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III. Berlinische Sprachgeschichte bis zum 16. Jahrhundert

Full text: Berlinisch / Lasch, Agathe (Public Domain)

Ausspracheform, Lewinßer Seilwinder, Seiler, Kinder, unßekinßert, dan^eiun^e. Charakteristisch ist die Schreibung ßlmße, ßiinßäe für den Ortsnamen Glinde (Glindow bei Werder) oder ein umgekehrtes Xlynäenderß (Name Klingenberg), weil man gewöhnt ist, ge, Hortes yß durch nä wiederzugeben. Dies yß < nä, ll < lä teilt unser Gebiet wieder mit den preußischen Kolonialgruppen und mit den Gruppen an der niederdeutschchochdeutschen Grenze z. B. Wal, deck, d. h. wieder mit den unter mitteldeutschem Einfluß siehenden Gruppen, wie denn auch die mitteldeutschen Nachbardialekte das gleiche yß kennen. Anm. Ausfallend ist es, daß Friedrich Wilhelm I. häufig ng für nd schreibt (s. Kap. VI § 27). Zwischen n-z-, l s tritt ein phonetisch leicht erklärbarer Übergangs, Verschluß ein, ä: keläa < keläer (kelcls < kelz-) Keller; äaläa < äaläer < äalz- Taler. Hierdurch erklärt sich auch die Vorsilbe äer- für er- (äervur erfuhr im zweiten Absatz unseres Textes), ä entwickelt sich zwischen dem -n eines vorhergehenden Wortes und dem reduzierten s-: >vi kebben erkaren > keddenäz-varen. Derartige Formen sind uns auch heute noch nicht fremd. In Friedrichs des Großen Briefen lesen wir z. B. ßeäonäert gedonnert, vonäerätack. § IN. p, t, lc. Diesen entsprechen in hochdeutscher Schriftsprache meist Spiranten, s. 0. S. 50 A.: punt Pfund, appel Apfel, köpen hoffen, Biapen schlafen, sckap Schaf, Btrump Strumpf. Hochdeutsch dialektisch freilich sind die Lautverteilungen nicht überall die gleichen wie in der Schriftsprache. Gerade diese Beobachtung wird sich als wichtig für die Geschichte des Neu, berlinischen erweisen, tein zehn, eten essen, deren heißen, ilc >vet ich weiß, äat, jünger äet, das. Anm. Der Absatz des Verschlusses hinter n oder 8 wird in allen hoch, deutschen und niederdeutschen Dialekten häufig als t cl fixiert: <^e man, jemand, nerßent < nerven. Vgl. neuberlinisch anäaBt anders, emt, ebent eben. Die hochdeutsche Lautverschiebung des k > ck hat in unserer Schriftsprache nur im Inlaut und Auslaut, nicht im Anlaut Geltung, hier stimmt also das niederdeutsche und das hochdeutsche K zusammen :
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