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Periodical volume

Full text: Der Extra-BVGer online in der ver.di Issue 2

BVGer online Extra

1. Jahrgang

2. Ausgabe

Juli 2009

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BVGer
Chaos bei der S-Bahn…
…titelten die Boulevardblätter vor einigen Tagen. Was war denn da geschehen? Zunächst sollten wir aber den Begriff „Chaos“ einmal definieren. Das Chaos (griechisch χάος, cháos) bedeutet wörtlich es so viel „unendliche Leere“ und bezeichnet umgangssprachlich einen Zustand vollständiger Unordnung. Aber was hat denn einen Zustand bei unserer S-Bahn verursacht, der solch eine Bezeichnung verdient? Kurzfristig angeordnete Sicherheitsüberprüfungen haben zu Ausfällen und langen Wartezeiten auf fast allen Linien geführt. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hatte angeordnet, dass 380 Wagen der modernsten Baureihe 481 sofort aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Insgesamt 190 Viertelzüge wurden noch nachts aus dem Verkehr genommen. In den Folgetagen waren immer noch 170 von insgesamt 632 Viertelzügen der S-Bahn stillgelegt - und die Auswirkungen auf den Fahrplan damit erheblich. Dabei war das nun eingetretene Chaos doch absehbar. Massiver Personalabbau, der Verlust von Fachleuten und die Schließung von Werkstätten, einhergehend mit der Verschrottung von fahrfähigen Fahrzeugen; alles um Kosten zu sparen und Gewinne zu maximieren.

Der

in der

die Internetzeitung für die Mitarbeiter im Nahverkehr in Berlin und Brandenburg

1. Jahrgang - 2 Ausgabe - Juli 2009

So hat die Tochter S-Bahn im letzten Jahr ganze 56 Millionen € Gewinn an die Mutter Deutsche Bahn überwiesen. Vergessen wir nicht: die S-Bahn Berlin GmbH ist eine 100%ige Tochter der Deutschen Bahn, einem Staatsbetrieb, der koste es was es wolle, an die Börse will / soll. Anstatt nun Ursachenforschung zu betreiben und erkannte und bekannte Missstände zu beheben ergehen sich die Lokalpolitiker darin, wie man denn die S-Bahn nun „bestrafen“ könne und das S-Bahn Management darin dies abzuwehren. Dabei wird doch nur deutlich, dass heutzutage eben Profit vor Sicherheit geht. Nur traut sich das wohl keiner zu sagen. Das ist eben der eigentliche Missstand in einer von Gewinnmaximierung getriebenen Gesellschaft mit kompetenzschwachen Politikern und verantwortungslosen Managern als Handlanger für Anteilseigner. Wie kann man das Chaos nun beseitigen? Ausschreiben? Privatisieren? Oder doch Betrieb in öffentlicher Hand ? Die öffentliche Meinung ist dabei erstaunlich einhellig. Hier nur einige Zitate von Berlinern aus den Medien:

BVGer online Extra ist eine Veröffentlichung der Redaktion BVGer online. „Der BVGer online“ ist ein Informationsblatt des Fachbereich Verkehr Berlin-Brandenburg der Gewerkschaft ver.di Herausgeber: Landesbezirksfachbereich Verkehr, Köpenicker Str. 30, 10179 Berlin, http://verkehr.bb.verdi.de/der_bvger

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1. Jahrgang

2. Ausgabe

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Alle Privatisierungen der letzten Jahre brachten nur Nachteile für die Nutzer und Verbraucher. Eine Grundversorgung der Bürger mit POST, BAHN und anderen lebensnotwendigen Systemen muss weiterhin eine staatliche Domäne bleiben . Im Übrigen wäre UNSERE Post, UNSERE Bahn auch etwas Greifbares, wo der Bürger den Staat noch positiv wahrnehmen könnte, viel "Staatsverdrossenheit" entsteht auch deshalb, weil "der Staat" nicht mehr be-greifbar ist im täglichen Leben. Die S-Bahn sollte öffentlich werden. Zwar scheint die Bahn ein Staatsbetrieb zu sein, aber die Börsenganggeilheit der vergangenen Jahre hat ungeahnte Verwüstungen über die Bahn gebracht. Wer die S-Bahn durch verschiedene Betreiber nach Ausschreibung betreiben lassen will, sollte sich mal ansehen, in welches Chaos die vormals staatlichen britischen Eisenbahnen getrieben sind und wie es im U-Bahn-Verkehr in London aussieht, wo vor einiger Zeit einer der diversen Betreiber pleite ging und die Stadt die Linie wieder übernehmen musste. Die S-Bahn sollte von einem Berliner Unternehmen betrieben werden. Da bietet sich die BVG an, die nach 1984 die S-Bahn im Westteil der Stadt betrieben hat, und also eine gewisse Erfahrung vorweisen kann. Für alles gibt es ja Gesetze. Wenn wegen der mangelnden Sicherheit erforderliche Prüfungen bei der SBahn nicht stattfinden, müsste doch der § 315a Strafgesetzbuch greifen: Ge-

fährdung des Bahn-, Schiffs- und Luftverkehrs (1) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer ... ein Schienenbahnfahrzeug … führt ,... oder als sonst für die Sicherheit Verantwortlicher durch grob pflichtwidriges Verhalten gegen Rechtsvorschriften zur Sicherung des Schienenbahn-, …-verkehrs verstößt und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet. Wo Vertragsstrafen nicht helfen, geht es vielleicht mit Geld- oder Freiheitsstrafen. Festzuhalten bleibt, dass die Kollegen bei der S-Bahn ihren Dienst im Rahmen der Möglichkeiten, die man ihnen lässt, sicher genauso gewissenhaft verrichten, wie es auch die Mitarbeiter bei der BVG, oder anderer Verkehrsunternehmen tun. Festzuhalten bleibt, dass vieles im Nahverkehr nur noch aufgrund von Eigenmotivation, eigenen Anspruch der Mitarbeiter an die Bewältigung ihrer Aufgabe für die Bürger läuft. Festzuhalten bleibt, dass das Management mit dem Wissen darum arbeitet und damit immer mehr Leistung aus immer weniger Personal, bei immer schlechteren Bedingungen quetscht. Festzuhalten ist, dass es so es nicht weitergehen kann und dringendes Handeln von allen gesellschaftlich Verantwortlichen, ja von jedem von uns gefordert ist, damit so ein Chaos nicht alltäglich wird.
Der Name des Autors dieses Artikels ist der Redaktion bekannt. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes müssen wir aber leider auf eine Nennung verzichten. Die Redaktion

BVGer online Extra ist eine Veröffentlichung der Redaktion BVGer online. „Der BVGer online“ ist ein Informationsblatt des Fachbereich Verkehr Berlin-Brandenburg der Gewerkschaft ver.di Herausgeber: Landesbezirksfachbereich Verkehr, Köpenicker Str. 30, 10179 Berlin, http://verkehr.bb.verdi.de/der_bvger
        
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