen Stellen zum Thema Kita und Qualitätsverbesserung statt. Dies stimmt die an Berliner Kitas tätigen Fachkräfte zuversichtlich, denn im Entwurf des Doppelhaushaltes 2016/17 findet sich bis dato kein Ansatz für die Umsetzung der berechtigten Forderungen des Kita-Bündnisses. Die nun angestoßene Diskussion in Politik und Gesellschaft hat zum Ziel, dass sich die politischen Akteure ihrer Verantwortung hinsichtlich der Sicherstellung einer qualitativen frühkindlichen Bildung und Betreuung der Kleinsten in unserer Gesellschaft bewusst werden und dementsprechend handeln. Im Zuge der anstehenden Wahlen und der Parteiprogramme wird das Thema frühkindliche Bildung auf der Agenda der politischen Akteure stehen müssen. Das Kitabündnis wird auch zukünftig weiter an der Verbesserung der Qualität in Kitas arbeiten. Auf einem
KRANKENHÄUSER

Treffen des Aktionsbündnisses am 12. Oktober wurden bereits neue Ideen gesammelt und weitere Aktionen geplant. Für das kommende Jahr steht der dringend benötigte Platzausbau im Fokus der Politik. Bis 2018 sollen weitere 10.000 Plätze über Landes- und Bundesprogramme gefördert werden. Auch das Kitabündnis benennt den Platzausbau in seiner dritten Forderung. Eine Reduzierung der politischen Zielsetzung allein auf den Ausbau ist jedoch unzureichend: Es braucht nicht nur mehr, sondern auch gute Kitaplätze. Auch im kommenden Jahr wird das Bündnis das Thema Qualitätsverbesserung in Kitas entsprechend platzieren und sicherstellen, dass die Politik sich diesem zuwendet.Berlin bleibt orange! STEFANIE FRIED, REFERENTIN FÜR KINDERTAGESSTÄTTEN 

Wissenswertes Mehr: berliner-kitabuendnis.de

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe besucht Jüdisches Krankenhaus
Empfang zum Jüdischen Neujahr 5776 am 14. Oktober 2015

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er Einladung des Vorstandes des Jüdischen Krankenhauses zu seinem traditionellen Empfang folgten 180 Gäste. Dr. Jochen Palenker, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Jüdisches Krankenhaus Berlin, begrüßte die Gäste und Bundesminister Hermann Gröhe. Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft, dem Gesundheitswesen, Partner und Freunde des Krankenhauses waren gekommen. Minister Gröhe nahm sich die Zeit für einen Rundgang durch das Krankenhaus, zu dem er vom Kuratorium und Vorstand des Hauses begleitet wurde. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten ihm vor Ort die von ihnen praktizierte qualitätsorientierte Patientenversorgung zeigen und seine fachkundigen Fragen beantworten. In seiner Begrüßungsansprache ging Dr. Palenker auf die 259-jährige Geschichte des Jüdischen KrankenhauNovember / Dezember 2015	

Neujahrsgruß des Gesundheitsministers

FOTO: JÜDISCHES KRANKENHAUS BERLIN

ses in Berlin ein und stellte dessen erfolgreiche Arbeit heraus. Die Qualität der medizinischen Versorgung wurde 2015 erneut durch die KTQ®, KoopePARITÄTISCHER RUNDBRIEF

ration für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen, zertifiziert. Seit über zehn Jahren verzeichne das Krankenhaus Fallzahl- und Case Mix-Stei23

KRANKENHÄUSER

gerungen bei gleichzeitig sinkender Verweildauer. Die jährlichen Wachstumsraten betragen fünf Prozent oder mehr. Die Stiftung sei wirtschaftlich erfolgreich. Brukhim ha Baim! Mit einem herzlichen Willkommen begrüßte auch Brit Ismer, Kaufmännische Direktorin des Jüdischen Krankenhauses, die Gäste. In ihrer Rede wies sie darauf hin, dass das Jüdische Krankenhaus Berlin erhebliche Strukturanpassungen umgesetzt und große Anstrengungen zur Effizienz der stationären Versorgung geleistet habe. Sie betonte die besonderen Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sprach ihnen Dank und Anerkennung aus. Sie nutzte den Anlass des Neujahrsfestes zu einem Resümee und einem Ausblick auf die kommenden Herausforderungen, die Pläne und Ziele des Jüdischen Krankenhauses. Im 260. Jahr des Bestehens wird das Jüdische Krankenhaus ein Bauvorhaben beginnen und ein neues Bettenhaus errichten. Hierfür wird eine stabile Finanzierung und Planungssicherheit benötigt. Schana Tova! Bundesminister Hermann Gröhe wün­ schte ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 5776 nach jüdischer Zäh-

lung. Er sprach über die »Krankenhausversorgung der Zukunft vor dem Hintergrund aktueller Gesetzgebungsverfahren« und betonte, wie wichtig ihm der Austausch mit den Krankenhäusern sei, das Zusammenkommen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Kliniken. Das deutsche Gesundheitswesen zeichne sich durch hohe Leistungsfähigkeit aus. Er lobte die tägliche Arbeit, die von den Pflegenden und den Ärzten in den Kliniken geleistet wird. Die traditionsreiche »Kleine Charité«, wie die Klinik auch gerne genannt wird, sei ein gutes Beispiel für qualitätsorientierte Patientenversorgung. Mit seiner Rettungsstation ist das Krankenhaus eine wichtige Anlaufstelle für Menschen in Not. In diesem Zusammenhang betonte Gröhe, dass die Notfallversorgung durch das Krankenhausstrukturgesetz gestärkt werde. »Sie sind auf einem guten Weg. In Ihrem Krankenhaus ist der Qualitätsgedanke hoch angesiedelt. Sie haben klare Vorstellungen für die Zukunft. » Weiterhin betonte er, dass das aktuelle Gesetzesvorhaben der richtige Weg zu einer stärkeren Qualitätsorientierung sei. »Spitzenleistung in der Medizin und fachlich gute Pflege – beides ist nötig, um zu einem guten Behandlungserfolg zu kommen.«
KULTUR

Nach Kritik an dem Gesetzesentwurf soll die Pflege gestärkt werden. Eine halbe Milliarde Euro jährlich sollen als Pflegezuschlag aufgewendet werden. Eine anteilige Beteiligung an den Tarifsteigerungen ist vorgesehen. Auch die Leistungen der Rettungsstellen soll fairer vergütet werden. »Ich erlebe das Jüdische Krankenhaus als eine gut aufgestellte Klinik. Sie leisten Besonderes in einem nicht einfachen Stadtteil.« Anschließend sprach Rabbiner Teichtal einige Worte zu Rosch Haschana, wörtlich übersetzt dem »Kopf des Jahres«, und blies zur Begrüßung des Neuen Jahres das Schofar. Er wünschte »schana tova u‘metuka«, ein gutes und süßes Jahr. Rund um das Buffet mit koscheren Köstlichkeiten gab es interessante Begegnungen und anregende Gespräche. Die Red Chucks unterhielten die Gäste mit stimmungsvoller Musik.

Wissenswertes Ansprechpartner: Gerhard Nerlich, Öffentlichkeitsarbeit 030 49 94 22 20, gerhard.nerlich@jkb-online.de Mehr unter jkb-online.de

Kultur im Paritätischen sichtbar machen
Vielfältige kulturelle Angebote nutzen und veröffentlichen

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ie kulturellen Aktivitäten des Paritätischen und seiner Mitglieder können sich sehen lassen! Mit einem eigenen Bereich auf der Paritätischen Webseite, einem Kulturkalender, einem Kultur-Newsletter, einer eigenen Rubrik Kultur im Rundbrief und mit der Arbeitsgruppe »Kultur im Paritätischen« macht der Paritätische verstärkt auf diesen wichtigen Querschnittsbereich innerhalb des Verbandes aufmerksam. Was hat ein Wohlfahrtsverband mit Kultur zu tun? Ziemlich viel. Denn seit Beginn der achtziger Jahre fanden Erfahrungen aus dem Ausprobieren neuer Ausdrucksformen und Gruppenprozessen verstärkt Eingang in die soziale Arbeit. Pädagoginnen und Pädagogen, engagierte Sozialarbeiterinnen
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Tanztheater »Seesaw«, Theater Thikwa
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

FOTO: DAVID BALTZER

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und Erzieher nutzten und nutzen verschiedene künstlerische Ausdrucksformen – Theater, Musik und Tanz, Zirkus, Bildende Kunst, Literatur, Fotografie und Medien – in ihrer Arbeit. Inzwischen haben sich einige dieser Initiativen aus jener Zeit einen Namen gemacht und sich in der Berliner Kulturszene einen festen Platz erspielt. Theater Thikwa, Vorreiter des Inklusionstheaters, gibt es seit über 30 Jahren, mehr als 35 Jahre besteht das internationale Kulturzentrum ufaFabrik, ebenso lang das Theater der Erfahrungen, um nur einige Beispiele zu nennen. Der Kinder- und Jugendcircus Cabuwazi, die Galerie Art Cru, Theater RambaZamba, Circus Sonnenstich – sie alle sind versammelt unter Paritätischem Dach. Bei Paritätischen Empfängen, der 60-Jahres-Gala und nicht zuletzt in der Parieté-Gala im Herbst dieses Jahres gestalteten unsere Mitglieder das kulturelle Rahmenprogramm. Nun erhält die vielfältige Kultur im Paritätischen einen gebührenden und festen Platz, auch in der Öffentlichkeitsarbeit. Neu: Kulturangebote auf der Webseite Ab sofort können Sie verschiedene Angebote zu Kultur im Paritätischen auf der Webseite paritaet-berlin.de nutzen. Auf der Startseite oben rechts finden Sie den Link zur Kulturseite des Paritätischen Berlin, paritaet-berlin.de/kultur. Dort stellen sich einige unserer Mitglieder mit ihrem kulturellen Angebot vor. Das ist nur der Anfang, denn auch Sie können dieses Angebot nutzen, wenn Sie sich im kulturellen Bereich engagieren. Sie haben weiterhin die Möglichkeiten, Ihre kulturellen Veranstaltungen über eine Eingabemaske selbst auf der Webseite einzu-

stellen. Ihr Eintrag erscheint dort, nachdem er von unserer Webredaktion freigeschaltet wurde. Am ersten Freitag des Monats versenden wir einen Kultur-Newsletter an alle Interessierten. Darin informieren wir Sie über die kulturellen Veranstaltungen unserer Mitglieder in den kommenden Wochen. Neugierig geworden? Abonnieren Sie den Newsletter unter paritaet-berlin.de/kultur/kultur-newsletter.html Rubrik Kultur im Rundbrief Auch im Rundbrief machen wir das Thema Kultur ab sofort mit einer eigenen Rubrik sichtbar. In dieser neuen Rubrik werden Interviews, Berichte, Portraits, fünf Fragen sowie Projektpräsentationen Paritätischer Mitglieder veröffentlicht. Wir freuen uns auf Ihre Beiträge! Nehmen Sie diese Gelegenheit wahr und schicken Sie uns Texte und Fotos an rundbrief@paritaet-berlin.de. Auch ein Rundbrief mit dem Schwerpunkt Kultur ist für 2016 geplant. Arbeitsgruppe Kultur im Paritätischen offen für interessierte Mitglieder Zu guter letzt laden wir Sie herzlich ein, an der Arbeitsgruppe Kultur im Paritätischen teilzunehmen. Wir treffen uns viermal jährlich in der Landesgeschäftsstelle in der Brandenburgischen Straße 80. Hauptanliegen ist, der Kultur Paritätischer Mitglieder noch mehr Präsenz zu geben – im Verband, aber auch im gesamten öffentlichen Raum. Nutzen Sie diese Gelegenheit und gestalten Sie mit! Wolfgang Kaldenhoff, VIA Verbund für Integrative Angebote Berlin gGmbH, w.kaldenhoff@ via-berlin.de, leitet die Gruppe. Beim Paritätischen Berlin ist Ihre Ansprechpartnerin Rita Schmid, schmid@paritaet-berlin.de.

MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN

Den Perspektivwechsel wagen

Drei Filme über Barrierefreiheit und Inklusion

Drei Kurzfilme zu Barrierefreiheit und Inklusion dokumentieren ein Projekt des Stadtteilzentrums Pankow. Sie sind aus einer Zusammenarbeit von Kerstin Gaedicke, freiberufliche Trainerin für den Umgang mit sehbehinderten und blinden Menschen, und Ulrike Pohl, Referentin für Menschen mit Behinderungen des Paritätischen Berlin, entstanden: ·	 Dokumentation eines Projekttages  ·	Interviews mit Kerstin Gaedicke und Ulrike Pohl ·	Extra: Wie erkennen blinde Menschen eigentlich Geld? Und wie sehen blinde Menschen Farben? Perspektivwechsel – das ist ein Angebot für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrende, eigene Erfahrungen zur Barrierefreiheit und Inklusion behinderter Menschen zu machen. Entstanden sind die Filme in Kooperation mit dem Medienkompetenzzentrum Pankow, gefördert wurden sie im Rahmen der fallunspezifischen Arbeit des Jugendamtes Berlin-Pankow. Und auf dem Youtube-Account von jugendhilfe-bewegt-berlin kann man sich die Filme anschauen: youtube. com/user/jhbewegtberlin Foto: Youtube

MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN

Den eigenen Lebensentwurf selbstbestimmt leben
20 Jahre LfB Lebensräume für Menschen mit Behinderung

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ie Lebensräume für Menschen mit Behinderung gGmbH (LfB) ist eine Tochtergesellschaft des VfJ Berlin e. V., einem traditionsreichen Träger der Berliner Behindertenhilfe. Sie unterstützt Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen als erfolgreiche Anbieterin von Hilfen zu einer selbstbestimmten Lebensführung in ambulant betreuten Wohnformen. Heute ist sie in den Bezirken Neukölln, Tempelhof-Schöneberg, Kreuzberg und Steglitz aktiv.
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Grundversorgung sichern Anfang der 1990er Jahre entwickelte sich das sogenannte Betreute Wohnen zu einer neuen Herausforderung für den Vereinigung für Jugendhilfe Berlin e. V. (VfJ). Die Entscheidung, eine Tochtergesellschaft zu gründen, die für Menschen mit überwiegend geistiger Behinderung zeitgemäße und professionelle Betreuungsformate vorhalten sollte, ergab sich geradezu natürlich. Denn der VfJ Berlin e.  in der Grenzallee umV. fasste neben den VfJ Werkstätten, eiPARITÄTISCHER RUNDBRIEF

nen Freizeitbereich und ein Apartment-Wohnhaus. Mieter mit kognitiver Beeinträchtigung konnten hier über den Begleitenden Dienst der Werkstät-

ten in einem sehr geringen Umfang alltagspraktische Unterstützung erhalten. Dieses auf Freiwilligkeit setzende Ange25

MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN

telpunkt sozialpädagogischer Assistenz zu rücken. Die gesammelten Erfahrungen sind Grund genug, das 20-jährige Jubiläum der LfB zum Anlass für die Erstpräsentation von zwei neuen Biografie-Projekten zu nehmen: It’s me – eine Fotoausstellung In dieser Fotoausstellung stellen uns Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung ihr gesellschaftliches Engagement vor und machen uns damit auf eine wenig beachtete Seite ihrer Lebenswelt aufmerksam. Der Umgang mit der Kamera und die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema wurden von der Künstlerin Carola Rümper angeleitet. Die Aktion Mensch förderte das inklusive Projekt.
Von der Aktion Mensch gefördert: Fotoausstellung »It’s me«
Idee und künstlerische Leitung: Carola Rümper Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und kann angefragt werden.

FOTO: LFB GGMBH

bot erfreute sich nicht nur großer Beliebtheit, sondern wurde auch von den Mietern zunehmend eingefordert, um ein Leben in den eigenen vier Wänden mit Arbeit und Freizeit in Einklang bringen zu können. Das niedrigschwellige Unterstützungsangebot war »der Renner« und kam zugleich rasch an seine Grenzen. Die große Vielfalt an Lebensentwürfen in unserer Gesellschaft und der Wunsch von Menschen mit Beeinträchtigung, hier teilhaben zu wollen, den eigenen Lebensentwurf zu entdecken und zu leben, befeuerte bereits in der Gründungsphase der LfB die Aktivitäten für die Zielgruppe und den Aufbruch in eine sozialpädagogische Arbeit auf Augenhöhe. Heute, mit etwa 120 Klientinnen und Klienten, vielfältigen Unterstützungsangeboten sowie rund 50 haupt- und ehrenamtlichen Beschäftigten, kämpft auch die LfB mit jenem scharfen Wind, der von einer knappen Refinanzierung der Leistungen und

unter anderem auch von einem angespannten Berliner Wohnungsmarkt gekennzeichnet ist. Persönlichkeitsentwicklung stärken Als professionelle Dienstleisterin in der Behindertenhilfe zeigt sich die LfB unermüdlich in ihrem Engagement, Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu stärken. So gewann ihr Konzept über die Jahre insbesondere durch »pädagogische Biografie-Arbeit« deutlich an Kontur. Diesen didaktisch-methodischen Ansatz hatte sie erstmals 2005 im Rahmen einer Fachtagung anlässlich ihres zehnjährigen Jubiläums vorgestellt und seitdem in ihrer sozialpädagogischen Einzel- und Gruppenarbeit sowie in verschiedenen Arrangements laufend weiterentwickelt. Inhalt und Ziel dieser Arbeit ist es, die persönlichen Lebensgeschichten und -erfahrungen von Klientinnen und Klienten zu würdigen und in den Mit-

Biografie-Film »wenn es mich zweimal gäbe…« In Filmsequenzen kommen Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung mit ihren lebensgeschichtlichen Erzählungen und Erfahrungen frei von Kommentaren zu Wort – entlang der Kategorien Privatleben und soziales Netz, Bildung und Beruf, Arbeit und Einkommen, Wohnen und Alltag, Freizeit und Kultur sowie Geschwisterbeziehungen. Die Protagonistinnen und Protagonisten sind Klientinnen und Klienten der LfB. Sie haben sich um ein Selbstporträt in diesem Filmprojekt beworben.
Dauer des Biografie-Films: 60 Minuten Idee und Konzept: LfB gGmbH Umsetzung/Regie: Sven Thale, thale-biographiefilm.de Info: Erwerb des Films ist über die LfB möglich.

Wissenswertes Kontakt: Miriam Schirbel LfB Lebensräume für Menschen mit Behinderung gGmbH Sekretariat: 030 682 81 521 info@lfb-lebensraeume.de lfb-lebensraeume.de

Ehrenfeier zum Lebenswerk Fritz-Bernd Kneisels
50 Jahre Einsatz für die Belange hörbehinderter und ertaubter Menschen
m 26. September wurde FritzBernd Kneisel für sein 50-jähriges Engagement vom Schwerhörigen-Verein Berlin e.  geehrt. Die V. Auszeichnung fand in der Seniorenstiftung Prenzlauer Berg statt. Die Grußworte sprach Prof. Barbara John:
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»Lieber Herr Kneisel, im Namen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin überbringe ich Ihnen meine herzlichen Glückwünsche zu Ihrem Jubiläum! Es ist ein ganz besonderes Jubiläum: 50 Jahre Einsatz für die Belange hörbehinderter und ertaubter Menschen. In
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

diesen 50 Jahren ist viel für hörbehinderte und ertaubte Menschen hier im Land geschehen. Vieles, an dem Sie, lieber Herr Kneisel, Anteil hatten: Zu Beginn Ihrer Tätigkeit als Vorsitzender des Sozialwerks der Hörgeschädigten Berlin e.  veränderten V.
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sich die Kernaufgaben des Verbands, der seit 1959 auch Mitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin ist: Aus dem früheren Fürsorgeauftrag entwickelten sich die soziale Beratung Hörgeschädigter, die Durchführung von Absehkursen, Gebärdensprachkurse und Hilfsmittelberatung. Nachdem 1983 die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales die Beratung für Hörgeschädigte in freie Trägerschaft übergeben hatte, konnte 1987 das erste Hörbehinderten-Beratungs-und-Informations-Zentrums (HörBIZ) eröffnet werden. Mittlerweile gibt es zwei HörBIZ mit neuen Strukturen als Beratungs-, Schulungs- und Selbsthilfezentrum und mit eigenem Hilfsmittelpool. Auch Audiotherapie und das Schrift-

dolmetscher Projekt gehören mittlerweile zu den Angeboten des HörBIZ. Auch deutschlandweit hat sich in den vergangenen Jahren einiges bewegt: In Deutschland ist seit 2002 mit Inkrafttreten des Behindertengleichstellungsgesetzes der Anspruch hör- beziehungsweise sprachbehinderter Menschen auf Gebärdensprachdolmetscher (insbesondere bei Behörden, Polizei und Gericht, aber auch am Arbeitsplatz) und andere Kommunikationshilfen (wie zum Beispiel Schriftdolmetscher) gesetzlich geregelt. Selbstverständlich gibt es noch große Lücken bezüglich der kommunikativen Barrierefreiheit im privaten Bereich. Und nicht nur an diesem Thema werden der Paritätische und der SchwerhöriSCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE

gen-Verein Berlin e.  gemeinsam arV. beiten. Das Themenspektrum des Paritätischen Berlin hat sich ebenso mit den Jahren immer weiter entwickelt: Am Montag wurde zum Beispiel in der Geschäftsstelle mit einer Vernissage eine sehr farbenfrohe Ausstellung von gehörlosen Künstlerinnen und Künstlern mit Mehrfachbehinderung eröffnet – wir laden dazu alle Interessierten ein, die Bilder in den kommenden Wochen auf sich wirken zu lassen. Lieber Herr Kneisel, wir zollen Ihnen Respekt für 50 Jahre ehrenamtliche und hauptamtliche Arbeit für hörbehinderte und ertaubte Menschen hier in Berlin und gratulieren zu diesem Jubiläum!«  PROF. BARBARA JOHN, VORSITZENDE DES PARITÄTISCHEN BERLIN

»Anreize für Menschen vermindern, denen kein Asylrecht zusteht«
Fünf Fragen an Dieter Glietsch, Staatssekretär für Flüchtlingsfragen
Dieter Glietsch, 68, ist seit September 2015 Staatssekretär für Flüchtlingsfragen beim Regierenden Bürgermeister von Berlin. Gemeinsam mit Sozialstaatssekretär Dirk Gerstle leitet er den Landesweiten Koordinierungsstab Flüchtlingsmanagement. Von 2002 bis 2011 war Glietsch Polizeipräsident in Berlin und damit Leiter der gleichnamigen Behörde. Die Fragen stellte Nina Peretz. Herr Staatssekretär Glietsch, eigentlich sind Sie bereits im Ruhestand. Ihre neue Aufgabe ist ein Fulltime-Job. Was war Ihr erster Gedanke, als Michael Müller Sie gefragt hat, ob Sie die Leitung des Koordinierungsstabs der Berliner Flüchtlingspolitik übernehmen können? Dieter Glietsch: Ich habe gedacht: »Da muss ich helfen!« Wenn man gefragt wird, ob man helfen will, geflüchtete Menschen unterzubringen und zu versorgen, dann denkt man nicht lange nach. Zumal, wenn die Anfrage vom Regierenden Bürgermeister von Berlin kommt, einer Stadt, die mir während meiner Dienstzeit als Polizeipräsident sehr ans Herz gewachsen ist. Die Situation vor dem LaGeSo hat national und international für Schlagzeilen gesorgt, nicht zuletzt durch den lauten Aufschrei der ehrenamtlichen Helfer. Welche SoforthilNovember / Dezember 2015	 PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

fe-Maßnahmen werden Sie einleiten, um die Hilfsorganisationen vor Ort besser zu unterstützen? Dieter Glietsch: Zum Glück haben wir die Situation auf dem Platz vor dem LaGeSo schon erheblich verbessern können. Die Caritas hat im Auftrag des Senats das
Staatssekretär Dieter Glietsch

FOTO:POLIZEI BERLIN

Platzmanagement übernommen. Sie betreut und versorgt die Flüchtlinge, organisiert den Einsatz der ehrenamtlichen Ärzte vor Ort und arbeitet mit den ehrenamtlichen Hilfsorganisationen, wie zum Beispiel »Moabit hilft!«, eng zusammen. Die Versorgung mit Essen und Getränken hat der Senat durch Vertragsschluss mit Vivantes sichergestellt. Inzwischen gibt es auch ein hauptamtliches medizinisches Versorgungsangebot vor Ort, das von der Charité bereitgestellt wird. Beheizte Zelte ermöglichen ein witterungsgeschütztes Warten. Die gegenüberliegende Turnhalle wird darüber hinaus als Kälteschutzhalle genutzt. Außerhalb der Öffnungszeiten des LaGeSo gibt es einen rund um die Uhr besetzten Infopoint, von dem Flüchtlinge, die am Abend, in der Nacht oder am Wochenende eintreffen, in Unterkünfte weitervermittelt werden. Nicht zuletzt wird das Gelände des LaGeSo durch bauliche Maßnahmen ertüchtigt, um der Witterung und dem hohen Publikumsaufkommen besser standhalten zu können. Ich bin zuversichtlich, dass es auch weiterhin gelingen wird, die Situation auf dem Platz zu verbessern. Es bleibt jedoch eine Herausforderung, die immer noch steigende Zahl von geflüchte27

SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE

ten Menschen, die an diesem nicht nur bundesweit, sondern inzwischen international bekannten Verwaltungsstandort in Berlin ankommen, angemessen zu empfangen. Die Behörden sind stark unter Druck, es gibt tausende unregistrierte Flüchtlinge und täglich kommen hunderte neu nach Berlin. Was ist Ihre Strategie, damit es in Kürze gelingt, jeden Geflüchteten sofort und ohne Wartezeit zu registrieren? Dieter Glietsch: Wir sind mit dem Aufbau neuer Bearbeitungsstandorte – in der Bundesallee und in der Kruppstraße – sowie mit dem Konzept der Trennung der Publikumsströme bereits auf einem guten Weg, die Situation bei der Erstregistrierung zu verbessern. Auch die Bearbeitungskapazitäten wurden bereits massiv ausgebaut. Neues Personal wurde eingestellt und viele Freiwillige aus den Berliner Verwaltungen unterstützen im Rahmen einer Abordnung die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im LaGeSo. Diesen Ausbau der Personalkapazitäten müssen wir konsequent fortsetzen. Zugleich prüfen wir die Anschaffung neuer Technik sowie – in Zusammenarbeit mit dem Bund – die Einführung eines neuen IT-Verfahrens, um die Prozesse nicht nur bei der Erstregistrierung, sondern über das gesamte Asylverfahren hinweg zu digitalisieren, einen automatischen Datenaustausch

zu ermöglichen und so die vorhandenen Kapazitäten effizienter ausnutzen zu können. Derzeit werden nur noch Notunterkünfte geschaffen, also auf den akuten Unterbringungsbedarf reagiert. Wann investieren Sie wieder nachhaltig in Gemeinschaftsunterkünfte? Dieter Glietsch: Es ist richtig, dass derzeit der Schwerpunkt darauf liegen muss, Notunterkünfte zu schaffen, um den täglich in großer Zahl neu ankommenden Flüchtlingen Obdach und Schutz vor dem zunehmend widrigen Witterungsbedingungen bieten zu können. Dies bindet viele Ressourcen. Dennoch verfolgt der Senat selbstverständlich parallel weiter seine Ziele, dezentrale Gemeinschaftsunterkünfte zu schaffen, dazu landeseigene Immobilien zu ertüchtigen sowie die Vermittlung in Wohnungen zu stärken. So hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gerade die erste Tranche der geplanten Ausschreibung für den Neubau von Flüchtlingsunterkünften in sogenannten modularen Bauten veröffentlicht. Darüber hinaus wurde der Vertrag mit dem evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk über die Vermittlung von Flüchtlingen in Wohnungen ausgeweitet. Was halten Sie von dem Vorhaben, gemäß dem neuen Asylverfahren Einrichtungen

für Menschen aus den Westbalkanländern zu errichten, in denen nur nach dem Sachleistungsprinzip verfahren wird? Ist dies für Berlin geplant? Dieter Glietsch: Wer vor Krieg und Verfolgung flüchtet, genießt in Deutschland den Schutz unseres Asylrechts. Für Menschen, die aus wirtschaftlicher Not oder anderen Gründen hierher kommen, gilt dies nicht. Sie müssen wir auffordern, wieder in ihre Heimatländer zurückzukehren, gleichwohl wird dadurch deutlich, dass wir eine klare Regelung zur Einwanderung nach Deutschland brauchen. Ich halte es zudem für richtig, die Anreize für Menschen, denen kein Asylrecht zusteht, zu vermindern, indem zum Beispiel auf Barleistungen verzichtet wird. Dass diese Menschen während ihres Aufenthalts in Deutschland dennoch menschenwürdig untergebracht und mit Sachleistungen angemessen versorgt werden, ist selbstverständlich. Die Beschränkung auf Sachleistungen wird sich praktisch nur umsetzen lassen, wenn für Menschen aus sicheren Herkunftsstaaten eigene Unterbringungseinrichtungen geschaffen werden. Darüber hinaus würden solche Einrichtungen organisatorische Vorteile bei etwa erforderlichen Rückführungen bieten. Ich gehe daher davon aus, dass es auch in Berlin erforderlich sein wird, solche Einrichtungen zu schaffen.

Ein persönlicher Rückblick auf 25 Jahre KKH e. V./KOMKAR-Berlin
Geschäftsführer Aktas verlässt den Verein Ende Oktober

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eit über 25 Jahren war ich kurdischer Aktivist und davon 20 Jahre für den Kurdistan Kultur- und Hilfsverein e. V. als Verantwortungsträger aktiv. Wenn man von 1991 bis 2015, sowohl als Mitglied (1991-1995) als auch auf Führungsebene (1995-2015) beim KKH e. V. aktiv war und bei vielen Entwicklungen mitgewirkt hat, dann sollte man davon berichten! Es ist mir ein Anliegen, die Erfahrungen, die ich gemacht habe, weiterzugeben, um anderen Mut zu machen, die den gleichen Weg gehen oder noch gehen werden. Politisch unruhige Zeiten Ende Januar 1991 kam ich als Student nach Deutschland und fing durch meinen Onkel im September 1991 mit einem Volkstanzkurs bei KKH e.  V./Komkar-Berlin an. Die politische Situation war zu dieser Zeit (wie heute leider wieder) wegen des 2. Golfkriegs sehr dramatisch. Es gab Mahnwachen, Demonstrationen und Veranstaltungen, die auf die Verfol28	

gung der Kurden aufmerksam machten. Da mein Onkel politisch aktiv und im kurdischen Zentrum tätig war, habe auch ich begonnen, mich zu engagieren. Von 1991 bis 1994 war ich im kurdischen Zentrum ehrenamtlich für die Fußballmannschaft tätig, habe bei Straßenfesten mitgeholfen und beim Aufbau der Bibliothek im kurdischen Zentrum mitgewirkt. Parallel war ich für den KKH e. V. tätig. Für die prokurdischen Zeitungen Azadi, DengeAzadi und Hevi hatte ich als Korrespondent Artikel aus Berlin geschrieben. 1995 wurde ich Mitglied des Kurdistan Kultur- und Hilfsvereins e. V. und im selben Jahr in den Vorstand gewählt. Die Jahre bis 1998 betrachte ich heute als meine Lehrjahre: Ich war vor allem in der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins aktiv und wirkte an den Veranstaltungen mit. Danach übernahm ich die Verantwortung für die Verwaltung der Projekte. Mit engagierten Menschen fing ich an, neue Projekte aufzubauen und Bestehendes zu erweitern.
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PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE

Entwicklung des Vereins zur Bildungseinrichtung Das Ziel: Der Verein sollte eine verlässliche und qualifizierte Einrichtung sein. Er sollte von einem Heimatverein zu einem politischen Bildungsverein erweitert werden und auf Projekt­ ebene neu strukturiert, gefestigt und finanziell abgesichert werden. Ich habe fünf Jahre lang morgens Sprachkurse gegeben und nach den Kursen ehrenamtlich die Vereinsarbeit gemacht, neben der Verwaltung und der Entwicklung des Vereins betraf das auch die politische Arbeit. Ich wollte eine kurdische Organisation in Berlin mitaufbauen, die als Stimme der Kurden wahrgenommen wird, die in dieser Stadt als große Migrantenorganisation ein Gewicht hat. Außerdem wollte ich erreichen, dass Kurden einen starken Verein und Verband haben, bei dem sie arbeiten können. Wir müssen für Kurden qualifizierte attraktive Arbeitsplätze schaffen, unsere Jugendlichen fördern und ihnen Möglichkeiten bieten, sich zu entwickeln. Auch das ist politische Arbeit. Alle sollten wissen, dass kurdische Einrichtungen in der Lage sind, qualifizierte Hilfe zu leisten. Türkische Organisationen haben eine gute Lobby, sind in vielen Parteien vertreten und durchaus meinungsbildend. Das müssen wir ebenfalls erreichen, damit unsere Interessen wahrgenommen werden. Berufliche Entwicklungsmöglichkeiten für kurdische Berliner Ich versuchte intensiv, mich im sozialen Bereich zu qualifizieren, Erfahrungen zu sammeln und Netzwerke zu erweitern. Erste Erfolge waren kleinere Projekte, die bewilligt wurden. Dann wurden wir immer erfolgreicher. Der Verein entwickelte sich und wuchs. Viele neue Projekte wurden bewilligt, die Integrationskurse kamen und wir konnten eine weitere Kita eröffnen. Die Öffentlichkeits- und Gremienarbeit, die Pflege und der Ausbau des Netzwerks und die Verfolgung des sozialen und politischen Geschehens haben endlich Früchte getragen. Um die Anforderungen an eine wachsende Organisation zu erfüllen, braucht man qualifiziertes Personal. Es war mir
Seit 20 Jahren für den KKH aktiv: Fevzi Aktas

aber wichtig, besonders in unsere motivierten Landsleute zu investieren. Wir erwarten von unseren Mitarbeitern nicht, dass sie unsere politischen Anhänger werden. Die Menschen, die bei uns arbeiten und etwas leisten wollten, wurden von uns gefördert und ihnen wurden Türen geöffnet, damit sie sich entfalten und qualifizieren konnten. Wenn man einen Blick auf unsere Mitarbeiter wirft, dann kann man sehen, dass viele bei uns ihre Ausbildung absolviert haben oder sich beruflich etabliert und qualifiziert haben. Respektvoller Umgang und gute Zusammenarbeit Meinen Nachfolgern möchte ich auch folgende wichtige Erkenntnis mitgeben: Der Erfolg dieses Vereins beruht auf Menschen. Sie verdienen als Mitarbeiter, Mitglied oder nur Sympathisant Wertschätzung und Respekt. Um erfolgreiche und vertrauensvolle Beziehungen aufbauen, muss es möglich sein, wertschätzende Kritik zu äußern und dadurch auch zu motivieren. Nur dadurch kann eine Gemeinschaft, ein Verein oder ein Team vorangebracht werden. Ich habe für meinen Verein mit Herz und Begeisterung gearbeitet und vieles geschafft. Bei den neuen Initiativen und Projekten hat uns unser Dachverband »Der Paritätische« sehr unterstützt, daher bedanke ich mich ganz herzlich bei Prof. Barbara John, Herrn Menninger, Frau Bodrow, Frau Pelkhofer-Stamm und Herrn Spöhr. Ich bedanke mich auch ganz herzlich bei meinen Vorständen, Mitgliedern und Mitarbeitern, dass sie mich tatkräftig unterstützt haben, sodass wir gemeinsam unseren Verein aufbauen konnten. Ich freue mich, dass ich die Geschäftsführung in einem guten Zustand an den jungen kurdischen Führungsnachwuchs übergeben kann. Ich wünsche ihnen viel Erfolg, Ausdauer, Glück und eine gute Zusammenarbeit mit dem Vorstand, Personal und den Mitgliedern. Ich werde ehrenamtlich dem KKH e.  immer zur Seite stehen und die Kurdische V. Community weiterhin unterstützen. Ich danke allen für die Zusammenarbeit und Unterstützung!  FEVZI AKTAS, BIS NOVEMBER 2015 GESCHÄFTSFÜHRER DES KURDISTAN KULTUR- UND HILFSVEREINS E. V.

FOTO: KKH E. V.

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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE

Wir machen das! Paritätisches Flüchtlingsengagement
180 Teilnehmer beim Vernetzungstreffen für Mitgliedsorganisationen
ir wollen heute voneinander lernen.« Mit diesen Worten begrüßte Dr. Gabriele Schlimper am 18. November die Paritätischen Mitgliedsorganisationen, die zum Vernetzungstreffen »Wir machen das! Paritätisches Flüchtlingsengagement« gekommen waren. Damit fasste sie auch zugleich das Ziel der Veranstaltung zusammen: Die zahlreichen Organisationen, die sich für Flüchtlinge engagieren, sollten die Möglichkeit haben, sich auszutauschen, sich gegenseitig von ihren Erfahrungen zu berichten und neue Netzwerke zu knüpfen. »Keiner kann mit Gewissheit sagen, welche weiteren Herausforderungen auf uns zukommen«, so Gabriele Schlimper. »Sicher ist aber, dass es weiterhin eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein wird, diese Menschen bei uns willkommen zu heißen und zu integrieren. Und einen bedeutenden Teil dieser Aufgabe werden weiterhin Sie schultern, unsere Mitglieder, die sozialen Organisationen in Berlin.« Flüchtlingsengagement seit Jahrzehnten Und so waren rund 180 im Flüchtlingsbereich Aktive der Einladung in die GLS-Sprachschule im Prenzlauer Berg gefolgt. In seiner Begrüßung beschrieb Holger Spöhr, Referent für Migration, die Bedeutung des Flüchtlingsthemas für den Paritätischen: »Unsere ältesten Mitgliedsorganisationen im Bereich Asyl und Flucht arbeiten bereits seit über 40 Jahren mit geflüchteten Menschen. Große Teile dieser Arbeit geschehen immer wieder auch ehrenamtlich  – das hohe Maß an Engagement und Idealismus verdient höchsten Respekt.« Oft sei diese Arbeit jedoch ohne große öffentliche Aufmerksamkeit geschehen  – das sei heute anders: »Wenn unsere Mitglieder von ihrer Arbeit berichten, wird zugehört, die Medien kommen von sich aus auf unsere Vereine und Organisationen zu. Viele Missstände, die es schon seit Jahrzehnten gab, werden jetzt von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen.« Dies sei gut und wichtig. Durch das große Engagement der Paritätischen Mitgliedsorganisationen für geflüchtete Menschen sei es gelungen, den Bereich aus einer Nische
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Austausch in der Themeninsel Jugendhilfe

FOTO: PETRA ENGEL

zu holen und zu einem echten gesellschaftlichen Querschnittsthema zu machen. Auch die Anmeldeliste und die gewünschten Diskussionsthemen beim Vernetzungstreffen verdeutlichten die Vielfalt der Angebote, die soziale Organisationen für Flüchtlinge bereithalten: So fanden sich die Teilnehmenden in moderierten Gesprächs­ inseln zusammen, um sich zu Themen von ehrenamtlichem Engagement und Nachbarschaftsarbeit, über Bildung, Arbeit und Beschäftigung, bis hin zu Kita, Schule und Jugendhilfe auszutauschen. Auch die Gruppe zur Unterbringung von Geflüchteten war sehr gut besucht, da immer mehr Organisationen selbst Betreiber sind oder darüber nachdenken. »So hat das bei uns funktioniert« Jede der Themeninseln wurde von einem oder mehreren Fachreferenten des Paritätischen moderiert. Diese bündelten die Fragestellungen, gaben, wo möglich, Antworten, und unterstützten bei der Vernetzung der Teilnehmer. Buntes Stimmengewirr erfüllte gleich zu Beginn die große Aula der Sprachschule. Und so rückten die Teilnehmer immer näher zusammen, um trotz der akustischen Herausforderung des vollen Saals den Austausch in den Gesprächsrunden zu ermöglichen. Hier und da
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

fanden sich auch Partner, die sich ganz gezielt zu zweit zu einem Thema austauschen wollten und aus dem großen Kreis zurückzogen. »Das ist auch genau unser Problem!«, hörte man immer wieder, und »Haben Sie schon daran gedacht, das so zu lösen?« oder »Also wir haben das so gemacht.« Eine Herausforderung, die immer wieder in verschiedenen Gruppen betont wurde, sind die Absprachen mit Behörden beziehungsweise der Umgang mit bürokratischen Vorgaben. Von einer »maßlosen Überforderung der Behörden« sprach eine Teilnehmerin der Themengruppe »Jugendliche«. Es sei völlig unklar, nach welchen Prinzipien Termine vergeben würden, und viele Jugendlichen wüssten nicht, wann sie sich beispielsweise beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) einzufinden hätten. An mancher Stelle sind es nur kleine behördliche Hindernisse, die für die Träger zu großen Schwierigkeiten führen. »Uns würde es ja reichen, wenn wir einen einzigen Ansprechpartner für queere Flüchtlinge beim LaGeSo hätten«, sagte Jouanna Hassoun vom Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule (MILES) des LSVD Berlin-Brandenburg. Woran es derzeit scheitert? »Bei den Behörden geht man davon aus, dass andere Probleme derzeit
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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE

dringlicher sind«, so Hassoun. Dabei gehe es keineswegs um Luxusbedürfnisse, wenn man sich dafür einsetzt, dass queere Flüchtlinge in gesonderten Unterkünften untergebracht werden. »Es geht einfach um die Sicherheit dieser Menschen.« Wie funktioniert Kommunikation ohne gemeinsame Sprache? Die Herausforderung, sich mit den Geflüchteten zu verständigen, wurde in verschiedenen Gruppen immer wieder aufgegriffen. »Die Teilnehmer vermissen schmerzlich Angebote für bezahlbare Dolmetscher«, fasste Kita-Referent Martin Hoyer ein Ergebnis der Diskussion zusammen. Und dabei geht es längst nicht nur um die Übersetzung von Fremdsprachen, wie in der Themeninsel »Besonders Schutzbedürftige Flüchtlinge« deutlich wurde: Auch für Gebärdensprache braucht es Sprachmittler, die wiederum kulturell sensibilisiert sind. Generell sei ein sensibler Umgang mit den Geflüchteten sehr wichtig, der sich zum Beispiel in der Haltung gegenüber den Menschen zeige, so eine Sozialarbeiterin: »Statt privilegierter Helfer, die von oben herab auf die Neuankömmlinge blicken, sollten wir ihnen lieber als Partner zur Seite stehen und sie bei der Integration unterstützen.« Wie sehr sich Achtsamkeit auch in der Sprache wiederspiegelt, darauf wies Jugendhilfereferent Andreas Schulz hin: Die seit einiger Zeit offiziell verwendeten Abkürzung UMA steht für »Unbegleitete minderjährige Ausländer« – und sei somit nicht nur unpasThemengruppe »Engagement«

send beim Bezug auf Flüchtlinge, sondern auch degradierend. Man solle diese Abkürzung daher nur im rechtlichen Kontext verwenden, nicht aber bei der täglichen Arbeit mit Jugendlichen, empfahl Schulz. Sind Ehrenamtliche den neuen Herausforderungen gewachsen? Wer hilft den Helfern? Mit diesen Fragen setzte sich unter anderem die Themenrunde zu Engagement und Stadtteilarbeit auseinander, die von der Leiterin der Geschäftsstelle Bezirke, Anne Jeglinsky, moderiert wurde. Einig war man sich darüber, dass sowohl Haupt- als auch Ehrenamtliche dringend besser geschult und dadurch auf die herausfordernden Aufgaben vorbereitet werden müssen. Dazu gehöre auch, so Martin Hoyer, Moderator der Themeninsel Kita, dass Helfer für den Umgang mit traumatisierten Geflüchteten sensibilisiert werden müssten. »Wie schützen wir unsere Mitarbeiter vor moralischer und seelischer Belastung?«, fragte auch Frauen-Referentin Evelyn Seelinger, Moderatorin der Themengruppe »Migrations- und Flüchtlingssozialberatung / Beratungsangebote für geflüchtete Familien«. Neben den Möglichkeiten und Grenzen der Helferinnen und Helfer waren auch die Kompetenzen der Flüchtlinge selbst immer wieder Thema. Die rasche Anerkennung ausländischer Abschlüsse sei dafür unerlässlich, so Bezirksbeauftragte Anna Zagidullin, die die Themengruppe »Bildung, Arbeit, Beschäftigung« moderierte. Auch müsse ein starker Fokus darauf liegen, möglichst schnell das Be-

schäftigungsverbot für alle Bleibeberechtigten aufzuheben. Wohnraum schaffen statt nur Unterbringung Eine schnelle Unterbringung ist der erste Schritt, wenn Geflüchtete in unsere Stadt kommen, gerade angesichts des hereinbrechenden Winters. Über zehn Not- und Gemeinschaftsunterkünfte werden mittlerweile von Paritätischen Mitgliedsorganisationen betrieben. Und diese Zahl wächst stetig, denn viele Träger beschäftigen sich mit dem Gedanken, selbst zum Betreiber zu werden. Doch die bürokratischen Hürden sind weiterhin sehr hoch. »Bei akuten Problemen begleitet der Paritätische und vermittelt zwischen LaGeSo und Trägern«, so Jan Hambura vom Paritätischen Berlin. »Strukturelle Probleme können wir allerdings nicht grundsätzlich lösen.« Die Mitarbeiterin eines Stadtteilzentrums forderte mehr Nachhaltigkeit bei der Unterbringung: »Wir dürfen uns nicht damit zufrieden geben, dass Menschen einfach ‚verwahrt‘ werden!« Man hoffe auf eine deutliche Verbesserung durch den neu eingerichteten landesweiten Koordinierungsstab Flüchtlingsmanagement, so Jan Hambura, Momentan liege der Fokus leider weiterhin auf der Einrichtung und Belegung von Notunterkünften. Die Suche nach geeignetem Wohnraum für Geflüchtete zieht sich quer durch alle Bereiche, das wurde in den verschiedenen Themenkreisen deutlich. »Wir wollen gern eine WG aufmachen, aber es fehlt einfach an Wohnraum«, so Christof Buch von der Jugendhilfe in Lichtenberg gGmbH. Er hatte Glück: In der Runde saßen einige Vertreter von Trägern, die bereits Erfahrungen mit Wohnprojekte für Geflüchtete hatten – und diese gerne teilten. Im Anschluss an die angeregten Diskussionen in den Themenrunden ging der Austausch weiter. Ein »eher klassisches, aber sehr effektives und bewährtes Format« hatte Holger Spöhr hierfür zu Beginn der Veranstaltung angekündigt – »auch bekannt unter dem Namen ‚gemeinsames Mittagessen‘». Und so trafen sich die Teilnehmer zu Rotkohl, Klößen und angeregten Gesprächen im Restaurant der Sprachschule. NINA PERETZ
Wissenswertes Hier finden Sie eine Übersicht der Mitgliedsorganisationen des Paritätischen, die in der Flüchtlingsarbeit engagiert sind: paritaet-berlin.de/fluechtlingsengagement-mitglieder Lesen Sie mehr über das Engagement des Paritätischen hier: paritaet-berlin.de/fluechtlinge

FOTO: PETRA ENGEL

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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE

Integration der Flüchtlinge ab dem ersten Tag!
Der Paritätische Berlin fordert sofortige Unterbringung, Kinderschutz und Teilhabemöglichkeiten

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ie Versorgung und Unterbringung mehrerer hundert Flüchtlinge, die gerade täglich nach Berlin kommen, ist eine Mammut­ aufgabe. Sie wird durch das beispiellose Engagement der Berlinerinnen und Berliner gesichert – sowohl ehrenamtlicher Helfer also auch professioneller Kräfte. Die Flüchtlinge in Unterkünfte zu bringen, ist ein erster und essenzieller Schritt. Doch Flüchtlingshilfe muss viel weiter gehen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin fordert: Die

mer gewährleistet sein – auch an Sammelstellen und in Notunterkünften. Sammelunterkünfte sind keine guten Orte für Familien! Kinder unter sechs Jahren müssen möglichst schnell eine Kita besuchen. Viele Kitas unter dem Dach des Paritätischen stellen trotz Platzmangels Plätze für Flüchtlingskinder zur Verfügung. Für die Betreuung von Kindern nach Flucht und Traumatisierung benötigen die Kitas dringend mehr Personal und Geld. Für Kinder, die noch keine Kita oder Schule besuchen, muss ein sozi-

Besonders schutzbedürftige Gruppen müssen im Konzept der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales stärker berücksichtigt werden. Traumatisierte, behinderte oder chronisch kranke Flüchtlinge brauchen spezialisierte Behandlung und Begleitung! Bestehende Netzwerke und Angebote müssen gefördert werden. Die Angebote unserer Mitgliedsorganisationen in der Gesundheitsversorgung, der Traumabehandlung und der Sucht- und Drogenhilfe werden von Flüchtlingen bereits jetzt in Anspruch genommen und müssen gestärkt werden. 4. Arbeitsmarkt: Schneller Zugang zu Ausbildung, Beschäftigung und Beruf! Eine dauerhafte Finanzierung für die Deutschkurse, die derzeit noch meist von ehrenamtlichen Initiativen angeboten werden, muss gesichert werden! Der rasche Zugang zum Arbeitsmarkt ist unerlässlich für gesellschaftliche Integration. Der Paritätische fordert die Abschaffung der Nachrangigkeit für Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt und ein vereinfachtes Verfahren zur Anerkennung und Prüfung von Qualifikationen. Paritätische Mitglieder arbeiten mit den Jobcentern zusammen und stellen muttersprachliche Berater und Joblotsen bereit. Dieses Angebot muss auf die Jobcenter in allen Bezirken ausgeweitet werden – der Paritätische steht als Partner dafür zur Verfügung. Der Paritätische Berlin fordert, dass Politik und Verwaltung diese Punkte umsetzen, um menschenwürdige Rahmenbedingungen zu schaffen! Erst wenn diese Grundbedarfe gedeckt sind, kann Integrationsarbeit sinnvoll und nachhaltig wirken. Der Paritätische und seine Mitgliedsorganisationen engagieren sich schon seit Jahrzehnten für Flüchtlinge. Hauptamtliche und Freiwillige setzen sich nach Kräften für gute Unterbringungen, Beratungen und Willkommenskultur ein. Wir unterstützen das Land Berlin mit Know-how und vielseitigem Potenzial bei dieser großen gesellschaftlichen Herausforderung!
Wissenswertes Mehr zum Flüchtlingsengagement des Paritätischen: paritaet-berlin.de/fluechtlinge
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Fest der Nachbarn, Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum in der ufaFabrik e. V.

FOTO: BIRGIT BIENE/NUSZ

Flüchtlinge müssen ab dem ersten Tag integriert werden – durch Gesundheitsversorgung, Ausbildung und berufliche Chancen! Der Kinderschutz muss immer gewährleistet sein! 1. Unterkunft: Kein Flüchtling darf obdachlos sein! Die Menschen müssen sofort in Notunterkünften und möglichst schnell in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden. Nicht ein einziger Flüchtling darf durch bürokratische Verschleppung ohne Dach über dem Kopf sein. Paritätische Mitgliedsorganisationen stellen bereits zahlreiche Unterkünfte zur Verfügung. Außerdem liegen dem LaGeSo zahlreiche unbearbeitete Angebote Paritätischer Träger zur Einrichtung von Gemeinschaftsunterkünften vor. Diese müssen schnell und unbürokratisch genutzt werden. 2. Kinder- und Jugendschutz: Mehr Sicherheit für Minderjährige! Der Schutz von Kindern und Jugendlichen steht an erster Stelle und muss im32	

alpädagogisch betreutes Spielzimmer direkt in allen Erstaufnahmeeinrichtungen eingerichtet werden, um einen geschützten, kindgerechten Raum zu schaffen. Unbegleitete jugendliche Flüchtlinge müssen gesondert untergebracht werden. Neben speziellen Unterkünften muss auch die Aufnahme ins betreute Jugendwohnen möglich sein. Wir fordern unbürokratische Lösungen! 3. Gesundheitsversorgung: Flüchtlinge brauchen von Anfang an Zugang zu medizinischer Versorgung! Die elektronische Gesundheitskarte muss sofort eingeführt werden, damit Flüchtlinge angemessen medizinisch versorgt werden. Dies kann aber nur der erste Schritt sein. Geflüchtete Menschen müssen von Anfang an einen gleichberechtigen Zugang zur medizinischen Regelversorgung bekommen. Die Angebote freier Träger für gesundheitliche Prävention und Hilfe – auch direkt vor Ort – müssen sinnvoll darauf abgestimmt werden.
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE

Jenseits der »Willkommenskultur«
Aktuelle Probleme in der Beratungspraxis von KuB e. V.

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berwältigende Hilfsbereitschaft« – davon ist viel die Rede. Auch wir in der KuB begrüßen es, dass sich nach jahrelangem Desinteresse viele Menschen heute für Flüchtlinge engagieren. Wir beobachten aber auch mit Sorge, dass sich der Staat aus der Affäre zieht, wenn er die Gewährleistung von sozialen Menschenrechten auf private Initiativen abwälzt. Es ist zutiefst beschämend für das reichste Land Europas, wenn Kinder, kranke und traumatisierte Menschen, schwangere Frauen nächtelang unversorgt vor Registrierungsstellen verharren müssen, weil ihre Wartemarke nicht gezogen wird. Im Beratungsalltag bewegen uns allerdings Fragen, die im Vergleich dazu und angesichts von Terroranschlägen gegen Flüchtlingsunterkünfte nachrangig scheinen mögen, für die Ratsuchenden aber äußerst relevant sind. Da ist Hussein*, 16 Jahre alt. Dem Krieg in Syrien entkommen, hat er sich alleine nach Deutschland durchgeschlagen. Er wurde als Flüchtling anerkannt, während andere unbegleitete Minderjährige aus Syrien noch warten, dass der Amtsvormund für sie Asyl beantragt. Nun will er seine Eltern aus Beirut zu sich holen, einen Pass haben sie nicht. Wird die Botschaft einen Reiseausweis für Ausländer ausstellen, der Voraussetzung für ein Visum ist? Oder wird sie von den Eltern verlangen, dass sie nach Syrien zurückkehren, um dort
* Namen fiktiv, Lebenssachverhalte real

einen syrischen Pass zu beantragen? Sicherheit können wir Hussein nicht geben: Die Ausstellung von Reiseausweisen für Ausländer ist in Beirut leider kein Selbstläufer. Sreya* hat ihr Masterstudium erfolgreich abgeschlossen, aber leider noch keine Arbeit. Kein Problem, denkt sie, denn als Hochschulabsolventin kann sie eine Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitssuche beantragen, die 18 Monate gilt. Doch das setzt die Sicherung des Lebensunterhalts voraus. Während des Studiums hatte Sreya ein Stipendium, doch das wird nach dem Abschluss nicht weiter gezahlt. Ihre Eltern, indische Mittelschicht, können sie zwar unterstützen (da hat sie Glück), bringen aber nicht auf einen Schlag die Summe auf, die sich bräuchte, um ein Sperrkonto einzurichten. Das aber verlangt die Ausländerbehörde, sonst wird sie die Aufenthaltserlaubnis nicht ausstellen. Jahrelang war Jérôme* in Deutschland geduldet. Seit zwei Jahren hat er auf Empfehlung der Härtefallkommission eine Aufenthaltserlaubnis. Nun möchte er sich einbürgern lassen. Er ist ja schon seit 15 Jahren in Deutschland, spricht fließend Deutsch und verdient mehr als genug, um seinen Lebensunterhalt zu sichern, dann wird das sicher einfach? Weit gefehlt: Für die Einbürgerung muss er mindestens sieben Jahre in Deutschland leben, Duldungszeiten werden nicht angerechnet. Jorge*, aus Kolumbien, hat Natasha*, aus Irland, geheiratet, sie arbei-

tet in Deutschland. Eigentlich sollte er eine Aufenthaltskarte bekommen, die fünf Jahre lang gilt, so ist es gesetzlich vorgesehen. Doch die Ausländerbehörde befristet die Karte auf die Dauer des Arbeitsvertrags seiner Frau – reine Schikane, die ihn zwingt, demnächst wieder bei der Behörde vorzusprechen. Wenn Natasha ihre Arbeit verliert und SGB II-Leistungen beantragen muss, wird das JobCenter sie wahrscheinlich darauf hinweisen, dass arbeitsuchende Unionsbürgerinnen von Leistungen ausgeschlossen sind. Trotz aller verfassungsrechtlichen Bedenken steht das so im Gesetz. Dort steht aber auch, dass unfreiwillig arbeitslose Unionsbürgerinnen und -bürger mindestens sechs Monate lang weiterhin als Arbeitnehmer, nicht als Arbeitsuchende gelten  – und daher gar nicht unter die Ausschlussklausel fallen. Das verkennen die Leistungsbehörden allzu oft. Die Aufnahme von Flüchtlingen ist heute eine große Herausforderung, das stimmt. Das rechtfertigt aber nicht, die Rechte von Menschen ohne deutschen Pass zu missachten, sei es durch schikanöse Gesetze oder durch die rechtswidrige Verwaltungspraxis von so mancher Behörde.
   CHRISTOPH TOMETTEN KONTAKT- UND BERATUNGSSTELLE FÜR FLÜCHTLINGE UND MIGRANT_INNEN, BERLIN-KREUZBERG

Wissenswertes Mehr unter kub-berlin.org

»Wir heilen hier und jetzt«
Medizinische Versorgung in der ASB-Notunterkunft Wilmersdorf auf professionellem Niveau
ir halten an sechs Tagen in der Woche Sprechstunden ab, um die meist unversicherten Flüchtlinge medizinisch zu versorgen«, sagt Mithu Sen, die medizinische Leiterin der Ambulanz in der ASB-Notunterkunft Wilmersdorf. Ohne die ehrenamtliche Unterstützung hätten die meisten der Bewohner keine ärztliche Betreuung. »In der Sprechstunde arbeiten in der Regel zwei AllNovember / Dezember 2015	

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gemeinmediziner, ein Kinderarzt und drei Pflegekräfte zusammen, die von Dolmetschern unterstützt werden«, sagt Sen. Sie selbst ist praktisch täglich in der Ambulanz und hat mittlerweile vom Ehrenamt in das ASB-Hauptamt gewechselt. Gis Rochow, Fachärztin für Psychiatrie, führt mit ihrem Team von Psychologinnen mit großem Engagement die psychiatrisch-psychologische Versorgung der traumatisierten
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

oder psychisch erkrankten Flüchtlinge durch. Von Erkältung bis Zahnschmerzen »Schwangere Frauen und Säuglinge werden kontinuierlich durch Hebammen betreut, für gynäkologische Fälle ist unser Team von Frauenärztinnen zuständig«, sagt Sen. Zusätzlich kämen mehrfach in der Woche Zahnärzte ins Haus, welche die Behandlung
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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE RUBRIK

von Schmerzpatienten übernehmen. Insgesamt arbeiten in der Ambulanz der ASB-Notunterkunft im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf 48 Ärzte, 25 Pfleger, acht Psychologen, drei Hebammen und vier Zahnärzte. »Die ‚Apotheker ohne Grenzen‘ verwalten das Medikamentenlager und ermöglichen durch Geldspenden den Kauf von neuen Medikamenten«, sagt Sen. Zur Grundausstattung gehören Arzneien gegen Allergien, Asthma und Durchfall. Wichtig sind in der kälteren Jahreszeit natürlich auch Nasensprays und Mittel gegen Husten. Die weitere Finanzierung der Medikamente erfolge über »Medizin hilft Flüchtlingen«. »Die räumliche Ausstattung ist dank der großen Unterstützung des ASB sehr gut«, sagt Sen. Getreu dem ASB-Grundsatz der Ersten Hilfe ist alles vorhanden, was man für den Notfall braucht: EKG, Notfall-Sauerstoffgerät, Ultraschall, Inkubationsbesteck und Defibrillator. Der ASB bietet darüber hinaus Erste Hilfe Kurse für alle Helfer an. »Wir bieten hier im Prinzip die gleiche Versorgung an wie in einer durchschnittlichen Hausarztpraxis, nur dass wir den Vorteil haben, dass wir gleich auf mehrere Fachrichtungen zugreifen können«, freut sich auch Jens-P. Schmidt, Pflegedienstleiter der Ambulanz. Schmidt selbst kam im August ganz spontan nach Wilmersdorf. »Ich wollte wissen, wie ich mich als Pfleger in der Flüchtlingshilfe einbringen kann.« Seitdem ist er so gut wie jeden Tag vor Ort. Versorgung direkt vor Ort »Die gute Ausstattung ermöglicht es, die schwangeren Frauen bei Bedenken oder Sorgen nicht gleich zu verunsichern und in die Klinik zu schicken, sondern vor Ort zu untersuchen«, er-

klärt Emine Babac, Leiterin der Hebammen. »Wir setzen das Ultraschall ein, damit die Frauen in der Notunterkunft – wie jede andere schwangere Frau in Berlin auch – einen Organschall von ihrem Kind bekommen kann.« Babac verbringt – neben ihrem Hauptberuf – praktisch jede freie Minute in der Notunterkunft. Die Frauen, die unter dem Einfluss der schweren Strapazen einer Flucht ihr Kind zur Welt bringen müssen, schätzen ihre Hilfe außerordentlich. Ein großer Teil der Versorgung sei Seelsorge. Die hervorragende Infrastruktur der Ambulanz biete hierfür sehr gute Voraussetzungen. Es schone viel Zeit und Energie, wenn sie die Frauen nur im Notfall in die Klinik schicken müsse.
Vater und Sohn bei der Routineuntersuchung

Ähnlich wie in der Gynäkologie verhält es sich auch in der Allgemeinmedizin: Ein Großteil der Beschwerden, mit denen die Bewohner in die Ambulanz kommen, kann nicht durch Technik, sondern mit Aufmerksamkeit und Wertschätzung, kuriert werden. Hassam al Said ist mit seinen beiden Kindern in die Ambulanz gekommen, weil sie alle ein leichtes Kratzen im Hals spüren. Eine ehrenamtliche Internistin untersucht die Familie, hört sich ihre Sorgen an und gibt Empfehlungen zur Therapie. Die Familie genießt die Aufmerksam sichtlich. Al Said sagt: »Ich bin sehr froh, dass die Ärzte ihre Zeit investieren, um uns zu helfen.«
  JULIAN THIEL, REFERENT FÜR ÖFFENTLICHKEITSARBEIT ASB LANDESVERBAND BERLIN E. V.

FOTO: ASB/JULIAN THIEL

Echte Willkommenskultur in Berlin fördern
Beirat für Zusammenhalt ist seit einem Jahr im Amt

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urch kriegerische Auseinandersetzungen und wirtschaftliche Not in verschiedenen Regionen der Welt steigt die Zahl der Flüchtlinge kontinuierlich an. Um den damit verbundenen Herausforderungen besser begegnen zu können, hat der Senator für Gesundheit und Soziales, Mario Czaja, Ende November 2014 den Beirat für Zusammenhalt ins Leben gerufen. Mittlerweile ist der Beirat seit einem Jahr im Amt. Er versteht sich als Unterstützung bei der Stärkung der Willkommenskultur und somit der Zivilgesellschaft in der Stadt. Zu seinen Aufgaben gehört auch der Dialog mit Verbänden, der Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Darüber

hinaus berät das Gremium den Sozialsenator bei Fragen der aktuellen Flüchtlingspolitik. Der überparteiliche Beirat für Zusammenhalt besteht aus vier ehemaligen Berliner Spitzenpolitikern: Eberhard Diepgen (CDU), ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin, Dr. Heidi Knake-Werner (Die Linke) und Ingrid Stahmer (SPD), ehemalige Sozialsenatorinnen, sowie Wolfgang Wieland (Bündnis90/Die Grünen), ehemaliger Justizsenator. Die Geschäftsstelle des Beirates für Zusammenhalt ist beim Paritätischen Berlin angesiedelt und wird von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales gefördert.
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PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE

Die Beiratsmitglieder zu Besuch beim Regierenden Bürgermeister Michael Müller

FOTO: PARITÄT BERLIN

Bereits direkt nach der Gründung des Beirates haben seine Mitglieder Flüchtlingsunterkünfte und sich im Bau befindende Objekte besichtigt. Gleichzeitig haben sie mit Bürgerinnen und Bürgern in der Nachbarschaft das Gespräch gesucht und gemeinsam mit ihnen Einzelfalllösungen entwickelt. Denn der direkte persönliche Dialog mit Bürgern ist eine wesentliche Aufgabe des Beirates: Die Anwohner sollen ihre berechtigten und unberechtigten Sorgen und Nöte in vertrauensvollen Gesprächen äußern können. So haben die Beiratsmitglieder an zahlreichen Anwohner- und Informationsveranstaltungen von zukünftigen oder schon bestehenden Standorten von Flüchtlingsunterkünften teilgenommen. In enger Kommunikation mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, mit Sozialsenator Mario Czaja sowie weiteren Politikern auf Landes- und Bezirksebene haben die Mitglieder des Beirates für Zusammenhalt eine Reihe von Initiativen und konkreten Verbesserungsvorschlägen vorgestellt. Sie zielen darauf ab, die schnelle Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt und das soziale Leben

in Berlin zu ermöglichen. Nach ihrem Besuch beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) haben die Beiratsmitglieder beispielsweise den Verantwortlichen konkrete Vorschläge zur Optimierung der Unterbringung von Flüchtlingen unterbreitet. Des Weiteren unterstützen sie den Sozialsenator bei der Errichtung neuer und Ertüchtigung bestehender Immobilien zu diesem Zweck. Am 15. April 2015 war der Beirat zudem gemeinsam mit der Senatskanzlei Berlin und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin Veranstalter der Fachtagung »Rechtliche Fragen rund um die Berliner Flüchtlingspolitik und deren Auswirkung auf die Praxis sozialer Arbeit« mit über 300 Teilnehmern.
Wissenswertes Kontakt zur Geschäftsstelle des Beirates für Zusammenhalt beim Paritätischen Wohlfahrtsverband LV Berlin e. V.: Telefon: 030 8 60 01 333 Beirat-fuer-Zusammenhalt@paritaet-berlin.de Brandenburgische Straße 80, 10713 Berlin

Neue Herausforderungen – bewährte Lösungen
Das Flüchtlingsengagement des Unionhilfswerk

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it seinem Flüchtlingsengagement knüpft das Unionhilfswerk heute – 70 Jahre nach seiner Gründung – an eine seiner Ursprungsaufgaben an. Seine Arbeit begann das Unionhilfswerk 1946 praktisch damit, sich um einen zumindest annähernd vergleichbaren Personenkreis zu kümmern. Die damaligen Angebote richteten sich an Berliner, die durch den Bombenkrieg wohnungsNovember / Dezember 2015	

beziehungsweise obdachlos geworden waren, an Kriegsheimkehrer, aber natürlich auch Flüchtlinge, die aus Ostund Westpreußen, aus Hinterpommern, aus Schlesien oder aus den sudetendeutschen Gebieten nach Berlin kamen. Für sie wurden Suppenküchen, Kleiderkammern, Notunterkünfte und vieles mehr eingerichtet. Bis Mitte der 50er Jahre gab es in der Hochzeit über 1500 Plätze in ÜbergangseinrichtunPARITÄTISCHER RUNDBRIEF

gen, die vom Unionhilfswerk betreut wurden. Zwei neue Unterkünfte – viele Herausforderungen Wir haben in Ende September 2015 unsere erste Einrichtung für Flüchtlinge im Bezirk Treptow-Köpenick, Ortsteil Rahnsdorf, eröffnet. In dieser erhalten 155 Flüchtlinge eine Übergangsunterkunft. Ende November 2015 wurde in
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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE

Lichtenberg eine Einrichtung für 455 Menschen eröffnet. Die Eröffnungen wurden jeweils über Monate vorbereitet, wobei die Vernetzungen im jeweiligen Bezirk und im Kiez, in dem die Einrichtung gelegen ist, im Mittelpunkt standen. Kontakt gab es natürlich zu den zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der jeweiligen Bezirksämter, aber auch zu bereits in diesem Tätigkeitsfeld engagierten Initiativen, Gruppen und Kirchengemeinden. Hier hat das Freiwilligenmanagement des Unionhilfswerk einen großen Teil der Aufgabe bewältigt, aber auch die Interessensgemeinschaft »Junge Menschen« aus dem Vereinsbereich des Unionhilfswerk sowie die jeweiligen Bezirksverbände waren sehr aktiv. Natürlich waren auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Fachabteilung involviert, die sich bisher schon um wohnungslose Menschen gekümmert haben und nunmehr auch die Zuständigkeit für Flüchtlinge mit übernehmen. Alleine für die beiden Einrichtungen in Rahnsdorf und Lichtenberg sind insgesamt über 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständig. Darüber hinaus gibt es Verträge mit Wachschutzfirmen, die dort ja auch Arbeitsplätze schaffen. Aber auch in unserem bestehenden System ist zusätzliche Arbeitskraft gefragt: Bei unserer Haustechnik, die die Baumaßnahmen begleitete, in der Fachabteilung, die die fachliche Begleitung und die AbrechKleiderkammer mit gespendeten Schuhen

nungen der Leistungen betreut, in der Verwaltung, der Personalabteilung und der Finanzbuchhaltung. Im Einzelnen müssen wir noch sehen, in wieweit unsere Ressourcen ausreichen oder wir diese mittelfristig erhöhen müssen. Nur für leistungs- und ressourcenstarke Träger zu stemmen Eine Flüchtlingsunterkunft zu betreiben bringt auch große finanzielle Herausforderungen für einen Träger mit sich, besonders wenn es nicht zeitnah zu Vertragsverhandlungen beziehungsweise Anpassungen von vorläufigen Entgeltvereinbarungen kommt. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Baumaßnahme beendet ist, bei der die Kosten nachverhandelt werden müssen, weil die zunächst bewilligten Mittel vorne und hinten nicht ausreichen. Aber auch, wenn Tarifentwicklung eingearbeitet werden muss. Träger müssen wirtschaftlich sehr leistungsstark sein, da sonst schon nach sehr kurzer Zeit Liquiditätsprobleme auftreten können. Beim Unionhilfswerk entstehen derzeit beispielsweise innerhalb eines Monats schnell Forderungen an das LaGeSo in Höhe von 250.000 Euro – einfach durch laufende Kosten. Darüber hinaus sind Vorfinanzierungen im Bereich der Ausstattungen nötig. Auch hier handelt es sich um mehrere hunderttausend Euro. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LaGeSo sind zwar durchaus bemüht,

uns hier zu unterstützen, sind aber selbst völlig überlastet. Es gibt keine Zeit, um Verhandlungen durchzuführen, und es wirkt – zumindest für uns – auch so, als wären die Kompetenzen zwischen den verschiedenen Bereichen im LaGeSo und der Senatsverwaltung noch nicht ausreichend abgegrenzt. Das führt dazu, dass Entscheidungen nicht zeitnah getroffen werden und ganze Themenkomplexe ungelöst bleiben. Bessere Abstimmung muss her Unserer Meinung nach sollte das Land Berlin so etwas wie lokale Steuerungsgruppen entwickeln: Jeweils für einen Bezirk zuständige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LaGeSo und der Senatsgesundheitsverwaltung, der Berliner Immobilienmanagement GmbH (wenn es um die Anmietung von Immobilien geht) sowie natürlich des jeweilig zuständigen Bezirksamtes und Liga-Vertreter sollten sich nach Abstimmung zur Entwicklung der Hilfen auf bezirklicher Ebene treffen. Für konkrete Projekte müssten die jeweiligen Bauherren so zeitnah wie möglich einbezogen werden, um abzustimmen, was tatsächlich gebaut werden soll. Außerdem müssen natürlich die vorgesehenen Träger, die Projekte übernehmen sollen, mit ins Boot. So wäre gewährleistet, dass sich die gleichen Personen immer wieder treffen und lernen, die anstehenden Aufgaben ganzheitlich zu betrachten und

FOTO: NINA PERETZ

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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE

umfassende Lösungen zu finden. Meiner Meinung nach wird im Augenblick unglaublich viel Zeit und Kraft verschwendet, weil es solche koordinierenden Runden nicht gibt. Weil einzelne immer mit einzelnen reden und immer nur einzelne Probleme lösen, anstatt einige wenige Male in gemeinsamen Runden zu kommunizieren und verbindliche Absprachen zu treffen. Mehr Investition in Arbeit und Beschäftigung Ich glaube auch, dass der Staat alleine völlig überfordert ist, wenn Flüchtlingen in der Zukunft auch nur annähernd in gleichen Größenordnungen weiter zu

uns kommen. Vielleicht sollte man sich gerade hier im Land Berlin darauf besinnen, wie es vor 25 Jahren nach der Wiedervereinigung war. Um eine Massenarbeitslosigkeit zu vermeiden, hatte man damals Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften ins Leben gerufen, die wiederum durch sogenannte Servicegesellschaften gesteuert wurden, die bei freien Trägern angesiedelt waren. Ein ähnliches Instrumentarium könnte auch heute für mehr Effizienz und schnellere Erfolge sorgen. Für die Begleitung des bürgerlichen Engagements werden mit Sicherheit zusätzliche Mittel gebraucht. Fortbildungen sprachlicher Art müssen ebenso fi-

nanziert werden wie die die Schulung interkultureller Kompetenzen, die Entwicklung von Begleitformaten von Beratung für ehrenamtlich Engagierte oder Supervisionen. Bürgerschaftliches Engagement muss von Fachleuten gestützt werden, auch das kann nicht alleine auf dem Rücken der Träger ausfinanziert werden. Schnellstmöglich brauchen wir Formate für den Spracherwerb der Flüchtlinge, die hier längere Zeit bleiben. Außerdem müssen sinnhafte Beschäftigungsangebote als eine Vorstufe zur Arbeit entwickelt werden.
  NORBERT PROCHNOW GESCHÄFTSFÜHRER UNIONHILFSWERK SOZIALE DIENSTE GGMBH

Welcome to Rahnsdorf!
Ein Besuch in der Flüchtlingsunterkunft des Unionhilfswerk

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anz still ist es, wenn man von der Hauptstraße zur Flüchtlingsunterkunft in Rahnsdorf abbiegt. Das weiß-graue ehemalige Bürogebäude liegt zwischen Bäumen und Einfamilienhäusern mit gepflegten Gärten. Der Weg führt unter einem großen Banner mit der Aufschrift »Welcome to Rahnsdorf« durch. Still ist es auch, wenn man die Unterkunft betritt, wo man vom Wachmann freundlich begrüßt wird. Erst im Büro der Einrichtungsleiterin Kerstin Pouryamout bekommt man einen ersten Eindruck davon, was es bedeutet, eine neu eröffnete Flüchtlingsunterkunft zu managen. »Kommen Sie rein! Ich muss nur noch kurz Erste Hilfe leisten für unsere Unterkunft in Weißensee«, sagt sie, gibt ein paar Tipps per Telefon durch, um dann hinterher ganz fürs Gespräch zur Verfügung zu stehen. »Wir sind hier schon etwas abgelegen, einzelne Bewohner haben die Unterkunft deshalb auch verlassen, weil sie direkt in der Stadt wohnen wollten.« Für die Familien sei es hier aber recht gut geeignet: Eine Grund- und eine Oberschule seien direkt in der Nähe und hätten sich gleich bereit erklärt, Willkommensklassen einzurichten, noch bevor die Unterkunft bezogen wurde. Die gute Zusammenarbeit mit den Bildungseinrichtungen vor Ort ist Frau Pouryamout sehr wichtig. »Der Schulbesuch ist laut unserer Heimordnung verpflichtend«, erklärt sie. Einmal die Woche komme eine Lehrerin der Grundschule auch direkt in die Unterkunft. Nicht um zu unterrichten, sondern um aktuelle Themen und Probleme zu besprechen – sowohl mit der Sozialarbeiterin vor Ort als auch direkt mit den Eltern. Das Telefon klingelt. »Entschuldigung«, sagt die Einrichtungsleiterin, vereinbart geschwind einen Termin mit der Bezirksverwaltung und berichtet fast nahtlos weiter aus dem Alltag in der Unterkunft. »Bildungsangebote gibt es auch vom Unterstützerkreis Rahnsdorf«, sagt sie, und deutet auf einen Stundenplan, der in ihrem Büro an der Wand hängt. Bürgerinnen und Bürger aus der Umgebung bieten Deutschkurse, Hausaufgabenhilfe und Sportprogramm an. Auch die Annahme, Sortierung und Verteilung von Sachspenden werden durch Ehrenamtliche koordiniert. Schon von Anfang an
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Spielzimmer in der rahnsdorfer Unterkunft

FOTO: UHW

hätten sich im Unterstützungskreis für alle Belange Gremien gebildet, die die Verantwortung für die verschiedenen Bereiche übernommen haben: Sport, Kultur, Bildung, Spenden und vieles mehr. »Die Menschen hier sind wirklich sehr engagiert.« Vor kurzem, berichtet Pouryamout, habe das Unionhilfswerk per Facebook einen Aufruf gestartet, dass Kinderbetten benötigt würden. Daraufhin seien so viele Betten gespendet worden, dass man einige an eine andere Unterkunft abgeben konnte.
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PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE

Überhaupt scheint die Rahnsdorfer Unterkunft sehr weit weg von den dramatischen Zuständen, über die in den vergangenen Monaten immer wieder in den Medien berichtet wurde. Schon Monate vor der Eröffnung hat sich der Unterstützerkreis gegründet und in regelmäßigen Versammlungen die Begleitung der neuen Nachbarn geplant. Als diese dann ankamen, waren sie bei weitem nicht so hilfebedürftig, wie die Anwohner vermutet hatten: Die meisten waren zuvor schon monatelang in Deutschland gewesen, kannten sich bereits mit den öffentlichen Verkehrsmitteln aus, sprachen etwas Deutsch. Die Kinder gingen bereits zur Schule oder in die Kita. »Es gab anfangs auch Ängste«, so Pouryamout, »aber eher davor, dass man plötzlich die Nazis vor der Tür haben könnte.« Das sei zum Glück ausgeblieben. Die älteren Menschen vom Seniorenwohnen nebenan habe der Hausmeister durch gutes Zureden und geduldige Erklärungen beruhigen

einen Besucherausweis?«, fragt sie einen jungen Mann, und seine Begleiterin fordert sie auf: »Melden Sie sich doch mal wieder unten im Büro, ich habe Sie schon ein paar Tage nicht gesehen.« Man merkt: Nicht nur der Unterstützerkreis arbeitet sehr strukturiert, auch die Heimleitung hat das Haus und seine Ordnung gut im Griff. Das ist auch wichtig, denn zur Verwaltung der Unterkunft gehört jede Menge Bürokratie. Jeden Abend geht eine Liste mit dem aktualisierten Belegungsstand ans LaGeSo, dafür braucht es jederzeit den Überblick, wer wirklich vor Ort ist. »Wenn eine Person zum Beispiel drei Nächste nicht in der Unterkunft verbracht hat, melden wir ihn oder sie ab. Schließlich werden die freien Plätze dringend benötigt«, erklärt Kerstin Pouryamout. Mit bunten Steckkärtchen ist es detailliert in einem Belegungsplan festgehalten, der im Büro an der Wand hängt: 145 Personen sind gerade im Gebäude untergebracht, 34 davon Kinder und Jugendliche. Serbien, Albanien,

Angekommen: In der Gemeinschaftsunterkunft in Rahnsdorf

FOTOS: UHW

können. »Er war selbst Flüchtling, der wegen des Balkankrieges hergekommen ist. Ihm vertrauen die Anwohner, so ist er zu einem wichtigen Vermittler geworden.« Jetzt warteten die Senioren voller Vorfreude auf die Weihnachtsfeier Ende November, zu der die Bewohner der Unterkunft sie eingeladen haben. Bereits beim Tag der offenen Tür seien über 500 Menschen dagewesen: »Die Leute standen draußen Schlange, um einmal reinzuschauen!« Eine gerichtliche Klage gegen die Unterkunft habe es gegeben, die sei aber sofort zurückgewiesen worden. Heute sei die Herausforderung eher, eine Balance zwischen den Angebote der Unterstützer und den Bedürfnissen der Bewohner zu finden. Dabei müsse man – wie bei vielen Fragen in der Unterkunft – sich auf immer wieder auf ganz spontane Entscheidungen verlassen. »Der beste Plan ist manchmal, einfach keinen Plan zu haben.« Auf dem Weg durch die Flüchtlingsunterkunft sieht Kerstin Pouryamout auch gleich nach dem Rechten. Schnippst hier etwas Abfall in den Mülleimer, hebt Papier vom Boden auf, beschwert sich darüber, dass die Kinderwagen mit Fahrradschlössern angeschlossen sind. »Wie soll denn da geputzt werden?«, murmelt sie. Im Flur deutet sie auf eine lange Reihe von Feuerwarnschildern in allen möglichen Sprachen – von Farsi über Französisch bis hin zu Türkisch. »Das ist Vorschrift, damit es alle lesen können«, erklärt sie. »Haben Sie
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Kosovo, steht auf der Liste der Herkunftsländer, aber auch Syrien, Afghanistan und einige afrikanische Länder. Die Menschen in der Rahnsdorfer Unterkunft sind Selbstversorger, das heißt, sie bekommen Zuwendungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und sind dann selbst fürs Einkaufen und Kochen zuständig. In jedem Stockwerk gibt es dafür eine große Gemeinschaftsküche. »Welcome« steht in roten Lettern auf gelbem Hintergrund auf einem Bild, als wolle der Schriftzug zum gemeinsamen Kochen und Essen einladen. »Meistens nutzen die Bewohner die Küche aber eigentlich nur zum Essen machen und ziehen sich dann in ihre Zimmer zurück«, so die Einrichtungsleiterin. »Herzlichen Glückwunsch!«, ruft sie kurz darauf auf dem Flur dem Hausmeister zu. »Du bist ab heute der Leiter-Beauftragte für alle Flüchtlingsunterkünfte des Unionhilfswerks.« Jeder Mitarbeiter im Haus habe mehrere Beauftragungen, erklärt sie lachend, vom Ersthelfer bis zum Sicherheitsbeauftragten. »Die Arbeit stapelt sich ganz schnell, vor allem die Bürokratie frisst Zeit«, so Pouryamout. Normale Arbeitszeiten seien erst einmal nicht in Sicht. Die Einrichtungsleiterin macht vor einer Glastür Halt: »Hier können wir jetzt nicht rein: Da ist Deutschunterricht.« Eine Freiwillige sitzt mit einigen Bewohnern am Tisch, »Erzählen Sie mir etwas von sich« ist an die Wandtafel geschrieben. Ein Kennenlernen der neuen Nachbarn – auch im Sprachunterricht.  NINA PERETZ
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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE

Nadeshda bedeutet Hoffnung
Ein Frauenverein macht sich stark für Flüchtlinge
ls der Frauenverein Nadeshda 2004 gegründet wurde, waren unsere Mitglieder überwiegend Spätaussiedlerinnen aus Kasachstan, der Ukraine, Russland und Sibirien. Sie kamen aus ländlichen Gebieten und hatten große Schwierigkeiten, in der Großstadt Fuß zu fassen, eine Arbeit zu finden und die Sprache zu lernen. Der Verein wollte Spätaussiedlerinnen und ihren Familien bei der Integration helfen und sie in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft bestärken. Im Laufe der Jahre hat sich die Mitgliedschaft geändert und mit ihr auch die Ziele des Vereins ausgeweitet. Die Mitglieder sind jetzt Frauen aus unterschiedlichen Kontinenten und Kulturen, mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit, und auch einige einheimische Frauen sind darunter. Heute setzt sich der Verein besonders für Migranten und Migrantinnen mit Hörbeeinträchtigung ein, denn diese Gruppe hat besondere Schwierigkeiten bei der Integration und keine Lobby. Flüchtlinge mit Behinderung Der Verein hat mit einer US-Stiftung zwecks Sponsorings von Hörgeräten für Flüchtlinge Kontakt aufgenommen. Es bestehen Kooperationen mit den Hörberatungsstellen des Senats und mit der Hörgeräte-Akustiker-Kette Flemming & Klingbeil zwecks Anpassung gesponserter Hörgeräte und der Verständigung darüber, wer bezüglich seines Herkunftslands, Grads der Schwerhörigkeit und Aufenthaltsdauer ein Hör-

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gerät bekommt. So erhält beispielsweise ein Flüchtling aus Tschetschenien keine Hörgeräte, da nur eine geringe Schwerhörigkeit vorliegt und der Flüchtling schon über ein Jahr auf den Asylbescheid wartet, d.h. eine Kassenversorgung kurz bevorsteht. Nadeshda e.  bittet alle, die mit V. schwerhörigen Flüchtlingen in Kontakt kommen, diese an den Verein zu verweisen, da dieser über eine Liste von HNO-Ärzten verfügt, die diese Flüchtlinge untersuchen. Die Abrechnung mit der AOK Nordost stellt noch immer ein Problem dar. Daher sollen Fälle von Flüchtlingen gesammelt werden, deren Verordnung für Hörgeräte vom LaGeSo entweder abgelehnt oder nicht bearbeitet wird, um dagegen Druck aufzubauen. Schwerhörige Flüchtlingskinder können sich direkt an Frau Dr. Ulrike Napiontek, Leiterin der Hörberatungsstellen, wenden: 030 60 97 25 00, per Mail an auris@ba-fk.verwalt-berlin.de Der Verein bemüht sich zudem um Fördermittel für Deutschunterricht mit Alphabetisierung für hörgeschädigte Flüchtlinge in Einzel-, beziehungsweise Kleinstgruppen. Jugendliche Flüchtlinge in Willkommensklassen Der Verein organisiert Deutschnachhilfe und Freizeitaktivitäten für Jugendliche von 12 bis 18 Jahren. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und basiert auf einer Kooperation mit der Ferdinand-Freiligrath-Schule in Berlin-Kreuzberg, an die bereits zwei ehrenamtliche

Lehrkräfte vermittelt wurden. Um das Projekt zu professionalisieren, ist Folgendes geplant: ·· zwei Deutschnachhilfekurse jährlich mit jeweils 15 Flüchtlingen und zugewanderten Jugendlichen mit Schulbildung ·· ein Deutschnachhilfekurs mit zehn Jugendlichen mit geringer Schulbildung ·· Freizeitaktivitäten, zum Beispiel ·· Kochkurs mit Einkaufen, beziehungsweise Beschaffen von Lebensmitteln über die Lebensmittelretter oder Berliner Tafel ·· Fahrrad fahren, organisiert durch die Berliner Polizei, Ausstattung der Jugendlichen mit Fahrrädern ·· PC-Kurse: Deutsch am PC, Foto- Videobearbeitung, Linux ·· Theaterkurse: kreativer Umgang mit eigener Geschichte und Theateraufführung ·· Fußballspielen/ Fitness ·· Exkursionen mit Eintrittskarten von Kulturleben e. V. Für das Projekt im Bereich Fitness/Fußballspielen sucht der Verein Kooperationspartner (Sportstätte) und einen größeren Raum für die Theaterproben beziehungsweise die Aufführung.

Wissenswertes Nadeshda e. V. Boxhagener Str. 106, 10245 Berlin Ricarda Buch, 030 97 00 23 00, nadeshda-ev.de, info@nadeshda-ev.de

Versorgung besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge
Übergangswohnverbund soll Regeneration und Stabilisierung unterstützen

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ür Flüchtlinge, die an chronischen Erkrankungen leiden, traumatisiert oder psychisch auffällig sind, bestehen in Berlin bislang keine ausreichenden Angebote für Unterbringung, gesundheitliche Versorgung sowie Betreuung. Diese Versorgungslücke möchte der Trägerverbund aus der ZIK – zuhause im Kiez gGmbH, der vista gGmbH – Verbund für integrative soziNovember / Dezember 2015	

ale und therapeutische Arbeit und dem Projekt Wohnen (PROWO) e.  geV. meinsam mit dem Behandlungszentrum für Folteropfer (bzfo) als korrespondierendem Kooperationspartner schließen helfen. Ein geplanter Übergangswohnverbund für Flüchtlinge soll dazu beitragen, eine neue Qualität der Versorgung mit Wohnraum sowie eine humanitäre Entlastung der gesamten UnterbringungsPARITÄTISCHER RUNDBRIEF

situation in Berlin zu gewährleisten. Die beteiligten Organisationen verfügen über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Asylbewerberinnen und-bewerbern, chronisch kranken, süchtigen und psychisch auffälligen Menschen. Das bzfo soll die Funktion einer zentralen Clearingstelle für die Diagnostik und Begutachtung in Frage kommender Bewohnerinnen und Bewohner übernehmen.  3
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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE RUBRIK

Zielgruppe und Finanzierung Das der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales seit Mitte Oktober 2015 zur Prüfung vorliegende Konzept sieht die Anmietung von geeigneten Wohnobjekten an verschiedenen Standorten vor – im Oktober 2015 hatte der Trägerverbund Optionen für zwei Standorte für insgesamt über 150 Flüchtlinge. Ziel ist die Betreuung von Flüchtlingen, die in Berlin eine Aufenthaltsgestattung oder eine Duldung erhalten haben (Leistungsanspruch gem. § 6 AsylbLG) und in Notunterbringungen oder Sammelunterkünften nicht (ausreichend) versorgt werden können. Ihre Beeinträchtigungen stehen im Zusammenhang mit akuten oder chronischen Erkrankungen und psychischen Störungen (einschließlich Suchterkrankungen) und erfordern professionelle Hilfe. Eine ambulante ärztliche und/ oder psychotherapeutische Behandlung reicht nicht aus oder ist nicht möglich. In besonderem Maße vulnerabel für Traumafolgestörungen und chronische Erkrankungen sind die im Sinne der EU-Aufnahmerichtlinie (2013/33/EU) sogenannten besonders schutzbedürftigen Personen.

Zur Finanzierung des Übergangswohnverbundes sind Kostenvergütungen auf Grundlage des AsylbLG notwendig. Hierzu soll eine Sondervereinbarung mit dem Land Berlin ausgehandelt werden. Für die Betroffenen kommen nach erfolgter Anerkennung oder langfristiger Duldung als Flüchtling ggf. auch Leistungen der Eingliederungshilfe nach SGB XII in Frage. Ziele und Leistungen Mit dem Wohnverbund als Verbindung aus eigenem Wohnraum mit zugehöriger Betreuungsleistung soll ein geschützter Rahmen geschaffen werden, der einen vertrauensvollen Umgang mit sich, der fremden Umgebung, den neuen Umständen, aber gegebenenfalls auch der Verarbeitung des Erlebten ermöglicht. Um eine angemessene gesundheitliche Versorgung zur Regeneration und Stabilisierung zu gewährleisten, sollen die Betroffenen Informationen, Vermittlungsleistungen und Begleitung erhalten – sowohl bezüglich der Behandlung der akuten und chronischen Erkrankungen als auch der psychiatrischen beziehungsweise psychotherapeutischen

und suchtmedizinischen Versorgung. Dieses Angebot soll durch therapeutische Einzelleistungen am jeweiligen Standort ergänzt werden. Gesundheitsförderung, Prävention und medizinisch-pflegerische Versorgung bilden weitere inhaltliche Schwerpunkte der psychosozialen Betreuung durch Fachpersonal mit Unterstützung von qualifizierten Dolmetscherinnen und Dolmetschern. Dazu gehören intensive Einzel- und Gruppengespräche; darüber hinaus stärken und fördern Gruppenaktivitäten die Kommunikations- und Integrationsfähigkeit im Sinne sozialer Kompetenzbildung. Die Angebote vor Ort gewährleisten die Betreuungskontinuität und den Vertrauensaufbau. Eine gelungene Integration des Übergangswohnverbundes in das nachbarschaftliche Umfeld soll durch Sensibilisierung von Anwohnerinnen und Anwohner in Abstimmung mit bezirklichen Stellen erfolgen. Die Vernetzung mit vorhandenen Angeboten im Stadtteil (etwa Stadtteilzentren) und ehrenamtlichen Beteiligungsmöglichkeiten sind geplant. FÜR DEN TRÄGERVERBUND: MICHAEL HAAS, SOZIALARBEITER 

Mit vereinten Kräften für ein Dach über dem Kopf
Die Volkssolidarität betreibt seit kurzem eine Notunterkunft in Marzahn

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tellen Sie sich vor, Sie haben sechs Tage Zeit, um eine Notunterkunft für Flüchtlinge zu eröffnen. Das geht. Wir haben es geschafft. Seit dem 16. September 2015 betreibt die Volkssolidarität eine Notunterkunft für Flüchtlinge in Marzahn-Mitte. Dafür mussten wir ein leer stehendes, sechsgeschossiges Bürogebäude in einem Gewerbegebiet zu einer ersten Unterkunft für 250 Menschen herrichten. Dabei erwies sich unsere Erfahrung in der Flüchtlingshilfe und bei der Unterstützung beim Aufbau anderer Notunterkünfte als sehr wertvoll. Logistische Höchstleistung In den Tagen vor der Eröffnung verwandelte sich das Volkssolidaritäts-Team in eine Logistik-Zentrale. Wir ließen das Gebäude reinigen, das Trinkwasser und der Brandschutz wurden geprüft, Bundeswehrsoldaten lieferten die Betten. Wir besorgten Bettwäsche und Möbel, beauftragten Sodexo mit der Vollverpflegung und packten Willkommenspakete mit Hygieneartikeln. Dokumente zur Registrierung in der Notunterkunft und Heim­ usweise erstellten wir vor der Einrichtung unseres Ina ternetanschlusses und der Anschaffung technischer Geräte mit Unterstützung umliegender Einrichtungen. Tagelang waren Privatautos und Transporter unseres Tochterunternehmens Wuhletal gGmbH unterwegs, um alles Notwendige zu besorgen. Innerhalb kürzester Zeit ist es uns mit der Hilfe
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von mehr als hundertfünfzig Freiwilligen, die unermüdlich und uneigennützig mit all ihrer Kraft geholfen haben, gelungen, ein vorübergehendes Zuhause für Menschen in Not herzurichten. Ihnen gebührt unser größter, aufrichtiger Dank. Am späten Abend des 22. September stiegen die ersten Flüchtlinge erschöpft und mit neugierigen Blicken aus den BVG-Bussen. Für ein behutsames Willkommen war keine Zeit. Es ging uns darum, die Menschen so schnell wie möglich zu registrieren und sie in ihre Zimmer zu begleiten, damit sie endlich ankommen konnten. Ein Lächeln und nette Worte hatten alle Helfer auch noch nach Tagen harter Arbeit und stundenlanger Registrierung für sie. Freiwillige mit den notwendigen Sprachkompetenzen waren vor Ort, um das Prozedere zu beschleunigen. Mittlerweile besteht unser Team aus elf Angestellten, die insgesamt Kenntnisse in acht Sprachen haben. Kontakt mit den neuen Nachbarn Viele der Freiwilligen trafen am Tag der Registrierung und in den Tagen danach zum ersten Mal persönlich Flüchtlinge. Damit hörten sie Schicksale, die weit von unserem Leben und unserer Vorstellungskraft entfernt liegen. Einige Flüchtlinge haben Familienangehörige bei einem Bombenanschlag verloren, oder ihre Verwandten wurden enthauptet. Zeit zur Reflexion hatten wir in dieser Zeit alle nicht. Nach zwei Monaten kommt 3 WEITER AUF SEITE 45 täglich mehr Struktur in den Arbeitsalltag. 
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PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

SERVICE: ENGAGIERTE MITGLIEDER

Flüchtlingsengagement Paritätischer Mitgliedsorganisationen
Neben den vielen Mitgliedsorganisationen, die bereits seit Jahrzehnten im Flüchtlingsbereich tätig sind, engagieren sich mittlerweile eine Vielzahl weiterer Paritätischer Mitgliedsorganisationen aus allen Bereichen der sozialen Arbeit für Geflüchtete. Hier finden Sie eine Auswahl Paritätischer Mitgliedsorganisationen, die sich für Flüchtlinge engagieren. Ihre Organisation ist nicht aufgeführt? Sie haben Änderungswünsche? Dann schreiben Sie uns an presse@paritaet-berlin.de
ADV Nokta gGmbH Stationäre Therapie für Alkohol- und Drogenabhängige; Zusammenarbeit mit Drogenabhängigen mit einem unklaren Aufenthaltsstatus, sozial- und aufenthaltsrechtliche sowie psychosoziale Beratungsangebote nokta-suchthilfe.de Kontakt: Helmut Segel, Ruth Malsch Al Nadi/ Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V. Anlauf- und Beratungsstelle für arabische Frauen aus ganz Berlin; Bildung, Beratung und interkulturelle Vermittlung für Asylbewerberinnen und ehemalige Asylbewerberinnen und Migrantinnen nbhs.de/stadtteilarbeit/al-nadi-fuer-arabische-frauen Kontakt: Hannah Drexel Albatros gemeinnützige Gesellschaft für soziale und gesundheitliche Dienstleistungen mbH Einbindung und Vermittlung der Flüchtlinge in die unterschiedlichsten Bereiche der Gesellschaft; Psychosoziale Beratung und Betreuung; Betrieb von zwei Flüchtlingseinrichtungen ; Beratungsangebote in unseren Kontakt- und Beratungsstellen, in Mehrgenerationenhäusern, Nachbarschaftszentren; Aufsuchende Beratung in verschiedenen Unterkünften in 15 Sprachen; Vermittlung in Beschäftigung (Ausbildungs- und Praktikumsplätze); Begleitung zu Ämtern, Ärzten, Schulen, Kindergärten, Wohnungsunternehmen; Hilfe bei der Wohnungssuche, Kita-Platz, Schule, Sprachkurs, bei Anträgen, bei Telefonaten, etc. Freizeit- und Kursangebote für Kinder und Erwachsene; Informations- und Kommunikationsplattform ­info-compass.reinickendorf; gesundheitliche Versorgung Unterstützung für die geflüchteten Menschen bei der Entwicklung eigener Projekte (Hilfe zur Selbsthilfe); Projekt »Willkommen in Buch«, Aufbau eines Hilfsnetzwerkes albatrosggmbh.de Kontakt: Friedrich Kiesinger, Djusupova Djamilia ambulante dienste e.V. Bildung, Sprachkurse, Arbeitsmarkt adberlin.com Kontakt: Uta Wehde ANE Arbeitskreis Neue Erziehung e.V. Familienbildung, Herausgabe von themen- und zielgruppenspezifischen Elternbriefen, Familienberatung, Betreuung und Beratung von Flüchtlingsfamilien ane.de Kontakt: Christian Nowka ASB – Arbeiter-Samariter-Bund Landesverband Berlin e.V. Eine Gemeinschaftsunterkunft, zwei Notunterkünfte asb-berlin.de Kontakt: Dr. Jutta Anna Kleber
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AVK Sozialprojekte gemeinnützige GmbH Sozialraumorientierte Arbeit mit Flüchtlingskindern; Kooperation der Alice Salomon Hochschule mit dem Flüchtlingsheim Hellersdorf durch ein Fotoprojekt mit Studenten und Kindern und Jugendlichen aus dem Heim avk-sozialprojekte.de Kontakt: Karsten Hein BalanX e.V. Aktuelle Sportangebote und Motivationsarbeit balanx-berlin.de Kontakt: Shuan Adib Aziz Berliner Aids-Hilfe e.V. Soziale Sicherung, medizinische Versorgung, Prävention, Beratung von Asylsuchenden berlin-aidshilfe.de Kontakt: Sabine Roth Behinderten-Sportverband Berlin e.V. Zugang zu Sportvereinen, AG Sport und Flüchtlinge zusammen mit dem Landessportbund mit dem Ziel der Schaffung von Sportangeboten; Vernetzung Sportangebote; Qualifizierungsangebote im Bereich Übungsleiter bsberlin.de Kontakt: Kirsten Leow Bürgerinitiative Ausländische MitbürgerInnen e.V. Ausweitung der stadtteiloffenen Angebote in Zusammenarbeit mit den Wohnheimen und Netzwerken für ein gutes Miteinander; Deutschkurse; Gruppentreffen; Rechtsauskunft; Infoveranstaltungen bi-berlin.org Kontakt: Susanne Jankowsky, Bettina Grotewohl BZSL e.V. Beratung in der Fachstelle für behinderte Flüchtlinge sowie Beratung von Menschen mit Behinderung insbesondere mit Duldung oder befristetem Aufenthalt.Wir beraten Flüchtlinge mit Behinderung und Traumatisierung bzsl.de Kontakt: Ulrich Hundt Club Dialog e.V. Flüchtlingsberatung; Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt; Flüchtlinge im BFD club-dialog.de Kontakt: Bikbulatova Aygul contact Jugendhilfe und Bildung gGmbH Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen contactgmbh.de Kontakt: Annika Müller
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

Deutscher Kinderschutzbund LV Berlin e.V. Fußballturnier auf dem Grundschulgelände mit Flüchtlingen einer Notunterkunft kinderschutzbund-berlin.de Kontakt: Gregor Lange Elisi Evi e.V. Traumaaufarbeitung, Sprachkurse, Beratung elisi-evi.de Kontakt: Ayse Köse eventus-BILDUNG e.V. Für unsere sechs Kitas sind wir Ansprechpartner, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingskindern geht. Aus diesen Erfahrungen wollen wir eine Kita für Flüchtlingskinder gründen. eventusbildung.de Kontakt: Isa Nauck Fabrik Osloer Str. e.V. Aufbau eines ehrenamtlichen Patenschaftsprojekts im Soldiner Kiez für die Bewohner zweier neu entstandener Flüchtlingsunterkünfte (Willkommen im Wedding) fabrik-osloer-strasse.de Kontakt: Astrid Hale Familienarbeit und Beratung (FAB) e.V. Begleitung / Beratung von Flüchtlingsfamilien im Rahmen eines Projektes in Zusammenarbeit mit der Kinderklinik und eines Projektes im Sozialraum; Geplant: Musikprojekt mit Kindern in Notunterkunft (Antrag gestellt), ambulante sozialpädagogische Hilfen und Vor-Ort-Angebote in der Erstaufnahme bzw. der Notunterkunft für Familien und Kinder fab-ev.de Kontakt: Judith Henning Familienforum Havelhöhe gGmbH Unterstützung der Erstaufnahmeeinrichtung mit circa 550 Flüchtlingen in Gatow durch die Implementierung von Angeboten; Gemeinsames Kochen der Familien familienforum-havelhoehe.de FiPP e.V. Projekte mit Geflüchteten (vor allem Kindern und Jugendlichen) Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt; Kita, Schule, Betreuung Flüchtlingsberatung fippev.de Kontakt: Konstanze Gergs Fixpunkt e.V. Infektionsschutz (Schwerpunkt: HIV/ Hepatitis); Zugang zu Angeboten der Drogenhilfe für Süchtige und Suchtgefährdete und Drogenaufklärung für vulnerable Personen im Rahmen von aufsuchender Vor-Ort-Arbeit auf öffentlichen Plätzen; Flucht- und kultursensible HIV/Hepatitis/ STI-Test-Sprechstunde fixpunkt-berlin.de Kontakt: Ralf Köhnlein

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SERVICE: ENGAGIERTE MITGLIEDER

Freeda gemeinnützige UG Projekt »Flucht nach vorn« für vier nicht-behinderte und drei schwerst-mehrfachbehinderte geflüchtete Jugendliche familienhilfe-freeda.de Kontakt: Ines Weber FreiwilligenAgentur KreuzbergFriedrichshain (NHU e.V.) Vermittlung von Freiwilligen an Einrichtungen der Flüchtlingsarbeit und an Unterstützerinitiativen die-freiwilligenagentur.de Kontakt: Andrea Brandt Fröbel e.V. FRÖBEL betreibt 145 Kindergärten bundesweit. Wir betreuen bereits einige Kinder aus geflüchteten Familien in unseren Kindergärten (in allen Regionen, auch in den 20 Berliner Kindergärten), und es werden täglich mehr, entsprechend der Bedarf unserer Einrichtungen an Unterstützung. Aktuell arbeiten wir an verschiedenen Unterstützungsangeboten für unsere Einrichtungen und schaffen dafür auch neue Stellen, z.B. um Flüchtlingen mit pädagogischer Ausbildung eine Perspektive zu bieten. froebel-gruppe.de Kontakt: Henrike Ortmann Gemeinwesenverein Haselhorst e.V. Freizeitangebote, Ehrenamt, Integration in den Stadtteil gwv-haselhorst.de Kontakt: Elke Schönrock-Astilla Gesellschaft für interkulturelles Zusammenleben (GIZ) e. V. Projekt zur Integration von Flüchtlingskindern in den Sozialraum in der Spandauer Erstaufnahmeeinrichtung; Integrationskurse und Spendenaktionen; Integrationsassistentinnen arbeiten sowohl mit einzelnen Ratsuchenden als auch mit bezirklichen Einrichtungen, Beratungsstellen und Vereinen zusammen giz-berlin.de/projects/fluechtlingsarbeit.htm Kontakt: Britta Marschke Gska gemeinnützige Gesellschaft für sozial-kulturelle Arbeit mbH Angebote für Flüchtlinge aus Unterkünften auf dem Gelände der K.-B.-Nervenklinik durch Aufbau einer Nähwerkstatt im Haus am See in Kooperation mit Lebenswelt; Nähkurse für Flüchtlinge und deren Kinder gska-berlin.de/impressum.html Kontakt: Birgit Monteiro Inssan e.V. Mentorenprogramm für junge Erwachsene und Flüchtlinge; Koordination von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe; Verteilung v. Kleiderspenden; Organisation von Feiertagsfesten für Flüchtlinge inssan.de Kontakt: Natalia Loinaz Interkulturelles Frauenzentrum S.U.S.I Angebote für Flüchtlingsfrauen susi-frauen-zentrum.com Kontakt: Janina Argilagos

Internationale Akademie Berlin (INA) gGmbH INA/ ISTA ist Mitinitiatorin des Netzwerks »Willkommen Konkret – Berliner Bündnis für Kinder geflüchteter Familien« ina-fu.org Kontakt: Sylvia Richel Joliba – Interkulturell Leben und Arbeiten e.V. Sozialberatung für afrikanische Flüchtlinge im Joliba-Beratungscenter in der Schule in der Ohlauer Straße; Beratungen und Begleitungen verschiedenster Art joliba-online.de Kontakt: Frau Oguntoye Junge Humanist_innen im HVD, LV e.V. Camp »Raus ins Grüne« bot den Kindern die Möglichkeit, mit anderen (nicht geflüchteten) Kindern/ Jugendlichen zusammenzusein und eine schöne Zeit zu haben. Des weiteren sind wir gerade dabei, die Flüchtlingshilfe in unsere allgemeine Jugendarbeit einzubinden. Wir wollen also in unser Kurs- und Reiseangebot auf längere Sicht Flüchtlingskinder einbinden. juhu-berlin.de Kontakt: Pino Müller KBS e.V. Flüchtlingsberatung, Beratung ehrenamtlicher Helfer kbsev.org Kontakt: Gerd Pauli Kiek in – Soziale Dienste gGmbH Als Stadtteilzentrum vor Ort an der Gestaltung der Willkommenskultur beteiligt kiekin.org Kontakt: Gabriele Geißler kiezküchen Gmbh Modellprojekt »Hospitality« – Ausbildung für junge geflüchtete Menschen im Berliner Gastgewerbe der kiezküchen gmbh, finanziert von der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen cateringberlin.de Kontakt: Alexander Fourestié Kiezspinne FAS e.V. Projekt »Paten für Flüchtlinge«, mit dem wir gegenwärtig verschiedene Flüchtlingsheime im Stadtteil Lichtenberg Nord bei der Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiter unterstützen. kiezspinne-fas.org Kontakt: Andreas Svojanovsky Kompaxx e.V. Freizeitangebote und Sprachförderung für Kinder und Familien kompaxx.de Kontakt: Birgit Glindemann Kontakt- und Beratungsstelle für Flüchtlinge und Migrant_innen (KuB) e.V. Beratungen, besonders zu aufenthalts- und sozialrechtlichen Fragen für Flüchtlinge; Durchführung verschiedener Deutschkurse sowie verschiedene integrative und therapeutische bzw. sozialpsychologische Projekte kub-berlin.org Kontakt: Sarah Abel
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Kurdistan Kultur- und Hilfsverein e.V. Betreuung, Hilfe und Begleitung von Flüchtlings­ jugendlichen durch verschiedenste Kursangebote; Beratungstätigkeit in der Paritätischen Erstberatungsstelle in der Registrierungsstelle Bundesallee 171 kkh-ev.de Kontakt: Britta Weyer Landesfreiwilligenagentur Berlin e.V. Aufbau von Beratung für Hilfsnetzwerke für Geflüchtete sowie aktueller Entwicklungsstand und Herausforderungen im Freiwilligenmanagement beim Einsatz von Freiwilligen für und mit Geflüchteten freiwillig.berlin Kontakt: Carola Schaaf-Derichs Lange Tafel e.V. Freizeit, Kulturbildungsangebot, Workshops, Kunst und Kommunikation, Chorarbeit lange-tafel.com Kontakt: Isabella Mamatis LebensWelt gemeinnützige Gesellschaft für interkulturelle Jugendhilfe mbH Projekt »Beratung für Flüchtlinge und Familiencafé im Jugendcafè Laiv in Reinickendorf-West« als Anlaufstelle im Kiez mit seinen Angeboten, Hilfestellungen jeder Art lebenswelt-berlin.de Kontakt: Horst Krowinn Lesben und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) Landes­verband Berlin-Brandenburg e.V. MILES – Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule: psychosoziale Beratungsstelle, Auskünfte bei rechtlichen Fragen für lesbische, schwule, intergeschlechtliche und transgeschlechtliche Migranten und Migrantinnen sowie deren Angehörige; Sommerakademie für queere Flüchtlinge: Erweiterung von Sprachkompetenzen berlin.lsvd.de/projekte/miles Kontakt: Jouanna Hassoun Lesbenberatung e.V. Bedarf bei Wohnungssuche, psychsoz. Beratung, Traumaexpertise, Sprachvermittlung lesbenberatung-berlin.de Kontakt: Jennifer Petzen MeG betreutes Wohnen Betreuung und integrierte Psychotherapie von psychisch kranken Migranten, die nicht in Deutschland geboren sind (auch Flüchtlingen) meg-betreutes-wohnen.de Kontakt: Klaus Pankoke MehrGenerationenHaus Wassertor 48 e.V. Ehrenamtliches Engagement, Nachbarschaftsarbeit mgh-wassertor.de Kontakt: Julia Lehmann miGes gGmbH zwei Notunterkünfte; interkulturell strukturierte ­Mitarbeiterschaft ermöglicht kompetente Betreuung von Menschen unterschiedlichster Nationen, Mitarbeitende auch aus dem arabischen Sprachraum miges-berlin.de Kontakt: Candan Ögütcü
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SERVICE: ENGAGIERTE MITGLIEDER

Migrationsrat Berlin-Brandenburg e. V. JobCenter-geförderte Stelle (BEZ) mit sozialpädagogischen Tätigkeiten in der Aufenthalts- und Sozialberatung sowie anteiliger Übernahme von Beratungsarbeit im Polnischen Sozialrat. Der mrbb ist aktives Mitglied in der Berliner Härtefallkommisison und berät und vertritt hier zahlreiche Flüchtlinge. migrationsrat.de mitHilfe GmbH Notaufnahme für 200 Flüchtlinge in einer Turnhalle in Pankow mithilfe.org Kontakt: Carsten Tamm Mittelhof e.V. Auf- und Ausbau der Willkommenskultur im Bezirk Zehlendorf; Zusammenarbeit des Mehrgenerationenhauses mit dem Willkommensbündnis für Flüchtlinge in Steglitz-Zehlendorf willkommensbuendnis-steglitz-zehlendorf.de mittelhof.org Kontakt: Gerald Saathoff moskito – Fach- u. Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Vielfalt Wir machen Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung und Weiterbildung für das Willkommensnetzwerk »Pankow Hilft!« pfefferwerk.de/moskito/ Kontakt: Theresa Adam Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum in der ufaFabrik e.V. Vier Integrationslotsinnen; Annahme- und Ausgabestelle von Sachspenden verschiedene Angebote für Kinder und Jugendliche in unseren Jugendfreizeiteinrichtungen; Spielangebote von Fachkräften in den Unterkünften Haupt- und ehrenamtliche Nachhilfe für Schülerinnen und Schüler; Sprachkurse; Nachbarschaftstreffs bieten Raum für Treffen zwischen Geflüchteten und Nachbarn; Beratung in der Unterkunft in Marienfelde von Eltern zum Thema »Wie beantrage ich einen Kita-Platz?«; Unterstützung und Beratung von Kindern und deren Eltern in Schulstationen, Kitas, OGBs; spezielle Ferienangebote nusz.de Kontakt: Renate Wilkening Nachbarschaftshaus der Pfefferwerk Stadtkultur Patenschafts- und Mentor/innen-Projekt pfefferwerk.de/pfefferwerk/index.php/nabaschaha-projekte Kontakt: Susanne Besch Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V. Einrichtung eines Spendenkontos für die Bürger_innen-Initiative »Kreuzberg hilft« und Ausstellung von Spendenquittungen »Fiscal Sponsor« für die Frauenflüchtlingsinitiative International Women’s Space Berlin: Verwaltung von Fördergeldern einer niederländischen Stiftung für die Initiative Bereitstellung von MAE-Stellen zur Unterstützung der Geflüchtetenhilfe; Kooperationen mit Unterkünften für Geflüchtete im Rahmen der Stadtteilarbeit (z.B. Organisation von Informationsveranstaltungen), Individuelle Begleitungen von Geflüchteten, z.B. zu Ämtern, Ärzten Unterstützende Kooperation mit Unterkünften und mit Bürger/-inneninitiativen für Geflüchtete im Stadtteil im Rahmen der Gemeinwesenarbeit und in anderen
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Arbeitsbereichen des Nachbarschaftshauses (u.a. Räume, Informations-Veranstaltungen, Freizeitangebote) nachbarschaftshaus.de Kontakt: Matthias Winter, Markus Runge, Bettina Bofinger Nachbarschaftsheim Neukölln e.V. Willkommen bei Freunden und in der Nachbarschaft durch Gewinnung von BürgerInnen für jeweils eine ehrenamtliche Patenschaft für einen geflüchteten Menschen in Neukölln; Familienpatenschaften mit Nachbarschaftserkundungen und Interessensgruppen nbh-neukoelln.de Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V. Bisher hat es vereinzelte Veranstaltungen für und mit Flüchtlingen bzw. zum Thema Flucht gegeben. Vereinzelt haben wir Ehrenamtliche in ein Engagement vermittelt; Vorbereitung auf die Eröffnung von Unterkünften in Friedenau nbhs.de Kontakt: Alexandra Schibath Nadeshda e.V. Unterstützung von schwerhörigen Flüchtlingen (wir verfügen demnächst über eine Liste von HNO-Ärzten, die diese Flüchtlinge untersuchen); Deutschnachhilfe und Freizeitaktivitäten für jugendliche Flüchtlinge in Willkommensklassen nadeshda-ev.de Kontakt: Ricarda Buch Netzwerk Spiel/Kultur Prenzlauer Berg e.V. Betreuung von Kindern und Jugendlichen in der Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Buch netzwerkspielkultur.de Oase Berlin e.V. In der Oase koordinieren sich derzeit Projekte aus den Bereichen Asyl- und Flüchtlingsberatung; Sprach- und Integrationskurse; Integrationslotsenprojekt: Asylberatung, Aufenthaltsberatung, Beratung zur Einbürgerung, Beratung zur Härtefallkommission, Begleitung zu Ämtern und Behörden sowie Sprachmittlung oase-berlin.org Kontakt: Jochen Schwarz, Peter Spaller offensiv 91 e.V. Begegnungsstätte »ALL II – Wir sind Nachbarn« in direkter Nähe zu den Flüchtlingsunterkünften im Allendeviertel in Köpenick als Nachbarschaftsstützpunkt offensiv91.de Kontakt: Grit Rohde Pestalozzi-Fröbel-Haus Zusammengefasste Informationen für Freiwillige zum Ablauf des Asylverfahrens, unterschiedlicher Aufenthaltsstatus und die spezifischen Folgen daraus pfh-berlin.de Kontakt: Monika Fröhlich Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH – Gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung von Stadtkultur Koordinierungsstelle des ehrenamtlichen Netzwerkes »Pankow hilft!« pfefferwerk.de/moskito/aktiv-werden
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

PFH – Fachberatung Begleitung unbegleiteter Flüchtlinge in Kita, Schule pfh-berlin.de Kontakt: Ingrid Deisenroth Polnischer Sozialrat Soziale Beratung und Hilfe Beratung zu Rechtsfragen; Migrationsberatung; Psychologische Beratung polskarada.de Kontakt: Longina Kaminska publicata – Verein zur Förderung von Öffentlichkeit für Ausländerintegration und Entwicklungszusammenarbeit e.V. Jugendbegegnungsstätte »plexus«; verschiedene Angebote für Flüchtlingskindern und im Bereich der interkulturellen Bildungs- und Sozialarbeit in Lichtenberg Nord mit dem Ziel einer Kooperation mit Pfefferwerk Stadtkultur publicata.de Kontakt: Ronald Franke Reistrommel e.V. fördert Integration durch Beratung, Sprachkurse, Kinder- und Jugendarbeit sowie interkulturelle Projekte: soziale Beratung/ Betreuung von Migrantinnen und Migranten und deren Familienangehörigen; Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch spezielle Angebote; Durchführung von Maßnahmen zur Integration (Sprachkurse/Migrationsberatung) reistrommel-ev.de Kontakt: Herr Phan Huy Thao Schutzhülle e.V. Schutzhülle heißt Flüchtlingsfrauen in ihrer Keramikwerkstatt willkommen: Öffnung einer Keramikgruppe in Kooperation mit dem Internationalen Bund e.V., Träger des Flüchtlings-Übergangswohnheims Radickestraße in direkter Nachbarschaft in Adlershof schutzhuelle-frauentreff.de Kontakt: Sybille Schumann Schwangerschaftsberatung Balance soziale Beratung; Austausch mit Asylbewerberheimen; Anträge Stiftung »Hilfe für die Familie« schwangerschaftsberatung-balance.de Kontakt: Martina Zilezinski Schwulenberatung Berlin gemeinnützige GmbH Flüchtlingsarbeit für queere (schwule, lesbische, transidente und intersexuelle) Flüchtlinge durch die Schaffung von Wohnmöglichkeiten und psychosozialer und rechtlicher Unterstützung schwulenberatungberlin.de Kontakt: Stephan Jäkel Seniorpartner in School e.V. Pilotprojekt unterstützt Integration der Flüchtlingskinder in den Schulen seniorpartnerinschool.de Kontakt: Christiane Richter Sozial-kulturelle Netzwerke casa e.V. Internationales Frühstückstreffen; Sammlung, Weiterleitung und Ausgabe von Spenden; Trauma-Fortbildung für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; Aufbau einer Datenbank; Beratung für Menschen mit Fluchterfahrungen (Trauma); Gewinnung von ehrenamtlichen Sprachmittlerinnen

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SERVICE: ENGAGIERTE MITGLIEDER

und Sprachmittlern; Beratung und Hilfe beim Ausfüllen von Formularen innerhalb unserer Sprechstunden; Austausch und Zusammenarbeit mit den Asylbewerbererstaufnahmeeinrichtungen casa-ev.de Kontakt: Wolfram Quack Sozialwerk Berlin e.V. Projekt »Patenschaften für Flüchtlinge«; Wohnung für Flüchtlinge, Behörde und Anträge, Deutschkurse, Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt, Kita, Schule Flüchtlingsberatung sozialwerk-berlin.de Kontakt: Dr. Amer Hassroun Sozialwerk des Demokratischen Frauenbundes (Dachverband) e. V. Gemeinsames Töpfern mit Frauen und Kindern der umliegenden Flüchtlingsunterkünfte im Kinderclub kids-Oase und Frauentreff Alt-Lichtenberg frauen-dfb.de/sozialwerk.html Stadtteilzentrum Pankow Aufbau eines Unterstützerkreises für die Flüchtlingseinrichtung in der Mühlenstraße, aus dem verschiedene Angebote für Flüchtlinge hervorgegangen sind: Kleiderkammer, Hausaufgabenhilfe, Deutschkurse; Sammeln von Sachspenden; Schwerpunkt Flüchtlingsarbeit für Kinder und Familie: Für Feste, Veranstaltungen etc. bieten wir Unterstützung mit Sachmitteln oder sind auch direkt vor Ort; wir beantworten Anfragen zu Zeit- und Sachspenden und verweisen auf »Pankow Hilft!«, das Willkommensnetzwerk, in dem die Pankower Unterstützerkreise zusammengeschlossen sind; Erarbeitung des Wegweisers »Bilder im Kopf – Flüchtlinge in Pankow unterstützen« für Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren möchten stz-pankow.de Kontakt: Katharina Jacob Stadtteilzentrum Steglitz e.V. Engagement für Flüchtlinge vor Ort; Notunterkunft für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge in Steglitz-Zehlendorf steglitzhilft.wordpress.com stadtteilzentrum-steglitz.de Kontakt: Thomas Mampel Sternenfischer Freiwilligenzentrum Treptow-Köpenick Koordination von Ehrenamtlichen im Flüchtlingsbereich Aufbau einer Coaching-Gruppe (den Helfern helfen) sternenfischer.org Kontakt: Manja Harm Stiftung Unionhilfswerk Berlin / GO! EmPOWER-Mentoring Projekt zur Stärkung der Ressourcen und Kompetenzen von Jugendlichen mit Zuwanderungs- oder Fluchtgeschichte aus Nord-Neukölln Mentees und Mentor/-innen werden für Ihre Aufgaben qualifiziert und während des Mentorats, das auf ein Jahr festgelegt ist, begleitet unionhilfswerk.de Kontakt: Laura Fostier TÄKS e.V. Wöchentliche Raumvergabe für Deutschkurse Kochen mit Ehrenamtlichen und Flüchtlingen in unseren Räumlichkeiten Lernwerkstatt Familienküche taeks.de Kontakt: Rebekka Pösel

Theater Strahl Finanziert über unseren Förderverein ermöglichen wir Willkommensklassen den kostenlosen Theaterbesuch inkl. BVG-Tickets und die Teilnahme an einem theaterpraktischen Workshop theater-strahl.de Kontakt: Karen Giese Tio e. V. Einsatz für Integration ins Erwerbsleben von Migranten, Deutsch- und Alphabetisierungskurse, Beratung für Frauen und Mädchen bei häuslicher Gewalt, Familienproblemen, ausländerrechtlichen Fragen uvm., Sozialberatung, Bildungs-und Berufsintegration von geflüchteten Frauen tio-berlin.de Kontakt: Nesrin Tekin Trialog e.V. Betreuung von circa 80 unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen in zwei Hostel-Standorten. trialog-berlin.de Kontakt: Manuela Siebke Unionhilfswerk Koordination von ehrenamtlichem Engagement für Flüchtlinge, eine Flüchtlingsunterkunft in Rahnsdorf (Köpenick), eine weitere konkret geplant, eine weitere evtl. geplant unionhilfswerk.de Kontakt: Norbert Prochnow, Daniel Büchel Unternehmensverbund Neues Wohnen im Kiez GmbH Beratung von jungen Flüchtlingen zu beruflichen Perspektiven im Jugendberatungshaus mentos. mitte Betreuung von einzelnen jungen Flüchtlingen in Jugendwohngruppen (Neues Wohnen im Kiez) Begleitung der Willkommensklassen an Grundschulen in Mitte (gss schulpartner) nwik.de Kontakt: Bärbel Behnke Verband für Interkulturelle Arbeit VIA e.V. Erstellung von Aufklärungsbroschüren gemeinsam mit unbegleiteten Jugendlichen / Aufklärung via-in-berlin.de Kontakt: Line Göttke Verband für sozial-kulturelle Arbeit e.V. Der VskA vernetzt und koordiniert die Aktivitäten der Stadtteilzentren für und mit Flüchtlingen stz.spinnenwerk.de Kontakt: Barbara Rehbehn Verein der Eltern aus Kurdistan in Berlin e.V. (Yekmal) Projekt »Hilfeleistungen für Flüchtlinge aus Kobani« zu sämtlichen Fragen rund um das Ankommen in Berlin incl. Dolmetscher, Rechtsberatungen, Begleitungen usw. yekmal.de Kontakt: Günay Darici Verein für Integrative Therapeutische Angebote Vita e.V. Betreiber der Unterkunft für Asylbewerber und Flüchtlinge in der Blücherstraße in Kreuzberg (Vita domus) vita-ev.de Kontakt: Roland Schirmer, Katharina Heßeler
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Verein iranischer Flüchtlinge in Berlin e.V. Beratung und Betreuung iranischer und afghanischer Flüchtlinge in Berlin und Brandenburg in allen Lebensbereichen, auch aufsuchende Hilfen; Beratung und Betreuung sowie rechtliche und soziale Bildung iranischer und afghanischer Frauen; Alphabetisierung bis Integration in das Lebensumfeld. iprberlin.com Kontakt: Hamid Nowzari Verein zur Förderung der interkulturellen Jugendarbeit e.V. – Schlesische27 Projekt Cucula, bei dem Flüchtlinge selbst Möbel herstellen; gemeinsam mit Flüchtlingen wird außerdem eine Gärtnerei auf einem ehemaligen Friedhofsgelände entwickelt cucula.org schlesische27.de Kontakt: B. Meyer VIA Verbund für Integrative Angebote gGmbH Wohnraumvermietung an Flüchtlinge; Unterbringung von Flüchtlingen in unserem Hostel; Beratung und Begleitung von Flüchtlingen via-berlin.de Kontakt: Serkan Gülfirat Volkssolidarität Berlin Drei Notunterkünfte; Koordination von Willkommenskultur und Ehrenamt im Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte volkssolidaritaet.de/berlin Kontakt: André Lossin Asli Peker Gaubert Wuhletal gGmbH, Stadtteilzentrum Mosaik Koordination Ehrenamt, Betreuung, Beratung, Sensibilisierung der Bewohnerinnen und Bewohner in unmittelbarer Nähe der Flüchtlingsunterkunft wuhletal.de Kontakt: Manfred Bahr YouMeWe # Flüchtlingskinder & Kinder von hier e.V. Pilotprojekte connACTion!; 14 Kiezrallyes um Kinder aus Flüchtlingsfamilien und Kinder von hier zusammenzubringen; Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen von KPMG facebook.com/youmewekids Kontakt: Melanie Polascheck Xenion Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte e.V. psychosoziale Beratung für Flüchtlinge; Aufbau eines Netzwerkes ehrenamtlicher Mentorinnen und Mentoren für traumatisierte Flüchtlinge; Einbindung engagierter Bürgerinnen und Bürger in die Begleitung und Betreuung von Flüchtlingen xenion.org YOOW e.V. YOOW e.V. ist ein Generationen und Länder übergreifendes Projekt, in dem junge Menschen und aktive ältere Menschen ehrenamtliche Arbeit zugunsten von Bedürftigen leisten yoow.org Kontakt: Wolfgang Priewe ZIK gGmbH Wohnung und Betreuung für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge zik-ggmbh.de Kontakt: Martin Hilckmann
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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE RUBRIK

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Demnächst wird es eine Supervision geben, um Erfahrungen auszutauschen und zu verarbeiten. Die meisten unserer Bewohnerinnen und Bewohner kommen aus Syrien, dem Irak und aus Afghanistan. Da ist zum Beispiel ein schiitischer Afghane, der gegen den Willen der Familien eine sunnitische Frau geheiratet hat. Beide mussten fliehen, um nicht umgebracht zu werden. Oder Syrer, die sich gegen die Religion entschieden haben. Ein achtjähriges Mädchen aus Afghanistan erzählte uns, ihr »Dorf sei sehr schön, aber da gäbe es ein bisschen Krieg«. Besonders beeindruckend erscheinen uns die Menschen, die einfach anders sein und leben wollen, obwohl sie nicht dazu erzogen wurden. Das lässt uns den Wert von freiem Denken, Demokratie und Sicherheit ganz neu schätzen. Freiwillige Hilfe macht es möglich Mittlerweile wurden alle Flüchtlinge im Bürgeramt angemeldet, demnächst werden die Kinder eingeschult. Wir konnten vereinbaren, dass Ärztinnen und Ärzte vom jüdischen Krankenhaus einmal wöchentlich Menschen versorgen, die noch keine Gesundheitsversicherung haben und nicht zum Arzt können. Wir bieten täglich Deutschkurse an und organisieren mit anderen Einrichtungen im Bezirk Ausflüge, um dem Alltag zu entkommen, der aus Warten auf die Registrierung beim Landesamt für Gesundheit und Soziales besteht. Unser Team ist beeindruckt von den tollen Aktionen von Freiwilligen, die gute Laune in eine Notunterkunft bringen. Demnächst werFreiwillige und Bewohner in der Bitterfelder Straße

FOTO: VOLKSSOLIDARITÄT

den die oberen Etagen fertig gestellt, so dass wir noch mehr Menschen in der Notunterkunft aufnehmen können. Darauf freuen wir uns. ASLI PEKER-GAUBERT
Wissenswertes Mehr zur Notunterkunft Bitterfelder Straße: volkssolidaritaet.de/berlin/fluechtlinge/notunterkunft-marzahn Informationen zum Willkommensbündnis in Marzahn finden Sie unter willkommeninmarzahn.wordpress.com

Work for Refugees
Arbeitsvermittlung für Flüchtlinge in Berlin gestartet

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as Projekt »Work for Refugees« des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin e.  und der V. Stiftung Zukunft Berlin ist am 28. Oktober 2015 gestartet. Ziel des Projektes ist es, Flüchtlinge in Arbeit zu vermitteln. Dazu ist die Internetseite work-for-refugees.de online gegangen, und die Beratungsstelle in der Kollwitzstraße hat ihre Arbeit aufgenommen.

Arbeitsmarkt nur schwer zugänglich für Geflüchtete Seit über einem Jahr erreichen Tausende Flüchtlinge Berlin. Nur wenigen gelingt es, auf dem Ar­ eits­ arkt Fuß b m zu fassen. Dabei ist eine Arbeitsstelle eine der wichtigsten Integrationshilfen. In Deutschland läuft die Vermittlung von Flüchtlingen in den Arbeitsagenturen und Jobcen­ ern nur langsam t an. Und sie ist vor allem darauf angelegt, Flüchtlinge zunächst in Maßnahmen wie Deutschkurse und Vorstellungstrainings zu vermitteln. Anschließend müssen sich die Flücht­inge meist l selbst um Betriebe kümmern, in denen
November / Dezember 2015	 PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

sie Praktika absolvieren können. Hier soll das Projekt »Work for Refugees« den Flüchtlingen einen unkonventionellen und niedrigschwelligen Zugang zum Arbeitsmarkt bieten. Mithilfe einer einfachen Menüführung in arabischer, englischer, französischer und deutscher Sprache geben Flüchtlinge auf der für Smartphones optimierten Internetseite ihre persönlichen Daten ein. Diese werden in der Bera­ tungsstelle »Work for Refugees« des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin gesichtet und bearbeitet. Bei einem persönlichen Gespräch werden der Lebenslauf sowie Sprach- und Fachkenntnisse überprüft. Das Jobgesuch wird schließlich an potentielle Arbeitgeber weiter­ geleitet, die sich ebenfalls mit ihren Angeboten auf der Internetseite regis­riert t haben. Somit entlastet das Projekt, für das zunächst zwei studentische Mitarbeiter eingestellt wurden, die Arbeitgeber und erleichtert die Vermittlung. Rasche Integration durch Arbeit Von vielen Arbeitgebern wird wiederholt betont, wie dringend sie Ar45

SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE RUBRIK

beitskräfte suchen. »Work for Refugees« bietet ihnen einen schnellen, unkomplizierten Weg, sie zu finden. »Die Gemein­ schaftsunterkunft bietet keine Integrationsmöglichkeiten. Diese bietet die Arbeitswelt und die Arbeitskollegen. Rudimentäre Sprachkenntnisse können hier in echter Kommunikation erworben und erweitert werden. Passgenaue fachliche und sprachliche Weiterbildung können dabei den Prozess begleiten«, sagt Prof. Barbara John, Vorstandsvor­ sitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin und langjährige Ausländer­ eauftragte von Berlin. b Daran knüpft auch die Stiftung Zukunft Berlin an, der es darum geht, die »richtigen Menschen mit den richtigen Arbeitsstellen« in Verbindung zu bringen. Hierbei bringt die Stiftung beson­ers ihre Kompetenz bei d der Ansprache der für die Idee »passenden« Unternehmen ein. Dazu gehören die Suche nach Finanzierungs-

partnern, aber auch Gespräche mit potentiellen Arbeitgebern und die damit verbundene Ermittlung der Bedarfe bei Unter­ ehmen. »Dabei interessiert n uns auch, in Erfahrung zu bringen, wo es bei einzelnen Bewer­ ungsverfahren b knirscht«, so Peter-Hans Keilbach von der Stiftung Zukunft Berlin. »Lang­ fristig möchte die Stiftung mit diesem Beispielprojekt erreichen, dass Strukturen für die Suche der Flüchtlinge nach Arbeit vereinfacht werden. Sie will damit einen sinnvollen Beitrag leisten, um das Enga­ ement von Läng dern, Kommunen ergänzend zu unterstützen.« Zudem versucht die Stiftung Zukunft Berlin, Berliner Unternehmen als Spender für das Projekt »Work for Refugees« zu gewinnen. Großes Interesse am Vermittlungsangebot Zwischenzeitlich haben sich rund 250 Flüchtlinge auf der Internetseite mit ih-

ren Daten regis­riert. Sie bringen unt terschiedlichste Qualifikationen mit und interes­ieren sich für Jobs im Bes reich der Industrie, des Bankgewerbes, der Gastronomie, aber auch für soziale Berufe, Übersetzungs- oder kaufmännische Tätigkeiten. Demgegenüber stehen rund 150 registrierte Unternehmen, darunter Hotels, Arztpraxen oder Einzelhandelsunter­ehmen, die bereit n sind, einen Flüchtling einzustellen. Die ersten vier Verträge konnten bereits unterschrieben werden. Zusätzlich gehen viele E-Mails und Anrufe von Menschen oder Unternehmen ein, die in der Sendung »Monitor« (vom 5. November 2015, ARD) von dem Projekt erfahren haben und ihre Unterstützung oder Kooperation anbieten. FRIEDERIKE LÖWA

Wissenswertes Mehr unter work-for-refugees.de

Miteinander leben
Der kurdische Elternverein Yekmal
der Verein der Eltern aus Kurdistan in Berlin e.  seit 2014 V., seine Räumlichkeiten hat. Die tanzenden Jugendlichen kamen als Flüchtlinge nach Deutschland. Die Cousinen Asmah, Nora und Jowan schon vor vielen Jahren – nur Jowan, die Älteste, hat noch verschwommene Erinnerungen an ihre Flucht als Kleinkind. Die beiden Jungen sind noch nicht so lange hier. Der 16-jährige Zara erst etwa ein Jahr. Er lebte in der Stadt Qamischli im Nordosten Syriens, musste in die syrische Armee und floh über die Türkei und Griechenland nach Deutschland. Ajo und Sîmav, die erwachsenen Leiter der Tanzgruppe, sind ebenfalls syrische Kriegsflüchtlinge. Ajo betont, dass er bei Yekmal einen offenen Tanzkurs leitet und nicht allein auf traditionelle kurdische Tänze festgelegt sei. Im Moment übt die Gruppe für eine Abendveranstaltung im FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum am 28. November. Sie werden dort zur Eröffnung einer Ausstellung auftreten, die von Flüchtlingskindern gemalte Bilder zeigt. Auch diese Bilder sind bei Yekmal entstanden, in einem Malkurs, der hier samstags immer vor der Tanzgruppe zusammenkommt. Die Einladungskarte zur Vernissage ist mit dem Wort »Miteinander« überschrieben, auf Deutsch, Kurdisch, Türkisch und Arabisch. »Beteiligung ist wichtig« Dieses Wort könnte auch als Überschrift über der gesamten Arbeit des Yekmal e.  stehen. Der kurdische ElternV. verein wurde 1993 gegründet, als Projekt mit einer halben Stelle finanziert von der damaligen Integrationsbeauftragten des Berliner Senats, Barbara John. Anlass war, dass es in den türkischen Elternvereinen keine Möglichkeit gab, etwas für die kurdische Community zu tun. Es ging und geht um die Unterstützung kurdischer Eltern, Kinder und JugendNovember / Dezember 2015

Miteinander tanzen – miteinander leben

FOTO: MARTIN THOMA

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ie fünf Jugendlichen halten sich an den Händen und kreisen durch den Raum. Sie bewegen sich voneinander weg und wieder aufeinander zu. Sie lassen sich los und klatschen im Rhythmus. Die Jungen gehen in die Hocke und die Mädchen drehen sich um sie herum. Dann bilden sie wieder eine Kette und tanzen vor und zurück. Die Jugendlichen üben einen traditionellen kurdischen Tanz. Sie lachen viel – wenn sie etwas falsch machen, wenn ihnen etwas besonders gut gelingt, und einfach so. Es ist ein Samstagnachmittag in der Waldemarstraße 57 in Berlin Kreuzberg, wo Yekmal,

PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE RUBRIK

licher, auch dabei, sich in ihrer Sprache und Kultur sichtbar zu machen. Der Verein wuchs und arbeitet heute herkunftsübergreifend. Seit 2014 betreibt er eine Jugendfreizeit­ einrichtung und eine kurdisch-deutsche bilinguale Kita, die einzige in Berlin. Deren Gründung wäre ohne die Unterstützung des Paritätischen nicht möglich gewesen, hebt Günay Darici, die Geschäftsführerin von Yekmal, hervor. Der Verein bietet Familien- und Erziehungsberatung und hat jetzt auch eine Zulassung für ambulante Hilfen zur Erziehung bekommen. Alle Angebote sind zweisprachig. Besonders wichtig ist die Nachbarschaftsarbeit geworden, im Kiez das Miteinander aller aktiver zu gestalten. »Wir gehen bei der Arbeit mit unserer Zielgruppe auf ihre Wünsche ein und reden darüber, wie sie sich beteiligen können. Beteiligung ist wichtig«, sagt Günay Darici. »Es ist gut, dass die Willkommenskultur ausgeprägter ist« Auch Günay Darici, die in der Türkei als Lehrerin arbeitete und 2008 ihr Diplom als Sozialpädagogin an der Alice Salomon Hochschule Berlin machte, kam als Flüchtling nach Deutschland. Das war 1997. Anders als die meisten heute floh sie nicht vor Krieg, sondern vor politischer Verfolgung. 1998 suchte sie als Elternteil Unterstütung bei Yekmal. Viele Probleme der Flüchtlinge kennt sie oft noch von sich selbst. Zum Beispiel die Frage, welche Schule die richtige ist für ein Kind, das kein Deutsch spricht. Als besonders problematisch, damals wie heute, sieht Günay Darici die Situation auf dem Wohnungsmarkt an. Viele Menschen lebten in Heimen, weil sie keine Wohnung finden. Manches sei aber auch anders geworden. »Damals gab es weniger Einrichtungen, die sich um die Probleme der Leute kümmern. Und sie sind auch weniger auf die Neuankömmlinge zugegangen.« Heute ist Yekmal Kooperationspartner in Flüchtlingsheimen und dort auch an den Registrierungsstellen direkt vor Ort. »Es ist gut, dass die Willkommenskultur ausgeprägter ist«, sagt Günay Darici. Ebenso sei Interkulturalität seit einigen Jahren erfreulicherweise ein Thema, mit dem sich auseinandergesetzt werde. Auf der an-

deren Seite habe leider auch die Ausländerfeindlichkeit zugenommen, und seit dem 11. September 2001 wachse die Angst vor dem Islam. »Das merke ich, wenn ich mich mit Nachbarn unterhalte.« Hilfe für Flüchtlinge Von März bis Dezember läuft bei Yekmal e. V. ein spezielles Projekt für Flüchtlinge, das vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin gefördert wird, mit dem Titel »Hilfeleistungen für Flüchtlinge aus Şengal und Kobanî in Berlin«. Das Projekt entstand aus einer Solidaritäts- und Spendenaktion für diese beiden Orte heraus, die wegen der Angriffe und Kriegsverbrechen des IS eine besondere Bedeutung erlangt haben. Der Name ist daher auch ein Symbol. Tatsächlich richtet es sich aber nicht nur an Menschen, die aus genau diesen beiden Städten vor Krieg und Terror geflohen sind. Im Rahmen des Asylverfahrens ermöglicht es Zugang zu Rechts- und Sozialberatung, zu Sprach- und Orientierungskursen und bietet kulturelle Aktivitäten an wie zum Beispiel die Mal- und Tanzkurse am Samstagnachmittag. Viele, die kommen, sprechen nicht Kurdisch, sondern Arabisch. Der Projektleiter ist eine arabischsprachige Fachkraft. Bei Problemen mit Flüchtlingen hört Günay Darici manchmal Sätze wie diesen: »Sie sind in unserem Land. Sie müssen sich an die Regeln halten.« Dieses »unser Land« und die Haltung dahinter ärgert sie, weil sie ausgrenzend ist. Es sollte das Land von allen sein, die darin leben. »Die Migranten werden hier leben. Wie können sie sich beteiligen? Beteiligen, nicht einfach anpassen. Die Gesellschaft soll sehen, dass jede Person mit Ressourcen kommt. Zu zeigen, wie sie sie einbringen kann, ist ein wichtiges Ziel unserer Arbeit.« Jowan, Zara und die anderen Jugendlichen zeigen unterdessen, wie sie tanzen können und Spaß daran haben. Und MARTIN THOMA das sieht ganz gut aus.
Wissenswertes Mehr unter yekmal.de

Lernort Moschee – Lernort für Flüchtlinge?
Eines von zahlreichen Projekten der Gesellschaft für Interkulturelles Zusammenleben e. V.

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as Projekt ABCami – Alphabetisierung und Grundbildung an Moscheen – wird seit Ende 2012 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. An drei Berliner Moscheen wurde modellhaft und basierend auf dem Situationsansatz kontrastive deutsch-türkische Materialien entwickelt und am Lernort Moschee erprobt. Seit Frühjahr 2015 werden die Ergebnisse und positiven Erfahrungen auf 25 Moscheegemeinden deutschlandweit transferiert. Moscheegemeinden sind Teil deutscher Institutionen. Sie vertreten Bürgerinnen und Bürger Deutschlands. Zur Teilhabe und einem selbstverständlichen gesellschaftlichen Miteinander gehören Kooperationen mit MoscheeNovember / Dezember 2015	

Die Moscheegemeinde als Lernort – auch für Flüchtlinge
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

FOTO: GIZ E. V.

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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE

gemeinden. Dabei öffnen sich die Gemeinden einerseits und die bundesdeutsche Bildungslandschaft andererseits für den neuen Lernort Moschee. Im Sinne aufsuchender Bildungsarbeit finden die ABCami-Kurse »Deutsch lesen und schreiben« in den Räumen der Moschee statt. Die Moschee als Lernort wird seitens der Lernenden des Projektes als wichtig beschrieben, weil Gewohnheiten ausgelebt werden können, der Ort ein Treffpunkt ist, dort Vertrauen, Geborgenheit, geschützte Räume und Wohlfühlen gegeben sind, sowie die Muttersprache gesprochen werden kann. Das vertraute Umfeld erleichtert den Lernenden eigenen Angaben zufolge die Konzentration und das Lernen.

Die große Bedeutung von Vertrauen als Struktur- und Prozessfaktor für die pädagogische Praxis ist unumstritten. Das Vertrauen in die Institution scheint auch beim Lernen in der Moschee von Relevanz. Das Umfeld der Moschee mit bekannten organisationsimmanenten Verhaltensweisen und Handlungsabläufen erzeugt Verlässlichkeit für das eigene Handeln. Die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen der geflüchteten Menschen werden zunehmend nicht nur die Bedürfnisbefriedigung von Schlafen und Essen betreffen, sondern vielmehr gilt es, Orte des Vertrauens, des Ankommens, des Miteinanders und des Lernens der deutschen Schrift und Sprache zu schaffen. Hier bieten sich für ei-

nige der geflüchteten Menschen mit einer muslimischen Identitätsvorstellung auch Moscheen an. Geflüchtete Musliminnen und Muslime finden in den Moscheen bekannte Verhaltensmuster und deutsche Gemeindemitglieder, die religiöse Tradition und Muttersprache teilen. Ziel ist es, an einem vertrauten Ort – der Moschee – das Erlernen der deutschen Schrift und Sprache für die Integration anzubieten. Der Lernort Moschee kann eine Chance sein – auch DR. BRITTA MARSCHKE für Flüchtlinge!

Wissenswertes Mehr über das Projekt lesen Sie unter abcami.de Mehr über das Flüchtlingsengagement von GIZ e. V. erfahren Sie auf giz.berlin/projects/fluechtlingsarbeit.htm

Ein Jahr YouMeWe # Flüchtlingskinder & Kinder von hier e. V.
Persönlicher Erfahrungsbericht der 1. Vorsitzenden Melanie Polascheck
ls mein Kind seinen ersten Geburtstag feierte, waren wir in Südspanien und beschenkten es reichlich. Da war eine Torte aufgetischt, viele bunte Luftballons schmückten das Wohnzimmer, wir sangen Geburtstagslieder und ließen es hochleben. Wenn eine Organisation wie unser gemeinnütziger Verein YouMeWe # Flüchtlingskinder & Kinder von hier  e.  ein Jahr alt wird, ist es ähnV. lich: Es findet eine Mitgliederversammlung statt, auf der wir uns freuen, dass wir im ersten Jahr gemeinsam gewachsen sind. Wir singen zwar nicht und es gibt auch keine Torte, dafür aber jede Menge Zahlen und Fakten über Konzeptionen, Aktionen, Spenden, Ausgaben, Entwicklungschancen und -risiken sowie, last but not least, notwendige Satzungsänderungen als Mitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, die demokratisch beschlossen werden müssen. Doch vor allem fragen wir uns: Wie steht es mit der Vision unseres Vereins, dem Wunsch nach einem gesellschaftlichen Wandel? Was zeigt uns, dass wir Wirkung erzielen? Eine Frage, die mich als Vorsitzende besonders beschäftigt. Wir könnten mehr erreichen, wenn wir den Informationsfluss innerhalb des Vereins verbessern würden. Oft bündeln sich bei mir die Informationen, manches können Mitglieder und Interessierte nur auf der Mitgliederversammlung erfahren. Sie haben
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Sich willkommen fühlen im neuen Zuhause

FOTO: SVEN GÖTZ

die Chance, Fragen zu stellen und kritische Hinweise zu geben, kurz: sich einzubringen. Solche Verfahren wie Mitgliederversammlungen sind die Legitimation nach außen, in die Welt. Und es ist ein Teilen von Ereignissen und Gedanken. Ob das Hintergründe zu unserem an zwei Berliner Grundschulen realisierten Piloten connACTion!, den 14 Kiezrallyes oder der Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen von KPMG sind. Doch ist dadurch die Wirkung erreicht, die wir uns wünschen? Nämlich dass sich Kinder von Kind zu Kind begegPARITÄTISCHER RUNDBRIEF

nen, Sprachbarrieren spielend und spielerisch abbauen und auf diese Weise offen aufeinander zugehen? Wie könnten wir den Wirkungsgrad erhöhen? Darüber zu diskutieren, ist mir ein Anliegen. Eine wichtige Frage für mich ist, wie ich das wachsende Arbeitspensum bewältige. Je größer wir werden, desto mehr gibt es zu tun. Für mich als 1. Vorsitzende heißt das: planen, organisieren, strukturieren und abrechnen. Also zum Beispiel Projektberichte schreiben oder überarbeiten, Meetings abhalten, in neue Software einarbeiten,
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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE RUBRIK

Wettbewerbsbeiträge verfassen, Flyer erstellen, Rechnungen begleichen, auf Konferenzen, Tagungen und Netzwerktreffen auftreten, auf Facebook posten, Kontakte aufbauen usw. Ich tue all dies ehrenamtlich. Und immer öfter stelle ich fest, dass ich dabei an meine Grenzen stoße. Eine Strukturfinanzierung für unseren Verein wäre dringend notwendig, um unsere Ziele umsetzen zu können. Gesellschaftlicher Wandel allein auf ehrenamtlicher Basis funktioniert auf Dauer nicht. In dem Maße, wie unsere Arbeit gebraucht wird, sollte sie auch angemessen honoriert werden. Anerkennung bekommt sie bereits: Eine rbb-Journalistin produzierte einen siebenminütigen Radiobeitrag über unser Dreimonatsprogramm connACTion!

YouMeWe will geflüchtete Kinder und einheimische Kinder zusammenbringen – durch gemeinsame Aktionen im offenen Bereich in Grundschulen. Mit Kiezrallyes starten wir: Spielerisch erkunden Kinder in kleinen gemischten Teams die Umgebung ihrer Schule. So entstehen erste Kontakte, vielleicht sogar Freundschaften und vor allem das Gefühl des willkommen Seins, dazuzugehören und nicht alleine zu sein. Wir machen den geflüchteten Kindern Mut, sich aktiv in ihr neues Umfeld einzubringen. Sie lernen, dass sie hier sicher sind und dass sie mutig auf andere zugehen können. Wir wollen eine neue Willkommenskultur an Grundschulen etablieren.

auf Inforadio. Darauf meldete sich eine engagierte Lehrerin, die mit ihren Schülerinnen und Schülern eine Informations- und Spendenaktion für unseren Verein startete. Das Unternehmen SBB sammelt über seine Mitarbeiter Spendengelder. Das sind kleine Alltagswunder im Vereinsleben, die mich dann optimistischer in die Zukunft blicken lassen – vergleichbar mit einem Kind, das

kurz nach seinem ersten Geburtstag das Laufen lernt und so ein stolzes und glückliches Lächeln in die Gesichter der Eltern zaubert.  MELANIE POLASCHECK
Wissenswertes Mehr über YouMeWe: facebook.com/youmewekids Lesen Sie hier die rbb-Reportage: rbb-online.de/politik/ thema/fluechtlinge/berlin/pilotprojekt-youmewe.html	 Mehr zur Spendenaktion der Helmuth-James-vonMoltke Grundschule in Berlin-Charlottenburg: evangelisch-bildungsstark.de/projekte/heimat-verschenken/

Soziale Sicherung – medizinische Versorgung – Prävention
Ein Situationsbericht zur Migrationsarbeit in der Berliner Aids-Hilfe e. V.

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in gutes Drittel der Ratsuchenden in der Berliner AidsHilfe e. V. sind Migrantinnen und Migranten mit HIV/ Aids. »Ein nicht unerheblicher Teil dieser Klienten sind Asylsuchende aus nicht EU-Ländern, was im Hinblick auf globale Entwicklungen nicht verwunderlich ist. Noch nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht«, beschreibt Celine Simon, Referentin für Migration in der Berliner AidsHilfe die Situation. Die gute ökonomische Lage Deutschlands und sein politischer wie wirtschaftlicher Einfluss in globalen Krisen der letzten Jahre mache Deutschland zu einem Land, in dem Menschen Schutz suchen. Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Diktatur fliehen, hofften auf ein sicheres Leben in Deutschland, so die Referentin. Den Hauptanteil der Migrantinnen und Migranten machen jedoch Menschen aus, die aus verschiedenen Gründen durch das Sozialraster gefallen sind und keinen aktuellen Zugang zu sozialen Leistungen und medizinischer Versorgung mehr haben. In der Regel handelt es sich um EU-Bürgerinnen und -bürger ohne Arbeit und damit ohne Sozial- und Krankenversicherungsschutz und Illegalisierte. Allen ist gemein, dass die Sorge um den Erhalt der eigenen Gesundheit in den Hintergrund rückte, angesichts der Bedrohung durch Armut, Diskriminierung oder gar Verfolgung im Herkunftsland. Eine wesentliche Aufgabe für die Berliner Aids-Hilfe besteht darin, die medizinische Versorgung zu ermöglichen, wenn gesundheitliche Beeinträchtigungen drohen oder schon eingetreten sind. Eine fast unlösbare Aufgabe, wenn kein gesetzlich geregelter Zugang zum Beispiel zu den wichtigen Laborkontrollen und vor allem zur antiretroviralen Therapie möglich ist. Die Berliner Aids-Hilfe ist hier auf die ehrenamtliche Zusammenarbeit mit den Schwerpunktärzten Berlins angewiesen. Eine der zentralen Forderungen lautet deshalb seit vielen Jahren, endlich den Zugang zur medizinischen Versorgung vom Aufenthaltsstatus zu entkoppeln. Das gilt auch für Menschen im Asylverfahren, die nur einen sehr eingeschränkten Zugang zur Versorgung haben: Zwar erhalNovember / Dezember 2015	

ten sie die wichtigsten medizinischen Leistungen, auch Medikamente, aber nur sehr schwer andere essentielle Leistungen wie zum Beispiel Psychotherapie oder Rehaleistungen. Leistungen, die gerade geflüchtete Menschen mit traumatischen Erfahrungen dringend benötigen. Ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Prävention. Zum einen ist die frühzeitige Behandlung der HIV-Infektion als Marker für ein langes Überleben mit HIV belegt. Gleichzeitig ist der Anteil der sogenannten Late-Presenter, also von Menschen, die ihre HIV-Diagnose erst sehr spät bei schon stark geschädigtem Immunsystem erhalten, in der Gruppe der Migrantinnen und Migranten sehr hoch. Geflüchtete stellen zudem eine besonders vulnerable Gruppe in Bezug auf das Risko dar, sich mit HIV zu infizieren, da sie unter den Bedingungen von Flucht (zum Beispiel Prostitution, Survivor Sex, Vergewaltigung und fehlende Aufklärung) erheblich erhöhten Risiken ausgesetzt sind. Hier sind besondere Präventionsmaßnahmen vonnöten. Die Berliner Aids-Hilfe hat in Kooperation mit anderen Einrichtungen vielsprachige Aufklärungsbroschüren ent­ wickelt, die an Flüchtlinge verteilt werden. 2016 verstärkt sie ihre Vorortprävention und Ansprechpräsenz in den Unterkünften für Geflüchtete.
Wissenswertes Mehr auf berlin-aidshilfe.de

PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE

Journey of Hope – eine Antwort auf die europäische Flüchtlingskrise
Hilfsorganisation IsraAID bietet Unterstützung für soziale Organisationen in Deutschland

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sraAID  ist eine internationale, gemeinnützige Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Israel, die Hilfsund Entwicklungsprogramme in 27 Ländern koordiniert. Die Organisation besteht seit 2001.  IsraAID ist primär aktiv in Ländern, die von Krieg, Naturkatastrophen, Armut und Vertreibung betroffen sind. Das Team von IsraAID  besteht aus Medizinern, Such- und Rettungseinheiten, Experten für posttraumatische Behandlung und anderen Experten, Das Team  nimmt seine Arbeit während einer Krise auf und begleitet üblicherweise den Übergang bis hin zur Stabilisierung. Mit einem Team von über 135 Spezialisten ist IsraAID  anerkannt als einer der führenden Akteure für Programme im Bereich der psychischen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung von Flüchtlingen auf der ganzen Welt. Angesichts seiner Erfahrungen und steigender Flüchtlingszahlen in Europa plant, IsraAID, seine Aktivitäten auf Deutschland auszuweiten, um dort bei der Lösung wachsender Herausforderungen zu unterstützen. Geplant ist, gemeinsam mit lokalen deutschen Nichtregierungsorganisationen eine mobile Trauma-Spezialeinheit zu etablieren, die aus arabischen und jüdischen Israelis besteht. Das Team soll für rund sechs Monate in Berlin stationiert sein und ein Pilotprogramm in Zusammenarbeit mit deutschen Behörden und Nichtregierungsorganisationen durchführen.

Flüchtlingshilfe an der griechischen Küste

FOTO: BOAZ ARAD

IsraAID  bietet an, Workshops, Seminare und Konferenzen durchzuführen, auf denen israelische und deutsche Spezialisten sich zu Methoden austauschen, die in der Flüchtlingsarbeit weltweit entwickelt wurden.  Darüber hinaus bietet IsraAID  Trainings für ehrenamtliche Helfer, Sozialarbeiter und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen an, die in Unterkünften und Behörden eng mit Flüchtlingen zusammenarbeiten. Die Trainingskurse beinhalten beispielsweise Stressmanagement, Kommunikationsfähigkeit und Selbstschutz für Dienstleister. Ein weiteres Angebot ist die Supervision und Unterstützung für Dienstleister, beispielsweise zur Prävention von Burnout und sekundärer Traumata an.
SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE JUGENDHILFE

Schließlich plant IsraAID, ein mobiles Traumabehandlungsteam aufzubauen, das aus Arabisch sprechenden Spezialisten besteht. Dieses Team soll Seite an Seite mit deutschen Behörden und Nichtregierungsorganisationen arbeiten und psychosoziale Unterstützung für besonders vulnerable Flüchtlingsgruppen gewährleisten. Für die unterstützende Arbeit in Deutschland ist IsraAID auf der Suche nach nicht sozialen Organisationen, die als Partner im Bereich des Flüchtlingsengagement und der psychosozialen beziehungsweise Traumabehandlung fungieren möchten.
Wissenswertes Mehr Informationen zur Flüchtlings- und Krisenarbeit (in englischer Sprache) finden Sie hier: israaid.co.il

Flucht nach vorn

Ein Projekt von Freeda gibt Kindern neues Selbstvertrauen

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ieben Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsnotunterkünften im Bezirk Reinickendorf hatten imm SOmmer 2015 die Möglichkeit, am Projekt »Flucht nach vorn« von Familienhilfe Freeda UG teilzunehmen. Einige der Kinder sind schwerst-mehrfachbehindert, andere durch ihre Flucht traumatisiert. Ziel des Projekts in Lübbenau im Spreewald war es, die Defizite der Kinder und Jugendlichen durch Zu-

wendung und gemeinschaftliche Aktivitäten auszugleichen. Die Kinder sollten die Möglichkeit erhalten, Vertrauen aufzubauen sowie Ängste und Sprachbarrieren zu überwinden. Mit dabei waren Arzu (12 Jahre), Gülcan (13 Jahre), Layla (12 Jahre), Jad (15 Jahre), Aaron (12 Jahre), Kora (13 Jahre) und Nadir (14 Jahre). Der Entwicklungsbedarf der Kinder betraf nicht nur ihren seelischen
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

und körperlichen Gesundheitszustand, sondern auch das zwischenmenschliche Miteinander und den respektvollen Umgang mit anderen. Die verschiedenen chronisch erkrankten Kinder wurden zunächst nicht problemlos in die Gruppe eingebunden sondern mit Distanz beobachtet. Erst durch die gemeinsamen Aktivitäten und den allabendlichen Austausch am Lagerfeuer formte sich nach und nach eine homoNovember / Dezember 2015

SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE JUGENDHILFE

gene Gruppe. Die flexible Gestaltung der Ruhezeiten und das Einräumen von Freispiel förderte das gegenseitige Kennenlernen. Pro Tag gab es meist nur ein großes Aufgabenziel neben den alltäglichen Pflichten wie dem Tischdienst. Das Einhalten der Hof-Regeln gelang allen teilnehmenden Kindern im Verlauf des Projektes zunehmend besser. Verantwortung für sich und andere übernehmen Der Umgang mit Tieren war ein zentrales Thema. Für die geflüchteten Kinder war es nicht selbstverständlich, ein Tier anzufassen oder als eine Art Freund zu betrachten. Den Lernprozess eines respektvollen Umganges mit dem Tier und einer entsprechenden artgerechten Haltung und Pflege brachten die Betreuer den Teilnehmern verständnisvoll nahe. Der im Vorfeld des Projektes erarbeitete Tagesplan wurde mit gemalten Bildern der Betreuer unterstützt, um zu gewährleisten, dass jeder und jede einzelne in der Gruppe die Aufgaben und Abläufe versteht. Die Kinder erklärten sich gegenseitig die Bilder und malten
Durch regelmäßige Aufgaben Verantwortung lernen

neue. Zum Tagesablauf der Einheit gehörten feste Rituale, wie die gemeinsamen Essen dreimal täglich. Daneben pflegten die Kinder täglich die Tiere des Hofes: Schafe, Esel, Pferde, Lauf­ nten, e Hühner, Katzen und Hunde. Der Tag begann stets mit einem Morgenkreis nach dem Frühstück und endete mit dem gemeinsamen Austausch am Lagerfeuer, welches das Kennenlernen intensivierte und für ein Zusammenwachsen der Gruppe sorgte. In diesen Stunden öffneten sich einige Teilnehmer den ehrenamtlichen Dolmetschern und Betreuern und berichteten von ihren Ängsten, traumatischen Erlebnissen oder ihrem Ärger. Viel Freude bereitete es den Teilnehmern, Lieder in Begleitung einer Gitarre aus ihrer Heimat zu singen. Die Natur um sich herum entdecken Die Teilnehmer erkundeten in regelmäßigen Spaziergängen den Wald, wobei die Honorarkräfte die Barrierefreiheit der Wege mit der Gruppe thematisierten. Stets wurde darauf geachtet, dass alle behinderten und mobileren Kinder auch im dicht bewachsenen und

teils unzugänglichen Wald die gleichen Eindrücke erleben konnten. Im Wald konnten die Kinder Ruhe finden und das Ökosystem Wald erforschen. Mit Hilfe von diversen Bilderbüchern konnten sich die Kinder im Wald zurecht finden und erste Bäume erkennen. Durch die stetigen Waldbesuche verloren die Kinder zunehmend ihre Angst, und der Wald öffnete sich den Teilnehmern als Spielplatz, Ort der Ruhe oder auch als Nahrungsquelle. Der Besuch des nahe gelegenen Selbstversorgerhofes von Bauer Schmidt thematisierte erneut den Umgang mit Tieren. Während des Besuches wurden die Teilnehmer durch den Hof geführt und erhielten einen Einblick in die artgerechte Haltung und Unterbringung von Kühen, Schweinen, Pferden, Enten, Hasen, Wachteln, Puten und Hühnern. Die Kinder lernten, wie Kühe gemolken und Hasen gefüttert werden, sie kosteten ihnen unbekannte Gemüsesorten und stellten viele Fragen. In den nächsten Tagen durften die Kinder am therapeutischen Reiten auf großen Haflinger-Wallachen teilneh-

FOTO: FREEDA UG

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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE JUGENDHILFE

men. Der Bewegungsrhythmus der Pferde hatte eine lockernde und ausgleichende Wirkung. Die anfänglichen Ängste einzelner Kindern wurden durch die Unterstützung der anderen Kinder in große Freude und Selbstvertrauen verwandelt. An anderen Projekttagen bestellte die Gruppe einen »Park der Sinne« mit Pflanzen aus verschiedenen Klimazonen, die für jedes Kind duftende Sinneseindrücke ermöglichten. An weiteren Tagen wurde gemeinsam ein Baumhaus gebaut. Die Gruppe besuchte ein Freilichtmuseum und hatte viel Freude beim Schwimmen mit Pinguinen in der Spreewaldtherme. Als Gruppe zusammengewachsen Die geplanten Aufgabenziele konnten ausnahmslos erreicht werden. Das gemeinsame Planen und Bauen im »Park

der Sinne« und am Baumhaus stärkte den Gruppenzusammenhalt nachhaltig. Dabei überraschten die Kinder die Betreuer mit ihrer vertrauensvollen Bereitschaft, sich trotz ihrer traumatischen Vergangenheitserlebnisse auf so viel Neues einzulassen. Sie bemühten sich, Ängste zu überwinden und hoffnungsvolle Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Im Verlauf des Projektes wurde deutlich, dass jeder Einzelne zunehmend Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten aufbaute. Auch die anfänglichen Sprachbarrieren stellten kein Hindernis für die Gruppe dar. Alle Formen der nonverbalen Kommunikation wurden angewandt. Es wurde gestikuliert, gezeichnet, gemalt, gebrüllt, getanzt und gelacht. Einige der nicht-deutschsprachigen Teilnehmer lernten Redewendungen oder konnten schon kleine Sätze bilden.
SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE FRAUEN

Die Erreichung der Aufgabenziele konnte ausschließlich durch das aktive Engagement der teilnehmenden Kinder realisiert werden. Das langsam erarbeitete, gegenseitige Vertrauen von Teilnehmern und Betreuern lies das Projekt »Flucht nach vorn« zu einem Erfolg werden, welches noch im Nachgang der Fahrt viel positive Resonanz der Familien erhielt. Im Laufe des Projektes erwiesen sich viele Fähigkeiten und Erfahrung, welche innerhalb des Teams von Freeda bestanden, als besonders erforderlich für dessen positiven Verlauf. Die breite Erfahrung der Mitarbeiter mit hoch belasteten Familien von chronisch kranken Kindern kam dem Projekt zugute.
 INES WEBER UND SASKIA LEHNART

Wissenswertes Mehr über Freeda: familienhilfe-freeda.de

Bildungs- und Berufsberatung als Schlüssel für eine erfolgreiche Integration
Erfahrungen der Tio-Weiterbildungsberatung mit geflüchteten Frauen

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ass der Studienabschluss aus dem Heimatland und Grundkenntnisse in Deutschland oft nicht ausreichen, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, müssen zurzeit leider viele geflüchtete Frauen erfahren. Reem, eine syrische Informatikerin, hat trotz guter Englisch-Kenntnisse große Schwierigkeiten, eine Arbeit zu finden. Und Esraa, die in ihrem Heimatland Rechtsanwältin war, muss nun in Deutschland noch einmal Jura studieren, damit sie in ihrem Beruf arbeiten kann. Oft müssen kreative Lösungen her, die den Frauen nachhaltige Chancen auf dem Arbeitsmarkt ermöglichen. Um den geflüchteten Frauen schon zu einem frühen Zeitpunkt eine Berufsorientierung und Bildungsberatung anzubieten – bevor sich Ernüchterung und damit auch Passivität breit macht –, hat Tio nun die Zielgruppe der Weiterbildungsberatung um geflüchtete Frauen erweitert. Schon seit 1992 berät der Treffund Informationsort (Tio) e.  . Frauen V mit Migrationshintergrund rund um die Themen Bildung und Arbeit. Wie Reem oder Esraa, so kommen seit diesem Jahr vermehrt Frauen aus Syrien
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durch Mund-zu-Mund-Propaganda zur Weiterbildungsberatung. Seit Oktober hat Tio zudem eine von der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen geförderte neue mobile Bildungsberaterin, die geflüchtete Frauen in VHS-Deutschkursen, Unterkünften und Behörden aufsuchend berät. Vorteil von Tio ist, dass die Beraterinnen ihre Beratungsgespräche in mehreren Sprachen, darunter Arabisch, Türkisch, Englisch und Französisch, führen können, so sprachliche Barrieren überwinden und schnell das Vertrauen der Ratsuchenden gewinnen. Für Tio bedeuten geflüchtete Frauen als neue Zielgruppe Kontinuität und Wandel zugleich. Die Beratungsgespräche drehen sich um Themen, in denen die Beraterinnen jahrelang Erfahrung gesammelt haben: Bildungszugänge, Anerkennung von Abschlüssen, Weiterbildungsmöglichkeiten und Einstieg in den Arbeitsmarkt. Zudem geht es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Neu hingegen sind alle Fragen rund um das Asylrecht und die Besonderheiten beim Arbeitsmarktzugang, die große Barrieren darstellen können. Die größte HerausfordePARITÄTISCHER RUNDBRIEF

rung liegt für Tio aber darin, ein möglichst großes Spektrum der geflüchteten Frauen zu erreichen. Bildungshintergründe und Erwartungen sind verschieden Reem und Esraa sind keine Einzelbeispiele. Gerade unter den geflüchteten Syrerinnen gibt es hoch gebildete Frauen, die sehr motiviert und engagiert sind, insbesondere dann, wenn sie alleine nach Deutschland migriert sind. Diese Frauen gehen in die Deutschkurse, kümmern sich um die Anerkennung ihrer Abschlüsse, suchen sich Studienplätze. Gerade für alleinstehende Frauen stellt die Neuorientierung in Deutschland grundsätzlich auch eine Chance dar, sich das Leben ohne äußere Zwänge selbst zu gestalten. Jedoch gibt es auch viele Frauen, die geringere Bildungsabschlüsse haben oder durch familiäre Verpflichtungen weitaus weniger aktiv sind und oft ihre Männer vorschicken. Verlässliche Zahlen über die Qualifikationen fehlen noch, aber die Beraterinnen beobachten, dass unter den neu eingereisten Frauen das Bildungsniveau zum Teil deutlich niedriger ist. Gleichzeitig
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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE FRAUEN

steigt die Hemmung, eine neue Sprache zu lernen und in Deutschland Fuß zu fassen. Da der Spracherwerb ein Schlüssel für ihre Integration ist, ist es wichtig, diese Frauen, die aus traditionelleren Strukturen kommen und bei denen die Außenkontakte die Ehemänner übernommen haben, schon früh für einen Deutschkurs zu interessieren. Neue Zugangswege, um die Frauen so früh wie möglich zu erreichen Um auch diese Frauen zu erreichen, ist es notwendig, neue Zugangswege zu gehen. Es reicht nicht, sich auf die Mund-zu-Mund-Propaganda zu verlassen oder die Frauen in den Deutschkursen abzuholen, denn teilweise besuchen sie die Deutschkurse wegen einer fehlenden Kinderbetreuung erst gar nicht. Vielmehr müssen die Beraterinnen mit den Familienzentren oder anderen Einrichtungen in den Gemeinschaftsunterkünften kooperieren, um die Frauen so früh wie möglich zu er-

reichen. Hier profitieren die Beraterinnen von den Erfahrungen der Mobilen Bildungsberatung, die Tio bereits in Mütterkursen, Kitas, Familienzentren und Familiencafés gewonnen hat. Andere Zugangswege könnten Behörden sein. Nicht zuletzt sind einfache und übersichtliche Internet- und Smartphone-Angebote nicht zu verachten, da Facebook und andere Medien häufig den bevorzugten Zugang zur Öffentlichkeit darstellen. Geflüchteten Menschen müssen sich um viele Probleme kümmern Auch bei der Beratung von Frauen mit Migrationshintergrund ist der Aufenthaltsstatus nicht immer sicher. Aber bei geflüchteten Frauen beispielsweise aus Afghanistan, Iran oder Eritrea kommt noch die Sorge um eine Aufenthaltsverweigerung hinzu. Zudem bleiben geflüchteten Frauen im Asylbewerbungs- oder Duldungsprozess viele Möglichkeiten der Bildung und Arbeitsmarktintegration verwehrt.
SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE GESUNDHEIT

Die Bildungsberatung wird auch dadurch erschwert, dass die Frauen noch viele andere Schwierigkeiten zu überwinden haben: Wohnung, Traumata, gesundheitliche oder familiäre Probleme, Sorgen um die Familie im Heimatland. Während der Bildungsweg sonst am Ende der Zu-erledigen-Liste steht, liegt hier eine Gleichzeitigkeit von Problemen vor, und die Flüchtlinge haben nicht den Luxus, ein Problem nach dem anderen anzugehen. Dies erfordert bei den Beraterinnen Fingerspitzengefühl sowie ein sehr viel breiteres Wissen als bei der »klassischen« Zielgruppe. Diesem Umstand liegt aber auch die Chance inne, Frauen in Umbruchsituationen zu erreichen, bevor Strukturen verfestigt sind. Die Bildungs- und Berufsberatung kann hier ein Schlüssel zum Erfolg sein. Bei Tio weiß man aus Erfahrung, dass die Integration in die Arbeit und Bildung ein wichtiger Meilenstein für die gesellschaftliche Teilhabe und Emanzipierung darstellt.  DR. MIRIAM STOCK, RAFAELA SUBAIE

Medizinisches Versorgungszentrum und Netzwerk für Flüchtlinge (MVF Berlin)
Vorschlag des Paritätischen Berlin zur medizinischen Soforthilfe für Flüchtlinge

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er Paritätische Berlin schlägt die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle für die medizinische Erstbetreuung mit Clearingfunktion zur Prävention, Gesundheitshilfe und Integration bei der Erstaufnahme von Flüchtlingen in Berlin vor. Die Ausgangssituation Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Berlin kommen, bleibt auf absehbare Zeit hoch. 2015 werden zehntausende Menschen erwartet, die nicht nur Wohnplätze und andere existenzielle Hilfen brauchen, sondern auch medizinisch notwendige Behandlungen. Sofortige medizinische Hilfe ist bereits bei der Erstaufnahme zu gewährleisten, mit der administrativen Aufnahme funktional und ressourcensparend vernetzt werden und Clearingaufgaben zur Überleitung in die Regelversorgungssysteme übernehmen. Behandlungs- und Versorgungsstrukturen der medizinischen und psychosozialen Versorgung sind so zu gestalten, dass sie aufeinander aufbauen und optimal ineinander greifen.
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Mehrsprachig: Medizin hilft Flüchtlingen
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FOTO: PETRA ENGEL

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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE GESUNDHEIT

Diese Aufgaben sollten in das Sofortproramm des Senats aufgenommen und umgesetzt werden. Das Konzept der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales vom 11. August 2015 nutzt die Chancen einer medizinischen Soforthilfe nicht konsequent genug. Diese bestehen darin, Prozesse der Administration, Maßnahmen der Gesundheitsförderung, individuelle und soziale Integration so zu optimieren, dass die Orientierung und Qualifizierung der betroffenen Menschen besser gelingt. Medizinische und pflegerische Berufsgruppen haben einen selbstverständlichen Zugang zu kranken, traumatisierten und gesundheitlich beeinträchtigten Menschen. Ein Medizinisches Versorgungszentrum und Netzwerk gesundheitlicher und psychosozialer Hilfen bietet einen niedrigschwelligen, vertrauenswürdigen Zugang zur Problembewältigung mit den betroffenen Menschen. Das Management der Flüchtlingsbetreuung wird qualitativ und wirtschaftlich optimiert und das Empowerment der Flüchtlinge an der selbstwirksamen Bewältigung ihrer Situation gefördert. Eine medizinische Erstversorgung ist eine stabile Grundlage für die Koordinierung weiterführender gesundheitlicher und psychosozialer Hilfen, wenn notwendig. Die Berliner Ärztekammer, zahlreiche Ärzteorganisationen und die freien Träger von gesundheitlichen, psychosozialen oder sozialpädagogischen Hilfen und Angeboten können ihr gesamtes Potenzial und Know-how einbringen und damit die Selbstorganisation aller beteiligten Menschen stärken. Gesundheit ist zentraler Faktor und Impuls für das Gelingen der individuellen und sozialen Integration. Bedarf für eine zentrale Anlaufstelle zur (allgemein)medizinischen Erstbegutachtung mit Clearingfunktion, Prävention und Gesundheitshilfen für Flüchtlinge bei der Erstaufnahme in Berlin Berlin muss sicherstellen, dass die ankommenden Flüchtlinge Zugang zur medizinischen Regelversorgung, Prävention und Gesundheitsförderung erhalten. Es dient der individuellen Gesundheit und der Gesundheit der gesamten Bevölkerung gleichermaßen, wenn gesundheitliche Gefährdungen rechtzeitig erkannt und zielgerichtet bewältigt werden können. Eine auf die medizinische Erstversorgung von Flüchtlingen spezialisierte Einrichtung
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bündelt die dafür notwendigen Ressourcen. Notwendig sind sowohl eine umfassende medizinische und psychosoziale Erstanamnese als auch eine Orientierung auf die nachgeschalteten, weiterführenden Versorgungs- und Betreuungsprozesse. Dies unterstützt und stärkt das Vertrauen in Hilfen und Versorgungsstrukturen, erleichtert und unterstützt das notwendige Handeln von Behörden und Verwaltungen. Geflüchtete Menschen, die wegen chronischer Krankheiten auf Medikamente angewiesen sind und bei denen die Gefahr einer Therapieunterbrechung besteht oder aufgrund fehlender Medikamente bereits während der Flucht eingetreten ist, haben bei der Erstregistrierung oder schon vorher einen akuten Versorgungsbedarf. Die sofortige Behandlung von Infektionskrankheiten, Mangelsyndromen oder Verletzungen, die sich Menschen während der Flucht zugezogen haben, spart Kosten und schützt. Die medizinische Versorgung und Behandlung von Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel Tuberkulose, Hepatitiden, HIV dient dem Gesundheitsschutz aller Bürgerinnen und Bürger. Freie Träger sind auch Ansprechpartner für Flüchtlinge, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität diskriminiert werden und sogar homo- und trans*feindlicher Gewalt ausgesetzt sind. Der Senat anerkennt in seinem Konzept lesbische, schwule, bisexuelle trans* und inter* LSBTI* Flüchtlinge als besonders schutzbedürftige soziale Gruppe. Dementsprechend ist auch eine Fachstelle für LSBTI* Flüchtlinge analog zu anderen Gruppen besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge einzurichten. Freie Träger halten Angebote für LSBTI* Flüchtlinge vor, eine Kontakt- und Anlaufstelle ist eingerichtet und es sollen 30 Wohnplätze für LSBTI* Flüchtlinge entstehen. Der Bedarf ist evident. Das Medizinische Versorgungszentrum und Netzwerk für Flüchtlinge – MVF Berlin Das zu errichtende MVF Berlin gewährleistet: ·	eine zeitnahe medizinische Erstbegutachtung ·	 einen niedrigschwelligen Zugang zur medizinischen Erst- und Basisversorgung ·	 sofort notwendige medizinische Hilfen und
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·	eine »Verteilung« an psychosoziale Angebote und gesundheitliche Hilfen. Niedrigschwellige, zum Teil auch mobile Gesundheitsangebote, Präventionsprojekte, Beratung und psychosoziale Hilfen der freien Träger sind in Berlin vorhanden. Es existieren langjährige Modelle, die für die praktische Umsetzung eines MVF eine gute Orientierung bieten. Das »Schöneberger Modell«, ein Versorgungssystem und Netzwerk aus stationärer, teilstationärer und ambulanter medizinischer Behandlung mit integrierter Clearingfunktion und den Angeboten freier Träger, lässt sich für eine institutionsübergreifende Versorgung von Flüchtlingen bzw. vulnerablen Gruppen unter den geflüchteten Personen zügig weiterentwickeln und bindet neue Kooperationspartner unproblematisch ein. Berlin besitzt ein einzigartiges fachliches Know-how im Umgang mit sozial bedingten Gesundheitsproblemen und ein einzigartiges Potenzial an freiwilligen Helfern. Politik muss jetzt die Weichen stellen, damit vorhandene Möglichkeiten und Chancen genutzt werden können. Die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlins stehen zur Verfügung, um Berlin bei den Aufgaben im Umgang mit den gesundheitlichen Problemen der Flüchtlinge nachhaltig und wirksam zu unterstützen. Sie kooperieren dabei mit anderen Wohlfahrtsverbänden und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Die zügige Errichtung des MVF Berlin könnte zeigen, dass Berlin kompetent, couragiert, ergebnisorientiert und kostensparend hilft. Berlin löst die Probleme gemeinsam mit den geflüchteten Menschen und nutzt deren eigene Ressourcen für ein humanes Projekt im Interesse der ansässigen wie ankommenden Bevölkerungsgruppen.
PARITÄTISCHER WOHLFAHRTSVERBAND LANDESVERBAND BERLIN E. V.  BERLIN, 28. SEPTEMBER 2015

Wissenswertes Die Paritätischen Vorschläge zum MVF Berlin finden Sie hier: paritaet-berlin.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/ Aktuelles/2015/2015-09-25_Kurzfassung_Medizinische_ Erstbegutachtung_und_Versorgung.pdf bzw. unter paritaet-berlin.de/fluechtlinge-veroeffent­l ichungen-undpositionen.html Kontakt: Heike Drees, Referentin für Suchthilfe, Gesundheit, HIV/Aids beim Paritätischen Berlin, drees@paritaet-berlin.de
November / Dezember 2015

SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE JUGENDHILFE

RomAs – ein Bildungsinstitut gegen Rassismus, Diskriminierung und Antiziganismus
Fünf Fragen an Andrea Walter-Gröger, Geschäftsführerin des AspE e. V.
Andrea Walter-Gröger, geboren 1963, ist Dipl. Sozialpädagogin / Sozialarbeiterin sowie Erziehungs- und Kommunikationswissenschaftlerin. Sie ist Geschäftsführerin beim AspE e. V. und leitet das Bildungsinstitut RomAs. Die Fragen stellte Anne Beyer. Frau Walter-Gröger, für was steht RomAs? Andrea Walter-Gröger: RomAs ist ein neues Bildungsinstitut, entstanden in Kooperation von RomnoKher Berlin, dem Haus für Kultur, Bildung und Antiziganismusforschung, sowie unserem Träger AspE e.  ., einem Jugendhilfeträger mit V dem Schwerpunkt interkulturelle Familienarbeit. Zusammengesetzt ergeben die Anfangsbuchstaben der beiden Träger RomAs. Wir bieten Handlungskonzepte für verschiedene Arbeitsfelder, die im Kontext von Zuwanderung und Flucht stehen – gegen Rassismus, Diskriminierung und Antiziganismus. Unsere Ziele sind Aufklärung und Kenntnisvermittlung im Kontext von Minderheiten- und Mehrheitsverhältnissen. Was waren die Überlegungen, die zur Entstehung des Bildungsinstituts geführt haben? Andrea Walter-Gröger: Die Kompetenzen von RomnoKher Berlin und AspE e.  . zu bündeln und an Organisationen und V Unternehmen weitergeben zu können. Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus Südosteuropa mit und ohne Romahintergrund besuchen seit Jahren die Förder- und Freizeitprojekte sowie Sprachkurse von AspE e. V. Seit 2006 arbeitet RomnoKher in Mannheim daran, Bildungschancen für Kinder aus Sinti- und Romafamilien zu erhöhen. Gemeinsam kennen wir die Lebensrealität von Zuwanderern und Flüchtlingen. Uns geht es vor allem darum, Fach- und Führungskräfte auf diesem Gebiet zu informieren, aufzuklären und weiterzubilden. Wir wollten auch einen Ort für Austausch und Netzwerkbündelung schaffen sowie Begegnungen im Rahmen von Kulturveranstaltungen ermöglichen. Mit was für einem Programm starten Sie und wer sind Ihre Zielgruppen? Andrea Walter-Gröger: Wir bieten passgenaue Seminare und Workshops für verschiedene Organisationen, Fachgespräche und Fachvorträge, Austauschmöglichkeiten, Kulturveranstaltungen im Kunstraum Dikhas Dur und einmal im Monat einen After-Work-Fachaustausch mit wechselnden Referentinnen und Referenten. Die Seminare werden von qualifizierten Expertinnen und Experten im Bereich interkulturelle Kompetenz konzipiert und durchgeführt. Unsere besondere Kompetenz liegt in der Einbeziehung von Minderheiten, besonders der Sinti und Roma, und steht im Kontext der neuesten Antiziganismusforschung. Die Mitarbeitenden haben multiprofessionelle und multikulturelle Erfahrungen. Die Methoden richten sich nach dem Diversity- oder dem Anti-Bias-Ansatz. Wir richten uns an Fachkräfte der freien und öffentlichen Träger der Kinder- und Jugendhilfe, Schulen und Jugendgruppen, Menschen in nachbarschaftlichen Bezügen,
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Andrea Walter-Gröger

FOTO: ANNE BEYER

Mitarbeitende der Kommunalverwaltung, im Bildungs- und Gesundheitswesen und andere Menschen, die entweder selbst mangelnde Teilhabe und Ausgrenzung erleben, oder die mit solchen Menschen zusammenarbeiten. Was sind mittelfristige Perspektiven? Andrea Walter-Gröger: Durch die intensive Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Antiziganismusforschung, die Kompetenz von RomnoKher in der Bildungsarbeit und die Kompetenz von AspE e.  . im Feld der Kinder- und Jugendhilfe V werden wir Expertisen bündeln und Ansprechpartner für individuelle Fortbildungsanliegen der eben genannten Zielgruppen sein. D.h. wir werden auf Anfragen maßgeschneiderte Fortbildungen, Schulungen und Fachveranstaltungen konzipieren. Interessierte Nachfragen aus den Bereichen Verwaltung, Bildungs- und Gesundheitswesen gehen bei uns schon ein, und wir hoffen hier im ersten Halbjahr 2016 sehr konkret werden zu können. Außerdem gibt es ein starkes Interesse an unserem After-WorkFachaustausch einmal im Monat. Wir werden dieses Forum als Austauschmöglichkeit in 2016 auch auf die Nachfragen zu aktuellen Themen einstellen. Das heißt es lohnt sich Themenvorschläge einzubringen – wir bemühen uns dann passende Referentinnen und Referenten zu den Veranstaltungen zu finden. Der After-Work-Fachaustausch ist ein kostenloses Angebot und kann in der Netzwerkbildung ein hilfreiches Format sein. Außerdem werden wir im nächsten Jahr Supervisionsund Coachingangebote für Fachkräfte und Ehrenamtliche bereitstellen. Wir werden unsere Kooperation mit der Galerie Kai Dhikas und dem TAK Theater im Aufbau Haus ausbauen und durch Kulturveranstaltungen weitere Begegnungsmöglichkeiten im
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PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE JUGENDHILFE

Rahmen von Minderheit- und Mehrheitsgesellschaft schaffen. Ein Höhepunkt wird sicherlich die Kulturwoche 2016, rund um den internationalen Roma Tag am 8. April, werden. Welche Rolle spielt die Verortung und Einbindung in das Aufbau Haus? Andrea Walter-Gröger: Für das Bildungsinstitut RomAs spielt die Verortung und Einbindung in das Aufbau Haus – Berlins Kreativzentrum am Moritzplatz – mit seinen Mietern eine besondere Rolle. Hier ist ein Ort entstanden, an dem sich in einzigartiger Weise Kultur, Kreativität und Bildung verbinden lassen. Insgesamt sechs Selbstorganisationen der Sinti und Roma (darunter eine Repräsentanz des Dokumentations- und Kulturzentrums sowie des Zentralrats deutscher Sinti und Roma) vertreten im Aufbau Haus die Interessen der Minderheit. Zahlreiche Betriebe und Institute aus der Kreativwirtschaft (darunter auch die Designeakademie/SRH Hoch-

schule) schaffen im Miteinander der Mieterschaft eine anregende und bereichernde Atmosphäre für die Beschäftigung mit den Themen interkulturelles und demokratisches Lernen, Antidiskriminierung, Inklusion und Teilhabe. Und schließlich lassen sich, umgeben vom schönen Kunstraum Dikhas Dur – der weite Blick –, in offener Atmosphäre wunderbar der Horizont erweitern und die Kunst und Kultur genießen. So werden auch komplexe und emotional belastende Themen leichter, ganzheitlich und hoffentlich auch angstfreier für Minderheits- und Mehrheitsgesellschaft zugänglich. In diesem Sinne wünschen wir uns mit RomAs einen kleinen Beitrag zu mehr Offenheit und einem demokratischen Miteinander leisten zu können.
Wissenswertes Der Beitrag ist als erstes auf dem Blog jugendhilfe-bewegt-berlin.de veröffentlicht worden. Mehr über RomAs unter romas-berlin.de

SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE KINDERTAGESSTÄTTEN

Kitas: »Eine kindgerechte Umgebung abseits der beengten Unterkünfte«
Fünf Fragen an Claudia Gaudszun, Referentin für Kindertagesstätten beim Paritätischen Berlin
Claudia Gaudszun ist Sozialpädagogin und arbeitet seit 1990 in verschiedenen Funktionen in den Bereichen Kinder, Familie und Frauen im Paritätischen Wohlfahrtsverband, seit 1999 als Kita-Referentin. Daneben ist sie freiberuflich als Dozentin, Fachberaterin und externe Evaluatorin für Kitas tätig. Die Fragen stellte Nina Peretz. Frau Gaudszun, weshalb ist es so wichtig, dass Flüchtlingskinder möglichst schnell nach ihrer Ankunft eine Kindertagesstätte besuchen? Claudia Gaudszun: Nun, zunächst müssen die Familien erst einmal in ihrer Unterkunft richtig ankommen, die wichtigsten organisatorischen Dinge klären, etwas zur Ruhe kommen. Um den Zugang zur Kita zu eröffnen, braucht es Sozialarbeiter in den Unterkünften, die den Eltern als erstes erklären, was eine Kindertagesstätte überhaupt ist, denn in vielen Heimatländern gibt es gar nichts Vergleichbares. Tatsächlich ist die Kita ein wirklich guter Ort, damit Flüchtlingskinder eine kindgerechte Umgebung abseits der beengten Unterkünfte vorfinden, mit anderen Kindern spielen, in die deutsche Sprache kommen und von Profis gefördert und unterstützt werden. Die Kinder haben eine lange Fluchtgeschichte mit vielen Entbehrungen und teilweise auch traumatischen Erlebnissen hinter sich, da ist es besonders wichtig, dass sie wieder ganz Kind sein dürfen. Außerdem beobachten wir, dass die Integration der Kinder in die Kita häufig auch einen positiven Einfluss auf die ganze Familie hat. Die Kita – wie auch der Schulbesuch der älteren Kinder – bringt Struktur und weitere Unterstützung in das Familienleben. Die pädagogischen Fachkräfte sind sehr engagiert und auch andere Eltern aus der Kita sind überwiegend recht offen und bieten Unterstützung in vielfältiger Hinsicht an. Eine Kita, die Flüchtlingskinder aufnehmen möchte, braucht Sprachmittler, zusätzlichen Raum, psychologische Begleitung…Welche Unterstützung gibt es hierfür von offizieller Seite?
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Claudia Gaudszun

FOTO: PRIVAT

Claudia Gaudszun: Das erste Problem ist tatsächlich der aktuelle Platzmangel. Ich war daher überrascht, dass sich Träger trotzdem bereit erklären, einen bis drei Plätze ganz gezielt für Kinder aus Flüchtlingsfamilien bereit zu halten. Das ist besonders vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass die Arbeit mit diesen Familien ja auch Herausforderungen für die Erzieherinnen und Erzieher bedeuten, zum Beispiel die Sprachbarrieren. Wir alle wissen, dass Sprache der Schlüssel zur Integration ist. In Berlin gibt es den Gemeindedolmetschdienst, der Sprachmittler zur Verfügung stellt. Früher war es den Kitas möglich, für fünf Euro einen Rahmenvertrag zu schließen und dann die Dolmetscherdienste in Anspruch zu nehmen. Leider ist der Dienst seit 2013 nicht mehr ausreichend öffentNovember / Dezember 2015

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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE RUBRIK KINDERTAGESSTÄTTEN

lich gefördert, sodass die Kitas nun pro Einsatz mindestens 35 Euro zahlen müssen. Das muss dringend geändert werde, Kitas müssen diese Leistung kostenlos in Anspruch nehmen können, damit sie eine Brücke zu den Eltern schlagen können. Daneben wünsche ich mir für die Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas insgesamt eine breitere Unterstützung. Das heißt konkret: zusätzliche Personalanteile, Coaching und Fachberatung, sinnvollerweise auch eine zentrale Ansprechstelle für alle Fragen rund um das Thema Flüchtlingskinder in der Kita, damit noch mehr Kitas gezielt Plätze anbieten. Auch fachpolitisch gibt es Verbesserungsbedarfe. Ich nenne mal ein Beispiel: Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Personalzuschlag für Kinder nicht-deutscher Herkunftssprache, den wir laut Gesetz haben, lediglich in den Kitas zur Auszahlung kommt, in denen mehr als 40 Prozent der Kinder den Anspruch haben. Praktisch bekommen also Kitas, deren Anteil zum Beispiel bei 39 Prozent liegt, trotz Erfüllung der Kriterien keinerlei Zulagen! Diese 40-Prozent-Hürde ist zutiefst unsozial und muss nun endlich aufgehoben werden, das heißt alle Kinder mit Sprachproblemen müssen diese Zulage auch erhalten. Welche Einstellung beobachten Sie bei den meisten Eltern geflüchteter Kinder? Sehen sie die Notwendigkeit des Kita-Besuchs, oder ist das erst einmal nachrangig? Claudia Gaudszun: Wie schon gesagt, hier kommt den Sozialarbeitern der Einrichtungen eine wichtige Rolle zu. Sie müssen die Institution Kita erläutern, beim Antrag auf einen Kita-Gutschein unterstützen und auch bei der Suche nach einem Kitaplatz in der Nähe. Die Anträge müssen dann zeitnah vom Jugendamt beschieden werden. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass Eltern den Kitabesuch eher für ihre Kinder ab drei Jahren nutzen. Ganz besonderes offen sind die Familien, wenn sie in den Unterkünften schon Spielzimmer kennengelernt haben und sehen, wie die Kinder diese annehmen. Ganz wichtig ist es zu beachten, dass die Familien eine mittelfristig gesicherte Unterkunft haben, damit die Kinder zunächst auch in der Kita bleiben können. Wenn die Eltern beim Antrag und der Kitaplatzsuche ganz praktisch unterstützt werden, geben sie ihre Kinder in der Regel auch gerne in die Kita. Bei allen Eltern

sollte der Weg zur Kita auf Freiwilligkeit beruhen, aber ganz besonders bei der Gruppe der Eltern mit Flüchtlingserfahrung, die ja in ihrem Alltag permanent fremdbestimmt sind. Den Kindern fällt es viel leichter, sich zu integrieren, Freunde zu finden, sich wohlzufühlen, wenn die Kinder merken, dass die Eltern die Kita gutheißen und ihre Kinder gerne dort hinbringen. Welche Reaktionen gibt es in Berlin von den Eltern der anderen Kita-Kinder? Unterstützen sie die Aufnahme geflüchteter Kinder größtenteils, oder gibt es da auch Kritik? Claudia Gaudszun: Träger berichten kaum über kritische Äußerungen von Eltern. Sie erleben eher Eltern, denen das gleichgültig ist, oder aber Eltern, die sich engagieren wollen, denen das Thema am Herzen liegt. Die Unterstützung von anderen Eltern ist teilweise beeindruckend, so berichtete ein Träger, dass Eltern Patenschaften für Flüchtlingsfamilien in der Kita übernommen haben, in anderen Kitas wurden guterhaltene Spielzeuge und sonstige Materialien gesammelt und zur nahegelegenen Unterkunft gebracht. Wie ist die Situation in den Not- und Gemeinschaftsunterkünften? Gibt es dort kindgerechte Angebote und Räume? Claudia Gaudszun: Das ist ein großes Problem. Kinder in den Flüchtlingseinrichtungen laufen ganz überwiegend nebenher, spielen auf den Gängen, sind dem Alltag, auch den Konflikten, die mitunter entstehen, relativ schutzlos ausgesetzt. Die ganz jungen Kinder sind gewissermaßen eine vergessene Zielgruppe, dabei sind sie besonders schutzbedürftig. Es gibt zu wenige betreute Spielzimmer in den Erstaufnahmeeinrichtungen, kaum Betreuung durch Fachkräfte, es fehlt an Raum und kindgerechtem Material. Sicherlich ist der Platz angesichts der hohen Flüchtlingszahlen überall sehr knapp, aber meines Erachtens sollten geschützte Kinderräume in jeder Einrichtung mitgedacht und eingeplant werden. Überall da, wo sie bestehen, zeigt sich, dass diese Räume auch von den Müttern gut angenommen werden, dass sie für diese ein Ort des Austauschs sind, dass damit also die Integration und der soziale Friede in der Einrichtung ganz praktisch unterstützt wird.

SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE QUEERE LEBENSWEISE

Mentorinnen und Mentoren für homosexuelle und transgeschlechtliche Flüchtlinge
LSVD unterstützt Neuankömmlinge bei Wohnungssuche & Co
iele lesbische, schwule und trans­ idente Flüchtlinge wenden sich an das Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule (MILES) des LSVD Berlin-Brandenburg. Sie fliehen nicht nur vor Verfolgung in ihren Herkunftsländern, sondern erleiden in deutschen Unterkünften durch andere Flüchtlinge Gewalt – auch in sexualisierter Form. Die homosexuellen und transgeschlechtlichen Flüchtlinge haben einen großen Betreuungsbedarf. Bei MILES wird ihnen durch psychoNovember / Dezember 2015	

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Privatspender besucht Lerngruppe der Sprachakademie
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FOTO: JÖRG STEINERT

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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE QUEERE LEBENSWEISE

soziale Beratung und Rechtsberatung geholfen. Seit August 2015 bietet MILES zudem eine spendenfinanzierte Integrations- und Sprachakademie an. In einem Anfänger- und einem Fortgeschrittenenkurs werden die geflüchteten Menschen beim Spracherwerb unterstützt, aber auch bei der Wohnungssuche und in Alltagssituationen. Im Januar 2016 startet MILES ein Mentorenprojekt für homosexuelle

und transgeschlechtliche Flüchtlinge. Interessierte Personen, die Flüchtlinge gerne regelmäßig als Mentorinnen und Mentoren unterstützen möchten, können sich ab sofort mit Namen und Kontaktdaten an miles@lsvd.de wenden. Bereits über 60 Personen haben angeboten, die ratsuchenden Flüchtlinge beim Spracherwerb, der Wohnungssuche, der Bewältigung von Alltagssituationen und der Integration
SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE STADTTEILZENTREN

in die deutsche Gesellschaft zu unter­ stützen.
Wissenswertes Die Flüchtlingsarbeit des Lesben- und Schwulenver­ bandes ist zudem auf Spenden angewiesen. Spendenkonto: Kontoinhaber: LSVD Berlin-Brandenburg e. V. Bank für Sozialwirtschaft BLZ: 100 205 00 | Konto: 335 00 00 BIC: BFSWDE33BER | IBAN: DE46100205000003350000 Zweck: Spende Flüchtlinge

Von der Willkommenskultur zur Integration
Das Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum ufaFabrik hat ein echtes Wilkommensnetzwerk geschaffen

Willkommenskultur geht durch den Magen

FOTO: BMBF / HANS-JOACHIM RICKEL

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n Tempelhof-Schöneberg leben zurzeit 4000 Flüchtlinge, davon allein 2125 in den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof und 2000 in sieben Not- und Gemeinschaftsunterkünften. Die Menschen, die auf langen, beschwerlichen und gefährlichen Fluchtwegen in unserer Stadt angekommen sind und in ihren Heimatländern unvorstellbares Leid erfahren haben, benötigen als erstes Unterkunft, Kleidung, Nahrung und zum Teil medizinische Versorgung. Für ebenso wichtig halten wir es jedoch, von Anfang an Integration zu ermöglichen. Die Nachbarschaftshäuser und Stadtteilzentren auf der ganzen Welt, so auch in Berlin, stehen für Unterstützung, Beratung, interkulturelles und intergeneratives Miteinander sowie gesellschaftliche Teilhabe an Kultur. Willkommenskultur in der Nachbarschaft und in unseren Einrichtungen in Tempelhof-Schöneberg und in Charlottenburg-Wilmersdorf
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heißt für uns konkret, Möglichkeiten der Integration für unsere neuen Nachbarn zu schaffen. Spontaner Deutschunterricht – nachbarschaftlich organisiert Ein Beispiel aus der täglichen Arbeit unseres Nachbarschaftszentrums: Kurz vor den Sommerferien 2014 kam in unsere Informationszentrale ein syrischer Flüchtling und fragte an, ob wir für seine drei Neffen, die vor kurzem in Berlin angekommen seien, Deutschunterricht organisieren könnten. Die Jungen besuchten Willkommensklassen, doch diese seien während der Ferien geschlossen. Die Jungen wollten aber unbedingt lernen. Innerhalb eines Tages erklärten sich mehrere Ehrenamtliche bereit, sich um die drei Jungen im Alter von 8, 12 und 16 Jahren zu kümmern. Der Pflegedienst unseres NachbarNovember / Dezember 2015

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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE STADTTEILZENTREN

schaftszentrums stellte Räume zur Verfügung, und der Sprachunterricht startete in den Sommerferien. Unter den Ehrenamtlichen sind pensionierte Lehrerinnen und Lehrer. Mit Feuereifer machten sich alle gemeinsam an die Arbeit. Neben Deutsch geben die Ehrenamtlichen Nachhilfe in Englisch und Mathe. Das Ergebnis nach einem Jahr regelmäßigen Treffens und Lernens: Mohamed, der Älteste, hat den Deutschtest in seiner Willkommensklasse als Bester abgeschlossen, ist jetzt in einer Regelklasse und dort Klassensprecher. Kolli, 12, und Ebe, 8 Jahre alt, sprechen inzwischen fließend Deutsch und sind ebenfalls in Regelklassen. Die Unterstützung der jungen syrischen Geflüchteten geht mittlerweile weit über die Nachhilfe hinaus. Freundschaften sind entstanden, auch zu den Erwachsenen. Eine ehrenamtliche Patin macht mit den Kindern regelmäßig Stadtspaziergänge, Museumsbesuche und andere Ausflüge. Unsere hauptamtlichen Integrationslotsinnen begleiten die Erwachsenen zu den diversen Ämtern und helfen auch bei der Wohnungssuche. Mit Hilfe unserer Ehrenamtskoordinatorin konnten zwei junge Männer aus der Notunterkunft in private Zimmer vermittelt werden. Beide sind Ärzte und unterstützen jetzt ehrenamtlich andere Flüchtlinge. Mit Unterstützung durch den Alltag – dank der Integrationslotsinnen Hohe Bedeutung für die Integration hat die Arbeit unserer vier Integrationslotsinnen. Anfang 2014 arbeiteten zunächst zwei Frauen gefördert durch ein Programm der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen. Dieses Programm war zunächst vorgesehen für die Unterstützung von neu in Berlin eingetroffenen Menschen, aber auch für Migrantinnen und Migranten, die schon länger hier leben. Aufgabe der Lotsinnen ist es, den Migranten in ihrem alltäglichen Umgang mit Behörden, Schulen und in Gesundheitsfragen beratend zur Seite zu stehen. Die Arbeit der Lotsinnen musste sich aus Kapazitätsgründen auf die immer mehr werdenden Neuankömmlinge konzentrieren. Dazu wurden im Oktober 2014 zwei weitere Stellen geschaffen. Die nun vier Integrationslotsinnen decken die Muttersprachen Arabisch und Russisch ab. Sie sind Ansprechpartnerinnen für die Menschen in den Unterkünften und für privat bei Verwandten oder Freunden Wohnende. Regelmäßige wöchentliche Sprechzeiten der beiden arabisch sprechenden Lotsinnen sind in allen kooperierenden Unterkünften in Tempelhof ein festes Angebot. Weitere Kontakte ergeben sich über unsere eigenen Einrichtungen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort nutzen gern die Fach- und Sprachkompetenz der Lotsinnen,

um in besonderen Situationen Hilfe zu geben. Mittlerweile geben die geflüchteten Menschen die Telefonnummern unserer Lotsinnen untereinander weiter und bitten um Begleitung zu Behörden. Angebote bringen Geflüchtete mit Nachbarn zusammen Unsere Jugendfreizeiteinrichtungen werden zunehmend von jungen Geflüchteten besucht. Das stellt unsere haupt-und ehrenamtlich Mitarbeitenden vor besondere Aufgaben. Erfreulicherweise fördert das Jugendamt Tempelhof-Schöneberg unterschiedliche Angebote für junge Geflüchtete. Zahlreiche unserer Regelangebote haben wir für Geflüchtete geöffnet, zum Beispiel den Aikido-Workshop im 3D Medienhaus in Marienfelde für alle interessierten Jugendlichen aus der Nachbarschaft, auch aus der Unterkunft Marienfelde. Zahlreiche Angebote und Projekte wurden extra für Flüchtlinge geschaffen, so wie die Musik- und Spielgruppen, die Betreuung für die Kinder in der Erstunterkunft Colditzstraße und künftig auch in den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Dies sind nur einige Beispiele für eine große Vielfalt an Projekten. Integration von Anfang an Unsere Erfahrungen zeigen, dass die geflüchteten Kinder und Jugendlichen, die wir in unseren Einrichtungen über einen längeren Zeitraum hin begleiten, sich vorwiegend gut und schnell die neue Sprache aneignen und sich integrieren. Blockaden aufgrund von Traumatisierung oder anderer Hemmnisse können durch kompetente Beratung und teilweise Vermittlung an Fachstellen überwunden werden. Die Arbeit mit den Eltern schafft Vertrauen und bereitet den Weg auch für deren Einleben und Aufnahme in die deutsche Gesellschaft. Es ist von immenser Bedeutung, so schnell wie möglich mit der Integration der geflüchteten Menschen zu beginnen, auch wenn es so erscheint, dass die vordringlichste Aufgabe zunächst die Unterbringung ist. Dafür haben wir gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus NGOs, Politik, Verwaltung, Wohlfahrtsverbänden, kirchlichen und anderen Organisationen in Tempelhof ein Willkommensnetzwerk geschaffen. Spenden werden gesammelt, Kinderbetreuung und ehrenamtlicher Sprachunterricht werden organisiert, um nur einige der Tätigkeiten des Netzwerkes zu nennen. Die Nachbarschaftshäuser und Stadtteilzentren haben hier die wichtige Aufgabe, Integrationsprozesse zu initiieren und zu begleiten, Netzwerke zu knüpfen und mit allen anderen Akteuren Willkommenskultur zu leben.
 RENATE WILKENING, GESCHÄFTSFÜHRERIN NACHBARSCHAFTS- UND SELBSTHILFEZENTRUM UFAFABRIK E. V.

#steglitzhilft – der Name ist Programm
Ehrenamtliche Helfer heißen Geflüchtete willkommen

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itgefühl, Hilfe und Engagement für Menschen in Notlagen sind an manchen Stellen auf unserer Erde keine Selbstverständlichkeit. Das Wissen um diesen Fakt macht es für mich um so bedeutsamer, dass es in meinem direkten Umfeld, in der Nachbarschaft in der
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ich mich bewege und arbeite, so viele Menschen gibt, die etwas geben möchten. Geben für Menschen, die wohl die schwersten Tage, Wochen und Monate ihres gesamten Lebens durchmachen. »Ich möchte etwas tun.«, »Wie kann ich helfen?« oder »Was wird gebraucht?« … das sind die Sätze und
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

Fragen, die mich in meiner Arbeit erreichen und mich privat unheimlich bewegen. Die Woge der Hilfsbereitschaft, die uns im Dezember 2014 zum Start unserer Initiative für Geflüchtete erreichte, trägt uns kontinuierlich weiter voran auf unserem Weg Menschen, die vor Krieg und Verfolgung flüch59

SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE STADTTEILZENTREN

tend, nach Deutschland, nach Berlin, nach Steglitz gekommen sind, zu helfen. Alte und neue Nachbarn begegnen sich Seit einiger Zeit gibt es im KiJuNa – Kinder-, Jugend- und Nachbarschaftszentrum in der Scheelestraße verschiedene Angebote für geflüchtete Männer, Frauen und Kinder. Angebote, die wir nur vorhalten können, weil wir auf einen Pool aus rund 250 ehrenamtlichen Helfern zurückgreifen können. Täglich finden in unseren Räumlichkeiten Deutschkurse statt, wir können eine Kinderbetreuung bzw. Spielgruppe anbieten, haben ein Musikprojekt gestartet, nehmen Spenden entgegen, sortieren und verteilen diese, haben mit dem Interkulti-Café an zwei Standorten ein Angebot geschaffen, das Grundlage für die Begegnung von »alten und neuen Nachbarn« ist. Und all das mit der Unterstützung von Menschen, die Ihre häufig knapp bemessene freie Zeit darauf verwenden, anderen zu Helfen und die Newcomer in unseren Reihen willkommen zu heißen. Die Entwicklung der Willkommenskultur direkt vor der Bürotür miterleben zu dürfen ist ein Privileg, dass ich jeden Tag aufs Neue genieße. Die Arbeit mit engagierten Ehrenamtlichen und motivierten Menschen aus den verschiedensten Ländern der Welt
Mit vereinten Kräften: Steglitz hilft!

erfüllt mich mit einem Gefühl, dass zu beschreiben Worte allein nicht ausreichen. Und der Ausdruck dessen, was ich denke und empfinde bereitet mir normaler Weise keine Schwierigkeiten. Neben den Angeboten, die wir für Geflüchtete im KiJuNa und in anderen Einrichtungen des Stadtteilzentrums Steglitz e.  . vorhalten, betreiben wir V nun seit dem 9. November 2015 selbst eine Notunterkunft in Lankwitz. Unweit der Stelle, an der das Stadtteilzentrum vor ziemlich genau 20 Jahren seine Arbeit aufnahm, sind seitdem rund 200 Menschen untergebracht. Dieses für Deutschland so geschichtsträchtige Datum ist nun auch in der Vita unseres Vereins mit einem ganz besonderen Ereignis erfüllt. Und so wie vor 26 Jahren eine Mauer aus Beton und Steinen von Menschen eingerissen wurde, so werden an dieser Stelle jeden Tag aufs Neue die Mauern in den Köpfen einiger weniger Menschen mit abstrusen Vorstellungen von Nationalbewusstsein praktisch und faktisch widerlegt. Überwältigende Hilfsbereitschaft Die Hilfe und Unterstützung durch Ehrenamtliche in der Notunterkunft ist enorm. Vom ersten Tag an sind freiwillige Helfer von morgens bis abends im Einsatz für die Menschen, die in der Sporthalle untergekommen sind. Sie unterstützen bei der Ausgabe von Frühstück, Mittag und Abendessen, spie-

len mit den Kindern, lernen Deutsch mit den Bewohnern und stehen als Gesprächspartner für verschiedenste Anliegen und Bedürfnisse zur Verfügung. Hinzu kommt, dass einige Ärzte ihre freie Zeit darauf verwenden, eine medizinische Grundversorgung und eine regelmäßige Sprechstunde in der Unterkunft einzurichten. Bei all den, in weiten Teilen grausamen Meldungen aus Fernsehen, Radio und Printmedien ist man leicht geneigt sich in Rat-, Fassungs- und vielleicht sogar Hoffnungslosigkeit zu ergehen. Das, was ich täglich erleben darf, der Zusammenhalt, die an Aufopferung grenzende Bereitschaft sich für geflüchtete Menschen einzusetzen, das Mitgefühl und die Selbstverständlichkeit mit der die ehrenamtlich Engagierten ihre Zeit und Kraft in die Entwicklung einer beispielhaften Willkommenskultur stecken, geben mir Fassung und die Hoffnung darauf zurück, dass die Menschen dieser Erde trotz Krisen und Kriegen den Weg in eine friedliche gemeinsame Zukunft finden wollen. Ich bitte, mir das Pathos meiner Worte nachzusehen, doch bin ich in keiner Weise dazu fähig, bei dem, was ich täglich erleben darf, emotionsfrei und sachlich zu bleiben. Ich bin unendlich froh darüber, von Menschen umgeben zu sein, die den Namen unserer Initiative beim Wort nehmen: #steglitzhilft! KRISTOFFER BAUMANN

FOTO: STADTTEILZENTRUM STEGLITZ E.V.

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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE STADTTEILZENTREN

Willkommen in Zehlendorf!
Das Stadtteilzentrum und das Mehrgenerationenhaus Phoenix des Mittelhof e. V.
uch im Berliner Teilbezirk Zehlendorf haben in den letzten Monaten über 1000, Männer, Frauen und Kinder, eine Zuflucht und zumindest ein vorübergehendes Zuhause gefunden. Der Mittelhof e.  . möchte seinen Beitrag dazu leisV ten, dass sich die neue Nachbarschaft zu einem guten Miteinander entwickelt. Für das Stadtteilzentrum und das Mehrgenerationenhaus Phoenix des Mittelhof e. V. erwächst daraus eine Fülle von neuen Aufgaben, denen sich die beiden Einrichtungen gern stellen: Von der Information und Öffentlichkeitsarbeit, über die Initiierung und Koordinierung von lokalen Unterstützungsnetzwerken sowie die Begleitung von ehrenamtlichem Engagement, bis hin zur Förderung von Begegnung und Teilhabe. Anwohner umfassend informieren Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf Information, wenn in ihrem Umfeld Unterkünfte für geflüchtete Menschen eingerichtet werden. Der Mittelhof e.  . hat zusammen mit V dem Bezirksamt mehrere große Informationsveranstaltungen zu geplanten Einrichtungen durchgeführt. Dies wird jetzt bei den drei neu eröffneten Notunterkünften fortgesetzt, in diesem Fall in Kooperation mit dem Stadtteilzentrum Steglitz. In der Folge informieren wir Interessierte über aktuelle Entwicklungen und laden zu Beteiligung und Engagement ein. Beide Einrichtungen arbeiten sehr erfolgreich mit engagierten Akteuren im Umfeld der Unterkünfte zusammen. Für das »Containerdorf« am Hohentwielsteig beispielsweise umfasst das lokale Willkommensnetzwerk mittlerweile 25 Beteiligte – das sind Kirchengemeinden, Sportvereine, Firmen, soziale Träger unter anderem, die Angebote machen, Projekte planen und durchführen, Veranstaltungen organisieren. Gemeinsam mit dem Betreiber Arbeiter-Samariter-Bund wurde ein Willkommensfest organisiert, das mit rund 1000 Besucherinnen und Besuchern ein schöner Erfolg wurde. Das Mehrgenerationenhaus wiederum war Mitveranstalter des Newroz-Fest mit Anwohnern und geflüchteten Menschen aus 16 Nationen in der Unterkunft Goerzallee.
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Willkommensfest in der Unterkunft Goerzallee

FOTO: MITTELHOF E. V.

Echte Willkommenskultur: ehrenamtliches Engagement Das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern ist bemerkenswert! Viele hundert Ehrenamtliche engagieren sich in den Unterkünften, geben Sprachkurse, machen Angebote für Kinder, organisieren Spendenkammern, übernehmen Fahrdienste und Begleitungen zu Behörden, laden zu Stadterkundungen ein. Ärzte bieten Sprechzeiten an, Fahrräder, Kleidung und Gegenstände des täglichen Gebrauchs werden gespendet. Die Einrichtungen des Mittelhof e. V. sind oft die ersten Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger, die sich engagieren wollen. Wir geben erste Orientierung, informieren über Einsatzmöglichkeiten und Rahmenbedingungen, vermitteln in Einrichtungen und organisieren selbst eine Fülle von Angeboten in unseren Häusern, die von Ehrenamtlichen getragen werden (Sprachund Freizeitangebote, Cafés der Begegnung, Samstagstreff für Patenschaften). Zudem bieten wir Fortbildungen, vermitteln in solche, führen regelmäßig Stammtische durch und begleiten Ehrenamtliche in ihrem Engagement. Integration betrifft immer beide Seiten In den vielen von engagierten Bürgerinnen und Bürgern getragenen AngePARITÄTISCHER RUNDBRIEF

boten eröffnen sich Räume für Kontakt und Begegnung. Dies gilt insbesondere für die offenen Café-Treffpunkte, die in Zehlendorf vielerorts entstanden sind. Das persönliche Kennenlernen dort verbindet und stärkt die Bereitschaft, sich im Rahmen einer Patenschaft sehr weitgehend für einen Menschen, eine Familie zu engagieren. Mit vielen Angeboten unterstützt der Mittelhof e.  . die Integration und V die Teilhabemöglichkeiten der Neuangekommenen: Die Bereitstellung von Kitaplätzen, die ehrenamtliche Unterstützung der Kinder und der Jugendlichen in den Willkommensklassen und bei Ferienschulen, zusätzliche Schulsozialarbeit, gemeinsame Aktivitäten, Treffpunkte, Einbindung in bereits bestehende Angebote (das Phoenix wird mittlerweile von vielen minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen genutzt), Beratung und vieles mehr. Es ist uns dabei ein großes Anliegen, Integration und Teilhabe als ein beidseitiges Projekt anzusehen: Menschen, die geflüchtet sind oder ihre Heimat aufgrund von widrigen Umständen verlassen haben, sollen nicht mehr als unbedingt notwendig über ihre Hilfsbedürftigkeit definiert werden, sondern man soll ihnen als Menschen zu begegnen, die etwas zu geben haben.  GERALD SAATHOFF
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SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE STADTTEILZENTREN

Bildung, Beratung und Treffpunkt für arabische Frauen
1979 bis 2015: 36 Jahre Al Nadi im Nachbarschaftsheim Schöneberg e. V.
l Nadi« – arabisch »der Club« – entstand im Jahre 1979 durch das Engagement von Isa Reimann und Rita Wacker. Die eine leistete ihr Berufspraktikum beim (damals noch kleinen) Nachbarschaftsheim Schöneberg e. V. ab, die andere beim Jugendamt Schöneberg in der Betreuung sogenannter »besonderer Personengruppen«, dies waren zu dieser Zeit vor allem viele palästinensische Flüchtlingsfamilien. Diese flüchteten Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre aus den bombardierten Flüchtlingslagern im damaligen Bürgerkriegsland Libanon nach Berlin. Gemeinschaftsgefühl und Unterstützung Schnell stellte sich heraus, dass es vor allem bei den Frauen ein großes Bedürfnis nach einem Treffpunkt gab, da sie ihre in arabischen Ländern üblichen traditionellen Frauengemeinschaften verloren hatten. Einen großen Bedarf gab es außerdem an Sprachunterricht und erster Orientierung im neuen Land. Durch die gute Zusammenarbeit zwischen Nachbarschaftsheim und Jugendamt wurde es möglich, dass erste Angebote für die Neuankömmlinge gemacht werden konnten. Anfangs in den Räumen eines Schülerladens in der Cranachstraße, später in den Räumen des türkischen Frauenladens KIDOB, gaben die Sozialarbeiterinnen den arabischen Frauen Deutschunterricht, berieten sie bei Problemen mit Behörden, organisierten gemeinsame Ausflüge innerhalb Berlins und vieles mehr. 1984 wurde Al Nadi erstmals von der Ausländerbeauftragten des Senats mit einer halben Personalstelle gefördert, ab 1988 mit zwei halben Personalstellen. Im Jahr 1987 wurden endlich eigene Räume in der Moselstr. 3 in Friedenau gefunden. Mit Begleitung zum Schulabschluss Ab 1988 konnte in den Räumen des Al Nadi drei Jahre lang ein vom Landesamt für Gesundheit und Soziales finanziertes »Trainingsprogramm für jugendliche Asylbewerberinnen« durchgeführt werden, welches zum Ziel hatte, mit bildungsunterstützenden und pädagogischen Angeboten arabische Flüchtlingsmädchen auf den Hauptschulabschluss
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Bildung, Beratung und Gemeinschaft: Al Nadi

FOTO: NBHS/AL NADI

vorzubereiten. Die Mitarbeiterinnen gingen hierfür in die Wohnheime, in denen die Familien untergebracht waren und sprachen mit den Eltern, um sie für das Programm zu gewinnen. Ein dreijähriges EU-Modellprojekt zur Beratung, Betreuung und Sprachförderung arabischer Frauen folgte 1994. Von 1999 bis 2001 führte AI Nadi ein Kooperationsprojekt mit drei Kreuzberger Grundschulen durch, welches unter dem Namen »Schulbegleitende Elternbildung für arabische Eltern« von der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin gefördert wurde. Im Rahmen dieses Projekts wurden nicht nur die Eltern beraten und aufgeklärt, sondern auch die Schulen durch Sprach- und Kulturmittlung dabei unterstützt, die Kommunikation mit den arabischen Eltern zu verbessern  – bei Elterngesprächen, Elternabenden, Schulkonferenzen etc. Außerdem wurden in den beteiligten Schulen die ersten Deutschkurse für Mütter in Schulen organisiert, eine Idee, die später mit den Elternkursen der Volkshochschulen stadtweit umgesetzt wurde. Im Kontakt mit den Familien Ab 2004 baute Al Nadi aufgrund der Nachfrage von Müttern nach schulischer Unterstützung ihrer Kinder ein ehrenamtliches Nachhilfeprojekt auf,
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

bei dem Freiwillige in arabische Familien gehen und dort arabischstämmigen Kindern und Jugendlichen Nachhilfe in verschiedenen Fächern erteilen. Von 2011 bis 2013 finanzierte das deutsche Hilfswerk ein Projekt, in dem die Eltern der am Schülerpaten-Projekt teilnehmenden Kinder intensive Beratung und Begleitung in allen schulischen und erziehungsrelevanten Fragen erhielten. Seit 2014 nun ist bei Al Nadi eine halbe Fraueninfrastrukturstelle zur Verbesserung der Situation gewaltbetroffener Migrantinnen angesiedelt, mit der die Beratung und Begleitung von häuslicher Gewalt betroffener arabischer Frauen finanziert wird. Al Nadi hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten zu einer zentralen Anlauf-, Clearing- und Beratungsstelle für arabische Frauen aus dem gesamten Berliner Stadtgebiet entwickelt. Al Nadi ist vernetzt mit vielen anderen Beratungsstellen und Institutionen und wird regelmäßig als interkultureller Mittler von anderen Diensten benötigt. Die laufenden Hauptschwerpunkte der Arbeit sind allerdings nach wie vor Bildung und Beratung. Die Mitarbeiterinnen Hannah Drexel und Lina Ganama, die seit 26 Jahren im interkulturell gemischten Team arbeiten, sind neben der Organisation der Kurse vor allem mit BeraNovember / Dezember 2015

SCHWERPUNKTTHEMA: MIGRATION / FLÜCHTLINGE STADTTEILZENTREN

tungsarbeit beschäftigt. Die Beratungszeiten sind dienstags und donnerstags von 10 bis 14 Uhr, es können aber auch außerhalb dieser Zeiten Beratungstermine abgesprochen werden. Al Nadi – Pionier in vielerlei Hinsicht ·· Seit 26 Jahren interkulturell gemischtes, gleichberechtigtes Team ·· Seit Jahrzehnten »Elternarbeit«

·· Deutschkurse in Schulen werden schon seit 1999 an drei Kreuzberger Schulen angeboten ·· Seit Jahrzehnten werden Themen der Stadtteilmütter behandelt ·· Hausbesuche und Wohnheimbesuche  – schon in den 1980ern wurde erkannt, wie wichtig es ist, die Leute aufzusuchen ·· Seit über zehn Jahren Bildungspatenschaften und bürgerschaftliches Engagement
PFLEGE

Wird diese Arbeit in Zukunft noch notwendig sein? Solange die Länder, aus denen Frauen zu uns kommen, Kriegs- und Krisengebiete bleiben, solange Frauen in einer Heiratsmigration nach Deutschland mehr Chancen für sich sehen als in ihrem Heimatland, so lange wird Al Nadi nicht zumachen können. HANNAH DREXEL UND LINA GANAMA
Wissenswertes Mehr: nbhs.de/stadtteilarbeit/al-nadi-fuer-arabische-frauen

Neue Serie: Pflege spezial
Schmerz lass nach – Warum sind die Expertenstandards zum Thema Schmerz so schwer umzusetzen?

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m Referat Pflege summieren sich die Anfragen im Bereich »Umgang mit Schmerzen«. Schon im 3. Bericht des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) von 2012 für ganz Deutschland hatten im stationären Bereich bei Qualitätsprüfungen nur 79,3 Prozent das Kriterium zum korrekten Umgang im Schmerzmanagement erfüllt. Im ambulanten Sektor waren es 63,8 Prozent. Am 12. November 2015 war es Schwerpunktthema im Qualitätszirkel für ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen. Lesen Sie hier über das Vorgehen und die Ergebnisse dieser Runde. Anerkennung von Schmerzen in der Gesellschaft recht unterschiedlich Wir beleuchteten mit den Teilnehmern, warum manche Schmerzarten, wie Geburtsschmerz und Schmerzen nach Operationen, gesellschaftlich anerkannt sind und warum andere Schmerzarten, wie etwa Nervenschmerzen und allgemein chronische Schmerzen besonders bei hochbetagten Menschen, nicht gesellschaftlich anerkannt sind. Diese Art der gesellschaftlichen Anerkennung hat Einfluss darauf, ob sich jemand traut, über seine Schmerzen zu sprechen und sich beraten zu lassen. Die Mitglieder des Zirkels hinterfragten die Situationen und Rahmenbedingungen, bei denen Betroffene bereit sind, über Schmerzen zu sprechen. Dabei wurde deutlich, wie komplex das Thema ist und was alles als Einflussfaktor wirken kann, um die Bereitschaft zu erwecken, Schmerzen zu benennen oder nicht. So kommt es darauf an, ob der Zuhörende Zeit hat und Ruhe ausNovember / Dezember 2015	

schmerzverzerrten Gesichtern um seine Schmerzintensität anzeigen zu können. Andere wiederum benötigen Zahlenwerte, wie bei Zensuren, um die Stärke von Schmerzen zu benennen. Bei Menschen, die sich nicht äußern können, haben die Pflegenden die Möglichkeit, eine wissenschaftsbasierte Skala einzusetzen, die mit Hilfe von Beobachtung eine Einschätzung erleichtern kann. Wer fragt wann und wie oft Als zweiter Schritt muss ein Verfahren festgelegt werden, wann wer wie oft nach Schmerzen fragt. Wir hinterfragten, ob es immer sinnvoll ist, diese Befragung durch die Fachkraft durchzuführen. Gerade im ambulanten Bereich sind oft eher die Pflegehilfskräfte die Fachleute im Bereich der grundpflegerischen Versorgung und des Wohlbefindens. Sie benötigen dafür entsprechende Schulungen und immer die Beratung durch die Fachkraft. Ein ständiges Befragen ohne Konsequenzen führt zur Frustration und dazu, dass keine passenden Antworten mehr gegeben werden. Im dritten Schritt spielt die Kommunikation mit dem Arzt und seine Fachkenntnisse zum Thema Schmerz bei der Schmerzbehandlung eine große Rolle. Neben den Schmerzmedikamenten sollten auch natürliche Behandlungsmethoden, wie Wärme oder Kälte sowie Einreibungen von den Pflegenden berücksichtigt werden. Wir möchten Mut machen, Schmerzen zu benennen. Nur so können sie bekannt und kann eine Möglichkeit der Linderung gesucht werden.
  DR. CHRISTIANE PANKA QUALITÄTSMANAGERIN, REFERAT PFLEGE UND ALTENHILFE

Dr. Christiane Panka

FOTO: PRIVAT

strahlt, ob eine Fachlichkeit in der Beratung erwartet werden kann und in welchen Räumlichkeiten und Situationen die Frage nach Schmerzen gestellt wird. Es hängt ebenso vom Alter (ein junger Mensch hat doch keine Schmerzen) und vom Geschlecht des Betroffenen (Männern fällt das Reden über Schmerzen häufig schwerer) ab. Individuell angepasste Befragungsmethoden zu Schmerz Um Lösungen zu finden, haben wir uns die aktuellen Expertenstandards zum Thema Schmerz angeschaut. Im ersten Schritt ist es wichtig, sich für den jeweiligen Schmerzpatienten das richtige Erhebungsinstrument auszusuchen. Der eine äußert sich gern im Gespräch unter vier Augen, der andere benötig ein Instrument mit strahlenden bis hin zu
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RUBRIK RECHT

Versetzungsrecht des Arbeitgebers
Information der Paritätischen Tarifgemeinschaft e. V.
ie ist das eigentlich mit dem Versetzungsrecht, das Ihnen als Arbeitgeber zusteht? Geregelt ist Ihr Weisungsrecht in § 106 der Gewerbeordnung. Der Arbeitgeber kann danach Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen näher bestimmen, soweit diese Arbeitsbedingungen nicht durch ·· den Arbeitsvertrag, ·· Bestimmungen einer Betriebsvereinbarung oder ·· eines anwendbaren Tarifvertrages oder ·· gesetzliche Vorschriften festgelegt sind. Dazu passt das Urteil des Landesarbeitsgerichts Schleswig-Holstein vom 26.8.2015, Az.: 3 Sa 157/15: Ein Arbeitnehmer hatte drei Kinder und arbeitete auf einer Dauerbaustelle an seinem Wohnort. Offensichtlich gab es dann Ärger, und die Arbeitgeberin versetzte ihn an einen Arbeitsort, der 660 km entfernt war. Nach dem Arbeitsvertrag war das möglich, da die Parteien vereinbart hatten, dass der Arbeitnehmer auch auf Baustellen eingesetzt werden durfte, die er nicht von seinem Wohnort täglich erreichen konnte. Trotzdem klagte der Arbeitnehmer gegen die Versetzung. Er war der Auffassung, die Arbeitgeberin hätte auf seine familiären Verhältnisse Rücksicht nehmen müssen.

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Und das Landesarbeitsgericht gab ihm Recht: Denn der Arbeitgeber muss alle Umstände und gegenseitigen Interessen nach billigem Ermessen abwägen. Und hier hatte die Arbeitgeberin den entscheidenden Fehler gemacht, dass eine Abwägung überhaupt nicht durchgeführt worden war. Also: Vor Versetzungen ist zunächst ein Blick in den Arbeitsvertrag erforderlich. Ist der Arbeitsort nicht näher beschrieben und findet sich vielleicht sogar eine Versetzungsklausel im Vertrag, ist die Versetzung grundsätzlich möglich. Stets muss aber der Einzelfall betrachtet werden, und der Arbeitgeber hat eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen. Dabei sind natürlich auch die sozialen Lebensverhältnisse und familiären Belange des Arbeitnehmers zu berücksichtigen.
Wissenswertes Wegen rechtlicher Fragen oder einer ersten kostenfreien Beratung können sich Mitgliedsorganisationen des Paritätischen LV Berlin wenden an die: Paritätische Tarifgemeinschaft e. V. Geschäftsstelle Berlin Rechtsanwalt Gerd Luttmann Kollwitzstr. 94 – 96 10435 Berlin Tel. 030 423 88 06, Fax 030 86 001 550 E-Mail: info@ptg-berlin.org ptg-berlin.org

SCHULBEZOGENE JUGENDHILFE

Neue Broschüre: mitWirkung – mitErfahrung – mitKreativität
Paritätische Träger der schulbezogenen Jugendhilfe im Bonusprogramm

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ber das Bonusprogramm erhalten Schulen in Gebieten mit besonderen sozialen Belastungen zusätzliche Mittel, über deren Einsatz und Zielstellung die Schulen weitestgehend selbst bestimmen. Seit 2014 stellt das Land Berlin hierfür jährlich mehr als 15 Millionen Euro zur Verfügung. Schulen sollen damit herkunftsbedingten Bildungsbenachteiligungen entgegenwirken, die Bildungschancen jedes Einzelnen verbessern und die hohen Abgangszahlen junger Berliner ohne Schulabschluss reduzieren. Viele Paritätische Träger der Jugendsozialarbeit arbeiten im Rahmen des Bonusprogramms erfolgreich mit Schulen zusammen. Einige dieser Kooperationsprojekte können Sie in dieser Broschüre, geordnet nach Stadtteilen, kennenlernen. Elvira Kriebel, Referentin für schulbezogene Jugendsozialarbeit im Paritätischen, appelliert: »Die Initiierung von Jugendsozialarbeit über das Bonusprogramm darf und kann keine verlässli64	

che Ausstattung von Jugendsozialarbeit an jeder Schule ersetzen. Dabei müssen die Standards aus dem Landesprogramm Gültigkeit bewahren, insbesondere was die auf Dauer ausgerichtete
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

Kooperation auf Augenhöhe betrifft.« Trotz überparteilich demonstrierter politischer Willensbekundungen ist das Landesprogramm Jugendsozialarbeit bisher erst an 244 von rund 700 Schulen realisiert. Doch die Herausforderungen an Schulen wachsen ständig. Aktuell stehen sie vor immensen Aufgaben wie die Inklusion an Schulen umzusetzen und auch die zunehmende Adhoc-Aufnahme von Geflüchteten gut zu meistern. Das erfordert eine kontinuierliche sozialpädagogische Arbeit an jeder Schule, gerade mit Partnern, die auch über sozialräumliche Netzwerke verfügen. Beides bringen die Träger der freien Jugendhilfe mit. Lesen Sie selbst, was Paritätische Träger in Schulen auf die Beine stellen und was zum Standard für alle Schulen werden muss.

Wissenswertes Laden Sie die Broschüre herunter auf paritaet-berlin.de/verbandskommunikation/publikationen.html
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SCHULE

Ein Jahr bei der Stiftung Bildung
Erfahrungsbericht vom Freiwilligen Jahr Beteiligung

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ein Name ist Johannes Domnick und ich bin der erste Freiwillige der Stiftung Bildung, der ein freiwilliges Jahr absolviert. Genauer handelt es sich hierbei um ein »Freiwilliges Jahr Beteiligung (FJB)«. Ich arbeite bei der Stiftung Bildung in vielen Bereichen und konzentriere mich insbesondere auf die Themenfelder Partizipation und Demokratisierung von Schule. Die Stiftung Bildung ist eine erst junge Stiftung, die sich 2012 gegründet hat. Sie setzt sich für Vielfalt und Partizipation in der Bildung ein und legt einen starken Fokus auf zivilgesellschaftliches Engagement im Bildungsbereich. Eine Beteiligung von Schülerinnen und Schülern in allen sie betreffenden Fragen ist für die ursprünglich aus Fördervereinsstrukturen entstandene Organisation ebenso essentiell, wie die Stärkung von Förder-

vereinen im gesamten Bundesgebiet. So möchte sie den einfachsten Weg für Zivilgesellschaft ebnen, im Bildungsbereich gestalterisch aktiv zu werden. Das FJB ist ein junger Träger für einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) und unterscheidet sich dabei radikal von anderen Trägern der Bundesfreiwilligendienste. Junge Menschen haben den Träger mit einem frischen Konzept auf die Beine gestellt und setzen den BFD nun für andere junge Menschen um – ein Peer-to-Peer-Ansatz. Die Freiwilligen selbst sind dabei die Hauptakteure des Programms und sind alle in Einsatzstellen der Bereiche Bildung, Demokratie und Partizipation aktiv. Neben der Persönlichkeitsentwicklung der Freiwilligen, die im Fokus des Programms steht, ist die Vernetzung der Einsatzstellen, die sich aus gemeinsamen Projekten der Freiwilligen aus

verschiedenen Einsatzstellen ergibt, ein weiteres Alleinstellungsmerkmal. Die Vision hinter dem Programm ist, die Beteiligung von Jugendlichen an politischer Willensbildung zum selbstgesteckten und selbstverständlichen Standard gesellschaftlichen Zusammenwirkens zu machen. Zu meinen Hauptaufgaben gehören, neben dem Verfassen von Artikeln und Hintergrundgesprächen mit Ministerien, der Bereich Kinder- und Jugendpartizipation sowie Demokratisierung von Schule: Schülerinnen und Schüler sollen selbst mitbestimmen können wie ihre Schule aussieht, was, wann und wie gelernt wird, und dass sie mit Lehrkräften auf Augenhöhe arbeiten können. Zusätzlich engagiere ich mich für die Themenfonds der Stiftung Bildung, zum Beispiel im Bereich Willkommenskultur in Schule.  JOHANNES DOMNICK

SOZIALES

Kultur, Kulinarisches und Wellness für den guten Zweck
Erwerben Sie jetzt das Jubiläums-Scheckheft der Volkssolidarität

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um ihrem 70-jährigen Jubiläum hat die Volkssolidarität Berlin ein Scheckheft mit 130 Gutscheinen für Film, Kultur, Essen und Freizeit bei mehr als 70 Partnern herausgegeben. Gutscheinbesitzer erhalten Vergünstigungen von bis zu 50 Prozent. Die Gutscheine sind bis Ende August 2016 gültig. Das Scheckheft kostet 10 Euro und ist über die Volkssolidarität erhältlich. Mit dem Scheckheft hat Volkssolidarität ein Produkt aufgelegt, das allen Beteiligten zu Gute kommt: Den Käufern beschert es ordentliche Rabatte, den Kooperationspartnern Kunden, und der Erlös fließt direkt in die Projekte der Volkssolidarität. Ein Resultat, auf das man stolz sein kann! Machen Sie mit und erwerben Sie eins der limitierten Jubiläums-Scheckhefte.
Das Scheckheft in Kürze

Die Angebote – zum Beispiel
Kultur

·	 Zwei Eintrittskarten zum Preis von einer bei der Distel ·	 Verbilligte Eintrittskarten ins Naturkundemuseum und bei den Wühlmäusen ·	 25 Prozent Ermäßigung im Wintergarten Variété ·	 Zwei Eintrittskarten zum halben Preis im Theater an der Parkaue ·	 Vergünstigte Karten im Friedrichstadtpalast ·	 30 Prozent Ermäßigung beim Eintritt ins Legoland ·	 Gutscheine 20 Prozent Ermäßigung bei Palazzo
Essen & Trinken

Das Scheckheft für den guten Zweck

Preis: 10 Euro, Gültigkeit: 1. September 2015 bis 30. August 2016; Inhalt: 130 Gutscheine von rund 80 Partnern in Berlin und Brandenburg; Vergünstigungen: Bis zu 50 Prozent
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·	 5 Euro Ermäßigung auf ein Hauptgericht im Restaurant Boddensee, Birkenwerder ·	 20 Prozent Ermäßigung in einem Amrit Restaurant (4 Mal in Berlin) ·	 20 Prozent Ermäßigung bei Piazza Rossa und Pomodori (3 Mal in Berlin) ·	 Drei Eiskugeln zum Preis von einer bei Vanille & Marille (1 Mal in Potsdam, 1 Mal in Steglitz) ·	 Verschiedende Vergünstigungen im Schloss Diedersdorf
Freizeit & Wellness

·	 50 Prozent Ermäßigung in der Saunalandschaft im Turm, Oranienburg ·	 30 Prozent Ermäßigung bei Sealife ·	 25 Prozent Ermäßigung bei Reederei Riedel ·	 20 Prozent Ermäßigung auf Tickets in der Rennbahn Hoppegarten ·	 20 Prozent Ermäßigung in den Kletterwäldern Climb up (3 Mal rund um Berlin)
Wissenswertes Das Heft ist für 10 Euro erhältlich bei VS Kultur unter Tel. 030 290 28 28 25 oder per Mail an vs-kultur-berlin@volkssolidaritaet.de oder online bestellbar unter volkssolidaritaet. de/kultur-freizeit/scheckheft

·	 Rabattgutscheine bis zu 50 Euro für BVB Reisen ·	 50 Prozent Ermäßigung bei Citygolf Berlin
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SOZIALES

Kündigungsschutz von Mietverträgen
Klarheit durch Entscheidungen des Kammergerichts und des Landgerichts Berlin? (Anschluss an Beitrag aus dem Paritätischen Rundbrief vom Juli/August 2015)

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m Paritätischen Rundbrief Juli/ August 2015 hatten wir unter der Überschrift »Kündigungsschutz von Mietverträgen« von den Schwierigkeiten berichtet, welchen sich soziale Träger im Zusammenhang mit der Anmietung von Wohnungen für ihre Klientinnen und Klienten ausgesetzt sehen. Konkret ging es darum, dass Vermieter derzeit vermehrt Mietverträge mit sozialen Trägern kündigen. Die Vermieter berufen sich dabei darauf, dass sozialen Trägern kein Kündigungsschutz zukomme. Dabei sei es auch unbeachtlich, ob der Vertrag ausdrücklich als »Wohnraummietvertrag« abgeschlossen wurde. Wir waren in dem dortigen Beitrag zu dem Ergebnis gekommen, dass es sozialen Trägern zu empfehlen ist, ihre entsprechenden Mietverträge zu prüfen. Soweit Wohnraummietverträge abgeschlossen wurden, kann es sinnvoll sein, gemeinsam mit dem Vermieter eine Klarstellung in die betroffenen Verträge aufzunehmen. Darin kann festgelegt werden, dass die Parteien einvernehmlich Wohnraummietrecht auf die Verträge anwenden wollen und dass sich insbesondere auch der Kündigungsschutz nach Wohnraummietrecht richten soll. Problematisch ist dabei, dass eine solche Vertragsänderung nur mit Zustimmung des Vermieters möglich ist. Einschlägige Entscheidung des Kammergerichts Zwischenzeitlich sind weitere Entscheidungen des Berliner Kammergerichts (Az.: 8 U 205/14 und 8 U 192/14) und des Landgerichts Berlin (drei Parallelfälle, Az.: 67 S 185/15, 67 S 186/15 und 67 S 187/15) zu diesem Thema ergangen. In allen diesen Fällen sind die Gerichte zu dem Ergebnis gekommen, dass Wohnraummietrecht Anwendung findet und die Kündigung der Vermieter daher unbegründet ist. Es stellt sich daher die Frage, ob diese Entscheidungen für Rechtsklarheit für die betroffenen Träger sorgen. Dies möchten wir wie folgt beleuchten: Grundsätzliche Anwendung von Gewerbemietrecht Auch die vorbenannten Entscheidungen betonen eingangs, dass ein Mietvertrag mit einem sozialen Träger als Mieter
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(insbesondere einem Verein oder einer gGmbH) im Grundsatz erst einmal dem Gewerbemietrecht unterfällt. Auf die Bezeichnung des Mietvertrages kommt es dabei ebenso wenig an, wie darauf, dass Mietgegenstand eine Wohnung ist. Entscheidend ist vielmehr, ob der Mieter in den Räumen auch tatsächlich (selbst!) wohnt. Und genau das können nur Menschen, nicht jedoch ein Verein und eine gGmbH. Für die Verträge ist daher ohne abweichende Vereinbarung Gewerbemietrecht maßgeblich. Vertragliche Vereinbarung der Parteien ist entscheidend! Gleichzeitig betonen die Gerichte jedoch, dass es den Vertragsparteien freisteht, etwas Abweichendes zu vereinbaren. Die Parteien können daher bei Vertragsschluss vereinbaren, dass Wohnraummietrecht und der hierzu gehörende Kündigungsschutz (ergänzend) Anwendung finden sollen. Ob dies der Fall ist, haben beide Gerichte jeweils am konkreten Einzelfall geprüft. Die Gerichte haben sich dabei eingehend mit dem Inhalt der Mietverträge auseinandergesetzt. Entscheidend war dabei – neben der reinen Bezeichnung des Vertrages als »Mietvertrag für Wohnungen« oder »Wohnraum-Mietvertrag« – insbesondere, dass sich die Verträge umfassend an den maßgeblichen Vorschriften des Wohnraummietrechts orientiert haben. Dies galt zum Beispiel hinsichtlich Kündigungsfristen, hinsichtlich deren Verlängerung und hinsichtlich eines Widerspruchsrechts des Mieters gegen eine etwaige Kündigung des Vermieters. In den vom Kammergericht entschiedenen Fällen kam hinzu, dass die Vermieter vor Ausspruch der Kündigungen schon Mieterhöhungen nach Wohnraummietrecht vorgenommen hatten. Sie hatten also die Verträge in der Vergangenheit selbst als Wohnraummietverträge behandelt. Auch dies hat das Kammergericht als Argument für die Vereinbarung von Wohnraummietrecht herangezogen. Obwohl diese Entscheidungen des Kammergerichts und des Landgerichts Berlin sozialen Trägern in vergleichbaren Situationen sicherlich helfen, wird dadurch auch weiterhin keine abschließende Klarheit geschaffen. So handelt es sich
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

bei den Entscheidungen klar um eine Einzelfallentscheidung. Die Begründung der Entscheidungen kann daher nicht einfach auf andere Mietverträge übertragen werden. Vielmehr muss in jedem Einzelfall geprüft werden, wie der jeweilige Mietvertrag aussieht, ob und in welcher Form auf die gesetzlichen Regelungen zur Wohnraummiete Bezug genommen wird und ob der Vertrag vom Vermieter auch als Wohnraummietvertrag vollzogen wurde. Dies zeigt sich schon zwanglos darin, dass erst im Dezember 2014 auch eine abweichende Entscheidung des Kammergerichts ergangen ist. In dem dortigen Fall hatte das Kammergericht nach eingehender Bewertung des Mietvertrages die Anwendung von Wohnraummietrecht abgelehnt und die Kündigung als wirksam eingestuft. Hinzu kommt, dass das Landgericht Berlin in seinen oben benannten Urteilen ausdrücklich die Revision zum Bundesgerichtshof zugelassen hat. Der Vermieter hat in den dortigen Fällen auch bereits Revision eingelegt. Der Ausgang dieser Revisionsverfahren bleibt abzuwarten. Auch künftig im Mietvertrag ausdrücklich Wohnraummietrecht vereinbaren! Vor diesem Hintergrund bleibt es dabei, dass die aktuelle Rechtlage keine Klarheit für die sozialen Träger bietet! Es ist daher auch künftig jeder soziale Träger bei der Anmietung neuer Wohnungen gut beraten, den Mietvertrag ausdrücklich dem Wohnraummietrecht zu unterstellen (falls nicht bewusst ein Gewerbemietvertrag mit entsprechender Laufzeit gewünscht ist). Die reine Bezeichnung des Vertrages als Wohnraum-Mietvertrag reicht hierfür nicht aus! Dass eine klare Regelung im Mietvertrag höheren Schutz schafft, zeigt eine aktuelle Entscheidung des Amtsgerichts Mitte (Az.: 117 C 33/15). In dem dortigen Fall hatten die Vertragsparteien im Mietvertrag ausdrücklich geregelt, dass der Vermieter nur bei Vorliegen eines berechtigten Interesses kündigen darf. Dies entspricht der gesetzlichen Regelung im Wohnraummietrecht (§ 573 BGB). Das Amtsgericht Mitte hat auf dieser Grundlage die Anwendung der §§ 573 BGB bejaht und die Räumungsklage des Vermieters abgewiesen.
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STRAFFÄLLIGEN-UND OPFERHILFE

»Was geht ab nach der Haft – Entlassungsvorbereitung auf dem Prüfstand«
Fachtagung und 25-Jahr-Feier des Freie Hilfe e. V. am 1. und 2. Oktober 2015

Fachtagung »Was geht ab nach der Haft?«

FOTO: FREIE HILFE E. V.

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m vergangenen Jahr wurden in Berlin etwa 8400 Menschen aus der Haft entlassen. Auch wenn nicht alle Haftentlassenen auf professionelle Unterstützung beim Übergang in die Freiheit angewiesen sind, ist dieser Prozess vor allem nach längeren Haftstrafen und bei Entlassungen aus dem geschlossenen Vollzugs nicht immer reibungslos. Sowohl der vollzugsinterne Sozialdienst als auch Träger der freien Straffälligenhilfe setzen daher bereits während der Inhaftierung die vielfältigsten entlassungsvorbereitenden Hilfsangebote um. Mithilfe frühzeitig einsetzender Beratungs- und Vermittlungsangebote zur Klärung der Wohnsituation, zu versicherungsrechtlichen Ansprüchen, zu einer oftmals vorliegenden Schuldenproblematik, aber auch zu Möglichkeiten der Beschäftigung und Existenzsicherung soll die spätere soziale Wiedereingliederung (ehemals) inhaftierter Menschen gefördert werden. Haftentlassung besser vorbereiten Noch gibt es jedoch Qualitätsunterschiede bei der Entlassungsvorbereitung. Ebenso sind die justizinternen Angebote und vollzugsexterne Reintegrationshilfen nicht in jedem Fall sinnvoll aufeinander abgestimmt. Wie die Vorbereitung der Entlassung straffällig gewordener Menschen zukünftig noch besser gestaltet werden kann, war eine der wichtigsten Fragen, denen der Freie Hilfe Berlin e.  . im Rahmen seiner FachtaV gung Anfang Oktober gemeinsam mit über 100 Gästen aus den Bereichen freie Straffälligenhilfe, Justizvollzug, Bewährungshilfe, Politik, Verwaltung und Wissenschaft nachging. Während der Veranstaltung wurden unter anderem Übergangsmodelle vorgestellt, die in anderen europäischen Ländern bereits erfolgreich umgesetzt werden. Experten aus Berliner Justizvollzugsanstalten berichteten aus ihrer Praxis und präsentierten das in der Jugendstrafanstalt angesiedelte Beratungszentrum. Hier arbeiten die verschiedensten für die Wiedereingliederung haftentlassener junger Menschen zuständigen Dienste bereits während der Inhaftierung beispielhaft zusammen, damit der Übergang gelingt. Nicht zuletzt wurde die
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Umsetzung des Resozialisierungsauftrages als gesamtgesellschaftliche Aufgabe diskutiert. Mehrere Workshops boten die Gelegenheit, sich mit Fachleuten zu Themen wie dem ehrenamtlichen Engagement in Gefängnissen, der familienfreundlichen Ausgestaltung des Vollzuges oder auch zu Möglichkeiten und Grenzen einer auf systematischen Vernetzungsstrukturen basierenden Entlassungsvorbereitung auszutauschen.    25 Jahre Unterstützung für (ehemals) Straffällige Die Tagung wurde anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Freie Hilfe Berlin e.  . veranstaltet. Der Verein ist berlinweit V einer der größten Träger der freien Straffälligenhilfe und bietet seit Jahren stabile und zuverlässige Beratungs- und Betreuungsangebote für inhaftierte und haftentlassene Menschen an. Gegründet im Ostteil Berlins, wo es zum damaligen Zeitpunkt noch keine freie Straffälligenhilfe gab, leistete der Verein Pionierarbeit und war in den neuen Bundesländern einer der ersten Vereine, die sich diesem Aufgabengebiet widmeten. Während seines langjährigen Bestehens realisierte der Freie Hilfe Berlin e. V. innerhalb und außerhalb des Vollzuges zahllose Maßnahmen, mit denen straffällige Menschen unterstützt wurden und werden. Neben der regelmäßigen Arbeit in den Haftanstalten unterhält der Verein eine externe Beratungsstelle und hält die verschiedensten Gruppenangebote vor, wie zum Beispiel Soziale Kompetenztrainings oder Gruppen für inhaftierte Väter. Um den sich verändernden Bedarfen der Klienten gerecht zu werden, werden zugleich immer neue Projekte entwickelt: so soll zukünftig die familienorientierte Arbeit ausgebaut werden. Bereits seit 1991 ist der Verein Mitglied des Paritätischen Landesverbandes Berlin. Der Verband gratuliert dem Freie Hilfe Berlin e. V. und wünscht allen Mitarbeitenden weiterhin viel Erfolg bei der Umsetzung ihrer Vorhaben.
Wissenswertes Mehr unter freiehilfe.de

PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

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STRAFFÄLLIGEN-UND OPFERHILFE

Gefangene haben keine Briefkästen
Information und Bildung für Menschen in Haft

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eit 1985 setzt sich Freiabonnements für Gefangene e.  . für das V Grundrecht auf Information in Vollzugsanstalten ein. Das Angebot an Zeitungen und Zeitschriften umfasst mehr als 40 verschiedene Titel, die interessierten Gefangenen bundesweit zur Verfügung stehen. »...bin gerade in die JVA Hünfeld verlegt worden. Hier muss ich mehrere Monate auf ein Leih-TV-Gerät warten. Die Tageszeitung ist immer vergriffen, denn es gibt nur ein Exemplar für 84 Gefangene.« Diese Zeilen schrieb Christian R. im Mai 2015. Innerhalb einer Woche erhielt Herr R. sein Abonnement. In den nächsten Wochen wird diese Zeitung sein fast einziger Zugang zur Außenwelt sein. Recht und Realität Gefangene dürfen Zeitungen nur – auch das ist gesetzlich festgeschrieben – im Abonnement erhalten. Bei dem durchschnittlich geringen Monatslohn ist es nur mit der Unterstützung durch Verlage und viele Einzelspender möglich, bundesweit seit Jahren monatlich 3000 Abonnements kostenlos zur Verfügung stellen. Die Zeitungsvermittlung ist nicht nur als logistische Leistung zu verstehen ist. Vielmehr sollen Gefangene ermutigt werden, ihre Haftzeit sinnvoll zu nutzen und sich auf ein Leben ohne Straftaten vorzubereiten. Wo die Uhren langsamer ticken Wann hat jemand die Zeitung zuletzt als »unverzichtbares Stück Freiheit für Seele und Geist« bezeichnet? Die Zeitung hat längst mächtige Konkurrenz bekommen. Wir erleben unsere Gesellschaft auf einem Weg in eine zeitungslose Zeit, sind ständig »online« oder digital erreichbar. Ein Blick auf die aktuelle mediale Situation in deutschen Vollzugsanstalten zeigt jedoch, dass nicht alle Menschen in Deutschland den ultimativen Zugang zur digitalen Welt haben.  In den 184 Vollzugsanstalten bundesweit erhalten die knapp 62.000 Gefangenen und Verwahrten auch heute nur in Ausnahmefällen einen Computer- oder Internetzugang. Eine Zeitungsvermittlung dort macht dementsprechend noch genauso viel Sinn wie
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Kaum Kontakt zur Außenwelt

FOTO: BEATE PUNDT

vor 25 Jahren – Zeitungen werden wie damals nachgefragt und gelesen, oft auch in Lesezirkeln weitergereicht.  Wann beginnt die Zukunft? Wie wird die mediale Situation in Vollzugsanstalten in 25 oder 30 Jahren aussehen? Mit Blick auf die Einführung des Fernsehens im Vollzug ist zu sagen: Von der Entwicklung des Fernsehens als Massenmedium im Deutschland der 50iger Jahre bis zum Recht des Gefangenen auf ein eigenes Fernsehgerät in seiner Zelle – ohne Ausnahmegenehmigung – vergingen ca. 50 Jahre. Sollte diese Geschichte exemplarisch sein, dann ist zweierlei klar: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Computer und Internet auch in Vollzugsanstalten einziehen werden – aber bis dahin kann noch sehr viel Zeit vergehen.  Der Zugang zu  anderen Formen der Telekommunikation wurde bereits in einigen der neuen Länderstrafvollzugsgesetze aufgenommen; die Einrichtung von Haftraummediensystemen in den Zellen einiger Vollzugsanstalten ist als Botschaft der Zukunft zu verstehen. Niemand weiß aber, wann ein Computer mit Internetzugang zur typischen Haftraumausstattung eines Gefangenen gehört, ab wann ein Inhaftierter
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

üblicherweise mit dem Handy oder per Haftraumtelefonie seine Freunde anruft oder per Skype Kontakt zu seiner Familie in Übersee hält.  Unklar ist auch, wann sich alle Inhaftierten auf den Internetseiten der Zeitungen über neueste politische Entwicklungen informieren oder sich einen Online-Termin beim Bürgeramt selbst buchen können. Inwieweit der Zugang zu Computer und Internet eine ausschließlich positive Entwicklung für Gefangene ist – oder eventuell auch Teil eines wachsenden digitalen Kontrollsystems – diese Frage bleibt an dieser Stelle offen.  Entscheidend ist aber nicht, welche Informationskanäle Gefangene in Zukunft nutzen können, sondern dass sie dazu in der Lage sind. Die Informationsversorgung von Inhaftierten und daran anschließend die so notwendigen Bildungsangebote werden auch in einer digitalen Umgebung die Kernaufgaben des Vereins sein. Denn die Angleichung der Verhältnisse in Haft an die Lebenswelt »draußen« bleibt, auch was die Informationsversorgung und Bildung in Haft betrifft, eine Zukunftsaufgabe.
Wissenswertes Mehr unter freiabos.de
November / Dezember 2015

SUCHTHILFE RUBRIK

Alkohol ist gefährlich – ein Heft in leichter Sprache
Kostenlos zu bestellen oder herunterzuladen

D

ie Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.  . (DHS) V hat ein Heft in leichter Sprache zu Alkohol und Sucht herausgegeben. Darin geht es um den Konsum von Alkohol im Alltag, wie Alkohol wirkt. Das Heft enthält auch Tipps zum Umgang mit Alkohol, was tun, wenn Partner oder Freunde trinken oder selbst ein Problem mit Alkohol besteht. Und so liest sich ein Text daraus in leichter Sprache: »Alkohol ist ein Gift. Manche denken: Ein Glas Rotwein oder Schnaps ist gesund. Das ist falsch. Alkohol ist kein Medikament. Wer krank ist, darf keinen Alkohol trinken. Viele Menschen trinken regelmäßig Alkohol. Sie gewöhnen sich daran. Und sie trinken immer mehr. Das ist gefährlich. Viele Menschen können nicht ohne Alkohol sein. Und sie merken das nicht. Oft dauert das ein paar Jahre. Dann sind sie abhängig. Ohne Alkohol sind sie sehr unruhig. Die Hände zittern. Sie wissen nicht mehr, wie viel Alkohol sie schon getrunken habe.«

Wissenswertes Das Heft kann kostenfrei bestellt werden. Bitte wenden Sie sich dazu an die: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. Postfach 1369, 59003 Hamm info@dhs.de oder Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 50819 Köln order@bzga.de Unter dhs.de/informationsmaterial/broschueren-und-faltblaetter.html können Sie das Heft herunterladen.

WETTBEWERBE UND FÖRDERPREISE

Jetzt bewerben!
Wettbewerbe und Förderpreise
Goldene Göre 2016 Seit über 10 Jahren würdigt das Deutsche Kinderhilfswerk Projekte, bei denen sich Kinder und Jugendliche engagieren und beteiligen. Die Goldene Göre ist mit insgesamt 10.000 Euro Deutschlands höchstdotierter Preis für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen und zeichnet jedes Jahr mehrere Projekte aus. Es werden Projekte ausgezeichnet, in denen sich Kinder und Jugendliche in beispielhafter Weise beteiligen und sich für die Umsetzung der Kinderrechte einsetzen. Hintergrund dafür ist das Recht auf Beteiligung, Artikel 12 der Kinderrechtskonvention.
Bewerbungsschluss ist Ende Februar 2016. Die Bewerbungsunterlagen finden Sie unter: dkhw.de/mitmachen/beteiligungspreis-fuer-kinder-und-jugendliche/bewerbungsformular
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Der Hatan-Sürücü-Preis – bewerben bis 10. Januar 2016 Auch heute werden leider noch Mädchen und Frauen benachteiligt. Aus diesem Grund haben Bündnis 90/ Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin 2013 den Hatun-Sürücü-Preis initiiert, um diejenigen in den Mittelpunkt zu rücken, die sich tatkräftig und mit viel Herz für Mädchen und junge Frauen engagieren. Verliehen werden insgesamt drei Preise von insgesamt 1000 Euro an Einzelpersonen, Initiativen oder Organisationen aus Berlin, die sich für das Recht von Mädchen und jungen Frauen auf Chancengleichheit und Selbstbestimmung einsetzen und sie auf dem Weg dorthin begleiten und fördern. Kandidatinnen und Kandidaten können sich selbst bePARITÄTISCHER RUNDBRIEF

werben oder von Dritten vorgeschlagen werden. Voraussetzung ist eine vollständige Bewerbung. Das Engagement, auf das sich die Bewerbung bezieht, sollte aktuell sein (2014/ 2015). Der Preis ist nach Hatun Sürücü benannt. Sie ist Inbegriff einer starken und mutigen Frau. Die junge Mutter hatte sich aus einer Zwangsehe befreit und führte gegen alle Widerstände ein selbstbestimmtes Leben. Kurz vor Abschluss ihrer Gesellenprüfung zur Elektroinstallateurin wurde sie Opfer eines sogenannten Ehrenmordes: Am 7. Februar 2005 wurde sie von einem ihrer Brüder auf offener Straße erschossen.
Bewerbungsunterlagen und weitere Informationen finden sie unter gruene-fraktion-berlin.de/hsp. Der Einsendeschluss für den Hatun-Sürücü-Preis endet am 10. Januar 2016.

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WETTBEWERBE UND FÖRDERPREISE

Preis Soziale Stadt 2016 Um den Preis können sich Projekte bewerben, die im Sinne des ganzheitlichen Ansatzes der sozialen Stadt aktiv sind. Er richtet sich sowohl an Bürger- und Bewohnergruppen im Quartier, zum Beispiel Gewerbetreibende, Schulklassen, Organisatoren von Begegnungsstätten, als auch an die klassischen Handlungsträger der Stadtentwicklung wie Kommunen, Wohnungsunternehmen, private Investoren oder freie Wohlfahrtspflege.
Weitere Informationen erhalten Sie unter preis-soziale-stadt.de Bewerbungsschluss ist am 18. Dezember 2015.

·· Junge Filmemacher/innen (bis 25 Jahre), die sich mit dem Themenbereich »Alter« und dem Leben alter Menschen beschäftigen Es können bis zu zwei Beiträge je Gruppe oder Teilnehmer/in abgegeben werden, die Produktionen aus den Jahren 2014, 2015 und 2016 sind. Länge soll möglichst nicht mehr als 60 Minuten (beim Jahresthema max. 15 Minuten) sein.
Einsendeschluss ist der 15. Januar 2016. Video der Generationen wird seit 1998 gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Veranstalter ist das Deutsche Kinder- und Jugendfilmzentrum (KJF). Mehr Informationen finden Sie unter: video-der-generationen.de

Bundeswettbewerb Video der Generationen 2016 Der Wettbewerb Video der Generationen 2016 ist ausgeschrieben! Die Themen können wie immer frei gewählt werden, das zusätzliche Jahresthema lautet »Alles neu«. Zu gewinnen gibt es Preise im Gesamtwert von 6.000 Euro. Das Anmeldeportal ist bis 15. Januar 2016 geöffnet. Mitmachen können ·· alle ab 50 Jahre, die in Deutschland wohnen und Video/Film nicht bzw. nicht mehr beruflich ausüben (Gruppen und einzelne Medienmacher/innen)mehr ·· Generationen-Teams (Alter bis einschl. 25 und ab 50 Jahre)
Mitmachen lohnt sich!

Deutscher Jugendvideopreis 2016 Ab sofort können sich Nachwuchsfilmer unter 26 Jahren für den Deutschen Jugendvideopreis 2016 bewerben. Bei den eingereichten Filmproduktionen sind Genre und Technik zweitrangig: Entscheidend ist eine gut erzählte Story und eine interessante Ästhetik. So sind beispielsweise Experimente mit Smartphones und Tablets ebenso möglich wie computergenerierte Animationsfilme, Videoclips oder längere Spielfilme. Ausgezeichnet werden die besten Filme aus vier Altersgruppen mit Prämien von insgesamt 13.000 Euro.
Der Wettbewerb wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und veranstaltet vom Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrum (KJF). Die Teilnahme-Infos gibt es auf jugendvideopreis.de. Einsendeschluss ist der 15. Januar.

Lohfert-Preis 2016 Die Lohfert Stiftung lobt 2016 zum vierten Mal den Lohfert-Preis aus, der diesmal unter dem Thema »Konzepte zur Entwicklung der Kommunikationskompetenz in der stationären Krankenversorgung« steht. Der Lohfert-Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.Er prämiert praxiserprobte und nachhaltige Konzepte, die den stationären Patienten im Krankenhaus, seine Bedürfnisse und seine Interessen in den Mittelpunkt rücken. Der Lohfert-Preis soll insbesondere dazu dienen, in der Medizin bereits implementierte Konzepte und Projekte zu fördern, die durch verbesserte Prozesse einen belegbaren positiven Nutzen für Patienten und Mitarbeiter im Krankenhaus leisten und nachweisen. Dabei sollen mit dem Lohfert-Preis insbesondere Konzepte unterstützt werden, die in der Lage sind, den Weg des Patienten im Krankenhaus, die Kommunikation und die Patientensicherheit zu verbessern. Bewerben können sich alle Teilnehmer in der stationären Krankenversorgung im deutschsprachigen Raum sowie Management- und Beratungsgesellschaften, Krankenkassen oder sonstige Experten.
Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 29. Februar 2016. Die Bewerbungsunterlagen sind abrufbar unter lohfert-stiftung.de. Die Lohfert Stiftung verleiht den Lohfert-Preis 2016 am 21. September 2016 im Rahmen des 12. Gesundheitswirtschaftskongresses in Hamburg.

FOTO: PHOTOCASE.DE, MMCHEN

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PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

November / Dezember 2015

FACHGRUPPEN UND ARBEITSKREISE

Fachgruppen und Arbeitskreise
Beim Paritätischen treffen sich Fachgruppen (FG) und Arbeitskreise (AK). Termine und Informationen erhalten Sie über paritaet-alsopfleg.de, im passwortgeschützten Extranet pariextra.de oder über die jeweils angegebene Telefonnummer.
FG Ältere Menschen Forum Jugendhilfeausschüsse JHA FG Menschen mit Behinderungen FG Psychiatrische und psychosoziale Versorgung FG Suchthilfe | AK Gesundheit | FG HIV, Aids, STI und Hepatitiden FG Krankenhäuser FG Sozialstationen FG Stationäre pflegerische Versorgung AK Soziale Beratung | AK § 67 SGB XII und Schuldnerberatung | AK Qualität § 67 SGB XII FG Familie, Frauen, Mädchen FG Kita | Integrations-AG FG Jugendberufshilfe | FG Hilfen zur Erziehung | FG Jugendarbeit FG Schulträger FG Betreuung Schulkinder | FG Schulbez. Jugendhilfe | AK Koordinierende Leitungen im Ganztagsbereich FG Migration AK Straffälligen- und Opferhilfe AK Kultur im Paritätischen AK Ehrenamtskoordination Telefon: 8 60 01-501 Telefon: 8 60 01-165 Telefon: 8 60 01-155 Telefon: 8 60 01-555 Telefon: 8 60 01-168 Telefon: 8 60 01-101 Telefon: 8 60 01-503 Telefon: 8 60 01-501 Telefon: 8 60 01-171 Telefon: 8 60 01-176 Telefon: 8 60 01-179 Telefon: 8 60 01-165 Telefon: 8 60 01- 161 Telefon: 8 60 01-166 Telefon: 8 60 01-177 Telefon: 8 60 01-188 Telefon: 8 60 01-183 Telefon: 8 60 01-183

PARITÄTISCHE AKADEMIE

Leitungstätigkeit in der Kinder- und Jugendhilfe
Weiterbildungsangebot der Paritätischen Akademie Berlin etabliert sich

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m vergangen Jahr berichteten wir an dieser Stelle von dem wachsenden Bedarf an qualifiziertem Leitungspersonal in der Kinder- und Jugendhilfe. In Reaktion darauf hat die Paritätische Akademie zusammen mit der Donau-Universität Krems den Masterlehrgang »Management von Sozialeinrichtungen – Schwerpunkt Kinder- und Jugendeinrichtun­ (MSc)« entwigen ckelt, der im Sommer 2014 erfolgreich gestartet ist. In vier Semestern kön­ en n (angehende) Führungskräfte der Kinder- und Jugendhilfe berufsbegleitend und praxis­ ah das nötige Handwerksn zeug erlernen. Außerdem bietet sich die Möglichkeit, die eigene Arbeit aus wissenschaftlicher Perspektive einmal anders zu betrachten, als dies im Ar­ beitsalltag möglich ist. Inzwischen schreiben die Studierenden des ersten Jahrgangs ihre Masterarbeiten und nutzen diese zur Auseinandersetzung mit Herausforderungen ihres Berufes. Die lange Liste der eingereichten Themen enthält unter anNovember / Dezember 2015	

derem Titel wie »Öffentlichkeitsarbeit in der Jugendverbandsarbeit in ländlich geprägten Regionen unter den Bedingungen des strukturellen Wandels«, »Generation Y – Führungsstrategien aus Sicht einer Ypsilonerin« und »Möglichkei­en und Grenzen des Eint satzes von EDV-Gestützten Werkzeugen für das Informations- und Wissensmanagements in Kindertagesstätten«. Eine zweite Studiengruppe mit 21 Teilnehmern startete im Juni dieses Jahres und befasst sich derzeit mit Themen des Arbeitsrechtes und der Betriebswirtschaftslehre. Die Module zu »Organisation, Management und Qualität«, »Führen und Leiten« sowie »Marketing und Öffent­ichkeitsarbeit« erwarten die Stul dierenden in den kommenden Monaten. Insgesamt finden in den ersten drei Semestern sechs Präsenzwochen in Berlin statt. Das vierte Semester dient der Erstellung der Masterarbeit. Durch die Möglichkeit der Anerkennung von Berufserfahrung konnte eine Öffnung des Studienangebots für
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

Interessenten ohne vorherige akademische Ausbildung und ohne Abitur ge­ schaffen werden. Die Studierenden unserer Masterlehrgänge verfügen daher in der Mehrzahl über langjährige Praxisund Führungserfahrung, was den Austausch innerhalb der Gruppe – oft auch noch nach »Feierabend« – sehr belebt. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage wird der Masterlehrgang in 2016 zweimalig starten. Bereits Mitte Februar 2016 beginnt eine Studiengruppe (III. MSc). Anmeldungen hierfür sind noch möglich, jedoch steht nur noch eine begrenzte Anzahl an Plätzen zur Verfügung. Ein zweiter Start ist spätestens für September 2016 geplant (IV. MSc). Die Studiengebühren betragen 7.290,00 Euro (III. MSc) bzw. 7.360 Euro (IV. MSc).
Wissenswertes Kontakt und Beratung: Paritätische Akademie Berlin gGmbH Stefanie Gallander, Tel. 030 27 58 282 – 26 gallander@akademie.org | akademie.org

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PARITÄTISCHE AKADEMIE BERLIN

Paritätische Akademie Berlin
Veranstaltungsinformationen
Informationen zu den aufgeführten Veranstaltungen erhalten Sie bei: Paritätische Akademie Berlin Telefon: 030 275 82 82-12, paritaetische@akademie.org Der erstgenannte Preis gilt für Seminarteilnehmer aus Mitgliedsorganisationen, der an zweiter Stelle genannte Preis für Seminarteilnehmer aus Nicht-Mitgliedsorganisationen. Soweit nicht anders angegeben, finden alle Veranstaltungen in Berlin statt. Januar 2016 Aufbaulehrgang QMB PQ-Sys®. Die Ausbildung zum/zur Qualitätsmanagementbeauftragten PQ-Sys® Nr.: 081620 | 20. – 22. Januar und 01. – 04. März 2016 | 990 / 1.130 Euro KiQu – aktualisierte BBP Schulung – Workshop Nr.: 081645 | 28. Januar 2016 | 99 / 109 Euro Februar 2016 Ambulante Pflege verkaufen. Mitarbeiter/innen motivieren, Fähigkeiten stärken, Kunden überzeugen, Erlöse nachhaltig steigern Nr.: 071634 | 05. Februar 2016 | 199 / 229 Euro Aufnahmegespräche mit der neuen Strukturierten Informationssammlung richtig führen. Eine Herausforderung! Nr.: 071638 | 08. Februar 2016 139 / 159 Euro Basis Anwenderschulung KiQuDatenbank Nr.: 081643 | 10. Februar 2016 145 / 160 Euro Die Gestaltung des Lernortes Praxis. Eine Aufgabe der Kitaleiter/innen in der Praxisphase der Ausbildung von Erzieher/innen Nr.: 071602 | 15. Februar 2016 149 / 179 Euro Basisseminar Interne/r Auditor/in und Trainingsaudit. Nr.: 081630 | 18. – 19. Februar und 18. März 2016 | 360 / 396 Euro Psychische Widerstandskraft und Autonomie bei Klienten stärken Nr.: 081648 | 18. – 19. Februar 2016 319 / 369 Euro
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

Änderungen in der DIN EN ISO 9001:2015 gegenüber DIN EN ISO 9001:2008 Nr.: 081638 | 22. Februar 2016 445 / 409 Euro Beratende Fachkraft im Kinderschutz, »insoweit erfahrene Fachkraft« nach § 8a SGB VIII. Berufsbegleitender Zertifikatskurs Nr.: 071620 | 29. Februar – 02. März 2016 (Beginn) 1.590 / 1.890 Euro März 2016 »Stress lass nach« – Achtsamkeit im Job Nr.: 091651 | 02. – 03. März 2016 299 / 349 Euro Lizenzlehrgang »Interne/r KiQu Evaluator/in« mit neuen BBP Inhalten Nr.: 081626 | 07. – 09. und 17. – 18. März 2016 | 720 / 792 Euro Intensivworkshop: So werben Sie für Ihre Beratungsleistungen. Nr.: 081619 | 07. März 2016 189 / 229 Euro Humorvoll agieren und reagieren im Führungsalltag Nr.: 091645 | 10. – 11. März 2016 | 299 / 349 Euro Prozessentwicklung Nr.: 081636 | 14. – 15. März 2016 | 445 / 490 Euro Intensivworkshop: Interne Kommunikation – ein lohnender Blick ins Innere Nr.: 081611 | 16. März 2016 | 189 / 229 Euro Managementbewertung Nr.: 081633 | 17. März 2016 | 210 / 231 Euro
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FOTO: STEFANIE GALLANDER

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PINNWAND

Pinnwand

Günstige Konditionen für Mitglieder des Paritätischen bietet der Stellenmarkt von Meinestadt.de Mitglieder des Paritätischen erhalten einen Sonderrabatt von 30 Prozent auf die Preise der Premium Stellenanzeige. Um von diesem Angebot zu profitieren, melden Sie sich bitte direkt beim Ansprechpartner von MeineStadt. de und geben sich als Paritäter zu erkennen. Frank Stietenroth, meinestadt.de GmbH, frank.stietenroth@meinestadt.de, 0221 995 33 – 670 Mehr zum Rahmenvertrag des Paritätischen mit MeineStadt.de sowie zu anderen Rahmenverträgen finden Sie unter der-paritaetische.de/startseite/rahmenvertraege0

Tätigkeitsschwerpunkte/ Subject taughts: ·· Unterricht des Fachs Mathematik für Schüler/innen der 7. – 8. Klasse / Teaching Mathematics to 7.- 8. Grade students Voraussetzungen/ Required: ·· 1. oder 2. Staatsexamen oder gleichwertiger Abschluss / Teaching degree or equivalent ·· Muttersprache Englisch oder Deutsch| Native English or German speaker ·· Erfahrung mit Unterricht in der Sekundarstufe / Experience in teaching secondary school Bewerbungen/ Applications: Bitte bis zum 23. Dezember 2016 an: jones@pfefferwerk.de oder mit einem frankiertem Rückumschlag an: Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH Berlin Bilingual Secondary School z. H. Gemma Jones Rüdiger Str. 76, 10385 Berlin pfefferwerk.de/pfefferwerk/index.php/b1220 Lehrer/in French History or Geografie/Ethics Teacher von Berlin Bilingual School (Secondary) | Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH ab 1. Februar 2016 bis 31. Juli 2016 gesucht. Teilzeit / 15 – 91 Prozent je nach Unterrichtsfächer Vergütung: orientiert am TV-L B (Berlin public salary scale) Arbeitsort: Rüdigerstr. 76, 10365 Berlin Tätigkeitsschwerpunkte/ Subject taughts: ·· Unterricht in den Fächern Geschichte oder Geografie, Ethik und/oder Französisch* für Schüler der 7. – 10. Klasse / Teaching History, Ethics and/or French* to 7.-10. Grade students ·· *als Einzelfächer oder kombinierbar Voraussetzungen/ Required: ·· 1. oder 2. Staatsexamen oder gleichwertiger Abschluss / Teaching degree or equivalent ·· Muttersprache Englisch oder Deutsch| Native English or German speaker ·· Erfahrung mit Unterricht in der Sekundarstufe / Experience in teaching secondary school Bewerbungen/ Applications: Bitte bis zum 23. Dezember 2016 an: jones@pfefferwerk.de oder mit einem frankiertem Rückumschlag an: Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH Berlin Bilingual Secondary School z.H. Gemma Jones Rüdiger Str. 76, 10385 Berlin pfefferwerk.de/pfefferwerk/index.php/b1220 Dipl. Sozialarbeiter – Pädagoge oder gleichwertige Ausbildung (aus paritätischen Gründen
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

männlich) von »Quartal« | Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH ab 15. Januar 2016 gesucht Aufgaben: ·· »Quartal« – Unterstützung zur sozialen Integration von Jugendlichen und heranwachsenden (Intensiv) Straftäter*innen ·· Umfang: 29,25 Stunden pro Woche entsprechen momentan einer 75 %-Stelle ·· Vergütung: am TV-L B orientiert ·· Arbeitsort: »Quartal«, Florastr. 34c, 13187 Berlin Tätigkeitsschwerpunkte: ·· Einzelfallhilfe zur sozialen Integration von Intensivtätern mit Migrationshintergrund und/oder schwerer Mehrfachbelastung ·· niedrigschwelliger, begleitender, aufsuchender Arbeitsansatz ·· Kooperation und Vernetzung mit der Jugendbewährungshilfe Hinweise zur Bewerbung: Voraussetzung: ·· staatliche Anerkennung als Sozialarbeiter/Sozialpädagoge oder gleichwertige Ausbildung Wünschenswert: ·· Erfahrungen in der Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund und/oder in Multiproblemlagen ·· Interesse an der Arbeit mit »schwierigen« jungen Menschen (und ihren Familien) ·· Kenntnisse zum Jugendgerichtsgesetz und zur Arbeit der (Jugend)Bewährungshilfe ·· gute allgemeine Rechtskenntnisse (auch Ausländerrecht) von Vorteil ·· Interesse und Fähigkeit zur Umsetzung eines flexiblen Betreuungskonzeptes ·· sehr gute kommunikative Fähigkeiten ·· hohe Flexibilität und Belastbarkeit Bewerbung: Bitte (mit Rückporto) oder per E-Mail bis 15. Dezember 2015 an Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH Ulrike Klotz Einrichtungsleitung Quartal Mühlenstr. 21, 13187 Berlin Fon: (0)30.4 428454, Fax: (0)30.4 420842 klotz@pfefferwerk.de pfefferwerk.de/pfefferwerk/index.php/quartal Dipl. Sozialpädagogen/-arbeiter (m/w) 28 – 30 Std./Wo. von Tannenhof Berlin-Brandenburg e. V. ab 1. Januar 2016 gesucht für unsere intensivtherapeutische stationäre Einrichtung »Haus auf dem Hügel«, im Rahmen einer Mutterschutz- und Elternzeitvertretung

Stellenangebote
Sozialpädagoge/in für Kontaktstelle von vista gGmbH 1. Januar 2016 oder später gesucht Aufgaben: Die vista gGmbH sucht zum 1. Januar 2016 oder später eine/n MitarbeiterIn mit interkultureller Beratungskompetenz für die Arbeit mit Menschen mit Suchtproblemen. Unser Team der Kontaktstelle Confamilia freut sich auf engagierte Verstärkung mit Erfahrung im Bereich Beratung, der Anleitung von Gruppen und/ oder der Umsetzung kreativer Angebote. Die Stelle hat einen Arbeitsumfang von 29,25 bis 33,15 Wochenarbeitsstunden (75 – 85 Prozent RAZ) und ist zunächst auf ein Jahr befristet. Sie erwartet: ·· ein erfahrenes und interdisziplinäres Team ·· ein Kreativität und Innovationen förderndes Arbeitsumfeld mit vielseitigen Aufgabengebieten ·· qualitativ hochwertige, innovative und kultursensible Beratungsarbeit ·· Supervision und Fortbildungsmöglichkeiten Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann schicken Sie bitte Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen unter Angabe des Stichworts 15 – 32 per Post oder als PDF-Dokument per E-Mail an bewerbung@vistaberlin.de vistaberlin.de

Mathematiklehrer/in Mathematics Teacher von Berlin Bilingual School (Sekundarstufe | Secondary School) | Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH ab 1. Februar 2016 bis 31. Juli 2016 gesucht Umfang: Teilzeit / 31 – 41 Prozent Vergütung: orientiert am TV-L B (Berlin public salary scale) Arbeitsort: Rüdigerstr. 76, 10365 Berlin
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Zielgruppe: ·· Kinder im Grundschulalter, die temporär nicht zu Hause leben können und deren Beschulung in einer Regelschule zeitweilig nicht erfolgen kann. Tätigkeitsschwerpunkte: ·· Soziale Gruppenarbeit, individuelle Einzelförderung, Zusammenarbeit mit den Eltern nach systemischen Grundsätzen, Kooperation mit Jugendämtern, Schulen und verschiedenen Fachdiensten. Das bringen Sie mit: ·· abgeschlossene Berufsausbildung und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung (Zusatzqualifikationen sind erwünscht), Teamfähigkeit, Flexibilität, Engagement, Kooperationsfähigkeit mit beteiligten Fachdiensten. Ihre Aufgaben sind: ·· Absicherung der Versorgung und Begleitung von Kindern mit einem intensivtherapeutischen Betreuungsbedarf im Schichtdienst. Wir bieten: eine verantwortungsvolle Mitarbeit in einem multiprofessionellen Team, leistungsgerechte Entlohnung, Unterstützung bei Fort- und Weiterbildung sowie die Gewährung von Bildungsurlaub. Hinweise zur Bewerbung: Ihre Bewerbung erbitten wir per E-Mail (max. 5 MB) an bewerbung@tannenhof.de oder sie schicken Ihre Bewerbung per Post an: Tannenhof Berlin-Brandenburg e. V., Personalabteilung Meierottostr. 8 – 9, 10719 Berlin tannenhof.de

Ergotherapeut/in von Platane 19 e. V. ab sofort gesucht Wir suchen eine Ergotherapeut/in für 19,25 bis 28,875 Stunden/Woche (1/2 bis 3/4 Stelle, weitere Erhöhung nicht ausgeschlossen) für unsere Praxis für Ergotherapie. Die Praxis behandelt Klienten in folgenden Bereichen: Psychiatrie, Neurologie, Ortopädie, Geriatrie, Pädiatrie. Der Schwerpunkt liegt im Bereich Psychiatrie, Neurologie und Geriatrie. Zu Ihren Aufgaben gehören: ·· Aufnahme und Befunderhebung; Erstellen von Behandlungsplänen; Einzel- und Gruppentherapien, auch als Hausbesuch; Mitgestaltung bestehender und neuer Therapieangebote;organisatorische Tätigkeiten; Teilnahme an Teamsitzungen. Wir erwarten von Ihnen: ·· eine abgeschlossene Ausbildung als staatlich anerkannte/r Ergotherapeut/in; Interesse und Offenheit für die Arbeit mit unseren KlientInnen; Engagement, Motivation und Freude am Beruf; Bereitschaft zum selbständigen und eigenverantwortlichen Arbeiten im Team; grundlegende Kenntnisse im Umgang mit EDV-Anwendungen. Wir bieten Ihnen: ·· ein interessantes und vielseitiges Arbeitsfeld mit attraktiven Arbeitsbedingungen; qualifizierte Einarbeitung und Begleitung, regelmäßige Supervision und Teamsitzungen; umfangreiche interne und externe Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten; leistungsgerechte Bezahlung nach der internen betrieblichen Entgeltvereinbarung.

Hinweise zur Bewerbung: Die Stelle ist ab sofort zu besetzen. Sie ist vorerst auf ein Jahr befristet, eine nachfolgende Weiterbeschäftigung wird angestrebt. bewerbung@platane19.de platane19.de Bezugsbetreuung zur Anleitung und Betreuung von psychisch- und suchtkranken Menschen von FID Freundeskreis Integrative Dienste gGmbH ab sofort gesucht Die FID Freundeskreis Integrative Dienste gGmbH ist ein Träger der psychosozialen Pflichtversorgung in Spandau und sucht vorerst befristet, für mindestens 30 Std. pro Woche eine/n Mitarbeiter/in im Tagesdienst (Früh-Spät-Wochenende) für das Intensiv betreute Wohnen am Standort Radelandstraße. Qualifikationen: ·· Sozialarbeiter/in, Heilerziehungspfleger/in, Erzieher/in, Ergotherapeut/in oder andere angrenzende Berufsgruppen des sozialpädagogischen Bereichs. Wir erwarten: ·· abgeschlossene Ausbildung in den genannten Berufsgruppen des sozialpädagogischen Bereichs oder anderen angrenzenden Professionen. Gewünscht sind: ·· Erfahrungen in Arbeitsfeldern der Psychiatrie oder der Suchthilfe, ein besonderes Maß an Toleranz und Empathie, Einsatzbereitschaft und Interesse an Weiterentwicklungen. Wir bieten: ·· regelmäßige Teamsitzungen, Supervisionen und Fortbildungsmöglichkeiten

Beratung und Gemeinschaft für arabische Frauen – Al Nadi 

FOTO:AL NADI/NBHS

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PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

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Ihre aussagekräftige Bewerbung erbitten wir per E-Mail an: info@fid-spandau.de oder per Post an FID Freundeskreis Integrative Dienste gGmbH, Neue ­Bergstraße 6, 13585 Berlin. fid-spandau.de

Dozentinnen und Dozenten von vista gGmbH ab Januar 2016 gesucht vista ist ein gemeinnütziger Verbund für integrative soziale und therapeutische Arbeit mit dem Schwerpunkt Suchtarbeit. In unseren ABO-Projekten (Arbeit  – Bildung – Orientierung) bieten wir Menschen mit Suchtproblemen Qualifizierungskurse an. Für das Jahr 2016 suchen wir DozentInnen für die folgenden Kursformate: ·· EDV; Basiskenntnisse und Fortgeschrittene ·· Internet-Anwendungen; Basis und Fortgeschrittene ·· Kommunikationskurse (zum Beispiel Gewaltfreie Kommunikation) ·· Zusätzlich suchen wir DozentInnen für ·· Gesunde Ernährung ·· Kreatives Schreiben ·· Trommeln Unsere Kurse sind mit einem Umfang von jeweils 24 Stunden innerhalb von vier Wochen Laufzeit geplant. Erfahrungen mit Schulungen für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf setzen wir voraus. Zusätzlich zu den üblichen Bewerbungsunterlagen erwarten wir Angaben zu den Curricula der von Ihnen bereits durchgeführten Kurse. BewerberInnen für EDV- und Kommunikationskurse sollten über einen (Fach-) Hochschulabschluss, Bewer-

berInnen für die anderen Schulungen über angebotsrelevante Ausbildungen verfügen. Die Tätigkeit wird auf Grundlage der gültigen Honorarverordnung (HonV Ges) vergütet. Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann schicken Sie bitte Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen unter Angabe des Stichworts 15    0 per Post oder als –3 PDF-Dokument per E-Mail an: vista gGmbH Stichwort: Nr. 15 – 30 Donaustraße 83, 12043 Berlin oder bewerbung@vistaberlin.de vistaberlin.de Erzieher_in für unseren Ganztagsbereich »GrüneBirke« von FiPP e. V. ab sofort gesucht FiPP e.  . – Fortbildungsinstitut für die pädagogische V Praxis e. V. ist ein freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe mit rund 55 Einrichtungen und Projekten in neun Berliner Bezirken. Zu den Tätigkeitsfeldern gehören Kindertagesstätten, Ganztagsbereiche, Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, schulbezogene Projekte und Berufsorientierungsangebote. In unserem Ganztagsbereich an der Birkengrundschule in Spandau suchen wir ab sofort eine/n Erzieher_in für die pädagogische Arbeit im Rahmen des Offenen Ganztages. Die wöchentliche Grundarbeitszeit beträgt 30 Stunden. Nach Bedarf ist eine variable Arbeitszeit­ erhöhung möglich. Es erwartet Sie: ·· ein pädagogisches Konzept im Rahmen des Offenen Ganztags

·· regelmäßige Fortbildungsangebote und eine qualifizierte Beratung ·· eine offene Teamarbeit ·· ein gutes und wertschätzendes Betriebsklima ·· eine solide Bezahlung nach der Allgemeinen Vergütungsordnung des FiPP e. V. Voraussetzungen sind: ·· eine pädagogische Ausbildung mit staatlicher Anerkennung ·· wünschenswert ist eine Zusatzqualifikation zur/m FacherzieherIn für Integration ·· möglichst erste Erfahrungen und Fachkenntnisse für die Arbeit im Ganztagsbereich Die Aufgabenbereiche umfassen: ·· Planung und Realisierung der pädagogischen Arbeit im Offenen Ganztag ·· Zusammenarbeit im multiprofessionellen Pädagog_innen-Team Planung und Realisierung eigener Schwerpunktprojekte Im Rahmen einer auf Chancengleichheit ausgerichteten Personalpolitik nutzen wir die Vielfalt der Kompetenzen von Mitarbeiter_innen. Wir ermutigen ausdrücklich Interessent_innen mit Migrationshintergrund und/oder mit Behinderungen zur Bewerbung. Wir freuen uns auf Ihre aussagekräftige und vollständige Bewerbung unter Angabe der Kennung »GB GrüneBirke« per E-Mail (max. 3 MB) an: bewerbung@ fippev.de Wenn Sie die Briefform wählen, so legen Sie bitte einen ausreichend frankierten Rückumschlag bei, sofern eine Rücksendung erwünscht ist. Bitte senden Sie diese an: FiPP e.  . – Fortbildungsinstitut für die pädagogische V

Tanzgruppe des kurdischen Elternvereins Yekmal

FOTO: MARTIN THOMA

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Praxis, Frau Katja Klingbeil, Sonnenallee 223a, 12059 Berlin. fippev.de

·· und auch offen für flexible Arbeitszeiten sind (in Vertretung auch 24-Stunden-Dienste) dann bewerben Sie sich bei uns! Wir bieten Ihnen ·· die Gelegenheit, Ihr Engagement dort einzusetzen, wo es dringend benötigt wird ·· professionelle fachliche Begleitung und Supervision ·· vielfältige Fort- und Weiterbildungsangebote ·· sichere Arbeitsbedingungen ·· eine Ihren Aufgaben entsprechende Vergütung, Zulagen sowie eine zusätzliche betriebliche Altersversorgung. Ihre aussagefähigen Bewerbungsunterlagen senden Sie bitte an: bewerbung@kinderdorf-berlin.de oder: Albert-Schweitzer-Kinderdorf Berlin e. V. Weiter Blick 46, 14089 Berlin kinderdorf-berlin.de Psychologin / Psychologe mit Approbation von Platane 19 e. V. ab 1.1.2016 gesucht Wir suchen eine Psychologin / einen Psychologen mit Approbation für 28,875 Std/Woche (3/4-Stelle, Erhöhung nicht ausgeschlossen) für unser Tageszentrum (psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle und Beschäftigungstagesstätte). Zu Ihren Aufgaben gehören: ·· Beratung und Information bei psychosozialen Krisen, psychischen Erkrankungen oder Lebenskrisen ·· Durchführung von integrierten psychotherapeutischen Leistungen

ErzieherIn 30 – 37,5 Stunden für Familienwohngruppe in Berlin Spandau von Albert-Schweitzer-Kinderdorf Berlin e. V. ab sofort gesucht In unseren 19 Kinderdorffamilien betreuen und fördern wir Kinder und Jugendliche, die längerfristig nicht in ihren Herkunftsfamilien leben können. Die Familienwohngruppen verstehen sich als Lebens- und Erziehungsgemeinschaften, in denen die Hausleitung mit bis zu sechs Kindern und gegebenenfalls ihren eigenen Familienangehörigen ständig innewohnt. Unterstützung leisten zwei hinzukommende Erzieher/innen und eine Hauswirtschaftskraft. Zum Standort Gatow gehören sechs Kinderdorffamilien. Die Mitarbeiter/innen dort stehen in kollegialem Austausch und unterstützen sich gegenseitig. Als Erzieher/in fördern Sie in enger Abstimmung mit der innewohnenden pädagogischen Fachkraft die individuelle und soziale Entwicklung der Kinder und gestalten gemeinsam den familiären Alltag. Wenn Sie ·· eine abgeschlossene Ausbildung als Erzieher/in mit staatlicher Anerkennung oder einen Studienabschluss Bachelor in Erziehung im Kindesalter oder Soziale Arbeit haben ·· Freude an der Arbeit mit Kindern unterschiedlichen Alters mitbringen ·· die kontinuierliche Beziehungsarbeit in einer familiär strukturierten kleinen Gruppe schätzen ·· ein langfristiges Engagement wünschen

·· personenzentrierte Hilfeplanung (BRP) und Umsetzung der Hilfen ·· alltagsorientierte Begleitung und Unterstützung der KlientInnen im Rahmen der Bezugsbetreuung ·· Gestaltung und Begleitung des tagesstrukturierenden Angebotes (Gruppen- und Einzelaktivitäten) Wir erwarten von Ihnen: ·· ein abgeschlossenes Studium der Psychologie ·· Approbation nach dem Psychotherapeutengesetz ·· Interesse an der Arbeit mit Menschen mit psychischen Errankungen ·· Empathie und gute kommunikative Fähigkeiten ·· Bereitschaft zum selbständigen und eigenverantwortlichen Arbeiten ·· Freude am Arbeiten im Team ·· grundlegende Kenntnisse im Umgang mit EDV-Anwendungen. Wir bieten Ihnen: ·· ein vielseitiges Arbeitsfeld mit hohem Gestaltungsspielraum ·· eine qualifizierte Einarbeitung, regelmäßige Supervision, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten Hinweise zur Bewerbung: Die Stelle ist ab 1. Januar 2016 zu besetzen. Sie ist vorerst auf ein Jahr befristet, eine nachfolgende Weiterbeschäftigung wird angestrebt. Bewerbungen per Mail: bewerbung@platane19.de oder schriftlich (bitte mit Rückumschlag): Platane 19 e. V. , Gierkezeile 5, 10585 Berlin platane19.de

Bildung als Schlüssel zur Integration

FOTO: BMBF / HANS-JOACHIM RICKEL

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Berlin-Spandau: Erzieher*in (Vollzeit) für FRÖBEL-Kindergarten »Seeburger Straße« gesucht von Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH ab sofort gesucht 80 fröhliche bewegungsfreudige Kinder und ein engagiertes Team freuen sich auf Sie! Wir suchen für unseren Fröbel-Kindergarten »Seeburger Straße« in Berlin-Spandau mit einer Arbeitszeit von 40 Wochenstunden eine*n Erzieher*in. Der Kindergarten »Seeburger Straße« wurde im August 2013 neu eröffnet und ist gut an den öffentlichen Stadtverkehr angebunden (Bus, S-Bahn, Regionalbahn). Auf einer großzügig ausgebauten Etage bietet unser Haus den Kindern viel Platz zum Spielen und Toben. Mit einer modernen Bewegungslandschaft unterstützen wir durch Spiel und Sport die gesunde Entwicklung der Kinder. Betreut werden 80 fröhliche und lebendige Kinder von einem dynamischen, engagierten Team. Die Erzieherinnen und Erzieher werden in ihrem pädagogischen Alltag von der Leitung und der Fachberatung unterstützt und begleitet. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Kindergartens und per Telefon. Sie verfügen über fundiertes pädagogisches Fachwissen und eine staatliche Anerkennung als Erzieher*in oder einen Studienabschluss als Kindheitspädagogin bzw. Kindheitspädagoge. Erste Berufserfahrungen sind von Vorteil. Sie arbeiten gerne im Dialog mit anderen und begeistern sich für die Themen der Kinder. Sie sind motiviert, Ihre eigenen Ideen zu verwirklichen. Wir suchen Bildungsexpertinnen, Beziehungsgestalter, Seelentrösterinnen, Spielpartner, Ermutigerinnen, Sprachvorbilder, Elternbegleiterinnen und Teamplayer, die Lust haben, Kindern eine sichere Basis zu bieten,

von der aus sie die Welt entdecken können und die sich dafür einsetzen, dass Kinder – egal welcher Herkunft oder Familiensprache – gleiche Bildungschancen bekommen. Wir bieten Ihnen ·· stetige fachliche Qualifizierung ·· die Chance, eine Fach- oder Führungskarriere einzuschlagen ·· den Fröbel-Haustarifvertrag mit einer attraktiven betrieblichen Altersvorsorge und tariflich gesicherten Vorbereitungszeiten ·· eine professionelle Organisation und Unterstützung in allen Fragen der pädagogischen Arbeit durch unsere regionalen Fachberatungen ·· die Möglichkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren Sind Sie neugierig auf uns geworden? Dann freuen wir uns, Sie kennen zu lernen. Richten Sie Ihre Bewerbung bitte an Barbara Kohrt (Einrichtungsleiterin), Tel.: 030 31 16 89 89 seeburger-berlin@froebel-gruppe.de oder per Post an FRÖBEL-Kindergarten »Seeburger Straße«, Seeburger Str. 9 – 11, 13581 Berlin Informieren sie sich auch über Fröbel als Arbeitgeber auf Facebook: facebook.de/FroebelKarriere froebel-gruppe.de/jobs-karriere/jobs/news-single-jobs/ artikel/erzieh

Bereich der ambulanten Hilfen zur Erziehung §§ 29, 30, 31 KJHG. Voraussetzung sind Sprachkenntnisse in einer der folgenden Sprachen: türkisch, rumänisch, bulgarisch, serbokroatisch, kurdisch, albanisch sowie ein Studienabschluss als Sozialpädagoge/in bzw. eine vergleichbare Qualifikation. Wir bieten die Mitarbeit in einem erfahrenen und interkulturell gemischten Team, fachliche Begleitung, regelmäßig Supervision und Fortbildungen. Bei Interesse senden Sie bitte Ihre Bewerbung (per Mail oder Post) an: AspE e. V. Ambulante sozialpädagogische Erziehungshilfe e. V. zu Hd. Frau Thome Brusendorfer Straße 20 12055 Berlin oder info@aspe-berlin.de aspe-berlin.de Sozialpädagogische Familienhilfe von InterKÖrmet e. V. ab 1. Januar 2016 gesucht Wir suchen für den Bereich Hilfen zur Erziehung / sozialpädagogische Familienhilfe zwei engagierte und qualifizierte Fachkräfte m/w, (je 30h/ Woche) Aufgaben: individuell gestaltete sozialpädagogische Beratung und Begleitung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien nach §§ 30, 31, 35a SGB VIII, Erarbeitung und Umsetzung von Hilfeplanzielen gemeinsam mit Eltern, Kindern und jungen Heranwachsenden, Erstellung von Fachberichten und Dokumentation sowie Kooperation mit KollegInnen von Jugendämtern und anderen Institutionen

Fachkraft für ambulante Erziehungshilfen von AspE e. V. ab sofort gesucht AspE e.  . , Träger der Jugendhilfe in Berlin-Neukölln, V sucht engagierte Mitarbeiter/innen für die Tätigkeit im

„Knirpsenbude“ ist zertifizierte YoBEKA©-Kita

FOTO: PFEFFERWERK STADTKULTUR GGMBH

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Wir bieten Ihnen: ·· regelmäßige Team- und Fallsupervision, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Bezahlung in Anlehnung an TVöD, ein gutes Betriebsklima sowie flexible Arbeitszeiten Wir erwarten: ·· ein abgeschlossenes Studium der Sozialen Arbeit oder Psychologie, ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten und Bereitschaft zur Co-Arbeit und einschlägige Berufserfahrung und fundierte Fachkenntnisse. Eine systemische Zusatzqualifikation wäre wünschenswert Bewerbungen unter Angabe von Gehaltvorstellungen und des frühestmöglichen Eintrittstermins an: InterKÖrmet e. V., Mühlenstr. 2, 13187 Berlin oder per E-Mail an sfb@interkoermet.de Ansprechpartner: Birgit Gasche & Sibylle Ramin: 030 98 33 32 61 interkoermet.de Fachkraft mit Migrationshintergrund von Telefonseelsorge Berlin e. V. ab 1. Januar 2016 gesucht Die Telefonseelsorge Berlin e. V., seit 60 Jahren ein angesehener und erfolgreicher sozialer Träger, startet ein neues Projekt. Für den Aufbau einer Beratungsstelle für Suizidhinterbliebene suchen wir möglichst bald eine Fachkraft mit Migrationshintergrund für 19,5 Stunden, Vergütungsgruppe TV-L E11, 2, (zunächst befristet für 3 Jahre). Ihre Aufgaben sind: ·· gemeinsam mit Projektleitung, Therapeutischer Fachkraft und Geschäftsführung

·· organisatorischer und fachlicher Aufbau der Beratungsstelle ·· Auswahl, Ausbildung und Supervision von Ehrenamtlichen ·· persönliche Beratung von Angehörigen von suizidalen Menschen und Suizidhinterbliebenen ·· Vernetzung mit dem psychiatrischen Versorgungssystem Berlins ·· Öffentlichkeitsarbeit für die Beratungsstelle ·· Mitarbeit an Tagungen, Veranstaltungen und Gremien Sie sollten mitbringen: ·· Empathie, soziale Kompetenz und Lust auf Teamarbeit ·· Freude am Aufbau einer neuen Einrichtung ·· einen Studienabschluss in einem psychosozialen Fach ·· Beratungs- oder Therapieausbildung ·· Berufserfahrung im psychosozialen Bereich ·· möglichst Türkisch und/oder Arabisch als Muttersprache, gutes Deutsch ·· eine gute schriftliche und verbale Ausdrucksfähigkeit ·· Kenntnisse  in Büro- und Kommunikationstechnik ·· einen guten Ausdruck in Wort und Schrift Bitte bewerben Sie sich mit den üblichen Unterlagen postalisch oder elektronisch hier: Telefonseelsorge Berlin (Konfliktberatung – Suizdverhütung) e. V. - Neues Projekt – Nansenstraße 27, 12047 Berlin mail@telefonseelsorge-berlin.de telefonseelsorge-berlin.de

Koordinator/in für Schulkooperation an der 33. Grundschule sowie von Mittelhof e. V. ab sofort gesucht. Für unsere Schulkooperation an der 33. Grundschule suchen wir ab sofort eine_n Koordinator_in, (30 bis 39 h) Ihr Aufgabenbereich: ·· Mitarbeit in der Organisation und Konzeption der ergänzenden Förderung und Betreuung ·· enge Zusammenarbeit mit Schule ·· Planung und Organisation der pädagogischen Arbeit ·· Elternarbeit ·· Kooperation und Vernetzung im Träger ·· Kooperation und Vernetzung in der Region ·· Öffentlichkeitsarbeit ·· Zusammenarbeit mit Behörden wie Jugendamt etc. Wir erwarten: ·· Leitungserfahrung, pädagogische Ausbildung ist erforderlich ·· Interesse an der Zusammenarbeit mit Schule ·· Verbindlichkeit in Team-, Träger- und sozialräumlicher Gremienarbeit Wir bieten: ·· Zusammenarbeit mit motivierten Kolleg_innen und Ehrenamtlichen ·· regelmäßige Fortbildungen ·· Vernetzung in Träger, Region und mit anderen Institutionen in der Region ·· Gestaltungsspielraum in einem sich weiterentwickelnden Konzept ·· extern begleitete Teamentwicklungsprozesse und Leitungssupervision ·· persönliche Weiterentwicklung im Träger

Diskussionsrunde beim Vernetzungstreffen „Paritätisches Flüchtlingsengagement“

FOTO: PETRA ENGEL

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Aussagekräftige Bewerbungsunterlagen bitte in digitaler Form an jobs@mittelhof.org oder in die Verwaltung zu Händen Frau Scharatow, Mittelhof e. V., Königstraße 42/43 14163 Berlin Für Fragen steht Ihnen Frau Schmidt gerne unter 030 80 19 75 – 28 zur Verfügung. Wenn Sie die Briefform wählen, so legen Sie bitte einen ausreichend frankierten Rückumschlag bei, sofern eine eventuelle Rücksendung erwünscht ist: Mittelhof e. V., Frau Scharatow, Königstr. 42 – 43, 14163 Berlin. mittelhof.org Einrichtungsleitung für Schulkooperation in Lichterfelde von Mittelhof e. V. ab sofort gesucht Leitung für einen Freizeitbereich an einer Grundschule in Lichterfelde-Ost gesucht (zunächst 30 h; nach Einarbeitung 39 h; unbefristet) Die Leitungstätigkeit beinhaltet: ·· Organisation und Konzeption des Ganztages ·· Zusammenarbeit mit Schule ·· Planung und Organisation der pädagogischen Arbeit ·· Elternarbeit ·· Qualitätsentwicklung ·· Kooperation und Vernetzung im Träger ·· Kooperation und Vernetzung in der Region ·· Öffentlichkeitsarbeit Wir erwarten: ·· Leitungserfahrung ·· Interesse an der Zusammenarbeit mit Schule ·· Verbindlichkeit in Team-, Träger- und sozialräumlicher Gremienarbeit Wir bieten: ·· Zusammenarbeit mit hoch motivierten Kolleg_innen und Ehrenamtlichen ·· regelmäßige Fortbildungen ·· sehr gute Vernetzung in Träger, Region und mit anderen Institutionen in der Region Gestaltungsspielraum in einem sich weiterentwickelnden Konzept Aussagekräftige Bewerbungsunterlagen bitte in digitaler Form an jobs@mittelhof.org oder in die Verwaltung zu Händen Frau Scharatow, Mittelhof e. V., Königstraße 42/43 14163 Berlin Für Fragen steht Ihnen Frau Schmidt gerne unter 030 80 19 75 – 28 zur Verfügung. Wenn Sie die Briefform wählen, so legen Sie bitte einen ausreichend frankierten Rückumschlag bei, sofern eine eventuelle Rücksendung erwünscht ist: Mittelhof e. V., Frau Scharatow, Königstr. 42 – 43, 14163 Berlin mittelhof.org Diplom-SozialpädagogIn/-SozialarbeiterIn von Synergetik e. V. ab 1.1.2016 gesucht Im Bereich des Betreuten Gruppenwohnens für ehemals Drogenabhängige nach abgeschlossener Therapie gem. §§ 67, 68 ff. SGB XII suchen wir zum 01. Januar 2016 eine/n Diplom-SozialpädagogIn/ SozialarbeiterIn in Vollzeit. Aufgaben: ·· Erstgespräche, Einzel- und Gruppengespräche ·· Erstellen von Kostenübernahmeanträgen, Hilfeplänen, Dokumentation etc.
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·· Krisenintervention ·· Kooperationen mit Sozialämtern, Arbeitsagenturen, Jobcenter, Schulen etc. Voraussetzungen: ·· Belastbarkeit ·· Flexibilität ·· Empathie ·· Selbstständiges Arbeiten ·· Kenntnisse/Berufserfahrungen im Suchtbereich wären wünschenswert Wir bieten eine interessante Tätigkeit in einem kleinen engagierten Team, regelmäßige Fort- und Weiterbildungsangebote sowie eine leistungsgerechte Vergütung. Hinweise zur Bewerbung: Bei Interesse bewerben Sie sich bitte bis spätestens zum 15. Dezember 2015.   synergetik-ev.de sabine.weiss@syfa-ev.de Küchenhelfer/in (m/w) vom Tannenhof Berlin-Brandenburg gGmbH ab sofort gesucht Der Tannenhof Berlin-Brandenburg ist ein freier gemeinnütziger Träger. Über 290 Mitarbeiter sind in den Geschäftsfeldern Sucht- und Psychosomatische Rehabilitation, Prävention und Beratung, Kinder-und Jugendhilfe sowie Schul- und Berufsausbildung tätig. Unsere Angebote umfassen dabei über 470 Therapie-, Betreuungs-, Ausbildungs- und Schulplätze und werden komplettiert von Beratungsangeboten und Präventionsprojekten. Jährlich werden zudem ca. 4.100 ambulante Therapieeinheiten in Berlin und etwa 4.900 Einheiten in Brandenburg geleistet. Wir suchen zur Verstärkung unserer Küchenteams im Zentrum für Gesundheit & Rehabilitation und der DRV-anerkannten stationären Therapieeinrichtung »Die Pfalzburger« in Berlin-Wilmersdorf im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung vorerst bis zum 30.4.2016 befristet ab sofort eine Küchenhilfe (m/w). Die Arbeitszeit beträgt maximal bis zu 52,9 Stunden im Monat. Aufgaben: ·· Ausgabe der Mittagsmahlzeiten, Reinigungsarbeiten im Küchenbereich, Einhaltung der HACCP Richtlinien, Kontrolle und Überwachung der Reinigungsfirma im ZGR, Zusammenarbeit mit dem Küchenteam und dem Küchenleiter Pfalzburger, Unterstützung der Leitung des ZGR in allen Belangen der Hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, Einhaltung des OM Konzeptes des Trägers Voraussetzungen: ·· Berufserfahrung als Küchenhilfe, selbstständiges Arbeiten, Zuverlässigkeit und Arbeitsmotivation sowie Teamfähigkeit, Schichtbereitschaft, Gesundheitspass. Der THBB bietet eine leistungsgerechte Entlohnung und unterstützt Fort- und Weiterbildung. Für Fragen steht Ihnen Herr Schade gerne zur Verfügung, Tel. 030 76 49 25 – 42 Hinweise zur Bewerbung: Ihre Bewerbung erbitten wir per E-Mail (max. 5 MB) an bewerbung@tannenhof.de oder sie schicken Ihre BePARITÄTISCHER RUNDBRIEF

werbung per Post an: Tannenhof Berlin-Brandenburg gGmbH, Personalabteilung, Meierottostr. 8 – 9, 10719 Berlin tannenhof.de

Stellengesuche
Erzieher in berufsbegleitender Ausbildung (2. Jahr) sucht ab März 2016 Ausbildungsplatz im Jugendbereich oder der Behindertenhilfe Ich arbeite als Erzieher (m, 40 Jahre) in berufsbegleitender Ausbildung seit August 2014 in der Kita im Elementarbereich und möchte nun ab März 2016 für die noch kommenden eineinhalb Jahre in den Jugendbereich oder die Behindertenhilfe wechseln. Ich bin sehr zuverlässig, selbständig, kreativ und kommuniziere mit allen Menschen in meiner Umgebung stets auf Augenhöhe. In der Jugendarbeit habe ich Vorerfahrung als ehrenamtlicher Mitarbeiter sammeln können. Meine Schultage sind Mittwoch und Donnerstag, ich stehe also Montag, Dienstag und Freitag für die Arbeit zur Verfügung. Ich freue mich sehr über alle Antworten. E-Mail:bonni@riseup.net

Heilerziehungspfleger für Wohnstätte / Tagesstätte / Werkstatt für behinderte Menschen / Psychiatrie männlich, 48 Jahre alt, bietet Ihnen eine Tätigkeit als Heilerziehungspfleger an. Ich habe bereits Erfahrungen mit beeinträchtigten Kindern und mit behinderten Erwachsenen gesammelt. Zudem war ich 5 Jahre Gruppenleiter einer Tagesstätte. Ich arbeite ehrenamtlich in der Kirche, leite Kindergottesdienste und war im Bereich der Seelsorge, Familie und Management verantwortlich. Aufgrund privater Erwägungen plane ich einen Umzug nach Berlin. Ich freue mich auf Ihre Einladung. Diamantis, Athanasius sakidiamantis@yahoo.de Telefon: 0160 802 73 91

Psychologin / Sozialpädagogin für Beratungsstelle oder Psychiatrie Ich bin verfügbar ab: 1.2.2016 Ich suche zum 1. Februar 2016 eine Stelle als Psychologin oder Sozialpädagogin in einer psychosozialen Beratungsstelle, gern EFB, SPZ, Klinik (auch Sozialdienst) o. ä. Ich habe langjährige Erfahrungen in Beratung und therapeutischen Interventionen im Psychiatriebereich und in der Erziehungsberatung. Zusatzausbildungen in systemischer FT, Suchttherapie und DBT sind vorhanden. Darüber hinaus Entwicklungspsychologische Beratung für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern. Die Arbeitszeit sollte im Bereich von 30 Std. liegen. Ich freue mich über jedes Angebot. Rosanna Rösler mitti.rosen@web.de Telefon: 0176 44 42 15 40

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Sachbearbeiterin/Verwaltungsangestellte Ich bin verfügbar ab: sofort Nach einer dreijährigen Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten konnte ich dieses Wissen im Studium der öffentlichen Verwaltungswirtschaft vertiefen. Nach mehrjähriger Berufserfahrung und ehrenamtlicher Tätigkeit im Ausland suche ich eine Stelle in der Verwaltung. Schlundt, Lisa Lisa.Schlundt@gmx.de

Projektentwickler Erzieher Coach Berater usw Ab Mitte November bin ich unter anderem verfügbar als: Erzieher, Coach, Trainer – Berater -Projektentwickler- zum Beispiel Kita Gründung – Erfahrungen in der sozialen Arbeit und Unternehmen Suchen Sie Lösungen oder einen neuen Kollegen? Tageweise oder Vollzeit ? In einem persönlichen Gespräch, können weitere Inhalte angesprochen werden. Sprechen Sie mich an... Schach, Frank fschach@posteo.de Telefon: 0176 63 43 66 75

Staatlich anerkannte Erzieherin, mit Weiterbildung zur Fachberaterin für Psychotaumatologie Staatlich anerkannte Erzieherin, mit Weiterbildung zur Fachberaterin für Psychotaumatologie, sucht neuen Wirkungskreis. Arbeitsfelder und Schwerpunkte meiner bisherigen Arbeit: ·· Offene Therapiestation(KJP),stationäre Regelwohngruppe ·· Fachlich fundierte und individuelle Begleitung von Kindern und Jugendlichen unter anderem mit ADHS, Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen, Essstörungen, Posttraumatischer Belastungsstörung, Depressionen, Angst-und Zwangsstörungen, Autismus, sowie Leitungsaufgaben innerhalb meiner Tätigkeit als stellvertretende Stationsleitung. Eine intensive Elternarbeit, mit zum Teil psychisch erkrankten Eltern und die vernetzte, kooperative Zusammenarbeit mit Jugendämtern und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe ·· Soziale Gruppenarbeit: Soziales Kompetenztraining, Theatergruppe, Generationengarten, Skillstraining im Rahmen der DBT, Elterngruppe. ·· Freiberufliche Dozentin zu den Themengebieten: Borderline/ Psychotraumatologie, Soziales Kompetenztraining und Elterntraining. Was ich suche: ·· Ich kann mir sowohl die Arbeit mit Jugendlichen/ Adoleszenten, als auch mit Erwachsenen vorstellen. Insbesondere möchte ich in die Bereiche soziale Gruppenarbeit und Beratung/ Begleitung mehr Gewichtung legen und meine beruflichen Kompetenzen ebenso einbringen können, wie meine Kreativität und meine Freude, neue Projekte zu initiieren und/ oder mitzugestalten. ·· Von einem ganzheitlichen Menschenbild ausgehend, arbeite ich mit Klienten und deren Angehörigen respektvoll, wertschätzend, motivierend, systemisch denkend, ressourcen- und zielorientiert. Dabei ist es mir wichtig Menschen im Kontext ihrer Lebenswirklichkeit zu verstehen, ihre bisherigen Bemühungen als Lösungsversuche zu respektieren und mit ihnen gemeinsam nach neuen Handlungsstrategien und Perspektiven zu suchen. ·· Ich schätze eine offene, kollegiale Zusammenarbeit in einem voneinander lernenden, motiviertem Team; bringe mich ebenso gerne ein, wie ich aus den Erfahrungen von Kollegen profitieren kann. Sollte ich Ihr Interesse geweckt haben, würde ich mich über ein persönliches Gespräch sehr freuen und alle weiteren benötigten Unterlagen nachreichen. Anna_Wasio@web.de

tige Tätigkeit als Sozialarbeiterin sehr nützlich sind. Während meines Studiums habe ich weiterhin Kontakt zu Familien und Kindern, da ich nebenbei als Babysitterin bei mehreren Familien fest tätig bin. Durch die beiden Praktika, innerhalb des Studiums, konnte ich einige Erfahrungen im Bereich der Beratung sammeln. Mein erstes Praktikum absolvierte ich im Familienzentrum Zusammenwachsen Berlin, mein Praxissemester bei Frauenzimmer e. V. Berlin. Beide Praktikas beinhalteten unter anderem die Arbeit mit Familien und / oder Müttern und ihren Problemlagen. Eine begleitende und unterstützende oder auch beratende Tätigkeit in der Arbeit mit Familien sehe ich als logische Weiterentwicklung meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit als Erzieherin. Zu meinen Stärken zähle ich, Menschen in all ihren Unterschieden und Befähigungen anzunehmen und sie somit darin zu unterstützen, ihr eigenes Potential optimal zu entfalten. Mit Eltern pflege ich stets einen ehrlichen und vertrauensvollen Umgang, worauf mir immer ein hohes Maß an Wertschätzung entgegen gebracht wird. Zudem bringe ich Zuverlässigkeit, Flexibilität, Reflexionsfähigkeit mit. Ich kann selbständig arbeiten, bin belastbar und sehr gut organisiert. In neue Tätigkeitsbereiche kann ich mich sehr gut einarbeiten und bin bereit neues dazu zu lernen. Kruse, Tina tinakruseberlin@gmail.com

Pflegeberaterin Ich bin verfügbar ab: 1.1.2016 Ich bin examinierte Altenpflegerin mit Weiterbildung zur Pflegeberaterin. Erfahrung habe ich unter anderem mit allgemeinen Tätigkeiten im Büro Pflegedienst, Formularwesen, Patientendokus, Pflegevisiten, Erstbesuchen, Feststellung des Pflegebedarfs und Beratungseinsätzen nach Paragraph 37. Gerne sende ich Ihnen meine Bewerbungsunterlagen zu. Paulina Wiedemann de Pachas paulinawiedemann@hotmail.de

Soziologin Ich bin verfügbar ab: sofort Soziologin mit Erfahrungen in psychosozialer Betreuung, Verwaltung, Organisation von Veranstaltungen und Kongressen sowie Personalführung und Finanzverantwortung sucht interessante Aufgabe. voigt.nadja@web.de

Technische Betreuung / »Messiehilfe« Ich bin verfügbar ab sofort! Als Freiberufler oder auf Minijobbasis im Bereich Sozialbetreuung Haushalt &. Technik Ich biete eine kostenlose, persönliche Beratung und Abhilfe für die zweckmäßige Organisation von Haushalt und Wohnraum. Erforderlich spätere Entsorgung unnützer Dinge nach sorgfältiger Absprache mit Kostenvoranschlag. Eine dauerhafte Betreuung für technische- und handwerkliche Probleme ist möglich. Henke, Jörg-Gösta info@machwerk-dienste.de Telefon: 030 76 21 29 54

Lehrer/Dozent/Unternehmensberater/Coacher Ich bin verfügbar ab sofort von Migranten bis Akademikern – biete Unternehmensberatung, Coaching, Projektbegleitung, Unterricht. Dipl.-Jurist Alexander Wernitz a.wernitz@directbox.com Telefon: 0173 647 34 12

Gesundheits- und Pflegemanagerin QMB/ PDL/ Trainee illewisch@gmail.com Telefon: 0176 46 19 87 76

Sozialarbeiterin (B.A.) Teilzeit, Familien, Beratung, Begleitung Ich bin verfügbar ab sofort Anfang November 2015 beendete ich mein Studium Sozialer Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Jetzt bin ich auf der Suche nach einer Tätigkeit als Sozialarbeiterin. Vor meinem Studium arbeitete ich insgesamt 14 Jahre als Erzieherin in unterschiedlichen Bereichen und hatte schon immer intensiven Kontakt zu Familien und deren Fragestellungen, Ressourcen und Problemen. In vielen Elterngesprächen und Hausbesuchen konnte ich bereits viele Erfahrungen sammeln, die mir für meine zukünfPARITÄTISCHER RUNDBRIEF

Trauerbegleitung /-beratung Ich bin verfügbar ab: 1.1.2016 Nach abgeschlossenem Studium der Sozialen Arbeit (BA) und zehnjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit als Sterbebegleiterin suche ich nun in diesem Bereich meine berufliche Zukunft und Verwirklichung. Kossakowski, Veronika v.kossakowski@gmx.de

Pflegehilfskraft Ich bin verfügbar ab: sofort Hochmotivierter Flüchtling mit Qualifikation für Altenpflegeassistenz und sehr guten Deutschkenntnissen (B 2) sucht Arbeitsstelle im Raum Berlin, Potsdam oder LK Dahme-Spreewald El Raof, Ismaeel elraofm@yahoo.com Telefon: 0157 54 45 59 12
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Dozent für Spanisch, Arabisch, Englisch und Deutsch für Flüchtlinge Ich bin verfügbar ab sofort Doktor der Spanischen Philologie, Forscher, Schriftsteller, Dozent für mehrere Sprachen, Dolmetscher. Suche ab 4 Stunden Arbeitsmöglichkeit. Auch auf Honorarbasis oder Privat, Deutschland Welweit, Ausland kein Problem Dr.Marhun mdrmushreq@yahoo.com Telefon: 0176 41 75 31 75

Im Kinderzimmer der Flüchtlingsunterkunft

FOTO: UNIONHILFSWERK LANDESVERBAND BERLIN E. V.

Paritätisches Bildungswerk
Landesverband Brandenburg e. V.
Informationen zu den aufgeführten Veranstaltungen erhalten Sie beim Paritätischen Bildungswerk LV Brandenburg e.V., Stephensonstraße 24-26, 14482 Potsdam, Telefon: 0331 748 18-75; Fax: 0331 748 18-77. Alle Veranstaltungen finden in den Räumen des Paritätischen Bildungswerks Brandenburg in Potsdam statt. Unser neues Bildungsprogramm für 2016 ist da! Sie können dieses beim Paritätischen Bildungswerk kostenlos anfordern oder über unsere Homepage bildung-paritaet-brb.de abrufen. Anmeldungen sind auf unserer Homepage direkt möglich. Für Fragen erreichen Sie uns unter: 0331 748 18 75 oder pbw@bildung-paritaet-brb.de.

Januar 2016 Weiterbildung zur/zum Praxisanleiter/in im heilerziehungspflegerischen und heilpädagogischen Berufsfeld – Zertifikatskurs–| Kurs.-Nr.: 16 - 703 | 11. Januar 2016 | 860 Euro Praktisches Arbeitsrecht | Sem.-Nr.: 16 - 128 | 15. Januar 2016 | 110 Euro Das Mitarbeitergespräch | Sem.-Nr.: 16 - 101 | 20. – 21. Januar 2016 | 180 Euro Entbürokratisierung der Pflegedokumentation SIS | Sem.-Nr.: 16 - 602A | 26. – 28. Januar 2016 | 290 - 435 Euro je nach Teilnehmerzahl Lebensmittelhygiene mal ganz einfach und verständlich – Leitlinie für eine gute Lebensmittel-hygienepraxis inklusive HACCP | Sem.-Nr.: 16 - 500 | 27. Januar 2016 | 100 Euro Aktivitäten und Freizeitprojekte mit Menschen mit Demenz | Sem.-Nr.: 16 - 6 42 | 28. Januar 2016 | 95 Euro Gehirn- und Körperintegration bei Menschen mit schweren Behinderungen| Sem.-Nr.: 16 - 704 | 29. Januar 2016 | 95 Euro
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Februar 2016 Die Bedeutung einer sexualpädagogischen Konzeption | Sem.-Nr.: 16 - 705 | 09.-10. Februar 2016 | 180 Euro Darf es sonst noch was sein? Serviceverhalten in der Pflege und Betreuung | Sem.-Nr.: 16 - 603 | 10. Februar 2016 | 95 Euro »Lassen Sie uns doch bitte sachlich bleiben!«- Missverständnisse und deren Ursachen | Sem.-Nr.: 16 - 201| 11. – 12. Februar 2016 | 180 Euro Krisen und Krisenintervention im Feld der ambulanten Psychiatrie | Sem.-Nr.: 16 - 826 | 15. Februar 2016 | 95 Euro Entbürokratisierung der Pflegedokumentation SIS | Sem.-Nr.: 16 - 6 40 | 15. – 17. Februar 2016 | 290  – 435 Euro je nach Teilnehmerzahl Ernährung und Psyche - Essen zwischen Kopf und Bauch | Sem.-Nr.: 16 - 801 | 16. Februar 2016 | 95 Euro Onlineberatung - neue Perspektiven für die Praxis | Sem.-Nr.: 16 - 202A | 22. Februar 2016 | 100 Euro
PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

Fachbetreuer/in für Autismus -Basisqualifikation | Kurs-Nr.: 16 - 700 | 22. Februar – 14.06.2016 | 840 Euro Bildungsprozesse im künstlerischen Tun des Kindes | Sem.-Nr.: 16 - 900 | 22. – 23. Februar 2016 | 170 Euro Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Demenz - wahrnehmen, verstehen, handeln | Sem.-Nr.: 16 - 604 | 23. Februar 2016 | 95 Euro Notwendige Rechtskenntnisse für den ehrenamtlichen Vorstand| Sem.-Nr.: 16 - 102 | 24. Februar 2016 | 100 Euro Praxisanleiter/in im sozialpädagogischen Berufsfeld – Impulsseminar – | Sem.-Nr.: 16 - 901 | 25. – 27. Februar 2016 | 130 Euro »Schlagfertigkeit«- stets die richtigen Worte finden | Sem.-Nr.: 16 - 103 | 25. – 26. Februar 2016 | 210 Euro Refresher-Kurs für Betreuungskräfte nach § 87b | Sem.-Nr.: 16 - 605 | 29. Februar – 01. März 2016 | 180 Euro
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Telefonverzeichnis des Paritätischen Berlin
Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin Brandenburgische Str. 80 10713 Berlin Telefon: 	030 8 60 01 0 Fax: 	 030 8 60 01 110 info@paritaet-berlin.de paritaet-berlin.de

Name John, Prof. Barbara Abend, Ronald Adler-Goerick, Sabine Bodrow, Margita Böckel, Sabine vom Bußler, Anett Drees, Heike Engel, Petra Fried, Stefanie Gaudszun, Claudia Grof, Martina Groß, Heike

Bereich / Funktion Vorstandsvorsitzende Catering Verwaltungsleitung Stiftungsmittel Drittmittel Mitgliederdatenbank Ref. Suchthilfe/Gesundheit/HIV, Aids Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Ref. Kinder und Kitas Ref. Kinder und Kitas Catering Sekr. Menschen mit Behinderungen, Soziales / SGB XII, Straffälligen- und Opferhilfe, Schuldner- und allgemeine Sozialberatung Beirat für Zusammenhalt / Geschäftsstelle beim Paritätischen Stiftungsmittel Sekr. Geschäftsführung / Aufnahmen Ref. Kinder und Kitas / Schule Empfang Ref. Schulbezogene Jugendhilfe/Bundeskoordination Jugendsozialarbeit Zuwendungsberatung Ref. Straffälligen- und Opferhilfe, Schuldnerund allgemeine Sozialberatung Geschäftsführer Sekr. Jugendhilfe/Schulbezogene Jugendhilfe Empfang Stv. Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Ref. Menschen mit Behinderungen Finanzbuchhaltung Sekr. Geschäftsführung Stv. Geschäftsführerin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Ref. Soziales / SGB XII Ref. Jugendhilfe Ref. Familie, Frauen, Mädchen Ref. Migration Sekr. Kinder & Kitas/Schule Drittmittel / Praktikanten Personal / Organisationsberatung Sekr. Migration / Familie, Frauen, Mädchen / Suchthilfe / Gesundheit / HIV Aids Personalverw. (Sprecht. Mi)

Telefon -182 -105 -112 -125 -121 -154 -168 -107 -178 -179 -105 -172

Fax

Mail -260 john@paritaet-berlin.de -110 abend@paritaet-berlin.de -240 adler-goerick@paritaet-berlin.de -210 bodrow@paritaet-berlin.de -240 boeckel@paritaet-berlin.de -240 bussler@paritaet-berlin.de -220 drees@paritaet-berlin.de -140 engel@paritaet-berlin.de -220 fried@paritaet-berlin.de -220 gaudszun@paritaet-berlin.de -110 grof@paritaet-berlin.de -210 gross@paritaet-berlin.de -140 hambura@paritaet-berlin.de -210 helbig@paritaet-berlin.de -260 herchner@paritaet-berlin.de -220 hoyer@paritaet-berlin.de -110 info@paritaet-berlin.de -220 kriebel@paritaet-berlin.de -210 lange@paritaet-berlin.de -210 meyer@ paritaet-berlin.de -260 menninger@paritaet-berlin.de -220 mohr@paritaet-berlin.de -110 info@paritaet-berlin.de -140 peretz@paritaet-berlin.de -210 pohl@paritaet-berlin.de -240 riesmeier@paritaet-berlin.de -260 rose-kotsch@paritaet-berlin.de -260 schlimper@paritaet-berlin.de -140 schmid@paritaet-berlin.de -210 schoedl@paritaet-berlin.de -220 schulz@paritaet-berlin.de -220 selinger@paritaet-berlin.de -220 spoehr@paritaet-berlin.de -220 stoll@paritaet-berlin.de -240 wachholz@paritaet-berlin.de -260 wanke@paritaet-berlin.de -220 wehner@paritaet-berlin.de -240 personalbuero@paritaet-berlin.de

Hambura, Jan Helbig, Christiane Herchner, Claudia Hoyer, Martin Köppe, Brigitte Kriebel, Elvira Lange, Bettina Meyer, Irina Menninger, Oswald Mohr, Sabina Mokanska, Ewa Peretz, Nina Pohl, Ulrike Riesmeier, Yvonne Rose-Kotsch, Petra Schlimper, Dr. Gabriele Schmid, Rita Schödl, Regina Schulz, Andreas Selinger, Evelyn Spöhr, Holger Stoll, Sandra Wachholz, Chris Wanke, Hans-Jürgen Wehner, Lisa Personalbüro

-333 -145 -102 -161 -200 -166 -124 -188 -104 -165 -200 -123 -155 -113 -103 -108 -183 -171 -162 -176 -177 -163 -127 -186 -169 -135

Tagungsraum E.04: -117 | Tagungsraum E.05: -118 | Tagungsraum E.06: -119 | Tagungsraum 1.14 -274 | Tagungsraum 5.04: -115 | Keller: -196

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PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

November / Dezember 2015

Referate Ambulante Pflege und Hospize Stationäre Pflege und Altenhilfe Psychiatrie/Queere Lebensweisen
Name Kalla, Karina Lüderitz, Alke Mettin, Beate Panka, Dr. Christiane Reumschüssel-Wienert, Christian Zobel, Dr. Oliver Bereich / Funktion

Telefon: 	030 8 60 01 0 Fax: 	 030 8 60 01 550

Kollwitzstraße 94–96 10435 Berlin

Telefon 030 8 60 01 0

Mail -500 kalla@paritaet-berlin.de -556 luederitz@paritaet-berlin.de -503 mettin@paritaet-berlin.de -502 panka@paritaet-berlin.de -555 reumschuessel@paritaet-berlin.de -501 zobel@paritaet-berlin.de

Sekr. Stationäre Pflege und Altenhilfe, Sekr. Ambulante Pflege und Hospize Sekr. Psychiatrie/Queere Lebensweisen Ref. Amb. Pflege und Hospize Pflegequalität Ref. Psychiatrie/Queere Lebensweisen Ref. Stationäre Pflege und Altenhilfe

Geschäftsstelle Bezirke

Telefon: 	030 8 60 01 0 Fax: 	 030 8 60 01 660
Bereich / Funktion
Stv. Leiterin der Geschäftsstelle Bezirke, Bezirksbeauftragte für Neukölln, Tempelhof-Schöneberg und Treptow-Köpenick Sekretariat Bezirksbeauftragte für Pankow und Spandau Leiterin der Geschäftsstelle Bezirke, Bezirksbeauftragte für Steglitz-Zehlendorf IT-Verantwortlicher, Bezirksbeauftragter für LichtenbergHohenschönhausen, Marzahn-Hellersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg Bezirksbeauftragte für Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte und Reinickendorf

Kollwitzstraße 94–96 10435 Berlin
Telefon 030 8 60 01 0 Mail

Name
Friebe, Melanie Hanjohr, Simone Hilla-zur Horst, Renate Jeglinski, Anne Pleyer, Markus Zagidullin, Anna

-613 friebe@paritaet-berlin.de -600 hanjohr@paritaet-berlin.de -619 hilla@paritaet-berlin.de -601 jeglinski@paritaet-berlin.de -623 pleyer@paritaet-berlin.de -617 zagidullin@paritaet-berlin.de

Telefonverzeichnis der Paritätischen Akademie
Paritätische Akademie Berlin gGmbH | Tucholskystr. 11 | 10117 Berlin
Standort Brandenburgische Str. 80, 10713 Berlin Wanke, Hans-Jürgen (Geschäftsführung) Tucholskystr.11, 10117 Berlin Brosk, Ariane Brömer, Johanna Dreyer-Weik, Heidemarie Gallander, Stefanie Kant, Ina López Illescas, Isabel (Sekretariat) Poggemann, Judith Raumbuchung/Catering Steinmetz, Susanne Thurner, Rudi Wagner, Dr. Stephan Yüksel, Dilek Name Telefon / Fax Fax: 8 60 01 240 8 60 01 186 Fax: 27 59 41 44 275 82 82-25 275 82 82-13 275 82 82-15 275 82 82-26 275 82 82-28 275 82 82-12 275 82 82-27 275 82 82-18 275 82 82-14 275 82 82-16 0172-391 81 19 275 82 82-17 brosk@akademie.org | finanzen@akademie.org broemer@akademie.org dreyer-weik@akademie.org gallander@akademie.org kant@akademie.org paritaetische@akademie.org | lopez@akademie.org | info@akademie.org poggemann@akademie.org raumbuchung@akademie.org steinmetz@akademie.org thurner@akademie.org wagner@akademie.org | sfw@sozkult.de yueksel@akademie.org wanke@paritaet-berlin.de Mail

November / Dezember 2015	

PARITÄTISCHER RUNDBRIEF

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ParitaetBerlin paritaet-berlin.de
        
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