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IV. Das Werden des "Berlinischen"

Full text: Berlinisch / Lasch, Agathe (Public Domain)

Klassen — schon hochdeutsche Städte, die ihr Hochdeutsch aus den benachbarten Gebieten gewonnen hatten, so daß auch hier wie in dem Hauptvermittlungsort Leipzig vornehmlich ostmitteldeutsches Hochdeutsch in Frage kam. Fragt man, wo die vorzüglichste Verkehrsader liegt, wohin die Reisen den Kaufmann, den Stu, denten führen, so ist es vor allem immer wieder neben Frankfurt Leipzig. Hier lernt der Berliner sein Hochdeutsch praktisch. Das beobachteten auch die Zeitgenossen. Der Hamburger Domherr Albertus Kranz schon berichtet in seiner „Saxonia", Köln 1520, bedauernd daß die Märker (gemeint sind die Berliner) in Obersachsen meißnisch annehmen *). Leipzig gehört zum osimitteldeutschen Sprachgebiet, und zwar zur obersächsisch-meißnischen (enger zur osiländisch-meißnischen) Gruppe^), die wir hier kurz geographisch durch die Städte Leipzig im Süden Chemnitz, im Osten Dresden, Meißen bestimmen. Es ist das dem östlichen Niederdeutschen nächst erreichbare hochdeutsche Gebiet, das für alle Teile des niederdeutschen Landes stets so sehr das Hochdeutsche repräsentierte, daß der Niederdeutsche für Hoch, deutsch einfach „nusnisch" (meißnisch) sagte und bezeichnend lebt dies Wort gegenwärtig in der Form „Missingsch" fort (mit einem kleinen Lautwandel, der durch Anlehnung an miBBinß (Messing) erklärlich ist"), mit wohlversiändlicher Bedeutungsentwicklung jetzt das verunglückte Hochdeutsch des Niederdeutschen bezeichnend. — In Handel, Recht, Verkehr war für die Klassen, die tätig führend daran teilnahmen, wie wir sahen, durch die Verschiebung der Interessenpunkte, durch neue Verhältnisse, die sich seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entwickeln, die Notwendigkeit hochdeutscher Sprachkenntnisse stärker fühlbar geworden. Auch in Berlin selbst haben sich neue Bedingungen ergeben: die Schranken, die man zwischen sich und den fremden Hofleuten gern errichtet sah, als deren wichtigste man vielleicht die Sprachverschiedenheit schätzte, durch die die Stammesverschiedenheit betont war, wurden nicht länger aufrecht erhalten. Im ausgehenden 15. Jahrhundert haben sich die Verhältnisse stärker ausgeglichen. Wohl ist noch im *) in Buperiol-i Zaxonia WBnenBibuB veri 3axoneB (d. i. die nd. Märker, im besonderen die Berliner) linZuam coaptant. lib. I cap. I.
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