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IV. Das Werden des "Berlinischen"

Full text: Berlinisch / Lasch, Agathe (Public Domain)

noch zu scheiden, doch müssen wir sicher für die Gruppe ä/t^) hie neuentwickelte Aussprache schon zu seiner Zeit, in unserer Über, gangszeit, ansetzen, wenn man auch orthographisch die alte Scheidung damals (und für die Zukunft) bewahrte. Aber eben um die Zeit des Austausches, die wir hier behandeln, war im Obersächsischen jener Lautwandel eingetreten, der für ein norddeutsches Ohr, das an scharfe Scheidung von ä und t gewöhnt war stein : dm, zehn: dein Kap. 111.89) ein aspiriertes, intensiv eingesetztes t sprach, einen Unterschied von ä und t kaum mehr erfaßbar machte. Der neuberlinische Zusammenfall von hd. 6 und t (äaußent, hd. tausend, nd. düsent) : ciein (hd. dein, niederdeutsch dm) ist (vgl. Kap. VI B 20 eben dadurch ausschlaggebend beeinflußt worden, daß der Berliner in jener Zeit der Aufnahme einen Unterschied 6/t obs. nicht mehr ausreichend wahrnahm. — Ob auch b/p schon zu dem Mittellaut zwischen b und p geworden waren, wird sich bei der Seltenheit des p, das nur in Fremdwörtern vorkam, nicht mit gleicher Sicherheit entscheiden lassen, obwohl es wahrscheinlich ist. Die damals sehr verbreiteten „Pau(e)r, Pusch, Paum" sind auch in berl. Texten des 16. Ihd. zu finden. Für die Sprechformen, von denen „Puschel, Puckel" fest geblieben sind, mag aber im 17. Ihd. vielleicht noch ein anderes Element hinzugekommen sein (s. S. 86). Wir brechen hier ab, denn schon diese kurze Zusammenstellung ergibt die engen Beziehungen. Man hat das Berlinische immer wieder als Mischform charakterisiert, die einen als hd. und pd., die andern als pd. mit hd. Spuren, allen galt es jedenfalls als mehr oder weniger regellose Sprechform, die bald aus der einen, bald aus der anderen Quelle schöpfte, wenn man neben mein .- Bteen*), neben ttauß: Zoom"), neben „schlafen, laufen, helfen, Dorf"*) zwar die gleichen berlinischen Formen (obzwar lootdn mit anscheinend nd. Vokal), aber dann wieder neben „Tropfen, Strumpf, Kopf": Oroppen, ätrump, Kopp, anscheinend rein nd. Wörter, fand. Man hat bei solcher Beurteilung immer nur das einzelne Wort ins Auge gefaßt; das einzelne Wort aber kann entlehnt sein (s. u. ik, det, Töle), kann eine Sondergeschichte haben (z. B. Proppen), und will man von ihm aus Prinzipielles herleiten, so führt es leicht *) Nd. mm, Bten, KÜB, böm; Mpen, löpen, kelpen, vorp.
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